Nr. 301. 10 Erscheint täglich außer Montags. Abonnements Preis für Berlin: Vierteljährlich 3,30 Mart, monats lich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mit dem ,, Sonntags= Blatt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Unter Kreuzband: Für Deutschland u.Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1891 unter Nr. 6469. Vorwärts 8. Jahrg. Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins: und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr Vors mittags geöffnet. fern sprech- Anschluß: Amt VI, v. 4106. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: Beuth- Straße 2. Preuken ift ein Reditsfaat, Donnerstag, den 24. Dezember 1891. es hat eine verbriefte Verfassung, und diese Verfassung enthält einen Abschnitt, der von den Rechten der Preußen" handelt. In diesem Abschnitt ist nicht nur davon die Rede, daß alle Preußen vor dem Gesez gleich sind", sondern die Verfassung enthält auch diese Rechte speziell in verschiedenen Artikeln hübsch aufgezählt. So lautet der Artikel 29 in seinem ersten Absatz wie folgt:„ Alle Preußen sind berechtigt, fich ohne vorgängige obrigkeitliche Erlaubniß und friedlich ohne Waffen in geschlossenen Räumen zu versammeln". Diese Verfassungsbestimmung hat zwar durch die Verordnung vom 11. März 1850", welche zur Verhütung des Mißbrauchs der Versammlungsfreiheit" erlassen wurde, eine Reihe sehr wesentlicher Einschränkungen erlitten, aber auch 11 " Sie genau die Gegenstände anzugeben, über die berathen werden foll, und wir werden jede Versammlung aufheben lassen, in der dergleichen sozialdemokratische Reden gehalten werden sollen. Da Sie mit dem Riesop unzweifelhaft im Einverständniß gehandelt haben, so werden wir gegen Sie diejenigen polizeilichen Vorsichtsmaßregeln ergreifen, die nothwendig erscheinen. Dergleichen Vorkommnisse zu verfügen( foll wohl heißen verhüten, R. d. V."), und die Arbeitgeber mit veranlassen, Sie aus der Arbeit hier zu entlassen. einen Termin auf Expedition: Beuth- Straße 3. Steuerzahlen die wichtigste Pflicht, welche unser„ Nechtsstaat" dem Bürger auferlegt. Dabei möchte man es fast noch ein Glück nennen, daß dem deutschen und speziell bem preußischen Staatsbürger dieser Gehorsam, wie er in den Rasernen ja in klassischer Form gezüchtet wird in so reichlichem Maße zur Ver fügung steht. Denn weniger gedrillte Menschen, wenn sie Dinge auszuhalten hätten, wie wir sie erst vor wenigen Wochen gelegentlich der Wahlagitation aus dem Wahlkreise Raftenburg zu berichten hatten und wie sie sich in der vorstehen vor- und- das würde für sie schlimme Folgen haben. den Polizeiverfügung zeigen, könnten die Geduld verlieren Zur Feststellung Ihrer persönlichen Verhältnisse haben wir den 21. d. M., Vormittags 11 Uhr, in unserem Amtslofal angefeßt, zu welchem Sie hierdurch geladen, unter der Warnung, daß bei Ihrem Ausbleiben Sie zu einem neuen Termin durch polizeiliche Zwangsmaßregeln werden gestellt werden. Schönlante, den 13. Dezember 1891. Die Polizeiverwaltung. Metray. Un den Bigarrenarbeiter Herrn H. A., hier. Rechtsstaates": Wenn der Polizeiverwalter in Schönlante Denn das ist ja das besondere Mertzeichen unseres nicht weiß, daß es ein Recht des Staatsbürgers ist, Versammlungen zu berufen; wenn dieser selbe Beamte weiter nicht weiß, daß er angemeldete Versammlungen nicht zu genehmigen, sondern nur eine Bescheinigung über die erfolgte Anmeldung auszustellen hat; auch wenn der Beamte nicht einmal weiß, daß es bei der Ausübung des Verdiese Verordnung ändert daran nichts, daß die Preußen das Recht haben, Versammlungen zu. N. 5261. berufen; es sind nur gewisse Formalien für diesen Fall vorgeschrieben. Daß solche Versammlungen der Ges So der Polizei- Ukas. Ueber die Ungesehlichkeit des sammlungsrechtes keinen Unterschied macht, ob der Redner nehmigung bedürfen, ist durch die Verfassung und selben, von der ersten bis zur letzten Zeile, brauchen wir ein Fremder" in diesem Falle ein Berliner Kind- ist, die Bestimmungen der Gesetzestraft beanspruchenden Ver- kein Wort zu verlieren; ebenso wenig darüber, daß wenn oder nicht so hat das für den betreffenden Beamten ordnung vom 11. März 1850 einfach ausgeschlossen. ein simpler Bürger sich eines gleichen, die gesetzlichen Vor- kaum eine nennenswerthe Bedeutung. Schlimmsten Falls Ebenso ausgeschlossen ist es natürlich, daß Jemand durch schriften so vollständig außer Betracht lassenden Vorgehens wird er rettifizirt" was aber, wenn die Rektifikationen einfache Ausübung eines gesetzlich garantirten Rechtes sich gegen eine Behörde schuldig machen würde, er unter allen aus solchem Anlaß erfolgen, noch keinem„ Rektifizirten" einer strafbaren Handlung schuldig macht. Sollte aber um Umständen zur Rechenschaft gezogen und bestraft würde. beim Avancement im Wege gestanden haben soll. gekehrt es Jemand unternehmen, einen Staatsbürger Sur Obuch die Polizeiverio iltung in Schönlante' vor den Nun aber denke man sich umgekehrt den Fall, der EinGewalt oder Drohung an der Ausübung staatsbürgerlicher Richter stuhl zitirt wird, wollen wir abwarten. berufer der Versammlung oder der Redner in derselben Rechte zu verhindern, so macht sich der Betreffende einer Was aber heute schon fest steht und was für uns und wären in punkto Kenntniß des Versammlungsgesetzes so strafbaren Handlung schuldig, wie des Näheren im Straf- die gesammte deutsche Arbeiterschaft den Erlaß der Polizei schlecht beschlagen gewesen, wie die Polizeiverwaltung in gesetzbuch nachzulesen ist. in Schönlante besonders interessant macht, das ist die darin Schönlante, und sie hätten die Bestimmungen des Gesetzes offen ausgesprochene Drohung, dafür Sorge tragen zu wollen, so wenig beachtet, wie dies der Erlaß" thut, wie viel daß der Arbeiter, welcher es gewagt hat, ein ihm zustehendes Wochen Gefängniß hätte dies für die beiden Bürger wohl verfassungsmäßiges Recht auszuüben, aus der Arbeit ent- im Gefolge gehabt! lassen werde. Mit allen diesen gesetzlichen Bestimmungen und Vorschriften, wie sie einen Rechtsstaat wie Preußen zieren, vergleiche man nun die rauhe Praxis, wie sie aus dem nachstehend wörtlich wiedergegebenen Erlaß spricht. Derselbe rührt her von der Polizeiverwaltung in Schönlante, einer Stadt in der preußischen Provinz Posen und lautet wörtlich: Am 2. d. M. meldeten Sie uns eine Arbeiter- Wolfsverfammlung zum 4. d. M. an, in welcher Anzeige als Tages Ordnung bezeichnet wurde: 1. Lage der Arbeiter 2c. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Da die bisherigen Versammlungen zu feinen Ausstellungen Anlaß gegeben hatten, fo gerrehmigten wir die Versammlungen. Nun hat sich aber herausgestellt, daß ein ganz fremder Mensch, Namens Riesop, sich herausgenommen hat, in der Versamm Was aber in Schönlante und Rastenburg passirt ist, Hier mischt sich also die Polizei in Privatverhältnisse steht durchaus nicht vereinzelt da, sondern passirt nur zu ein, die sie gar nichts angehen, und sie sucht einen Arbeiter, oft und in fast allen Gauen unseres lieben Vaterlandes. weil er ein politisches Recht ausgeübt hat, damit zu be- Wäre es unter solchen Verhältnissen nicht angebracht ftrafen, daß sie ihn aus Lohn und Brot treibt. Diese und eines Rechtsstaates- in diesem Falle allerdings Handlung mit dem rechten Namen zu bezeichnen, werden ohne Gänsefüßchen- angemessener, gewisse Organe tüm wir uns hüten; Gründe dafür brauchen wir unseren Lesern merten sich etwas mehr um die für ihre Befugnisse und nicht anzugeben. Dieselben werden übrigens das rechte Aufgaben gezogenen gesetzlichen Grenzen, als daß sie durch Wort schon selbst finden. Denunziationen klassenbewußter Arbeiter den Herren Kühne mann und Körting Konkurrenz machen? Natürlich hat der betroffene Arbeiter gegen den Polizei- Ukas sofort Beschwerde erhoben. Der Vorladung zur Feststellung seiner persönlichen Verhältnisse" hat er aber einstweilen folgen müssen und dadurch einen halben Tag Ist lung zu sprechen, und zwar in einer Weiſe, daß man annehmen von seinem Arbeitsverdienſt eingebüßt. 3ft es doch auch Politische Uebersicht. muß, daß er es darauf abgesehen hatte, die hiesigen Arbeiter aufzuheben. Offenbar haben Sie darum gewußt, und es ist ganz un verantwortlich von Ihnen, daß Sie uns nicht davon Anzeige gemacht haben, daß ein Fremder in der Versammlung Wenn Sie fünftig eine Versammlung anmelden, so haben sprechen werde. Feuilleton. Machbrud verboten.] Fé. Von Edna Fern. Langsam hat sich Fé aus seinen Armen [ 14 gelöst, fie steht vor ihm, sie will den Mund öffnen, da faßt er sie haftig am Arm: ein durch oberstrichterlichen Spruch festgestelltes Postultat durch die hohe Polizei zu folgen hat, gleichgiltig ob diese unferes Rechtsstaates", daß der Bürger der Vorladung Vorladung sich auf gesetzlichem oder durchaus ungesetzlichem Boden bewegt. Der Bürger kann sich beschweren aber vorerst hat er zu gehorchen. Der Gehorsam ist neben dem mein ganzes Leben gebe ich freudig für ein kurzes Jahr an Deiner Seite aber ich kann die Mutter nicht verlassen, so nicht!" " Sei ruhig, weine nicht so, mein Liebling, ich will Dich nicht mehr quälen. Geduldig will ich sein und warten worauf? Wer weiß es?- Aber es muß ja noch gut werden, es ist nicht anders möglich. Lebewohl, Du mein Glück, meine Seligkeit nicht für immer, o nein, für eine kurze Zeit nur, kurz, gegen die Ewigkeit unserer Liebe. Meine Fé leb' wohl!" Buchen. Fest umschlungen halten sie sich, unter den weinenden " Noch nicht, Fé, sprich noch nicht ich ängstige Dichter kommt der Nebel nieder, und ungeduldig reibt mich!" und wie wirkliche Furcht sieht es aus Günther's das Pferdchen den Kopf gegen die Schulter seiner Herrin. Augen. Wer giebt mir Antwort? Fé schaut ihn traurig an. " Wohnt dort oben über den Sternen ein Wesen, das Günther, Liebster, weißt Du, wie ich Dich liebe? Go sehr, daß ich Religion, Erziehung, guten Namen von mir eiseskalt und seelenruhig unser Schicksal lenkt? Thun wir schleudern möchte, Dir zu folgen, wohin Du auch gehst. es selbst mit tollkühnem, leidenschaftlichem Menschenwillen? Aber, Günther, ich habe eine Mutter- Sieh', eine Mutter thut so Vieles für ihr Kind. Sie gebiert es mit Schmerzen, sie wacht über ihm in Sorgen, sie beschützt es, so viel es ihr möglich, vor Kummer und Noth. Günther, Du lieber," sie lächelt unter Thränen, wir find noch jung, wir haben noch Zeit, wollen wir warten noch, ehe wir uns unseres Glückes freuen?" Günther antwortet nicht, er starrt finster zu Boden; in dumpfer Schmerzenslaut, als habe er ein körperliches Weh, dringt über seine Lippen. Da wirft sich Fé ungestüm in seine Arme, da umschlingt sie seinen Hals, als wollte sie nimmer von ihm lassen: ,, Günther, Liebster, Du mein Alles! Wie soll ich's ertragen ohne Dich! Ich werde sterben fern von Dir! Ach, Ist's der Zufall, eine wunderlich- kluge Verkettung unscheinbarer Ereignisse? Ah, wer giebt mir Antwort! Berlin, den 23. Dezember. deutschen nicht agrarischen Zeitungen findet sich folgende Es giebt keinen Nothstand. Im Handelstheil der Notiz und Tabelle: " Noch schärfer als in irgend einem der voraufgegangenen Wer läßt es regnen?" " Der liebe Gott." Wo ist der?" " " Im Himmel." " Was macht er da?" " Er regiert die Welt." „ Geht das schwer?" " " Fürchterlich schwer." Warum denn?" " Junge, frage Deinen Papa, ich weiß nichts mehr," sagt seine Mutter, dem Verzweifeln nahe. Klein Hildegard hat sich während dieser interessanten Unterhaltung mit Nachdruck auf den Teppich gesetzt, trommelt mit den kurzen Beinchen auf die Erde und erklärt sehr entschlossen: Es soll dleich aufhören su degnen, Mama." Ernst kommt in die eine Thür hinein, brummt etwas von schouderhaftem Hundewetter", und geht aus der andern wieder hinaus, vermuthlich in den Pferdestall. Fé stützt gedankenvoll den blonden Kopf in die Hand, guckt aus dem Fenster, zählt die Schneeflocken, die da zwischen den Regentropfen tanzen- denn es ist„ Schlappschnee", richtiges Novemberwetter- und denkt dabei an Günther und findet das auch sonderbarer Weise gar nicht unpassend. Klatschend schlägt der Regen gegen die Erkersenster des Saales in Werdern, der Wind schüttelt die alte Wetter fahne auf dem Dach, daß sie sich knarrend dreht, und pfeifend sauft er im Kamin herunter. Trostloses Wetter! Eine allgemeine Langeweile und Melancholie hat sich Frau Rehling tritt ins Zimmer; ihre Augen blicken infolge dessen der Familie Rehling bemächtigt; sogar die finster, sie schiebt die Unterlippe ein wenig vor und macht Kinder wissen nicht, wie sie sich beschäftigen sollen. Kurt sehr große Schritte ein Beichen, daß sie aufgeregt und lehnt gegen die Knie feiner Mutter und versucht, seiner Wiß- zornig ist. Sie trägt einen geöffneten Brief, geht auf Fé begierde zu genügen. zu und legt die schöne, weiße Hand fest auf ihre Schulter. Felicitas", sagt sie ernst, was ist zwischen Dir und Günther Norberg?" " Mama," sagt er, woher kommt der Regen?" " Aus den Wolken," antwortet seine Mutter. Monate dieses Jahres tritt der außerordentlich hohe Preisstand der not h wendig st cn Lebens- mittel in der Preisstatistik für den Monat N o v e m b er hervor, welche jetzt für den preußischen Staat veröffentlicht ist Eine Bergleichung der Novemberpreise seit dem Jahre 1876, d. h. dem Jahre, seit welchem die preußische Preisstatistik auf derselben Grundlage beruht, liefert nämlich folgendes Er- gebniß: Durchschnittspreise im Monai November pro Tonne(160 Kg.) in Marl Weizen Roggen �2� Weizen Roggen t�n 1876 218 186 50,5 1884 157 143 47 1877 220 159 58 1885 155 139 38 1878 181 185 63 1886 156 132 89,5 1879 218 171 63 1887 153 119 41 1830 215 214 56 1888 186 159 69 1881 231 195 43,5 1889 185 168 42 1882 181 142 56,5 1890 189 174 56,5 1883 186 155 45,5 1891 234 237 78 Der Weizenpreis betrug darnach im Durchschnitt der 15 Jahre von 1876—1890 189 M. pro Tonne; der November preis dieses Jahres stellt sich demnach um 45 M. höher. Der durchschnittliche Roggenpreis war in demselben Zeit räum nur 160 M. pro Tonne, so daß der dies- jährige Novemberpreis um 77 M. über dem 15 jährigen Durchschnittspreis steht; selbst bei vollständigem Forlfall des Roggenzolls von 50 M. würde sich dennoch in diesem Jahre noch immer eine Preissteigerung um 27 M. ergeben haben. Der Durchschnittspreis der Kartoffeln betrug von 1876—1390 rund 50 M. pro Tonne; hier liegt also eine Preissteigerung um 28 M. oder um 56 pCt. vor. Sieben und sieben zig Mark— das heißt mehr als ein Drittel über dem Durch s ch n i t t s p r e i s— ist daS kein Nothstand? Und von diesen 77 M. kommen fünfzig auf Rechnung der Kornzölle und nur 27 auf Rechnung natürlicher Ur- fachen. F a st zwei Drittel des N o t h st a n d s- Preises, d. h. des übe r durchschnittlichen Preises sind also das Werk der 5kornzölle, und künstliche Brot- verthenerung. Durch die Handelsverträge sollen die 50 M. auf 35 herabgesetzt werden. Allein das genügt nicht. Auch dann wird die künstliche Brotvertheuerung noch immer nahezu die Hälfte des überdurchschnittlichen Preises betragen. Und in einer Zeit der Erwerbslosigkeit und niederen Löhne ist jeder Pfennig, mit dem das Brot des armen Mannes besteuert wird, ein Verbreche» an der Humanität. Drum fort mit den Kornzöllen! Die Agitation gegen den Großkornwucher muß jetzt, da sie durch die Handels- vertrage zu einer dauernden Einrichtung gemacht werden soll, mit verdoppeltem Nachdruck wieder ausgenommen werden! Fort mit den Kornzöllen! Nieder mit dem Großkorn wucher!