I No. 50 Sonnabend, 22 Juni. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: die Erpedition, Hohe Str. 4. A. Bebel, Petersstr. 18, F. Thiele, Emilienstr. L. 1872 Adonuemeurspreis: Für Preußen incl. Stempelsteuer l7Sgr., für die übrigen deutschen Staaten l2'/, Ngr per Quartal, per Monat 4'/» Vtgr, für Leipzig und Um- gcgcnd per Quartal 13Ngr. Filialerpedttivn für dieBer- emigten Staaten: d'. A. Sorge, Box 101 □oboken N.J. viaNewyork Organ der sozial-demokratischen Arbeiterpartei and der Znternattonaien Gewerksgenossenschasteu. Abollnements-Emladung. Wir bitten alle Leser und Parteigenossen, sich zum neuen Quartal, welches mit dem 1. Juli beginnt, für die weitere Verbreitung des„Bolksstaat" zu bemühen.— Das Abonnement erneuere man jetzt schon, um die unangenehmen Verzö- gerungen, die sonst beim Quartalwechsel eintreten, zu vermeiden. Das Postabonncment ist, mit Ausnahme der Orte, wo Filial- expeditionen bestehen, das beste, und liefert jede Postanstalt gegen ein Bestellgeld von Z1. Gr. pro Quartal den„Volks- staat" frei ins Haus. Krcuzbandsendunzen sind nicht zu empfehlen, da diese noch einmal so theuer. Der Äbonncmentspreis beträgt, wie bekannt, 12'/a Gr.; für Preußen incl. Stempelsteuer 16'/- Gr. Politische Uebersicht. Kultur staatlich es. 1) Der„Stuttgarter Beobachter" ver- össentlicht aus einem von mehreren Geistlichen verfaßten„Gebelbüch- lein für Soldaten evangelischen Glaubens", das am Sonntag in der Frühe den frommen Kriegern eingehändigt und nach voll- zogener Reich�andacht behufs späteren Gebrauchs wieder einge- sammelt wird, ein„Gebet eines Reiters", welches also lautet:„Herr Gott, ich danke dir, daß du diese edle Kreatur geschaffen hast, die mir so nützlich unv werth ist, und die mir dient, wie ein Glied an meinem Leibe. Laß mich darum mein Roß um deinetwillen in Ehren halten, seiner treulich warten, keinen Unwillen an ihm auslassen und stets bedenken, daß auch diese Kreatur, so uns unterworfen ist, h ar- ret der Offenbarung der Kinder Gottes, zu der du mir verhelfen wollest. Amen!" Da sich Gott bekannlich nur den Propheten offenbart, so ist durch Obiges unwiderleglich bewiesen» daß die Propheten des„Reichs der Gottesfurcht und frommen Sitte"— Pferde sind. Der Kultursortschritt der letzten 3000 Jahre ist somit ein höchst erfreulicher. Denn während zu Bileams Zeiten die Offenbarung noch einer Eselin zu Theil wurde, hat sie sich jetzt„aufs hohe Roß gefetzt."— 2) Aus Wilhelmshafen berichtet der dortige„Courier": „Wir vernehmen, daß vor einigen Tagen drei Herren(See-) Lsfiziere, an einer hiesigen Nähschule vorübergehend, aus dem Fenster Lachen hörten, welches sie auf sich meinten beziehen zu müssen. Zwecks einer Revanche wählten sie ein höchst drastisches Mittel. Eine Ab- theilung Matrosen, das Musikkorps an der Spitze, wurde von einem Offizier eines Morgens um 10 Uhr vor das betreffende Haus g- führt, machte Front und warf unter dem Hohnaelächter des Anfüh- rers den am Fenster sitzenden Nätherinnen Kußhände zu. Am fol- genden Tage wurde der Zug abermals vorübergesührt und wieder- holte das Manöver in stärkerem Grade durch Zuwerfen von Kußhänden, Zungenausstrecken und Pfeifen. Mit Recht herrscht unter der hiesigen Bürgerschast über eine Lynchjustiz Seitens gebildeter(!!!) Herren Staunen und Entrüstung und man fragt sich: Welche Konsequenzen zieht dieser Borfall für später nach sich, wenn das hiesige Slationskommando nicht energisch gegen die betreffenden Anstifter vorgeht? Man mag über die Sache denken, wie man will, jedenfalls ist es durchaus gesetzwidrig, wenn ein Vorgesetzter seine Untergebenen in solcher Weße verwendet, um seine persönlichen An- gelegenhciten zum Austrag zu bringen." Auch hier verzeichnen wir mit Vergnügen den Kulturfort- schritt, der sich in dem Benehmen der Bremerhavener Offiziere im Vergleich zu dem sonstigen Betragen ihrer Standesge- Nossen kundgiebt; denn das wird wohl Niemand in Abrede stellen wollen, daß das„Zuwerfen von Kußhänden" für den Betroffenen weit weniger empfindlich ist, als: einen Degen in d'n Leib gestoßen zu bekommen. Und was das„Zungenaus- strecken" betrifft, so ist diese Prozedur zwar lange nicht so ge- schmackvoll, wie däs„Zuwerfen von Kußhänden", allein„der Soldat"— sagt Moltke—„muß Alles ertragen können."— 3) In einer und derselben Nummer der Ruhm- und Mil- liardenbezeisterten„Held'schen Staatsbürgerzeitung"(vom 11. d. M.) finden wir folgende zwei Notizen, welche— namentlich die erste— den„Schulmeister, der bei Sadowa:c. siegte", inS richtige Licht stellen. Notiz Nr. 1: Bei einer Schulrevision im Kreise Neustadt, Oberschlesien, ergab es sich, daß sämmt liche Kinder der unteren 3 Klassen, also Kinder von 9 bis 10 Jahren, welche die Schule seit drei Jahren besuchen, weder schreiben noch lesen können.— Notiz Nr. 2: Aus Berlin selbst datirt, und die Thatsache ent- haltend, daß 2 Knaben von 9 Jahren bisher nicht zum Unterricht gelangen konnten, weil Schuldeputation und Schulkommission auf keine der betr. Eingaben und Vorstellungen geachtet hatten. Nur einem be- sonderen Glückszufall ist zu verdanken, daß beide Kinder jetzt m die Schule gekommen sind, wo sie hoffentlich etwas mehr ernen, als ihre Oberschlesischen Leidensgefährten.— Das Jesuiten gesetz ist— wie zu erwarten stand— 0m Reichstag angenommen worden. . Die Stellung der Sozialdemokratie zu diesem Ausnahme- ? �urde vom Abgeordneten Bebel in einer Weise vertre- � bas blöde Geflüster von dem„Zusammengehen der -, und Rothen" vielleicht ein Wenig zum Stillstand mA-")CJrn Gudendorf in Zürich bleibt es unbenommen, über die atfri A' �schubleistung des gesellschaftlich-staatlichen Un- d-- r«?! v Cn� oder gar kameradschaftliche Liebäugelei mit 'A Eltens„vielfacher Elemente tn der Sozial-Demo- vliii�J.,®'r bringen die Rede in nächster Woche nach dem fienogra- Bericht. Red. d. B. kratie" auch fernerhin zu lamentiren. An dieses Lamento wird sich Niemand kehren, so lange Herr Ladendorf nicht frei und frank erklärt, w o diese„vielfachen Elemente" eigentlich stecken.— lieber 1000 Komniune Bcrurlheilte sind in voriger Woche zur Reise nach Neu-Caledonien eingeschifft worden, da- runter Leute, die— wie Gustav Maroteau— sich im vorgerückten Stadium der Schwindsucht befinden. Die Behandlung der Gefangenen ist nach wie vor eine entsetzliche, selbst ihr eize- ncs Geld dürfen sie nicht zu ihrer besseren Verpflegung ver- wenden.— Und in gleicher Weise wie gegen dieKämpfer der Kommune, wird gegen ihre Vertheidiger gewüthet: Redakteur und Gerant des„Radikal" sind in letzter Woche weqen eines ganz harmlosen Artikels über den Tod von Delescluze und eines über die schlechte Behandlung der Kommunegefangenen zu mehreren Tausenden Francs Strafe und einem Jahr Ge- fängniß verurtheilt worden.— Durch Zufall kommt uns die letzte Nummer(300) der Hatzfeldt'schen„Freien Ztg." in die Hände. Die Durchmustrung dieses journalistischen Unicums— dessen Existenz wir uns nicht träumen ließen— giebt mancherlei kuriose Ausbeute. Zum Beispiel auf S. 1. eine konfuse Ergießung gegen das Je- suitengesetz, in welcher die Tirade vorkommt:„Wir erwarten wegen der Stellung, die wir in dieser Frage einnehmen, von allen Seiten angegriffen zu werden, sowohl von den national- liberalen und reaktionären Parteien mit dem Geschrei:„das ist die Allianz der schwarzen(8k:!- Demokraten?) und rotheu Demokraten!" als von Seiten der Astersozialdemokraten Hasen- clever, Liebknecht, Bebel, die uns des Jcsuitismus beschul- digm werden".-- Ist das nicht köstlich? Den Jesuiten hat man mit Recht und mit Unrecht schon alle möglichen schlimmen Dinge nachgesagt, nur Eins nicht: Dummheit. Und wir sollten Fritz Hatzfeldt, geborne Mende, für einen Jesuiten erklären! Ist uns nie eingefallen und wird uns auch nicht einfallen. Sogar sein famoser München-Glad- bacher Kirchgang wird uns zu keiner so grausamen Beleidigung der Väter Jesu veranlassen.' Dieselbe Nummer der„Freien Zeitung" enthält auf S. 2. den trotz der mangelhaften Grammatik— won Logik gar nicht zu reden— recht verständlichen Satz:„Wenn man bedenkt, daß ein Kaiser der Franzosen weit leichter beseitigt werden kann, als die Herrscher einer Bourgeoisrepublik, daß die Hoff- nung auf den Sieg der Sache des Volks unter dem Kaiserreich unenvlich höher wäre, als unter einer Republik, wie die gegen- wärtige Französische es ist, so wird man ordentlich ver- sucht, fürs!) die Agitationen der B o napartisten ein Interesse zu nehmen. Es ist dies auch sonder Zweifel die Anschauung eines großen Theils der Französischen Nation und dieser Umstand bewirkt, daß die Mitglieder der Versailler Assemblee, diese„reine Bourgeoisversammlung", ohne Unter- schied der Parteien Front gegen das'Kaiserreich(!) machen." In diesem Gallimathias verräch sich das süße Herzensgeheim- niß, daß Fritz Hatzfeldt, geborne Mende, oder richtiger, daß Sophie Mende, geborne Hatzfeldt,(venn„unser Fritze" hat aus Gesundheitsrücksichten vorläufig, vielleicht für immer, seines Repräsentationspostens enthoben«erden müssen) von(hoffentlich platonischer) Liebe zu dem Helden von Sedan entbrannt ist— eine stille Leidenschaft, die sich noch deutlicher auf S. 3 offen- bart, wo einer bekannten Erzählung, Bonaparte habe die Nach- richt, König Wilhelm bestehe auf Gefangengabe der ganzen Armee, ini Bett liegend„mit unwürdiger Gleichgültigkeit em- pfangen", folgende Bemerkung beigefügt wird:„Diese Mit- theilung scheint nichts weniger als charakteristisch; es ist nicht abzusehn, was der Kaiser(!) hätte thun sollen. Sollte er etwa nackt aus dem Bette springen und Purzel- bäume schlagen?(Fi donc, Sophiechen!) oder was? Für ihn stand Alles auf dem Spiel. Wenn er also sehr ruhig schien, so wird seine Seele an dieser Ruhe keinen Theil gehabt haben und diese Notiz bleibt ohne Werth. Sie sieht der Mitheilung eines Gegners sehr ähnlich."— Ei, wie zärtlich, Sophiechen!—„Doch was scheert uns Fritz Hatzfeldt oder Sophie Mende?" hören wir viele Leser ausrufen. Nun,„so ganz ohne" ist die Sache nicht, und Sophie, die für den Mann von Sedan schwärmt, gehört als nothwendige Ergänzung zu dem entlarvten Schweitzer des Manns von Biarritz.— Leipzig, den 17. Es geht uns nachstehende Berichtigungzu: „In Nr. 47 Ihres Blattes vom 12. Juni 1872 befindet sich eine anderen Blättern nachgedruckte, romantisch ausgeschmückte Erzählung von einer Audienz, welche meine Großmutter nach der Verurtheilung meines Onkels Hermann Jellinek im Jahre 1848 bei der Erzherzogin Sophie genommen haben soll. Da mein verstorbener Onkel, nebenbei nicht aus Prag, fon- dern aus Deslowitz in Mähren und nicht Rabbiners-, sondern Kaufmannssohn, bei dem Tode seiner Mutter erst drei Jahre zählte, so beruht die ganze Geschichte, insofern sie sich auf Mit- glieder meiner Familie bezieht, auf reiner Erfindung. Leipzig.. Dr. Georg Jellinek." Leipzig, den 20. Heute ist der verantwortliche Redak- teur d. Bl. wegen Abdrucks des Gedichts„Ein Gruß an die Internationale aus Hamburg,(Nr. 39 d. Bl.) zu 139 Thaler Geldbuße verurtheilt worden. Chemnitz. Most hat am 17. seine 8wöchentliche Haft angetreten. Crimmitschau. Der„Bürger und Bauerfreund" schreibt unterm 15. d. M.: Der Abgeordnete L asker hat im Reichs- tage die sächsische Rechtspflege des höchsten Grades von Lang- samkeit angeklagt. Wir unsrerseits sind in der günstigen Lage, diesem Vorwurfe mit gutem Grunde widersprechen zu können. Heute vor 14 Tag>'n erst wurden wir von einer gegen uns erhobenen Anklage in Kenntniß gesetzt und gestern schon ist uns das auf drei Monate Ge fängniß lautende Urtheil erster Instanz verkündet worden. Mainz. Während der Abwesenheit mehrerer einflußreichen Partei-Mitglieder von hier, die sich nach Erfurt zum Gewerk- schaflskongreß begeben halten, versuchten in voriger Woche die Schweitzer'schen Agitatoren Frohme(Hannover) und Hart- mann(Hamburg), die hiesige Maurerunion für den„Allge- meinen Deutschen Arbeiterverein" zu gewinnen, jedoch vergebens. Es sei dies andern Orten zur Beachtung empfohlen! Die Professur der Arbeit.