No. 61 Mittwoch, 31. Juli 1872 Erscheint wöchentlich 2 mal in LeiHzig. Bestellungen nehmen alle Voftanstalten und Buchhand- lungen deS In- und Aui- landes au. Für Leipzig nehmen Bestellungeu an: die Erpedition, Hohe Str. 4. A. Bebel, PeterSstr. 18, F. Thiel«, Emiltenstr. 2. »bounementSprei«: Für Preuhen inet. Stempelsteuer 17 Sgr., für die übrigen deuifchm Staaten 12'/, Ngr per Quartal, per Monat 4'/, Ngr., für Leipzig und Um- gegend per Quartal 13 Ngr. ztlialerpedition für Mever- einigten Staaten: F. A. Sorge, Bo* 101 Hoboken Ji. J, rlaNewyork Organ der sozial-demokratischen Arbeiterpartei nud der Znternatioaaten Gewerksgenossenschasteu. A« die Parteigenossen: Auf verschiedene Anfragen hin die ültiltheilung, daß sämmt- liche in letzter Zeit angemeldeten Vertrauensmänner von uns anerkannt sind. Die Bekanntmachung wird in nächster Zeit erfolgen._ 3 Der Ausschuß. Th. Vorck. Der Parteicougreü findet im großen Saale des Lokales„Zum heiligen Geist"' statt. � Mainz. Das Lokalconntee. I. Leyendecker, Scharrnstr. 15. Polittsche Nebersicht. Der deutsche Servilismus, der seine Säfte vornehm lich aus dem„Heldengreis"" und dem„Genialen" zieht, und sich in zweiter Linie dem„liberalen" Kronprinzen zuwendet, der bekanntlich zu seiner ältesten Tochter„Dicke Lotte!"" sagt. — der deutsche Servilismus hat sich neulich ein 10 jähr ig es Kind zum Objekt seiner Nahrung ausgesucht.„Prinz Hein- rich der zweite Sohn des Kronprinzen, wird am 14. August zehn Jahr alt und tritt dann als Seekadett in die Marine"", verkündet die„Köln. Ztg."'.„Freuen wir uns daher der Theilnahme, welche der deutschen Seemacht von oben her zu Theil wird, und wünschen wir unserm jungen Prinzen„Hein- rich dem Seefahrer" Glück und Heil!" Und die„Spenersche Ztg." jubelt aus Anlaß dieses weltbeglückenden Ereignisses:„So dür- fen wir hoffen, daß die Flotte in dem Prinzen Heinrich der- einst, so Gatt will, ihren berufenen Führer, in jedem Falle aber einen hingebenden, überzeugten und sachkundigen Ver- lreter und Fürsprecher finden werde. Wenn unserer Flotte der Weg gebahnt werden soll zu den unvergleichlichen(?) Ehren, welche die Fahnen unserer Regimenter schmücken, dann muß sie in der Nähe des Thrones einen Anwalt haben, dessen früheste Erinnerung mit ihren Geschicken so fest und unlösbar verwachsen ist, wie die Geschickte des preußischen Heeres mit dem Lebensgang der Glieder unsers königlichen Hauses."— Gegenüber dieser Kriecherei erinnert die„Süddeut- ,cyc Post" an den Ausspruch des„alten Friy:"' „Junge Grafen, die nichts lernen, seindt Ignoranten-) key allen Landen, in England ist der Sohn des Königs nur Matrose aus ein Schiff, um die lilanoeuvres(Manöver) dieses Dienstes zu lernen. Im Fall»un einmal ein Wunder geschehen und aus einem Grafen etwas werden sott«, so Mus er sich auf Titel und gedurih nichts einbilden, den das seindr nur na- renspossen, sondern es köml nur allezeit auf seine.Aerit personell--) an." Die„Süddeutsche Post" meinte jedenfalls selber nicht, daß sich ihr Citat auch auf den„Prinzen" Heinrich anwenden lasse. Denn der„alte Fritz"" hat ja nur die„Grafen" unter die Taugenichtse gezählt, aus denen nur„etwas wird, im Fall einmal ein Wunder geschieht."— Ein schönes Culturbild auS der Hauptstadt des Reichs„der Gottesfurcht und frommen Sitte" entrollten uns dieser Tage die Berliner Zeitungen. Der Märkische Central- sängerbund wollte sein Sängersest heuer in der„neuen Kaiser- stavt" feiern, wohin denn auch die patriotischen Mitglieder„des Gottes voll" pilgerten. Alles ging nach Wunsch, bis zn der ersten öffentlichen Aufführung, die der Hitze wegen im Freien stattfinden mußte. Kaum hatten die Sänger, um neben ihrer künstlerischen Meisterschaft auch ihre„ächt deutsche" Gesinnung leuchten zu lassen, das Arnvt'sche Vaterlandslied angestimmt, als ihnen aus die poetische Frage:„Was ist des Deutschen Vaterland?" von Seiten des versammelten Bummlerthums die sehr prosaische Antwort in Gestalt von Ziegelsteinen, Erd- klumpen, Biergläsern u. s. w. entgegengeschleudert wurde, so daß die verblüfften Sänger mit blutigen Köpfen das Weite suchen mußten. Ein zweiter Versuch am folgenden Tag hatte keinen besseren Erfolg,— nur mit dem Unterschied, daß der Lasker'sche Knüppel die Stelle der Wurfgeschosse vertrat. Die Mitglieder deS Sängerbundes waren darüber so entrüstet, daß sie den Beschluß faßten, nie wieder ein Sängerfest in Berlin abzuhalten. Und waS war das Motiv dieses abscheulichen Skandals? Handelte es sich etwa um eine politffche Demonstration gegen das„schwarzrothgoldene". und folglich einem„überwundenen" Standpunkt ungehörige„Vaterlandslied"? Mit Nichten! Das betreffende„Publikum" wollte sich, wie die Berliner Zeitungen ausdrücklich hervorheben, einfach„einen Jur machen." Wir glauben nicht zu übertreiben, wenn wir sagen, daß eine der- artige Rohheit in keiner andern Stadt der„gebildeten" Welt möglich gewesen wäre— von sonstigen„Großstädten" gar nicht zu reden. Hätte sich in Wien, in London oder gar in dem„lasterhaften" Paris eine Bande von Maquereaus („Louis") und ähnlichem Abhub erfrecht, ein Volksfest— denn das war oder sollte es doch sein— in ähnlicher Weise zu stören, so wäre nicht einer der Schandbuben mit gesunden Knochen nach Hause gekommen. Die Sache ist die: in allein Großstädten gibt es, Dank der heutigen Gesellschaftsordnung, einen zahlreichen Pöbel, aber Berlin ist die einzige Groß- stadt, in welcher der Pöbel herrscht. -) Nichtswisser. Persönlichen Verdienste. Wir werden uns gelegentlich des Näheren mit den Ber- liner Sittcnzuständen beschästigen, für heute sei blos andeutungs- weise auf die drei Hauptgründe hingezeigt, denen Berlin diesen traurigen Borzug verdankt. Zunächst ist es das künstlich ge- steigerte Wachsthum der Stadt, welches eine größere Bevöl- kerung angelockt hat, als„ehrlichen" Erwerb finden kann; dann ist es der Charakter der Berliner Polizei, für welche die öffentliche Sicherheit und Wohlfahrt erst in zweiter Linie kommt; und schließlich Inst, not lonst,"*) der Charakter der Preußischen Politik, welche keinen anderen Gott kennt, als den„der großen Bataillone," keinen anderen Cultus, als den der Gewalt. Daß eine solche Politik, die auf der Vorderseite der Medaille„glorreiche Schlachten" und„schöne Cavalleriegefechte" hat, auf der Rückseite die infamste Louis- wirthschaft tragen muß, liegt in der Natur der Dinge. Der „Louis" ist der ins Alltagsleben übersetzle Bismarck- Moltke.— Dem BerlinerLouisthum wird's übrigens auf dem Land zu enge— es beginnt auch, das Meer unsicher zu machen. Seine ruhmvollste Leistung zur See fand kürzlich an der Küste von Hayti statt, wo zwei haptanische Kriegsschiffe durch listigen Ueberfall momentan anncktirt und durch Androhung eines Bombardements bedeutende Geldsummen erpreßt wurden. Un- zweifelhaft ein vielversprechender Anfang.— Um die Aehnlichkeit mit dem Bonapartc'schen Empire vollständig zu machen, hat das neue„Deutsche Kaiserreich" nun auch glücklich seinen Jecker gesunden. Der deutsche Jecker heißt Er langer, sein Meriko ist der Räuberstaat Tunis, und sein Protektor nicht ein neugebackener Herzog, sondern ein könig- tich-kaiserlicher Prinz, der große Feldmarschall Friedrich Karl. Letzterer„intercssirt" sich ebenso lebhast für die„Ansprüche" der Kopie, wie weiland Morny für die des Originals, und wenn es gut geht, werden wir nächstens unsere mexikanische Expe dition nach Tunis bekommen, damit„unser" Jecker und dessen Freunde die dem„Besitzer"— so nennt sich der Fürst dieses hoffnungsvollen Raubstaats— geliehenen, d. h. zum größten Theil nicht geliehenen, und, soweit geliehen, in Wucherzinsen längst über und über zurückbezahltcn Geldsummen dem vollen Nominalbetrag nach einstreichen können. Wenn man bedenkt, daß es sich um etliche Milliönchen handelt, so wird man sich über den Eifer Erlangers und seiner Freunde nicht wundern. Wen sie zum Marimilian auSersehen haben, ist noch nicht be- kannt. Er darf aber nicht fehlen! Inzwischen sucht der schlaue„Besitzer" von Tunis das Ungewitter zu beschwören, indem er den„genialen" Staatsmann bei seiner schwache» Seite packt und mit lobhudlcrischen Phra- sen überschüttet. Der Bey, der jedenfalls unsere nationallibe- ralen Blätter liest, nennt ihn u. A. in einem französisch ge- schriebenen Brief„den Mann, dessen große Eigenschaften weitberühmt und dessen Verdienst über alles Lob erhaben ist, den- jenigen, der unter den ausgezeichnetsten Ministern hervorragt und dessen leuchtender Ruf im Ruhm der höchsten Vollkommen- heit strahlt; ihn, dessen glänzende Eigenschaften Niemand zu childern vermag ic." Was Alles Fürst Bismarck i• seinen Zeitungen hübsch abdrucken läßt. Nun es ist ein fr")'"'er Mann und in der Bibel hßt es: Man soll sein unter den Scheffel stellen!— In der„Rheinischen Zeitu. y'- läßt" zur Erinnerung an den 23. Juli, den Jahrestag der Uebergabe der Festung Ra- tatt, ein ungenannter Achtundvierziger sein spärliches icht aus London leuchten, indem er schreibt: „Am 23. Juli, find es dreiundzwanzig Jahre her, daß die Festung Rastatt, damals von einer Besatzung demokratischer Freiheitstruppen gehalten, nach einer beinahe vierwöchentlichen Einschließung und Be- lagerung die Thore öffnen und sich dem Sieger ergeben mußte. „Das jüngere Geschlecht weiß wenig von den schweren Kämpfen, in welchen seine Väter damals die Freiheit und Einheit der deutschen Nation gegen dir Fürstenmacht zn erringen suchten— Kämpfe, bei denen der SiegeSprnß mehr als einmal nahe in den Bereich der Volks- streiter gerückt schien, und bei denen viel kostbares, auch nicht unsrucht- bar gebliebenes Blut verspritzt ward. Zahlreiche Gefechte und Schlachten hatten damals im offenen Felde stattgefunden. Von Ende Mai bis Ende Juli 184S stritt das Vokksheer in Baden gegen die von drei Seiten"auf dasselbe«indringend« Truppenübermacht der sürstlichen Reaktion, bis mit der Uebergabe Rastatt'» das letzte Bollwerk der ssL| �„Kaum waren am 23. Juli die Thore der Festung Rastatt geöffnet, alt die gejammte Besatzung— lm Widerspruch mit dem, wa8 ihr oie Unterhändler als die Bedingungen der Ueber- gäbe angekündigt hatten entwaffnet und gefangen in die Kasematten gebracht wurde. Am 31. Juli begannen bann dl« stand- rechtlichen Hinrichtungen, als deren erstes Opfer eines der edelsten tapfersten Herzen, Max Dortu, blutete. „Vom 31. Juli bis End« Oktober dauerten die StastdrechtSgrauel fort. Gleichwie' im vorhergehende» Jahre Robert Blum auf der Brr- gittenau sein Leben hatte aushauchen müssen; gleichwie Messenhaujer, der Oberlommandant von Wien, mit Becher, Jellinek und vielen an- deren Opsern der Blutgerichte des Hauses Habsburg für die Sache der Freiheit fielen, so erfolgte in Baden die standrechtliche Hinrichtung einet anderen Mitgliedes der