— Die Handelsverträge geben den Blättern vom Schlage der'„Kölnischen Zeitung" Anlaß, von allen Seiten Klagen über Schädigung einzelner Industriezweige durch die Handelsverträge zusammenzutragen. Merkwürdiger Weise fanden die Klagen über die ungeheuere Vertheuerung der nothwendigsten Nahrungsmittel in der„Kölnischen Zeitung" stets ein taubes Ohr, ebenso die Klagen so vieler Industrie- zweige, die durch die Vertheuerung der Rohstoffe und Ar- beitsniaterialien lahm gelegt waren. Jetzt registrirt die „Kölnische Zeitung" um so eifriger die Klagen-einzelner Industriezweige, daß sie nicht genügend bei den Handels- vertragen berücksichtigt sind. Dabei sagt sie selbst, indem sie betreffs der thüringischen Spielwaaren-Jndustrie sich be- klagt, daß die österreichische Industrie sich größerer Vor- theil« als die einheimische zu erfreuen habe:„Die hohen Eingangszölle Oesterreichs, Italiens, Rußlands und der Türkei, die Zölle Frankreichs, Spaniens, Schwedens und Norwegens, die fast als Prohibitivzölle wirken, haben einen empfindlichen Rückgang der Spielwaaren-Ausfuhr ver- ursacht." Sie gesteht also zu, daß dieser Rückgang durch unsere die anderen Staaten zur Nacheiferung auffordernde Zollpolitik entstanden ist. Viele Staaten haben infolge der- selben sich durch die eigene Industrie von unseren Export- artikeln emanzipirt. Wenn die Industrie zu klagen hat, so trägt, zwar nicht allein, aber doch ganz wesentlich, die Bismarck'sche Zollpolitik die Schuld.— Sozialreform will die deutsche Reichsregierung treiben, sie will die Sozialdemokratie bekämpfen und das Vertrauen „Zwischen mir und Günther Norberg", wiederholt Fe tonlos— ah, jetzt bricht der Zwiespalt von Neuem über sie herein.— „Ja, und die Wahrheit", sagt die Mutter streng. Fe richtet sich aus, sieht ihre Mutter fest an und ent- gegnet ruhig: „Ich liebe ihn, Mutter." „Also doch," stöhnt Frau Rehling, indem sie von Fe zurücktritt. „Gertrud, bringe die Kinder hinaus und dann höre, was ich meiner Tochter zu sagen habe." Eine bange Stille. Gertrud kommt zitternd zurück und nimmt ihren Platz dicht an Fe's Seite ein. Sie wagt nicht, etwas zu sagen; Muth gehört gerade nicht zu Frau Gertrudens hervorragenden Eigenschaften. Fe sieht vollkommen gefaßt ihrer Mutter entgegen. Wäre Frau Rehling nicht so sehr erbittert gewesen, würde sie an Fe's stolzer Haltung, den festverschlungenen Händen, den dunkelblickenden Augen, bemerkt haben, daß sie den denkbar ungünstigsten Augenblick für dieses Gespräch erwählt hat. Aber sie sieht es nicht, scharf und vernichtend klingt jedes Wort: „Hier schreibt mir meine Schwägerin, daß ihr Schwieger- söhn Günther Norberg auf Scheidung von seiner Frau dringe, die infolge der Aufregung krank darniederliegt, weil er— ich kann es nicht fassen— ein Liebesverhältniß mit meiner Tochter unterhalte und diese zu Heirathen wünsche. Ist das so, Felicitas?" „Nein, Mutter. Günther Norberg unterhält kein Liebes- verhaltniß mit mir, aber er liebt mich. Und er wünscht allerdings die Scheidung von einer herzlosen, ungeliebten Frau, aber nicht allein meinetwegen. Du weißt sehr gut, Mutter, welch' unglückliche Ehe es gewesen, lange ehe Günther mich kannte." Wie ruhig und überlegt das Alles klang. Frau Rehling sieht Fe forschend an, als sie entgegnet: „Es scheint, die Leute haben Recht in dem, was sie sprechen, Felicitas. Also Du, Du hast Dich nicht entblödet, mit einem verbeiratheten Manne von Liebe zu sprechen, darüber zu verbanoeln. wie eine Scheidung von seiner Frau zu er- der Arbeiter erringen, und dabei ist das Reich seinen unmittelbaren Arbeitern gegenüber von einer Knausrigkeit und weiß mit ihrer Arbeitskraft ivahrhaft Wucher zu treiben, unbekümmert danim, ob die Arbeiter durch die Roth zum Verbrechen getrieben werden. Die letzteren Fälle sind nichts seltenes mehr, und die einzelnen Opfer ihrer Nothlage erregen selbst das Mitleid nationalliberaler Blätter.� So schreibt der„Hannoversche Kourier" in einem Rückblick auf die in der letzten Schwurgerichts-Session ver- handelten Fälle: „Vor allen Dingen haben wir mit Erstaunen von dem Ver- fahren gegen einen armen Landbriefträger Kenntniß ge- nommen, ver wegen schwerer Amtsunterschlagung vor den Ge< sch worenen stand. Der Mann hatte wiederholt Gelder für Postanweisungen und Zeilungsgelder, die ihm von den Ab- sendern oder Bestellern ausgehändigt waren, im Ganzen einige 50 M. unterschlagen und nicht in das zur Eintragung solcher Gelder bestimmte Postannahmebuch eingetragen. T Gesetz droht für dieses Verbrechen Zuchthaus bis zu 10 Jahren an und bei Annahme sogenannter mildernder Umstände Gefängniß nicht unter sechs Monaten. Das sind bei den Ansprüchen, die man an deutsche Beamte zu stellen gewohnt ist, und bei den Rechten und Vorzügen, die man den Beamten in Deutschland einräumt, gewiß gerechte Strafen, die — zur Ehre unseres Beamtenthnms sei es gesagt— selten anzuwenden sind. Aber es sind auch zweifellos schwere Strafen, und nun sehe man sich die Umstände an, welche ihre Anwendung in diesem Falle veranlaßt haben. Der Angeklagte war ehrsamer Zimmermann, als ihm die Postverwaltung vor fünf Jahren ihren Rock anzog und die Würde und Verant- wortlichkeit eines Beamten verlieh; er wurde auch ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß er bei Veruntreuungen die schweren Strafen des Verbrechens im Amte zu gewärtigen habe; er mußte der Bczirks-Kleiderkasse beitreten, desgleichen der Spar- und Vorschußkasse und empfing seinerseits als Beamter das Gehalt von, sage und schreibe einer Mark und fünfzig Pfennig täglich und nach fünfjähriger Dienstzeit eine tägliche Zulage von 15 Pfennigen. Der Mann war so leichtsinnig, bald nach seiner Anstellung zu Heirathen und eine Familie zu gründen, hielt sich aber trotzdem redlich, bis im letzten Herbst das zweite Kind kam und die häus- liche Notb ihn trieb, fremde Gelder anzugreifen. Wir suchen mit allen Mitteln dem sozialdemokratischen Unwesen entgegenzutreten, aber was nützt uns das, wenn von der Staatsverwaltung selbst in solcher Weis« Beamtenproletariat gezüchtet wird? Die Beamten müssen Engel und Helden oder Asceten sein, dk in heutiger Zeit mit 15 Groschen, ja. wenn man jene Abzüge rechnet, mit vielleicht 13 Groschen täglich leben und noch Weib und Kind ernähren sollen. Ein gewöhnlicher Arbeiter ist dafür nicht zu haben, aber ein Beamter— läßt sich dadurch auf eine Bahn bringen, die ins Zuchthans führt. Unserer Ansicht nach liegt da ein Mißstand zu Grunde, der entschieden Abhilfe fordert. Man darf einen Menschen mit so karger Besoldung mindestens nicht als Beamten in eine Stellung bringen, in der ihm täglich kleinere oder größere Geldbeträge durch die Hand gehen und die Versuchung, sich unehrlicherweise aus der Roth zu helfen, verschärft und vervielfältigt wird." Schade nur, daß es mit dem bloßen Mitleidsausbruche uicht gethan ist. Wo bleibt das Mitleid der national- liberalen Abgeordneten bei den sozialdemokratischen Anträgen auf Aufhebung so jämmerlicher Zustände durch Ver- besserung der Lage der unteren Beamten? Da haben sie ..... en Erwägungen und Sparsamkeits- ür die Nothlage der dem Elend preisgegebenen Staatsarbeiter. Unter solchen Umständen ist denn cpich der Apsdruck des Mitleids in dem einzelnen Falle nichts als eine sehr wohlfeile Heuchelei.— Unsere Gegner bedauern es, daß die Prügel- strafe aus unserem Strafgesetzbuch verschwunden' ist. Manchmal möchten auch wir es bedauern; zum Beispiel, wenn sich angeblich gebildete Wienschen, die noch obendrein die Prätention haben, dem„Volk" als Muster dienen zu wollen, sich benehmen, wie wilde Indianer oder Kameruner. Geriethen sich da z. B. vor Kurzem im ungarischen Reichs- tag ein Abgeordneter und ein M i n i st e r in die Haare, beschimpften sich gegenseitig wie Fischweiber es nicht thun, nud führten dann eine Duelltomödie auf, über die ein Telegramm also berichtet: „Pest, 2t. Dezember. Der Verlauf des Duells war außer- ordentlich heftig. Zuerst fand aus 25 Schritte Distanz ein zweimaliger Kugelwechsel statt. Es wurde Niemand getroffen, worauf sofort ein Säbelduell folgte. Bei demselden benahm sich der sechzigjährige Fejervari seinem viel jüngeren Gegner gegenüber äußerst schneidig. Der Minister wurde leicht am Ohrläppchen geritzt, dagegen erhielt Ugron smehrere Wunden, darunter eine am Handgelenk, infolge deren Ugron kämpf- vvv vvv v» vor allerlei staatsmännischer rücksichten kein Gefühl für möglichen sei. Meine Tochter hat das gethan, aller Er- ziehung, allen Grundsätzen zum Trotz. Felicitas, wo bleibt Dem Stolz?" „Mein Stolz?" Fe's Augen leuchten auf.— „Mein Stolz, Mutter, ist es, daß ich ihn liebe, daß ich mich gern ihm hingeben möchte, ihm folgen bis ans Ende der Welt, und daß ich's frei bekonime— da kommt mir wieder mein Stolz zu Hilfe! „Felicitas, besinne Dich," ruft Frau Rehling entsetzt o, eine solche Sprache kennt sie nicht in ihren fein- gebildeten, lauwarmen Kreisen—.„Du sprichst von einem Manne, an welchen eine Andere ein Anrecht hat, und welches Anrecht!" Da fährt Fe auf. Ihre Gestalt scheint zu wachsen, sie ist blaß und ihre Hände zittern, aber ein Feuer der Be- geisterung glüht in ihren Augen und auf der weißen Stirn liegt eine Entschloffenheit, die dem zarten Gesicht fremd war, seit Günther sie verlassen. „Welches Anrecht?" sagt sie mit tiefer Stimme,„Mutter, das fragt sich noch! Sie also hat ein Recht auf Günther Ella, die ihn nicht einmal geliebt, als sie sich ihm ver- mahlte, aus was für Gründe? aus Eitelkeit vielleicht?— Die ihn diese Jahre hindurch gepeinigt hat durch ihre erzlosigkeit, ihn am Schaffen gehindert, ihn geistig fast zu runde gerichtet, ja, und sein Kind hin geopfert hat? Jene Furie hat ein größeres Recht an ihn, nur weit das Gesetz es sagt, j weil em armseliges Menscheuwort sie zu verbinden gemeint, für alle Ewigkeit! Und ich, die ich ihn liebe, grenzenlos, unermeßlich, mit aller Kraft meines glühenden Herzens, die ich ihn wieder ausgesöhnt habe mit dem Leben,.ihn seiner Kunst und somit der Welt zurückgeben werde? Ich, sage ich Dir, ich habe das grüßte, heiligste Aiwecht an Günther Norberg, das Recht, das vom Herzen zum Herzen geht!— Trenne mich von ihm, und Du tödtest meine Seele!"— Erscküttert faßt Gertrud nach Fe's kalten Händen, einen flehenden Blick sendet sie in der Mutter strenges Gesicht; aber auch deren Zorn kennt jetzt keine Grenzen mehr: „So schamlos bist Du, Felicitas," sagt sie langsam, unfähig erklärt wurde. Als seine Wunden verbunden waren, schritt Ugron auf den Minister zu und sagte:„Ich bedaure das Vorgefallene!" Darauf reichte der Minister seinem Gegner die Hand und beide schieden versöhnt." Wenn beiden Exzedenten für diese Pöbelei 25„Schneidige" auf offenem Markt aufgezählt würden, so wäre das vielleicht von ganz guter Wirkung— jedenfalls hätten wir nichts einzuwenden.— Der Kongrest der sozialistische« Studentea in Brüssel beschloßt daß in allen Ländern, in denen eine organisirte sozialistische Arbeiterpartei existirt, die sozia- listischen Studentenverbände sich dieser anzupassen haben. Die Studentenverbände haben außer mit der allen Gruppen der Partei gemeinsamen Propaganda sich mit folgendes Gegenständen zu befassen: I. Umwandlung der Universitätseinrichtungen, um die- selben den Erfordernissen einer sozialdemokratischen Gesell- schaft anzupassen, insbesondere: a) Volle Unabhängigkeit der Universitäten gegenüber den politischen Körperschaften, den Kirchen, den religiösen Korporationen und allen anderen dem Unterricht fremden Autoritäten. d) Ucbertragung der Leitung der Universitäten an die Interessenten: Professoren, Studenten und ehemaligen Studenten. c) Verallgemeinerung der praktischen Studien-Uebungen und der Versuchs- und Forschungs-Laboratorien, der Semi- nare und aller Einrichtungen, die bestimmt sind, den theo- retischen Unterricht in gegenseitigen Unterricht umzuwandeln. ä) Ein Verband der Universitäten und der Wissenschaft- lichen und pädagogischen Institute aller Art, der Schulen, gelehrten Gesellschaften, der Institute wissenschaftlicher Pro- paganda und der wissenschaftlichen Anstalten. e) Die Errichtung eines höheren speziell für die Ar- beiter bestimmten Unterrichts auf den Universitäten. f) Die Errichtung eines ernsthaft organisirten höheren Unterrichts der sozialen Wissenschaften. S Die Unentgeltlichkeit des höheren Unterrichts. . Schaffung von Einrichtungen künstlerischer und wissenschaftlicher Belehrung im Schooße der Arbeiterparteien selbst, insbesondere 1. Theoretische Kurse oder vielmehr wissenschaftlich- Konferenzen von halb aus Arbeitern halb aus Student»« gebildeten Zirkeln. 