\rt. 38 S°>»i»ie»d, 11. Mai. 1872 Erscheint»ochentlich 2 mal in Letpzi». «estellungm neyu-.en alle Postanstalten»nd Buchhand- lungen de» In- und Au»- laudcs cm. Kü- Leipzig nehme« Bestellungen an: die Expedition� Hohe Str. 4. L. Bebel. PeterSstr. IL, F. Thiele, Smilienßr. L. «bonueWMttpretö: Für Prenßm inrl. Stempel- steuer 17 Ngr., für die übrigen deutschen Staaten lii�Ngr. per Quartal per Mouat 4>/, Ngr. für Leipzig und Um- gegend per Quartal 13 Ngr ziliolerpedition für die Aer» «tnigtM Staateu: ¥. A. Sorge, Boi 101 Hoboken N.J. vUNewyork Organ der sozial-demokratischkn Arbeiterpartei und der Internationalen GewerKsgenossenschasten. Abonuemeuts auf de»„Bolksstaat" für die Monate Mai und Juni ü 4'/� Sgr. pr. Mouat werden bei allen Pvstanstalteu, für Leipzig bei der Expedition Hohestratze 4, wie Petersftraße Nr. 18, 1 und bei Kolporteur Müller, für die Umgegend Leipzigs bei den Ktlialexpedtttoueu in Voltmarsdorf, Plag- Witz eutgegeugeuommeu. Die Expedition des„Bolksstaat." Zur iuteruationaleu�Reactiouswtrthschaft. Aus Brüssel schreibt man der Redattion des„Voltsstaat": „Die Sozialdemokratie hat keine Grenzen. Ich habe also die Gewißheit, daß Sie den Protest eines Französischen Com- muneflüchtlings gegen die Maßregelungen, denen er selbst und viele seiner Brüder in Belgien ausgesetzt sind, bereitwillig der Oeffentlichkeit überliefern werden. Diejenigen von uns welche, um Frankreich verlassen zu können, sich eines falschen Passes bedienen mußten, sind verhaftet, der Fälschung angeklagt, in Zellen gesperrt und schließlich in fängnißwagen außer Lands transportirt worden Viele Andre sind gleich mir brutal ausgetrieben worden, durch einfache Polizeiverfüzung, ohne daß irgend eine andre Anklage als die der Betheiligung an der Commune-Bewegung, gegen sie vorgebracht worden wäre. Alle Flüchtlinge sind den täglichen Vorladungen, Besuchen und Chikanen der Polizei-Commissare und Agenten ausgesetzt. Der Einfluß von Versailles, die per sönliche Feindschaft des Versailler Gesandten in Brüssel, Ernst Picard, genügen nicht zur Erklärung dieser elenden Willkühr. Der Haß der Pfaffen und Bourgeois, ein wahrhaft kosmopo lilischer Haß, erbarmungslos wuthend gegen die Vorkämpfer der Gerechtigkeit in den sozialen Beziehungen, kann allein stark genug sein, um zu solch schmachvollen Verletzungen des Asyl- rechts aufzustacheln. »,Wir akzeptiren diesen Haß ruhig, verachtungsvoll, welche Form er auch annehme. Er ehrt uns, und wir wissen, daß wir ihn erdrücken werden. Aber es ist Pflicht, unsere Brüder, die Proletarier der Erde, von seinen neuen Anstrengungen� seinen neuen Verbrechen in Kenntniß zu setzen. Gruß niit Bruderschaft Henry Gausseron, Jnstruktionsrichter der Commune von Paris, 28 Lue 6'or, Brüssel. Von morgen an: 15 Ryder's-Street, Court Koad, London." Wir wundern uns über keine Infamie der Belgischen Musterregierung, bei welcher sich zu der jeder Klassenherrschaft eignen Brutalität und Heuchelei noch die ekelhafteste Bedienten haftigkeit gesellt. Die Emigration der Commune macht nur dieselben Erfahrungen wie alle frühern Emigrationen. Hatte die Brüsseller Polizei doch 1848 die Schaamlosigkeit, sich selbf: an der Frau eines deutschen Flüchtlings zu vergreifen! Unser Parteigenosse Cuno, dessen schmachvolle Maßrege- lung durch die italienischen und sonstigen internationalen Read tions-Behörden wir neulich meldeten, schreibt unS: Rachstehenden Brief empfing ich heute aus Mailand und übersetzte ich denselben sofort für Eie, damit es bekannt werde. >vie erbärmlich feige die Mailänder Polizei gegen uns verfährt der Brief lautet: Mailand, den 29.«pril 1872. Lieber Bruder! Nach Deiner Arretirung wurden Danieli, Mercadante und ich unausgesetzt überwacht. Einen Monat darauf wollte es das Unglück, daß in unserer Schule zu St. Celso eine Brandstif- tmig versucht wurde. Letztere« trug sich so zu: Eines Morgens fand der Diener des Cabinette» für Agri- cultur-Ehemie in den Zimmern des betreffenden Professors alle Gashähne, ungefähr 69 Stück, geöffnet; sofort rappvrtirte er das Factum der Direction und diese schickte sogleich nach der Polizei, welcbe letztere den Verlust von 399 Cubik-Meter Gas constatirle. Sofort wurde angenommen, daß dies eine schlau angelegte Brandstiftung sei, und daß der Thäter genaue Local- kenntnissc haben müsse, weil neben jedem Gashahn ein Wasser- Hahn sich befindet, von letzterem aber keiner geöffnet war. Um die rechtzeitige Erplosion hervorzurufen, warm 2 Flammen an- gezündet. Es erfolgte das Unglück jedoch nicht, weil die Kappe des Kamin« offen, und so dem GaS ein Abzug frei gelassen war.(Man sieht: die Polizei ist schlau! Anmerkung des Ueber- setzers.) Ich versichere Dich, daß, wenn eine Explosion erfolgt wäre, die halbe Schule in die Luft geflogm wäre, weil über den betreffenden Zimmern das Cabinet für organische Chemie liegt, und letzteres mit erplodirenden Stoffen ganz vollgepfropft ist. Acht Tage nach diesem Vorfall wurde Mercadante(Assistent in der organ. Chemie und Mitglied der Internationale. Aniner- kilng(des Ueberfetzers.) arretirt, 3 Tage nach Mercadante's Arrest wurden Danieli, La Bella, Testine und Crispo(Studenten. A>"»- dtS Ueberfetzers) zur Quästur(Polizei) geladen,— Destini wurde gefragt, ob er der Internationalen angehöre, was er bejahte. Du w-�st sagen, daß dies seine Pflicht war, ich behaupte das Gegenteil. W-nn die Organe der Polizei loyale Menschen wären, so könnte man iffen ihnm gegenüber treten, weil uns das Recht zur Seite steht; diese Menschen aber Ver- räther und nichtswürdige ÄewalUh.-er sind, so müssen sie mit jesuitischer Schlauheit behandelt werden. Ich Hab es Dir oft genug gesagt, man darf diese Hallunken nicht gmerös behandeln, aber sowohl Du wie die Andern habt nicht gehört. In der That, was ich gefürchtet, trat ein; 2 Tage darauf spazierte ich mit Testini in der Gallerie,(Hauptvergnügungsort in Mailand) als zwei verkleidete Qnästur-Diencr sich unS näherten und Testini arretirten. Man untersuchte sein Zimmer, fand aber nichts. Unterdeß kanc Ostern heran und Danieli befand sich seit 3 Tagen im Schocß seiner Familie zu Verona. Er war von hier nach dort abgereift in der Meinung, daß Du nicht mehr in Verona seiest, denn der Commissar De Vecchi hatte uns dies vorgelogen. Ich aber erfuhr aus Deinem Briefe an Gondolfi, daß Du noch in dm Kerkern von Verona gehalten wurdest, schrieb daher sofort an Danieli, daß er Dich besuchen möge. Er lief dann von Herodes nach Pilatus um eine Er- laubniß, Dich besuchen zu können, zu erhalten, jedoch vergebens aus diesein Grunde telcgraphirte er mir, ich möchte Crlaubniß beim Staatsanwalt in Mailand nachsuchen. Weißt Du aber was ich zurück telegraphiren mußte? Daß die Spione ihn über all suchten, und daß er nach Oesterreich flüchten solle. Er aber vertraute auf seine Schuldlosigkeit und wurde 2 Tage nachher in Verona aretirt, um nach Mailand geschleppt zu wer- den. Man wollte auch CriSpo arretiren und hielt dieser sich deshalb tagelang verborgen, und nur durch die Vermittelung einiger ihm bekannten jungen Damen wurde er auf freiem Fuße gelassen. Danieli hätte es ebenso machen können, aber jetzt hat man ihn in ein elendes Loch geworfen, so daß er ganz krank geworden ist! Ich hatte mich schon darauf gefaßt gemacht. ein gleiches Schicksal zu erleiden, aber da ich nicht zur Gesell schaft von S. Domiano gehörte,(Ein Club von ehemaligen Carbonari und Garibaldinern. Anmerkung des Ueberfetzers) und unser Director für mich eingenommen ist, geschah nun nichts. Die Untersuchung, die sich sofort auf alle Studenten unserer Hochschule erstreckte, hat auch nicht ein einziges Jndi cium gegen unsere Brüder aufgefunden, so daß von einem Pro zesse keine Rede sein kann! Natürlich! Sie sind an dieser fingst- tm Brandstiftung so unschuldig wie ich, wie Du und wie alle anderen außer der Polizei und ihren Helfershelfern. Um nun ihren Zweck vollständig zu erreichen, d. h. unsere Leute„un schädlich" zu machen und ihre Carriöre zu zerstören, hat die Polizei den Minister des Unterrichtes von der Sache unter- richtet, und dieser hat die Internationalen relegirt.