K«. 52 SooMbeii», SS. J»»>. 1872 Erschtin« wöchentlich 2 mal ,n Leipzig. Vestellungen»thmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- laude« an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: die tkrpedition, Hohe Str. 4. >. Bebel, Petertstr. 18, F. Thiel«, Emilienste. 2. «bonnemeutSpretS: Kür Preußen incl. Stempel- steuer 17 Sgr., für die ilbrigm deutschen Staaten l2'/,Ngr per Quartal, per Monat 4'/» Rgr., für Leipzig und Um« gegend per Quartal 13Rgr. tfillalerpedition für MeBer- einigten Staaten: F. A. Sorge, von 101 Hobokea X. J. via Newyork Organ der sozial-demokratischkn Arbeiterpartei und der Internationalen GewerKsgenossenschasten. Cämmtliche Redaktionen unserer in- und anslän- dischen Parteiblätter werden gebeten, je ein Exemplar derselben an unsere Hub ertusbnrger Gefangenen — per Kreuzband oder durch Einzahlung der Post: Provision— zu senden. Wir ersuchen zum Schluß des Quartals die Re- daktioncn, welche uns bisher ihre Blätter durch Ein- zahlung der Postprovision oder per Kreuzband«n edanxv znkommen ließen, das Tauschverhältniß ge? fälligst fortzuerhalten. Red. d.„Bolksstaat." Äbonnements-Emladlmg. Wir bitten alle Leser und Parteigenossen, sich zum neuen Quartal, welches mit dem 1. Juli beginnt, für die weitere Berbreitung des„Volksstaat" zu bemühen.— Das Abonnement erneuere man jetzt schon, um die unangenehmen Verzö- gerungen, die sonst beim Quartalwcchsel eintreten, zu vermeiden. Das Postabonnement ist, mit Ausnahme der Orte, wo Filial- expeditionen bestehen, das beste, und liefert jede Postanstalt gegen ein Bestellgeld von 21/, Gr. pro Quartal den„Volks- staat" frei ins Haus. Kreuzbandscndungcn sind nicht zu empfehlen, da diese noch einmal so theuer. Der Abonnementspreis beträgt, wie bekannt, 12'/, Gr.; für Preußen incl. Stempelsteuer 1K'/, Gr. Parteigenoffe»! Mit dem 1. Juli beginnt ein neue» Abonnement auf unser Parteiorgan. Ihr werdet auch diese Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen lasten, für neue Ausbreitung des Organs, so viel Ihr vermögt, zu wirken. Dieses Quartal schließt mit circa 5400 Abonnenten, also mit 600 mehr, als es begonnen. Seht, daß ein ähnliches Resultat die Frucht Eurer Anstrengung auch im nächsten Quartal»verde. Ist Jeder auf dem Platze und thut Jeder seine Pflicht, dann ist der Erfolg gewiß. A« die Parteigenoffe». Da der Parteikongreß in nächster Zeit, spätestens in den ersten Tagen des September, stattfindet, so werden die Partei- genossen unter Bezugnahme auf§ 9 der Geschäftsordnung aufgefordert, ihren Pflichten vollständig und pünktlich nachzukom- wen; die Vertrauensmänner haben Sorge zu tragen, daß die Parteisteuern rechtzeitig eingesandt werden. Der Ausschuß. H. Benneke, Kl. Schäferkamp 34. An die Parteigenoffe«. Obwohl uns nicht unbekannt war, daß die Herren Froh m e aus Bremen und Hartmann auS Hamburg als Agita- loren nach Süddeutschland geschickt worden sind, um für den „Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Verein" Propaganda zu machen,*) haben wir es bislang nicht für nolhwendig gehalten, unsere dortigen Parteigenossen auf diesen ihnen zugedachten Besuch aufmerksam zu machen. Einmal, weil es auch uns ja nur er- wünscht sein kann, wenn die sozial-demokratischen Ideen in immer größere Arbeiterkreise verbreitet werden, dann aber, weil wir es für selbstverständlich hielten, daß der Herr Präsii dcnt-Redaktor des„Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins", der im„Neuen" sich erst jüngst so sehr über angebliche Schädigung der Organisation seines Vereins durch unsere Agitation be- klagt hatte, nun auch den Balten aus dem eigenen Auge ziehen und nicht versuchen würde, unsere Organisation zu stören. Diese Boraussetzung hat sich nicht bewahrheitet. Von Mainz sind wir benachrichtigt, daß die genannten Herren einzig und allein deshalb dort aufgetreten sind, um unsere Or- ganisation zu sprengen und Zwietracht in die Gewerkschaftsbe- wegung zu trafen, um für den„Verband" Anhänger zu ge- Winnen und so einen Keil in unsere Gewerks-Union zn treiben. (Die Nebenabsicht, Leute anzuwerben, welche bei unserm in eini- gen Monaten stattfindenden Mainzer Kongreß ähnliche Scencn, wie sie vor 2 Jahren in Stuttgart stattfanden, ausführen sollten, ist gleichfalls unverkennbar.) Dieser Versuch ist mißglückt, allein � beweist, worum es den Herren zu thun ist und welche Jnstruk- lionen dieselben von dem Präsidenten und den Redactoren Hasen- klcver-Hastelmann empfangen haben. Es ist darum unsere Pflicht, die Parteigenossen in Süd- Deutschland auf jenes Vorhaben aufmerksam zu machen und sie aufzufordern, allen solchen Zersplitterungs- und Verhetzungs- Persuchen ganz entschieden und mit Nachdruck entgegenzutreten. Außerdem aber erwarten wir, daß alle Vertrauensmänner von ollen derartigen Versammlungen, von welchen sie Kenntniß er- halten, sofort wahrheitsgetreue Berichte an den„Volkstaat" siusenden. Ueberhaupt ist es nothwendig, daß die Parteigenossen aller Orte Sorge tragen, daß über jede größere Versammlung oder andere wichtige Arbeiter-Angelcgenheiten von allgemeincrem In- presse(zwar möglichst kurz, aber) sofort an das �rgan berichtet wird. *) Siehe Nr. 50 des„Volksfiaat", Correspondenz Mainz. Beschwerden über verspätete oder verweigerte Aufnahme sind an uns einzusenden. Hamburg. Der Ausschuß: Theodor Uorck. Wie Proudhon die Wohnnngsfrage löst. Von Friedrich Kogels. (Forlsetzung.) Nach dem Vorhergehenden können wir schon im Voraus wissen, wie unser Proudhonist die große Wohnungsfrage lösen wird. EineStheils haben wir die Forderung, daß jeder Ar- beiter seine eigene, ihm gehörende Wohnung haben muß, damit wir nicht länger unter den Wilden stehen. Andererseits haben wir die Versicherung, daß die zwei-, drei-, fünf- oder zehnmalige Bezahlung des ursprünglichen Kostenprcises eines Hauses in der Gestalt von Miethzins, wie fle in der That stattfindet, auf einem Rechtstitel beruht und daß dieser RechtStitel im Widerspruch mit der„ewigenGerechtigkeit" sich, befindet. Die Lösung ist einfach: wir schaffen den Rechts- titel ab und erklären krast der ewigen Gerechtigkeit den ge- zahlten Miethzins für eine Abschlagszahlung auf den Preis der Wohnung selbst. Wenn man sich seine Voraussetzungen so eingerichtet hat, daß sie die Schlußfolgerung bereits in sich enthalten, so gehört natürlich nicht mehr Geschicklichkeit dazu, als jeder Charlaton besitzt, um das im Boraus präparirte Resultat fertig aus dem Sack zu ziehen und auf die un- erschütterliche Logik zu pochen, deren Erzeugniß es ist. Und so geschieht es hier. Die Abschaffung der Mieth- wohnung wird als Noihwendigkeit proklamirt, und zwar in der Gestalt, daß die Verwandlung jedes Miethers in den Eigenthümer seiner Wohnung gefordert wird. Wie machen wir das? Ganz einfach:„Die Miethwohnung wird abgelöst... Dem bisherigen Hausbesitzer wird der Werth seines Hauses bis auf den Heller und Pfennig bezahlt. Statt daß, wie bisher, der bezahlte Miethzins den Tribut darstellt, welchen der Miether dem ewigen Rechte des Kapitals bezahlt, statt dessen wird von dem Tage an, wo die Ablösung der Miethwohnung proklamirt ist, die vom Miether bezahlte, genau geregelte Summe die jährliche Abschlagszahlung für die in seinen Besitz übergcgan- gene Wohnung.... Die�Gcsellschaft... wandelt sich auf diesem Wege in eine Gesammtheit unabhängiger freier Besitzer von Wohnungen um." Der Proudhonist findet ein Verbrechen gegen die ewige Gerechtigkeit darin, daß der Hauseigcnthümcr ohne Arbeit Grundrente und Profit aus seinem im Hause angelegten Ka- pital herausschlagen kann. Er dekretirt, daß dies aufhören muß; daß das in Häusern angelegte Kapital keinen Profit, und so weit es gekauften Grundbesitz vertritt, auch keine Grund- rente mehr einbringen soll. Nun haben wir gesehen, daß da- mit die kapitalistische Produktionsweise, die Grundlage der jetzigen Gesellschaft, gar nicht berührt wird. Der Angelpunkt, um den sich die Ausbeutung des Arbeiters dreht, ist der Vcr- kauf der Arbeitskraft an den Kapitalisten, und der Gebrauch, den der Kapitalist von diesem Geschäfte macht, indem er den Arbeiter weit mehr zu produziren nöthigt, als der bezahlte Werth der Arbeitskraft beträgt. Dies Geschäft zwischen Ka- pitalist und Arbeiter ist es, das all den Mehrwerth erzeugt, der nachher in Gestalt von Grundrente, Handclsprofit, Steu- ern u. s. w. auf die verschiedenen Unterarten von Kapitalisten und ihren Dienern sich vertheilt. Und jetzt kommt unser Proudhonist und glaubt, wenn man einer einzigen Unter- art von Kapitalisten, und zwar von solchen Kapitalisten, die direkt gar keine Arbeitskraft kaufen, also auch keinen Mehr- werth produziren lassen, verböte,� Profit zu machen, so sei man einen Schritt weiter! Die Masse der der Arbeiterklasse abge- nommenen unbezahlten Arbeit bliebe genau dieselbe, auch wenn den Hausbesitzern die Möglichkeit, Grundrente und Profit sich zahlen zu lassen, morgen genommen würde, was unfern Prou- dhonistcn nicht verhindert, zu erklären:„die Abschaffung der Miethwohnung ist somit eine der fruchtbarsten und großartigsten Bestrebungen, welche dem Schooße der revolutionären Idee entstammt, und eine Forderung ersten Ranges von Seiten der sozialen Demokratie werden muß." Ganz die Marklschreierei des Meisters Proudhon selbst, bei dem das Gegacker auch stets im umgekehrten Verhältnisse zu der Größe der gelegten Eier steht. Nun denkt Euch aber den schönen Zustand, wenn jeder Arbeiter, Kleinbürger und Bourgeois genöthigt wird, durch jähr- lichc Abzahlungen erst Theil-, dann ganzer Eigenthümer seiner Wohnung zu werden! In den Jndustriebezirken Englands, wo es große Industrie-, aber kleine Arbeiterhäuser giebt und jeder verheirathete Arbeiter ein Häuschen für sich bewohnt, hätte die ' ache noch einen möglichen Sinn. Aber die kleine Industrie von Paris, sowie der meisten großen Städte des Kontinents wird ergänzt durch große Häuser, in denen zehn, zwanzig, dreißig Familien zusammenwohnen. Am Tage des weltbe- freienden Dekrets, das die Ablösung der Miethswohnung pro- klamirt, arbeitet Peter in einer Maschinenfabrik in Berlin. Nach Ablauf eines Jahres ist er Eigenthümer, meinetwegen des fünszchnten Theiles seiner, aus einer Kammer des fünften Stockes irgendwo am Hamburger Thor bestehenden Wohnung. Er verliert seine Arbeit und findet sich bald darauf in einer ähnlichen Wohnung, mit brillanter Aussicht auf den Hof, im dritten Stock am Pothof in Hannover, wo er nach fünfmo- natlichem Aufenthalte eben 1/36 des Eigenthums erworben hat, als ein Strike ihn nach München verschlägt und ihn zwingt, sich durch elfmonatlichen Aufenthalt genau'Vigo deö Eigenthumsrechts auf ein ziemlich dunkles Anwesen, zu ebner Erde, hinter der Ober-Angergasse aufzuladen. Fernere Umzüge, wie sie Arbeitern heute so oft vorkommen, hängen ihm ferner an: '/sfio einer nicht minder empfehlenswerthen Wohnung in St. Gallen, S3/180 einer anderen in Leeds und""-Gassiz genau gerechnet, so daß„die ewige Gerechtigkeit" sich nicht beklagen kann, einer dritten in Seraing. Was hat nun unser Peter von allen diesen Wohnungsantheilen? Wer giebt ihm den rich» tigen Werth dafür?