No. 63 Mittwoch, 7. August. 1872 Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. vestellungen nehmen alle Postanstalten«tri, Buchhand> lungen des In- und Auslandes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: die Erpedition, Hohe Str. 4. A. Bebel, Petersstr. lS. F. Thiele, Emilienstr. 2. A»on»ement5vretS: Für Preußen incl. Stempel- «euer 17 Sgr., für die übrigen deutschen Staaten 12'/, Ngr per Quartal, per Monat 4'/, Ngr., für Leipzig und Um- gegend per Quartal 13 Ngr. Filtalerpeditiou für die Ber» etnigtm Staaten: F. Jl Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der soMl-demokratischen Arveiterpartei nnd der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Abonnements auf den„Bolksstaat" für die Monate August und September, a 4I;,2 Sgr. pr. Monat, werden bei allen Postanstalten, für Leipzig bei der Expedition Hohestratze 4, wie Petersstratze Rr. 18, und bei Kolporteur Müller, für die Um- gegend Leipzigs bei den Filialexpeditionen in Boll- marsdorf, Plagwitz entgegengenommen. Die Expedition des„Volksstaat". An die Parteigenosse«: Alle Anträge zum Congreß sind an den Unterzeichneten einzusenden. Hamburg. Th. Aorck. Ainandastr. 44. Anträge zum Congreß. 5) Hempel(Dresden): Der Congreß wolle beschließen: „Die Unterstützung der Gemaßregelten in der Weise zu ordnen, daß dieselbe nur durch Vermittlung des Ausschusses stattzufinden hat. Es sind deshalb sämmt- liche Parteigenossen zu verpflichten, die zu diesem Zwecke gespendeten freiwilligen Beiträge als auch eine etwaige besondere Parteisteuer durch Vermittlung der Beitrag- sammler unter allen Umständen an den Ausschuß ein- zusenden." 6) Scheu �Dresden)!:„Der Congreß wolle sich über die Ansicht der Versammlung der soc.-dem. Partei zu Dresden am 24. Juli 1872 äußern, wonach diese beschloß, dem Aufrufe des Ausschusses(v. 15. Juni 1872) zur Unterstützung der Gemaßregclten zu cnt- sprechen, wogegen sie aber erwartet, daß der Aus- schuß von nun an Sorge für die Dresdner Gemäß- regelten(auch die des„Volksboten") und deren Fa- mitten übernimmt." 7) Louis Eckstein(Dresden):„Der Congreß möge berathen, auf welche Art der Ausschuß sich mit den Verwaltungen und Redactionen der Localblätter in Verbindung setzen solle, um für die Partei Vortheile zu erzielen." 8) Dresdener Mitgliedschaft:„Der Congreß wolle den Ausschuß beauftragen, für er.iheitliche Organisirung der Agitation Sorge zu tragen; und zwar derart, daß Reisekosten und Diäten der Agitatoren durch den Ausschuß bezahlt werden, wogegen der Reinertrag der in den betreffenden Versammlungen eingegangenen freiwilligen Beiträge an die Parteikasse einzusen- den ist." Ich erzählte dem Fabrikantenblatt, daß die„Tireorp of Exchanges" auf Seite 134 ganz so zitirt, wie ich zitire, und es entdeckt— daß ich ganz so zitire, wie die„Theor� of Exchanges" auf Seite 134 zitirt. Weiter!„Auch die Glossen, welche Marx über den in dieser Lesart enthaltenen Widerspruch an ihre Wiedergabe knüpft, sind bereits in jenem Buch enthalten." Dieses ist einfach ge- An die Redaktion des„Volksstaat." In der„Concordia" vom 4. Juli sucht mir der deutsche Fabrikantenbund zu beweisen, daß seine„Gelehrten" sich nicht minder trefflich auf Prüfung literarischer Waare verstehen, als er selbst aus Waarenfälschung. Mit Bezug auf die in der Jnauguraladresse der Jnter- natioalen angeführte Stelle aus Gladstone's Budgetrede vom 16. April 1863 hatte das Fabrikantenorgan(Nr. 10) gesagt: „Marx hat den Satz formell nnd materiell hiuzuge- logen." Es erklärte also den Satz nach Form und Inhalt, mit Haut und Haar, für mein Fabrikat. Noch mehr. Es wußte ganz genau, wie ich ihn fabricirt hatte.„Die Thatsache, daß Gladstone", erörterte es,„dies jc. anführt, benutzt Marx, um Gladstone sagen zu lassen zc." Durch Citat desselben Satzes aus einer vor der Jnauguraladresse veröffentlichten Schrift, der„Theory of Exchanges", legte ich die grobe Lüge des Fabrikantenorgans bloß. Es verschrieb darauf, wie es selbst erzählt, die ihm unbekannte Schrift aus London und überzeugte sich von dem Thatbestand. Wie nun sich heraus- lügen? Man höre: „Indem wir sagten, Marx habe den fraglichen Satz zur Gladstone'schen Rede hinzugelogen, haben wir weder formell noch materiell behauptet, daß er ihn auch selbst fabrizirt habe." Hier findet offenbar eine dem Fabrikantenverstand eigenthüm- liche Bcgriffsverwechslung statt. Wenn der betrügerische Fabrikant z. B., im Einverständniß mit Geschäftsfreunden, Rollchen Band in die Welt schickt, die angeblich drei Dutzend, wirklich abgr nur zwei Dutzend Ellen enthalten, so hat er in der That ein Dutzend Ellen hinzugelogen, grade weil er sie„nicht selbst fabrizirt hat." Und warum sollte es sich mit hin- zugclogenen Sätzen nicht verhalten wie mit hinzugelogencn Ellen? „Der Geist der großen Mehrzahl der Menschen", sagt Adam Smith,„entwickelt sich nothwendig aus und an ihren Alltags- Verrichtungen", also auch der Fabrikantengeist. Vermittelst des„Volksstaat" hatte ich das Gelchrsam- keitsmaterial des Fabrikantenorgans ausgeweitet, nicht nur durch das Citat der„Theory of Exchanges", sondern auch der Seiten meiner Schrift„das Kapital", die Gladstone's Budget- reden betreffen. Es sucht nun aus dem ihm von mir gelie- ferten Material zu beweisen, daß ich die streitige Stelle nicht aus einer„Londoner Zeitung" zitirt habe, sondern aus der »Theory of Exchanges". Die Beweisführung ist ein anderes Muster von Fabrikantenlogik. logen. Ich knüpfe pag. 639 des„Kgpital" meine Glossen an die Worte der Gladstone'schen Rede:„Während die Reichen reicher, sind die Armen jedenfalls weniger arm geworden. Daß die Extreme der Armuth sich vermindert haben, wage ich nicht zu sagen." Was ich hierzu bemerke, ist:„Welch lahmer Anti- climar! Wenn die Arbeiterklasse„arm" geblieben, mur„weniger arm" im Vcrhältniß, worin sie„eine berauschenoe Vermehrung von Reichthum und Macht" für die Klasse des Eigenthums produzirte, so ist sie relativ gleich arm geblieben. Wenn die Extreme der Armuth sich nicht vermindert haben, haben sie sich vermehrt, weil die Extreme des Reichthums." Und diese „Glossen" stehen wo nirgend in der„Theory of Exchanges." „Auch die Glossen... sind bereits in jenem Buch ent Halten, namentlich auch das in Note 10S auf S. 640 des „Kapital" gegebene Citat aus Moliire." Also„namentlich auch" citire ich Moliire und überlasse den„Gelehrten" der„Concordia". auszuspüren und dem Pub- likum zu verrathen, daß dies Citat aus der„Theory of Exchanges" Herrührt! In der Th«t aber sage ich Note 105 S. 640 des„Kapital" ausdrücklich, daß der Verfasser der „Theory of Exchanges"„die fortlaufenden schreienden Widersprüche in Gladstones Budgetreden" durch„folgendes Citat aus Moliere charakterisirt." Endlich:„ebenso stehen die von Marx zitirten Angaben des London Orphon Asylum über die Vertheuerung der Lebens mittel auf S. 135 jenes Buches, für deren Richtigkeit Marx sich jedoch nicht auf dieses, sondern auf dessen Quellen beruft. (Siehe„Das Kapital", S. 640, Rote 104)." Die„Concordia" vergißt wohlweislich, ihren Lesern zu sagen, daß„jenes Buch" keine Quellen angiebt. WaS wollte sie beweisen? Daß ich dem„Buch" eine Stelle aus Gladstones Rede ohne Kenntniß seiner Quelle entnehme. Und wie beweist sie es? Dadurch daß ich eine wirkliche Anführung aus jenem Buch unabhängig von ihm daech die Original-Quellen kontrolirc! Ueber mein Citat aus Prof. Beesly'S Artikel in der Fortinghtly Review(Novemberfest 1870) bemerkt die „Concordia": „Jener Artikel des Prof. Bcesly handelt nämlich von der Geschichte der Internationale und ist, wie der Verfasser jedem Fragenden selbst sagt, auf Grundlage von Material geschrieben, das Marx ihm selbst geliefert hat." Prof Beesly sagt: „Niemandem ist der Erfolg der Assoziation so sehr ge- schuldet, als dem Dr. Karl Marx, der in seiner Kenntniß der Geschichte und der Statistik der industriellen Bewegung in allen Theilen Europa«, nach meinem Dafürhalten, keinen Rivalen hat. Ich bin ihm in großem Umfang(largely) für die in diesem Artikel enthaltene Jnformarion verpflichtet." Alles Material, das ich dem Prof. Beesly geliefert, bezog sich ausschließlich auf die Geschichte der Internationalen und mit keinem Wort auf den Inhalt der ihm seit ihrer Heraus- gäbe bekannten Jnauguraladresse. Der Zusammenhang, worin seine obige Bemerkung steht, ließ hierüber so wenig den ge- ringsten Zweifel zu, daß die Saturday Review, in einer Kritik seines Artikels, mehr als andeutet, er selbst sei der Verfasser der Jnauguraladresse.*) Die„Concordia" behauptet, nicht Prof. Beesly citire die ftagliche Stelle aus Gladstone's Rede, sondern führe nur an, „daß die Jnauguraladresse jenes Citat enthalte." Sehen wir zu. Prof. Beesly sagt:„Die Adresse ist wahrscheinlich die schlagendste und gewaltigste Darlegung der Sache des Arbeiters gegen die Mittelklasse, die jemals in ein Dutzend kleiner Seiten zusammengepreßt worden ist. Ich wünsche, ich hätte Platz für reichliche Auszüge daraus." Nachdem er der„fürchterlichen Statistik der Blaubücher" erwähnt, worauf sich die Adresse be- ruft, fährt er fcrt: „Von dieser schauderhaften Statistik geht die Adresse über zu den offiziellen Angaben über die Einkommensteuer, woraus erhellte, daß das besteuerbare Einkommen des Landes in acht Jahren um 20 pCt. zunahm,„eine berauschende Vermehrung vonReichthum und Macht", wieHerr Gladstone bemerkte, „ganz und gar beschränkt auf die besitzenden Klassen."" Pros. Beesly setzt die Worte: wie Herr Gladstone bemerkte außer Anführungszeichen, sagt sie im eignen Namen und be- weist eben dadurch der„Concordia" haarscharf, daß er Glad- stone's Budgetrede— nur aus dem Citat der Jnauguraladresse kennt! Des deutschen Fabrikantenbundes Londoner Geschäfts- freund, er allein kennt Gladstone's Budgetreden, wie auch er ganz allein weiß:„Leute mit einem Einkommen unter 150 Pfd. St. zahlen nämlicb in England keine Einkommensteuer."(Siehe Nr. 10 und 27 der„Concordia.") Dagegen leiden englische Steuereinnehmer an der fixen Idee, daß selbige Steuer erst bei Einkommen unter 1 Man sehe sich nun dieses Bild an und jenes: I. II. genehmen Umgang mit ihm ein für allemal abzubrechen, doch zum Abschied noch eine Nuß zu knacken für seine„Gelehrten". In welchem Artikel machte der Mann unv wie hieß der Mann, der einem der„Concordia" allermindest ebenbürtigen Gegner die inhaltsschweren Worte zurief:„ilsiims manebis in se- cula seculoruxn"?*) London, 28. Juli 1872. Karl Marx. Aus Gladstone'.s Rede vom 16. April 1863, ge- druckt in der Times vom 17. April 1863. „So steht's mit dem Reich- thum dieses Landes. Ich für meinen Theil muß sagen, ich würde beinahe mit Besorgniß und mit Pein auf diese be- rauschende Vermehrung von Reichthum und Macht blicken, wenn ich sie auf die wirklich wohlhabenden Klassen solasaeg who are in easy circmnstances) beschränkt glaubte. Es ist hier gar keine Notiz genommen von der Lage der arbeitenden Bevölkerung. Die Vermehrung, die ich beschrieben habe.... ist eine Vermehrung, ganz und gar beschränkt auf Eigenthumsklassen. Aber die Vermehrung des Kapitals ist ein indirekter Vortheil für den Arbeiter it." Aus Gladstone's Red e vom 16. April 1863, ge- druckt im Hansard, Band 170, Parlamentsver- Handlungen vom 2?. März— 28. Mai 1863. „So steht's mit dem allge- meinen Fortschritt der Akku- mulation; aber ich für meinen Theil muß sagen, ich würde mit einem gewissenGrad von Pein und mit viel Be- sorgniß auf dies außeror- deutliche und beinahe be- rauschende Wachsthum blicken, wenn ich es be- schränkt glaubte auf die Ka- tcgorie von Personen, die als in gemächlichen Verhältnissen beschrieben werden können stbe das« of persona who may be described as in easy circmnstances). Die Zahlen, welche ich angeführt habe, neh- men wenig oder gar keine Notiz von der Lage Derer, die keine Einkommensteuer zahlen, oder in andren Worten, hin- reichend genau für die Wahr- heit im Allgemeinen(!), nehmen sie keine Notiz von dem E i g e n th u m(!) der Ar- beiterbevölkerung oder(!) von der Zunahme ihres Ein- kommens. Indirekt, in der That, ist die bloße Vermeh- rung des Kapitals von dem äußersten Vortheil für die Arbeiterklasse it." Ich überlasse dem Leser selbst, den geschraubten, verklau- sulirten, verzwickten Circumlocution Office—(Um- die- Sache- Herumschreibungsbureau)— Styl der Ausgabe im Hansard mit dem Timesbericht zu vergleichen. Hier genügt die Festsetzung der Thatsache, daß die Worte des Timesberichts:„..Diese berauschende Vermehrung von Reichthum und Macht... die Vermehrung, die ich beschrieben habe...ist eine Vermeh- rung, ganz und gar beschränkt auf Eigenthums- klaffen" im Hansard theils verstümmelt, theils ganz unterdrückt sind. Ihr emphatischer„Wortlaut" entschlüpfte fei nem Ohrenzeugen. Zum Beispiel: Morning Star, 17. April 1863. fGladstone's Budgetrede vom 16. April 1863.) „Ich für meinen Theil muß sagen, ich würde mit Be- sorgniß und mit Pein auf diese berauschende Ver- mehrung von Reichthum und Macht blicken, wenn ich sie auf die wirklich wohlhabenden Klassen(classes who are in easy circmnstances) beschränkt glaubte. Dieser große Zuwachs von Reichthum(this great increase of wealth) nimmt gar keine Notiz von der Lage der Arbei- terbevölkerung. Die Vermehrung ist eine Vermeh- rung(the augmentation is an augmentation), g anz und gar beschränkt auf die Klassen, die Eigen- thum besitzen(entirely confined tothe classes posses- sed'of property). Aber diese Vermehrung(Bat that augmentation) muß von indirektem Vortheil für die Arbeiter bevölkerung sein tc." Morning Adv erti ser, 17. April 1863.(Gladstone's Budgetrede vom 16. April 1863.) „Ich für meinen Theil muß sagen, ich würde beinahe mit Besorgniß und mit Schrecken(alarrn) auf diese berauschende Vermehrung von Reichthum und Macht blicken, wenn ich sie auf die wirklich wohlhabenden Klassen(classes who are in easy circmnstances) beschränkt glaubte. Dieser große Zuwachs von Reichthum nimmt gar keine Notiz von der Lage der Arbeiterbevölkerung. Die erwähnte Ver- mehrung(Phe augmentation stated) ist eine Vermehrung, ganz und gar beschränkt auf Klassen, die Ei- genthnm besitzen(classes possessed of property). Diese Vermehrung(This augmentation) muß von indirektem Vortheil für die Arbeiterklasse sein re." Gladstone hat also die von ihm im Unterhaus am 16. April 1863 gesagten Worte:„... Diese berauschende Vermehrung von Reichthum und Macht..