Sonnabend, 24. August. Erscheint»Schemlich 2 mal m Leipzig. Bestellungen nehmen alle Post«»stalten und Buchhand- langen des In- und Aus- landes an. giir Leipzig nehmen Bestellungen an: »ie Erpedition, Hohe Str. 4. Zl. Bibel, Peterkstr. 13, K. Thiele, Emilienstr. 2. Der VilksW ÄSonnementSpreiS: Für Preußen incl. Stempel» ßeuer 17 Sgr., für die übrigen deutschen Staaten IL'/, Ngr per Quartal, per Monat 4'/, Ngr., für Leipzig und Um- gegend per Quartal 13 Ngr. Mlialerpeditiou für diever- Migte» Piaatat: F. A. Sorge, Box 101 Hoboke» N.J. viaNewyork Organ der sozial-demokratischen Arbeiterpartei und der Znternatioualen Gewerksgenossenschasten. Anträge zum Kongreß. Tie Hambur ger Parteimitglieder beantragen ferner: 1) Den§ 2 der Geschäftsordnung zu ändern wie folgt: „Die betreffenden Parleiversammlunzen, welche für alle an einem Orte wohnhaften Parteimitglieder gemeinschaftlich sind, müssen entweder vom Ver- traucnsmann, deren es für jeden Ort nur einen giebt, oder von einem besondern Bevollmächtigten des Partei- Ausschusses einberufen werden. Der je- weilige Einberufer hat die rechtzeitige polizeiliche An- Meldung:c." 2) Zwischen den§ 10 und§ 11 der Ges chäfts- rrdnung folgenden 4j cinzu schalten: Sollten Zwistigkeiten zwischen den Parteimitglie- Kern eines Ortes entstanden und durch den Ausschuß nicht friedlich beizulegen sein, so ist zur Schlichtung der Angelegenheit ein Schiedsgericht von sieben Perso- nen einzusetzen. Das Schiedsgericht wird gebildet durch Parteimitglieder, wovon eine jede der streitenden Par- teien zwei, der Ausschuß drei Schiedsrichter zu ernen- nen hat. Dem Ausspruch des Schiedsgerichts ist so- fort Folge zu leisten, jedoch ist eine Berufung an den Kongreß, bis zu dessen Zusammentritte es bei dem Ausspruch des Schiedsgerichts sein Bewenden hat, ge- stattet. pie angebliche« sozialen Theorien und die wirklichen politischen Bestrebungen des Kerrn Aaknnin. III. Wie Herr Bakuiii» den Staat abschafft. Proudhon sagt im 16. Kapitel seiner„Conteesioirs", Frankreich habe Louis Napoleon zum Präsidenten gewählt, weil es keine Regierung mehr haben wolle.„Von nun an wird es keine Autorität mehr geben, weder eine zeitliche, noch eine geistige(ojpirituells), weder eine revolutionäre, noch eine legitime!"— Lorenz Stein, der Geschichlfchreibcr des Sozialis- mus, bemerkt dazu(Bd. III Seite 418):„Nur die unver- ständliche, von ihm selbst nie entwickelte, aber bei jeder Gelegenheit mit großem Aufwände wiederholte Meinung Prou- dhons, daß die Regierungslosigkeit das Endziel der mensch- lichen Freiheit sei, erklärt, selbst unerklärlich, wenn nicht aus der beharrlichen Verwechselung des Si ch se l bstü be r- lassenseins mit der Selbstregierung, diese Meinung, mit der Proudhon jedenfalls allein stehlt— Herr Bakuni n scheint gegen Proudhon ebenso nachsichtig im Fordern von Be- weisen zu sein, als gegen sich selbst; oder er besitzt Schriften Proudhons, welche Stein nicht gekannt hat; denn er schreibt in den„Briefen an einen Franzosen über die gegenwärtige Krifis"(September 1870), von welchen ein Therl in der knulogermanischen Broschüre in später zu erwähnender Weise abgedruckt ist, wie solgt:„Mittel und Bedingung, wenn nicht Hauptziel der Revolution ist: die V e rn i cht u n g des Prin- cips der Autorität in allen seinen möglichen Erscheinungen, die völlige Abschaffung de» politischen und juridischen Staats; denn der Staat, der jüngere Bruder der Kirche, ist, wie dies Proudhon vortrefflich bewies sen hat, die geschichtliche Einsegnung jede» Despotismus, jedes Privilegiums, die politische Ursache jeder ökonomischen und sozialen Unterjochung*)... Das ist klar wie der Dag. Aber die sozialistischen Arbeiter Frankreichs, erzogen in den politi- schen Traditionen der Jacobiner, haben es nie begreifen wollen." Auch die deutschen Arbeiter leiden an derselben Un- fähigkeit, Proudhon und Herrn Bakunin zu begreifen;„statt eine negative Macht(rine prüssunce negative) zu er- streben, die allein zur Emoncipation der Arbeiter sühn, trän- men sie von der Gründung einer positiven Macht, (lTune puiseance positive) eines nationalen Arbeiterstaats, Volkbstaats, und dies bringt sie in Widerspruch mit den Grundprinzipien der Internationalen Association und in eine sehr zweideutige Stellung zu dcm Junker- und Bourgeois- Kaiserreich des Herrn von Bismarck."(I/Empire knouto- germanique, Seile 81.) Aber die Stupidität der deutschen Arbeiter ist viel schlimmer, sie ist unheilbar oder doch nur durch die heroischen Mittel, Eisen, Feuer und russische„Ega- lisation" zu kurircn. Herr Bakunin behandelt daher die Deutschen und die Franzosen getrennt, und vorläufig hat er es nur mit den letzteren zu thun. Ihr Unglück ist, daß sie sich einbilden, irgend einer poli- tischen Organisation, sei sie auch nur provisorisch, zu ihrer Vcrtheidigung zu bedürfen. Herr Bakunin stellt diesem trüben jakobinisch-reaktionären Instinkt der Arbeiter, der ihren sonst revolutionären Instinkt beeinträchtigt, die höhere, geläuterte Erkennt', iß der Bauern gegenüber. Der Bauer ist schon halb?!akunist.„Der Bauer haßt jede Regierung. Er ver- trägt sie aus Klugheit; er bezahlt ihr regelmäßig die Steuern und duldet, daß sie ihm seine Söhne nehmen, um sie zu Soldaten zu machen, weil er nicht sieht, wie er es ändern kann, und er bietet zu keiner Veränderung die Hand, weil er sich sagt, daß tie eine Regierung soviel taugt wie die andere, und daß die neue •) Wie konnte Herr Bakunin bk Statuten der Internationalen nterschreiben, die genau das Umgekehrte behaupten ü Regierung, wie sie sich auch nenne, nicht besser sein wird, als die alte."(l'Liirp. knouto-germ. Seite 83.) Was ist da zu machen, um die allgemeine Volkserhebung zu Stande zu bringen, die Frankreich befreien und die Zukunft der Menschheit zu retten hat? Nach unserem deutschen Ver- stände—„systematisch wie er ist"— mußten, ebenso wie die deutschen Fürsten und Bourgeois ihre Bauern zwangen, Frankreich anzugreifen, die französischen Bauern, wenn sie sich nicht will'g zeigten, gezwungen werden, ihr Land zu ver- theidigen. Und mit zehntausendmal mehr Recht, als jene. Aber dieser Zwang setzt ja Regierung und Autorität voraus, ist also unzulässig. Jede Autorität schwächt die Ratio- nen(id. S. 46); aucheine aufdem allgemeinen Stimm recht basirte Autorität: Herr Bakunin beruft sich auf das famose Proudhon'sche„he suffrage universcl est lacontre- r£volution!"(„Das allgemeine Stimmrecht ist die Contre-Re- volution.") Alle Wahlen auf Grund des allgeminen gleichen und direkten Wahlrechts werden reaktionär sein, nach Herrn Bakunin,„solange die Ungleichheit der ökonomischen und so- zialen Lebensbedingungen in der Gesellschaftsorganisation vor- wiegen wird."(Seite 20.) Man sollte denken, daß Herr Bakunin, da er hiernach die Freiheit vor der durchgesührten Egalisation für unmöglich hält, einen gewissen Zwang, eine provisorische Diktatur für etwas Unumgängliches und durch die„nature meme des choses" (durch die natürliche Gewalt uer Dinge) N»»echtfertigtcs halten müßte. Erklärt er doch in der Broschüre gegen Mazzini die Klasseubewcgung als einen naturgeschichtlichen„Kampf ums Da- sein"(„combat pour la vie", S. 82), bei welchem die mo- ralische Ueberzeugung, die freie Ueberredung nicht ausreicht, sondern „iorce materielle"(materielle Macht) nothwendig ist(ib. S. 83). Weiß er doch in jener Broschüre ganz gut, daß nicht, wie sich die Deutschen einbilden, ihre höhere Intelligenz, sondern(„leur discipline traditionelle et leur moralite d'esclaves volon- taires vient le remporter des victoires faciles sur la dösorganisation et sur la demoralisation seulement tran- sitoire de la France")„ihre gewohnte Disziplin und ihr Charakter des freiwilligen Sklaventhums leichte Siege über die augenblickliche Desorganisation und Demoralisation Frank- rcichs davon getragen hat."(S. 93.) Muß er also nicht, nach seiner eigenen Meinung, erst organisiren und diszipliniren, dann die Ungleichheit beseitigen, und endlich auf der Gleichheit die regierungslose Freiheit errichten? Gewiß, er müßte, wenn er an seine vermeintlichen oder angeblichen Theorien glaubte. Herr Bakunin beginnt die levöe en masse(die Rcvo- lutionirung des Landes) damit, daß er alle Beamten ab- schafft(l'Empire kn.-germ. S. 25). Dann müssen(S. 34. 35.) Arbeiter in alle Dörfer geschickt werden, nicht mit der Autorität republikanischer Kommissäre— das würde reaktionär sein—, sondern als revolutionäre Agenten auf eigene Faust, und nicht einzeln, sondern in Freicorps vereinigt. Diese„Corps-Francs propagateurs" müssen„revolutionär inspirirt und organisirt sein."„Sie müssen die Revo- lution in ihrem Busen tragen, um sie unter den Bauern her- vorrufen und anregen zu können."„Eine aufgenöthigte (imposee) Revolution, sei es durch offizielle Dekrete, sei es mit bewaffneter Hand, ist nicht mehr die Revolution, son- dern ihr Gegentheil, denn sie ruft nothwendig die Re- aktion hervor."(S. 35.)„Gleichzeitig müssen sich diese Freikorps dem Landvolk als eine achtunggebietende Gewalt (lorce) präsentiren, die im Stande ist(capable), sich Achtung zu erzwingen(de se faire respecter); gewiß nicht, um ihm Gewalt anzuthun, sondern um ihm die Lust zu benehmen, sie auszulachen und zu mißhandeln, bevor sie sie angehört hätten, was vereinzelten und nicht von einer respektabeln Ge- walt begleiteten Agitatoren(propagateurs) wohl widerfahren könnte. Die Bauern sind ein wenig einfältig(quelque peu grossiers) und einfältige Naturen lassen sich leicht durch das prestige und die Kundgebungen der Gewalt hinreißen, frei- lich um später sich gegen sie zu erheben, wenn diese Gewalt ihnen Bedingungen auferlegt, die ihren Instinkten und ihren Interessen zu sehr widerstreite. Davor müssen sich die Frei- rorps wohl hüten. Sie dürfen nichts auferlegen und müssen Alles aufregen." Es müssen Leute sein, sagt Herr Bakunin,„die den Teufel im Leibe haben."