- Wo soll er den oder die Eigenthümer der übrigen Antheile an seinen verschiedenen ehemaligen Woh- nungcn auftreiben? Und wie steht es erst um die Eigen- thumsverhältnisse eines beliebigen großen Hauses, dessen Stock- werke sage zwanzig Wohnungen enthalten und das, wenn die Ablösungsfrist abgelaufen und die Miethswohnung abgeschafft ist, vielleicht dreihundert Theileigenthümern gehört, die in allen Weltgegenden zerstreut sind? Unser Proudhonist wird antworten, daß bis dahin die Proudhon'sche Tauschbank be- stehen wird, welche jederzeit an Jedermann für jedes Arbeits- Produkt den vollen Arbeitsertrag, also auch für einen Woh- nungsantheil den vollen Werth auszahlen wird. Aber die Proudhon'sche Tauschbank geht uns hier erstens gar nichts an, da sie selbst in den Artikeln über die Wohnungsfrage nirgends erwähnt wird; sie beruht zweitens auf dem sonderbaren Ire- thum, daß, wenn Jemand eine Wiare verkaufen will, er auch immer nolhwendig einen Käufer für ihren vollen Werth sin- det, und sie hat drittens, ehe Proudhon sie erfand, bereits in England unter dem Namen I�abour Exchange Bazaar mehr als einmal fallirt. Die ganze Borstellung, daß der Arbeiter sich seine Woh- nung kaufen soll, beruht wieder auf der schon hervorgehobenen Proudhon'schen reaktionären Gcundanschauung, daß die durch die moderne große Industrie geschaffenen Zustände krankhafte Auswüchse sind und die Gesellschaft gewaltsam— d. h. gegen die Ströinung, der sie seit hundert Jahren folgt— einem Zustande entgegengefahrt werden muß, in dem die alte stabile Handarbeit des Einzelnen die Regel, und der überhaupt nichts Anderes ist, als eine idealisirte Wiederherstellung des unter- gegangenen und noch untergehenden Kleingewerbsbetriebs. Sind die Arbeiter erst wieder in diese stabilen Zustände zurück- geworfen, ist der„soziale Wirbel" erst glücklich beseitigt, so kann der Arbeiter natürlich auch wieder Eigenthum an„HauS und Herd" gebrauchen und die obige Ablösungstheorie erscheint weniger abgeschmackt. Nur vergißt Proudhon, daß, um diei fertig zn bringen, er erst die Uhr der Weltgeschichte um hun- dert Jahre zurückstellen muß und daß er damit die heutigen Arbeiter wieder zu eben solchen beschränkten, kriechenden, duck- mäuserigen Sklavcnseelen machen würde, wie ihre Ururgroß- väter waren. So weit aber in dieser Proudh m'schen Lösung der Woh- nungsirage ein rationeller, praktisch verwerthbarer Inhalt liegt, so weit wird sie heutzutage bereits durchgeführt, und zwar ent- stammt diese Durchführung nicht dem„Schöße der revolutio- närcn Idee", sondern— den großen Bourgeois selbst. Hören wir hierüber ein vortreffliches spanisches Blatt,„Ea Eman- cipacion" von Madrid, vom 16. März: „Es giebt noch ein anderes Mittel, die Wohnungsfrage zu lösen, das von Proudhon vorgeschlagen worden und daS beim ersten Anblick blendet, aber bei näherer Prüfung seine totale Ohnmacht enthüllt. Proudhon schlug vor, die Miether in Käufer auf Abschlagszahlung zu verwandeln, so daß der jährlich bezahlte Miethzins als Ablösungsrate auf den Werth der Wohnung angerechnet und der Miether nach Ablauf einer gewissen Zeit Eigenthümer dieser Wohnung würde. Dieses Mittel, das Proudhon für sehr revolutionär hielt, wird heut- zutage in allen Ländern durch Gesellschaften von Spekulanten ins Werk gesetzt, welche sich so durch Erhöhung des Mieth- Preises den Werth der Häuser zwei bis drei Mal bezahlen lassen. Herr Dollfus und andere große Fabrikanten des nord- westlichen Frankreichs haben dies System»erwirklicht, nicht nur, um Geld herauszuschlagen, sondern obendrein mit einem poli- tischen Hintergedanken. „Die gcscheidtesten Führer der herrschenden Klassen haben stets ihre Anstrengungen darauf gerichtet, die Zahl der kleinen Eigenthümer zu vermehren, um sich eine Armee gegen das Pro- letariat zu bilden. DMbürMIichen Revolutionen des vorigen Jahrhunderts �rtheillen den"großen Grundbesitz des Adels und der Kirche in kK�es ParMeneigenthum, wie heule die spa- nischen Republikaner�-mft' dein noch bestehenden großen Grund- besitz machen wollen/ und schufen so eine Klasse kleiner Grund- eigenthümer, die seitdem das allerreaktionärste Element der Gesellschaft und das stetige Hinderniß gegenüber der revblutio- nären Bewegung des städtischen Proletariats geworden ist. Napoleon III. beabsichtigte, durch Verkleinerung der einzelnen Staatsschuldantheile, in den Slädten eine ähnliche Klasse zu schaffen, und Herr Dollfus und seine Kollegen, indem sie ihren Arbeitern kleine, durch jährliche Abzahlungen abzutragende Woh- nungen verkauften, suchten allen revolutionären Geist in den Arbeitern zu ersticken und gleichzeilig sie durch ihren Grund- besitz an die Fabrik, in der sie einmal arbeiteten, zu fesseln; so daß der Plan Proudhons nicht nur der Arbeiterklasse keine Erleichterung schuf,— er kehrte sich sogar direkt gegen sie." Wie ist nun die Wohnungsfrage zu lösen? In der Heu- tigen Gesellschaft gerade wie eine jede andere gesellschaftliche Frage gelöst wird: durch die allmälige ökonomische Ausgleichung von Nachfrage und Angebot, eine Lösung, die die Frage selbst immer wieder von Neuem erzeugt, also keine Lösung ist. Wie eine soziale Revolution diese Frage, lösen würde, hängt nicht nur von den jedesmaligen Umständen ab, sondern hängt auch zusammen mit viel weiter gehenden Fragen, unter denen die Aufhebung des Gegensatzes von Stadt und Land eine der we- sentlichsten ist. Da wir keine utopistischen Systeme für die Einrichtung der künftigen Gesellschaft zu machen haben, wäre es mehr als müßig, hierauf einzugehen. Soviel aber ist sicher, daß schon jetzt in den großen Städten hinreichend Wohnge- bäude vorhanden sind, um bei rationeller Benutzung derselben jeder wirklichen„Wohnungsno th" sofort abzuhelfen. Dies kann natürlich nur durch Expropriation der heutigen Besitzer resp. durch Bcquartierung ihrer Häuser mit obdachlosen oder in ihren bisherigen Wohnungen übermäßig zusammengedrängten Arbeitern geschehen, und sobald das Proletariat die politische Macht erobert hat, wird eine solche, durch das öffentliche Wohl gebotene Maßregel ebenso leicht ausführbar sein, wie andere Expropriationen und Einquartierungen durch den heutigen Staat.(Schluß folgt.,) Politische Uebersicht. Wenn man nächstens in den deutschen Schulen lehren wird, daß 2 mal 2 gleich 3 ist, so darf das Niemand Wunder nehmen. Die Geistesrichtung, welche jetzt dem deutschen Volke durch seine Presse zu geben versucht wird, Zielt daraus hinaus. Zum Beweis hierfür wollen wir das„Militär-Wochenblatt" reden lass.n; dasselbe gelangt, indem es das Rebellenerziehungs- gesetz, vulgo Militärstrafgesetzbuch, einer eingehenden Kritik unterzieht, dabei zu folgendem Schluß:„Resümiren wir das Vorgesagte, so ergiebt sich: Schärfungen sind angeordnet in 43 Fällen, Milderungen in 21 Fällen, wozu allen- falls noch 8 Fälle kommen, in denen dem Ermessen des Rich- ters Freiheit gelassen ist. Die Schär fungen überwie- gen demnach weit die eingetretenen Milderungen K. Somit kann das Erscheinen des neuen einheit- lichen deutschen Militärstrafgesctzbuches ohne Be- sorgniß erwartet und imGanzen als ein Fortschritt bezeichnet werdend— Daß die gutgesinnten Blätter— wie„Nationalzeilnng"— diesem Urtheil beistimmen, versteht sich von selbst.— Haarsträubende Berichte dringen aus den Gefängnissen, welche die Opfer der Versailler Blutgerichte beherbergen, in die Oeffentlichkeit. Professor Renard(der bekannte Sekretär Rossel's), der sich selbst stellte, als er die Ermordung seines Chefs vernahm und zu mehrjähriger Kerkerftrafe verurtheilt wurde, hat im Verein mit fünfzig Unglücksgenossen folgen- deS Schreiben aus dem Gcfängniß du Chantier zu Versailles an den kommandirenden General daselbst gerichtet: „Gcfängniß du Chaulier, 20. Mai Herr General! Wir haben die Gyre, Sie zu benachrichtigen, daß die Berwaltung des Gefängnisses du Chanlier seit einiger Zeit nicht mehr erträglich ist. Direkte Provokationen werden jeden Tag an die Gefangenen in einer Weise gerichtet, welche, wenn diese Dinge andauern sollten, diejenigen in ein falsches Licht stellen würden, welche die Uniform der französischen Armee tragen. Die im Gesängniß verwendelen Unterosfiziere machen sich kein Gewissen daraus, die Gr- fangenen, welche sie zu bewachen haben, mit Stöcke» über den Kopf zu schlagen. Die gröbsten, erniedrigensten, verletzendsten Aus- drücke werden gegen uns ausgestoßen und sind für uns eine fortwährende Ausreizung zur Revolte. Heute»och schlug der Wachtmeister D. mit äußerster Heftigkeit einen unserer Mitgefangenen, und ging dann im Saale auf und ab, indem er in der einen Hand einen Revolver und in der andern einen Stock hatte und uns ats Feiglinge und Schurken behandelte. Dieser nämliche Wachtmeister hat uns seit einigen Tagen der demülhigenden Formalität des Haarabfchneidens unterworfen und benutzt diese Gelegenheit, um uns mir Plackereien und Injurien zu über- häufen. Bis jetzt haben wir uns selbst bezwungen und unsere Ent- rüstung niedergehalten; wir haben auf diese Dinge, welche wir nicht näher qualifiziren wollen, mit Stillschweigen und Verachtung geant- wartet. Aber heute ist das Maß voll, und wir halten es für unsere strenge Pflicht, Herr General, Jhu hohe Aufmerksamkeit aus dies« Thatsachen hinzulenken, die Ihnen sicherlich unbekannt sind, und eine Untersuchung zu fordern. Es handelt sich nicht, glauben Sie es wohl, terr Gerneral, um eine Opposition unsererseits. Wie hart auch die onsigne sein mag, wir sind alle bereit, sie zu befolgen. Was wir Ihnen zu unterbreiten die Ehre haben, sind die Ausreizungen, die Pro- vokationen, die Gewaltthätigkeiten, zu denen der Gefäiigniß-Komman- dant das Beispiel giebt und welche Unglücksfälle hervorrufen tonnten. Mit einem Wort, es handelt sich um die Frage der Menschlichkeit, der Würde, der gegenüber kein Mann von Herz gleichgültig bleiben kann. Wir haben die Ehre:c.(Folgen die Unterschriften.)" Als Antwort wurde Herr Rcnard in ein Loch mit einem kettenbelasteten Sträfling gesteckt!— Die Kommission, welche mit den Deportatinen und deren Ausführung sich zu beschäftigen hat, ist durch einen Antrag überrascht worden, sie solle aus ihrer Mitte einige Kommis- sarien nach Neucaledonien schicken, die sich durch Augen- schein überzeugten, daß auch die Reglements für Behandlung der politischen Sträflinge entsprechend abgeändert würden.