Nr. SS. Kdmnument» Krdtngungra: «bonnemenli-Pret» pränumerando: «terteljährl. SLV Mk., monatl. l.IVMr.. wöchentlich 29 Via- stet ins Hau». Stmeln« Nummer 6 Psg. Sonntag«. Nummer mit tllustrterier Sonntag«» vetlage»Die Neu« Welt» 10 Psg. Post. Abonnement: 3,80 Marl pro Quartal. «tngetr-gen tn der Post» Zettung»» PreUllste für 1900 unter Bt. 7971. Unter streuzdan» fttt Teutschland«n» Oesterreich- Ungarn 9 Marl, für da» übrig« Suiland 3 Marl pro Monat. Srschelnl lZgllch«utzer Donlag». Berliner Volksblnlt. 17. Jahrg. Die Inftrtions- Gebühr beträgt sür die sechsgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum«0 Psg., siir poltttsche und gewerls chastltche Vereins- und VersäMmlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anieigen" jedes Wort S Psg. (nur da« erst« Wort sett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi«« Uhr nachmittags tn derSrpedttion abgegeben werden. Tie»xpedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen dt« S Uhr vormittag« geöffnet. Frrnsttrrchrr:«ml l, Nr. 1508. Telegramm< Adresse: »«orialdrmostrat Berti»" Centralorgan der socialdemokratiMen Partei Deutschlands. Redaktion: SM. 19. Beuth-Stratze 2. Donnerstag, den 26. April 1900. Expedition: SW. 19, Venth Straste 3. Die Kornwucherflotte. Die am Mittwoch wieder aufgenommenen Verhandlungen der Budgetkommission zeigen, daß auch der letzte Funken der künstlich eingeheizten Marinebegeisterung verflogen ist. Nur die groß iildustriellen Flottenlieferanten und einige alldeutsche Weltniachts narren setzen den Seeriistungsspektakel niit ungemindertem Eifer fort. Centrum und Konservative vermögen nur gute mühsam gute Miene zum bösen Spiel zu zeigen. Doch die.gräßliche Flotte" bleibt die «Lieblingsvorlage des Kaisers". Die konservativen Kanalrebcllen wagen nicht, auch Flottenrebellen zu werden. Das Centrum zittert um seine parlamentarische Vorherrschaft und Regiernngssähigkeit. Die verhaßte Flotte mußte darum Mittel'zun, jsivcck werden. Man will ihre Bewilligung so teuer als möglich verkaufen. Man will herausschlagen, was nur herauszuschlagen ist. Die Flotteiv berat, tilg ist politisches Erpressungsgeschäft des Agrariertums ge ivorden. Noch gestern unternahm die.Germania" den selbst mörderischen Versuch, unfern Nachweis der Centrums-Schacherpläne niederzuschimpfen. Heute bestätigten die Reden der Centrumsführer in der Budgetkommission die volksfeindlichen Absichten der Partei. mögen sie sich noch so sehr hinter jesuitischem Wohlwollen ver- , stecken. Nachdem die Budgetkommission zunächst in unwesentlicher De batte über den unmöglichen Nebeneinanderbestand zweier sich wider sprechender Gesetze, des 1898 er Flottengesctzes und der jetzigen Novelle, beraten hatte, enthüllten sich die Unsinnigkeiten und Löcher- lichkeiten der gegenwärttgen polittschen Situation durch die Debatte über die CentrumSanftage. wie die Regierung die Landwirtschaft gegen die ihr aus der Flottenvorlage erwachsenden Nachteile zu schützen gedenke. Unfruchtbar blieb die Erörterung über die wachsende Leutenot und über die Festsetzung einer Maximal- Präsenzziffer für Heer und Flotte zusanimen; die Regierungsvertreter würdigten diesen naiven Vorschlag keinerlei Autwort. Um so bedeutsamer gestaltete sich die Beratung, nachdem der Abg. Müller von der Regierung die Zusage erhöhter Getreidezölle geradezu als Vorbedingung der Flottenbewilligung gefordert hatte. Abg. Müller und zahlreiche andre Redner deS Centrums und der Konservativen schalten heftig die ungeschickte offiziöse Flotten agitation, welche die ländliche Bevölkerung gegen die Flotte auf gebracht habe. Zugleich aber bemühten sich die Herren, durch möglichst düstere Ausmalung von Gefahren, die der Landwirtschaft durch die industrielle Entwicklung Deutschlands und die Flotten- Politik drohen, die offiziösen Agitatoren in— allerdings gar ziel bewußter— Ungeschicklichkeit zu übertreffen. Je mehr die Landbevölkerung gegen die Flotte erregt wird, um so höher und dringlicher kann die agrarische Gegenrechnung aufgemacht werden. Zu welch hohem Preise die Agrarier das Flottengesetz zu ver- schachern gedenken, zeigt der ausdrückliche Hinweis des Abg. Müller, daß eigentlich der jetzige Kornzoll nicht 3,S0. sondern 5 M. betrage. Der 3,50 M.- Zoll bedeute nur eine vorübergehende Ermäßigung durch die Handelsverträge, während grundsätzlich der 5 M.-Zoll gelte. Und dieser Zoll soll noch weiter erhöht werden! Bebel nagelte die agrarische Begehrlichkeit unentrinnbar fest: Ohne Zollerhöhung keine Flotte— das ist die allgemeine agrarische Parole I Zivar sucht das politische Händlertuin sich der rechten Bezeichnung seiner Pläne zu entwinden. Graf S t o l b e r g will die Flotte bewilligen, wie auch die Regierung über die Schutz- zölle denkt; aber zugleich droht er mit der Mißstimmung draußen im Lande, wenn die Zölle nicht erhöht werde». Herr Gröber wiederum läßt seinen Unwillen ausströmen, daß nur Herr v. Thiclmann unverbindliches Wohlwollen für die Landwirtschaft ausspreche, statt frier- licher Festlegung im Namen der verbündeten Negierungen für den erhöhten Hungerzoll. Die Regierung solle nicht glauben, grollte Herr Gröber, daß die Flotte so ohne Schwierigkeiten in den Hafen einlaufen könne. Das Centrum läßt die Flotte nur in den Hafen, wenn sie die Garantie verschärfter Schutzzöllnerei an Bord führt. Ohne Zoll- erhöhungsversprechen keine Flottenbewilligung I— das war der agrarische Refrain aller Reden der Herren Müller, Gröber, Arenberg, Stolberg. Arnini u. s. f. Freiherr v. Thielmann empfindet die unsagbare Lächerlichkeit der Situation. Mit leise ironischem Lächeln begleitete er die un- gestümen Herausforderungen der agrarischen Redner. Er soll Handelsverträge vorbereiten und zugleich die Bedingungen, die allein de» Abschluß von Handelsverträgen ermöglichen, schon jetzt den Agrariern ausliefern. Die Regierung soll die Flotten- bewilligung durch Zusagen belohnen, deren Erfüllung alle Erfolge, die sie durch die Flotte erreichen zu wollen vorgiebt, aufheben muß. Sie soll Industrie und Handel fördern, indem sie ihnen tödliche Wunden schlägt. Niemals ist der Interessengegensatz einer rückständigen, nur durch AuSwucherung deS arbeitenden Bolls existenzfähigen Agrarierklasse und einer absatzmarkthungrigen Export- industrie schroffer zum Durchbruch gelangt als in diesem Flotten- geschäft. Die Selbstenthüllung des KornwucherS enthüllt aber zugleich den DeckungSfchwindel des Centrums bis in die letzte Tiefe. Die Stenersuche wird zum frivolen Gaukelspiel, weim man durch Zollerhöhungen Mehreinnahmen für das Reich schafft. Nun haben die Centrumsfllhrer, in die Enge getrieben und den Unwillen ihrer Arbeiter-Wähler fürchtend, den neuen Taschenspielertrick versucht: es sollen die Mehreinnahmen aus Zöllen unter keinen Uniständen für Marine-Ausgaben, sondern zum Stutzen der arbeitenden Bevölkerung verlvendet werden. Das ist eine vermehrte Auflage des listigen Stücks von 1898. Die Bestimmung des Flottengesetzes. durch welche das Centrum damals die arbeitenden Klaffen vor der Belastung durch die Marinebermehrung schützen zu Wollen vorgab, ist, wie wir voraussagten, eine papierne Dekoration ohne jede thatsächliche Bedeutung geblieben. Giebt sich jetzt das Centrum den Anschein, als wolle es den Mehraufwand für die Marine ans neuen, nicht die unteren Volksklassen be> lastenden Steuern bestreiten, so sollen aber diese neuen Steuern, eine nach der andern, erst dann zur Erhebung gelangen, wenn die lattfenden Reichscinuahmeii nicht zureichen sollten Für den Zeitraum bis zum Eiutreteit neuer Zollsätze würde daher ohne weiteres der gesamte Zuwachs au Zolleinnahmen für die Marine verwendet werden können. Für die Folgezeit könnte der weitere Zuwachs aber nur durch eine finanztcchnisch äußerst schwierige Aufstellung des Etats vor der Verausgabling für Flottcnzwecke bc wahrt werden, wobei vorausgesetzt ist, daß eine entsprechende Bc stimmung bereits jetzt gesetzlich fe st gelegt wird Hiervon aber will das Centruin bisher anscheinend nichts wissen Es will nur durch ein leeres, späterhin gänzlich unausführbares Versprechen die industriellen Arbeiter über die schainlose Verteuerung der täglichen Lebensmittel hinwegtäuschen. Und selbst wenn jetzt die NichtVerwendung der Zolleinnahmen von einer gewissen Höhe an für Marinezwecke gesetzlich festgelegt würde, wer wäre so leichtfertig zu glaubeil, daß alsdann die betreffenden Summen ernstlich zu Gunsteil der Arbeiter Verwendung finden würden? Nur ein sauberes Nccheuspiel würde dabei heraus kommen; man würde die Millionen, die der Marine verschlossen bleiben, für andre mittlerweile„nötig gewordenen" Militäransgabcn verausgaben. Die Beratungen über das„große nationale Werk der größeren Flotte" entrollen ein reizvolles Gemälde unsreS Zeitalters des Patriotismus. Die Flottcnbegcisterung offenbart sich als klingende Münze, mit der niedere Gewinnsucht die Auswucherung der arbeitenden Klassen bezahlt. »« » Nachstehend det Bericht über die Beratung der Budgetkounnission am Mittwochvormittag: Die Diskussion begann mit den vom Centrum gestellten Fragen 11 und 12: 11. Wie denken sich die verbündeten Regierungen die praktische Durchführung der ßß 1 bis 3 der Novelle unter gleichzeitiger Auf rechtcrhaltung des ß 7 des Gesetzes vom 10. April 1898? 12. Wäre es nicht besser, die Vorschriften deS geltenden und deS geplanten Flotteugesetzes in ein einheitliches Gesetz zusammen zufassen? Abg. Miiller-Fnlda hält daS Nebeneinanderbestehen des alten und des neue» Flottengesctzes für»»möglich und spricht den Wunsch aus, daß die Regierung der Kommission eine Vorlage mache, in der die beiden Flottengesctze i» eins verarbeitet sind. Abgeordneter Gröber(C.> schließt sich diesem Wunsche an. Man müsse volle Klarheit darüber haben, wie sich die Regierung das Ver- hältnis der neuen Vorlage zum alten Flotteugcsetz denke. Staatssekretär Tirpitz glaubt nicht, daß aus dem Neben einanderbestehen beider Gesetze eine Unklarheit entstehen könne. Im übrigen stehen einer Znsammcnfassnng beider Gesetze keine besoudreit Schwierigkeiten entgegen. Abg. v. Kardorff sRp.) kann die Bedenken des Abg. Müller-Fnlda nicht teilen und ist gegen die Verschmelzung beider Gesetze, da jedes von ihnen eine andre Basis habe. Das bestehende Flotteugcsetz sei ei» Gesetz, die neue Vorlage eine Resolution. Die Abgg. Gröber und Müller- Fulda halten ihren Standpunkt fest. Darauf wendet man sich zum vierten lind letzten Haupt abschnitt des Diskussionsplans über:.Durchführung der Vermehrung". Hier solle» folgende Fragen erörtert werden: 13. In welcher Weise gedenken die verbündeten Regierungen den Nachteilen zu begegnen, welche ans der Verstärkung der Flotte für die Landwirtschaft zu befürchten sind? 14. Sind die verbündeten Regierungen geneigt, im Interesse der Landwirtschaft: ») eine Maximal-Präsenzziffer, für Heer und Flotte zusammen berechnet, zu gewährleisten, welche die Zahl der für beide Zwecke auszuhebenden Mannschaften auf ein erträg licheS Maß beschränkt? b) für eine angemessene Erhöhung der Schutzzölle auf landwirtschaftliche Erzeugnisse bei den bevorstehenden Handels- vertrüge» energisch einzutreten? ES steht zunächst Frage 13 zur Debatte. Abg. Müller- Fulda(C.): ES ist eine große Aufregung im Lande entstanden, besonders infolge der ungeschickten Ägiilattou der Flottenschtviiruier, welche die Flottenvermchrung mil der Notwendigkeit einer Getreide- zufuhr begründen. Aber der Bauer kann schon jetzt seilt Getreide nur schwer absetzen und solche Begründungen uiüssen ihn stutzig machen. Ich weiß nicht, ob diese Agitation vom Reichs-Marineamt oder vom Flottenverei» ausgeht. sHciterkeit.) Ein sachverständiger Führer des Bunds der Landwirte, Herr v. Wangenheim, hat erklärt,«S seien für die Landwirtschaft die größten Nach- teile bei der Flottenvorlage zu befürchten. Darum haben wir unsre Frage gestellt. Auch ich zweifle nicht, daß für die Landwirtschaft Nachteile entstehen werden. In den Bergwerken und in andren Industrien wird die Beschäftigung wachsen, zahlreiche Ar- beiter werden wieder der Industrie zuströmeil und so der Arbeiter- Mangel in der Landwirtschaft vermehrt werden. Abg. Graf Klinckowström skons.): Ich habe es jetzt oft in meiner Heimatsprovinz(Ostpreußen) erleben müsse», daß die Stimmung der Landwirtschaft gegenüber der Flotte wenig begeistert ist. Die Agitation, die von der Wcizenflotte spreche, habe der Sache mehr geschadet als genützt. Die Landwirtschaft wird durch die Politik, welche die Flottenrüstungen bedingen, immer niehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Infolge dieser Flottenpolitik wird bei der Regierung die Neigung immer mehr abuehmen, auf die Landwirtschaft g c- bührende Rücksicht zu nehmen. Ich hoffe bestimnit, daß die Regierung befriedigende Erklärungen geben wird. Wir sehen die Flotteilfrag« als eine n a t i o ir a l e F r a g e an. So lauge es uns irgend möglich gemacht ist, treten wir für die Flotte ein. Aber wir wissen auch, die Landwirtschaft wird davon keinen Vorteil haben. Wie will die Regierung den ihr erwachsenden Nachteilen, lese der wachsenden Leutcnot, entgegentreten? Staatssekretär TirpiU: Die Motive der Vorlage sind ja bei der Gcueraldiskussion er» läutert, darauf müsse er sich beziehen. Die Wirkung der Novelle auf die Lcuteuot wird ganz offenbar überschätzt; die Rckrutenquote vermehre sich in 20 Jahren um 10 000 Mann; fürs Jahr also um 500 Köpfe, das kann bei dem stetigen VcvölkernngSzuivachS keine Rolle spielen. Abg. Graf Orlola(natl.): Ich kann auch für S ü d d e u t s ch l a n d erklären, daß dort die Bedenken der Landleute gewachsen sind. Die Regierung sollte sich doch ernsthaft mit den Vorschlägen des preußischen Land- Wirtschaftsrats bezüglich der ländlichen Arbeiterfrage beschästigen, So sehr schlimm soll man allerdings den Arbcitennangel auch nicht hinstellen; bedenklich wäre nur der plötzliche Zuzug sehr zahlreicher Arbeiter in die Industrie infolge sprunghaft ungleichmäßiger Schiffs- bauten. Wenn eine regelmäßige Fortarbcit stattfindet, also eine bestimmte mäßige Zahl von Arbeitern jährlich nötig wird, so ist das nicht schädlich. Abg. Graf v. Stolberg(k.): Wir bemühen uns sehr um das gustandekommen des Gesetzes. aber die verbündeten Regierungen mache» cö uns sehr schwer. Die Regierung hüllt sich jetzt wieder ganz in Schweigen. Etwas mehr Riicksichuahme wäre wohl möglich. Es sei Wohl schwer, die gestellten Fragen zu beant- Worte», aber er wünsche in dieser Beziehung guten Willen zu sehen. Die Leutefrage sei eine sehr schiveriviegcnde. Die Rekrutcufraae allein spiele demgegenüber keine Rolle; die Hauptsache sei, die Land- Wirtschaft leistungsfähiger zu machen. Dann werde sie bessere Löhn» zahlen und mehr Arbeiter halten können. Abg. Müller- Fulda bemängelt gleichfalls die ungeschickte Agitation; überlasse man den Parteien die Bearbeitung ihrer Wähler, so werde man viel weiter kommen. Die Arbeitsgelegenheit werde durch die Novelle in: Wert von etwa 43 Millionen für das Jahr gesteigert, berechne man den darin enthaltenen Lohnanteil. so ergebe sich, daß 24 bis 30 000 Ar- beiter mehr von der Industrie beansprucht würden. Dlcsc Arbeiter würden mit Sicherheit der Landivirtschaft entzogen, denn anderswo seien keine Arbeiterreserven. Die Kalamität für das Land werde also um so größer sein, als die Landivirtschaft keine hohen Löhne zahlen könne, sondern immer weiter zurückgehe. Abg. Pansche(natl.): Der Vorredner sehe viel zu schwarz; die Vorlage sei gegenüber dem Gcsamtetat des Reichs und der Einzelstaaten doch nicht von so großem Belang; man könne nicht mechanisch a»§ den Etatsziffern bie Arbeiterhände hcranSrechnen. Dem Grundgedanken deS Vor- redncrS stimme er zu, aber man solle sich hüten, durch Uevcr« treibungeu die vorhandenen Besorgnisse noch zu er- höhen. Abg. Graf Klinckowström: Wir werden von unsren Wählern geradezu gezwungen, die Wünsche der Landivirtschaft zu betonen. Durch die ganze heiitige Entwicklung � muß die Landivirtschaft in den Hintergriind gedrängt iverden, wenn sie nicht bei den Regicrungeu genügenden Rückhalt findet. Die Kommission wendet sich zu Frage 14, betreffend Festsctzlmg einer Maximal-Präsenzziffer f ü r H c e r u n d F l o t t e. Abg. Müllcr-Fulda erläutert, daß der Ueberschuß bei den Aushebungen immer mehr zurückgehe und man dadurch zur Einstellung immer ivenigcr geeigneter Leute gelangt; dies vermehre die Zahl der Friedensinvaliden; es sei deshalb eriviinscht, eine Grundlage zu finden, wie sie die Frage an- deute. Die Vermehrung der Armee vermehre gleichfalls die Leute- not, denn die geivesencn Soldaten blieben in großer Zahl in den Städte» und kehrten nicht auf das Land zurück. Die Präsenzziffern 'eien unnötig hoch, das ganze Land werde gleichmäßig hierdurch geschädigt. Abg. Graf Arnim(frk.): Die Abnahme der ländlichen Bevölkerung habe mit den Präsenz- ziffern der Armee nicht so viel zu schaffen wie der Vorredner meine; lnsbesondcre spiel« der Bedarf der Marine hierin keine Rolle, noch eien Ueberschüsse vorhanden. Abg. Graf Klinckowström will auch Armee und Marine in dieser Frage auseinanderhalten, Wenn die Armee mehr kleine Garnisonen einrichte, werde derselben viel von ihrer Schärfe genommen werden. Abg. Gröber: Die Frage sei auch bezüglich der Marine von Bedeutung, denn auchssdiese entnehme ihre» Ersatz der Landbevölkerung; die Marine brauche gerade besonders kräftige Leute, die nur die Landwirtschaft liefere. Die Angaben des Vorredners verdienten allerdings gleich» älls alle Beachtung, aber dabei werde soviel Lokalpolitik getrieben, daß man schwer zum Ziele werde gelangen können. Abg. Prof. Haffe(natl): Man berücksichtige hier viel zu wenig den stetigen BevölkerungS« .Zuwachs von jährlich 800 000 Köpfen. Sorge»>an nicht für deren Beschäftigung und Ernährung, so würden bald Schlvierigkeiteu ent- tehen. Mau müsse weiter blicken und nicht auf die Fortdauer der gegenwärtigen Verhältnisse bauen; insbesondere solle man nicht den Marine-Ersatz als gefahrdrohend ins Feld führen. Abg. Müllcr-Fulda: Der Abgang der Arbciterbevölkenmg halte dem Zugaug voll- kommen die Wage; es ginge» immer>nehr Leute in allerhand be- qucme Beschäftigungen über, oder thätcn überhaupt nichts mehr, und das platte Land werde dadurch am meisten geschädigt. Das Land püre von dem Bevölkerungszuwachs nichts. Abg. Prof. Hasse: Müllers Allfllhrunge» dürften nicht unwidersprochen bleiben, die Statistik beweise daS strikte Gegenteil; es werde in Deutschland jetzt viel mehr gearbeitet als früher. abg. Bebel gffbt Znhlen, wonach die Landwietschnft allerdings eine Abnahme ihrer Arbeiter erfahren habe, während die selbständige» Unter- nehmer zunähnren; in der Industrie sei das umgekehrte Verhältnis der Fall. Abg. Miiller-Fulda: Die verminderte Arbeitszeit trage auch einen Ifceil der©dhulb an der Verschiebung der Arbeiterverhältuisse. Hiermit wird auch diese Frage verlassen Und zum letzten Teil der Generaldiskusston �„Schutzzölle" tibergegangen. Abg. Mttller-Fulda: Wenn man auf det einen Seite die Landwirtschaft in eine Kalamität bringt, so ist andrerseits ein besonderer Schutz für sie zu schaffen. Wir müssen daran denken, ihr bessere Zoll- vfe rhält nisse zu geben. Das muß schon bei Festsetzung beS Zolliarifs geschehen. Falsch aber ist der Gedanke der Landivirt- schaft, daß sie um der Gegenleistungen willen dahin streben müsse, auch der Grostiudustrie höhere Zölle zu der- schaffen. Denn wenn die GrcfeibbiifhU so gefördert wird, so wird der Landlvirtschost der Bedarf an industriellen Erzeugnissen verteuert. Das jetzige Unglück der Land- Wirtschaft ist eine Folge des industriellen Schutzzolls, der weit über das Bedürfnis HinanSging. Man hat 1878 die Lage ganz falsch beurteilt. Ich warne vor Konzessionen an die G r o tz i n d ll st r t e. Für die landwirtschaftlichen Zölle findet sich schon eine Majorität im Reichstag ohne die Grokindnstri«. Ich ersuche die Regierung dringend um Antwort auf unsre Frage. Die Stimmung im ganzen Lande würde sich gegen die Flotiettvorlage noch weil feindlicher gestalten, wenn die Landwirtschaft da? Karnickel sein soll, das bei den künftigen Handelsverträgen ab- geschlachtet werden soll. Abg. Graf Klinckowström: ES wäre zu erwarten gewesen, daß der Reichskanzler sZuruf: Er ist beim Zahnarzt I Heiterkeit) oder ein Vertreter desselben uns hier eine offizielle Erklärung abgeben würde. Staatssekretär v. Thtclmann: Namens der berbündeten Regierungen kann ich nicht spreche». denn ein Beschluh derselben liegt nicht vor. Die Verhand- liingen über den Zolltarif haben begonnen und es ist zu hoffen, dost wir ihn im nächsten Winter ober boch im Lauf des»ächste» Jahrs vorlegen können. Bei fteiner Regierung besteht die Absicht, die Land- Wirtschaft zu schädigen, da« kann ich versichern, ohne daß Beschiiisse vorliegen. Alle Regierungen sind bestrebt, der Landwirtschaft, die stellenweis schwer gelitten hat. zu helfen. Wieweit bieS in den ein- zelnen Fällen, bei jeder einzelnen Posttion des Tarifs dnrch Er- höhung der Zölle geschehen kann, das kann heut noch nie- in a n d sagen. Abg. Paasch«: Sine Beantwortung bezüglich der einzelnen Positionen hat niemand verlangt. Aber im allgemeinen wäre die gestellte Frage mit Bc- ftimmtheit zu beantworten. Staatssekretär THIelmann: Gerade die allgemeine Fassung der Frage macht die Beantivortnng schwierig. Was ist den» eine„aiigcmeffene" Erhöhung der Zölle? Was der eine für aiigcniesscn hält, hält der andre nicht dafür. Ich bin fest überzeugt, die Regierunge» habe» den besten Willen, die Landwirtschaft so gut es geht zu berücksichtigen und besser