%o.(U Sonnabend, 10. Augnst. 1872 Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen all« Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- laudes an. Fiir Leipzig nehmen Bestellungen an: die Erpedition, Hohe Str. 4. B. Bebel, Peterkstr. 18, F. Thiele. Emilienstr. 2. «bonNnnentspreis: Für Preußen incl. Stempel- neuer 17 Sgr., für die übrigen deutschen Staaten 12'/» Rar per Quartal, per Monat 4'/, Ngr., für Leipzig und Um- gegend per Quartal 13 Ngr. ißUtalerpeditton für die««». emigteu Staaten: JL Sorge, Box 101 Hobolren N.J. vi» Newyork Organ der sozial-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Abonnements ans den„Voltsstaat" für die Monate Angust und September, � Sgr. pr. Monat, werden bei allen Postanstaltea, für Leipzig bei der Expedition Hohestratze 4, wie Petersstrage Nr. 18, und bei Kolporteur Müller, für die Um- gegend Leipzigs bei den Filialexpeditionen in Boll- marsdorf, Plagwitz«. entgegengenommen. Tie Expedition des„Volksstaat". Anträge zum Congrefz. Die Hamburger Parteimitglieder beantragen ferner: 1) Dem Z 6 der Organisation folgenden Zusatz zu geben: „Auch hat der Ausschuß, unter Zustimmung der Kon- trolkommissicn, das Recht, den ordentlichen Kongreß an einen andern, als den laut Z 5 bestimmten Ort zu berufen." 2) Den Z 18 der Organisation zu ändern wie folgt: „Zur Uebcrwachung der geschäftlichen Leitung des Parteiorgans haben die Mitglieder desjenigen Ortes, an welchem das Parteiorgan erscheint, alljährlich(und zwar innerhalb drei Wochen nach stattgehabtem Par- teikongreß) drei Revisoren zu wählen. Diese Revi- soren haben nach Anweisung des Parteiausschusses mindestens ein Mal monatlich das Kastenwesen des Blattes zu revidiren, jederzeit auf Verlangen dem Parteiausschuß, beziehentlich der Kontrolkommission, sowie einen, jeden Parteikongreß Bericht zu erstatten und Rechenschaft abzulegen." 3) Der Konz reß möge beschließen: „In jeder Stadt, wo mehr als 100„Volksstaat" gelesen werden, sind die Parteigenossen verpflichtet, monatlich einen Bericht an den„Volksstaat" zurVer- öffcntlichung einzusenden. Der Bericht muß das so- zial-politische Leben der Stadt im Allgemeinen be- leuchitn und möglichst interessant für alle Parteige- nossen gehalten sein. Es bleibt den Parteigenossen anheimgegeben, diesen Bericht von einer Kommission oder einem einzelnen Mitgliede ausarbeiten zu lassen." Politische Ueberstcht. Wie die Militärfrage gelöst wird.„Au» dem Kreise Thorn werden dieses Jahr über 600 junge Leute steck- brieflich verfolgt, die sich der Militärpflicht entzogen haben." (Tilsiter„Bürger- und Bauernfreund"). (Im ersten Halbjahr 1872 sind über Bremen allein 40,000 Menschen ausgewandert und in derselben Zeit in Rew-Uork speziell 67,051 Deutsche gelandet, d. h.— wie eine Privatmittheilung der„Volkszeitung" vom 11. Juli be- sagt— 34,105 mehr als im ersten Halbjahr 1871.)— Die Centrifugalkraft in dem„Neuen Reich"— Bismarck's und Stieber's scheint augenblicklich sich hinter den Coulissen mit besonderer Heftigkeit zu manifestiren. Es ist dies aus dem Umstand zu schließen, daß vom preußischen Preß- bureau beeinflußte Blätter seit einiger Zeit gegen drei der „verbündeten" Regierungen mehr oder weniger vergiftete Pfeile absckinellen: 1) gegen Bayern, dessen romantischer König so unhöflich war, den preußischen Kronprinz nicht zu empfangen und dein„Heldenkaiser" selber nur den General von der Tann mit einem Diener entgegenzuschicken; 2) gegen Sachsen, dessen Hof als ein Jesuitenncst hingestellt wird(vermuthlich weil der König bei seinenr letzten Besuch in Leipzig akademische Hörsäle unterhaltender fand als Kasernen(was allerdings eine schwere Versündigung am„militärischen Geist") und 3) gegen Hessen, dessen Großherzog eines Liebesverhältnisses halber höchst unchr- erbietig angegriffen wird, obgleich wir sehr hochgestellte Per- sonen kennen, die auch Kebsweiber haben und nicht einmal daran denken, dieselben auch nur morganatisch zu heirathen, weil sie bereits standesgemäß vcrheirathet sind. Rechnen wir zu diesen in der Luft herumwirbclnden Strohhälmchen die ängstliche Servilität, mit der die preußische Regierungspresse den erwarteten Besuch des Besiegten von Sadowa bespricht, die fast spartanische Gleichgültigkeit, mit der sie die forlgesetzten Tatzenschläge des russischen Eisbären hinnimmt, den übelver- hehlten Aerger über den kolossalen Erfolg des französischen An- Ichens,— und wir können uns ungefähr vorstellen, warum wir in so ausfallender Weise mit byzantinischen Berichten über des„Genialen" silberne Hochzeit verschont worden sind. Zwar die„weiße Dame" wird sich in Varzin nicht gezeigt haben,— die Lucca ist ja nach Amerika abgereist— aber allerhand Gespenster mögen doch dort umgehen, die nicht gerade heiterer Natur sind. In diesem Blatte ist schon zu wiederholten Malen der Widerspruch nachgewiesen worden, der sich mitunter zwischen dem Walten Ahriman's und Ormuzd's in der„Volkszeitung" findet, von denen der Eine nie liest, was der Andere schreibt. Ein herrliches Beispiel solcher Redigirerei liefert wieder die Nummer vom 6. August, worin die„Volkszeitung", die sich bekanntlich so gern zur Fürsprecherin der freireligiösen Be- wegung und sogar des Atheismus aufwirft und seinerzeit mehr als ein Mal vor der Verhimmlung des Altkatholizismus und Anti-UnsehlbarkeitsschwindelS gewarnt hat, anläßlich oes Münch ncr Universttätsjubiläums Dö llingerei treibt. Mit Emphase spricht sie da, daß„an der Spitz« der Universität gegenwärtig der bedeutendste Lehrer deS Kirchenrechts steht"(als ob nicht selbst die„bedeutendsten" Lehrer des Kirchenrechts für eine Pflanzstätte der Wissenschaft ein höchst überflüssiges Meuble- ment wären!),„der es gewagt hat(welch furchtbares„Wag stück"!), den Kampf mit Rom auszunehmen.... Ist Stifts� probst Dr. v. Döllinger auch kein Martin Luther, so ist doch die Auflehnung der Geister(!I), die von München ihren Ausgang genommen hat, immerhin als ein geistiger Wende- punkt in der Geschichte der Aufklärung der Mensch- heit anzusehen".— Die„Geschichte der Ausklärung der Menschheit" wird des„Pfaffen Dollingerius" höchstens in der Gegend des Notensternchens derCuriosität halber gedenken; sie wird ober, wenn sie dies thut, damit der Nachwelt zeigen, wie stupide die„Geister" des Zeitalters waren, in welchem eine so lächerliche Personnage wie Döllinger den„großen Mann" spielen konnte, ohne daß eine merkliche„Auflehnung" dagegen versucht wurde. Die„Geschichte der Ausklärung der Mensch- heit" wird auch, wenn sie den Kulturstandpunkt des deutschen Professorenthums im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts schildern will, bloß an das Hestkanon zu erinnern brauchen. welches beim Festinahl der Münchener Universitätsfeier gesun- gen wurde: „Gott erhalte unsern Rektor Trotz dem großen Kirchenbann; Fünfzig Jahre forschend, lehrend, «ing der Jugend er vara«. Bis— ein Moltke, bis— ein Blücher, Weltruhm er als Greis gewann: Gott erhalte unsern Reltor Trotz dem großen Kirchenbann!" Döllinger eine„Leuchte der Jugend"!— In dem Sinne wie Bismarck der„wahre Geistesvorkämpfer" ist!— In der obgUmchten Döllingernummer der„Volkszeitung" findet sich übrigens auch das Zugeständniß, daß das Kapital kein Vaterland kennt. Sie sagt nämlich: „Wenn von mancher Seit« und namentlich in französischen Blät- tern ein Triumphlied darüber angestimmt wird, daß auch daS deutsche Kapital bei der französischen Anleiheoperation in hervorragender Weise sich betheiligt hat, so wird die Bedeutung dieses UmstandeS durch die Betrachtung abgeschwächt, daß in Deutschland vorzugsweisc die nie- mals patriotische, sondern stets kosmopolitische Spekulation, nicht das solide Kapital, an den Zeichnungen Theil genommen hat". Fehlgeschossen! Nicht„abgeschwächt" wird„die Bedeutung dieses Umstandes durch die Betrachtung" der„Volksztg.", son- dern erhöht; denn wenn man vom„Kapital" überhaupt spricht, so meint man darunter nicht die paar Spargroschen des Kleinbürgers— welche die„VolkSztg." in wahrhaft anti- patergabriel'scher Keuschheitssucht mit dem Tugendnamen„so- lides Kapital" belegen zu müssen glaubt— vielmehr eben jcneS„niemals patriotische, sondern stets kosmopolitische(d. h. weltbürgerliche, internationale) Spekulations"-Kapital. Und wie schamlos dieses Kapital die Milliardenanleihe zur Ausbeutung des Publikums benutzt, das hat uns ja die„Volksztg." erst am 4. August gelehrt, als sie schrieb: „Wie'S gemacht wird. Die hiesigen Firmen S. Bleichröder und Berliner DiScontogesellschaft, bekanntlich zu Zeichnungs- stellen der neuesten ftanzösischen 3% Milliarden-Anleihe auserkoren, versandten vor dem Subskripilonstermin an Kreti und Plelhi ein gedrucktes Zirkular, in welchem die Auspizien der Anleihe bengalisch de- leuchtet und die Adressaten zur ledhastesten Betheiligung animirt wur- den. Gleichzeitig aber mit diesem Zirkular ging gewissen Personen noch extra ein rother Zettel zu, welcher die Ueberschnsi„Vertraulich" trug und die bedeutungsvollen Worte enthielt:„Auf den auf Ihre Zeichnung entfallenden Betrag werden wir Ihnen Prozent»«gütigen''. Unterschrift— racat(fehlt.) Dieses Achtel-Prozent beträgt auf die in Berlin gezeichneten 4'/» Milliarden das Sümmchen von S'U MillionenFranken-- ein-nachträgliche Kriegikontribution, welche an unsere dauts finance(Großfinanzwelt) zu zahlen ist. Lauvre France!(Armes Frankreich!)*)(Ger.-Ztg.)" Durch die(auf die hier beschriebene Weise künstlich er- zeugte) Ueberzeichnung der Anleihe steigt natürlich der Cours der Papiere um etliche Prozent, wodurch es den Generalzeichnern auch möglich wird, ein Achtel-Prozent an die Helfershelfer ab- zugeben. Besagter Bl eich r öder(der neulich„geadelte" Bis- marck'sche Hofjude'*) ist übrigens derselbe, welcher, als in Ver- sailles die Kriegskontribution festgesetzt wurde, kaiserlicherseits als Sachverständiger per exxress hinzugezogen wurde. Auf Grund seines Gutachtens wurde damals die Kontribution auf 5(statt, wie ursprünglich beabsichtigt, 3— 4) Milliarden festgesetzt. Jetzt sieht man erst, daß der Mann seinerzeit ge- wüßt hat, was er that.