— Die Kommission wird schwerlich darauf eingehen. Neueale- donien ist den Deportirten zum Grabe bestimmt, da kann es wohl den Herren gleich sein, auf welche Weise die Unglücklichen den offiziellen Tod sterben. Castelar ist aus den spanischen Cortes ausgetreten. „Der größte Redner der radikalen Parteien Europa's tritt von dem parlamentarischen Schauplatz zurück", klagt darüber die „Frankfurter Ztg.". Für uns bedeutet dieses„traurige Ercigniß" bloß, daß der Hauptoertreter des Parlamentarismus, der Mann, dessen Reden von Hunderttausenden für unsterbliche Thaten gehalten wurden, nun selbst zu der Einsicht gelangt ist, daß das Schicksal der Menschheit cbensow eni g auf der Spitze der Zunge als des Bajonnets ruht. Daß Castelar nicht als Mann der Aktion auferstehen wird, das zeigt die jämmerliche, von ihm mitunterzeichnete Prekla- mation. Er ist also todt, und wir wollen ihn begraben, und mit ihm den Parlamentarismus. Gegen den„Reuen". L. Wenn wir heute noch einmal auf die Anstassungen des „Neuen" zurückkommen, mögen uns das die Leser verzeihen. Es ist auch sür uns kein angenehmes Geschäft, sich mit Subjekten wie Hassel- mann und Hasenklever zu beschäftigen, allein die Sache, um die es sich handelt, erfordert es. Der„Neue" nennt unfern Artikel von Nr. 48. einen„Schmäh- artikel gegen den„Allgemeinen deutschen Arbeüer-Berein", hält es aber für passend, die angeblichen„Schmähungen" nicht näher zu bezeichnen. Wir können uns also den zahlreichen Mitgliedern des„Allgemeinen deutschen Arbeiter-Bereins" gegenüber, welche unser Blatt lesen, ein- fach auf jene Nummer beziehen und hier konstatiren, daß auch nicht ein Wort darin enthalten ist, was«ine„Schmähung" gegen die Mitglieder deS„Allgemeinen deuischen Arbeiter-Vereins" enthielte. Für die oben genannten Herren ist ei eben eine Lebensfrage, den „Allgemeinen deutschen Arbeiter-Berein" mit sich zu identificiren, Angriffe auf sie als gegen den Verein gerichtet darzustellen. Das ist alte Schweitzer'sche Taktik, die die Herren hier, wie in vielen andern Dingen, genau kopiren.„Wie er sich räuspert, wie«spukt, das haben sie ihm glücklich abgeguckt." Eine andere Taktik, ebenfalls Herrn v. Schweitzer nachgeahmt, ist, zu behaupten, wir verhetzten die Arbeiter. Unser Artikel in Nr. 43 hat gerade sich damit beschäftigt, klar nachzuweisen, wer die Spaltung ins Leben gerufen, und weßhalb sie heute noch aufrechterhalten und fortgesetzt werden muß. Wir haben gezeigt, wie Herr v. Schweitzer früher, und jetzt sein� Nachfolger, die Hässelmann und Hasenklever, das eigenste persönliche Interesse dabei haben, und wie sie ge- treu der O dre, travailler pour le roi de Prusse,*) die Arbeiter zu spalten und zu verhetzen fortfahren. Einigung der deutschen Social-Demokratie wäre die größte Gefahr für unsere Geg- ner, deßhalb ist es bis heute die Taktik derselben, voran derpreußischen Regierung, gewesen, nach dem alten lateinischen Wahlspruch: diride et impera!(«heile und herrsche), die Social-Demokratie auseinander zu hal:en. Die gewissenlosen Leiter des„Neuen" haben diese Probe bis auf den heutigen Tag befolgt. Sie haben den Verföhnungsaiiirag in der Generalversanimlung durch nichtsnutzige Jntriguelt zu Falle gebracht, sie haben jedes Wort der Versöhnung aus ihrem Blatte fern gehalten, sie haben bis zu dieser Stunde alle von Mitglie- dern ihres Vereins und Mitgliedern unserer Partei ge- faßten Beschlüsse und Rejoluttonen, in denen der Wunsch nachVersöhnung sich kund gab, unterdrückt, d. h. in ihr Blatt nicht aufgenommen, ihren Lesern vorenthalten. Aber was genirt das Subjekte wie die Hasselmann und Hasenklever� Sie lügen mit frecher Stirn drauf los, wissend, daß wenigstens die Mehrzahl der Mit- gliedcr des„Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vereius" unser Blatt nicht zu Gesicht bekommt, von dieser also ihre Behauptungen geglaubt werden. Die U> Verschämtheit des„Neuen" erreicht aber den höchstenGrad in der Behaupiung, wir suchten Schweitzer in Schutz zu nehmen, und „Berliner Parteigenossen" von uns hätten„Schweitzer sogar zu einem Vortrag eingeladen." Das Letztere ist erlogen, das Erstere zu albern, um ein Wort der Widerlegung zu verdienen. Die Herren vom..Neuen" müssen ihre Anhänger sür Schafsköpfe halten, wenn sie es wagen, solche Dinge in den Druck zu geben.— Im weiteren Berlanf des Artikels des„Neuen" kommen die bekannten Bemirkungeu über „östreichische und sächsische Regierungsagenten", und Angriffe auf eine Anzahl Personen vor, diewir'nichtzu vertheidigen brauchen, weil sie es selber zu thun wissen, und von denen Einer(Hojjstelten) sogar unserer Partei nicht angehört und nie angehört har, zum Vorschein. Nur eine Verläumdung fehlt; nämlich, daß„Bebel Hietzinger Agent" sei und„jährlich 600 Thlr. Gehalt beziehe." Sollte dies- Tölckelei de» Herren vom„Neuen" schon zu abgenutzt erschienen sein, um auf's Neue aufgetischt zu werden? Er spricht von„österreichischen und sächsische» Regierungsagenten". Merkwürdig! Der„Vollsstaat" ist seit zwei und ein halb Jahren innerhalb der österreichischen Monarchie verboten, unsere Freunde und Gesinnungsgenossen in Wien und anderwärts werden von der österreichischen Regierung ununterbrochen verfolgt, und doch„Regie- rungsagenten"? Wie wär s, wenn wir den Spieß umkehrten? Der „Neue" ist bis auf den heutigen Tag das einzige außeröster- reichische Arbeiterblatt in Europa, daS ungehindert die öfter- rcichischen Grenzen passiren darf.„Volksstaat",„Felleisen",„Tag- wacht",„Volksbote",„Ehemnitzer.Freie Presse",„Egalire",„Libertä" u. f. w., alle, alle sind verboren,'nur der„Neue" in Berlin erfreut sich der Gunst der österreichischen Regierung. Wir denken: daS ist bezeichnend. Und wie steht's in Sachsen, überhaupt in Deutsch- land? Ohne Nebertreibung dürfen wir sagen, daß die Geld-, Gesang- niß- und Festungsstrafen, die Maßregelungen in Bezug aus das Per- eins- und Versammlungsrecht gegen die sozial-demotratischs Arbeiter- partei und ihre Presse iii dem letzten einen Jahr 5 mal, sage fünf Mal größer siud, als alle Strafen und Maßregelungen� die der„All- gemeine Deutsche Arbeiter-Berein" vom Antritt der Schwntzer'schen Präsidentschaft bis aui den heniizcn Tag erlebt hat. Welchen klein- lichen Chikanen und Nörgeleien ist die verhältnißmäßig geringe Zrhl unserer Parteigenossen in Berlin ausgesetzt— und welcher freundliche» Duldung erfteur sich dahingegen der„Allgemeine Deutsche Arbeiter- Verein". Der erste ernsthafte Versuch unsrerseits, in Berlin Bode» zu fassen, würde die Verfolgungen verdrei-, verzehnfachen,— der„Allgemeine Deutsche Arbeiter-Berein" bleibt ungeschoren, einfach weil man die Leiter in Händen hat. Der„Neue" schreibt sofort einen Leitartikel, wenn einer seiner Anhänger auf 24 Stunden eingesperrt, eine Versammlung aufgelöst wird. Natürlich; er muß solch llcine Maßregelungen zu Haupt- und Gewaltakten auspuffen, um seinen Gläubigen„Slaaiszefähciichleit" ein- zureden. Die sozial-demokratische Arbeiterpartei wird täglich, stündlich geinaßregrlt, an allen Ecken und Enden in die Kerker geworfen und in Sachsen am meisten. Hifft Alles nichts, das Gesindel vom„Neuen" lügt dreist drauf los:„sächsische, österreichische Regierungsagenten." Das Schönste ffi, daß dieHerren vom„Reuen" an einer anderen Stelle auch ihre Harmlosigkeit naiv genug betheuern und hervor- heben. In derselben Nummer, in welcher der hier besprochene Artikel stand, wird der Scheinkampf gegen Schweitzer fortgeführt. Es wird behauptet, Schweitzer habe in der dekannten reaktionären„Berliner Revue" Artikel über den„Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Berein" geschrieben, die den Verein kompromittirten. Ob Schweitzer' den Artikel geschrieben, oder die Frau Gräfin Hatzfcldt oder gar Herr Pccuß oder Herr Wagen« auf Dummerwitz, bleibt sich gleich, jedenfalls ist der Beweis, daß der„Sozialdemokrat" seil 8 Iahren Bismarck'sches Organ ist, vollständig erbracht und stimmeii die dort angezogenen Be- weife vollkommen mit den unsere. i überein. Die Herten Hasselman» und Hasenklever wollen das natürlich nicht zugeben, weil Erster« beständiger Haupt-Milarbeiter, Letzterer unbedingtes Werkzeug Schweitzers war. Aber das Schönste kommt noch. Der„Neue" citust ans der„Berliner Revue" folgenden Satz: „Es ist nicht zu verkenne», daß die Laffalle'sche Partei sich immer mehr unter ihrer jetzigen Leitung der AuffassngSweije der„Jnlernationalen" zuneigt" und begleiiet dufcn Satz mit folgenden Bemerkungen:„Diese letzte Redensart ist«was mehr als ein bloß« konservativer Ausfall aus den „Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Berein"; eS ist eine offene Denuncia- t i o n. Die„Berliner Revue" ist ein Rgierungsorgan, welches in weiteren Kreisen von Beamten gelesen wird." Und dann heißt es weiter: „Was dies Letztere(die Denunziation) aber für die Leser der„Revue" bedeuten soll, geht klar daraus hervor, daß diese Abhandlung wenige Wochen vor dem Leipziger Hoch verrathsprozeß erschien und die„Revue" allen internationalen Sozialismus als zum Hochver- rath führend betrachtet." Wir meinen: eine vcrnichteildere S.lbstkritik hätten die Herren vom„Neuen" nicht schreiben können. Wir sind zwar auch der Mei- nung, daß der Artikeljchreibcr der Berliner„Revue" den Herren vom „Neuen" bitter Unrecht thut, wenn er ihnen Sympathien für die Internationale vorwirft, aber daß die Herren vom„Neuen" selbst einen solchen Vorwurf als eine Denunziation betrachten, geeignet, ihnen einen Hochver.athsprozeß an den Hals-zu bringen; daß sie sich feierlichst dagegen verwahren, die„staatsgcsährlichen" Ideen der Internationalen zu t heilen, das ist unbezahlbar.**) *) Hier in seinem wörtlichen Sinne zu nehmen:„für den König von Preußen arbeiten". '*) Anmerkung der Redaktion. Noch nach einer andern Seiie hin giebt sich H'rr Hasenklever eine furchtbare Blöße. Er schreibt nämlich in dem obgedachicn Anti- Schweitzer Artikel: „Was aber die Hauptsache ist: es hat Herr von Schweitzer kurz vor der Generalvcrjammlullg des Allgemeinen Deut- Die ganzen letzten Monate hindurch bis in die neuesten Nummern hinein habt Ihr die Internationale verlästert und verleumdet, als unbedeutend, arbeiterfeindlich u. s. w. hinzustellen versucht, und jetzt zeigt Jhr-unverhohlen, daß Ihr das Geg entheil wißt und eine Bezichiigung derSympathie mit der Internationalen als gefährlich für Euch anseht? Und weiter betrachtet Ihr als besonders erschwerend, daß diese „Denunziation", wie Jhr's nennt, gegen Euch geschleudert wurde, „wenige Wochen vor dem Leipziger Hochverrathsprozeß" d. h. vor demselben Prozeß, in dem die Mann« verurtheilt wurden, die J h�r�anz besonders mit Eurem Haß und Eurer giftigen Begeiferung Wie stimmt diese Bemerkung mit der Behauptung in derselben Nummer Eures Blattes überein, Liebknecht habe„laut eidlicher Zeu- genaussage des Ritters von Orges die Arbeiterbewegung den Zwecken Oesterreichs dienstbar zu machen gesucht?" Es fällt uns schwer, so viel Niederträchtigkeit gegenüber die nöthig e Ruhe zu bewahren. Wie kann Gesindel wie Ihr einen Mann in solcher Weise angreifen, der bereits Gut und Blut im Jahre 1849 für die Arbeitersache in die Schanze geschlagen, als Ihr noch als dumme Buben herumliefet? Liebknecht, der nach den Revolutionskämpfen des Jahres 1849 dreizehn Jahre lang das Brod der Verbannung genoffen und,'seitdem er zurückgekehrt, beständig in der Bresche gekämpft und Verfolgungen und Bestrafungen aller Art zu erdulden gehabt hat?