(S. 35.) Herr Bakunin defi- nirt uns an einer anderen Stelle, S. 79, was er unter dieser von ihm oft und gern gebrauchten Redensart versteht: �„den Justi nkt der Freiheit, die Leidenschaft der Gleichheit, die heilige Revolte."— Doch genügt es keineswegs, daß diese Freikorps hinlängliche Stärke, gute Waffen und gute In- stinkte besitzen. Sie haben Aufgaben zu erfüllen, die große Klugheit und Geschicklichkeit erfordern. „Zu allererst müssen sie wegräumen, waS den Erfolg der Propaganda verzögern könnte. So müssen sie damit be- ginnen, die ganze Gemeindeverwaltung, die nolhwen- dig vom Bonopartismus oder gar vom Legitimismus oder Orleanismus angesteckt ist, zu zerbrechen; die Herren Communalbeamten, sowie alle große reaktionären Grund- eigenthümer, und den Hetrn Pastor dazu, angreifen, ver- jagen und nölhigenfalls verhaften, aus keinem anderen Grunde, als wegen geheimen Einverständnisses mit den Preu- ßen. Die gesetzliche"Gemeindevertretung muß ersetzt werden durch ein revolutionäres Komitee, gebildet von einer kleinen Zahl der energischsten und am aufrichtigsten zur Re- volution bekehrten Bauern." Es ist nicht ersichtlich, weßhalb das Komitee aus„e n e rg i- schen" Leuten bestehen soll, wenn nicht, um eine Autorität zu behaupten und auszuüben, eine Gewalt, eine— n'en deplaise ü Mr. Bakunin*)— Regierun g, die dafür sorgt, daß die eingesperrten ländlichen Reaktionäre nicht ausbrechen. Wir sind weit entfernt, behaupten zu wollen, daß hier Hr. Bakunin seiner Staatsabschaffungstheorie untreu geworden sei, denn es liegt auf der Hand, daß diese, durch eine äußere Autorität ein- gesetzte neue Dorfregierung, sobald das Freicorps den Rücken wendet, schleunigst sich selbst„abschaffen" oder„abgeschafft" werde, so daß nun für die reine Proudhon-Bakunin'sche Anarchie Raum wäre. Aber Hr. Bakunin hat sich den Wider- spruch nicht verhehlt, der darin liegt, daß die Bauern, die „jede Regierung hassen" und deßhalb„zu keiner Veränderung die Hand bieten," nun doch eine neue Regierung sich selbst aufhalsen und eine nicht ganz unbedeutende„Veränderung" vornehmen sollen. Er löst diesen Widerspruch, indem er fort- fährt(S. 36): „Aber bevor man dies Komitee einsetzt, musg man eine reelle Umwälzung in den Gesinnungen wo nicht aller, so doch der meisten Bauern hervorgebracht haben. Sie müssen sich für die Revolution begeistern. Wie dieses Wunder (miracle) bewirken? Durch das Interesse. Der sranzösis' e Bauer ist habsüchtig(cupide); wohlan! seine Habsucht selbst muß sich für die Revolution interessiren. Man muß ihm große materielle Vortheile anbiete» und sofort geben." Und nun wiederholt Hr. Bakunin die schon in seinen „Lettres a un Frant/ais" gemachten Vorschläge: „Man muß die Reaktion auf dem Lande so gut wie in den Städten vertilgen, aber man muß sie in That fachen treffen und nicht mit Dekreten bekämpfen. Mit Dekreten kann man nichts ausrotten... Statt den Bauern den Boden, den sie jetzt besitzen, wegzunehmen, laßt sie ihrem natürlichen Instinkt folgen! Und wißt Ihr, was dann kommt? Der Bauer will allen Boden haben; er betrachtet den großen Herrn und reichen Bourgeois, deren große, durch Lohnarbeiter bebaute Güter sein Feld schmälern, als Fremde und Usurpa- toren. Die Revolution von 1789 hat den Bauern die Güter der Kirche gegeben; sie werden von einer neuen Revolution den Vortheil haben wollen, die Güter des Adels und der Bourgeoisie zu bekommen." Hr. Bakunin merkt sofort, daß er in seinem patriotischen Eiser seinem collectiven Namensvetter auf den Fuß ge- treten hat. „Aber wenn dies geschehe," fährt Hr. Bakunin fort,„wenn die Bauern den ganzen Theil des Bodens in Besitz nehmen, der ihnen noch nicht gehört, hätte man dadurch nicht das Prin- zip des Priv ateigenthums sich in entsetzlicher Weise verstärken lassen, und würden sich nicht die Bauern gegen die sozialistischen Arbeiter der Städte feindseliger als je er- weisen?" „Ganz und gar nicht; denn ist einmal der Staat abgeschafft, so wird ihnen die juridische und politi- sche Weihe und Garantie des Eigenthums durch den Staat fehlen. Das Privateigenthum wird nicht mehr ein Recht sein, es wird auf den Zustand einer einfachen Thatsache reducirt sein." Das Privateigenthum wird also„abgeschafft" nicht als „Thatsache", sondern nur als„Recht," oder mit anderen Worten: das Coll ectiveigenthum wird eingeführt als Recht, nicht aber als Thatsache. Das wäre ja eine„positive Macht", und wahrhaft revolutionär ist ja nach Hrn. Baukunin nur die„puissance egative", die„negativ e Macht"(!!) Und das sagt derselbe Hr. Bakunin, der die Reaktion„nicht durch Dekrete, sondern durch Thatsachen ausrottet!" Freilich, es liegt nur noch an den einfäl'igen Bauern, zuzugreifen und ihr gutes„Recht", allen Boden zu besitzen, in eine„Thatsache" umzuwandeln. Thun sie es nicht, so ist es ihre eigene Schuld. Einige dürften es am Ende wohl thun, wenn sie nichts dabei zu riskiren glaubten. Wenn sich nun aber die reaktionären Großbauern ihr Land nicht gutwillig nehmen lassen? Oder wenn die Tagelöhner, wo es keinen Großbauern giebt, die Kleinbauern, Gärtner oder Winzer oder einander gegenseitig erproptiiren,„angreifen, vertreiben und nölhigenfalls verhaften"? Herr Bakunin denkt an Alles. „Das wird alsdann der Bürgerkrieg sein, werden Sie sagen. Wenn das Privateigenthum nicht mehr durch irgend eine höhere, politische, verwaltende, richterliche und polizeiliche Autorität garantirt ist und es nur noch durch die Energie des Besitzer« verwahrt ist, so wird Jeder sich des Gut« des Andern bemächtigen wollen, so werden die Stärkeren die Schwä- cheren plündern. „Gewiß werden anfangs die Dinge nicht ganz fried- lich ablaufen; es wird Kämpfe geben; die„öffentliche Ordnung" wird gestört werden und die ersten Thatsachen, die aus einem solchen Stand der Dinge hervorgehen, werden Das herstellen, was man gewohnt ist, einen Bürger- krieg zu nennen. Aber wollen Sie lieber Frankreich den Preußen überliefern? *)(mit Erlaubnis, Herr Baukunin!) „Fürchten Sie übrigens keineswegs, daß die Bauern eiw ander auffressen werden. Wenn sie anfangs versuchen(s'il essaient)*), dies zu thun, so werden sie bald sich von der materiellen Unmöglichkeit, auf die fem Wege zu verharren, über- zeugen und werden sich miteinander verständigen und organisiren. Das Bedürfniß, sich und ihre Familien zu ernähren, und daher die Nothwendigkeit, die Landarbeiten fo rtzusetzen, die Noth- wendigkeit, ihre Häuser, Familien und ihr Leben gegen unvor- hergesehene Angriffe zu schützen,— alles Das wird sie unfehl- bar zwingen, bald zu gegenseitigen Vereinbarungen zu schrei- ten."(S. 45.) Vergessen wir nicht, daß dies der einzige Weg sein sollte zu einer Iev6e en masse(zu ein er gewaltigen Volks- erhebung), um die deutschen Heere aus Frankreich zu ver- treiben. „Ich behaupte nicht", bemerkt Herr Bakunin bescheiden, „daß das Land, welches sich so von unten nach oben reor- ganisirt(!), mit dem ersten Schlage eine ideale, in allen Punkten der von un? getrau mten entsprechende Organi- salion schaffen wird. Aber es wird eine lebendige und des- halb der jetzigen tausendmal vorzuziehende sein. „Natürlich wird sich eine große Verschiedenheit in der Entwicklung der einzelnen Gemeinden, in die der Staat zer- setzt wird, ergeben, aber das gegenseitige Verständniß, die Harmonie, das Gleichgewicht einer gemeinsamen Ue- bereinstimmung werden die künstliche und gewaltsame Ein- heit der Staaten ersetzen. Es wird ein neues Leben und eine iicut Welt geben...." Und Bismarck?— Herr Bakunin fährt fort: „Sie werden mir sagen: Aber wird diese revolutio- näre Agitation, dieser innere Kampf, nicht die nationale Vertheidigung paralysiren und, anstatt die Preußen zurück- zuwerfen, Frankreich dem Einfall preisgeben? „Durchaus nicht. Die Geschichte beweist uns, daß sich die Nationen nie so mächtig nach außen gezeigt haben, als wenn sie sich imJnnern tief ausgeregt und verwirrt fühlten.... Im Grunde ist nichts natürlicher: Der Kampf ist der thätige Gedanke, ist das Leben, und dieser thätige und lebendige Gedanke ist die Stärke."(>,Ia lutte, c'est la pensee active, c'est la vie, et cette pensöe ac- tive et vivante, c'est la force.")(Seite 46.) Es sind jetzt nur noch einige nebensächliche Kleinig- leiten da, die der„thätige und lebendige Gedanke" ebenfalls abschafft. Seite 47: „Hier erhebt sich eine Frage. Die Revolution von 1792 konnte den Bauern die durch den Staat konfiscirten Güter der Kirche und des emigrirten Adels geben. Aber heute, wendet man ein, hat sie nicht« mehr zu vergeben. Ei und ob! Sind nicht die Kirche und die religiösen Orden beider Geschlechter, Dank der verbrecherischen Gefälligkeit der Monarchie, wieder sehr reich geworden? Sie besitzt, besonders im Süden Frank- rcichs, immenses Eigenthum in Land und Häusern, sowie Schmucksachen und Kultusutensilien, wahre Schätze in Gold, Silber und Edelsteinen. Wohlan, alles dies kann und muß konfiscirt werden, nicht zu Gunsten des Staats, son- dern durch die Gemeinden." Erinnern wir uns, daß nicht nur der Staat, sondern auch die ganze Gem eindeadministration abgeschafft und an ihrer Stelle ein„revolutionäres Komitee" eingesetzt ist. Dieses wird also in jeder Gemeinde mit der Aufnahme und Verwaltung des Kirchenvcrmögens beschäftigt sein. Doch es hat noch mehr zu thun. Seite 48: „Ferner sind da die Güter von den Tausenden Bonapar- tistischer Grundbesitzer, die sich während der 20 Jahre der kaiserlichen Regierung durch ihren Eifer ausgezeichnet haben und durch das Kaiscrthum auffällig begünstigt worden sind. Diese Güter zu konfisciren, wäre nicht nur ein Recht, sondern wäre und bleibt eine Pflicht. Denn die bonapartistische Par- tci ist keine gewöhnliche