2. Kunstsoireen, Ausstellungen in Arbeiterlokalen. 3. Wissenschaftliche Propaganda durch Broschüren un» Bücher.— In England werden wir bald das Schauspiel einer Nenwahl des Unterhauses erleben. Die Mandats- dauer beträgt dort sieben Jahre und das Mandat des egenwärtigen Parlaments reicht noch bis Ende des nächsten jahres. Allein in England kommt es sehr selten vor, daß Parlamente eines„natürlichen Todes" sterben, und die Re- gierungen pflegen nach Bedarf aufzulösen. Die jetzige Regierung hat nicht nöthig, auf einen günstigen Moment zu warten— der Selbstmord der Homerule-Partei und die klägliche Lage, in der sich die„große liberale Partei' be- findet, haben ihr das Heft in die Hand gegeben, und ver- muthtich wird sie Ansang des Jahres zur Auflösung schreiten und die Neuwahlen anordnen.— Wie die Russistzirung der sogenannten deutschen Ostsee-Provinzen Rußtands, wird jetzt auch diejenige F i n n- l a n d s scharf in Angriff genommen. Die neue katserliche Verordnung betreffend ,„die Förderung der Kenntniß der russischen Sprache unter den Beamten im Großherzogthum Finnland" macht die Kenntniß der russischen Sprache obligatorisch für Diejenigen, die bei den Staatseisenbahnen, dem Zollwesen und der Polizeiverwaltung, namentlich in Seestädten und Orten, wo russisches Militär liegt. An« stellung suchen, ebenso soll von den Richtern in Orlen an der russischen Grenze die Kenntniß der russischen Sprache verlangt werden, aber auch in den Stadtgerichten soll darauf geachtet werden, daß sich dort ein Beamter findet, der sich jener Sprache bedienen kann. Beamte der Schul- Verwaltung, welche Kenntniß der russischen Sprache nach- weisen, können sich dafür bm Beförderung und bei Pen- sionirung zwei Dieustjahre anrechnen. Bei jeder Ernennung im Staatsdienst soll unbedingt Demjenigen der Vorzug ge- geben werden, der die russische Sprache kennt, und an den daß Du Deine Verblendung nicht einmal einsiehst. Ich ver- stehe Dich nicht mehr." „Treibe mich nicht zum Ae.ußersten, Mutter," warnt Fe,„Deinetwegen habe ich Günther fortgehen heißen. Deinetwegen den Entschluß gefaßt, den Mausamen, unmenschlichen, ihn nimmer zu sehen, bis Ella ih.i freigiebt— sei nicht so hart, Mutter, sieh', noch bitte ich darum." Frau Rehling kennt kein Mitteid, meint sie im Recht zu sein, und hier namentlich, wo es einem Verstoß gegen gesellschaftlichen Anstand und gute Sitte gilt. „Also das habt Ihr verhandelt neulich in Nacht und Nebet am Weserberg— Du hast wohl gar in seinen Armen geruht, seine Küsse geduldet, während sein angetrautes Weib, vor Kummer erkrankt, darniederliegt. Geh mir aus den Augen, Du Pflichvergessene, ich will Dich nicht mehr sehen!" „Ah, nun ist's genug, Mutter! Sei ruhig, ich gehe schon! Du sollst mich nicht mehr sehen, nie mehr! Laß mich," wehrt sie Gertrud, die ihre Hände er- greifen will,„Du hörst es ja, eine Mutter erträgt den An- blick ihres Kindes nicht länger. O, über Euch„Gerechte", mit Eurem steinernen Herzen!" „Was geht hier vor? Was ist geschehen?" ruft Ernst verwundert, der eben die Thür öffnet,„Kiiad was haben sie Dir gethan, Fe?" Aber sie hört ihn nicht— sie hört auch nicht mehr, wie Ernst, durch Gertrud schnell über den Vorgang verständigt, seiner Mutter bittere Vorwürfe macht, sie siehl nicht, wie die Mutter, diese vollblütige, olmehin schon a« Herzbeklemmungen leidende Frau, von der Aufregung über- mannt, wortlos, unfähig sich zu regen, in der Sophaecke kauert, während Gertrud ihre eiseskalten Hände zu er- wärmen sucht. Fe sieht und hört nichts von alledem. Mechanisch zieht sie ihr Reitkleid an, ebenso mechanisch geht sie in den Stall und befiehlt dem Knecht, ihr Pferd z« satteln. „In diesem Wetter? Man jagt ja nicht'neu Hund vor de Dör, Frölen," sagt der„olle Hinrich," aber Fe wiederholt ungeduldig ihren Befehl, und brummend sattelt Hin- rich das Brauncheu. 1 Lyzeen sollen als Lehrer vorzugsweise geborene Russen an- gestellt werden. Aehnliche Versuche sind schon früher ge- macht worden, doch mit so wenigem Erfolge, daß sie in den sechziger Jahren wieder aufgegeben wurden. Gegen- wärtig, wo die Unterdrückung des Deutschthums, Dank der Bismarck'schen Servilität gegenüber Rußland, eine vollendete Thatsache geworden, wird die Widerstandskraft Finnlands, wenn nicht die Macht des russischen Despotismus durch andere, vielleicht nicht fernliegende Umwälzungen gebrochen wird, nicht mächtig genug sein, die Russifizirung auf- zuhalten. Während den Finnländern so die Segnungen des russischen Despotismus zu Theil werden, wird amtlich die Zahl der im nördlichen Thcile Finnland's infolge der Mißernte nothleidenden Bevölkerung auf über 120 000 Personen angegeben. Die russische Knute vermag zwar ihre Unterthanen zu peitschen, aber sie nicht vor dem Verhungern zu schützen.— In Rußland herrscht die vollständigste Anarchie. Der Zar, der sich niemals durch ein Uebermaß von Verstand auszeichnete, hat den Kopf augenscheinlich ganz verloren. Bei einer Nachtischrede, die er vor einigen Tagen vom Stapel ließ(und die von den Hofskribenten pflichtschuldigst der Welt mitgetheilt ward) sprach er mir keiner Silbe von der Hungersnot� die„sein" unglückliches Volk zehntel, wohl aber vom braven Sultan, dem Muster eines Herr- schers. Der Zar sich an den Sultan anklanimernd, der am Abgrund stehende Mann an den„kranken Mann"— das ist Nemesis, und wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, der sieht„Odins Raben" und hört das Rauschen ihrer Flügel. Das Schicksal vollzieht sich— und daß der lebendig Begrabene von Friedrichsruh, der Deutschland an diesen Kadaver des russischen Zarenreichs ketten wollte und heute noch dafür thätig ist— daß e r dies noch erleben muß, wie er den eigenen Sturz erleben mußte— das gehört zu den herzstärkendsten Partien der nwdernen Geschichte und zeigt, daß das viel- bespöttelte Dichterwort: Die Weltgeschichte ist das Welt- gericht— ein wahres Wort ist trotz alledem. In der größeren Hälfte von Rußland wüthet die Hungersnoth— der„allmächtige Staat" weist Millionen und Millionen an, um wenigstens für die Fristung des nackten Lebens zu sorgen; doch die Millionen sind entweder schon gestohlen oder sie verschwinden unterwegs— die Maschinerie des allmächtigen Staats versagt. Wohin wir blicken: Seuchen— Hungerpest— Ausruhr— Nihilismus — in den Regieruugskreisen: Rathlosigkeit, Unfähigkeit,— überall Auflösung. Und ein seltsames Zusammentreffen ist's, daß gleichzeitig mit der größten absoluten Mon- archie Europas die größte absolute Monarchie der Welt: China, demselben Schicksale verfällt. Die Revolution hat die chinesische Mauer durchbrochen und klopfte an die Thore des kaiserlichen Palastes in Peking. Als Lüge hat sich die Nachricht erwiesen, die Rebellion sei besiegt. Der„große Sieg" war ein unbedeutendes Schar- mutzel, in welchem die kaiserlichen Truppen, wider ihre Ge- wohnheit, einmal nicht den Kürzeren zogen. Die Volks- erhebung greift thatsächlich immer weiter um sich, die Re- gierungstruppen haben auch in jüngster Zeit wieder ver- schiedene Schlappen erlitten, und immer näher rücken die Aussländischen der Hauptstadt. Das ganze Vierhundert- Millionen- Reich ist wie ein Schwamm, von geheimen Ge- sellschaften durchlöchert— die wirthschaftliche Nothlage der ungeheuren Mehrzahl der Einwohner hat die Massen in Bewegung gebracht, und sollten die europäischen Mächte ihren Plan durchführen und eine bewaffnete Intervention versuchen, so würden sie den Zersetzungsprozeß ini Innern nur beschleunigen und der Revolution, die im vollsten Sinne des Wortes eine soziale Revolution ist, nur größere Kraft geben, nur Oel ins Feuer gießen. Europa aber hat sich auf den Augenblick vorzubereiten, wo die billige Arbeit der unerschöpflichen Menschen- Werk- stätte China, die bisher blos vereinzelte Pioniere zu uns entsendet hat, den Weltmarkt überschwemmen und in wilden, verzweifelten Konkurrenzkampf mit uns eintreten wird.— Fv steigt auf, fest und sicher faßt sie die Zügel, mit einem todeslranrigen Blick nimmt sie das Bild ihres Vater- Hauses, wie es grau und öde in der düsteren Umgebung entblätterter Bäume in den trübseligen Novemberhimmel hineinragt, in ihre Seele auf. Vorbei— Vorbei— Ade, du Jugeildzeit! Ach, Stern der Liebe, leuchte mir, zeige Du mir den Weg!-- Hu, wie der Wind saust! Fast nimmt er ihr den Hut vom Kopf, und erbarmungslos treibt er ihr die Eisstückchen ins Gesicht, die ihre zarte Wange zerschneiden, wie die Worte der Mutter ihre Seele— Weiter, nur iveiter— voll Todesangst wendet Fe den Kopf.— Nein, Niemand eilt ihr nach, unbehindert kann sie ihren Weg fortsetzen unter Windesbrausen und eisigem Regen.— Warm und behaglich ist's im Wohnzimmer zu Breder- beck. Harzduftendes Tannenholz knistert und knackt im Ofen, die Fensterläden sind verschlossen, und Frau Emma zündet eben die große Lampe mit dem altmodischen Broncefuß und der gelben Glasglocke an. Dann setzt sie sich in die Sopha- ecke, nimmt den Gott weiß wievielsten Strumpf für die ewig bedürftigen Tagelöhnerkinder zur Hand, und wartet auf ihren „Menne". „Puh, was für ein Wetter," sagt der eintretend, und reibt sich die Hände,„aber weißt Du, Emmachen, so behag- lich und nett war's früher nie. Ihr Frauenzimmer seid doch wahrhaftig eine der wohlthätigsten Einrichtungen in dieser mangelhaften Welt."— „Es ist nur schön," meint Frau Emma gemüthlich, „daß Du nicht schon eher zu der Einsicht gekommen bist, lieber Menne. Sonst wäre ich wohl als alte Jungfer zu Grabe gegangen," setzt sie mit einem Seufzer hinzu.— Der Herr Rittergutsbesitzer Wedekind hat sich während dieser Herzensergießung in die andere Sophaecke gesetzt und «ine Lieferung des Brockhaus vor sich gelegt. „Ich bin recht froh," sagt er und zündet seine Pfeife an," daß ich jetzt den Buchstaben F studiren kann. E habe ich satt. Nimm es mir nicht übel, Enimachen, Du stehst zwar drin und Ehe und Erbsensuppe und viele schöne Sachen, aber die— hm— unangenehme Frau Norberg, Korrespondenzeu und Uartemachrichten. Ans Meiuingen schreibt man uns: Die wirthschaftlichen Zustände in den beiden groben Städten unseres Landes, Sonne- berg und Saalfeld, sind vollständig in Zersetzung begriffen. In Sonneberg haben im sogen.„Grünthal"(oberer Armen- Stadttheil) schon Hunderte, trotz Arbeit vor Weihnachten, kaum noch etwas zu essen. Wie es nach Weihnachten, wo die Spiel- waaren-Jndustrie bis Ostern ruht, werden soll, ist gar nicht ab- zusehen. Alles ruft nachStaatshilfe! Aber die Griffel- Industrie im Steinacher Bezirk, welche st a a t l i ch orgamsirt und verwaltet ist bezw. wird, macht auch Defizit! In Saalfeld herrscht die reine Anarchie. Die Vereinsbank ging mit 300(KX) M. fällst, die Fälschungen reichen bis ins Jahr 1874 zurück; die Firmen Nähmaschinen-Fiabrik Vogel(mit 80 Arbeitern, welche seit vier Wochen keinen Lohn erhielten), Bielefelder Nähmaschinen- fabrik(mit 250 Arbeitern), sowie die große Steindruckerei Schlick u. Schmidt geriethen in Konkurs. Im Geschäftsleben nirgends Geld, nirgends Vertrauen. Die Städte verschuldet; Sonneberg erhebt 220 pCt. Kommunalzuschlag, Saalfeld früher 180, erhebt nächstes Jahr ebenfalls mehr! Nun soll die Staatskasse der an allen Ecken und Enden krachenden Privatwirthschaft helfen! Unter solchen Umständen feiern wir hier das Weihnachtsfest. Aber auch dieses Elend hat sein Gutes. Es lehrt die Leute denken. Jemehr sie selbst erleben müssen, wie unvereinbar die Idee des Privat- eigenthums an den Produktionsmitteln im Zeitalter des Kapi- talismus mit dem Wohl der Allgemeinheit ist, um so nachhaltiger lernen sie erkennen, daß nur auf dem Wege des Sozialismus die Menschheit aus dem grauenvollen Elend der Gegenwart heraus einer freundlicheren Zukunft entgegenwandeln kann. Einfluß der Kirche auf' die Schule. In G e l e n a u (Sachsen) wurde der Schuhmacher Hofmann in den Schul- v o r st a n d gewählt, dessen Vorfitzender der Pfarrer ist. Der Schnlvorstand erkannte den Gewählten nicht als Mitglied an, da er nicht kirchlich getraut ist, und Hofmann beschwerte sich da- gegen beim Ministerium, welches ihm Recht gab. Gegen diesen ministeriellen Entscheid hat nun der Schulvorstand auf Antrag des Pfarrers Protest erhoben. Dieser Protest wird natürlich nichts nützen, aber das Gute hat er, daß er klärlichst beweist, wie nothwendig die Befreiung der Schule von jedwedem kirch- lichen Einflüsse ist, und des Staates— natürlich— vom Kultus- budget. Eine Parteikoufereuz für den 17. hannoverschen Wahl- kreis wird in H a r b u r g am 27. Dezember in Peters Lokal, Karnapp, statttznden. Hierzu sind sämmtliche Vertrauensleute aus dem 17. hannoverschen Wahlkreise eingeladen. Die Tages- ordnung lautet: 1. Berichterstattung der Vertrauensleute. 2. Ab- rechnung. 3. Agitation. 