— Daß diese Polizei-Jntrigue es nur darauf abgesehen hatte, die In- ternationale in Mailand zu unterdrücken, liegt wohl klar genug auf der Hand, besonders aber wollte man auch der Bourgeoisie zeigen, daß die Internationalen nur darauf sinnen,„Alles in Brand zu stecken." Auch wird die ganze Sensationsgeschichte wohl darauf berechnet sein, im Parlament eine Dismssion über die Internationale provociren zu können, damit daraus ein Ge- setz wie in Frankreich sich entpuppe! Trotz aller Verfolgung und trotz aller dieser niederträch- tigcn Streiche besteht unsere Section fortwährend, und halten die Mitglieder mannhaft fest, auch kommen jede Woche neue Mitglieder, so daß wir binnen Kurzem den„Hammer"(„Mar- tello" unser dortiges Organ. Anmerkung des Ueberfetzers! wieder werden in Bewegung setzen können......... Empfange einen Gruß von allen Brüdern und Arbeitern an unserer großen Sache und behalte lieb Deinen Freund Angelo....... Zu commentiren braucht man den Brief wohl nicht, die Thatsachen sprechen für sich selber. Zu bemerken ist noch, das! die gemaßregelten jungen Leute durchaus keine gefährlichen Geister oder eifrige Agitatoren sind, und daß sie nur im Gehirn der aufgeregten und feigen Polizei als solche spukten, weil sie per- sönlich mit mir verkehrten, daß wir alle zusammen dicht bei einander wohnten und überall unzertrennlich waren; weil also ich als so überaus gefährlich erschien, mußten diese meine näheren Bekannten es ebenfalls sein. Meine Eingabe an das„Reichskanzleramt" habe ich ge- macht mit der Forderung, daß man mich, w nn man mir mein Recht nicht verschaffen und die Sache nicht streng untersuchen wolle, als Berläumder der Italienischen Regierung, speciell des Minister« Lanza und des Ouästor Cossa, belangen solle. Düsseldorf, den 3. Mai. Th. Cuno. III. Auch da« kleine Zaunkönigreich Dänemark hat der Ver- üchung nicht widerstehen können, mit einzuspringen in den in- ternationalen Reaktionsreigen. Wie ein Telegramm aus Copen- Hagen besagt, wurde daselbst eine von den Mitgliedern der Internationalen auf vorigen Sonntag anberaumte Versammlung, „als die öffentliche Ruhe und Sicherheit gefährdend," Polizei- lich verboten, und in der Nacht vom 4. auf 5. d. M. vier Mitglieder der Internationalen verhaftet: der Redakteur des „Sozialisten," Pio, und drei Vorstandsmitglieder des Arbeiter- Bereins. Wir danken der Copenhagner Regierung für den Dienst, den sie unserer Sache in Dänemark leistet! Die Männer der Commune wußten zu kämpfen und sie wissen zu sterben. Ueber den Tod des letzten Schlacht- opfers der Versailler Standrechtbestien schieibt der Berner „Bund" untern 39. April:„Heute in der Frühe wurde Gen ton, einer der Mörder(?) des Erzbischof» und der sechs ersten Geiseln, hingerichtet. Man wird sich erinnern, daß in zwei Prozessen, in jenem der Execution in la Röchelte und in de» über die Äffaire in der Rue Haxo, der Name Geuton vorkam. Dieser und der Gesängnißdirektor Frantzvi» erschienen aber in der ersteren Affaire als die compromittirteren. Genton hatte überdies bis zum letzten Augenblicke verzweifelt für die Com- mune gekämpft und wurde zuletzt in Belleoille tödtlich ver- wundet. Fast ein Jahr schleppte er sich mit einer zerschmetterten Hüfte umher; aus diesem Grunde glaubte man denn auch an seine Begnadigung. Er wurde indessen und auffallender Weise noch früher als sein Genosse Fcanyois hinausgeführt, um fü- silirt zu werden. Er starb wie ein ächter„Soldat der Com- mune", d. h. wie ein für die Sache seiner Partei fanatistrter (warum nicht: begeisterter?) Mann. Er mgrschirte auf einer Krücke zur Richtstätte. In der Frühe hatte man ihn mit dem Ambulancewagen, genau wie es bei den vorangegangenen Ex- ecutionen der Fall war, abgeholt, und wie damals standen die Truppen auf dem Manöverfeide in Bereitschaft. Man mußte langsamer fahren, weil der Verurtheilte noch nicht ganz genesen war. Als der Ambulancewagen auf dem Felde ankam, stieg Genton, der von dem bekannten Gefängnrßgcistlichen Abbö Follet begleitet war, mühsam aus, um die Richlstätte zu er- reichen.. Es wird versichert, daß er zusammengebrochen sei und beim Aussteigen vom Abb6 Follet und einem Offizier gehalten werden mußte. Doch kann nur die Wunde Schuld an dieser Schwäche gewesen sein. Jedenfalls ist sie nur momentan ge- wesen, denn Genton hat seine Krücke einen Augenblick nach- her weggeworfen und ist aufrecht und sehr entschlossen auf den bezeichneten Pfahl losgegangen. Er ließ sich nicht die Augen verbinden und kommandirte selbst Feuer und wiederholte dann mit so lauter Stimme, daß es weit über das Feld schallte: Vivs Ja Commune! Als er zum zweiten Male gerufen hatte warfen ihn die Kugeln nieder- Er war ein Mann von bei, läufig 49 Jahren."_______ Zürich. Der Sinke der Schreiner ist noch nicht beendet und ersuchen wir, auch ferner den Zuzug abzuhalten. Die Sircke-Kommisstou. Konstanz(Baden). Die Schuhmacher werden Montag den 0. Mai bei ihren Meistern ein Ansuchen um Lohnerhöhung stellen. Da wir dabei möglicherweise auf Widerstand stoßen, ersuchen wir alle Schuhmacher, bi» auf Weitere« Konstanz zu meiden. Das Komitee(Gasthaus z. Sternen). Luzern. Da die Schneider hier in einer Lohnaufbesserung begriffen find, so«erden Berufsgenoffen ersucht, eiustweilen Luzern zu meiden. Wtnterthur. Der Schuhmacher-Strik« dauert immer noch fort. Die Berufsgenossen allerorts werden dringend ersucht, den Zuzug abzuhalteu. Lachauxdefonds. Ueber den Strike der Graveurs und Gull- locheurS bringt die„Egalitö" eine ganze Reihe wichtiger Neuig. leiten; wir können dieselben nur sehr auszugsweise inittheilen. Frei- tag den 19 April fand in Lachauxdefonds eine große Arbeiterversamm- lung im sranzösischen Tempel statt. An derselben nahmen etwa 1b Arbeitervereine Theil und die Zahl der Anwesenden wurde auf 1590 geschätzt. Die Versammlung erklärte sich für die Striker und beschloß eine Lokal-Föderation der Arbeitervereine am Orte zu gründen, an deren Spitze ein Delegirten-Komitee stehen soll. An dieser Bersamm» lung war auch von dem„permanenten oder vielmehr produktiven Stnke", von der Gründung von„Widerstandsateliers" die Rede und wurde diese Idee alS eine glückliche begrüßt. Die Meister haben einen BermiltetungSversuch der Handelskammer abgelehnt, weil sie glauben, sie seien im Stande, durch sortgesetzten Widerstand die Gewerkschaft der Arbeiter zu sprengen und die Arbeiter zu zwingen, einzeln zum Kreuze zu kriechen. Diesem gegenüber machen die Berussgcnossen anderorls außerordentliche Anstrengungen, um ihre strikeuden Brüder zu unterstützen. Die Genier Sektion der Graveur» hat in ihrer Generalversammlung vom 26. April beschlossen, per Mit- glied und Woche 5 Franken UnterfilltzungSbeitrag zu zahlen, und hm am Samstag jede» Mitglied für die verflossenen drei Wochen d«S Strikes 16 Franken entrichtet. Das heißt Arbeiter-Solidaritätl Da» sind Internationale! („Tagwacht".) Werdau. Di« am Sonnabend hier stattgesundene BolkSoersamm» lung hatte mehr Glück als die vorige; sie ging ohne Polizei-Jnter- ventio» vorüber, trotzdem die Tagesordnung, abermal» den fatale» Leipziger HochverrathSproceß und den 29 Äroschen-CensuS behanoelad. manchem Ohr nicht« Angenehmes zu hören verhieß. An Stelle de» durch Unwohlsei» am Kommen oerhinderten H. Scheu war Parteigenosse Tischer au» Leipzig erschienen und referirte an der Hand der Broschüre über den Proceß und, gestützt auf die verschiedeneu Ur- theile der ls resse, vor einer sehr zahlreich besuchten Bersammlung und unter dem sicheren Schutze der gesammten Polizei, rächt von Werdau, die(ob ans Neugier, oder anderen Gefühlen folgend, sei dahingestellt) 12 Mann hoch erschienen war, über Punkt 1 der Tagesordnung. Die vom Redner gebrauchten Ausdrücke waren trotz vieler Schärf« immer o eingekleidet, daß es dem überwachenden Beamten bei allem guten Willen nicht leicht möglich geworden wäre, irgend einen Ordnungsrus anzubringen, und erklärte sich am Schlüsse die Versammlung ohne Widerspruch von irgend welcher Seil« für die Unterzeichnung der Aoresse an die Staatsanwälte Deutschlands. Ueber den zweiten Punkt der Tagesordnung sprachen noch die mit Anderen aus Krimmus hau erschienenen Herren Waltherund Thierfelder und legten der Vers.'.mm» lung ans Herz, die Antwort auf den 29 Groschen-Census bei der nächsten RrichslagSwahl zu geben. Stach Schluß der Versammlung timmten Einige das Lied:„Arbeitend leben oder kämpfend den Tod" an und beleidigten damit die gerichtsamtswachtinersterlichen Gehör- nerven so, daß der Herr Wachtmeister das Singen dieses Liebe« un- tersagte. Leipzig. Die hiesigen Steinhauer und Steinmetzen habe» auf srredlrchim Wege eine Lohnerhöhung von 25»/, erlangt. Dre Meister genehmigten in einer am 26. Februar abgehaltenen Bersamm- lung den ihnen von den G'hülsen vorgelegten Tarif und ist derselbe mit dem 1. Mai in Kraft getreten. Auf dem Bau. Am Hals ein Eisen, eins am Fuß, Zweisarbig seine Jacke, Die Haare wirr, den Blick gesenkt, So schwingt er seine Hacke. Wie der, der ihm zur Seite geht Mit drohendem Äewehre, So trug auch er sonst anver Tuch, So dient' er auch im Heere. Die Zeit war schlecht, das Korn ivar rar llnd groß die tlioth der Armen, Aus jedem Platz und Wege schlug Empor der Schrei: Erbarmen! Ach, lieber Herr, ein Stückchen Brot, Hab' gestern schon gehungert— Nach Arbeit, doch vergebens nur, Den ganzen Tag gelungert. Und als für Geld kein Brot mehr seil Und leer bifi Magazine, Da sprang, die längst schon vollgefüllt, Die todesschwangre Mine. Da heult es: Arbeit oder Tod! Und durch der Städte Straßen Sah man vom Hunger angesacht, Des Aufruhrs Flantinc rasen. Da reißt der Trommel dumpfer Ton Ihn in der Brüder Mitte, Die Bayonette aufgepflanzt, Ging's vor im Stuunesschritte. Als gält' es nur ein lustig Spiel, Ein Schießen nach den Scheiben, So waren Kugeln ausgetheilt— Den Hunger zu vertreiben. Und horch, ein Schrei! Ein wilder Haus' Wogt her im Straßenschatten, Und gegenüber stehe» sich Die Hungernden, die Satte». r Hoch vor dem Trupp'nen Fetze» Zeug An einer hohen Stange, Als Fahne flatternd in der Luft, Trägt eine wilde Range. Brot— ruft es,— Brüder, gebt uns Brot! Macht Brot aus diesen Steinen! Daß unsre Kinder nicht daheim Vor Hunger länger weinen. Ihr schießt doch nicht?— Um ein Loth Blei Wär das Pfund Brot zu theucr—— Da tönt es drüben durch die Reih'n: „Schlagt an Gewehre! Feuer!" Die Salve kracht— nun wilde Flucht, Wichts bleibt als— blut'ge Leiber; Die habe» keinen Hunger mehr, Drei Männer und zwei Weiber. Der Hauptmann ruft:„In Lauf den Stock!" Und lauscht mit scharfem Ohre— „Weh Euch, find ich noch einen Schuß Bei Einem in dem Rohre!" Er fand ihn— Der dort auf dem Wall, Der hatte nicht geschossen, In Königs Rocke fühlte er Sich aus dem Volk entsprossen. Ihm pocht' in wildem Schlag das Herz, Ihm zitterten die Glieder. Auf Die er hob das Mordgewehr— Die waren seine Brüder. Sie stellten ihn vor's Kriegsgericht, Weil, treulos seinem Eide, Er noch als Mensch gefühlt, gedacht, In dem Gehorsam skleide.