Xi». 78. 1872 ZrschrtNt wöchentlich 2 mal m Leipjii,. vefiellungen nedmen all« össtsnstalten und Buchhand» lungen hti In- und Aul- iandeS an. Mir Le ipzig nehmen Bestellungen an: die Expedition, Hohe Gtr. 4. A. B e h e l, PeterSstr. 18, F. Thiele, Emilienstr. 2. ttlmntnitvteptrie: Für Preußen incL Stempel« treuer 17 Sar., für die übrigen diuischen Staaten I2>/, Ngr per Ouarial, per Monat 4'/, Ngr, sür Leipzig und Um» hegend per Quartal ISNgr. üilialerptsuion für die««- einigte» Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hobokea 2i. J. m Newyork Organ der sozial-demokratischen Ardeiterpartei nnd der Internationalen Gewerksgenosseuschasten. An die Parteigenoffen. Die Kontroltommission hat sich konstituirt und ihr Bu- rca», wie folgt, gewählt: Reiß er, Vorsitzender, Oehmc, Stellvertreter desselben, Hase, Schriftführer, Färber, Stellvertretender Schriftführer. Die Mitglieder der Kontroltommission treten in ihr Amt mit der festen Absicht, mit ernstem Eifer und der unnach- sichtigen Kraft, welche die Erkenntniß von der demokratischen Nothwendigkeit der Unterordnung des Einzelwillens unter die Gesetzgebung der Gesammtheit verleiht, für die strenge Turchführung der prinzipiellen und organisatorischen Partei sorderungen Sorge zu tragen. Sie hoffen, daß sie in diesem Bestreben werden eifrig unterstützt werden, einerseits durch die Bereitwilligkeit der Parteimitglieder, die Schäden in der Geschäftsführung der einzelnen Verwaltungszweige schonungslos aufzudecken und andererseits durch eine loyale, dem Parteigesey sich willig unterwerfende Gesinnung der Parteibeamten. Tie Kontroltommission ist der Ueberzeugung, daß ein nachsichtiges, den ösjentlichen Lärm fürchtendes Uebergehen gesellschaftlicher Schäden noch nie deren Abhülfe, wohl aber noch immer ihre Vergrößerung und Vermehrung zur Folge gehabt hat. Es ist keine Schande für eine gesellschaftliche Körper schaft, wenn in ihr Mißbrauch mit den Rechten einzelner ihrer Glieder getrieben worden ist, wenn eines ihrer Organe oder Organtheile sich geistig oder sittlich funktionsunfähig er- wiesen hat, wohl aber ist es schimpflich, wenn sie den Miß brauch duldend übersieht, das Organ in seinen Funktionen beläßt � Wir dürfen, ja wir müssen den Finger in jede Wunde des Parteikörpers legen, damit wir sie ausbrennen, sie heilen können. Wenn ein Jeder diese Anschauungen zu den seinigen macht, dann wird die Arbeit der Controlkommission eine leichte und die Thätig'eit der Partei eine rasch vorwärts- schreitende, erfolgreiche sein. Die Kontrol ommission ihrerseits verspricht den Partei- genossen, alle ihr unterbreiteten Geschäfte schnell und nach den dargelegten Grundsätzen erledigen und in regelmäßiger Folge Nachricht von ihrer Thätigkeit geben zu wollen. Sie wird sich in regelmäßigem Verkehr nicht nur mit den Parteibehörden, sondern auch mit den Vertrauensmännern erhalten, um auf diese Weise daS Parteigetriebe voll und ganz übersehen und kontroliren zu können. Breslau, den 24. Septbr. 1872. Die Kontrolkommission. Neißer, Vorsitzender. H- O e h m e. Alle Zusendungen an die Kontrolkommission sind zu adressiren an den Chemiker Mar Neißer, Breslau, Mau- ritius-Platz Kb. Vreslau. In der Montag, den 23. d. M-, stattgehabten geschlossenen Versammlung der Parteimitglieder Bres- lau's wurde die Wahl der Kontrolkommission vollzogen. Als gewählt wurden pro lamirt: Oehme, Neisser, Kräker, Kriemichen, Geiser, Färber, Hase, Heinr. Scheil, Zapke, Jsak und Schaal. Es erfolgte hierauf die Konstituirung der Kommission (siehe oben). Abouuementseinladung. Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf den„Volksstaat". Wir ersuchen die verehrlichen Leser, das Abonnement auf das Blatt sofort erneuern zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zusendung eintritt. Der Preis des Blattes ist wie bisher per Quartal 12'/, Ngr.