Partei, sondern.... eine Räuber- bände." Seite 68: „Aber wie so viele Leute ohne irgend ein Urtheil verhaf- ten und im Gcfängniß halten?.Air! qu'ä cela ne tiennel Es findet sich gewiß in Frankreich noch eine genügende Anzahl unbestochener Richter, und wenn sie sich die Mühe geben, in den alten Akten zu blättern, so werden sie ohne Zweifel Grund genug finden, drei Viertel von ihnen zum Bagno und Viele sogar zum Tode zu verurthcilen, indem sie einfach und ohne jede übermäßige Strenge das Strafgesetzbuch(le Code criminel) anwenden." Der Staat abgeschafft, ausgenommen eine„genügende An- zahl Richter", das„Strafgesetzbuch" und die„nöthigen Ge-- fängnisse." Ist das nicht köstlich? Das ist der staatsabschaffrnde oder der negative Bakunin. Wir kommen nunmehr zu dem internationalen Bakunin. Politische Ueberficht. In Nim es(Südfrankreich) hat der pfaffcngeknechtete Pöbel vor Kurzem einen praktischen Kommentar zu der deutsch- nationalen Historie vom Bündniß der Schwarzen und Rothen geliefert. Beim Begräbniß eines Mädchens ver- weigerten die Eltern dem Geistlichen die Offrande(Opfer- spende), d. h. sie wollten eine kleine Geldsumme nicht bezahlen, für die man die Erlaubniß empfängt, ein paar halboermoderte übel- riechende Knochen, genannt Reliquien, zu küssen. Ob dieser Weigerung entrüstete sich der betreffende Geistliche und das anwesende Volk der Gläubigen derart, daß sie unter dem Ruf: Schlagt die Communarden todt! über die Eltern und deren Freunde herfielm. Ein wildes Handgemenge erfolgte und als es der Polizei gelang, die fromme Gesellschaft zur Ruhe zu bringen, war ein junger Mann bereits dem christ- lichen Mordeifer zum Opfer gefallen. Tödtlich verwundet, die *) Dies ist der wörtliche Text, wie«sich in der Broschüre„Lettre» ä un Frangais" vorfindet. Als Herr Bakunin die Stelle jedoch der knomo-germanischen Broschüre einverleibte, bemerkte er die in ihr enthaltene Gesahr, daß schon der„Versuch" deS„gegenseitigen Auf- fressen»" Manchem nicht ganz unbedenklich erscheinen könnte, und er änderte, obwohl die Form de» wortgetreuen litirens beibehaltend, den- noch» la LaSker— den Wortlaut dahin ,�'ils roulaient msme esaayer jc."(„selbst, w.nn sie die? anfangs versuchen wollten, so wurden u. s. Sine sehr bezeichnende Selbstkorrekturl Kleider in Fetzen herabhängend, wurde der Unglückliche ins Hospital gebracht, wo er 2 Tage darauf starb. Braß wird wohl sagen, die Knüppelschläqe, womit die Schwarzen von Nimes diesem Rothen das Hirn zerschmetterten, seien Liebes- beweise gewesen, wie weiland die Preußischen Flinten- und Kanonenschüsse bei Gitschin, Sadowa und Tauberbischoffsheim. —— Besagte Flinten- und Kanonenschüsse erinnern durch einfache Joeenverbindung an diebevorstehende Dreikaiser» zusammenkunft, zu der, um dem Oesterreichischen Kaiser die Sache etwas leichter zu machen, die sämmtlichen Unglücksgc- fährten desselben von„anno dazumal" eingeladen sind. Damit die Unterhaltung nicht ins Stocken gcrathe und zugleich auch damit das Nützliche sich hübsch mit dem Angenehmen paare, soll jeder der Eingeladenen seinen Lcibstieber niltbringen. Der Russische Kaiftr ist mit Begeisterung auf den Vorschlag ein- gegangen, und der Rest dürfte schwerlich Einwendungen machen, schon aus Rücksicht auf unseren Heldenkaiser nicht, dem man nicht gut die Trennung von seinem unentbehrlichen 15-Häuser- mann zumuthen kann. So wird also allem Vermuthen nach die ins Wasser gefallene Stieberkonferenz durch die 3-Kaisnkonfe- renz noch lferausgefischt werden und eine gemeinsame ge- mischte Konferenz und em V erbr üd erun gs fest der ge- krönten und ungekrönten Ordnungs-, Familien- und Eigen- thums-Retter stallfinden.— Neulich meldeten die Blätter, in Frankreich sei ein neues Hinterlader-Kanonen-System erfunden worden, das merk- würdige Resultate liefere. Den denkfähigen deutschen Steuerzahler, der diese Notiz las, mußten sofort düstere Ahnungen beschleichen, die sich auch bereits erfüllt haben. Wie bereits von Berlin aus gemeldet wurde, hat die Preußische Regierung eine nam- hafte Vermehrung der Artillerie beschlossen. Das alte fürstliche Sprichwort:„Schlägst Du meinen Juden, schlag' ich Deinen Juden", lautet jetzt:„Schlägst Du Deinen Unterthan, schlag ich meinen Unterthan". Statt schlagen kann man auch „schröpfen" u. s. w. sagen. In der That wird auf beiden Seiten die nicht allzu ferne Eventualität eines deutsch-französischen Krieges in v e r st ä r k t e r Auflage ins Auge genommen, wie z. B. aus nachstehendem Artikel, der die Runde durch die Bourgeoispresse macht, er- sichtlich ist: „Ueber die bekanntlich projectirte Ausdehnung und Verstärkung der Befestigungen von Paris giebt ein unzweifelhaft aus fach- kundiger Feder flainmender Leitartikel der„Spenerschen Ztg." interessante Mittheilungen. Durch dieselben wird dargetha», daß die in vieler Hinsicht sehr günstige Stellung, Aelche unsere Heere im Winter 1876 aus 71 vor der sranzöstslben Hauptstadt einnahmen, sich nach Aus- führung des neuen Fortificationsplanes nicht mehr wiederholen kann und wird.„Einer der einsichtigsten und sachkundigsten unter den deutschen Beurtheilem des letzten Feldzuges"— heißt es u. A. in dem Artikel— der General Hanneke», hat offen erklärt, daß die Befestigung von Paris zwar für die Vertheidigung des Platzes aus- reichte, daß sie aber ganz ungenügend war für die Vorbereitung und Festhaltung der umliegenden Schlachtfelder, daß in dieser Hinsicht beinahe alle Vortheile des Terrains dem Belagerer statt den Be- lagerten zur Seile standen; fast ohne Ausnahme waren die beherrschen- den Hohen, welche auf daS weite Paris herabsehen, in den Händen der Deutschen. Eben diese Höhen werden nun in das Be- festigungssystem hineingezogen. Der Anfang ist natürlich an der gefähilichsien Stelle gemacht worden; diese aber war im Süden auf dem linken Seineufer, wo 1870 die dritte deutsche Armee Auf- stellung genommen hatte, und von wo in den ersten Januartagen 1871 der artilleristische Angriff gegen Paris begann. Von den hier liegenden 6 Forts sind Jssp und Vanvres bereits vollständig geschleift, Momrouge steht dasselbe Schicksal bevor, die übrigen bleiben erhalten, treten aber in zweite Linie, indem vor ihnen eine Anzahl neuer Vet- ichanzungen errichtet wird. Ter Belagerer von Paris wird in Zukunft nicht mehr, wie 1870, eine» Kreis von 11 Meilen, sondern einen von fast 2« Meilen zu besetzen haben, nnd für den Beginn des artilleristischen Angriffs wird er mit 300 Geschütze« nichts mehr auskommen, soliden» diese Zahl wenigstens um die Hälfte erhöhen müssen"— Die Consiquen- jen, welche der Verfasser des Artikels schließlich aus den angeführten Thatiachen zieht, sind folgende:„Ein zweites Mal Wird man uns schwerlich die Zeit lassen. Parts durch Hunger zu be- zwingen, also werden wir unse-e FestnngS-Artillerte. deren Eadres bereits im letzten Feldzuge»tcht ausreichten, bedeutend verstärken müssen." Die Reorganisation unserer Artillerie ist auch aus diesem Grunde eine dringende Nothwendigkeit." Die Deutschen wissen also nun, was die Franzosen mit den Milliarden, die sie sich aus Deutschland herübergeholt haben, anfangen. In Nr. 63 d. Bl. sagten wir bereits anläß- Uch der Milliardenanleihe:„Ueber 5000 Millionen Franks haben sie(die Deutschen) dem„Erbfeind" gezeichnet— allerdings zum Verzweifeln, wenn man an deutsche Biederkeit, Sittenstrenge und Uneigennützigkcit geglaubt hat! Und mit dieser Doppelohrfeige ist's nicht genug. Es gesellt sich zu ihr noch der peinigende Argwohn, der SchelmfranzoS werde das deutsche Geld annektiren und dergestalt in französische Revanche- loldaten anlegen, daß er schließlich die Zahlung des französischen Geldes verweigern kann. Was freilich ein grausamer Scherz wäre." Das Pariser„Journal des Debats" bekennt denn auch mit einer Offenheit, die nichts zu wünschen übrig läßt:„Wer zwingt uns, die Milliardenanleihe zum Zwecke der Abzahlung der Kriegskontribution zu verwenden? Wir können das Geld gebrauchen, wie und wozu wir wollen, elbst zu Krieg szwe cken." Die Much, in welche das„Deutsche Handclsblatt" ob olcher französischen Keckheit geräth, ist an folgender possirlichen Phrase Schuld:„Wir bezweifeln nicht im Mindesten, daß Europas und Deutschlands Milliarden in unsere Taschen n werden." Schon die Zusammenstellung„Europa und Deutschland" beweist, in welcher Gemüths- und Geistesverfassung sich der Schreiber jener Zeilen befunden hat. Man braucht sich daher über den Größenwahnsinn,„Europa" werde einstens zu Groß- preußcns Füßen dahingestreckt liegen, nicht zu alleriren.— „Dieser bürger- und menschenunwürdige Byzantinismus ...., diese Devotion ist ein schwächliches Ueberbleibsel aus dem vorigen Jahrhundert des Despotismus und der Unter- thanen-Demuth, wo es, wie der Dichter Schubarth schreibt, zum guten Ton und zur Pflicht der Zeitunge» gehörte:„vor Fürsten, auch wennsie Bösewichter sind, denFuchs- •chwanz zu streichen, kühle Galatage, Jagden, Musterungen, jedes gnädige Kopfnicken und matte Zeichen de» Menschengc- sühls mit einer Doppelzunge auszutrompeten, jedem Hofhund einen Bückling zu machen u. s. w., u. s. w." Also schreibt— man rathe: Wer?