| Die Kugel bracht' das Urtel ihm, Wach Fug und Recht im Staate, Doch edelmüthig schickte ihn „Zum Bau" des Königs Gnade. L- Wittig. (Aus Ernst Keils„Leuchtthurm", Beilage:„Laterne" Wr. 10. Jahrgang 1847.) Die Republik und die Gegenrevolution. Von Emile Acollas. (Forlfepnug.) Endlichathmen wir auf; derMa»n(Wapoleon) liegt am Boden, die alte Monarchie erscheint wieder, sie oktroy irt die Charte. Aber wer untergräbt diese Charte von den ersten Tagen an, die Revolution oder die Gegenrevolution? Wer begeht jenes Attentat auf das Gewissen durch das Gesey über die Beobach- lnng des Sonntags und des Frohnleichnamsfestes? Wer begeht dies Attentat auf das Denken durch das Gesetz über die Preß- zensur? Die Revolution oder die Gegenrevolution? Wer unter- drückt, beleidigt, reizt, erniedrigt die ganze Masse der Wation? War diese Wario», dies große Frankreich des 18. Jahr- Hunderts nicht dadurch genug erniedrigt, daß es zuerst unter die Füße eines korsischen Banditen fiel, dann unter die der Zwerge des alten Regime, und wieder zurück unter den korst- schen Banditen? Soll ich erzählen, was den 100 Tagen folgte, von den Morden, den Metzeleien, den peinlichen Gerichtshöfen, dem weißen Schrecken, der unsiudbaren Kammer?— Ich bitte um Verzeihung, ich will weiter gehen, ich habe genug von all diesen Erniedrigungen, all dieser Schmach, all dieser Schande. Welcher Morast! Und wo steckt denn bei alle Dem das Gewaltsame der Re- volution? Sie ist leider nur zu weit entfernt, mein Kollege: und was beweist ihre Abwesenheit? Den Verfall des Gewissens und der Lebenskraft Frankreichs. Und im Jahre 1830, als diesmal die Bourgeoisie, mit Herrn Thiers an der Spitze, das Volk zur gewaltsamen Re- colmivn getrieben, was hat man, nachdem die Bourgeoisie jene Begeisterung, jenes vergossene Blut zu ihrem eigenen Vortheil ausgebeutet, nachdem fie ihrer Art gemäß die Julirestauration herbeigeführt, während der nächsten IKJähtd gesehen? Wahrlich, ein Schauspiel, welches Einen daran zweifeln machen mußte, daß Frankreich seine Rolle im Werke des Weltforcschrittes f stbielt. Die„Macht"— mas man in unserer Sprache des Bas- Empire sdes'Niederen(Zweiten) Kaiserreichs� des Bonoparte, mit diesem Namen nennt— geht über von Lafilte auf PFrier, von Parier auf Soült, von Soult auf Mole, von Mrl6 auf Thiers, von Thiers auf Guizot,— und all diese Menschen haben nur einen Gedanken: die Revolution zu vernichten, und während dieser ganzen Zeit hat die Bourgeoisie nur ein„Ordnungs"-Stichwort: Geld zu gewinnen, und wenn die unterdrückten, ausgehungerten Volksmassen Freiheit und Brod verlangen, antwortet man ihnen mit Kartätschen. Das sind die Thaten der Gegenrevolution unter dem Juli- regiment. Die Explosion erfolgt, unterstützt von der Sorglosigkeit und der Verachtung; die Monarchisten von gestern rufen heute die Republik aus; sie schreien viel lauter als wir Republi- kaner; und was giebt es Wachsichtigeres als di>.>e Republik? Wen bat sie bedroht? Gegen wen hat sie gewüthet? Und wer führt:roüdem den 17. März herbei? Wer führt später die Junitage Herda. Ich war zugegen bei diesem ersten schrecklichen Bürger- krieg; ich habe gesehen, wie die Gegenrevolution täglich über ihrem menschenmörderischen Projekt brütete; ich habe gesehen, wie sie Tag und Wacht den Bürgerkrieg vorbereitete; und, als es soweit gekomnien war, habe ich die Gegenrevolution gehört, ich habe sie wülhend erklären hören, daß man nur mit den Waffen„ein Ende machen" würde. Weiter, wer hat Bonaparte zum Präsidenten gemacht? Wer hat die römische Erpeditivn veranstaltet? Wer hat dummer- weise das Gesetz gegeben,. elches das allgemeine Stimmrecht verstümmelte? Wer hat diese schmutzige Herrschaft geschaffen, die mit einem infamen Verrath und einem Fälschu»gs-Akt begann, diese Herrschast der Verbannungen, des Blutes, des Kothes, welche den Ruin des Gewissens vollendet hat? Wochmals, war es die Revolution oder die Gegenre- volution? Die Revolution ist leider zu spät gekommen, um diese Pestilenzen wegzufegen. Und wer hat, um die Dynastie zu retten, um sich selbst zu retten, um die Rückkehr zur Vernunft, zuin Recht, um die noch mögliche Wiedergeburt, uin die Republik zu verhindern, Preußen den Krieg erklärt? Die Revolution oder die Gegenrevolution? Und wenn zu jetziger Stunde*; der Bürgerkrieg in unfern Mauern haust,— wer hat diesen wilden Krieg provocirt, wer ihn gewollt? Gab es jemals gerechtere, jemals nothwendigere Forderungen, als die von Paris, welches das Recht verlangt, keine andere Truppe in seinen Mauern zu haben als die Bürgergarde, das Recht, all seine Beamten zu wählen, das Recht, sich selbst zu verwalten? Welche Forderungen stimmten jemals mehr überein mit der Lehre von der Autonomie? Aber grade diesen Augenblick wählen Sie, mein Kollige, um den Geist der Revolusion anzuklagen, daß er Frankreich zu Grunde richte; grade diese Gelegenheit ist Ihnen günstig er- schienen, um den Bannfluch gegen jenes Paris zu schleudern, das fast allein im Kriege gegen Preußen heldenmäßig seine Pflicht gethan hat. Diejenigen, welche Sie Diebe und Mörder nennen, es sind Dieselben, deren Ellern und Freunde, geführt — ich bin davon überzeugt— von der Unfähigkeit und der Dummheit, fünf Monate, ohne zu murren, zum Tode auf die Wälle geeilt sind; es sind Die, welche nnt ihren Frauen und Kindern 5 Monare lang ungeheures Elend erlragen haben, um ein undankbares Vaterland vor der Zerstückelung, vor dem Sturze zu bewahren! Sie haben gesagt, daß sie feige wären, aber wahrlich! Sie waren zu schnell mit Ihrem Urtheil und die Thatfachen haben Ihnen geantwortet; Sie haben von meuchcl- mörderischem Ueberfall gesprochen, aber wen wollen Sic glauben machen, daß ein meuchelmörderischer Ueberfall Legionen unter den Waffen vereinigen kann? Wem wollen Sie weis machen, daß ein meuchelmörderisher Ueberfall während eines Monats die ganze Bevölkerung einer großen Hauptstadt im Zaum halten kann? Sie habe» auch von Stumpfheit gesprochen— ja! darin bin ich Ihrer Meinung, ja, es ist abgestumpft, dies Frankreich, das nicht einmal sich zuin Richter zwischen seinen Deputirten und dem Volk von Paris zu machen, nicht einmal den beiden Parteien seine Vermittlung aufzudrängen verstanden, das nur mit Stumpfsinn zugeschaut hat, wo es an Todesgefahr war. Sie brauchen nicht daran zu zweifeln, Herr Kollege: die Majorität von Paris war einverstanden, einverstanden, ihr Recht zu verlangen, die Aufrechterhaltung der Republik zu wollen, um jeden Preis eine Regierung der Gerechtigkeit, der Autonomie zu wollen. Lassen wir also unsere Verblendung hinter uns, betrach- ten wir die Thatfachen ohne Voreingenommenheit und hüten wir uns vor Allem, ungerecht zu sein gegen Diejenigen, welche leiden, um die Schuld Denen abzunehmen, welche genießen; doch ich habe übergenug bewiesen, welche von beiden, die Re- volution oder die Gegenrevolution, seit 80 Jahren provozirt, welche seit dreiviertel Jahrhunderten triumphirt, und welche endlich, vermöge ihrer Thorheiten, ihrer Gewaltthätigkeiten, ihrer Ausschreilungen jeder Art, Frankreich dem Abgrund ent- gegenführt.(Forts, folgt). Deutsche Gesinnungslumperei. In Paris hat man vor Kurzem unter dem Titel: uux Duikries(Deutschland in den Tui- lcr ien) eine Sammlung von niederträchtig- servilen Briefen veröffentlicht, welche von Deutschen, darunter Wotabilitäten, an Bonaparle gerichtet wurden, als dieser noch bei unseren pptriotischen Bürgern die Ehrfurcht genoß, welche sie neuerdings von dem»»glück lichen Lehrer aus den(noch) glücklichen Schüler übertragen haben. Die deutschen Zeitungen bringen nur sehr unvollständige Ans- zügc aus dieser interessanten Sammlung und zwar aus dem sehr guten Grund, weil sie einen Abgrund von Gcsinnungs- losigkeit und schuftiger Kriecherei aufdeckt, wie sie nur in Deutsch- land möglich, und weil insbesondere gewisse Persönlichkeiten, •) Dieser Brief ist am 21. April 1871 geschrieben. die während des heiligen Krieges uud nachher stark in sittlicher Entrüstumg über das„korrupte Empire" machten, schwer kom- promittirt, richtiger moralisch todtgeschlagen sind. Unter Andern fizurirt unter den Briefstellern der hochpatriotisch« Führer der nationalliberal schillernden Freikonservativen, der staatsmännische Mitarbeiter der„Schlesischen Zeitung", Hr. von Blanken- bürg— nicht zu verwechseln mit der andern Persönlichkeit gleichen Namens, die sich seiner Zeit iin Reichstage dadurch auszeichnete, daß sie Bebel und Liebknecht nach der Debatte i der die Kriegs- anleihe beglückwünschte,„mit ganzen Knochen" davongekommen zu sein. Die„Frankfurter Zeitung" erwähnte kurz der„häßlichen Thatsache" mit der Bemerkung, Hr. von Blankenburg habe sich ein rolhes Bändchen für's Knopfloch holen wollen. In Folge dessen hat Hr. von Blankenburg soeben eine Erklärung ver- öffentlicht, in welcher er eingesteht, daß er seine Artikel über die Verfassung des Kaiserreiches, die in einer dcuffchen Zeit- schrift erschienen waren, an den Ex-Kaiser sandte und, daß er an ihn einen Brief gerichtet habe; und er versichert noch überdies, daß er den„demokratischen Imperialismus" für das Frankreich und dem europäischen Frieden ani meisten zuträgliche Regierungssystem gehalten habe.