deutschen Rational- Versammlung, W. A. Trützschler's; serner Tiedemanns, des Ober-Kommandanten in Rastatt, Böllings, Streuber's und zahlreicher anderer Opfer. Es waren ihrer achtundzwanzig,— nämlich sol-ber, die durch förmliches Uttheil den Tod erlitten. Sie alle starben den Tod Robert Blum's. „Die Masse der damals in Baden Eingekerten füllte sämmtliche verfügbare Kasematten, alle Gefängnisse und sonstige geschlossenen Räume des Landes— und gleichwohl wußte man ste ntcht sämmtlich unterzubringen. Auch Frauen wurden wegen Betheiligung am Aus- stand«— der, durch das Heer begonnen, von der ganzen Bevölkerung durchgeführt worden war— vor die Gerichte gestellt. Gegen Ber- haftete wurden häufig Prügel angewendet. Das Vermögen derGe- fangenen und Flllchrigen wurde eingezogen. Die Führer wurden für„heimatlos" erklärt— darunter selbst der greise Adam von Jtz- stein, der Vertreter der konstitutionellen Partei, der an der Erhebung nicht theilgenommen. Zugleich wurden die Führer gesammiverbindlich zur Erstattung von zwölf Millionen Gulden Kriegskosten verurtheilt. Die ZaKl derer, die aus dem Lande flohen, war größer, als es in anderen unterjochten Ländern bei dreißigfach stärkerer Bevölkerung der Fall gewesen war. Zn Folge dessen sank die Bevölkerungszahl in Baden und war noch lange über ein Jahrzehnt geringer, als sie vor der„Wiederherstellung der Ordnung" gewesen. „Die Schrecken A lba's waren in dem unglücklichen Lande wieder- holt worden." Der Autor dieser zahmen(von uns nur theilweise abge- druckten) Darstellunz, der es versteht, einen langen Leidartikel über Rastatt zu schreiben, ohne den Namen des Prinzen von Preußen(jetzigen deutschen Kaisers) zu nennen, ist natürlich kein anderer, als Herr Karl Blind. Wir dürfen das mit völliger Gewißheit aus dem„Urtheilsspruch des Obertribunals der öffentlichen Meinung" schließen, welchen Herr Karl Blind in der uns vorliegenden Zeitschrift„Der deutsche Eidgenosse" — einem gar lustigen Curiosum— von 15. März 1866, Seite 197— 200,„In Sachen des Volkes gegen den König von Preußen" veröffentlicht hat. Dieser höchst drollige, ber- serkerwuthathmende und für das kindische Wesen des„Revo- lutionärs" Blind überaus bezeichnende„Urtheilsspruch des Obertribunals der öffentlichen Meinung" zählt in 26„In An- bctracht's" die Thaten des preußischen Königs auf, und gedenkt dabei der Details der Badischen Ereignisse in derselben Reihenfolge wie der obige Londoner Brief der„Rheinischen Zeitung", nämlich in folgender Weise: „9. in Anbetracht, daß der Prinz im folgenden Jahre als Ober- befehlshaber einer königlichen Reaktions-Armee nach der Rheinpsalz und nach Baden eindrang, wo das Volk zum Schutz der treuge- bliebenen Mitglieder der Deutschen Nationalversammlung und zum Zweck der Nothwchr gegen ein weit verzweigtes Komplott...... deutscher Fürsten sich erhoben hatte; und daß der Prinz sich dadurch eines................. gegen die 1848 proklamirte, von den Fürsten damals selbst anerkannte Volkssouveränität schuldig ge- macht hat;— „10. in Anbetracht, daß der Prinz sowohl in der Feldschlacht, wie durch nachträgliche massenhafte standrechtliche Erschießungen gesetz- loser Weise eine große Menge der besten Freiheits- und Vaterlands- freunde widerrechtlich vom Leben zum Tode gebracht;— „11. in Anbetracht, daß die massenhafte Einkerlerong und Nieder- meyelung der in der Festung Rastatt durch freiwillige Uebergabe in die Hände des Prinzen gefallenen Gesangen eine....... Verletzung einer von dem Prinzen gewährten Zusage war;— „12. in Anbetracht, daß somit die Hinrichtung jener KriegSge- iangcnen nicht bloß ein Akt der Barbar«, sondern zugleich ein Ver- brechen an der Ehre war;— „13. in Anbetracht, daß die Hinrichtung des Mitgliedes der deutschen Nationalversammlung, W. Trsttzschler, eine Missethat und Mordthat war, die nur an der Ermordung Robert Blum'« ihres Gleichen findet, gegen welch' letzteren Akt die ganze gebildete Welt ihren entrüsteten Protest eingelegt und ihren Fluch geschleudert hat;— „14. in Anbetracht, daß unter der....Herrschast des Prinzen von Preußen in Baden Männer wegen ihrer Freiheitsgesinnungen gepeitscht und Frauen sogar wegen Pflege der Verwundeten zu Zuchthausstrafen verurtheilt wurden;— „15. in Anbetracht, daß. das... SchreckenSregiment unter den Auspicien des Prinzen während mehrer Monate systematisch in Baden fortgesetzt, daß Tausende an Hab' und Gut geschädigt uiid ruinitt wurden, und das Land in Folge dieser Vorgänge allmälig eine solche Entvölkerung erlitt, daß noch fünfzehn Jahre nachher, die' Bevölkerung geringer war, als im Jahre 1849;— „16. in Anbetracht, daß ein solches Verfahren fast beispiellos in der Geschichte dasteht und nur mit den Thaten Alba'« verglichen werden kann;— Man ersieht hieraus, daß Herr Blind je nach Bedüvsniß zu schreiben versteht, confiScirlich und unconfiscirlich.— Der Londoner Strike,— denn nachdem die Meister ihre Wertstätten wieder geöffnet haben, kann man von einem look out*) nicht mehr reden— dauert fort; alle im Baufach beschäftigten Arbeiterbranchen, mit Ausnahme der Älasoos» haben sich zu gemeinschaftlicher Aktion geeinigt und ein„ver- bündetes Com ite(joint coramittee) gebildet, das den Kampf zu führen hat. Die Arbeiten bei allen Meistern, welche die Forderungen der Arbeiter nicht bewilligt haben, stehen vollständig still; und obgleich die Meister sich bisher ge- weigert haben, mit dem Arbeiterkomile zu unterhandeln, so cheint doch, verschiedenen Anzeichen nach zu urtheilen, ein Compromiß auf Grund der Neunstundenarbeit und einer Lohnerhöhung von 8 auf 83/4 Pence(8'/z sind denM»- eons bereits bewilligt, 9 sind gefordert) Aussicht auf beider- leitige Annahme zu haben. Dir Unterstützungen für die A«L- iändigen laufen sehr reichlich aus.— Der englische Ballott-Schwindel, resp. die englische Schwindel-Ballotbill hat Gnade gefunden vor den Augen des Herrn Braß. Er widmet ihr in seiner„Norddeutschen Allgemeinen" einen längeren Artikel, der von Bewunderung für dir „hochwichtige" Maßregel überfließt, die„voraussichtlich Folgen ür die allgemeinen Verhältnisse Europas haben dürste." Es klingt dies fast so— und darum berücksichtigen wir den Ar- tikel hier— als ob die Brodgeber des Herrn Braß eine rühm- liche Heilsmaßregel für Preußtsch-Deulschland im Schilde führ- ten. Jedenfalls yaben sie von den Engländern im Punkte des Parlamenterismus noch sehr viel zu lernen. Während die englischen Regierungskünstler den Parlamentarismus, wie sich *) Als Letztes, nicht Geringstes. *) Wird Lock aui("nicht Luck aut) ausaesprochen. bei der Ballollbill so glänzend gezeigt hat, mir Erfolg dazu benutzen, dem Publikum ein werthloscs Stückchen Papier als baare Münze, ein pappdeckelnes Theatcrgericht als saftigen de- mokratischen Braten aufzuschwatzen, dient der Parlamentaris- mus den ungeschickleren Berliner Collegen nur dazu, ihre ab- solutiftischc Natur bei jeder Gelegenheit tollpatschig zu verra- then. Doch, wie schon angedeutet, dem Artikel der„Nord- deutschen" nach zu urtheilen, scheint man in Berlin jetzt etwas lernen zu wollen. Da die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", gleich allen übrigen uns zu Gesicht gekommenen Blättern, den fakultativen Charakter der Ballottbill hartnäckig oerschweigt, so sei ausdrücklich wiederholt, daß die Bill die geheime Ab- slimmung nicht Jedem zur Pftichl macht, also nicht kompulsorisch oder obligatorisch ist, sondern daß es dem Ab stimm enden freigestellt ist*), ob er geheim oder öffentlich abstimmen will. Es bleibt folglich in der Hauptsache Alles beim Alten, nur mit dem Unterschiede, daß Anfangs Mancher„hereinfallen" wird, der die Ballottbill für Ernst nimmt und nicht begreift, daß es nur ein Schwindel ist und— eine Falle.— Einen weiteren Beitrag zur Geschichte des parlamentarischen Komödienspiels finden wir in einem höchst interessanten Londoner Briefe der„Deutschen Ztg.", der das Zusammengehen der Conser- vativen und Liberalen, sobald es sich um das Interesse des Geldsacks handelt, schildert, und in dem es heißt: „Es gab eine Zeit, in der Tories und Whigs beinahe die> Dtoulagues und Capulcts Englands waren. Noch im Anfange dieses Jahrhunderts bestand nicht nur ein politischer, sondern auch ein sozialer Abgrund zwischen den Familien der beiden großen National- Parteien. Jede soziale Berührung zwischen Mitgliedern beider Parteien wurde vermieden, und es kam nie vor, daß sich beide Parteien in irgend einer Abstimmung begegneten. Diese Zustände haben ganzlich aufgehört. Tories und Whigs sind jetzt die besten freunde, und der Haß, welcher Legitimisieu und Orleanisten und Couservative und Radicale aus dem Continente trennt, ist in England verschwunden. So oft es sich darum handelte, dem RadicalismuS den Boden streitig zu machen, sind Tories und Whigs stets zu- lammen gegangen. Diese politische Verständigung zwischen den Tories und Whigs gegen zu weit gehende radicale Tendenzen findet stets unter den Auspicien der Negierung statt. Es gibt aber eine andere Solidarität zwischen Whigs uno Tories, die sich sehr häufig trotz der Einwendungen des Premierministers geltend macht, und die namenNich eintritt, wenn es sich um soziale Fragen handelt. Als Gladstonc im Laufe der vorigen Session den Antrag stellte, daß die Wahlkosten von den Giasschaften und nicht von den Kandidaten getragen werden sollten, vereinigten sich Whigs und Tories, um diesen Antrag, dessen Annahme die Thore des Parlaments armen Candi- baten geöffnet hätte, mit einer großen Majorität zu verwerfen. Ei giebt bekanntlich in England nicht nur keine Bezahlung der Parla- mimsmiiglieder, sondern die gesetzlichen Kosten, welche die Candidaten zu tragen haben, siild, selbst wenn keine Gegencandidaten auftreten, nie geringer als zweihundert Pfund Sterlings), und im Falle einer Konkurrenz haben sich dieselben bereits auf viertausend Pfund Ster- ling für seden Candidaten belausen. Sobald es sich daher darum handelte, dem Parlamente seinen jetzigen Charakter einer Per tretung großer materieller Interessen zu wahren, hörte aller Partsei- Unterschied aus. Dieselbe Solidarität des Reichthums und des Monopols gilt auch in Bezug auf Steuer-Reform, und dies geht so weit, daß die Bodensteuer noch jetzt in England nicht höher nl als zur Zeit Pitt's und daß nichts schwieriger wäre als die Abschaffung von Pfründen und Pensionen, an deren Beibehaltung Whigs und Torrsis gleichmäßig imeressirt find. Der rein konser- vative Charakter des englischen Parlaments zeigt sich aber am meisten auf dem sozialen Gebiete. So groß auch Gladstone's Einfluß sein mag, so gilt derselbe bloß hinsichtlich politischer Fragen. Was diese letzteren betrifft, so kann er gewiß sein, daß seine Partei blindlings für Alles stimmen werde, was er