— Noch übler als in der„Volkszeitung" kommt das mords- patriotische Kapital in der„Magdeburgischen Zeitung" weg. Diese läßt sich aus Berlin schreiben: „Die beiden hiesigen Bankhäuser***) möchten, ähnlich wie andere Finanziers, nicht blas in Abrede stellen, daß sie mit ihrem Capitale an dem Milliarden-Anlehen sich betheiligt haben, sondern sie geben sich sogar Mühe, den Nachweis zu führen, daß sie für das Zustandekom- men der Goulard'schen Operation kaum irgendwie thätig waren. Die Thai fachen lehren das Gegentheil. Man hat sich förmlich echaufsirt und dabei fast allen Anstand außer Acht gelassen. Jetzt sind grade zwei Jahre verflossen, seitdem der Norddeutsche Bund, als ihm von Frankreich derKrieg erklärt war, vom deutschm Geldmärkte lOOMillienen Thaler ernforderte. Der Reichskanzler bekam statt der 100 Millionen Thaker einen Nominalbetrag von 68,323.300 Thlrn. und einen Capital- ertrag von 60,124,504 Thtrn. Di« großen Finanziers waren an die- fem Resultate so gut wie ganz unschuldig, und nur«eil alle Schich- tcn der Bevölkerung, namentlich die kleinen Sparer, freudig an dem patriotischen Werke sich betheiligten, floß üb«> Haupt Geld in die Reichskasse. Gezeichnet wurden in Berlin von 5542 Zeichnern 21,960,550 Thlr., in Hamburg von 1451 Zeichnern 5,900,000 Thlr., in Breslau von 1093 Zeichnern 3,030,250 Thlr.,, in Köln von 6l7 Zeichnern 2,617,600 Thlr., in Frankfurt a. M- voil 532 Zeichnern 2,4<6,300 Thlr., in Leipzig von 971 Zeichner» 1,878,650 Thlr., in Stettin von 1071 Zeichnern 1,765,650 Thlr,, in Magdeburg von 1118 Zeichnern 1,590,700 Thlr., in Königsberg von 505 Zeichnern 1,433,550 Thlr. An den übrigen Zeichuungsstellen gingen Beträge unter einer Million ein, an 56 Stellen Summen über 100,000 Thlr. Das Frankfurier Haus Rothschild, das hier für das französtsche Anlehcn Herrn v. Bleichröder Iliätig sein ließ, rührte sich 1370 mit seinem Berliner Agenten gar nicht, ja der Abgeordnete Karl Mayer v. Rothschild erschien nicht einmal in der Sitzung bei Reichstages, welche zur Diskussion der 100-Millionen-Anleihe angesetzt worden war. Er häile zu viel in seinem Geschäfte zu thun. ließ er sägen. Wären wir bei dem ersten Zusammenstoße mit Frankreich unglücklich gewesen, wir hätten zufolge der Angst und Sorge unserer sogenannten großen Finanzmänner einen allgemeine« Bankerott erlebt. Um bis ,u Weißenburg und Wörth hin das deutsche Papiergeld nicht im Werth« sinken zu lassen, thaten sie nichts, ja sie gerade beförderten die Calamttät dnrch wucherische Abzüge bei UmwechSlnng prenstt- scheu und deutschen Papiere». Für die deutsche Sache hatte man kein Geld, machte man auch keinerlei Anstrengungen, für die französische Sache wurde wochenlang vor der Goulurdsschen Operation der ganze Continent abgereist und bearbeitet, und Geld mächte man lüssig in förmlichen Unsummen. Sin« Parallele zwischen damals und jetzt, wie zwischen dem Eifer der Herren für Deutschland und für Frankreich muß gezogen werden, schon um zu zeigen, wie das Varcrlaud verloren wäre, wenn es im Augenblicke der Roth auf das Geldprotzenthum sich verlassen müßte." Wenn nur die edle„Magdeburgerin" immer so aufrichtig gewesen wäre, und nicht blos in einem augenblicklichen Wuth- anfalle.— Deutscher Journalismus. Auf dem vorjährigen Journalistentag wurde ein Preßgesetzentwurf beschlossen, welcher die provisorische- Beschlagnahme von Zeit- chriften durch die Polizei aufrecht erhielt. Zwei Journalisten, die opponiren wollten, wurde das Wort unter dem Vorwand abgeschnitten, daß die bereits wartende Suppe des Festmahls kalt würde.(!) Der Entwurf mit dem sauberen Paragraphen wurde dem Rcichskanzleramt zugesandt, das gewiß von der darin sich kundgebenden Knechtseligkeit freudig überrascht war. Jedenfalls steht es ohne Seitenstück da in der Geschichte des Journalismus, daß die Journalisten eines Landes aus eigenem Antrieb das skandalöseste Attentat auf die Preßfreiheit nicht bloß gutgeheißen, fondern zum Landesgesetz vorgeschlagen haben. Nachträglich mögen unseren Hrn.„College»" auch der- artige Betrachtungen, nebst einiger Schamröthe, aufgestiegen ein— wenigstens hat der heurige, in München abgehaltene Deutsche Journalistentag, den skandalösen Paragraphen ver- warfen, resp. ausgemerzt. Wenn solche Dinge möglich and, wie muß es mit der„politischen Bildung" von Leuten beschaffen sein, deren Aufgabe es ist, das politische Urthcil des deutschen Volkes zu bestimmen, ja, das deutsche Volk politisch bilden? zu *) Warum grade„Armes Fran kreich"? Deutschland wird dadurch ebenso ausgebeutet! **) Nebenbei Begünstiger des extremsten Pietismus— obichon persönlich„Freigeist". ***) Blei chrödcr und Diskontogesellschast(Erkommunist undAbge- ordnet« Miguel.) Der„Cölnischen Ztg." schreibt man aus Amsterdam: „Der bevorstehende Congreß der Internationalen in Haag wird hier weniger besprochen, als vielleicht im Auslande. Die Holländer haben Recht, dieser Versammlung mit vollkommener Gemüthsruhe entgegenzusehen. Die Jmeruationale paßt schlecht zum Charakter der hiesigen Bevölkerung, weshalb sie bish« auch fast keine(??) Mitglieder hat gewinnen können, und der Congreß wird ihr auch wohl keine große Zahl zuführen. Zusammenwirken, Association liegt nicht im holländischen Charakter, besonders beim Arbeiterstande. Consum- und andere Vereine wurden zwar hin und wieder durch die Bemühunzen der höheren Stände errichtet, sie sind aber theilweise eingegangen und schleppen sich nur mühsam weiter, weil die Theilnahme fehlt. Arbeits- «iustellungen sind auch wohl eiuige Male in kleinem Maßstabe vorge- komme», aber stets mißlungen. Großindustrie besieht wenig im Lande und die Handwerksindustrie befindet sich in Verhältnissen, daß die Internationale keinen Einfluß auf sie üben kann, da sie sich eben nicht imKampfe mit dem Capital befindet. Auch haben die Handwerksgesellen m letzter Zeit fast überall durch gütliche Uebereinkunft mit den Meistern Ausbesserung der Löhne erhalten. Der holländische Arbeiter steht auf keiner hohen Stiise, waS seine Befähigung betrifft, dagegen ist er mehr in dem früher herrschenden, mehr wöhk- wollenden Verhältniß zu seinem Arbeitgeber geblieben, wie es auch noch vor etwa 30—40 Jahre» i» Deutschland bestand. Es mag dieses seine Schattenseiten haben, jedenfalls hat es auch eine helle Lichi- seite. Die Internationale findet hier bei den Handwerkern darum gar keinen Boden. Wo dagegen Großindustrie besteht, da findet sie immerhin einige Anhänger, auch dort wird sie unter den gegenwärtigen Umständen nicht durchdringen. Einestheils arbeitet die Großindustrie mit sehr geringem Erfolg, so daß das Capital keinen hohen Gewinn erzielt. Damit fehlt der Internationalen eine wirksame Waffe zur Agitation. Dazu kommt, daß ein großer Theil der Fabrikarbeiter selbst für sozialistische Bestrebungen auf zu niedriger Stuse�sieht. Dieses Volk würde vielleicht durch außergewöhnliche Mittel für den Augenblick zu gewaltsamen Handlungen aufzuwiegeln, nicht aber zn planmäßigem Thun zu bringen sein. Einige Arbeitervereine, die allerdings hier zu Lande bestehen und die gegenseitige Entwickelung zum Zweck haben, wollen mit der Jnternativnalen nichts zu schassen haben. Für Holland wird also der Haager Congreß durchaus keine Gefahr bringen, und da die Regierung keine gesetzlichen Mittel in Händen und auch wohl keine Neigung hat, demselben hindernd in den Weg zu treten, so werden wir hier Gelegenheit haben, Unsinn in größt« Fülle zu hören. Werden dadurch auch vielleicht einige schwache Köpfe irre ge- leitet werden, der ruhige Theil der Arbeiter wird um so größeren Widerwillen gegen die Agitatoren empfinden. Je heftiger man im Ton- greß auftreten wird, desto besser wird eS für Holland sein, und dem Auslande wird es auch wohl nicht schaden." Diese Ci?trespondenz macht gegenwärtig die Runde tmrch die ganze deutsche Bouigeoispresse, oh>!c daß diese es ahnt, wie damit ihre ganze„Aufhchungs"-Theorie, welche gewöhnlich als Erklärungsgrund der Arbeiterbewegung herhalten muß, vernichtet wird. Denn mit dürren, klaren Worten ist in der -Korrespondenz gesagt, 1)daßes nur da moderne Arbeiterbewegung giebl, wo Großindustrie ist, wo nicht— nicht; daß also die„Agitatoren" nicht die Bewegung„machen" können; 2) daß der Einuntt in die sozialistische Bewegung einen gewissen Grad von Bildung oder Intelligenz erfordert.— Der Verfasser selbst scheint die Bedeutung seines Artikels eingesehen und nur aus Verlegen heit die mit dem übrigen Inhalt desselben gar nicht harmonire."den Schlußsähe schließlich angefügt zu haben.— Vorr. ehmcr Pöbel. Bekanntlich starb vor Kurzem der letzte S.°hn des Herzogs von Aumale, eines der Franzö- fischen Kronp rätendenten. Der Schmerz des Herzogs wurde von Zeitungsschreit>ern in den düstersten Farben geschildert, doch in Einem Athem, mit est>em bewunbernden Seitenblick auf die Römertugend des„Schwergctr offnen" wird auch erzählt, er habe an der Bahre des todten Sohn es zu einem Freunde gesagt:„Ich habe kein Glück mehr zu er warten: aber lassen Sie es bekannt werden, daß ich nicht vcrfe� �en werde, meine Pflichten gegen mein Vater- land zu erfüllen." Das heißt, ich werdenach wie vor hinter der Krone von F rankreich herjagen, und, wenn nölhig, das„Vaterland" in Bürgerkrieg stürzen. Man weiß nicht: soll man sich über die Rohheit des Prinzen mehr wundern, der selbst am Todtcnbe it des einzigen Sohnes seine infame Ehrsucht nicht vergißt, od'er über die Gemeinheit der Zeitungs- schreiber, die diese Rohheir als Ausfluß einer erhabenen Seele hinstellen. Die Sache erir'nert uns beiläufig an die seinerzeit auch von uns erzählte Anek» �te, daß der Herzog von Aumale, der vorigen Sommer nebst)' einem Bruder die Trümmerstätte eines mit mehreren Arbeitern in die Luft geflogenen Patronen- magazins besucht und dem wach'thabenden Soldaten sein„ dauern" über das„Unglück" aur �gedrückt hatte, von einem der- selben die Antwort erhielt:„Ihr F ürsten seid daranschuld, daß solche Greuel vorkomme."-"— Ein Exempel. Etliche 40,000 Proletarier läßt die Bourgeoisrepublik des Thiers in der„großen Blutwoche" ab- schlachten. Zum Dank dafür hat die internationale Bourgeoisie der Bourgeoisrepublik des Thiers etliche 40 Milliarden Franken geliehen, d. h. ungefährEine Million Franken für jeden geschlachteten Proletarier. Wir würden für emsercGeg- ner nicht so viel geben, sind ihnen aber einstweilen sehr ver- Kunden für die— Hochschätzung. „ÖW Jahre 1S67 war Herr Ha is bereits Reichstrzs-Abzeorditetet in Berün. Seine'Aufführung als solcher ist beka mt, weniger bekannt aber durste es vielleicht sein, daß Herr Hans in Leipzig kein- Bolks- Versammlung, in welcher sich Arbeiter befinden, ohne Lebensgefahr (So schlimm ist eS nicht; er wird höchstens tödtlich— ausgela cht. Dst. d. V.) besuchen darf, denn der so„gut erzogene" Herr HanS gilt bei allen Arbeitern Leipzigs als— Denunciant. Facta lotzuuntur.