„So entschieden dieses System auch meinen„deutschen" Anschauungen von„Steche mu) Feecheit" widerstrebte," heißt es in der Erklärung,„vermochte ich mich doch bei der Objektivität, die alle meine Arbeiten kennzeichnet, der Ueberzeugung nicht zu verschließe», daß dasselbe einer ge- wissen Consequenz nicht entbehre, und daß es dem Charakter des französischen Volkes und dem Maße seiner Befähigung, die Freiheit zu tragen, mehr entspreche, als alle. Verfassungen (fünfzehn an der Zahl), durch welche Frankreich seit 1789 hindurch gegangen war." Der Mann hat also eine doppelte politische Moral; eine, die seinen„deutschen Anschauungen von Recht und Frei- heit" entspricht, und eine, die im Widerspruch mit ihnen ist: die letztere für das verkommene Frankreich, und die erstcre— »un, sie sollte eigentlich für das moralische Deutschland sein, doch da der unfehlbare Bismarck vorläufig ü In Bonaparte zu regieren und das moralische Deutschland wie dieser das„ver- kommene Frankreich" zn traktiren beliebt, so behält der biderbe Blankenburg die„seinen deutschen Anschauungen von Recht und Freiheit" entsprechende Moral einstweilen als echter Real- Politiker gemüthlich in der Tasche.— (Wir haben uns die Schrift in Paris bestellt und hoffen noch manchem Biedermann zur verdienten Anerkennung zu helfen. R. d. B.) Eiu vernünftiger Arbeitgeber. „Zur Arbeiterfrage" schreibt ein Arbeilgeber aus der Schweiz der„Concordia", dem Organ des deutschen Fabrilan- lenvereins: „Mir wird von Alledem so dumm, Als ging' mir ein Mühlrad im Kopfe herum." So wird Einem oft zu Muthe, wenn man die Menge Ansichten hört, welche heute auf volitischem, religiösem und sozialem Boden durcheinander schießen, wie die Siernfchnuppeu in der Novembernacht. Immerhin aber ist eine solche Nacht ein weit erhabeneres Schauspiel, als ein Sumpf, wo zwar alle Gewässer w ruhigem Gleichgewicht stehe», aber übel riechen, und wo man nichts Lebendiges sieht und hört, als Frösche und Störche. „Und die Erde bewegt sich doch", soll Galilei bei seinem Mder ruf gemurmelt habe». Ja, und nicht bloS die Materie, nicht bloS die Himmelskörper, auch die Geisterwelt bewegt sich und mutz sich de- wegen. Des Lebens frischer Strom, der scheidet alles Tobte aus. Auch der beste klaiste Wein mar einst eine trübe Masse, hat seinen Gäh- mngsprozetz durchmachen müssen. Aber die Bewegung der Geister er- folgt mehr stoßweise und bat darum jedesmal, wenn sie eintritt, etwas Beunruhigendes für ängstliche Gemüther, wie das Erdbeben; weil Niemand wissen kann, wo das Alles noch hinaus soll.— Komme aber was da ivolle, verzweiselu wir nicht und verlieren wir den Minh und den Kops nie dabei; stehe jeder Wohlmeinende getreu auf seinem Posten und bearbeite sein ihm von Gott angewiejeneS Gartlein. Uns Fabrikanten gehen natürlich die Tagessragen alle an, aber am nächsten liegen uns doch die sozialen und unter diesen voraus die „Albeiterfrage".— „Und was habt Ihr Herren denn bis heute ausgerichtet? Habt Ihr dem hungernden Arbeiter, mit all' Euereu Reden und Schriften auch uur ein einziges Stück Brod hervorgezaubert?"— So höre» wir manchen Spottvogel fragen. Wir antworten: Mehr noch als ein Stück Brod babeu wir hervorgezaubert. Eine Laterne haben wir einst- iveilen angezündet, welche hineinleuchten soll in alle finster» Winkel der Verhältnisse, des Elends, der gen'ligeu und körperlichen Berkom- menheit und der Selbstsucht unter allen Bollsschichten; und da m.icht euch denn nur gefaßt daraus, ihr Herren Spotivögel, daß die Laterne zeitweise auch bei euch eiukehre.— Wenn big jetzt die Früchte unserer Arbeit auch noch nicht sichtbar sind; man darf nicht verzagt iverden. „Gut Ding muß Weile haben", sagt das Sprichwort. Wen» der Landwirth sein Feld bestellen will, so muß und wird er damit beginnen, daß er erst das Unkraut entfernt; dann kommt der Pflug, dann die Saa: und dann der Winter. Bolle neun Monate muß er Geduld haben, bis er erudten kann und muß riSkireu, daß noch acht Tage vor der Ernte ein verheerendes Gewitter seine Hassnung zerstört; aber auch in diesem Falle sängt er sei» Tagewerk unverdrossen und von Neuem an.— So ungefähr müssen auch wir zu Werke geben.— Das Unkraut, das ivir zu reuten haben, das ist die Rohheit, die Selbstsucht, daS sind die Borrirtheile, das sind die irrigen und lonsusen Begriffe unter allen Schichten.— Der Pflug, das sei das einschneidende Messer der Kritik»nd der Gejeggebnnz, da wo der alte Boden zu festgestampft ist. Die Saas, das seien die vom Geist der Liebe getragnen neu«» Idee» und Ueberzeugunzen; und wen» unsere Geduld nicht blos neun Monate, wenn sie auch neun Jahre aushallen muß, wenn nicht nur ein, wenn ein Dutzend Gewitter über unsere Saat herfallen sollte», verzagen wir nicht und sangen wir unverdrossen wieder von vorn an, wie der Landwinh.— Wenn der Verfasser dieser Zeilen auch kein Gelehrter, so ist er dafür Erfahrener Fachman und hofft doch mit einigen jvohlgemeiirteii Einsendungen in obigem Sinne zur guten Sache sein Scherflein bei- tragen zu können.— Er wird also mit dem Ausreuten des Unkraut« beginnen und hält dafür i 1» es sei»»richug, oaß der Arbeiter im Große» uud Ganzen an seiner Verkommenheit selber schuld; 2) e« sei in der Regel unrichtig, daß er sich selber helfen könne; 3) ei sei unrichtig, daß der Lohn in der Willkür des Arbeitgebers, oder in derjenigen des Arbeitnehmerg liege; 4) es sei unrichtig, daß die Löhne, wie sie heute aus dem eurro» päischen Festlande übuch, zum Leben hinreichen; 5) es sei durchaus nicht zu wünschen, daß der Arbeiter sich willig in seine Lage schicke; er sei nicht zu tadeln, wenn er dieselbe aus 9e' setzliche und anständige Weise zu verbessern suche und es sei ckngc- recht, wenn man ihm das Vereinsrecht beschränken, oder gar verbiet«" wolle; 6) es sei unrichtig, daß der Arbeiter durch allgemeine Lohnerhöhung nichts gewinnen könne; 7) es sei unrichtig, daß sich die Zlrdeitslöh« nach den Preise" der Lebensmittel, oder nach den Perkaujspreijen der Fabrikat« j" richten habe»; 8) endlich sei es unrichtig, h,äs der LuruS eine voUSwirthschasuch« Wohltha» sei. Mz» köllute mit den kursirenden Vorurtheileu und Irrbegriffe» allein> �on ein dickes Buch anfüllen. Für unser» Zweck und Raum mögen emstweilen die obigen genügen, und die Erklärung soll kurz werden.- To der Arbeitgeber aus der Schweiz. Wir sehen seinen Ausführungen mit Interesse entgegen und werden nicht verfehlen, sie unfern Leser» zur Kenntnisi zu bringe«.— (In derselben Mmmer der„Concordia" sinden wir eine gleichfalls recht vernünftige Betrachtung über das Coalitions- recht der Arbeit« aus der„Deutschen Bau-Zeilun „Kaufgeschäfte und Speculationsgeschäfte sind heut leider so identische Begriffe geworden, daß man es dem Arbeiter wahrlich nicht verübeln kann, wenn er aus Grnnd jener Theorie mit seiner Waare zu speculiren und den geringen Kapitalwerth der einzelnen Arbeits- kraft durch eine Coalition Bieler zur Geltung zu bringen sucht. Wäh- rend es beispielsweise'nicht nur für eine erlaubte, sondern sogar für eine geschickte und anerkennenswcrthe Operation gilt, wenn es einem Bauunternehmer durch massenhafte Material-Aufkäufe gelingt, die ssonfunttur zu beherrschen und dadurch ein entschiedenes Uebergewicht über seine weniger weitblickenden oder über geringere Kapitalien ge- bieteadcn Evncurreuten zu erlangen, wird es schwer sein, den Arbeiter davon zu überzeugen, daß er nicht berechtigt sei, durch ähnliche Spe- culationen einen größeren Gewinn von seiner körperlichen Leistung zu erstreben, als ihn allenfalls die„Nothdurft des Ledens" fordert, lim so schwerer, wenn diese Nothdurft des Lebens in so willkürlicher und oberflächlicher Weise geschätzt wird, wie dies oft geschehen ist.") Die Finauzwelt. Eine recht lebhafte, durchaus getreue Schilderung dieses modernen Raubrilterthums seitens eines Fachmanns verirrte I>ch vor einiger Zeit in das„Leipzig« Tageblatt", dessen . Bourgeois-Leserbreis— gleich scharfsinnig wie seine Redaktion — jedensaUs zum größten Theil keine Ahnung hatte von dem grellen Widerspruch, in dem sich der nachfolgende Artikel mit der sonstigen Haltung dieses Blattes befindet. In dem Artikel heißt es: „Wie hohl ein großer Theil der Hausse*) ist, wie sehr die i!uge alle Börsenkreise vergiftet hat, zeigen die starken Rück- gange, welche, sobald ein ungünsti er Wind weht, sogleich zu Tage treten und einen Abgrund ahnen lassen, über den! die Schritte der Börsenspicler leicht dahin gleiten. Der natürliche Grund liegt darin, daß die unsichersten, am dichtesten einzu- �schüchternden Elemente der Speculation sich im Mammonstem- "pel*") breit machen und, nachdem sie die erste Zeit versäumt, in Ercentridtälen*** den entgangenen Gewinnst einzuholen ver- suchen. Andererseits arbeiten die Gründerconsorlien(Gründer- gesellschaften) unaufhörlich daran, die Börse zu deinoralisiren und die Leichtgläubigkeit der Spiellustigcn auszu- beuten. Rasch den Agiogewinnst einzucassiren ist die höchste Weisheit der Börsenverständigen, und in jetziger Zeit ist diese Kunst nicht schwer; bringt doch jedes neugeborene Kind der Gründungsconsvrtiei? einen Schatz init aus die Welt. Millionen werden von den Bankiers im Handumdrehen gewonnen... Mag auch viel Blendwerk mit unterlaufen, die Thalsache steht fest, daß ohne alle Mühe von Leu- teu, die ohnehin schon mit Glücksgütern gesegnet sind, auf Grund dessen immer größere Reichthümer zusammengerafft werden, Reichthümer, die zu dolos- saler Höhe anwachsen. „Gesellschaftszustäude wie die gegenwärtigen aber, wo das privilegirte Piraten rhums) der Ca- pitalmacht ungestört sein Abschlachtungssystem aus- üben darf und die eine kleinere Hälfte sich im hell- sten Sonnenlichte des Besitzthnms sonnt, w ährend die andere zum Theil kaum mühselig ei» kärgliches Dasein fristet, können keine gute Folgen haben. Freilich iveniger an den Gründern haftet die Schuld als an der überall eingerissenen Spielwuth. Findet diese nicht aber wieder ihre Begründung in dem ganzen Zuschnitt unserer Ein- Dichtungen?