*) , EbOc Freund, wo öffnet sich dem Frieden, Wo der Freiheit sich ein Aufenthalt? Das Jahrhundert ist im Zorn geschieden, Und das neue öffnet sich mit Mord." Edler abgeschiedner Freund, wer von uns hätte sich träume» lassen, daß da« Jahr 1369 mit der Zerstörung der Lauensteinsch.'ii Wagen» fabrik in Hamburg abschließen, das Jahr 1371 mit der Verbrennung der Königsschlösser in Paris ansangen könnte! Aber so wie e» zu Schiller's und Gölhe's Zeil gewesen, so ist es zu Stein's und Arndt'« Zeit gewesen. Und wie es zu Dahlmanns und Simrock'S Zeit gcwe- sen, so ist es zu unsrer Zeit gewesen, als Graf Reventlov und Hein- rich von Gagern die Welt regierten. Nur Wenige können in ihrer Zeit auf dem Markte der Welt sich zurechtfinden. Die Wenigen, die was davon erkannt, die unbewußt ihre volles Herz nicht wahrte», die wird man verjagen oder einsperren; oder wenigstens nicht anhören, wenn sie jung sind und übersprudeln von Begeisterung. Die Alten werde» die Jungen wegdrängen und ihnen zurusen: Unverschämte Gesellen, wer hat euch berufen, die Welt zu regieren? Und durch die Verdrängung vom Markts der Lebensnahrung und Lebensstellung werden sie geschult, zur Einkehr bei sich selber gezwungen werden. Inzwischen, wenn sie reifer geworden sind, so daß sie als Spritzen» lerne zum Löschen des Weltfeucrs wohl zu brauche» wären, wird die raschere Jugend schnell sich vordrängen und, wie wenn'S nm die Stelle in einem Modegcschäft sich handelte, den Platz besetzen, welcher besser mit Sehern und Gehern besetzt war. Dan», wann die junge re- gierungslustige Welt alles verkehrt gemacht, die Karre in den Dreck gefahren hat, dann will man zwar ünser», den Rath der, ,48er" gern habe». Aber nun, da wir uns nicht mehr für große Welwerbesserer wie einst, als Schleswig und Holstein schmachteten, noch für Wandel» sterne erster Klasse selber halten, sondern das häusliche LebenSglück, Holzhauer zu sein oder nach dem Garten zu fahren, behalten möchten, nun sind wir zu verwöhnt oder z» entwöhnt, zu überarbeitet ober zu verhungert, jedenfalls viel zu alt und viel zu unbeholsen, um noch an der Weltrcgierungsarbeit im Reichstage, in der Bürgerschaft, im Sil» dungSvcrein oder gar am kaiserlichen Hof« uns zu betheiligen. Wir sehen auf die wunderlichen Gecken um uns her nun gerade eben« so vornehm hinab, wie der Senat aus unS herab sah, als wir den Handschuh und die Reitpeitsche für daS Ideal der Kraft hielten. Aber unsere Schuldigkeit ist— das wissen wir— öffentlich zu sagen, was wir denn wissen über Kapital und Arbeit, über Bolkiherr» schaft und Bolkscrziehnng. Wissen wir etwas Neues, was man nicht immer gewußt? Die wenigsten Leser dieses BlatteS werden �näheu können. Ei« werden sich nicht rühmen, daß sie mittelst der Senfe oder Sichel ihr Brod zu verdienen verstehen. Manche Leser werden selten«ine Sense nah- bei sich gesehen, manche niemals eine„Lch" angefaßt baden. Sehr wenige werden Roggen, Rappsaat zu schneiden, Gras, Klee zu mähen selber versucht haben. Dieser Aussatz will seinen Lesern den Rath geben, ja und ja da« Mähen nicht zu versäumen. Davon, daß die Arbeitsleute des dänisch-deutschen Schleswig und die Probstcier des Kieler Hasens mit der Sense und Sichel aus Arbeit reisen ins west- liche Schleswig und Holstein, um das Gras und Korn der Land- besitzer an der Westküste in Dithmarschen und in den sriestschen Marschen zu mähen, davon werden die wenigsten Leser gehört haben. Soviel wissen vielleicht nur wenige Leser d. Bl., daß der Mähelohn für einen Tag von Morgens 3 Uhr bis Abends 8 Uhr zu 1 Thaler Preuß. ohne Kost, zu 20 Schilling Hamb. Cour, die Kost und zu 20 Schilling Hamb. Cour, der Lohn, gerechnet wird. Was sollen wir davon wiffen? Die Zeit, das Jahr berechnen, wann die thenre Mähemaschine ihre ältere' Schwester, die Sense verdrängt haben wird. Was dann? dann ist in Hcrzogihllmern Social-Revolution, d. h. Lust der kleinen Leute, das Eigenthum zu zerstören oder— deutlicher ausgedrückt— dasselbige zu thun, was die Fabrikarbeiterin Paris kürzlich") gethan haben: die Gartenhäuser umzumähen. So eine Sense schneidet scharf. Nämlich, wenn der gegenwärtig bezahlte Mähelohn nicht mehr ver- dient, der höchste Preis der Arbeit, welcher jetzt für'S Mähen bezahlt wird, nicht mehr bezahlt werden kann, sondern von 1 Thlr. Preuß. auf 2 Mark*"*) 4, von 2 Mark 4 auf 2 Mark u. s. w. sinkt, dann beginnt derselbige Welt: und Wettkampf, welcher zwischen Frankreich und Deutsch- land gekämpft ist, im Inland«, im Jilnern. Der Ausbruch des Slraßen» kampses wird durch die schönsten Karten und Schlachtpläne des Frei- Herrn von Moltke nicht erstickt werden, die Mäher, welche heute noch eine kräftige Fleischportion ft) erhalten, welche gepstegt werden wie kräftige Arbiiispserde,1"s-)dle werden zusehen müssen, wie die eiserne Dampf- *) Dieser Aufsatz ist so reich an richtigen und originellen Gedanken, und von so edler, wahrhast humaner Gesinnung durchgeistet, daß wir uns, trotz mancher von der sozialdemokratischen Weltanschauung abweichenden Ausführungen zur Ausnahme desselben in den„Volksstaat" verpflichtet glaubten. R. d. V. *•) Der Aussatz ist bereits ein Jahr alt.. •") Die Mark(Banko), die in Hamburg, Lübeck und Holstein gilt, ist gleich 12 Silbergroschen, und zerfällt in 16 Sch llinge. f) 1. Mehlbeutel mit Speck und Syrupsauce. 2 Erbsen m,t Speck uiid Fleisch. 3. Geräucherten Stockfisch mit Pellkartoffeln. Mai-- Mehl- suppe. 4. Frische Suppe. 5. Specksuppe mit Klößen. 6. In Fett g- kochte Pfurtcheil, Grützbrei mit«irr oder Milch. 6. Frische Fleischs uppe mit ftischem Fleisch..... ff) 1. Uin 2 Uhr Nachts Thee. 2. Um 4 Uhr Grützbrei mit einem Stück Buiter darin und Eier. 3. Um 9 Uhr, Butterbrod mit Käse und Bier. 4. Um 12 Uhr die obigen Speisen. 5. Um V»3 Thee resp. Kaffee mit Bulterbrod. 6. Um 5 Uhr Butterbrod mit Käse und Bier. Maschine ihnen das bisher am heiße» Sonneiuag so sauer durch Schweiß erworbene Brod wegfrißt, gierig, rücksichtslos, ohne Mitleid„Zu rechter Zeit nur Lebensbedurfniise beschränken, euch zusammenthun zu einer Äenossenschaft, euch gemeinschaftlich eine Mähmaschine an- schassen, übergehen von eurer bisher mit den Armen ausgeführten Handarbc.t der Abmähung zu der Kopfarbeit der Ausrechnung von Decimalstellen und der' Kapitalverschaffnng"— das und noch viel mehr ist leicht gesagt aber schwer gethan. Es ist leicht gesagt aber schwer gethan. Es ist nicht gesagt, daß der Wagenfabrikant eine Buchdruckerei anlegen solle und der Schriftstellerei sich widmen; daß die Baumwollcnspinnerei nach Ostindien verlegt werden könne uud daß die entlassenen Leute Advokaten werden könnten. Ja, wenn man das Mähe», dabei stehend, nur so wie ein Schauspiel ansieht, so fliegt eiiFi» bald ein guter bald em fauler Gedanke durch den Kops und man hört gemächlich die Einfälle der Leute an. Aber, wenn man selber das Fett sein soll, das in die Achsen der Dampfräder ver- schmiert wird, wenn man selber die eigenen Knochen zermalmen lassen soll, wenn man die eigene Frau, die eigenen Kinder als Ver- suchsarbeitSfeld hergeben soll, wenn man selber der Rohstoff sein soll, aus welchem so viel Kapital herausgepreßt wird, damit ein Zei- lungsleser heute sur 2 Thaler in Hamburg zu Mittag speisen kann— das ist doch weniger angenehm. Was du nicht willst, daß man dir thu', das fug' auch ke.nem Andern zu. Ganz gewiß ist, daß von allen Lesern kaum einer, wenn's auf seinen freien Willen ankommt, geneigt sein wird, zum eigentlichen Proletariat, d. h. zu den Arbeitern, welche keine Arbeit finden oder wenigstens nicht den zur Bestreitung ihrer gewöhnlichen Bedürfnisse nöthigen Arbeitslohn erlangen können, zu gehören. Wir Menschen wünschen alle zu leben, und geht's nicht vergnügt, doch wenigstens nothdurstig; niemand wünscht von 100 Thaler Jahrcslohn auf 50 Thalcr, niemand von 1000 Thaler Jahreseinkommen auf 200 Thaler herabgesetzt zu werden. Wann wird es den Hanl- burger Bürgern ebenso ergehen, wie den citcyens de Paris? Sehr bald, wenn sie nicht P r o fe s s o r e n der Arbeit anschaffen. Es muß anch solche Leute, welche die gesellschaftliche Bewegung studiren, geben../Wozu haben wir denn Advokaten und wozu bezahlen wir die Priester, wenn sie die Revolutionen nicht vorher sehen und verhüten können?" Solche Sonderlinge, welche den feuerspeiendes Berg, ehe er Feuer ausspeit und die Städte in Aschenhaufen verwandelt, rechtzei- tig beobachten, nennt man Professoren. Ein Professor heißt ein solcher Fernseher, welcher beobachtet, wie das Fleisch im heißen Sommer faul wird, durch welche Mittel es vor der Fäulniß zu bewahren ist und wie es verpackt werden muß, damit es auf einer Seereise sich gut halte. Es fehlt in Hamburg nicht an Aerzten und Apothekern; aber es fehlt an einem Professor der Arbiit. Ich will nicht gerade behaupten, daß die Lauensteinsche Fabrik noch heute erhalten worden wäre, wenn Hamburg einen Professor der gesellschaftlichen Arbeit hätte kommen lassen und dessen Gutachten zur rechten Zeit verlangt hätte. Aber die geschehene Geschichte soll uns warnen und daran uns erinnern, daß dieenglischen Fabrikinspectoren uns fehlen. Es kann solche Beamte geben, welche dafür bezahlt werden und deren Geschäft darin besteht, das Gesetz der Arbeit zu beobachten und da- rübrr zu wachen, daß richtige Aibeitergesetze gegeben werden. Wenn die Leidenschaften der Leute erst heftig erregt sind, dann ist freilich alles Zureden und Verhandeln vergeblich. „Aber ebensowohl, wie vor zehn Jahren die Fabrikarbeiter an dem Schillerznge fröhlich Theil nahmen, so würden sie auch dem Professor der Sozialpolitik ruhig zugehört haben, wenn der sie davon überzeugt hätte, daß eine Herabsetzung des Lohntarifs durch die Konjunkturen des Weltmarktes als unvermeidlich geboten fti. Wir müssen in deutschen Landen überzeugt werden, daß wir Unrecht haben. Die wilde Klassen- Agitation fruchtet überhaupt auf dentschem Boden erst recht nicht. Wir müssen die Ueberzeugung haben von dem wirklichen Marktpreise, welchen unsre Arbeit heute hat und künftig haben wird." Ohne über das Wort„Kapital" ein dickes Bnch schreiben zu wollen, glaube ich zur Aufhellung der Sache doch etioas beitragen zu können. Man übersetze das Wort Kapital in das deutsche Wort „Arbeitsgut". Das Kapital ist der Mensch, der arbeitende Mensch, der an sich selber für andere Menschen wirklich arbeitende Mensch, der alle seine Sinne und Kräfte als Selbstarbeiier ausbildende Mensch, der der Sitte gemäß sick bildende, der sittliche Mensch, der seine Natur- anlagen für seine eigenthümliche Lebensaufgabe oder seinen Berus zu- rechtbildende Mensch, der seinen in seinen natürlichen Anlagen gege- denen und durch seine eigene Thätigkeit erstrebten Selbstwerth mehr und mehr erreichende Mensch, der von der übrigen Menschheit zur Förderung ihrer Zwecke bereitwillig unterstützte Menfch, der nach seinem Selbstzwecke die ewigen Zwecke der Menschheit fördernde Mensch, der freiwillig nach seinem Ideale selbst schaffende, auf