4. Stellungnahme zum Parteitage üi Bremen. ,» Eine sozialdemokratische Parteiversammlung für den Wahlkreis Mülheim- Wipperfürth- Gunimersbach fand am 15. November in Kalk statt. In derselben erstattete Genosse Steinkrüger ausführlichen Bericht über den Erfurter Parteitag und tadelte dabei sehr scharf das Gebahren der Oppo- sition. Die Versammlung erklärte sich einstimmig mit der bis- herigen Taktik der Parteileitung voll und ganz einverstanden und bezeichnete das Vorgehen der Opposition als undemokratisch. Dem bisherigen Vertrauensmann Kenfenheuer, welcher über seine Thäligkeit Bericht erstattete, wurde für seine gewissenhafte Ge- schästssührung Decharge ertheilt und bei der hierauf vor- genommenen Neuwahl Genosse Anton Niedenhoff(Mül- heim a. Rh., Gladbacherstr. 129) als Vertrauensmann für den ganzen Kreis Mülheim- Wipperfürth- Gummersbach gewählt. Zuschriften in Partei- Angelegenheiten sind nur an diesen zu richten. Zum Schluß wählte die Parteiversammlung noch ein siebengliedriges Agitationskomitee. »» Daß der Knüppel bei der Reichstagswahl im Hildes- heimer Kreise eine große Rolle spielte, ist unfern Lesern schon bekannt. Auch mehrere Braunschwciger Parteigenossen, welche am Wahltage in jenem Kreise mit thätig waren, wissen davon zu erzählen. Ferner wurden zwei von ihnen im Dorfe Jrmseul bei Ahlfeld trotz ihrer Berufung auf das Wahlgesetz kurzerhand an die frische Luft befördert und mußten froh sein, daß sie mit heiler Haut davonkamen. Das nennt man in Deutschland eine„freie Wahl". Am rüpligsten benahmen sich wie immer die Antisemiten. Der„Braunschweiger Volks- freund" sagt darüber:„Wer die von Gemeinheiten und Ver- leumdungen strotzenden Flugblätter dieser Handlanger des Junker- thums gelesen hat, wird sich über die Behandlung gegen unsere Leute nicht wundern." » �» Bei den GetverbegerichtS-Wahlen in Apolda siegten in der Klaffe der Arbeitervertreter die sozialdemokratischen Kandidaten mit großer Mehrheit über die gegnerischen siehst Du, die heißt„Ella" mit einem E, und hat nur neu- lich gesagt, wie ich meine Uhr abholte, s e in Frau hieße Emilie— denke Dir,„Emilie" mit'nem E vorn und'nem E hinten— schauderhaft!"— Da saust ein Windstoß ums Haus und treibt den Regen klatschend gegen die Fensterläden. „Horch! Was war das?" sagt Emma. Die Hausthür fliegt auf, leises Rascheln im Haus- gang— Wedekind springt in die Höhe, aber schon wird leise die Thür geöffn� und eine Gestalt tritt, nein, schwankt herein. „Felicitas! Um des Himmels Willen, was ist ge- schehen?" Triefend von Nässe, gänzlich erschöpft, todesmatt sinkt Fe zusammen. „Emma," sagt sie mit herzzerreißendem Lächeln,„bin ich in Roth, so soll ich"-- „Zu mir kommen, natürlich," ergänzt Frau Emma und zieht sie auf ihren Schooß,„mein armes Pulhühnchen, bist Du denn ganz flügellahm?" -Fö nestelt sich an ihrer Schulter und schließt die Augen. „Was sollen wir thun, Hermann"— bei wichtigen Gelegenheiten sagt Frau Emma: Hermann oder Wcde- kind—„rathe mir." Herr Wedekiud sieht seine Frau mit einem hilflosen Blick'an, dann blättert er eifrig im Brockhaus. „Fl, Fli, Fliederthee— ist sehr gut gegen Erkältung und schweißtreibend. Ja, bringe sie zu Bett und koche Fliederthee, Emma, guck, wie naß und kalt sie ist." „Wedekind, Du hast Recht.'Nen Oberbett und Flieder- thee— das ist jedenfalls das einzig Richtige. Und gleich wird auch zur Ausführung geschritten. Willenlos läßt Fö sich entkleiden, gehorsam wie ein Kind trinkt sie den Thee, und wie sie als Kind gethan, saßt sie Emma's Hand und hält sie fest, bis ein wohlthätiger Schlaf ihre müden Augen schließt.— (Fortsetzung folgt.) Kandidaten. In der Klasse der Unternehmer siegten die ver« einigten Gegner. Bei regerer Betheiligüng unserer Parteigenossen wäre uns auch hier der Erfolg sicher gewesen. Uebrigens kommen doch zwei Unternehmer unserer Richtung in das Gewerbegericht, da unier den gewählten Gegnern sich zwei befinden, welche als Jnnungsmeister von Innungen, die selber Schiedsgerichte haben, nicht wählbar sind. »« Die Mannheimer Sozialdemokraten haben es durch- gesetzt, daß die Wahlen zum Gewerb egericht an einem Sonntag stattfinden und die bezüglichen Bekanntmachungen in allen Mannheimer Zeitungen, also auch in dersozialdemolrati- schen„Volksstimme", veröffentlicht werden. Ferner ist vom Gemeindekollegium die Entschädigung für die Beisitzer auf 3 M. — wenn die Sitzung bis Mitlag dauert— und auf 5 M. für längere Sitzungen festgesetzt. Die Wählerlisten werden von Haus zu Haus aufgenommen. Angenagelt zu werden verdient, daß der Evangelische Arbeiterverein, der Zentrumsverein, der Katholische Gesellenverein, der Fortbildungsverein und die Hirsch-Duncker- schen Gewerkvereine eine Koalition gegen die bösen Sozi ge- schloffen hatten und einstimmig gegen die Wahl an einem Sonn- tage sich erklärten, wie sie überhaupt die Verbesserungsvorfchläge der Sozialdemokraten zu dem Statut für undiskutabel hielten. Nun, diese„undiskutablen Vorschläge" der„Sozi" sind im Großen und Ganzen vom Gemeindekollegium angenommen worden; den gegnerischen„Arbeitervereinen" bleibt nur die Blamage. «» In Barby fand dieser Tage eine Volksversammlung statt, in welcher die Parteigenossen Timm und H o r w i tz aus Berlin referirten. Der Erstere schilderte sehr klar die Ent- Wickelung der Klassengegensätze, wofür ihm reicher Beifall zu Theil wurde, und der letztere Redner besprach die lokalen Ver- hältniffe von Barby und Umgegend und kritisirte hierbei ge- bührend das Gebahren mehrerer im Kreise Kalbe ansässiger Per- sonen, welche der Sozialdemokratie, wo sie nur können, Schaden zu bereiten suchen. Es gelangte dann folgende Resolution zur Annahme:„In Erwägung, daß durck engeren Zusammenschluß der Arbeiterklaffe deren Befreiung von der heutigen Lohnsklaverei ge- fördert wird, beschließt die heutige sozialdemokratische Verkamm- lung, einen Wahlverein von Barby und Umgegend zu gründen, welcher sich das Ziel steckt, durch Organisation und Aufklärung für die Sozialdemokratie zu wirken." Mit einem begeistert auf« genommenen Hoch auf die Sozialdemokratie ging man aus- einander. »» In Italien wurde die erfte Nummer des in Mailand erscheinenden„I/am!co del Populo"(„Der Volksfreund") wegen einiger Zitate aus den Kirchenvätern konsiszirt, desgleichen in Reggio das Journal„La Justice"(„Die Gerechtigkeit"), und in Florenz das Journal„I-a Jeunesse nouvelle"(„Die neue Jugend"). Die Redakteure der beiden letztgenannten Blätter wurden verhaftet. «» Polizeiliches, Gerichtliches ee. — Erfolglos gehanssucht wurde in Erfurt in den Lokalitäten der„T h ü r i n g e r Tr i b ü n e" nach der Nummer dieses Blattes vom l5. November und der„R e ü ß i f ch e n Tribüne" vom 18. November. Ein Artilel, der in beiden Blättern erschienen ist, soll angeblich eine Ntajestälsbeleidigung enthalten. — Aus einem Schriftwechsel, den der Ver- trauensmann der Bergleute in Esch weiter mit dem Aachener Landrath pflog, sind solgenpe Stellen von Interesse: An den Herrn Landrath«. Es ist den Bergleuten nicht mehr möglich, zur Abhaltung einer Versammlung ein Lokal zu bekommen. Dieselben vermuthen, daß die Saalabtreiberei lediglich nur der Polizeibehörde von Eschiveiler zuzuschreiben ist, denn nach den Aussagen verschiedener Wirthe hielten dieselben die Versammlungen gern, wenn sie nicht von der Polizei gedrückt würden. Die Namen der Wirthe und deren Aussagen wird der Unterzeichnete im Falle einer näheren Untersuchung gerne angeben. Die Bergleute ersuchen deshalb den Herrn Landrath, die Sache zu untersuchen und gefl. Antwort an den Unterzeichneten ergehen zu lassen. An tw ort: Auf die Eingabe vom 13. d. M. eröffne ich Ihnen, daß ich es ablehne, Ihnen zur Erlangung eines Versammlungs- Lokals behilflich zu sein. Der Kgl. Landrath. Herrn Landrath w. Ich habe den Herrn Landrath nicht gebeten, mir zur Erlangung eines Versammlungslokals behilflich zu sein, sondern nur gebeten, die Sache betr. Saalabtreiberei zu untersuchen. Ich halte meine Vcrmuthungen aufrecht, behaupte sogar, daß von Seiten der Polizeibehörde die Wirthe beeinflußt werden. Dieser- halb ersuche ich. den Herrn Landrath, die Polizeibehörde von Eschweiler dahin zu berichten, daß sie nicht berechtigt ist. Ein- griffe in das Vereinsgesetz zu machen. Antwort: Auf die Eingabe eröffne ich Ihnen, daß die Polizeibehörde von Eschweiler nach meinen Feststellungen keinerlei ungesetzliche Mittel angewandt hat, um die dortigen Wirthe zur Verweigerung der Hergabe ihrer Lokale für Volksversammlungen zu bestimmen. Ich bin darum auch nicht in der Lage, die dortig« Polizei« behörde zu reltifiziren. Der Kgl. Landrath. Soziale LlebevNllZk. Arbeiter nnd Arbeiterinneu Deutschlands! Die unterzeichnete Koittrollkommission der Textilarbeiter richtet die Bitte an alle diejenigen, welche für Verlurzung der Arbeitszeit nnd den Verhältnissen entsprechenden Lohn eintreten wollen, uns in unserm Kampf dadurch zu unterstützen, daß jeder Arbeiter und jede Arbeiterfrau beim Einkauf von wollenen Strümpfen, Jacken, Hemden und Hosen, überhaupt aller gestrickten oder gewirkten Artikel daraus achtet, daß diese Artilel mit dem Kontrollstempel deutscher Textilarbeiter versehen sind. Jeder, der einen Strumpf mit Kontrollstempel kauft, unter- stützt damit besonders die Arbeiterinnen und verhütet weitere Herabdrückung des Lohnes derselben Wir sehen uns besonders genöthigt, hierauf aufmerksam zu machen, weil von Seiten einiger Geschäftsinhaber eine Gegen- agitation betrieben wird, indem dieselben Plakate in die Schau- feilster hängen des Inhalts: „Strumpfwaaren ohne Kontrollmarke 10 Prozent billiger". Di�fe Billigkeit ist in der Regel nur auf Kosten der Arbeiter zu erzielen. Wir haben durch die Unterstützung der Arbeiter schon über 200 Geschäfte in Berti n veranlaßt, Strumpfwaaren mit Kontrollstempel einzuführen. Beiläufig sei noch bemerkt, daß die Miltdeilung der gegnerischen Zeitungen, wonach wir eine Ge- noffenschafl besitzen, also mit unseren Waaren Berlin belegen sollen, eitel Flunkerei ich Wahr ist nur, daß jeder Fabrikant den Kontrollstempel erhält, sobald er die Forderungen der Arbeiter bewilligte. Deshalb, Arbeiter und Ar beiterinnen, kauft nur Strumpfwaaren. mit dem Kontrollstempel deutscher Textilarbeiter. Alle Anfragen sind zu richten an den Vertrauensmann Gustav Janz, Höchstestr. 43. In London kündigten am vorigen Sonnabend die Personale von lS Schuhwaaren-Fabrike». Theater. Converting, ben St, Degenter, bleiben Freie Volksbühne. 24. sämmtliche Theater geschlossen. Gratweil'sche 2. Abtheilung( grüne Karten). Morgen, am 1. Weihnachtsfeiertag, Nachmittags 2 Uhr, findet im Bellealliance- Theater die dritte Vorstellung statt. Aufgeführt wird: Der Revisor. Komödie in 5 Akten von Nikolaus Gogol. Bierhallen. Kommandantenstr. 77-79. Heute sowie täglich: Auftreten der Hamburger Gaudebrüder erst nach dem erſten Att Ginlaß. Konzert- und Koupletsänger. Anfang Wochentags 7/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree: Wochentags 10 Pf., Sonntags 25 Pf. Empfehle meinen berühmten Mittagstisch à la Duval. 3 Regelbahnen 6 Billards, 2 Säle. 1169L Das Verloosen der Pläge beginnt um 1 hr. 10 Minuten nach 2 Uhr wird das Theater wie bisher geschlossen und finden Zuspätkommende Neue Mitglieder zu dieser Abtheilung werden gegen ein Einschreibegeld von 1 Mark und 50 Pf. Monatsbeitrag in nachfolgenden Bahlstellen aufgenommen: 1. H. Niekamp, Cigarrenhandlung, Gräfestr. 93. 2. G. Schulz, Cigarrenhandlung, Admiralstr. 40a. 8. G. Arndt, Cigarrenhandlung, Stalizerstr. 104. 4. G. Böhlert, Gigarrenhandlung, Mariannenstr. 5. 5. W. Börner, Cigarrenhandlung, Ritterstr. 108. 6. H. Baate, Buchhandlung, City- Passage. 7. A. Ochs, Cigarrenhandlung, Lindenstr. 59. 8. A. Fafforte, Cigarrenhandlung, Junkerstraße 1. 9. A. Laege, Restaurateur, Fürbringerstr. 22. 10. Göpel, früher Wilschke, Cigarrenhandlung, Kazbachstr. 1. 11. D. Antrick, Cigarrenhandlung, Steinmetstr. 59. Etablissement Buggenhagen Bay. 12. F. Boß, Cigarrenhandlung, Lübeckerstr. 8. 18. F. Borasch, am Moritzplatz. Täglich: Unterhaltungs- Musik. Direktion A. Rödmann. Dienstag und Freitag: Walzer- Abend. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial- Ausschant von Pazenhofer 641 Export- Bier, Seidel 15 Pf. F. Müller. Castan's Panopticum Friedrichstr. 165, Ecke Behrenstr. Viele Neuheiten! Castan's Irrgarten. Schreckens- Kammer. Entree 50 Pf. Kinder 25 Pf. früher Hasenclever, Cigarrenhandlung, Brunnenstr. 122. 14. C. Engel, Buchbinderei, Chorinerstr. 9. 15. H. Mehnert, Cigarrenhandlung, Diedenhofenerstraße 3. 16. Niemeyer, Cigarrenhandlung, Weberstr. 19. 17. H. Gumpel, Cigarrenhandlung, Barnimstr. 42. 18. A. Kehr, Sutgeschäft, Köpenickerstr. 126. 19.. Gampe, Restaurateur, Landsbergerstr. 55. 20. F. Berndt, Cigarrenhandlung, Neue Schönhauferstr. 18. 21. H. Porsch, Cigarrenhandlung, Gipsstraße 5. 22. M. Winkelmann, Cigarrenhandlung, Ackerstr. 153. 23. D. Brückner, Restaurateur, Lothringerstr. 67. 24. A. Hinge, Cigarrenhandlung, Pantstr. 14a. 25. G. Tempel, Restaurateur, Breslauerstr. 27. 26. E. Böhl, Restaurateur, Frankfurter Allee 74." Mitglieder der I. Abtheilung können gegen Nachzahlung von 50 Pf. von 2 Uhr ab das Stück noch einmal ansehen. Für die III. Abtheilung findet dieselbe Vorstellung am Sonntag, den 3. Januar, statt. Der Vorstand. Fachverein der Tischler. Freitag, den 25. Dezember, Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr Ab. in den Räumen der„ Bockbrauerei", Tempelhofer Berg: Passage Weihnachtsvergnügen Panopticum im Theater Saal: Märchen bestehend in Concert und Gesangsvorträgen des Gesangvereins ,, Freundestreue" Eröffnung 5 Uhr. Ein Weihnachts- fowie humorist. Vorträgen. Geschenke- Verloosung für Kinder. Von 12 Uhr ab: Tanz. Billets zum Preise von 30 f.