— „Was ist des Lebens Zweck? Geld sammeln. Nur Geld 'Ü die wahre Sonne des Lebensbild manjmißachtet Jedermann, der dessen entbehrt. Geld ist Alles, ist Tugend, Talent; diese gdlen nichts ohne jenes. Geld und wieder Geld hallt es oben, hallt es unten durch alle Schichten der Gesellschaft, und in der wilden Jagd nach dem Mammon sucht Jeder den Andern zu aberholen, zeigt sich die ganze Blöße, tritt die Nachtseite des "wnschlichen Daseins zu Tage.— Bereits macht sich bie Theue- �ang, der zunehmende Kostenpreis aller Lebensbedürfnisse geltend, and die auf die Erhöhung des Arbeitslohnes gerich- irten Bestrebungen erhalten mit solide, unangreifbare Grundlage. Es vollzieht sich allmälig im Stillen eine «rt Umwälzung im Wirthschaftsleben, die sich periodenweise j abwickeln wird. „Die Frage: wann wird das Schwindelgebäude es jetzigen Börsentreibens zusammenstürzen? schwebt auf allen Lippen. Die Erfahrung lehrt, daß dergleichen Katastrophen ganz plötzlich eintreten, daß npr ganz nchte Anzeichen ihnen vorhergeheil, welche die Menge, die den Mainmonstempel füllt, nicht zu deuten vermag. In den hohen Legionen, in welchen die Speculation ihren Tuininelplatz auf- tzeschlogen, bedarf es blos einer einzigen Schneeflocke, um eine furchtbare Lawine zu Stande zu bringen, die Alles zerschmettert, was sie er.c'cht. Die preußische Regierung vermag allerdings >urt ihren Hunderten von Millionen an Cassenvorräthen, die chr die französischen Contributionen spendeten, den Bankiers '"achtig unter die Arme zu greifen, und so lange dies �üfsmittel nicht«ersagt und die reichen ÄcssourcentiO, welche w Verbrüderung der Geldmächte gewährt, nicht ver- f'egen hat der' Aulkau Feuerst, ff genug, um sich zu produciren und seine Entladung e« fortzusetzen... „Neue auswärtige Banken wollen in Berlin eine Re- PrSsenlat,°ns-Bank gründen;„es soll diesmal aber auf kein Agm abgesehen se.n" sagt die„Börsenzeitung."— Wer lacht s ,DaTe J"?"«r Th°rschluß, so nimmt alle Tage «�2.« K' 9an*"°"ürlich, da die Banken eben mchts besseres wissen, als wieder ihrerseits neue Banken zu gründen, und diese wiederum neue gebären. E- iß nicbt abzusehen, wie das enden soll.—.> *) Das Steigen der Ceurse; Grgentheil: Baiffe. *') Börse; Mammon: Geldgott. eigentlich: Ausschreitungen, Uebertreibuugen, hier: maßlos uuvernunstiger Spekulationen. r) Räuberthum, Pirat eiamtl. Seeräuber. TT.) Hilfsquellen. „Man klagt schon seit längerer Zeit über den Mangel an Directoren für diese vielm Institute. Nun existirt aber von früherer Zeit, aus der Schwindelepoche der fünfziger Jahre und später her eine tüchtige Anzahl von mit Zuchthaus- strafe belegten eh emaligen Bankd i rec t o r e n; soll- ten diese nicht bei den neuen Creditmobilier- Schwindelanstalten wieder die geeignete Berwen- dung finden können?... „Der größte Theil dieser Institute, mögen sie einen Na- inen führen, welchen sie wollen, ist vollständig über- flüssig und darauf angewiesen, eine ungesunde Sp ecu la- tion zu befördern, da Emissionen*), und Börsenspiel allein Nahrung zu einer ansehnlichen Dividende liefern können. Durch die massenhafte Concurrcnz müssen aber die Geschäfte an sich von immer schlechterer Beschaffenheit werden. „Es bezweifelt Niemand, daß keine dieser Banken das Licht der Welt erblickt, wenn nicht das Gründeragio verlockt hätte. Andererseits betheiligt sich oie Speculation auch nur daran, um einen raschen Coursgewinn zu machen und die Actien zu hohem Preise dem Publicum aufzubürden, das, den Börsenereignissen immer hinterher laufend, nicht so leicht es versteht, von dem Nessusgewanve sich loszumachen.... „Mit Hülfe der zu jeder Reclaine für Bezah- lung bereiten Börsenpresse und lügenhaften Pro- specte denkt man bei dem deutschen Publicum jederzeit offene Taschen zu finden." Wir,(die Redaktion des„Volksstaat") müssen dem Mitar- beiter des„Leipziger Tageblatt" das Zeuzuiß geben: der„fana- tischste" Sozialist hätte die Finanzwelt nicht schärfer zu geißeln, die Jmmoralität und Ungerechtigkeit der heutigen Gesellschafts- zustände überhaupt nicht in schwärzeren Farben zu malen, die Nothwendigkeit einer gründlichen Umgestaltung nicht deutlicher hervortreten zu lassen vermocht. Die Preßfreiheit im„Neuen Reiche". Der Dresdner ,,Volksbotc" schreibt unterm 1. d. M: „Was der Redakteur eines sozial-demokratischen Blattes für Ab- baltungen von seinem Berufe zu erleiden hat, beweist besser als jede weitere Ausführung die statistische Notiz, daß der Redakteur des „Volksboten" in Dresden von Ostern t871 bis Ostern 1872 nicht weniger als 179 Bestellzettel von Polizei und Gerichten erhallen hat. Das ist aberdings kein Wunder, wenn man bedenkt, daß hier Verbrechen vorliegen, von deren Existenz man früher nie etwas gewußt hat, wie z. B.: Beleidigung des acsammtcn Secondelieutenant-Standes, weil die unerhörle Behauptung aufgestellt worden war, daß das, was ein Secondel!eutcnanl zu untersuchen habe, der Weltgeschichte ganz Schnuppe sein könnte." „Freigesprochen wurde heute der Redakteur des„Dr. Volksb." in einer von dem Redakteur des„Leipziger Tageblatt", Herrn Hüttner, durch Herrn Ado. Hendel hier angestrengten Privatklage. In Nr. 199 unseres Blattes waren die niedrigen Denunciationen dieses Blattes und die Blamage, die es damit schon oft erlebt, gerügt worden. Herr Hüttner fühlte sich darauf ehrverletzt nnd klagte. Das Gericht erkannte aber, den Darlegungen des Angeschuldigten entsprechend, auf Freisprechung, da es ein Blatt als ein öffentliches lilerarisibes Produkt anerkannte, das der öffentlichen Kritik unterliegt und sich außerdem auch aus der Sprache, die da«„Tageblatt" gegen Andersgesinnte iührt, überzeugt hatte, daß das„Tageblatt" ein ungerechtfertigtes Monopol, Andere zu verletzen, in Anspruch nimmt")." Der Crimmitschauer„Bürger- und Bauernfreund" be- merkt zu Obigem: Auch wir theilen das Schicksal der Parteiblätter. In voriger Woche ist der frühere stellvertretende Redakteur des Blattes, Herr Wolf, in zweiter Instanz zu einer Strafe von 20 Thlrn. verurtheilt worden." „Bon den fünf Preß-Prozesscn, die wider den gegenwärtigen Re- dakteur des Blattes anhängig sind, ist einer vorgestern in zweiter In- stanz vor dem Bezirksgericht in Zwickau beiiidet. Der Stadtrath Ludwig Wols in Meerane, der gegen das Ertenntniß erster Instanz Einspruch erhoben hatte, ist mit diesem Einsprüche abgewiesen und zur Traguiig der Kosten des Verfahrens in zweiter Instanz verurtheilt worden."' Die„Chemnitzer Freie Presse" und der„Braun- schweizer Volksfreud" können ebenfalls ein Liedchen singen. Nnd was uns selber betrifft, so sind unsere Prozesse zu zahl- reich, als daß wir ohne längere Nachforschungen eine annährend genaue Statistik geben könnten. Man darf uns aber aufs Wort glauben, wenn wir sagen, daß die in den letzten 12 Monaten uns zugegangenen amtlichen Bestellzettel einen statt- lichen Ouartband ausmachen würden, und daß wir nicht ganz klar sind, wo die Redakteure des„Volksstaat" mehr Zeit zubringen: in dem Redaktionslokal, oder auf dem Gericht, resp. der Polizei. Ländlich sittlich.— Apropos, wie wärs, wenn der eine oder andere der bis- marckrabiaten deutschen Zeitungsredakteure in Amerika herüber- käine und auf ein Jährchen mit uns tauschte?'Der Rabiateste würde gewiß kurirt werden.— Am 2. d. hat unser Freund Carl Hirsch seine drei- monatliche Haft in Hubertsburg angetreten. Es befinden sich dort noch die Parteigennossen Bahlteich und Neu. Prozetz Blauqut. Vorbemerkung der Redaction. In Nro. 18 d. I. hatte» wir die Anklageschrift, welche die Ereignisse des 31. Octobei nach der Auffassung der Staalsan- waltscbast»nthält, mitgetheilt. An der Fortsetzung des Prozeßbe- richts verhinderte uns dann die Leipziger Hochverrathspro zedur, und nach Beendigung derselben trat der Prozeß Blanqui in- sosern in ein neues Stadium, als das Urtheil des 4. Kriegsgerichts wegen � eines Forinfehlers cassirt wurde. Man hatte nämlich ver- gessen, gegen den bereits in contumaciam wegen des 31. October verurtheiUen Blanqui nach seiner Festnehmung— wie es Bor- schrift ist— von Neuem die Anklage zu formuliren und ihn auf Grund der alten Znconwmazial-Anklagc verurtheilt. Wir glaubten daher, da die Verhandlung gegen Blanqui vom 15. Fe- bruar wegen ihres historischen Interesses nicht veraltet, mit dem Bericht darüber warten zu dürfen, b.s das Schauspiel zum zwei- ten Mal ausgeführt würde— und Letzteres ist am 29. April vor dem 5. Kriegsgericht geschehen— um dann den Inhalt und die Ergebnisse beider Verhandlungen gleichzeitig zu veröffentlichen, resp. vergleichend zusammenzustellen. Der„Radical", dem wir folgen, berichtet über die zweite Verhandlung eingehender als über die erste; weshalb wir unter I die Sitzung vom 29. April mittheilen und unter II nur dasjenige vom 15 Februar, was in I nicht enthalten ist oder sich mit ihm ergänzt oder davon ab- weicht.