seine Mitwelt un- willkürlich einwirkende Mensch, der Selbstmensch mit einem Wort, welcher als Weltmensch wirklich gut arbeitet. DaS Kapital— um paradox zu sprechen— ist keine Sache, sondern eine Person. Die gesammten der Person anhaftenden Eigenschaften machen das Eigenthum aus. Kapital, wörtlich übersetzt, heißt: Haupt- fache. Allerdings versteht man im täglichen Leben unter dem Wort „Hauptsache" so viel als Geld. Aber der Begrifs, auf dessen Be- stimmung es ankommt, wird besser durch das Wort„Arbeitsgut" be- zeichnet. Der arbeitende Mensch erzengt etwas, nicht allein an st.h, sondern auch außer sich. Es haftet ihm die Eigenschaft, mit seinen Fingern die Feder gemäß seinen Gedanken gebrauchen zu können, an; aber er erzeugt auch etwas außer sich, welches von seiner Fingersertig- keitabgelöstist, z.B. den mit einem Aufsatz beschriebenen BogenPapier. Der geschriebene Aufsatz wird aber erst zum Kapital oder Aroeiisgut im gebräuchlichsten Sinne des Wortes, wenn er mit X Thalern Geld vom Zeitungsverleger bezahlt ist. Ganz unri htig ist allerdings die ge- wöhnliche Borstellung, daß Kapital Silbergeld sei, nicht; aber diese Vorstellung deckt den vollen Begriff-' nicht. Denn Kapital ist iminer nur ursprünglich eine Fähigkeit, eine Eigenschaft des Menschein Der Backofen, welchen der Bäcker hat, die Schreibstube, welche der Schrift- steller hat, wird gewöhnlich zu den Kapitalien gerechnet. Eigentlich aher ist die Brod schassende Fertigkeit der Hand des Bäckers und die Tbaler verdienende Fähigkeil des Schreibers das Kapital oder das Geldes werthe Gut. Allerdings ist das wirkliche Arbeitsgut meistens übertragbar von einer Person auf die andere. Keineswegs aber ge- hört die Uebertragbarkeit zum wesentlichen Stück des Begrifss„Kapital", sondern es ist sogar sehr häufig der Fall, daß nur der Mensch selber, welcher eine theure Geige hat, durch sein Spiel auch viel Geld ver- dienen kann; und daß der Offizier, welcher schön zeichnet, als Gene- ralstabsoffizier 1000 Thaler nichr verdient, als er früher ver- diente. Die älteren Bcgrisssbestimmungen des Kapitals können wir füg- lich übergehen. Denn dem Zeitungsleser kommt es ja nicht darauf an, in alle möglichen Fächer der Fachmänner während der viertel Stunde einer Lesung eingeweiht zu werden, sondern nur darauf, so ungefähr zu erfahren, um welche Sachen eigentlich von den Sozial- demokraten gegen die alte Gesellschaft prozessirt und also einstmals Krieg geführt werden wird. Die Zeitungsschreiber gehen gewöbnlich über die eigentliche Streitftage etwas leicht hm oder stellen sie wenigstens nicht ins rechte Licht. Professor Huber unter Andern sah die Fäulniß der alten Ge- sellschaft. Er zündete die Studierlampe an und zeigte: ihr altes faules Ich will die Atome und Miasmen, die wahren Grundbestandtheilej der so talen Frage, nur nicht sehen. Der studirte wie der nichtstudirie K�apitalmensch will nicht arbeiten; er versteckt sich in pharisäischem Dünkel hinter seiner Geschäftsroutine, hinter seiner doktrinären System- macherei und hinter seiner großväterlichen Erbschaft, um nur ja es so bequem wie möglich Jttt haben. Volksthümlich aber ist, daß wir die Bolligärtnerei im Weltgarten besser betreiben, das faule Holz aus den Baumen des eigenen Gartens heraushauen und dem Proleiariate eine wohnliche Wohnung einrichten lernen. Ohne Hubers Bolksstudien 184Z— 1868 in Belgien, Frankreich, England und Deutschland hätten wir die eigentliche Roth des Volks gar nicht so genau kennen gelernt. Viele wollen das Gute nicht. Das Gute wollen, heißt: Die Sache des Proletariats führen. Das Buch von Karl Marx„das Kapital, Kritik der politischen Oekonomie" ist in Hamburg bei Otto Meißner i. I. 1867 erschiene». In dem Vorwort heißt es:„Auf dem Gebiet der politischen Oeko- nomie begegnet die freie wissenschaftliche Forschung nicht nur dem- selben Feinde, wie auf allen anderen Gebieten. Die eigenthümliche ?. Um>/,g Uhr Grützebrei(Brod und Butter, stets frei znr Verfügung: die Butter wird nicht ausgeschmiert.) Natur des Stoffes, den sie behandelt, ruft wider sie die heftigsten kleinlichsten und gehässigsten L.idenschasten der menschlichen Brust, die Furien des Privatinteresses, auf de i Kampfplay. Die englische Hoch- kirche z. B. verzeiht eher den Angriff auf 30 von ihren 39 Glaubens- artikeln, als auf 1fag ihres Geldeinkommens. Heutzutage ist der Aiheis- mus selbst eine culpa levs�), verglichen mit der Kritik überlieferter Eigenthumsverhältnisse. Jedoch ist hier ein Fortschritt unverkennbar. Ich verweise z. B. auf das in d-n Kplen Wochen veröffentlichte Blaubuch:„Lorrespondenes with H#.' Majesty's Missions Abroad, re- garding industrial questions and Trades' Unions." Die auswärtigen Vertreter der englischen Krone sprechen es hier mit dürren Worten aus, daß in Deutschland, Frankreich, kurz allen Kulturstaaten des eu- ropäischen Kantinents, eine Umwandlung der bestehenden Verhält- nifse von Kapital und Arbeit eben so unvermeidlich ist, als in England".---„Eine Nation soll und kann von der anderen lernen"--—. Meine Meinung ist nicht, daß wir alle Deutschen, welche in den 43ger Jahren venrieben sind, zurückrufen sollten; noch weniger, daß wir viele zu Professoren machen könnten. Aber ein viel schärferer Be- obachler inwendiger Volksarbeiten kann Der werden, welcher auswärtiger Völker Fabritarbeit scharf beobachtet hat. Einen außerordentlichen Scharfsinn wird der gelehrteste Jurist dem Bnch von Marr nicht ab- sprechen, wenn er auch mit den Resultaten der Forschung eben so wenig emverstanden ist, wie von der analytischen Sezirmethode wenig be- friedigt. Aber es ist— um des Grasen Schwerin Ausspruch nach- mals zu verwerthen-- ein verhängnißvoller Fehler der deutschen Nationalpolitik"), welche Herr von Beimingsen und Herr von Bis- marck bisher getrieben haben, gewesen, daß die vormals dentschen Bundesstaaten überschwemmt worden sind von einer Sturzsee alt- preußischer Gesetze und juristischer Gesetz-Makulatur, statt daß an allen deutschen Universitäten tüchtige Professoren oer Arbeit angestellt, die scharfsinnigsten im Auslände gebildeten Gelehrten in den Ministe- rial-Bureaur verwerthet, aus den deutschen Literaten die besten Wander- lehrer herausgesucht werden sollten. Wozu noch die bereits oben er- wähnten Fabiikinjpektoren als Reichskanzeleiräthe hinzukommen. Wie ist das nachzuholen? Antwort: Noch ein Examen? Ich will die Antwort, ivelche vor zwei Jahren gegeben ist, hersetzen, ohne damit sagen zu wollen, daß sie genügend sei. Nach Abschluß der BolkS- studien könnie man den künftigen Volksvertretern ähnliche Fragen zur Beantwortung aufgeben, wie man den Theologen, Juristen, Medi- zinern und Philologen zur Prüfung ihrer wissenschaftlichen Kenntnisse ausgiebt, uänitlch: 1) Welche Arbeitshäuser sind für die sittliche Gesundheit des Volksleibcs erfahrungsgemäß die besten? Nach welchen Grundsätzen müssen die Alien, Krüppel, Kinder und Bettler behandelt werden? Welche Vorschläge sind gemacht, um geeignete Verwalter der Arbeiisanstalten zu gewinnen? LjgDie hauptsächlichsten Fußsteigg arten, welche rn Holstein vorkommen, sind, soweit die eigene Anschauung reicht, anzugeben, hinsichtlich der Breite des Materials des Oberbans und des UnlerbauS zu beschreiben und die Zwecke, zu welchen der Fuß- steig ausgelegt, zu bestimmen. 3) Welche Mittel sind anzuwenden zur Beseitigung der Schulversäumnisse in den Volksschulen? Und auf welchen Punkt ist bei der Volksjchnlgesetzgebung hauptsächlich Rücksicht zu nehmen, um dem Uebel des uttregelmäßigen Schulbesuchs möglichst vorzubeugen? 4) Man unterscheidet drei Arten Wahlgesetze für die ge- setzgebetidetr Versammlungen. Welcher Grundgedanke liegt den ver- schiedenen Wahlgesetzen zu Glunde? Welche von diesen Grundlagen empfiehlt sich am meisten» wenn gleich sehr das Wohl des ganzen Volks wie die Lebensverhältnisse der kleinen Leute berücksichtigt werden sollen, um gute Gesetzentwürfe zu bekommen?— Solche Fragen könnten, wenn die Studien des Volkslebens beendigt sind, von einer Examens- behörde den Eandidaten, welche sich um ein öffentliches Amt bewerben, vorher aufgegeben, oder unter die Facherameusfragen könnten solche Fragen aus oer Sozialpolitik aufgenommen werden. Es handelt sich zuletzt um die Frage: woher die Geldmittel ge- uommen werden sollen, damit diejenige» Leute, welche bisher Vorzugs- weiseguristische Vorstndieii gemacht haben, soziale Vorstudien machen können. Ich ermahne die Eltern ihre Söhne nicht in die Militärcarriere zu drängen. noch zu Doktoren juris sie zu bestimmen, sondern dafür zu sorgen, daß auch die tüchtigen Kaufleute alle Gesetze(z.B. die Eisenoahngeseye, Prämien- anleihegesetze) daiauf hiti anzusehen lernen, ob das Blatt Papier den kleinen Leuten schädlich sein werde. Urtheil über die Wirkung eines Lohntariss wird nur Derjenigb haben, welcher selber gemäht hat. Die 0000 Thlr., welche Hamburg mir zum Studiren gegeben hat, kann ich baar nicht wieder bezahlen. Aber das Kapital trägt jetzt 400 Thlr. Zinsen. Es macht mich fähig, die jungen Leute Hamburgs an die Zukunft zu mahnen, nämlich: Lernet, meine jungen Freunde, planmäßig die Bedürfnisse, welche die kleinen Leute wirklich haben, und versuchet, so viel an euch ist, eins dieser Bedürfnisse wirklich zu befriedigen. „In des Herzens heilig stille Räume Mußt du fliegen aus des Lebens Drang, Freiheit ist nur in dem Reich der Träume Und das Schöne blüht nur im Gesang." Berlin, 6. Juni. Die kocial-demokratische Arbeiterpar- tei hrclt am Montag, den 3. d. M., zur Erinnerung an die Pariser Commune eine Versammlung ab. Der Referent, Herr Kayscr, hob heroor, daß die Proletarier aller Länder auf die Kämpfer der Com- mune blickten, weil diese die Vorkämpfer für die Befreiung der ar- beitenden Klassen waren. Betrachte man die Ursachen der Bewegung, so müsse man zwischen allgemeinen und besonderen unterscheiden. Die allgemeine Ursache sei die Nothlage der arbeitenden Klassen. Die erste specielle Ursache war die Absicht, Paris entwaffnen und der National- garde einen Oberbefehlshaber aufdrängen zu wollen. Die Pariser halten bereits aus der Geschichie gelernt, daß man das Volk nur ent- waffne, um es dann besser unterdrücken zu können. Die Deutschen finden ein Beispiel an dem Jahre 1848. Damals habe man das Bürgerthum entwaffnet, um mit der Nationalversammlung nach Willkür zu verfahren. Das deutsche Bürgerlhum war feige genug, die Waffen freiwillig herzugeben. In Paris wollte man die Arbeiter entwaffnen; aber Arbeiter geben die Waffen nur heraus, wenn sie kämpfend unterliegen. Ein weiterer Grund der Erhebung war das Mietheugesetz des Justizministers Dufaure, welches zu Gunsten der Häuserbesitzer die Arbeiter und auch hie Kleinbürger in das größte Elend versetzte. An der Hinrichtung der Generale Lecomte und Thomas trägt das Centcalcomiree nicht Schuld. Sie sind der allgemeinen Eni- rüstung zum Opfer gefallen. Ersterer wollte auf wehrlose Frauen und Kinder schießen lassen, während der Letztere sich als Spion ge- berdeie. Als die Versailler Re iernng die Communeqesangenen er- schießen ließ und der General Duoal so zu sagen in Stücke gehauen wurde, war die Commune genöthigt, zur Gefangenhaltung von Geiseln zu schreiten. Diese Geiselngefangenhaltnng wurde der Commune als Barbarei gerade von denjenigen Parteien Deutschlands vorgeworfen, welche beim Fürsten Bismarck die tiefe staaismännische„Weisheit" lobten, sobald er einen heroorrazenden Bürger einer französischen Stadt als Geisel gefangen nahm. Der Sturz der Vendome-Säule bedeute die Ver- achtung des Kriegsruhms von Seiten der Sozial-Demokratie. Auch das Einreißen der Vendümesäule sei gerade von denjenigen Parteien der Commune zum Vorwurf gemacht worden, welche den Franzosen ihr Rachegeschrei vorwerfen. Diejenigen, welche in Frankreich nach Rache schreien, sind die Gesinnungsgenossen unserer Liberalen. Die Social- Demokratie, welche in der Commune verkörpert war, hatte durch die Vernichtung der Vendümesäule bewiesen, daß sie ein Feind der Kriege ist uud sehr gut weiß, daß die Kriege meistens zu Nutz und Frommen des einen oder des andern Dynasten geführt werden. Die Commune- anhänger kämpften mit wahrem Heldcnmuthe, was auf Seiten der Versailler nichr der Fall war. Es ist dies ganz natürlich: Die An- Hänger der Commune kämpften für ein Princip, für die Verbesserung ihrer und ihrer Mitmenschen Lage, während die Versailler durch die Disciplin in den Kampf gelrieben wurden. Selbst bei uns in Deutsch- land hält man den strengen Arrest ausrecht, damit die Soldaten, wie ja das in allen Ländern der Fall ist, aus Furcht vor solchen oder ähnlichen Strafen sich w:llig ins Gefecht gegen das Volk führen lassen.