— wozu in Preußen noch der Zuschlag für den Zeitungsstempet kommt— bei wöchentlich zweimaligem Er- scheinen. Kreuzbandsendungen für Deutschland und Oestreich kosten für 1 Er. per Quartal 25 Ngr., die Schweiz 1 Thlr., Frank- reich, Belgien, England-c. 1 Thlr 8 Ngr. Zahlung pränu- merando. Parteigenosse»! Ein neues Quartal steht vor der Thür, gedenket des Parteiorgans. Wirke Jeder von Euch so viel er kann für dessen Verbreitung, die Verhältnisse sind uns günstig. Ueberall envacht das Proletariat zum Klassenbewußtsein, überall erheben sich die geknechteten Massen zum Kampfe gegen ihre Unter- drücker. Bowärls denn und sorgt, daß unser Parteiorgan unter die Arbeiter kommt! Arbeitet, agitirt, organisirt un- abläsfig, wo ein Arbeiter in unsere Reihen eintritt, sei seine erste Pflicht: ein Abonnement auf das Organ. Die Wuth und Verfolgungssucht unserer Gegner wird immer größer. Kaum ist noch ein öffentlich wirkender Partei- genösse da, der nicht schwere Geld- oder Gefängnißstrafen er- litten, oder dem sie nicht bevorstünden, zu geschweigen Derer, die eben hinter Kerkermauern die Rache unserer Gegner büßen. Auf all' diese Unbill giebt es nur Eine Antwort: Arbeiten, mit allen zu Gebote stehenden Kräften, arbeiten für die Aus- breitung der Partei, die Verbreitung des Parteiorgans. Parteigenossen! zeigt, daß im Kampfe uns der Muth wächst und— thut alle Eure Pflicht. Eine Antwort. Der„Neue Sozialdemokrat" veröffentlicht in seiner Nr. 109, vom 20. d. folgende, schon in voriger Nummer des„Volks- staat" berücksichtigte Ansprache(„Ein ernstes Wort an die Ar- beiler der Eisenacher Partei"), welche wir, da das betr. Berliner Blatt nur von wenigen unserer Parteigenossen gelesen wird, hiermit unverkürzt zum Abdruck bringen: „Ein ernstes Wort an die Arbeiter der Eisenacher Par- >ei! Wir haben uns in Bezug aus die Eisenacher Partei überhaupt immer nur vertheidigungsweise verhalten. Seit mehr als drei Wochen haben wir aber trotz aller Herausforderungen und Verläumdungen, worin sich gewisse Parteibläirer ergingen, deren Namen wir nicht zu nennen brauchen, vollständig geschwiegen, um unserseits den Zwist nicht weiter zu nähren; wir haben sogar zahlreiche Bereinsbcrichte noch nickt veröfsenilicht, welche in den zwei lebten Monaten einliefen und daiüoer Beschwerde führten, baß Agitatoren der Eisenacher Partei umherreistcn, um die neugewonnen Mitglieder vom Allgemeinen deutschen Arbeiter-Verein loszui eisten. Wir glaubten, daß wenn auch gewisse Führer und gewisse radikale Bourgeois, welche mit den Arbeitern liebäugeln, ihre Freude an diesem Zerfleischen der Arbeiterbewegung hätten, die Arbeiter selbst ein ent- schiedenes„Halt" gebieten und verlangen würden, daß ihre abgedarbten Pfennige zu etwas Besserem verwendet würden, als vor den Augen der Reaktionäre und Bourgeois dw Arbeiterbewegung zu zerreißen und mit dem Koth der Berläumdungen zu besudeln. Von den verschiedensten Serien ist unS aus den Reihen der Eisenacher Partei verstchert worden, die Hetzereien würden mißbilligt, der Kongreß zu Mainz solle den Parteibehörden die Machtbesugniß geben, solchen Ausschreitungen einen Damm entgegenzusetzen, dies sei die Ansicht der Mehrheit der Mitglieder. Doch was ist nun crfolat? Der Mainzer Eongreß hat getagt, und ein Organ der Partei, die„Chemnitzer freie Presse" registrirt folgende Beschlüsse: „Bezüglich des Verhältnisses der Partei zum Allgemeinen deutschen Arbeiter-Verein nahm man den Breslauer Antrag an. der alio lautet: Dir Allgemeine deutsche Arbeiier-Lerein ist seinen sozialistischen Prin- zipien gemäß der einzige natürliche Bundesgenosse der sozial-dem lra- tischen Arbeiterpartei, der Kongreß beaustragt demgemäß den Ausschuß, ein prinzipielles Zusammengehen mit dem Allgemeinen deutschen Ar- beitei-Lerein immer von Neuem z t versachen, ferner dafür Sorge zu tragen, daß die Haltung aller dem Allgemeinen deutschen Arbeiter Verein abgeneigten Mit.iliedschaften eine versöhnliche werde." „Im Allgemeinen gab sich der Wunsch kund, daß Angriffe gegen den„Neueil Sozial-Demokrat", soweit sie nicht unumgänglich uöthig sind, eingestellt werden. Ein Beschluß wurde dahin gefaßt, daß man erwarte, daß die Redaktion sich die aus dem Eongreß kungegebenen Ansichten zur Notiz nehmen werde." Diese Beschlüsse sind gefaßt, aber die Organe der Eisenacher Par- tei, z. B.