*) „Die Freund« des allen Robert Blum berührt eS sehr peinlich. daß Herr Hans sich immer noch als„Sohn seine« VaterS" gerirt, obgleich er doch da? Leben seines Vaters dementirt und in jeder Beziehung das(Segenlheil s-ineS Vaters ist. Gäbe es in Deutschland ein BolkSgcricht, ein freie Z Parlament, so müßte dessen erste Handlung fem, Herrn Hans zu gebieten, den Namen„Blum" abzulegen. .."I" seinem eigenen Interesse aber lhäte Herr Hans gut, möglichst bald vom öffentlichen Schauplatz zu verschwinden und sich dahin zurückzuziehen, wohin er gehört, in die Reihen der Herren Stiebcr Ohm, Gödschc, Hentze, Lindenberg u. s. w." Auch im„Leipziger Tageblatt"(vom 30. Juli) hat Herr „Hans" eine„Erziehungs"-Erklärung losgelassen. Gegen- über der„Leipziger Ztg.", welche gleichfalls in dem„Grenz- boten"-Artikel„infamirende Beschuldigungen" erblickt und von Böget behauptet halte, daß derselbe„unter den Journalisten von Fach als ehrenhaft und unabhängig allgemein bekannt" sei, sagt ,HarisG „Diese Zeitung scheint freilich nicht zu wissen, daß Herr Vogel feinen„Offenen Brief" wider mich nur deshalb an Stekke eines gerichtlichen Strafantrags gegen die„Grenzboten" gesetzt hat, weil ihm in diesem Prozesse der Beweis der Wahrheit der wider ihn erhobenen„infamirenden Beschuldi- zungen"' n». sicherer Ausficht stand und es daher viel be- quemer für' ihn mar, mich öffentlich als„Ehrabschneider" und mit anderen feiner und seiner Bundesgenossen Erzieh un g eirtspre- vor Gericht was die„Jsur- fualisten" der„Leipziger Zeitung"' von ihm zu rühmen wissen." '„--- Und ob der Reichstag sich blamirt Profefforhaft trotz alledem! Und ob der Teufel reagirt Mit Huf und Horn und alledem— Trotz alledem und alledem, Trotz Dummheit, List und alledem, Wir wissen doch, die Menschlichkeit Behält den Sieg, trotz alledem! Und ob der Prinz zurück auch kehrt Mit Hurrah! Hoch! und alledem:— Sein Schwert ist ein zerbrochen Schwert, Ein ehrlos Schwert trotz alledem! Ja doch: trotz all' und alledem, Der Meinung Acht, trotz alledem, Die brach den Degen ihm entzwei Vor Gott und Welt, trotz alledem!---" Der Ferdinand Freiligrath, der„Anfang Juni 1848" so sang, ist körperlich— so weit das physiologisch möglich— identisch mit dem Ferdinand Frciligralh, der 1872 das obige „Prachtwerk"„Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser Wil- Helm I." gewidmet hat; und dito ist der von selbigem Ferdi- »and Freiligrath„Anfang Juni 1848" be— sungene„Prinz" körperlich— so weit das physiologisch nrögtich— identisch mit„Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser Wilhelm I/', dem der selbige Ferdinand Freiligrath im Jahr der Gnade 1872 ein„Prachtwerk" widmet. Vielleicht avancirt der loyale Witz- mer n ch zum Hofrath, besoldet aus der nämlichen Kasse wie Bucher, Braß, Edgar Bauer u Al.,. die im dm Sckimpfwerten zu brandmarken, als sich „w.lden Jahren" ja auch etwas wrld waren. Bon- der„Schlacht zu sehen als das Gegmtheil dessen, was am Birkenbaum und den Todken an die Lebendigen" zum �„Leipziger Zeitung"' von ihm zu rüh,..«. „Trompeter von Gravelotte- bedurste es 20 Jahr; vom,. T-om-, Herr„Hrtis" hat leicht Mohen mit dem„Beweis der peter von Gravelotte" zum„Prachtwerk, gewidmet Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser Wilhelm I." bedurfte es kaum eines Jahres— vom Kaisergewidmelm„Prachtmerk" zum be- soldeten Hofrath wird es, bei der beschleunigten Fallzeschwindig- keit, keines Monats bedürfen, zumal die Fallstrecke sehr gering ist, ja überhaupt fraglich, ob noch tiefer gefallen wenden kann. Abwärts geht's rascher als aufwärts. Per ardua ad astral Durch Ringen zu den Sternen. Aber: Facilius dcscensuv Ävernil Leicht steigt sich's hinab an die Quellen des Reptilien- sondsl— Die Arbeitseinstellung im Londoner Baugewerbe dauert noch immer fort. Wir theilten in Nr. 61 die Bildung eines„Verbündeten Comitces" mit, dem die Leitung der Strike- angelegenheiten übertragen wurde. Dieses Comitee hat nicht den Erwartungen entsprochen, welche der energischere Theil der Arbeiter von ihm hegte; anstatt den Kampf mit allen ihm zu Gebore stehenden Mitteln zu führen, ließ es sich durch klein- bürgerliche Einflüsse und wohl auch durch die albernen Rath- schlüge des Angstmichels„Beehioe" dazu verleiten, mit dem Mcisterkomitee in Unterhandlungen zu treten und zwar auf Grund folgenden Vorschlags: Die Meister bewilligen sofort (was thatsächlich schon geschehen war) die 9 Stunden, und vom 1. März 1873 auch die 9 Pence. Bis zum 1. März begnü- gen sich die Arbeiter mit S1� Pence. Das Meisterkomitee faßte natürlich diese Bereitwilligkeit, zu unterhandeln, als Zeichen der Schwäche auf, setzte sich auf das hohe Roß und erklärte, gar nicht unterhandeln zu können; ihre Bedingungen— 9 Stunden und Pence Lohn die Stunde— seien durch den Compromiß mit den Masons allbekannt. Wie begossene Pudel mußten die Abgesandten des „Berbündeten Comitees" abziehen. Dies war am Mittwoch (vor 8 Tagen); am Donnerstag beschlossen die Delegirten der Zimmerleute einstimmig, den Strike unter allen Umständen fortzusetzen und von den ursprünglichen Forderungen kein Tüpfelchen abzulassen. Die Gewerkschaft der Zimmerleute ist vorzüglich organi- sirt; jedes Mitglied erhält wöchentlich 15 Shilling(b Thlr.) auS der Gewerkschaftskasse, und die außerordenttthen Unter- stützungsbeträgc laufen so massenhaft ein, daß in der letzten Woche jeder Ausstehende 12 Shilling(4 Thlr.) und die, welche zu Anfang des Strikes die Arbeit bei den Firmen Brest und Jackson und Shaw niederlegten, sogar 15SH. Ertraunterstützung erhielten, mehr als in irgend einer der vorhergehenden Wochen, wie überhaupt bisher mit jeder Woche eine größere Dividende bezahlt werden konnte. Kurz, die Dinge stehen so, daß selbst der versöhnungswüthige„Beehive" zugeben muß, eine Beilegung des Zwistes— im Mund des„Beehive" gleichbedeutend mit Zu- kreuzkriechen der Arbeiter— sei in weiterem Feld denn je zuvor. Es ist allerdings richtig: die Zahl der Strikenden ist nicht mehr so groß, wie zu Beginn; dafür steht aber jetzt blos die Elite der Bauarbeiter aus, eine wohl disziplinirte Schaar, mit gutem Mulh und— gefüllter Kriegskasse. Der Vortheil dieser Kampfweise für die Arbeiter liegt auf der Hand; die Arbeiter haben weniger Leute zu ernähren und diese relativ Wenigen sind geübte Streitkräfte. Die Meister begreifen das und»rächen sich schon mit dem Gedanken ver- traut, abermals alle Werkstätten ohne Ausnahme zu schließen— ein verzweifeltes Mittel, das ihnen gegenwärtig ebenso wenig nützen würde, als vor 5 Wochen. Früher und jetzt. Folgende Buchhändleranzeige geht jetzt durch die Presse: „In allen Buchhandlungen ist jetzt zu haben das Prachtwerk: Das malerische und romantische Westphalen von Levin Schücking und Ferdinand Freiligrath. Mit 28 neuen Stahlstichen und 56 Holzschnitten. Gewidmet Seiner Majestät dem deutschen Kaiser Wilhelm I. Zweite umgearbeitete Auflage. Hoch 4°. 5 Thlr. 25 Sgr. u. s. w. u. s. w. u. s. w." Früher,„Anfang Juni 1848", sang ein gewisser Fer- dinand Freiligrath, Mitverfasser des obigen„Prachtwerks", „gewidmet Seiner Majestät dem deutschen Kaiser Wilhelm I in einem Gedicht:„Trotz alledem": Leipzig, Herr Hans Blum. Im Wiener„Neuen Fremdenblatt" giebt ein Herr„Karl Di. aus Köln, jetzt in Wien" anläßlich der Affäre Blum-Böget— siehe Nr. 61 d. Bl.— einen interessanten Beitrag zur Lebensgeschichte des Sohnes des Gestandrechtete.i, Er schreibt:. „Da Herr Hans Blum mit so vieler Emphase von seiner ,.Ec- iehung" im Gegensatz zu Herrn Vogel s„Erziehung" und von seinem Mitwirken an der nationalen Entwicklung Deutschlands spricht, muß ich mir einige Worte gestatten. „Für Rolert Blum's Familie wurden auf dem Wege der National- Subscription 80,000 Thaler aufgebracht. Nach meiner und vieler anderer Leute Ansicht gehörte zu dieser Familie auch Robert- Blum's alte Mutter, die arme Frau, welche mit Kunrmer, ErUbehruig und Ausopferung ihren Sohn erzogen. Sie erhielt nichts, obgleich sie nach dem Tod Robert Blum's in das tiessi« Elend gerielh, weil eben mit ihrem Sohn ihr einziger Ernährer starb. Auch Robert Blum's in tiefer Dürftigkeit lebende Schwestern erhielten-, nichts.— Bon den Zinsen des Geldes wurden Herr Hans und seine Geschwister„erzogen." Die Mutter Robert Blum's aber mußte von de« Magistrate der Stadt Köln insArmenhuuS aufgenommen werden. H ans wuchs heran. Di« Wahl der Erziehungsanstalt, wo er seine„Erziehung" erhielt— irr« ich nicht, so befindet sich dieselbe in Wabern bei Bern— war eine verfehlte. HanS wurde zum nationalen Fanatiker erzogen. Ich habe mehrere junge Männer kennen gelernt, welche in derselben Er- ziehungsanstalt herangebildet wurden, bei Allen überraschte und ent- setzte mich die absolute Verwahrlosung des Gemüthesz herz- io« wie die Steine fand ich alle diese Leute, die ihre Erziehung diesem Institute verdanken, und so ist auch Hans Blum. Beweis: Herr Hani hat Köln oft besucht, namentlich in- den Jahren 1360 biS 1863 ist er dreimal dort gewesen. Er besuchte seine Großmutter im Armenhause, er mußte ihr Elend sehen, denn- im kölnischen Armen- Hause werden die Psründner genau so gehalten wie überall, und die alte, achtzigjährige Frau, die ja doch nichts besaß, als was ihr im Armenhause von rechtswegen gegeben wurde, hätte gewiß gern einmal einen guten Kaffee oder ein Glas Wein getrunken, hätte vielleicht auch gern im Winter ein warmes, wollenes Kleid getragen. Herr Hans. empfing reichliches Taschengeld von seinem Vormund und Verwalter der 80,000 Thaler, Herrn Dr. Hegel in Leipzig. Der Herr Han.S. hat niemals daran gedacht, seiner armen, alten Groß- mutier einen Thaler zu schenken. Die einzige Unterstützung, die Robert Blum's achtzigjährige Mutter in den letzten Jahren genoß, floß ihr. von ihrer Tochter, einer verheirathelen und verwütweten Frau Salbach, zu, die mit ihren zwei Kindern selbst in tiefster Roth war, und dann, als im Jahre 1866/67 diese Schwester Robert Blum's in noch tieseres Elend kam, als ihre Gläubiger ihr Alles, die Betten und die Kleider nahmen, als sie sich damals an Herrn HanS, der in- zwischen den auf ihn fallenden Theil der 80,000 Thaler erhalten und auch eine sehr reiche Frau geheirathet hatte, um Hilse wendete, erhielt sie eine kalte, abschlägige Antwort. Hans ist eben„erzogen", Robert Blum war weniger gut„erzogeu", aber er hatte ein warmes, gutes Herz. „Will Herr HanS vielleicht dies« Thaten bestreiten, so wird Herr Klassen-Kappelmann in Köln am Rhein hoffentlich die Güte haben, die Roth der Mutter Robert Blum's und namentlich die der genann- ten Schwester desselben zu bestätigen, denn Herr Klassen-Kappelmann war es, dessen hilfreiche Hand die genannte Schwester Robert Blum's ost aus der tiefsten Roth gerettet und vor dem Hungertode be- wahrt hat. „Doch bleiben wir bei der Mutter Robert Blum'S. Sie litt Roth bis an ihr Ende, als Hans schon ein„großer Mann" zu sein sich bestrebte. Hans hatte offenbar keine Zeit, an sie zu denken; die arme, alte Frau war auch so wenig„erzogen", daß sie nicht einmal schreiben konnte. Und doch! merkwürdig! ja, es geschehen selbst in unserem neunzehnten Jahrhundert Zeichen und Wunder— lesen wir in einem deutschen Blatte Bruchstücke von Briefen, welche angeblich Robert Blum's Mutter, die Greisin, die nicht Einen Buh- staben schreiben konnte und die nie anders als im kölnischen Platt- deutsch gesprochen hat, an ihren Sohn Robert geschrieben haben sollte, — Briese, deren Veröffentlichung wohl Herrn Hans Blum zu danken ist. Da plötzlich, als es galt, für sich Reclame zu machen, da hat Herr HanS an die arme Frau gedacht, die er bis an ihr Ende Roth und Elend leiden ließ! „Ja, Herr Hans ist sehr gut„erzogen"! „Und ferner! Am 10. lltovember 1863 richtete gelegentlich einer von dem Arbeiterbildungsverein in Mainz beabsichtigten Feier des Todestages Robert Blum's Herr Hans ein Schreiben an diesen Verein, bar aber, dieses Schreiben weder vorzulesen noch zu ver- öfsenilichen») Das Schreiben existirt heute wahrscheinlich noch, jedenfalls dürste der Uhrmacher Schöppler in Mainz dieThatsache be- künden können, da er als Präsident des Vereins das Schreiben erhielt. Allerdings eignete es sich auch nicht zur Vorlesung, dermis war in feiner Phrasenhaftigkeit wahrhaft ekelerregend. *) Eine ähnliche Comödie weiß auch der demokratische Verein zu iFranksurt a. M. von„Hans" zu erzählen. R. d. V. Wahrheit",— sintemalen er, wie wir, gewiß der Ueberzeugung est, daß da? Geeicht Poget's eventuelle Klage ga-r nicht an- tuhmen würde, mithm eS zum„Beweis der Wahrheit" über- harn-pt nicht kommeir kann.