— Wie gegen Liebknecht geifert der„Neue" gegen Karl Marx, Wilh. Eichhoff und Andere. Es würde uns zu weit führen, auf weitere Erörterunzen uns einzulassen. Die Genannten besitzen einen zu guten und reinen Namen, als daß ein Hasselmann oder Hasen- klever init seiner Verunglimpfung Eindruck machen könnte. Seit 8 Jahren ist es das Handwerk der Letzteren gewesen, ge- leitet und unterrichtet von Schweitzer, die Arbeiterklaffe zu verhetzen. Die Spaltung, die heute noch vorhanden ist, ist ihr Werk. Möchten die Mitglieder des„Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" anfangen, zu vergleichen zwischen hüben und drüben. Möchten sie begreifen, daß die Sozialdemokratie so lange ohnmächtig bleibt, als sie nickit die Kraft hat, unreine Elemente von sick? auszustoßen. Will die Sozialdemokratie ihre Aufgabe ganz erfüllen, dann muß der Kampf gegen die Staats- und Kapitalmacht gleich energisch und rücksichtslos geführt werden. Nur die letztere greift der„Neue" an, das ist gefahrlos; die erstere schont er, weil er sie schonen muß; das verlangt fein Herr und Gebieter. Ehre dem Ehre gebührt'. Lassalle sagte eines Tages:„Die Wahrheit bohrt sich durch!" Auch wir halten uns überzeugt, daß dies geschehen werde, und daher die Berufung des Eisenacher Kongresses, daher die Unerschrockenheit, init welcher wir allen Verfolgungen, sei es vom Ministerialgebäude oder vom Gerichtshofe, sei es von der Gitschinerstraße zu Berlin oder vom schwellenden Divan des Bourgeois her, Trotz boten und immer bieten werden. Wie sich Regierungen, Gerichte und Bourgeoisie zuweilen für Jedermann augeujcheinllch in schwacher Stunde eine Blöße geben, welche ihren wahien Werth erkennen läßt, so ging es neulich auch den Unfehlbaren in der Gitschinerstraße, den Herren Hasselmann'- Hasenclevcr nebst verwandten Seelen. Wir geben nachstehend da- für einen Theil der Beweise. Es sind wortgetrejue Auszüge aus dem Protokoll der Generalversammlung des„Allg e- meinen deutschen Arbeitervereins" zu Bje'rlin vom 22. bi s 25. Mai 1872. Gemäß dem Grundsatz:„Wären keine Sünder, so wären keine Heilige", hat eine Anschuldigung daselbst die andere über- boten, ohne daß sich die„Sünder", noch die„Heiligen" des Sprich- schen Arbeiiervercins in der Redaktion de»„Reuen Sozial- Demokrat" persönlich da» GcstänSnij; abgelegt: Er habe Material und Notizen zu diesen Artikeln dem Regierungsblatt („Berliner Revue") gegeben. Endlich hat Herr von Schweitzer, mehrfach privatim, zu Bereinsmitgliedern geäußert, die jetzige Bereinsleitung und der„Nöue Sozialdemokrat" gehen zu scharf gegen die preußische Regierung vor." Herr Hasenklever hat sich hier verschnapp t; denn er giebt zu, 1) daß Schweitzer bis„kurz vor der Generalversammlung" mit dem „Ncuen"'i»tim verkehrt hat, und 2) daß er, Hasenklever, schon vor der Generalversammlung gewußt hat, daß Schweitzer sür die „Revue" schreibt. Trotzdem hatte er ihn in der Generalversamm- lung nicht nur nicht angegriffen, sondern„wir waren", sagte der Reue am 9. d. M., gar nicht besonders erbaut, als die General- Versammlung nadf der Entfernung des Herrn von Schweitzer beschloß, tenselben als Mitglied nicht wieder aufzunehmen",(siehe Nr. 47 d. Bl.) Nun wird es auch klar, warum Herr Hasenklever die Antwort auf unsere Anftage(siehe Nr. 45 und 47 d. Bl.) verweigert hat. Wenn nach alledem den Mitgliedern des„Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" die Augen noch nicht ausgehen, wenn sie nach alle- dem noch nicht einsehen, daß Hasselmann und Hasenklever die Mit- strolche Schweitzers waren, und noch sind— dann ist ihnen freilich nicht zu helfen. Zum lleberstuß wollen wir noch folgenden Brief, der uns aus C ö l n d. d. 21. Juli zugegangen ist, sür die Mitglieder des„Allge- meinen Deutschen Arbeiteroereins" hier veröffentlichen: „Verehrliche Redaktion! „Durch die seit einiger Zeit mit besonderer Lebhaftigkeit austre- tcnden Hetzartikel des„Reuen" zur Vertuschung des eigenen Haus- skandals sehe ich mich veranlaßt, der Redaktion einige Mittheilüngen zu machen, deren beliebige Verwendunz ich Ihnen anheimgebe. „Hasenklever kam im Februar 1869 hierher, um von hier aus dann nach Duisburg zu seiner Rcichstagswahl zu gehm. Nachdem er sich mir gegenüber sehr über Schweitzer beklagt und Mittheilung ge- macht, daß auch Tölckc und Vogel(Pharmaceut in Berlin, damals in Essen, später als„Berrälher" aus dem„Allgemeinen Deutschen Arbeitecoerein" hinausgeworfen, weil er es gewagt, Schweitzers Ber- waltung zu kritisiren) sehr erbittert auf Schweitzer seien und sie sich dahin vereinigt, Schweitzer genau aus die Finger zu sehen und ihn zu gelegener Zeit zu entlarven;— nachdem Hasenklever mir dann noch Versäiiedenes über das aristokratisch übermüthige Benehmen Schweitzers sowie selbsterlebte scenen erzählt,— ließ«sich gegenüber sämmtlichen damaligen Mitgliedern des„Allgemeinen Deutsch m Arbeitervereins" hier im selben Sinne aus. „Wir hatten uns versammelt und Hasenklever hielt eine kleine Pauke. Etwas vom Wein offenherziger gemacht, sprach er wörtlich zu den Anwesenden: „„Bebel iftein ehrlicher Sozialvcinokrat, aber um Schweitzer gebe ich nicht soviel"— indem er gleichzeitig einen Fidibus vorzelgre. „Schon damals mar sich Hasenklever über Schweitzer klar und doch will er jetzt erst dahinter gekommen sein?! „Hasenklever theilte mir ferner mit, daß Bebel ihm einen Geld- betrag— wenn ich nicht irre: 12 Thlr.— zur Unterstützung seiner Wahl geschickt, er ließ mich auch das Begleltjchreiben Bebels les en. Aus nieine Frage:„Wie ist's mit deuLeuten?"— antwortete Hasen- klever:„Bebel ist ein guter Zoizalbeinokrat, Schweitzer will es nur nicht gesagt haben, er will allein ver Eencral sein" „Weshalb also Schweitzer die Organisaion des„Allgemeinen Deulschen Arbeitervereins", die Diktatur vertheidigtc, das wußte Hasen- klever; weshalb er es selbst thut, weiß er auch. „Bei einer Bereinigung der Fraktionen würde natürlich Hasen- klever überflüssig und mancher Agitator lästig geworden sein. „Roch erwähne ich zum Schluß, daß Hasenklever das Geld von Bebel hier in Cöln verprajzt hat. Wir hielten ihn sür einen in guten Verhältnissen lebenden Mann. Er veranlaßte mich, mit ihm während der zwei Tage seiner Anwesenheit auszugehen. „Erst später wurde es inir klar, daß es Arbeilerpscnnige waren, welche an jenen Tagen verschleudert worden, als ich erfuhr, daß Hasenklever mittellos war. „Hasenklever ist ein Viccschweitzer, sehr genußsüchtig, gewissenlos mit den Arbeiterpfennigcn, die Arbeiterbewegung für sein perfönn- ches Interesse ausbeutend, somit fähig zum Rcgierungsag- nten. „Die damaligen Mitglieder des„.'lllgemeinen Deutschen Arbeitcr- Vereins" sind jetzt mit Ausnahme eines einzigen Angehörige unserer Partei und können meine Angabe üb« obige Acuß-rungcn Hafen klev.rs bezeugen. E. Kleist." Worts erinnerten, wonach Stehler, Hehler und Befehler drei Diebe find, oder wonach es unmöglich ist, sich an einem schmutzigen Lumpen sauber zu waschen. Doch verzichten wir auf eigene Betrachtungen und lassen wir nach den Worten„Ehre dem Ehre gebührt" das erwähnte Protokoll sprechen. Nachdem auf der Generalversammlung von Liebisch die Lerlesung des Protokolls der am Z. März 1872 zu Hannover stattgehabten Borstandssitzuna des„Allgemeinen deutschen Arbeitervereins" bean- tragt war, geschieht dies. Wir entnehmen demselben Folgendes: Tölcke: In Berlin iürchtet die Behörde den„Allgemeinen deutschen Arbeiterverein" nicht, wohl aber die Gewerkschaftsbewegung. Rost: Alle früheren Geschichten im Bereine in Betreff der Ex- perimente, wenn derselben zu stark wurden, fallen auch auf Tölckeszurück. — Ruinirt sei der Verein hauptsächlich geworden durch die schlechte Berwallung.— Tölcke: Sckweitzer habe ihm(dem Secretär) oftmals 5, K Briese zerrissen, wenn ihm der Styl nicht gefiel. So auch, wenn man Karten verlangte, wies Schweitzer Redner an, die Leute auf die nächsten Tage zu verweisen. Schweitzer ließ aber keine drucken, da er das eiutouimende Geld sofort selbst konsumirte. Vbenso mit den GcldsenSuligen für Agitatoren. Redner konnte den- Agitatoren doch nicht schreiben, daß Schweitzer das Geld selbst ver- brauchte— dann wären immer neu- Risse(?) in der Partei cnt- standen. So sei er denn der Packesel gewesen. Aurin habe da- mals gesagt, die Verbandskasse sei nicht in Ordnung gewesen— dies hatte seine Richtigkeit, da Schweitzer 500 Thaler aus der Kasse genommen und zu seinem vanquier getragen hatte. Man habe damals geschwiegen aus Rücksicht(!!!) gegen die Partei. — Dies Alles habe Redner damals an Schweitzer geschrieben und zur Vorsicht die Briefe an Hasenclever gerichtet. Letzterer schrieb kurz darauf im Namen Schweitzer's, das; derselbe Alles zugeben Wolle.---■> Einmal sei es vorgekommmen, daß eine ganze Anzahl Briefe fertig geschrieben und couvertirt dalagen, wozu nicht einmal Porto vorhanden war? Schweitzer habe sie genommen und aus die Erde geworfen.—— Er(Tölcke) sei überzeugt, daß Schweitzer Alles mit Vorbedacht arrangirt hatte. Auf der Gene- ralversammlung zu Erfurt wurde durch Schweitzer's Betreiben das Programm:„Durch Einheit zur Freiheit" aufgestellt.— Auf der Braunschweiger Generalversammlung hatte Schweitzer erklärt, daß, wenn er nicht Präsident würde, das Blatt sofort einginge; Redner habe damals Schiveitzcr's Wahl befürwortet, um der Partei das Blatt zu erhalten. Bei der Generalversammlung in Hamburg war der Berein 8000 Mitglieder stark. Es mußte also etwas gemacht wer- den. Es war die ganze Aufgabe der Regierung, die Arbeiterpartei m verschiedene Kanäle zu theilen— und dazu habe Schweitzer die Hand geboten— Redner behauptet auch, daß vafsclmann mit den beiden Personen(Schweitzer und der Gräsin) in Verbindung stehe.— Redner behauptet, daß Zchweitzer mit dem Polizeipräsidium in Verbindung steht, um demselben Alles, was passirt, zn hinterbringen Schweitzer habe ihm(Tölcke) kurz vor dem Antritte seiner Haft in Rummels- bürg gesagt, daß er(Redner) sich zu jeder Zeit, wenn was passire, an das Polizeipräsidium wenden könne; Schweitzer sei mit ihm dorthin gegangen und habe ihn daselbst vorgestellt, wo- bei er eine große Kenntniß der Räumlichkeiten dort entwickelte.— Nachher sei er mit ihm über den ganzen Hof herumgegangen, wo sämmtliche Hauptleute u. s. w. aufgepflanzt waren und den Doktor freundlichst grüßten. Dann sagte ihm Schweitzer auch, daß er(Redner) zu jeder Zeit zum Minister des Innern kommen könne.— Von der Berschmelzung der beiden Vereine*) habe fein Mensch etwas gewußt; da sei ihm aber der Verdacht mit Gewalt ausgestiegen; wenn er damals vorgegangen wäre, so würde die ganze Partei auScinandergerissen sein. Man könne ihm also keinen Vor- wurf machen, daß er geschwiegen.*•)— Agitirt habe Redner für seinen Antrag(auf Organisaiionsäuderung) nicht; aber er könne doch wenig- fiens verlangen, daß man denselben den Mitgliedern zur Kenntniß bringt. Die ganze Geschichte sei ein« Tartüfferei Hasselmann'S, des«nechtS Schweitzer's. Hasenclevcr erklärt, daß nach feiner innersten Ueberzeugung alles Das, was Tölcke über Hasjclmann gesagt, nicht wahr sei. Tölcke: Eine solche Erklärung könne Hasenclever nicht abgeben; dann müsse er den ganzen Tag hinter Hasselmann her sein. Richter(Wandsbeck): Redner bedauert, daß Tölcke auf der da- maligen Generalversammlung, wo er(Redner) gesagt hatte, die Ver- emigung fände auf Befehl statt, nicht Aufklärung gegeben habe. Die „Ehrlichen" wären nicht so zahlreich, wenn Tölcke damals gesprochen häne. Nach den Enthülluiigen über Schweitzer sind wir heute vielen Leuten(ihreilertlärnngen schuldig, welche Schweitzer als einen Reaktionär betitelten und deshalb aus dem Verein geworfen wurd.n.