( ausschließlich Tanz) sind auf allen Bahlstellen des Vereins sowie bei folgenden Herren zu haben: Apelt, Sebastianstr. 27/28( Möbelhandlung); Glocke, Lausigerstraße 52, von Dr. J. Lohmeyer. Musik v. Th. Krause. Ohne Extra- Entree. Präuscher's anatomisches MUSEUM Kommandantenstr. 80-81. Viel Neues für erwachs. Herren. tägl. von früh 9 b. Ab. 10 Wichtige Agitationsschrift!! Jin Verlage von Wörlein& Co. in Nürnberg erschien soeben und ist von uns zu beziehen: Herrn Eugen Nichter's Bilder aus der Gegenwart. Von Franz Mehring. 4 Bogen 80. Preis brosch. 30 Pf., in Partieen billiger. Die Mehring'sche Schrift ist eine überaus treffende Entgegnung auf das neueste Eugen Richter'sche Machwerk ,, Sozialdemokratische Zukunftsbilder", das seitens der gesammten ,, einen reaktionären Masse" im Reiche aufs eifrigste verbreitet wird. Geiftvoll, formvollendet und gemeinverständlich geschrieben, ist die Mehring'sche Schrift sozialpolitisch für Eugen Richter vernichtend und darum verdient fie seitens unserer Parteigenossen die eingehendste Beachtung und ausgedehnteste Verbreitung. Sie ist eine Agitationsschrift ersten Ranges! E De Wiederverkäufern hoher Rabatt. Vorräthig in der Expedition des Vorwärts" Berliner Volksblatt, Berlin SW., Beuthstr. 3. Achtung! 리 die daß neue anft Kart Qui den Kart Kart ebenj etwa ift t alle anftc Bezi ansp feit eigem daß Ford ferne Fort nicht Bev den stätte 6826 werd Wah Min Antr an e die F wurd Resu heit ob de erfch regen Tage schon eine Wad sein. ftant er m dem derer Unserm Freunde und Genossen Karl Schreiber zu seinem heutigen Wiegenfefte ein Alle Diejenigen, welche noch Sammel- donnerndes Hoch, daß die ganze Bude wackelt und Alles in seinem Wagen listen für die Kommunal- Wahlen in bänden haben, werden ersucht, dieselben sappelt. Rarl, laßte't beut ſchön bis spätestens den 3. Weihnachtsfeiertag gießen? denn die Durstigen aus der Memelerstraße ach- her- feh- J. T. an die betreffenden Stellen, wo sie dieselben entnommen haben, abzuliefern, 4. Weihnachtsfeiertag mit den Zentralindem die Bezirksführer spätestens am Wahlfomitee Mitgliedern des Kreises abgerechnet haben müssen und das D gesammte Abrechnung fertig stellen will. 3 Tr.; Arbeitsnachweis Wallstr. 7/8; Schulz, Brizerstr. 42; Hegeler, Brizer- Zentral- Wahlfomitee bis Neujahr die straße 40, v. 4 Tr.; Mieke, Adalbertstraße 9; Koblenzer, Adalbertstr. 96, Hof 1 Tr.; Conrad, Bärwaldstr. 53, Hof 2 Tr.; Kuhn, Admiralstr. 37, 4 Tr.; Klawitter, Oppelnerstr. 16; Grunert, Manteuffelstr. 64; Mews, Mariannen- Das Zentral- Wahlkomitee. straße 18; Georgi, Simeonstr. 22; Weiß, Tresckowstr. 23; K. Gruschke, J. A.: Otto Klein, Schönlein- Straße 6. Pücklerstr. 58; F. Hoppe, Fürstenstr. 16, Hof 3 Tr. r.; D. Zwanzig, Bossenerstraße 41, 8 r. 822/18 Der Vorstand. Vergnügungsverein ,, Amor" II. Dienstag u. Freitag: Damentag. Am 25. Dezember 1891 1. Weihnachtsfeiertag), Abends 6 Uhr, Entree 50 Pf., Militär 25 Pf.[ 1421L Circus Renz. Karlstraße. Donnerstag, den 24. Dezember 1891: Keine Vorstellung. Zum wohlthätigen Zweck: Große gemüthliche Weihnachtsfeier. Achtung! Achtung! Verein der Stereotypeure und Galvanoplastiker Berlins und Umgegend. Sonntag, 27. Dezbr., Abends 7 Uhr: Versammlung bei Rufflepp, Markgrafenstraße 8. Beitrag 10 Pf. Das Komitee. J. A.: Paul Heitmann. Sylvester( 31. Dezember): Ge. Wiener Maskenball vom Vereinliches Beisammensein mit Familie. Amor" II bei nebel, Badstr. 58. 197/9 Freitag( I. Weihnachtsfeiertag Freie Vereinigung der Graveure, Ciseleure 2 Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr: ,, Aschenbrödel." Abends 7/2 Uhr: ,, Auf Helgoland." Sonnabend( II. Weihund verwandten Berufsgenossen. Sonntag, den 27. Dezember( 3. Weihnachtsfeiertag), nachtsfeiertag) 2 Vorstellungen. im großen Saale des Herrn Bachmann, Dresdenerstr. 45: Nachm. 4 Uhr: ,, Die lustigen Heidelberger." Abends 71/2 Uhr: ,, Auf Helgoland."-Sonntag 2 Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr: ,, Die lustigen HeidelFamilien- Abend. Nur für Verein 3- Mitglieder und deren Angehörige. Anfang 6 Uhr. E berger." Abends 7/2 Uhr: Auf Helgoland." In sämmtlichen Vorstellungen Auftreten der vorzüglichsten Künfile- 686b rinnen und Künstler zc. Zu den Nachmittags- Vorstellungen hat jeder Besucher das Recht, auf das von ihm gelöste Billet ein Kind unter 10 Jahren frei einzuführen. E. Renz, Direktor. Circus G. Schumann. Friedrich- Karl- Ufer, Ede Karlstr. Heute, Donnerstag, 24. Dezember 1891: Keine Vorstellung. Freitag, Sonnabend, Sonntag( 1., 2., 8. Weihnachtsfeiertag) je zwei Fest Vorstellungen. Nachm. 3/2 Uhr( 1 Kind frei) und Abends 7/2 Uhr. Sämmtliche Borstellungen sind mit verschiedenen vorzüglichen Programmen ausgestattet. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Arbeiter- Bildungsschule( Süd- Bezirk.) Sonntag, den 27. Dezbr., Abends 5 Uhr, Grosse Versammlung. im Gartenfant der ,, Tivoli Brauerei Tages- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 431/5 Nachher: Geselliges Brisammensein mit Tauz. Gäste willkommen. Leseklub„ Dietgen" Sonntag, 27. Dezember( 3. Weihnachtsfeiertag), Na ch m. 4½½ Uhr: in Knebel's Salon, Gesundbrunnen, Badstraße 58. In sämmtlichen Borstellungen Auftreten Große Versammlung für Männer u. Frauen. fämmtlicher Künstlerinnen und Künstler. Reiten und Vorführen der bestdressirten Tagesordnung: Vortrag des Genoffen Türk über, Sibirien." Diskussion. Schul- und Freiheitspferde. Komische Nach der Versammlung: Gemüthl. Beisammensein u. Tanz. Entrees sämmtlicher Klowns. In allen Vorstellungen Gastspiel der Colibri Truppe, die sieben kleinsten Menschen der Welt. In allen Borstellungen Girtus unter Wasser. Nähere Plakate und Austragzettel. Menagerie Falk Alles Brunnenstr. 83, zwischen dem alten Viehhof und Humboldhain, enth. über 100 der seltensten Thiere. Geöffnet von 10 Uhr früh bis 10 Uhr Abends. Tägl. DressurVorst. 4 Uhr, 6 Uhr und 8 Uhr: Der Wunder- Elephant Pepi mit 1 Meter langen Stoßzähnen, vorgef. v. Frl. Ella Falk. Grerzitien mit Löwen, Königstigern, Wölfen, Hyänen 2c. durch Herrn Rob. Falk und Fräulein Ella Falk. 17532 Entree 30 Bf. II. P. 60 Pf. I.PL. 80 f. Größtes LagerBerlins Freireligiöse Gemeinde. Festvorträge Vormittags 10% Uhr: Am 25. Dezbr., Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 11-13: Herr Dr. Bruno Wille. 25. F 26. " # 26. " " 27. " " Nach der Versammlung: GemüthUm recht zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. 687b 3entral- Kranken- u. Sterbekaffe Todesanzeige. Nach schweren Leiden entschlief heute früh sanft unser lieber Georg im Alter von 31/2 Jahren. Die tief betrübten Eltern: Gustav und Anna Boden, Schankwirth, Oppelnerstraße 13. Beerdigung 1. Feiertag, 2 Uhr, Emmaustirchhof. Todesanzeige. Am 21. d. Mts. starb nach längerem Krankenlager an der Schwindsucht unser treuer Kollege und Genoſſe, der Möbelpolirer 696b Carl Schärff. Wir verlieren an ihm ein treues, zielbewußtes Mitglied und werden ihm stets ein treues Andenken bewahren. Möge ihm die Erde leicht werden! Weihnachtsfeiertag, Nachmittags 3 Uhr, Die Beerdigung findet am ersten vom Trauerhause, Oderbergerstraße 21, aus nach dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde, Pappel- Allee, statt. Alle Mitglieder des Verbandes der Möbelpolirer ersucht Unterzeichneter um der Tischler u. s. w. Oertliche Verwaltung Berlin C. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonntag, den dritten Weihnachtsfeiertag, Vormittags 10-12 Uhr, auf rege Theilnahme an dem Begräbniß. sämmtlichen Zahlstellen Beiträge ent des Verbandes der Möbelpolirer Berlins gegengenommen werden. 308/10 Der Bevollmächtigte. Der Vorstand und Umgegend. Todes- Nachricht. den haup ledig ferne sich teine fond Wäh Dom einer im S anno Karl Schärff am 21. d. M. an der Proletarier- Krankheit verstorben ist. Die Beerdigung findet am 25., Nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Oderbergerstr. 21 aus nach der Pappel- Allee statt. 689 b ven wied Gen Städt Jahr und feine Die Nummern 785 und 786 der Allen Kollegen und Freunden, und Sammellisten für die streikenden dem Verband Deutscher Möbelpolirer Buchdrucker sind verloren gegangen die traurige Nachricht, daß mein Sohn und wird ersucht, auf denselben nichts zu zeichnen. Die Kommission d. streik. Buchdrucker. Strumpfwaaren mit 17579 Kontrollmarke. Herren-, Damen-, KinderStrümpfe aller Art. Woll. Handschuhe. Strickgarne. Tricotagen. Wollene Westen von 2 bis 20 M. Normalhemden von 1 M. an. Seidene Cachenez. Capotten. Tücher. UmschlageTücher. Wäsche. Pelzsachen. Wollwaaren. Bei Entnahme v. 3 Stück v. einer Sorte bedeutende Preisermäßigung. Carl Braun Rottbuser Damm Ur. 5. Bitte genau a. m. Firma z. achten. Filz- und Holzschuhe, Die trauernden Hinterbliebenen. Am 21. Dezember, Nachmittags 6 Uhr starb nach langem Leiden mein lieber Mann, der Tischler Hermann Santer. Die Beerdigung findet am zweiten Feiertag, Nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Jakobitirchhofes in Brig aus statt. Um stilles Beileid bittet Die trauernde Wittwe nebst Kindern. Alle Uhren werden sauber und sorgfältig reparirt unter Garantie des Gutgehens für 1,50 Mark( außer Bruch) bei W. Winkler, chri Klap nur wegs feine auße unch 17632 Gesch Ch berge die habe ausa erfuc die Capu und wie ſteher Herr teit daß einer gegen Arbe über oder Preff verla Em sche mißli gegen einer halte Berlin N., Reinickendorferstr. 2 g, gegenüber der Dankes- Kirche.[ 25L Lager aller Arten Uhren, Uhrketten. sowie Schuhwaaren der Deutschen Christen- Schuhfabrik in Erfurt empfiehlt spricht C. Geyer, SO, Oranienstr. Nr. 202. Blattes empfehle mein reichhalt. Lager in Allen Freunden, sowie Lesern diefes Rosenthalerstr. 38: Herr Waldeck Manasse. Königshof, Bülowstr. 37: Herr E. Vogth rr. Rosenthalerstr. 38: Herr Dr. Bruno Wille. Rosenthalerstr. 38: Serr H. Peus Dessau.„ Das thum und der Friede".( Im Behinderungsfalle Herr L. Henning über dasselbe Thema.) Gäste sehr wilkommen. Zweites Geſchäft: W, Göbenftr. 173igarren u.3igaretten. 670b Ecke Bülowstraße. Bestellungen und Verband aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag, den 27. Dezember( 3. Feiertag), Vormittags 10 Uhr, in Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75: Branchen- Versammlung der Rohrleger und Helfer. Tagesordnung: 1 Bortrag des Herrn Dr. Pinn. 2. Disfuffion. 3. Verschiedenes. Reparaturen werd. angefertigt.[ 16082 17452] W. Lindemann, Heimstr. 24. A. Lange, Zither mit gutem Ton, noch neu, Hutfabrik Brunnenstr. 136-37. vert. f. 12 M. Kl. Frankfurterstraße 22 i. Big.-G. Achtung! Kein Laden. Nur eigene Fabritation, 25 Bigarren 1 Mart. Garantie rein amerikanische Sämmtliche Hüte mit Kontrollmarken. 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Zunächst Hamburg gedruckte Arbeiterin" eingeht und an Stelle derselben sind von dem Ingenieur folgende Linien in Aussicht geBei der Ausstellung der neuen Suittungskarten für gegeben von Frau Emma Ihrer, unter Redaktion der Frau in gerader Linie bis zur Friedrichstraße; b) zwischen Pionierein anderes Frauenorgan unter dem Titel„ Gleichheit" heraus- nommen: a) zwischen Zentral- Biehhof und Zentral- Markthalle die Invaliditäts- und Altersversicherung ist es von Wichtigkeit, Klara Zetkin, im Verlag des Reichstags- Abgeordneten Dieß in Uebungsplay, vor dem Halleschen Thor bei der Haiſenhaide in daß die gesetzliche Vorschrift genau beachtet werde, wonach jede Stuttgart von Neujahr an erscheinen wird. neue Quittungsfarte mit dem Namen derjenigen Versicherungsgerader Linie bis Bahnhof Friedrichstraße und bis nach dem anſtalt zu bezeichnen ist, welche sich auf der nächstvorhergehenden bürgerlich gutgesinnte Presse, die einem hier in Berlin unter Aus- rader Linie nach dem Bahnhofe Wedding, nach dem Bahnhofe Bu gleicher Zeit macht eine Gloffe die Runde durch die Stettiner Bahnhof, und c) von dem Stettiner Bahnhofe in ge Karte vermerkt findet. Wenn z. B. ein Versicherter, dessen erste schluß der Deffentlichkeit erscheinenden Blättchen entnommen ist Gesundbrunnen und nach dem Bahnhofe Weißensee. Der UnterQuittungskarte in Breslau ausgestellt ist und daher am Kopfe und darin gipselt, daß unser Genosse Liebknecht sich auf einen nehmer hofft, daß seiner Bewerbung der Vorzug gegeben werde, den Vermerk Versicherungsanstalt Provinz Schlesien" trägt, diese Ministerposten spißt. G3 hieße der Gesellschaft, deren lenden- indem er die Untergrundbahn in größerer Tiefe als die übrigen Karte jezt hier in Berlin zum Umtausch bringt, so muß die Es Karte Nr. 2., ebenso wie demnächst auch alle weiteren Karten, anthun, wenn man sich ernsthaft mit derartigen Auslassungen bau- Verfahrens auszuführen im Stande sei, wodurch die periodi lahmer Wiz solche Ungeheuerlichkeiten ausbrütet, zuviel Ehre Bewerber mit Hilfe seines Gefrierverfahrens und seines Tunnelebenfalls mit„ Versicherungsaftalt Provinz Schlesien," und nicht beschäftigen würde. schen Erschütterungen durch den Verkehr in den Straßen und auf etwa mit„ Versicherungsanstalt Berlin" bezeichnet sein. Dies beschäftigen würde. ist deshalb nothwendig, weil nach den gesetzlichen Vorschriften der Stadtbahn und die ungleiche Belastung durch die verschiedenen Gebäude für die Inanspruchnahme des Tunnelausbaues vollalle Quittungskarten eines Versicherten bei einer Versicherungsständig unschädlich gemacht würden." anstalt gesammelt werden müssen, und zwar bei der, in deren Bezirk die erste Quittungsfarte ausgestellt war, damit bei Rentenansprüchen jederzeit alle Karten des Antragstellers ohne Schwierig feit eingesehen werden können. Die Versicherten werden im eigenen Interesse gut thun, auch ihrerseits darauf zu achten, daß in dieser Beziehung kein Irrthum vorkomme. Das erste Opfer hat die plötzlich