— — Der Exdemokrat- Rüder hat am 7. d.M. dem verant- wörtlichen Redakteur d. Bl. 4 Wochen Haft angedroht für den Fall, daß die den Haager Congreß der Internationalen detreffende Notiz von voriger Nr., worin die Redaktion sich zur Tebermittelunz von Mandaten an zum Congreß. reisende Delezirte erbot, noch' einmal abgedruckt würde. Auch- verbot uns Herr Rüder, von- den etwa bereits- in unfern Händen be- findlichen Mandaten den beabsichtigten Gebrauch zu- machen. Herr Rüder sollte eigentlich wissen, daß, wer— wie wir— fort- während mit der Polizei zu thun hat, durch diese Praxis min- bestens ebenso schlau geworden ist— wie gewisse Leute l Breslau. Folgendes dürfte die provokatorisch-« Ab- sichten der Regierung beweisen� Vergangenen Montag sind inFolge der Bolksversamm- kung'2! Comp agnien consignirt und jeder Mann mit- 20 Patronen versehen worden. Auch sind seitdem die Wachen verstärkt worden. Der Artikel in unserer vorigen Nummer,.„Beschreibuwz und: Geschichtliches von Hubertusburg, von Karl Hwsch" ist: irrthümlicherweise mit der L-eberschrist„Festungsbriefe I" versehen;, das Verbot der journalistischen Thätigkeit hatte die Fortsetzung- der Festungsllriefe nutzlos gemacht. A a» der Schweiz F. Zürich 12. Juli. Wie schon in einer früheren Korrespondenz ausgesprochen, find speziel die schweizerischen- Verhältnisse höchst intereffant und lehrreich für die gesäumte So-ialdemokratie. Hier, wo alle jene Freiheit ezistirt,. die unter der Herrschaft unserer heutigen GesellschaftSzustände überhaupt möglich ist, lernt man erst die riesigen Hindernisse kennen, welche der Verwirklichung unserer Ziele auch da und gerade da sich entgegen stemmen, wo unS keine despotische Staats zewalt. den Weg zu verlegen sucht. In der Schweiz, besonders in den Außen- Kantonen- und vor Allem z..B. im Kanton Zürich, haben die Roth- leidende» jeden Augenblick alle Mittel zu ihrer Berfiigunz, um durch A-usdehnunz und Verallgemeinerung des Prodiiktivgen-zssenschastS wesens, mittelst Staatssubvention, allmälige Ablösung des Privat-- eigenthnms an Grund und Boden für Landarbeitergenoffenschaften, durch Uebernahme der Eisenbahnen und sonstiger Monopole tu den BolkSbesitz und durch andere soziale Reformen die von uns erstrebte Soziat-Revolution in allmäliger und friedlicher Weise zu vollziehen und sich dadurch in den Besitz des wahren W-rthes ihrer Arbeit, des gebührende» Antheils an dem stets steigenden Rationalreichchum zu sitze«; wenigstens könnten die Arbeiter der republikanischen Schweiz jede» Augenblick jene einstweilen verhältnißmäßig immerhin werllwolleu Fabrikgesetze und Fabrikinspektorcn u. s. w. einführen, welche sich die Arbeiter des monarchischem Englands zu erringen wußten. Und doch haben sowohl diese»äherliezend.m, sozusagen: provisorischen, als auch die weitergehenden, definitioen Reformbestrebungen im Ganzen bis jetzt nirgend« weniger Kraft und Erfolg aufgewiesen, als in der Schweiz. Ja, im GegentheiU Das arbeitende Volk selbst hat noch- seine in That und Wahrheit souveränen Rech e dazu benutzt, um sich, in grau- samster Weise den Weg zur sozialen Befrnung wo möglich noch mehr zu verrammeln. Weit entfernt, deßhalb ilbei das schweizerische Volk den Stab brechen zu willen, werden wir den EcklärungSgrund dieser düsteren Erscheinung eben wieder in diesen, selben, allgemeinen Ber- Hältnissen suchen müssen, bevor irgendwo wahre Bildung und Liebe zur Bürgerpflicht, die beiden Grundpfeiler der Republik, Platz greifen können. DaS schweizerische Volk hat den von seinen gewählten Ver-- tretern im National- und Ständerath ausgearbeiteten Entwurf einer neuen Bundesverfassunz verworfen; d.rs«er in Einer Beziehung, nämlich als ein Zeichen des Uebergewichtes der Pfaffen- macht, sehr bedauerlich, wenn auch an diesem kompromißlichrn f Produkt der Bourgeoisie im Grunde viel weniger verloren ist, als manche freisinnige Schweizer meinen. Ein unendlich traurigeres Ereigniß, ein wahrhast erschütternder Beweis sür die im materiellen Elend be- gründete geistige Ohnmacht des Volkes und sür die Zähigkeit des ins Mark der Menschheit eingewurzelten Unkrautes der heutigen Zustände aber ist die Verwerfung des Entwurfes eines neuen Unterrichts- Gesetzes sür den Kanton Zürich, erfolgt durch das Züricher Volk selbst. Durch dieses Gesetz, ausgearbeitet von der demokratifchen Re- aierung des Kantons und speziell von dem wackeren Sozialdemokraten Sieb er(zu jener Zeit Erziehungsdirektor und Regierungspräsident). sollte neben andern wichtigen und nützlichen Verbesserunzen auch der schon jetzt unentgeltliche Volksschulunterricht(Primarschule) erweitert und die höhere Volksschule(Sekundärschule) unentgeltlich gemacht werden. Die Kinder, welche auch hier massenhaft von der natürlichen Ausbeutungsgier des Kapital» konsumirt, d. h. mehr oder minder rasch ihrer materiellen, wie geistigen und moralischen Gesundheit ent- äußert werden, sollten durch dieses Gesetz um einig« Stunden ihrem unglückseligen Verhäagniß entrissen und dem Lichte der Bildung zugeführt werden, uni dadurch auch den Weg zur wahren Freiheit zu finden. Bei der Volksabstimmung vom 14. April d. I. nun wurde dieses Gesetz mit großer Mehrheit vom Volke verworfen, ein Seiten- *) Thalsachen sprechen. stück zu der vor zwei Jahren erfolgten Verwerfung eines Fabrikgesetzes, welches IS Stu-lden tägliche Marimalarbeilszeit wollte, was Arbeitern zu-- kurz erschien! Und dabei ist zu bemerken, daß sich das Züricher Volk sonst immerhin durch seine demokratische und radikale Ge» sinnung auszeichnet, daß es vor drei Jahren die Aristokraten-Wirth- schaft gestürzt und sich eine Verfassung gegeben hat, die selbst vom sozialdemokratischen Standpunkt für heute nichts zu wünschen übrig läßt, die sogar das sozial-demokratische Prinzip der Unterstützung und Förderung des Genossenschaftswesens Seitens des Staats theoretisch anerkennt, die praktische Ausführung aber der Spezialgesetzgebunz, d, h, dem cinsachen speziellen Begehren der Arbeiter selbst über- lassend. Wenn das Zürchcrvolk, das die direkte Gesetzgebung (Referendum und Initiative), Unent zeitlich keit der obligatorischen Volksschule, Beschränkung der indirekten Steuern im Salzmonopol und die Einführung einer mäßig progressiven Einkommen-, V-r- mögenS- und Erbschaftssteuer bereits durchgeführt hat, vor der Aus- dchung der Schulzeit, vor dies-r Lebensfrage der Demokratie, erschrak, so hat dies eben leinen Grund in der sozialen Knechtschrst, in der auch das arbeitende Boll der„freien Schwüz" schmachtet und die es verhindert, einzusehen, daß diese Ausdehnung der Alltagsschul«(vom 12. auf das 15. Lebensjahr) gar keine Lohnverminderung, sondern uothwendig— durch die vermehrte Nahfrage— ein Steigen d.S Arbeitslohnes der Kinder, also wenigstens eine sofortige Ausgleichung, hätte zur Folge haben müssen. Man steht, daß die größten Hindernisse für unsere Erlösung, für die ökonomische Befreiung, noch in uns selbst, noch im Volke liegen, daß unsere Sitten eigentlich nur Unwisse nhe it und Selb st- sucht heißen und baß wir, heut« in den Besitz der materiellen Macht- mittel gelangt, nicht im Stande wären, unsere Prinzipien durchzu- führen, wenn dieselben nicht vorher w.-nigstens von einem gewissen Theile des Volkes geistig verbaut und als nothwendig und praktisch erkannt worden sind. Diese Aufklärung zu verbreiten ist nun ganz besonders Auf- gäbe der Sozialdemokratie in der Schweiz, wo einfach bloß jeder Bürger an der Urne bei Abstimmung über Gesetze und bei Wihlen seine Pflicht als denkender Pavtriot und Maisch zu erfüllen braucht, um sosort jeden möglichen Fortschritt zu verwirklichen. Die in den letzten Wochen im Kanton Zürich stattgefundeneu Wahlen der Regierung und der ooersten Landesbehörd«— erste« „Regierungsrath," letztere„Kantonsrath" s Volksvertretung) genannt — haben ebensfalls für die Demokratie einen kleinen Rückschlag er- geben, der hoffentlich bei den nach Berfluß von 3 Jahren wieder stattfindenden Neuwahlen gutgemacht werden wird. Mit einer kleinen Minorität fiel der Sozialdemokrat Sieber in der Wahl des Re- gierungSrathS gegenüber einem Vertreter der Eisenbahn- und sonstigen Kapitalinteressen. Diejenigen der Zürcherischen Arbeiter, welche nur einiges Verständniß für ihre Arbeiter-Jnteressen, für Gerechtigkeit und Wahrheit haben, werden diesem einfachen„Schulmeister von Astern" nicht vergessen, mit«elcher Ehrlichkeit und Entschiedenheit derselbe auch auf dem Sessel hes RegierungSralhes seiner llcberzeugung treu geblieben und für daS arbeitende Volk, für die B-rwirklichunz der wahrhaft und einzig republikanischen Startsidee, für die Staaisidee der Sozialdemokratie, eingestanden ist. Unsere Vereine veranstalteten kürzlich eine Ovation, um Sieber angesichts seiner NichtWiederwahl, ihre Anerkennung auszudrücken. Hierbei wurden viel« Reden gehalten, in denen besonders auch von dem abtretenden ErziehungSdirektor und Regierungspräsidenten Weber aus das Entschiedenut die Notwendigkeit betont wurde, nunmehr erst «cht aufGrundlage der sozial-demok ratischen Prinzipien sortzu- arbeiten. Unter den weiteren Rednern befand sich auch der Partei- genösse Lithograph Baumgarten, der vom Standpunkt des schwei- zerischen Arbeiters und Sozialdemokraten sprach, sowie der Staats- anmalt des Kantons Zürich, Herr Forrer, welcher schon einmal (bei einer früheren Gelegenheit) den deutschen„Hochverräthern" Bebel und Liebknecht ein„Hoch!" ausbrachte*). In den Züricherischen KantonSrath gelang es den vereinigten Demokraten und Sozialdemokraten den Arbeiter und Parteigenossen Mors von Zürich zu bringen. Andwweitige Arbeiterkandisaturen hatten wegen der übergroßen Bescheidenheit unserer Arbeiter vorläufig noch keinen Erfolg; ein ehemaliger Arb.iterkandidat, Schneider Krebser, welcher vor drei Jahren in den Kantonsrath gewählt wurde, mußte bei dieser Wahl als Renegat weggeworfen werden und fiel nun auch formell wieder in den Staub seiner Nichtswürdigkeit zurück, Außerdem kam noch Parteigenosse Karl Bürkli, ein altbewährter Internationaler, in die oberste Landesbchöide. Im Kanton Genf haben wir noch als dritten Partei- und Arbeiteroertreter den Groß- rath(Kantonsrath) Grosselin— da« ist