beantragt. Sobald aber eine po- litifche Frage einen sozialen Beigeschmack hat oder, sobald es sich um rein soziale Fragen handelt, gibt es nur Eine Partei im Parlamente, und diese ist konservativer Natur, sie sträubt sich so lange gegen eine Umänderung, als der Druck von Außen fehlt. Es wäre Glad- stone unmöglich, irgend ein« soziale Reform durchzusetzeu, wenn er sich nicht gelegentlich aus populäre, außerparlamentarische Elemente stützen und auf biefe Weise seinen parlamentarischen Anhängern imponiren würde. Man hat sich vielleicht im Auslände darüber gewundert, daß Gladstone Arbeiter-Depulationen aller Art empfängt, sich von denselben intcrpelliren läßt und ihnen seine Politik erklärt. Wenn er nicht aus diese Weise den volksthümlichen Popanz den reichen Parlamentsmitgliedern von Zeit zu Zeit vorhalten würde, wäre jede soziale Reform unmöglich. Die Mi nenarbeit-Regulirunzs-Bill, welche soeben die Auf- merksamkeil des Parlaments in Anspruch nimmt, Hai diese anti-sozia- lisiische Färbung des englischen Unterhauses am klarsten an den Tag gelegt. Die liberale Partei hat während der letzten Zeit fortwährend gejammert, daß diese Bill, welche den Arbeitern in ihren Beziehungen zu den Boden-Eigcnthümern Recht giebt, wegen des Widerstandes der Tories in der vorigen Session nicht zum Gesetze erhoben worden sei. In allen Glaubensbekenntnissen hatten die liberalen Candidaten sich verpflichtet, den Minenarbeitern Gerechngkeit widerfahren zu lassen. Auf der anderen Seite hatten die Tories Herrn Gladstone während der Parlaments-Vertaguug zum Vorwurfe gemacht, daß er diese Bill, welche schon die Thronrede der letzten Session angekündigt hatte, seinen niedrigen Partei-Jntriguen geopfert habe. Dieses Jahr figurirte die Miuen-Bill abermals in der Thronrebe, und daDisraeli im Crystall- paiaste für seine Partei das Verdienst beanspruchte, die„Factury Acts", d. h. die Gesetze zum Schutz der Arbeiter und namentlich der arbeiten- den Kinder und Weiber, durchgesetzt zu haben, so konnte man konse- quentelweise erwarten, daß die Tories diese erste Gelegenheit, soziale Reformen einzuiühren, benützen und für das Minen-Gefetz slimmen wurden. Tie liberale Partei ihrerseits hatte lebhast gegen DiSraeli's Behauptung, daß die Fabrikengesetze der Initiative bcr Tories zu ver- danken seien, protestirt. Sie hatte nachgewiesen, daß in den großen parlamentarischen Kämpfen, welche in England zwischen 1V3C und IW? für den Schutz unb die Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen stattgesunden hatten, die Reform der Gesetzgebung aus diesem Gebiete der Whigs zuzuschreiben sei. Man hätte also annehmen können, daß dreic Rivalität beer Parteien, von denen eine jede für sich da« Verdienst der sozialen Reform beanspruchte, die Annahme der Minen-Bill sichern würde. Unter allen Umständen konnte, man er- warten, daß die Abstimmung über diese Bill sich in eine Parleifrage verwandeln und den Liberalen die Gelegenheit geben werde, für die Regierung, welche diesen Gesetzantrag zum zweiieumalc eingebracht hatte, zu stimmen. Die Abstimmung über das Amendement Stavc- leh-Hill's, welches den Schutz der Grubenarbeiter illusorisch macht, bewies jedoch, daß ei in sozialen Fragen keine politischen Parteien im Parlamente gebe und blos eineVertretnng von Interessen sich geltend mache. So lang« es sich nur um eine theore- tische Sympathie für die Arbeiter handelt, beeifern sich beide Parteien, das Monopol der Volksvertretung zu besitzen. Sowohl die konservative als die liberale Partei des Unterhauses riva- lisirten daher in ihrer Sympathie für die Minenarbeiter, so lange dieses Mitleid nichts kostete. Gladstone hatte aber kaum die Minen-Bill eingebracht und dieses Miileiv auf die Probe gestellt, als es sich zeigte, daß in sozialen Fragen die Führer beider Parteien macht los seien. Die„Pall Mall Gazette" bat sehr richtig nachgewiesen, daß die Mitglieder, welche ein Interesse in Minen besitzen, ihre Unterstützung Denjenigen geben, welche das Eisenbahn-Möuopol vertreten und daß eine Solidarität zwischen allen Männern im Parlamente de- stehe, welche das Kapital gegen dieArbeit zu vertheidigeu haben, in welcher Form diese Frage auch auftrete, und die konserva- tive und liberale Plutokratie(Herrschaft des Reichthiims) eine Frei maurer-Genossenschaft bilde, welche eine um so größere Bedeutung gewinneil werde, als politische Fragen mehr von sozialen Kragen in den Hintergrund gedrängt werden." Man sieht aus dieser Schilderung, daß der Parlamentaris- mus sich überall gleich bleibt; in England wie in Deutschland dasselbe Coketiren des Liberalismus mit dem Volke, so lange sich dieses leithammeln läßt,— aber auch hier wie dort der Rückzug der„Liberalen" ins reaktionäre Lager, sobald die For- derungen des Volks ernstlich verwirklicht werden sollen. Und wie Herr von Bismarck es versteht, Junker und Forts chrittler so zu dirigiren, daß sie an seinem Strange ziehen müssen, so macht es auch Herr Glaustone mit den Tories und Whigs-— Die Bersailler Henker arbeiten an ihrem Werke un- In voriger Woche wurden wieder 4 Com- munemitglieder hingerichtet, so daß die Zahl der bis jetzt auf demokraten, die ihm schon so sehr ehrbaren bürgerlichen mann Voget, der den parteiischen, zum Theil sehr denzen für die„Frankfurter bis vor einem Jahr war, ein Leipzig. Herrn Hans Blum, der seit dem Hochver- rathsprozeß nichts von sich hören ließ,— ausgenommen, daß er eine Leipziger Aktienschwindelgesellschast, deren Notar er nicht >var, befehdete— hat es vor Kurzem wieder einmal gejuckt und darum suchte er sich zu„kratzen"— nicht an den Sozial- viel zugesetzt, sondern an einem Demokraten, Herrn Herr- „Nationalen" wegen seiner un- werthvollen Kciegseorrespon- Zeitung", deren Mitredakteur er Dorn im Auge ist. In einem „Grenzboten-Artikel" war dem„Neuen Fremdenblatt" in Wien, dessen Redakteur Böget jetzt ist, vorgeworfen worden, daß es sich vom Ministerium für seine Dienste bezahlen ließe. Darauf- hin nrch dem Verfasser dieses Artikels befragt, gab Blum Herrn Böget eine ausweichende Antwort, deren Keckheit in vollster Harmonie mit dem sonstigen Benehmen des Hochver- rathsprozeß-Denunzianten steht, und worauf Herr Voget in einem„offenen Briefe" unter Anderm Folgendes erwiederle: „Ich appellire nicht an�die Leipziger Richter, sondern an das deutsche Publikum, vor dem Sie mich anqetta�t. Doch bin ich weit entfernt, mich rechtfertigen zu wollen: gegen Verleumder vertheidigt man sich nicht, es genügt, dieselben i i ihrer Erbärmlichkeit zu kennzeichnen. „Am allerwenigsten fühle ich mich berufen, Ihnen gegenüber meinen Patriotismus zu vertheidigeu. Ich könnte Ihnen zahlreiche Zeugnisse aus allen Theilen Deutschlands anfübren, durch welche mir Dank und Anerkeanung ausgesprochen wird, für das, was ich gerade im letzen Kriege, oft mit Gefahr deS Lebens, in deutschem Sinne für Deutsche mm*, sss Reaktionär und Apostat sind, wissen Sie selbst; sind Sie doch sogar Daß der Wähler sich„ausdrücklich zu erklären" habe, ob er sein Votum geheim abgeben will ooer nicht, wie in letzter Nr. des„Volksstaat" gesagt wurde, ist allerdings ein Jrrthum. Das Ge- «etz führt die geheime Abstimmung ein, stellt es aber Jedem, der öf- sentlich abstimmen will, frei, die« zu thun. Freilich kommt das genau auf Dasselbe heraus. Es bedarf keiner Auseinandersetzung, daß diese„der persönlichen Freiheil dargebrachte Huldigung" den ganzen 22 zum Tode Vcrurtheilte im Gefängniß Noailles ihres Schick sals harren.— Der©panische Go ttlieb hat Feinde, wo wir sie| nimmer vermuthet hätten. Nach der„S p en er scheu Zeitung" ist er durch die Preußische Regierung und zwar in feierlichster, keinen Zweifel zulassender Weise von„der Theilnahme des Königs und Heldentaisers Wilhelm am jüngsten Attentat" unterrichtet worden! Stunde es nicht im vor- nehmstcn der offiziösen Berliner Blätter, im Hofblatt pur exeellLiice, wir würden nie die majestäcsbeleidertsche Frechheit gehabt haben, an einen so haarsträubenden Greuel zu denken, geschweige denn den Gedanken auszusprechen.— Zwei unserer Parteigenossen', der Redakteur der„Demo- kratischen Ztg.", Lübeck, und der Redakteur des„Fürther de- mokratischen Wochenblatts", Memminger, haben in voriger Woche je einen„Ma.jestätsbeleidizungspro zeß" aufge- halst bekommen. Die„Chemnitzer Freie Presse" bringt unterm 27. Juli einen sehr beachtenswerthen Artikel„Unsere Jnhastirten", in dem sie anläßlich des gegen unsere Hubcrtusburger Gefangenen erlassenen Verbots der journalistischen Thätizkeit an Folgendes erinnert: „War man doch in der Zeit der schlimmsten Reaktion, in den fünfziger Jahren, in dieser Beziehung viel coulanter, wo stolz darauf. „In meiner Kuriositätensammlung findet sich auch eine Karle, die ich vor 10 Jahren von Ihnen erhalten, als ich Sie während deS Burschentages zu Freiburg i. Br. kennen lernte. Auf der Karte stehen die Worte:„Hans Blum, Student der unveräußerli: en Menschenrechte." An demselben Tage, wo ich die Karte von Ihnen erhielt— es war bei dem Waldsest in den Ruinen des Zähringer Schlosses,— trat ein Mann ans Sie zu, ein Rebell des Jahres 1848. Derselbe zeigte Ihnen eine vergilbte Kopie des Brieses, mir dem Ihr Vater kurz vor seiiiem Tode von Ihrer Mutter, Ihnen und Ihren Geschwisierrr Abschied nahm. Er berheuene Ihnen, daß er den Brief als ein Hcilrgthum aufbewahrt und glücklich sei, de» Sohn des Mannes, den er als Ideal verehre, von Angesicht zu Angesicht zu sehen, ihm die Hand drücken zu dürfen. Aehnliche Scenen kamen mehr als eine vor in jenen Tagen, und jedes Mal, wenn Sie an Ihren Vater «rinnen wurden, warfen Sie sich in die Brau und sprachen mit selbst- bewußter Miene etwa also:..Die Zeit der Rache wird kommen; ich habe gelobt, das Volk und meinen Bater zu rächen!" Wie traurig haben Sie Wort gehalten! Rächen wollten Sie Ihren Vater, aber Sie vollendeten die Rache der Reaktion, indem Sie den Namen Blum der ihren Gegnern der Verachtung, bei Ihren Freunden der Lache, tichkeit preisgeben. Statt eines treuen Mitgliedes der Demokratie wurden Sie das'Fakaut ternble der Chanvinineil. „Und was ist das Resultat Ihres Studiums der„unveräußerlichen Menschenrechle?" Sie lernten die Rechte, für die Ihr Vater mit Wort »ild That eingetreten, für die er Blut und Leben gelassen, so geriug achten, daß Sie nicht nur nicht sür ihre Feststellung wirtten, sondern auch Diejenigen, welche die Grundrechte vertheidigten, mit Hohn und Spott überschütteten. Und so cynrsch gingen Sie dabei zu Werke, so blindwüthig eiferleil Sie gegen Alles, ivas sich nicht dem preußischen Sieger beugte, daß Ihre eigenen Parteigenossen sich Ihrer wenn wir recht unterrichtet sind, der Redakteur der zu schämen begannen, als Sie nicht müde wurden, Ihr „Dresdner Zeitung", Dr. Fritzsche, während seiner Gefangen schaft die Erlaubnis hatte, tagtäglich zu gewissen Stunben in Begleitung eines Gerichtsbeamten nach der Druckerei seines Blattes zu gehen, um diejenigen Redaktionsgeschäfte, welche sich in seiner Zelle nicht bewerkstelligen ließen, vorzunehmen und— der bestehende Staat und seine Organisation sind darüber nicht zu Grunde gegangen. Sollte er jetzt etwa auf schwächeren Fü- ßen stehen?" Bezüglich der in Chemnitz inhaftirren Most und Lyser heißt es in dem gedachten Artikel:„Ihre Lage hat sich seit Anfang der Haft sehr verschlechtert. Sie waren zuerst im„ro- then Thurme" vereinigt und sind jetzt von einander getrennt; wir fragen: warum? Gläubte man, es werde ihnen zu wohl werden, wenn ihnen der Genuß gegenseitiger Unterhaltung ge- währt würde.