- ist eine Vermehrung, ganz und gar beschränkt auf die be- sitzenden Klassen" nachträglich wegstipitzt in der Halbamt- lichen Hansard'schen Ausgabe seiner Rede. Die„Concordia" fand sie daher nicht in dem vom Londoner Geschäftsfreund übermachten Auszug und stieß in's Horn:„Dieser Satz be- findet sich aber nirgends in der Gladstone'schen Rede. Marx hat den Satz formell und materiell hinzugelogen." Kein Wunder, daß sie mir jetzt vorheult, es sei kntische „Sitte", die Parlamentsreden zu citiren, wie sie amtlich ge- fälscht, und nicht, wie sie wirklich gehalten werden. Solche„Sitte" entspricht in der That der„allgemeinen" Berliner„Bildung" und dem beschränkten preußischen Unterthanenverstand des deut- schen Fabrikantenbundes. Zeitmangel zwingt mich, meinen an- Politische Neberficht. *) Das Fabrikantenblatt scheint in der That zu glauben, daß die großen Londoner Blätter keine Stenographen für ihre Parlamentsbe- nchte anwenden. In seiner Schrift:„Das Eigenthum ist Dieb- stahl"**), welche schon vor der französischen Revolution er- schien, sagt Brissot, der später der zweite Führer der Giron- disten wurde— der erste war, bezeichnend für diese Partei von Redekünstlem und Parlamentsfchauspielern, eine Frau, die Roland—, es sei unmöglich, die Grenzlinie zwischen„ehr- lichem" und„unehrlichem" Erwerb, zwischen Eigenthum und Diebstahl zu ziehen, und ein Spekulant unterscheide sich in nichts Wesentlichem von einem Spitzbuben. Als Brissot Führer der die Bourgeoisie vertretenden Girondisten ward und in dieser Eigenschaft für die„Heiligkeit des Eigenthums" einstehen mußte, hatte er viel von dieser„Jugendsünde" zu leiden, die seine Gegner ihm unverdrossen vorhielten, allein das erschüttert nicht die Richtigkeit des von ihm aufgestellten Satzes. Daß das Börsenspiel— um von den anderen Methoden des Erwerbes nicht zu reden— auf den schamlosesten Diebstahl hinausläuft, wird heute selbst von den Vertretern der Bour- geoisgesellschaft ziemlich allgemein anerkannt. So bringt z. B. die Berliner„Volkszeitung" in ihrer Nr. 174 folgende Lokal- notiz: „Die Thatsache, daß gestern Vormittag an der in der Nähe des Bockes gelegenen Kunheim'schen Fabrik ein Oleumballon platzte und ein sehr unbedeutendes Feuer hervorrief, benutzten mehrere Börsenjobbers an gestriger Börse, die Nachricht auszusprengen, daß die Bockbrauerei in hellen Flammen stünde. Die Herren hatten von der Verbreitung dieser falschen Nachricht— ein Manöver, welches, genau genommen, Vörden Kriminalrichter gehört Bockbrauerei-Aktien 3 Proz. billiger am Schluß der Börse, als man sich über die Grund- losigkeit der verbreiteten Nachricht informirt halte, einen Kursgewinn von circa 5 Proz. einzu- streichen." Wenn alle Eigenthumerwerber, die„genau genommen vor den Kriminalrichter gehörten", in Wirklichkeit vor denKri- minalrichter kämen, dann würden nicht diele auf freiem Fuß und die vorhandenen Zuchthäuser zu eng sein.— Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ist sehr erbost, daß wir eine Verwandtschaft zwischen der Blut- und Eisen- Politik und dem Louis thum entdeckt haben, und sie nennt, mit der ihr eigenen Bildung, unsere dahin gehenden Beiner- kungen„blödsinnig". Schimpfen ist sprüchwörtlicki leichter als widerlegen. Und Leute, die mehr Verstand und Kenntnisse hatten, als die Redakteure des Bismarck'schen Leibblatts, haben sich schon vergeblich abgemüht, einen moralischen Unterschied zwischen dem Todtschlag, verübt nach Methode von Massen in Uniform, und dem Todtschlag, verübt von Einzelnen in gewöhn- licher Tracht, aufzufinden; während eS auf der anderen Seite sehr bedeutende Denker— h- B. einen gewissen Kant— gegeben hat, die den Krieg für das größte Verbrechen der Mensch- heit und an der Menschheit erklärt haben. Daß nicht Jeder- mann gleicher Ansicht ist, rührt einfach daher, daß wir uns gewöhnt haben oder richtiger gewöhnt worden sind, einen Un- terschicd zwischen Privatmoral und öffentlicher Moral zu machen, und Alles, was nach der Privatmoral schlecht, niederträchtig, verbrecherisch ist, nach der öffentlichen Moral als gut, ehren- Haft, ruhmvoll zu betrachten; z. B. das Lügen, Stehlen und Morden. Definire sich der Skribent der„Norddeutschen" ein- mal den Begriff von Lügen, Stehlen und Morden, und er wird sehr rasch das Epitheton„blödsinnig" gegen seine frühere Unwissenheit und Beschränktheit kehren. Was den Ausdruck „Louisthum" und„Louis", angewandt auf die„hohe Politik", betrifft, so müssen wir leider idas Verdienst der Originalität zurückweisen. Als vor etlichen20 Jahren der Pacifico***)- Skandal statt hatte, war die ganze, nicht von dem englischen Ministerium direkt gekaufte Presse einig darin, Lord Palmer- ston wegen dieses feigen Erpressungsversuchs einen bully und seine Politik die eines bully zu nennen. Nun hat aber die „Norddeutsche" jetzt vielleicht Jemand unter ihrem Redaktions- personal, der da weiß, daß Prince of Wales nicht„Fürst von Galles" heißt— und von diesem„Gelehrten" wird sie, falls sein Englisch weit genug reicht, erfahren können, daß bully der korrekte und allgemein übliche englische Ausdruck ist für den allerdings noch nicht im Vollgenuß des deutschen Sprach- bürgerrechtsstehenden„Louis."— „Der kolossale Erfolg d er französischen National- anleihe"— schreibt man uns—„ist eine kolossale Doppel- ohrfeige für unsere Deutschdummler,— um den einstigen Lieb- lingsausdruck des jetzt selbst nach Noten deutschdummelnden Johannes Scherr zu gebrauchen. Einmal, daß es ein fran- zösischer Erfolg ist, muß ein gut franzosenfresserisches Herz schon beinahe abdrücken, besonders wenn die Erinnerung an das wahrhaft klägliche Ergebniß der weiland deutschen Kriegs- anleihe dazu kommt. Und zweitens die gottlose Blamage des mordspatriotischen Kapitals!„Betheiligt Euch nicht an der französischen Nationalanleihe! Ihr leistet dem Feind nur Vor- schub!" predigte Onkel Spener und Tante Voß, und„Austands- dame" Biedermann(welch letzterer dabei aber nicht versäumte, die seitenlangen Reklamen des sündhaften Anlehens in sein Blatt aufzunehmen! S. Nr. 172, 173 und 174 der ,,D. A Z."). Alles umsonst. Diese Tugcndpredigten hatten dasselbe Schicksal, wie der Erziehungskursus, der im Jmmermann- schen Münchhausen mit dem Mistkäfer vorgenommen wird. Der Mistkäfer hört andächtig die sublimen Lehren— bis der Duft eines Mifthäufchens ihm in die Nase steigt; vergessen ist Moral und Schöngeisterei: der Mistkäfer stürzt in den Mist. Gerade so ging es unserem„nationalen Kapital". Es lauschte mit patriotischem Ernst den Worten des Onkel Spe- ncr, der Tante Voß und der„Anstandsdame" Biedermann, aber kaum war der Misthaufe des französischen Nationalanlehens in den germanischen Börsen ausgekramt, so stürzten mit unwider- stehlichcr Naturgcwalt die Mistkäfer in den Mist! Ueber 5000 Millionen'ranks haben sie dem„Erbfeinde" gezeichnet— allerdings zum Verzweifeln, wenn man an deutsche Biederkeit, Sittenstrenge und Uneigcnntttzigkeit geglaubt hat! Und mit dieser Doppelohrfeige ist's nicht genug. Es gesellt sich zu ihr noch der peinigende Argwohn, der Schelmfranzos werde das deutsche Geld annektiren und dergestalt in französische Revanche- Soldaten anlegen, daß er schließlich die Zahlung des französi- schen Geldes verweigern kann. Was freilich ein grausamer Spaß wäre!" Außer diesem Gesichtspunkte giebt es allerdings noch einen andern, von dem aus man die Milliarden-Anleihe betrachten kann und der uns gegen diese etwas kühler stimmt. Wir mei- neu die Thatsache, daß die Versailler Regierung einstweilen in ihrem Sitze befestigt worden ist dadurch, daß sie die gesammte internationale Bourgeoisie durch das Geldinteresse an sich ge- kettet und die Republik zu einem Muster von Bourgeoisrepublik erhoben hat. Einerseits war die Bethciligung der internatio- nalen Bourgeoisie an der Anleihe der Ehrendank jener an die Versailler Henker für die„Retiung der Gesellschaft." Ande- rerscits wird die künstlich erzeugte llfache Ueberzeichnung der Anleihe— denn daß 43 Milliarden auf natürlichem Wege im Handumdrehen gezeichnet werden können, wird Niemand glauben — der Regierung des Herrn Thiers bei der Haute Finance der ganzen Welt einen materiellen und„moralischen" Kredit verschaffe», durch den sie ihr Dasein um eine gute Spanne t»n Vortbe'il"3eit verlängern kann. Die französische Arbeiterwelt hat einzukaufen und � Ursache, sich dem Ergebniß der Anleihe gegenüber indiffe- rent zu verhalten. Der Krieg, den Herr Thiers in den nächsten Jahren vermittelst jenes Geldes zur Rückeroberung des Elsasses versuchen wird, kostet ihr Blut, und die Millionen, welche die Anleihe den Börsenjobbern heute schon einbringt, sind auf Umwegen gestohlenes Arbeitsgut.— Mögen sich übrigens die Arbeiter das Bild ein wenig vor Augen halten: Auf einem verschwindend kleinen Winkel 43 Milliarden— und auf dem übrigen großen Räume Roth und Elend!— Und was ist der Lassalle'jche 100-Millionen-Kredit für Arbeiter-Pro- duklivgenossenschaften— welchen unsere Gegner für unauf- dringlich halten— im Vergleich zu dieser Leistung, zu wel- cher sich ein Staat nach einem Kriege und im Interesse des Kriegs emporschwingen kann!— Ein geflügeltes Wort des Heldengreises Thiers ver- dient aufbewahrt zu werden:„Man muß durch die Gewalt und die Justiz Ruhe stiften", schreibt er bezüglich der von den Behörden fabrizirten„Arbeiterunruhen" in den Norddeparte- ments.„Ruhe durch die Gewalt und die Justiz". Erst die Gewalt, d. h. der wunderthäfige Chassepot, dann die Justiz, d. h. die Kriegsgerichte, um Stachlese zu halten, und dem Chassepot en detail zu überliefern, was er beim en gros- Mordgeschäst vergessen hat.— *)„Du wirst ein Esel bleiben von Ewigkeit zu Ewigkeit." **) Dieser Titel und Satz wurde bekanntlich ein halbe« Jahrhun- dert nachher von Proudhon annekiirt und zwar mit solchem Glück, daß Proudhon noch heute beim großen Publikum für den Urheber desselben gilt. Ein gewisser Don Pacific», der englisches Bürgerrecht hatte, stellte gewisse betrügerische, von Lord Palmerston aber anerkannte Geldforderungen an die griechische Regierung, und ließ, als Zahlung verweigert ward, ein englisches Geschwader die Kanonen auf Athen richten'; e» versteht sich, daß dieses:!a bouwe ou la viel(die Börse oder dai Leben!) seine Wirkung that; man steht, die Aehnlichketi mit der Hailyer Heldenthat ist frappant, nur daß es dort bei der bloßen Drohung sein Bewenden hatte, während eS hier zu Thätlichkeüen, nichts weniger als heroischer Art, kam. Zu unserm Bericht über den Nottinghamer Congreß in voriger Nummer haben wir noch zu erwähnen, daß auch in Schottland schon zwei Zweiggenossenschasten der Internatio- nalen bestehen, nämlich in Glasgow und Aberdeen.— Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß die deutsche Sozial- demokratie auf dem am 2. September im Haag abzuhaltenden Congreß der Internationalen Arbeiterassoziation würdig vertreten sei. Da nun kein Delegirtcr auf dem Congreß zugelassen wird, der nicht ein regelrechtes Mandat aufzuweisen hat, und die deutschen Vereinsgesetze die Bildung von Sektionen ver- bieten, so ist es nothwendig, daß die Parteigenossen dnrch Lö- sung einer Beitragsmarke(von 1 Groschen), welche auf das Statutenexemplar aufzukleben ist, die persönliche Mitglied- schaft erwerben, welche durch kein deutsches Gesetz verboten ist, und daß die Mitglieder eines Orts oder mehrerer Orte dann zur geeigneten Zeit einen Delegirten wählen resp. ein Mandat ausstellen.(Die Redaktion des„Volksstaat" erklärt sich zur Bermittelung von Mandaten an hinreisende Delegirte bereit.) Wer für Mitgliedsmarken keine andere Bezugsquelle hat, wende sich direkt an den Sekretär für Deutschland: Karl Man-, 1 Maitland Park Kow. Haverstock Hill, N. W. London. — Statuten sind(ü 1 Sgr. das Eremplar) durch die Erpe- dition d. Bl. zu beziehen. Das Mandat muß also lauten: Die in hiesigem Orte wohnenden Mitglieder der Jnter- nationalen haben in heutiger Sitzung den Bürger(Name) zu ihrem Vertreter auf dem Haager Congreß der Internationalen Arbeiter-Assoziation vom 2. Septbr. 1872 ernannt. X... Sitzungspräsident. Z... Protokollführer. Ort und Datum. Der„Neue Sozial-Demokrat" begeht in seiner Nr. 87 eine so bodenlose Gemeinheit, wie sie kein zweites Blatt der deutschen Presse, einerlei welcher Richtung es angehört, je begangen hat und zu begehen im Stande wäre. Er schreibt: „Der Gewerkverein", das Organ des braven Hr. Hirsch, schimpft in seiner S tempeln umm e r vom 28. Juli, auf welcher aber der Stempel fehlt, wieder weidlich auf die Sozial-Demokraten, welche gegen alle bestehenden Verhältnisse loszögen."