— Bei der Vertheidigung von Paris fanden große Brände statt. Jeder Anhänger der internationalen Arbeiterpartei werde noch in der jetzigen Zeit als Petroleummaan, Mordbrenner ic. bezeichnet, obwohl erwiesen ') geringfügige Schuld. **)• Jetzt einen Krieg führen für Dr. StrouSberg« schlechte Eisen- bahnschwellen in Rumänien? ist, daß die Versailler Petroleumbomben in viele Häuser schössen, um so Brände hervorzurufen und Papiere, welche die Herren Thiers und Consorten compromittirteu, zu vernichten. Wenn die Commune zu ihrer Vertheidigung mehrere Brände veranstaltste, so sei dies etwas in der heutigen Kriegführung Gebräuchliches. Auch hier haben wiederum die Parteien ein Mordiogeschrei erhoben, welche bei der Beschießung der Stadt Straßburg jeden durch diese Beschießung her- vorgerufenen Brand als ein„tactischei Geschick" unserer Artillerie bezeichneten und sich nicht heiser genug nach einer Beschießung von Paris schreien konnten. In ihrer Moralität steht die Commune hoch erhaben über alle frühreren Regierungen da. Die Communemitglieder verlangten nur so viel Gehalt, als ihr sonstiger Arbeitslohn betrug. Alle ihre Vorgänger in Frankreich benutzten ihre Regierungsmachl, um sich zu bereichern. Auch in unserem Lande lassen sich ja die großen Staatsmänner Dotationen für ihre„Thaten" geben. Die Demimonde war während der Communeherrschaft nach Versailles ausgewandert und kein Verbrechen wurde in dieser Zeit begangen. Der Sieg der Commune in Paris wurde deshalb im übrigen Lande nicht anerkannt, weil die Preußen Paris fest umschlossen hielten und sich jeder Emissair der Gefahr aussetzte, wenn er von den Preußen gefangen wurde, der Versailler Regierung ausgeliefert zu werden. Anch Hab- der Fürst Bismarck außer den Turco's und Zuaven uur die imperialistischen Sol- daien, wie z. B. die Kaisergarde, auS der Kriegsgefangenschaft entlassen. Sobald die Arbeiter unterdrückt werden sollen, ken- nen die Regierungen keine nationalen Grenzen. Dieselben Regierungen. welche sich vor kurzer Zeit noch als Erbfeind- bezeichneten, wurden gute Freunde, damit ja nicht die Commune siege. Ein Sieg dieser wäre zu gefährlich für den Bestand der heutigen Gesellschafr, denn die revolutionären Bewegungen Frankreichs fanden stets in Deutsch- land und allen übrigen Länder» einen mächtigen Wiederhall. Zum Schluß bemertte Redner, man handle am ehesten im Geiste der Com- mune, bewahre am besten das Andenken an die Opfer der Versailler Blutmeaschen, wenn man sich der internationalen, d. i. der social- demokratischen Arbeiterpartei anschließe.(Lebhafter Beifall.)— An der darauf sich entspinnenden Discussion beiheiligte» sich d:e Herren Auer und Josewicz. Ein Adresse, welche die Solidarität mit Liebknecht und Bebel erklärt uno die Staatsanwaltschaft aufjo chert, weil die Unter- zeichneten Social-Demokrateu sind, auch gegen sie Tendenzprocesse an- zustrengen, fand zahlreiche Unlerschriften. Miinchc». Unsere seit längerer Zeit ausgesprochene Ansicht, daß es hier in München nur einer etwas regern Agitation b.dürfe, um die Mehrzahl der Arbeiter aus den Fesseln des servilen Nationallibe- ralismnZ einerseits und des verdummenden Ultramontanismus anderer- seits zu befreien, halte sich am letzten Montag, oen 10. d. M., wieder glänzend bewährt. Von uns einberufen, tagte an diesem Abend eine Volksversammlung, welche sich mir dem äußerst zeitgemäßen Thema:„Die „glorreichen" Erfolge des deutsch-französischen Krieges und unsere so- cialen Zustände," beschäftigte. Eröffnetjourde die von 6—700 Personen besuchte Versammlung durch Hrn. Schneider, welcher auch zum Vorsitzenden gewählt wurde. Als Referent über die Tagesordnung trat Hr. Scheil auf, welcher in längerer Rede das erwähnte Thema nach'allen Seilen hin beleuchtete. Eingangs seines Vortrages hob er insbesondere hervor. daß es jetzt, nach mehr als einem Jahr seit dem Austoben der Kriegs- furie, nachdem ein vernünftigeres Denken dem Siegesrausche Platz zu machen beginne, trotzdem aber noch immer die„liberalen" Parteien von großartigen„Errungenschaften" in Folge dieses Krieges nicht müde werden im Dienste der herrschenden Gewalten zu sprechen, Aufgabe der socialdeliiokratisch-n Partei sei, vor das Volk hinzutreten und ihm diese„Erfolge" in ihrem wahren Lichte zu zeigen, wozu sich heute noch kein Geschichtsschreiber ermannen will, und— weil die G-lehricnklasse materiell abhängig von dem h-reschenden Regime ist— auch nicht kann.— Im weiteren Verlaufe seines Vortrages mußie in jedem, einigermaßen noch klar denkenden Kopfe die Ueberzeugung Platz greifen, daß kein Krieg— und mag er auch noch so„heilig," noch so„glor- reich" genannt werden— einem Culturforischritte dienlich sei» könne. �Uiil dicS zu beweisen, ging Redner nun auf den zweiten Theil des Themas„Unsere socialen Zustände" über, beleuchtete dieselben und bewies deren Verschlechterung gerade in Folge des„heiligen" Krieges. Daß seine Worte, von Herzen kommend, zu Herzen gedrungen, bewies der großartige Applaus, welcher ihm nach Schluß' seines Vortrages von der ganzen, großen Versammlung zu Theil wurde; und Mancher, der noch bi« dahin ins nationalliberale Horn geblasen, mochte im Innern von der Wahrheit und dem sittliche» Gehalt der socialistischen Anschauung durchdrungen worden sein. Nach einer vierlelstiindigen Pause wurde die Debatte wiederaufgenommen und ergriff Hr. Grüne- berg das Wort, welcher in treffender Weise das'Maulheldenlhum unserer Gegner, insbesondere derjenigen schild-tte, welche sich nicht entblödet, mit ihrem Bischen Geld, das sie den Familien der Reser- oisten und Landwehrmänner zukommen ließen, zu renommiren, gleich- sam als wenn sie, und nicht das Proletariat, die größtenLasten desKrieges zu tragen gehabt hätten. Redner wies ferner nach, daß»ach jedem Kriege eine Sleuererhöhung indirect oder direct eintreten müsse, und daß auch dieser„heilige" und„glorreiche' Krieg bereits großes sociales Elend im Gefolge habe.— Es würde den Raum des Parteiorgans übermäßig in Anspruch nehmen, wollte ich noch näher auf die Einzeln- heiten der gehaltenen Vorträge eingehen. Der Auffordeiuna des Vor- sitzenden zur Einzeichnung in die Partei wurde in erfreuilcher Weise Folge geleistet. Gegner traten trotz wiederholter Aufforderung, wie gewöhnlich, nicht auf, wohl im beschämenden Gefühle der eigenen Ohnmacht gegenüber den klaren Auslegungen des Referenten sowohl, als auch Hr». Grünebergs. Langenbielau. Heber die„Arbeitsverhältnisse in Langenbielau" lesen wir im„Gewerkverein" vom 16. Juni: „Wie sehr noth es bei uns thäte, eine Aenderung und Besserung der bestehenden Arbeitsverhältnisse herbeizuführen, und wie weitgrei- send die Thätigkeit der Gcwcrkoereine noch werden muß, um auch bei uns menschenwürdige Zustände zu schaffen, mag Nachstehendes be- weisen. Schon feit Monaten haben wir uns bemüht, eine Bessernng unserer Lage herbeizuführen, daß wir, wie es zur Erhaltung eines ge- suaden Körpers bei der übermäßig langen Arbeitszeit nölhig ist, eine halbstündige Vesperpause einzuführen suchten, jedoch vergeblich. Obgleich in der Fabrik des Hin. Flechtner mehr als hundert junge Leute im Alter von 16—13 Jahr beschäftigt sinv, für die alio in gesundheitlicher Beziehung eine Unterbrechung der Arbeit zur Erholung des Körpers gewissermaßen Lebensbedingung ist, wird uns doch ein- fach vom Fabrikherrn erklärt, er könne die yalbe Stunde die Maschinen nicht strlle stehen lassen. Wenn aber der Geschäftsgang kein so guter ist. wie jetzt, dann können wir wochenlang feiern, oder nur die Hälfte der jetzigen Arbeitszeit beschäftigt sein, ohne daß es irgend Jemanden einfällt, zu fragen: Wovon lebst du jetzt? Und die Löhne? Kann ein Familienvater bei 1 Thlr. 24 Sgr. bis 2 Thlr., oder wenn er besonders geschickt ist, bei 2 Thlr. 10 Sgr. auch menschenwürdig eristiren? Familie ernähren, Kinder er- ziehen, Bildung erwerben, mit einem Wort ein wirklicher Staats- bürger sein? Freilich da kommen von Zeit zu Zeit Regierungs- Kommissionen, um über die Lohnverhältnisse Erhebungen zu machen, aber bei wem? Der Gemeinderath, die Polizeibehörde, und auch die Fabrikanten, das sind die Gewährsmänner jener Kommissionen— die Arbeiter, die Hauptbetheiligteu bei dieser Angelegen- heit, kennen diese„Erhebungen" nur vom Hörensagen. Schon seit einem Jahre sind bei uns nicht nur die Preise für die nothwendigsten Lebensbedürfnisse um 250|0 gestiegen, sondern durch die Einführung der neuen Maaße und Gewichte entneht für uns auch noch ein Nachtheil von Seiten der Händler, und die Lohnsätze sind, obgleich der Fabrikant dem großen Publikum gegenüber den Boriheil der günstigen Geschäftslage voll benutzt, die allen gebliebe». Wann werden endlich auch bei uns die Herren Fabrikbesitzer dem Arbeiter das gewähren, was er, um Mensch zu sein gebraucht und auch ohne Schaden»ür den Arbeitgeber erhalten kann? Muß man da nicht mit Recht sich wundern, wenn trotzdem unier den hiesigen Arbeitern die verführerischen Lehren der socialdemokratischen Sendlrnge nicht mehr Boden fassen? Aber es wird hohe Zeit, daß die ehrenwerlhe Mäßigung der Arbeiter endlich belohnt werde!" Die letzten Sätze sind offenbar nicht von dem Langeaöielauer Corrcspondenten de«„Gewerkverein" geschrieben, sondern von der Re- daktion des Letztern selbst htnzugepfuschl. Herr Hirsch möge sich nur beruhigen! Wenn alle seine OrtSoereinler so rebellisch denken, wie sein Langenbielauer Correspondent, dann brauchen wir keinen seiner An- Hänger mehr zu„verführen", dieselben stehen dann vielmehr schon mit einem Fuß in der Socialdemokrvtie. UeberdieS beweisen die Vorgänge innerhalb der H rsch-Dunaer'schen Gcwerkvereine zur Genüge, daß auch ohne„Sendlinge" sich„die verführerischen Lehren der So- cialdemoklane" Bahn zu brechen wissen. Erfurt, den 16. Juni. Der Gewerkschaftskongreß. Zum egenwäriig hier tagenden Gewerksgenossenschafts-Kougreß halten sich 2 Delegirie aus folgenden Städten eingesunden: Altona, Apolda, Augsburg, Berlin, Braunschweig, Chemnitz, Cöln, Crimmitschau, Coburg, Dresden, Erfurt, Eisenach, Fürth, Gotha, Harburg, Hannover, Leipzig, Mainz, Magdeburg, München, Nürnberg, Passau, Pößneck, Regnuburg, Ronneburg, Stuttgart, Würzburg, Wieir*) Weimar, Wercau. Außer Gewerksgenossenschaftsmilgliedschasten waren auch diverse Fachvereine