zustellen. alSeSjetztberFallist. Abg. Gröber(C.: Der Staatssekretär spricht nur für eine Person. Es handelt sich auch nicht darum, was man.wü» cht". Eine formelle Erklärung der verbündeten Regierungen ist er- forderlich. Die Negiermig würde sich sehr täuschen, wenn sie glauben sollte, sie brauche nichts besonberes mehr für diese Vorlage thun, als ob sie von selbst in den Hafen einliefe. Unsre Frage« stellung ist langst bekannt und doch erfolgt keine gentigeiide Ausknnft. Auch über die DeckimgSfrage sagt man uns nicht, was hierin mittlerweile geschehen ist. Wenn man lms keine b c- Zusicherungen gebe, so werde das der Vorlage zum grotzen Nachteil werden. Abg. Graf zu Stolbeeg änstert sich in gleichem Sinn. Die Erkärung eines einzelnen Staats sekretärs sei nicht von ausreichendem Schwergewicht. Abg. Graf Nrntm schließt sich dem Vorredner an. Der Bundesrat möge sich über die Frage schlüssig machen und seinen Beschlutz formell verkünden; es sei nicht schwierig, den Wunsch, wie er laut geworden, zu erfüllen. Abg. Bebel: Der Gang der Verhandlungen hat dahin geführt, daß es heißt! Entweder Erhöhung der Zölle oder keine Flotte' Wir hätten uns die Beratung der Frage betr. die Kosteiianfbringung ganz sparen können, denn, wenn die Zölle erhöht werden sollen, so kann man von den Mehreinnahmen und Zöllen voraussichtlich die M-hrl ausgaben decken. Wird der Getretdezoll nur auf ö M. erhöht so mutz eine erhebliche Mehreinnahme für da» Reich entstehen, da die Zufuhr von Getreide steigen wird. Es läuft also darauf hinaus. datz auch diesmal wieder trotz aller gegenteiligen«er- fich-rungen die arbeitenden Klaffen die Hauptlast«ragen sollen Die Agrarier aber sollen den Vorteil haben. Dabei ist es nicht nchttg. daß für die Landwirtschaft durch die Flotte ein erheblicher Nachteil entstehen kann, denn andrenfalls mützte dasselbe für die Heeresforderungen zutreffen, die doch stets von den Agrariern be willigt worden sind. Abg. Müller sC.): Abg. Bebel irrt sich; eine Erhöhung des Getreidezolls sei ja garnicht in Frage, denn es bestehe ja jetzt im Gcucraltarif ein v-Mark-Zoll und nur einige Staaten seien vorübergehend besser gestellt worden. Die Arbeiter würden nicht belastet werden, denn es seien an? höheren Zöllen keine Mehreinnahmen zu erwarten. Die Einfuhr werde abnehmen und eher eine Minder- einnähme herauskommen. Wir haben positive Steuervorschläge gemacht, die nur die Interessenten belasten. Abg. Prinz Arenberg(C.j: ES handelt sich um eine großartige Förderung und Betönung der überseeischen Interessen. Die Landwirtschaft fürchtet, man wolle in den Freihandel hineinsteuer». man werde die Schutzzollpolitik vernachlässigeil zu Gunsten des Exports. Eine Belastung der Arbeiter liegt nicht vor, denn wenn ihre Löhne steigen, so kann auch die Landwirtschaft Entschädigung verlangen. Es würde nichts nützen, wenn die Regierung mit Auflösung drohen wollte. Dazu wäre eine gute Wahlparole nötig, ober statt der Flotte würden dann ganz andre Fragen zur Parole werden, die nicht für, sondern gegen die Regierung ziehen würden. Abg. Graf Kltnckowström: Die Zollfrage soll nicht, wie Bebel sagt, mit der Flottenfrage verquickt werden. Die DecklmgSfrage bleibt durchaus bestehen. Die Getteidezoll-Frage behandeln wir nur nebenbei; die Land- arbeiter haben Vorteil von hohen Zöllen, das will Herr Bebel aber nicht zugeben. Abg. Richter: Kaum je ist soviel gegen die Flottenvorlage zu- sammcngetrage» Ivorden als heute hier. Es»vor interessant, datz Abg. Müller die Sammelpolitik zurückgewiesen hat; auch ich habe die Jndustriezölle nie gebilligt. Der Landarbeiter hat nichts von höheren Zöllen. Die Wirkung der Zollerhöhung sei nur das Anwachsen des Kapitalwerts der Güter, so datz auf die Dauer kein Vorteil für die Arbeiter entstehen kann. Der 5 Mark-Zoll steht allerdings im autonomen Tarif, er ist aber für alle ivichtigen Länder durch die Verträge ermäßigt. Thatsächlich will man also eine Er- höhilng, und durch diese erhöhten Zolleinnahmen sollen die Flotten- kosten bestritten werden. Die Einfuhr von Getreide wird durch die Zollerhöhung nicht abnehmen, da die Bevölkerung sicher zunimmt. Abg. Gröber: Es liegt keine Verquickimg der Zoll- und DcckuugSfrdge vor. Die offiziöse Agitation habe die ländliche Bevölkerung beunruhigt; »nr zu ihrer Beruhigung sind Zusicherungen der Aegiernng bezüglich des Schntzzolls nötig. Die Kostendeckung Foll aber nicht so geschaffen werden. Sie ist durch positive Vorschläge zu beschaffen. Wenn aus Zöllen sich Mehreinnahmen ergeben, dann sollen dles««utcr keinen Umstände» für die Flott« vtrwandt werden. Wie sie zu det- wenden sind, wird sich finden, aber ledenfalls sollen sie zu Gunsten det arbeitenden B e v öiJLs rNii g verlönndt werde»,?--- s Abg. Graf z« Stolbekg t Wir machen uiifre Znstinmmlig zur Flotki Nicht von. dem Ver- sprechen abhängig, daß die Zölle erhöht werden sollen. Äir slinnncn unter allen llnistänben für die Flotte. Aber Int Land, glaube ich, ivttden die Alisstchten der Vorlage sich bcffern, lveim eine Negestlng der Zollfrage im Interesse der Landlvirtschaft in sichere Aussicht gestellt wird. Abg. Bebel: Die Herren haben setzt ihren TtMidpiinN ettvNS wodlftzftrt. aber ich bin neugierig, wie sie sich verhalten würden, wenn clwa die von ihnen verlangte Erllänmg der Regierung nicht erfolgen sollte! Die Landarbeiter haben kein Interesse an höhere» Zölle»; sie haben nur in den selteiisten Fällen über ihren Fannllenbedarf hinaus Korn zu verkaufen. Ebenso hat die grotze Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe absolut kein Interesse an Zöllen. Wen» Herr Gröber sagt, seine Partei wolle ans den Zolleinnahmen nicht t die Flotte bezahlen, so�hat das gar leine Bedeutung. Sie Sit«««* I miitztr» rS dann im Gesetz selbst festlegen'. DaS würde aber allerdlnas schwierig sein; die Zolleinnahnien stießen einfach in die Rcichskasse mid werden für enistchende AitSgabcn verwendet, eine LoSlöstNig dieses Teils der Eiimahnien ist kaum zu erwarten. Ich wünsche, datz an diesen Zotifordcrmigen die ganze Sache scheitern möchte und cinc Auflösung des Reichstag« eintritt. Nach einigen Iveltern Bemerkungen der Abgg. Müller-Fuida, Kliiickowstrüm, Richter, Gröber wird die Debatte abgebrochen. Die Beratung soll DornmSiag mit dem§ 1 der Novelle fortgesetzt werden. Diese Beratung soll aber nur die Unterlage für die noch offene DeckimgSfrage bilden und noch keine bindenden Beschlüsse zeitige, l. O» Abg. Müller- Fulda hat zur Beratung deS§ 1 der Flotten Vorlage»och folgende Anfragen a» die Regierung gerichtet: 1. Wodurch erklärt sich die Notwendigkeit einer doppelten Schlachtflotte? Könnte die Absicht der verbündeten Rc- gieningen nicht auch dadurch erreicht weroen, datz die bestehend« Schlachtflotte«utcr Beibehaltung der jetzigen Zahl von AufiläriMgS Kreuzern und eines Flotteiiflaggichiffs zunächst eilte Vcrmchrmig um 8 Linienschiffe erfährt und später die ö Küsienpanzer durch weitere 8 Liineiischiffe ersetzt werden? 2. Ist die G e s ch w a d e r st ä r k e von 8 Linienschiffen un- bedingt ersordcrlich oder klliiiite auch die in der französische» Marine übliche Stärke von 6 Linienschiffe» pro Geschivader, evcnt. Ivenifistens für die Rcscrve-Schlachtflotte genügen? 8. Weiche Gründe werden für die gesetzliche Festlegung der Materialreserve geltend gemacht; weshalb kann solche nicht der jährlichen Festsetzung durch den Etat vorbehalten bleiben? ZSolitifchv Arbei-stchk. Berltn, den 23. April. Der Reichstag erledigte in der gestrigen sMtttwochs-) Sitzung seine ganze TageS- ordnung. ohne datz es zu einer ernsthaften Debatte gekommen wäre, lieber das ReichS-Scuchcngesetz, das vor eine Koms Mission vettvicsen wurde, sprachen noch zwei Fachmänner: der freikonservative Höffe! und der fortschrittliche Dr. Langerhans, die beide an einzelnen Teilen des Gesetzentwurfs Kritik übten. Die zwei letzten Plinkte der Tagesordnung, welche mit der Kolonialpolitik in Verbindung stehen(Ergänzung des Haushalts- Etats ftir die Schutzgebiete und Postdampfer-Verbindltngen mit Ostasrika), hätten wohl Anlaß zu einer Debatte im großen Stil bieten können. Allein zu einer Debatte im großen Stil gehört ein großes Interesse, und ein großes Interesse ninimt der Reichstag, in seiner Gesamtheit als Ganzes aufgefaßt. augcnblicklickj nur an einer Frage: dem Schicksal des Flottengesetzcs. Die Flottenvorlage ift und bleibt der Haupt- gegenständ des jetzigeil Sessionsabschnitts, obgleich die Agenten deS Flottensyndikats seit einiger Zeit wohlweislich sich sehr ruhig verhalten, weil sie begriffen haben, daß ihre bisherige Barnum- Spektakelagitatton dem Geschäft bloß geschadet hat. Die Kolonialpolitik ist zwar auch eine sehr wichtige Sache für die Herren GeschäftSpolittker. allein unmittelbar bietet sie doch nicht annähernd so große Vorteile wie die Flottenvorlage, und überdies hat die Regierung in der Kolonialpolitik aus Klughcitsrücksichten etwas gebremst. Hat sie die Flottcnvorlage unter Dach und Fach, dann kann es ja wieder heißen: mit Volldanips voran l Dem jetzigen Leiter der Kolonialangelegcnheiten, Herrn Buchka, sind unsre Kolonial-GcschäftSleute allerdings bitter gram— er hat, wohl der Not mehr folgend als dem eignen Triebe, sich erkühnt, gewissen Ausschreitungen und Schwindclpraktikcn entgegen- zutreten und das wird ihm von den Geschäftsfreunden der Leist, Peters, Arenberg niemals verziehen. So führte die Beratuiig dieser zwei kolonialpolitischen Gegenstände zu keiner lebhaften Debatte, namentlich zu keiner, die Kolonialpolitik principiell behandelnden Debatte, sondern nur zu einem ziemlich langweiligen Hin- und Herreden, gewürzt nur durch ein paar giftige Krippenbcißereien. Das Nachtrags»Etat- Gesetz wurde vor die Budget- komniission, das Postdampfer- Gesetz vor eine besondre Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr. Dritte Lesung des Vertrags mit Oestreich- Ungarn betr. das Urheberrecht; Resolutionen zum Haushalt; Berichte der Petitionskommission. Fleischsperre. AuL Nürnberg wird uns berichtet: Die.Tagespost" bringt einen Artikel, indem st« erklärt, warum die Mehrheit der Konservativen von der Forderung, datz daSjFleisch- schangesctz nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen werde, zurücktritt und sich auf das Kompromiß einläßt. Sie haben auf andrem einfacherem Wege zum Teil erhalten, was sie fordern. Der Reichskanzler hat dem Bremer Norddeutschen Lloyd auf Grund des Artikels 26 des Subventionsvertrags untersagt, bis auf weiteres frisches ausgeschlachtetes Fleisch, Butter und andre Molkereiprodukte, Getreide aus dem Ausland nach deutschen, niederländischen und belgische» Häfen mit Reichspostdampfern zu befördern. Zur Aufklärung über diesen Fall, der an sich nichts Un- erwartetes bietet, dienen folgende Erinnerungen: Bei der Dampfersubventions-Borlage nahm der Reichstag die folgende Resolution an: „Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, mit dem Norddeutschen Lloyd eine Vereinbarung dahin zu treffen, datz der Reichskanzler die Befligiiis erhält, landwirtschaftliche Produkte, welche mit der deutschen Landwirtschaft konkurrieren, mit Ausuahine von Tabak. Häuten, Fellen und Wolle, von der EinfUht durch die fyb- ventionlerten Dampfer nach deutschen, belgischen und holländische» Häfen auszuschließen." Graf Posadowsky hat sich damals— am 11. März 1898— mit dieser Resolution einverstanden erklärt und zu- gleich die Bereitwilligkeit des Lloyd erklärt, eins solche Bc- stimmung in den Vertrag anfzunehttten. Graf PösädöwSky gab die bündige Versicherung ab, daß die Regtentngen„denNorddeutschen Lloyd vertragsmäßig verpflichten werden, daß er auf seinM sub- ventioniecwn Linien kein Getreide, was niit deutschen kon- kurriert, also nicht die vier Hauptgetreidesorten, ferner kein Fleisch und keine Molkereiprodnkte'einführt."„Wir werden", fügte Posadowsky hinzu,„den Paragraphen auch ferner so faffen, daß wir auch fortgesetzt die Berechkiguttg hctbett, weitere landwirtschaftliche Produkte, welche der deutschen Landwirtschaft eine schädliche Konkurrenz bereiten, von dem Transport auszuschließen". Tie damalige Erklärung des Grafen Posadowsky ging insofern noch über die Resolution des Reichstags hinaus, als der Staatssekretär für einen Teil der Produkte den Ausschluß obligatorisch zu gestalten versprach, während der Reichs- tag nur dem Reichskanzler die BeftigniS zuerkennen wollte, eine Sperre zu verfügen. Es scheint nun, als ob in den Vertrag, der zwischen dem Deutschen Reich und dem Norddeutschen Lloyd ge- schlössen wurde, dann eine Bestimmung ausgenommen wurde, die der Resolution, nicht der weiter gehenden Erklärung des Grasen Posadowsky entsprach. Es ist ferner anzunehmen — sofern die Nachricht des Nürnberger Blattes korrekt ist— daß der Reichskanzler von seiner Befugnis bisher keinen Ge- brauch gemacht hat und jetzt erst— um die Agrarier ein wenig zu beschwichtigen— den Lloyd an feilte Verpflichtling erinnert hat. Auf diese Weise wird ohne Gesetz— die Einfuhr voil Fleisch erheblich erschwert, wenn sie auch nicht auf anderen Wegen gänzlich verhindert werden kann. ES zeigt sich jetzt, wie bedenklich jene Bestimmung war." Eiuzrlstaatllche ZuchthanSvorlagcn. Immer deutlicher tritt die Erscheinung hervor, bah nniimehr in den Sinzelstaaten versucht wirb, einzelne Bestimmungen der Zucht- hauS-Vorlaqe durchzusetzen. So hat eben der Lübecker Senat da» Streikposten st ehen inttcr Strafe gestellt, indem er folgende Verfügung erließ: „Personen, welche planmäßig zum Zwecke der Bcobachtuiig oder Beciiiflussiing der Arbeiter einer Arbeitsstelle oder des Ztizugs von Atveitern zu einer Arbeitsstelle an einem öffentlichen Orte sich aufhalten, werden mit Geldstrafe bis zu ISO M. oder mit Haft bestraft." Der Lübecker Senat matzt sich damit einen Eingriff in bie Regelnug des Kvalitionörcchts an, die dem Reich obliegt.— AeuWes IMch- DaS Abgeordiietenhanö erledigte am MiitwoeQ«in» Anzahl Petitionen. Eme agrarische Petition u»> Zollschutz für den Kartoffel-, Gemüse- und Obstbau wurde gegen die Stimmen der Freisinnigen der Negiermig zur Berücksichtigung überwiesen. Am Donnerstag wird die Vorlage betreffs Zwangserziehung Minder- j ähriger beraten.— Znr Förderung des Handels sollen angeblich— dem deutschen Volke nach der ncnen Flottenvorlage während der nächsten zwanzig Jahre rund 6 Milliarde» ansgcprctzt werden. Welche Förderung dabei in Wahrheit unser Handel erfahrt, dafür heute nur zwei Beispiele: In Meincl ist infolge einer im Herbst eingetretenen Per- fandnng deS HafenS eine vollständige Blockade über den Hafen verhängt. Ein blühender Handel von KV Millionen an AnSsnhr und Cnusnhr ist dadurch v o l I ft ä» d i g lahmgelegt. Das„Memrler Dampfboot" schreibt u. a.: „Die Versandung ist bezeichnenderwetse durch dieselben Stürme veranlatzt, deren Wirkungen ans die Landstriche am Kn tischen Haff vor wenigen Wochen lang und breit im preußischen Abgeordneten- hanö besprochen ivorden find, während uin die weit schlimmeren, viel weittragenderen Schädigungen, die der Hafen von Meinel dadurch erlitten, sich bis heute— in Berlin wenigstens keine Seele zu künnner» scheint. Und dabei ist die Situation, ivie ohne Ueber- treibimg gesagt werden kann und mutz, eine ganz verzweifelte. In Men>el lagert zum Beispiel Holz im Wert von vielen H u» d e r t t a u s« n d« n, da» seit dem vorigen Jahr verkauft und bereit« bezahlt ist. das aber vom Käufer nicht abgeholt werden kann, weil dl« ent- sprechend grotzen Schiffe nicht in den Hafen können. Da ist es denn sehr wobl begreiflich. wenn dies«»nd andre Abnehmer den Abschluß neuer Geschäfte mit dem Memeler Platz einfach ablehnen. ES ist iveit gekommen, wenn in öffentlicher Stadt- verordneten-Sitzung von hervorragender Stelle ans— einer Stelle, deren ruhige Sachlichkeit und besonnenes Urteil über jeden Zweifel erhaben sind— die Acrstcherung ausgesprochen wird, datz der Handel Memcls vor dem Ruin stehe, datz«S mir eine Frage der Zeit sei, datz sich unser Handel nach Lidan ziehe, und datz den Memeler Grotzkaufleuten schließlich nichts andres übrig bleibe, als ebenfalls nach Libau auszulvandern. Die Blockade wäre durch die Thätigkcit einer Anzahl leistungS- fähiger Bagger zu beseitigen, allein für solche Knlturzwecke ist kein G e l d v o r h a n d e n! Das Blatt«nvähnt den» auch in seinem heiligen Zorn, wieviel Milliarden man jetzt zur Belebung deS überseeischen Handel» in allen Zonen der Welt für neue Kriegsschiffe verlangt, indes man„einen verkehrsreichen preußischen Hafen in j ä»t m e r lich er Weise zu Grunde gehen läßt, eine an sich schon schwer um ihre Existenz ringende Stadt und damit einen ganzen, mit G l ü ck s g ü t e r n tu a h r l i ch nicht g e- segneten Landstrich an den Bettelstab bringt." Gegen eine Forderung von 2t/2 Millionen zur Verlängerung der Südennoole soll, obwohl der Oberpräsident, das Ministerium der öffentlichen Arbeiten, das Handelsministerium und das Reichs- marineamt daS Projekt befürworten, Herr v. Miquel„gewisse Bedenken" hegen.... Das Kulturbild Nr. S entwirft die„Ostsee-Ztg." mit folgenden Studien: „Wir in Stetttn dürfen un» mit dem erhebenden Bcwntztscin trösten, daß der Berlin-Stettin er Grotzschiffahrts- weg eine liebliche Blume in dem Kanalstrautz bildet, den sich die Regierung um den Mittellandkanal gewunden hat. eine Blume, die sie'sich unter keinen Ilmständen daran« wird heransznpfen lassen, weil sonst die Farbrnharmonie des Strautzes leiden könnte I Und diese Schönheitsriicksichten müssen un» auch genügen, wenn die Blume Äroschiffahrtsweg schlietzlich mit dem gaitzen übrigen Strauß in das Herbarium der' wohl ersonnenen, aber nicht ausgeführten Projekte gelange» sollte. Und wenn die ehemals reiche Blüte, Stettins Handel genannt, darüber mit vertvelkt und zu Grunde geht. so kann ja die Regierung die Berichte über dieses Hinsterben ihrem vvlerwnhiiten Herbarium mit einverleiben als lehrreiches Beispiel dasiir, wie man es anzufangen hat, einen einst blühenden Handelsplatz von Regie rungs wegen systematisch umzubringen!" Die ariißliche Flotte. Die„Deutsche Tageszeitung" stellt wiederum fest, Latz die Stimmung in ländlichen Kreise»„flauer und ungünstiger" geworden isll Wcltpolitik ohne kraftvolle Heimpolitik sei eine Politik der Zerfahrenheit und der Kraftlosigkeit. Unter kraft- voller Hcimpolitii versteht das Organ des Bunds der Landwirte natürlich eine kraftvolle Lebeusmittci-Wucherpolitik.— Ein Aergernis für die fAlltentschen. Der Berliner Korrespondent des„Telegraph" will von der englischen Botschaft in Berlin dahin istformiert worden sein, das} die A n r e g u N g zur Sammlung für die hungernden In Vier von keinem geringeren als Wilhelm II. selbst ausgegaiigen sei. Die in England finanziell engagierten Bankiers, die Mendelssohn, Warschauer und Bleichröder, seien auf die Idee sofort voller Freude eingegangen, um England zu beweisen, dast in den Kreisen der deutsche» Hoch- finanz das englandfeindliche Toben der agrarischen Elemente auch nicht das allerleiscste Echo gefunden habe. Das Erbarmen der Bankiers für die verhungernden Hindus tväre also nur der unlauteren Absicht entsprungen, eine profitable euglandfrcUIidliche Dc?nonstratiou zu inseenieren: „Ich erfahre aus unanfechtbarer Quelle", fährt der Korrespondent fort(die Quelle ist also die britische Botschaft),„daß die Reise des Kaisers nach Altona den Zweck hatte, der Welt zu zeigen, das) die kaiserliche Politik eine solche absoluter und loyaler Freundschaft für G r o tz b r i t a n u i e n ist und das; kein feindlicher Borschlng gegen England einen Augenblick in Berlin Gehör finden würde. Diese politische R i ch t u ii g s l i u i e wurde im vorigen Herbst in W i n d s o r festgelegt. Ein wichtiges Zeiche» der Zeit ist, das; die militärischen Kreise jetzt vollständig die Ansichteli des Kaisers teilen und von allen denjenigen hierin unterstützt werden, die den Reichtum und den Wohlstand des Laiides vertreten. Da hier von„unanfechtbarer" Seite behauptet Ivird, daß die kaiserliche Ueberraschungsfahrt nicht die verwandtschaftliche Zu- »eiguug des Neffen zum Oheim, sondern die politische Äerbindung zweier Nationen zum demonstrativen Ausdruck habe bringen wolle», darf man auf die Aeußerungen der„nationalen" Presse ge- spannt sein.— Der Esel ein Luxnsgegenstand. In der amtlichen Bc- gründmig zu dem Gesetz betreffend die Postdampfervcrbiuduug mit Afrika heißt es S. 142 wörtlich: „Der Rückgang(in der Einfuhr nach Transvaal) trifft Haupt- sächlich Luxusartikel, wie Spirituosen, Musikinstrumente, Galanteriewaren. Pferde und Esel." So stiid also in Deutschland die Esel von RegicruugZ wegen zu Luxnsgegenständen erklärt. Glückliches Deutschland I Jetzt sind wir doch sicherlich reich genug, unsreil weltpolitischen Ruhm zu bezahlen.— Stuttgart, 24. April. Nach vierwöchentlichcr Pause wurde heute der württembergische Landtag wieder eröffnet. Es erfolgte zu- nächst die Vereidigung der neugewahltcn Abgeordneten von Ehingen, Nagold und Welzheim und dcS neuen Kanzlers der Universität Tübingen. der nach der Verfassung auch der Zipeiten Kammer angehört. Die Demokraten gedenken, wie aus einer Geschäftsorduuugs-Bcmerkimq ihres Führers Hausmann zu entnehmeu war, die Wahl des Deutsch- parteilers Hieber in Welzheim anzufechten. Unter den Eingängen, welche den zuständigen Kommissionen überwiesen wurden, befindet sich der Entwurf einer linkSufrigcn N e ck a r b a h n Stuttgart- Plochingen.