„Volksstaat" und„Volksfreund", verschweigen dieselben. Die Schmähungen und Verläumdungen dauern fort und zwar plan- mäßig. Wrr erwähnen beispielsweise nur, daß der„VolkSstaat", ob« schon er einige Nummern vorher die Verhaftung unsres Parteige- nossen Frohme mitget heilt hatte, also Kenntniß davon hat, daß dieser sich nicht vertheidigc'n kann, sortwährend Verläumdungen gegen ihn schleudert, und beispielsweise ihn der Zurückhaltung eurer Geldsumme beschuldigt, welche wie Frohme letzhin öffentlich im„Neuen Sozial- Demokrat" erklärte, seit Jahr und Tag beim Bevollmächtigten zu Hannover deponirt ist. „Zugleich zeigt sich das planmäßige Bestreben, Mitgliedschaften vom Allgemeinen deutschen Arbeiter-Verein loszureißen. In Bernau, Forst, Mannheim. Heidelberg, Heppenheim. Benshelm, Lorsch u. s. w. sind durch reffende Redner solche Zersplitterungsversuche unter An- Wendung jeder Art von Verläumdungen gemacht. Ja, direkt vom Mainzer Kongreß aus, wo jene Versbhnungsbeschlüsse gesaßt wurden. reisten einige Redner nach Frankfurt, Bockenheim u. s. w., wo der Allgemeine deutsche Arbeiter-Verein festen Boden hat, und h elten da- selbst Versammlungen ab, die alles Andere, nur keine Versöhnung hervorbrachten." Wir wollen nicht annehmen, daß die oben erwähnten Mainzer Beschlüsse leere Redensarten sein sollten; es wäre mehr als jesuitische Heuchelei der Delegirten, mehr als Verrath an ihren Austraggebern. Aber hier wenden wir uns an die Arbeiter der Eisenacher Partei: wenn so die Beschlüsse der höchsten Parteibehörde mißachter werden, wenn so der beschlossenen Versöhrrung Hohn gesprochen wird, habt Ihr da kein Mittel, um solche Verstöße gegen die Organisation zu hemmen I Wehe dem Beamten der Partei, und wäre es der BereinsprSsident, welcher in unserem Allgemeinen deutschen Arbeiter-Verein die Beschlüsse der Generalversammlung mißachten wollte; die demokratische Organ i- satioir Lassalle's würde rhm bald den Weg weisen! Deshalb rufen wir Errch. Arbeiter der Eisenacher Partei, zu: Wenn Ihr Eure Delegirten nicht zu Heuchlern, Euch selbst nicht zu durch einige Literaten bevormundeten llrffelbstständigen machen lassen wollt— dann sorgt selbst dafür, daß den Verhetzern das Handwerk gelegt werde! Die Leiter deS Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vereins haben ihr Möglichstes gethan, den Frieden unter den Arbeitern nicht zu stören. Zwingt den Allgemeinen deutschen Arbeiter-Verein nicht, zur Roth- wehr zu schreiten, um dre Zersplitterung seiner neuen Mitglieder zu verhindern. Mit Worten der Versöhnung im Mu> de hättet Ihr als- dann den Anlaß zu neuen Kämpfen gegeben, bei denen Bourgeois und Reaktonäre die vergnügten Zuschauer sind." Auf dieses in echt jesuitischem Geist abgefaßte Schriftstück haben wir nach Rücksprache mit Parteigenossen zu entgegnen: Es ist eine Lüge, wenn der„Neue" behauptet, wir hätten die Hetzereien und den Streit begonnen. Bis auf den heu- tigen Tag hat es der„Neue", genau wie weiland der„Alte", für gut befunden, in fast jeder Nummer seinen Anhang als die einzige sozialistischePartei, und uns, entweder direkt oder indirekt, als Gegner der Arbeiter und des allein wahren Sozialismus hinzustellen; und selbst aus der Ueberschrift seiner versöhnlich sein sollenden Ansprache:„Ein ernstes Wort an die Arbeiter der Eisenacher Partei" erhellt, daß er uns auch jetzt noch nicht als eine Arbeiterpartei