und sonstige Arbeiterverbindungen vertreten. Für den Vcrwaltungsrath der Maurer und Zimmerer hatte sich G äb ler aus Dresden, für den der Holzarbeiter Aorck aus Hamburg, für den der Manusakturarbeiter Motteler aus Crimmitschau, für den der Schneider C. F. Rick aus Berlin, für den der Schuhmacher G. Gun reden aus Nürnberg, für den Aufsichtsrath der Letzleren Aug. Schäfer aus Leipzig unv für den prov. Ausschuß der Metall- arbeiter Thüm.ler, Schubert und Dietze aus Chemnitz einge- sunden. Ins Bureau wurden gewählt: Motteler zum ersten und Ssorck zum zweiten Borsitzenden; zu Schriftführern: Müller Weimar, Schauer Dresden, Berg Cöln, und Bahlteich Chenmitz, in die Mandatsprüsungskommission: Somann Al-ona, Müller Weimar, und Kunze Leipzig. Poret, Hamburg, legte den Deiegirten einen gedruckten Eickwurs für die zu gründende Gewerkschaftsunioli vor. Die Generaldebaue war eine äußerst lebhafte, besonders deshalb, weil ein großer Theil der Delegirten eigenllich für die Gründung einer Unionsgewerkschast, (Zusammenwerfen aller Gewerkschaften in einen Tops.) eingenommen war; auch bezüglich der Frage, od ein selbständiges Gewerlschaflsorgan gegründcl wecoen solle, waren die Meinungen gelhcilt, jedoch erklärte sich die Mehrheil der Redner dafür, daß auch in Zukunft der„Bolls- staat" als Organ beibehalten werden solle, resp. baß demselben eine Beilage beigegeben werden möge, die ausschließlich gewerkschaslliche Interessen ,u behandeln hätte. Nach Schluß der Generaldebatte wurde bei namentlicher Abstim- Mung mit 37 gegen 15 Stimmen die Gründung einer Gewerkschafts- Union im Prinzip angenommen. Abends V- d> Uhr begannen die Spezialdebatten, über welche die Schrislsührer ausführlich Bericht erstatten werden. Der Geist, der den Congreß beherrscht, ist ein vortresslicher und nehmen die einzelnen Delegirren den lebhaftesten Antheil an bau De- bauen, so daß ledenfalls nicht nur ein ausgezeichneies Werk geschassen wird, sondern auch ein solches, daß den mannichfaltigsteu Ansorderun- gen entspricht. I. Most. Esse», 17. Juni. Heute ist hier ein Strike ausgebrochen, von dem Umfange, ivie wohl noch kein zweiter in Deutschland. Die Bergarbeiter von 40 Zechen sind daran betheiligt und immer melden sich noch neue an. Die Zahl der«trikenden beträgt weit über 20,000, und sollte der Strike nur» Tage dauern, danir wird die In- dustrie des Bezirks, deren Mittelpunkt Essen ist, durch den eintretenden Kohlenmangcl völlig lahm gelegt. Die Fabrik von Krupp allein weist einen täglichen Verbranch von 20,000 Scheffel Kohlen per Tag auf. Gestern wurden hier m Essen und in der Umgegend, behufs Proklamirung des Strikes, Bersammlungeu der Bergarbeiter abgehalten. In Essen all.in tagten zwei Versammlungen, die eine um 11 die andere um 1 Uhr, und ungefähr 12,000 Bergleute mögen an denselben Theil genommen habtii. Heute Morgen um 4 Uhr waren jämmtliche Zechen von drei bis vier Gendarmen und Polizeidienern besetzt, ver- »ruihlich, um die zur Arbeit gehend.n Bergleute zu„schützen", aber es kam kein Mensch nach den Gruben, um anzufahren. Die Arbeiter grifsen zu diesem letzten gesetzlichen Mittel erst, nachdem die den Arbeitgebern gestellte 14 lägige Bedenkzeit abgelaufen war und dieselben in den Essener Zeicungeii erklärt hauen, daß sie die von den Arbeitern gestellten Forderungen nicht nur nicht bewilligen, sondern sich überhaiipt nicht in Unterhandlungen, weder mit den Lokalkomitees noch mit dem Centralkomitee, einlassen würden. Alle Verantwortung fällt auf die hartherzigen Actionäre. Die Haltung der strikenden Bergarbeiter ist würdevoll,— ein Beweis, daß sie von der Gerechtigkeit ihrer Forderungen durchdrungen sind. Bielefeld. Wie die soziale Frage nach Bielefeld gekommen. Im hiesigen„Wächter" vom 12. Juni, besindet sich folgendes Inserat: „Auch ein Mitglied der Presse. „Wo ich nur irgend dem Arvdrer-Bildungs-Verein schaden kann, werde ich eS lhun, eher als ich seine Politik fördere. Ich kenne die Politik der Arbeiter-Bildungs-Vereine besser als Sre; diese Bereine haben uns die sozialcFrage uach Bielefeld gebracht", esierre ein Mann gegen eines unserer Vorstands- Mitglieder. Wer in aller Welt koume das sein?— Nun, gewiß ein lichtscheuer Lappländer oder eiir Kannibale der Süoseeinseln? Fehlgeschossen! Der Vater dieser geistreichen Bemerkun> war ein Mitglied der Presse, der Herr W. Bertelsmann, der Verleger des ..Bielcselder Wochenblatts". Wir hatten 1200 Programms zu unserm Stiftungsfest drucken lassen; die Erped. des Wochenblattes übernahm es, dieselben gegen Vergütung zu colportireu und haue dies schon in 3 Annoncen ange- kündigt. In der letzten Stunde schickte Herr Bertelsmann diesel- den wieder zurück. Das mit der Besorgung dieser Angelegenheit: be- austragte Mitglied erkundigte sich nach dem Warum k Herr Bertels- mann bezeichnete das Programm als politische, seiner Verantwortlich- keil unterworfene Beilage und machte seinem Haß gegen unseren Verein in den oben angeführten, ebenso geistreichen als zartfühlenden Ausdrücken Luft. Er entließ unser Mitglied mit der Versicherung, daß er dies Programn nie beilegen würde. Später mutzte sich wohl der Besitzer des„Wochenblattes" Hinsicht- sich der Colporiage eines Äesseren besonnen haben, denn er ließ die Programme wieder abholen; allein wir sehen uns doch veranlaßt, seine demwürdigen Aussprüche zur K-nntniß des Publikums zu bringen. Der Vorstand des Arbeitcr-Bildungs-Vereins." (Herr Bertelsmann verdiente— in Anbetracht der Harmonie, welche sich zwischen seinen Anschauungen und denen der Leipziger Sladibehörden über den dasigen Arbeiter-Bildungsverein— siehe das Kapitel von der Entziehung der 500-Thaler-Sudoeniion— offenbart, Verleger des„Leipziger Tageblatts" und Leipziger Stadtverordneter zu seln). Lclpjist. Der„Neue" wird immer interessanter.— Von dem mit B. gezeichneten Artikel in Nr. 43 d. Bl. sagt der„Neue" in einem 2'/, Spalten langen Artikel, daß es ein„Schmäharukel gegcn den „Allgemeinen deutschen Arbeiterverein" sei. Die alle Leier l Sobald man die„Spitzen" des Vereins angreift, sagen sie, man hätte den Berein„geschmäht".„Uebrigens ist der Artikel, wie unschwer zu er- kennen, aus Kommando des Herrn Karl Marx in London fabrizirt worden". Dafür hat der„Neue" natürlich die nöthigen Beweise ebenso fest in Händen, wie er im Besitz„der geheimen Circulare von Marx" gegen den„Allgemeinen deutschen Arbeiterverein" ist, welche er ledig- Uch aus Coulanz gegen den Gegner nicht veröfsenttichen will.— Worin unsere„Schimpfereien" gegen den„Allgemeinen deulschen Arbeitervec- ein" bestehen, wird vom„Neuen" selbstverständlich nicht gesagt; er kennt seme Leser und weih, daß sie an seine„Unfehlbarkeit" gtauben. Nur Ein Verbrechen glaubt er uns vorhalten zu müssen: nämlich, daß der HarmS-Knöllnrrsche Antrag(betrcfsend die Berinignag der sozl- aldemokrätischen Fraktionell) nicht— wie es im„Volksstaat" hieß— ..mit den nichtigsten Gründen b-kämpst wurde", sondern, daß man über ihn„ohne jede Debate" zur Tagesorbnung überging. Als ob das Letztere für die Herren Delegirten und die„Führer" nicht noch v>ei compromittirender wäre, als das Ersten, indem sie auf diese Weise gezeigt haben, daß sie von einer Einigung absolut nichts wissen wollen. Wir wollen uns das jedenfalls merken.— Daß die Herren vom„Neuen", weil wir fie angrissin, uns der Parteinahme zu Gunsten Schweitzers bezichtigen würden, haben wir im *)Es hatte sich aus Wien ein gewisser Reinthal mit einem Man- oat de« dortigen Webervereins, der den übrigen Fachvereinen entgegen- steht, eingesunden. Herr Reinthal gehört zu Denjenigen, welche äugen- blicklich gegen den„Volkswille" und den Arbeiterdildungsverein in- "iguiren. Voraus gewußt; desto komischer nimmt es sich aber aus, w-nn sie dabei erklären, unsere Beschuldigungen gegen Hrn. v. Schweitzer seien „unbewiesen" und himmelweit verschiede» von denen, die jetzt seine Ausstoßung nothwendig gemacht hätten, und darum wäre es„naiv" von uns, zu meinen, die Generalversammlung des Allgemeinen beut- scheu Arbeitervereins hätte durch die soeben vollzogene Ausstoßung Schweihers alle die seit Jahren gegen diesen gerichteten Angriffe für ge- rechtfertigt erklärt und uns also für das uns jahrelang angethane Unrecht Abbitte leisten müssen. In Wahrheit sind unsere Be- schuldigungen genau dieselben gewesen, wie die der Generalver- sammlung, nämlich hauptsächlich darin bestehend, daß Hr. v. Schweitzer preußischer Regierungsagent sei. Der„Neue" bringt sogar in Nr. 69 unter„Vermischtes" Beweise dafür, daß Herr v. Schweitzer den„Allge- memen deutschen Arbeiterverein" wiederholt der Polizei denun- zirt ihabe und zieht die Redlichkeit seiner Kassenverwaltung durch ein„Ansrnfuiigszeichen"(!) in Frage«). Was tobt und rast also der „Neue". Sind nicht alle seine Anklagen gegcn v. Schweitzer zugleich dic beredtesten Selbstanklagen? Warum vertheidigi er sich nicht? Weil er sich nicht vertheidigen kann. Und nur um diesen Mangel an jeglichem VertheidigungSmaterial zu verdecken, bringt er dic alte, aogedrofchene Mähr wieder vor, daß„Liebknecht die Arbeiterbewegung den Zwecken Oesterreichs dienstbar machen wollte" und daß wir„in Dresden als eingeschriebenes Mitglied den sächsischen Ministerialsekre- tar Petermann besitzen." � Dr. Petermann ist niemals„eingeschriebc- nes Mitglied" der Partei gewesen, wenn er auch dann und ivann emcn freiwilligen Beitrag gestenert hat. Ferner ist er nicht„Ministe- nalfekretar", sondern Vorsteher des statistischen Bureaus, also Re- glerungsb winter in de», Sinne wie es ein Universitätsprofessor ist. Der Sympathien eines Gelehrten braucht sich die Sozialdemokratie nunwermehr zu schämen, am allerwenigsten eines Statistikers; denn die Statistik ist die trcueste Bundesgenojjin der Sozial- demokratie. Lassalle hat mtt dem Statistiker Engel in Berlin ans sehr freundschaftlichem Fuste gestanden und sich— mit vallci» .»echt— nicht genirt, in einer seiner BeTthcidignngsreden einen Br»es Seü yr». Engel an ihn dem Gericht(zum Zweck seiner Entlastung von der Anklage) vorzulesen. Die Notiz des„Neuen" bezuglich des Hrn. Dr. Petermann hat offenbar nur den niederträchtigen Zweck, den Genannten, der der preußischen Regierung ein Dorn im Auge ist, der sächsischen Regie- rung zur Maßregelung zu empfehlen. Der„ßieue" weiß auch von eiuein„geheimem Pakt", welchen „im Frühjahr 1ö63Herr von Schweitzer und Karl Marr geschlosseu haben und wovon die Herren Bebel u P Liebknecht wohl selbst nichts wissen. Darnach durften sich beise Herren unter keinen Umständen in der Oesientlichkeit angreisen."