--(Sie gingen, bis auf Einzeln«, alle v on selb st.) Gegen Hasselnillnn bade Redner ein gewisses Mißtrauen, da er zu Schweitzer in zu enger Beziehung gestanden. Redner wünscht, daß wir mit demselben keine bitleren Erfahrungen machten.— Grottkau: Der„Allgemeine deutsche Arbeiterverein" ist, wie Jedermann weiß, nnr ein geduldeter Verein, der jeden Augen- blick aasgelöst werde» kann. Rost: Niemals habe Tölcke etwas von der Polizei« Präsidiums- Geschichte erwähnt. Auf der letzten Generalversammlung sollte die Partei von Schweitzer wieder üb:r's Ohr gehauen werden in Betreff ! des Blattes. Nachdem Redner die Ausführungen Tölcke's gehört, Wusse er demselben jetzt desto größere Vorwürfe inachen, da er damals, als Schweitzer das Blait eingehen ließ, mithalf. Knöllner: Besser wäre es gewesen, wenn Tölcke auf der vo- eigen Generalvcrsammluiig ein treneS Bckd von Schweitzer gegeben hatte, statt denselben zu verth eidige». Schämen muß man sich, daß bei uns so etwas voikomml. Richter mußte damals beschämt Zurückgehen, weil seine Anschuldigungen dementirt wurden. Der Heh- ler ist so gut wie der Stehler! Hasenclever: Wenn der Bund(in Berlin) seinen Zweck er- füllt hat, dann werden wir schon von selbst dafür sorgen, das; tr wieder verschwindet.**)— Da Tölcke so auf Schweitzer herum- gerilien sei, so wolle er vou demselben auch etwas enählen; vor emem halben Jahre kam derselbe nämlich eiiiinal auf's Bureau(als der Biuid gegründet n erden sollte); er rielh davon ab, de» Bund zu grünic», da derselbe dem„Allg. deutschen Arbelierverein" über den Kopf wachsen tönnte. Gestern war er nun wieder auf dem Lureau und Unterhielt sich mit uns über de» Tölcke'schen Antrag. Da sagte er, er würde dafür sein, daß der Veibaiid bliebe, den Bund würde er aber lallen lassen. Dabei belonie er auch, wir gingen viel zu scharf vor, ja auch in Berlin. Thatsache ist, daß die Polizei viel darum gäbe, wen» ver Bund verschwände.-- (So weit die Auszüge aus dem Lorstaiidsprotokoll. Nach der Borlesung desselben kommt ein Antrag von Dörenberg, auf AuS- Schließung Tölcke's, vol.) In der Generaldebatte sagt u. A. zu seinem Antrag: Tölcke: Weiler müsse» auch die Bestrebungen der Arbeiterklasse Jena» ausgesprochen werden, damit es uns nicht auch so ergeht, wie den Eisenachern mit ihren revolutionärm Phrasen. Die Leipziger Geschworenen haben vom Standpunkte der jetzigen Ge- litzgcbuiig ganz folgrrechtlich geurtheilt. Wenn man sage, der„Allgemeine deutsche Arbeilervereln" könne Aufgelöst werden, so sei dies zwar möglich, wenn wir, wie die Eise- Sucher, Grund dazu geben. Wenu wir aber das feste Programm haben, »Nr aus dem friedlichen Wege der Gesetzgebung vorgehen zu wollen, wlid die Regiening es nicht wagen.-- Die gewerkliche Bewegung ..*) Die Komödie SH Meitzer- Ha tzfeldt-Mende vom Juni 1869 'st hier gemeint. Der un schuldige Herr Tölcke! Im selben Moment, da Schweitzer m ,,Qch Rummelsburg ging und ihn, den Herrn Tölcke, in die '-Geheimnisse" einweihte, begab sich Herr Tölcke nach Eisenach, um *wkt mit seinem Knüttel' wider die„Ehrlichen" zu streilen, und um Schweitzer gegen diren Vorwürfe, daß der Baron ein Regiemugs- "flent sei, zu vertheidigeiil '**) Mertt Euch dies, Berliner Arbeiter. Hrn. Hasencle- •Jer heiiiqt der Zweck die Mittel, wenn letztere auch aus einei» Betrug °er Arbeiter hinauslaufen. Und das„Verschwinden" wünscht ja die �fst'zei, wie Hr. Hafenclever zwei Minuten später selbst»aio ein- »esteht. v �' muß daher, ob heute oder morgen, entfernt»erden. Wenn wir so vorgeheil, so werden wir auch die Arbeiter' gewinnen, welche jetzt noch bei den„Ehrlichen" sind. Wir bieten denselben im Progamme ja auch außer der„Einigung" volle pelitiche Freiheit.— Rudolph: Es sei durch die Vorstandsfltzung viel Klarheit ge- schassen und ei habe sich gezeigt, daß vielen Personen unter der vo- rigen Verwaltung Unrecht geschehen ist, wie es auch beim Redner der Fall gewesen. Man bettachte nur die Ausstoßungen. Es habe sich gezeigt, wie wenig Werth solche Ausstoßungen haben. Wir haben eine moralische Verpflichtung, den ausgestoßenen Mitgliedern Genug- thuung zu verschaffen und zwar Pctzold und Aurin besonders. ZielowSky: Tölcke habe für ihn das Vertrauen verloren, denn er habe mit Schweitzer zusammen dieMitglieder.im Dunkeln henimgeführt. Oeser: Nach diesem(Vorstands-) Protokoll ist Tölcke noch ein viel schliinmerer Verrät her an der Sache gewesen, als Schweitzer.— Wenn wir der Eisenacher Volkspartei im Süden das Feld der gewerk- lichen Bewegung überlassen, so gehen wir dort ganz zurück. Liebisch: Was die Enthüllungen Tölcke's bettisst, so müsse Redner mit Trauer erklären, daß er seinem Verttanen zu Tölcke entsagen mich; ebenso sri es mit Schweitzer. Es sei traurig, wenn man bedenke, daß man seine Gesundheit, sein Alles, unter solchen Verhältnissen geopfert habe. (Nach einem Z wischcnfall, der auf Interpellation Richters statt- findend, n Entfernung Schweitzers, welcher in der Generalversammlung, ohne Vereinsmitglied zu sein, anwesend war, nimmt u. A. das Wort:) Dörenberg: Derselbe erblickt im Vorgefallenen, wie in dem früheren l'invcrnkhmcn Tölcke's mit Schweitzer eine Polizeispionage und ist der Meinung, daß Tölcke mit Schweitzer noch im Ein- verne hmcn stehe. Linaner: Tölcke hätte das Treiben Schweitzer's früher mittheilen sollen und sei Schuld daran, daß die hierdurch in Unkenniniß erhaltenen Delegirtcn der vorige» Generalversammlung unschuldig zu Verbrechern gestempelt seien. Wen» Tölcke zur Zeit des Abfalls der Eise- nachcr Partei um jene Eeheimnisse gewußt habe, sei er der Schuldige, welcher die Arbeiter zerspliltert habe. Richter: sühtt sich gedrungen, auf die Generalversammlung von 1870 zurückzugehen; er habe sich damals gründlich den Magen ver- dorben. Auf der damaligen(1870er) Vorstandssitzung habe er gegen die Vorschläge Schweitzer's in Be-iig der Wahlen'! ge- stimmt, weil er gewußt habe, daß diese Vorschläge an höherer Stelle in Berlin ausgearbeitet seien.—— Tölck« habe nicht eher sprechen töiine», bis das Eunuchengeschlecht verschwunden loar. Zielowsky stellt dm Antrag:„Die Generalversammlung möge eine Commisston einsetzen zur Prüfung des Streites zwischen Tölcke und Hasselmann." (Dies geschieht. Als die Commission am andern Morgen berichtet, heißt es, Hasselmann habe sich„von jedem Verdachte befreit;" im übrigen baben sich Tölcke und HasselinailN auch„verständigt." Dieser letztere Theatercoup zweier schönen Seelen entzückt alle Herzen und Hasselmanii erhält ein—-- Veltrauensvotum.— Gleich darauf wird der„Lerr" des„Knechts Hasselmann", I>r. v. Schweitzer, in den offiziellen Bann gethan. Man beschließt mit 5595 gegen 1177 Stimmen(1L09 enthalten sich der Absiimmiing), den Herrn v. Schweitzer nicht mehr in den Verein auszuiiehmen. Damit füllt für uns der Voihang, doch versprechen wir, wenn nöthig, ihn wieder aufzuziehen. Die Mitglieder des„Allgemeinen deiiischen Arbeitervereins' fragen wir iildessen, ob sie das frevelhafte Spiel, das mit ihnen von vielen ihrer„Führer" getiieben wird, noch immer nicht durchlchauen, ob sie auch ferner noch taub für dieVer>öht,iingsworteihrersozial-demokcatischeu Mckarbeiter sind? Bedenke jeder von ihnen das Ende!) Zum Strikt der Westphälischeu Bergleute'. > Man schreibt uns aus Essen unterm 25. Juni:„In Essen und Umgegend dauert der Strike fort, 30000 Bergleute haben nun schon 8 Schichten gefeiert, und der Schaden, der den Grubenbesitzern da- durch entstanden, ist unbeschreiblich, denn hier im Rhein-Wcstphälischen Kohlen-Revier sind die Gebirge sehr schlecht, wenn da 8 Tage nicht gearbeitet ist, so brechen viele Betriebspunkte zusammen, welche dann sehr schwer wieder aufzubauen sind, und wenn die Arbeit auch wieder ausgenommen wird, so ist doch in den ersten 14 Tagen noch nicht an eine vollständige Förderung zu denken. Kurz und gut, die Herren Grubenbesitzer haben jetzt einen enormen Schaden, der den unsrigen vielfach übersteigt; da kann man einmal sehen, wie weit die viel ge- priefene„Humanilät" der Arbeitgeber geht. Sie lassen für Millionen Thaler zu Grunde gehen; aber ihren armen Bergleuten die 25% zu geben dazu sind sie zu hartherzig; lieber setzen sie Millionen' dem Verderben aus, als daß sie ihren Bergleuten gerecht werden. Was nun zu Grunde geht,— davon hat doch Niemand etwas, die Gruben- besitzer so ivenig wie die Bergleute; das wird muthwillig in den Koth getreten und dabei überhäuft man den Arbeiter mit allerhand„Ver- söhnunzs"-Versuchen, in Zeitungen und in Schriften; so ist z. B. in der Redaktion der„Essener Zeitung" eine Schrift erschienen von Herrn Wulvanie(?) aus Düsseldorf, worin der Herr Verfasser sagt: Wir strikende Bergleute mochten doch bedenken, daß der beste Freund des Arbeiters der Arbeitsgeber sei und daß das Interesse desselben identisch sei mit dem des Arbeiters u. s. w. Nun dieser Herr Wulvanie muß entweder von unserer Kohlen-Industrie nichts ver- stehen oder es ist Böswilligkeit von ihm, daß er so etwas schreibt, denn die Kohlen sind in den letzten 5 Jahren um 100% gestiegen, und wir Bergleute verlangen nur 25% und doch verweigert man dem Bergmann diese billige Forderung und tritt Millionen unter die Füße. Der Hunger soll die Bergleute zwingen, wieder zu Kreuze zu kriechen. „Aber gemach, ihr Herten, so leicht sind die Bergleute nicht abzu- bringen von ihren gerechten Forderungen, denn es ist jetzt Sommer, die Verheiraiheten haben sich andere Arbeit gesucht bei den Bauern und Bürgern und aus der Eisenbahn, und manch' Einer ist, der nicht wieder zur Äiube hingebt, und wenn auch die Fordertingen bewilligt sind, denn die hiesigen Gruben sind alle größleniheils Tiesbail-Z-chen, circa 300 Meter tief, in Folge dessen sehr ungesund, und ein biesiger Ärubenvet walter hatte so groß Unrecht nicht, wenn er sagte:„ Der Essener Bergmann, der 15 Jahre in der Grube gear- beitet hat, der muß zu den Vätern schlafen gehen, und we Nil er das noch nicht thut, so hat er seine Pflicht nicht gethan." Das ist das b-neidenswerihe Laos des Bergmanns. Die Fabrikanten hier bei Essen schreien Zeter und Mordio;' sie haben bereits ihre Kohlenvoriäthc alisgezehrt; was dann werden wird, weiß Gott. Herr Krupp, der auch seine Kohlenzeche im Sttüc hat, schreibt jeden Tag Nothschrei-Plakate, die er an der Fabrik anschlagen läßt; darin prahlt Herr Krupp über all die Wohlthaten, die er den Ar- bcitern leiste; vor 45 Jahren habe er noch mit gearbeitet, und jetzt habe er 2OO0O Arbeiter. Das Plakat lege ich bei. Darin können sie sehen, daß Herr Krupp sich nicht„zwingen" lassen will, son- dem„wo zu helfen sei, da will er aus freien Stücken helfen;" das sagt man auf jener Seite gewöhnlich, wenn man in Äioth ist, wenn aber die Arbeiter daraus warten sollten, dann ginge es ihnen verteufelt schlecht. Die schönen Einrichtungen, wovon Hcrrr Krupp spricht, sind die Consuin-Anstaltcn. Herr Krupp hat nämlich alle Lebensbedürfnisse selbst zu verkaufen: alle Eßwaarcn, Klei dungsstücke, Schuh und Stiesel u. s. w. Das Geld, das die Ar- beiter bei ihm verdienen, können sie auch wieder bei ihm konsu- miren, und die Bürger Essens können die Arbeiter füttern, wenn sie untauglich sind." Die obenerwähnte curiosc Krupp) che Proclamation lautet:„An die Arbeiter der Gußstahlfabrik! Vor 45 Jahren stand>ch in den unsprünglichen Trümmern dieser Fabrik, dem väterlichen Erbe, mit weuigln Arbeitern in einer Reihe. Der Tagelohn für Schmiede und Schmelzer war dainals von 13 Stüter auf 7>.