anzuerkennen gewillt ist. Wohl hat der„Neue" seit der Veröffentlichung des famosen Protokolls der letzten Generalversammlung des Ällg. D. A. sich gehütet uns direkt anzugreifen, aber indirekt hat er es beinahe in jeder Numiner gethan. So in jüngster Zeit in dem Artikel, der lächerlich genug mit dem Schlußwort endete:„Wir schreiben wic Marat," und serner in den Artikeln über Robert Blum und den Eongreß der Internationale. Gegen letztere hat sich der„Reue" nicht gescheut, die gemein- sten Verläumdungen unter der Firma eines I. Schneider rc. zu veröffentlichen. Namentlich Marx ist von dem„Neuen" zu ver- schiedenen Malen mit altem Polizeikolh beworfen worden, waS die sauberen Werfer indeß nicht verhindert hat, in ihrer letzten Nummer sich auf die Autorität von Marx zu berufen und einen Artikel von ihm abzudrucken. Eine Lüge ist's weiter, wenn der„Neue" behauptet, wir hätten die Mitgliedschafien seines Vereins zu untergraben ge- sucht. Unsere Parteigenossen haben, wie Dutzende von Berich- ten in unserem Blatt zeigen, jede Gelegenheit ergriffen, um mit den Mitgliedern des„Allg. D. Arb." auf einen brüder- lichen Fuß zu kommen. Wir haben alle dahin zielenden Wünsche und Resolutionen der Mitglieder gewiffenbaft und mit Freuden veröffentlicht, während der„Neue" die ihm in gleichem Sinn und zu gleichem Zweck gemachten Einsendungen einfach unter- schlagen hat; der einzige Bericht, welcher von diesem Schicksal verschont blieb, ist der über die neuliche Versammlung in Ne- viges. Aber hier war Herr Hasenklever persönlich zugegen, und die Veröffentlichung ließ sich deshalb nicht gut umgehen, erfolgte jedoch auch nur unter gänzlich frivolen Seitenhieben auf unsere Partei. Das Hauptmotiv, aus welchem mit diesem Bericht eine Ausnahme gemacht wird, liegt indeß unzweifelhaft durin. daß Neviges einem Wahtbezirk angehört, in welchem Herr Hasen- klever bei der nächsten Neichstagswahl als Candidat auftreten will, und daß ohne die Stimmen unserer dortigen Parteige- nossen an einen Erfolg nicht zu denken ist. Während unsere Parteigenossen, im Einklang mit der Hal- tung des„Volkstaa!", überall den Mitgliedern des„Allg. D. A." die Bruderhand gereicht haben und zu reichen bereit sind, haben andrerseits die Mitglieder des„Allg. D. A.",— gleichfalls im Einklang mit der Haltung ihres Parteiorgans, deS „Neuen Sozialdeinokrat", der ste planinäßiz gegen uns f«na- tisirt,— da, wo sie die Majorität haben oder relativ hinlänz- lich stark sind, keine öffentlichen Versammlungen unserer Par- tei geduldet, oder dieselben wenigstens durch Geschrei und Tu- mult gestört. Beispiele: Berlin, Frankfurt, Bockenheim, Mann- heim, Stuttgart früher, so lange sie dort dominirten, auch Magdeburg, Cöln, Leipzig ,c.(S. auchi m letzten„Voltsstaat".) Man vergleiche hiernrit das Benehmen unserer Parteigenossen, welche die, offenbar doch gegen unsere Partei gerichtete„Agi- tatton" der Herren Frohme und Hartmann ruhig gewähren lie- ßen, und ihnen in München, Mainz, Glauchau, Chemnitz, Leip- zig u. s. w. stundenlang zu reden erlaubten, obgleich die Ver- sammlungen fast ausschließlich aus Mitgliedern unserer Partei bestanden. Auch an das Auftreten des Herrn Grottkau in Braunschweig sei bei dieser Gelegenheit erinnert. Aehnliche Beispiele von Duldsamkeit, oder sagen wir lieber von Achtung der Sozialdemokratie und der Redefreiheit hat der„Neue" und sein Anhang nicht aufzuweisen. Wie ehrlich es der„Neue" mit der Versöhnung meint, die er jetzt im Mund führt, das verräth ein in derselben Num- mer wie die Ansprache an unsere Parteigenossen befindlicher Bericht über eine Versammlung des Berliner demokratischen Vereins, worin unser Programm als„abgeschwächte Forderungen des Sozialismus" bezeichnet ist, die„nicht genügten, um ein entschiedener Sozialist im Lassalle'schen Geist zu sein". Dieser einzige Satz reicht hin, um