— und schließt diese Notiz mit den Worten:„Was dem Einen recht ist, ist dem Andern billig. Die Ortsvereine haben ja nach der Angabe des„Gewerkvereins" so heidenmäßig viel Geld, daß sie die ewigen Schimpfereien des Herrn K. W. in der politischen Wochenschau des„Gewerkvereins" auch durch den Stempelbetrag gesetzlich wohl sanktioniren könnte n." Der„Neue" ist also grün vor Neid, daß der„Gewerk- verein" die für politische Blätter in Preußen geltende Stem- pelsteuer als nicht politisches Blatt nicht bezahlt und macht diesem Neid in der unwürdigsten Weise Luft, indem er den„Gewerkverein" der Behörde denunzirt. Das ist eine neue Schändung der sozial-demokratischm Flagge, unter welcher der„Neue" fälschlich segelt; das Blatt ist jedes Funkens von Ehrgefühl baar. Die Denunciation hat indeß nebenbei das Gute gehabt, uns einen Einblick in den materiellen Stand des„Neuen" zu gewähren. In seiner blinden Wuth giebt nämlich der„Neue" den von ihm bezahlten Stempelbetrag für dieses Quartal auf „gegen Sl)0 Thaler" an; nehmen wir nun an, daß das Eremplar per Quartal mindestens 3 Sgr. Steuer kostet, dann ergiebt die Steuersumme von 500 Thlr. einen Abonncn- tenstand von nicht 5000. Eine Nummer später log der „Neue" seinen Lesern vor, eine Auflage von 7400 zu haben. Lüge, Verleumdung und Denunciationssncht sind die drei Cardinal lugenden des„Neuen"; und sehr traurig ist, daß es noch Arbeiter giebt, welche ein solches Blatt unterstützen. Zwischen dem Organ Bismarck's, der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", und dem„Neuen Sozialdemokrat" ist eine klein- Reiberei entstanden. Die„Rordd. Allg. Ztg." denunzirt die Agitatoren des„Neuen", Frohme und Hartmann, wegen angeblich„hochverrätherischer" Reden; der„Reue" ist darüber außer sich und weist die hochverrätherische Absicht— sicher mit Recht— entrüstet zurück. Dabei passtn ihm aber in der Ent- gegnung in Nr. 87 das Malheur, sich zu»erschnappen und wider Willen einmal die Wahrheit zu sagen. Der Schluß seiner Philippika gegen die„Norddeutsche" lautet:„In Anbc- lracht der Sauregurkenzeit für die Presse, welche sich auch be- kanntlich Herr Bitter zu Nutze gemacht hat, und der Un- fähigkeit der Herren Redakteure der„Nordd. Allg. Ztg.", in Abwesenheit der leitenden Hauptredakteure aus dem Ministerium, einen vernünftigen„Leiter" zu schreiben, wollen wir aber großmüthig solche Denunziations-Leitartikel ver- zeihen." In gutes verständliches Deutsch übersetzt, lautet diese Antwort deS„Neuen" an die gegenwärtigen Schreiber der„Norddeutschen" ungefähr so:„Ihr Herren von der„Nord- deutschen" seid Esel, Ihr versteht den Comment nicht, der zun- scheu uns und Euren Brodherren eristirt, und darum wollen wir Euch Eure Dummheit großmüthig verzeihen. Eure Brodherren,„die leitenden Hauptredakteure", die kennen uns, die Leute vom„Neuen", besser und die würden uns nicht denunzirt haben, denn sie wissen, daß wir für gleiche Rechnung und den gleichen Auftraggeber arbeiten." Wir danken dem„Nxuen", daß er uns unaufgefordert seine intimen Beziehungen zum preußischen Preß- bureau enthüllt. Der„Neue" schreibt in Nr. 89: „Wie uns aus Frankenlhal iu der Rheinpfalz mitgetheilt wird, find außer dem Bevollmächligten Dreißigacker unsere beiden Agi- tatoren Frohme und Hartmann wegen Hochverraths in Anklage gesetzt worden. „Das sind also die Männer, welche der„Volksstaat" und die anderen Blättchen der Bebel-Licbknecht'schen Partei fortwährend be- schimpfen, sie Polizeispitzel nennen(?) und dergleichen mehr. Wir haben auf das Geschimpfe nicht geantwortet und werden es auch jetzt nicht thun. Verpflichtet aber sind wir, unseren Parteigenossen das Auftreten jener Partei zur Kenntniß zu bringen. Die letzte Nummer des„Volksstaat" entblödet sich sogar nicht, den Herren Hartmann und Frohme zu drohen, daß, wenn sie in einer Stadt sprechen würden, wo die„Eisenacher" die Majorität hätten, man ihnen die Thüre wei- sen würde(?). Dies ist aber eben so feige wie brutal..Die Anhänger der Bebel-Liebknecht'schen Partei in Berlin würden in keiner öffentlichen Versammlung anwesend sein dürfen, wenn wir uns auf diesen schimpf- lichen Standpunkt des„Volksstaat" stellten. Wir thun es aber nichts?); wir wissen, daß die Herren uns doch nicht gefährlich werden können, da die Macht der Ueberzeugung aus unserer Seite ist." Wir haben auf diesen Unsinn nur zu erwidern, 1) daß wir niemals die Herren Frohme und Hartmann„Polizei- spitzel" genannt, sondern nur(in Nr. 54) einen Artikel des Braunschweiger„Volksfreund" abgedruckt haben, worin sie „Spitzel" des„Neuen" genannt werden; und insofern als sich diese Leute dazu hergeben, überall da, wo ein friedliches Ver- hältniß zwischen den Mitgliedern unserer Partei und denen des Allg. Deutschen Arbeiter-Vereins besteht, Zwietracht zu sähen, verdienen sie jenen Namen. 2) Den Rath, den Agita- toren des„Neuen"„dieThüre zu weisen", haben wir nicht ge- geben„für den Fall, daß sie in einer Stadt sprechen würden, wo„die„Eisennacher" die Majorität haben", sondern nur für den Fall, daß sie sich pöbelhaft benehmen. Der„Neue" kann sich ja von Herrn Hartmann erzählen lassen, daß ihm in Leipzig— in vergangener Woche nicht die Thüre ge- wiesen, sondern 5 Stunden lang gestattet worden ist, sich— zu blamiren.(Weiteres in nächster Nr.) Leipzig. Am 2. dss. ist Nr. 81 d. Bl. auf staatsan- waltschaftlichen Befehl confiscirt worden wegen des dem „Deutschen Eidgenossen" entlehnten Citats aus Karl B lind's „Urtheilsspruch des Obertribunals der öffentlichen Meinung" vom 15. Sept. 13K6„In Sachen des Volks gegen den König von Preußen." Wer durch jenes Citat beleidigt sein soll— ob der König von Preußen oder Karl Blind— wissen wir nicht; daß es aber lediglich zur Charakteristik Blind's abge- druckt worden ist, geht aus dem Zusammenhange zur Evidenz hervor. Keineswegs können wir übrigens glauben, daß der Staatsanwalt der Reichsregierung einen Gefallen gethan hat, indem er die Erörterung der der jüngeren Generation theil- weise unbekannten Rolle, welche der Prinz von Preußen 1849 in Baden gespielt hat, ohne zwingenden Anlaß provozirte. In der Notiz über den englischen Ballotschwindel(Nr. 61) muß «s heißen:„es klingt das fast so, als ob die Brodgeber des Herrn Braß eine ähnlich«(nicht„rühmlich«") Heilmaßregel für Preußisch-Deutsch- laud im Schilde führten." Gewerkschaft der Holzarbeiter. Dem Mitglied Tischler Albert Spreyer aus Schwarzenberg m Sachsen, eingetreten am 1. Januar in Zwickau, ist das Quillungs- buch in Marburg abhanden gekommen. Dasselbe ist zuletzt in Weimar abgestempelt. Sollte Jemand versuchen, aus das Buch Reisegeld zu erhebe», so ist das Buch in Beschlag zu nehmen und an uns einzu- senden. Th. Yorck. Internationale Gewerkschaft der Schuhmacher. Auf die uns mehrfach zugegangene» Anzeigen und Mittheilun- gen über neugegründete Mitgliedschaften fragen wir wiederholt Herrn Gunreben in Nürnberg an, wie es nur kommt, daß in6 Wochen «s noch nicht möglich war, uns das sämmlliche Material nebst Bericht stnzusch icken. Wir fordern deshalb wiederholt auf, uns umgehend das Verlaugte zuzuschicken, damit endlich einmal Alles vom Verwaltüngsrath Ver- säumte und Vernachläjsigte nachgeholt wird. Wir können überhaupt nicht begreifen, wie es möglich ist, daß ein Verwaltungsrath, der die Seele des Ganzen sein soll, eine so kolossale Gleichgültigkeit und Saumseligkeit besitzen kann und so lange, trotz dreimaliger Aufforderung, nichts von sich hören läßt; fast möchte man glauben, es geschehe mir Borsatz. Leipzig. DerAufsichlsrath. A. Schäfer. M. Hertzsch. C. Müller. München, 2s. Juli. Mahnruf an alle Schuhmacher Deutschlands. Wenn man die heutzutage bestehenden Gesellschafts- zustände überblickt, so sollte mau glauben, es wäre überflüssig, so viele Aufforderungen zur Vereinigung an die Arbeiter ergehen zu lassen, und doch ist es nicht so. Man findet noch Arbeiter in allen Gewerk- schaffen, welche es noch nicht zu verspüren scheinen, in welch trau- riger Lage sie sich befinden und in welch schlimmere sie von Tag zu Tag durch ihre Lauheit und Trägheit gedrängt werden. Wohl spüren sie es, denn der Magen ist ihr unschweigsamer Mahner; aber es fällt ihnen ungemein schwer, einzusehen, zu lernen, wie dieser Fak- tor zufrieden zu stellen ist. Man hört sie wohl in Werkstätten und verschiedenen Winkeln klagen und jammern und nicht selten auch derb schimpfen über die Verhältnisse, die sie in dieses Sklavenjoch gezwängt haben. Aber daß sie zusammenstehen und über ihre Lage sich aufklä- reu und berathen sollte», daran denken sie nicht. Wir Münchener glaubten immer, daß wir in Süddeuischland gegen den Norddeutschen Arbeiter weil zurück sind. Aber als wir den Bericht über die allge- meine Schuhmacher-Versanrmlung in Leipzig lasen, da war es uns klar, daß die hierorts herrschende Flauheit auch anderswo anzutreffen ist. Unsere hiesigen Arbeiter haben doch schon zum Theil eingesehen, daß sie durch eine Vereinigung etwas erreichen können. Wenn auch sonst noch viel zu wünschen übrig bleibt, so können wir doch kon- statireir, daß unsere Vcrsamnrlungen, besonders nach dem Erfurter Kongreß, immer sehr stark besucht sind. Als unser Delegirter Rn pr echt Bericht erstattete über den Congreß, da war das Lokal vollgefüllt von Arbeitern. Die Verhandlungen des Kongresses, welche Rede er genau wie- bergab, und das Zustandekommen der Union, wurden mit großem Bei- fall aufgenommen. Auch das Referat des Herrn Scheil über die Union fand allgemeiileu Beifall. Eine zweite allgemeine Schuhmacher- Versammlung war wieder sehr zahlreich besucht. College» allerorts! Tretet alle in Vereinen zusammen und gehen wir vereint vorwärts! Es ist falsch, zu sagen:„Ja, wenn es gilt, dann bin ich schon dabei." Bedenket doch, daß ohne vorhergehende Vereinigung und Organisation nie etwas zu erreichen ist. Wetteifern wir in dem Kampfe gegen das Kapitaljoch, dann muß uns auch der Sieg sicher werden. Mögen diese Worte auch bei unfern Leipziger College» zünden. Mögen die Mühen und Anstrengungen einzelner ihrer Genossen, welche für das Gesammtwohl einsteheu und wirken, endlich einmal mit Erfolg ge- krönt sein. Mit sozial-demokratischem Gruß A. Dußmann. Hamburg, 30. Juli. Z u m C o n g r e ß. In Nr. 60. des„Volksstaat", gleichzeitig mii Verösseiitlichung des betreffenden Antrags, bricht dieRedak- lion in sausender Hast(?) pro ävmo eine Lanze und damit zugleich den Stab über den Hamburger Autrag, wonach alle Artikel, welche den Raum von mehr als 2000 Quadrat-Centimetern umfassen, zu ihrer Aufnahme in den„Volkstaai" der Genehmigung des Ausschusses bedürfen. Warum die Redaction solch' große Eile hatte,-) ist mir unverständlich; doch ich denke, der zu früh gefallene Schnee schmilzt leicht. Zunächst sei der Redaction bemerkt, daß der Antrag eigentlich gar nichts gegen sie selbst, sondern gegen die allzu langen Artikel im„VolkSstaat" gerichtet ist. DaS Prinzipielle, welches die Redaktion imputirt, nämlich den AnS- schnß zum unmittelbaren Censor des Parteiorgans zu erheben, ist in dem Antrage durchaus nicht(?) enthalten. Es soll durch denselben lediglich in Zukunft die Einförmigkeit beseitigt werden, wie solch« durch lange Artikel, welche zuweilen�) mehrere Wochen hindurch die Spalten des „Volksstaat" beanspruchtcii, erzeugt wird uno erzeugt werden muß, mögen diese Artikel noch so lehrreich und interessant sein.') Die Leser von Tages- und Wochenblättern vergessen den Anfang solcher mehr oder weniger wissenschaftlicher Artikel, bevor ste die Mitte geschweige das Ende derselben kennen�). Viele, sehr viele Leser bewahren sich auch bie betreffenden Nummern nicht auf und so kommt es denn, daß sie sich ipäter die Separatabdrücke der fragliche» Artikel kaufen, um letzter» alsdann im Zusammenhang und mit Muße zu sludiroC) Da sie also ohnehin doch den Artikel in Broschürensorm zur Lektüre erhallen, ja rascher als im Parteiblatt erhalten, indem er als Ganzes zur Aus- gäbe gelangt, so heißt es oft nur den Raum des„Volksstaat" unpro- duciiv füllen, besonders dann, wen» endlich die Gelegenheit da ist, Broschüren billig herzustellen und folglich in großer Auflage zu verkaufen. Und diese Gelegenheit ist endlich im Anzüge. Die Genossenschasts- buchdruckerei, für welche jetzt die Parteigenossen in die Tasche greifen müssen, gibt uns die Möglichkeit an die Hand, auf diesem Gebiete zu rcformiren. Es heißt von nun an: Lasset dem Verlagsbuchhandel, was des Buchhandels und der Colportage ist, und gebet dem„Volks- staat", was einer Zeitung zuträglich und zur Gewinnung neuer Abonnenten, ohne Schädigung unserer prinzipiellen Bestrebungen, förder- lich ist.') Der„Volksstact" ist keine Zeitschrift für Gelehrte, sondern für Arbeiter. Was der Gelehrte ruhig aiisammelt und dann immer als Ganzes vor sich hat, muß dem Arbeiter in einfacher Form, in Buch- form, vorgelegt werden. Die Zeitung, welche er liest, will er— wie jeder andere Zeitungsleser— intereffant gemacht haben, und hierzu gehört zunächst Vielseitigkeit, Abwechselung. Aber halt, die Redaktion des„Volksstaat" meint, einem Autor sei über die Größe seiner Artikel keine Vorschrift zu machen und erinnert mich dadurch lebhaft an einen Herrn Veit seli g aus Hamburg, welcher immer den Kopf voll großer Gedanken halte, aber diese nicht niederschreiben wollte, weil man sie doch nicht alle drucken würde oder— wegen des Staatsanwalts— drucken könnte. Warum sollte aber ein Autor sich nicht kurz fassen können? Die größten Schriftsteller haben es bei den wichtigsten Gegen- ständen gelhan, mögen ihnen die andern nachfolgen. So z. B. hätte F. Engels über die Wohnungsfrage gewiß noch viel mehr schreiben können; und dennoch hat er seinen Artikel kurz gefaßt, klar geschrieben, wohl aber hätte er ihn, wenn nöthig, noch kürzer zu fassen vermocht. Uebrigens warum noch mehr streiken? Es sollen die langen Artikel ja keineswegs definitiv aus dem„Volksstaal" verbannt, sondern nur der Controlle des Ausschusses unterstellt sein. Sieht der Ausschuß— und hierbei hat er ja auch das Urtheil der Redaktion vor sich— daß die Agitation ein momentanes Beeinträchtigen des„Bolksstaat"-Raumes durch' große Artikel nicht gestattet, so wird er letztern zurückweisen müssen. Ist ein großer Artikel aber überhaupt etwas werth, dann mag er unter die Broschüren gehen, denen wir jetzt eine gute Stätte durch die Genossenschaftsbuchdruckerei zu bereiten suchen. Dieses Ver- fahren ist kein schleppendes, vielmehr ein sehr einfaches und schnelles. Dazu brauchen wir nicht viel Geld für Porto, auch keine Eensurbe- Hörde am Redaltionsorte, von welcher überhaupt hierorts nicht die Rede ist, sondern wir brauchen Einheitlichkeit bei Abwägung derjenigen Fragen, welche den„Volksstaat" schon formell zu etwas anderm stempeln, als'was er ist oder sein sollte. Und daher scheint mir„der Hamburger Antrag der Annahme seitens des Congresses ziemlich sicher, selbst wenn dieser mit mir der Ansicht sein sollte," der„Valksftaat" werde nicht„schlecht redigirt." Möge der Congreß bedenken/daß schon Jacob Grimm im Frankfurter Parlament sagte:„vorbedacht und nachgethan, das ist der Deutsche Schlendrian!"8) Geib. ') Sehr einfach: Um die Diskussion über den Antrag anzuregen. s) Aber— nneigentlich. 3) Höchstens 3 mal innerhalb 3 Jähren hat der„Bolksstaat" die Aufmerksamkeit seiner Leser für Aufsätze, die„mehrere Wochen" hin- durch in„Fortsetzungen" erschienen, in Anspruch genommen; es waren dies: Bebels„Unsere Ziele", Engels'„Bauernkrieg" und„Zur Er- innerung an die deutschen Mordspatrioien". Wer etwas lernen will, läßt sich solche„Einförmigkeit" sehr gern gefallen. ') Mehr als„lehrreich und interessant" braucht ein Artikel über- Haupt nicht zu sein, um Berechtigung zum Abdruck zu haben. Und wenn er„intereffant" ist, hat der Leser jedenfalls nicht über„Ein- sörmizkeit" zu klagen, auch wenn die„Fortsetzungen" ein Dutzend ausmachen. s) An solchen Lesern ist überhaupt Hopfen und Malz verloren und für diese ist es besser, ihr Abonnementsgeld zu sparen; der„Volts- staat" rechnet auf fleißige Leser. 