Alles, was bis j'tzt aus dem Gebiete der Wahlen von den schweizerischen Arbeitern erzielt werden konnte, Hoffentlich wird die schweizerische Arbeiterklasse sich endlich auch bald ermannen und durch Organisation sich in den Stand setzen, nicht bloß sich jetzt für den Augenblick in Lohrerhöhungs- und Arbeitsieit- verkürzungskämpfen provisorisch und einigermaßen gegen die Ausbeu- tuug derKapitalmachr zu schützen, sondern durch Eroberung politischer Macht und Verwerthnng derselben im Sinne der Arbeiterinteressen ganz Europa ein furchtbares und fruchtbares Beispiel der praktischen Ausführbarkeit unserer Forderungen geben. Was nur diese hierzu vor Allem nöthige Organisation belriffr, s, liegt selbe nun sreilich„och im Argen. Die von Zürich ausgehende Gewerkschasts- bewegung jedoch berechtigt zu schönen Hofsnungeu, besonders wenn sie in naturgemäßer Forlentw ckelunz, die einzelne verbissene Feinde der Internationalen auf die Dauer nicht werden aufhalten können, dazu gelangt, ihre nationale Einseitigkeit abzustreifen und sich dem schweizerischen Landesbunde der Internationalen Arbeiterassoziation anzuschließen, besten Gründung eben im Gange ist. Vielleicht kann ich Ihnen über diesen letzteren Punkt, über die vor Allem wichtige Organisationsfrage, bald etwas Erfreuliches berichten, Paris. Wenn wir Proletarier, oder vielmehr wir Sozialisten (denn-s mag manches räudige Schaf unter den goldenen Kälbern sich befinden) an der Milliarden-Anleihe keinen Antheil haben, ist es mchts deuoweniger unser Jntereste, diese Kundgebung von der Herr- schast des Kapitals nicht unbeachtet sein zu lassen und daraus Nutzen zu ziehen für unsere Organisation. Ha! wenn wir so einig wären wie die Geldmänner— wenn wir von unserer Seite einmal mit so einem eklatanten Betiprel der Macht vor aller Well auftreten könnten, wie diese es jetzt gerhan haben, za dann wären wir eine Macht, die ohne Milliarden i-haier trotzdem die Milliarden-Inhaber in Berzweiflnng brächte; aber da wir bis jetzt nur bruchstückweise ihnen bewiesen haben, daß mit der Zeit— m vielleicht nicht serner Zukunft— wir doch zuletzt einmal, wenn unsere Lage in allen Ländern dieselbe und un- lere Interessen identisch sind, zur Einigkeit gelangen werden und ge- langen müssen, so haben diese Herren des Geldsacks die Milliarden- Anleihe benutzt, um uns zu zeigen, daß sie die Herren der Welt sind, daß sie über uns gebieten, wie über die jetzigen politischen und sozia- len Zustände; daß weder Landesgrenzen noch Nationalitäten, noch Regicrungssormen sie davon abhalten, gemeinschaftlich ihre Macht gel- tend zu machen, � Doch ei ist gut, daß es so gekommen ist— und wenn jetzt Monsieur Thiers als der zweite„Gesellschaftsretter" von ahnen begrüßt wird, so haben sie mehr ein Recht dazu, als es bei dem dritten Napoleon der Fall mar. Doch auch unsere Stellung muß und wird bei diesem Anlasse— gegenüber der Kapitalherrschaft— sich deutlicher und schärfer heraus- prägen, als es bis jetzt der Fall war, gleichgültig, ob wir wollen oder nicht(nämlich die Gesammtheit der Nichtbesitzenden); es wird sich voll- ziehen--- und unsere Gegner werden den kräftigsten Anstoß dazu geben; sie werden jetzt mehr al» je uns es fühlen lasse», daß st; uu- l'« Gebieter sind— und es wird dazu helfen, den Gedankenlosesten unter uns zum Nachdenken zu bringen und zur Gegenwehr anzuspor- nen. Und so rücken wir immer) wenn auch nicht so schnell, wie wir *ä wünschen, dem Zeitpunkt näher, wo es heißen wird: hier Reich, °vrt Arm, hier Ausbeuter, dort Ausgebeutete, hier Machthaber, dort Achtlos«,— und so wenig wie jetzt die Reichen politischer Regierungs- ■JNnen halber ihre Waffe, da; Geld, gegen sich selber, gegen ihre "genen Interessen benutzen, eben so wenig werden wir dann unsere „*) Was sagen unsere deutschen Staats rnwälte zu diesem Herrn Kollegen?— Redaktion des„Bolksstaat" Macht, welche in der Einigkeit liegt, dadurch schwächen, daß wir un» um Formen und Personen streiten— wenn die Saat reif ist, werden auch die Schnitter da sein— und das goldene Kalb auf dem Altar der Habsucht wird von der Brüderlichkeit auf dem Altar der Einigkeit zertrümmert werden.— Proletarier aller Länder, seid einig! daran mahnt uns wiederum die Drei-Milliarden-Anlcihe, Wenn ich es versuche, von dem Brennpunkte der jetzigen Milliar- den-Epidemie und den in Fieberhitze begriffenen sogenannten radikalen, liberalen und reoublikanischen.Zeitungen über diesen friedlichen Sieg Frankreichs(welcher, wie der„National" sich ausdrückt, die Nieder- läge bei Sedan auswiegt) einige proletarische Reflexionen zu machen, so geschieht es nicht deshalb, um den Lesern des„Volksstaat" den Glanben zu benehmen) daß aus dieser konservativen Republik eine mode- rirte, dann eine liberale, dann eine radikale, eine demokratische und zuletzt eine sozialdemokratische entstehen kann. Einstweilen jedoch dit- tirt die Kapitalmacht die Gesetze, nach denen in der Zukunft(wer weiß wie viel Jahre noch!) die Stellung des Proletariats nicht allein in Frank- reich, sondern in allen Ländern gehandhabt werden wird.— Monsieur Thiers soll Beglückwünschungs-Avressen sowohl vom Kaiser von Ruß- land als vom Kaiser von Oesterreich erhalten haben. Für Bismarck war ja Thiers lange der Mann, mit dem etwas anzusangen und durchzusetzen wäre— man hat selbst dem dritten Napoleon, als er seinen Staatsstreich machte, nicht so geschmeichelt, wird jetzt) dem Präsidenten der französischen Republik— aber er geht ja auch rücksichtsloser zu Werke, um Ordnung und Friede in Frankreich sherzu- stellen— und da nach der allgemeinen Meinung die Franzosen die Ruhestörer Europas sind, können die Fürsten ja in dem Präsidenten der französischen Republik nur ihren Bruder und Freund erblicken; und wer weiß, ob wir es nicht erleben, daß, wenn Monsieur Thiers in rankreich die Zügel immer strasser und straffer zieht, die Fürsten e im Gegentheil, so viel wie es sich thun läßt, lockern, theils in ihrem eigene» Interesse und theils, um ihren Unterthanen zu zeigen, daß sie es in einer Monarchie doch etwas besser haben, als in so einer Repüblik, und wir Sozialisten können viel- leicht daraus die Lehre ziehen, daß eine Republik mit politischen Frei- heilen, wie in Amerika, in Europa unmöglich ist, weil wir jetzt unter anderen Verhältnissen leben, als zu der Zeit, als die amerikanische Republik gegründet wurde und namemlich, weil die Kapitalmrcht eine solche Repüblik nicht dulden kann, so lange sie Herrin und Meisterin ist. Rarj mit dem Sturz der Kopitalherrschaft schlägt unsere Befrei- ungs stunde._ Internationale Gewerkschaft der Schuhmacher. Dem unterzeichneten Anfsichisrath ist folgender Bericht zugegangen: „Gieäcit In einer am 22. Juli von Schuh IN ach er-Gesellen anberaumien Versammlung wurde eine Gewerkschaft gegründet, und das Parteiorgan, der„Volksstaat" zu halten beschlossen. Ferner wurde eine Resolution an die Meister verfaß!, welche eine Lohnerhöhung sor- dert und ist dieselbe dem Präsident des erst kürzlich gegründeten Schuh- machermeister-Vereins überreicht. Den Aeußerungen unserer Meister nach wird unsre gerechte Forderung nicht anerkannt, sie suchen in ihrer alten spießbürgerlichen Weise unsere Forderungen zu hintertreiben, in- dem sie erklären, sie ließen sich von G sellen keine Vorschriften machen und zum Strike hätten wir kein Geld. Trotzdem unsere Genossen- schaft noch neu und der Kaffensond sehr schwach ist, erklären dennoch sämmtliche Mitglieder, fest an den Forderungen zu halten und keinen Pfennig von denselben abzulassen. Wir haben bis jetzt von unsern Meistern keine Nachricht erhalten, obgleich sie mehrere Versammlungen abgehalten haben, und glauben wir, daß der Strike unvermeidlich ist. Wir ersuchen deshalb alle Berufsgenossen, im letztern Falle uns zu unterstützen und den Zuzug fern zu halten. Briese sind zu richten an M. Simon, Adlerweg 130. Die Beamten der Mitgliedschaft, die bereits über 50 Mitglieder zählt, sind: Louis Koch Bevollmächtigter; Martin Si mo n, Kassirer; Bänder, Schriftführer." Ferner ist uns die erfreuliche Nachricht zugegangen, daß sich in Balingen in Württemberg eine Miigliedschaft) 110 Mann zählend, gebildet hat, und erklärt dieselbe, in Zukunft für die Gewerksunion einzustehen. Beoollmächtigter ist Friede. Hahn, Kassirer: stier- len; Schriftführer Friede. S auter, an welchen vorläufig Briefe zu richten sind: Vorstadt Balingen, Württemberg. Weiter fordern wir die Mitgliedschaft P as s au's auf, uns baldigst den von uns erhaltenen Brief zu beantworten, und über Gang und Stand Nachricht zu geben. Erwähnter Brief ist aus Ermangelung einer Adresse an Herrn Landsherr gerichtet, und war derselbe so freundlich, uns zu antworten, daß der Brief an den Bevollmächtigten ab- gegeben sei. Wir erwarten pünktliche und gewissenhafte Erledigung der Angelegenheit. Sodann fordern wir die Mitgliedschaft Würz bürg auf, den von uns erhaltenen Brief baldigst zu beantwortet. Dieselbe besteht schon längere Zeit, aber weder die Anmeldung der Miigliedschaft, noch die der Beamten ist bislang erfolgt. Ferner haben wir, ebenfalls aus Ermanglung einer Adresse, einen Brief an die Expedition der„Neuen freien Presse" mEhemn itz adres- sirt, um endlich einmal zu erfahren, wie eS mit der vor ein rger Zeit gegründeten Mitgliedschaft daselbst steht. Wir bitten unsere Freunde, gewissenhaft und pünktlich zu sein und Alles mit dem größten Ernst zu behandeln. Unseren Freunden in Celle zur Nachricht, daß sie bei genauer Le- sungder Statuten sich über die in ih ein Brief enthalten;» mannich- fachen Zweifel völlige Ausflärunz verschaffen können. Es wird in nächster Zeit ein Brief mit Auseinandersetzung der betreffenden Para- graphen an sie gelangen. Leipzig. Der Aufsichtsrath Aug. Schäfer, Moritz Hertzsch, Carl Müller. Internationale Geweisgenossenschaft der Maurer, Zimmerer nnd verwandten Gewerke. DreSdc». Anträge und Beschlüsse der Generalversammlung vom 6. und 7. Juli d. I. Die Generaloersammlung war durch 8 Dele- girte beschickt, wflche gegen 700 Mitglieder vertraten Die Mitglied- schaften der Gewerkschaft waren durch folgende Delegirte vertreten: Die Mitgliedschaft Dresden durch HauSding, Petrich und Lohse. Chemnitz durch Herrmann und Lange aus Chemnitz. Augsburg durch Beeg, Dresden. Eöln a. Rh. durch Reck, Dresden. Paffau durch Müller II., Dresden. Die zur Erledigung zu bringenve Tagesordnung war: 1. Rechen- schaftsbericht der Hauptkasse der Gewerkschaft und der Hauptkranken- lasse. 2. Wahl des Bororts und der Beamten. 3. Berathunz und Beschlußfassung über die Borlage zur Gewerkschafts-Union. 