den„Neuen" zu charakteristren. Unsere Parteigenossen werden in ganz Deutschland wie daS Wild gehetzt und gemaßregell, Verurtheilungen folgen auf Verur- thcilungen, Kcrkerstrafen auf Kerkerstrafen, die Presse der Bour- geoisie und Reaktion predigt unablässig den Kreuzzug gegen uns, und vnr gegen uns; die Redakteure unserer Parteiorgane haben das Gesängniß zum gewöhnlichen Aufenthalt— während sich der„Neue" trotz seines„Schreibens wie Marat" unter den Augen gerade der Regierung, welche die Treibjagd auf uns veranlaßt hat, einer Straflosigkeit erfreut, die zum Min- besten verdächtig ist. Um nur den Schein einigermaßen zu wahren, muß der„Neue" jede Polizeinörgelei, die seinem An- hang passirt, zu einer Haupt- und Staatsaktion aufpuffen, und Leitartikel über kleine Maßregelungen bringen, wie wir sie bei der Maffenhaftigkeit ernsterer Verfolgungen oft gar nicht ein- mal zu erwähnen der Mühe werth halten. Wenn der„Reue" im Eisenacher Programm nur„abge- schwächte Forderungen des Sozialismus" steht, so erinnert dieS uns lebhaft daran, daß der Lehrer und langjährige College, der Leiter des„Neuen", Herr von Schweitzer, unser Programm einstmals, noch etwas derber, ein„Wischiwaschi" nannte, und daß dieser Hypersozialist seitdem als königlich Preußischer Po- lizeiagent entlarvt, von den Herren Hasselmann und Hasenklever selbst für einen solchen erklärt worden ist. Und sonderbar! Herr Fritzsche, der in der nämlichen Num- mer, welche die Ansprache an unsere Parteigenoffen bringt, wieder als Mitglied des„Allg. D. A" debutirt, und gewiß dem Ideal der Herrn Hasselmann u. s. w. entspricht, hat auf dem Eisenacher Eongreß unserem Programm zugestimmt, nachdem er es mit durchberathrn, und hat eS noch neuerdings gerade ?m Berliner demokratischen Verein gegen die Angriffe der Bour- geois-Demokraren veriheidigt! Thatsächlich geht das Eismacher Programm, das übrigens, wie wir gern zugestehen, in einigen Punkten gelegentlich schär- fer formulirt werden muß, über Lassalle's sehr mäßige Forde- rungen(er selbst bezeichnete sie so) hinaus; und die Laffalle'- scheu Forderungen uns als das von plus ultra vorzuhalten, steht dem„Äteuen" um so schlechter an, als! drffen Hauplredak- teur Haffelmann neulich in Berlin öffentlich zugeben mußte, die von Laffalle geforderten 100 Millionen reichten nicht mehr man brauche jetzt mindestens 300 Mllivnen. Die foxialdemo- kratische Arbeiterpartei war fietS der Ansicht, daß weder 100, noch 1000 Millionen reichen, und daß eine Lösung der sozialen Frage auf dem von Lassalle vorgeschlagenen Weg überhaupt un- möglich ist. Der„istme" erhebt den Vorwurf gegen uns, wir hätten Herrn Frohme noch angegriffen, während er schon im Gefäng- niß war. Der„VoltSstaat" hat aber nur eine Erklärung. Wctzel's abgedruckt, was nicht verweigert werden konnte, da es sich für Wetzel um Zurückweisung der Anklage, er habe gelogen, handelte. Der einzige Artikel, in welchem außerdem noch der Name Frohme's vorkam, war nicht gegen Frohme, sondern gegen einen Bericht unserer Glauchauer Parteigenossen gerichtet, und enthielt alsolut keinen Angriff auf Frohme. Der„Neue" beschuldigt, uns endlich, den Beschluß des Mainzer Congresses zur Anbahnung eines brüderlichen Verhält- nisses zwischen unfern Parteigenossen und den Mitgliedern des „Allg. D. A." absichtlich nicht zum Abdruck gebracht zu haben. Der„Bolksstaat" hat bis letzten Mittwoch überhaupt gar nichts, und in der letzten Sonnabcndnummer einen(bloß einen), dem „Fürther demokratischen Wochenblatt" entnommenen, aus Voll- ständigkeit keinen Anspruch machenden Bericht über den Main- zer Kongreß veröffentlicht. Wir bedauerten und bedauern das selbst am meisten, konnten es aber nicht ändern. Das offfzielle Protokoll ist uns noch nicht zugegangen, und unser Berichter- statter vom Mainzer Kongreß, Herr Hepner,— Mitredakteur des„Dolksstaat"— wurde