— Man erwartet bereits nicht mehr, daß die Steuer- reform die letzte Tagung des zu Ende gehenden Landtags noch beschäftigen wird. _ Zum Kanister Mord. Die„Berk. Korrespondenz" meldet amtlich über die„AnS- schreitungen in Könitz und Umgegend": Die aus Anlaß des Konitzer Mords in Könitz selbst und in ver- schiedenen Ortschaften und Umgegend vorgekommenen Unruhen habe», wie bereits gemeldet, den Minister des Inner» veranlaßt, den Geheimen Ober-Regicrungsrat Maubach als Kommissar an Ort und Stelle zu entsenden. Wenngleich die von dem Letzteren angestellten Ennlitlmigen ergeben haben, daß die in der Lcffentlichkeit verbreiteten Mit- teilungen über diese Vorgänge zum Teil übertrieben sind, so hat doch an einzelnen Stellen das Vorkommen bedauerlicher Ausschreitungen festgestellt iverden müssen. Dies hat dazu ge- führt, daß die polizeilichen Exekutivkräfte da, wo sie sich zur Unter- drückung der Unruhen und zur Verhütung weiterer Exzesse nicht als ausreichend erwiesen haben, sofort durch Heranziehung auS- wärtiger Gendarmen verstärkt worden sind, Es«st dies ins- besondere in Baldenburg und Prechlau(Kreis Schlochau) und in Vandsburg(Kreis Flatow) geschehen. Femer hat der Herr Minister die schleunige Entsendung einer Anzahl von Gendarmen aus den Regierungsbezirken Danzig und Vromberg zur Verstärkung der' Gendarmerie der Kreise Könitz und Flatow. namentlich auch zur Verwendung in E z e r s k und Wielle(Kreis Könitz) angeordnet. Der Kommissar des Herrn Ministers wird sich heute abend wiedtt an Ort und Stelle begeben, um die Ausführung der ge- ttöffinen Maßnahmen zu Überwachen und nötigenfalls weitere An« orditungen zu treffen.—_____ Chronik der MajestiitSbeleidigungS-Prozefse. AnS Halle a. S., 24. April, wird uns berichtet: Der Arbeiter Ehriftian G r ü n d l e r, der mit feiner Dcnnnziatio» dem Maurer Thiclicke am Sonnabend vor der Strafkammer lvcgen Majestäts- delcidigimg'zu vier Monaten Gefängnis vcrhalf, wurde heule vom Schöffengericht wegen des damit in Verbindung stehenden HauS- friedcnsbruchs zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es. daß Grüudler ein vielfach vorbestrafter äußerst brntaler und gewaltthätiger Mensch sei, der den Thielicke uurwegenMajestätSbeleidigungdennnziertbade. um die Anklage wegen Hausfriedensbruchs zu verhindern. Gründler babe nicht etwa aus patriotische» Gefühlen, sonder» aus purer Rache gehandelt. Kusland. Oestreich-Ungarn. Diökrete Vorgänge im Kaiferhanse. Man schreibt uns aus Wien: Wie empfindlich man in dem Habsbnrgschen Kaiscrstaote gegen sedc öffentliche Erörterung Über intime Vorgänge in der Dynastie ist. zeigt das sellsanle Urteil, daß dieser Tage ein Wiener Gericht an-gesprochen hat. ES handelt sich dabei um die angebliche Ver- hciratnng des östrcichischcn Thronfolgers, des Erzherzogs Ferdinand d' E st e, der als der älteste Sohn des ältesten Bruders des Kaisers, dcS vormaligen Erzherzogs Karl Ludlvig. der nächste Anwärter auf de» Thron ist. Vor einiger Zeit ist nun das Gerücht aufgetaucht, der Erzherzog, der schon im reifen Maunsalter steht, stehe vor der Absicht, eine Gräfin Chotek morganatisch zu ehelichen. Ein Wiener Scnsationsblatt veröffentlichte sogar am 22. Februar einen Artikel, worin unter An- führung einer llusumnie vo» Details gemeldet ivurde, die Heirat deS Erzherzogs habe bereits stattgefunden. Das Blatt ivurde koufiScicrt und in dem gerichtlichen Verfahren über diese Beschlag- »ahme erkannte nun das Wiener Preßgericht darauf, daß der Inhalt des Artikels eine Ehrfurch tö Verletzung gegen ein Mitglied der kaiser- licheu Familie begründe— nach dem östreichischcn Recht erstreckt sich der Schutz von.Majestätsbclcidiguiigl!»" auf alle Glieder der Dynastie—, und zwar deshalb, weil jede öffentliche Erörterung von„diskreten Vorgängen" der kaiserlichen Familie vor deren amtlicher Kundmachung«ine Verletzung der schuldigen Ehrfnvcht vorstelle. DaS Urteil ist schon sprachlich falsch, denn die Diskretion ist ja keine Eigenschaft von Dingen, sonoem ein Erfordernis bei deren Beurteilung, geschlveige denn, daß eS juristisch haltbar wäre. Es zeigt aber sehr deutlich, welch' enge Grenzen in Oestreich der öffentlichen Diskussion über Vorgänge inner- halb der Dynastie gezogen sind; ein Umstand,' der zu dem Glauben an die dynastische Gefinmmg der Oestrcicher nicht unwesentlich beigetragen hat. Die Frage hat über- dies eine staatsrechtliche Bedeutung, denn die Deöccndenz eines Monarchen, der morganatisch verheiratet ist, wäre wohl in Ungarn erbberechtigt, nicht aber in Oestreich. Würde übrigens der Grundsatz, den das Wiener Gericht verkündigt hat, allgemeine Geltung erlangen, so wären die Socialdemokratcn wohl die letzten, die sich darüber beklagen würde»; ihnen ist ja das Leben der Höfe Privatsache. Aber die bürgerliche Presse wäre um ein beliebtes Repertoirestück ärmer, Vielleicht würden aber auch die Dhnastcn Einspruch erhebe», denn die beriihmte»„kleinen Züge aus dem Leben" sind dach ei» altbewährtes Mittel, um die Völker in dem monarchi- schm Glauben zu erhalten._ Prag, 24. April. Landtag. Fortsetzung der Beratung des An- trags Pacak betreffend die Durchführnng deS gleichen Rechts der czcchischcn Sprache bei den Gerichts- und Staatsbehörden in Böhmen. Fort führt aus, es sei notwendig, eine» moäus vivendi zu schaffen und den berechtigten Forderungen der Czcchen im Interesse des Landes und des Staats zu entsprechen. Redner lvcisi ans dic ExpansivitätDcutsch- lands hin und sagt, es müßten solche Vcrhättinsse geschaffen werden. daß Oestreich ein Bollwerk für künftige Zeiten besitze. EppiNger erklärt, die von den Deutschen angestrebte nationale Ab- grenznng entspreche den heutigen ihntsächllchcn Vcrhäliiiisscn. Seine Partei ivcrde gegen den Antrag stinimen. Bucqnoi erklärt, seine Partei stehe auf dem Standpunkt, daß Oestreich mir Parteigenossen, das Partciblatt in eignen Verlag zu nehme», für' durchaus berechtigt. Selbstverständlich aber müßten die Nüriiverger Parteigenossen die erworbenen Rechte OcrtelS rcspekttren und sich auf irgend eine Weise mit ihm abfinden, lieber den finanziellen Stand des Blattes könne der Parteivorstnnd keinen Aufschluß geben, da er darüber nicht niitcrrichtet sei. Genosse Oertel habe ihm mir einmal mitgeteilt, daß das Blatt im Iahte 1837 esticil Reingewinn von 3000 M. abgeworfen habe. Nach der Rückkehr der Delegierten wurden dlr Verhandl, mgen wieder anfgenömmen und Oertcl, auf dessen versprochene» Vorschlag vergebens gewartet wurde— NM endlich eine Basis zt> Ver- Handlungen zn haben—, in enicr Ende Oktober 1803 abgehaltenen Sitzung folgender Antrag unterbreitet:; 'Der'Verlag der„Frnlikischcii Tagespost" geht am 1. Januar 1300 in das Eigentum des Socialdc'iiiokratischcn Vereins Nürnberg- Altdorf über.'_ Eine Entschädigung wird an den seitherigen Inhaber des Verlags nicht bezahlt. Als juristischer Eigentümer des Verlags wird eine, offene andelSgesellschaft nach dem Muster der Firma Auer u. Co. in ambnrg vorgeschlagen. Mit der Finna Wörlein u. Co. ist ein borläufiger Dnickvertrag auf 3 Jahr« abzuschließen. In dieser ncincinschaftltchen Sitzung erklärte Oertek, dies« An- träge seien für ihn unäimchmbar; die„Tagespost" sei der Grundstock der Dnicfercs, nehme man ihm den Verlag der„Tagespost" weg, dann wäre er finanziell riitniert. Dt« vorstandschoslen«rtlärtcn. daß sie nicht im minbesten die Absicht leite, ihn zu r»Uii«r«N, sondern diese Anträge entstammten ja den«tgciieii filuSfüijnmgcn des Genossen Oertel, daß er nicht länger gewillt sei, da« Defizit der „Tagespost" m>S seine» eigenen Mittel» zn decken. Wenn eS richtig sei, daß die„Tagespost" 1837 nur 3000 M. Ueberschuß abgeworfen habe, so sei es ausgeschlossen, daß der Ausfall diese» Betrags bei dem Umfange seines UntcriichmenS Oertel geschäftlich niinicrc. Würde der Verlag von der Partei nbeniominen. steige die Auflage deS Blattes sicher so. daß dieser Betrag am Druck wieder eingebracht werde. Wenn diese Anträge für ihn(Oertcl) nnamiehinbar seien, dann bräche» sie(die Vorstandschasten) die Vcrhaiidlnngcn vorläufig ab und ersuchten ihn, daß er ihnen cincn andren Vorschlag unterbreite, wie die Prcßfrage geregelt werden solle. Die Verhandlungen wurden bann auf den 21. Noveniber der- tagt; bis dahin wollte Oertcl seinen Vorschlag unterbreiten. Ferner wurde beschlossen, zn dieser Verhandlnng ei» Mitglied des Partei- Vorstands beiznzichen. In dieser Sitzung, In der der Parteisekretär Auer anwesend war, machte nun Genosse Oertel folgende Vorschläge: Er sei bereit, den Verlag gegen eine Entschädigung von 5000 M. abzutreten, wenn mit ihm cm Dnickvertrag auf fünf Jahre abgeschlossen werde, Von einem VorstandSmitgllede wurde Oertcl der Vorschlag ge- macht, auf die Entschädigung von 5000 M. zu verzichten, dafür aber den Verlag biS 1. Januar 1301 zn behalten. Oertcl lehnte diesen Vorschlag ab mit dem Bemerken, daß er froh sei, wenn er sich den Verlag vom Halse schaffen könnc. Die Vorschlage OerttlS ivilfden einstimmig angenommen. Die Bcratniig des DrnckvertragS sollte noch vor dem 1. Januar 1900 stattfinden. Oertel wurde ersucht. diesen auszuarbeiten.« Die weiteren Vorarbeiten wurden im EiiwerstAndinS Mit Oxrtek erledigt. Anfang Januar 1300 tviipde Oertel»ochmals mitgeteilt, daß die Vorstandschaft dcS Socialdemokratischen Vereins durch die minmehr erfolgte Ausschreibung der Ncdactcnrö- und GcschäftSfiihrerstclle veranlaßt fei, in der Generalversammlung, die am 25i Januar im Saal des„Sächsischen HofS" stattfinde, offizielle Mitteilung über die am 1. Juli erfolgende Ucberuahme der„Fränkische» Tagespost"«nid „Fiirthcr Bürgcrzeitung" in den Parlcivcrlag zu machen. Oertel war damit einverftaiiden. daß diese Mitteilung qemncht werde und entschuldigte sich ausdrücklich wegen seines Nichterscheinens in. der Verjammiung. Der Bericht der Vorstandschaft wurde in der Generalversainm- limg allseitig mit freudiger Zustimmniig entgegen gcnouune» und die llebernahme des ZeitnnasverlagS einstimmig gutgeheißen. Einem Vorstandsmitglied, mit dem Genosse Oertel Mitte Februar 1900 über den abzufassenden Druckvertrag sprach, teilte er mit, er wäre über einige Fragen des Druckvertrags mit sich noch nicht im Klaren, Auf dem Gautag in Bamberg am 11. Februar ds. Js, nahm Oertel als Mitglied des bayerischen Landcsvorstands zu dem Punkt „Presse" das Wort und betonte, dag, nachdem die beiden größeren Pnrteiblätter in Nürnberg und Fürth in den Parteiverlag am 1. Juli 1900 übergehen, auch mit den noch übrigen Parteiblättern inNorfr baycrn ein andres Arrangement wie bisher getroffen werden müsse So weit waren die Vorarbeiten gediehen, als Genosse Oertel am 18. März von seinem tragischen Geschick ereilt wurde, dem am 4. April erlag.— Wir überlassen es nun unsren Parteigenossen und allen ehrlich denkenden Männern, sich ihr Urteil über diese vielbesprochene Sache selbst zu bilden." Partcilitteratur. Ende dieser Woche erscheint in der Buch Handlung Vorwärts, Berlin, Beuthstr. 2, eine Broschüre Wcltkrach und Weltmarkt. Eine weltpolitische Studi von Franz Mehring, zum Preise von 25 Pf. Diese Schrift. eine Separatausgabe der vom Autor im„Vorwärts" veröffentlichten Artikelserie, behandelt die brennende Tagesfrage der Weltpolitik und die Stellung der Arbeiter dazu. In 5 Kapiteln über die Weltpolitik des k a p i t a l i st i s ch e n Absolutismus, des bürgerlichen Handelskapitals im 17. und 18 Jahrhundert, der Groß i n d u st r i e und des krachenden Kapitalismus werden nicht nur die historischen Zusammenhänge erörtert, die zugleich ein Bild der Entwicklung des Kapitalismus vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenivart geben, sondern auch ihre Verschiedenartigkcit nach socialpolitischen Voraussetzungen der einzelnen Länder. Die Kenntnis dieser historischen Znsammenhänge, die den Schlüssel zum Verständnis der heutigen Streitfrage liefern, dürfte für die Parteigenossen eine willkommene Bereicherung ihres Wissens bilden. In zwei weiteren Kapiteln: Weltpolitik des Deutschen Reichs und die des deutschen Prole- t a r i a t s wird dargelegt, wie die durch den Schwindelgeist ihrer Unternehmer verkrachte Industrie gemeinsame Sache mit der Reaktion macht, um durch Krieg und Schutzzölle eine weitere Galgen- frist ihrcr'Herrschaft zu erlangen, und wie dem gegenüber die Auf- gäbe der Arbeiterklasse in dem Worte liegt: Friede und Frei- h e i t. Im Schlußkapitel: Arbeiter und Flottenvorlage faßt Mehring die für die deutsche Socialdemokratie sich ergebenden Pflichten zusammen: Festhalten an der alten principiellen Fahne der Partei I Wir glauben, daß diese zeitgemäße Schrift zur Aufklärung der Arbeitcrkreise viel beitragen wird und cnipfehlen den Genossen deren Anschaffung. Bei de» Stadtverordneten- Ersatzwahlen in Elmshorn, die infolge der Vorgänge mit der Einladung Köllers notivcndig ge ivorden war, sind unsre Parteigenossen unterlegen. Auf die Kandidaten unsrer Partei fielen 217, 213 und 219 Stimmen, dsc Gewählten erhielten 368 bis 390 Stimmen. Bei der vorigen Wahl betrugen unsre Stimmenzahlen 304 bis 314. Bon der ungarländischen Parteileitung werden wir um Abdruck der nachstehenden Erklärung ersucht, die durch die tendenziöse, die Vorgänge entstellende Art der Berichterstattung über den letzten Kongreß nnsrer Genossen in Budapest veranlaßt wurde, und auf dem Parteitag selbst von 200 Delegierten gegen eine Stimme au- genommen wurde. Dieselbe lautet: „Die vom bürgerlichen Journalisten Paul Engelmann an ausländische Partei- Organe, besonders an die Wiener„Arbeiter� Zeitung", gesandten Berichte strotzen von Verdrehungen, Eni stellungen und von blindem Haß diktierten Verleumdungen. Deshalb hofft der Kongreß, daß die ausländischen Parteiblatter von nun an nicht mehr einen notorischen Verleumder mit der Berichterstattung aus Ungarn betrauen. Diesen Antrag haben alle zur Partei gehörigen Blätter zu veröffentlichen und sind davon die ausländischen Brudcrparteien zu verständigen." Wir haben seiner Zeit nach dem Bericht der„Wiener Arbeitev Zeitung", den wir natürlich auf seine Richtigkeit nicht nachprüfen konnten, etwas über den Kongreß mitgeteilt. Weitere Berichte darüber standen uns nicht zur Verfügung, so namentlich nicht unser Budapester Parteiblatt, dessen Expedition so mangelhaft ist, daß es uns oft Ivochenlang nicht zu Gesicht kommt. Berlin und Umgcgcud. Ei» Gewerkfchaftökartcll der christlichen Gewerkschaften ist für Berlin und die Vororte geplant. Die Vorstände der christ- lichen Gewerkschaften haben sich in einer Sitzung zustimmend ge- äußert. Man gedenkt durch diese Organisafion mehr durch öffe'nt- liche Versammlungen auf die Arbeiterschaft einzuwirken. Außerdem wurde in dieser Sitzung beschlossen, das Geivcrkschaftsorgan „Arbeiterschutz" lvie bisher den Mitgliedern zuzustellen. Der Obniann der Sektion der Maurer, Wiedeberg, teilte mit, daß die Mit- gliederzahl seiner Sektion 3000 übersteigt, man beabsichtigt ein eignes Fachorgan zu gründen. Deutsches Reich. Dürfen Frauen Mitglieder einer Gewerkschaft sei»? Nach- dem durch Reichsgesetz das Verbindungsverbot politischer Vereine aufgehoben ist, hat der H 8 des preußischen Vereiusgesetzes die Ein- büße erlitten, daß strebsame Polizeibeamten nicht mehr, nachdem sie glauben, den politischen Charakter der Gewerkschaften ergründet zu haben, mit einem Schlage die Organisation auflösen können. Jedoch noch eine köstliche Gabe für polizeiliche Auslegungskunst ist dem Paragraphen geblieben: er verbietet, daß in politischen Vereinen Frauen als Mitglieder aufgenommen werden. Ge- stützt auf diese unklare Bestimmung des Gesetzes bemüht sich nun in letzter Zeit die Polizei, vielfach den Frauen die Zugehörigkeit zur Gewerkschaft abzusprechen. Mit welcher Begründung es geschieht, mag folgende Antwort auf eine von den Schuhmachern in Posen eingelegte Beschwerde zeigen: Königlicher Polizeipräsident. Posen, den 19. April 1900. Ihre Beschwerde vom 9. d. M. über das Verhalten des über- wachenden Beamten in der Versammlung vom 4. d. M. weise ich als ungerechtfertigt zurück. Der Verband will nach 8 1 Abs.» feiner Satzungen die Interessen seiner Mitglieder fördern„durch Erzielung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen, besonders durch Abschaffung der Aecordarbeit." Dieses Streben gilt also nicht einem speciellen konkreten Arbeitsverträge, nicht unmittelbar durch Verträge zwischen Arbeitgeber und Arbeiternehmer geregelten Lohn- und Arbeitsbedingungen, sondern eS zielt generell auf die Aenderung bestehender wirtschaftlicher Verhälfifisse ab. Derartige allgemeine Bestrebungen fallen aber nach der Entscheidung des Reichsgerichts vom 11. November 1887, Band 16 St. a 333, sowie nach andren Entscheidungen nicht unter den§ 152 der Gewerbe-Ordnung, sondern sie unterliegen den beschränkenden Bestimmungen des ß 8 des Ge- setzes vom 11. März 1350. Der überwachende Beamte befand sich daher im Recht, als er die Entfernung der Frauen aus der in Rede stehenden Versammlung der Zahlstelle forderte. v. H e l l m a n n. Wenn also jemand, der bisher im Accord arbeitete, seine Be- schäftigung im Lohn fortsetzt, so hat er nach dem Polizeipräsidenten v. Hellmann eine Aenderung der bestehenden wirtschaftlichen Verhältnisse vorgenommen. Er mag zufrieden sein, daß die Polizei nicht gleich einen Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschafts- ordnung in seinem Verhalten erblickt, dann könnte es ihn: noch schlimmer ergehen. So dürfen nur die Frauen sich an diesem frevlen Beginnen nicht beteiligen, den Männern ist es erlaubt, die bestehenden wirtschaftlichen Verhältnisse zu ändern. Das nennt man in Posen politische Gegenstände erörtern.— Eine kostbare Begründung die geeignet ist, gegen das bestehende Begriffsvermögen zu verstoßen. Lohnkämpfe in Krefeld. Seit dem 1. April stehen die Holz arbeiter in: Kampf um den Neunstundentag und eine zehnprozentige Lohnerhöhung. Die Pliester und Stuccatenre haben am OsteD sonnabend die Arbeit niedergelegt. Dieselben fordern den Zehn stundentag und einen Stundenlohn von 50 Pf. für Stuccatenre und 42 Pf. für Pliester. Die Arbeitszeit betrug IVVs Stunden. Bis jetzt haben zwei Unternehmer bewilligt, während die übrigen in einen Verband zusanunengetreten sind' und sich verpflichtet haben der Forderung nicht Folge' zu leisten. Zu diesen Ausständigen sind jetzt noch die Steinarbeiter kommen. Diese verlangen einen Stundenlohn von 50 Pf. und eine Arbeitszeit im Sommer von 10 und im Winter von 9 Stunden Auch die Unternehmer in dieser Branche haben einen Ring gebildet und lehnen die Verhandlungen mit der Lohnlommission ab.' Darauf- hin haben die Steinarbeiter beschlossen, nach Ablauf der Kündigungs- zeit, am 21. April, sämtlich auswärts in Arbeit zu treten, und die Sperre über die Werkstcllen Krefelds zu verhängen. Lohnkämpfe in Rheydt. Die Arbeiter haben sich bisher am hiesigen Ort der Arbeiterbewegung nahezu vollständig ferngehalten. umsomehr muß es überraschen, daß jetzt in mehreren'Berufen eine Lohnbewegung um sich greift. Die Bauarbeiter haben sämtlich Forderungen gestellt, hoffen aber, ohne Streik dieselben durchzusetzen Dagegen ist es bei den Textilarbeitern schon zum Streik gekommen Seit vorgestern sind 81 Färber der Firma Beines Söhne ausständig Sie verlangen zehnstündige Arbeitszeit, einen Wochenlohn von 21 M. für ungelernte Färber, für selbständige Färber 25 M. Anerkennung des Ausschuffes und humane Behandlung seitens der Vorgesetzten. Die Aussperrung der Schuhmacher in Tuttlingen, die nahezu 2000 Arbeiter betrifft, zeigt auch nach einem Verlauf von Wochen keine Aenderung und noch ist der Abschluß des mit so großer Rücksichtslosigkeit gegen die Arbeiter inscenierten Kampfes nicht abzusehn. Die Fabrikanten sowie auch die Behörde macht die größte Anstrengung, einen Teil der Ausgesperrten in die Fabriken zu locken. Dabei wurde gegen die Arbeiter die Drohung ausgesprochen, daß derjenige, der an dem von den Fabrikanten bestimniten Tage nicht kommt, in ganz Tuttlingen keine Arbeit bekommt, man stellte den hart ar- bettenden Lohnsklaven die schwarze Liste und Boykott in Aussicht. Man bietet alles auf, um die kämpfenden Arbeiter zu Streikbrechern zu machen, weil fremde Arbeiter nicht zugereist kommen. Vor acht Tagen kam vom Obcramt das Verbot des Strcikpostenstchens, und statt der Ausgesperrten nahmen Landjäger und Polizei vor den Fabriken Auf tellung, um den„Arbeitswilligen" ungehindert den Zugang zur Arbeit offen zu halten. Aber welche Enttäuschung für die Fabrikanten: niemand betrat die Fabrik, die Streikenden stehen noch wie am ersten Tage treu und fest znsamincn und erklären, daß sie nicht früher in die Fabrik gehen, bis die Forderungen bewilligt und die Uebelstände beseitigt sind. Der Kampf muß fortgesetzt werden. An die Arbeitev chaft Deutschlands richten wir den Appell: Laßt die Kämpfenden nicht in Stich, laßt die Fabrikanten nicht über uns triumphieren!_ Die Lohnlommission. VevlLnnntlnnsen. Wahlverei» für den sechsten ReichötagS-Wahlkreis. In der Generalversammlung, die am DienStag im Kolberger Salon stattfand, ehrte man zunächst das Andenken der verstorbenen Mit' flieder in der üblichen Weise. Dan» erstattete der Vereinsvorsitzende Kiesel den Vorstandsbericht. Deniselben ist zu entnehmen, daß im abgelaufenen Quartal 4 Bereinsversammlungen, 5 Vorstands ätzunge» und 2 Bezirksführcr- Konferenzen abgehalten wurden. Letztere beschäftigten sich unter andcrm auch mit der Frage der Neugestaltung der Organisation. Ein Beschluß des Vorstands geht dahin, daß von denjenigen Genossen. die aus einem andern politischen Verein zum Wahlverein über treten, kein Eintrittsgeld erhoben wird. Die Mitgliederzahl ist im letzten Vierteljahr von 4935 auf 5649 gestiegen. Von einer Streichung der Mitglieder, die länger als 3 Monat im Rückstand 'ind, hat der Vorstand abgesehen, weil er meint, es müsse erst ver- ücht iverde», die Säumigen an ihre Pflicht zu erinnern. Ueberhaupt olle sich jeder Parteigenosse angelegen sein lassen, in seinen Be- kanntenkreisen, in der Werkstatt ic. für den Wahlverein zu werben. Nach dem vom Genossen Tausche! erstatteten Kassenbericht beläuft sich die Einnahme auf 3042,65 M., die Ausgabe auf 2749,95 M.