4. Desgleichen über die von den Mitgliedschaften eingegangene Anträge. Geleitet wurde die Versammlung auf Beschluß der Generaloer- sammlnng durch den Vorsitzenden G übler. Als Stellvertreter fun- girten Herrmann(Chemnitz) und als Schriftführer Unterzeichneter. Nach einer kurzen Ansprache an die Versammlung und Begrüßung der erschienenen Delegirten durch den Vorsitzenden ging man zur Ta- gesordnung über. Zunächst kam der Rechenschaftsbericht der Kranken- fasse durch den Hauptkassirer Born zur Vorlesung. Das Resultat der Gesammteinnahme vom 1. Juli 1871 bis E ide Juni 1872 war: von der Mitgliedschaft Dresden 30 Thlr. 2g Sgr. 3 Pf. Von der ehemaligen Mitgliedschaft Erfurt 2 Thaler. Von der Mitgliedschaft Chemnitz 9 Thlr. 10 Sgr. Summa 42 Thlr. 19 Sgr. 3 Pf. Aus- gab«: für Statut und Stempel-c. 36 Thlr. 9 Sgr. 3 Pf. Kassen- bestand: 6 Thlr. 9 Sgr. 5 Pf. Der Bericht wurde genehmigt. Gesammteinnahme der Hauptkaffe der Gewerkschaft: von der Mit- gliedschaft Dresden 39 Thlri 18 Sgr. 5 Pf. Von der ehemaligen Mitgliedschaft Erfurt 1 Thaler. Bon der Mitgliedschaft Chemnitz 29 Thlr. 24 Sgr. 2 Pf. Desgl. von Augsburg 16 Thlr. 27 Sgr. 6 Pf. DeSgl. von Cöln a. Rh. 19 Thlr. Desgl. von Passau 12 Thlr. 14 Sgr. In Summa 113 Thlr. 24 Sgr. 3 Pk.— Ausgabe 67 Thlr. 13 Sgr. 3 Pf. Bleiben 51 Thlr. 11 Sgr. Kassenbestand im vorigen Jahr 28 Thlr. 18 Sgr. Kassenbestand jetzt 79 Thlr. 29 Sgr. Davon sind 50 Thlr. bei der Assoziation der Maurer und Zimmerer zu Dres- den zinsbar augelegt. Die Versammlung hatte zu diesem Bericht nichts zu erinnern und wurde derselbe einstimmig angenommen. Zu Punkt 2 der Tagesordnung wurde von Müller I. und Leon- Hardt oer Wunsch ausgesprochen, den Vorort in eine Stadt, wo sich ein- größere Mitgliedschaft befindet, zu vertegen, und nahmen dieselben � Chemnitz in Aussicht. Die Chemnitzer Delegirten waren aber dagegen und � motivinen die NichtÜbernahme des BorortS zur vollständigen Genüge der Versammlung; nach längerer Debatte wurde vom Dele- girten Petrich(Dresden) der Antrag eingebracht: Die heutige General- Versammlung möge beschließen, den Borort noch auf ein Jahr i« Dresden zu belassen, welcher Antrag von der Versammlung einstimmig angenommen ward. Bei Wahl der Beamten wurde, in Folge der Ablehnung des seit- herigen Vorstände« und mehrerer vorgeschlagenen Mitglieder, das zuletzt vorgeschlagene Mitglied Emst Knof zum ersten Vorsitzende« und zu dessen Stellvertreter Gäbler gewählt, welche auch diese Wahl annahmen. Bei Vomahme der Wahl des Aufsichtsraths wurde vom Delegir- ten Petrich(Dresden) beantragt, den Aussichtsrath dergestalt zu theilen, daß 2 Mitglieder desselben aus Dresden, 2 aus Chemnitz und 1 au» Augsburg gewählt würden. Der Antrag wurde ebenfalls einstimmig angenommen. Die spezielle Wahl der zu wählenden Aufsichtsraths- Mitglieder wurde der Hauptversammlung der betreffenden Mitglied- schaften überlassen, und bestimmt, daß die Namen der Gewählten im „Volksstaat" zu veröffentlichen seien. Zu Punkt 3 der Tagesordnung stellte nach der Vorlesung der Borlage zum Statut dcrGewerkschasts-llnio» Müllerl. den Antrag: „Die heutige Generalversammlung erklärt sich mit der Organisation der G-wcrkschastS-Union, sowie mit der in Erfurt am 15., 16. und 17. Juni berathenen Vorlage zur Union im allgemeinen einverstanden und beauftragt alle Ortsmitgliedschaften, dahin zu wirken, daß jedes Mitglied der Gewerkschaft der Union beitrete." Dieser Antrag wurde ebenfalls einstimmig angenommen. Zu Punkt 4 der Tagesordnung beantragt die Chemnitzer Mitgliedschafl, den Z 24 im Krankenkassenstatut dahin zu ändern, daß, anstatt ein Sechstet Thaler nur ein Zehntel Thaler an die Hauptkaffe abgeliefert werde. Nach kurzer Debatte nurde der Antrag unier folgender Bedingung angenommen: den§24 des Statuts in seiner Fassung zu belassen� sich aber an den heutigen Beschluß zu halten. Schluß der Generalversammlung Nachmittag 5 Uhr. Conrad Wecke, Schriftsührer. Dresden. Hauptversammlung am 9. Juli im Lokal zur Deutsch.» Halle, Palmstr. 15. In der hcnti zen Hauptoersammluag wurde die weitere Wahl der Verwaltung vollzogen. Als Anfsichlsraths- Mitglieder wurden gewählt: Die Mitglieder Karl Petrich, große Meißnergasse Nr. 17. 2 Trep. und Müller II Zu Schristführern: ErnstHerrmannundAngustMehlig, Stellvertreter. Zu Kassirern: Karl Zimmermann, kleine Ziegelgasse Nr. 7. 2 Trep. und August Zimmer, Stellvertreter. Zu Basis-rn: Richter IL, Rönt sch und Reck. ZuEontroleuren: HauSdi ng und Uf er. Die Adresse de» Vorsitzenden ist nunmehr Ernst Knof, Maurer, Zahnsgasse Nr. 27. 2 Tr. KB. Alle Gelder für die Hauptkasse sind direkt an dem Kassirer «mzuseiiden. Herrmann, Schriftsührer. Internationale Metallarbeiterschaft. Leipzig. An die Metallarbeiter nnd Former Deutsch- l a nd s. A ngesichts der von verschiedenen Seiten gemeldeten Thatsache, daß die für den Hamburger Formerstrike gesammelten Gelder theilweise zur Agitation gegen die sozial-demvkratisch- Partei und deren Gewcrk- schaften verwendet wurden, fordern wir Euch auf, den Schweitzer'schen Agitatoren gegenüber Stellung zu nehmen. Fraget nur diese Leute, welche vorgeben,„prinzipielle Gegner" der Gewerkschaft zu sein,— Herr Harimann aus Hamburg, bez. Agitator, hat dies auch am Freitag hier von sicherklärt,— fragt sie nur, wozu sie einen„Formerbund"g«gründet haben, wenn sie die Gewerkschaften so verachten und anfeinden; fraget sie: zu welchem Zwecke eigentlich der„Berliner Arbeiterbnnd" besteht? Materielle» Nutzen sollen unsere Gewerkschaften bieten, und bieten ihn auch. Schaut hingegen den„Allg. deutschen Arbeiterverein" an, wie er seine Präsidenten und sonstigen Spitzen dotirt. Ihr werdet aus dem„Neuen Sozialdem- trat" ersehen haben, daß für den Herrn von Schweitzer in einem Jahr 2500 Thaler durch de Groschen der Arbeiter gegeben wurden.— Nur um einem Grund zu haben, gegen unsere Gewerkschaften und dahinter gegen unsere Partei zu wühlen, s agen jene Agitatoren, sie hielten die Gewerkschaftsbewegung für schäd- lich. In Wirklichkeit Llauben sie nicht an das, was sie sagen. Dul- det also nicht, daß jene Leute unsere Organisation, zumal mit uns««« eigenem Gelde, untergraben. Metallarbeiter, tretet ein in die Gewerk- schaften, sie sind das einzige Mittel, die Lage des Arbeiters zu heben und zu fördern, und Ihr, die Ihr schon vercinigl seid, haltet fest und arbeitel rüsfig weiter, und weist diesen unwürdigen, mit eurem Gelde bezahlten Agitatoren, wenn sie Euch zu veruneinigen suchen, die Thür.— Die beauftragte Kommisston der Internationalen Metall nbeitergewerkschaft. Leipzig. Herr Hartmann, über dessen Agitirerei in vor. Nr. (s. Stuttgart) so viel Ei bauliches zu lesen, überraschte auf seine» Heimwege auch Leipzig durch Ankündigung eines Vortrags auf den 2. d. Mts. in einer„allgemeinen Ardeiterversammlung." Ein Theil unserer Parteigenossen hatte sich aus Ne igier eingefunden und bildeten dieselben, gegenüber dem Dutzend Mitglieder des„Allgem. deutschen Arbeitervereins", etwr 9/10 der Versammlung, die übrigens in einem sehr kleinen Räume tagte. Tisch er, mit nur geringem Widerspruch zum Vorsitzenden ge- wählt, richteie zunächst an den Referenten Hartmann die Frage, öd er derselbe Hartmann sei, welcher jüngst Süddentschlanb bereist habe. Auf Bejahung dieser Frage erklärte der Vorsitzende nun— unter Zu- stimmung der übergroßen Majorität der Versammlung und unter Widerspruch des Herrn Petzoldt, nach dessen Ansicht der Vorsitzende seine Funktionen überschritt— die Stuttgarter„Volksstaat"-Eorre- spondenz verlesen lassen zu wollen, worin di Haitmann'schen Erp«- torationen über Bebel, Liebknecht u. s. w. enthalten seien, um Herr» Hartmann Gelegenheit zu geben, sich zu verantworten. Dies geschah. Herr Hartmann stellte die W.ahrheit det in der Stuttgarter Eorr espo ndenz Erzählten in Abrede, — notabene, nachdem er über eine Stunde gesprochen, über Alles und Jedes, nur nicht über die eigentliche Streitfrage, welche ihm wiederholt strikte vorgelegt werden mußte, da er jede präcise Antwort zu vermeiden suchte. Unter solchen Umständen machte das kleinlaute Ableugnen des H-rrn Hartmann auch einen sehr ungünstigen Eindruck auf die Versammlung, welche ihm durch den Mund vieler Redner, z. B. Fink, Seifertl., Ramm, Stelzer, klar machte, wieschändiich es von ihm sei, statt solche Gegenden zu bereisen, wo die Sozialdemokratie noch gar nicht Wurzel gefaßt, da» Geld seines Vereins zur Unter- wühlunz unserer Mitgliedschaften zu verwenden und zur Siörung des Friedens unter den Arbeitern. Man gab auch Herrn Hartman» zu verstehen, daß man die Art und Weise seiner Agitation— stch in den Orlen anständig zu benehmen, wo wir in der Majorität, dagegen bort den Knüppel herauszukehren wo wir in der Minorität sind— bereits durchschaut habe, und daß er, obschon er noch der resp ktabelste Agitator der schweitzer'schen Fraktion sei, auf keine Schonung unserer seits mehr zu rechnen habe, nachdem er sich in Stuttgart so pöbel- hast betragen. Herr Hartmann wurde immer kleinlauter— seine eigenen Anhänger schämten sich, ihm zu sekundiren; schtießlich erklärte er, das Referat nicht mehr halten zu rönnen, weil ihn— er sei brnst- krank— di- Vordebatten schon so sehr angestrengt hätten. Setne Stimme war allerdings schon heiser, das ist wahr. Aber wenn man „brustkrank" ist, darf man überhaupt nicht aus Agitation ausgehen, sondern muß man hübsch zu Hause bleiben.*) Herr Harimann hätte übri- gens jene Ausflacht gar nich t nöthig gehabt, denn die Zeit war durch das Hineinziehen vieler ungehörigen Dinge in die Vordebatte so weit vorgeschritten, daß der Vortrag so wie so unterbleiben milgte. Namentlich war es die Stellung de« Herrn Hartmann zu Herrn v. Schweitzer, welche ein größeres Interesse in der Versammlung in Anspruch nahm. Herr Hartmann pochte zum Beweis seiner Ehrlichkeit daraus, daß er schon seit 3 Jahren Herrn v. Schweitzer nicht getraut habe. „Desto schlimmer"— antwortete man ihm—„wenn Sie uns trotzdem bekämpft haben".„Ware Liebknecht, Aacck, Bracke u. f. w." — replizirte er— nicht aus dem Allgem. deuischen Arb.-Berein un nöthiger Weise zu früh ausgeschieden, hätten wir alle zusammen Schweitzer 2 Jahre früher stürzen können."„Aber diese Lerne"— wurde ihm erwidert—„sind nicht freiwillig geganzen, sonder» entweder offiziell hinausgeworfen, oder so zemaßregelt worden, daß sie *) Nichtsdestoweniger ist im„Neuen" von 4. d. M. bereit« wieder ein Vortrag des„brustkranken" Herrn Hartmann für Berlin ange- kündigt. gehen mußten"—. Warum ist das mir nicht passirt?"„Eben weil Sie sich geduckt haben und also ungefährlich waren?" So ritt sich Herr Hartmanu in die Blamage immer tiefer hinein; schließlich bestieg er auch das alte, lahme Pferd der„Organisation", gerieth aber auch bier in die Widerspdiche, die jeder unklaren.Ueberzeugung" aus dem Fuße folgten: Erst veriheidigte er die Institution des diktatonschen Prä- sidiums— wie sie der„Allgem. deutsche Arbeiten)." besitzt, ein Minute daraus rechnete er es sich zum Verdienst au, den Befehlen dieses PräsidiuinS zuwidergehandelt zu haben, sobald sie ihm nicht in den Lram paßten(z. B. gegenüber dem Hanoverschen, durch Schweitzer beim Wein erzwungenen Vorfiandsbeschluß von l87l), eher einem Fortschriltler al« einem Eisenacher bei den Wahlen die Stimme zu geben.) Dann wurde ihm auch noch vo, gehalten, wie er denn, wenn er wirtlich seit drei Jahren Schweitzer bekämpft habe, 1370 zu« Zweck der Wahlkandida- tur den vom Präfidenten zur Bedingung gemachten Revers des guast unbedingten Gehorsams habe ausstellen können? Ausflüchte wurden auch hier statt Antwort gesucht.