sofort nach seiner Rückkunft ver- haftet— ein Mißgeschick, von dem Redakteure des„Neuen" allerdings verschont zst bleiben pflegen. Wir haben— und der„Volksstaat" legt dafür reichlich Zeugniß ab— zu jeder Zeit jeder Kundgebung aus dem Schooß der Partei, auch wenn wir nicht damit einverstanden waren, pflichtgemäß die Spalten des„Volksstaat" geöffnet, und es ist in dieser Beziehung noch niemals die leiseste Beschwerde gegen uns erhoben worden. Die Praxis des„Neuen" ist freilich eine andere, und sein Papierkorb das sichere Grab jeder der Redak- tion nicht behagenden Regung.(S. z. B. wieder die Ronsdor- fer Korr, in Nr. 7b des„Volksstaat".) Jndeß vielleicht schlägt dem„Neuen" das Gewissen, und ist er entschlossen, bes- sere Wege zu wandeln. Wir wollen also von nun an alle Polemik gegen ihn einstellen, unter der Bedingung, daß er 1) unsere Partei ausdrücklich und unzweideutig als eine sozialdemokratische anerkennt, und sie, wenn er von ihr spricht. stets bei ihrem richtigen Namen nennt, und 2) daß er die Angriffe gegen die Internationale Arbeiter- assoziation unterläßt. Wir unsererseits erklären, wie wir das schon des öfteren gethan haben, 1) daß wir die Mitglieder deS Allg. D. A. als unsere Parteigenossen ansehen, was nicht ausschließt, daß wir gegen gewisse Persönlichkeiten im Allg. D. A. so lange ein enlschie- dene« Mißtrauen hegen werden, bis die von unserer Seite geltend gemachten Verdachtsgründe konklusiv widerlegt sind. 2) Erklären wir uns bereit., einen Vorschlag zu unter- stützen, welcher dahin ginge: einen gemeinschaftlichen Kongreß der beiden Fraktionen einzuberufen, auf welchem die Differenz- puntte behufs einer Einigung besprochen werden. Sollte eine Einigung, resp. Verschmelzung nicht mög- lich sein, dann müßte wenigstens ein gemeinsames Programm aufgestellt, und die Formen festgesetzt werden, innerhalb deren eine gemeinsame Aktion (bei Wahlen, der Agitation it.) sich zu bewegen hätte. Ein von beiden Theilen gleichmäßig zu wählender Aus- schuß hätte die Ausführung der vereinbarten Punkte zu überwachen. Ferner möchten wir noch die Niedersetzung eines aus beiden Fraktionen gleichmäßig zu wählenden Schiedsgerichts befürworten, das die gegen ver- schiedne Mitglieder einer der beiden Fraktionen von der anderen Seite erhobenen Anklagen zu untersuchen und zu richten hat. Bemerken wollen wir nur, daß ähnliche Borschläge, wie die soeben angedeuteten, privatim schon wiederholentlich Mit- gliedern des Allg. D. A. von uns unterbreitet und von diesen auch gebilligt worden sind. Auf dem Mainzer Kongreß hat die sozialdemo- kratische Arbeiterpartei offiziell in feierlichster Form ihrer versöhnlichen Stimmung Ausdruck ge- geben; am Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein ist es jetzt, die dargebotene Hand zu ergreifen, und der deutscheu Arbetterwelt den Ariedeu zu geben. Leipzig, den 23. September 1872. Die Redaktion des„Volksstaat". Politische Ucbersicht. Der„Leipziger Ztg."— die sich nicht bloß 186K von den einrückenden Preußen den Mu d verbieten ließ, sondern sich noch Anno 72 von jedem beliebigen literarischen Abenteurer einen Bären anbinden läßt— wird aus den Niederlanden geschrieben: „Die Spaltung der Internationale ist eine vollendete Thatsache, Ranvier und Genossen, welche am 7. Sept. ihre Secesfio» vom Haager Kongreß bewerkstelligten und sich nach London zurückbegaben, haben keine Zeit verloren, ihie Operationen einzuleiten. Sie haben bereits einen„Föderalistrncongreß" der Internationale ein- berufen. Einladungen zur Theilnahme sind auch an hiesige Jnter- nationallsten ergangen. Sie geben die Zeit deS CongresicS auf den 16.