— das„Leipziger Tageblatt" aus den „Chemnitzer Nachrichten" anläßlich des partikularistischen Sach- senpatriotismus, der sich in einigen harmlosen Gedenksteinen in Leipzig und auf dem Lande kundgiebt. Freilich, wenn es gilt, dem„Heldengreis" oder dem„Genialen" Weihrauch zu streuen, so ist das ganz etwas Anderes: diesen Beiden gegen- über ist das, was inan sonst„bürg«- und menschenunwürdigen Byzan inismus",„Devotion" u. s. w. nennt, nur die g e b ü h- rende Huldigung,»vie z. B. nachstehender, seines Gleichen ivcit und breit suchend« Herzcnserguß, zu dem die Besteigung des Watzmann durch den„Heldengrcis" einen Bismarck'schen „Sauhirten" begeistert hat: „Hätte Jostia es der Sonne nicht vor Jahrhunderten geboten, gestern hätte sie e« aus freien Stücken gethan, sie wäre stille geflan- den, sie hätte inne gehalten mitten in ihrem Laufe, ihr Sirahlenauge satt zu weiden. Dergleichen sieht man nicht alle Tage: Da standen sie in schweigender Majestät und schauten hinab in daSTHal, er drüben, er hüben, beide hoch hinausragend über ein gewöhnliches Maß, beide bemüht, einander vom Platze hinweg zu starren— dort jenseits der Berge der große Ultramontane*), der Watzmann; hin der Hort der Gottesfurscht, dort der erhabene Watzmann mit seinen Hörnern und dem schneebedeckten Hauvte, hier der Kaiser der Deutschen ohne Hör- n er(!!!)mit nicht minder schneeigem Scheitel, hier dn trotz seiner Höhe oft erklommene Fürst der Berge, hier der noch nie bestiegene(sie!) Riese unter den Fürsten. Beide prangten in voller Lebensgrößc und es ist wahrlich nicht Schuld des Kaisers, daß er etwas kleiner ge- rathen; Berge mißt man nach Fußen, arme Menschenkinder nach dem Zoll. Trotzdem hatte» sie Aehnlichkeü, von Beiden sah man nur das Haupt. Der Fuß des Watzmann war hinter vorgeschobenen Bergen versteckt und vor der Villa des künftigen deutschen Kaisers stand, über- ragt vom Berchtesgadener Hochthrone, nur die Büste des jetzigen. Von deii Giebeln des im barockfeudalen Style gehaltenen Baues wallende Flaggen fächelten ihm sanfte Kühlung zu und neigten und beug- ten sich in stummer Huldigung vor seinem Abbild. Wo der Sohn dem Vater solche Ehren erweist, konnten die serner stehen- den, tief unten im Thale der sozialen Stellung wimmelnden Sterb- lichen nicht zurückbleiben u. s. w., u. s. w. Also zu lesen in der„Neuen freien Presse". Die V«- gleiche(resp. die Antithesen) zwischen dem Berg und dem Kaiser ließen sich noch weil« ausdehnen: Der Berg begräbt in sich Schätze, der Kaiser— u. s. w., u. s. w., u. s. w.— In Gmünd lud der Magistrat die Einwohnerschaft offi- ziell ein, dem durchreisenden„unserm Fritz" auf dem Bahn- Hof eine Ovation zu bringen, aber—„in feierlicher Kleidung."— Der König von Bayern macht dem Berliner Heldenkaiser und dessen Familie viel Mühe. Der Heldenkaiser selbst hat ihm einen langen Brief und des Heldcnkaisers Gattin sogar eine Rede an seine Adresse gehalten. Hoffentlich hat sie dabei nicht gegen das Vereinsgesetz verstoßen. Wir sind be- gierig auf den weiteren Verlauf dieser sonderbaren— Belagerung.— Die V olksflucht, die Fahnenflucht in Massen aus dem ruhmreichen Reich der frommen Stiebersitte in die ameri- konische Republik muß den Herren in Berlin nachgerade sehr bedenklich vorkommen; sie wollen ihr ein Ziel setzen durch V«- bot des Auswanderungstonsenses für alle Militärpflichtigen und Solche, die es bald werden.'Nun— die„affenartige Geschwindigkeit" wird sich in anderer Weise bethätigen, als wo- zu sie eingedrillt worden ist. Man fährt in Schiffen von Holz und Eisen über das Meer, nicht auf einem„Stückchen Papier", das die Auswanderungslustigen dem sie so herzlich liebenden Vaterland gern schenken werden.— „Kulturstaatliches."„In Könitz hat sich"— wie die Blätter berichten—„ein Schulmeister, der Familienvater ist, von einem jährlichen Einkoirnnen von neunzig Thalern zu ernähren. Da muß er denn natürlich noch einen Neben- verdienst suchen und er trieb etwas Schreinerarbeit. Auch das ist ihm jetzt„von Gesetzes wegen" genommen. Der Mann konnte die erhöhten Beiträge zur Lehrerwittwenkasse nicht cnt- richten Der Epekutor erschien und fand in der Wohnung nur zwei Möbel vor: ein Bett und eine Hobelbank. Er pfändete beide. Zwar verordnet das Gesetz, daß Niemandem sein Hand- werkszeug abgepfändet werden darf— aber der Lehrer ist eben Lehrer und nicht Schreiner, und folglich die Hobelbank nicht sein Handwerkszeug."— Es stieb crt.„Wenn Anzeichen nicht trügen," schreibt die Berliner„Gerichis-Zeitung",„hat»nan im Auslande auf unsere Führer der sozial-demokratischen Partei ein wachsames Auge. An den wegen Majestätsbeleidigung verurtheilt gewesenen, erst kü.zlich aus der Haft entlassenen, bekannten Carl Hirsch sind hintereinander drei Briefe, einer in London und zwei in der Schweiz abgesandt, hierher gelangt, welche sämmtlich hier amtlich verschlossen worden waren und den Vermerk auf der Rückseite trugen:„Erbrochen hier angekommen." Da es sich nicht um einen, sondern um drei Briefe handelt, so scheint das„Erbrochen angekommen" nicht bloS auf einem Zufall zu beruhen." Dies die Notiz der„Gerichtszeitung". Wir haben von Hirsch keine direkte Nachricht erhalten, haben jedoch auch nicht den mindesten Grund, die Richtigkeit der vom genannten Blatt mitgeiheilten Thatsache zu bezweifeln. Lächerlich ist blos die zu Anfang ausgesprochene Schlußfolgerung, man habe im „Ausland" ein wachsames Auge auf„unsere" Führer der sozialdemokratischen Partei, was nichts Anderes heißen kann, als: die Erbrechung der betr. drei Briefe sei Seitens d eS AuS- landes verübt worden. Im Ausland vielleicht, aber durch das Ausland, durch ausländische Behörden, nimm«mehr! Wed« die Englische noch die Schweizer Regierung oder Polizei haben die geringste Veranlassung, Briefe an Carl Hirsch zu erbrechen; wohl aber ist das Erbrechen von Briefen, die„unsere Führer'' der sozialdemokratischen Partei schreiben und an sie geschrieben werden, seit Langem eine in Deutschland und durch deutsche Agenten gepflegte„Eigenthümlichkeit". Und wir nehmen mit Fug und Grund an, daß dieselben deutschen P«sonen resp. Behörden, deren Thätigkeit auf diesem Gebiet uns auS Erfahrung so wohl bekannt ist, auch die drei Briefe an Hirsch erbrochen haben. Ist uns doch um dieselde Zeit, als die drei Briefe an Karl Hirsch„erbrochen angekommen", ein Brief auS London gestiebert worden! Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß Hr. General- postdirektor Stephan unsere neuliche Notiz über Brief- stieberei völlig unbeachtet gelassen hat, obgleich er aus Anlaß einer ähnlichen Notiz in einem klerikalen Blatt sofort eine Untersuchung veranstaltete. Hr. Stephan scheint zu wissen, daß die Klerikalen mit Hn». Stieber im Grund auf sehr gutem Fuß stehen, also sehr schlimme Entdeckungen nicht zu *)„Ultramontan" heißt: jenseits der Berge; Diejenigen, die de» Lehren RomS ergeben find, nennen sich:„Ultramontane". befürchten sind. Wir fordern ihn aber hiermit wieder- holt undformell ausdie von«ns schondes öftexenge- rügte skandalöse Verletzung des Briefgeheimnisses zum Gegenstand einer Untersuchung zu machen. Wir, d. h. die Redaktion des„Bolksstaat", sind be- reit, für alles Gesagte und sürMehrden Beweis der Wahrheit anzutreten. Von der Berliner Volkszeitung" erwarten wir den Ab- druck auch dieser Notiz, damit jeder Vorwand, dieselbe zu ignoriren, entzogen werde.— In B erlin versucht Stieber— nachdem die Polizei neulich mit den von ihr inscenirten Straßenkrawallen so kläglich durchgefallen ist— nun im Kleinen zu vollführen, was ihm schon so oft im Großen mißlungen ist. Einer seiner Unteragcnten, Namens Leidiger, drängte sich am 26. Juli an den Sozialdemokraten Stä gemann heran und schimpfte in der mit ihm angeknüpften Unterhaltung auf Regierung und Bourgeoise, um hinterher den Stä gemann wegen„Anreizung zum öffentlichen Widerstande" zu denunziren. Stägcmann wurde dcßhalb verhaftet. In der Gerichtsverhandlung beantwortete der „Zeuge" Leidiger die Frage des Verthcidigers, ob er ein bezahlter Polizcivigilant sei, mit Ja! „Der Staatanwalt hielt"— wie die„Vossische" berichtet— „trotzdem Leidigers Zeugniß,„auch wenn der Zeuge ein Polizei- vigilant ist", für bezichtigend genug, um gegen den Angeklagten eine sechsmonatliche Gesang ni ßstrafe zu beantragen; der Verlheidiger, führte dagegen aus, daß das Zeugniß des Bigilanten absolut keinen Werth habe und stellte aus diesem Grunde dem Gerichtshof entweder die Freisprechung des Ange- klagten oder die Vervollständigung der Beweisaufnahe anHeim. — Auf die Frage, ob er bei der sorgfältig vorbereiteten Denunciation nicht noch einige Zeugen habe, welche die in- kriminirte Rede gehört hätten, antwortete Vigilant Leidi- g e r) Er habe nur noch zwei Zeugen, von denen der eine aber überhaupt nicht hören könne und der andere nichts gehört haben wollte. Der Gerichtshof resolvirte auf Vervoll- ständigung der Beweisaufnahme und beschloß, gegen den Antrag des Vertheidigers, den sichtlich leidenden Angeklagten bis zum Schluß-Trrmin in Haft zu behalten." Diese Art von Gerechtigkeitspflege ist noch 100 Grad unter„Mücke". Die letzten Nachrichten aus London stellen ein bal- diges Ende des Strikes der Zimmerleute und Bau- t isch ler als wahrscheinlich hin. Die Meister haben sich davon überzeugt, daß eine Fortsetzung des Kampfes ihnen, bei der geschloffenen, undurchbrechbaren Organisation ihrer Gegner nur nachtheilig sein kann, und unter der Hand zu erkennen ge- geben, daß sie bereit sind, sich auf Unterhandlungen einzulassen. Die Arbeiter haben natürlich kein Interesse, den Strike zweck- los in die Länge zu ziehen und werden zu einem dilligen Aus- gleich gern die Hand reichen. Wie verlautet, haben die Meister sich erboten, in Bezug ausdie Beschränkung derArbeits- zeit und die Anordnung der Arbeitsstunden, sowie in Bezug auf den Entwurf einer zu vereinbarenden Werk- stä ttcord nung vollständig die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen; dagegen erklären sie, über einen Lohnsatz von 8�/, Pcnce die Stunde(statt der ursprünglich geforderten 9— vor dem Strike waren es 8) bei der obwaltenden Geschäfts- konjunktur nicht hinausgehen zu können Es ist anzunehmen, daß Seitens der Arbeiter in diesem Punkt, der neben dem nun gesicherten Normalarbeitstag von 9 Stunden von untergeordneter Bedeutung ist, nachgegeben werden wird. Finanziell steht der Strike übrigens vortrefflich; die wöchent- liche Dividende war das letztemal wieder gestiegen. Die Bautaglöhnergewcrkschaft hat in London schon 13 Zweige organisirt. Die Baku nisten haben sich nun endlich außerhalb der Internationalen gestellt. In Rimini hat eine Conferenz (angeblich der Internationalen, in Wirklichkeit) der Bakunisten Italiens stattgefunden. Von 21 vertretenen Sektionen gehörte nur eine, die von Neapel, der Internationalen wirklich an. Die andern 20 hatten absichtlich, um ihre„Autonomie" nicht zu gefährden, alle die Schritte unterlassen, von denen die Verwaltungsverordnung der Internationale die Zulassung abhängig macht; sie hatten weder an den General-Rath um Zulassung geschrieben, noch Beiträge geschickt. Und diese 21 „internationalen" Sektionen beschlossen zu Rimini am 6. August einstimmig: „Die Konferenz erklärt feierlich vor allen Arbeitern der Welt, daß die italienische Föderation der Int. Arb.