„Nochmehr: Herr Marx schickte im Jahre 1368 anonyme, aber an der Handschrift leicht kenntliche Korre- spondenzen für den„Sozialdemokrat"; er sandte sogar einmal als mündlichen Unterhändler den früheren preußischen Polizeibcamten Elchhos f an Hm n von Schweitzer ab. War Letzterer also damals , Erwiesenermaßen" Regierniigsagent, so stand Herr- Karl Marr, der Schwager des preußischen Minnlers von Westpha.cn, durch einen ehemaligen Polizeibeamten mit einein Reg iernngsagenteN in geheimer Verbindung. Welches Feld zu Kombuiatwnen!" so lange Herr von Schwei per noch den„Sozialdemokrat" redigirte, enihielt dieser wenigstens geschickt fabrizirte Lügengewebe und der Leser hatte neben vielem Widerwärtigen doch mitunter auch das Amüsement, dic Fahigk.iien eines schwindlerischen Talen t s zu bewundern. Jetzt aber ist a» seine Stelle dic bornirteste Mittelmäßigkeit getreten, denn Schweitzer hat auf seine Nachfolger wohl seine Gemstaheit, nicht aber seine Fähigkeit vererbt. Wie kviint- sonst der„Neue" nur so frech sein, den noch lebendeit Eich hoff, den Verfasser der„Geschichte der Jnternatio- ualen", und der berühmten„Polizei- silhonetten" als„früheren Po- lizeideamten" zu bezeichnen. Daß diese Lüge von den zahlreichen Ber- liner Bekannten Eichhoff's— die sich noch erinnern, wie dieser vor 12 Jahren infolge seiner in den„Polizei-Silhouciten" gemachten Eni- hüllungen über Slieber, Patzke n. j. w. flüchtig werden mußte— sofort in ihr Nichts verwiesen werden würde, das hätten sich die Herren vom„Neuen" wohl denken können, wenn nicht ihre maßlos blinde Wuth gegen unsere Partei sie bis an den Rand der Tollheit getrieben hätte: Fahrt nur so fort, Ihr Elenden, Ihr grabt Euch jseldst das Grab! �cistzig. Bei Schirmcr in der Eisenbahnstcaße habeil ungefähr 40 S t c l n in e tz e n wegen Nichtiiinehallens des vereiiibarren Lohntarifs die Arbeit eingestellt. Diese Thatsache ist um so bemerkenswerlher, als die hiesigen Steinmetzen in der Mehrzahl dem H i rs ch- D n n ck e r s ch e n GewerkschafiSoerbande angehören.„Harmonie zwischen Kapital und Arbeit" ruft Hirsch pathetisch aus—„Gerechtigkeil!" schrillt es aus seinen eigenen Reihen ihm entgegen. Berlin. Zur Taktik de«„Neuen". Weuil die preußische Regierung nach dem Tode Lassalle's die Entwickelung der Gozialdeniokratie hin- tertreiben wollte, was mußte sie thun? Neben Anwendung der poli- zeitichen und richterlichen Hilfsmittel gegen die Anhänger des Sozialis- mus»iilßie sie Leute haben, die diese Partei beim Bolle als lächerlich, verächtlich und gcineingefährlich darfusiellen suchten, ihre Vorkämpfer verläumdeten und die Partei zersplitterten, indem sie einen Theil der- selben dem andern Theile als„Bourgeois" und„Nichtarbeiter" u. s. w. verdächtigten. Dies durfte aber nicht von außerhalb der Partei Stehen- den geschehen, weil man sonst die Sache zu leicht gemerkt hätte. Es mußte scheinbar von der Partei selbst, unter ihrer eigenen Firma ge- schehen. Wer es that, der leistete der preußischen Regierung nnbezayl- bare Dienste. Die Herrn von Schweitzer, Hassetmann-Hasen- klever haben es getban. Siati die oerschledenen Klassen der Ar- beiter über das scheinbare ihres Gegensatzes aufzuklären, haben sie sie gespalten. Anstatt geistige Arbeit zu verrichien, haben sie gehetzt, geschimpft, geprügelt, gedroht, terrorisirt, skandalistrt, Sie haben ge- handelt, als ob es ihre Aufgabe gewesen wäre, den Sozialismus in Verruf zu bringen. Leider istcs ihnen theilweise, d. h. aneinigen Orten und für einige Zeit, gelungen. Daher der Siillstand im„Ällg. Deutsch. Arb.-Verein, sowohl was die geistige, als was die zifsermäßige Eut.oickelung betrifst. War die geile„Lucinde" des schuftigen Hosschau- spieldichtcrs>m Feuilleton des„Reuen" zc. einssozialistisches Bitdungsmittel? Der beste Beleg für die äußere Entwickelung des ,,Allg. Deulsch. Arb.- Vereins" liegt in der Thatsache, daß die tüchtigsten und bewährtesten Mitglieder desselben, die uns»ocki als Delegirte auf dem Eisenachec Kongreß bekämpften, jetzt auf unserer Seite als wackere Kampsgenossen stehen. Ich nenne nur u. A.: Hilbert, Kühn, Tauscher, Hoff- mann, Wolf, Petzold, Aurin, Vogel und Schumann ans Limbach u. s. w. Einer nach dem andern stellte sich ans unsern Versammlungen und Kongressen ein, während leider jede General- Versammlung des„Allg. Deutsch. Arb.-Bereins" zum G udium unserer (Segnet von dem unerquicklichen Schauspiel einer Ausstoßung begleitet war. Diese Ausstoßnngen, die ein Rückschritt sind, uno die schwankende, oft a» politischen Blödsinn grenzende Haltung des„Neuen":e., die kein Fortschritt ist, fallen den eine gewisse llnfeqlbarkeit veunsp.nchenden Führermziir Last. Ob sie bewußt oder aus fanatischer Beschränktheit so handeln,— wie sie handeln, bleibt sich gleich, weil die Wirkung dieselbe ist. Berlin Ein„Held". Der bekannte Schweitzer'sch: Agitator Armborst stand am 13. Juni vor Gericht unter der Anklage der versuchten Nöthigung und der Heraiisforderiing znin Zweikampf. Er arbeitete Anfangs d. I. für den Schuhmach-rmeister Rothbart, kam aber mit diesem in Konflikt, weil er angeblich ilniaubere Arbeit ab- lieferte. Als Rothbart deshalb die Bezahlung verweigerte, betrat Arm- borst die Werkstatt R?s iliid nach einigem Wortweck'sel zog er einen Dolch, mit dem er nach dem Meister stach. Dieser wie fein Bruder fielen aber über Armborst her llild prügelten ihn gehörig durch. Arm- borst forderte deshalb den Meister zum Zweikampf ans Pistolen. Roth- barth machte Anzeige bei der Siaatsanwaltschaft, welche gegen Armborst die Klage erhob. Der Gerichtshof sprach Armborsi wegen der versuch- len Röthignng frei, verurtheilte ihn'aber wegen der H-rausford-rnng zum Zweikampf zu drei Monaten Festungshaft.(„Bolksztg.") «) Auf diesen Artikel kommen wir noch zurück; ebenso ans den in Nr. 62 des„Neuen" befindlichen; die Erwiderung aus letzteren mußte aus dem Grunde bis jetzt unterbleiben, weil wir uns vom Gericht erst die Abschrift des Marr scheu Briefes, der in jenem Artikel eine Haupt- rolle stielt, verschaffen mußten.— Auch Bebel, der Verfasser des L.-ArtikelS in Nr. 43 d. Bl., wird de» Herren vom„Neuen" baldigst sein Compliment machen. Berlin. Unter den Maschinenbauern bereitet sich ein Strike vor, der leicht ähnliche Dimensionen wie der der Essener Bergarbeiter annehmen kann. Nach der„Volksztg."„hat der hiesige Ottsverein der Maschlnenbau- und Metallarbeiter vor einiger Zeit, in Verbindung mit den übrigen Berussgenossen, an die Fabrikbesitzer dieses Faches einem Schreiben mit den nöthigen Motiven die Forderung einer eiltsprechenden Lohnerhöhung, Verlängerung der MittaqSpaus-e um eine halbe Stunde und Einführung einer halbstündigen Frühstücksze it gestellt. In der am Sonntag abgehaltenen Versammlung der Besitzer von Maschinenbau- Anilalten wurden diese Forderungen der Maschinenbauarbeiier abqe- lehnt iiiid beschlösse»:„1) Beim Ausbruch eines Strike soll eine Unlersuchunz angestellt werden, ob derselbe gerechifertigt ist. 2) Keine Arbeiter, die gestriet haben, in eine andere Fabrik in Arbeit zu nehme». — Der Antrag, daß wenn ein Strike in einer Fabrik ausbräche, säimntliche Fabriken die Arbeit einstellen sollen, wurde, da hauptsächlich die kleinen Fabrikanten sich dagegen erklärten, verworfen. Man be- tonte, daß der Arbeiter bereits einen täglichen Lohn von 1 Thlr. 5 Sgr. oerdiene»nd nahm Abstand, ein Komitee zu ernennen, da man genügend vorbereitet sei, einem ausbrechenden Strike mit Erfolg ent- gegentreten zu können."— Die Ai bätet fordern also 10 stündige Arbeits- zeit, �O/Piündige Mittags-Pause iiiid einen Minimallohn von 1 Thlr. 10 Sgr. Selbst die„Volksztg." ficht sich genöthigt, wiederholt aus die Gerechtigkeit und sogar ans die Bescheidenheit dieser Forderungen hiilzuweisen,— und das will was heißen. Berlin. Die nicht etatsmäßigen Postbeamten und con- tracttichen Post-Diener beschlossen in ihrer jüngst abgehaltenen General-Bersammlung, b-hufs Verbesserung ihrer Lage den Jnstaiizen- weg einzuschlagen und sich vorerst in einer Petition an die Obec-Post- Direesion zu wenden. In einem Theile derselben heißt es wörtlich: „Es liegt uns aber fern, unserer vorgesetzten Behörde mit einer be- stimmten Forderung gezenüberziitreten; wir sind vielmehr der festen lleberzenguiig. daß in gerechter Würdigung der Verhältiiisse es gewiß für dringend geboten gehalten wird, uns durch eine dem wirklichen Bedürsniß entsprechende Gehaltszulage unsere drückende Lage zu ver- bessern lind uns somtt die Freudigteit zur Ausübung unseres Berilfe« zu erhalten. Auch bitten wir, in Zukunft davon abzustehen, uns oft ragelang unter der Entschuldigung„es sei keine Arbeit" ohne Be- schästigung zu lassen und uns den Ausfall dieser„Arbeitstage" in Abrechnung zu bringen, so daß oft unsere an sich schon schmale Mo- natseinnahme durch den Ausfall dieser Tage aus ein Mini num redu- cirt wird. Wie». Die hiesigen Färb er richten an sämmtliche College» Deutsch lands folgenden Aufruf:„Nachdem in der am 3. Juni stattgefundenen freien Färber- Versammlung der einstimmige Beschluß gefaßt wurde, den Färbermeistern Wiens den Lohntaris von 12 fl. Wochenlohn für den mindesten Arbeiter und 10—11 fl. für den Hilfsarbeiter zur Genehmigung vorzulegen, und w.nn diese Fordernng ans viele Hindernisse bei den Meistern stößt, in Folge dessen in einzelnen Fällen eine Strike bevorsteht, so wird ersucht, jeden Zuzug möglichst zu ver meiden und im Falle der Nothwendigkeit es an Unterstützung nicht mangeln zu lassen." Breslau. Der angekündigte Strike der hiesigen Bäcker ist aus- gebrochen. Die Gesellen verlangen 1) um nicht physisch und moralisch zu verkommen, eine Verminderung ver ISstündigen Arbeitszeit um 2 Stunden; 2) eine vollständige Kost, wie sie einem Wochenarbeiter zukommt, und menschliche Schiafstätten; 3) eine Lohnerhöhung von 25 pCt., nnd muß das Lohn jedem Gesellen wöchentlich ausgezahlt werden; 4) alle hohen Festtage vom 2. zum 3. Feiertage freien Tag und freie Nacht; 5) Maßregelungen, wenn Gesellen für die Rechte ihrer Kollegen eintreten, dürfen nicht stattfinden. Zuzug ist fern zu halten. Briefe u. s. w. sind zu senden an den Altgefellen Hrn. Wen- zcl, Salvatorplatz 3—4. Hannover. A» die Tischler Deutschlands! Fachgenos sen Am heutigen Tage ist hier ein Strike der sämmtlicheu Tischler ausgebrocheii. Wir fordern bei lOstündiger Arbeitszeit eine Lohnerhöhung von LOo/o. Unsere Forderung ist also gerecht. Sorgt da für, daß aller Zuzug unterbleibt und uiitastützt uns sonst nach Kräften. Briese 11. s.w. sind an unseren Kassirer Rössing, Ballhof- straße 1, zu senden. 1 Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden ersucht, diesen Ausruf zu veröffentlichen. Für die ständige Kommission: V. Fund st ein, Vorsitzender. F. Rössing, Kassirer. München, 13. Juni. Am letzten Sonnlag, den 16. Juni, hielten die hiesigen Schlossergehülsen eine Versamdilung ab zur Be- sprcchuiiz über die Lohnsrage. Angeregt war die Verjammlunq durch den Fachverein der Schlosser und auch gleichzeitig ein Vorschlag zu ein-r Forderung von 25% Lohnerhöhung gemacht. Nachde.n Hm Scheit über diesen Gegenstand referirt und inehr.re Rebner ebenfalls dafür gesprochen, wurde beschlossen, ein Komitee zu wählen, welches unsere Forderung den Meistern vorzutragen hat. Da wir jetzt aus alle Fälle gefaßt sein müssen, so ersuchen wir alle Schlosser, soviel wie möglich Zuzug von München fern zu halten, bis wir unsere Forde- rung drcchgesetzt haben. Im Austrage des Komitee'S der Schriftführer F. Tempel. Lffenbnch.(Tel. Dep) Schuhmacherstrike ausgebrochen. Haltung vvrlrcfflich. Jeder thue seine Schuldigkeit Kölsch. Dresden, 18. Juni. Der Schuhmacherstrike ist beendet. Die Arbeiigever nahinen den vom Komitee der Gehilfen ausgesertigten 2. Tarif an, und haben wir somit eine Lohnerhöhnng von 20 bis 25"„> erreicht, nachdem der Strike 0 Wochen gewährt hat. Wie anoerwärtL so war es auch hier, im Berhältniß zur hiesigen Gesellenzahl, ein kleines Häuflein, welches bis zur letzten Stunde wacker Stand hielt, iiiid den toirike zu einem ehrenvollen Abschluß brachte, während die träge und denkfaule Masse nach errungenem Siege recht gern den erhöhten Lohn in die Tasche steckt, vorher aber mit sträflicher Gleichgiltigkeit ruhig zusah, wie die bravsten Kollegen sich in uneigennützigster Weise für das Wohl der Mitbrüder aufopferten. Natürlich war eS das Komitee, gegen welches einige verkommene Subjekte den Schauin der Gemein- heil spritzien. Traurig ist es, daß gerade die Beiussgenossen im engeren Vaterlande noch so wenig Verständniß für das eigene Klasseninteresse haben, denn während die Schuhmacher in weitester Ferne der kämpfenden Brüder in Dresden gedachten und Unterstützung sandten, blie den die eigenen Landsleute, wie.beisteheybe Qniitung zeigt, gänzlich theil nahmslos. Quittung: von der Internationalen Gewerkschaft der Schuhmacher in Win- tertbiir 15Frc.