(darunter 1300 M. für Agitation). Es bleibt ein Bestand von 392,70 M. Von den Mitgliedern sind— wie der Kassierer mitteilte— 2163 länger als 3 Monate mit den» Beitrag im Rückstand. Dem Kassierer wurde einstimmig Decharge erteilt und darauf folgende Ersatzwahlen vollzogen: Rosenthal. Abteilungsführer für Gesundbrunnen; H a b a n tz, Abteilungsführer iir die Oranienburger Vorstadt; Abendroth, Abteilungsführer ür Gesundbnnlnen. Hierauf hielt Dr. Curt Freudenberg einen Vortrag, in dem er die Prostitution, ihre Ursachen und Folgen vom socialen und medizinischen Standpunkt beleuchtete. Nach Schluß des Vortrags kennzeichnete Kiesel unter allge- meiner Zustimmung das Treibe» des deutschen Flottenvereins, der. wie bekannt, in blindem Eifer für den WasserpatriotiSmus mit seinen Reklamen selbst socialdenwkralische Arbeitervereine nicht verschont und sich auch an den Wahlverein mit dem Ersuchen um Unterstützung der Flottcnschwärnrerci gewandt hat. Zu dieser Angelegenheit wurde ohne Debatte folgende Resolution angenonnnen: Die Generalversammlung des Wahlvcrcins für den sechsten Berliner Reichstags-Wahlkreis weist mit Entrüstung das Anerbieten des deutschen Flottenvereins, in diesen Verein einzutreten, zurück. Die Zusendung der Aufforderung beweist einen so hohen Grad von Unkenntnis des politischen Lebens und der Ansichten der Social- demokratie, daß wir nur mit Mitleid für die Arrangeure über die Angelegenheit zur Tagesordnung übergehen. Wir verbitten uns aber jede weitere Belästigung seitens des Flottenvereins. Unter andcrm gab der Vorsitzende noch bekannt, daß die Lieb knechtsche Broschüre:„Hochverrat und Revolution" in der nächsten Woche zur Ausgabe gelangt und alle Mitglieder, die nicht länger als drei Monat im Rückstand sind, die Broschüre in den Zahlstellen unentgeltlich in Empfang nehmen können. Die Korbmacher nahmen in ihrer Versammlung am 23. April den Bericht über den Streik entgegen. Ausständig sind noch 13 Mann, von denen wieder einige in Arbeit getreten sind. Da die Lohnsätze in den Fabriken sehr verschieden sind, so besteht die Ab- ächt, einen Tarif auszuarbeiten, nach dem die Ansprüche geregelt werden sollen. Die Maifeier werden die Korbmacher im Anschluß an die Holzarbeiter begehen, sie versammeln sich um 8 Uhr vor- mittags im Restaurant Stramin. Ritterstr. 123, uin sich von da auS nach dem Versammlungslokal zu begeben. Der Krieg. Die Operation zur Z u r ü ck>v e r f u n g der um W e p e n e r und bei Dewetsdorp stehenden Boeren ist im vollen Gange. Und zivar handelt es sich um eine Operation großen Stils. Man schätzt die Zahl der an der Aktion beteiligten Engländer auf 40 000 Mann, mit 150 Geschützen, denen etwa 10 000—15 000 Boeren gegenüberstehen sollen. Gegen Dewetsdorp rückten von Nordwesten(Bloemfontein) aus die 3. und 8. Division unter R u n d l e und Chermside vor, von Südwesten General G a t a c r e mit 3000 Mann, von Süden bedrohte ebenfalls eine englische Kolonne die unter B i l l i a r und D e w e t(?) kämpfenden Boeren. Die Abteilung des Oberst B e l- aty, die in Wepener eingeschlossen ist, ist im Westen und Süden von den Boeren umschlossen. Gegen letztere rückte von Süden aus General B r a b a n t vor. Von den Gefechten bei diesen Punkten liegen nun folgende Telegramme vor: Unter dem 23. d. M. meldet der„Standard" ans Bloc-'- fontein: Bei dem am Sonntag in der Nähe von Bloemfonic n stattgehabten Kampf rückten die Engländer nur langsam vor, da das Terrain keine Deckung bot. Fast drei Stunden vergingen, che nian'eine Wirkung des englischen Feuers auf die Boeren bemerkte. Nachmittags 3Vs Uhr konnte die Infanterie immer noch nickt gegen das anhaltende Gewehr- und Geschützfener der Boeren aufkommen. trotzdem ihr Angriff durch drei Feldbattcrien und SchiffSgeschiitze ge- deckt war. Erst bei Eintritt der Dämmerung, als die Umgehnngs- bewegung abgeschlossen war, erhob sich die Infanterie vom Boden und stürmte den Hügel. Die Verluste sind auf beiden Seiten gering. London, 24. April. Nach amtliche» Mitteilungen wurden bei Wepener auf feiten der Engländer vom 9. bis zum 13. April drei Offiziere und 18 Man» getötet, 14 Offiziere und 86 Mann ver- wundet; die Verluste der Truppenabteilnng des Generals Methucn bei Sivartzkopjefontein an: 20. April betrugen 2 Tote, 11 Ver- wundete, 11 Vermißte; bei Dewetsdorp am 20. April wurden zehn Mann verivundet. London. 25. April. Eine telegraphische Meldung des Lord Roberts aus Bloemfontein besagt, daß General Chermside heute morgen, ohne auf Widerstand zu stoßen, Dewetsdorp besetzte. Maseru. 24. April.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Die Boeren, die gestern vor General Brabant in der Richtung auf Wepener zurückgingen, rückten in der Rächt wieder einige Meilen näher heran. Brabant nahm eine gute Stellung auf der Strauß- Farm ein. Heute früh beschossen die Boeren die Garnison von Wepener heftig mit sechs Geschützen. Es stellte sich jetzt heraus. daß die Bcnnutung. Wepener sei so gut wie entsetzt, irrig war. Die Brigade nuter General Hart rückt der Division Brabant, welche auf sie wartet, mit wenigen Meilen Abstand nach. Maseru, 24. April, 10 Uhr abends. Bis jetzt ist die von Norden kommende britische Entsatzkoloune nicht in Sicht gekommen. Die Boeren leisten dem Vorstoß der Generale Hart und Brabant, welche heute nur geringen Fortschritt gemacht haben, energischen Widerstand. Es lausen hartnäckig Gerüchte um, daß der Boeren- General Olivicr mit 1500 Mann einen Augriff auf General Hart in dessen Rücken vorbereite. Nach diesen Tclcgranimen haben die Engländer Dewetsdorp besetzt, das von den Boeren während der Nacht aufgegeben worden war. Die Boeren dürften sich nach Wepener hin zurückgezogen haben, tun sich mit den dort stehenden Abteilungen zu vereinigen. Wepener selbst ist bis jetzt noch nicht entsetzt, da, lvie daS letzte Telegramm berichtet, die Boeren Brabants Vorrücken durch energischen Widerstand aufhalten. lieber T h a b a n ch u liegt heute keine Meldung vor, ebenso wenig vom Kriegsschauplatz in Natal Zur dortigen Lage schreibt nian der„Kab. Korr." aus Durban:„Die Lage der britischen Truppen in Natal ist eit;: ganz andre, als die Berichte der hiesigen Blätter und Korrespondenten sie erscheinen lasten. Ich komme soeben von Ladysmith und habe nach sorgfältiger Beobachtung der gesaniten Verhältnisse die Ueberzeuguug gewonnen, daß das englische Heer in Natal heute ebenso wenig lvie vor einem Monat an eine energische Offensivaktion denken kann. Die in Ladhsmith eingeschlossen gewesenen Truppen sind auch jetzt noch so mitgenommen durch Entbehrungen, Fieber und nicht zum geringsten durch eine allgemeine Demoralisation, daß sie als Feldtruppen für die nächste Campague überhaupt nicht mehr in Frage kommen. Beim Anblick dieser Tausende gebrochener, bleicher, schwankender Gestalten drängte sich mir immer wieder die Ueberzeugung auf, daß die Boeren von ihrem Standpunkt ans gar nichts Klügeres thun konnten, als das Heer Sir Georges Whites einfach eingeschlossen zu halten und als es ausgehungect und vom Fieber' dezimiert war, sich selbst zu überlassen. Hätten die Föderierten diese Garnison wandelnder Leichen als Ge- fangene fortführen müssen, so hätten sie sich, materiell wie moralisch, eine Last aufgebürdet, die sie in einem Kampf auf Leben mid Tod kaum zu tragen im stände gewesen wären. Taufende derselben wären zweifellos den Folgen der Belagerung erlegen, und iir alle diese wäre die Regierung derRepubliken moralisch verantwortlich gemacht worden. Daneben hätte ihre Bewachung eine nicht unbedeutende Anzahl in den bevorstehenden Entscheidungskämpfen unentbehrlicher Männer absorbiert. So fällt diese doppelte Last den Engländern zu. und die in Ladysmith vorhandenen Geschütze allein scheinen mir ebenso wenig derMenschenopfer wert zu sein, die ein Sturm auf die Stadt gefordert hätte. DaS Entfatzheer Butlers selbst hat unter den Strapazen des Feldzugs, der ungenügenden Nahrung, dem vollständigen Mangel an Schutz gegen die Witterung, und dem raschen Wechsel der Temperatur wie des Klimas überhaupt weit mehr gelitten, als man ich vorstellen kann." Letzte Meldungen. London» 25. April. Feldmarschall Lord Roberts meldet heute aus Bloeinfontein: Gestern abend traf die Division unter General Pole-Enreiv ohne Verluste in Roodekop ein. Der Vor- marsch der Division war durch Kavallerie und reitende Artillerie ge- deckt, die den Feind mit schweren Verlusten zurücktrieb. Heute früh überschritten die berittenen Truppen bei ValSbank den Modderfluß nach meiner dein General French gegebenen Anweisung, quer über der Rückzugslinie deS Feindes Stellung zu nehmen. Die Boeren gaben jedoch offenbar durch Frcnchs Erscheinen beunruhigt, ihre tarke Stellung bei Deivetsdorp während der Nacht auf und Cherm- rdo besetzte diese heute früh. Die berittene Infanterie unter Generalmajor Hamilton vertrieb, ohne Verluste zu erleiden, den Feind von allen Kopjes in der Nähe der Wasserwerke. Die Hochland- Brigade hatte gestern, um Hamilton zu Hilfe zu eilen, einen Marsch von 24 englischen Meilen ausgeführt. Nach- dem nunmehr Dewetsdorp besetzt ist. ist es nicht wahrscheinlich, daß sich um Wepener herum viel weitere Schwierigkeiten ergebe» werden._ Uvtzte MKchviLxten und Depeschen. Schutz vor Schntzlenten. Köln» 25. April.(B. H.) Die Kölner Strafkammer hatte sich wiederum init einem Kölner Schutznrann zu. befassen, der ein Ehe- paar mittels eines Spazicrsstocks, in dem eine Eisenstange verborgen war, schwer mißhandelt hatte. Der Ehemann Ivar infolgedessen wockcnlang arbeitsunfähig. Das Gericht verurteilte den Angeklagten tvegen dieser überaus brutalen Mißhandlung zu zwei Monaten Gefängnis.- Der Staatsanwalt hatte vier Monate beantragt. Humanität für Bestien. London, 25. Aprrl.(W. T.hB.) Die britischen Delegierten unterbreiteten der afrikanischen Jagdschutz« Konferenz den Entwurf eines internationalen UebereinkommenS zum Schutze des WildeS in Afrika._ S. H.) Infolge von Erdrufichungen be- und die Ortschaft Wurmberg in großer Graz, 25. April.( finden sich das Schloß Gefahr. Budapest, 26. April.(B. H.) Infolge der andauernden Bau» krisis werden demnächst sämtliche Ziegeleien geschlossen. Mehrere Tausend Arbeiter iverde» dadurch brotlos. Koustantiuopel» 25. April.(B. H.) Mit Rücksicht auf das englisch-französische Ueberciukommen erhielten die türkischen Truppen in Tripolis den Befehl, die Oasen von Hadamas Ghat zu besetzen und in der Oase Ogila eine dauernde Garnison zu errichten. New York, 25. April.(W. T. B.) Der„Neiv York Herald" meldet aus Washington, der amerikanische Geschäftsträger in K o n st a n t i n o p e l,' Griscom, sei telcgraphisch angewiesen worden. den Vorschlag des Sultans bezüglich der Erledigung der Forderungen Amerikas abzulehnen und pcromptorisch Zahlung zu verlangen. Berantwortlichir Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Berlaa von Mar Badina in Berliu- Hierzu S Beilagen und Uuterhaltungsblatt. It. 96. 17. ZahMZ. 1. Kkilqe i>ts Jttmitls" gttlintt DcksM.»««»>» 26. April 1900. von Noichsksg» ISO. Sitzung. Mittwoch, den LS. A p r i l. I u h r. Am BundeSratStisch: Graf PofadowSktz. Freiherr T h i e l m a n n. Die erste Beratung des Rcichö.ZcuchengcscKcs wird fortgesetzt. Abg. Dr. Schräder sfrs. Vg.s: Der vorliegende Gesetzentwurf hat Aussicht auf Annahme, nicht weil die Parteien mit allen Bestimmungen ein- verstanden sind, sonder» weil wir angesichts der drohenden Pest die Verantwortung nicht übernehme» wollen, das Gesetz jetzt scheitern zu lassen. Wir hoffen demnach, daß es gelingen wird, die Vorlage noch in dieser Session zu verabschieden, sollte es unmöglich sein, so ist eS jedenfalls die Schuld der Regierung, die so lange mit der Einbringung gezögert hat. ES wird in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung steht. leider unmöglich sein, das Gesetz so auszubauen, wie es unsren Wünschen entspricht. Dah die Vorlage sich auf so wenige Krank- heiten und Maßnahmen beschränkt, hängt mit dem Bestreben zusammen, die Kompetenz des Reichs nach Mögliche keit zu beschränken. Mit Recht ist bemängelt worden daß gar keine neuen Organe von dem Gesetz geschaffen werden, während in der That gerade an solchen zur Kontrolle gc eigneten Organen Mangel herrscht. Die Ausführung, insbesondere der Entschädigung, ist den Landesbehördcn überlassen. Das wird die Folge haben, daß die Entschädigungsfrage in den einzelnen Staaten sehr verschieden geregelt iverden'wird. und doS ist lein sehr wünschenswerter Zustand.— Im übrigen bin auch ich für die Einsetzimg einer Kommission und hoffe, daß die Verabschiedung in dieser Session gelingen wird; freilich betrachten wir das Gesetz, wie cS vorliegt, nur als einen Wechsel auf die Zukunft.(Bravo! links.) Abg. Dr. Höffe!(Np.): Durch die Vorlage wird nur zu einem sehr geringen Teil das verwirklicht, was man von einem Reichs- Sciichcngcwtz verlangen kann. Die wichtigste der in dem Gesetz erwähnten Krankheiten bleibt die Cholera, die ja auch vor 7 Jahren den Anlaß zu diesem Gesetz gegeben hat. Außer der Pest sind die übrigen im Gesetz noch geiiainltcn Krankheiten wie Lepra. Gelbfieber, Pocken usw.. kaum als gemeingefährlich zi� betrachten. Dagegen hätte man auch die Diphtherie und Scharlach in den Rahmen des Rcichs-Seuchengcsetz einbeziehen sollen, die in der That gemein- gefährlich sind, ebcnso auch die Tuberkulose, deren verheerende Wirkung ja statistisch festgestellt ist. Dieselbe Thaisache, wie der Herr Staatssekretär meint, durch die freie Licbcsthätigkeit bekämpfen zu lassen, ist nicht wohl angängig, Sehr zu bedauern ist auch, daß die ebenso gemeingefährlickcn Geschlechtskrankheiteu überhaupt nicht erwähnt sind. Die gefährlichen Seuchen, die jetzt endlich energisch bekämpft werden sollten, verbreiten sich nur durch Verschleppung auf den großen Verkehrswegen. Schon 1840 hat man auf internationalem Gebiete versucht, der Verschleppung entgegen- zuwirken. Seitdem sind aber auch wesentliche Verbesserungen in den Vorsichtsmaßregeln nicht getroffen. Aber gerade auf intcr- nationalem Gebiet müßte viel mehr geschehen; namentlich sollte man gegen die Seuchenherde rücksichtslos vorgehen. Aber auch im eignen Laude ist noch viel zu thun. Vor allein sollte man überall' für gutes Wasser sorge», nicht nur in den Städten, auch auf dein Laude. Mit Recht hat gestern ein Redner gesagt: So lange nicht für bessere Wohnungsvcrhältnissc gesorgt wird, ist für die allgemeine Ge- sundheitSpsiege ivcnig gethan. Allerdings sind daS Klagen, deren Abstellung große Schwierigkeiten entgegenstehen. Aber es müssen sich Mittel finden lassen, um hier endlich Wandel zu schaffen. Noch einige Worte über die Anzcigrpflicht. Meines Erachteus kommt die Verpflichtung. Anzeige zu machen, dem Arzt zu. Bei der großen Zahl der Aerzte giebt es wohl nur noch wenig Leute, die bei irgend einer Gefahr nicht ärztlichen Rat cinholen. Den HauShaltunasvorstaud zu Slnzeige zn verpflichten, halte ich nicht fitr augebracht, denn Laien werden sich hier doch nicht zurechtfinden. Darum übertrage mau die Anzeigcpflicht besser allein dem Arzt. Im großen und ganzen kann ick mich also für den Gesetz- cntwurf uicht sehr erwärme». Ei» Reichs-Senchcugcsetz sollte die Hand bieten, den schlechten� sanitären Zuständen, wie sie leider in unzähligen Orten des Deutschen Reichs bestehen, abzuhelfen. fürchte aber,� was uns hier geboten wird, ist nur Stückwerk, das wenige befriedige»«nd zur Besserung der gesundheitlichen Per- hältmjse im Deutschen Reiche nicht viel helfen wird. Abg. Dr. Laugerhans(frs. Vp.) Ich will auf die weitgehenden Wünsche, die von den Abgeordneten Wurm und Schräder vorgetragen sind, nicht eingehen. Ein Reichs- Scuchengesctz muß unter oen Verhältnissen erlassen werden, in denen wir uns jetzt befinden. Wir stehen dem Gesetzentwurf wohlwollend gegenüber und meinen, das Gesetz muß zu staiide kommeu, denn es muß endlich ein Anfang mit einer derartige» Gesetzgebung gcinacht werde» Bemängelt worden ist mit Recht die große Ausdehnung der Anzeige- Pflicht auch auf Personell, die gar nicht befähigt sind, die im Eni- tvntf genannten Krankheiten, vielleicht mit Ausnahme der Cholera, ZU erkennen. Die Folge würde eine Ncberfiikle von Anzeigen sein, falls einmal ein Fall von Pest uslv. die Bevölkerung bcun- ruhigt hat. Auf der andren Seite ist es ja wichtig, daß die gemein- gefährlichen Krankheiten möglichst frühzeitig und sicher erkannt werden. Um dies zu cnnöglichcn, ist aber die Einführung der obligatorischen Leichenschau unbedingt notweildig, die noch heute in Preußen nicht besteht.� Hoffentlich gelingt cS der Kommission, die obligatorische Leichenschau in das Reichö-Seuchengesetz hineinznbriligen.— Daß Krankheiten wie Diphtherie nnd Scharlach in das Gesetz nicht ans- genommen sind, halte ich für richtig, denn sie treten nur sporadisch auf, können also von den Einzelstaaten bekämpft werden. Ich hoffe, daß es der Konmiission geliiigen Ivird. das Gesetz in dem Umfang wie es die Negicruiig vorschlägt, zur Verabschiedung zu bringen. müssen dafür sorgen, daß uns nicht der Vorwurf trifft, wir a. Wir hätten die Gesetzgebung aus dicscin Gebiet aufgehalten, falls uns wieder eine der gemeingefährlichen Krankheiten wie Cholera oder Pest befällt.(Bravo! links.) Al�. Rembold(C.)(auf der Tribüne sehr schwer verständlich): WaS die Zahl der Krankheiten anlangt, die durch das Gesetz getroffen werden, so kann es nicht darauf änkommen, ob eine Krank- heit vom Ausland eingeschleppt wird, sondern darauf, ob die Krankheit von dem Einzelstaate nicht ausreichend bekämpft werden kann. Welche Krankheiten unter diese Rubrik gehöre», wird im cüizelnen Gegenstand der Äommissionsberatimg sein. Bc- züglich der Tuberkulose meinte der Herr Staatssekretär. sie könne nur durch ein Spccialgcsetz wirksam bekämpft iverde». ES wird dann jedenfalls driiigende Pflicht der Regierung sein, ein solches Specialgcsetz auch zum Beispiel zur Bekämpfung der Geschlechtslraulhcitcn»ivglichst bald einzubringen.— Für die Koininissioiisberatling sind auch meine Freunde. Die Hauptaufgabe der Kommission wird sein, die richtige Mitte zu sinden zwischen der Wahrung der berechtigten Interesse» dcS Einzelnen und dem Wohl der Gesamtheit.(Bravo! im Centrum.) Damit schließt die Diskusfion. Das Gesetz wird einer Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen. Der Ergänz» ngs-Etat für 1900 wird debattclos in er st er Lesung erledigt und an die Budgetkommission iiberivieseir. ES folgt die erste Beratung deS Ergänzungsetats für die Schutzgebiete für das Jahr 1900. Abg. Dr. Haffe(natl.) ohne daß diese zu den Laste», die z. B. durch die Vermehrung der Schutztruppe bedingt werden, herangezogen werden. Kolonialdireltcr Dr. v. Buchka: DaS Mißtrauensvotum, das der Herr Vorredner der Kolonialverwaltung erteilt hat, kann ich nicht als richtig anerkennen. Die großen Gesellschaften können nicht eher zu weiteren Lasten herangezogen werden, che sie einen Schilling aus den Aufgaben gezogen haben, die ihnen gestellt find. Die Kolonialverwaltung verfolgt vor allem das Ziel, das Hinterland von Kamerun zu erschließen und zu diesem Zweck ist auch die Schutztruppe vermehrt worden. Es wird die Zeit lommeu, wo auch die Freunde des Herrn Dr. Hasse das Vorgehen der Kolonialverwaltung als berechtigt anerkennen werden müssen. Abg. Graf Arnim(Rp.): Ich muß entschieden für die Berniehrmig der Schutztrnppc eintreten. Wir müsset! rechtzeitig genügenden Schntz für die Kolonien schaffen, um ihre Entwicklung nicht zu hemmen. Ich bedaure aber. daß die Regierung die Vermehrung der Schutziruppe nicht schon im vorigen Jcihre vcantragt hat. Was die Konzessioniernngen in Kamenm anbetrifft, so' war es meiner Ansicht nach in Nord Kamerun nicht nötig. 90 000 Quadratkilometer einer Gesellschaft überweisen, die dein Reich so gut wie»ichtS zu leisten Noch eine persönliche Angelegenheit. Ich habe mich, um geivissen Angriffen aus dem Wege zu gehen, niemals au Unter- »ehnmnge» in Afrika beteiligt. Sonst würde ja z. 93. jetzt gesagt werden: Graf Arnim thut das aus egoistischen Gründen. Ich teile das hier mit selbst ans die Gefahr hin. daß von jener Seite, etwa vom Abg. Eickhoff, gesagt wird: Natürlich, da ist nichts zu holen da beteiligt sich Graf Arnim nicht!