-Assoz. all: Solidarität mit dem Londoner General-Rath. abbricht, dagegen um so lauter ihre ökonomische Solidarität mit allen Arbeitern verkündet und allen jenen Sektionen, welche nicht die autori- tären Prinzipien des General-Raths theilen, vorschlägt, am 2. Sept. 1872 ihre Vertreter nicht nach dem Haag, son- dern nach Neuchatel in der Schweiz zu schicken, um dort selbigen Tags den allgemeinen anti-autoritären Kongreß zu eröffnen." Leipzia. Wir erhallen folgendes Schreiben: „Stuttgart, 17. August 1872. „An die Redaktion des„Volksstaat" in Leipzig." „Der Ausfall auf mich in sttr. 64 Ihres Blattes veranlaßt mich zu der Erklärung, daß ich zu dem Werke„Das malerische und romantische West- phalen" seit 1840, also seit vollen 32 Jahren, kei- nerlei Berhältniß mehr habe. Nachdem ich 1839 das Unternehmen angeregt und die Einleitung dazu geschrie- ben, habe ich im folgenden Jahre die Vollendung der Arbeit Herrn Leoin Schücking übertragen, und mich damit von dem Werke für immer zurückgezogen. Ich stehe demnach der kürzlich erschienenen 2tell Auflage des Buches, obgleich dieselbe mich nominal noch als Mit- Herausgeber auf dem Titel figuriren läßt, durchaus fern und habe selbstverständlich auch keinen Antheil an deren Widmung an den deutschen Kaiser. Diese Wid- mung ist einzig und allein, und zwar ohne mein Vor- wissen, von Herrn Levin Schücking, dem Verfasser und Herausgeber, und von Herrn Ferdinand Schö- ningh, dem Verleger deS Werkes, ausgegangen. „Ich ersuche Sie, das vorliegende Schreiben in einer der nächsten Nummern des„Volksstaat" zum Abdruck bringen zu wollen. Ergebenst Ferdinand Freiligrath." Herr Freiligrath wird zugeben, daß unser„Ausfall" auf Grund der Annonce— worin er als Mitwidmer bezeichnet ist— vollständig berechtigt war, und daß er, wenn ihm Un- recht geschehen ist, lediglich Diejenigen, die mit seinem Namen Mißbrauch getrieben haben, zur Verantwortung zu ziehen hat.— Berlin. Am 4. Ang. hielt der„Berliner Arbeiterbund" seine Generalversammlung ab. Außer einer kurzen Notiz, worin angezeigt wurde, daß Herr Hasenclcver und die übrigen Vorstandsmitglieder wiedergewählt wurden, hat der„Neue" keinen Bericht darüber gebracht. Was Bebel vorigen Herbst in einer Berliner Sattlervcrsammlung sagte: ehe ein Jahr um sei, werde sich zeigen, baß der„Berliner Arbcitcrbund" ein todtgeborenes Kind sei— scheint sich zu bestätigen. Elberfeld. Pieper, der vor einigen Wochen in Solingen verhaftet wurde, ist von der hiesigen Zuchtpolizei- Kammer auf Grund von 139 des deutschen Strafgesetzbuches zu 4 Wochen Gefängniß vcrurtheilt worden.— Allgemeiner deutscher Schueiderverei«. Chemnitz, 18. August. Wir bringen hiermit zur Kenntuiß, daß sich der Aus ichuß konstituirt hat und aus folgenden Mitgliedern besteht. Vorsitzender E. Willkomm, dessen Stellvertreter F. Sykora. Hauptkassirer»r. Fischer, Auguflusburairstraßi Nr b4b. Beisitzer I. Beyert. Geschäftsführer G. Schösset, Zimmerstraße Nr. 13. Mit sozial-demokratischem Gruß. Georg Schöffel, Geschäftsführer. Internationale Gewerksgenoffenschaft der Schuhmacher. Leipzig. Durch ein Versehen wurden die Beamten der Mitglied- schaft Celle in unsrer letzten Bekanntmachung nicht mit anaesührt und folgen dieselben hiermit: Bevollmächtigter Herr Liberti beim Schuh- machermeister Rudolf, Trift 78; Kasstrer W. Tietze, beim Schuhmacher- meister Froböse, Schuhstraße 150: Kontroleur H. Treptow, beim Schuhmachermcister Achoff, Schulgasse(provisorisch). Die Mitgliedschaft Nürnberg zeigt an, daß durch Neuwahl sol- gende Personen als Beamte von jetzt an die Geschäfte führen: Bevoll- mächtigter Johann Scherbauer; Kasstrer Glaube; Schriftführer Bie- nert. Der Verkehr, sowie das Arbeitsnachweisbureau befinden stch: Gast- hauS zum grünen Stern am weißen Thurm; dahin sind alle Briefe zu adressiren. Sodann meldet die Mitgliedschaft Pas sau, daß steschon vor dem Erfurter Congreß bestand und die Beamten auch dem Ver- waltungsrath(Nürnberg-Fllrth) angezeigt hat, daß diese aber von dem- selben nicht bekannt gemacht worden sind. Auch würden sich die Passauer sehr gefreut haben, wenn sie einen etwas ausführlichen Bericht über die Kongreßverhandlungen erhalten hätten, indem der Verwaltungs- rath mit der Vollmacht Passau's betraut war, und erwarten sie dies nach- träglich noch. Bevollmächtigter ist Anton Feichtinger, bei Herrn Lnk- kinger, Altstadt; Kasstrer Schenke, bei Herrn Luckinger; Schriftführer Franz. Martin, bei Herrn Fr. Ratzisierg-r aus der Windschnur. Auch sind den 13. Juni 4 fl 54 kr. fik Quittungsbücher mit eingeschickt worden, was wir nachträglich vei öffentlichen. Aus Chemnitz meldet man uns, daß die Mitgliedschaft schon seit dem 1. Juli besteht, die Namen der Beamten angezeigt und Geld eingeschickt hat. leider aber bis jetzt die Bekanntmachung versäumt worden ist. Wir bitten daher unsere Chemnitzer Freunde, uns die Bekanntmachung noch einmal zu- gehen zu lassen und den Geldbetrag mit anzugeben, damit endltch ein- mal Alles in Ordnung kommt. Weiter meldet uns erfreulicher Weise Regensburg die Grün- dung einer Mitgliedschaft, klagt aber ebenfalls wegen Nichtbeantwor- tung der Briefe, in welchen dieselbe zur Versammlung und Consti- tuirunz ein Statut gewünscht hatte, bis endl-ch auf einen zweite» Brief ein Mitglied von Fürth die Güte hatte, ein gebrauchtes Exemplar zu schicken. Bevollmächtigter Ignatz Sommerer; Kassirer Anton Brandner; Schriftführer Anton Stöckl; Revisor J. Schiller. Den ein- gesandten Betrag von 4 fl. 26 kr. oder 2 Thlr. 16 Gr. haben wir er- halten. Würzburg zur Nachricht, daß der dorthin gerichtete und verloren gegangene Brief vom 39. Juli datirte und an Herrn Leir, Stadt München adressirt war. Vorstehende Adresse ist mir durch Herrn Fink an- gegeben, der mir auch die Thätigkeit und Rührigkeit der Mitgliedschaft als eine vielversprechendebezeich acte, indem der„Volksstaat'' dort fleißig gelesen würde. Leider ersehen wir aber aus dem durch Güte uns übermittelten Brief, daß auch hier Ursache zur Klage über die Saumseligkeit des VerwaltungSrathS vorliegt. Die Würzburger Mitgliedschaft erwartet noch nachträglich einen Bericht von demselben, indem der Vorort die Vollmacht zur Vertretung beim Erfurter Kongreß hatte. Trotz zwei- maliger brieflicher Aufforderung ist keine Antwort erfolgt und geben sich die Würzburger der Hoffnung hin, daß durch diese Kundmachung die Sache geregelt wird. Bevollmächtigter Kaspar Trenner, Stockfisch- gasse Nr. 6; Kassirer Heinrich Karl; Schriftführer Friedrich Prill. Offen dach zur Nachricht, daß nächsten? ein Brief folgen wird, ebenfalls Fuchs in Mainz. Unsre Freunde in Gießen möchten wir bitten, uns baldigst zu benachrichtigen, wie es mit der Bestellung der Bücher steht. Die von uns angeregte und zur Begutachtung vorgelegte Frage im letzten Brief bitten wir in einer Versammlung gelegentlich zur Sprache zu bringen, vorerst aber das ganze Augenmerk aus die Sta- tuten zuwenden. Auch ist bekannt zumachen, daß aus Braun schweig die Nachricht an uns ging, sofort Statuten dorthin zu schicken, indem sich eine Mitgliedschaft gebildet hätte, und sehen wir einer weiteren Bekanntmachung entgegen. D'e Entstehung der Mitgliedschaft ist dem dortigen Agitationscoinilee zu verdanken, und wäre es sehr empfehlens- werth, wenn dies überall, wo sich geeignete Kräfte am Ort befinden, geschehe. Außerdem möchten wir daraus aufmerksam' machen, daß alle Mit- gliedschaften verpflichtet sind, den„Volksstaat" zu halten, damit jeder Ort weiß, wie e« mit der Gewerkschaft u id der Arbeiterbewegung überhaupt steht. Der Bevollmächtigte hat denselben an sich zu nehnren und in den Versammlungen die die Gewerkschaft angehenden Bekannt- machungen vorzulesen; auch ist es zu empfehlen, daß der„Volksstaat" ausbewahrt werde, damit jederzeit Einsicht in das Vergangene bei etwaigem Zweifel gethan werden kann. Das Abonnement reicht mau mit vollständiger Adresse auf der Post ein. Dies unfern fragenden Freunden zur Nachricht. Weiter bitten wir die B.oollmächtigteu, die genaue Adresse des Kassirers am Ort mit einzuschicke», oder die Personen zu bezeichnen, die mit der Auszahlung der Reiseunterstützung betraut sind; auch muß die Zeit und Stunde der Auszahlung angegeben sein. Alle Mitglied- schasten können ihre zurückgehaltenen Beiträge jetzt sicher einschicken, indem nun Alles geregelt und in Ordnung gebracht ist und der Ver- waltungsrath seine Wirksamkeit angetreten hat. Wir hoffen und wün- fchen, daß der neue Vorort gewissenhaft und pünktlich, mit Energie und Ausdauer sein Amt verwalte, damit jedes Mitglied und jede Mitgliedschaft sich ein Beispiel an ihm nehmen kann. Der Aufsichtsrath als bisheriger Stellvertreter der Verwaltung Aug. Schäfer, Gewandg. 