— Berücksichtigen wir dabei noch, daß zu gleicher Zeit die Entziehung der Zeitungen und eine beinahe absolute Beschränkung des Verkehrs mit der Außenwelt erfolgte, so erscheint es klar, daß mit allen diesen Maßregeln eine Verschärfung des Strafvollzugs beabsichtigt wird, die durch Nichts gerechtfertigt erscheint." Ein kleines Zugeständniß. 1)Jn der„Concordia", dem Organ des Fabrikantenbundes, vom 25. Juli befindet sich ein Aufsatz„Ueber die Höhe des Arbeitslohns", welcher mit dem ResumF schließt: „Unsere Behauptung geht dahin, daß in den meisten Fällen die Arbeitslöhne, wennschon bei den städtischen Arbeitern nicht nur in absolutem, sondern auch relati- vem Verhälkniß zum Geldwerlh, höher als früher, dennoch nicht ausreichen, um dasjenige Maß von physischen und moralischen Lebensansprüchen zu befrie- digen, dessen Erreichung wir selbst sür wünschenswerth hallen müssen." Wo bleiben da die„Hetzer",„Aufwiegler" u. s. w.? 2) Der V olksparteiler Herr S o n n e m a n n, der sich seiner- zeit gegen die Basler Grunöeigenthumsbeschlüsse so ereifert hat, empfiehlt in Nr. 209(Abendausgabe) seiner„Frankfurter Zeitung" behufs Abhilfe der Wohnungsnoth„Exp rop riation des städtischen Grund und Bodens durch die Gemeinden." Zwar beruhigt er hinterher sein großbürgerliches Gewissen durch die Klausel:„Bei der Vermiethung(der durch die Er- propiatiou wieder in städtischen Besitz gelangten Grundstücke) kann natürlich von unklaren Phantasien keine Rede sein, wie sie etwa den heute öfter gehörten Phrasen von der Verpflichtung des Staats oder der Gemeinde zur Herstellung„wohlfeiler Ar- beiterwohnungen" vorschweben." Jndeß, das ist klar: Wenn die Gemeinde einmal zur Erpropriation schreitet, so thut sie es nicht, um zu wuchern, sondern um für preiswürdige, gesund- heitliche Wohnungen zu sorgen; und hat sich die Gesellschaft erst an das„Erpropriiren" gewöhnt, so ist von der Erpro- ... T_.. priation des„städtischen" Grund und Bodens— nur die- � d-S Ballott- o-r-ttel-. Wer Bes,°chu.tzsg-lder-llg-nommen hall � f ft � Sonnemann ins Auge; in gewisser Entfernung oder n ökonomischer und polnischer Abhangigkett steht— jrnb fidtz LI flLsf.„in.t... � am Grund weigert, von seinem„Recht" der össenlticheu Abstimmung Gebrauch zu machen, wird einfach so betrachtet, als habe er gegen den von seinem Bcstecher, Fabrikanten, Grundherrn rc. ihm vorgeschriedeuen Candidaten gestimmt, und er hat die Folgen zu tragen— ge- rade wie jetzi. Corruption und Wahtbeeinflussaug werden also m der blshtrigen Ueppigkeit sortwuchern. ) 1 Psund Sterling 6 Thlr. 20 Sgr. von der Stadt will er aber das Privateigenthum am Grund und Boden unbehelligt lassen— zur allgemeinen Expropriation nur ein kleiner Schritt. Wir wollen hiermit Herrn Sonnemann keineswegs für den Communismus annekliren, aber ihm zeigen, daß das Geschrei der Volisparieiler gegen Heimaihland Sachjen mit Koih zu bewerfen. „Fürwahr, wenn ich an das Alle« denke, so sehe ich doch ein, daß ich Unrecht that. als ich Über Ihre Handlungsweise gegen mich erstaunte. Wie kann man von einem Mnirne, der in dieser Weise mit seiner eigenen Vergangenheit gebrochen, der keine Achtung hat vor den Rechten des Volkes, dein selbst das Andenken seines großen Vaters nicht heilig ist, wie kann man von solch einem Manne erwarle», daß er Achtung habe vor der Ehre eines einfachen Jour- nalisten? „Kein Wort der Verlheidignng komme über meine Lippen. Alles, was Sie gegen meine Ehie sagen, ist Lüge. Ich werde Sie, wo Sie mir immer begegnen, behandeln als elenden Ehrabschneider, als erbärmlichen Verleumder." Unseres Erachlens hat Vogec sehr Recht daran gethan, von einer gerichtlichen Klage abzustehen. Soweit wirdic richter- liche Praxis in Deutschland kennen, wird die Behauptung, Jemand lasse sich für seine Dienste von Fürsten, Ministern und dergl.„bezahlen", vom Gericht nicht als Beleidigung aner- kannt, wofern nicht vom Angreifer gesagt wird, daß diese Dienste selbst ehrenrührige oder verbrecherische seien. Hans Blum, als Advokat, weiß dies gewiß so gut wie wir. Um so ehrloser ist es dann von ihm, wenn er, nachdem er einen Mann von Ruf verläumdet, ohne daß er gerichtlich verfolgt werden kann, ihm nicht einmal die Genugthuung verschafft,„wie die Redaktion jedes anständigen Blattes"*) sie ohne Weiteres zu leisten sich beeilen würde. Berichtigung. In unserer jüngsten— beiläufig von der Ber- liner„VolkSzeUrmg", wie wir hiermit konstatiren, zum Abdruck ge- brachten— Notiz über Briesdieberei(S. Nr. 59) muß derSchluß des zweitletzten Satzes lauten:-- daß die Eröffnung, namentlich wenn die Couverts von starkem Papier sind, meist an den Seiten er- folgt, und zwar vermittelst eines scharfen Schnitts, der, bei sorg- fältigerWiederzuklebung mitGummi, sehr schwer zu ent- decken ist."„�Anstatt:„der, selbst bei sorgfältigster Wiederzurlebung mit Gummi, wohl zu entdecken ist"— was einen ganz falschen Sinn ergibt.)_ Friedrich Harkort an die Essener S wiker. (Vergl. Harkotts Proklamation in Nr. 57 d. Vi.) Hörer Kinder Euren Vater, Der allzeit ein treuer Rather Eures Wohls und Wehes ist. Will Euch jetzt mit wen'gen Zellen, Eine Strafleclion erlheilen, Aber— daß Jhr'S glaube» müßt! Wir beschlossen trotz Bedenken, Damals Euch ein Recht zu schenken, Das der fteien Eoalilion. Aber ach, wir müssen schauen, Ihr eiiisprecht nicht dem Vertrauen, Undank ist jetzt unser Lohn! Wohin soll das Opponiren Gegen Arbeit schließlich führen, Wenn kein Mob mehr schassen mag? Kommet friedlich und sehr billig Und die Herren kommen willig Den gerechten Wünschen nach!— die Baseler Beschlüsse von zwei Jahren sehr überflüssig war. i Artikels nicht nennen." Doch statt friedlich zu beraihen, Lauft Ihr mit den Demokraten, Agilirt in Wott und Schrift! •)„ Wie die Redaktion jedes anständigen Blattes"— sagt« nämlich | Herr Blum in seinem Briese an Vogel—„werde ich den Verfasser des Eifrig laufet Ihr jedem Sprecher. Und wie Sokrates den Becher,. Schlürfet Ihr des Wortes Gift!— Und was wollen diese Gecken? Sich auf weiche Lager strecken, Saufen, Schwelgen ohne Maaß. Nicht wie Johann in der Wüste, Der den Hunger froh begrüßte— Nein, sie ftesien Ananas! Euch beseelt ein gleiches Streben, Will Euch gleich ein Beispiel geben l Geht zum Wochenmarlt und schaut, Wie die Weiber sich d'rum raufen, Alles Beste wegzulaufen, Petersil' und Suppenlraut! Schaut, wenn Ihr die Kneipen füllet, Mensch-enteh'rnve Lieder brüllet. Saust und schwelgt in Ueberfluß! Mahnt der Dämon zum Verbrechen, Laskerknüppeln, Mesjerstechen Gilt als höchlichster Genuß!— Ja das Schlimmste will ich schildern, Ihr seid fertig zum Verwildern. Schlimme Zeiten seh' ich nah'n!-- Hcit'ger Wanttup, Fall und Mühler Bringet unsre Hungerfchüler Wieder auf die rechte Bahn!— So, jetzt habe ich gemendent, Hab' nach Herzenslust geschändet. Und was sagt Ihr zu dem Witz? Hab' ich nicht mit meinen Klagen Eulen nach Athen getragen, Ich,„Westphalens alter Fritz?"— („Unser Fritz" leise für sich:) ol' der Kukuk diesen Pöbel! ab'n wir Liebknecht doch und Bebel lücklich auf Hubertusburg. „Aber weh', trotz Mar und Duncker, Trotz dem„genialen" Junker Bohrt sich doch die Wahrheit durch!"— Internationale Gewerkschaft der Schnhmachcr. Mainz, 24. Juli. Wie bereits in Nr. 47 des„Volksstaat" angezeigt wurde, ist" unser Sinke siegreich beendet. Zur Ergänzung fügen wir noch hinzu, daß wir diesen Sieg lediglich unserer Ausdauer und der unter uns herrschenden Einigkeit zu danken haben. Die Fabrikanten boten zwar alleS Mögliche auf, um uns einzuschüchtern und uneinig zu machen; als sie abersahen, daß Alles nichts half, fingen sie an, mit uns zu unterhandeln. Zuerst boten sie 10, sodann 1S°/„. Diese 15°„ nahmen wir mir der Klausel an, die weiteren verlangten 5üi0 zu Neujahr 1873 zu beanspruchen. Sodann haben wir auch noch einen Mißstand beseitigt, welcher uns ebenfall« sehr schädlich war, nämlich die Präniien-Zahlnng bei so und soviel verfertigter Arbeit, sowie daß diese Löhne nach geschehener Arbeit ausbezahlt werden müssen und nicht, wie gewöhnlich, im Winter, wo man uns wegen schlechter Ge- IchäftSzeit immer abgezogen hat. Nachträglich haben wir noch zu bemerken, daß eine hiesige große Fabrik ohne Strile die 1S°l„ Lohn- erhöhng ihren Arbeitern bewilligt hat. Der betr. Fabrikant sah ein, daß mit einer verewigten Corporation nicht zu spaßen ist. Wir haben also hier in Mainz durch die Vereinigung der Arbeiter schöne Siege zu verzeichnen und wir werden nicht eher ruhen, als bis unser Verein sämmtliche Arbeiter unsrer Branche zusammenfaßt, sodaß wir sagen können: 8 bis 900 Mainzer Schuhmacher gehören der Union an. Arbeiter aller Branchen! Unsre Hauptbestreben sei: Einigkeit, Muth, Ausdauer und Recht. Sind wir auf diese Weise ausgerüstet, dann können wir uns in einen Kampf mit dem Kapital einlassen und schließlich auch zu einem Sieg gelangen. Mit sozirl-demokrasischem Gruß G. Fuchs. Abrechunng zum Strile der Schuhmacher tu Mainz. Einnahmen. Unterstützungen aus Mainz: von den Arbeitern der Schuhmacherschen Fabrik, erste Sendung durch Baden, Vonill und Dichl: 24 st. 48 kr., Dürk 1 st., Konzack 2 st., Ruf 30 kr., Hauck 2 st., Büchner 1 fl., Eckelmann 1 fl. 10 kr., Müller 30 kr, Berno 30 kr., Werle l8 kr., von den Arbeitern der Lützendors'schen Fabrik d. Hauck und Leichtle 8 fl. 45 kr., Ungenannt 2 fl. 30 kr., E. Müller 30 kr., Köhne 1 fl., Billig 2 fl. 10 tr., aus der Slumps'chen Werkstatt 1 fl. 45 kr, von den vereinigten Schlosscrgesellen durch Andräe 5 fl. 12 kr., Schwab 35 kr., Nink 1 fl., Leichtle 1 fl., aus einer Schreiner-Werkstatt durch Genuann 8 fl. 48 kr., zweite Sendung von SchuhmachcrS's Fabrik durch Baden und Keller 19 fl. 35 kr. VonauswärlS: von Barbehenn aus Wiesbaden 36 kr., von Weimar durch Scholz 4 fl. 29 kr.(2 Thlr. 17 Gr.), von Ossenbach durch Müßig, erste Sendung 6 fl. 30 kr., zweite Sendung 22 fl., von Frankfurt a/M. durch Jmhof 9 fl. 18 kr., von Hannöver durch W. Schulz 14 fl.(8 Thlr.), von Kassel durch Ecket 11 fl. 29 kr.