(Heiterkeit rechts.) Kolonialdirektor v. Buchka: Die Ansichten über die Nützlichkeit der Konzessionen, wie wir sie haben eintreten lassen, gehen zur Zeit noch weit auseinander. Ich bleibe jedenfalls dabei.' daß die Begründung der Gesellschaften die Eniwicklniig«nsrer Schntzgrbiete günstig beeinflussen wird. Abg. Eickhoff(frs. Vp.): Auf die letzte Bemerkung dcS Abg. Grafen Arnim kann ich nur wiederholen, waS ich schon damals gesagt habe. Graf Arnim hat sich in der Komniission ivie im Plennm eifrig an der Diskussio» über unsre Kolonien in Afrika beteiligt, während er über die sanitären Verhältnisse in Kiautschou kein Wort übrig hatte. Abgesehen von unsrer principiellcn Stellung gegen die Kolonial- Politik in Afrika haben Ivir noch schwerwiegende Bedenken gegen die Vermehrung der Schutztruppe in Kamerun. Schon im Hauptetat wurde eine Vermehrung der Schutztruppe um 100 Mau» gefordert. Damals hieß es. zur Niederwerfung Stämme sei größere Macht notwendig. man müsie die Schutztruppe wegen der Kamerum verstärken. In der Budgetkommission wurde damals gc sagt: Wir müssen starl genug sei», um gegen de» Häuptling Rape vorgehen zn können. Der ist aber längst verfchwnndeu. Selbst eine kolonialfreuudliche Zeitung hat zugegeben, daß überall, wo die Schutztruppe eingegrisfeu hat, der Handel auf lange Zeit lahm gc legt ivurdc. Die Erschließung des Lands»mß sich auck ohne größere Expeditionen durch Anlegung von HandelSwegcn ermöglichen lassen Endlich muß man fragen: Wie groß ist der Handel dort überhaupt' Iii der Kommission sind darüber nur mibestimintc Angaben gemacht. und auf Grund solcher Angaben können wir der Vermehruug der Schutztruppe nicht zustimmen. Kolonialdirektor Dr. v. Bnchka Ich behalte mir eine eingehende Antwort auf die Ansführilngen deL Herrn Vorredners für die Koininission vor nnd will hier nur auf ciiieu Pmilt eingehe». Die Situation, wie sie durch den zwei maligcn glücklichen' Feldzng des Majors v. Kamptz geschaffen ist. ist die, daß der Einfluß der dentschen Macht sphäre ausgedehnt ist bis tief in das Hinterland von Kamernn hinein. Es darf nicht«nterlassen werde», die Erfolge dieser Feld züge weiter zn verfolgen, damit unS der Weg in das Hinterland ge sichert bleibt. Dies ist vor allem nötig, um den Bezug von Ar- bcitern anS dem Hinterlailde von Kameru» für die Plantagen an der Küste zu ermöglichen. Die AuSdehming der deutschen Macht- sphäre ivird auch dazu beitragen, daß die Sklavcnjagdcn aufhören und die Ncgerstämme sich nicht, wie jetzt, gegenseitig zerfleischen. zweier kriegerischer Jetzt erklärt man. Zustände in Nord Abg. Graf v. Arnim(Rp.): Bei unsrer Zustimmung zur Vermehrung der Schutztruppe in Kameru» leitet uns allein das Bestreben. nicht etiva militärische Erfolge zu erzielen, sondern das Land zur Blüte zu bringe». Dafür zu sorge», daß die Bevölkerung nicht durch Sklavcnjagden decimiert ivird. Herrn Eickhoff persönlich erwidere ich. daß er wirklich der Thntigkeit eines Abgeordneten zu viel zumutet, wen» er von ihm verlangt, daß er in'jeder Kommission, der er angehört, anwesend ist. zuhört und auch spricht. Abg. Eickhoff ifrst Vp.): Es handelt sich darum, daß die Ab- geordneten Graf Arnim und Dr. Hasse überhaupt gegen eine KominiisionSberatnng des Etats für Kiautschou wareu. während auch Herr v. Kardorff nachher anerkannt hat, daß die genauere Erörterung der sanitären Verhältnisse doch aufklärend gewirkt hat. Der Etat Ivird der Budgetkontmission überwiesen. ES folgt die erste Beratung des Gesetzes betr. die Erhöhung der Subvention für Postdampfschiffs- Berbindnnge» mit Ost afrika(Erhöhung von 900 000 ans 1 320 000 Mark). Abg. Rettich(k.) steht der Vorlage freundlich gegenüber, da ja eine A4tägige Per- bindung mit Lstafrika nnd eine vicrtvöchcntlichc Post dampfschiffS- Verbindung mit Südafrika hergestellt werden soll. Die Subvention ist nicht zu hoch, andre Länder zum Beispiel Frankreich zahlen höhere Subvciitioiie». Wir haben i» der Vorlage diesmal die Submission vermißt. Wenn es auch natürlich ist, daß man zunächst mit der bisherigen Gesellschaft vcr- handelte, so hätte doch eine Submission nichts geschadet. Wir halten eine Kommissionsberatung für unnötig und beantragen, die zweite Lesung im Plenum vorzunehmelt. Abg, Dr. Haffe(natl.): Die Vorlage ist dem Reichstage etwas spät zugegangen. Auch meine Freunde meinen aber, daß die Vorlage ohne Kommission erledigt Ivcrden kann. Sollte KommiffionSberatmig beliebt werden, so halten wir eine solche von 14 Mitgliedern für wünschenswert. Dem Inhalt der Vorlage stehen meine Freunde sehr shmpathisch gegenüber. wir sind auch mit der diesmaligen Bcarüiidling cinvcr- standen. Die deutschen Dampfer müssen regelmäßig bis Kapstadt laufen und sich dort auch kreuzen. Die Begründung hat doch reckt, daß die Schnelligkeit der Verbindung mit Kapstadt die Haupt- fache ist. und diese wird durch das Anlegen in Togo oder Kamerun gefährdet. ES wäre dann nicht mehr möglich, mit der englischen Linie in Bezug auf Schnelligkeit in Konkurrenz zu treten. Abg. Frese(frs. Vg.): Ich bin mit der Erledigung der Vorlage im Plennm ein- verstanden. Loraussetzniig dasiir ist aber, daß weitergehende Wünsche dann zurückgestellt werden. Der Bertrag, der bisher 10 Jahre lief, soll jetzt auf 16 Jahre verlängert werden. Meine Freunde haben nichts dagegen einzuwenden. Die Verbindung mit Kapstadt ist hochwichtig, dagegen ist eine solche mit Swakopmund noch ent- behrlich, zumal dort noch die Hafenverhältnisse ein Anlaufen vo» größeren Schiffen verbieten. Abg. Dr. Arendt(Rp.) bemängelt das System der Erschließung der Kolonien. In Kamerun I ist mit der Vorlage einverstanden. Die von den Aeltesten der Kauf- werden wenigen Gesellschaften große Landkonzessioneu gemacht, i Mannschaft ausgesprochene und in der Begründung wieder gegebene Ansicht teile ich. daß es für ein Goldwährungsland Zwie Deutsch- land wünschenswert ist. wenn es das Gold aus Transvaal direkt auf eignen Schiffen mit Uebergehung von England beziehen kann. Vor allem möchte ich der Hoffnung Ausdruck geben, daß unsren Schiffen der Schutz einer starken Flotte zur Seite steht, um sie vor jeder Belästigung schützen zu können. Ministerialdirektor Weber: ES ist von unsren Verbindungen mit Westafri'a gesprochen. worden. Ich will nur daraus hinweisen, daß diese durchaus aus- kömmlich sind, da wir allmonatlich zweimal eine Verbindung nach dort haben. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): Meine Freunde sind der Ansicht, daß die beträchtliche Hohe der' Subvention das Verlangen nach cincr gründlichen Erörterung der Vorlage in der Kommission rechtfertigt. UcbrigenS habe ich mich doch gewundert, daß Herr Arendt auch bei dieser Gelegenheit wieder ans seine geliebte Währung gekommen ist. Er hat auf die Ve- grlindung hingewiesen. Das konnte ich ja auch. So steht an einer Stelle, daß zu den LuxuSgegeuständc», deren Ausfuhr nach Transvaal abgenommen hat, auch Esel gehöre».(Heiterkeit.) Abg. Fritzen iE): Bei der Ausführlichkeit der Begründung wären meine Freunde für Erlcdignng ohne KommisstonSberatung gewesen. Da aber der Antrag auf Einsetzung einer Kommission gestellt ist. so werden wir auch dafür stimmen, bitten aber, die Vorlage der Budgetkommission zu überweise». Abg. Dr. Hahn(wildk.): Die Behauptung, daß die deutsche Ostafrika-Linie dem deutschen Export vor allem gedient hat, trifft nicht zn, gerate im Gegenteil hat der ausländische Export nach Deutschland von dieser Linie mehr Vorteile gehabt. Die ganze Snbvcutioniernng kann ich uur als Liebesgabe bezeichnen. UevrigenS steht der Leiter dieser Ostasrika- Linie Herr Wörmann mit verschiedenen englischen Gesellschaften in engster Verbindung, die unter dem Ein- fluß des Herrn Cectl Rhodcö. des ärgsten Feinds des deutschen Einflusses in Afrika stehen. Herr Wörmann hat sich ja auch gegen das Fleischbeschaugesetz ausgesprochen.(Aha! links. Glocke deS Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrem: DaS Flcischbcschaugcsetz gehört nicht zur Daiupfersubveittion. Abg. Dr. Hahn(fortfahrend): Ich wollte nur darauf hin- weisen, daß dieselbe Persönlichkeit, die dem Interesse der nationalen Produktion sich so scharf widersetzt, auch ein Interesse an der Subventioniening dieser Dampfeninic hat. Ich sehe in cincr solchen Verbindung des' deutscke» und englischen GroßtapitalS eine schwere Schndiginig für Deutschland. Gleichwohl empfehle ich Ihnen die Subventioiiicriing zu befürworten,(Große Heiterkeit.) da ich die Hoffnung hege, daß in unsrer Kolonialpolitik in Zukunft niemals die nationale» Gesickitöpiinkte mehr zur Geltung kommen werden, daß wir einmal eine lraftvollcre. weniger englandfrenndliche Kolonialpolitik treiben werden und da»» wird cS sehr wertvoll sein, iveim den englischen Konkurrcnzlinien subvcutionicrtc deutsche Linien zur Seite stehen. Kolonialdirektor v. Buchka: Der Herr Vorredner hat nicht das Recht, zu behallpten, daß von der Kolonialverwaltung die nationalen Jiitereisen nicht genügend wahrgenommen werden. Diese Sonth-West-Africa-Compnny ist eine ursprünglich englische Gesellschaft und in dieser die deutschen Jnter- essen zii wahren, ist Herr Wörmann von vornherein eingetreten. Die Wahrnchiiitliig deutscher Interessen ist in dieser Gesellschaft erheblich gestiegen, seitdem die DiSkoiitogescllschaft 2 Direltoren hiiieingeschickt. Iii den Ansfühnuigen dcö Vorredners habe ich irgend welche' Aiigabsn vermißt, daß die deutschen Direktoren ihre Schuldig- keit nicht gethan haben. Abg. Arendt(Rp.) bittet, die Vorlage nicht der Budget- konimissioii zu überweisen, da diese zn sehr überlastet sei. Herrn Müller-Sagan bemerke ich, daß ich nicht auf mein Steckenpferd, die Währmrgsfrage, gckonmicil bin, sondenl daß das Wort Währung nur zufällig vorkam. Abg, Fritzen(C.) zieht seinen Antrag auf Neberweisung an die Budgetkommisslon zurück. Abg. Dr. Hahn iko»); Ich habe nicht Personen angegriffen, sondern' nur aus die Thatsache der Vcrfilzung deutschen und englischen Kapitals hingewiesen. UcbrigenS schöpfe ich mein Material auS einem Artikel der nationalliberalcn„Rheinisch-Westfälischen Zeitung". (Zuruf des Abg. Basiermaim.) Daß Herai Baffermaim diese AuS- Tihrungcu lmaiigeiiehm siud, ist mir ja verständlich.(Widerspruch bei den Nationalliberalen.) Abg. Müller-Sagan(Vp.): Ich habe dem Herrn Abgeordneten orwurf daraus gemacht, daß er auch zu sprechen kam. Ich sondern mir von einem Dr. Arendt durchaus keinen bei dieser Gelegenheit auf die Währmig habe auch nicht von einem Steckenpferd, Esel gesprochen.(Heiterkeit.) Damit schließt die Diskussion. Persvnlick bemerkt Abg. Baffcrman»(natl.): Die Ausführungen deS Herrn Abg. Hahn waren mir nicht imaugeitehni, sonder» gleichgültig. Mein Zuruf sollte nur darauf hinweisen, daß die„Rheiuisch-Westfälischs Zeitung" kein nationalliberaleS Blatt ist. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Herr Dr. Müller-Sagan hat sich mir gegenüber auf den Esel zurückgezogen. Ich habe keine Veranlassung aus diesen Esel weiter einzugehen.(Heiterkeit.) Tie Vorlage ivird hierauf einer Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr.(Dritte Beratung des Uebereintoimnens mit Oestreich-Uiigarn zimi Schutz des Urheberrechts. 2. Beratung der vom Etat zurückgestellten Resolntionen.) Schluß öVi Uhr._ Geschaftsklerikalismtts. Die„Triersche Zeitung" bringt in ihrem Gerichtsbericht über den' Prozeß D a s b a ch- H a u b r i ch noch einige Einzelheiten, die owohl die gestern von uns veröffentlichte Cyaraktcristil des Herne Dasbach wefentlick ergänzeii, als auch über das innere Treiben in der Centrumspartei manche Ausklärnng bringen. Zunächst ist die Aussage des Ober-LandgerichtöraiS und RcichStags-Zlbgeordnetcn R ö r e Ii bemerkenswert. Dieser Herr, der in den Debatten über die lox Heinze durch seinen frommen Eifer zu einer Art Welt- berlihnithcit gelangt ist, stellte zunächst als Zeuge in den» Beleidigungsprozeß Herrn Dasbach ein überichwängliches Lob aus. Ueber die Stellung Dasbachs in der Fraktion, führte der Zeuge des längere» aus, besteht vielfach eine falsche Vorstellimg; seine Opfer- Willigkeit, seine Selbstlosigkeit, sein Fleiß und insbesondere seine Gefälligkeit machten ihn zu einem der beliebtesten meiner Kollegen. Auch seine Frömmigkeit ist stark ausgeprägt. Infolge seines Fleißes ist Dasbach ein Feind der Bummelei, wozu auch der im Parlament leider oft zu rügende AbsentisMuS zu recknen ist; oft telegraphierte er an Mitglieder der Fraktion, sie mochten zu ciner wichtigen Sitzung erscheinen, und bezahlte die Gebühr ans eigner Tasche. Vielfach betrachtete man ein solches Vorgehen als Zu- dringlichkeit; ich habe darin stets ein reines Motiv erkannt. Dasbach macht es umgekehrt wie die meisten andern Menschen; er zeigt sich .Zuerst von der schroffen und dann von der liebenswürdigsten Seite. Je länger man ihn kennt, desto mehr lernt man ihn schätzen. Was den Umstand betrifft, daß Dasbach sich um Wahlmandatc bewarb, erblicke ich hierin kein Zeichen von Ehrgeiz; er war der Ansicht. >aß er. mit den Verhältnissen des Kreises betraut, diesen an- gemessen vertreten müsse, er stellte sich im Interesse Triers auf. Ich bin überzeugt, dah bei unserur Provinzialkomitee viele Bewerbungen um Wkandat'e eingegringen sind. Dann aber kam das dicke Ende nach. Herr Röre» fuhr fort: Ueber die Drohung mit handgreiflicher Züchtigung, von welcher in dem inkriminierten Kradderadatsch- Artikel die Rede ist. habe ich erfahren, daß der Schreiber mich gemeint hat. Ich erinnere mich nicht, einen solchen Ausdruck gebraucht zu haben, will es aber nicht i n A b r e d e stellen. Gebrauchte ich ihn aber, so gebrauchte ich ihn nicht in beleidigender Absicht und maß ihm keine Bedeutung zu. Herr Dasbach war ja auch nie einen Moment beleidigt, wir waren im Gegenteil immer die besten Freunde.— An- geklagter: Sie sagten danials:„Ich würde die Kandidatur Das- dach unter dieser Voraussetzung bedauern". Unter welcher Voraus- setzung?— Zeuge: Unter der Voraussetzung, daß die Kandidatur einen Zwist in der Partei bringen würde. Angeklagter: Diese Voraussetzung ist'in der T h a t eingetroffen. In der Nachmittagssitzung wiederholte Herr Röre« seine Schilderung der Ohrfeigengeschichte; er betonte nochmals, daß es sich höchstens um eine Acutzcrnng handeln könne, wie sie unter guten Freunden wohl bisweilen falle. Zeuge Prof. Dr. Aug. Müller. Subregens des bischöflichen Priesterseminars, erstattet folgende Aussage: Am IS. September t898 fuhr ich im Auftrag meines Bruders, des Vorsitzenden des hiesigen Wahlkomitees»ach Köln, um dort mit Herrn Triinbon:, dem Vor- sitzenden des Wahlkomitees der Rhcinprovinz, Rücksprache zu nehmen, damit er uns behilflich sei, einen geeigneten Kandidaten für die Land- tagswahl zu finden, nachdem Herr Dasbach sich selbst aufgestellt, für seine Wahl agitiert, aber vom engeren Wahckomitee und der Dekanats- Versammlung der Geistlichkeit durch Majoritätsbeschlüsse ab- gelehnt worden war. Bei dieser Gelegenheit besuchte ich auch den Herrn Ober-LandesgerichtSrat Rören, weil ich Über- zeugt war, daß er es gut mit uns meine und die in Betracht kom- Menden Verhältnisse kenne. Herrn Rören habe ich die Gründe vor- getragen, die uns eine Kandidatur Dasbach als nicht wünschenswert erscheinen ließen. Diese Gründe Ivaren Haupt- sächlich, daß sehr viele Ceutrumsleute die Uebcrzengnng hatten, die Wahl Dasbachs»verde einen beklagenslverten Zwiespalt in die Partei tragen. Wir hielten ferner eine Wahl Dasbachs nicht für erlvihischt, weil er bei der Regierung so gar übel angeschrieben ist und»vir uns sagten: wenn wir einen solchen Kandidaten präsentieren, werden wir für unfern Wahlkreis»vcnig oder nichts erhalten. Es ist die allgemeine Ansicht, daß»nsre Stadt schon seit langem nicht besonders gut von der Regierung behandelt wird. Es hat sich die Ueberzeugung gebildet, daß diese B e i s e i t e s ch i e b u n g uusrer Stadt Herr>» Dasbach zu verdanke»» sei, »veil man in Regicrungskreisen annehme, er habe eine führende Rolle in Trier. Das alles habe ich Herrn Rören vorgetragen und er trat meiner Ansicht vollständig bei. Er sagte etwa:„Auch ich sehe eine Spaltung in Trier voraus, die»vir verhüten müssen. Auch den ziveiten Grund billige ich vollständig,»vir»vollen gciviß keine Regierungskandidaten,»vir»vollen die Rechte von Kirche und Volk gelviß ebenso verteidigen,»vie Herr Dasbach, aber auf andre Weise." Dann fuhr Herr Röre» fort:„Sehen Sie. wie der 5i a m e r a d es macht: vor einiger Zeit habe ich eine wichtige Sache erhalten, die ich betreiben sollte. Da läuft Herr D a S- Bach z u den» M i n i st e r, und als ich dorthin kain,»var die Sache bereits abgelehnt. Darauf ging ich zu Herrn Das- dach und sagte ihm:„Höre, Dasbachs w c n n Dich Dein geistliches Kleid nicht schützte, dann würde ich Dir links und rechts hinter die Ohre» hauen." Herr Rören hat dann in den» oben besprochenen Sinne an Dasbach geschrieben. Diese Unterhaltung habe ich als durchaus ver- traulich angesehen, ich habe höchstens»nit zivei Personen, die ich für verschwiegen halten durfte, darüber gesprochen. Wie der A n- geklagte Kenntnis davon erhalten hat,»veiß ich nicht. Am . folgenden Morgen habe ich meinem Bruder von Köln aus geschrieben, daß Herr Rören die Kandidatur Dasbachs aufs tiefste be- dauere und ihm rate, zurückzutreten. Herr Rören hat in ähnlichem Sinn selbst geschrieben. Wie das Treiben des Herrn Dasbach nach Auffassnng der .katholischen Kirche zu beurteilen ist. darüber gab die Dar- stelluilg des Sachverständigen Seminarprofessor Dr. Müller Auf- klärung. Der Sachverständige tonrde gefragt, ob die geschäftliche Thätigkeit des Kaplai»S Dasbach nicht gegen die Bestimniungen des Kanonischen Rechts verstößt und das ganze Thun und' Lassen des Klägers seine priesterliche Ehre zu beeinträchtigen er- schemt. Der Zeuge erklärt, iin allgeineinen den Geistlichen daß nach dem kanonischen Recht und Klerikern»nit höheren Weihen verboten sei, Handel zu treiben. Unter diese»« Handel ist der Ein- kauf von Waren und deren Verkauf mit Geivinn, der Ei>ika»»f und die Verarbeitung von Rohstoffen zinn Zweck des geivimibringciidcn Verkaufs verstanden. Was den Buchhandel usiv. betrifft, so bestehen hierüber besondre Bestimmungen nicht. ES hat sich jedoch ein Gc- wohnheitsrecht herausgebildet, daß Geistliche für Zeitungen schreiben. Zeitungen drucke»» und herausgeben und ebenso auch Werke religiösen oder gemeinnützigen Inhalts. Voraus- setzung dabei ist allerdings, daß der erzielte Gelvi»»»» so verivendet wird, wie Geistliche überhaupt das Geld ver- >v e n d e n sollen. Auch darf keine schädigende Konkurrenz für andre daniit verbunden sein.— Auf die Frage des Augeklagten, ob dieses Recht sich auch auf den Verkauf von S ch r e i b»nateri alten sFcdern ec.) erstrecke, antivortct der G»ltachter dahii», er glaube das nicht. Der Kläger erklärte, unterstützt von den» Zeugen Roller, daß in seiner St. Johanuer Filiale nur Bücher verkauft»vllrden. Wenn jenialS Schreibmaterialien in seinen Filialen verkauft worden seien, so sei dies ohne sein Wissen und Znthun und jedenfalls nur auf eigne Rechnung der Filialvertreter geschehen.— Der Gutachter fährt fort, es sei ihm bekairnt, daß Dasbach von dem Bischof die Erlaubnis zur Herausgabe von religiösen Schriften und Bildern habe. Das kanonische Recht verbiete die Beteiligung an Aktien-, Bank und dergleichen Unternehmungen, bei denen ein höherer Gewinn erzielt»vird.— Der Beklagte stellt fest, daß der Kläger mit einen» Eiirkommcn von S2 000 M. und einem Vermögen von 850 OCO M. zur Steuer eingeschätzt sei: früher als Kaplan von St. Gervasiris jedoch irnr eil» ganz geriilges Vermöge» besaß.— Der hierzu wieder vortretende Zeuge Lux erklärt, daß die Einschätzung zur Vermögenssteuer zu hoch und auf Rellamalion erheblich, etlva um die Hälfte, herabgesetzt worden sei.— Die Frage des Beklagten, ob der Sachverständige»acki kanonischem Recht den Kläger in, Falle Groppe für rcsiitntionepflichtig halte, bcantivortct Professor Müller dahin, daß allerdings Dasbach r e st» t u t i o n s p f l i ch t i g sei,»venu die Sache sich so verhalte,»vie Groppe sie ihm eines Tags in Gegenlvart seines Bruders, des Jnstizrats Müller, geschildert habe Wenn das Unternehmen Groppes in Saargeinijnd thatsächlich gesichert »var und durch Dasbach vereitelt»vurde, so sei letzterer verpflichtet, den Groppe entstandenen Schaden und den aus dein Geschäft für ihn ciitstchcnden Geivinn zu ersetzen.— Eine Schilderung der cid- lichcn Darlegungen des Zeugen Groppe durch den Beklagten»vird von den» Gcrichtsvorsitzeirden gegenüber Einivcndungcn Dasbachs für richtig erklärt. Der Sachverständige fügt seinein Gutachten nunmehr Hinz», daß allerdings die von Dasbach angeivandten Mittel, wodurch Groppe 1 geschädigt»vurde, widerrechtlicher Natur g e lv e s e n sein mußten. Der Vorsitzende des Gerichts bemerkt daränf, daß die An Ivendung ividcrrcchtlichcr Mittel wohl auch gerichtlich beurteilt werden könne. So die an Gcrichtsstclle abgegebene Charakteristik des Herrn Dasbach und seines Treibens. Und das hat die Stirn, die Social- dcmokratie zu begeifern und die katholischen Arbeiter von der Wahr- nehmung ihrer Rechte in der»iiiabhängigen Geiverkschaftsorganisation abzuhalten! Nach allen» ist jetzt begreiflich, daß das hiesige Blalt des Herrn Dasbach, die„Märkische Volkszeitung", sich so große Mühe gab, durch Verbreitung der belannten Terrorismns-Märchcn dem Unternehmertum und seiner Presse zu Gefallen zu leben. 