5. Karl Müller. Moritz Hertz sch. Rachschrist. Wegen Stoffandrang mußte obige Bekanntmachung von der Redaktion des„VolkSstaat" um eine Nr. zurückgestellt werden, und hat sich dadurch Einiges erledigt. Wir bitten nachträglich noch alle Mitgliedschaften, die Briese von uns erhalte» haben und noch erhalten werden, betreffs des Antrags der Leipziger Mit- gliedschaft ihr Gutachten an uns einzuschicken, indem diese Sache von der Mitgliedschaft, mit dem AufsichtSrath in Verbindung, ausgeht. AlleS Uebrige von jetzt an nach Dresden!— Von der Mitgliedschaft Gießen geht uns nachträglich die Nachricht zu, daß der Strike siegreich beendet und 25 pCt. Lohnerhöhung erlangt sind. Die Gießener haben der Offenbacher Mitgliedschaft, betreffs der Unterstützung, viel zu ver- danken. Es ist dies wieder ein Mahnruf, daß unsere Kollegen allerorti be- greifen sollten, daß wir alle zusammengehören, und daß wir mit ver- einten Kräften in kurzer Zeit viel erreichen und durchsetzen können. Hannover. Herr Frohme erläßt in der Nummer 95 des „Neuen" eine lange Erklärung. Jedoch nicht gegen die Anschulbi- gungen aus Hannover— er thut dieselben mit den Worten ab, er halte es„unter seiner Würde", darauf zu antworten,(er wird wissen: warum)— sondern nur gegen die Behauptung unseres Parteiaenos- sen Wetzel in Stuttgart, diesein gehöriges Geld unterschlagen zu haben. Der Versuch Frohme's, diese Beschuldigung als Verläumdung zurückzitweisen, ist höchst lahm. Er behauptet, die Adresse Metzels nicht haben in Erfahrung bringen zu können, obgleich Herr Rudolph ihn im Auftrag Metzels gemahnt, also dessen Adresse auch sicher wußte. Indes) es ist nicht unsere Avsicht, die faulen Ausreden des Herrn Frohme hier aufzudecken, daS wird Parteigenosse Wetzel besorgen, wenn er es überhaupt der Mühe werth hält, etwas darauf zu anr- warten. Es ist eine andere Stelle seiner Erklärung, die uns inter- esfirt. Herr Frohme sagt u. A. wörtlich:„Durch den Schmähartikel der Hannoverschen internationalen Revolutionsmänner im „Volksstaat" werde ich erst wieder auf Wetzel aufmerksam gemacht." Also Herr Frohme denunzirt unsere Parteigenossen direkt als.,Re- voluti ons m änner"; und es ist derselbe Frohme, von dem der„Neue" in die Welt gelogen, ja gelogen, er habe wegen seiner Reden in Frankenthal und neuerdings in Heilbronn einen Prozeß wegen „Hochverraths" bekommen. Nein, Herr Frohme ist kein„Hochverräther", sondern ein elender Polizeidenunzi ant. Und wenn der„Neue" entrüstet thut, weil Frohme vom„Braunschw. Bolksfrenud" als „Spitzel" bezeichnet wurde, so hat er durch Abdruck der Frohme' scheu Erklärung jetzt selber den Beweis geliefert, daß das genannte Blatt vollständig Recht hatte. Zum Schluß eine Bemerkung für unsere Parteigenossen. Viele sind der Meinung, wir sollten die Polemik gegen den„Reuen" unter- lassen, und uns nicht um ihn kümmern. Wir sind nicht der Ansicht. Der „Neue" und seine Leiter haben notorisch Einfluß auf nicht unbedeu- tende Arbeiierkreise in Norddeutschland, die ohne den Sachverhalt und die wahre Natur ihrer Führer zu keimen, ihnen mit Vertrauen enr- gegenkommen. Als eine Partei, die offen und ehrlich kämpft, haben wir alle Elemente fernzuhalten und zu bekämpfen, welche die Bewc- gung im �Interesse unserer Gegner oder ihrer eigenen Person ausbeu- ten. Wäre Herr von Schweitzer ohne unsere jahrelangen Kampfe gefalle» 1 Sicher nicht. Was von diesein gilt, das gilt auch von feinen eben so schlechten, nur geistig bedeutend tiefer stehenden Nachfolgern. Celle, 17. August. Seit längerer Zeit verkehren hier die Mit- glieder der sozialdemokratisch-n ArbeUerparlei und die des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins in freundschaftlichster Weise in i einander. Der Grund zu dieser Annäherung lag in defll beiderseits gefühlten Bedürfniß einer Einizung� im Interesse der gemeinsame n Sache. Durch den freund chaftlichen Verkehr und gegenseitigen Ve- such der Versammlungen verwijchie sich dann zur Zufriedenheit Aller der schroffe Gegensatz fast ganz und heute zwei'elt Keiner mehr, daß die beiderseitigen Mugiieder gute Sozialdemokraten sind. Wie hier die beiderseitigen Mitglieder, so werden und müssen nach unserer Ansicht die Parteigenossen überall das Bedürfniß einer Vereinigung im Großen fühlen und dafür wirken, wenn ihnen der Erfolg der Sache am Herzen liegt. Es ist und kann doch nicht Zweck auf bei- den Seiten lein, nur Mitglieder anzuwerben, mit sicherer Aussicht auf keinen Erfolg, indem dieser durch gegenseitige Bekämpfung gleich- gesinnter Brüder fast unmöglich gemacht wird. Kämpfen nicht beide Fraktionen unter der rothen Fahne dem Simbol der brüderlichen Liebe? Muß es nicht der Wunsch eines jeden wahren Sozialdemokraten sein, der überwuchernden Kapitalmacht so schnell und nachhal- lig als möglich einen Damm entgegen zu setze» und bessere Zeiten. bessere Zustände für das darbende Boll herbeizuführen? Von diesem Wunsche beseelt, und gestützt auf mehrfache Beschlüsse und Aeußerungen beider Fraktionen, auf Arbeitertagen, in Versamm- lungen w. stellen wir die dringende Forderung— und wir hoffen nicht vergebens— an die beiderseitigen Milglieder, überall und ganz entschieden eine Vereinigung anzustreben. M m v-rtehre, wie es, wie Eingangs bemerkt, hier schon länger geschieht, freundschafiich mit einander, lasse die Personenfraze unberührt und man wird, wie das hier geschehen, auch andern Orts die Ueberzeugiing erlangen, daß da« zu erstrebende Ziel ein und dasselbe ist. Wenn nun diese U-berzeugung sich Bahn ge- krochen, kann es dann noch möglich sein, daß etwa ein Dutzend— und seien es auch 4 oder 5 Dutzend— sogenannter Fährer, welche vielleicht die Arbeiterbewegung im persönlichen Interesse verwerthcn, darum die Vereinigung der Fraktionen nicht nur verhindern, sondern dieselben noch gegenseitig zum Ergötzen der Bourgeois stch be- fehden lassen? Wir sagen uns: ein Jeder, der eine Einigung offen oder versteckt hintertreibt, ist ein Verräther! Man bedenke, welche Erfolge die ver- einigte Sozialdemokratie erringen würde! Darum nochmals, Partei- genossen, sucht eine Vereinigung von unten herauf anzubahnen; wir sind überzeugt, daß es bei ernstlichem Willen nicht so schwer hallen wird, beide Theile zufrieden zu stellen. Die beiderseitigen Parteiorgane,„VolkSstaat" und„Neuer Sozial- demokiat", ersuchen wir dringend, im Sinne einer Einigung zu wir- ken. Und von der Anstchl geleitet, daß zwar wohl den Mitgliedern Alles zur Kenntniß gebracht werden muß, wünschen wir, die ge- genseitigen Angelegenheiten nicht in gehässiger, sondern in ernster Weise zu verhandeln. Mainz» 18. August. Am 19. d. M. hatten wir hier in Mainz «inen Bquch des Herrn Dr. Max Hirsch aus Verlin, welcher gele- gentlich einer Badereise in dem Mittelrheinischen Fabrikantenverein einen Vortrag hielt. Laut Einladung des genannten Vereins in den hiesigen Blättern waren die für die Arbeiterverhältiiisfe sich Jnteressi- renden eingeladen. Obschon die für den Vortrag anberaumte Zeit (es war Mittwoch Mittag 3 Uhr) den Arbeitern den Besuch der Ver- fammlung erschwerte, fand sich doch eine kleine Anzahl Parteigenossen ein, um zu hören und zu sehen.— Nachdem der Sekretär des Ver- eins die geschäftlichen Angelezenheiten erledigt hatte, erklärte der Prä- sident, daß es dem Vorstaude geluugen sei, Herrn Dr. Mar Hirsch aus Berlin zu einein Vortrage zu gewinnen. Herr Hirsch sprach über die Jnvalidenkaffe deS Verbandes beut- scher Gewerkvereiue und konnte des Lobes über den edlen Zweck dieser Kasse kein Ende finden. Durch derartige Kassen, wen» sich die Fabrikanten an denselben betheiligten, würde den StrikeS vorgebeugt und ein gutes Einvernehmen zwischen Arbeiter und Arbeilgeber her- gestellt. Natürlich gefielen den Herren Fabrikanten diese Ausführungen und spendeten dieselben dem Dr. Hirsch lebhaften Beifall. Die Herren hatten aber auch allen Anlaß, dem Herrn Hirsch Recht zu geben, denn dieselben haben dieses Jahr hier in Mainz empfunden, was StrikeS bedeuten. Nachdem Max Hirsch noch Verschiedenes hin und her gesprochen hatte, empfahl er schließlich, den Gewerkverein und mit diesem die Jnvalidenkasse hier in Mainz einzuführen. Auch betonte Herr Hirsch, daß die bezahlten Agitatoren der So- zialdeniokraten die Arbeiter auf verkehrte Wege führten, lieber die „verkehrten" Wege wollen wir mit Herrn Hirsch nicht weiter rechten. Wie die Arbeiter aber seine Wege öezeichuen werden, wenn sie sein Doppelspiel durchschaut haben, das mag sich Herr Hirsch selber sagen. Nach Herrn Hirsch erhielt Parteigenosse Leyend ecker das Wort und richtete derselbe an den H-crii Doktor die Frage, woher denn er das Geld zu seinen Agitationsreisen hernehme,»venu er sich erdreiste, die sozialistischen Aaiialoren bezahlte Menschen zu heißen. Aber mir dieser Frage kam Leyendecker schön an. Der Ruf Hinaus! und ein heftiges Lanleii des Präsidenten unterbrachen ihn nicht nur sofort, sondern ihm wurde in aller Form noch obendrein das Wort entzogen. Nachdem Leyendecker noch versprochen, in einer demnächst abzuhalten- den Volksversammlung die Worte des Herrn Hirsch bekannt zu geben, und nachdem er alle Anweseiiden zu dieser Versammlung eingeladen, entfernte er sich mit noch etlichen Parteigenossen. Zum Schluß gab Herr Hirsch den Fabrikanten noch die Zusage, sie bei einem etwa zu gründenden Vereine zu unterstützen. Herr Hirsch mag ruhig sein; hier in Meinz entsteht kein Gewerk- verein nach seinen Plänen. Tie Arbeiter von Mainz wissen, was sie von Leuten zu halten haben, die heute den Fabrikanten zur Nieder- Haltung der Arbeiterbewegung mit Rath und That zur Seite stehen, und morgen vorgebe», daß ihnen das Wohl der Arbeiter am Herzen liege. Mit sozialdemokratischem Gruß G. Fuchs. jitöln, den 13. August. Heute Morgen fand im„Kaisersaale" eine überaus zahlreich besuchte Versammlung der hiesigen Bäcker- gesellen statt. Gegenstand der Tagesordnung war:„Organisirung der hiesigen Bäckergesellen behuss Vorgehens gegen die in der Bäckerei herrschenden llebelständc in unserm, sowie