— lg. Sept. an und bezeichnen als Ott der Zusammenkunft die �liem Hall of Science, 142 Oldstreet, City Road in London". Als Tracianden weiden unter anderm angeführt: Untersuchung über das Verhalten deS Generalraths und über dessen finanzielle Verwaltung; ( Revision der Statuten der International«; Erörterung der föderalifti- chen Prinzipien; der Einfluß, den die Internationale ans das Kai- «rr«ch(Rapoleon's III.), di« Regierung der Landrsverth idiguog und nie Commune grübt; die Ausgabe der Internationale in der Gegen- L._ wart und der Zukunft, um„so schnell und so sicher wie möglich ihr Ziel, die vollständige Befreiung der Arbeiter, zu erreichen"; Antwort auf den Haager Congreß; Wahl, soweit nothwendig, eines neuen föde- ralistiichen Rothes. Dieses Programm zeigt deutlich genug, daß Ran- vier und Genossen, die„Blanquistea", daS Banner der Opposition offen aufpflanzen." Alles was da von„Spaltung" steht, ist natürlich erlogen, und der gedachte„Föderalistencvngreß" ist der von Vesin ier und Joseph Schneider einberufene, von dem bereits in vor- voriger Nummer die Rede war. Ran vier und Gen. aber, wie überhaupt die Theilnchmer des Haager Kongresses, haben mit dem„Föderalistencongreß" nicht das Mindeste zu schaffen.— Eine Schwenkung. Nach dem Fall der Pariser Com- mune schrie unsere gennnungstüchtige Presse einstimmig Zetcr gegen die Internationale, deren materielle Macht-, namentlich Geldmittel auf das Kolossalste übertrieben wurden. Jetzt pfeift der Wind aus einem andern Loch, und dieselben Blätter schrei- ben mit derselben Einstimmigkeit: die Internationale hat nichts, und ist folglich nichts, was nach Bonrgcoislogik ein durchaus richtiger Schluß. Die Schwenkung, über die wir uns keines- wegs beklagen, ist von Berlin aus kommaudirt, und die Pünktlichkeit der Ausführung macht der Dressur unserer bieder- männischen Preßpudel alle Ehre. Sobald es wieder einmal gilt, ein Hochverraihsprozeßchen in Sccne zu setzen, wird wie- der andere Ordre kommen.— Von der betreffenden Berliner Pudel- Dressur- Anstalt, alia« Preßburean, ein ander Mal mehr!— Von dem Communalisten Thirisocq geht unS eine Bro- schüre zu, enthaltend einen„Appell an die Freimaurer," in dem (nach einer lesenswcrthen, kurz gedrängten Geschichte der Com- mnne mit besonderer Hervorhebung des bekanntlich sehr rühm- lichen Antheils, den die Pariser Freimaurer an der Com- nmncbcwegung nahmen) die Freimaurer aller Rite in der Welt aufgefordert werden, für Aufhebung des Belagcrnngszu- standes in Frankreich und für eine Amnestie ihr Möglichstes zu leisten. In dieser Broschüre(durch die Kommissionsbuch- Handlung in der Rue St. Jean 37 in Brüssel für 4 gr. zu beziehen) finden wir über die Versailler Straßen- und Justizmorde Verschiedenes, was in deutschen Blättern wohl noch nicht gestanden, z. B.: „Im Prozeß Chaudeau's wurden 4 Entlastungszeugen, die dem Angeklagten günstige Aussagen gemacht hatten, ein- gesteckt und so lange in Haft behalten, bis sie ihre Aussagen zurückgezogen. Dann wurde Chateuu zum Tode verur- theilt." Die Straßenmetzeleien und sunimarischcn Hinrichtungen mittelst Mitrailleusen bis zur Einsetzung der Kriegsgerichte wurden vom offiziösen„Versailler Journal" folgendermaßen be- fürwortet: „Bewilligt den tapferen Soldaten die Freiheit, ihre Käme- raden zu rächen, indem sie auf dem Schauplatz und in der Wuth der Aktion das thun, was sie bei kaltem Blute morgen nicht mehr thun würden." Ferner citirt Thirisocq eine unbezahlbare Stelle auS dem „Journal officiell," in der es heißt: „Wir haben es den Vermittelungs-Delegationen wieder- holt gesagt, daß wir denen, die die Waffen niederlegen, das Leben lassen werden. Wir haben es versprochen und versprechen es noch......