eingetretene Rälte schon gefordert. Am Montag früh fanden mehrere Arbeiter von der Anilinfabrik, welche gegen sechs Uhr die Köpenicker Chaussee passirten, in einem abseits belegenen Gebüsch einen reduzirt ausRücksichtlich der Lage der diesjährigen Feiertage dürfen fehenden jungen zirka 24 jährigen Menschen, der in der herz- auf den preußischen Staatsbahnen die am 24. und 25. Dezember zerreißendsten Weise jammerte und stöhnte. Auf das Geheiß der gelösten Rückfahrtkarten mit drei oder viertägiger GiltigkeitsArbeiter, aufzustehen, bedeutete er, daß er nicht dazu im Stande Dauer noch am Montag, den 28. d. M. zur Rückjahrt benutt sei und es stellte sich dann auch bald heraus, daß dem armen werden. Der Sonntag foll Wahltag sein, das ist eine der Unglücklichen, der immer wieder erschöpft zusammenbrach, auf die Deutsche Verkehrs- Beitung" ganz ungeheuerliche Zahlendas ist eine der Teufel die Beine erfroren waren. Man schaffte nun den Ueber den Rückgang der Geschäfte in diesem Jahre bringt Forderungen, welche wir immer und immer aufstellen und auch einem requirirten Wagen in die Kabine der nahe gelegenen angaben. Hiernach hatte ein Verkaufsgeschäft in der Leipzigerfernerhin aufstellen werden. Die Gründe, welche uns zu dieser Schiffswerft; es erwies sich aber alle Hilfe als vergeblich, denn straße, der eigentlichen City von Berlin, in den beiden ersten Forderung veranlassen, sind so naheliegend, daß wir dieselben der arme Mensch war nicht im Stande, irgend welche Nahrung Dezemberwochen des Vorjahres eine tägliche Loosung von nicht nicht weiter zu erörtern brauchen. Gerade für die arbeitende Bevölkerung ist es von großer Wichtigkeit, daß die Wahlen auf schien, war der Unglückliche eine ei che. Wie der Wermste den 25, 33 M. und nicht über 95 m. Und weiter: Zwei Barbierzu sich zu nehmen. Noch ehe der inzwischen requirirte Arzt er unter 145 und nicht über 190 M., in diesem Jahre Tage mit 6,20, den Tag verlegt werden, an welchem sie nicht an ihrer Arbeitsarbeitern erzählt hatte, war er bereits seit ca. acht Tagen geschäfte in der Friedrichstadt, also der besten Geschäftsgegend, stätte festgehalten werden und dadurch in die üble Lage versett ob dachslos und hatte während der Zeit keine warme denen jeder reguläre Sonntag nicht unter 20 M. und nicht über werden können, das wichtigste Recht, das ihnen gewährt ist, das Speise zu sich genommen. Wahlrecht, nicht ausüben zu können. 26 M. Tageseinnahme bringt, hatten an den beiden letzten In Anbetracht dieses Umstandes hat die Kleine sozialistische Sprache, daß es eigentlich überflüssig erscheint, die Einzelheiten Ein Kaffeegeschäft in der Friedrichstadt, dessen tägliche Gäfte für Dieses schauderhajte Vorkommniß redet eine so beredte Sonntagen 4,90, 5,20 m. bezw. 9,10 und 8,90 m. Minorität in der Stadtverordneten- Versammlung bereits den nochmals besonders hervorzuheben. Trotzdem aber erscheint das Kaffee, Thee, Chokolade, Milch u. f. w. Handwerksgesellen, HausAntrag gestellt, die Wahlen zur Stadtverordneten- Versaminlung selbe derart traß, daß es einige Kommentare doch verdient. Was diener, Droschkenkutscher u. s. w. sind, und dessen Inhaber nur an einem Sonntag stattfinden zu lassen. Für diesen Antrag war muß dieser arme Mensch körperlich und seelisch gelitten haben, 2400 m. Jahresmiethe zu zahlen hat, ist in seiner täglichen Eindie Freisinns- Klique im rothen Hause natürlich nicht zu haben, er wurde also abgelehnt. Niemand hatte natürlich ein anderes ehe ein qualvoller Tod ihn von seinen Leiden erlöste! Seit acht nahme rundum 45 pet. heruntergegangen, obgleich es sich hier Resultat erwartet, aber es erschien doch nothwendig, die Angelegen Tagen feinen warmen Bissen im Leibe, kein Nachtlager, tein doch nur um Bedürfnisse des täglichen Lebens, und zwar um heit wieder ein Mal anzuregen. Die würdigen Freisinnigen schlugen vor Hunger halb wahnsinnig ist dieser Proletarier durch die Tischlermeister, von denen der eine 18, der andere 11 Gesellen Plätzchen, wohin er sein Haupt legen kann. Bor Kälte zitternd, solche von den billigsten Preisen handelt. Und weiter: zwei ob der Kühnheit der sozialistischen Opposition drei kreuze und blickten Straßen gewantt, bis ihn endlich die Erschöpfung am Wege beschäftigt, und welche nur gute, sogenannte bestellte Arbeit erschrocken„ nach oben", wo foldy frevles Beginnen sicher Anstoß er niederfinken ließ. Er hat sich noch bis zu einem abseits gelegenen liefern, sind schon seit Monaten ohne jede größere Bestellung regen würde. Deshalb wurde der Antrag eingefargt, daß er eines Gebüsch geschleppt in der Hoffnung, hier wenigstens etwas Schutz und lassen in Erwartung befferer Beiten auf Borrath arbeiten. Tages wieder erscheinen wird, dafür werden unsere Genossen vor der grimmigen Kälte zu finden. Vergebliches Hoffen. Gifig Wenn diese Zahlen wirklich zutreffend sein sollten, so wäre es schon sorgen. Jm benachbarten Charlottenburg fand der gleiche Antraa fegte der Wind über die Felder und ließ dem fast Bewußtlosen allerdings höchste Zeit, daß eine Wendung zum Besseren eineine günftigere Aufnahme, dort scheinen die Eskarpins und mehr und mehr, endlich finkt er für todt auf den gefrorenen Grd- träte, denn sonst würde halb Berlin unabwendbar Bankerott Wadelstrümpfe noch nicht dem Stadtwappen einverleibt worden zu boden nieder. Noch einmal erwachen die schon im Schwinden machen. sein. In Charlottenburg wurde der Antrag angenommen. Nun begriffenen Lebensgeister, der Arme ruft flehentlich nach Hilfe, stand der Charlottenburger Magistrat zwischen Baum und Borke, aber als dieselbe naht, ist es bereits zu spät. Mitleidige bestimmten Postsendungen ist es unbedingt erforderlich, daß die Zum Zwecke einer pünktlichen Bestellung der nach Berlin er war aber, ehe er sich zur Sache äußerte, vorsichtig genug, bei Arbeiter hören das Stöhnen und das Schmerzgeschrei, sie Empfänger in der Aufschrift durch Hinzufügen der Wohnung dem Regierungspräsidenten anzuklopfen, um zu erfahren, wie man eilen herbei und üben Samariterdienste. deren hier über die Sache denke. Der Magistrat erhielt folgen- glücklich unter Dach und Fach gebracht war und ihm Nahrung Auch dient es zur Beschleunigung der Bestellung, wenn außer der Als der Aermite( Straße, Hausnummer, Stockwerk 2c.) näher bezeichnet werden. den Bescheid: ... daß er eine Deklaration der Regierungsverordnung vorgesetzt wurde, war es schon vorüber, der ausgemergelte kraft Wohnung noch der Postbezirk( C., O., NW., SO. 2c.), in welchem ... daß er eine Deklaration der Regierungsverordnung lose Körper vermochte nicht, Speisen noch zu sich zu nehmen, der dieselbe belegen ist, hinter der Ortsbezeichnung Berlin" an vom 26. Mai 1838 im Sinne des Antrages nicht für an od trat ein in dem Augenblick, in welchem dem Unglücklichen gegeben wird. Sofern die Sendungen eine derartige nähere Be gezeigt erachte. Nach Nr. 1 der Verordnung ist die An vielleicht Hilfe hätte werden können. beraumung von Verhandlungen oder der Betrieb von Gezeichnung der Empfänger nicht tragen, wird eine Verzögerung Die Thatsache, daß dicht vor den Thoren Berlins arbeitslose schäften seitens öffentlicher Behörden und Beamten nur in Menschen vor Hunger und Kälte elendiglich zu Grunde gehen, ist keit in der Aufschrift kann unter Umständen die Rückleitung der in der Bestellung nicht immer zu vermeiden sein; die Ungenauig Ausnahmefällen erlaubt, man wird daher nicht feststehend und wir fürchten leider, daß es bei diesem einen Sendungen nach dem Aufgabe Orte behufs Rückgabe au fehl gehen, wenn man in der regelmäßigen Festseßung von Es liegt daher im eigenen öffentlichen Wahlen aus einen Sonn- oder Feiertag einen Falle nicht bleiben wird. Als die sozialdemokratischen Stadt den Absender veranlassen. wenn dieselben bei Verstoß gegen die Absicht der Verordnung erblickt. verordneten einen Antrag einbrachten, welcher geeignet war, der Interesse der hiesigen Empfänger, Auf die Bestimmungen der Städe- Ordnung vom 17. März heit für denselben lediglich eine höhnische Abweisung, und der gerichteten Postsendungen mit möglichst genauer Aufschrift verschlimmsten Noth vorzubeugen, da hatte die freisinnige" Mehr- dem Absender dahin wirken, daß die letzteren die nach Berlin 1881 ist hierbei kein Ausschlag gebendes Gewicht zu legen, Magistrat bildete sich Wunder wieviel ein, als er für die Noth- sehen. Ebenso ist es erforderlich, um eine ordnungsmäßige Be da dieselben nicht mehr Geltung haben. Gegen diesen Bescheid ist sehr vieles einzuwenden. Wir be- leidenden zwei Wärmstuben errichtet hatte. Das war gewiß stellung der Briefe in Berlin zu dem bevorstehenden Jahreswechsel zu erreichen, daß in den Aufschriften der Stadtbriefe nicht nur haupten, daß gerade Wahlen Ausnahmefälle" sind, deren ErDie schlimmsten Befürchtungen, welche wir bezüglich des die Wohnung des Empfängers genau nach Straße, Hausnummer ledigung für Sonntag anberaumt werden kann. Wir behaupten ferner, daß heute Niemand mehr wissen kann, welches die Ab- Nothstandes in Berlin gehegt haben, scheinen leider in Erfüllung und Lage( ob eine Treppe, zwei oder drei Treppen 2c.), sondern sicht der Verordnung ist, und wir behaupten dann, daß sich zu gehen. Wir haben alles gethan, was in unseren Kräften stand, auch der Postbezirk( C., O., NW., SO. u. f. m.), in welchem die feine Behörde an die Absicht einer Verordnung zu halten hat, um den Magistrat zu bewegen, bei Zeiten geeignete Vorkehrungen betreffende Wohnung belegen ist, außer dem Ortsnamen„ Berlin" sondern an den Wortlaut derselben. Außerdem ist das zu treffen, um dem Aeußersten vorzubeugen. Der Magistrat war oder der Bezeichnung„ hier" deutlich angegeben werde." Da nur Wählen an Sonntagen gar nichts Neues, nach der Städte- Ordnung natürlich wieder einmal flüger und weiser als alle übrigen Leute, auf diese Weise eine möglichst pünktliche Bestellung der zur Aufjezt sieht er, welch' traurige Früchte seine Klugheit und lieferung gelangenden Briefmassen erzielt werden kann, so wür vom 17. März 1831 mußten die Stadtverordneten- Wahlen an Weisheit tragen. den sich die Absender von Briefen mit mangelhafter Aufschrift einem Sonntage vorgenommen werden. Warum soll das, was im Jahre 1831 nicht zum Zusammenbruch des Weltalls führte, haben. Der in Berlin herrschende Nothstand wird recht be- etwaige Berzögerungen in deren Zustellung selbst zuzuschreiben anno 1891 an den Grundsäulen des Staates rütteln? Und selbst zeichnend illustrirt durch die konstatirte Thatsache, daß allein an wenn das geschähe, würden unsere Stadtverordneten immer die Vorsitzende des Vereins Berliner Voltsküchen, Frau Lina wieder auf den Antrag zurückommen und wir empfehlen unsern Morgenstern, vom 15. November bis 11. Dezember siebenhundert Genossen, welche Mitglieder in den Stadtvertretungen der Provinz- Gesuche um freie Speisung aus den Volksküchen gerichtet worden städte sind, auch ihrerseits dieser Angelegenheit näher zu treten. sind! Wie groß muß da die Noth schon sein! " eine That! Ein ,, antisemitischer Weihnachtsbazar", der in diesem Nun wird's ja werden! Dem im Drucke befindlichen Jahre hier eingerichtet worden war, hat troß lebhafter Reklame Verwaltungsberichte über die Volksschulen entnimmt ein hiesiges und eifriger Agitation in den antisemitischen Versammlungen Blatt, daß zur Zeit 25 Voltsbibliotheken vorhanden sind, welche keine rechten Geschäfte gemacht. Er hat sich deshalb in einen mit einem Büchervorrath von 109 576 Bänden in 25 Gemeindechristlichen Weihnachtsbazar" verwandelt. Der antisemitische schulen aufgestellt sind. In dem Maße, wie die sozialdemoKlapperfasten hat einen doppelten Boden. Sonst sind die Herren fratische Bewegung und die vielen politischen Abendversamm nur Antisemiten, reine Antisemiten"( rein" allerdings feines- lungen zugenommen haben, hat sich der Leserkreis verringert. Es wegs sinngleich mit„ sauber, unbeschmutzt"), sie binden sich an soll nun der Versuch gemacht werden, Lesezimmer für den Abend feine Konfession und an keine Partei und haben Raum für Alle, einzurichten und dadurch dem lesebedürftigen Publikum eine Eraußer den Juden. Ja, zuweilen muß die„ Kreuz- Zeitung" die leichterung zu gewähren. Durch einen derartigen Versuch wird unchristliche Sprache der Antisemiten rügen. Aber wenn das der Leserkreis schwerlich gehoben werden, denn wer ein Buch Geschäft es nöthig macht, sind sie auch wieder einmal blos nicht zu Hause lesen will, wird sich schwerlich durch ein LeseChristen", die die antisemitische Fahne zusammenrollen und verzimmer dazu veranlaßt fühlen. Der Grund der Verringerung bergen. Und gegenwärtig macht das Geschäft es nöthig, denn des Leserkreises der Volksbibliotheken" ist wohl hauptsächlich in die Aktien der Antisemiten stehen schlecht, verzweifelt schlecht. dem Umstande zu suchen, daß die Volts" bibliotheken das LeseDie Flunkerei der„ Berliner Zeitung", der„ Vorwärts" bedürfniß des Volkes" nicht zu befriedigen vermögen, wie aus den oben angeführten Erscheinungen zur Genüge hervorgeht. habe dem Führer der Regierung ein Zeugniß Nummer„ eins" ausgestellt, stellten wir als die handgreiflichste Lüge" hin und ersuchten das Blatt, uns die Stelle zu bezeichnen. Das thut nun die" Berliner Zeitnng", indem sie eine Stelle nennt, in welcher Caprivi gegenüber Bismarck als Gentleman bezeichnet wird, und von ihm gefagt wird, daß er nicht die Mittel gebraucht hat, wie sie Bismarck anwandte, um sich eine aus Hurrahkanaille bestehende Majorität zu schaffen. Freilich, sagten wir dann, die Herren Nationalliberalen kennen nicht den schönen Satz: Ghrlich feit ist die beste Politik." " " " Eine größere Sprengarbeit wurde vorgestern Nachmittag