6) Das schadet gewiß nichts. Uebrigens wollen wir, da uns von Hamburg aus schon manchmal der Berliner„Sozialdemokrat" als Muster von Redaktionskunst entgegengehalten wurde, wenigstens daran erinnern, daß dieser oft monatelang hintereinander Lassalleäche Broschüren statt des„Feuilleton" abgedruckt und zur theilweisen Veröffentlichung der „Lucinde" wohl länger als ein Jahr gebraucht hat. ') Der Verfasser übersieht vollständig, daß wir gar nicht im Stande wären, die Broschüren so billig zu liesern, wenn wie nicht den Satz des„Volksstaat" für dieselben gratis verwenden könnten. 8) Wir wollen zum Schluß, indem wir noch einmal auf unsere Bemerkungen in Nr. 61 verweisen, daran erinnern, daß die Annahme des Antrages gar keine praktischen Folgen haben würde, wenn die Redaktion es versteht, das Censurgebot zu umgehen, indem sie längere Aufsätze in mehrere Theile zerschneidet und jedem eine besondere Ueberschrift giebt. R. d. V. Hamburg. Ueber den am 29. Juli im hiesigen sozialdemokra- tischem Arbeiterverein gehaltenen Bortrag Gtibs über die Frage:„In wie fern nützen die StrikeS den Arbeitern und der Ge- werkschaftsbewegnng" berichtet die„Hamburger Börsenhalle" vom 2. August:„Der Bortragendc führte aus, daß seit Verfall der Zünfte die Arbeit ohne Schutz und Organisation sei; die alte Organisation habe fallen müssen, da sie in der industriellen Gesellschaft nicht mehr genügte. Das System der Lohnarbeit, das zugleich der Urquell der kapitalistischen Produktion sei und in einem Zeitraum von 500 Iah- ren sich zu seiner Blüthe entwickelt habe, müsse als die Schaff�rin der Strikes bezeichnet werden. Dieses System habe den Arbeitsertrag in nothwendige Arbeit zur Erhaltung des Arbeiters und in Mehrarbeit welche i» der Grundrente, dem Capitalzins und Unternehmergewmu sich ablagert, getheilt. Es habe zwar anscheinend die Freiheit des In- dividuums gesichert, aber die Freiheit sei durch die Uebennacht des Capitals illusorisch geworden. Aus dem Lohnsystem ergebe sich das sogenannte ökonomische Lohngesey, wonach der Arbeitslohn durch die gewohnheitsmäßig zur Fristung des Lebens und zur Fortpflanzung erforderlichen Bedürfnisse bestimmt werde. Aus dem Worte„gewohn- heitsmäßig" ergebe sich, daß das Lohngesetz in seiner Wirkung abge- schwächt werden könne; eine bessere Lebenshaltung der Arbeiter bedinge höheren Lohn u»d kürzere Arbeitszeit. Damit vermindere sich das Ri siko der Arbeit, welches in kurzer Lebensdauer zufolge schlechter Arbeits- räume und langer Arbeitszeit, sowie auch in der durch planlose Ueber- Produktion erzeugten Arbeitslosigkeit liege. Die bessere Lebenshaltung für die Arbeiter zu erzielen, sei Aufgabe der Strikes; sie seien die erste Handlung der Arbeiter, dem System der freien, schrankenlosen Concui- renz, welches mit dem System der Lohnarbeit parallel laufe, entgegen- zutreten. Redner erörtert nun das Wesen dieser Toncurrenz und belegt dessen Verwerflichkeit mit vielen Beispielen. Di« Vorbedingung zur soimellen Gleichstellung der Arbeiter mit dem Capitalisten in dem Kampf nm's Dasein, die Coalitionsfreiheit, habe man so lange den Arbeitern vorenthaleen und auch jetzt noch seien Dienstboten und Ma- trosen davon ausgeschlossen. Es sei erklärlich, daß die Jahrzehnte lang gedrückten Arbeiter nunmehr durch das erste Mittel, welches ihnen an die Hand gegeben wird, durch Strikes, ihre Lage zu ver- bessern strebten. Sie hätten zu schwer die seitherigen Entbehrungen und Bedrückungen empfunden, als daß sie sich erst in Ruhe zu organisiren und dann meistens siegreich aui den Strikes hervorzugehen vermocht hätten. Allein keine Frucht falle sofort reis vom Baume. Die Besser- stellung der Arbeiter, welche in den letzten fünf Jahren in Deutschland fast allenthalben erreicht worden, sei ein Beweis, daß die Strikes einen nicht zu unterschätzenden Werth besäßen. Ohne dieselben würde heute die zehnstündige Arbeilszeit in vielen Fabriken und Werkstätten noch nicht eingeführt, auch der Lohn ein niedrigerer sein. Man iverse den Arbeitern vor, durch ihre StrikeS die Erhöhung der Waarenpreise zu beschleunigen, suche also die wirkliche Ursache der Preissteigerungen zu vertuschen. Letztere sei durch die wachsende Entwerthung des Geldes, theils durch starke Gold- und Silberzufuhr, theils durch Ueberfluthung des Marktes mit ungedecktem Papiergeld veranlaßt, sowie auch indem Anwachsen des ReichlhumS überhaupt begründet. Wie schon in der Arbeitszeitkürzung, für welche nicht rechnende Humanisten eintreten, bei altem Lohne eine Lohnerhöhung liege, so liege in der durch die Strikes angeregten Arbeiterbewegung, sei es in lokalen Fachvereinen, sei es in internationalen Gewerkschaften, eine Verbesserung der Arbeiter- Verhältnisse, weil dadurch eine Regelung des Gesetzes von Angebot und Nachsrage auf dem Arbeitsmarkte begonnen werde. Durch die Strikes würde» die Arbeiter auf die Nothwendigkeit ihrer Organisirung aus- merksam gemacht und dadurch besähigt, die im Slrike oder in der Organisation durch Kampf oder friedliche Einigung erreichten Vortheile sich zu wahren. Die Arbeiterbewegung müsse sich äußern können; ihr erstes Wort spreche sie in der Praris durch die Strikes, dadurch koinme sie in großen Massen zur Organisation und endlich zu den Produktiv- genossenschaftm. Was schon durch die Strikebewegung erreicht sei und in steigendem Maaße erreicht werde, je mehr sie aus dem unorganisirten Auftreten herauskomme, das sei für die Arbeiter eine Arbeitserleichterung durch Kürzung der Arbeitszeit und damit die Möglichkeit rascheren sittlichen Fortschritts; ferner Verminderung der Concurrenz der Arbeit gegen Arbeit und des Capitals gegen die Arbeit durch Kürzung der Ärbeitszeilszeit, durch Lohnerhöhung und durch Organisation der Fach- gewerle. Hierher sind auch zu zählen die Beschränkung der Kinder- arbeit in den Fabriken und die Anbahnung der Beschränkung der Frauenarbeit in denselben Etablissements. Endlich aber sei durch diese Vorgänge auf sozial-Lkonomischem Gebiete eine Verschärfung der Concurrenz des Capitals gegen das Capital erreicht worden. Aller- dingS werde in diesem Kampfe das kleine Capital von dem großen verschlungen, das Kleingewerbe schließlich verschwinden und somit die Entscheidung zwischen dem System genossenschaftlicher Arbeit, wie(es der Sozialismus anstrebe, und dem System der Lohnarbeit vereinfacht. — Nach dem Vortrage entspann sich eine lebhafte Debatte, die jedoch nicht zu Ende geführt, sondern wegen der späten Stunde vertagt wurde." Mainz. Ueber die Zustände im Ruhrthale sind mir von einem befreundeten Fachmanne verschiedene Mittheilungen gemacht worden, die wegen ihrer Beziehungen zu dem Essener Strike der Ver- össentlichuiig wohl werlh sind. So haben, als sich die Kohlennotb im Ruhrthale bemerkbar machte, die königlichen Gruben an der Saar terra Krupp so viel Waggons zur Verfügung gestellt als er brauchte. ur Vorsorge hatte Herr Krupp in Duisburg, Ruhrort und Mühlheim außerdem ca. 300,000 Ctr. Kohle ausgekauft. Der Preis der Kohle, der vor dem Strike 14 Thlr. betrug, war auf 30, 34, 36, 59 und 60 Thlr. pro 100 Ctr. gestiegen, und selbst zu diesem Preise war solche kaum zu habe». Es trat auch der abnorme Fall ein, daß die Kohlenpreise im Ruhrthale in Folge der plötzlichen Lokalnachfragc weit höher zu stehen kamen als z. B. in Rotterdam. Natürlich wurden auch am letzteren Orte Licserungsverträge von Seiten KruppS abgeschlossen. Auch englische Kohle, und zwar 10,000 Ctr. zum Preise von 49—50 Thlr. per 100 Ctr., bezog Krupp eine Zeit lang.— Man sagt, daß eine große Anzahl Fabrikanten der hohen Kohlenpreise wegen im August einen Fabrikantenstrike in Scene setzen wollen, um vi« Preise wieder herunter zu bringen.— Ueber den Betrieb der Gruben theilt mir mein Gewährsmann mit, daß grade der Kern unter den Bergleuten, ungefähr t/ai entweder an der Ruhr feldarbeitet oder in seine Heimath nach Baiern, Kurhessen, Nassau w zurückgekehrt ist, und daß in Folge dessen kaum ein Drittel der Gruben und dieses auch nur von Kindern und Greisen nothdürftig im Betriebe erhalten werde. (Diese letzteren unserem Mainzer Korrespondent zugegangenen Privat- mittheilungen stimmen allerdings nicht überein mit den neuesten Zeitungsnachrichten, nach denen der Essener Strike vollständig er- loschen ist.) Breslau. Am 29. Juli c. fand, von Mitgliedern der sozial-de- mokratischen Arbeiterpartei einberufen, im großen Springer'schen (Weiß'schen) Sgalc eine) Volksversammlung statt, die von 1200—1500 Personen besucht war. Das Bureau wurde mit Mitglie- der» der genannten Partei(Reißer, Oehme, Schmidt) besetzt. In der auf den Vortrag des Herrn Geiser„über Arbeilseinstellungen und die Wohnungsnoth" folgenden Diskusston wurde der Antrag besprochen, die städtischen Behörden zur Abhilfe gegen die Wohnungsnoth aufzu- fordern. Alle Redner befürworteten den Antrag als das einzige Mittel, um die Massen von der Aussichtslosigkeit der Erwartung, soziale Miß- stände durch die Behörden beseitigt zu sehen, zu überzeugen, und in diesem Sinne wurde sodann eine Commission mit der Abfassung eine» Mtmorondum über die WohnungZnoth an die BreZlauer Stadtbe- hördcn beauftragt. Den Rednern der Hirsch-Duncker'schen Gewerkver- eine mußte wegen ihres provozirenden Auftretens und auf Wunsch der Versammlung mehrere Male das Wort entzogen worden Breslau, l- August. In Folge der Einführung des neuen Polizeireglements hat heute einallgemeinerStrite der hiesigen Droschkenbefitzer begonnen. Berlin. In einer am Dienstag den 30. Juli abgehaltenen Ge- n eralversammlung silmmtlicher Tischlergesellen wurde be- schlössen, für dieses Jahr eine Lohnerhöhung von 16�/,°� zu fordern. Die Forderung soll am Z.August den Meistern vorgelegt werden und wird deren Antwort das weitere Verhalten bestimmen. Regensburg. den 22. Juli. Gestern feierte die hiesige sozial- demokratische Arbeiterpartei in den weiten Räumen des„schwarzen Lamms" einArbeiterfest. Aus der Mitte de« großen Gartens ragte ein 52 Fuß hoher„b lutroiher"(wie die Gegner immer sagen) Mast empor, an dem eine l8 Fuß lange und verhaltnißmäßig breite rothe Fahne, schwer und majestätisch, von der Sonnengluth transparent durchleuchtet, in den Lüften weithin sichtbar, spielte. E« war das erste Mal, daß in dem finstern RegenSburg unsere Parteifarbe so öfsentlich flatterte zur Freude unserer treuen Parteiangehörigen; die Feigen unter uns und unsere Gegner litten freilich bedeutend an moralischen Bauchschmerzen. Für Lassalles Büste war eine pi ächtige Laube decorirt und be- fand sich dieselbe— ein schöner Aublick— in einem wahren Blumen- garten. Den Tag begünstigte das herrlichste Wetter und wechselten Musik- piecen mit Reden und Declamatione», sowie Absingen von anseuern den Arbeiterliedern. Als der Abend hereinbrach, entsendeten hunderte von beleuchteten bunten Ballons ihr trauliches Licht und als es Nacht wurde, unter- hielt die Menge ein schönes Feuerwerk, welches in mächtigen Feuer- garben gleich dem menschlichen Geist die Sterne zu erreichen strebte. Um 9 Uhr begann der Ball in dem mit den Namensschildern unserer hervorragenden Parteigenossen, grünen Gewinden, Fahnen K. reich decorirten Saale, welcher die frohen Paare bis nach Mitternacht fesselte. DaS Fest verlief in schönster Ordnung, und wurde nichts gelas kert und nichts geaufseßt zum großen Leide unserer Gegner. Wohl aber staunen jetzt dieselben, wie es möglich ist, daß die Proletarier Feste abzuhalten verstehen, wie kaum die Bourgeoisie sie schöner und reichhaltiger bietet. Vorwärts mit vereinter Kraft! Gelle. Von dort erhält die Redaktion d. Bl. einen Mahnruf, für die Einigkeit der Sozialdemokraten zu wirken, der mit den Worten schließt:„In der Hoffnung, daß Sie es endlich einmal ernstlich mit der Einigung nehmen" u. s. w. Die Redaktion glaubt diesen Vorwurf nicht verdient zu haben und verweist dieserhalb den Einsender aus sämmtliche drei Jahrgänge dieses Blattes, worin sich der erschöpfende Beweis vorfindet, daß wir die Führer des Allgemeioen deutschen Ar- beitervereins niemals frivol angegrissen haben. Der Einsender des fraglichen Mahnrufs scheint die Geschichte unserer Partei noch nicht zu kenn n. wenn er schreibt:„Bieten Sie nur die Hand zur Einigung und Ihre Partei zieht bestimmt nicht den Kürzeren, sondern die, welche das Anerbieten zurückweist— wenn man dies überhaupt wa- gen sollte." Siehe dagegen Korrespondenz Stuttgart in voriger Rummet d. Bl. Leipzig. Die in Nr. 61 d. Bl. angekündigte und von den Vor- ständen der hiesigen Gewerbsgehilfen-Krankenkassen einbe- rufene Versammlung fand am Donnerstag, den I.August, im Pantheon statt und war sehr zahlreich besucht. Die Einberuser legten der Ver- sammlun g nachstehende zwei Anträge an den Rath vor:„1) die Verordnung, die Erhöhung der Verpflegungsgelder für im städtischen Krankenhau, e verpflegte Mitglieder der GewerbSgehilsen-Krankenkasftn detressend, aufzuheben und es bei den bisherigen Sätzen bewenden zu lassen; 2) die Einschreibegebühren für im städtischen Krankenhaus- Verpflegte überhaupt in Wegfall zu bringen" Motivirt wurden diese Anträge nach den„Leipziger Nachrichten" ungefähr in folgendem Sinne: „Das Krankenhaus sei im Jnteresse des Staates und der Gememde und dazu da, zu verhindern, daß sich Krankheitsheerde bildm, indem es den Meinstehenden Ausnahme gewährt; das Krankenhaus diene vorzugsweise wissenschaftlichen Zwecken, und seien eS die Gewerbsgehtlsen, welche durch ihre mannigfachen Beruss-Krankheilen zur Ausbildung der A.