- Sgr. erhöht, der ganz! Wochenlohn belrug 1 Thlr. 15 Sgr. Fünfzehn Jahre lang habe ich gerade so rml erworben, um den Arbeitern ihren Lohn aus- bezahlen zu können, für meine eigene Arbeit und Sorgen hatte ich weiter Nichts(?) als das Bewußtsein der Pstichtersüllung. Bei dem Wechsel der allgemeiiieir Verhältnisse und dem fortschreitenden Gcdcihen der Fabrit erhö.te ich allmihlich die Löhne, als Regel immcp sreiivillig, zeder Erinneruug zuvorlommend, und diese Regel soll ist Kiafr ver- bleide». Eine iilitziiche Einrichtung»ach der anderen lft gctrossen und *) Darin bestchend, daß Kandidaten unserer Partei unter keinen Umständen zu unterstützen seien; eher die der konservauolii Parteien. viele stehen noch bevor, die äußersten Kräfte find bis heute angespann worden im Interesse der Arbeiter, die in Angriff genommenen neuen Wohnungen iBestimmt, die Arbeiter an die Scholle zu fesseln!!') gehen in die Tausende. Wenn bei Verkehrsstockungen alle Industrien dar- Niederlagen, wenn Vestellnngen fehlten, so habe ich dennoch arbeiten lassen, niemals einen treuen Arbeiter entlassen. Es sind noch viele Alte da, die dies bezeugen können. Fraget sie, was im Jahre 1848 tür die Arbeiter geschehen ist. Die späteren Opfer der KriegSjahre sind übrigen« Allen bekannt. Wer berechnet die Opfer der jetzige» Kohlennoth? Gegenseitige Treue hat daS Werk so groß gemacht. Ich weiß es, daß ich Euer Vertrauen verdiene und besitze und darum will ich diese Worte an Euch richten. Ich warne, bevor ich Anlaß habe, über Untreues!) undWid erstreben mich zu beklagen, vor dem Lose, welches herumtreibende(sie!) Aufwiegler und Zeilschriften unter dem Scheinedes Wohlwollens und unter Mißbrauch von religiösen und sitt- lichen Denksprüchen dem großen Arbeiterstande zu bereiten bestrebt sind. Ihre Ernte wird beginnen, wenn sie durch falsche Verlockung unwie- dringlich die Existenz Eures Standes untergraben haben iverden; sie wollen den allgemeinen Untergang, uin dann mit ihrem Einfluß im Trüben zu fischen. Man erkundig ej sich nach der Vergangenheit die- ser Apostel, nach ihrem häuslichen Lebenslauf. Die Geldbeiträg« der Arbeiter für mündlichen und schriftlichen Skandal flnd ihnen eine bequemere, angenehmere Beute, als reelle Arbeit sie bietet. Die„Essener Blätter" unier Andern bestreben sich, durch Erfindungen aller Art den Charakter der Verwaltung meiner Fabrik zu verdächtigen und bringen zum Zweck des Aufhetzens gestern die Nachricht, daß die Konsercnz gezwungener Maßen für eine Gattung Feuerarbeiter eine bedeutende Lohnerhöhung bewilligt habe. An diese und ähnliche plumpe Lüge» böser Gegner knupse ich nun folgende warnende Versicherung. Nichts, keine Folge der Ereignisse wird mich veranlassen, mir irgend etwas abtrotzen zu lassen. Die Verwaltung wird mit dem bis- herigea Wohlwollen fortfahren, die Fabrik zn führen im Geist meiner Grundsätze, und so lange sür meine Rechnuna, als ich die Arbeiter nach wie vor in bewährter Treue als die Augehörtgen des Etablissements belrachten werde. Daß ich steiS meine Stellung an Andere übertragen kann, und daß irgend welche Gesellschaft von Kapitalisten an Wohlwollen und Opferwilllgkeit mich nicht übertrefsen würde, unterliegt wohl keinem Zweifel. Es wird wohl Niemands?) glaube», daß ich aus Durst nach Gewin» der- Mühe und Arbeit mich unterziehe, welche mit der Verwaltung eines solchen Geschäfts für eigene Rechnung verbunden ist. Jedermann weiß, wie ich seil jeher den Arbeiter und die Arbeit geschätzt habe. Jedermann möge aber auch versichert sein, daß eine Verkennung ineiner Gesinnung die ein- gewurzelte Vorliebe für sie auszuiotten iiii Stande sein würde. Jeder- mann sei überzeugt, daß ich m meinen Beschlüssen nicht wanke, daß ich wie bisher Nich 8 verheiße ohne Ersüllung. Ich warne daher nochmals vor den Vetlockuagen einer BersstUvörung gegen Ruhe und Flieden. Es ist im Kreise meiner Unlernehmungen dem braven or- dentlichen Arbeiter die Gelegenheit geboten, nach einer mäßigen Ar- beitSsrist im eigenen Hanse seine Pension(7) zu verzehren— in einem so günstigem Maße, wie nirgendwo anders in der Welt. Ich erwarte und verlange volles Verteil ueil. lehne jedes Eingehen aus ungerechtfertigte Anforderungen ab, werde wie blsher(!) jedem gerechten Verlangen ziivoi kommen, fordere daher alle Diejenigen, welche damit sich nicht begnügen wollen, hiermit ans, je eher desto lieber zn kündigen, uin ineiner Kündigung zuvorzukommen, und so in gesetzlicher Weise das Etablissement zu vcrlassen, um Anderen Platz zu inachen, mit der Versicherung, daß ich in meinem Hause wie ans meinem Boden Herr sein uno bleiben will. Alfred Krupp." Diese Proklamation enthält eine über alle Maßen treffende Selbst- charakteristik des Großbourgcois. Bon Würde und Bildung ist da nicht die leiseste Spur— nur die anmaßende Grobheit und der an- standslose Uebermuth des Parvcnü's(Emporkömmlings) ist aus der Proklamation herauszulesen.„Ich bin und bleibe Krupp, Euer alleiniger Erhalter und Ernährer'— das ist der kurze Sinn des langen Geschreibsels. Der Dampseffenbaron will den Leuten einreden, daß er, der— jeinein eigenen Geständniß nach— sehr klein ange- fangen hat, selbst die Millionen erarbeitet hat, s übcr�die er heute commandirt, und daß seine„Mannen" ihm zur„Treue" dafür ver- pflichtet sind, daß er besitzt, was jenen eigentlich gehört.— Wir wünschen nichls sehnlicher, als daß Herr Krupp alle Tage ein halb Dutzend derartiger Proklamationen loslassen möchte— aber eben so sackgrob müssen sie sein, wie die ebige und eben so ausbetzerisch zur „Untreue". Wir ersparen dann die Abscnduna von„Bersührern" und„Auftvieglern" und die Essener Arbeiter kommen naturgemäß selbst zur Ueberzeugung, daß sie es sind, welche den Kapitalisten zu dem gemacht haben, was er ist. Selbst wenn der Essener Strike nur den Erfolg hat, daß die an ihm betheiligten Arbeiter der„Har- moilie'-Lehre auf zeitlebens entfremdet werden; daß sie ihre Macht erkennen und sich fortan der großen sozialistischen Bewegung anschließen, — schon dann sind die Leiden des Kampfes mehr als durch ihren vollen Preis ausgeglichen.— Die sonstigen, aus dem Lager der Grubenbesitzer stammende« Nachrichten über den>vestphäli|chen Bergarbciterstrikc tragen durch ihren Widerspruch das Gepräge der Unzuverlässigkeit an der Stirn. Während aus der einen Seite von mllstcrhasterj Ruhe und Ordnung gesprochen wird, soll es andererseits schon zn einer argen Schlägerei unter den Arbeitern gekommen sein, die dem hierfür parat gehaltenen Militär den von gewisser Seite so sehr erwünschten Borwand zu „energischem Einschreiten" gegeben haben soll. Es heißt über diesen Vorfall: „Eisen, d. 24 Juni. In Altenessen ist es gestern Nachmittag in einer Vetsainmlung. welche sür die Belegschaft ver Z-che Neu-Essen anderaumt worden, zwischen den Arbeitern, welche die Arbeit fortsetzen wollten, iixd denen, welche ihnen davon abzurathen suchten, zu einer großarligen Schlägerei gekommen, so daß die bewaffnete Macht schließlich energisch einschreiten muhte."— lieber den Strike im Dortmunder Revier berichtet die„West- phälische Zeitung": ,.Dortmund, 23. Juni. Inder heute hier stattgeftlndenen Ver- sammlung des hiesigen Vereins technischer Grubenbeamten kam»ach Erledigung mancher technischen Angelegenheiten die allgemeine Arbei- terbewegung zur Sprache und faßte der Verna nach eingehender Diskussion folgende Resolution einstimmig: Die Beamten des Vereins technischer Grubenbeamten verpflichten sich unter Vorbehalt der Geneh- migung der Grubenvorstände rn Anbetracht der allgeineine» Arbeiter- bewegung sür die Dauer von 4 Wochen keine Arbeiter anzunehmen. Es winde serner beschlossen, säiiimrliche Grubenbeamten dcS Ober- bergamtsbezirkS Dorlmilnd aus Sonatag, den 30. d., Nachmittags ;•> Uhr, in das Kühn'sche Vereinslokal in Dortmund zur weiteren Be- sprechung vorstehe der Angelegenheit einzuladen. 24. Juni Heute fand eine Besprechung der Gewerke statt. Eine gütliche Lösung der schwe benden Dtsserenzen erscheint auch jetzt noch nicht aussichtslos. Nachmittags sand in Bochum eine Versamm- lung des Vere„s für bergbauliche Interessen, welche morgen hier tagen wird, statt. 25. Juni. Aus unserem Kohlenrevier liegen bezüglich 0es Strikes der Bergarbeiter keine neuen Nachrichten vor. Tie Hoffnung, daß die Bergleute den Strike vermeiden werden, erhält sich.. Gestern wurde auf allen Zechen gearbeitet. Auf Neu-Jserlohu sind die 80 strikende» Bergleute zur Arbeit zurückgekehrt. Auf der Zeche„Tre- monia" ist gestern Nachmittag, aus„Westphalia" heute früh Arbeits- einstellung eingetreten." Weiler berichten die Blätter: „Lberhanseu. 22. Juni. Gestern Abend tagte hier wieder eine Versant.nlung der im Striken vereinten Zechen unter Fuhrmig der von Essen entsandten Redner. Es wurde zur Fortsetzung des strikes, Ausdauer, Einigkeit, Ruhe und Ordnung aufgefordert." ') Daß diese Absicht, dieser Hintergedanke, in der That der ein- zige Grund für Arbeitgeber ist, o.rbeiterwohnungen zu bauen, zeigt sich auch beim Essener Strike, ivie folgende Zeitungsnachricht beweist: „ÄZn-Üen, 23. Juni. Gestern erzählte der„Essener Volks-Zettung" ein Beamter der Zeche Zollverein, daß die betreffende Gewerkschaft der Belegschaft dieser Zeche, wenn diese morgen nicht wieder ansahre, die Wohnungen gerichtlich kündige, wodurch 480 Familien obdachlos würden. Auch würden die 96 nahezu fertigen neuen Arbeiterwohnungen dieser Zeche nicht eher bezogen werden, vis säniintliche Arbeiter wieder in Thätigkeit seien." An die Gewerkschaften. Von dkm Burkau dk» Erfurtkr Kongresses der Gkwertschasten de- «»strogt, für schleunigste Herstellung deS ProtokollcS Sorge ,u tragen, forvere ,ch alle Gewerlögenossen, msbesondere aber die Kongreß- Drlegirten, die Gewcrtschaftsverwaltungen und Bevollmäch- »igten derselben, sowie die Borstände der Fachvereine an all.n Orten, auf, mir sofort und unter Angabe genauer Adressen Notiz zu geben, wie viele Exemplare sie zugesandt wünschen, um darnach mindestens annähernd bemessen zu können, wie hoch die Auflage sein soll. Hamburg, den 23. Juni»872. Theodor Uorck, Amandastraße Platz 44. An die Schlossergescllev Deutschlands. Wir machen Euch hiermit bekannt, daß nach Ucbereinkunft zwischen Meistern und Gesellen der Schlosser-Corporation hier, der Normal- arbcititag von Ist Stunden bewilligt ist, ferner der Lohn für Akkordarbeit um 12'j, Feierabend und Sonntagsarbeit um 250|0 erhöht und seil dein 3. Juni d. Jahres in Kraft getreten ist. Ferner, College», ihun wir Euch zu wissen, baß wir einen Schlosser-Verein den 17. Juni d. Jahres gegründet haben, um unsere Interessen mit vereinten Kräften vertreten zu können. Doch wir sagen uns, daß die Bereinigung nicht ausreichend ist, um diesel- den in vollem Umsange wahrzunehmen, daß es vielmehr zur Er- reichung unserer Zwecke nothwendig ist, daß auch Ihr, Kollegen, Euch allerorts in gleicher Weise zusanimenthut. Organisirt sind wir Alles, unoraanisirt sind wir der Spielball der ökonomischen Verhältnisse! Ist für später eine engere Verbindung nothwendig, so sind wir gewiß nicht abgeneigt, eine Ceutralisalion mit Euch anzubahnen. Allen Denen, welche sich zu organisiren gedenken, und über die Tendrnz unseres Vereins sich orientiren wollen, sind wir gern bereit, brieflich nähere Auskunft zu geben. Wolle man sich in solchem Falle an unterzeichnete Adresse wende». Also, Eollegen, frisch auf, damit wir gegen die Verhältnisie an- kämpfen, welche uns außer Stand setzen, unsere Pflichten gegeil Familie und Staat zu erfüllen. Mit Gruß Die Hamburger Collcgcn. Adresse: Hrn. I. Sommerfeld, Hamburg, orehrwieder Hof 51, Haus Nr. 4(Vorsitzender des«chlosser-Bereins). NB. Alle arbeitersreundlichen Blätter werden gebeten, Obiges weiter bekannt zu machen. Aufrnf! An sämmtliche Schuhmacher Deutschlands.