im Interesse der ganznr Einwol nerschast Kölns." Geselle K reuser, welcher zur Tages- ordnuug spracb, bewies unter Anderm, daß die Bäckergesellen hier wie überall länger arbeiten müßten als irgend ein Fabrikarbeiter. Redner ging dann auf die Unterhändler über, deren es in Köln 700 giebr und welche ein Brod 8, 10 und 14 Pfg. billiger bekämen. Duses sei aber ebenso nachtheilig für das konsumirende Publikum wie für daS Bäckcrgewerbe, daher müßten die Gesellen sich organisiren, um nach Möglichkeit diesen llebelständen abzuhelsen und in erster Linie sür Verkürzung der Arbeitszeit zu wirken. Hieraus ergriss ein Rteister das Wort gegen die Unterhändler und für die Gesellen; derselbe sagte untrr Anderm, daß Köln nach Abzug der Gefangenen sowie der von der Armenverwaltung Unterstiitzten eine konsnnrirendes Publikum von 120,000 Menschen auszuweisen ha b Ein Einwohner lonsuniire durchschnittlich 1 Malter Korn jährlich; daS Malter zu 30 Brod gerechnet und das Stück 3 Psg. unter dem Preise verkaust,>«p äsentire einen Werth von 80,000 Thlr.;'/« würden ganz sicher unier dem Preis verkauft, mache 60,000 Thlr.; ferner würden 100,000 Malter Waizenverschuß in Köln jährlich verbraucht, pro Malter 14 Thlr. 10 Sgr.; im verbackenen Znstande repräsentire das Maller einen Werth von 22 Thlr. An Unterhändler verkauft mit 5 Sgr. Nutzcn pro Thlr., macht 3 Thlr. 20 Sgr. pro Malter; also bei 100,000 Malter macht es 366,666 Thlr. 20 Sgr.; davon werde die Hälfte sicher an die Uiiterhändler verkauft, macht 183, 333 Thlr. 10 Sgr.; dann würden 20,000 Malter Roggenvorschuß verbraucht; im rerbackencn Zustande an die Unterhändler 1 Thlr. billiger verkauft, macht 20,009 Thlr.;*/» bekämen ebenfalls die Unterhändler, macht 13,332 Thlr. 10 Sgr. Tie Rechnung sei eher zu niedrig als zu hoch gegrisien, die Unter- Händler verdteiuen demnach 60,000 Thlr., 183,333 Thlr. 10 Sgr., 13,332 Thlr. 10 Sgr., zusammen 256,665 Thlr. 20 Sgr., also über Vt Million jährlich. Tie Gesellin müßten sich einigen, um die Arbeitszeit zu verkürzen, und, soviel sie könnten, diesem Wucher entgegenarbeiten. Nachdem Herr Heinrichs und noch einige Bäckergesellen herzliche Worte über die Noihwendigkeit der Einigung an die Versammlung gerichtet, fanden zahlreiche Einzcichnungen statt. In dieser Woche wird»och die Statuten- berathung vorgenommen werden. Auch die hiesigen Lehrer haben vor Kurzem eine Petition an den Stadirach um Gehaltserhöhung eingereicht.— Die hiesigen Musiker haben ebenfalls ernfll Verein„zur Verbesserung ihrer Klasienlage" gc- gründet. Augsburg, 8. August. Die Parteigenossen, hauptsächlich Süd- deutschlants, werden sich noch der famosen AusweisungsasfaireTauscher'S und Reffs rc. im Oktober l369 erinnern. Dieselben waren auf Agitation in Landshut. Der Bürgermeister genannter Stadt, Herr Gehriug, verbot jedoch eine vorschriftsmäßig angezeigte Arbeiterver- sammlung, und iin die gute Stadt Landshut ein sür allemal vorder staaisgesährlichcn Lehre der Sozialdemokratie zu bewahren, wurden genannte Paileigenossen aus sechs Monate aus Landshui und feiner Umgebung v«> bannt; so im Jahre 1869. Jetzt liegt mir nun eine Notiz vom 1. August auS Landshut vor, welche lautet:„In Landshut hat das Gemeindekollegium dem Bürger- meister G.hring ein präzis ausgesprochenes Mißtrauensvotum mit 20 gigen 1 Stimme decreliu und zugleich an die kgl. Regierung die Bitte um Aboidnung eines kgl. Regicrungskonim ssärs zur Unter- suchung der 7 jährigen Thäligkeit seines Herrn Mogistralsvorstandes g efUflt." Es besteht zur Zeit in Landshut ein sozial-demokratischer Arbeiter- verein in sckönster Blüthe, während nach Vorstehendem Herr Gehring dächst wahrscheinlich dcm allgrmnnen Volksunwillen weichen muß. Mögen sich dieses manche Dorf-, Stadl- und sonstige gesellschaslsretterische Größen zur Notiz nehmen. Was plagst Du dich, du armer Wicht? Tu änderst doch den Zeitkauf nicht, Und wenn Du auch den Zeiger hältst, Und den Spiral nach rückwärts stellst Die Zeit geht doch, gerad so schnell, Die Nacht verrinnt, der Tag wird hell. I. E. Gmünd. Noch nie hat wohl die Machtanbetung und das By- zantinerihum in Württemberg größere Dimensionen angcnoiiimrn, als jetzt bei Gelegenheit der Durchreise des„Siegers von Weißenburg und Wörth"; es habcn sich aber hierbei die„Spitzen" der Stadt Gmünd in besonders hervorragender Weise ausgezeichnet und bringt nun der Herr Stadtschulthrißenamtsverweser und Rathsschreiber Feihl(der nibenbei auch im Steuereinbringen große Thäligkeit entfallet) im Emiinder Amtsblatt einen Ausruf, der allen Leistungen der Ser- vilitäl in den letzten Jahren die Waage hält.(Siehe politische lieber- ficht.> Was mag wohl„Seine Hoheit" denken, wenn„sie" beim An- fahren am hellen luden Werktag Alles in„feierlicher Kleidung" ver- sammelt sieht; muß„ihr" da nicht unumwunden der Bedanke kam- men:„Diesen ist es»och sehr wohl, da kann die Steuerschraube wohl noch medr angezogen werden"? Oder was wird„sie".chcuken, wenn „sie" erfährt, daß diejenigen Sladtbürger, welchen es eben nicht ge- gönnt ist,„feierliche Kleider" anziehen zu können, einfach zurückge- wiesen werde»? Wir glauben, die Jetztzeit habe wichtigere Sachen zu thun, als sich solcher Byzantinerei hinzugeben. Sind ja noch nicht viele Monate vei flössen, daß vom Stadtschultheißenamt bekannt ge- macht wurde, daß zur Wahl eines OrtsschulrathS keine ein- zige Stimme abgegeben wurde!!! München. Am 12. d. Mts. halten wir eine Versammlung, in der Scheil—„ein Preuße auS Breslau," sagt Sigl's„Vaterland" — einen Vortrag über„Religion und Sozialismus" hielt und m U-bereinstimmung mit den Parteigenossen den entschiedenen Bruch mit Allem, was Religion ist, anempfahl. Dr. Sigl, der sich bei uns einzuschlueichcln suchte und vor der Annahme der Anligotl-Risolution eindringlichst warnte, weil die» unserer Partei Schaden zufügen könnte, wurde gehörig zurückgewiesen und damit constatirt, daß wir uns die Fürsorge und das Wohlwollen der Ultiamoutanen schön- stenS verbitten. Scheil's Resolution wurde von der Versammlung angenommen, jedoch nicht bloß„weil der Preuße und der Vorsitzende es einmal haben wollten", wie das„Vaterland" schreibt. Bernau, 18. August. Gestern fand hier eine Versammlung der Stuhlarbeiter statt. Auf der Tagesordnung stand: 1) Die Lohn- Verhältnisse am hiesigen Orte. 2) Bericht über den zweiten deutschen Webertag in Berlin. Herr Schulz von hier wurde zum Vorsitzenden, Unterze chlltter zum Schriftführer gewählt. Herr Resch trat als Referent über beide Punkte auf. Er schilderte die gedrückte Lage der Weber und hob besonders hervor, daß dieselben wegen ihres wenigen Verdienstes der Roth gänzlich preisgegeben seien. Hierauf verlas er din Ausruf des CentralcomiteeS dcr Manufakturarbeiter Deutschlands und empfahl den Ansckluß an den neu gegründeten deutschen Manu- sakturarberterbund; ferner wies der Referent darauf hin, wie schwer es jetzt einem Weber würde, eine eigene Eristenz sich zu gründen und wie nothwendig e» dann sei, sich vereinigen. Hierauf erhielt Herr Bach mann das Wort. Derselbe tadelt den Bernauer Telegirten des ersten deutschen Wcbertagcs, welcher in sein, m Bericht an das Centralcomitee die Löhne zu hoch gegriffen habe. Der Delegirte, Herr Wenzel, erklärt, daß er den ganzen Lohn gemeint habe, Herr Fickcr behauptet, daß auch der Meister wöchentlich irichr.'> Thaler verdiene, wie Herr Wenzel berichtet, und kommt noch einmal auf Punkt 1 der Tagesoidnung zurück, wobei er bespnderS hervaihibt, daß es hauptsächlich die mechanischen Stühle seien, welche� ; so viele Weber brodloS machten und aus der Heimath vertrieben. Er i zeigt sodann, daß gerade die Brandenburger Gegend diejenige sei, � welche die meisten fremden Weber heranziehe und fordert nun die ! Bernauer Weber auf, sich der Bewegung anzuschließen. Herr Müller erklärt, daß Herr Wenzel seiner Pflicht genügt habe, ineint aber, daß die Brandenburger Weber noch nicht genug gehungert hätten und deshalb zögerten, sich der sozialistischen Sache anzuschließen.— Die hiesigen Arbeiter sind durchaus nicht zu bewegen, sich einer Organisa- tion anzuschließen, und sieht es mit deren politischer Bildung über- Haupt noch sehr traurig aus. Schon das Wort Sozialdemokrat jagt den Leuten einen nicht geringen Schreck ein. Es sind aber doch bereits 20 Mann, welche dem allgemeinen deutsche» Manufacturarbeiterbund beigetreten sind; wir werden uns auch ferner alle mögliche Mühe geben, noch mehr heranzuziehen. Mit sozialdemokratischem Gruß G. Gladewitz. Dresden, d. 21. August. Sämmtliche hier beschäftigte Holzbildhauergehilfen bis auf 10 Mann, denen die Forderungen bewilligt wurden, haben gestern die Arbeit eingestellt. Ihre Forderungen sind 9-stündige ArbeilSzeit und 33'/, pCt. Lohnerhöhung. Eine An- zahl der Strikenden hat bereit« Dresden verlassen. Alle arbeiter- freundlichen Blätter werden ersucht, vor Zuzug zu warneii. Danzig. Di« strikenden SchifsSwerftarbeiter haben meiner Versammlung einstimmig beschlossen, die Arbeiten nicht früher auszu- nehmen, als bis ihnen ihre Forderungen bewilligt oder wenigstens annehmbarere Gebote als bisher gemacht worden seien. Es wurde ferner beschlossen, mit jeder weitem Strikewochedie tägliche Lohnforderung um je einen Groschen zu erhöhen. Berlin. Di« Delegirten der hiesigen Tischlergesellen hielten Sonntag, d. 13. Aug. eure Versammlung ab. Es waren an 600— 700 Werkstcllen vertreten. Aus den von Einzelnen geinachten Mit- theilungen geht hervor, daß 400 Meister sofort die Forderungen der Gesellen bewilligt habcn. Gegenwärtig striten 150— 160 Gesellen. Tie Höhe der an den einzelnen Gesellen zu zahlenden Unterstützung soll dcr jeweilige Delegirte seiner Werkstatt bestimmen. Dieselbe soll nicht unter 4 und nicht über 6 Thlr. betragen. Während der gestrigen Versammlung sind über 400 Thlr. an freiwilligen Beiträgen einge- gangen.