wieder bei dem Abbruch der Friedrichsbrücke durch Mannschaften des Garde Pionier- Bataillons vorgenommen. Auch diesmal wurde die Burgstraße, sowie die Nothbrücke der Friedrichsbrücke Vorsichts halber für Wagen- und Fußverkehr gesperrt. Zur fest gesetzten Beit erfolgte durch Dynamit die Sprengung des großen Mittelpfeilers, welche für die zahlreichen Zuschauer nur durch eine mächtige Staubwolte erkennbar war; die Explosion war so vorzüglich ausgefallen, daß das solide Mauerwerk des Pfeilers vollkommen zertrümmert wurde und in sich zusammenfiel. Der geheimnisvolle Unbekannte, welcher am 14. b. M. in dem Baufgeschäft in der Königgrägerstraße dem Inhaber Herrmann das ein Dynamit- Attentat androhende Schreiben überreichte und sich dann beharrlich weigerte, über Namen und Verhältnisse Auskunft zu geben, ist nunmehr als der 20 Jahre alte Kommis Karl Rockahr aus Halberstadt ermittelt worden. Vor etwa sechs Monaten zog zu der Stralauerbrücke 6 wohnhaften Wittwe Jung ein junger Mann, der angab, in einem Holzgeschäfte Moabits angestellt gewesen, jetzt aber stellungslos geworden zu sein. Er erklärte, daß er von einem in einer Zement- Attiengesellschaft in Thale beschäftigten Bruder unterstützt würde und von diesem auch die Miethe erhalte. Er nannte Das Berliner Polizeipräsidium erläßt folgende Bekannt sich, wie vorstehend angegeben, und verließ sein Zimmer fast machung:„ Nachdem der Minister für Handel und Gewerbe dem niemals. Obgleich er nichts verdiente, zahlte er stets pünktlich bisherigen" Premierlieutenant im Eisenbahn- Regiment Nr. 2 und beschäftigte sich vielfach mit Schreibarbeiten, welche Ottmar Steinhäuser eine probeweise Beschäftigung im Gewerbe- eine Anstellung bei einer Lebensversicherungs Gesellschaft Inspektionsdienste gestattet hat, ist derselbe dem Aufsichtsbezirk bezweckten. Merkwürdig war es nun, daß der junge Mann Berlin überwiesen worden. Herrn Steinhäuser steht nach§ 139b sich häufi vor den Spiegel stellte, um sein eigenes Bild zu der Gewerbeordnung das Recht zur jederzeitigen Revision der tüssen, auch sich über das Trinkwasser beklagte, welches Gift gewerblichen Anlagen zu, dagegen ist er zur Geheimhaltung der enthalte. Diese Wahrnehmungen brachten die Wirthin auf den durch diese Revision amtlich zu seiner Kenntniß gelangenden Gedanken, ihr Miether müsse wohl nicht recht zurechnungsfähig Geschäfts- und Betriebsverhältnisse verpflichtet worden." fein. Am 13. d. M. schrieb R. sehr eifrig und hatte viele Beitungen neben sich, welche er später zerriß und einschloß. Die meisten von diesen besprachen das Dynamit- Attentat in New- YorkAls er am nächsten Tage um 4 Uhr Nachmittags seine Wohnung Auch der Lügenpeter der Nat.- 3tg." ist wieder an der verließ, fand man einen Zettel des Inhaltes vor:„ Sollte ich Arbeit. So schreibt Herr Holgerland, der sich alle Nachrichten Für die Anlage von elektrischen Untergrundbahnen vielleicht einige Zeit nicht wiederkommen, so bin ich verreift, über die Sozialdemokratie thatsächlich aus den Fingern faugt in Berlin ist ein neuer Plan aufgetaucht. Gin Ingenieur in was sehr leicht möglich." Da er nun am Mittwoch noch nicht oder direkt umgelogene Mittheilungen des Vorwärts" in die Magdeburg hat an den Magistrat von Berlin ein erneutes heimgekehrt war, glaubte die J., ihrem wortfargen Miether sei Presse bringt und Herr Eugen Richter druckt es diesem zu Gesuch gerichtet, in welchem er sich erbietet, in 20 Meter und etwas zugestoßen. Sie gab dem Bruder Drahtnachricht, welcher verlässigen Gewährsmann natürlich nach daß Frau 25 Meter Tiefe unter der Kreuzung der Linden und Friedrich- am nächsten Montage in Berlin eintraf und seinen Bruder als Emma Jhrer, die Führerin in der sozialdemokrati- straße enent. unter dem Wasserspiegel der Spree je einen vermißt polizeilich meldete. Hierdurch tam es, daß die Polizei fchen Agitation unter den Frauen, sich bei der Parteileitung Tunnel, in Eisen und Mauerwerk ausgebaut, von 3 Meter den Namen des verhafteten Erpressers ermitteln konnte. b misliebig gemacht habe; die fleine" ungemein rührige Frau hatte Querdurchschnitt, herzustellen, und in diesen Tunnels elektrische die That diejenige eines Jrrsinnigen ist, oder ob es sich übergegen den Ausschluß der Opposition gestimmt, sie hat deshalb von Eisenbahnen in der Weise einzurichten, daß der eine Tunnel haupt bei R. um Verstellungsfünfte handelt, läßt sich noch nicht einer Versammlung in Berlin bereits ein Mißtrauensvotum er nur für die Hinfahrt, der andere nur für die Rückfahrt benutzt beurtheilen. Bis jetzt befindet sich St. noch im Untersuchungs halten und jetzt legt sie die Redaktion der Arbeiterin" nieder." wird und durchschnittlich auf je 300 Meter Tunnellänge einen gefängnisse. Die Berliner Zeitung" scheint nicht begreifen zu fönnen, daß man einen Gegner, obwohl man ihn bekämpft, doch für einen anständigen Mann halten kann; der„ Berliner Zeitung" gegenüber würde es uns freilich schwer fallen. " Herr von Stülpnagel ist Major, Herr Steinhäuser ist Sieutenant. Es wird nicht lange dauern, dann werden wir auf den Korporal gekommen sein. (5tn Depotschwindel außergewöhnlicher Art ist hier vor einiger Zeit von einer Person verübt worden, welche sich Frau von Januskiewicz" nannte und unter diesem Namen bei der Modistin C. Kleider im Werths von SSV M. bestellte. Als der Frau von Januskiewicz der erste Theil der Bestellung abgeliefert wurde, zahlte sie lllv Mark. Wenige Tage später erschien die Schwester der C. mit dem Rest der bestellten Kleider in der Be- Häufung der Frau von Januskiewicz, die ihr aufrichtiges Be- dauern darüber aussprach, nicht sofort die 220 M. bezahlen zu können und der Ueberbringerin der Sachen einen Depotschein zeigte, dem zufolge die Auftraggeberin bei einem bekannten hiesigen Bankhause ein Guthaben im Betrage von 2000 M. hatte. Die Schwester der Modistin zögerte, dem Versprechen der Frau von Januskiewicz, daß die Zahlung am nächsten Tage er- folgen werde, Glauben zu schenken, ließ aber endlich doch die Kleider zurück, da ihr die Frau erklärte, daß sie, wenn ihr bis zum nächsten Tage der Kredit verweigert würde, von der Abnahme der Kleider Abstand nehmen werde. Am nächsten Taae begab sich die Schwester der C. nach dem Bankhaus, das ihr Frau v. Januskiewicz genannt hatte, und dort wurde ihr be- stätigt, daß eine Persönlichkeit dieses Namens bei der betreffenden Firma ein versiegeltes Packet mit der Werthangabe 2000 Mark hinterlegt habe. Daraufhin beruhigten sich die Modistin und ihre Schwester. Nachdem dann aber längere Zeit vergangen war, ohne daß die Schuld berichtigt worden wäre, wurde Nachfrage nach der Frau v. Januskiewicz gehalten, und dabei stellte sich heraus, daß die Person Berlin verlassen hatte. Erkundigungen in dem Bankhause ergaben, daß das Depot der Frau nicht er« hoben worden war, und eS kam zu einem Verfahren, welches die Oeffnung des versiegelten Packeis durch einen Gerichtsvoll- zieher zur Folge hatte. Da machte man denn die Entdeckung, daß das„Werthpacket- lediglich unbeschriebenes Briefpapier eut- hielt. Frau v. Januskiewicz soll neuerdings in Paris gesehen worden sein. Ein Bubenstreich ist, einer Lokalkorrespondenz zufolge, in der Prenzlauer Allee vorgestern Abend verübt worden. Gegen 3 Uhr passirte der 10jährige Sohn des in der Prenzlauerstraße wohnenden Kaufmanns B. den Promcnadenweg der Prenzlauer Allee, als er gerade gegenüber der Bötzow'schen Brauerer eine geschlossene Selterflasche liegen sah. Er hob sie auf und hielt sie prüfend gegen das Licht einer Straßenlaterne. Ja. demselben Augenblick gab es einen Knall, die Flasche, welche B. in der rechten Hand gehalten, war explodirt und mit lautem Wehrus brach der junge Mann zusammen. Mit Hilfe hinzugeeilter Per- soncn schleppte er sich später nach der Sanitätswache in der Prenzlauerstraße. Dort mußten ihm zwanzig große Glassplitter ans der Hand herausgeschnitten werden, die schwer verletzt ist. Festgestellt ivurde. daß die Flasche mit Pulver gefüllt war und die Erplosion dadurch erfolgte, daß ein glimmender Schwamm in die Flasche gepfropft war. Allem Anschein nach haben rohe Burschen die gefährliche Flasche auf die Straße gelegt, um sich damit einen „Scherz' zu machen. Hoffentlich gelingt es, die Frevler zu er- Mitteln. Ju dem Kanfmauu Juliuö FnchS'sche» Konkurse berichtete der Verwalter Fischer im Prüfungstermin über die Lage der Sache. Danach ist ein Massebestand von 40 04S M. bä Pf. vorhanden, und Forderungen sind bisher in Höhe von 1 106 973 M. 31 Pf. angemeldet worden. Die Höhe der bei einer Vrriheilung zur Zahlung gelangenden Dividende konnte jedoch noch nicht festgestellt werden, da dieselbe von der Reali- sirung der zur Masse gehörigen Immobilien abhängig ist. Das Grundstück in der Friedrichstraße hat der Masse 15 000 M. zuge- führt. Das Grundstück in der Lothringerstraße kann, bei günstigem Verkauf, der Masse gegen 50 000 M. einbringen, auch sind vielleicht zwei Baustellen ohne Verlust zu verwerlhen. Dagegen ist es fraglich, ob bei dem Verkauf des Grundstücks in der Perle- bcrgerstraße und des zur Masse gehörigen Ritterguts die auf diesen lastenden Hypotheken volle Deckung finden, und also nicht Ausfälle zu verzeichnen sein werden. Der Rabe deS Kammergerichts. Als junges hilfloses, von seinen„Rabeneltern' verlassenes Thier ließ er an einem Herbsttage des vergangenen Jahres nahe den Geleisen der An- Halter Bahn bei Jüterbog seine mehr eindringliche als schöne Stimme erschallen und lenkte dadurch die Augen eines Zug- führers auf sich, dessen Herz ihn trieb, sich des armen Verlassenen anzunehmen. Nach mancherlei Fahrten gelangte unser Findling dann in den Besitz des Kastellans des itammergerichts, Herrn Nolle, und damit zugleich zu einer ebenso ruhigen und an- genehmen wie gesicherten Stellung, in der er,„wenn er sich hält", noch Karriere machen kann. Herr Nolle wies ihm zunächst einen ganz selbständigen Posten als Gerichtsvollzieher gegen die schäd- lichen Insekten, Engerlinge und andere Nager und Wühler in den von ihm gepflegten Baum- und Gartenanlage» des Kammergerichts ai, und hatte die Freude zu sehen, daß Jakob — dieser für Findlinge seiner Gattung in der Lust liegende schöne Namen war ihm nämlich gegeben worden— auch nach dieser Richtung gut einschlug, indem er unermüdlich die genannten Schädiger in ihren Niststätten aufsuchte und ver- tilgte, solchergestalt ebensowohl den staatlichen Interessen, wie seinem eigenen überaus gesegneten Appetit dienend. Nebenbei revidirt er auch die unterirdischen Räume des Gebäudes auf Schwaben, Franzosen, Mäuse und dergleichen und füllt auch hier den Rahmen seiner gerichtsvollzieherischen Pflichten als Haus- leerer trefflich aus. Dabei macht er sich aber im Verkehr mit seinem unmittel- baren Vorgesetzten und Nährvater und den Beamten des Kammer- gerichtL nie„mausig", sondern zeigt sich in dankbarer Würdigung der ihni gewordenen Aufnahme überaus zuvorkommend und freundlich. Herrn Nolte und seinen übrigen speziellen Gönnern gegenüber sogar in erheiternder Weise zutraulich. Sobald er diese erblickt, springt er flügelschlagend in die Höhe, nimmt gern ein Blatt in den Schnabel, hüpft nahe heran und läßt das Blatt fallen, wobei er durch Augen- zwinkern zum Spielen auffordert. Will man nämlich das Blatt aufheben, so pickt er es vorher schnell auf, um dann durch abermaliges Fallenlassen zur Fortsetzung des Spiels zu ermunter», ganz in der Weise, wie es junge Hunde mit andere» Gegenständen zu thun lieben. Sodann untersucht er auch aufmerksam die Näthe zwischen Sohlen und Oberleder der Stiefeln seiner Freunde auf etwa darin verborgene Para siten, setzt sich dann gern auf einen Fuß des Freundes und be zeugt seine Freude durch Picken auf Stiesel und Hosen. Dabei pst er schon ziemlich weil in dem Versländniß der deutschen Sprache gediehen und beantwortet die Frage;„Hast Du Hunger, Jakob?" stets mit einem sehr vernehmlichen„Krah!' Unter dem veredelnden Einfluß der_ rings um ihn ver- körperlen heiligen Justitia ist denn auch die den Raben nach gesagt« schlechte Eigenschaft eines oft zu weit um sich greifenden Fassungsvermögens bei ihm ganz unentwickelt gebliebe», und noch nie hat die Frau ttastellanin, deren mit gläiizend geputzten Löffeln und anderen blinkenden Gegenständen angefüllter Küche er Lsters Besuche abstattet, Ursache gehabt, Ziveifel in seine Ehrlichkeit zu setzen. Unter diesen Umständen ist Jacob bei allen Beamten des Kammergerichts beliebt geworden. Auch mit de», Vertreter der Presse bei dem Kammergerichl, in dem er als' bald das„literarische Federvieh" und den osfiziellen„Hunger kandidaten", also gewissermaßen einen Konkurrenten wiuerte. ist er im Lause der Zeit in ein durchaus intimes kollegialische" Verhältnis: getreten und ist für jedes Interview zugänglich. Seine Liebenswürdigkcit ist auch nicht ohne praktische Ergeb- nisse geblieben. Wurstpellen und sonstige Frühstücksreste werben ihm von allen Seiten zu Theil und bilden namentlich in jetziger Zeit, wo seine während des Frühjahrs und Sommers so splendiden Einnahmen sehr zusammengeschrumpft find, einen danlenswertheii Beitrag zur Füllung seines Magens. Bei jetziger Witterung sucht Jakob gern die geheizten Räume des Kammer gerichts- Gebäudes, mitunter auch verschiedene Bureaus, so nament- lich das für Rechnungssachen auf, um nachzusehen, ob er schon etatsmäßig sei. In seiner ihm von der Natur verliehenen schwarzen Robe bewegt er sich hier durchaus ernst und würdig. Sobald«ne der zum Innern führenden Thüren nicht offen ist, springt er so lange gegen die Klinke, bis die Thür aufgeht oder von Jemand geöffnet wird. Kurz Jakob straft durch sein liebens- würdiges Attachement an die Juristenwelt alle bisherigen B« Häuptlingen über die scheue Eigenart der„dunklen Existenzen" seiner Gattung Lügen. In den Kreisen des Kammergerichts munkelt man denn auch schon von einer besonderen Auszeichnung, von Einrichtung einer Amtswohnung und Stiftung eines Ehrenschildes an Hals oder Bein, worauf der Beginn seiner Laufbahn zur Erbauung künftiger Geschlechter verzeichnet werden soll. Wir werden sehen. Polizeibericht. Am 22. d. M. fiel ein 65 Jahre alter Händler vor dem Hause Jnvalidenstr. 