3. WluröStilg her MWniAtit, Heizer unh Vcruss- pofen DeuWiMs. Während der Ofterfcicrtage tagie i» Nürnberg die ö. General- versanliulung des Verbands der Maschinisten. Heizer und Berufs- genossen Deutschlands. Anwesend Ivaren 40 Delegierte, die 47 Vereine mit(31 Stimmen vertraten, sowie Genosse A. Röske, der die General- koinmission der Gciverkschaften Deutschlands vertritt. ES erfolgte Bericht über die zweijährige Thätigkeit des VcrbandSvorstands. Kirschnick-Bcrlin betont ui'tcr andrem, daß wem» der Verband allen Anforderungen gereckt werden soll, so zum Beispiel bei Streiks»iid Änssperrungen unsre Mitglieder aus- reichend zu unterstützen, eine Erhöhung der Beiträge'notlvendig sei. Verbaudskassiercr Klein- Berlin erstattet den zlveijährigcn Kassenbericht vom 1. Januar 1898 bis 31. Dezember 1899. Die Einnahmen betragen 27 187,90 M., die Ausgaben 22 720,28 M. Das VerbandSvermögcN beträgt rund 11 000 M. Die Revisoren konstatieren genaue und geivissci»hafte Kassenführung,»vorauf soivohl dem Kassierer»vie dem Vorstand Deckarge erteilt»vird. Zu Punkt 2 der Tagesordnung»verden für Agitation jährlich 800 M. ausgelvorfen. Die Anträge betreffend Einteilung in Agitationsbezirke oder Gaue»verde»» v'erlvorfen. Die Anträge Halle, Leipzig und Bitterfeld behufs Aufnahme einer Lohn- und Arbeits- verhältnis-Statistik»verden einstimmig angenommen. Bei Punkt 8 der Tagesordnung»vird zunächst der Antrag des VcrbandSvorstands einstimmig angenommen, nämlich:„Kollegen, welche in einer andern Organisation ihre Karenzzeit durchgemacht haben, können nach Zahlung des EinschreibgeldS als vollberechtigte Mitglieder ausgenominen»verde»», sofern sie glaubhast nackiveiseii. daß' der Austritt ans einer andern Organisation erfolgt»st und nach der letzten Beitragszahlung nicht länger als vier Wochen ver- strichen sind." Der Antrag, einen cinheitlichen Wochenbeitrag von 20 Pf. ein- zuführen, loird' als zur Zeit zu»veitgehend»nit einigen Stimmen Mehrheit abgelehnt. Dagegen wurde der Antrag auf Erhöhung der Beiträge auf 40 Pf. pro Monat an die Hauptkasse mit Majorität angenoinmen. Anträge auf Erhöhung der Sterbe-Unterstützung finden keinen Anklang. Am zweiten Verhandlungstag »verde»» die Punkte 4 und 7 der Tagesordnung mit einander ver- handelt. Bergcr-Berlin, Mitglied der Prcßkommission, berichtet über die Thätigkeit der Preßkommission. Redner führt aus, daß dieselbe einen schiveren Standpunkt hatte gegenüber dem früheren Redacteur Dalchow und dein Verbandsvorstand, um die Beschlüsse des Alten- burger Verbandstags durchzusetzen. Kirschnick-Berlin tritt dem ent- gegen und greift fpeciell Berger heftig an. A»» der Debatte be- tciligci» sich Bräunlich-Leipzig i'nd Strobcrt-Nürnberg. Hieraitf»vird der Bervai»dsbeitrag für die Zeiffchrift von 1,20 auf 1,50 M. pro Jahr und Mitgliedschaft ftstgesetzt. Der Verbands- Vorsitzende»vird als Redacteur»nit monatlichem Gehalt von 120 M. angestellt, ihm»vird eine Schreibhilfe mit monatlich 72 M. Gehalt, solvie die entsprechenden Burcauräume zur Verfügung gestellt. Die Gesamteinnahme für die Fachzeitschrist„Deutscher Maschinist und Heizer" betragen vom 1. Januar 1898 bis 31. Dezember 1899 22 241,71 M. Die Ausgaben in der gleichen Zeit 22 232,82 M. Unter den Einnahmen sind 11 708 M. für Inserate und Bcilagegebühren mitaufgcführt. Ein Antrag dahingehend, Nichtverbaiidsvereinen die Aufnahliie von Berichten und Anzeigen zu verlveigern. wird angenommen. Desgleichen wird denjenigen Firmen, die ihre Arbeiter»vegen der Zugehörigkeit zur Organisation maßregeln, die Fachzeitschrift zur Ausnahme von Reklainen veriveigert, ebenso denjenigen Firmen, die unsre Berufskollegen brieflich bei ihren Prinzipalen anzuschivärzen suchen. Einstimmig angenommen wird der Antrag des Verbands- Vorstands: Die Gcneralversai»»mlui»g»volle beschließen, daß ein Kongreß der Maschinisten und Heizer in Deutschland einbenifen wird. Der Kongreß soll stattfinden,»venu mindestens<30 bis 72 Proz. der in Vereinen oder Verbänden orgai»isierten Maschinisten ui,d Heizer sich dafür erklären. Der Verbandsvorstand wird beauftragt, die nötigen Vorarbeiten in die Wege zu leiten. Nachdem verschiedene Anträge untergeordneter Bedeutlmg ge- fallen,»vird der von sechs Seiten zugleich gestellte Antrag auf Au- schluß an die Generalkommissioii der Gelvertschaften Deutschlands fast cinstiinmig angenonlinen. Bräm»Iich-Leipzig ist für seine Person dafür, erklärt aber, nach den Erfahrungen iin Leipziger Gelverkschasts- kartell, weder dafür noch dagegen stiinmen zu können. Er enthält sich der Abstimmung. Von Rentlingen. Stuttgart und Breslau liegt ein gleichlautender Antrag vor, dahingehend, der Verband möge dahin»virken, daß durch Rescksgesctz in sämtlichen Bundesstaaten eine staatliche Prüfling der Maschinisten und Heizer eingeführt»verde. Der Antrag»vird, nachdem mehrere Redner Bedenke»» betreffs Ausführung geltend gemacht,»nit Majorität angenommen. Es»vird beschlossen, den nächsten Verbandstag in Magdeburg abzuhaltcu und in» Anschluß Hiera» de»» Kongreß und zwar Ostern 1902. Für die Zeitdauer sind 4 Tage bestimmt. Der seitherige Vorsitzende, Kassierer und Schriftführer deS Verbands»vird per Akklamation»viedcrgeivählt. Als Revisioren werden Wagner und Sckolz-Betlin, sowie BrLui»lich- Leipzig gewählt. In die Preßkommission»verde» Bcrger und Hessc-Berlin und Sydow- Charlottcnburg gclvählt. Da die Tagesordnung erschöpft ist, schließt der Verbands- Vorsitzende K. Kirscknick niit cincin Hoch auf die moderne Arbeiter- beivegung, auf den Verband und den Nürnberger Verein die General- versamnilnng. Kür de» Inhalt der Inserate iivernininit die Redaktion de», Pnbliknnr gegenüber keinerlei Beranilvorinng. Thrnkrv. Donnerstag, den 26. April. Opernhans. CaTalleria rusticana. Die roten Schuhe. Auf. 7»/z Uhr. EchauspielhanS. Die Tochter des Erasinus. Anfang?»/„ Uhr. Kentfches. Gespenster. Anfang 7-/z Udr. Lessing. Liebele». Jephtas Tochter. Anfang 7»/, Uhr. Berliner. Harold. Ans. 7>/z Uhr. ZteneS. Minna von Bamhelm. A»»- fang 7»/z Uhr. Residenz. Die Dame von Maxiin. An-ölig 7»/3 Uhr. Weftcn Der Bettclstudent. Anfang 7', Uhr. Schiver. Niobe. Hierauf: Der Diener zlveier Herren. Ansang 8 Uhr. Thalia. Iii» Hinimelhos. Anfang 7-/z Uhr. Anisen. Der Millionenvauer. An- fang 8 Uhr. Central. Berlin nach Elf. Anfang 7-/2 Uhr. Bellc-ANiance.§ 184. Anfang 8 Uhr. Carl Weist. Der Minenkönig von Transvaal. Anfang 8 Uhr. Bietoria. Die Eirkus-Fee. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wtlhelmstädtisches. Meyer aus der Pariser Welt-Aus- stelliing. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialitätelivorstelllliig. Die verkehrte Welt. Anfang 8 Uhr. Alpollo. Specialitälen- Vorstellung. Im Reich« des Jndra. Anfang 8 Uhr. Palast. Specialitnten- Vorstelluiiz. Eine alte Geschichte. Anfang 8 Uhr. ReichShallen. Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage> Panopliknn». Speciali- iälcii-VorsteNling. Nrania. Jnbalivcnslr. ki7/«S. Täglich abciidS von 6—10 Uhr: Slerinrarle. Taubelistraste 48/4». Abends 8 Uhr(im Theatersaal):„Bon den Alpen zu»» Vesuv." Cchilltr-Thtliter (Wallner-Thealer). Donnerstag, abends 8 Uhr: rflol,«;. Schwank in 3 Akten nach Harry und E. A. Paulton von Osk. Blumenthal. Hierauf: I)«»' I)I«zn«D SErvelv»- Hen»«,,. Lustspiel in 1 Akt von Goldoni. Freitag, abends 8 Uhr: CieMIdet« menschen. Sonnabend, abends 8 Uhr: ZUohe. Hierauf: Der Diener zweier Herren. CarlW et ss-Theater Gr. Fraiitsiirlcrslrastc 138. Tä�glich: Minenkönig m\ Tranmal. Anfang 8 Uhr. VorzugSbillets haben Gültigkeit. 0bm llrllgor: vlrsktor Carl Weiss. Im Tunnel von 7 Uhr an Frei-Konzcrt. So»ntagnach>n.3Uhr zu halb Preisc»: Preciosa. Idatta-I'deater. Tel. Amt IVa 6440. Dresdenerstr. 72/73. Füufletzte Aufführung vor der Abreise nach Hamburg. Im Hinnnelhof. Thomas, Thielscher, Helmerding, Junkermann, Paulmüller. Anfang Vfi Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Montag, den 30. April: Letzte Himmelyof- Aufführung in dieser Sais 0». Benefiz für Culdo Thielscher. Im Himmelhof. Gottl. Schwärmer...03. Thielscher. Urania Tnnbenutrasae 48/4U. Im Theater abends 8 Uhr; „Von den Alpen zum Vesnvf' Invalldenatr. 57/68: Tag!. Sternwarte. Hachmlltafls 5—10 Uhr. Cviitval-Clu'CTtci? Direktion; Jose Ferenciy. Durchschlagender WW�Lacherfolg�WU Berlin nach Elf. Große Ausstattuiigsposse. Die sensationellen Schlager: Tstnl-n« 4er ii'nri'nniB. Eisenbahn-Quartett! 0 Cordula! Morgen u. folgende Tage: Berlin nach Elf. Sonntag, den 29. April: Letzte Nachmittags- Vorstellung der Saison. Zu halb. Preisen. Die Fledermaus. Behrenstr. 65/57. Direktion R. Schultz. Binr noch hl« 30. April Verkehrte Welt! und das grobe Apnl-Bpeeialitat.-i'rogi'aim Dienstag, den 1. Mai 1900: Zum erstenmaie: Der Zaiiter am i. Große Ausftattungs-Opcrette. Vorher: Das vollständig neue brillante Mai-Specialltäten-Programni Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Mclia Konzert-Hallen htadtbahnhof Börse« Täglich: GrosseTheater- und Variete- Vorstellung. Die Humoristen Hildach, Grosch, Zimmermann, Gursch, Beuari. „Die Luccil m RWrj" sowie SergeantSchneidig und mUttiirische Eindrucke. Begim» der ausländischen Orchester Wochent, S Uhr, der Theateradt. S Uhr. Schmelzer Garten /Im liLnlgsthoi'.— Haltestelle der Ringbahn.— gm rriedrlchshaln. Cnrnftan ♦ Grosses Garten-Konzert dUllllifll]» von der Hauskapclle und sllKlL1* Specialitäten-Vorstellung. Volksbelttstianngen 1 3™®,«nl aller Art. I-0011» Anfang 4 Uhr. I Von Pfingsten ab täglich: Entree U ßs. I Koiizert nild Mstelluilg. Apollo-Theater. Im Reiche des Bndrc Consnela Tortajacla Gretchen Reiltter sowie das yorzögl. April-Programm. Kasseneröffnnng 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf täglich von 10—2 Uhr sowie beim Invalldendanlc und KUnstlerdank. * CASTANS■■ PANOPTICUM Original-italienisclie Sänger- n. Konzert- (iresellscliaft „Odern ho". Die neuen sensationellen lebenden Photographien. 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Passage-Theatep: Vorstellung von 7— lO'/. Uhr. Belle-Alliance- Theater. Zum 13. Male: § 184. Schwank in 3 Akt. v. Ralph Gobbins Anfang 8 Uhr. Morgen u. folgende Tage: ß 184. W. Noacks Tbeater, Brnttnenstraße 16. Jeden Sonntag. DienStag und Donnerstag: Thentei»- Vorstcllnng. jfi Wmnmr. Poffe mit Gesang in 6 Akten von Äotzebuc. Nach der Vorstellung: Tauzkrättzchen. Kottbiiserstr. 4 a. Heute lebt er Donnerstag: Holfmanns NsMeiltsche Sthiger Nach der Soiree Tallziträllzehell. Die noch ausstehenden BilletS bitte freundllchft zu diesem Tage zu benutzen. Sonntag, den 2g. April: Solilu» d« Winter-Saison, Arbeiter-Malfesl Dienstag, den 1. Mai 1900. Vokal- und Instrumental-Konzert ausgeführt von Civil-Berufsrm sikern und Gesangvereinen des Arbeiter-Sängerbunds. Festrede.— Tarneriscbe Aufführungen.— Ernste und heitere Vortrüge.— Lebende Bilder.— Kinderbelustigungen.— Tanz. I. Wahlkreis. Feenpalast, Knrgstr. 22, Eingang Wolfgangstraße. Anfang S thr. Entree»S Pf. Tanz 30 Pf. Gesang, T.Ä"„Tjpograpliia". Feslrede fiÄÄ Wilh. Liebknechl. IB. IVahlkroi«. Kockbranerei, Fidirinkraßc S— 3. Anfang 4 I hr. Entree LS Pf. Festrede, 8Va Uhr, gehalten vom Reichstags-Abgeordneten Richard Fischer. Im kleinen Saal:— Tanz. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Kaffeeküche 3—6 Uhr.— Haifcst-Zeitung gratis. III. Wahlkrclsi. Ittuc Welt, HnscnHeide 108. Anfang de» Konzerts 4 Ehr. Festrede, SVa Uhr, gehalten vom Reichstags-Abgeordneten VolkgSllg Heine. Bei eintretender Dunkelheit: Grosses Eenerivcrk. Im grossen Saale; Tanz. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 30 Pf nach. Entree 23 Pf, Maifest-Zeitung am Eingang gratis. IV. Wahlkreiis. Brauerei Friedrichshain, am Königsthop. Keilers Feslsäie, Koppenstr. 29. Sanssouci, Kotlbuserstr. 4a. Jcßls Viktoria-Garten, KopnickepLandstp. 21-24. Tpeptow. Ludwigs Parkreslaurant, Köpnickep Landstp. 25-26, Tpeptow. Anfang des Konzerts 4 Ehr. Entree LS Pt. Die Kaffee-Küche wird um 3 Uhr nachmittags geöffnet. V. Wahlkreis. Schwrizrr Garte», am Königstlzor. Anfang 4 Ehr. Entree 20 Pf. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Programm an der Kasse.— VI Wahlkreis. Ahrems Braiierei, Thupnistpasse 25-26, Peters Gesellschaftshans, Alt- Moabit 80-81. Feldschlösschen, MOIIepstr. 142. Norddeutsche Brauerei, Gliausseestr. 58. Ballsciiinieders Lokal, Badstp. 16. Swinemttnder Gesellschaftsbaus, Swinemöndepstp. 42. Berliner Prater, Kastanien-Allee 7-9. Puiilmanns VaudeYiiie-Theater, Schönhauser Allee 148. Anfang 3 Uhr. Bei Eintritt der Dunkelheit; Fackelpoloitaise* Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach Die Kaffeeküche ist nachmittags geöffnet. Parteigenossen und Genossinnen! Um auch den wirtschaftlich schlecht Gestellten Gelegenheit zu geben, sich an der Maifeier zu beteiligen, haben wir von der Erhebung eines festen Entrees Abstand genommen. Wir ersuchen die Genossen und Genossinnen, sich möglichst zahlreich an der Maifeier zu beteiligen, um dasselbe zu einem wahren Volksfest zu gestalten, und wenn es irgend möglich ist, den Tag durch Arbeitsruhe zu feiern. Da wir alles aufgeboten haben, bitten wir um zahlreichen Besuch- Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. Die Komitees. Tode»- Anzeige. Alle» Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Metalidreher 6886 Oskar Wallmann nm 24. April saust entschlafen ist. Die Beerdigung findet Freitag nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhanie, �lieichenbergerslraste 106, aus nad, den, Friedrichöberg- Lichtenberger Kirchhof statt, vis trsusrnden Utntsrbliedenen Danksagnttg. Für die in so reichem Mäste be tviesene Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unsreS sorgsamen BaterS bSZb Krone •,ftfgen wir hiermit dem Chef und dem .Personal der Firma Frommholz, den Mi'gliedern der Gesangvereine„Jene- -feld-e und„Deutsche Schleife", den . Deputattoileu der Gewerkschaft und .des soeialdemokr. Wahlvereins f. d. 6. Berk. Reichstags-Wahlkreis nnsern herzlichsten Dank, desgleichen danken wir für die trostreichen Worte des Herrn Waldeck Manaffe. Die trauernden Hinterbliebeuen. Ida Krone nebst Kindern. ßmpfehle allen Freunden u. Bekannten mein 4Vei»»-, Bayn-ischbler- jr.ii) gr. Spei«ege»cliäft. Reich . balliges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Pf. sowie Abendtisch st la carte von 30 Pf. an. 2 Bereinsgimmer mit Klavier für 20— 50 Personen.' K.Strnnnn, Rest., Ritterstr. IL.i JA 000 Mark oder bei Mitübernähme der erste» Hstpothek. 23!:«« M.. werben ouf ein Gasthaus mit grostein j.GcsellschaftSgartcn(Parteilokal). -in eiuer iiidnstriereicheu Stadt Schlesiens, welches'einen LLert ■doli 4««00 M. besiht, gesucht. Davon sind sn legen am 1. Juli �1900 10 000 M. und am I. Okto- der 1900 bei Mitübernähme der - ersten Hypothek 13 200 M.. im andern Falle, d. h. wen» die erste j Hypothek in Höhe von 10 200 Sit. nicht mitübernommen wird, de- trägt die zu legende Summe nur «,'8000 M, welche alsdann mit rpen am 1. Juli 1900 gelegten �,10 090 M. die zweite Hypothek bilden würd.n. ftSOkL Nähere Auskunft erteilt Kuhn ..In Ober- Langenbielan, Perlag des.Proletarier aus dem Eulen- gcbirge-. jT Laaks 5 E 1 s a s» c r» t r. 39. s -5 Brhaudl. aller Haut. Harn- und Blascnleide» « ostno actiSdllclie»lffel u. Gifte.• Sprechst.: 0-2. 0-0.• Freitag und Sonntag»ur 0—2. L Berbandskarten Ermästigung. Z ------------- gm»r W T »»» »»»«'««»»»»»« ! Msunvi'! Freitag, den 27. April, abends 8 Uhr: UitKiicfiei'V6r8ummi�.d.X!liil8t6iIe Berlin II des Central Verbands der Maurer etc. DM" In„Cohns Pestsälen", Benthstraste Rr. 20/21.-H Tages-Ordnung: l. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Kr. Kerzfeld über: .Das Arbeiter-recht»ach dein Bürgerlichen Gesetzbuch". 2. Verschiedenes und Bereinsangelegenheiten. s1Z7/8 Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Vcrbandsleltnng. Achkttnq:'HW DM' Attzkung! Rllii-Ansllilägtt Derliils u. Umgeg. Oeffentliche Versammlung Freitag. 27. April, abends 8 Uhr. bei Bnshe, Grenadierstr. 3i Tages-Ordnnng: 1. Stellungnahine zum 1. Mai. 2. Verschiedenes. 33/17 Der Elhbernfer. 3KMliiien-'llBtftPtiiii0§f(ife der körtler ju Berlin. Zu der aut Sonntag, den 29. d. M., vorm. 19 lthr, Naunyn strafte 27 stattfindenden Wff" ordentlichen Geoerai-Versanimiung werden die Mitglieder Hiermit ergebenst eingeladen. Tages-Ordnnng: 1. Bericht der Revisoren und Abnahme der Jahresrechnung. önberung der 4 und 7 des Statuts. 3. Berschiedenes. DM" Quitstingsbiich legitimiert.-W>L Um zahlreiches Erscheinen bittet _ Der Torstand. C. Kneift, Vorsitzender. 2. Ab- 17/4 Achtung! Maler. Achtung! Die zu heute abend angesagte Versauunlung ist nicht vom Unterzeichneten einberufen._ 126/4 Joh. Plum, Vertrauensmann. Großer öffentlicher Bortrag für Damen und Herren im„Nrnen Naturheilverein" Charlotlenburg-Berlin (Vorsitzende». liube) im„Ktislincr Hof", Berlin W.,«öslinerstr. 8. Freitag. den 27. d. M.. abends 83U Uhr. spricht rrl. AU. Klllie, Nalnrlieilknndige, über: Die Lungenschwindsucht eine Yoikskrankheit. Entsteh, mg und Heilung nach dem Naturheilverfahren. Errichtung von Lungenheilstätten auf»aturgemäster Grundlage. Entree lä Pf. Entree 13 Pf. Es versäunie niemand, diesen interessanten Vortrag zu besuchen.-MW Der Vorstand. F reie Moiksblihne. BÄe%b Rfsf�rc�' Komniandanten�«: lahres-GenersIverssmmiung. 1. Vortrag über Arthur Scbnitzlor. Fr. Adele Schreiber. 2. Jahresbericht des Vorstands, des Kassierers und der Revisoren. 3. Diskussion und Neuwahl der gesamten Vereinsleitung. Der gedruckte Jahresbericht Hegt aus. Der Eintritt Ist nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet. AV Hm zahlreiches Erscheinen wird geboten.-WW 229/13 Sonntag: 2. Abteilung im Eesalng-Thcater: Die drei Töchter des Herrn Dupont. IM" Die ID. Serie beginnt am 6. Mal im Carl Weiss-Thcater für die 1. Abteilung. Zur Aufführung gelangt: 1. Abschied vom Regiment. Drama in 1 Akt von Otto Erich Hartle ben. 2. Fritzchen(aus„Morituri"). Drama in 1 Akt von Hermann Sudermann. 3. Abschledssouper(aus dem Anatol-Cyklus) von Ar t hsur.S c hni t z 1er.— Die Vorstellungen folgen am ,3., 20., 27. Mai, 3. und 10. Juni. Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. |ichadewv nein cht. � M liefere Anzug n. Mnft. neueste W Wir suchen zum Antritt per I. Juli einen 2. Redaeteur, der mit den sächsischen und lokalen Verhältnissen vertraut ist. Bewerber wolle» ihre Offerten mit Angabe ihrer bisherigen Thätigkeit und Gehaltsansprüche biö 10. Mai richten a» den 450öst Verlag des„Gächsischeu Volksblatt" ». Schmidt& Co. Zwickau, Richardstrastc 15. 8 VW» siehe unter„Kleine Anzeigen" „Vermischte Anzeigen". ■flnkal tuf Teilzalil. Oranlenslr, 131. m o n e i®k<äh, j m. uwent.„äv Vollständig fchmerzl. Plombieren u. Zahn- ziehen. Bequeme Deilzahlungen. Zahn liüliZtliGlik 44411"- Ceorg 4aeoh>-, Kummandanfenstr. Ol, I. Sprechst. v. 8-8 Uhr, a. Sonnt. Um zahlreichen Besuch bittet Geschäftsstelle des Vereins: _ Chaplottenbnrg, Berlinerftr. 125, 3 Treppen. 668b Morgen, Freitag, Andreasstr. 21, bei«teebert, abends S1/- Uhr MtMer- Vortrag über; Lungen-, Magen- und Nierenleiden vom prall. Naturheilkundigen Omudniann, WBF" Männer und Frauen willkommen. Eintritt 29 Ps. Berliner Verein iür Naturheilverfahren. Sprechstimden in der Natur- Heilanstalt Köpnickerstr. 72, 11—1 u,»-?. öer-Stsss-hllt fertige Anzug 20 M., feinste Zuthateu, saubere Zlrbeit, zwei Anproben.(41218* !!! Bhne Konknrreni!!! !!! Tildelloser Silz!!! Anzug- Reste, Paletot- Reste spottbillig. Moulag- Dienstag Resterverlauf z« Knabenanzügen. umsonst zugeschnitten. 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Tasielbe wurde fast ohne Debatte in der Fassung angenommen. die den Be- kchlüssen bezüglich des Gewerbe- UnfalloersichenmgsgeieyeS ent- spricht.� Nur über den§ 3 entspann sich eine längere Debatte insolge der Beschwerde, welche die Socialdcmokraten über die Behandlung der .