(Volksztg.) Eharlottenburg. Am Donnerstag, d. 16. d. M. fand Hierselbst eine össentliche Arbeiterversammlun g statt, in welcher Herr Fischer aus Spandau über die gegenwärtige Lage der Arbeiterklasse und über die Mittel, wie eine Besserung derselben herbeizuführen sei, sprach; es waren auch verschiedene Genossen aus Berlin und Spandau anwesend. Redner fand nicht nur ungeiheilten Beifall, sondern es bildete sich auch eine Mitgliedschaft der sozialdemokratischen Arbeiterparter. Im Auftrage: F. Emmermacher, Vertrauensmann. Rosinenstr. 13 vorn 2 Trp. Leipzig. In unserer Berechttnug des Äboneuntenstandes des „Neuen"(Nr. 66) hat sich in dcr Addition der ersten Zahlenreihe ein Fehler eingeschlichen, auf den uns der„Neue" zu seinem eigenen Schaden aufmerksam gemacht hat. Wir haben nämlich die 4 erstge- nannten Orte um 1000 zu gering anglschlagen, so daß also die Ge- sammtziffer statt 6671 7K71 betrüge. Nun wollte der„Neue" aber selber nur 7400 habe»? Ist das nicht der beste Beweis dafür, daß ber„Neue" gelogen hat? Denn wenn bei einer Berechnung„zuviel" herauskommt, so ist daS eben so ominös, wie wenn etwas„fehlt". „Zu viel und zu winq— ist immer Ein Ding."__ kiKingesanvt) Kussel, 18. Aug. Erwiderung. Der hiesige Bevollmächtigte de« ,',AUgem. dentfchen Aibeiter-Verems", W eber, verrheidigt in Nr. 94 des„Neuen" Herrn Gins, von dem ich in Nr. 62 d. Bl. gesagt, er habe die 4 Thlr. 15 Sgr. Aibeiterpsrnnige„durchgebracht und erst dann, bezahlt, als es zur Klage kommeir sollte", und schiebt mir unter, ich hätte den weitdehnbaren Ausd.uck„beirogen" gebraucht. Dieses Wort habe ich aber— wie sich Jedermann aus Nr. 62 überzeuge» kann— nicht gebraucht. Was ich indcß gesagt habe, ist wahr, und Herr Gics hat mir erst gestern vor Zeugen gestanden, das Geld verausgabt zu haben u. f. w. Herr Psairnkuch gab dies auch zu. — Wenn Herr Weber ferner sagt, Gies sei mißhandelt worden, so ist auch das unwahr; Herr Gies hat dieß gestern selbst in Abrede gestellt und gesagt, daß er daran unschuldig sei, daß dieS in den„Neuen" hineingesetzt worden sei._ Jntcrnatiouale Metallarbeiterschaft für Leipzig nnd Umgegend. Jeden Montag, Abends 3 Uhr, Versammlung bei Arnold, Reudnitzerstraße. Tagesordnung: Sozialer Bericht. vricikaftcn� der Expedition: Hock in Regensburg:«re können den Roman durch uns erhalten; Arb.-Ver. Altona f. Annonce 9 Gr.; Groß in Mühl- hausen f. Aboun. 12 Gr. 7 Pf.; Herpfer Fürth f. Schrift. 6 Thlr.; Renz in Pfullingen f. Annonce 8 Gr.; Eznkelter in Pest 1 Thlr.; Senf in Gera f. Schrift. 5 Thlr.; Arb.-Lildungsver.� in Stollberg f. Annonce 7 Gr.; Her. in Wüstegiersdorf f. Schrift. 15 Gr.; Radtke in Königsberg f. Schrift. 2 Thlr.; Heber in Stuttgart f. Schrift. 3 Thlr. 16 Gr., i. Annonce 27 Gr.; Klees in Buckau r.«christ. 2 Thlr. 23 Gr. der Redaktion: D. Siegbg.: Brief an Sie agesandt. Z. Mainz, A. S. Frankfrt: Zunächst dem Ausschuß übersaiidt. Geuoffenschaftsbuchdruckere! zu Leipzig. Mittwoch, den 28. August außerordentliche Generalversammlung im Saale des Arbeiterbtldunasvereins, Ritterstr. bei Schatz. Tagesordnung: Abänderung des von der Behörde beanstandeten 8 10 des GenossenfchastS-Statuts. Leipzig, 12. August. Der Aufsichtsrath: (2) 2__ P. Ullrich, Bors. Für Leipzig. -UlKeraoIiier deutscher Schneidervereiii. Dienstag, d 37. Aug. ÄbenSS 8 Uhr, im Lokal des Arbeiter- bildnngsvercias öffentliche Sitzung. Tagesordnng: Borttag über die GewerkschaftSbcwiguirg im Allgemeinen(Referent: Beyer). Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. Der Bevollmächtigte Für Lriplig. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Versammlung den 37. August Abends 8 Uhr. in dcr Restauration von Robert Götze, Nikolaistraße Nr. 51. DaS Erscheinen Aller wird erwartet. Ter Bevollmächtigte. Versammlung des Fest-Eomitees, Sonntag, den 25. August Früh 10 Uhr im Arbciterbildungsoerem. Abrechnung vom Stis- tungsfest._____ v S- Fach-Beret« der Kürschner und Mützenmacher Leip- zigs und dcr Umgegend. Montag, den 26. August d. J. Abends 8 Uhr. Versammlung bei Richter, Roßplatz Nr. 9 im Vereinslokal. Berathung über das nächste Kränzchen. Der Borstand Leipzig. Sectio» der Tischler und Pianofortearbeiter. Sonnabend, den 34. August Versammlung bei Götz, Nikolaistraße 51. Tagesordnnilg: Die Strikt s der Tischler.— Aufnahme neuer Mitglieder.__ Der Borstand Hannover Abrechnung über den Tijchler-Strike Einnahme: Unterstützung aus Hannover: Von 269 Tischler- gesellen, deren Meister unsere Forderung bewilligt hatten, 79 Thlr. 16 Gr. 6 Pf. In 4 Bersainmlunge» eingelommen 22 Thlr. 27 Gr. 3 Pf. Unterstützung von Außen: Von Berlin durch Herrn Mufchan 15 Thlr., von Gotha durch Herrn Bengart l Thlr. Summa: 118 Thlr. 14 Gr. 2 Pf. Ausgabe: Für durchreisende College» an Unterstützung 3 Thlr. 25 Gr. Unterstützung an strikende College, l 11 Thlr. 15 Gr. Führung deS Arbeitsnachweises 52 Thlr. 27 Gr. Diverse Rechnungen für Drucksachen 24 Thlr. 10 Gr. 6 Pf. Für Lokal-Micthe zu Versammlungen 12 Thlr. Summa 105 Thlr. 29 Gr. 6 Pf. Bicibt Uebrrschnß: 12 Thlr. 14 Gr. 8 Pf. Diesen Ueberschuß werden wir sür strikende Tischler verwenden. Alle» uiisern Gebern den herzlichsten Dank. Obige Rechnung revi- dirt und richtig befunden: Fahr rmann, Heitmüller, Wöckener. Z4B. Wir bemerken, dag der Strikc ganz zu Gunsten der Tischler- gesellen ausgefallen ist. Im Austrag: F. Rössing, Kassirer. Mir Hamburg. SoMdemokratische Ärbeiterpartei. Versammlung am Montag, 26. Aug., Abends 9 Uhr, in Eber- hahn's Clublokal, Zeughausmarkt 31. Tagesordnung: 1. Wahl eines Drlegirten zum Congreß.— 2 Berathung der Anträge zum Congreß. Tic Mitglicdstärten siud vorzuzeige». _ August Geib Für München. Sonnabend, den 31. d. M. findet im Kräilkischeit Ho B:.i b linger Siraße zu Ehren Fcrd. Laffalles die Todtenfeier statt. Programm: 1. Festrede. 2. Borträge. 3. Conzert. Jeden Montag Abend findet im Fränkischen Hof Partciverfamm- lung statt, zu welcher Jedermann Zutritt hat. Auch liegen dort die Parteiorgane aus. _____________ Ter Bertrauensmann Für Düsseldorf. Partei-Genossen der ioz.-dem. Arbeiterpartei und der Jnternatio- nale werden ersucht, sich Montag d. 26. d., Abends 8'/, Uhr Flingcrstraße Nr. 2. bei Herrn Becker im Nebenzimmer einzufinden, behuss einer wich- tigen Besprechung. Augsburg. Die hiesigen Parteigenossen haben beschlossen einen eigenen Delegirte» zum Kongreß nach Mainz zu senden und wurde der Unterzeichnete hierzu gewählt. G. Stollberg. Da ich beabsichtige, durch Wiirlemberg nnd Baden ic. nach Mainz zu reisen, so wäre es mir lieb, roenn dies in Gemeinschaft mit den dortigen Delegirten geschehen könnte, nnd bitte dcshalbdie Betreffenden, mir gefälligst Mittherlung machen zu wollen; ich werde Freilag Vor- mittags in Stuttgart eintrcssen. D. O. Adr. Lit. A. 613. ___ Augsburg. Für Äugslmrg. Sozial-Semokratifchc Arbeiterpartei. Montag, d. 2. September, Abends 8 Uhr, Versammlung be H. Zündet,(ehemals Erdinannsdörser) am mittleren Lech. Tages- Ordnung: Besprechung der Anträge zum Kongreß. I. A.: G. Stollberg. Literarischer Bereit». Sonntag, d. l. September MoiiatSbcrsammlung bei H. Zündet am miillereir Lech. �lli. Die wöchentlichen Beiträge werden fortan jeden Sonntag von Vormittag« 10 Uhr an in obengenanntem Lokale eiitgegengenommei'. U Unöller. Im Selbstverläge des Verfassers ist soeben erschienen: Sozial-detttokratische Abhandlungen. Von M. Rittin g hausen. Fünftes Heft. Widerlegung der gegen die direkte Gesetz- gebung durch das Boll gerichtete» Giiiwiirfe. Gegen portofreie Einsendung von 6 Sgr. 8 Pf.(in Briefmarken) erhält man das Heft franko unter Kreuzband. Adr. Rittinghausen in Köln,'Gereonstraße 36.(4) 3' „Es werde Licht", Poesien von Leopold Jacobti. Berlin 1872. Ladenpreis 12 Sgr. Bei 6 Excmpl. wird der Preis auf Sgr., bei 30 Erempl. auf � Sur. pro Exemplar ermäßigt. * l5) 4 H(v. Oliven. Berlin, Louisenstr. 45. Stuttgart. Für Schuhmacher. ■ Das Arbeitsnachweis-Bureau für Schuhmacher in Stuttgart. befindet sich bei Herrn Schick, Rolhestraße 29„zum wilden Mann." Durch die Erpedition des„Volksstaar" sind zu beziehen: Thlr.Gr.Ps. Protokoll des Eisenach-r Kongresses....— 1 5 „„ Stuttgarter„....— 1— „„ Dresdener„....— 3— Berhandlungeu des iv. Kongresses des internal. Arbeiterbundcs in Basel 1869......— 3 5 iL. Marx Zur Kritik der politischen Oekonomie..— 22 5 „ Das Kapital, II. Auflage(im Druck). 3-- ,, Der XVIII. Brumaire des Louis Bonaparte— 15— W Eichhoff Die Internationale Arbeiter-Assoziation.— 5— EccariuS, Eines. Arbeiters Widerlegung der national-öko- nomischen Lehren I. Stuart Mill's....— 5— Wuttke, Professor Dr., Die deutsche» Zeitschriften und die Entstehung der öjsentlichen Meinung..— 5— A. Geib, Der Normalarbeitstag.....— 1— Anti-Stzllabus.(Gedicht.)........ 5 Zur Errinnerung au Sie letzte» Mattage 1871 (Gedicht)......... 5 Zur Erinnerung für die deutschen Mordspatriotc»— 2 5 Photographie» von Marx, Lasjalle, Blanqui, Ferre, 5 M illiere, D eleScluz e, Rossel w., in Visitenkarten' format........— 2 5 in Kabinetformat......— 6— F. Engels, Der deutsche Bauernkrieg....— 5 „ Die Lage der arbeitenden Klassen in England— 20— F A. Lange, Die Arbeiterfrage. Most, Betrachtungen über den Normalarbeitstag. Mahnruf an die landwirthschstl. Bevölkerung Dtetzgcil, Narionalökonomischer Vortrag Religion der«sozial-Demokralie, 1. 2. 3.. E. Hirsch, Rormalarbeitsrag..... „ Der Staat und das Genossenschaftswesen. — 25— -- 5 -- 6 5 5 5 5 — 1 — 1 Für Plag Witz, Lindenau und Um- gegcnd. I Bei Herrn Wcichert Nr.!> in Plagwttz befindet sich ein« Filialexpedition des „Volksstaat" und kann dort abonnirt, wie ancki einzelne Nummern gekaust werden. vie(iilion«le«„Volk�Klaat." Leip zig: Verantw. Redakteur A. Muth; Redaktion u. Sxped,,,on Hohestr. 4; Druck u. Verlag v F. Thiele.