— Zum Schluß versuchte er auch Marx anzuschwärzen: dieser babe in der Vorrede seines„Kapital" die Sassalle'sche Organisation verdächtigt und gegen sie intriguirt. Es wurde schnell das Marr'sche Werk herbeigeschasft und ihm bewiesen. daß er entweder nie in da« Buch hjneingeguckt oder frech gelogen hat. Marx sagt nämlich in der Vorrede seines Werkes:„Die Aualtsie der Werihsubstan, und der Werthgröße möglichst zu popularisiren, erschien um so nöthiger, als selbst der Abschnitt von F. Lassalle's Schrift gegen Schulze-Delttzsch, worin er„die geistige Ouimeffenz" meiner Entwickelung über jene Themata zu geben erklärt, bedeutende Miß- Verständnisse enthielt, La xassaut. Wenn F. Lassalle die sämmtlichen allgemeinen theoretischen Sätze meiner ökonomischen Arbeiten, z. B. über den historischen Charakter des Kapitals, zwischen Produltions Verhältnissen und Produktionsweise u. s. w. u. f. w., fast wörtlich, di« auf die von mir geschaffene Terminologie hinab, aus meinen Schriften entlehnt hat, und zwar ohne Ouellenangab«, so war dieses Berfahren wohl durch Propagandarücksichten bestimmt. Ich spreche nicht von seine» Detailausführungen und Nutzanwendungen, mit denen ich nichts zu thun habe."— Da die Agitatoren des„Neuen" wahrscheinlich d-n Auftrag haben tberall das Geschimpfe auf Marx loszulassen, so mögen sich unsere Parteigenossen vorstehendes Citat wohl merken. Mögen sie überhaupt den Agitatoren des„Neuen" überall so b« gegne», wie wir hier. Man lasse die Leute reden, so lange sie nicht unfläthig werden'), mache aber kurzen Prozeß mit ihnen, so bald st sich auch nur das Geringste zu Schulden kommen lassen. Stuttgart. Herr Frohme hat— siehe Nr. 58. d. Bl.— Pforzheim die Wahrheit der in Nr. 54 über ihn: gebrachten Mitthei lungen in Abrede gestellt. Der Sachverhalt ist in Nr. 54 des„Volks staat"— Correspondenz Hannover— kurz angedeutet und Hr. Frohme hat, wenn er meint, daß der Beucht theilweise entstellt sei, insoweit Recht, als es heißen muß, daß er drei Leuten(statt zweien)— diest hatten mich nut der Einkassirung betrau:— das Geld beha'ten hat. ES that mir sehr leid, daß ich von seiner Anwesenheit in Pforzheim zu spät Kenntniß erhielt, da ich dort gern die schriftlichen Beweise vorgelegt hätte. Wohl war Herr Frohme schlau genug, nichts Schriftliches von sich zugeben, denn drei Briese, die ich an ihn schrieb, blieben unbe- antwortet, bi« mir endlich von seinem Vater folgendes Schreiben zukam: Hannover, den lv. November 1871. Hern» Wetzet! „Nachdem mein Sohn schon seit längerer Zeit au „Agitationsrcisen und heute abermals ein Brief aus Berlin „an ihn eintraf, so veranlaßte e» mich, den Brief zu offenen „um zu sehen, ob vielleicht etwas Wichtiges für meinen „Sohn enthalten sei. „Da wir nun vor seiner Reise über diesen Gegenstand „zufällig gesprochen hatten, so bin ich in der Lage, Ihnen „etwas Auskunft darüber zu geben, nämlich daß Ihre An „gelegenheit ganz zu Ihrem Besten sich gestaltet hat, er. „wie ich glaube, das Geld am Tag vor seiner Reis „auch auSbezablt erhalten hat und wird er, da ich „gestern ein Schreiben von ihm bekommen habe, daß er in „diesen Tagen zurückkomme, Ihnen alsdann sofort das „Geld schicken, wie nähere Details darüber schreiben. „In Erwartung, daß Ihnen mein Schreiben angenehm „ist zeichnet Achtungsvoll Fr. Frohme." Nachdem ich nun noch mehrere Briese an Herrn Frohme schickte, ohne eine Antwort zu erhalten, beauftragte ich einen Freund, das Geld für unS in Empfang zu nehmen. Derselbe, ein Mitglied des„Allgemeinen deutschen Arbeitervereins," wandte sich direkl an Frohme, wurde aber bald gewahr, daß Frohme durchaus keine Lust hatte, zu bezahlen, und wandte sich deßhalb an den dortigen Bevollmächtigten, Herrn Rudolph. Dieser berief eine geschlossene Mitgliederversammlung, wo der Gegenstand hauptsächlich verhandelt und der Brief gn meinen Freund vorgelesen wurde. Herr Rudolph nannte Frohme in öffentlicher Versammlung bei seinem rechten Namen und gab mtinem Freunde das Versprechen, daß er die Angelegenheit übernehmen wolle, da er bessere Einsicht in dessen Verhältnisse hätte und das Geld mit aller Energie eintreiben würde. Daß Herr Rudolph sein Versprechen nicht erfüllte, will ich ihm nicht zum Vorwnrs machen; daß derselbe aber Frohme nicht aus dem Vereine gestoßen, sondern daß dieser vom Präsidium auch noch als Agitator auSgesandt wurde, ist ein sprechender Beweis für die tiefen Schaden jener Partei. P. Wetzel. Essen, 4. August. Der Strike hat nun sein Ende erreicht, leider nicht so, wie w>r wohl dachten; wir haben zwar diesmal unterliegen müssen, hosten aber, daß wir das nächste Mal siegreich hervorgehen. Vier Wochen lang ist kein Mann zur Arbeit gegangen, in der fünften Woche gingen aber schon Einige hin und grade Die, die eS nicht so nothweudig hatten, sogar Deputirte sind gegangen, die vorher das große Wort geführt hatten; heute holten sie sich noch Unterstützung und morgen waren sie die Ersten, die zur Arbeit gingen. Aber wir haben sie uns auch im Auge behalten und sie sind verachtet für immer. AlL wir einsahen, daß der Strike nicht mehr ausrecht erhalten werden tonnte, da beschlosten die Deputirten, mit den Uebriggebliebenen nach den Zechen zu gehen und anzufragen, ob sie alle wieder Arbeit bekommen könnten. Da hieß es:„Ihr könnt anfahren, aber mit Euch Dreien muß ich erst allein sprechen." Sie bekamen dann die Abkehr und konnten gehen. So haben sich denn die Gewerke vereinigt, daß Diejenigen, die in den Versammlungen gesprochen haben, auf eine Liste geschrieben wurden, welche nach allen Zechen im ganzen Oberberg- amtsbezirk Dortmund geschickt wurde, damit, wenn jene Leute kommen und nach Arbeit fragen, man zu ihnen sagen kann:„Für Sie habe ich keine Arbeit; Sie haben mit gestnket." Kommen die Gemaßregclten nach einer Fabrik, ist es ebenso. So will man die Leute verhungern lasten, damit sich ja keine andern mehr zu ähnlichen Dingen hergeben sollen. Aber da irren die Herren sehr gewallig. Die Wuth auf uns ist nicht klein; man hat Zechen, wo immer noch 200 Mann fehlen, und wo man früher 1200 Wagen förderte, jetzt aber nur noch 400 Wagen herausbringt. So haben sie schon fast auf allen Zechen zusetzen müssen und können wir sagen, daß wir doch einen kleineu Sieg davon getragen haben. Es ist nun beschlossen, eine Unterstützungskasse zu gründen, womit wir denn auch den Anfang gemacht haben. Diese Kasse führt den Namen„Rheinisch-Westsälische Unterstützungskasse für Gruben- Arbeiter." Gießen, 4. August. Nachdem in mehreren stark besuchten Schuh- mch er- Versammlungen ein Lohntarif berathen und den Meistern zugeschickt worden war, wurde am 3. d. Mts. die Antwort derselben in der wiederum stark besuchten Gehilfen-Versammlung besprochen. Das kuriose Schriftstück enthält unter Anderem die Mittheilung, daß sie, die Meister, mit dem Präsidenten der Gesellen nicht unterhandeln ihn auch nicht anerkennen wollen, weil er angeblich einmal Meister gewesen sei und sich auch mit anderer Arbeit beschäfstge; daß ein Arbeiter nicht eher Heirathen soll, bis er eine sichere Existenz besitze, um Weib und Kind ernähren zu können, weil das ein unvernünftiges Handeln sei; es wäre anständiger gewesen, wenn die Arbeiter ge- wartet, bis sie, die Meister, einen Tarif festgestellt; dann wäre es immer noch Zeit dazu gewesen. Der Schluß lautet:„Wir lassen uns niemalsPreise vonunseren Arbeitern vorschreiben." Die Antwort auf diesen ungeheuerlichen, den Spießbürgerverstand der Meister in ergötzlicher Weise beleuchtende Ukas war, da alle Umstände günstig, so f ortiger Strike. Die Stimmung ist eine ausgezeichnete, der Sieg zweifellos. Gewcrksgenossen, haltet allen Zuzug fern und sucht uns zu unterstützen! Unser Sieg ist um so wichtiger, da die Bewegung m Gießen trotz aller Anstrengung einzelner Parteigenossen im Argen liegt. Selbstredend werden wir der Gewerkschast beitreten. Briese u. s. w. sind zu senden an Martin Simon, After- weg 130. Mit sozial-demokratischem Grnß sämmtliche Schuhmachergesellen. DreSde». Gestern Abend fand wieder eine gut besuchte Ver- sammlung der Klempnergehilsen statt. Es sollten in derselben die Beschlüsse der Herien Arbeitgeber bekannt gegeben werden, das Komitee der Gehilfen hatte jedoch von Keinem derselben Nachricht er halten. Die Herren Arbeitgeber hatten es vorgezogen, mit dem Eo mitce nichts zu schaffen haben zu wollen. Wieder ein Beweis mehr, wie man von dieser Seite das Vertrauen der Arbeiter rechtfertigt. Einzelne der Herren Meister haben ihren Gehülsen erklärt, daß in der Versammlung der ersteren beschlossen worden sei, eine Lohnznlage zu gewähren und von der gegenwärtigen 12stündigen Arbeitszeit am Mon- tag 2 Stunden, am Sonnabend eine Stunde zu kürzen. Die Gehil- fen beschlossen einstimmig, mit aller Energie für den 10stündiaen Nor malarbeitstag einzutreten und bei den Arbeilgebern, welche vie For derungen der Gehilsen bis zum festgestellten Termine am 3. August nicht durch Namensunterschrist bewilligen, sofort, der früheren Kün diaung gemäß, die Arbeit niederzulegen. Die Klempnergehilfen aller- warts werden nicht ermangeln, ihre College» in aller und jeder Wei zu unterstützen, vorzüglich den Zuzug fern zu halten. Briefe u. w. sind zu senden an Herrn Seidel, Portikusstraße 6. Einige Arbeitslose sind schon vorhanden. Alle arbeitersreundlichen Blätter w rden ersucht, hiervon Notiz nehmen zu wollen. DaS Eomitee. Breslau, d. 6. August. Der hier ausgebrochene Strike der Tischler nimmt von Tag zu Tage an Umfaug zu. Die Arbeitgeber haben sich verbunden, um gemeinsam unsere Bestrebllngen zu Nichte zu machen. Dem gegenüber halten wir es für Pflicht eines jeden Parteigenossen, die Kämpfer für die Arbcitersache mannhaft zu unter stützen. Parteigenossen! Es ist da« erste Mal, daß Arbeiter Breslau'S Eure Hilfe fordern, lasset sie nicht vergebens an da« Bewußtsein der Interessen- einheit aller Arbeiter appellirenl Briefe u. s. w. wolle man an Unter- zeichneten senden. E. Freitag, Tischlergescll. I. A. d. MederstandS-Kosse Breslauer Tischler. Adresse: Tischler-Herberge. Heidelberg- Schon lange herrschte unter den hiesigen Mitglie dern des„Allgemeinen deutschen Arbeitervereins" kein rechtes Zu- trauen zu der Vereinsleitung in Berlin. Ein Mitglied nach dem an- dern, und unter diesen die tüchtigsten, trat aus der hiesigen Mit- gliedschast aus. Wir Uebrigen aber konnten uns noch nicht entschlie- ßen, in corpore dem„Allgemeinen deutschen Arbeiterverein" den Rücken zu kehren. Angesichts der neuesten Vorgänge mit Schweitzer wäre es jedoch Verrath an der Arbcitersache, wollten wir durch Verbleiben