-rzte und dadurch zum Ansehen der Univerfität aus dem Gebiete der Medicin wesentlich beitragen. Di« Krankenkassen treten für ihre Mitglieder der Verwaltung gegenüber ein, so daß sich letztere nicht um die Personen kümmert, dadurch die Verwaltung vereinfacht und das Krankenhaus vor Verlusten schützt, welche im andern Falle nicht aust leiben würden, da die Aufnahme ins Hospital gesetzlich auch dann nicht verweigert werden kann, wenn dem Kranken die Subsistenzmittlel fehlen. Durch die letzten Kriege sei den Kassen eine große Anzahl von Patienten erwachsen, um welche sich der Staat, welcher eigentlich die Verpflichtung hierzu habe, nicht bekümmere, da meistens erst nach dem Zurückkehren zum bürgerlichen Berus die Folgen der ausgestandenen Kriegsstrapazen sich zeigen. Zu diesen indirekten Beiträgen zur Erhaltung des Krankenhauses komme noch, daß die sog. flottirende Bevölkerung seit einigen Jahren zur Communalabgabe in bedeutender Hohe heran- gezogen sei, folglich zu Allem, was Leipzig durch seine öffentlichen Anstalten, durch seine Gastfreundschaft u. s. w. nach Außen einen gute» Ruf verschaffe, mit beitragen müsse, also auch zur Erhaltung des Krankenhauses als Musteranstalt. Trotzdem der Gewerbsgehilse(chon durch seinen Eintritt ins Krankenhaus dem Staate, der Gemeinde und der Wissenschaft diene und durch die städtischen Abgaben zur Erhal- tung dei Krankenhauses im Allgemeinen mit beitrage, soll er auch noch ein Eintrittsgeld bezahlen, welches theilweise zur Zahlung von Tan- tiömen für Beamte verwendet wird; ein praktischer Nutzen sei hierbei nicht einzusehen." Es entspann sich nunmehr eine«ingehende und lebhafte Debatte darüber, ob nach Ablehnung des von Seiten der Krankeukassenvorstanoe eingereichten ersten Gesuches nochmals an den Rath gesuchsweise zu gehen sei. War man nun einerseits der Ansicht, daß erst alle Mittel und Wege der Unterhandlung erschöpft sein müßten, bevor es rathsam sei, mit Energie vorzugehen, so meinte man dagegen von anderer Seite, änderung der heutigen Produktionsweise in genossenschaftliche Arbeit erreicht werden kann, dies jedoch zur Zeit noch nicht durchführbar ist, so empfiehlt ver allgemeine Schneideriag, vorläufig mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß für die noch bestehenden Werkstätten die Grup- penarbeit eingeführt, und dadurch die Aufhebung der Haus- und Stück- arbeit angebahnt werde." Zu Punkt 3 der Tagesordnung kam man überein, zu erklären:„Der Schneiderlag hält es für Pflicht aller Ge- fchäftskcllegen, für die Eningung eines durch Gesetz festgestellten Nor- malarbeitstags von 10 Stundtii, und zwar mit Einschluß der Früh- stücks-, Mittags- und Vesperzeit, von 7 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends dauernd, und mit Ausschluß der Sonntagsarbeit, thalkräftig einzu- treten."— Zum vierten Gegenstande der Tagesordnung einigte man sich dahin:„Der allgemeine deutsche Schneidertag zu Leipzig beschließt, eine allgemeine Gewerkschaft derSchneider inDeutschland zu gründen; zu diesem Behufe ernennt er Leipzig auf ein Jahr zum Bot ort, wählt ein Comite auS sieben Fachgeiwssen, welchem die Aufgabe obliegt, auf der Basis der vom Schneidertage angenommenen Grundzüge ein Statut zu entwerfen, dasselbe sämmtlichen Schneider- vereinen zur Abstimmung vorzulegen und nach Annahme desselben zur Constituirung der Gewerkschaft zu schreiten."- Die Militärarbeit anlangend,„beschließt der Schneiderlag, daß sämmtliche College» mit allen gesetzlichen Mitteln dahin wirken, daß die Militär-Oekonomie- Handwerksftätten abgeschafft und die Militär-Schneiderarbeit in Zukunft von Eivilhandwerkern angefertigt wird. Mir Artikel 4der preuß. Virfassung, welcher bestimmt, daß jeder Preuße vor dem Gesetze gleich sei, ist es unvereinbar, daß Personen, welche ihrer Körperconstilution nach nicht zum Militärdienste fllhig sind, doch dazu herangezogen werden, weil sie Schneider, Schuhmacher oder Sattler sind. Auch hält es der Schneidertag für eine berechtigte Forderung, daß in den Zuchthäusern keine Schneiderarbeit mehr angefertigt wird, weil der unbescholtene Arbeiter damit zu konkurriren völlig außer Stande ist." Dagegen wurde eine Resolution von Janfon(Berlin), welche sich für die Er- richtung von Einigungämteru und Schiedsgerichten aussprach, mit allen gegen 3 Stimmen verworfen.— Nach Beschluß des Schneider- tages werden alle Publikationen durch den„Volksstaat",„Neuen So- zialdemokrat" und„Gewerkverein" erfolgen.—' Schließlich haben wir noch zu berichtigen, daß der Delegirte für Magdeburg nicht Jahn heißt, wie in voriger Nummer gesagt wurde, sondern John. Leipzig. D,e Arbeitseinstellung der Hutmacher, welche im Januar d. I. in allen arbeiterfreundlichen Blättern bekannt gegeben wurde, hat nun in sofern ihr Ende erreicht, als augenblick- lich nur noch vier Hutmacher in Folge desien arbeitslos sinv. Wir fühlen uns demnach verpflichtet, den Freunden unter den anderen Ge- werden, welche uns während dieser bedrängten Zeit unterstützt haben, unseren innigsten Dank hierdurch auszusprechen. Unterstützungen sind eingegangen: aus Lahr durch Herrn Bermel 3 fl., au« Mainz durch Herrn Heinrich Becker 4 fl., durch Herrn Rochnitz 7 fl. 14 kr. Das Resultat der 6 Monate währenden Arbeitseinstellung ist ein für die Hutmacher durchaus günstiges,— wenn auch nicht an allen Orten, wo Dieselbe zu gleicher Zeit stattfinden mußte, das gänzliche Durch- greifen der am 23. Januar 1871 gefaßten Beschlüsse zu verzeichnen ist. Gleichzeitig können wir im Jnteresse sämmrlichec Arbeiter nicht unterlassen, eine Wahrnehmung, welche wir durch den Sinke gemacht haben, bekannt zugeben, nämlich: daß an Orten, wo mehrere Fabriken bestehen, wir bedeutend leichter durchgedrungen sind, obwohl wir auch in einzeln stehenden Fabriken unser Ziel erreicht haben. Unser Ziel, wie es schon im Januar d. I. in den arbeiterfreund- lichen Blättern bekannt gegeben wurde, war: den durch die beregte Arbeilseinstellung resp. Ausschluß sehr in Frage gestellten Central- Verein der Hutmacher zu behaupten und zu befestigen,— was auch vollständig gelungen ist, da der Verein heute ca. 2000 Mitglie- der, deren Zahl sich täglich noch mehrt, mit sehr geregeltem Kasten- und Uaterstützungswesen, auszuweisen hat. Nun noch zurückkommend auf den so schwierigen Beginn dieser Arbeitseinstellung,(28. Dezember 1871) haben wir zu bemerken, daß 437 Hutmacher an 15 verschiedenen Orten Deutschlands zu gleicher Zeit die Arbeit niederlegen mußten, um sich nicht willenlos den be- tresienden Fabrikanten zu fügen, und daß ein großer Theil 5— sage fünf— Monate lang demzufolge außer Arbeit war. Selbstverständ- lich wurde hierzu eine bedeutende Summe zur Unterstützung»oth- wendig. Laut Quittungen des„Corrcspondent')"(Organ der Hutmacher) wurde» an Unterstützungen bis jetzt verausgabt beinahe 13,000 fl. (7000 Thlr.). (Um Aufnahme in alle arbeiterfteundlichen Blätter wird gebeten.) 3. W. daß, da bei der heutigen Zusammensetzung der städtischen BeHorden die Redresiirung der einmal beschlossenen Mehrbcsteuerung nicht zu erwarten sei, es um so mehr die Ebre gebiete, den diskretionären Weg der Un- terbandlung zu verlassen und mit der ganzen Angelegenheit vor dre Oeffentlichleit zu treten. Die Versammelten beschlossen denn auch»n diesem Sinne und betrauten eine Kommission von drei Mitglredern, mit Zugrundelegung der in der Vorlage enthaltenen Motive«nen offenen Brief an den Stadtrath zu richten. Leipzig. Der allgemeine deutsche Schneidertag, über dessen Eröffnung in Nr. 59 des Bl. berichtet wurde, ver- handelte am 21., 22. und 23. Juli über folgende zur Tagesordnung gestellte Gegenstände: 1)„UnscreStellung gegenüber der Meisterkoaluron". 2)„Das ConsectionSwesen und dessen schädlicher Einfluß auf unser Geschäft." 3)„Der Normalarbeitstag." 4)„Die Organisation."— Zu Punkt 1 der Tagesordnung wurde nach längerer Debatte folgende von Baudisch(Wien) eingebrachte Resolution einstimmig angenom- men:„In Erwäguug, daß die angeregte Meisterkonserenz für die Stellung der Arbeiter keinen schädlichen Einfluß ausüben kann, weil die angedrohte Maßregelung nur eine festere Organisation der Arbeiter zur Folge haben muß, erklärt der am 21., 22. und 23. Juli zu Leipzig abgebalfen- Schneidertag: Beschlüsse, welche vom Meister-Congreß in Berlin gefaßt werden, sind für die Arbeiter höchst gleichgiltig und sie werden höchstens ein innigere« Zusammenhalten der Schneiderarbeiter zur Folge tzabrn"— Der zweite Gegenstand der Tagesordnung wurde erledigt durch Annahme nachstehender von Bau man!»(Nürnberg) und Kühn (Bremen) eingebrachten Resolution:„Da da« Coufectionsunwesen') unserer vollen Ueberzeugung nach die besseren Geschäft- sowie dre Ar- beiter selbst ruinirt, auch vereinzelte Strikes dagegen kein genügendes Mittel sind, sondern die Beseitigung dieser Uebelslaude nur durch Um- «)Wir hätten gewünscht: der Schneidertag hätte statt dieses Aus- drucks„Consektionswesen" gesagt. Dasselbe ist an sich rem,.Unwesen", sondern nur in der heutigen Produktionsweise ein Unterdruckungsimttel gegen die Arbeiter. Wenn die Schneider im sozialistischen Staat or- gänisirt sein werden, dann werden sie durch Assoziation das„Consek- lionSwesen" in noch ausgedehnterem Maße betreiben müssen, alS die heutigen Großhändler. Der Großbetrieb wird aber kein„Unwesen", sondern eine Kulturfortschritt sein. Red. d. VolkSst. A« die Parieigenossen. Wir bringen nochmals in Erinnerung, baß alle Beschwerden über nicht prompte Ausführung aufgegebener Bestellungen von Seiten der Erpedition sofort an Unterzeichneten einzusenden sind. Die Verwaltungskouimission. Leipzig. I. A.: Hadlich, Ritterstr. 43, II. Einige Pharisäer unter den hiesigen Parteigeuossen streuen die böswillige Verläumdung aus,„ich sei vom Parteiausfchusse bezahlt, sonst würde ich mir nicht so viele Mühe um die Arbeiter geben" und finden, wie in solchen Fällen fast immer, auch leichtgläubige Ohren. Ich ersuche nun sowohl den jetzigen, als den früheren(Braun- schweizer) Ausschuß, rm.�Volksstaar" gefälligst sogleich verösfent- lichen zu wollen, ob ich jemals von der Partei etwas bezogen habe, oder beziehen wollte. Ferner bitte ich die Parteigenossen Porck und Bennecke, dem hie- sigen Fachverein der Tischler Quittung über alle von ihnen entrich- teten Parteisteuern zu ertheilen, denn diese Leute sind in ihrem Miß- trauen rein incurabel. Vorstehende beide Punkte find zur Rechtfertigung meiner Ehre dringend nöthig, und bezweifle ich nicht, daß die verehrlichen Partei- ginosien dies mein Ansuchen realisiren werden. Regensburg, 2. August. Der Vertrauensmann: Wilhelm Hock. Urteskastcn der Expedition: Schüfer, Marlirch 25 Gr. f. Abonn. H. Qu.; Schimmels, Mannheim das Porto beträgt 2 Thlr. 25 Gr.; Blasch, Mittellangau 16 Gr.; Kettel, Weimar f. Schriften 2 Thlr.; Schimmels in Mannheim f. Porto 1 Thlr.; Zock», Hannover f. Abonn. II. Qu. 20 Thlr.; Haase, Breslau f. Abonn. II. Qu. 12 Thlr. 24 Gr.; Schettler, Berlin f. V. St. pro Juli i'k Gr.; v. Fischer, Spandau s. Annonce Ib1!* Gr.; Franz Ott, Paris: H. R. bezieht 4 Expl. Geld nicht erhalten; das Expl. kostet 1 Thlr. 8 Gr.; Buchbinderoerein, Leipzig f. Annoncen 10 Gr.; Kiekenapp, Fulda, f. Schriften 12 Gr.; Pelerseu, Heide f. Annoncen 13 Gr.; Schisfmacher, Mühlhausen f. Schriften 1 Thlr. 9 Gr.; Gladewitz, Bernau: Ihren Wunsch zu er- füllen, sind wir nicht im Stande; der Redaktion: W. Feld in Burgstein. Wenden Sie sich an den ersten Vorsitzenden des Weber-, Wirker- und Manufaktnrarbeiler- bundeS, Hr. Franz in Glauchau. Heidelberg, Dresden: Maurerund Klempner, P. W. Stuttgart, Bennecke Hamburg: rn nächster Nr. Für politisch Gemahregelte. Von W. R. hier 8>, Ngr.; von l)r. erugclmann auS Hannover 10 Thlr.; von Pet. in Heide 1 Thlr. 17 Ngr._____ Volks-Verein Glauchau. Einladung zum Stiftungsfest. Die Parteigenossen von Nah und Fern werden hierdurch freund- lichst eingeladen, an unserem Stiftungsfest, welches am II. August von Nachm. 3 Uhr an im Saale des Theaterlokals stattfinden wird, sich recht zahlreich zu betheilige». Programm: In�truiuental-t-'viieert. Festrede, von Herrn Kwasniewski und event. Herrn Motteller aus Crimmitschau. Abends: Ball, Illumination, Fenerwerk u. s. w. (2) 1 Das Fest-Komitee. Für Altona. Sozial-demokratischer Äröeiterverein. Donnerstag, den 8. August, Abends 9 Uhr Ver�aininlunK im Lokal bei Herrn Ekle?, Norderupraße Nr. 37. Tagesordnung: Die Entwicklung des Sozialismus der letzten 20 Jahre, Ref.: Herr August G«b. Gäste haben Zutritt. Das Erscheineu der Mtgluder ist unbe- dingte Nothwendigkeit._ Der Vorstand. Für Spandau. Sozial-demokratische Aröeiterpartei. Versammlung jeden Montag Abends 8'/« Uhr im großen Saale des Odeums. Pünktliches Erscheinen der Parteigenossen ist Pflicht. W. Fischer, Vertrauensmann. Für Breslau. Sozial-demokratische Ärbeiterpartri. Montag, den 12. d. M.. Abends 8 Uhr im Saale des lUttck«?," Lehmdamm Nr. 10. Tagesordnung: Der Mainzer Congreß. a) Berathung der Anträge. b) Wahl eines Delegirten. Die Mitglieder werden aufgefordert, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Gäste haben Zutritt._ H. Oehme. Frankfurt a M. Die Parteigenossen versammeln sich jeden Samstag, Abends 9 Uhr im Gasthau zur Stadt Kreuznach, Domlnikanergasfe Nr. 10. NB. Im Gastzimmer liegt der„Volksstaat" aus._ Für Augsburg. Sozial-demokratische Arbeiterpartei. Samstag, den 10. August, Abends 8 Uhr Mitgliederversammlung im Ncbenlokalc des H. Zündet, vormals Erdmannsdorfer, am mittleren Lech. Tagesordnung: Sozial-politischer Monatsbericht. Parteikongreß. Nur Mitglieder haben Zutritt. I A.: _ G. Srollb erg. Für Hannover. Arbeiterpartei. Sonnabend, d. 10. August, Abcnbs Uhr im Lokale des Herrn Bartling, Knochenhauerstr. 59. Heschl'oisene Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1) Sozialpolitischer Wochenbericht Referent Wuttke, 2) Antrage zum Partcikongreß, 3) Wahl eineS Delegirten. Die Parteigenossen werdrn aufgefordert, ohne Ausnahme zu er- scheinen. Die Mitgliedskarten find vorzuzeigen. Der BertrauenSmann. Ehlingen. Nächsten Sonntag Abend: Zusammenkunst bei H. Thoma, Falkenwirth.___ Sektion der Tischler und Pianofortearbeiter. Sonnabend, d. 10. August: Bersammlung bei Götz, Nikolai- straße 51. Um zahlreiches Erscheinen bittet der Borstand. Für Leipzigs Buclibinderverein. Sonnabend, den 10. August, Abends 8 Uhr Generalversammlung in der Thiem'scheu Brauerei, Tauchaerstraße Tagesordnung: Casseubericht, Ersatzwahl, Statutenrevision, Allgemeines. Das Elscheiuen aller Mildlieder ist dringend nothwendig. Mitgliedskarten sind mitzubringen.