- ») Ausgabe(von Noten u. s. w.) **\ In Leipzig hat Herr Hüttner mehr Glück; hier er hat mit bestem Erfolge bereits 2 mal den Redakteur des„Corresponbcnt", 4 mal den Re- dakteur de«„Volksstaat", 1 mal Bebel. I mal Röthmg und Gott weiß wen noch wegen„Beleidigung" verklagt. Es giebt wohl in ganz Leipzig keinen Menschen, dessen„Ehre" dem Staat so viel Geld kostet, wie Herrn Hüttner; dabei bedient sich da« Blatt dieses Er-Lokalreporters gegen andere Leute Schimpsereien, die jedem alten Hökerweib aus des alten Fritzens Zeiten Ehre gemacht hätten. I. Präsident: Sie haben die Sie belastenden Momente gehört. Was haben Sie zu erwidern? Blanqui: Ich muß sagen, daß es kein Attentat gegeben hat; eine Manifestation, bei der kein Blut geflossen ist, kann man nicht „Attentat' nennen. Wer am übelsten dabei weggekommen ist, das bin ich, der ick bald einen Hieb übers Gesicht bekomme» hätte. Ich wundere mich üöer dies große Geschrei von„Metzeleien",„Plünderung" in einer Affairc, wo— wie ich wiederhole— kein Blut vergossen würde. Es sind das hochtönende Worte für geringfügige Sachen. Ich will Ahnen aber den wirklichen Hergang erzählen, d e Geschichte des 31. Okiober: Es gab an diesem Tage weder eine Verschwörung, noch ein Komplot, noch eine unter den verschiedenen Bataillonen, welche an der Bewegung theilgenommen, vorhergettossene Verabredung. Die Menge bewegte sich ernmüthia und von selbst nach dem Stadthauo, und gab dort friedlich ihren Willen kund. Sie ließ dort einig- Rufe, etwas Geschrei hören— das war Alles. Und das nennt man ein Attentat I Den 31. Oktober mit dem 18. März— zwei so verschiedene Dinge— gleichnamig benennen, das ist ein Attmtat— auf die Geschichte! Wenn ein Altentat vorhanden ist, so besteht es in dieser Form, die Thatsachen vorzuführen, und sie so verunstaltet, übertrieben und unkennilich zu machen. DaS ist es, ivas man diesmal ein Attentat ans die Wahrheit und den gesunden Menschenverstand nennen könnte. Präsident: die Frage, ob Attentat oder nicht, hat daS Kriegsgericht zu entscheiden. Aber was Sie anbetrifft, so ist es nicht minder wahr, daß Sie um 6'/, Uhr aufs Stadthaus gekommen sind, sogleich Be- fehle gegeben, Bataillone zusammenberufen, Maßregeln ergriffen haben. Blanqui: Das ist wahr. Präsident: Sie behaupten, daß kein BliU vergossen worden ist, aber Sie können nicht leugnen, daß Schüsse gefallen sind. Blanqui: Ja, Schüsse sind gefallen, aber die Keinen getroffen haben. Präsident: Wenn man sich der Regierungsmitglieder bemächtigt, wenn man sie durch Bewaffnete bewachen läßt, init dem Befehl, ihnen bei Fluchtversuch die Kugel durch den Kops zu jagen, so scheint mir das keine„friedliche Demonstration" zu sein. Blanqui: Ich habe von vlledcm nichts gesehen; ich weiß nicht, ob dieser Befehl gegeben worden ist; was mich anbetrifft— so war ich nicht dabei. Ich war zu Hause, als einer meiner Freunde zu mitkam und mich benachrichtigte, daß ich zu der neuen Regierung gehöre, welche man eben ini Stadihaus eingesetzt hat. Ich hielt es für meine Pflicht, dem Ruf der Bevölkerung zu folgen. Ich gelangte in den Saal des Stadthauses. Dort fand ich um einen Tisch herum eine gewisse An- zahl von Personen grnppirt; als ich nach den Regierungsmitgliedern fragte, antwortete man mir:„Das sind wir. Ergreisen Sie nur die nöthigen Maßregeln!" Als ich nach Flourens fragte, sagte man mir, daß er die Regierungsmitglieder bewache; auf diese Weise also erfuhr ich,'daß sie Gefangene seien Ich wiederhole aber, daß ich an ihrer Verhaftung in keiner Weise mit betheiligt war; ich weih nicht einmal etwas von den Dingen, die mit diesem Borsall in Verbindung stehen. Präsident: Was ich gesagt habe, geht aus den niedergelegten Zeugenaussagen hervor, die Sie bald hören sollen. Blanqui: Ich werde uöthigenfalls auf die Zeugenaussagen näher eingehen. Bis dahin stelle ich alles in der Anklage Gesagte in Abrede. Ich füge noch hinzu, daß Dank meiner Mäßigung an jenem Tage lein Blut vergossen worden ist. Präsident: Sie wollten sagen, Dank der Mäßigung der Regie- rung und der Generale, welche die mttitärischen Kräfte von Paris be- fehligten. Blanqui: Entschuldigen Sie! Die Nationalgarde hatte die ge- messensten Befehle, alles Blutvergießen zu vermeiden, und weil sie diesen Befehlen gehorcht und sich sehr ruhig gezeigt hat, daher ist kein Tropfen Bluts vergossen worden. Das ist die Wahrheit und tausend Zeugen können es erhärten. Präsident: Wir werden später sehen, daß, wenn Sie frei fortge- kommen sind, dies daher, rührt, daß man kein Blutvergießen wollte; aber an dieser Mäßigung tragen nicht Ihre Bataillone Schuld..... Setzen Sie sich! Zeugenverhör. Emanuel Arago, Advokat und Abgeordneter, 59 Jahre alt. Zeuge: Bon der Rolle Blanqui's am 31. Oktober weiß ich persönlich absolut nichts; ich habe ihn nicht gesehen. Präsident: Was wissen Sie von der Amnestie für den 31. October, von der der Angeklagte spricht und welche von der Regierung der nationalen Vertheldigung versprochen worden sein soll? Zeuge: Ich bin darüber schon befragt worden. Ich antwortete und"antworte: daß ich persönlich nichts weiß. Ich habe meine Kol- legen gefragt; sie haben mir verfchert, daß keiner von ihnen ein Wort davon gesprochen hätte. Präsident: Zu welcher Zeil sind die Verfolgungen(wegen des 31. Oktober) angeordnet wordei:? Zeuge: Wir haben mehrwal darüber diskutirt, ob Verfolgungen eingeleitet werden sollten oder nicht. Wenn man zu einer Regierung gehört, übernimmt ma» die Solidarität für die von der Majorität gefaßten Entschließmlgen. Es wurde also beschlossen, die Verfolgungen eintreten zu lassen. Jeder ron uns nannte Personen, die er gesehen hatte; ma» rief auch: Blanqii. Blanqui(sitzend; man halte es ihm erlaubt): Hat Herr Arago Herrn Garnier- Pages sagen, versichern hören, daß keine Ber folgungen eintreten sollen? Er sagte, daß dieser ganze Tag ver- gessen sein solle; es hätte nrr Jeder nach Hanse zu gehen. Zeuge: Ich wiederhole, ich weiß nichts davon. Präsident: Die Aussig: Garnier-Pages' wird verlesen»erden. Zeuge: Ich bin nur Ms 7 Uhr Abends geblieben, aber ich habe Herrn Blanqui i.n Berathrngssaal nicht gesehen. Blanqui: Sie konnten mich nicht sehen— ich war nicht da. Präsident: Können Sie uns, Herr Arago, erzählen, was am 31. Oktober im Stadthaus vorgegangen ist? Zeuge: Ich war rechts von General Trochu, welcher neben sich Jules Ferry oder Jules Favre hatte— ich weiß es nicht recht. Aar- nier-Pagcs, welcher unwohl war, saß, glaube ich, in der Fensternische. Plötzlich stürmte eine Menge von(theilweisi bewaffneten) Leuten und selbst Kindern in uusern Saal. Ma» überhäufte uns mit Beschimpf- »»gen und Drohungen. General Trochu war tief bewegt— wohl- verstanden: nicht vor Schreck. Bald bricht ein regulärer Trupp— wenn man bei einer solchen Assaire von Regelrichtigkeit überhaupt sprechen darf— in den Saal; alle Leute waren bewaffnet; es waren die Tirailleurs von Belleville. FlourenS und Milliöre waren an der Spitze der Tirailleure. Der Eine und der Andere stieg auf dem Tisch und hielt eine Rede. Man proklamirte eine Regierung. Plötzlich sahen wir einen Kommandanten der Nationalgarde ei u krewn, der ein Bataillon im Gefolge hatte, welches wir anfänglich für uns feindlich hielten, das aber im Gegentheil uns freundlich war und uns nnver- muthet entgegenkam. Blanqui: Ich bin doch bei alledem nicht dabei gewesen?— Zeuge: Ich hab's ja von vornherein gesagt, Herr Blanqui! Blanqui: Ich war in einem Nachbarsaal und habe nichts gehört. Zeuge: Ja, man mußte ziemlich nahe sein, um zu hören. Jules Si'.non, Uuterrichtsminister. Zeuge: Am 31. October war ich nach dem Bolkscindrang mit Jules Favre allein geblieben im Stadthaus. Lmtc unter den Be,eh- ten Flourens' führten uns in eine Fensternische und Flourens befahl ihnen, uns mit der größten Ehrerbietung und Höflichkeit zu behandeln; aber wenn unsre Freunde uns gewaltsam befreien wollten, sollten sie uns die Kugel durch den Kops jagen. Ich sah-aber natürlich sehr undeutlich— Blanqui in den Saal eintreten, in dem w>r waren; sequestrirt waren wir schon, so daß ich ganz aufrichtig glaube, er hat unserer Sequestration fern gestanden. Ich sah Jemand ihn anreden und umarmen, dann ging er in einen Nibensaal. Am Abend schien er sich der Meinung zuzuneigen, welche aus unserer Freilassung be- stand. Die im Dienste Flourens' stehenden Wachthabenden ließen uns gehen. Wir waren bis zur Thür vorgeschritten, als Blanqui bemer- ken lieh, man müsse die Zustimmung der in Freiheit befindlichen Re- gierungsmitglieder zu einer Bereinbarung haben, deren Gegenstand eine Art Amnestie sei und daß man uns vorher nichl gehen lassen dürfe. Jules Favre und ich erklärten, daß wir nicht frei wären und so lange wir es nicht seien, keinen Befehl geben, keinen Einslug aus unsere College» ausüben würden, und lehrte» in unsere Fensternische zurück. Päsident: Hsbeii Sie nich« geböri, daß Herr Daria» von eiuer Mmneiiie gesprochen harte? Zeuge: Nanz recht. Am Kenner unterhielt er unL von diesem Vorschlag. Es ereignete sich sogar ciwos ganz Eigenthümliches. Beim Beginn leneL Tages sah sich Herr Doris» die Diktatur angeboten; er schlug sie aus und verschwand dann. Jules Favre nnd ich glaub- ten, er hätte das ihm bezeugte Wohlwollen benutzt, um davonzukom- und Stempel versehe», angeschlagen. Der Strike sollte eigentlich noch fortgesetzt werden, weil sich der Direktor weigerte, einen Zusatz-Para- graxh, daß keiner der Strikcnden in Zukunft gemaßregelt werden sollte, aniznnehmm resp. zu unterschreiben. Der Direktor erklärte, es nicht . zu können, weil er sonst keine Autorität mehr habe u. s. f.; es wnrde darauf einstiminiq beschlossen, die Arbeit nicht eher aufzuneh- men, als bis die Unterschrist erfolgt ist, da man so häufig die Erfahrung men. Aber als man uns befreite, war der Eiste, den ich erblickte,' gemacht hat, daß das Ehrenwort allein nicht genügt. Es wäre sicher- Herr Dorian, der das Stadthaus nicht verlasien hatte, immer in der, lich auch dieses Verlangen durchgesetzt worden, trenn nicht einige Ar- Er sagte uns, daß große Gefahr �.....