(6 Thlr. 17 Gr.), von Ersurt durch Rudolph 8 fl. 45 kr.(5 Thlr.), von dem allgememen Schuhmacher- Verein aus Pest durch Brandt 9 fl. 18 kr. (9 fl. Papier ö. W.), von Bockenheim durch Meißner 9 fl. 42 kr., von Stuttgart durch Schnee 15 fl., von Karlsruhe durch Lämmle 3 fl. 30 kr., von Wiesbaden durch Wenige 29 fl. 59 kr.(17 Thlr. 4 Gr.), von Darmstadt durch Kammler 6 fl.— Gesammteinuahme 237 fl. 12 kr. Darlehn: von Herrn Hirsch 50 fl., Metall-Arbeiter- Union 50 fl., Schrciner-Union 100 fl. Total-Summe 437 fl. 12 kr. Ausgaben. An Unterstützungen: 1. Reiseunterstützung 31 fl. 41 kr., 2. Strikc- Unterstützung 407 fl. 11 kr., 3. an sonstigen Ausgaben, Ports, An- noncen 24 fl. 23 kr., in Summa 463' fl. 15. kr. Bleibt Deficit 26 fl. 3 kr. Dieses Desicit, sowie die Dahrlehn« von Hirsch und der Metall-Arbeiter-Union von je 50 fl. sind aus der Kasse gedeckt. Bleibt uns also noch ein Deficit zu decken von 100 fl. Diese Abrechnung ist geprüft und für richtig befunden von Hell- mund, Dotzauer, Bolz, Joseph, Schwarze, Donath. Dinges und Hesse. Sämmtlichen Kollegen sagen wir für die uns gewordene Unterstützung hiermit unsern herzlichsten Drnk. Wir versprechen eintretendensalls unsere Schuldigkeit auch zu thun. Mit Bnidergruß Im Auftrag: Heinrich Lehmann, Schriftführer. vffe, Ibach, den 24. Juli. Der Schuhmacherstrike ist sieg- «ich beendet. Wir verlangten regelmäßige Bezahlung in allen Fabriken und 20 pCt. Lohnerhöbung und erreichten die gleichmäßige Bezahlung »nd 15 pCt. Lohnerhöhung zu dem bestehenden höchsten Lohnsatz. Die Prozente vertheilen sich nunmehr wie folgt: Bei Ochsenhirt und läomp. 45 pCt., Geh und Comp. 25 pCt., Dreschfeld und Comp. und Schönhof Söhne 15 pCt., und bei den Meistern 20 bis 35 pCt., so daß jetzt in allen Fabriken und Werkstätten eine gleiche Bezahlung siatlfindct. ES wird Niemand verkmnen, daß wir hier einen bedeutenden �ieg errungen haben. . Die internationale Gewerkschaft der Schuhmacher ist die erste Ar- berterverbindung, welche sich hierorts eines Sieges rühmen kann und ist unser Sieg um so bedeutungsvoller, als es so Manchen gab, der uns eine Niederlage wünschte. Nunmehr wird man aber wohl zu- geben müssen, daß die Internationalen eine gute Organisation haben. Berussgeuosien! Es wird ein Jeder die Ueberzeugnug gewinnen, daß nur durch die allgemeine Bereinigung die Arbeiter im Stande sind, den Kampf gegen die Kapitalmacht aufzunehmen. Tretet ein in die internationalen Geiverkschafien. Die sozial-demokratische Arbeiter- Partei muß aber die Grundlage sein; denn nur durch sie werden wir unsere Menschenrechte erlangen. Abrechnung folgt. Im Austrag der Strikenden: W. Kölsch, Kleiner Biergrund 22. Inteinationale MetaUarbeiterschaft. Braunschweig. Zur Unter stützung der Arbeitseinstellung der Former in Hamburg ist auch in unserm„Volksstaat" und zwar bis in die neueste Zeit aufgefordert, und find, ivenn wir recht berichtet berichtet wurden, auch ganz bedeutende Unterstützungen für dieselben aufgebracht worden. Wohl wußten wir, daß deren Führer, z. B. Stöcke! w., ganz entschiedene Anhänger des Allgem. deutschen Arbeitervereins sind, denn wir hatten Gelegenheit, dies aus den Statuten des sogenannten„Deutschen Fv r mer- Bundes" zu ersehen. Doch waren wir tolerant genug, solcke Bezeichnungen wie z. B. „Internationale Ehrliche", wie unserer Genossen ständige Titulatur seitens dieser Herren ist, um der Mehrzahl der strikenden Former halber zu übersehen, da meist überall, wo Begriffe fehlen, zur rechten Zeit ein Stichwort aushelfen muß. Allein alles hat seine Grenzen, und so t heilen wir denn auch mit, daß die Führer der Hamburger Former das von unseren Gewerksgenoffen erhaltene Geld mit dazu benützen, uniere Organisation zu sprengen. Vor einiger Zeit war genannter Herr Stockei hier anwesend, und ersuchte die Former, Mit- glieder der Metallarbeiterschaft, für obengenannten Formerdund zu gewinnen. Aufgepaßt also, und sollte Herr Stöcke! anderwärts Gleiches versuchen, so bitten wir dies ebenfalls und sofort zur Mfltheilung zu bringen,— ücbrigens aber dem Herrn ganz entschieden den Standpunkt klar zu machen, wie wir es gethan haben. Der Vorstand. Allflemciuer deutscher Schneidervercin. In der„Deutschen Mode-Zeitung vom August d. I. befindet sich eine Petition des Vereins„Deutsche Mode" an den Berliner Magistrat nm Errichtimg eines gewerblichen Schiedsgerichts. In dieser Petition befindet sich die kühne Behauptung, daß die Berliner Arbeitslöhne „denen von London und Paris nicht allein gleiche», sondern diese theilweise übertreffen." Hoffentlich wird vom Borstand des Allgemeinen deutschen Schneidervereins diese Behauptung ein wenig illustrirt.(Bei dieser Gelegenheit wollen wir den Vorstand daran erinnern, daß wir den Anfang des Protokolls des Schneider-Kongresses noch immer nicht in Händen haben. Red. d. V.) Hamburg, 27. Juli. Der Strik e der Sattlergehülse n Hamburgs und Altona's dauert fort; wir bitten, den Zuzug fern zu hallen. Briefe u. s.>v. bitten wir zu senden an Halder, Borgsch- siraße, Platz 47, Haus 1, 3. Etage. Hochachtungsvoll das Strike-Comitee. Berlin. Nach der„Demokratischen Zeitung" wurde am 23. Juli eine zahlreich besuchte Bersamlung der Tischlermeister und Geselle u abgehalten. Die Gesellen fordern eine Lohnerhöhung von 16�, pCt., sowie eine Arbei tszeit-Reduzirung auf täglich 9 Stunden. Die anwesenden Meister erklärten sich im Allgemeinen mit den For- derungen einverstanden. Die Verkürzung der Arbeitszeit, so führten sie aus, liege ja auch in ihrem Interesse und was die geforderte Lohn- crhöhung anlange, so werden wohl sehr wenige Meister anstehen, die- selbe zu bewilligen. Herr Fischer(Meister) bemerkte: es liege Haupt- sächlich an den Gesellen. Diese müßten fest zusammenhalten und euer- gisch fordern, dann würden sie sicherlich etwas erreichen. Jede Bewe- gung müsse von unten ausgehen. Herr Kartsch(Meister): DieGe- sellen sollten ihre Forderungen deni Altmeister Eberhardt unterbreiten. Letztere Ansicht wurde jedoch von allen Rednern verworfen und be- schlössen: Der Ausschuß d.r Tischler-Strikekaffe solle in den nächsten Tagen nochmals eine Versammlung einberufen, zu welcher jedoch blos die Meister einzuladen seien. Würde in dieser Versammlung eine Ver- ständiguRg nicht erzielt werden, so würde ein partteller Strike die so- soriige unausbleibliche Folge sein. Berlin. In Folge des Gesuchs der Lokomotivführer der Königlichen Bahnen an die ihnen vorgesetzten Direktionen um Erhöhung ihrer Gehälter und Fixirung der ihnen zustehenden Meilengelder und Kohlenprämien, war von denselben unter Anderm behauptet worden, sie könnten bei dem anstrengenden Dienst, bei der Abwechselung von Hitze und Kälte, bei der fortwährenden Feuerung es nur zu einer Dienstzeit bringen, die viel kürzer sei, als die anderer Bahnbeamten. In Folge dessen sind die eingehendsten Recherchen veranlaßt worden. So hat man z. B. mehrere Aerztc abgeordnet, die auf den Lokomotiven bei Tage und bei Nacht mir dcn betreffenden Beamten haben reisen muffen, um zu prüfen, welchen Einfluß aus Gesundheit und Leben die Beschäftigung der Lokomotiv-Führer habe. Das von ihnen abgegebene Gutachten lautet ziemlich übereinstimmend dahin:„daß zu Lokomotivbeamten, die doch zumeist sehr intelligente Männer sein müßten, sehr nüchterne, ge- sundc und körperlich kräftige Leute gebraucht würden, die unterwegs mehr„zehren" müßten, als ein anderer Beamter, daß überhaupt ihr Dienst lo anstrengend sei, daß die Mehrzahl von ihnen nur bis zum 60. Lebensjahre(diese Zahl ist viel zu hoch gegriffen! Red. d. Bolksst.) höchstens im Dienst sein könnte, und daß namentlich der größere Theil von ihnen, wenn sie äster würden, schwer an den Augen litte.' Man glaubt nach diesem Ergebniß auf eine Gewähruug des Gesuchs rechnen zu dürfen.(„Demokratsch. Ztg.") Spandau. Nach langer Ruhe wagten es unsre„Harmonie- freunde", die Ortsvereinler, auch einmal öffentlich aufzutreten, und zwar vorerst um zu„fühlen". Im„Anzeiger für das Havelland", ihrem Leib- und Magenblatt, wurden alle für einen Bauverein sich Jnteressirendeu, mithin auch wir, zu einer Versammlung eingeladen. Unterzeichnet war die Annonce:„ Mehrere Interessenten." Un- gefähr 20 unserer Parteigencffen hatten sich eingefunden. Ein ge- wisser Kirschstein aus Spandau eröffnete, leitete und referirte. Aus seinem Referat ging hervor, daß die Arbeiter erst sparen und dann bauen sollten. Mit 50 Thaler Einzahlung und einem Monatsbeitrag von einem Thaler, wovon auch die Verwaltungskosten zu decken seien, wäre schon ein guter Anfang gemacht, ein genügender Kredit fände sich dann von selbst. Nachdem noch zur Weihe des Ganzen eine Rede von Schultze-Delitzsch verlesen worden war, erhielten auch wir, aber erst nachdem auf unser wiederholtes Drängen ein Burean eingesetzt ward, das Wort. Fischer zunächst wies nach, daß das ganze Unter- nehmen wohl nur eine«peknlalion genannt werden darf, indem viel- leicht einer oder der andere dieser Herren seinen persönlichen Vortheil dabei suche. Sparen heißt aber fü r den Proletarier: darben, und in der Jetztzeit zu einem Hause sparen zu wollen, sei gradezu lächerlich. Die Kapitalisten hingegen haben wohl alle Ursache, nichts zur Beseitigung der Wohnung?