__ D. B *) Wäre es nicht rachsam, daß die Hutmacher den Namen ihres (erst vor cinigen Monaten gegründeten) Organs änderten, in Anbe- lracht, daß das seit Jahren destehende Organ des Buchdruckcrver- bands schon den Namen Corres poudent führt. R. d. V. Für Leipzig. Sozial-demokratischer Arbeiterverein. Freitag, den 9. August, im Leipziger Salon. Tagesordnung: Die Fabrikordnung. Referent Heidemann. Sozial- politischer Wochenbericht. Referent Hadlich.___ D er Vorstand. Für Feipzigs. Sozial-demokratischer Arbeiterverein Donnerstag, den 8. August 1872, Abends 8 Uhr, im Leipziger Saal gefchloffene Mitgliederversammlung. Tagesordnuug. 1. Wahl eines Schriftführers. 2. Rechenschaftsbericht des Kassi- rers. 3. Besprechung wichtiger Vereinsangelegenheiten. Die Mitglieder werden auf die Pflicht des Erscheinens besonders aufmerksam gemacht. Ohne Mitglredskarte hat Niemand ZutritU_ Der Borstand. Für Leipzig. «cwertfchaft der Holzarbeiter. Versammlung der Festlomitee-Milglieder Donnerstag, den 8. August, Abends 8 Uhr, in der Restauration von Uaiser, Dresdr.erstraße, vis-ä-vis der Jnselstraße. __ O. St. Der„Deserteur", dramatisches Zeitgemälde, welches früher mehrfach begehrt wurde, ist jetzt für 6 Ngr. durch mich zu beziehen. Leipzig.«.«.Seifert, _ Windmühlenstr. 23. Soeben ist im Verlage der Expedition des Volksstaat erschienen: Die vierte Lieferung des Leipziger Hoch- verrathsprozeffes bearbeitet von den Angellagten. Ladenpreis der Lieferung 4 Ngr., durch die Expedition deS„Volks- staals" bezogen 21k Ngr. Au die Leser des„Volksstaat". Von der unterzeichneten«rpedttion werden nachstehende «remplare des„Voltsftaat" zu kaufen gesucht: Rr, 1. i«ud 8. 1870.«r. 1, S. 17. 30, 40, 48, 49, 50 und 60. 1871. Nr 1, 32. 23, 27, 29, 30, 34. 38, 40. 44, 45, 47, 49, 55 und 71. Tie Zusendungen werden per Kreuzband mit der vemer- kung der Adresse deS Absenders darauf erbeten und der Betrag sammt Portorückvergntung sofort übermittelt. _ Die«rpedttion de»„Polkftaat". Die Filialexpeditioueu werden ersucht, alle üvrigen«remplare von obenbezeichneteu Nunimern des Jahrganges 1871 eiazusenden gegen Porto- rückVera ütuna- Die«rpedttion de»„BolkSftaat". Leipzig: Verantw. Redakteur A. Muth; Redaktion u. Expedition Hohestr. 4; Druck und Verlag v. F. Thiele. Hierzu eine Betlage. Beilage pie angeblichen sozialen Kheorie« und die wirklichen politische« ZZestreöungen des Kerr« Aaknnin. Borwort. Auf Seite Ii seiner Schrift„ITCmpire Knouto-Ger- manique et la Revolution Sociale*)" empfiehlt Herr Ba- kunin der Demokratie die Tugend des Mißtrauens,„weil die Demokratie zu allen Zeiten das Opfer und der Geprellte aller ehrgeizigen und intriguanten Klassen und Individuen gewesen ist, die sie unter dem Vorwandc, sie zu leiten und zum sicheren Hafen zu führen, abscheulich ausgebeutet und betrogen haben/' „Ach", klagt Herr Bakunin auf Seite 53 derselben Schrift, „man wird immer nur durch seine eigenen Leute verrathen. Die Revolution hatte 1848 wie 1793 ihre eigenen Vertreter zum Hemmschuh!" Herr Bakunin soll wenigstens in diesem Punkte dankbare Schüler an uns haben, denn wir werden, seinen guten Rath benützend, diesem„Vertreter der Revolution" das herzlichste Miß- trauen mit der größten Aufrichtigkeit entgegenbringen. Aus seinen eigenen Schriften soll im Folgenden zu beweisen versucht werden: „1. daß Herr Bakunin fälschlich behauptet, irgend eine revolutionäre Theorie oder Idee zu vertreten, vielmehr nach Bedarf heute diese, morgen eine entgegengesetzte Meinung ver- tritt, von denen die eine ebenso wenig revolutionär ist, als die andere; 2. daß allen seinen Publikationen nicht theoretische, son- dern praktische, politische Bestrebungen gemeinsam sind, die er durch revolutionäre Phrasen zu verzieren sucht; 3. daß diese politischen Bestrebungen zusammenfallen mit den politischen Interessen der russischen Regierung." Schreiber dieser Artikel ist der Person des Herrn Ba- kunin völlig fremd und indifferent und hegt gegen ihn keinerlei persönliche Abneigung. Nicht seine Person, wohl aber seine Bestrebungen sollen verdächtigt werden; mjt welchem Erfolge, entscheide der Leser. I. Der angebliche«ollectiviswus des Herrn Bakunin. Die letzte Nummer der Herzen-Ogareff'schen„Glocke", er- schienen am 1. Dezember 1868**), brachte einige kurz zuvor von Herrn Bakunin auf dem Friedenskongreß zu Bern gchal- tene Reden. In der zweiten Sitzung des Kongresses bean- tragte Herr Bakunin:„als die dringlichste Frage die der „egalisation economique et sociale des classes et des individus"(ökonomischen und sozialen Nivellirung der Klassen und Individuen) als nothwendig zur Verwirklichung von Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden anzuerkennen und auf die Tagesordnung zu setzen."„Eure schöne Civilisation, ihr Herrn vom Westen", sagte Herr Bakunin zur Motivirung sei- nes Antrags,„aus die ihr uns Barbaren des Ostens gegen- über so stolz seid, ruhte von jeher und heute noch auf der ausschließlich physischen Zwangsarbeit einer ungeheuren Majo- rität, die mitten in allen euren Freiheiten sklavisch bleibt, einer Majorität, die thierisch zu leben verurtheilt ist, damit eine kleine exklusive Minderheit menschlich lebe... Und diese monströse Ungleichheit der Lebensbedingungen in eurem System ist nicht etwas, was sich mit der Zeit von selbst verbessert, sondern liegt in dem Geiste dieser Civilisation selbst gfts ewige Nothwen- di gleit, weil eure Civilisation wesentlich beruht auf der ab- soluten Trennung der geistigen von den körperlichen Ar- beiten. Dieser Zustand kann nicht von Dauer sein. Die Ar- beiter Europas, sich mehr und mehr vereinend, sind entschlossen, die Politik in ihre eigenen Hände zu nehmen; ihre Politik selbst zu machen, d. h. die Politik der Emanzipation der Arbeit von dem drückenden und gehässigen Joche des Kä- pitals. Sie wollen auch Menschen sein durch Intelligenz, Wohl- stand und Freiheit. Sie wollen, daß es statt der bisherigen zwei Klassen nur noch eine einzige Gesellschaft gebe, die, auf die Gerechtigkeit und die Arbeit gegrünvet, Allen den gleichen Ausgangspunkt, gleichen Unterhalt, gleiche Erziehung und glet- chen Unterricht in allen Graden des Wissens, dieselben Arbeits- mittel biete und— nicht durch Gesetze, sondern durch die Natur ihrer Organisation selbst— Jeden in gleicher Weise zwinge, so gut mit dem Kopfe als mit den Händen zu arbeiten."(Kolokol, 1868. Seite 211, 212.) In einer zweiten, im Laufe derselben Sitzung gehaltenen Rede sagte Herr Bakunin u. A.: „Weil ich die ökonomische und soziale Gleichmachung der Klassen und der Individuen fordere, weil ich mit dem Brüs- seler Kongreß mich für das Collectiveigenthum erklärt habe, hat man mir vorgeworfen, Communist zu sein. Welchen Un- terschied, hat man mir gesogt, machen Sie zwischen Communis- mus und Cvllectivismus? Ich bin wirklich erstaunt, daß Herr Chaudey, der Testamentsvollstrecker ProudhonS, diesen Unter- schied nicht kennt. Ich verabscheue den Communismus, weil er die Verneinung der Freiheit ist und ich nichts Mensch- liches denken kann ohne Freiheit. Ich bin kein Communist, weil der Communismus alle Kräfte der Gesellschaft konzenttirt und aufgehen läßt im Staate, weil er nothwendig zur Cen- tralisalion des Eigenthums in den Händen des Staates führt, während ich die Abschaffung des Staates überhaupt will. Ich will die Organisation der Gesellschaft«nt de? collec- tiven oder sozialen EigenthumS von unten nach oben durch die Stimm« der fteien Genossenschaft, und nicht von oben nach un- ten durch irgend eine Autorität. Indem ich die Abschaffung des Staates will, will ich die Abschaffung des persönlichen Erb- eigenthums, das nur eine StaatSeinrichtung, nur eine Conse- *) Dai Katsetretch der deutschen Knute und die soziale Revo- lution. Ottif 1871.(In franMscher Sprache.) **) Bereits ein Jahr zuvor hatte die„Alocke"(Kolokol) aufae- hört, in russischer Sprache zu erscheinen. Herzen selbp sagt darüber in der oben erwähnten Nummer:„Bor einem Jahre dachte ich, eine französische Ausgabe könnte den russischen„Kolokol" ersetzen. Das war ein Jrrchum. Uns» wahrer Berus war, unsere Lebenden auszu rufen, und unseren Tobten die Todtenglocke zu läuten, nicht ab», unseren Rachbarn dir Geschichte uns»» Grab» und unser» Wiegen Zu erzählen. Um w wenig», als sie dies nur sehr mittelmäßig in- teresfirte." zu Nr. 63 des„ quenz des Prinzips des Staates ist. In diesem Sinne, meine Herrn, bin ich Collectivist und durchaus kein Communist. „Jetzt will ich sagen, was ich unter ökonomischer und so- zialer Gleichmachung der Individuen verstehe. Die politische Gleichheit, die Gleichheit der politischen Rechte ohne die ökono- mische, ist eine Lüge. Soll sie eine Wahrheit werden, dann müssen die ökonomischen Ursachen des Klassenunterschiedes ver- schwinden,— es muß das Erbrecht abgeschafft werden, welches die beständige Quelle aller sozialen Ungleichheiten ist. Es muß die Gesellschaft ein homogenes Ganzes darbieten, eine Organisation, geschaffen durch die Freiheit nach der Gerechtig- keit, in der es auch nicht den Schatten niehr von jener unseli- gen Trennung der Menschen in zwei Klassen giebt. Es müssen alle Menschen zugleich intelligent und arbeiissam sein; keiner darf mehr leben können von der Arbeit des Andern; es müssen Alle in gleicher Weise in den Stand gesetzt und ver- pflichtet sein(il kaut... que tous doivent et puissent �ga- lement) ebenso gut von der Arbeit ihres Kopses als von der ihrer Arme zu leben. Dann meine Herrn, aber nur dann, werden politische Freiheit und Gleichheit eine Wahrheit sein. Geben Sie allen Kindern, von ihrer Geburt an, dieselben Unterhalts-, Eziehungs-, Unterrichtsmittel, geben Sic dann allen so erzogenen Menschen dasselbe soziale Niveau, dieselben Mittel, ihre Lebensbedürfnisse durch ihre eigene Arbeit zu ge- winnen, und Sie werden sehen, daß viele Unterschiede, die man für natürliche hält, verschwinden werden, weil sie nur die Wir- kung einer ungleichen Vertheilung der Entwickilungsbe- dingungen sind. Verbessern Sit die Natur durch die Ge- sellschast, machen Sie möglichst gleich für Alle(egaliseis pour tous) die Entwickelungs- und Arbeitsbedingungen, und Sie wer- den viele Thorheiten, Verbrechen, Uebel zerstört haben. Wenn Alle nahezu dieselbe Erziehung, denselben Unterricht erhalten haben werden, wenn Alle, durch die Gewalt der Dinge selbst, gezwungen sein werden, sich zu affociiren, um zu arbeiten, und zu arbeiten, um zu leben; wenn die Arbeit als das wahre Fundament jeder sozialen Organisation anerkannt, der Gegenstand der öffentlichen Achtung geworden sein wird, dann werden die Böswilligen, die Schmarotzer, die Dummen sich rasch veimindern und schließlich als Kranke betrachtet und behandelt werden. Das sage nicht nur ich, Herr Chaudeh, sondern auch Ihr Lehrer Proudhon."(Kolokol S. 213, 214.) In der folgendm(3.) Sitzung hielt Herr Bakunin eine dritte Rede, um die Unvereinbarkeit des Christenthums und der Religion überhaupt mit der menschlichen Moral darzuthun. Er sagte u. A.(Kolokol S. 216.): „Die Anhänger der friedlichen Revolution durch den Unter- richt, die sich heutzutage anstrengen, die Macht des religiösen Aberglaubens durch die bloße Propraganda der Kongresse, Vet- eine, Zeitungen und Bücher zu zerstören, täuschen sich sehr, wenn sie hoffen, durch diese Mittel allein schon ihr Ziel zu et- reichen. Die Religion ist nicht lediglich eine Verirrung des GehirnS, sondern eine leidenschaftliche und beständige Protest«- tion der ganzen menschlichen Natur und des unendlichen Reich- thums des menschlichen Herzens gegen die Enge und das Elend der Wirklichkeit. In dieser Welt nur Dummheit, Ungerechtiz- keit und Elend findend, schafft der Mensch mit seiner Phantasie eine eingebildete Welt, in die er seine Wünsche, seine Hoff- nunaen und sein Ideal versetzt... So ist die Religion ent- standen und sie wird allmächtig sein, so lange Unvernunft und Ungerechtigkeit aus Erden regieren. Geben wir also der Erde zurück, was ihr gehört, das Glück und die Brüderlichkeit; zer- stören wir den Triumph des Bösen mit allen Einrichtungen der Ungerechtigkeit, gründen wir die Brüderlichkeit, d. h. das gleiche Recht eines Jeden durch die Solidarität Aller, die Freiheit in der Gleichheit,— und die Religion wird keinen Eristenzgrund mehr haben. Um also die Religion zu zerstören, genügt die bloße geistige Propaganda nicht. Die soziale Revo- lution ist ersordertich." Endlich, in der letzten(5.) Sitzung, nachdem der Kongreß die Bakunin'sche Resolution(die„Gleichmachung der Klaffen und Individuen"), wie zu erwarten, abgelehnt hatte,»klärte Herr Bakunin seinen und seiner Freunde Austritt aus der Frie- densliga und l-gte bei der Motivirung dieses Schrittes noch- mals seinen Standpunkt dar. Er sagt« u. A.