~■ Hoffnung, einen Ausgleich zu finden. zu laufen sei. Wir sagten ihm:„Run wohl! Was wollen Sie? Das ist unser Handwerk. Aber es handelt sich nicht blos um uns, sondern um schreckliches Blutvergießen." Blanqui: Ich war' doch bei alledem nicht anwesend, was den Din- gen vorangeht, die auf die Amnestie Bezug haben? Z-uge: Nein. Blanqui: Meine Dazwischenkunst beschränkte sich aus jene Frage, die— ich wiederhole eS— für mich eine geregelte Frage war. Garnier- PagöS sagte mir, daß dies eine beschlosiene Sache jei, und daß inau den Regierungsnlitglicdern Unrecht thate, wenn man daran zweifelte. Ich säge hinzu, daß am Ende dcS Tages Zules Ferry der auf dem S adthausplatz befindlichen Menge Wahrscheinlich� ils VasichüNngen in demselben Sinne gab. Man rief:„Es lebe die Repubtikl" und nicht:„Es lebe die Commune I''— Ich bin aus dem Stadthaus am Ann des General Tomisier gegaiigen, mit dem ich bis mitten in der Avenue Victoria gewesen bin.— Erinnert sich der Zeuge nicht, daß ein Stabsoffizier der Nationalgarde in dem Augenblick, wo ich da- zwischen kam/ im Saale rief:„Ich, ich bin Legitimist?"— Ich er- bot mich selbst, die Regierungsmitglieder, welche fort waren, zu suchen. Zeuge: Ich kann natürlich nur von den Dingen reden, denen tch persönlich angewohnt habe. Ich kann also auf Herrn Blanqui's Frage nicht antworten. Onfroy de Bröville. Dieser Zeuge war Eorporal in einer Comvagnie deS 17. Batail- leonS der Nationalgarde. Mit noch Zweien war er beauftragt, eine Thür eines der Säle des Stadthauses zu bewachen. Tibaldi stellte sich heran, aber Zeuge hinderte thn, einzudringen; Tibaldi bestand da- rauf, aber Zeuge— von den Bellenille-Tirallenls unterstützt, die ihm, ohne es zu wissen, halsen— wehrte ihn glücklich ab. In diesem Augenblicke erschien Blanqui am Eingang deS Saals; wahrscheinlich wurde er von den Leuten des Bataillons sestgehallen.„Es scheint"— fügt Zeuge hinzu—„daß Herrn Blanqui von einem unsrer Cameraden, der ihm einen Schlag mit dem Gewehrkolben gab, ein wenig Ge- walt angethan wurde." Blanqui: Das BlleS ist ganz ungenau. Ich habe Tibaldi nicht gesehen. Ich ging von einem Saal in den andern; man fiel über mrch her und schrie:„Das ist Blanqui! Das ist Blanqui!' Man zog mich von Hand zu Hand übcr die tiöpfc der National- gardistrn hinweg, man ris; mich a» de» Haaren, zerrisz mir die Kleider, einer der Siationalgardiftc» packte mich an der Kravatteund wollte mich erwürge»; man wollte mich ihren Hän- de» entreißen; andre Na»onal..ordisten protestirten, als sie mich so behandeln sahen; man gab mir ein Glas Wasser. Zeuge: Ich habe Herrn Blanqui nachher gesehen; er saß au einer Bank und sagte:„Habt Zlchtung vor meinem weißen Bart!" Blanqui: Ich habe kein Wort gesprochen; ich habe den Mund nicht aufgemacht. Edmund Adam, ehemaliger Polizeipräfett, übcr die Vereinbarung befragt, welche zwischen einigen Regierungs Mitgliedern und den Eindr nglingen geschlossen worden sei, erklärt: Es haben zwei Vereinbarungen beftanden, eine, die innere genannt, durch welche ousgemocht war, daß mau Wemeindc- und RegtcrungS- wählen veranstalten und die Führer der Ueberrumpelung nicht verfolgen wolle, uud eine andere Bereinbaiinig, die mau die mililätischc genannt Hai, uud die buchstäblich an den Thüren des Stadthauses geschloffen wurde. Jules Ferr» hat der Menge die Wahlen am gelündigt. Die Oistziere der Öldaungsbaialllone haben sich in die Reihin zerstreut und dort die Rachricht hingebracht. Es waren da: EuleS Ferry, der Eommandant Martin du Nord, welchcr eben die rbnungsbataillone herbeigeführt hatte, ich und mein Kadinetsches Man gab sich Händedruck als Unterschrist. Präsident: Wer hatte diese Bidingungen ausgestellt? Zeuge: Die anwesenden Regierungsmitglieder. Präsident: lvtan hat un« das GegernheU gesagt. Zeuge: Wer? Präsident: Herr Julei Simon. Zeug«: Herr Dorian ist cmrt; er wird meine Behauptung de ftällgen oder in Abrede stellen. Regierungscommistar: Weiß Her? Adam, daß mehrere Regierung« Mitglieder seauestrirt waren? Zeuge: Ja, aber JuleS Ferry war frei. Doriar sagt bezüglich der fraglichen Vereinbarrng auS: Es war lehr schwer, mit den Insurgenten vernünitig zu rcke». Man war Übercingc- komuicn, Munijipalwahlcn vornehiicn zu laffrn und ve>brelteie schließlich diese Nachricht unter die Menge; aber es handelte sich da- nim, da« Stadthaus frei zu machen. Tie Häupter der Eindringlinge: FlourenS, Deleicluzc, Milliör« und Blarqut sagten mir:„Aber wenn die Personen nicht geschützt sind, könne« wir nicht zu den Wahlen vorschreiten!" Darauf bcschloffen wir, las; man die Menge von den gesagten vnkschlicnungru benachUchtige und datz man die Kührer frei sich zurückzichrn laffe. tSchluß lolgt). Auternatiouale Mrtallmbciterschaft. vorauszusehen war, daß ans der demnächst abzuhaltenden Generalversammlung eine Slatutencbänderiing unumgänglich nöthig sei, so beschloß der Ausschuß, voi ders-lbcn keine Slatu-enbücher mehr machen zu laffen; da aber die Zahl der Mitglieder in verschiedenen Orien in erfreulicher Weise im Wachsen beg>iss>n ist, so wrnde in kurzer Zeit unser Vorrath ausgezehrt. Vor Kurzem wurden nun wieder welche nach Braunschweig und Spandau verlangt; nach erftercni Ort wurde der letzte Rest gesandt, während un» sür den letzteren keine mehr zur Verfügung sind. Wir ersuchen daher alle Bevollmächtigen von Ortet, wo noch Bücher vor- räthig sind, dieselben umgehend an den Houplkassirer einzuichicken und nur so viel sür sich zu behalten, als sie vorcussichtlich bis spätestens Z Wochen nach Pfingsten gebrauchen. Chemnitz, den L. Mai 1872. Der Ausschuß. Im Auftrag: Ä. Schubert. Tur Oeneralversaniiiiliing. Juttrvatiouale Metallarbeitcrschast. « Sämmluche Delegirte haben sich bei ihrer Anlunst im Arbeiter- dildungSvcrein Riiterstraße 13 anzumelden. Tic betreffenden Dele- girten werden ans die ErtrabilletS der sächsischen Bahnen aufmerksam gemacht. � Leipzig. Da» Lotalkomitee. Da bester einige Tage später die Arbeit aufgenommen, und mithin an ihren Kollegen einen Bcrraih begangen hätten; so viel ist sicher, daß es bei den Betreffenden nicht Notb war. sondenr Feigheit. Aber die bedräng- testen alten Familienväter sind bis auf die letzte Stunde standhaft geblieben; da? sei ihnen zur Ebrc gesagt! Die Verräther waren keine Familienväter und manche ledig. Die Treuen müssen nun darauf achten, daß es dem Herrn Direktor nicht gelingt, einen frischen Boden zu legen, vielmehr jeden Neuankommcnden schleunig in die Ge- nosienschaft hereinziehen. Dann und nur dann wird es möglich sein, daß die Errungenschaften erhalten weiden. In nächster Zeit wird hier eine Union entstehen, weil es schwer �cht, einzelne Geivirksgenossen- (chaften zu gründen nnd weil dann bei Ausbruch eines Kampfes der einzelnen Branchen die Unterstützung gesicherter ist, und der Sieg er- leichtert wird, überhaupt die Arbeiterbewegung mehr Fortschritte macht. — Auch die S ch u h m a ch er haben eine L o h» e rsi" tz>.: i- v on 1 k— 2G>/„ durchgesetzt. Der Berteaueu>>ueai.it, A.»nonrek. C ifimmttfchau, tt. Mm In der heutigen Versammlung der Schneider»» t-...s'n, deu» Forderungen an die Meister, wie vor- auszusehen war, resuliatlos geblieben sind— nur Herr'-V Mehlhor» hat in dieselben eingewilligt, da er sie für berechtigt hält—, wurde «„stimmig beschlossen, binnen 21 Stunden die Stadt zu verlasien, und ein Jeder hat es stch zur Aufgabe gemacht, allen Z::»:' der Ge- Hilfen von Erimmitschau fern zu halten, sowie die hiesigen Arbeitgeber als diejenigen Herren hinzustellen, die die Arbeitskräfte der Gehilfen möglichst billig, wie ein Stück Waare, zu kaufen suchen. Herr L. Kieß- Hauer selbst bat geäußert, daß, wenn man einem auswärtigen Helbergs- vater 1 Thlr. in die Hand drückt, durch diesen auch Leute zugestellt werden. Wir gedenken Dem aber einen Damm entgegenzustellen, an dem jeder derartige Versuch scheitern soll. Deshalb ersuchen wir auch jedes arbciierfrenndliche Blatt, diesen Artikel in seine Spalten aiifzu- nehmen. Wir fügen hinzu, datz wir, da wir gesonnen waren, uns mit den Arbeitgebern auf gütlichem Wege zu verständinen, jedo.v die von uns abgeschickte Deputation im höchsten Grade schroff behandelt woiden ist, in Folge dessen nicht nur auf uiisereo Forderungen beharrten, sondern, auch den Prozcnt-Satz von 16*/, aus 200/o erhöbt haben. NB. Wir bitten nun, darüber zu urtheilcn, ob unsere Forderung einer Lobnerböbung von 16'/, resp. 20° l0 gerecht ist, oder die der Arbeitgeber, welche kurz vorher ihren Kunden bekannt gegeben haben, daß sie den Preis sür ihre Arbeit um 25°/, erhöhen. Das Komitee. L.König. G. Fitzke. A. Kühnreich. R.Schindler R. Wieland. kostet 1 Ngr. E. R. Wien 2 Thlr. erh.; St. Sch. Tannenwald* das Bestellte kommt binnen 8 Tage». 