- uoth, aus der sie sehr viel Geld herausschlagen können, zu thun. Er, Redner, rathe den Arbeitern, vorsichtig zu sein und lieber in die so- zialdemokratische Arbeiterpartei einzutreten. Kmin wies nach, daß dies nicht, wie Referent behauptet, Selbsthülfe, sondern Massenhülse sei, und c■ begreife nicht, wie die Anhänger der wahren Selbsthülse dies mit ihren Anschauungen vereinigen köiinten. Dies ganze Vorhaben scheint auch richtig. in'S Waffer gefallen zu sein. Später haben die Herren sich in einer öffentlichen Ortsverbands- Versammlung den„Würgeengel" Nathan aus Berlin verschrieben. Kapser (Berlin) und Andere haben ihn aber gründlich heimgeschickt. Hamburg, den 25 Juli. Bei meiner Rückkunft vom Braunsch ei�er Arbeitertage, über dessen ausgezeichneten Verlauf unv voraussichtlich� noch besseren Erfolg wohl ein Braunschweiger Parteigenosse kurz berichten wird"), fand ich folgende Einladung vor: Herrn Jork! „Das Komitee der strikeiiden Tischler in Hamburg stellt au Sie das Ersuche», zu der am Dienstag den 23. Juli, Abends 8'/, Uhr, im Alcazar St. Pauli stattfindenden allgemeinen Tischlcrversammlung mit der Tagesardnung:„Berichterstattung über den seitherigen Verlauf des Strikes, insbesondere das Vorgehen der Hr. Th. Uork und H. Somann" erscheinen zu wollen. Das Comitee. „Bezugnehmend aus die Annonce ist es wohl selbstverständlich, der Einladung Folge zu leisten." Zu dieser Einladung, wenn man das Ding so nennen kann, habe ich Folgendes zu bemerken: Obgleich ich den Leuten das Recht nicht zuerkenne mich zur Richen- schaft zuziehen und obgleich ich nicht Lust habe, mit solchen Leuten mich heruwzustreiten, würde ich doch hingegangen sein, wenn ich anwesend gewesen wäre, und wäre es auch nur gewesen um die unbekannten Größen von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernen. Uebrigeus möge„das Comitee", oder wer sonst ein Jnteress. daran hat,„über das Vorgehen" von mir Auskunft zu erhalten, sich so lange beiuhigen, bis die Arbeitseinstellung in Hamburg zum Abschluß ge- bracht sein wird. *) Wir werden in nächster Str. nach dem„Volksfreund" ein kurzes Referat geben. R. d. V. Wir werden dann ja sehen, ob das Hamburger Comitee trotzdem vielen Geschrei auch nur da« Geringste mehr bezweckt hat, als wir. Aber bei wenig Wolle viel Geschrei— warten wir ab. Th. Yorck. Cöln, 25. Juli. Am Sonntag, den 21. d., fand in dem Lokale des Herrn Wißdorf eine Versammlung der hiesigen Mitglieder der Internationalen Arbeitern ss ociation statt. Heinrichs, zum Vorsitzenden gewählt, leitete die Verhandlungen durch einen Rück- blick auf den Anschluß hiesiger Arbeiter an die Internationale ein und wies auf den bevorstehenden Congrcß im Haag hin und erthnlte dann Herrn Rittinghausen das W>rt. Derselbe machte darauf ausmerk- sam, daß wir nicht als Verein oder Seküon hier tagten, sondern nur eine freie Versammlung persönlicher Mitglieder der Internationalen statthabe. Nachdem Rittinghausen kurz das Bestreben der Interna- tionalar erläutert und dahin zusammengesaßt, daß der Zweck das Studium der sozialen Wissenschaften und Einigung der Arbeiter zur Durchführung der gewonnenen Resultate sei, bringt Redner dcn Be- schluß des Generalraths bezüglich des diesjährigen Congresses zur Vorlesung(„Volksstaat" Nr. 53). Hierauf beleuchtete er die Organi- sationsbeftrebungen verschiedener Sektionen und zeigte, daß die eine Richtung besonders darauf ausginge, die Internationale in zusammen- hanglose nationale Gruppen auszulösen. In der hierauf folgenden Pause meldeten sich viele Arbeiter als Mitglieder der internationalen Arbeiter- Assoziation. Der Vorsitzende Heinrichs plädirte für Beibehaltung der bis- herigen Organisation, alle übrigen Redner sprachen sich in gleichem Sinne aus. Hieraus wurde einstimmig beschlossen, den Congreß im Haag zu beschicken und Herr Ritlinghause» mittelst Stimmzettel mit 57 von 60 Stimmen zum Dclegirten ernannt. Ein Antrag Rittinghau- sen's, dahin zu wirken, daß auf einem der nächsten Congresie der In- ternationalen Arbeiter-Assoziation die leitenden politischen Prinzipien festgestellt würden, wurde einstimmig angenommen. Nachdem noch Schumacher in klarer Weise das international? Prinzip erläutert, und die Versammlung begeistert in ein Hoch auf die Internationale ein- gestimmt, wurde jene vom Vorsitzenden geschlossen.— Wir haben gute Aussicht, auch in einigen Nachbarorten Mitglieder für die Jniernalio nale zu werben, welche dann ihrerseits sich auf dem Congreß vertreten lassen werden. C. K. Breslau. Tischlerstrikc. In Breslau, der Wiege Ferdinand Lassalle's, sind die Tischler in die soziale Bewegung eingetreten; die am 6. April d. I. gebildete Widerstandskasse„Breslauer Tischler zählt gegenwärtig 600 Mann, die übrigen Tischler folgen in Küize; am 2). o. M. sind unsere Forderungen 25°/„ Lohnerhöhung und 9fl, Stunden Arbetszeit per Cirkulär den Meistern durch eigens in jeder Werkstatt gewählte Dclegirte zugestellt worden; die festgesetzte Frist zur Beanlworiung resp. zum Uulersä reiben istheute abgelaufeu und eine heut erschienene Annonce des Innungsvorflands belehrt uns, daß aus Ein- vernehmen mit den Arbeitgebern nicht zu rechnen ist; der Strikc bricht Montag, den 29. d.M. aiis; wir sind einig, und trotzen dem Kapital wie dem Meisterzopf. Obgleich wir bisher nicht an der Spitze der Arbeiterbatallione marschirt sind, so hoffen wir, Ihr werdet uns nicht im Stiche lassen bei unseren Kampfe mit dem Geldprotzenthum. Ihr besonders Kollegen, Tischler und Schreiner Deutschlands! haltetZuzug fern, gebt uns Arheitsnachweis für Abreisende, und lhut, was sonst in Euren Kräften steht, damit ein neuer Sieg die Arbeiterbewegung stärke. Briefe und Sen- düngen sind zu richten an Unterzeichneten, Adresse: Tischlcrherberge. Mit sozialdemokratischem Gruß: Freitag, Tischlergefelle i. A. des Comilees der Widerstaudskasse. Aale», 24. Juli. Herr Th. Burckbardt aus Stuttgart hielt am letztvergaugenen Sonntag vor dem hiesigen Arbeiterbildung s- Verein einen Vortrag über die Arbeiterbewegung, zu welchem die Mitglieder und Freunde des Vereins von hier und Wasseralnugen sehr zahlreich, auch Parteigenossen aus Schwäb. Gmünd sich ein- gesunden hatten, so daß die Zahl der Bersammelten etwa 300 betrug. — Die gründliche und klare Erörleruug der Arbeiierfrage überhaupt, und die eingehende Erläuterung des Programms der sozial-demokra-- tifchen Arbeiterpartei von Seite deS Herrn Burckhardt fand so allge- meinen Beifall, daß, nachdem er seinen Vortrag geendet und der Vor- sitzende alle Versamnielren aufgefordert hatte, Hrn. Burckhardt, wenn sie es vermögen, zu entgegnen, sich keiner derselben erhob. Der an- sehnliche Betrag einer Sammlung und der rasche Absatz vorhandener Schriften bestätigten am Beflen den guten Erfolg des Vortrags. In Folge dieser genossenen Belehrung werden mehrere Mitglieder des Vereinss welcher den früheren Vortrag des Herrn Bebel stets in dank- barer Eciniierung bewahrt und von zeher den„Volksstaat" in etlichen Eremplaren hält, ohne Zweifel nächstdem aktiv der social-demokratifchsn Arbeiterpartei beitreten.— F. Simon. Heivelberg Die Enthüllungen, die der„Neue Sozial-Dcmo krat" über die Person Schweitzers gebracht hat, haben uns nicht nur über das gewissenlose Treiben dieses Einen, sondern über das Treiben der gesummten in der Gitschiner Straße hausenden Gesellschaft die Augen geöffnet. Dieselben Herren, die Jahre lang mit v. Schweitzer halbpart gelebt haben, fallen jetzt über ihren ehemaligen Herrn und Meister her, als ob sie stets seine ärgsten Feind« gewesen wären. Erst bewilligen diese Schmarotzer Herrn von Schweitzer 2500 Thaler zur Fortführung seines luxuriösen Lebenswandels und dann wollen sie ihm einen Vorwurf daraus machen, daß er dieses Geld genommen hat. Ihr wußtet, welchen Mensche» Ihr in Schweitzer an der Spitze des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins hattet. Ihr wäret überzeugt von seiner Gestnnungslosigkeit und dennoch bewilligtet ihr ihm 2500 Thaler? Und es waren sauer verdiente Arbeiterpsennige. Pfui über Euch!— Ihr habt stets gegen die Ausbeutung gepredigt, Ihr aber seid die schamlosesten Ausbeuter. Wenn irgend wo, dann gilt hier das Herwegh'sche Wort:„Mann der Arbeit, aufgewacht!" Hinaus aus der Arbeiterpartei mit solch unlautern Elementen. Befreit Euch, Ihr Arbeiter, von diesen Blutegeln.— Die intelligenteren Arbeiter, welche jetzt vor drei Jahren sich von Schweitzer lossagten, haben da- mals klar eingesehen, daß ihr Geld nur für den cäinristischen Leit- Hammel gesteuert wurde. Diese neuen Vorgänge werden Vielen vom Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein die Augen öffnen und sie von dem Vertrauens-Dusel befreien. Ich will Sie, Herr Hasenklever, nicht auffordern, die Angriffe des„Volksstaat" zu parircn. Bilden Sie sich aber ja nicht ein, vaß es Ihnen gelingen wied, die Wahrbeit todt- zuschweigen. ES ist eitel Windbeutelei, wenn Sie sagen:„Wir ver- gelten nicht Böses mit Bösem." Wären die Angrisse im„Volksstaat" wirklich ungerechie, dann wäre es umsomehr Pflicht der Herren in Berlin, ihrer früheren Devise getreu, zu kämpfen. „Aug' um Auge, Zahn um Zahn." Ein ehemaliges Mitglied des „Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereins". Aus dem südlichen Baiern. Mit Freude kann ich den Par- teigcnofjen allerorts berichten, daß auch wir Fortschritte in der Ardeiter- bewrgung zu verzeichnen haben. Der 14. Juli war für die Sozial- demolratie Münchens ein wahrer Freudentag. Er fand nicht blos die alte», auf kurze Zeit getrennten Kämpfer Scheil, Franz') Tau scher ic. zu gemeinsamem Stteben vereinig:, sondern er zeigte auch, daß das Bemühen gewissenloser Abentheurer, die Arbeiterbewegung dauernd zu zersplittern, nicht gelnugen ist. Es zeigte sich im Gegentheil, daß der Eoipsgeist unter den Münchner Arbeitern durch die kräftige Agitation Schetl's mächtig zu erwachen beginnt. An diesem Tage fand nämlich das acht Tage vorher durch Polizei-Jntrizuen vereitelte Arbeiterfest statt. Von Auswärts hatten sich starke Depniarionen aus Augsburg,.Lechhausen und Landshut eingefunden. Die auf Bormit- tags halb 10 Uhr anberaumte Volksversammlung war leider des den ganzen Morgen über herniederströmendcn Regens wegen nur mittel- mäßig(von ca. 500 Mann) besucht. Zur Tagesordnung:„Die Moral der herrschenden Klassen und die Moral des Proletariats," hielt Herr Scheil einen glanzvollen Vortrag. Derselbe gipselte in den Sätzen: „Der materielle Egoisaius habe bisher in der Form von Thron, Altar und Geldsack die Völker beherrscht." Stets sprach man die Worte:„Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist," aber niemals: „Gebet dem Volke, was des Volkes ist." Nach ihm sprach Tauscher aus Augsburg über denselben Punkt, sowie ein Herr Grün(Mit- glied der deuisch-demokralischen Partei) aus Berlin im Sinne der *) Franz(als Flüchtling in Zürich) war un dies.m Tage incognito in Privatgeschasen m München anwesend und ist den bayrischen Stiebers wieder glücklich entwischt. mir Leipzig Zum n iifKibeilt, daß Einigung dir Demokralie, worauf dii Versammlung durch daS Er- scheinen einiger Schweitzerlinge beehrt wurde. Einer derselben, Grüneberg(Schneider), derselbe, welcher seinerzeit auf der Berliner Generalversammlung des„Allg. d. Arb.