Ä o l o n n e n a r b e i t c r vorbrachten. Wenn diese Arbeiter ver- Unglücken, dann werden ihnen ihre Entschädigungsansprüche streitig gemacht mit der Begründung, sie seien im Sinne des Bauunfall- VersicheruiigSgesetzcs keine Arbeiter, sondern Untcrnchnier. Aber auch ihre �Aufnahme in die Berufsgcuossenschaft als Unternehmer habe oft Schwierigkeiten, da ihnen dann auch die Eigenschaft als Unternehmer mitunter abgesprochen werde. Die Regierung und auch das Ccntrum gab zu, daß diesen Beschwerden eine gewisse Berechtigung zu Grunde liege, meinte aber, Abhilfe könne im Gesetz selbst nicht soiid.cnr nur durch die Praxis allmählich geschaffen werden. Da der Entwurf ohne jede Acnderung die Zustimmung der Kommission gefunden hatte, tvurde von einer zweiten Lesung Abstand genommen und sofort zu dem See-Unsallversicherungsgesetz übergegangen. Der Z l dieses Entwurfs enthalt die Aufzählung der- jenigen Personen, die der Sec-Unsallversichcrungspflicht unterstellt sind. Dies sind unteaandren Personen, welche aus deutschen Scefahrzeugen als Schiffer usw. zur Schiffsbesatzung gehören lScclcute). Zu diesen Personen wurden in der ersten Zeit auch solche Personen gc- rechnet, die nicht dauernd angestellt waren, sondern nur für einige Tage Tagelöhnerarbcit verrichteten. Nachdem man zehn Jahre lang diese Praxis befolgt hatte, warplötzlich von der Sce-Bcrnfsgenossenschast herausgefunden worden, daff diese Tagelöhner nicht zu den versicherten Personen gehören, iveil sie nicht zur Slbifssbesatzung zu- gerechnet iverden können. Es wurde daher diesen Tagelöhnern eine Rente verweigert und dies auch schlicszlich vom Reichs-Versilbemngs- amt bestätigt. Ilm die so entstandene Lücke im Gesetz auszufüllen. wurde von den Socialdemokratcn ein Zusatz beantragt, durch welchen auch die auf deutschen Schiffen beschäftigten aber nicht zur Besatzung gehörigen Personen für versicherungspflichtig erklärt iverden. Die Regierung gab zu, daß diese Lücke zu Tage getreten sei. Sie erklärte sich mit der voir den Socialdemokratcn vorgeschlagenen Aenderung einverstanden und so wurde denn der socialdcmokratische Antrag nach einer formellen Aenderung angenommen. Ferner beantragten die Socialdemokratcn. daß als Gegenstand der Versicherung auch die klimatischen Krankheiten und diejenigen Todesfälle auf See oder im Auslande gelten sollen, welche nicht nachtveislich auf außerhalb des Betriebs liegende Ursachen zurückzuführen sind. Die Socialdeinokratcn begründeten den Antrag init dem Hinweis darauf, daß die betreffenden Krank- Heiteil und Todesfälle für den Seefahrer auf gleicher Stufe stehen wie die eigentlichen Betriebsunfälle. Die Regierung hielt den Au- trag für unnötig, da ja im Jnvalidcnversicherungs- Gesetz der See- Bernfsgenossenschaft die Möglichkeit eingeräumt worden sei, die Witwen- und Waisenversichcrung durchzuführen. Auf diesem Weg könnte den vorhandenen Mißständen Rechnung getragen werden. Nach dein bestehenden Gesetz sind von der Versicherung aus- geschloffen diejenigen Unfälle, die der Versicherte während des �Ilrlaubs oder während einer Zeit erleidet, in welcher er sich pflichtwidrig von Bord entfernt hatte. Derselbe Wortlaut . war auch in den neuen Wortlaut hiuübcrgenommen. Die Socialdeniokpaten beantragten in erster Linie, diesen ganzen Satz zu streichen, eventuell aber den Satz so zu formulieren, daß während eines Urlaubs von der Versicherung nur dann der Unfall auö- geschloffen ist. wenn der Verunglückte in eigener Angelegenheit das Schiff verlassen hatte. Die Socialdemokraten.wiesen darauf hin daß der Schiffer stets Urlaub nehmen müsse, wenn er sich an das Land begeben wolle, also auch in all' den Fällen, in denen er irgend etwas aus dem Lande im Dienste seiner Vorgesetzten aus zuführen habe. Für diese Fälle aber wäre eine Entschädigung des Verunglückten unerläßlich. Die Regierung erkannte auch diese Beschwerde als gerechtfertigt an und so wurde dieser Antrag eben falls von der Kommission cinstimniig angenommen. Hierauf wandte sich die Debatte der Frage zu. ob der End schädigung der Jndi vi duallohn des Veriinglückten oder ein Durchschnittslohn zu Grunde gelegt werden soll. Da diese Frage von großer Bedeutung ist, die Kommission aber nicht niehr bcschlnß- fähig war, so wurde die Debatte vertagt. In der nächsten Sitzung am Donnerstag wird aber erst der vom Berichterstatter Abg. Trini- dorn vorgelegte Bericht über das Gcwcrbe-Unfallversicherungs-Gesctz zur Debatte gelangen._ Die Kommission für die Vorberatung der Seemanns Ordnung begann Mittwoch ihre Beratungen. Ehe man in die Bc ratung eintrat, wurden von verschiedenen Seiten Bedenken geäußert. ob eine Inangriffnahme des gesetzgeberischen Stoffes bei der vor- gerückten Sessionszeit überhaupt angezeigt sei. Es sei kaum Aussicht auf Fertigstellung der Vorlage vorhanden und werde die Session geschlossen, nicht vertagt, so i'ei die ganze Kommissionsarbeit ver- gebens gewesen. Die Regierung sagte dazu kein Wort und die Mehr- heit der Kommission beschloß, in die Verhandlungen einzutreten und sie so lange fortzusetzen, bis der Seniorenkonvent in dieser Sache einen Beschluß fassen würde. Zu g ii beantragten die Antisemiten, den Schiffsführer, der in dem Gesetz durchgängig als Schiffer bezeichnet wird,„Schiffskapitän" zu nennen. Der Autrag erlangte aber keine Mehrheit. Zu K Z beantragten die Socialdemokraten, die Machtbefugnisse der Dieustvorgesetzten den Schiffsmannschaften gegenüber auf de» ihrem Dittistzweig unterstehenden Teil der Mannschaft zu beschränken. Des weiteren soll der Schiffer zur Bekanntgabe der Vorgesetzten ver- pflichtet sein. In der sehr eingehenden Debatte über diesen Antrag fand aber nur der zweite Teil— die Pflicht der Bekanntgabe— allgemeine Zustimmung, während die bürgerlichen Parteien in den, ersten Teil des Antrags eine Lockerung der DiSciplin sahen und ihn angeblich aus diesem Grund bekämpften. Uusre Genossen zogen den Antrag schließlich zurück. Er wird etwas verändert in der zweiten Lesung wieder eingebracht werden. Beschlossen wurde ein Zusatz zu § 3. der die Bekanntgabe der Vorgesetzten durch Aushang dem Schiffer zur Pflicht macht. Hauptaufgabe der Schulleitung ist eS. für gründliche. Reinigung und Beleuchtung der Schulräume zu sorgen. 1�. Durch Aenderung des LehrplanS muß Raum und Zeit für Lehrgegenstände, welche direkt der Körperpflege dienen, gewonnen werden. Als notwendige Forderungen ergeben sich: a) die Eingliederung der Gesundbeilslehre in den naturwissen- schastlichen Unterricht und Belehrungen, die sich im Lauf deS gesamten Unterrichts ergeben. b) die Einführung des Turnunterrichts als obligatorische: Unter richtsgegenstand in allen Mädchen-Volksschulen, e> die Einführung planmäßiger Spielsiundcn, dj Wanderungen im Freien, welche gleichzeitig für den natur- geschichtlichen Unterricht fruchtbar gemacht werden, s> für Kinder der Oberstufe Be'chäftigung in Schulgärten, k) wo die örtlichen Verhältnisse es gestatten. Baden und Schwimmen im Freien unter Leitung und Aufsicht pädagogisch und technisch gebildeter Lehrkräfte, g) Schulbrausebäder, welche sowohl aus gesundheitlichen, als auch ans ethischen Gründen notwendig sind. V. Im Interesse der Volksgcsundheit und der nationalen Wohl fahrt ist jede Schulgemeiude verpflichtet, die Einrichtungen zu schaffen und fortgesetzt auszugestalten, welche zur Gesundheitspflege der schul Pflichtigen Jugend notwendig sind. Namnumsles. In der Frage der Festsetzung der Ferien an den Gc mcindeschulcu hat der von der Stadtvcrordnctcn-Versammlung ein gesetzte Ausschuß in seiner gestern abend unter Vorsitz des Stadt verordneten Dr. Schwalbe abgehaltenen Sitzung die Anträge Schwalbe und Singer nach nrehrstündiger Beratung mit einigen Aenderuiigen genehmigt. Im Antrag Singer ist das Wort„diesjährigen" gc strichen ivorden und lautet jetzt also:„Die Versammlung nimmt Kenntnis von der Vorlage und ersucht den Magistrat, die städtische Schuldeputatiou anzuweisen, Vorkehrungen zu treffen, durch welche cS den Schülern— Knaben und Mädchen— der Gcmcindcschulcn ermöglicht wird, während der Sommerfcricn, unter Führung und Aufsicht geeigneter Personen. Erholung im Freien sAuSfliige in die Umgegend, Jugcndspiele auf den Schulhöfen und in den städtischen Parks usw.)'zil genießen."— Wegen der hierzu erforderlichen Mittel sieht die Versammlung einer Vorlage entgegen. Socittles. Mit der VolkS-Gesuudheitspflege beschäftigte sich unter andrem die Generalversammlung des Landesvereins preußischer Volksschullehrerinnen, die vor einigen Tagen in Berlin stattfand. Die Ansichten der Versammlung kommen in den folgenden, nach den. Vor- trage des Fräulein Auguste Förster aus Kassel angenommenen Thesen zum Ausdruck: I. ES ist nachweisbar, daß auf dem Gebiete der Volkshygiene Mißstände vorhanden sind, die sich äußern: a) in dem Rückgänge der Wehrfähigkeit unsres Volks, b) in der immer weitere Volkskreise angreifenden Tuberkulose. c) in den Schädigungen, welche die furchtbare Verbreitung des Alkoholismus hervorbringt, ck) in der Zunahme der Krankheitsformen, welche auf Seelen- l störung beruhen. II. Der Schule ist nicht nur der Geist, sondern auch der Leib der Kinder zur Ausbildung anvertraut. Sie hat darum, die un- ohweisbare Pflicht, den socialen Mißständen durch die ptamnätzige Gesundheitspflege ihrer Zöglinge entgegenzuarbeiten. III. Sie entledigt sich dieser Aufgabe durch Anstellung von Schulärzten, welche Hand in Hand mit hygienisch gebildeten Lehr- kräften für strenge Durchführung der Schulhygiene sorgen. Eine Berliner Partei-Angelegenheiten. Tic Baumbliitc in Werder beginnt in nächster Zeit. Bei dieser Gelegenheit ersuchen wir die Berliner Parteigenossen, auf ihren Ausflügen die Lokalliste zu beachten. Das einzige am Orte der Partei zur Verfügung stehende Lokal von Marlin, Kugelwcg b8, bedarf dringend der Berücksichtigung. Da nach Mitteilung des Ver trauensmnuus bei Martin für größere llntcrkunftsräunie sowie für gute Bedienung bestens gesorgt ist, so wird zu erwarten sein, daß die Lokalliste nach Gebühr beachtet wird. Auf Wunsch sind die Ge Nossen in Werder gern bereit, Verciue usw. z» führen. In diesem Falle wolle man' aus einer Postkarte an Martin das Erforderliche mitteilen. Die Freie Volksbühne hält heute abend 8V2 Uhr in der Berliner Ressource, Kommaudautcnstr. 57, ihre wichtige Jahres- Generalversammlung ab. Arbciter-Bildmigöschnle, Neue Roßstr. 3. Heute beginnt der Unterricht in R e d e ü b u n g sRcferat und Diskussion über Themata aus dem socialen, gewertschaftlichen und geistige» Leben). Vor- tragender: Rechtsanwalt Victor F r ä n k l. Freilag: Geschichte sKultur- und Kniistgeschichte im nc»»zeh»te» Jahrhundert). Vortragender: Schriftsteller Dr. R» d olf S t e i n e r. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. In WaidmannSlust hält Dienstagabend 8 Uhr Genosse Lankow in einer bei Kühn statlfindendcn Volksversamnilung einen Vortrag über die Bedeutung deS 1. Mai. VokiSlles. Rache für Mcubrink. Im M a g i st r a t ist die Aiiregung zur Besprechung gelangt, daß dem langjährigen Vorsieher des Stadtverordnetenkollegiums, Herrn Langerhans, bei der demnächstigcn Feier seines 30. Geburts- tagS eine besondere Ehrung durch Ernennung zum Ehrenbürger von Berlin dargebracht werden möge. Wie wir hören, ivürde das Stadtverordnetcnkollegium freudig und einstinunig dieser Ehrung zugestimmt haben. Jedoch im Magistrat fanden sich nur 4 Stimmen für die Erteilung der Ehrenbiirgerschaft an Herrn LangerhanS, sämt- liche übrigen Magistratsmitglieder stimmten dagegen! Etwas Bauarbeiterschutz. Für den Geltungsbereich der Baupolizei-Ordnimg für den Stadtkreis Berlin vom 15. August 1897 beabsichtigt das königl. Polizeipräsidium eine Polizeiverordnung zu erlassen und hat einen diesbezüglichen Entwurf dem Magistrat zur Znstinnnung übcrsandt. Die Bestimmungen dieser Verordnung solle» Anivcndung finden bei H 0 ch b a u t e n. wenn einschließlich der Poliere und Lehrlinge mehr als 19 Personen zur Zeit der Rohbauausführung gleichzeitig auf dem Bau beschäftigt sind, während der Rohbau- auSsiihrung beschäftigte Arbeiter, wie Ziinmerlcute und Staker Iverden nicht in diese Zahl eingerechnet; bei T i e f b a u t e n, welche von Unteniehmern ausgeführt werden, wenn an einer bestimmten Stelle des Baues mehr als 19 Personen länger als eine Woche gleichzeitig be- schäftigl sind. Zur Unterkunft für die an solchen Bauten(wie vom angeführt) beschäftigten Arbeiter bei ungünstiger Witterung und in den Ruhepausen sollen Räume bereit gehalten werden', welche im Mittel in der Regel 2,20 Meter im Lichten hoch. mit festen Wänden umschlossen und mit einem wasserdichten Dach versehen sind. Die Grundfläche soll derart bemessen sein, daß auf jeden ai» Bau dauernd beschäftigten Arbeiter eine Fläche von wenigstens 9.75 Quadralnieter entfällt. Werden mehr als 29 Arbeitnehmer beschäftigt, so soll es genügen, wenn für die die Zahl 20 übersteigende Anzahl von Arbeitnehmer» eine Fläche von wenigstens 9.59 Quadratmeter pro Kopf zur Verfügung steht.' Die Räume sollen ausreichend Licht- und«Luftzufuhr und einen trockenen festen Fußboden haben und auf Erfordern der Polizeibehörde vom 15. Oktober bis 15. März heizbar sein. Für die dauernd auf dem Bau beschäftigten Arbeitnehmer sollen in de» Unterkunftsräumen Sitzplätze eingerichtetIwerden. Baumaterialien und Gerätschaften dürfen in diesen Räumen nicht gelagert werden. Bei Tiefbauten sollen die Unterkunsts- räume so gelegen sein, daß der Beschäftigungsort jedes Arbeitsnehmers von ihnen höchstens 759 Meter entfemt ist. Bei Hochbauten sollen für die Arbeitnehmer Aborte in solcher Zahl vorhanden sein, daß«in Abort für höchstens 25 Personen dient, auch sollen sie so eingerichtet sein, daß von außen nicht hinein- zesehen werden kann: sie sollen in der Regel an eine öffentliche Entwässeningsanlage angeschlossen Iverden', nur in Fällen, wo dies nicht angängig, sollen wasserdichte Tonnen zu- lässig sein. Von» 15. November bis 15. März sollen Stuccateure-, Putzer und Töpferarbeiten in Neubauten mir dann ausgeführt werden, wenn die Räume, in denen gearbeitet wird, durch Thllren und Fenster nach außenhin verschlossen siitd. In Räumen, in denen offne Coa.kSfeuer ohne Ableitung der ent- tehenden Gase brennen, soll nicht gearbeitet werden dürfen: solche Räume sollen gegen andre, in denen gearbeitet wird, dicht abzu-. zuschließen sein, und nur vorübergehend von den die Coakskörbe bc- aufsichtigenden Personen betreten werden. Ihre unbändige Loyalität sucht die Berliner Kommunal- Verwaltung jetzt nach den Principien derer von Schilda an den Mann zu bringe». Die am 29. d. M. in Angriff genommenen Arbeiten für die Gradclegung des Schinkelplatzes und die Herstellung einer neuen Usermauer des Spreekanals sind auf Anordnung der städtischen Baudcputation plötzlich unterbrochen worden. Der Bauzaun ist gestern wieder abgetragen und wird ebenso wie die Balken für die Rüstung nach dem Lagerplatz zurückgeschafft. Das Pflaster des B ü r g e r st c i g c s. das auch schon aufgerissen war,� ivird schleunigst wieder hergestellt. Die außergeivöhnlichen Maßnahmen werde» auf die bevorstehende Ankunft des Kaisers Franz Joseph zurückgeführt. Die Säle, die der Gast des Kaisers ivährend seines Aufenthalts in Berlin in» Schlosse beivohncn wird, sind zum Teil nach der Seite der Schloßfreiheit zu belegen, und so würde der Monarch den unschönen Anblick des Bauzauns haben. Mit den Arbeiten wird nunmehr, wie der Berichterstatter meldet, am 7. Mai von neuem begonnen werden. Vielleicht nehmen unsre Parteigenossen i>n Roten Hause bei Gelegenheit Aulaß, den Magistrat zu fragen, ob sich eine Vergeudung der Steucrgroichcn, wie sie in den unnütz verrichteten Arbeiten am Schinkelplatz fliegt, vor der Bevölkerung verantworten läßt. Auch ein Einwand gegen die Fcricnkolonicn. Gegen diese Einrichtmig erhebt die„Mark. VolkSztg." folgende Klage: Unsre katholischen Kinder komiiien, ohne daß viele eine Ahnung davon habe», nach Pommern, nach Mecklenburg oder auch näher in die Provinz Brandenburg an Orte. Ivo sie die ganzen Ferien hindurch nie in die katholische' Kirche gehen köniien. einfach, tvcil cS dort gar keine gicbt. Die Leute, bei' denen katholische Kinder initergebracht iverden. sind in den seltensten Fällen Katholiken: wie steht es da auch mit der Verrichtung der Morgen- und Abendgebete, mit der Abstinenz am Freitag, worauf doch katholische Familien selbst m der Diaspora Rücksicht iiehmc»? Wie würde für eventuell totkranke Kinder dort gesorgt werden, damit sie die hl. Sterbesakramente empfangen könnten? Wir glauben, daß die in Betracht kommende» katholisch getauften Eltern von Herzen froh wären, wenn sich iveitcr keine Mängel an den Ferienkolonien»achlveise« ließen. Der Betrieb des antomattschcn Fernsprechamts oder des „Fernsprech- Selbstanschluß- Amts", wie es amtlich heißt, ist mit' 189 Teilnehmern vorläufig eröffnet ivorden. Die VermittelungS- stelle befindet sich, wie schon früher erwähnt, Oranieuburgerstr. 79, bei dem Kaiserlichen Stadt-Ferusprechanit 3. Wie sich aus der zur Berteilmig gelangenden„Provisorischen TeiluehmerlistS" ergiebt, sind es nur dienstliche Anschlüsse, die zunächst Aufnahme in das Ver- zeichnis gefunden habe». Der Anschluß der private» Tcilnehiner soll allmählich nachfolgen.— Nach der dem Hestchen beigegcbenen Gc» brauchSanweislmg zum„Fernsprech- Selbstauschlnß- System" hat man, um zum Beispiel den Teiluehnier 9987 zu erreichen, den Fernhörcr abzunehmen. dann mit dem Zeigefinger in den Löchern 9. 9, 8 und 7 die drehbare Scheibe bis zum Anschlag zu drehen und in die Ruhelage zurückkehren zu lassen. Damit ist die Verbiudung hergestellt. Der Anruf geschieht dann durch Kurbel-Juduktor wie beim gewöhnlichen Fernsprecher, doch ist die Kurbel beim Drehen nach innen zu drücken. Nach beendetem Gespräch wird die Verbindung durch einfaches Wiederanhäugen an die Gabel gelöst, ohne daß man abzuläuten nötig hätte. Ist die gelvünschte Leitung besetzt, so hört man nach beendeter Herstellung der Verbindung ein entsprechendes Signal im Fernhörer. Man hat dann aUznhänge» und nach einiger Zeit die Verbindung von neuem herzustellen. Das Wahrnehmen des Signals ivährend des Gesprächs hat keine Bedeutung. Das Amt arbeitet bis jetzt gut und ohne Störung. Man hört die Gespräche verhältnismäßig deutlich; einige' Nebengeräusche erinnern jedoch an die Wiedergabe der Stimme durch! den Phonographen. � Ethik deS Sportplatzes. Eine nncrhörte Roheit, die sich am letzten Soimtag im Fricdenauer Sportpark einige bekannte Meister- schaftsfa hrer haben zu Schulden kommen lassen, erregt in Friedenau großes Aufsehen und allgemeine Entrüstung. Nach den Bekundungen der Augenzeugen, darunter vor allem der Wirtin des Sportpark- Restaurants, die dann auch polizeiliche Hilfe regilirierte, hat sich der! Vorfall folgendermaßen abgespielt: Ans der kleinei» Mittel-! tribüne, die ihren Aufgang in der' Nähe der Restauration hat. kamen abends nach Beendigung des> letzten Rennens süiif der bekanntesten Rennfahrer mit einem Besucher des Sportparks, einem jungen Manne, aus unbekannten Gründen in Streit, wobei der letztere von der Tribüne hinuntergeworfen wurde. Als er dann sich wieder aufgerichtet hatte, erhielt er von! dem Rennfahrer B ü ch n e r einen solchen Fußtritt vor den> Leib, daß er zusammenbrach. Hierauf wurde er von dem Meister-! schaftsfahrer Willy Arendt mit Stockhieben bearbeitet, worauf er! in den Rasen geworfen wurde. Damit aber noch nicht � genug, kan, noch ein dritter Radfahrer herbei und stampfte de»! Kopf des hilflos mit dem Gesicht»ach unten auf der Erd«> liegenden jungen Mannes in unerhörter Weise in den! Rasen. Da die Polizeimnniischaften schon den Sportpark ver-! lassen hatten und der Wirt des Restaurants nicht anwesend war. tclephonierte die Wirtin nach der Friedenauer Polizeiwache, worauf sofort der Wachtmeister Meier in Begleitung cincs AmtsdienerS er-! schien, bei dessen Anblick die tapferen Meisterfahrer schleunigst das Weite suchten. Die Beamten ließen den wie tot Daliegenden»ach einer Kabine bringen, wo der Arzt deS Sportparks, Dr. Wolfis Belebungsversuche anstellte, die jedoch resultatloS blieben, weShalb dann der BedaucriiSwertc nach einem Berliner Krankenhaus geschafft wurde. Der Vorfall, welcher auf den Charakter der beteiligten Meisterschaftsfahrer ein sehr bezeichnendes Licht wirft, Ivird natürlich für sie noch ein sehr unangenehmes gerichtliches Nachspiel haben. Die polizeilichen Mißerfolge der letzten Zeit dürften, wie eine Korrespondenz wisien will, wohl als Grund zu einem unerwarteten Besuch des Polizeimiiiisters v. R h e i n b a b e n im königl. Polizei- Präsidium anzusehen sein. Demzufolge widmete der Minister lein ausschließliches Augenmerk der Exekutivpolizei und ihren Beamten. Eingehend informierte sich der Minister bei dem Chef der Kriminal- abteilung. RegiernngSrat Dieterici, über die Maßnahmen der Polizei bei den zahlreiche» uiiaufgeklärteii Kapitalverbrechen der letzten Jahre. Wie verlautet, hat der Minister seine Mitarbeit an einer fort- dauernden Reorganisation des Berliner Polizeiwesens in Aussicht gestellt,»nd die Folge davon dürfte sei», daß eine Vermehrung des Beamte»Personals, sowie eine Erhöhung des kriminalpolizeilichen Dispositionsfonds, den Polizeirat Stiiwe verwaltet, in allernächster Zeit zu erwarten ist.— Was mag dabei herauskommen? Die Redaktion der„Verl. Morgeupost" schreibt uns: In Bezug auf Ihre heutige Notiz, betreffend die Wahrsage- Anzeige». teilen wir Ihnen höfl. mit. daß wir seit einer Woche diese Anzeigen nicht mehr aufnehmen. Wir bitten Sie, hiervon gefl. Notiz zu nehmen. ES ist bezeichnend, daß es erst der Mordaffaire Jänicke bedurft hat. um das Gewissen der„Morgeupost" zu schärfe». Noch ein paar Lustmorde: und wir sehen vielleicht auch die Masseusen- und Kuppelei- anzeigen a»ls der bürgerlichen Presse verschwinden. Mangel an Beamten ist. wie eine Korrespondenz meldet, bei der P 0 st v e r w a I t u n g eingetreten. Infolge der ungewöhnlichen Zunahme des Verkehrs«nd des wirtschaftlichen Aufschivungö fehlt eS an einer ausreichenden Zahl von Anwärtern für die mittlere Laufbahn. Bewerber werden sofort angenommen und haben„recht gute Aussichten". Nach den neuen Vorschriften erfolgt die Annahme als Post, oder Telegrapheng-HUse. Wie kläglich diese gestellt sind. ist allgemein bekannt. Sollte tuirklich Mangel an Beamten herrschen, jo wäre dies gerade kein Wunder. Die Kohlentcnerung. Die Coakspreise sind heute wiederum gesteigert worden und zwar gleich um 20 Ps. für hundert Liter. Diese kosten jetzt,»ach einer tiicrmaligcn Preissteigerung, 1,40 M, gegen 90 Pf. zu Beginn des vergangenen WintcrS. Der Vorrat ist so gering, daß die Nachfrage nicht befriedigt werden kann. Eine Aalschmiinzcrbande ist zum Teil hier im Osten der Stadt, zum Teil auswärts festgenommen worden. Seit Oktober b. I. gingen bei der Kriminalpolizei fortwährend Anzeigen über den lim- lauf von falschen Thalcrstücken ein, die teils gut. teils sehr mangelhaft gearbeitet waren. ES wurden sechs bestimmte Personen beobachtet. Von diesen verschwanden vor den Osterfciertagen plötzlich drei aus Berlin. Bald erhielt die Kriminalpolizei die Mitteilung, datz diese drei in der Provinz verhaftet worden waren. Nun wissen die Berliner Mitglieder der Bande. wenn sie in einer gewissen Zeit von ihren Werbrechergenosscn in der Provinz nichts' hören, daß diesen etwas zugestoheii ist. In der richtigen Voraussicht, das; dann die Fäden sehr leicht auch zur Entdeckung der übrigen Teilnehmer und der„Fabrik" führen können, pflegen sie alsbald alles, wa» auf ihre Spur führen konnte, zu beseitigen. Daher schritt die Polizei schleunigst auch zur Festnahme der in Berlin gebliebenen Falschmünzer und zur Aushebung der Fabrik, die auch schon längere Zeit beobachtet wurde. Die Fabrik befand sich in, Osten der Stadt im Quergebäude eincS Grundstücks. Die Kriminalpolizei wußte, daß darin stets bei verschlossener Thür und verhängten Fenstern gearbeitet wurde, und beschlagnahmte eine Menge Werk- zeuge und Falschstücke, die zum Teil fertig, zum Teil noch unvoll- endet waren. Einen doppelten Selbstmordversuch machte gestern. Mittwoch- nachmittag, die b8 Jahre alte Wäschcnn Amalie Leisler aus der Strelitzerstraße 84. Es ist daS wieder ein Fall, in dem Karten- legerinnen eine unheilvolle Nolle gespielt haben. Die alte Frau, die so schon etwas wunderlich war. ließ sich von ihnen den Kopf ganz verdrehen. Auf Grund der„Wahrsagungen" verlangte sie von ihren HauZgeiiossiimen alles Mögliche und geriet' daher mit allen in Streit. Aus dicsenr Grunde verließ sie auch ihre frühere Wohnung in der Ackcrstraßc und zog a,n 1. d. M. mach der Strelitzcrstraße 34, Ivo sie im vierten Stock wohnte. Auch hier hatte sie bald Zerwürfnisse. Als gestern morgen die beiden jungen Mädchen, die bei ihr wohnen, auf Arbeit gegangen Ivarcn, säuberte sie die ganze Wohnung, legte reine Wäsche' an.' verhängte die Fenster,»ahm Gift, das sie schon länger besaß und in einer Tasse gelöst hatte, machte an einem Bcttpfostcn eine Schlinge zu- >recht, bedeckte diese mit einer Nachtjacke, so daß»jemand sie' sehen koimte, steckte den Kopf hinein und legte sich so ins Bett, lim 4 Uhr nachmittags klopfte ein Schutzniann bei ihr, der nach ihrem Namen und Alter fragen wollte. Da er keinen Einlaß erhielt, so erkundigte er sich bei einer Nachbarin und als er hier die Auskunft erhielt, daß die Frau wohl ausgegangen sein werde, wollte er sich wieder entfernen. In diesem Augenblick kam jedoch eines der Mädchen ' zurück und öffnete. ES sah die Wirtin im Bett liegen und glaubte, daß sie schlafe. AlleS Rütteln und Schütteln aber tonnte sie nicht wecken. Nun kam auch die Nachbarin dazu. Diese meinte, die Frau liege in Krämpfen. Daher wurde schleunigst ein Arzt geholt. Nun entdeckte man, daß sie Gift geiiominen hatte, und fand auch ' die Schlinge, in der die Lebensmüde augenscheinlich schon lange gelegen hatte. Dem Arzt gelang cS. sie ins Leben zurückzurufen. Als sie die Augen aufschlug. waren ihre einzigen Worte:„Kartenlegerin sagt tot." Sie wurde mit einem Lückschen Rettungswagen in ein sKrankcnhauS gebracht. Eine Durchsuchung hatte ein überraschendes Ergebnis. Die Frau hatte Armemmterstniimig erhalten und galt daher als vollständig mittel los. Neben dem Armenschein aber fand man einen HinterlcgungS> schein der Reichsbank über 1000 M., ein Sparkassenbuch über 300 M, und 25 M. bares Geld. Schein, Buch und Geld»ahm die Revier- Polizei in Gewahrsam. Selbstmord durch Gasvergiftung verübte der etwa 50 Jahre alte Tapezierer P a u I P f e i f f e r. der in dem Keller des Hanfes Schlltzcnstr. 