7'trag erhalten; C. O. Sch- Niederaftalter: Bitte den Betrag von 1 Ngr. in Marken einzusenden, de aus Kreuzbandsendungen Nachnahme nicht erhoben werden kann. W. Kl. Buckau Brief richtig besorgt, 1 Thlr. f. Schrf. erh.; Rieth. Stuttgart f. Schriften 5 Thlr.; LemoiSne, Mainz f. Abonn. I. Qu. hlr. 28 Ngr. 5 Pf. Alb. Eoblenz f. Schrft. 20 Ngr. erh. iiüadung jum Siiftlmgsstst "* des Arbeiterverems z« Mülse« St. RiclaS. Sonntag als den 12. Mai Nachmittags 1 Uhr im Saale de» Meisterbauses. Die Fest-Rede gehalten von Herrn Llebknecht. Entree 1 Ngr. Alle Freunde nnd Parteigenosien, insbesondere die Wähler des 19. Wahlbezirks, laden wir hierdurch zur Theilnabme freund' lichst ein. Sonnabend Abend wird Hr. Liebknecht in unserem Arbeiter» Berein sein. Mülsen St. Riklas. Da» Komtke«. Voltsversammlung. In Kleinzschocher lmdet«onntag den 12. Mai Nachmiuag» 1 Uhr in der Restauration von Heinrich Lange eine Volksvei-san" iung statt. Tagesordnitug: Die indirekten Steuern resp- Eemäßigunz der Salzsteuer. Die Wohnungsfrage. Das Agttattonskomttee. Für Breslau. Arbeiterverein Geselligkeit. Sonntag, den 12 d. M. Abends 7 Uhr, geselligeZusammem kunft mir Damen in Paul's Restauration, Meblzasse Nr. 1. Die Parteigenossen mit ihren Frauen werden um zahlreiche Betheiligung ersucht. Gäste sind gern gesehen._ Der Borstand. Für Rochlit;. VoIKsvvr�aininhmz Sonntag den 12. Mai Nachmittags 3 Uhr auft seitwärts des Schießhauses. Tagesordnung: Oer Hochverratbsprozeß. Referent, vr. August Walfter. cm Kommunplatz, Mäunel. Hannover. 7 7 1 1 15 6 2 3 2 4 6 6 1 » 3 17 1 3 6 3 3 3 3 — 1 20 18 23 25 20 17 5 21 15 KÜrth. den 7. Mar. Die hiesigen Metallschläger-Gehülsen. welche eine der schwersten und anstttngendsten Arbeiten haben, stellten au die Meister das Ge>uch, die Arbeit»;«» wöchentlich auf 10 Stunden, beziebungsweise 12 Stunden zu verkürzen; die Herren Meister haben dieses Ansuchen zurückgewiesen, und demzufolge haben gestern nahezu .n 200 G« hülsen die Arbeit eingestellt. Es arbeiten zu nnserm größten Bedauern noch ca. 150 Mann, aber der Geist der Strikenden »st ein so vortrefflicher, daß wir die beste» Aussichten aus Erfolg haben, da nicht nur 200 Gehülfen die Arbeit niedergelegt, sondern zugleich auch 200 C-nlegenunen in daS gleiche Reckt der Forderungen e nge- treten sind. Brüder, die meisten der Strikenden sind verheirathet, weshalb Ihr Eure Psticht gegen st« ersüll-N werdet. Im Namen des Sirikecomitös Heinrilh Meier. Briese u. s. w. sind zu richten an Franz Hern per Adresie Herr Wastwirih Seilnmeier. Schießplatz in Fürth dei Nürnberg. KKlingeu. de» 6. Mai. Der hiesige Tuchmacher-Strike ist nach tl-iagiger Tauer heute Ibeilweise siegreich zu Ende gegangni. Die Fordelung der Tuchmacher(IV-stündiger ArbeilStag und 25°j, Lvynli höhung) ist mit unbedeutenden Abänderungen genehmigt, und der gemeivschasltich vereinbarte Tarif in allen Säten, mit Unterschrist Abrechnung vom Schuhmacher-Strike Einnahm e: Versammlung vom 1. März 1872 - vom 11. März 1872 Von Herrn Kellermann - Herrn Erb? aus Verden - Herrn Willig -- Bohlmann auS Berlin - Prien aus Preetz in Holstein -- Ludewig aui Harburg »- Fleisch aus Wolsenbültel -- Münz miS Nürnberg -- Schaper aus Hameln -- Glieimann aus Kiel -- Vornemeyer aus Eldagsen -- Loge! - den Schuhmacher-Altgesellen aus Heide « Herrn Schönfeld aus Brandenburg -- Schill aus Düsieldors -- MidSkowici aus Posen -- Throm aus Stade - Eckell aus Kassel -- Meingoßner aus Salzburg -- Sliebritz an? Weimar -- Häiilller aus Halberstadt -- Licbertin aus Celle -- Krause aus Berlin Aui der mechanischen Weberei io Linden bei Hannover Sammelliste Nr. 1 Nr. 2 Nr. 1 Von der Spinnerei-Liste Nr. 3 Ueberschuß vom Hanauer Strike durck Herrn Bartels Von der Mainzer Schuhmacher-Union Herrn Schill aus Düsseldorf den hiesigen Schneidergesellen Herrn Bödeker, Schneider - Lippold auS Greitz - Döring aus Königsberg i. Pr. - Großbolz aui Wandsbeck - Heidekampf aus Bremen - Drews aus Schleswig Von der hiesigen Zündhllichensobrik - Herrn Bartels, Kassirer deS Allg. D. Arb. V. - den Mitgliedern des Allg. D. Arb. V. Aus der Volksversammlung vom 26. März 1872 Von Herrn Poppe - LogeS den Schuhmachergesellen aus Ascherileben - au« Oiterudorf Durch Herrn Thiei aus Bremen Krebs aus Spandau Jordan aus Gotha .Kell« mann Von Herren Benzcl -- Poppe Errungene Prozent-Gelder, während des StrikeS von den arbeitenden Gesellen abgegeben, t Summa der Gesammteinnahme Ausgabt: An Unterstützung Thlr. Für Porto und Druckkosten bleibt Ueberschuß Thlr. zur Strikikassi 3 Thlr. 22 Sgr. 2 Pf. Ich spreche allen Freunden und Parteigenosien für liche Unterstützung im Namen der hiesigen Gesellschaft Dank aui. Mit sozialdemokratischem Gruß Ballhofstrqße 1, Hannover. Ernst Strecker. Wien. Die Aröeilsoermittlung des Gcwerkschasts- Vereins der Holzarbeiter bifindet sich in der Central« IV. Bez. Mühlgasie Nr. 1. Gasthaus z«m Blumenstock, an Werklagen von 7—9 Uhr Abend, an Sonn- und Feiertrgen 10— 12 Uhr Vormittags statt. 3 2 1 5 8 27 1 10 6 8 I 2 1 2 2 25 13 8 8 15 18 25 15 10 1 21 16 5 9 15 4 23 15 28 7 15 8 10 10 5 11 82 1— 312 11 10 266 11 308 22 26 ihre unsern 18 8 freund- besten Für Ludwig Keucrbach. Von einer heitern Gesellscka'r bei G.. Thlr. 17 Sgr. r, grj. durch R.ß: Berichtigung.., In der Mainzer Correipondenz der vorigen Nummer ist ein Druckfehler im II. Absatz. 2. Zeile. Es ist statt„Erbauung" „ E b c n u n g derWälle�zu lesen._______ Brteflasteu der Erpediiion: Oehme Breslau die Annonce kam für Nr. 37 zu spät; Knöller, Augsburg desgleichen. Müller Colp f. II. Ab. Qu. 30.thlr. Fachverein der Kürschner j. Ab. I. Qu. 20 Ngr.— BtlhauS Leipzig: RochUtz: Ihre Annonce kostet 2 Ngr. 5 Ps. Männel, Rochlitz: Aunonce s« Für Etzlivge». Nächsien Sonntag Adcnd von 6 Uhr an gesellige ZusaunaOte kunst bei__ Frömsier, Bierbraun._ Für Auasbura. Sozial-demokratische Arbeiterpartei, Sonntag, den 12. Mai Vormittag 10 Uhr, Versammlung im Geisterhaus. Zahlreichem Erscheinen sieht entgegen I. A.: C. Knöller� Für Berlu». Sozial-demokratischer Arbeiterverein. Jeden Moutag Abends 8 Uhr Versammlung im Kaffee Wei- land, Alexandnstraße Nr. 10. Alle nach Berlin kommenden Parteigenossen werden ersucht, die Versammlungen zu besuchen.____ Für Berlin. Die hiesigen Mitglieder der ioternatioiialen Gcwerksgenossenschasl der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter versammeln sich regelmäßig jeden Sonnabend Abends 8 Vi Uhr, Weinstr. 7 im Lokal des Herrn Schumacher. Berlin. 6. Mai. Der Bevollmächtigte. Für Leipzig. Internationale Metallarbeiterschast. Außerordentliche Sitzung. Sonnabend, den 11. Mai Abends 8 Uhr im Lokale deS Herrn Gerhard, Marien straße Nr. 9. Tagesordnung: Generaloersamm- lung. DaS Erscheinen aller Mitglieder ist bringend nolhwendig, inde« dieleibeu aus Paragraph 6 der Gewerkschastsstatuien ausmerksaw gennrchl werdeu. Der Bevollmächtigte. Sonnabend den der Herberge. Für Leipzig. Äkktioiisorrsammlung der vöttcher. 11. Mai Abends 8 Uhr. Siernwarienstrahe aus Gewerkschaft der Holzarbeiter. Die Versammlung der Sektion der Tochter und Pianosortearbeiter findet Montag den 13. Mai im hinteren Lokale von Götze'? Restaura- lion, N kolaistraße, statt. Ausnahme neuer Mitglieder. Zuni 2. Webertag in Berlin. Den geehrten Theilnehmern wird hiermit Folgendes eröffnet: 1) Di« Verhandlungen werden am 1., 2. und 3. Pfingstfeiertag als am 19., 20. und 21. Mai im Lokal deSgroßenHandwerkerver» eins, Sophienstr. 15. abgehalten werden. Ersorde>lichensalls wird auch sür den 1. Feiertag, a:? den 22. Mai ein Lokal reservirt werden- Die Verhandlungen beginnen am 1. Feiertag Vormittags 11 Uhr und enden spätesten« Nachmittag« 1 Uhr. Na bmiltags 6 ll.zr: Beginn der Festlichkeiten: Begrüßung der Deleginen, Eoncert u. s. w. Am 2. uud 3. Feierlag Beginn der Hauptverhandlun gen: Vor» mittags 9 Uh:, Ende unbestimmt. 2) Zu Delegirten und Referenten sind nur Fachgenosien zu wählen und sind die Delegirte» mit Mandaten zu versehen. 3) Die am Heiligabend alS am 18. Mai einttesienden Delegirien melden sichin dem Lokal, Langestr. Nr. 70 bei Weiß; hingegen die am 1. Feierlog eintreffenden im Lokal deS Handwerkerverein«. Indem wir nochmals unsere Berussgenosten auf die Wichtigkeit dieses Weber» K ongrcssts auimerksam machen, ersuchen>air zugleich die Herren Dele« girten sich möglichst einige Tage sicüher beim Lokal komiie« schriftlich anmelden zu wollen. Berlin, den 5. Mai. DaS L okalkomitee. R. Brandt, Vorsitzender, Kraulstr. 10. G. Berginann, Schrisifüh. Pallisadenstr. 15 Eolouuadevftr. 1.(C, Ükljf t 1 Eolounadevstr! tmPfi«hit Papier wäsche, als; üntgeu, ChemiaeUeit u. Manchetten bei reellen Preisen NB. Bestellungen nach auswärts werdeu prompt ausgeführt. (Teleqraphische Depesche.) Chemnitz. Mctallarbeitergewcrkschaftl In«rwägun«, das; der«rwerkschaftscongrek 3 Wochen nach Pfinqsten ftattt findet keine PiitqlieSschaft im Prinzip dagegen gestimmt hat, erklären wir, die Veueralversammlung zn Leipzig für Pfingstev istirt n»d findet Generalversammlung sowie Gewerkschaft� congretz zu obengenannter Zeit in Erfurt statt. Ausschutz„ud Controlco», Mission Chemnitz, Nürnberg Dep.). Tischlerstrike bevorstehen»- Briefe folge«. Der Audschutz- � ürzburg.(Del. Wir warneu vor Zuzug. Verant v.«dakteur». Muth(Redaktion u. E xpediiteM Ho hefte. 4.) Druck u. Verlag v. F. Thiele.