in demselben uns noch länger zu Werkzeugeu gewissenloser Jndnstrieritter hergeben. Zwar ist Schweitzer entfernt worden, aber es muh sich ein Jeder sagen, daß im Sinne dieses notorischen Regierungsagenten nicht besser gewirkt werden kann, wie es gegenwärtig durch Hascnklever geschieht. Der Wolf Schweitzer hat sich in em Schassfell gehüllt und nennt sich jetzt Hasenllever. Pflicht und Ehre gebieten uns, aus dem„AUge- meinen deutschen Arbeiterverein" auszutreten. Wir haben deshalb de schlössen, uns der sozialdemokratischen Partei anzuschließen und zählt unser Berein bereits 20 Mann. Mit Brudergruß I. E. Jkert. An die Parteigenossen: Für die Jnhaftirten ging serner der uns ein: Durch S. in Mainz 1. Sendung 20 fl., durch K. in Weimar 2 Thlr. 7 Gr. 6 Pf., durch Schmidt in Ronneburg 2 Thlr., gesammelt beim Vogelschießen Thalmühle bei Ronneburg und 22 Gr. bei einem Kränzchen des Frauen- Vereins Harmonie, durch Orbig von einem Kirchheimer Parteigenossen 1 Thlr., durch G. Neumann in Naundorf bei Siaßftut 1 Thlr. 13 Gr. 6 Pf,,' durch W Hock in Regensburg Z.Sendung 4 Thlr. 5 Gr., durch Schneider in München der halbe Ertrag eines Arbeiterfestes 23 Thlr durch Bohne in Ernstthal von Liste Nr. 166 2 Thlr. ,5 Gr. 8 Pf. durch F. Maier in Stuttgart von Lifte 561 8 Thlr. 24 Gr. 6 Pf. durch F. Simon in Aalen 3 Thlr., durch A. Schimmols in Mann- heim 1 Thlr. 23 Gr. 1 Pf., durch W. Roth in Frankfurt a. M. 5 Thlr. 22 Gr. 6 Pf., durch A. Sittner in Zürich 65 Fr., durch Brandt in Oelsnitz 1 Thlr., durch Sicker in Stollberg von Liste 571 4 Thlr., durch Barowsky in Eisenach, gesammelt auf dem Erfurter Congreß 2 Thlr. 10 Gr., von S. d. A. V. in Eisenach 3 Thlr. und von Dr. C„ 2 Thlr., durch S. in Mainz 2. Sendung 20 fl., durch Rübner Braunschweig vom Ueberschuß des Arbeitertages 20 Thlr.— Herrn Hock. Ans Ihre vielfachen Retlamationen aus den Coupons der Postanweisung möchte ich Sie ersuchen, sich die Quittung in Nr. 48 nochmals, genauer durchzulesen. Mit soz.-dem Gruß: H. Ben necke, Parteikassirer, kl. Schäfcrkamp Nr. 34, Hamburg. («ingesandt.) Der„Neue" vom letzten Mittwoch bringt unter„Vermischtes" olgende Notiz:, ,Ter„ Volks st aal" schmäht auch unfern Agitator ?artmann. Ohne irgend die Ausführungen eines weiteren Wortes zu würdigen, drucken wir einfach dieselben hier ab. Der Artikel ist von Stuttgart datirt und enthält folgende Abschnitte:(worauf er aus dem Stuttgarter Bericht die Sätze„Montag, den 15. u. s.w." und„hierauf ergriff Morlock das Wort," abdruckt, und mit den Worten schließt): „Der Schreiber dieser Schimpsereieu ist dafür nicht allein, sondern in noch erhöhtem Maße ist die Redaktion des„VolkSstaat" dafür ver- antwortlich." Die Redaktion des„Neuen" hat sich ossenbar geschämt, diesen letzten Satz zu vollenden, wir fügen also den Schluß hier bei, derselbe muß folgendermaßen lauten:„Am meisten, und endgültig Schuld, daß solche„Schimpfereien" von der Redaktion des„Volksstaat" abge- druckt werden müssen, ist Derjenige,� von dem das„Schimpfen" her- rührt und Diejenigen, die solche Scandal-Scenen eingeleitet haben, und das ist die Redaktion des„Neuen". Es wundert uns nicht, daß die sehr ruhigen und besonnenen Stuttgarter Parteigenossen in höchster Enküstuug diesen Bericht einge- andt haben; wir, die wir die Brüll- und Knüppeltheorie seit der vremer.General-Versammlung(1369) mit durchlebt, und ärgere Scenen mit angesehen haben, hätten vielleicht kein Wort darüber ver- loren, nicht einmal der Verwunderung darüber Raum gegeben. In- den Alles hat sein Gutes, so auch das Auftreten der Agitatoren des „Neuen Tölcke" im Süden. Die Versammlungen in München, Stutt- gart habe» gar keinen Nachtheil für uns gehabt. Gemeines, pöbel- »astes Betragen ist das letzte Mittel, die süodeutschen Arbeiter zu ge- winnen, und wenn der„Neue" auch zehnmal seinen Lesern vorlügt, der„Volksstaat"„beschimpft unsere Agitatoren," so dürfen wir uns durchaus nicht beirren lassen. Es fängt schon an, in gar manchen Köpfen Heller zu werden, die den„Neuen" u n d den„Volksstaat" lesen. G. W. *) Darum hatte ein Antrag, Herrn Hartmann überhaupt nicht das Referat abhalten zu lassen, so wenig Unterstützung, daß er gar nicht zur Abstimmung gebracht wurde. Briefkasten der Expedition: Von Müller Colp. f. III. Qu. 25. Thlr.; Jul. Boerner in Wechselburg: Sowie die Erklärung der Parteigenossen von Rochlitz, in unfern Händen, sende Ihnen das Gewünschte; Dom. de Bernardo f. Abonn. u.«chrft. 2 Thlr. 3 Gr. 2 Pf.; Thierbach s. Schrft. 1 Thlr., f. Ann. 24 Gr.; Bl., Mittellangenau 1 Thlr. 2 Gr.; Resch, Meerane: für Annoncen 5'h Gr. macht aber 6>si Gr.; Walz, Cassel f. Schrft. 5 Gr., die verlangten Broschüren sind nicht aus Lager. er Redaktion: B., Wechselburg: Zu unwesentlich. Mit den Kirchen- konzertei' ist es überall so.— Hamburg: Für die sofortige Aufnahme an die Spitze des Blattes gehöriger Bekanminachungen, die erst am Montag, resp. Donnerstag Mittag oder gar Nachmittag einlaufen, tonnen wir nicht garansiren. Wenn die erste Seite bereits umbrochen ist, muß das betref. Manuskript für die nächste Nr. zurückgestellt werden. Für politisch Gematzregclte. Nach letztem Willen eines verstorbenen Ver.-Mitgliedes durch Müller 20 Gr.; von C. F. Götz in' Meerane 1 Thlr. ___________ Tie«rpedttion»es„Bolksstaat" Quittung. Vom Eomitee deS vraunschweiger Arbeitertages habe ich den Be- trag von 20 Thlr. für die Jnhaftirten und 20 Thlr. fteiwilligen Bei- trag zur Agitation erhalten, wofür ich hiermit dankend quittire. H. Bestnecke. Internationale MetaUarbeitergewerkschaft für Leipzig und Umgegend. Jeden Montag, Abends 8 Uhr Si in der Restauration von Abends v Uhr iUNg Arnold, Rcudnitzerstr. 10. Tagesordnung: Besprechung de» Krankenk-sien-StaWts. Das Erschemen aller Mitglieder ist dringend nothweudig. Aufnahm- neuer Mitglieder.'(w.) Für Leipzig. Fach-Berein der Kürschner und Mützenmacher Leipzigs und Umgegend. Montag, den 12. August, Abends 3 Uhr Versammlung im Vereins- lokal, Roßplatz Nr. 9. bei Herrn Richter Der Borstand. Volks-Verein Glauchau. Einladuug zum Stiftungsfest. Die Parteigenossen von Nah und Fern werden hierdurch freund- lichst eingeladen, an unserem Stiftungsfest, welches am 11. August von Nachm. 3 Uhr an im Saale des Theaterlokals stattfinden wird, sich recht zahlreich zu betheilige». Programm: IiistniuienM- ftmeert. Festrede, von Herrn Kwasniewski lind eocnt. Herrn Motteller auS Crimmitschau. Abends: Ball. Illumination, Feuerwerk u. s. w. _(2) 2 Das Fest-Komitee Für.Aitema. Gewerkschaft der Korzaröeiter. Versammlung der Mitglieder, gleichzeitig Generalversamm- lUNg der Krankenkasse, Dienstag den 13. August 8V, Uhr im der Vereinslokal, Norderstraße 35. Ter Borstand. Kür Köln. ver-w/jal-lkiuokratfcclie Arbeiterverein bat in seiner letzten Sitzung beschlossen, die Sitzungen nickt mehr, wie bisher, Sonntag Abend« zuhalten, sondern dieselben aus D Uns- tag zu verlegen. Ei wird daher hiermit bekannt gemacht, daß die Sitzungen regelmäßig �, jeden Dienstag Äbend halb neun Uhr Vereinskokale, Thieholdsgasse Nr. 102 staltfinden, und werden die Mitglieder, sowie sämmtliche Arbeiter, welche den Druck ihrer sozialen Lage suhlen und eine Verbesserung deisclben wünschen, dringend aus- gefordert, in den Versammlungen recht zahlreich, pünktlich und regel- maßig zu-> scheinen.___ I. A.: O. Falk. Sozial-demokratsscher Arieiterperetn. Versammlung am Montag, d. 12. August, Abends 9 Uhr, in Ebcrhahn's Clublokal, Zeughauimarkt 31. Tagesordnung: 1) Sozial-politischer Wochenbericht. Referent: Lenz.— 2) Fortsetzung der Debatte über die Frage: In wie fern nützen die Strikes den Arbeitern und den Gewerkschaften? Gaste haben Zutritt. August Geib. Für Schwabe». Wir� ersuchen sämmtliche Parteigenossen Schwabens, uns unge- säumt über unten stehende Punkte Nachricht zu geben. 1) Die Beschickung des Mainzer Congresse». 2) Die Wahl des auf der Lande sversammlung beschlossenen Aai- tationscomitees. 3) Angabe, wie viel Parteigenossen an jedem Ort Mitglieder der „Internationalen Arbeiter-Association" zu werden wünschen, damit wir Stututen von Leipzig und Marken von London beziehen können. Der jährl. Beitrag zur Internat. Arbeiterassoc. beträgt 1 Sgr. Eßlingen, 6. August. Das Centralagitaiionskomitee für Schwaben. _ I. A.: Wilh. M orlock, Oberlhorstr. Nr. 3. Für Schuhmacher. Das ArbeitSnachweise-Bureau für Schuhmacher in Mainz befindet sich Mitternachtsreul Nr. 2 bei Herrn I. Joseph.— Was wir unfern reisenden Kollegen hiermit empfehlend mittheilen. Das BereinSlokal ist Mitternacht, bei Herrn Garretz. Versammlung jeden Dienstag Abend._(3) 1 Anfrage. Wo bleibt der Bericht über die wichtige Mainzer BolkSver- sammluug vom 22. Juli. Damalige Tagesordnung war: Jesuiten- gesetz und Dr. Max Hirsch. F. Sozial-Demokraten! Fort mit allem Personenbader. Schafft Euch zum Siege, und der Eonferen; Eurer Gegner zum Trotze, eine einige, starke Organisation! Steht fest zusammen, die Ihr gleiche Ziele erstrebt. Nieder mit allen falschen Freunden, die Euch spalten. Laßt allen Parteihaß schwinden, denn nur Einigkeit macht stark. Ein Mahnruf mehrerer, aber Wunsch vieler, __ wahrer Sozial-Demokraten._• Den Parteigenossen zur Nachricht, daß ich das von meinem verstorbenen Mann« über- nommene Phowgraphiengeschäft fortführe und die Portrails der bc- kanntesten Parteigenossen, Mitglieder der Commune u. s. w. zu den bekannten billigen Preisen in beliebiger Quantität versende. Die photographische Gruppenausnabme dei Congresses der sozial- demokratischen Arbeiterpartei in Dresden ani 12,, 13„ 14. und 15. August 1871 ist zu herabgesetzten Preisen» Stck. 1, 3, 5 (früher 2% 6, 12'/, und 25 Ngr.) bei Franko-Einsendun Zusendung zu beziehen durch Henritte ver». K n ieling, Dresden. und 12 Ngr., -egen Franko- ristianstr. 16. *(3) 1 Znr Notiz. Der Bolksstaatskalender kann erst Sude September zur Versendung bereit sein, da die Vorbereitungen durch bekannte Vor- gänge(Hochverrathsprozeß zc.) auf längere Zeit unterbrochen waren. Anfang Oktober wird sich aber der Kalender unfehlbar in den Händen edeS Abonnenten befinden, und bitten wir die Bestellungen zeitig zu machen, damit wir die Höhe der Auflage bestimmen können. Die Erpedition des„Volksstaat,". An die Leser des„Bolksstaat' Bo» der unterzeichneten Expedition werde» nachstehende Exemplare deS„BolkSstaat" zu taufen gesucht: 1K«S. Nr, 1, 2 und 8. 1870, Nr. 1. S. 17. SS, 1«, 18. IS. 5« und«0. 1871. Nr 1, 22, 23, 44, 45, 47, 49, 53, 55 und 71. Tie Zusendungen werden per Ärenzbaud mit der Bemer- kung der Adresse deS Absenders darauf erbeten und der Betrag sammt Portorückvergütung sofort übermittelt. Die Expeditzpu des„Bolkttaat"._ Die Filialexpeditionen werdeil ersucht, alle übrigen Exemplare von obenbezetchneten Nummern des Jahrganges 1871 einzusenden gegen Porto- rückvergütu ng_ Die Expedttio n deS„Boltsstaar." Leipzig: Verantw. Redakteur A. Muth; Redaktion u. Erpedition Hvhestr. 4; Druck u. Verlag v. F. Thiel«.