21 ein Plättgeschäft eingerichtet hatte. Eheliche Zwistig- leiten führten dazu, daß ihn seine Frau vor einigen Tagen verließ. Nachdem die bei ihm beschäftigte Plätterin Dienstag daS Geschäft verlassen hatte, verband er einen vorher gekauften Gummischlauch mit dem GaShahn der Stubcnlampe, legte sich ins Bett und sog nun da? ausströmende Gas durch den Schlauch ein. Gestern morgen wurde er tot aufgefunden. Ans de» Nachbarorte». Die Eharlottenbnrger Stadtverordneten- Verfaunnlnng erledigte am Mittwoch eine große Reihe von Vorlagen, meist von untergeordneter Bedeutung und ohne wesentliche Debatte. Die Vor- läge betreffend den Ankauf einer Teilfläche des Grundstücks Branhof- ftraße 4 zu Zwecken der Kimftgcwerbe- und Handwerkcrfckmle wurde an den Magistrat zurückverwiesen. Zur Beilegung der Differenzen über die Ausstattung der neuen Realschule mit einer Vorschule lvurde auf Antrag des Magistrats eine gemischte Deputation ein- gesetzt. Oberbürgermeister S ch u st e h r u's gab der Hoffnung auf eine Verständigung Ausdruck. Stadtvcrordnctcn-Vorstcher Dr. I a f f s betonte, daß eS sich nicht, wie der Magistrat meine, um eine principielle Entscheidung darüber handle, ob überhaupt Vorschulen errichtet werden sollen, sondern nur darum, ob diese Schule mit einer Vorschule zu versehen sei.— Die übrigen Vorlagen beanspruchen kein allgemeines Interesse. Der Rekord in der AuSntttznng deS Groben Unfug- Paragraphen ist augenblicklich in Friedenau erreicht worden. Hatte da, wie wir in der„Berliner Zeitung" lesen, ein Lokal- blatt in Friedenau berichtet, daß die Gemeindevertretung in außer- ordentlicher Sitzung beschloffen habe, infolge der Verleihung des Adels an den Landrat die nach diesem benannte Straße in „v. Stube nrauch-Straße" umzutaufen. Darauf hin er- folgte zuerst eine amtliche Anfrage bei dem Gemeindevorsteher, wie sich die Sache verhalte, dann eine öffentliche Berichtigung in der Gemeindevertretung durch den Gemeindevorsteher und endlich ei» Strafbefehl über 80 Mark wegen groben llnfugs gegen den Redacteur und gleichzeitigen Berleaer des Blatts. Gegen den Strafbefehl wird die richterliche Cnt- scheidnng angerufen iverdcn, und aus der GcrichtSverhandlmig wird man ja wohl erfahren, wer sich durch die Erhebung jener Straße in den Adelstand bemiriihigt gefühlt hat. Wer hat Lust, de» in Friedenau zu stände gebrachten Rekord zu überholen? Aus Mariendorf schreibt man uns: Nachdem in den der- fchiedenen Orten die Wahlen der socialdemokratifchen Gemeindevertreter für ungültig erklärt worden sind, können wir berichten, daß auch in Mariendorf die Wahl des Genossen H. Schüttekop wegen eines„Form- fehlers"— Bestimmtes ist bisher noch nicht an die Oeffentlichkeit ge- drungen— kassiert ist, Unter diese» Umständen ist es eigentlich unbegreiflich, wie die Regierung eS für notwendig hält, das Gemeinde-Wahlrecht für die arbeitende Bevölkerung noch mehr zu be« schneiden; größere Freude kann sie auch von einer neuen Be- stimmung nicht erhoffen, als von der herrlichen Funktion des jetzigen Apparats. Borsigwalde. Die Einwohner unsrer Kolonie stehen in Konflikt mit der hiesigen Ballgesellschaft. Die Mieter weigern sich, die für einen Vorort nicht gerade billigen Wohnungsmieten zu zahlen, da die Baugesellschaft die kontraktlichen Verpflichtungen zur Zeit nicht innehalten kann. Nachdem die Gemeinde Tegel die Versorgung unsrer Ortschaft mit Wasser und Reinickendorf den Anschluß an seine Entwässerung abgelehnt hat, dürfte lange Zeit vergehen, bis uns die im Kontrakt vorgesehenen Annehmlichkeiten beschieden sein werden. Die Einwohner haben sich jetzt um Verbilligung der Mieten mit einer Petition an die Gesellschaft gewandt. Gevtchts�Äeikuug. In Spandau herrschen Gefängniszustände, die stark an das Mittelalter erinnern. Dieses Faktum wurde in der gestrigen Ver- Handlung vor dem Schivurgericht am Landgericht kl gerichtsseitig konstatiert. ES geschah dicS in der Verhandlung wider die Verkäuferin Bertha Sorgatz, die beschuldigt war, das Hcisesche Lokal im Hause Breitestr.bö' in Spandau in Brand gesetzt zu haben, um ihre beträcht- liche» Unterschlagungen zu verdecken. Die Angeklagte, die schon eine Stunde nach dem Ausbruch des Brands ans dem Bett heraus verhaftet winde, hat am andern Tag vor der Polizei ei» Geständnis abgelegt, dasselbe einen Tag später vor dem Uiitersuchungsrichtcr wiederholt, in der gestrigen Haiiptvrrhandlmig zog sie diese Geständnisse zurück und motivierte diesen GesinnungSIvechsel damit, daß ihr daS Geständnis dadurch abgepreßt worden sei, daß man sie in eine Kellcrzelle ohne Licht und Luft sperrte, die so bitter kalt war, daß sie bald erfroren Iv ä r e. Nur mir dieser Zelle zu ciitflichc», habe sie daö an sich falsche Gcsländnis abgelegt. Der Präsident, LaiidgcrichtSrat As chrott, konnte nicht ünihtn, an- zuerkennen:„DaS ist ja richtig, daß das Gefängnis in Spandau nicht allen An fordern»gen ent« s p r i ch t I" Der Verteidiger, RcchtsaMvalt W r o n k e r'. nutzte daS Bestehen dieser Zelle nach Kräften aus. Er nannte die Zelle, die tief unter der Erde liegt und nur durch ein kleines Guckloch an der Decke etwas Licht erhalte, dabei aber entsetzlich kalt ist, direkt eine Folterkammer und erzielte damit im wesentlichen die völlige Freisprechung der Beschuldigten. Ein erheuchelter Raubmordvcrsuch gelangte gestern vor dem Schöffengericht zur Sprache. In der Nacht zum 28. Februar d. I. gegen 12Vs Uhr erschien der beim königlichen Schauspielhaus be- fchäftigte Statist Wilhelm Müller in dem Bureau des ersten Polizeireviers und teilte dein Vorstand, Polizeilicutenant Schenk, mit. daß seine Ehefrau das Opfer eines Raubmordvcrfuchs ge- worden fei. Er fei gegen 12 Uhr»ach Haufe gckonimc». Als er seine im Hause Sprccslr. 4 im zweite» Stock gelegene Wohmmg betreten habe, habe er seine Fran in bewußtlosem' Zustande auf dem Fußboden vor der aeöffnctcn Kommode liegend gefunden. Sie habe nni den Hals ein fest zngcsckmürteS Band gehabt, welches loS- zulösc» seine erste Aufgabe gewesen sei. Dann sc; seine Fran auch bald lvicder zu sich gelvinnic». habe mit de» Händen gefuchtelt und dabei fortwährend die Worte ausgestoßen:„DaS Geld ist fort!" Polizcilieutcnant Schenk begab sich sofort an den Thatort. Die angeblich Ueberfallcne Lssnct'c ihm, die Lampe in der Hand bnltcnd, die Thür. Sic erzählte dem Beamten, daß sie gegen 11 Uhr vor der Kommode gestanden und in der oberste» Schublade gekramt habe. Plötzlich sei sie hinterrücks von einem unbekannten Mai»«, der sich in die Wohmmg eingeschlichen haben müsse, mit beiden Händen um de» Hals gepackt und zu Boden gerissen worden. Bevor sie einen Laut von sich habe geben können, habe der Räuber ihr eine Schlinge um den Hals gelegt und dieselbe fest zugezogen. Sie habe noch gcfüblt. wie der Rnnbcr einen kleinen Beutel niit 300 M. in Gold, den sie onf der Bnist verborgen gehabt, an sich riß; dann seien ihr die Sinne geschwunden. Dein Polizeilicutenant kam die ganze Er- Zählung sofort sonderbar vor. Frau Müller hatte an ihrem Halse auch nicht die geringste Spur irgend einer Strangulation anfz»weisen! sie vermochte nnch nicht eine aimähernde Be- schreibmig von dem angeblichen Räuber z» geben und ihre Wohnstubenthür knarrte fs km», baß es niimöglich war. unbemerkt hineinzukounncn. erst am folgenden Tage, als sich daS Gerücht von dem Ranbmordvcrsnch bereits verbreitet mid die dortige Gegend in Unruhe versetzt hatte, begnemtc Frau Müller sich zu dem GcständiitS, daß sie Komödie gespielt habe. Ihr Mann habe ihr 300 M. niibertrant, ivclche am 1. März zur Ucbcruahme eines NcstaurationsgcschäftS dicncii sollten. DicS Geld habe sie ohne sein Wissen verausgabt und ihn deshalb zu täuschen gesucht. Sie habe nicht geglaubt, daß ihr Mann sofort zur Polizei laufen wurde. Die weiteren Ermittelungen ergaben, daß der Ehemann Müller der Ge- schichte kcincsivcgs so fern stand, wie er behauptete. Eine unter den Müllerschen Eheleuten wohnende Frau bekundete, daß Fran Müller das Fenster geöffnet und threin nach Hanse kommenden Ehemann den Hausschlüssel hiinmtergcivorfen hatte, eine andre Nachbarin halte bemerkt, Ivic Frau Müller ihrem die Treppe emporsteigenden Man» mit der Lampe geleuchtet hatte. Beide hätten dann zusammen die Wohinnig betreten, und gleich darauf hätte man dort Poltern»nd miterdrücktcs Hilfegcschrei gehört. Nach ivcnlgcn Minuten später sei Müller davongcstürmt. Die Behörde nahm an, daß die Müllerschen Eheleute durch den erheuchelten lieber fall entweder ihre Mittellosigkeit verdecken oder sich von der Verpflichtung der llcbcrnahme des Schankgeschäfts befreien wollte». Sie erhielten eine Anklage wegen groben Unsiigl. Der Staatsanwalt hielt die Schuld beider Angeklagten für Zweifel- los, er beantragte gegen dieselben eine Geldstrafe von je 150 M. Der Gerichtshof hielt daS Vorgehen der Angeklagten für so frivol, daß es in erster Linie mit einer Frciheits>trafe geahndet werde» müsse. Es wurde auf eine Haftstrafe von je vier Wochen erkannt. DaS VcrcinSgesclz ,..gcu die".itcrschaft. Der Polizeipräsident hatte den Parteigenossen Sannnann als Vorsitzenden des GauverbandS Berlin der Ccntralorganisation der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter aufgefordert, ihm ein Verzeichnis des GauvorstandS, ein Verzeichnis der Zahlstelle» des GauverbandS und ein Excniplar des für den Gnnvorstand maßgebende» RcglcnientS einzureichen. Schumann kam dem Verlangen nicht nach, weil er eine Vcrpflichtmig dazu nicht anerkannte. DaS Schöffengericht sprach ihn auch frei, daS Landgericht als BernfnngSinstanz verurteilte ihn jedoch zu einer Geldstrafe. In der UrteilSbegründimg wurde ausgeführt. daß eS sich hier um einen Verein handle, der auf öffentliche An- gelcgcnheiten einzuwirken bezwecke. ES komme deshalb§ 2 des VeremSgesetzcS zur Anwendung. Danach feien die Vorstände solcher Vereine' aber nicht nur verpflichtet, Statuten und Mitglieder- Verzeichnisse der Ortspolizeibehörde einznreichen. sondern ans Erfordern auch alle darauf bezüglichen Auskünfte zu er- teilen. Solche Auskünfte seien hier erfordert ivorden. Der Angeklagte legte Revision ein und rügte an der Voreittschcidmig, daß sie auf einer falschen Auslegung des ß 2 des Vereinsgefetzes beruhe. Der Strafsenat deS Kammer- gerichts verwarf aber die Revision mit der Be- grlliidung, daß in dem Urteil des Landgerichts ein Rechts- irrt um nicht zu rrkeimen fei. Dein Gauverbande Berlin gehörten verschiedene Zahlstellen an. die Polizeibehörde in Berlin sei deshalb berechtigt, Schritte zu thun, um diese kennen zu lerne». Auch ein Äcrzeichnis des Ganvorstands lönne fie ver- langen, denn die Polizei müsse doch wissen, an Iven sie sich zu halten habe, wenn ven Vorschriften des§ 3 nicht entsprochen iverde. WaS nun das Reglement für den Gauvcrband angehe, so sei die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß dieses«ine Aeiidmiiig des Statuts enthalte. Die drei Aiifordenmgen bezögen sich auf Aenderuiigen an den Gatznngen und im Mitgliederbestand. Alle darauf bezüglichen AuSkünste müßten aber die Borsteher von Vereinen tm Sinne des§ 2 der OrtSpolizeibehörde erstatten. Um einen solchen Berein handle e« sich hier. VevpanunUmgvn. Die Steinardeiter hielten am Sonntag im Englischen Garten eine Versammlung ab, in der Gustav Otte als 2. Vertrauensmann gewählt wurde. Sodann wurde über die vorjährige Statistik be- richtet und beschlossen, das Material öffentlich bekannt zu geben. Die Maifeier soll durch ArbeitSnihe begangen werden. Nachdem noch einige NnterstiitzungSgesuche kranker Mitglieder erledigt waren. wurden einige Mißstände in den Geschäften erörtert. Die Regelung wurde dem Vertrauensmann überwiesen. «erbaud deutscher Barbiere. Friseure it.(Zwelgvcrein Berlin.) Donnerstag, den 2«. April, abends 10»/, Uhr, bei Schiller, Rosenthaler- ftraße 57: Versammlung. Vevmipchkes- AuS Äonlfc wird berichtet: Der In Bartenstein verhaftete Böttchergesclle Klebs ist gänzlich unbeteiligt an der Konitzcr Mord- jache. Klebs hat nach der«Danziger Ztg." vom November bis 6. April in Marienivcrdcr gearbeitet und den fraglichen Krimmerüberzieher bei einem' dortigen Schneidermeister an- fertigen lasten.-» Den vier Knaben, ivelche den Kopf des Winter am erste» Osterfciertag anfgeflmden haben, ist— wie jetzt amtlich bekannt gemacht wird— eine Belohnung von 500. 300, 200 und 100 M. zu teil geworden.— Ausschreitungen gegen jüdische Bewohner sind in letzter Zeit in CzerA, Hammerstein, Prcchlan, Osche. Mrotschcn, RiimmelSburg vor- gekommen. ES handelt sich ineist um das nächtliche Einschlagen von Fensterscheiben. Einem hiesigen Blatt wird anS Könitz noch ge- meldet: In dem benachbarten Schlocha» wurde gestern abend in einem Graben auf dem Grundstücke des Fleischers Berndt ein in einem Filzhut cingeilähtcr. angeblich gut erhaltener Schädel ent- deckt. Der Fund wurde in Vcrbiiidimg gebracht mit dem vor drei Jahren erfolgten Verschwinden eines dortigen jungen Mädchens. Die Nachricht verursachte hier abermals große Aufregung. Es stellte aber sich heraus, daß Arbeiter ans Mutwillen einen Totcm'chädel. den sie gefunden hatten, verpackt »nd in die Nähe des jüdischen Tempels gebracht hatten. Gestern fand In CzerSt eine wichtige Haussuchung bei dem Haiidelsmaim Salomo» Vlimienhain statt,'worüber allerdings bis jetzt noch nichts Näheres verlautet. Hier finden zur Zeit ausgedehnte Vernehniuiigen statt, welche die Person des nach Schwcrseüz verzogenen früheren hiesigen Schlächters Heymann zum Gegenstand haben. RohcitSvergehen. Ein P i st o le n d u e ll fand in Zwickau zwischen einem O f f i z i e r und einem F r e i h e r r n statt. Ersterer wurde verletzt.— Ein Duell unter schweren Bedingungen hat dieser Tage in A l a s s i o bei Oneglia zwischen einem hohen deutschen Herrn, dessen Name leider nicht genannt wird, nnd dem Sohn der Mnrguise Villamarina. einer Hofdame der Königin von Italien, stattgefunden. Die Ursache des Zweikampfs scheint eine Liebes- affaire gewesen zu sein. Beide Duellanten wurden schwer ver- ivimdct. Auf der kaiserlichen Werft zu Kiel hat sich am Dienstag-. nachmittag gegen 4 Uhr ein schiverer Unglücksfall ereignet. Beim Anbringen einer Panzerplatte an das verlängerte Schiff „Hagen" riß die die Platte haltende Kette. Die Panzerplatte durch- schlug die zum Schutz noch untergelegten Hölzer und verletzte vier Arbeiter sehr schwer. Zwei von ihnen mußten sofort nach den akade- mischen Heilanstalten geschafft iverdcn. An dem Auskommen der Schivervcrlctztcn wird gezweifelt. Wieder ein Grnben-Unglii«?. Wie man auS Dortmund meldet, wurden beim Anfahren zur gestrigen Mittagsschicht auf der Zeche„Schleswig" durch die anfsprmgende Thür des;Förd«rkorbS z w e i Arbeiter gegen die Schachtzimmerung gedriickt.und sofort getötet. Einige andre erlitten leichte Verletzungen. In Algier sind vierzehn Petroleum quellen von großer Stärke gefunden worden. Sie sollen ebenso ertragreich sein wie die voir Baku. Gegen zehn Gesellschaften bewerben sich UM die Konzession der AuSbentimg der Quellen. Markiprrise von Berlin am S4. April lsiOV »ach Sriiiittliingen des tgl. PolizeipräsidiiiinZ. Welze», gut D.-Etr. mittel„ «eriiig Roggen, gut mittel gering Gerfte, gut „ Mittel * gering Haser, gut „ mjttel » gcrnig Rlchtslroh Heu. Erbsen'„ Spcisrbohnen. vmsrn„ Produktenmarkt allgemeiiie Lustlosigkctt, 15,00 1 14,96 14,92 14,50 14,40 14,42 14,98 14,94 14,00 14,48 14,44 14,40 Knrtnsseln,»eue,D-Ttr. Nnidslcisch, Kcnle 1 Ks du. Bauch, Schwenicflelfch, Kalbfleisch Hammclslclsch„ Butter Tier Karpsen Aale Zander Hechle Barsch« Schleie Blei- Krebse 60 Stück II-S 1,60 1,20 1,60 1,60 1,60 2,60 s- 2,20 3,- 2,60 2,— 1,80 3- 1,20 12,- 5,- 1,20 1,- !? 2,- 2,40 1,20 i;i i- 0,80 1,40 0,80 3,50 14,50 14;- 13,90 13,50 18,40 13,- 5,50 4,82 8,30 5 50 10,- 25,------_„ 45,— 25— Krebse per Schock 70,- 30.- vü m 25. April. Getreide. Heute herrschte ivclche wohl aus die einander stark widersprechenden Meldungen vvn de» ausländischen Börsen zurückzuführen war. Während Amerika und England leicht erhöhte Schliißpreile für Weizen meldeten, kam Orstreich-Unganl bis 19 Kr. niedriger. Das kältere Welter machte wenig Eindruck, den kurz vor Beginn des heutigen Mittagsvcrkehrs eingetretenen Regen hält man nicht für dnnernd. Im Mittelpunkte des hiesigen, nick» uinfniigrcichen Geschäfts stand wiederum Roggen, der feine bisherige Festig- keit bewahrte nnd auch für Weizen, welcher in schwächerer Haltung vcrMrne, ctnen neiiiicnswerten Preisrückgang verhinderte. Im Sisekttvheschäl.aar Roggen bei äußerst knappem Angebot zu gut behaupteten gestrigen Preisen gefragt, Weizen mehr angeboten und im Preise»laßacbend. Im Lleserungs- Handel lag Siogge» sest Lei unberändcrtei! Preisen, Wetten per Mai auf Realisationc» 0,S0 M. billiger angeboten. Die erzielten Umsätze in beiden ArNkrln waren wenig umfangreich. Mehl verkehrte zu gut behaupteten Preisen. Hafer zog vel sehr ruhigem Handel im Preise leicht an. Für Mais zeigte sich wenig Bedarf, Preise blieben unverändert. RübSI lag fest aus Pariser Anregung— Spiritus(50er) loco ohne Faß—,(70er) loco ohne Faß 49,7 bez. srei HauS.(70rr) loco mit Faß—. Städtischer Schlnchlvlehniarkt. Berlin, 21 April 1900. Amtlicher Bericht der Direklton. ginn Verkauf standen: 488 Rinder 2595 Kälber, 1339 Schafe, 10 243 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beztehnngsweise für 1 Psund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: n) vollflcischige, ausgemästete, höchsten SchtachtwmeS, HLchsienS 7 Jahre alt 00- 00, b) lunge fletschige, nicht ansgcmästcte und öllere anSgeinästetr 00- 00! e) mäßig genährte Iniigi und gut genährte älter« 00— OO; d) gering genährte jede» Alters 00—00— Bullen: a) vollfleischige höchsten SchlachtwerteS 00- 00; b) mäßig genährt« sUugere und gut genährte ältere 00—00; c) gering genährte 00— 00.— Färsen und Kühe: i») vollsielschige, anSgemäslete Färse» höchste» Schlachlwerts Ott- 00; b) vollsielschige, ausgemästete Kühe höchsten SchlachtwerteS bis zu 7 Jahren 00- 00; o) ältere anögeuiästete Kühe nnd wenig gut entwickelte jüngere Kühe u»d Färsen 00— 00;>1) Mäßig genährte Kühe nnd Färsen 00-00; e) gering genährte Kühe nnd Färsen 00-00.— Kälber: a) feiiifie Mas» knifft(Bolimilchmast) nnd beste Saugkälber 72-75, b) mittlere Mastkälbcr »Nd gut« Saugkälber 65-70, o) geringe Saugkälber 56-60, ch) ältere, gering genährte(Fresser) 00- 00.— Schafe: a) Mastläunner nnd süngere Mast- Hammel 58—61, b) älter« Masthammel 51—56, c) mäßig geiiiihrte Hammel und Schafe(Merzschase) 45—49, ä) Holstelner Niederuiigs- schafe(Lebendgewicht) 00- 00.- Schweine: a) vollfleischige der feineren Naisen und deren Kreuzungen lm Alter biS zu IV« Jahre» 44,00 b) Käser 00-00, c) vollfleischige 42-43, d) gering tNNvlckeit« 39-41, e) Sauen 37—39. Verlaus»nd Tendenz. Vom Rindermarkt blieben ungefähr 200 Stück unverkauft; maßgebende Preis» waren nicht festzustellen. Der Kälberhandel gestaltete sich ruhig; gute schwere Ware war nur schwach vertreten, mittel und geringe War« dllllger Bei den Schafen fand ungefähr die Hälfte des Austriebs Absatz. Der Schwcweuiarkt war gedrückt»nd schleppend, und wird kaum ganz geräumt. Kvitternnglüberftcht vom 88. April 1900. morse«» S tthr. -i 3 11 4 7 Wetter-Prägnofe für Donnerstag, den 26. April 1000. Etwas kühler, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und ziemlich frische» nordwestliche» Winden. Berliner Wetterdurea». ia Verantwortlicher Redacteur: Pank John in Berlin. Für dm Inseratenteil verantwortlich: Tb.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.