-Vereins" den„Proletarier" als ein Bourgeoisblatt erNärt hatte, begann das alte Phrasengellingel von„Organisation" und„Centralisation" und mußte öfters ermahnt werden, zur Tagesordnung zu sprachen. Rauschender Beifall von den ganzen 10 Mann Schweitzerlingen belohnte ihn für seine Anstrengungen. Dem Bevollmächtigten dieser wackern 10, Schneider Ortlieb, schien die Rede seines Vorgängers nicht genug gewirkt zu haben, deshalb bestieg auch er die Tribüne. Sein Vortrag bot eine Frille blühenden UnsinnS, den hier wieder zu geben, mir der Raum des„Volksstaat" zu kostbar ist. In einem und demselben Satze widerlegte er sich selbst. Nachvem er etwa eine Viertelstunde lang wie ein Verzweifelter mit Händen und Füßen getobt, begann er zu ermatten und befreite durch Beendigung seines Kauderwelsch die Anwesenden von einer mitleiderregcnden Scene. Tauscher und Scheil erwiderten den Beiden kurz, wobei die Schweitzer- linge, als Elfterer auf die Unehrlichkeit Schweitzers zu sprechen kam, in grwohnter Weise Lärm machten, der jedoch durch die drohende Haltung der Versammlung im Keime erstickt wurde. Die Schweitzer- linge haben aus dieser Versammlung die Ueberzeugung mitnehmen können, daß für preußische Regierungsagenten in München kein Boden mehr vorbanden ist. Am Nachmittag« strömten Tausende zum Arbeiterfeste in den zoologischen Garten, wo sich, vom Wetter begünstigt, ein wahres Volksfest entwickelte, das selbst durch Provokation der Münchner Polizei nicht gestört werden konnte. Als nämlich die A ugsburg er und Landshuter mit flatternder rother Fahne in den Barten einzogen und von den Münchner Arbeitern mit tausendstimmigen HochS begrüßt wurden., stürzten sich zwei Polizeikommissäre auf den Fahnenträger und verlangten die Entfernung der Fahne, widrigenfalls sie confiscirt würde. Das Fest-Komitee war ferner verantwortlich dafür gemacht worden, daß die Festrede nicht den geringsten politischen Anstrich haben dürfe. Tauscher aus Augsburg hielt deßhalb„wie die„Süddeutsche Post" sich ausdrückt," eine kurze, aber etwas stark kommunistisch ange säuselte Festrede, in der er namentlich die Vereinigung der Arbeiter als das Hauptersorderniß zur Erreichung unserer Ziele betonte. Nach derselben begann ein überaus fröhliches Treiben unter den Klängen zweier Musikkapellen, bei Gesang und Arbeiteiliedcrn, Tanz k. bis in die späte Nacht. Daß unsere Prinzipien in den Herzen der Arbeiter liefe Wurzeln gefaßt, beweist, daß inmitten der Fröhlichkeit dieser Taufende(das Fest soll nach Schätzung de« Wirthes 7000 Theilnehmer gezählt haben) bald da, bald dort ein Arbeiter«inen Tisch bestieg und an die um ihn Versammelten eine Ansprache hielt, wobei manches wahre Wort aus vollem Herzen kam und wieder zu Herzen drang. Den Theilnchmern dieses, entgegen den Saturnalien der Bourgeoisie, vom Geiste der Frriheit tief durchdrungenen Festes wird dasselbe un- vergeßlich bleiben.— Am 21. Juli feierten die Sozialdemokraten Augsburgs ein kleineres Gartenfest, zu dem sich ebenfalls eine An- zabl Münchner Parteigenossen eingesunden hatte. Auch hier war die rolhe Fahne der Stein des Anstoßes. Schon Tags vorher machte der Polizeikommissär in der Versammlung des sozialdemokratischen Vereins bekannt, daß die rotbe Fahne, wenn sie bei der Morgenparthie enr- faltet werden sollte, sofort confiScirt würde. Als die Theilnehmer an der Morgenpartie sich um die Fahne sammelten, fanden sie denn auch den Weg, welchen der Zug nehmen mußte, bis an die Burgfriedens- grenze von der Polizei bewacht. Man ließ die Fahne also ausgerollt bis einen Schritt über den Markstein hinaus, wo sie wahrscheinlich ihre Staatsgefährlichkeit verloren hatte und ungehindert im Winde flattern durste. Beim Gartenfeste, das in gelungener Weise verlief, wechselten Reden, Toaste, Besang von Arbeiterliedern, Deklamationen sc., in welch letzteren sich unsere wackere Frau Linse durch begeisterten Vortrag wieder als Meisterin erwies. Die Anwesenheit der Münchner Gesinnungsgenossen wurde zugleich zur Besprechung wichtiger Partei- Angelegenheiten benützt. Mit dem Versprechen, stets dafür zu wirken, daß die beiden Schwcsterstädte Augsburg und München auch serner innig aneinandergeschlossen vorwärts gehen sollen im Kampfe für die Menschenrechte, trennten sich die Freunde. Mögen sie Wort halten zum Heile des Proletariats!— r. rozeß Urban. In Nr. 49 d. Bl. hatten iebknecht wegen einer zur Eorrespondenz Zwickau in Nr. 90 des„Vollsstaat" von 1871 geschriebenen Anmerkung — welch« eine Beleidigung des Polizeivorstehers Stadtraths Dr. Urban in Zwickau enthalten soll— in zweiter Instanz zu 3 Wochen G-- sä ug n iß verunheilt worden ist. Wir warteten mit der Perossentltchung des Prozeßberichtcs darum so lang«, weil wir darauf rechneten, daß Liebknecht, der gleich nach jener Verhandlung sich nach Hubertus- bürg begab, von der Festung aus ihn selber würde- schreiben können; da ihm dies nun aber nicht gestattet ist, wollen wir— soweit unser Gedächtniß reicht— nachträglich wenigstens das Wichtigste aus der Verhandlung zusammenstellen! fm Urban halte etliche Arbeiterversammlungen verboten, weil endenzen der Sozialdemokratie gegen die derzeitige staatliche und gesellschastliche Ordnung und mithin auch gegen die bestehenden Ge- setze gerichtet" seien. Dazu machte Liebknecht folgend« Bemerkungen: „Ganz recht, Heir Urban. Wir sind„gegen die derzeitige staat- liche und gesellschaftliche Ordnung" und„mithin", wie Sie scharfsinnig folgern, sind auch unsere Tendenzen„gegen die diesfalls bestehenden Gesetze gerichtet"— aber seit wann ist das ungesetzlich� Haben Sie nie das Sächsische„Gesetz- und Verordnungsblatt" gelesen, und darin Besetze und Verordnungen gesunden, durch die ältere Gesetze und Verordnungen ausgehoben oder modifizirt wurden? Sind solch« Ge- letze und Verordnungen deshalb ungesetzlich? Haben Sie nie von der neuen Gewerbeordnung gehört? Modifizirte dieselbe nicht die „gesellschastliche Ordnung"? Kennen Sie nicht die Reichsversassung? Modifizirte deeselbe nicht die„staatliche Ordnung"? Was thun denn die Abgeordneten auf dem Land- nnd Reichstag? Helfen sie nicht, die „derzeitige staatliche und gesellschastliche Ordimng" modifizrren, zu deutsch: abändern? Begreisen Sie denn nicht, Herr Urban, daß die ganze geschichtliche Entwickelung, seit es eine Geschichte giebt, eine beständige ununterbrochene Adändierung der„staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung" ist? Daß die„staatliche und ge- sellschaftlichc Ordnung" sich also in fortwährendem Wechsel befindet, und daß ohne diesen Wechsel kein Fortschritt und keine Geschichte denk- bar wäre? Sie wissen das, Herr Urban? Gut, dann schreiben Sie keinen derartigen Unsinn. Sie wissen es nicht? Nun, so stecken Sie Ihre Nase in's erste beste Schulbuch, und lernen Sie etwas! Das Sprüchwort sagt zwar, wem Gott ein Amt giebt, dem giebt er auch Verstand(und wir wollen den Ihrigen nicht bezweifeln), aber eS sagt nicht, daß, wer ein Amt hat, nichts zu wissen brauche." Darob wegen Beleidigung angeklagt, beantragte Liebknecht die Vernehmung des Schriftsetzers Uhie al« Zeugen darüber, daß sich Herr Urban zu wiederholten Malen in seiner Eigenschaft als Polizei- Vorsteher Fehler hat zu Schulden kommen lassen, welche entweder Ge- setzesunkenntniß oder böswillige Gesetzesübertretung bei ihm voraus- setze» lasse». Der Gerichtshof lehnte jedoch trotz dieses für die Beurtheilung Urbans höchst wichtigen Moments die Zeugenvernehmung als„uner- heblich" ab. In der öfsentlichen Verhandlung selbst äußerte sich Liebknecht un- gefähr wie folgt: Er handelte nicht aus persönlicher Animosität— kenne Herrn Urban gar nicht— sondern, um eine öffentliche Pflicht zu erfüllen, da Urbans ganzes Auftreten ein„staatsgesährliches", und geeignet sei, Haß und Verachtung zu erzeugen, die verschiedenen Klassen g:gen eiu- ander zu hetzen, uiid die soziale Bewegung in gewaltsame Bahnen hineinzudrängen. Abgesehen hiervon sei ein solches Gebahren, daS sich schon in einer langen Reihe von Handlungen kundgegeben habe, auch vom Standpunkt des heutigen Staats zu verurtheilen, weil es die Achtung vor den bestehenden Einrichtungen mindern, die Unzufrieden- heit mit der heutigen Ordnung der Dinge vermehren müsse. Herr Urban sei unfähig, die soziale Bewegung zu begreifen, er halle dieselbe >ür das Produll einiger verrückten oder verdorbenen Menschen, und sich selbst für berusen, Staat und Gesellschaft von diesem Uebel zu er- i-tten. Das sei eine fixe Idee, Monomanie bei ihm. Selbst die inter- »alionalen Gewerkschaften, die sogar in Preußen, als nicht politische Gesellschaften gelten, verschont Herr Urban nicht, bloß weil er, durch du- Wart„iniernational" verleitet, sie für Zweige der bösen Inter- nationalM Arbeiterassoziation halte. Zunächst sei die staatSrelterische Thätigkeit des Herrn Urban aus Zwickau beschräntt, aber er habe>n dieser sehr loyalen Stadt binnen wenigen Monaten mehr aufgewiegelt, als 100 sozialistische Agitatoren, auch wenn sie gerade so schlimm wären, wie Herr Urban sie sich vorstelle, in ebenso viel Jahren bei größter An- strengung vermocht hätten. Wenn die Justiz ihren Schild vor solches Gebahren halte, und dasselbe sanktionire, erzeige sie dem Staat sicher- lich keinen guten Dienst. Die incriminirte Note betr., so sei dieselbe zwar scharf, aber nicht zu scharf, ja wenn man die Provokation(An- klage der Ungesetzlichkeit) bedenke, eher zu mild als zu scharf. Herrn Urban sei Unwissenheit vorgeworfen— nun, unwissend sei er; es zu sagen, sei jedenfalls keine, Beleidigung, und der Rath, etwas zu lernen, gewiß nicht strasbar. Im Interesse des össentlichen Friedens und der staatlichen Ordnung, die durch Leute wie Herr Urban gefährdet seien, müsse man solche Beamte entfernen. Redner verliest hierauf zur Charakteristik des Herrn Urban eine diesen betressende Stelle aus der an den Landtag gerichteten Beschwerde- schrift der sächsischrn Sozialdemokraten(siehe Nr. 29 d. Bl.) welche lautet: „Eine für Zwickau auf den 9. November einberufene VolkSver- sammlung verbot der Stabtraih Dr. Urban, weil für die Chemnitzer Sttikenden Untirstützmigen gesammelt werden sollten. Die Königliche Kreisdirektion bestätigte das Verbot.