*) Das Ausschuß-Comitee der Generalversammlung der Schuhmacher in Erfurt saßte den Beschluß, nachstehende Bestimmungen sämmtlichen Schuhmachern Deutschlands zu unterbreiten: I. VermittelungS- refp. ArbeilS-Nachweise-Bureau's, wo solche sich noch nicht in den Händen der Arbeiter befinden, sofort einzuführen. II. Diejenigen Städte, in denen die Arbeiter bereits derartige Bureau's in Händen haben, fordern wir hiermit auf, dies sofort im „Volksstaat" zu veröffentlichen, sowie auch diejenigen Städte, in welchen obige Bureau's später noch gegründet werden sollten. III. Werden alle Kollegen ansgefordert, sich der durch den Er- furter Kongreß konstituirtcn Gewerks-Union anzuschließen. Kollegen alleroits! Ei wird Euch klar sein, daß es unsere heiligste Pflicht ist, für unsere angebornen Menschenrechte einzustehen. Dieses gemeinsame Einstehen für unsere gerechte Sache wird aber wesentlich gesördert durch die von uns in Vorschlag gebrachten Nachweise-Bureau's. De»» durch den materiellen Nutzen, den sie dem Einzelnen gewähren, beleben sie mit der Zeit das Gefühl der Zusammengehörigkeit und führen so die Massen zusammen. Bor Allem sucht aber die Gewerksgenossenschast durch Stärkung der bestehenden und durch Gründung neuer Mitgliedschaften zu heben) Besucht auch fleißig die Volks- und Arbeiterversammlungen, wie wir Euch denn überhaupt an's Herz legen möchten, nur solchen Vereinen beizutreten, die die Arbeiteriuteressen vertreten. Ganz besonders wichtig ist es aber, daß Ihr aus Arbeiterblätter und vor Allem auf unser Organ, den„Volksstaat" abonnirt; und sollte das für Einen allein zu kost- fpielig sein, dann können ja Mehrer« zum Abonnement zusammen- treten. Durch daS Lesen der Arbeiterblätter und der verschiedenen sozialistischen Schriften— deren Anschaffung wir Euch gleichfalls enipfehlen — wird Euch manches klar werden; Ihr werdet auch begreifen lernen, daß wir Alle für Einen und Einer für Alle zu kämpfen und einzustehen haben. Die zum Erfurter Gewerkschasts-Kongreß delegirten Schuhmacher: Schäfer, Leipzig; Rupprecht, München; Siebert und Gun- reden, Nürnberg; Fuchs, Mainz; Berg, Köln; Borchardt, Erfurt Bock, Gotha._ Oesterctch. Wien. In der Bandfabrik von L.Bauer istStrike ausgebrochen wegen Maßregelung eines Arbeiters;'der Strile der Färber dauert— nachdem einige Meister die Forderungen bewilligt — nur noch theilweise, der der Spengler aber nugeschwächt fort.— In Salzburg slrikcn die Schuhmacher, in Graz die Seiler; in letzterer Stadt haussuchte die Polizei in voriger Woche bei einem Arbeiter nach—„1000 Stück Revolverpatronen", die er erhalten hab:n sollte. Verl in, 21. Juni. Der Ausschluß resp. S tri ke der Cigarren- arbciter rückt nicht von der Stelle, die Fabrikanten halten fest, die Arbeiter ebenfalls. Also bitten wir den Zuzug fern zu halten. Der Revers, dessen Unterzeichnung verlangt wird, lautet:„Ich Endesunter- zeichneter verpflichte mich, keinem Verein anzugehören, sowie keine ftrikenden Arbeiter zu unterstützen." Briese u. f. w. sind zu senden an Th. Goecke, Lottumstr. 26. Das Eomilee. verlin.(Der Knüppel geht wieder um.) Der„Neue" vom 26. d. M. bringt einen Artikel,„Verhöhnung der Volksrechte", worin er sagt, daß es„höchst interessant ist, zu sehen, wie die Kapita- listen, selbst wenn sie Bouigeoisdemokraten sind, nicht die geringste Scheu davor haben, den Arbeitern das Vereins- und Versammlungs- recht zu rauben." In die Praxis übersetzt lautet dieser Satz folgen- dermaßen: „Die sozial-demokratische Arbeiterpartei hatte zum Sonn- tag eine Versammlung auf dem Gesundbrunnen zusammenbe- rufen, in drr über die Wohnunginoth verhandelt werden sollte. Nach- dem bereits der erste Vorsitzende gewählt worden war, erschienen viele Mitglieder deS allgemeinen deuischen Arbeitcroeeeins, welche stürmisch «ine nochmalige Wahl verlangten. Die Versammlung war nur eine Parteiversammlung und hatten daher die Mitglieder des all- gemeine» deutschen Arbeitervereins überhaupt kein Recht, sich an einer Wahl zu betheiligen. Trotzdem sie der bereits gewählte Vor- sitzend« darauf ausmerkiam machte, beharrten dieselben dennoch unter vielem Lärmen bei ihrem Verlangen, sich an einer Wahl der Bureaumitglieder zu betheiligen, was den Bor- sitzenden veranlaßte, die Versammlung zu schließen!"(„Demokratische Zeitung" ebenfalls vom 26. d. M.) Wir unsererseits glauben, daß unsere Berliner Parteigenosien, wenn sie anders das Versammlungsrecht vor jener Bisinarck'fchcn Dezemberbande retten wollen, energischer zu Werke gehen müssen, als bis- der. Einer durch verkommene Lumpen fanatisiricn Rotte Moral pre- «igen und Vernunft beibringen zu wollen, ist purer Unsinn. Der Knüppel kaunnur durchwieder einen Knüppel besiegt wer- den. Mögen unsere Berliner Parteigenossen endlich einmal von dem ihnen zusiebeuden Hausrechte Gebrauch machen, sobald dasselbe von Strolchen böswillig verletzt wird. Möge endlich einmal an der Knüppel- iaude ein Erempel statuirt werden, daß ihr Hören und Sehen vec- geht! Eher wird es nicht besser werden. Breslau. Sonntag, d. 23. Juni, fand hier, von dem Hasen- elcver'jcheu Agitator Hrn. Reinders einberufen, eine öijenilich- Versammlung zum Zwecke der Gründung einer Mitgliedschaft d.s „Allg. derusch.n Arbeitervereins" statt. In das Bureau wurden einstimmig gewählt die Mitglieder der fozialdeniclratlschen Arbeiterpartei: Kräker, Schaal und Schmidt. Herr Reuiders forderte nach längerer Rede zum Eintritt in de»„Allg. deutjchen Aib-ileiv:rei»" auf; die Antwort der Berianimliliig hieiauf war folgende nahezu einstimmig beschlossene Resolution: ist erst einige Tage nach dem Erfurter Kongreß rk etjd* k*8 m'tun'Ksc'c�neteu Schäfer gelangt: daher das ver- „Die heutige Versammlung weist die in der Einladung enthaltene Aufforderung zum Emtrilt in den„Allg. deutschen Arbeiterverei»"«nt- schieden zurück;— sie erkennt die sozialdemokratische Arbeiterpartei für Deutschland und die Internationale Arbeiter- Assoziation sür die gesannnte Culturwelt als die radikalsten und weitaus bedeutendsten aller Arbeiter- Verbindungen an,— und fordert schließlich den„Allg. deulschen Arbeitervere n" auf, in allen prinzipiellen Fragen mit der soziaidemokratischeil Arbeiterpartei und der Internationalen Hand in Hand zu gehen."— Unter den für die Resolution Stimmenden befand sich auch— Herr Reinders.— Sonntag, d. 23. Juni, wurde in einer zahlreich besuchten Ver- sammlung ein Maschinenbauer- Verein gebildet. Bielefeld, 22. Juni. Wie eine Bombe ist der Strikt im West- phälifchen Kohlenrevier zwischen unser Bourgeois- Philistertum gefahren und hat manchen Strohkopf in Brand gesetzt. A ber, du lieber Himmel, wie unheilig sind diese Flammen, wie sehr ähneln sie denjenigen, an denen die„Fleischtöpfe Aegyptens" brodeln. Ja, ja, Ihr edlen Auch- demokraten, die jelte Dividendensuppe sängt an salzig zu schmecken, die fromme Sage, in welcher Ihr Euch als„Aucharbeiier" aufjpieltet, will bei den ausgesogenen Masscil nicht mehr ziehen, näher und näher dringen sie heran, Eßlössel in den abgezehrten Händen schwingend — keine Heugabeln, Herr Staatsanwalt! Die„Fleischtöpse Aegyptens" sind groß genug, aber die„faulen Bäuche" haben schon langst die bcsten Plätze inne und fischen sich mit ihren großen Löfjeln die seltesteii Btssen heraus, während die„fleißigen Hände" das herrliche Vergnügen des Zusehens habe»! Da ist nun allerdings„Holland in Roth", wenn die„Hände" auch sich endlich ihres„Magens" erinnern, wenn sie an- fangen, zu„denken". Schmerzlich bewegt blickt der„menschliche Auch- arbciter" aus das vermessene Treiben drr„Nurarbciier" und Bläiter und Blättche» seiner gut dotirten Presse hallen seine Klagen wieder. So auch unser Fortschrittsorgau„der Wächter". In einem Aitikel über den Bergarbeiter-Slrike werden zuvörderst die..erorbitauteu For- derungcn" der Arbeiter bedauert(I). Zwar, mögen die Dividenden der Kohlenzechen augenblicklich noch so hoch sei», so hätten die Arbeiter doch auch die Zeiten in Anschlag bringen müssen, in denen ein Rück- schlag erfolgt u. s. w. Wer in diesen„Rückschlagszeiten" die Arbeiter, wenn sie von ihren„humanen" Arbeitgebern aufs Pflaster geworfen werden, vor dem Verhungern schützt, ob dann vielleicht die Herren Ak- tionäre von ihren jahrelang eingesackten ÖO0/, Dividende 493i4 0|0 den Arbeitern zur Verfügung stellen— hat der Gelehrt« des„Wächter" nicht gesagt. Nachdem noch mit einem frommen Augenausschlagen gen Himmel konstatirt wird,„daß AlleS bisher friedlich und ohne ir- gend weiche Erzesse verlausen"(wre Schade sür unser„herrliches Kriegs- Heer"!) und die Hojjnung ausgesprochen ist,„daß auch das Ende des Slrikes in Frieden herbeigeführt werde", schwillgt sich der„Wächter" auf das neueste Paradepserd der„Auchdcmokraten" und säbelt einige „Römlinge" nieder, denen„jede soziale Krisis, welche den Organismus unseres jungen Deuischlands zu schädigen droht, willkommen ist."— Und die„Moral" des„Wächter"?„Den wahren Vollsfreunden aber sollte die ausgebrochene Arbeiterbewegung als eine ernste Mahnung dienen, sich recht eingehend mit d.r sozialen Frage unserer Zeit zu be- schäfligen". Es ist nur fatal, daß die Bourgeois, dcucn der„Wächter" seine Maral predigt, sich erst dann mit den„soziale» Fragen unserer Zeit" beschästigen wollen, wenn ihr Interesse geschädigt erscheint; an diesen kitzlichen Punkt angelangt, hört aber die„Beschäftigung" auf, wie bekanntlich auch„in Geldsachen die Gemüthlichkert aushöit." — Lieber„Wächter", laß ab von dem vergebliche» Bemühen, aus dem Felfe» deiner Bougeois-Herzen den erquickenden Quell der„Arbeiter- bcglückung" zu schlagen! Abgesehen davon, daß du kein„MoseS" bist, ist dein Voll, d. h. deine Leser, noch lange nicht„das Auserwählte." Beherzige lieber den Ausspruch Schillers, den unser Bebel im Reichs- tag der Bourgeoisie zurief: „Fort mußt du, deine Uhr ist abgelaufen!" RegenSburg. In der Abrechnung über den Mainzer Schreiner- Strile heißt es unter Unterstützungeu von Außen:„Durch Joseph Stich(Ort war aus dem Coupon nicht angegeben) I Thlr. 13 Sgr. — 2 fl. 30 Ir."