86 infolge der Glätte zu Boden und verletzte sich so bedeutend an der Hüfte, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Nachmittags wurde ein Schankwirth in«seiner Wohnung, in der Brunnenstraße, er- hängt vorgesunden.— Im Lause des Tages fanden vier kleine Brände statt. Geriiftks-JBetkmrß. Ambrosius Hieronymus Polykarp Godehardt ist der Name eines Mannes, welcher gestern der zweiten Strafkammer des Landgerichts vorgeführt wurde und der nicht nur zu den ge- wiegtesten und gesährlichsten, sondern auch zu den interessantesten Verbrechern zu rechnen ist. Der jetzt reichlich 40jährige Angeklagte hat nicht weniger als 24 Jahre hinter Schloß und Riegel, davon 10 Jahre 6 Monate im Gefängnisse und 13 Jahre 6 Monate im Zuchthanse zugebracht. Sein Strafregister ist von einer sel- tenen Vielseitigkeit und berührt alle möglichen Vergehen und Ver- brechen. Seine letzte wegen schweren Diebstahls ihm auferlegte sechsjährige Zuchthausstrafe verbüßte er in Halle a. S. Es ge- lang ihm, im Jahre 1883 von dort zu entspringen und sich 15 Monate lang in Berlin versteckt zu halten. Nach einer Wiederergreifung nach Halle zurückgeführt, wurde er dort einer Gefährlichkeit entsprechend behandelt. Im Jahre 1887 andte er durch seine Mutter eine Anzeige an die hiesige Staats- anwaltschaft, in der er sich als Thäter eines außerordentlich raffinirt ausgeführten Einbruchsdiebstahls bekannte, der im Oktober 1883, während er sich auf freien Fuß befand, bei einer Lehrerin begangen war. Zum Beweise der Glaubwürdigkeit dieser Selbstbezichtigung gab der Angeklagte ein genaues Ver- zeichniß der gestohlenen Gegenstände und fügte nicht nur einen Situationsplan der Wohnung der Bestohlenen, sondern auch eine Zeichnung des künstlisch gearbeiteten Nachschlüssels, der am Thatorte liegen geblieben war, hinzu. Der Angeklagte ersuchte demnach, ihn wegen des schweren Diebstahls zur Ver- antivortung zu ziehen. Das hübsch verfaßte Schreiben an seine Mutler schloß folgendermaßen:„Wenn andere Personen Dir rathen, die Einlage nicht abzuschicken, so erwäge, ob diese Dir näher stehen, oder Dein Sohn und denke an das hübsche Märchen von dem Knaben und dem Pferdekopf, welches Du mir in meiner Kindheit so hübsch zu erzählen wußtest." Dem Antrage de-Z Angeklagten, sofort das Hauptvcrfahren gegen ihn zu eröffnen, wurde nicht stattgegeben, da der Verdacht nahe lag, daß der An- geklagte wohl nur eine Gelegenheit suche, auf dem Transport nach Berlin zu entspringen. Er mußte erst seine Strafe in �alle vollständig verbüßen und wurde dann erst wegen des Diebstahls, dessen er sich selbst beschuldigte, im hiesigen Unter- .üchungs- Gefängnisse untergebracht. Nun trat Godehardt mit der Behauptung auf, daß jene Selbstbezichtigung falsch sei. Im gestrigen Termine zeigte der Angeklagte eine so seltene Rede- gewandlheit und legte so bedeutende juristische Kenntnisse an den Tag, daß er die Zuhörer in Erstaunen setzte und der Gerichtshof ihm mit sichtlichem Interesse zuhörte. Der Angeklagte erzählte, daß die Selbstbezichtigung nur geschrieben sei, um aus dem Zuchthaus« zu Halle fortzukommen. Der dortige Direktor sei unmenschlich streng und habe ihn bei seiner Wiedereinlieferung dermaßen peitschen lassen, daß ihn das Fleisch in Fetzen vom Körper gehangen habe und daß die Wunden trotz ärztlicher Behandlung erst nach 8 Wochen geheilt seien. Er habe den Direktor wegen schwerer Körperverletzung und Bedrohung an- zeigen wollen. Auch die übrigen Mitgefangenen hätten ein Jnter- esse daran gehabt, daß die Anzeige erstattet und der Direktor in- folge dessen vielleicht versetzt wurde und so hätten sie den Plan gefaßt, daß Godehardt sich jenes Diebstahls bezichtigen sollte, um nach Berlin zu kommen, da nur von hier aus eine Be- schwerde an die rechte Stelle komme. Unter den Gefangenen hätten sich Leute befunden, die entweder den Diebstahl selbst aus- geführt oder doch Kenntniß von demselben gehabt haben müssen. Namentlich ein gewisser Heinrich habe ihm nach und nach in un- bewachten Augenblicken Auszeichnungen und Notizen in Betreff des Diebstahls auf kleine Stückchen Papier geschrieben; zuge- steckt, bis er, der Angeklagte, genügend unterrichtet war, um die Rolle des Thäters spielen zu können. Der Angeklagte beschwerte sich lebhast darüber, daß seinem Antrage im Jahre 87 nicht statt- gegeben sei, denn inzwischen sei„Heinrich" im Zuchthause ver- starben und ihm dadurch die Möglichkeit genommen, seine Be- hauptimgen zu beiveisen. Er stellte aber dennoch in formrcchter juristischer Weise eine Anzahl Beweisanträge. Während Staatsanwalt Dr. Benedix die Selbstbezichtigung des Angeklagten für wahr hielt und gegen denselben eine 8jährige Zuchthaus- strafe beantragte, hielt der Gerichtshof den Angeklagten nicht für hinreichend überführt und erkannte aus Freisprechung. Gode- Hardt wird somit nach langen Jahren das Weihnachtssest als freier Mann verleben können. Ein Zuhälter, der Handelsmann Hermann A m b o S, erhielt gestern durch Urtheil der ziveiten Strafkammer des Land- §er>chls I eine außerordentlich hohe Strafe, nämlich fünf iahre Gesängniß und fünfjährigen Ehrverlust. Allerdings standen die von dein Angeklagten begangenen Slrafthnte» zu der Höhe des Strafmaßes in einem entsprechenden Berhältniß. Die 'Anklage lautete, ans Kuppelei, schwere Körperverletzung, Bs- drohung und Beihilfe zur Unterschlagung. Es war dem An- geklagten gelungen, die'Frau eines anderen Mannes aus Abwege zu bringen. Er ließ sich vollständig von ihr ernähren und wurde ihr Tyrann. Wiederholt miß- handelte er sie mittelst eines gesüllten Gnnnnischlauchs, den er stets bei sich führte. Als der Ehemann der Gesunkenen sich dem Treiben derselben widersetzte, wurde auch er von dem Angeklagten mißhandelt. Als der Letztere eines Tages mit der ihm blind ergebenen Frau in Streit gerieth, stieß er die Drohung aus, daß er lhr den Hals abschneiden werde. Schließlich unter- stützte er sie, als sie ihren Ehemann heimlich unter Mitnahme des Mobiliars verließ. Der Gerichtshof bezeichnete den An geklagten als einen der gefährlichsten Zuhälter und fand sich deshalb nicht veranlaßt, unter das vom Staatsanwalt Dr. Benedix beantragte Strafmaß herabzugehen. um den Arbeitsausfall zu decken. Das Preßorgan der Prinzipale war natürlich derselben Meinung. Jetzt dagegen, und zwar um die Gehilfen ins Bockshorn zu jagen, schreibt dasselbe Blatt, daß nach dem Streik allein in Leipzig 1000 Arbeitslose übrig bleiben würden. Dazu bemerkt das Organ der Gehilferi; „Nimmt man diese Summe für die gesammte Bewegung als Maßstab, so bleiben nach derselben Arbeitslose übrig: in Leipzig 1000, Berlin 1000, Stuttgart 300, Breslau 150, Hamburg 150, Hannover 150, Frankfurt a. M. 100, im übrigen Deutschland 1500, zusammen 4350. Die Zahlen sind im Verhältnisse zu Leipzig gewiß zu niedrig gegriffen. Zieht man noch in Betracht, daß die besten Arbeiter im Streik stehen, so kann man ruhig noch 1000 mehr untergebrachter Nothhelfer schlechter Qualität für sie rechnen."— Danach läßt sich ermessen, wie schlecht fundirt die „Gründe" sind, welche die Buchdruckereibesitzer gegen den Neun- stundentag ins Treffen führen. Die Zahl der arbeitslosen Buch- drucker ist weit größer, als selbst die Gehilfen vermuthet haben. Zur Sequestration der Zentral-Jnvalidenkasse der Buchdrucker durch das Stuttgarter Landgericht schreibt der„Correspondent", daß das Urtheil keine Gründe enthalte. „Sollte es denn zu schwer gewesen sein. Gründe zu finden? selbstverständlich beruhigt sich die Kasse bei diesem Richterspruche keineswegs und hat sofort Berufung beim Ober»Lan- d e s g e r i ch t eingelegt. Dort wird unzweifelhaft im Sinne derjenigen entschieden, denen die Kasse gehört, nämlich im Sinne der 18 000 Mitglieder und nicht jener, die es nicht mehr wagen iverden, sich in Mitgliederkreisen zu zeigen. Uebrigens haben eine große Zahl der Vollmachtaussteller(in Dresden 14, Plauen 16, Leipzig 3, Berlin 1, die Bayern sind vom Gerichte zurückgewiesen worden) ihre Unterschrift zurückgezogen und sich verwahrt, die- selbe zwecks Antrags auf Sequestration abgegeben zu haben. Sie gaben nur ihre Unterschrift für den Fall des Ausschlusses; Dr. Schmidt(der Rechtsanwalt der Prinzipale) dagegen hat mit den Unterschriften gemacht, was ihm paßte. Wen soll es wundern!" Die Buchdrucker in Szegedin haben sämmtlich gekündigt. Sie fordern den Neunstundentag und den Pester Tarif. Kuchdrucker-Aewegung. Ter Führer der deutscheu Buchdruckereibesitzer, Herr Klink Hardt in Leipzig, erklärte vor dem Streik, der Neunstundentag könne nicht bewilligt werden, weil nur 1000 Arbeitslose vorhanden seien welche nicht genügen würden, Soztnle An die Möbelpolircr Berlins und Umgegend. Kollegen! In der letzten Versammlung am 14. d. M. wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, die streikenden Buch« drucker auch sernerhin zu unterstützen und zwar soll von jedem arbeitenden Möbelpolircr, so lange der Buchdruckerstreik dauert, ein Extrabcitrag von monatlich 50 Pfennig erhoben werden. Ich ersuche Euch nun, diesem Beschluß heute Nachmittag von 4—6 Uhr in den Zahlstellen Blumenstr. 38, bei Henke, Oranienstr. 197, bei Mohn und Zehdenickerstr. 2, bei Ecke, voll und ganz nachzu- kommen. Haltet fest an dem, was Ihr beschlossen habt; zeigt, daß Ihr gewillt seid, alle nur möglichen Opfer zu bringen, um den Buchdruckern zum Siege zu verhelfen. Der Vor st and des Verbandes der Möbelpolirer Berlins und Umgegend. I. A.: P a u l F ä h s e, 0, Memelerstr. 82. An die Tabakarbeiter und-Arbeiterinnen BerlinS! In Anbetracht der traurigen wirthschaftlichen Lage der Tabakarbeiter sehen wir uns veranlaßt, ein ernstes Wort an Euch zu richten. Wir wenden uns zunächst an diejenigen, welche noch nicht der Organisation, dem Unter st ützungs- Verein deutscher Tabakarbeiter, angehören und sich dem Uiiternehmerthmn, welches den Werth der Organisation für sich selbst wohl zu schätzen weiß, wehrlos gegenüber befinden; wehrlos jenem Unternehmerthum gegenüber, welches, obgleich selbst durch Vereine, Ringe und Trusts zu Schutz und Trutz verbunden, dem Arbeiter die geringste Vereinigung verwehren zu müssen glaubt.. Als Beweis für diese Behauptung verweisen wir auf die Kämpfe des letzten Jahres, um nicht weiter zurück zu greisen; wir ver- weisen auf die Aussperrungen von Hamburg und Eschwege; auf die Aussperrungen in den verschiedensten anderen Bronchen, wo die Zerstörung der Arbeiter- Organisation als allgemeine Parole ausgegeben wurde und wo als Feldgeschrei der Ruf nach weib- lichen Arbeitskräften erscholl, jenes Bestreben zeitigend, den weib- lichen Arbeiter gegen den männlichen ausspielen zu können,— die gefügigeren weiblichen Kräfte gegenüber den renitenten männlichen.! Arbeiter und Zlrbeiterinnen! Der organisirte Arbeiter ist kein Feind der weiblichen Arbeitskraft, sondern sein Bestreben geht dahin, daß der weiblichen Mitarbeiterin für gleiche Arbeitsleistung gleicher Lohn wird. Alle Streiks resp. Ausschlüsse haben uns gezeigt, daß den neu eintretenden Arbeiterinnen anfänglich wohl der gleiche Lohn gezahlt wurde, aber nur mit wemgen Aus- nahmen sind die Löhne dieselben geblieben. Aus Vorstehendem erhellt wohl zur Genüge, daß es nicht nur die Pflicht des männlichen Arbeiters ist, sondern daß es ebensowohl im eigensten Interesse jeder einzelnen Kollegin liegt, sich der bestehenden Organisation der Tabakarbeiter anzuschließen, um Schulter an Schulter mit den männlichen für die Arbeitersache einzutreten! Angesichts der traurigen Geschäftslage, angesichts der künst- lich auf die Spitze getriebenen Lebensmillelprcise muß es wohl jedem Einzelnen einleuchten, daß es die heiligste Pflicht aller 'Arbeiter ist, ob männlich oder weiblich, sich aufs Engst» zu vir- binden. Kollegen und Kolleginnen! Wollt Ihr noch länger fern stehen, wo Ihr seht, daß die Arbeiter aller Branchen und aller Länder sich in regem Schaffen zu nationalen und internationalen Ver- bänden zusammenschließen? Wir appelliren nun an Euer Solidaritätsgefühl. Nachdem Ihr Vorstehendes genau erwogen, erwarten wir, daß auch Ihr Euch nicht länger mehr weigern werdet, der bestehenden Organisation der deutschen Tabakarbeiter beizutreten. Wir er- achten es für moralische Pflicht eines jeden denkenden und ziel- bewußten Arbeiters, mit nnS vereint die Verbesserung unserer Lage anzustreben. Vereint sind wir Alles, vereinzelt Nicht«! Aufnahmen in den Verein finden in den folgenden Lokalen statt: Adalberlstr. 4 und Rheinsbergerftr. 19, Montags von 7—10 Uhr Abends; Elisaberhstr. 19, Sonnabends von 7—9 Uhr Abends. Zur näheren Begründung des oben Angeführten findet am Sonntag, den 10. Januar 1892, Vormittags lOV» Uhr, eine öffentliche Versammlung der Tabakarbeiter und Arbeiterinnen Berlins und der Umgegend in Bötzow's Brauerei, Prenzlauer Allee 242—247(am Prenzlauer Thor) statt. Wir ersuchen sämmtliche Kollegen und Kolleginnen, in dieser Versammlung zahlreich zu erscheinen. Die Kommission der Tabakarbeiter Berlins. Ans Saalfeld i. Th. wird unS geschrieben, daß daselbst die Former und Hilfsarbeiter der Wilhelms- c. 4-».» mih Qrtfm?r