— 3 Thlr. 23 Gr.; desgl. in Fürth 12 Gld.— 6 Thlr 25 Gr. 6 Pf.; d sgl. in Nnrnberg 12 Gld.— 6 Thlr. 25 Gr. 6 Vf.; von den Schuhmachern in Breslau lOTHlr.; desgl. in Pest 9 Gld. 5 Thlr. 12 Gr.; desgl. in Gera 4 Thlr.; desgl. in Weimar 2 Thlr. 16 Gr.; deZgl. in Oelsnitz b. Lichtenstein 2 Thlr. 17 Gr.; ans den Werkstätten von Geihard nnd Harbers in Leipzig 2 Thlr. Summa 44 Thlr. 5 Gr. 2 Ps. Euch Allen, die ihr mit brüderlichem Herzen an uns gedacht, und uns unierftützt habt, hiermit unsern wärmsten Dank. Im Namen der Dresdner Kollegen. Das Komitee. Heinr. Zilger, Kassierer. H. Zöllner, Vorsitzender. H. Seifert, Schriftführer. Cheinnitz, den 17. Juni. Am letzten Soimabeiid fand hier ein- Bersammtiilig der Tifchlergehilsen statt, � in welcher der Vor sitzende miltbeilte, daß die Meiner eine Lohnerhöhung von 15% und Beseitigung der W-ikftalt-Ordnung bewilligt hätten Die Versau, m lung beschloß, sich mit diesen Zilgeständnissen voiläufta zusrieden zu geben, und die übrigen Forderungen, wie Feststellung des Minimal- lohnes. Lohnzuschlag siir Nach-Fenrabend-. und Sonntagarbeit und wöchentliches Änszahlen des Lohnes aus eine günstigere Gelegenheit zu veZchiebcn. Wechsrlburg, 16. Juni. Aus Einladung der Vorstände des 14. Wahlkreises in Rr. 43 des„Volksstaat" waren folgende Orte durch Del-. girie vertreten: Geithain, Rochlitz, Lünzen»», Burgstädt. und Wechselburg. Bon den Bettretern Lunzenau's wurde b-- kannt gegeben, daß zum Schaden der Partei dortselbst zwei Vereine beständen. Es wurde empfohlen, beide Vereine zu verschmelzen. Zu diesem Bebuse wird der Berein„Vorwärts" sowie der„FottbildungS- verein" in Gunzenau aufgefordert, auf Sonntag, den 3t). Juni, eine öffentliche Mitgliederversammlung mir der Tagesordnung: ..Vereinigung zu Gunsten der Partei" einzuberustn und dieselbe durch den„Bolksst'aat" zu annonciren. Tie Vereine des 14. Wahlkreises rverden auch in dieser Versammlung vertreten sein und soll zum Vor- sitzenden ein Unparteiischer ernannt werden. Im Auftrage: Julius Börner. Großenhain, den 12. Juni. Unfern Parteigenossen geben wir hierdurch bekannt, daß am 11. d. M. der Strike sein Ende erreicht hat und die Arbeit wieder aufgenommen worden ist. Wenn wir auch nur ganz wenig errungen, so sind doch die Schläfer ein wenig auf- gerüttelt worden. Der Hauplstreich, welcher stattfand, war folgender: Am Sonnabend, d. 8. huj., hielten es die Herren Fabrikbesitzer für geralhen, bekannt zu geben, daß um 6 Uhr sämmtlichc Fabriken ge- schloffen würden, und legten die Herren den Arbeitern ein Schriftstück vor, in dem dieselben mit Namensunterschrift sich verpflichten sollten. für den am 1. Juni bestandenen Lohnsatz zu arbeiten. Von den Fabrikanten hatten ursprünglich einige etwas mehr bewilligt, dieselben zogen aber später mehrern der gemachten Conzcssioiien wieder zurück. So etwas kann aber auch nur in Großenhain staltfinde»; gleichzeitig w»rde das Verlangen auSge>p>ochen, durch Namensunterschrist allen Ansprüchen bei plötzlicher Kündigung z» entsagen. Nun bestürmte man das Strikecomitee von allen Seiren wegen Unterstützung.' Da wir den Leuten aber sagen mußten, daß wir nicht im Besitze von Geld seien, sie sollten sich nur geduldigen, bis aus einigen Orten für uns Unterstützung eingehen würde, da war kein Halten mehr. Alle drängten sich am folgenden Montag in die Fabriken, um zu erklären, daß sie für den bewilligten Lohn anfangen wollten, mit einziger Ans- nahnie der Hand- und mechanischen Weber, welche ihre Forderung annähernd erreicht haben und sich erst Dienstag holen ließen.— Sonach ist die Arbeit wieder aufgenommen bis auf einige Wollsortirer, von denen jetzt noch einige striken. Da die Wollsortirer nur 5 Pfg. pro Tag zugelegt erhielten, erklärten sich viele bereit ,. ohne die 5 Pfg. Erhöhung zu arbeiten und nahmen diese Zulage gar nicht an. Ueder- Haupt ist hier der Lohn so gestellt, daß, wenn ein Arbeiter 2 Tage nicht arbeilet er oft den 3. Tag»ichis zu leben hat; es hatte daher das Comilee eine sehr schwierige Aufgabe, da den strikenden Arbeitern keine Unterstützung gewährt werden konnte. Zugleich sagen wir unsern Parteigenossen in Kamenz für die uns gespendete Unterstützung von vier Thalern unsern besten Dank. Im Auftrag des Strike-Comitees: Julius Uhlig, Cassirer. Wilhelm Just, Controleur. Döbeln. 11. Juni. Sonnabend, den 1. Juni, feierte der hiesige Consumverein sein sogenanntes Stiftungsfest und halte zndcm- selben auch Herrn Dr. Mar Hirsch eingeladen. An Stelle de» Herrn Hirsch, der durch Heiserkeit am Kommen verhindert war, erschien ein Herr Henning aus Berlin, um die Festrede zu halten. Das Fest war nur äußerst schwach und der Mehrzahl nach von Frauen besucht. In seiner Festrede führte Herr Henning aus, daß namentlich die Frauen die Eniwickelung der Gewerkvereine hemmten, indem sie oft- mals mit ihren Männern haderten, wenn dieselben zu einer Vereins- sttzung gehen wollten. Dann sagte er weiter, führten die vielen Strikes, welche jetzt vorkämen, zu keinem Ziele und nützten überhaupt nichts. Dagegen empfahl er die Eiuigungsämter, welche sich ganz gewiß in kurzer Zeit über ganz Deutschland verbreiten würden, und manchem Uebelstandc abzuhelfen vermöchten und schließlich zum Ziele führten. Zum Schluß verwarf er die Staatshilse. Er meinte, da der Arbeiter die ineisten Steuern zahle, würde ihm folglich durch die Staatshilfe immer wieder mit seinem eigenen Gelde geholfen werden.*) Mit einem Hoch aus die Gewerkvercine schloß Herr Henning seine Festrede. Wäre es eine Volksversammlung gewesen, ich hätte mich sofort zum Wort gemeldet, um diese Phrasen gründlich zu widerlegen. Wie imc zu Ohren gekommen ist, soll sich Herr Henning zur Abhaltung einer Volksversammlung, in der" er Opposition zu erwarten hatte, nich: für besähigt genug gehalten haben, und aus diesem Grunde mag eine solche wohl auch unterblieben sein. Heinrich Wolle. Remse. Geistliche Uebergrisse. Wir sind Dissidenten und wollten auch unsere Kinder aus der evangelischen Kirche nehmen und ließen dieserhalb im März dem hiesigen Pfarramt schriftliche Abmeldung zugehen. Daraus theilte uns Herr Pastor Riedel erst schriftlich, dann mündlich mit, daß die Abmeldung nicht gelte, da sie persönlich ge- schehen müsse**) auch könne er in de» von uns vei langten Wegfall derReligtonSleHre, biblischen Geschichte, des Spruch- und Berse-Lernens nicht wrlligeu, indem der Staat nicht dulde, daß die Kinder ohne Religion ausgezogen würden. Er las uns auch eine Verordnung, die jedem Pfarramt zugegangen sei, vor, mit dem Bemerke», daß selbst die von Dissidenten erzeugten ungetausten Kinder dem Religionsuiiter- licht, wie ihn die Schule gebe, nicht entzogen werden könnte». Bei dem zu diesem Zwecke uns gemachten Besuche, stellte uns der betreffende Herr Pastor in. einer°/<>tündigen Unterredung das Vor- theilhaste des Auswendiglernens aus der biblischen G-schlchte vor. in- dem den Kindern Charakterbilder, wie Abraham, David und dergl. vorgestellt würden und das Ausweiidiglernen das Gedächtniß stärke. Ich entgegnete, daß eS das Gedächtniß zermalme und da» es in Deutschland Männer genug gebe, die wir den Kindern als Charakter- bilder vorstellen könnten, z. B. Humboldt, Diesterweg u. s. w. Dies seien keine Musterbilder für Kinder, antwortete der Priester, was soll- ten sie von eiuem Naturforscher und Pädagogen verstehen?!! Ich eut- gegnete:„David ist erst recht kem Musterbild; derselbe war sogar ein hinter- listiger Mörder!" Daraus der Pastor: Ein Ehebrecher sei David wohl ge- wesen, aber kein Mörder; ich solle aber doch bedenken, David habe ja P sa l- men gedichtet und gesungen!!— Wir wurden über dieses Thema natür- lich nicht einig, schließlich sprach der Ehrwürdige noch die Hoffnung aus, wenn ich in Remse einmal ein Krankenlager habe, mich wieder besuchen zu können, und mich zu Dem zurück führen, von dem aller Trost komme. Frau W.... Juteruationale Gewerkschaft der Manufaktur-. Fabrik- und Handarbeiter. Crimmitschau, 12. Juni. In der am Montag stattgehabten Versammlung hiesiger Stuhlarbeiter wurde beschlossen: Die Ver- sammelten erklären ihren Beitritt zum„Allgemeinen deutschen Weber- und Manufakturarbeiterbund"(Vorstandschast Glauchau.) Gleichzeitig wünschen die Versammelten, der Borstandschaft in Vorschlag zu bringen, gegen eine monatlich« Steuer von.1 Rar. pro Kopf den BundeSmit- gliedern die WebertagS-Cirkuläre lausend zu übermitteln und die Lagen der Mitglieder ru Crimmitschau unter dem Titel„Webersektion Crrm- mitschau" auf Buch bringen und quittiren zu wollen. Meerane, 15. Juni. Die hiesige Internationale Gewerkschaft der Manusactur- und Handarbeiter inacht unter Leitung de« derzeitigen Vorstandes recht erfreuliche Fortschritte und entwickelt sich auf Grund der Statuten in der günstigsten Weise. Die Sektion der Kranken- kasse wirkt sehr segensreich und zählt gegenwärtig wohl gegen 500 Mitglieder. An der jüngst gegründeten Sterbekasse findet ebenfalls eine rege Betheiligung statt, und wurde letzten Donnerstag zu diesem Zwecke eine öffentliche Versammlung abgehalten, zu welcher als Re- serent der Vorsitzende Motteier erschienen war, der in schwungvoller Rede die Anwesenden feffelte. Derselbe verbreitete sich sehr eingehend über Zweck und Ziel der Genoffenschaft und rief den Genossen zu, in- mitten des sozialen Elends, angesichts der als Folge der modernen Produktionsweise immer mehr und mchr um sich greifenden Massen- Verarmung nach dem Vorbild der Bourgeois sich international zu organisuen und den Hilfskassen massenweise beizutreten.— Im An- schlussc hieran wurden die Statuten der Sterbe kasse verlesen und gedenke» wir nächstens das Wichtigste und Hauptsächlichste daraus in diesem Blatte mitzutheilen. Schweiz. Die Genfer Schreiner haben am 6. d. M. in der von 230 Schreinern besuchten Generalversainmlung beschlossen, an die *) Zu naiv! Eben weil die Arbeiterklasse in Form von indirekten Steuern den Staatssäckel füllt, deswegen verlangt sie Hilfe aus ihren eigenen Mitteln. Hat die Arbeiterklasse den Staat erst veranlaßt, ihren Forderungen gerecht zu werden, dann ijt die sogenannte Staats- Hilfe in Wahrheit Welbsihilse. **) Das ist nicht wahr; die schriftliche Abmeldung genügt. Red. d. V. Patrone folgende Forderungen zu stellen: Einführung des zehnstün- digen Arbeitstages; 10 Prozent Lohnerhöhung; Ueberstundenarbeir soll jedoch mit 25 Prozent vergütet werden. Die Stimmung war eine sehr»gute; dazu trugen durch-ihre begeisterten Reden u. A. Rin- soz, Solleil und Gm»mann sehr viel bei.