— Wir Unterzeichneten bemerken fürs Erste, daß der auf dem Eoupon nicht angegebene Ort RegenSburg ist. Sodann ist die angesührte Summe unrichtig, denu nicht 2 st. 30 kr. sondern 6 fl. sind von hier an den Vereinslassirer I. Hell abgeschickt worden, dies können wir durch den Aufgabeschein nachweisen. Auch mußte das Komitee unbedingt wissen, von wo aus das Geld gekommen, da, wenn wirklich der Ort nicht verzeichnet gewesen wäre, der Stempel gewiß aus- gedrückt war*), übrigens war die Adresse unseres KasstrerS Stich schon in Mainz bekannt. Der Ausschuß des FachvereinS der Tischler: Joseph Stich, Kassirer. Martin Adler, Borsteher. Mittweida. Maßregelung. Unser weiser Bürgermeister, Dr. Stumme, hat folgenden Ulas erlasse»:„Heute, d. 21. Juli, hat man den Weber, Hrn. C. F. Bartholdi von hier, anher bestellt, welcher auf Befragen augegebcu hat, daß das angesetzte BerbrüderungS-Fest nur für den hiesigen Verein bestimmt sei, von auswärts Erscheinenve könnten doch nicht zurückgewiesen werden, eine Verabredung zwischen auswärtigen Vereinen habe bishcr nicht stattgesunden. Auf das Un- wahrscheinliches?) seiner Angaben aufmerksam gemacht, sagte er, der Lerem habe sich unter Verbrüderungs-Fcst nicht ein Fest von verschte- denen hier zusammenkommenden Arbeitervereinen vorgestellt; wer von auswärts komme, fei willkommen, aber nicht eingeladen, wenigstens wisse er von brieflicher Einladung auswärtiger Vereine nichts. Was mündlich mit auswärtigen Arbritervereinsmitgliedern verhandelt wor- den sei, könne er nicht genau angeben. ES rst Hrn. Bartholdi eröff- net worden: daß, da nach den stattgehabten Erörterungen in Ver- bindung mit seinen vorstehenden eigene» Angaben der Verdacht vor- liege, daß das sür den 23. d. M. von dem von ihm geleiteten hiesigen Arbeitervereine angesetzte Verbrüderungsfest zu Berdindungen im Sinne des S 24. des Gesetzes, das Verein«- und Versammlungsrecht betr., vom 22. November 1850, zwischen einzelnen Arbeitervereinen gemißbraucht werden würde, die Veranstaltung jenes Stiftung«- und PerbrüvcrungSsestes hiesigen Arbeitervereines und The lnahme an solchem bei Vermeidung von Geldstrafe bii Zwanzig Thaler— und Haflstrafe bis sechs Wochen andurch verboten sei. Hrn. Bartholdi ist eine Benachrichtigung seiner Vereinsgenossen zur Pflicht gemacht worden." Wir werden demnächst ein andere« Fest veranstalten und zwar nicht von Vcreinswegen, sondern durch Unternehmung Einzelner. Frailkelthnilsc». Auf die von verschiedenen Parteigenossen brief- ilch au mich gerichteten Anftagen, ob und warum hierorts keine Volks- Versammlung mehr stattfinde, kann ich die Mittheilung inachen, daß es uns nach simonatiger Pause erst kürzlich vergönnt war, eine solche abzuhalten. Die Schuld dieser Verzögerung ist nicht uns bei- zulegen, denn die Schwierigkeiten, die sich uns entgegenstellen, sind kaum zu Üderwinden. Die Wirthe verweigerten uns der Reihe nach ihre Lokale, und zur Abhaltung einer Versammlung unter freiem Htm- mel bekommen wir keine Genehmigung. Man sieht, die Polizei ist vorn und hinten. Ein Wrrth jagte uns geradezu:„Ja, wenn ich mich nur nicht immer mit der Polizer hcrumbeißen müßte, dann hätte ich gar Nichts dagegen." Aber das alles soll un« nicht hindern, auf dem einmal betretenen Wege weiter zu schreiten. Und ich glaube, die Partei wird sich hier mehr denn je entwickeln, denn die Chikanen der Polizei sind die beste Propaganda für unsere gute Sache. A. Welke. Gotha, 19. Junr. Gerstcrn hielten wir hier eine Arbeiter- Berfammlung ab, in welcher Hr. Zirfas und Leyendecker aus Main; Vorträge über die Gewerkschafts-Union und deren Stellung zur Sozialdemokratie hielte». Die Arbeiter waren zahlreich erschiene� und es wurden die Vorträge mit großem Beifall aufgenommen. Am Schluß der Versammlung ließen sich 35 Mann als Mitglieder in die social- deniokraqche Arbeiter- Partei einzeichnen. Dresden, 20. Juni. Dcr Strike der Tischler dauert fort; Sttikende, die Unterstützung in Anspruch nehmen, sind jedoch keine mehr vorhanden, indem die ineisten abgereist sind, und dann haben auch die großen Fabrikanten und 60 kleinere Arbeitgeber sich mit ihren Arbeitern geeinigt. Nur noch einige Arbeitgeber sind et, die bei ihrer Ansicht verharren, und unter diesen ist der Obenneister Schä- ser erner der hartnäckigsten. *) Derselbe ist nicht immer so deutlich aufgedrückt, daß der Nainc leserlich ist. R. d. V. Wir danken nunmehr herzlich allen Colleaen und Freunden für die kräftige Unterstützung und hoffen, daß dieselben uns noch weiter zur Seite stehen werden. Bor allen Dingen aber bitten«ir, den Zuzug von Dresden fern zu halten. Abrechnung über eingegangene Gelder werden wir nach Beendi- gung des Strikes folgen lassen.— Der Berkehr und Arbeitsnachweis ist große Brüdergaffe Nr. 12 in Herrmannshof. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck dieser Zeilen gebeten. Das Comitee der ftrikenden Tischler: ______ I. A. A. H. Krause, Schriftführer. An die Parteigeiioffen in Main; richten wir die Bitte um Aufklärung über die vom„Neuen" ausgestellte Behauptung, Herr Schob habe bei einer dortigen Brrsammlung die Polizei gerufen und die Beranlasiunq zur Veihaftuiig der Hasenkleverschen Agitatoren ge- geben. Auch ist ei«ünscheniwerth zu erfahren, ob die gegen Herrn Schob ehemals erhobenen Anschuldigungen, die einen Ausschluß aus dem Allgemeinen deutschen Schneider-Verein zur Folge hatten, in irgend einer Weise erledigt sind. An die Krfnrtrr Parteigenossen richten wir die Anftage, ob es wahr ist, daß Herr Im hos bei einem kürzlich dort abgehaltenen Arbeiterfest der Königlichen Gewehrfabrik ein Hoch aus den deutsch en Kaiser ausgebracht hat.— Wir erlaffen diese Fragen nm deswillen öffentlich, weil wir der Meinung find, daß die sozial-demolratische Arbeiterpartei ans Eharak- terreinheit und Prinzipientteue aller ihrer Mitglieder zu sehen hat; und sie hat doppelt zu achten auf Mitglieder, welche irgend eine Stellung in der Partei einnehmen. Wollen wir das unsittliche Gebahren Anderer verurtheilen, dann müssen wir auch in unfern eignen Reihen strenge auf Ehrenhaftigkeit scben. �____ Druckfehler-Berichtigung. Im Artikel„Der Neue"(in voriger Nummer) muß es statt: „ad 5. Siehe den Schluß von ad 3." heißen:„Siehe den Schluß von ad 2."_________ Kür politisch Gematzregelte. A. G.�in F. 21 Ngr�_____ Erped. d.„Bolksstaat." Brieftaftcn der Erpedition: Bon Endriß, Göppingen 9 Thlr. Vk Ngr. f. Schriften. Schultz, Hamburg sür Annonce 3 Ngr.; Arbeiter Verein Hamburg für Annonce 18 Gr.; Leseoerein Concordia, Ohligs 6 Thlr. 2l'/« f. Schriften erh.; Mangold, Eßlingen f. Annonce 4 Ngr.; Krämer, Coburg f. Schriften 1 Thlr. 10 Ngr. f. Annoncen 2'/« Ngr. erh.; Hochg. Kassel f. Abonnement 12 Ngr.; Ihrem ersten Briese lag bestimmt nichts innen. Serv. Hubert Schw., Bergrath, für Schriften 5 Ngr.; die 8mal Frankirungstosten bitte mit letzter Einsendung mitzueiittichten. Müller Colp. f. Abonn. IL Qu. 13 Thlr. St. u. D., Celle sür Schriften 1 Thlr. 25 Ngr. Heber in Stuttgarts. Schriften 8 Tblr. 10 Ngr. 3 Ps. St. in Berlin f. Sriften 1 Thlr. 4 Ngr. Gast,, Berlin f. Schriften 2 Tblr. 15 Ngr. der Redaktion: H. V. Berlin. Dankend ei halten.— Wegen Raummangels mußten heute wieder viele wichtige Correlpondenzen zurückge- legt werden.___ Kür Hamburg. Unterzeichneter ersucht die geebrten Leser deS„Voltsstaat", die gewillt sind, das Blatt nicht weiter zu beziehen, ihn dies bis zum Sonntag, d. 30. d. MtS. wissen zu lassen. Auch sind durch denselben alle Laffallcschcn und im Verlag deS„Volksstaat', erschienenen Broschüren und Photographien zu beziehen. Das Einbinden von Büchern wird billig und prompt besorgt. H. F. W. Schultz. Vlatz b. grün. Eood. Ho» 34, Saal 2. Für Hamburg. Sozial-demok ratrs cher Arbeiterverein. Versammlung am 1 Juli, Abends 9 Uhr, in Eberhahn'S Elub- lokal, Z-ughauimarkt 31. Tagesordnung: 1. Sozial-polit. Wochenbericht. Referent: Waltz. 2. Die Hamburger„Reform" und die Sozialdemokratie. Re- fcrent: Geib.__ Kür Hamburgs Versammlung sämmilicher Maschrnenstepper Hamburg« und Altonas am Montag, d. 1. Juli, Ab-ndS 8'- Uhr präcise, in Eberhahn'S Clublokal, ZeughauSmarkt 31. Tagesordnung: Besprechung unserer Klassenlage. Sämmtliche Kollegen sind dringend zum Besuch dieser Versammlung eingeladen. C. Köhler, Mitglied des sozial-dcm. Arb.-Bereins. C. Wölk, Mitglied des allgem. d. Arb.-Vereins. Kür Leipzig. Internationale Metall» rlicitcrschaft Mitgliiderversamuilung, Mourag, den 1. Juli Abends 3 Uhr in der Restauration zur Milchinsel, Marienstraße Nr. 9. Tagesordnung: 1. Unions-Stattuten-Berathung. 2. Wahl eines neuen Revisors. Das Erscheinen aller Mitglieder ist dringend nothwendig. »iir ycibjlflu Die SectionS-Bersammlnng der Tischler und Ptanoforte- arbctter findet Montag, o. 1. Juti statt. Das Local wird in der Sonniagsirnmmur des„Leipz. Tageblatt" bekannt gemacht ________ Der Borstand Kür Leipzig. Allgemeine Versammlung sämmtlicher Kürs chner- und Mützen- machergehstlfen Leipzigs und Umgegend. Sonnabend, d. 29. Juni 1872. Abends 8 Uhr bei Zahn, Rosen- thalgasse Nr. 14. in deipstg. Tagesordnung: Bericht unseres Delegirten über den Erfurter Gewerkscharts-Congreß.__ Der Vorstand. " Kür LeipM Zur Gründung einer Genossenschafts- Druckerei wollen sich alle Diejenigen, welche sich dafür»iteressiren, nächsten Mittwoch, d.i 3. Juli Abends 8 Uhr im Saale des Arbester-Bstdungs- Vereins, Ritterstraße 43, 2 Treppen einfinden. Das Gründungskomitee: Hadlich. Ramm. Tischcr. Kür Stuttgart, Göpingrn, Magdeburg, Schwab. Gmünd. Den geehrten Lesern des„Volksstaat" wie den Parteigenossen zur Nachricht, daß sür nachstehende Orte AUialerprditionen errichttt werden. Für Stuttgart bei Hrn. Heber, Schuhmacher, Guttmbergstr. 31. 3 Tr. „ Göppingen bei Hrn. Gq. Bronnen mayer. „ Magdeburg bei Hrn. Wilh. Klees, Feldstr. 17. in Buckau. „ Schw. Gmünd bei Hrn. Frz. Wilhelmy, Freudenthal Nr.801. Genairnt« Filiatexpediiione» nehmen Quartal s- und Monats- abonnementS aus den„Bolksstaat" sowie Bestellungen auf alle in unserem Verlage erscheinenden sozialistischen Schriften entgegen.. Leipzig, 25. Juni 1872. Tie Expedition des, Bolksstaat"_ Vctanntmachnng. Den Parteigenossen KnrhesscnS zur Nachricht, daß Sonntag, den 30. d. M. N.ichmiitags3 Uy» Herr N a t e r s aus Halberstadt als Referent eine Versammlung hier abhält. Deiselbe beabsichtigt, sich längere Zeit hier auizuhalien; soll:«» deßhalb die Parteigenossen, der Umgegend seine Thäiigkeit ebemälls wünschen, so ersuchen wir sie, Unterzeichneten davon zu.benachrichrigen, welcher sür das Weitere Sorge tragen wird. Hersfeld. Georg Wolff. Eisleldstr. 419. Leipzig: Verantw. Redakteur A. Muth; Redaktion u. Erpedttioa Hohestr. 4; Druck u. Verlag o. F. Thiele.