— „Eine neue, auf den 11. November einberufene Volksversammlung verbot Herr Stadtrath Dr. Urban gleichfalls; die Tagesordnung sollte das Thema bilden:„der Normalarbeitstag." „Eine für den 11. Dezember in Zwickau einberufene VolkSver- sammlung mit der Tagesordnung:„die Arbeftersrage" wurde gleich- sallS verboten, und zwar nach einigem Hin- und Herrcden mit dem Anmelder, durch die Worte des Herrn Stadtralh Dr. Urban:„Ich habe mir es überlegt, ich werde die Versammlung verbieleu." Ein Recurs darüber an die Kreisdirektion zu Zwickau wurde verworfen. (Siehe Beilage Nr. 4 des„Volksstaat" Jahrgang 1872). „Wir können hierbei nicht unterlassen, etwas als Beispiel dafür anzuführen, welche persönliche Motive den Stadtrath Urban veran- laßten, die Versammlung zu verbieten. Herr Carl Adolph Uhle, Sparrgasse 584 in Zwickau, welcher als Anmelder mit dem Stadt- rath Urban persönlich verkehrte, wendete bei einem dieser Verbote ein: das sei Unrecht, die Polizei solle die Versammlungen erst dann auf- löse», wenn Gesetzüberschreilungen vorkommen. Daraus antwortete Herr Stadtrath Urban sehr naiv:„Wenn ich Ihnen eine Ber- sammlung auslöse, so werden die Sympathien der Versammlung stets aus Ihrer Seite sein und gegen die Polizei. Ich werbe damit für Ihre Partei nur Anhänger; da ziehe ich vor, die Versammlung vorher zu verbieten." „Das nennt man gemüthlichen Absolutismus: „Ein andermal äußerte Herr Stadttath Urban gegen Herrn Uhle Folgendes: „Wenn die Prinzipien der Sozial-Demokratie wirklich gut sind, wie Sie behaupten, so werden Ihnen meine Verbote nichts schaden; taugen Ihre Prinzipien aber nichts, so ver- hüte ich durch meine Verbote für Zwickau wenigstens ein großes Unglück."" Redner kritistrt hierauf das in der Besch werdeschrift geschilderte ungesetzliche Verfahren des Herrn Urban und bemerkt mit Bezug auf die letztangesührle Aeußerung desselben Folgendes: „DaS erinnert an jenen Spanischen Jnquisitionsrichter, der, als eine Anzahl„Ketzer" vom Scheiterhaufen herab ihre Unschuld betheuerten, ihnen fromm zurief: Gott der Allmächtigte und Allwissende hört Euch; seid Ihr unschuldig, so wird er Euch aus den Flammen erretten, ich wasche meine Hände in Unschuld." Weiter betont Redner das Ungeheuerliche der BegrissSverwirrnng, welche einen Unterschied zwischen Beamteuehre und Menschenehre über- Haupt macht und verweist in dieser Beziehung aus Amerika, wo daS Gesetz zwischen Beamten und anderen Menschen aar keinen Unter- schied macht, so daß, wenn Graut sich beleidigt fühlt, er nur als Privatperson nicht als Präsident der Republik klagen kann und genau ebenso tarirt wird wie ein beliebiger Gevatter Schneider und Handschuhmacher— eine Praxis, bei der die Vereinigten Staaten sich sehr wohl befinden. Schließlich spricht Redner die Erwartung aus, daß der Genchts- Hof die Klage zurückweisen und ihn ireisprechen werde,— eine Er- Wartung, die, wie bekannt, nicht«inlras, indem gegen Liebknecht das Urtheil erster Instanz(3 Wochen Gesängniß) ausrecht erhalten wurde. Leipzig. Zu der am Donnerstag den 1. August stattfindenden Gehüljenlra n kenkasse«Versammlung werden alle«evoll- mächtig, en und Mitglieder der Gewerkschaften aufgefordert zu erscheinen und sich an der Debatte zu betheiligeu. Obwohl der Beschluß des Stadtoerordneten-Collegiums nicht mehr umzustoßen ist, gilt es doch, denselben zu zeigen, daß wir keineswegs an ihre Bestimmungen gebunden sind. Also, kommt Alle! Mu th. Glaucha«. 21. Juli. ZurWiederwahlBebelS schreibt man dem„Cr.«.. und Brft." von hier: Bei Gelegenheit des heuiigen Vogelschießens hatten sich Vertreter der früheren LokalkomiteeS deS 17. Wahlbezirks auS folgenden Orten zusammengefunden: Glauchau, Meerane, Hohenstein, Ernstthal, Oberlungwitz, Lichlenstein, Callnberg. Rödlitz, Thurn, Mülsen St. Michael, Mülsen St. Jakodi, Walden- bürg, Wernsdorf, St. Egidien. Dieselben»erpflichteten sich, mit allen Mitteln für die Wiederwahl ihres R-ichstagSabgeordneten, Festungs- gefangenen A. Bebel einzustehen. (Eingesandt.) Bebel, bereits zu einer Festungshaft von 2 Jahren verurtheilt, ist aufs Neue, angeblich wegen MaiestätSbeleidigung, mit einer Ge- fängnißstrafe von weiteren 9 Monaten belegt worden. Ferner hat das Gericht ihn seiner Eigenschaft als Mitglied des Reichstags verlustig erklärt. Es findet demnach in einiger Zeit im Beb el'schen Wahl- kreis eine Nachwahl statt, d. h. Bebel muß nun erst recht wieder- gewählt werden. Möge daS beifolgende Gedicht, als Flugblatt gedruckt und überall im Wahlkreise vercheilt, mit dazu beitragen, die Wiederwahl Bebel' s ZU sichern. Bebel. Weil er treu und fest und gut Zu dem armen Manne steht, Und mit ungebroch'uem Muth Nur der Reichen Unrecht schmäht; Zur Notiz. In Bezug auf die Unterstützungen für die Jnhaftirten unserer Partei nnd deren Familien sind uns in der letzten Zeit ver- schieden- Anftagen zugegangen, die wir der Kürz- h Iber und um die Sachlage zur Kennlniß aller Parteigenossen zu bringen, össentlich be- antworten wollen. 1) Die eingehenden Gelder für die politisch Gemaßregelten werden für Alle verwandt, welche, sei es bei der Redaktion des Parteiorgans oder bei sonstiger Thätigkeit für die Partei geschädigt worden find. 2) Der Ausschuß der Partei ausschließlich hat über die Höhe der Unterstützungen in jedem einzelnen Fall, ob in wöchentlichen oder monatliche» Beiträgen geleistet, zu entscheiden. Deßhalb sind alle an die Jnhaftirten direkt-ingehenden Gelder dem Ausschuß zur An- zeige zu bringen, und wird der Betrag von der Summe der ,u leistenden Unterstützung in Abrechnung gebracht. So wird z. B. die kürzlich an die Hubertusburger Jnhaftirten von den Crimmitschauern Parteigenossen gesandte Summe in dieser Weise verrechnet Selbstverständlich werden alle in Gefangenschaft befindlichen Patteige-' nassen nach gleichen Grundsätzen behandelt. 3) Hat die Partei für die Familien der Hubertusburger In- haftirten nicht auszukommen. An«nsere süddentschen Parteigenossen. Seit längerer Zeit reifen die Herren Frohine und Hart- mann in Süddeutschland als Agitatoren des„Neuen" herum, um für diesen Propaganda zu machen. Sie beobachten dabei die Taktik, an Orten, wo unsere Partei dominirt, sich anständig und katz-nsreund- lich zu verhalten; sobald sie aber glauben, die Oberhand zu haben, gehen sie zu Angrissen gegen unsere Partei vor und suchen unsere Or- ganisation zu untergraben. Diesem echt jesuitischen Gebahren gegen- über gibt es nur das Eine Mittel: d e Genannten rücksichtslos zu be- kämpfen und ihnen in den Versammlungen die Thüre zu weisen. Warum sollen wir ihnen auS übelangebrachter Gutinütbigkeit die Ge- legcnheit ge. en, ihre Verhetzung der Arbeiter fortzusetzen? Wenn diese Herren auch noch so geringen Anhang besitzen und gewinnen, so er- reichen sie doch, wenn man sie gewähren läßt, das Eine, daß daS kaum hergestellte freundschaftliche Verhältniß unter den verschiedenen Fraktionen aufs Neue gestört und der ekelhafteste Kamps zur Freude unserer Gegner hervorgerufen wird. Bewel«: Stuttgart und München. Macht also kurzen Prozeß mit ihnen I Mehrere Leipziger Parteigenossen. Die Angrlegcnhcit Jmhof betreffend. Weiu.ar, 21. Juli. Der Bevollmächtigte Fritz IN Erfurt wider- streitet nur der Behauptung: Jmhof habe ein Hoch auf den deutschen Kaiser ausgebracht. Das hat allerdings Jmhof nicht gethan. In einer Rede, zu der er nicht„absolut gezwungen" war, hat dagegen Jmbof— wie die Untersuchung auf der Thüringer Landesversammlung ergeben hat— die preußischen Wassenersolge und die Vergrößerungs- Politik seit dem großen Ehurfürsten gepriesen. Dem Ausschuß'habe eitig meine sie Jmhof selbst ich die nöthigen Mittheilungen gemacht und ihm Meinung überJmhos so unumwunden gesagt, wie», � sagen würde. Die Untersuchung des Ausschusses wird ja noch wenereS Licht in die Sache bringen._ A. Müller. vrieftaftp« der Erpedition: Metallarb.- Gewerkschaft Leipzig für Annon- ccn 1 Thlt. 1 Ngr.; T. Cournicr, Mühlbausen f. Abonn. III. Qu. 1 Thlr.; Carl, St. Johann f. Schrft. 2 Thl».; Bartholdi in Mittweida f. Schrft. 2111 Ngr. f. Annonce 9 Ngr.; Arb.-Partei Breslau f. Annonce 2 Thlr. 8 Ngr. 5 Pf.; Statistische' Kommission in Breslau 8 Ngr. 5 Pf.; Sauerteig. Gotha f. Schrft. Z Thlr. 18 Ngr. 5 Pf. Der VorstiinS des Coniirwitzer soffal-drmokratischcn Arbeitervereins wird ersucht, sofort eine Ncreinssitzuilg-inzuberufeii und sich deshalb mit der Erpedition d. Bl. ins Einoentändniß zu setzen. _________ Das Agitations-Eomitee. Für Leipzig. {'»»zial-üvilioiinttisvker ArbeiterTerein. Freitag. 2. August, im Leipziger Salon. Tagesordnung: Die Fabrikorvnuugeii, Ref. Heideinann. Soz.- pol. Wochenberichr, Ref. Haolich. Gäsic willkommen. Der Vorstand. Für Hannover. Zoriai-demoKratlscher Ärbeiterverei». Sonnabend, den 3. August, Abends 9 Uhr, im Lokale des Herrn Bartling, Knochenhauerstraße 59 öffentliche Dersnmmlung. Ta gesorduung: 1) Sozialpolitischer Wochenbericht, Ref.: Kaiser, Corres. Reichelt. 2) Ueber den Entwicklungsgang im Bölkerlebm(Fortsetzung) Ref. Wi-Iiier. 3) Anträge zu»« Eongreiz. Gäste haben Zutritt. Diese Veisammluiigen finden regelmäßig alle Sonnabend Abend und jeden Mittwoch Leseabend daselbst statt. Der Borfitzenöc An die Gefangvereine der soziaf-demokratijchen Arbeiterpartei. Die hiesigen Mitglieder der sozialdemokratischen Arbeiterpartei haben einen Gesangverein gegründet, der sich bereits der regnen Be- theiligung erfreut; wir richien daher an die bereits bestehenden Ge- sangvereine unserer Pariei die Bitte, uns dabei mit Rath und That zu unterstützen und uns schleunigst zu benachrichtigen, ob sie uns vielleicht sozial-dentokraiische Lieder und(womöglich 4stimmize» Noten dazu gegen Laarzahlung zur Verfügung stellen können. Adressen find zu richten an: G. Saeveke, Hannover, Kreuzstr. 3, 2. Etage. Um recht baldigen Bescheid bittet_ Das Comitee. Fü Liter: ür Weil, wo'« galt des Armen Recht, Bebel niemals hat gefehlt— Darum hat der arme Mann Zum Vertreter ihn gewählt. Doch die Macht'gen und die Reichen, Warfen in den Kerker ihn, Ihre Zwecke zn erreichen, Sie ihm— sein Mandat entzieh'«. Loszuwerden diesen Dränger Reicht nicht aus die Kerkerpein. Hör' es, Armuth! nicht soll länger Bebel dein Vertreter sein! Wie—? weil Fürsten er beleidigt, Nehmet Ihr dem Volt sein Recht? Die Ihr aus's Gesetz vereidigt— Ist Gesetz das? ist das„Recht"? Laßt es nur! schon Allzuvicle Sind es. die Ihr arm gemacht. Auch die Arme», weil es Viele, Auch die Arme,: sind'nc Macht. Aus zur Wahl! und Keiner fehle! Volk, eS gilt dein letztes Recht. Volk, den Mann des Volkes wähle, Wähle Bebel! schütz' dein Recht! Augsburg. rarischcr Verein. Sonntag, den 4. August, Vormittag 10 Uhr, Versammlung Geisterhaus. Parteigenoffeu! Die Sozial-Demokratte in Deutschland muß aus die Conferenz der Regierungen über die soziale Frage antworten mit: Bereinigung des Allg. deutsch. Arb.-Vereins und der soc.-dem. Arbeiterpartei!_ Für Stuttgart. Sozial-demotratischer Ärbcttcrverein. Jeden Freitag. Abends 8 Uhr, Versammlung im neuen Lokal: Büchsenstraße 28, bei Crämer. Tagesordnung der nächsten Versammliina(2. August): die Ge- schichte der deutschen Sozialdemokratie und die Gründung, Organisation und das Programm der sozial-demokratischen Arbeiterpartei. Reserent: Burckhardt. Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich zu erscheinen und fleißig Gäste mitzubringen.______ Der neue Lorstanv.____ Rhein- und Maingau. am Main ist: Für den„ Die Adresse des Vertrauensmannes für Frank, urt Theodor Kalb, Judengasse 158. Kraiiksurt a. M. (2) 2 Frankfurt a. M. Die Parteigenossen versammeln sich jeden Samstag, Abe.ndS 9 Uhr im Gasthaus zur„Stadl Kreuznach", Dominikanergasse Nr 10. KL. Im Gastziinmer liegt der„Volksstaai" aus.(m) Ta ich auf meine brieflichen Mahnungen bisher von keiner Seit« Antwort erhalten habe, sehe ich mich genöthigt, alle meine Schuldner auf diese Weise an ihren Verpflichrungen zu erinnern. Sollte auch dieses nichts fruchten, dann werde ich die Betressenden össentlich bei Namen nennen und die ganze Angelegenheit in die Hände eines Ad- vokatcn legen. Zugleich ersuche ich alle Parteigenossen, mich mit Be- stellungen auf Schriften zu unterstützen. Alle für Einen, Einer für Alle. Gruß an Alle Alberline Dittrich bei Frau Rnbesch m Bautzen. Leipzig: Berantw. Redakteur«. Murh; RedaNio., u.'»rpeditlon Hvhestr. 4; Druck u. Verlag v F. Thiele.