(Koloköl S. 217): „Ich bin Collectivist. Ich bin kein Communist, weil dör Communismus das Eigenthum und die Allmacht des Staates einschließt und ich im Namen der Freiheit die Abschaffung des Staats, aller Staaten fordtte. Ab» ich bin für das Collectiveigenthum, weil ich überzeugt bin, daß, so lange das persönliche Erbeigenthum existiren wird, die Gleich- heil des Ausgangspunktes, die Verwirklichung der ökonomischen und sozialen Gleichheit unmöglich find... Die ökonomische und soziale Gleichheit, sagte ich, ist die Abschaffung der jetzt existirenden verschiedenen Klassen nicht nur in politischer Hiit- ficht, sondern auch hinsichtlich des Unterhalts, d» Erziehung, des Unterrichts und der Existenz- und Arbeitsmittel, welche gleich sein müssen für Alle, damit alle in gleich» Weise genöthigt seien(adliges), zu arbeiten sowohl mit dem Kopfe als mit den Händen, und damit die Gesellschaft, befreit von dem Geburtsrechte, das sich heutzutage gesellschaftlich im Erbrechte verwirklicht, nicht mehr wie jetzt, in Arbeiter«nd Herren getheilt sei." Dies also ist der Berner oder Collectiv-Bakunin, der den Communismus verabscheut, weil«, d» Communismus nämlich, �„die Freiheit verneint." Wessen Freiheit? Die der unterdrückten Klasse unmöglich; denn unsere Arbeiter, die die ungeheure Majorität unserer abendländischen Civilisation bilden, sind ja nach Herrn Bakunin zu ausschließlich physischer Zwangs- arbeit verurtheilt, sind Sklaven nicht nur, sondern befinden sich in einem thierischen Zustand(f. oben). D» Communismus kann also nicht ihre Freiheit verneinen, die gar nicht vorhanden ist, folglich kann er nur die Freiheit der anderen Klasse, die uns»» Unterdrücker, bedrohen. Und Herr Bakunin verabscheut ihn? Wir dächten, das thät Herr Chaudey auch. Jndeß, Zwei thun oft dasselbe und es ist doch nicht das- selbe. Herr Chaudey stellt dem Communismus die Freiheit 44 gegenüber und meint dabei die Freiheit der Bourgeoisie, ihre Ausbeutungsprivilegien zu behalten. Herr Bakunin dagegen fürchtet umgekehrt, daß der Communismus nicht genügend aufräume, und er fordert volle Freiheit für die Bourgeoisie, damit sie ihres Kapitals bequem entledigt werden könne. Der Com- munikmus ist ihm nicht radikal genug; darum ist er Collec- tivist und stellt der wissenschaftlichen Doktrin des Communis- mus eine andere, die des Collectivismus, gegenüber. Die internationale Organisation des Proletariats ist zu- erst, und zwar schon vor 1848, von den wissenschaftlichen Be- gründern des Communismus, den wissenschaftlichen Widerlegern des ProudhoniSmus, vttlangt, angebahnt und vorhergesagt worden. Die prinzipiellen Unterlagen der Internationalen Ar- beiterassociation sind fast wörtlich dem berühmten„Communi- stischen Manifest" entnömmen; alle praktischen Bestrebungen der Internationalen Assoziation stimmen genau mit dem überein, was die Communisten als ihre nächsten Forderungen aufgestellt haben, und die Verfasser des Communistischen Manifestes standen an der Wiege der Internationalen Assoziation, namentlich Karl Marx, d» in fein» Inauguralrede ihre geschichtliche Räch- wendigteit und die Bedingungen ihrer Entwicklung barlegte.*) Wenn also irgend eine Theorie als die der Internationalen bezeichnet werden könnte, so wäre es nur die commuuistische. Aber die Internationale ist keine theoretische Gesellschaft, keine Schule, sondern eine praktische, politische Verbin- dung zu bestimmten Zwecken. Sie kann und will deshalb nicht den politischen und sozialen Glauben ihrer Mitglieder prüfen- und kontrollireN, sondern Nimmt Jeden auf, der gesellschaftlich qualificirt ist und verspricht, ihre Ziele zu fördern. Sie ver- wirft Niemand, so lange er diese Qualiftcation besitzt und den Zielen der Verbindung nicht zuwider hHndelt. Aber was in aller Welt ist das für eine Theorie, für eine Schule, zu der e r sich bekennt, dieser„Cvllectivismus," durch welchen die Gleichmachung der Klassen und der Jndivi- duen" und„die Abschaffung des Staats" bewerkstelligt werden soll, und für welchen sich, nach Herrn Bakunin, auch der Brüssler Congreß der Jnternanonalen ausgesprochen haben soll? Der Brüssler Congreß hat»klärt, daß in erster Reihe Eisenbahnen, Bergwerke und in zweiter Reihe Grund und Boden überhaupt der Ausbeutung durch Einzelne entzogen und Collect iv-, d. h. nach den ausdrücklichen Erläuterungen der Antragsteller— StaatssEigenlh um werden sollten. Er hat also Beschlüsse gefaßt, die„nothwendig zur Cenlralisa- tion des Eigenthums in den Händen des Staates führen"; weit entfernt, für die„Abschaffung des Stäats" zu pläduen, wollte der Brüssler Congreß den Staat stärken und verbessern, aus einer bloßen Organisation zum Schutze des Privateigen- thums Weniger umwandeln in«ine„Organisation der Gesell- schaft und des collectiven oder sozialen Eigenthums." Nicht „durch irgend eine Autorität von oben"— er hat sich an keine solche gewandt—, sondern durch den freien Volkswillen, den er als einzige Autotität kennt, ausdrücklich allerdings „durch Gesetze" und nicht durch die abstrakte„Natur der Gesellschaft selbst." Hr. Bakunin hatte also, indem er sich auf Brüssel berief, die Frage des Herrn Chaudey, was ex denn für einen Unter- schied zwischen Communismus und Collectivismus mache, nicht abgethan, sondern erst gerechtfertigt. Unv anderseits war er durch Nichts in der Welt berechtigt, für sein persönliches Zu- kunftsideal, das er unter dem Titel„Collectivismus" vör den Herrn in Bern entrollte, den Brüssler Congreß mit verantwort- lich zu machen, dessen Beschlüsse, wie wir soeben gezeigt haben und, falls es Hr. Bakunin wünschen sollte, noch ausführlicher beweisen können, mit der„Abschaffung des sötaatS" weniger als nichts gemein haben, weil sie das direkte Gegentheil dieser soi-disaut„Idee" enthalten. W en n die Brüssler Be- schlüsse in irgend ein System eingefügt werden sollen, so passen sie nur in den von Hrn. Bakunin verabscheuten Commu- nismus, zu dem sie, wenn man will, als der erste Schritt betrachtet werden können. Aber der Brüssler Congreß wollte keinerlei-ismus aufstellen, sondern lediglich zu einer prakti- schen und spruchreifen Frage Stellung nehmen. Diese Abschweifung war nöthig, um die Internationale Ar- beiter-Association vor jeder Verantwortlichkeit für die Bakunin'schen Ideen des„Collectivismus und der Abschaffung des Staats" zu verwahren. Gehen wir nun auf die ihm eigenthümlichen Ideen, die er so großmüthig zu collectiven machen wollte, näher ein, indem wir uns genau an seine eigenen Worte halten. Mit der friedlichen Revolution durch den Unterricht, sagte Hr. Bakunin in Bern, mit der bloßen geistigen Prozaganda kann die Religion nicht zerstört werden. Dazu ist die soziale Revolution nöthig. Die Arbeiter wollen Menschen sein, ihre Politik selbst machen. Sie schaffen den Staat ab. Sie schaffen das Erbrecht ab. Sie schaffen überhaupt alle Gesetze ab, und bilden an Stelle der bisherigen zwei Klassen, von denen die eine, die der arbeitenden Sklave», nach Herrn Bakunin nur körperliche, die andern, die Herrn, alle geistige Arbeit verrichtet, fortan nur noch ein homogene« Ganzes, eine einzige Gesellschaft, die nicht auf Gesetze, sondern „auf die Gerechtigkeit und die Arbeit" gegründet, Allen gleichen Unterhalt, gleiche Erziehung und dieselben Arbeitsmittel bietet und— nicht durch Gesetze, sondern durch die Natur ihrer Organisation selbst— Jeden in gleicher Weise zwingt, so gut mit dem Kopfe, als mit den Händen zu ar- beiten. In dieser Organisation, geschaffen, durch die Frei- heit nach der Gerechtigkeit, in der es auch nicht den Schatten mehr von jener unseligen Trennung der Menschen in zwei Klassen giebt, müssen alle Menschen zugleich arbeitsam und intelligent sein,(obgleich es keine Gesetze giebt, die die Faulheit bestrafen und die Dummheit und Bosheit unschädlich machen). Keiner darf mehr leben können von des Anderen Arbeit,(obwohl der Schlaukopf, der es trotzdem noch fntig bringt, durch kein Gesetz genirt wird). Jeder wird in *) Vielleicht ist eä für Herrn Bakunin und seine Freunde nöthig, hier zu bemerken, daß der Versasser auch Marx uns Engels nicht per- sönlich kennt. gleicher Weise— aber nicht durch Gesetze— in den Stand gesetzt und verpflichtet, ebenso gut von der Arbeit seines Kopfes, als von der seiner Hände zu leben. Alle Kinder werden von ihrer Geburt an auf gleiche Weise unterhalten, erzogen, unterrichtet, jedoch ohne daß etwa ein Zwang gegenüber den Eltern bestünde. Alle so erzogenen Menschen(diejenige Genera- tion, die die soziale Revolution macht, scheint noch nicht reif zu sein; erhalten dieselben Mittel, ihre Lebensbedürfnisse durch ihre eigene Arbeit zu gewinnen. Alle werden gezwungen, sich zu associiren, um zu ar- beiten, und zu arbeiten, um zu leben,— aber nicht etwa durch Gesetze, sondern durch die Natur der Dinge selbst(pur iu force infime des choses.) Wenn die Arbeit der Gegen- stand der öffentlichen Achtung geworden sein wird, dann werden die Böswilligen, Schmarotzer und Dummen sich ver- mindern, und die wenigen noch Ucbrigen werden als Kranke behandelt,— natürlich nicht nach Gesetzen, sondern„durch die Gewalt der Dinge selbst". So„gründen wir die Brüderlich- keit, d. h. das gleiche Recht eines Jeden durch die Solida- rität Aller, die Freiheit in der Gleichheit!� So Herr Bakunin in Bern, vor„Verrichtern der geistigen Arbeit."— „Alle alten Worte sind geblieben!" citirt Hr. Bakunin auf S. 48 seiner Schrift„Das deutsche Knutenreich" aus einer Jeremiade über die bonapartistische Partei in Frankreich.„Da redet man, wie immer, von Freiheit, Gerechtigteit, Würde, Recht, Civilisation und Humanität; aber der Sinn dieser Worte hat sich in ihrem Munde völlig umgewandelt, und jedes Wort be- deutet in Wirklichkeit genau das Gegentheil von dem, was es auszudrücken scheint." Sollte nicht Herr Bakunin auch...? Doch wir werden ja sehen, wie der knuto-germanische Bakunin mit dem Berner Collectiv-Bakunin umspringt. Festungsbriefe von Karl Hirsch. I.') Beschreibung und Geschichtliches von Hnbertusburg. Schon die zweite Woche bin ich nun in dem sächsischen Prytaneion*�) für Sozialisten, wo ich die Parteigenossen Vahl- teich aus Dresden und Reu aus Reichenbach traf, die sich, der eine seit vier, der andere seit zwei Monaten hier befinden, beide auch wegen„Beleidigung des Bundesoberhauptes" verurtheilt, der erstere für eine redaktionelle Bemerkung über das Victoria- schießen, der letztere für Verbreitung eines allerdings nicht na- tionalliberalen Wahlaufrufs im vorigen Jahre. Hubertusburg hat vor 1848 Anhänger des„jungen Deutschland" und des „Bunds der Geächteten", in der Reaktisnszeit zahlreiche Theil- nehmer des Maiaufstandes***), seit 1866 eine Reihe von So- zialdemokraten beherbergt und würde, wenn Mücke vor Recht geht, wahrscheinlich auch das mehrjährige Domizil Liebknechts und Bebels werden. Schon aus diesem Grunde, hoffe ich, werden die Leser einige Notizen über die Oertlichkeit und ihre Geschichte nicht uninlercssant finden. Hubertusburg liegt l1� Meile südlich von der Station Dahlen der(alten) Leipzig-Dresdener Bahn auf dem wal- digen Plateau des Oschatzer Höhenzuges zwischen Mulde und Elbe, am Rande der Mutzschcner Haide, die schon im 17. Jahrhundert der Schauplatz glänzender und ergiebiger Jagden der sächsischen Churfürsten war, wegen ihres festen und ebenen Terrains besonders geeignet zu Parforcejagden befunden und namentlich von August dem Starken häufig zu solchen benutzt wurde. Dieser ließ in der unmittelbaren Nähe des Jagdschlosses und Dorfes Wermsdorf für den Kronprinzen Friedrich August das Jagdpalais Hubertusburg in demselben prunkvollen Stile errichten, wie die gleichzeitigen großartigen Prachtbauten in Dresden. Mehr als 766 Künstler und Hand- werker, ungerechnet zahllose den Bauern und Leibeigenen ab- geschundene Frohnden, arbeiteten 21 Jahre hindurch(1722— 42) an dem Bau, den von 1733 an Graf Brühl leitete, was schon genügt, um die große Pracht und Ueppigkeit, mit der er ausgeführt wurde, anzudeuten. In dem kunstvollen Garten, den Engelhardt in seiner„Erdbeschreibung des König- reichs Sachsen" als einen der schönsten Sachsens bezeichnet, erhebt sich das Hauptpalais mit mehr als 160 Fenstern Front, mit dem reichen Hubertussaal, 160 Fuß lang, dessen Wände und Fußboden aus Marmor. Ueber das kupfergedeckte und mit zahlreichen Statuen geschmückte Dach erhob sich der schöne Thurm mit seiner kunstreichen Gallerte und gleichfalls mit Kupfer gedeckt. Dem Hauptpalais entsprach ein riesiges, von Straßen durchbrochenes Quadrat ebenfalls großartiger Seiten- gebäude und Pavillons mit zahlreichen Höfen, einer kleinen Stadt ähnlich, für die Hofbedienten, fremden Gäste, Pagen, Jäger, Köche, Stallungen u. s w. Glänzende Jagden und Feste und was daran hängt, bil- den nun die Geschichte von Hubertusburg, aber nur für eine sehr kurze Reihe voll Jahren. Der Fürst, zu dess.m Lust es bestimmt war, sollte seiner nicht froh werden. Die Vergrö- ßerungs- und Verschönerungspläne Friedrich August II. durch- kreuzte der Erbfolgekrieg(1744) und als im siebenjährigen Kriege der österreichische General Lascy das Charlottenburger Schloß hatte plündern lassen, da befahl Friedrich„der Große", nach der heute noch üblichen„Repressalienlogik", Hu- bertusburg zu plündern. tz) Das Freibataillon des Ma- jors Guichard, genannt Quintus Jcilius, vollzog diesen Be- fehl des damaligen Hcldenkönigs aufs Gewissenhafteste, indem es, kaum übertroffen von unserer großen Zeit, nur wenige Stunden brauchte, um mit den Vorräthen, Prunkgeräthen, kostbaren Tapeten, Gemälden, Büchern, Teppichen, Lüstres und Wandspiegeln derart �aufzuräumen,„daß blos die nackten ') Carl Hirsch ist am Sonntag auS der Haft entlassen worden. Der obige I. Brief ist im Mai von der Gefängniß-Censur beanstandet und an das Ministerium des Innern geschickt wordep, welches das Durch- gangsverbot aufrecht erhielt. »') Eine Versorgungsanstalt im alttn Athen für Solche, die dem Volke Dienste geleistet hatten. Sokrates, von seinen Richtern gefragt, welche Strafe er selbst für sein B-rbr-chen(Hochverrath durch Auswie- gelung und Verbreitung staatsgesährlicher Lehren) verdient zu haben glaube, antwortete:„Ausnahme ins PrytaneionI" ♦»♦) Der Letzte derselben war in den 50 er Jahren Advokat Hau- schild aus Zwickau. tz) Archeuholz, Geschichte dt« fiebenjährigm Kriegs S. 1S8. Mauern übrig blieben". Letzteres bemerkt mit gleichgültiger Kürze von Archenholz, der die Plünderung des Charlot- tenburger Schlosses so ausführlich beschreibt. Die Nachlese seiner Plünderung überwies der klassische Major den Berliner Hosjuden Ephraim Heine und Jtzig, von denen er sich dafür mit 72,006 Goldgulden dotiren ließ. Diese damaligen Patrioten beraubten den Thurm seiner großen Glocken, seiner kunstvollen Uhr, seines kupfernen Daches. Auch das Kupfer- dach des Schlosses und die Statuen wurden abgenommen. Aus dem Metall ließ Ephraim in der Pleißenburg zu Leipzig das nach ihm benannte schlechte Geld prägen, mit welchem Sachsen damals überschwemmt wurde. Die starkvergoldelen Schlösser und Bänder, Riegel und Beschläge der Thüren und Fenster wurden gleichfalls abgerissen. Die schweren Vergol- düngen an Thüren, Decken, Friesen und Wänden wurden durch Arbeiter aus Berlin abgekratzt und chemisch zersetzt. Nur die Capelle blieb verschont. Friedrich II. erwähnt bei der ausführlichen Beschreibung des siebenjährigen Kriegs, wie es dem Abgott und Vorbild der Dropsen und Sybel zukommt, der Plünderung des Schlos- ses Hubertusburg auch nicht mit einem Worte.„Ich erlasse(!) dem Leser", schreibt er*)„eine unendliche Menge kleiner Strei- fcreien und kleiner Vorfälle, die eine Folge waren, sowohl der Erbitterung, welche diesen Krieg ganz eigenthllmlich aus- zeichnet(?1813? 