— Daß wir entschlossen sind, unsere sehr mäßigen Forderungen in allen Fällen durchzuführen, wird w hl nicht nöchiz sein zu sagen; darum ersuchen wir unsere Be- rufsgenossen, sich von Genf fern zu halten und unser Porhaben be- kannr zu inachen, damit der Zmug in möglichst geringen Maß oder gar nicht vorlvuimt. Das provisorisch; Komitee. Winlerthur. Am 2. Juni tagte hierselbit die konstituirende Versammlung der Kranken- und Jnvalidenkasse der Holzarbeiter. Anwesend waren etwa 50 Mitglieder und zahlte ein jedes 50 Cents. zur Gründung der Kasse. Am 9. Juni tagte abermals hierscldst eine Versammlung der Holzarbeiter; es wurden nochmals die Statuten be- raihen und nach verschiedenen Abänderungen �insbesondere lokale Ver- Hältnisse betreffend) angenoimnen. Es traten noch 20 Mitglieder der Kranken- und Jnvalidenkasse bei, so daß wir jetzt schon 70 Mitglieder zählen. Vverdon. Die Arbeiter der schweiz. Westbahn stehen wegen Verbesserung ihrer Lage in Unterhandlung mit der Direllion. Zuzug ist fernzuhalten. f„Felleisen.) Die Bewegung unter den Manufakturarbeiten tauchrin der Schweiz an nnmer neuen Orten aus. Zwar scheint die Bewe- gung unter den Spinnein im Kanton Aargau so ziemlich im Sand; verlaufen zu sein, und die der glarncrischen Drucker isolirt zu bleiben, ebenso die unter den St Gallischen Sticker», den Appen- zell er Webern und den Basellandschäftler Bandwebern. Neuer- dings ist aber wieder eine Bewegung unter den Webern zu Tage getreten. Am 12. Mai haben sich in Roggwyl(Kt. Bern, nahe der Aargauischen, Lnzernischen und Solorhu-iicr Grenze) bei 100 Weber zusaimneiigethli» und ein Komitee von 7 Mitgliedern bestellt. Der Aufruf, den dieses Komitee erlassen hat, rief die Weber der angrenzen- den Landestheile der Kautoue Aargau, Solothurn, Bern und Luzern zu einer allgcmeiiten Weberversammlung ans den 9. Brachmonat nach R o g g wp l auf, um über ei» geincinsames Handeln zu sprechen.— Weiteres ist abniwarten.(„Tagwacht.") Frankrctch. In Paris haben die Posamenti ered von den Arbeitgebern die Zusage erhalten, mit ihnen über Verkürzung des Arbeitstages zu verhandeln.— Tie Gypser von Pamiers, Foix, St. Girons, Mirepoix und Vorilhes fordern 50"'a Lohnerhöhung, die von C hamber y striken wegen Verkürzung des Arbeitstages von 12 auf 11 Stunden und eines Stundenlohns von 38 Centime» (3 Sgr.) für alle Arbeiter. In Man taub an striken die Maurer, in Toulouse die Zimmerer, in Gannat die Tischler und Gypser, in Belfort sind 1200 Spinner ausgeschlossen. In La Sahne(Departement Var) striken 800 Zimmerer und Eisenarbeiter, in Röon bei Longwy 100 Bergarbeiter von der Grube„Providence"; in Lyon sind die Eisengießer von den Meistern ausgeschlossen worden, weil die Arbeiter der Pourrat'schen Fabrik nach vergeblicher Forderung der Entlassung eines chikanözen Werk- sührcrs Strike erklärt hatten. Belgic». In Bergen(im Hennegau) haben die Forst-Holz- leger! nn en die Arbeit eingestellt. Holland. In Antwerpen striken die Buchdrucker._ Sämmtlichen Sattlern und Fachgenossen Deutschlands incl. Teutsch-Ocstcrreichs z«r Nachricht, daß kleiueren Ortschaften, denen es nicht möglich ist, einen eigenen Delegirten zum Kongreß zu entsenden, ein eigener Vertreter Hierselbst gestellt werden kann, und bedarf es nur der Einsendung einer über die Zahl der zu vertretenden Gewerksgenossen lautenden, in Betreff des Namens des Vertreters aber unauSgesülllen Vollmacht nebst dem aus- drücklichen Antrag ans Gestellung eines Vertreters, doch muß dieS so bald wie möglich geschehen. Sämmtliche Städte, die bereits Zusagen gemacht haben, werden bis spätestens Freitag Vormittag die'unaus- gefüllten Legitimationskarteil nebst weiteren Verhaltungsmaßregeln zu- gesandt erhalten und ersuchen nir alle Vereine und Städte, welche einen Delegirten hersenden, demselben Material über den Stand der Lohn- und Akkordpreife und die Dauer der Normalarbeitszeit in allen Brauchen des betr. Orts mitzugeben. Wir bitten etwaige Anfragen in dieser Sache an I. Berg, Buckowcrstraße 4 zu lichten. __ Berlin._____ I. A.: I. Berg, Schrislführer. Alle Schneidergehülfen Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz werden ersucht, bezüglich eines zur Versendung kommenden Flugblattes (den Leipziger'Strike betreffend) ihre werthen Adressen(von Werk- stätten) uns sehr schnell zukommen zu lassen. Die Kollegen in großen wie kleinen Städten werden dann obiges Blatt zugeschickt bekommen. Adressen sind einzusenden an Herrn Hietschold, Gewandgäßchen Nr. 4. _____ Die Schneidergehülfen Leipzigs. Den Schriftenverkanf betreffend. ES sind noch mehrere Parteigenossc» für die seinerzeit vom Uraunschweiger Auöschus; bezogenen Schriften Zahlnng rückständig. Wir ersuchen bctr Schuldner dringend, sich dessen zu erinnern, und recht bald zahle» zu wollen, da wir diese Gelder zu UntcrstütznngS Zwecke» dringend nöthtg haben. Der Ausschuß. Th. Aorck Gelder wolle man senden an den Eassirer H. Bennete, Kl. Schäfertamp 84»_______ Für die Filiale«. Alle überzähligen Nummern des„Volksstaat" vom II. Quartal wird rückzusenden gebeten. _ Die Expedition des„Rollsstaat." „Für den Bolksstaat." Aus der Bolksstaatskasse der Cigarrenarbeiter von M. Paschke in Breslau 2 Thlr. erhalten. ___ Die Exped. des„Volksstaat." Soeben ist in Separatabdruck erschienen und durch die Expedition des Bolksstaats zu beziehen: Zur Erinnerung an die letzten Maitage 1871. _ Gedicht ä 5 Pf._ Soeben er chien: Scholl, Meine Pfingstreise nach Sachsen. Preis 2 Groschen. _ C. H. Zeh'sche Buchhdlg. Nürnberg. In meinem Verlage ist erschlenen und in allen Buchhandlungen zu haben: Der alte und der ueue Jesuitismus, oder: die Jesuiten und die Freimaurer. Eine Klostergesängnißarbeit von Bernhard Becker. 3'/- Bogen.— Preis 6 Sgr.— Direkt von mir oder der Expedition des„Braunschweiger Volksfreund" dezogen 4 Sgr., 20 Stück 2 Thlr. «raunschweig.______ W Bracke jr. kommission in Nr. 47 des„Volksstaat" zu lesen.— Müller Colp- 1 28 Thlr. 27 Sgr. für Abonnement.— R. v. R. in Ha!'no„er8 Sgr. z für Schriften erhalten: den„Bolksstaat" können Sic in Ihrer Heimath durch Buchhandel beziehen.— Seebach in Annweiler: Ihre Annonce kostet 10 Sgr.— Bolkn in Crajova für Abonnement zweites Quartal 1 Thlr. 2 Gr. Das Abonncment kostet per Quartal 1 Thlr 5 Gr. — Heinrichs in Köln: Für Annoncen erstes Quartal 23% Gr.—.'] Wahl in Barmen: für Annonce 3 Gr.— Marcovie in Pancsowa für Abonnement viertes Quartal 1872 16 Gr., für Schriften 2 Thlr. 4 Gr.— Gard. in Niederlindhardt: für Schrift 8 Gr.— H. Hbr. in München- Gladbach: Das betreffende Abonnement beträgt für i drittes Quartal 1 Thlr. 2 Gr. Sie haben daher noch 12 Gr. gut. Heber in Stuttgart: für Schriften 3 Thlr. 10 Gr.— C. Heim in Mezingen: Für Schriften 22 Gr. erhalten.— Roller in Reutlingen:: für Schriften 1 Thlr. 18 Gr.— Kern in Genf: Für Schriften er- halten 13 Thlr.6 Gr. 8 Pf.— Com. Osw.Sch. in Niederaffalter: Wollen Sie freundlichst den Betraa von 4 Sgr. in Marken einsenden, da Nach- nähme auf so geringe Beträge zu theuer ist.— R. S. in M. (Schweiz)! Die kleineren Broschüren Lassalles kommen, soweit selbe vorhanden, auf 2 Thlr. 20 Gr.— Gg. Hake in Beiden: Wollen Sie den Betrag von 15 kr. in Marken einsenden.— Schneider in Mar- bürg: Für Schriften 18 Gr.— Lienau in Wandsbeck: Für Schriften 12 Thlr. 22 Gr. 4 Pf.— Tallme. in Celle.— 1 Thlr. für Schriften. — Ilnöller in Augsburg: für Annonce 4 Gr.:— Liebm. in Berlin: Für Annonce 9 Gr.— H. Beutner in Luckenwalde: Tie Adresse des Th. M. in B. ist Linienstraße Nr. 79. K. Neukirchner:'Deine R. Angelegenheit Fr. übergeben. Seifert. Von B. I. Lemoisnc in Mainz 2 Thlr. 23 Ngr. erhalte».— Parleigenosse Friedet wird ersucht seinem Versprechen nachzukommen, oder wenigstens seine Adresse an mich gelangen zu lassen. Gustav Linke. Ein Horndrechsler findet sofort dauernde Beschäftigung auf Büffclhorugnffe in der Drechslerwerkstatt von Bebel, Petersstraße 18, Leipzig. Einladung zum Abonnement ans die „Demokratische Zeitung" für das III. Quartal 1872. Unter dem Motto: Gleiches Recht und gleiche Pflichr für Alle wild die„Demokratische Zeitung" auch im nächsten Quartal die Grundsätze der Demokratie zu verbreiten bestrebt sein. Die„Demokratische Zeitung" erscheint wöchentlich 6 mal.— Der Abonnementspreis beträgt für Berlin vierteljährlich 1 Thlr. 3 Sgr., monatlich 11 Sgr., Jochernlich 2 Sgr. 9 Pf.; für Auswärtige 1 Thlr. 10 Sgr. pro Quartal.— Die JnsertionSgcbnhrcn werden pro Ispalrige Petiizeile mit 2 Sgr. 6 Pst berechnet, Arbeitsmarkt I Sgr. 6 Pf.— Bestellungen nehmen alle Postanstalten, Spediteure Berlin's sowie die Erpcdilion der Zeitung entgegen.— Hauvt-Etzpeditio» für Berlin: die Mecklcnburg'sche Buchhandlung, Krauscnstr. 41.— Redaktion und Jpezial- Erbedition: Elisabethstraße 15.— In- seraten-Annahme bei allen Inseraten-Komtoirs und in den Erpe- ditioncii. Die Redaktion der„Demokratischen Zeitung." Elisabethstraße 15.| Im Berlage der Expedition des„Bolksstaat" ist erschienen, resp. von ihr ist zu beziehen: Thlr. gr. pf. Volksliederbuch v. Linke......— 2 5 Sächsisches Tissidcuteugcsct;.....—— 5 Photographien von Marr. Lassalle, Blanqui, Fcrre, Milliere.Deleicluze, Rossel jc., in Visitenkarten- sormat........— 2 5 in Kabinetformat..._..— 6— Für Leipzig. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Versammlung Dienstag, den 25. Juni, Abends 8 Uhr, im Leipziger Saal. Tagesordnung: Bericht des Delegirten über den Kongreß. Die Kassirer der Sektionen werden ersucht, daselbst Steuern zu kassiren.___ Für Leipzig. Internationale Metallarbeiter�chatt. Mitgliederversammlung Montag, den 24. Juni Abends 8 Uhr. Restauration zur Milch- iusel, Marienstraße Nr. 9. Tagesordn ung: Berichterstattung unseres Delegirten über den Erfurter Congreß und Generalversammlung. Aufnahme neuer Mitglieder.__________ Leipzig: Verantw. Redakteur A. Muth; Redaktion u. Expedition Hohestr. 4; Druck u. Verlag v. F. Thiele. „Es werde Licht", Poesien von Leopold Jacoby. Berlin 1872. Ladenpreis 12 Sgr. Bei 6 Erempl. wild der Preis auf T/t Sgr. bei 30 Erewpl. auf 6 Sgr. pro Exemplar ermäßigt. (5) 1 H. E. Oliven. Berlin, Louisenstr. 45. Brieskasten der Expedition: Holzhäuser in Wolfcnbüttel: L. hat mir nicht ge- schrieben. Im Uebrigen bitte die Ausschreibung der Verwaltungs- Für Hamburg. Social-demotratisch er Arbeiterverein. Versammlung am Montag, den 24. Juni, Abends 9 Uhr, in Eberhahn's Clublokal, Z-ughausmarkt 31. Tagesordnung: 1) Sozial-politischer Wochenbericht. Referent Jacobi. 2) Die Gründe zum Austritt einer Anzahl Mitglieder aus dem „Allgemeinen Deutscheu Arbeiterverein" im Jahre 1869 im Lichte der heuttgen Konflikte innerhalb genannten Vereins. Referent: V) o r ck. Gäste haben Zutritt. August Geib. Augsburg. Sozial-demokratische Arbeiterpartei. Montag, den 24. Juni Abends 8 Uhr, Versammlung bei Bierbrauer Eisenmeier. Tagesordnung: 1) Entrichtung der Monatsbeiträge und Aufnahme neuer Mit- glieder. 2) Sozial-Pölitischer Monatsbericht. Ter Vertraucnswann. Allgemeine Versammlung sämmtlicher Gewerkschaften und Aachvereine am Sonnabend, den 22. Juni Abends 8 Uhr, im Saale der West- endhalle. Tagesordnung: 1) Berichterstattung unserer Delegirten über den Gewerkschafts- kongreß in Erfurt. 2) Vorschläge und Diskussion über ferner vorzunehmende Schritte in der gewerkschaftlichen Agitation. Alle Arbeiter, sowie alle Parteigenossen sind dringend eingeladen, pünktlich zu erscheinen. _____ Das Komitee. Mr Leipzig. Sektion der Böttcher. Versammlung den 22. Juni in der Restauration von G. Hint- schold, Gewandgäßchen Nr. 4, 1 Treppe. Tagesordnung: Bericht von unseren Kollegen aus Braunschweig. Aufnahme neuer Mitglieder. Allseitiges Erscheinen ist erforderlich. Der Vorstand. Arbritsmarkt. Ein Mitglied der Manusakturarbeitergewerkschaft, welches als Färber schon seit einer Reihe von Jahren lhätig war und gute Zeug- nisse ausweisen kann, sucht ans Banmwollfärberei und Druckerei eine Stelle zu sofortigem Eintritt. Näheres bei Göppingen in Württemberg._____ G. Bronnenmayer.