1871?), als auch des Verlangens, welches die geringsten Offiziere hegten, sich hervorzuthun". Damit ist er über die Plünderung von Hubertusburg hinweggekommen, die er jedenfalls auch unter die„kleinen Vorfälle" rechnet, denn Quin- tus Jcilius, der sich dabei hervorgethan, wurde bald hernach zum Obersten ernannt.**) Als durch eine cigenthümliche Fügung des Zufalls im Dezember 1762 die Bevollmächtigten Oesterreichs, Preußens und Sachsens in Hubertusburg eintrafen, um dort den nach dem Schlosse benannten„Frieden für ewige Zeiten", der fast acht Jahre dauerte, zu vereinbaren, da war es schwer, für die Herren ein Unterkommen zu finden. Und noch heute begegnen dem Beschauer neben den Denkmälern ehemaliger Pracht und Herrlichkeit überall die Spuren barbarischer Verwüstung. Aber nicht blos verwüstet sollte das schöne Jagdschloß durch den Krieg werden, sondern auch verpestet. 1813 diente es als großes Lazareth zuerst den Trümmern des sächsischen Heeres, dann den Franzosen, dann nach der Völkerschlacht bei Leipzig auch noch den Verbündeten.„Fürchterlich wüthete der Tod", schreibt Bergsträßer,***)„unter den armen verwundeten und ver- stammelten Kriegern. Viele gaben unter den barbarischen Ope- rationen der französischen Wundärzte nicht selten an leichten Verwundungen den Geist auf und ihr Blut röthet noch jetzt den Fußboden des Magazins. Bei weitem mehr aber wurden ein Raub des Lazarethsiebers." Sieben bis acht Tausend sind hier gestorben. Natürlich konnte diese Masse von Leichen nicht gehörig begraben werden. Ich wüßte sonst keine Thalsache, auf die man die.Erscheinung zurückführen könnte, daß die früher als gesund berühmte Gegend, obwohl hoch gelegen, mit gutem Trinkwasser versehen, nicht dicht be- völkert, fern von großen Städten und ohne Fabrikproletariat, dennoch von keiner Epidemie verschont bleibt und mit die größte Sterblichkeit in Sachsen, nämlich 5 Prozent jährlich aufzuweisen hat, während der sächsische Durchschnitt nur circa 3 Prozent ist. Die Lokalität hatte unter diesen Umständen ihre Reize als Lust- aufenthalt für hohe Herrschaften verloren, zumal sie nach dem Verluste von Torgau u. s. w. nicht mehr in der Mitte, sondern an der Grenze des Landes lag, und wurde für passend zur Unterbringung zahlreicher Straf-, Heil- und Versorgungsan- stalten erachtet. Die Sterblichkeit der Detinirten in dem hier gewesenen Arbeitshause war übrigens geringer als die der benachbarten Bauerndörfer Wermsdorf und Reckwitz.tz) So verkünden die Mauern und der große Friedhof von Hubertusburg den alten Horazischen Spruch: „Quidquid delirant reges, plectuntur Achivi!" welchen der wahrheitsliebende Seume so kernig übersetzt hat: ,Menn sich die Könige raufen, müssen die Bauern die Haare lassen!" Pforzheim.„Arbeiterzustände und Arbeiteraufwiege- lung in Pforzheim". Unter dieser Ueberschrift bringt der„Pforz- heimer Beobachter" in Nr. 176 einen aus Nr. 21 der in München erscheinenden„Kritik" entnommenen Artikel, in welchem der Verfasser der Welt weiß machen will, wie leicht es sei, Cioldwaarenfabrikant zu werden. Natürlich kann dabei der Verfasser nicht unterlassen, zu be- merken, daß die von den Arbeiter-Agitatoren aufgestellten Grund- säße wissenschaftlich unhaltbar und praktisch undurchführbar seien und will er dies aus den Pforzheimer Arbeiterzuständen beweisen. Er sagt wörtlich: „Die Pforzheimer Goldwaaren-Jndustrie wird größtentheils durch (mehr oder minder künstlerische) Handarbeit betrieben, neben welcher die Anwendung von Dampfmaschinen fast nicht in Betracht kommt. Zugleich sind die Lohnverhältnisse so beschassen, daß der Arbeiter wö- chentlich von 7—30 fl., also durchschnittlich 14 st. verdient. Da in der Goldwaaren-Jndustrie die Maschine fast gar keine Rolle spielt, so- mit die Errichtung einer„Fabrik" kein(?) großes Kapital voraus- setzt, sondern in den kleinsten Verhältnissen angefangen uerde» kann, so hat der fleißige und sparsam- Arbeiter eine fast unbeschränkte (?) Möglichkeit, sich selbstständig zu etabliren. „Und m der That, wenn man die Psorzheimer Fabritanten durch- mustert, entdeckt nian unter ihnen keine geringe Anzahl von solchen, welche als Arbeiter begonnen und jetzt als wohlhabende Fabrikanten dastehen." Es ist ganz richtig, daß in der Goldwaaren-Fabrikation die Ma- schine keine so große Rolle spielt wie in din Spinnereien und We- bereien. Unrichtig dagegen ist, daß es den hiesigen Arbeitern so leicht ist, sich mit durchschnittlich 14 fl.- 8 Thlr. Wochenlohn zum Fa- brikanten emporzuschwingen. Der Lohn des weitaus größten Theils der hiesigen Arbeiter schwankt zwischen 10—14 fl., und nur sehr Wenige verdienen 18, 25 fl. und darüber. Berechnet man nun im Verhältniß zu diesem Lohn die nothwen- digen Ausgaben, so stellt sich heraus, daß eine Familie mit nur zwei *) Hinterlassene Schriften Friedrichs ll. 1788, Bd. IV., S. 76. **) Bergsträßer, die sächsische» Strafanstalten, insbesondere die zu Hubertusburg. Leipzig, 1844, S. 22. Diesem Buche verdanke ich einige Kunde über das Schloß, von welchem ich selbst noch sehr weiug gesehen habe, da das doppelt vergitterte Fenste. meiner Zell- auf einen kleinen Küchenhof hinausgeht. Seit kurzer Zeit find unseren Freunden andere Zellen angewiesen worden, jedoch vorläufig nur provisorisch, welche nur Ein Gitter und freundlichere Aussicht habe». Huberlusburg gleicht an Umfang und Bauart Npmphenburg(bei München), sowie dem Ludwigsburger Schloß und dem nördlichen Theile des Charlot» tenburger. ***j S. 40. fj Bergsträßer, S. 244. Kindern in jetziger Zeit unbedingt 14 fl. braucht, ja daß diese nicht einmal recht reichen, um mir halbwegS menschenwürdig leben zu können. Freflich bat sich der Verfasser genannten Artikels nicht soviel Mühe gegeben, einen Vergleich zwischen den Einnahmen und den nothwendigen Ausgaben eines Arbeiters zu machen, und soll es des- halb hier geschehen. Allerdings kann man hierbei nicht den Verbrauch einer Familie von 4—5 und mehr Kindern zum Maßstab nehmen, ebensowenig aber auch nicht den Verbrauch eines lcdigen Arbeiters. Es sollen hier nur die Ansgaben einer Familie mit 2 Kindern in Betracht gezogen werden und zwar nach den am hiesigen Platze Herr- schenden Preisen. Also Einnahme: 14 fl. Ausgabe: Für 2 K. Fleisch ü 40 kr., 1 fl. 20 kr.: für Brod 1 fl. 52 kr.; für Suppm-Gemüse w. 1 fl. 32kr.; für V» K. Butter 34 kr.; für Milch 49 kr.; für Zucker, Kaffee-c. 30. kr.; für 1'/, K. Mehl 27 kr.; für Eier 16 kr.; für Seife, Licht, Holz-c. 1 fl. 16 kr.; für Verschiedenes 1 fl.; für Miethe per Jahr 130 fl., 2 fl 20 kr.; für Schuhmacher, Kleioer, Wäsche K. 156 fl., 3 fl. Summa 15 fl. 6 kr. pro Woche.- Man ist also verursacht, eineMehrausgabe von 1 fl. 6 kr. zu machen, welche die Familie auf irgend eine Art bei ihren Ausgaben ersparen muß, wenn sie keine Schulden machen will. Wo bleibt nun aber die Staats- und Gemeindesteuer? Wo das Schulgeld und so weiter? Auch hierfür muß eine Ersparniß in den Ausgaben eintreten, wenn nicht, was leider nicht immer zu vermeiden ist, Schulden gemacht werden sollen. Wenn nun bei einigermaßen menschenwürdigem Leben die Aus- gaben die Einnahmen übersteigen, wo sollen daim die Ersparnisse, mit welchen man ein Geschäft anfangen kann, herkommen? Denn zum Anfangen muß ein Kapital, und wenn dasselbe auch noch so klein ist, vorhanden sein. Wenn nun aber, was ja leider schon oft der Fall war, eine schlechte Zeit eintritt, in welcher der Arbeiter nur drei und vier Tage in der Woche oder am Ende eimge Wochen gar nicht arbeiten darf, oder wenn eine Krankheit oder sonstiges Unglück in der Familie ein- mit, was dann? In ersterem Fall■ bleiben die Ausgaben die gleichen, und in letz- terem werden sie sogar noch erhöht, während die Einnahme sich ver- ringert und manchmal sogar gänzlich wegfällt. Wodurch, wenn es ja einer Familie gelungen wäre, in guten Zeiten Einiges zurückzu- legen, die mühsam erworbenen Ersparnisse wieder ausgezehrt werden und die Hofsnung des Familienvaters, nun bald Fabnkanl zu werden, mit einem Schlage vernichter wird. Daß eh nicht so leicht ist, Fabrikant zu werden, geht auch daraus hervor, daß sich die Zahl Derer, denen es gelungen ist, das Joch des Arbeiters abzuschütteln, d. h. Fabrikant zu werden, im Verhältniß zur großen Masse der Arbeiter in hiesiger Stadt, im allergünstigsten Fall berechnet, wie 1 zu 300 verhält, abgesehen von Denen, die nicht im Stande waren, dem Drucke und der Konkurrenz des großen Kapitals Stand zu halten und dadurch wieder in die Reihe ihrer früheren Col- legen zurückgeschleudert wurden. Gcsetztensalls aber, die Einnahmen reichten zur Bestreitung der Ausgaben aus, zugegeben auch, der Arbeiter könne einige Ersparnisse machen,— wäre es dann ein Verbrechen, wenn er trotzdem»ach einer Verbesserung seiner Lage strebte? Wenn er trotzdem seine Arbeitskraft zu einem höheren Tarif zu verwerthen suchte? Wenn der Arbeiter seine Arbeit so hoch wie möglich zu verwerchen sucht, so thut er nichts anderes als der Fabrikant und der Kapitalist, wen» diese ihre Kapi- talien zum höchsten Zinsfuß anzulegen suchen. Also gleiches Recht für Allel Allein die Bourgeoisie und mit ihr wahrscheinlich auch der Verfasser genannten Artikels verstehen ihr Sprichwort so:„Was uirs recht ist, muß Euch billig sein"?ro1>atum«Zt. Was nun die Angrisse auf den„Genossenschafter"(Organ der Goldarbeiter:c.) betrifft, so mag die Widerlegung demselben überlassen bleiben und soll hier nur noch der Schlußsatz genannten Artikels er- wähnt werden; derselbe lautet: „So lange die Arbeiter nicht einsehen, daß Jeder, der aus der Agitation ein Geschäft macht, verdächtig ist, und daß Jeder, der.össent- lich austreten will, die nöthige wissenschaftliche Bildung besitzen muß, werden sie eben einfach für fremde Zwecke, die sie nicht durchschauen, mißbraucht und noch dazu finanziell ausgebeutet." War dies nicht schon lange so? Waren nicht schon Christus und seine Apostel verdächtig und ivurden deßhalb verfolgt und ermordet? Waren nicht auch die Männer, die sür die Abschassnng der Sklaverei, der Leibeigenschaft und der Feudalherrschast agittrte», verdächtig? Und doch ist zu Stande gekommen, was jene Männer erstrebten, und kein Mensch wird wohl jetzt noch bebaupteu, daß sie Unrecht hatten. Was die„nöthige wissenschaftliche Bildung," betrifft, so versteht der Ver- fasser genannten Artikels wahrscheinlich die Kenntniß der lateinischen und griechischen, überhaupt der todten Sprachen darunter, oder viel- leicht die Kenntniß der Schand- und Unthaten der geistlichen und weit- lichen Despoten und T�spötlein vergangener Jahrhundette;— was man, wenn ich nicht irre, Geschichtskenntniß nennt. Was schließlich das „Mißbrauchen und Ausbeuten" anbelangt, so fürchtet der Artikel- schreiber wahrscheinlich, daß die Arbeiter endlich einsehen werden, daß sie bislang stets von der Bourgeoisie mißbraucht und ausgebeutet wurden, wie man ja bei Wahlen und dergleichen Angelegenheiten sich überzeugen konnte. Deshalb Kollegen, Männer der Arbeit, laßt Euch durch solche Ar- tikel, welche nur daraus berechnet sind, Euch gegen die Männer, die Alles, oft Gut und Blut für Euch einsetzen, mißtrauisch zu machen und unserer Sache zu schaden, nicht irre machen, sondern Halter nach wie vor fest und einig zur Sache; besucht fleißig die Versammlungen und hört was die„verdächtigen" Agitatoren sagen, hört, ob sie die Wahr- heil reden oder ob sie lügen, und überlegt dann, wer es am Besten mit Euch meint. Denn nm durch Einigkeit, durch festes Zusammm- halten können wir unser großes Ziel erreichen. Darum Vorwärts zum Kampf sür Freiheit, Recht und Menschenwürde! Die Angelegenheit Imhof betreffend. Erfurt. Bisher hielt ich es für meine Pflicht, über die mich berührende Angelegenheit zu schweigen, weil man sonst hätte glauben können, daß„der getroffene Hund bellt." Allein jetzt scheint es mir doch, als wenn das Maß persönlicher Feindschaft und Gehässiakeft, welches man den Angreisern zur Zell des Erfurter Kongresses einge- vßt, seinen Höhepunkt erreicht habe. Durch Alles, was bis jetzt über mich geschrieben und gesagt wurde, ist noch nichts gegen mich be- wiesen. Was ich gclhaii habe, habe ich gethan im Interesse meiner Mitarbeiter, die sich in Folge dessen zahlreich der Gewerkschaft ange- chlossen haben. Es ist allerdings leicht, einer Person die Ehre abzu- schneiden, jedoch nicht so leicht ist es, eine Gewerkschaft von 400 Mit- gliedern binnen 4 Wochen, zu vernichten. Auf der Thüringer Landesversammlung in Apolda halte man über mich gesprochen. Und wie es nun im gewöhnlichen Leben zugeht, so war man auch hier für das Schlechtere weit mehr eingenommen als für das Bessere, zumal das min einmal angezündete Feuer von Erfurt aus mächtig geschürt wurde. Trotzdem vermochte ma» mich keiner Prinzipienverletzung zu überführen.. Man achtete überhaupt nicht darauf, ob Delcgirte, Parteigenossen oder Gewerksgenossen da waren; man ließ vielmehr Leute, die zu gar nichts zählten, das groß- Wort sühren. Mag nun immerhin auch das noch zu entschuldigen sein, aus keinen Fall aber ist es zu billigen, daß auf die Aussagen solcher Leute hm ohne alle vorherige Untersuchung die betressenden Beschul- digungen gegen mich geschleudert wurden. Nun, Herr Müller in Weimar! Ihnen hat man gesagt, ich hätte zwarkein Hoch aus den Kaiser ausgebracht, aber die Wassenerfolge ge- priesen; den Delegitten von Dresden, Chemnitz, Leipzig u. s. w. da- legen hat man das Erstere gesagt. Wen hat man nun belogen? Ferner wurde, da eine Mitgliedschaft der Partei hier nicht besteht, dieselbe vielmehr vor zwei Jahren polizeilich aufgelöst und verboten wurde, von dem Bevollmächtigten der Gewerkschaft der Holzarbeiter angefragt, wer den Delegirten die betressenden Mittheilungen gemacht habe. Waren Sie eS vielleicht? Unmöglich, denn Sie waren doch nur De- legirter. Also heraus mit der Sprache! Wer war der Ohrenzischler? Das ganze Dunkel in der Sache wird beseitigt, wenn diese Person genannt wird. Im Uebrigen erkläre ich hiermit, daß ich mich durch das bisherige Vorgehen gegen meine Person durchaus nicht hindern lassen werde, in derselben Weise wie früher sür die Sozial-Demolratte auch fernerhin thätig zu sein._ H. Jmhof. Leipzig: Berantw. Redakteur A. Muth; Redaktion u. Expedition Hohestr. 4; Druck«. Verlag v. F. Thiele.