— „Bis jetzt hat sich der Angriff auf die Außenwerke beschränkt, nun ist der Augenblick gekommen, wo man, um Eure Leiden zu kürzen, die Enceinte(innere Einfassungj selbst angreisen muß. Die Regierung wird Paris nicht bombardiren— wie die Leute von der Commune und dem Wohlsahrtskommitee Euch einzureden nicht verfehlen werden. Ein Bombardement bedroht die ganze Stadt, macht sie unbewohnbar und hat zum Zweck, die Bllr- ger einzuschüchtern und sie zur Kapitulation zu zwingen. Die Regierung wird die Kanonade nur loslassen, um Eins Eurer Thore zu bezwingen, und wird sich anstrengen, das Unheil die- ses Krieges— dessen Urheberin sie nicht ist— auf den atta- kirten Punkt zu beschränken." „Um diese Zeit aber"— bemerkt Thirisocq hierzu— „batte das Versailler Bombardement bereits mehr Schaden in Paris angerichtet, als das deutsche, von dem man so viel in die Welt hinausgeschriecn." Daß das erstgedachte Versprechen noch treuloser fallen ge- lassen wurde, ist bekannt: Nicht nur Die, welche die Waffen nieder- legten, wurden massakrirt, sondern auch ganz Unbetheiligte, die zufällig den Unholden in die Hände kamen, wovon Thirifvcq, außer einigen bereits in diesem Blatte erzählten, noch eine An- zahl von Beispielen anführt. Auch findet derselbe eine sehr natürliche Erklärung für die in vielen Journalen gemachte Miltheilung, die Communemitglieder wären„feige gestorben." Er weist nämlich nach, daß von den Leichen der vielen Dutzende von bekannten Communalisten, die man im Straßenkampf ge- 'tandrechtelt wähnte, nur 2— Rigault und Varlin— rekognos- zirt worden sind; unv daß statt der übrigen Gestandrechtelt ge- glaubten andere Personen massaknrl worden sind, die jenen theilweise ähnlich sahen. Wenn nun so ein harmloser Passant, er gar nichts mit der Commune zu thun hatte, für ein Com- munemitglied verkannt wurde, und füsilirt werben sollte— fo sträubte er sich doch natürlich mit aller Macht dagegen, und das hat dann zu dem erwähnten Feigheits-Gerücht Aulaß ge- geben.— In London ist zwischen den Bäckergesellen und dem Meisterkomitee eine Einigung zu Stande gekommen, und zwar sind die Hauptforderungen der Arbeiter— Reduktion der Arbeitszeit auf 12 hintereinander folgende Stunden angenommen worden. Nicht alle Meister scheinen sich aber dem Arrangement gesägt zu haben, denn ein Telegramm meldet den Ausbruch eines partiellen(theilw eisen) Bäckerstrikes in London. Vom Haasser Constretz der Internationale. Der Kongreß bestand aus 64 Delegirten, von denen 16 *) Nr. II ist nicht vom Verfasser des Artikel I. Als un« nämlich durch die Verbaftung unseres Berichterstalters ein Theil seiner Papiere unzugänglich geworden war— daher erscheinen auch unsere Berichte so spät— wandten wir uns an zwei andere Theilnehmer des Kon- greises mit der Bitte um Berichte. Als diese eintrafen, fanden sich auch die auf den Kongreß bezüglichen Papier. Hepners vor und so sind wir in der Lage, unsern Lesern mit einer Auswahl aus 3 verschiedenen Berichten aufzuwarten.. � Red. d. Volksstaat. Frankreich, 10 Deutschland, 7 Belgien, 5 England, 5 Nordamerika, 4 Holland, 4 Spanien, 3 die romanische Föderation der Schweiz, 2 die Juraföderation der Schweiz, 1 Irland, 1 Por- tugal, 1 Polen, 1 Oesterreich, 1 Ungain, 1 Australien und 2 Dänemark vertraten. Mehrere hatten Mandate aus zwei bis drei Ländern, fodaß obige Aufstellung nicht ganz genau ist. Nach ihre» Geburtsländern waren es 20 Franzosen, 16 Deutsche, 8 Belgier, 6 Engländer, 3 Holländer, 3 Spanier, 2 Schwei- zer, 2 Ungarn, t Pole, 1 Jrländer, 1 Däne, 1 Corse. Alis keinem früheren Kongreß sind so viel verschiedene Nationen vertreten gewesen. Die Prüfung der Mandate nahm fast drei Tage in An- spruch. Dies kam daher, daß verschiedenen Sektionen die Zuge- Hörigkeit zur Internationale bestritten wurde. So der(ftan- zöfischen) Sektion Nr. 2 von New-Aork, die, nachdem sie am letzten Kongresse der amerikanischen Föderation theilgenommen, nachher gegen dessen Beschlüsse sich auflehnte und deßhalb vom amorikanischen Füderalrath aus der Föderation ausgeschlossen wurde. Da sie seitdem nicht als unabhängige Sektion vom Generalrath anerkannt worden, auch die Ausschließung vom Kongreß nicht angefochtm wurde; foiuttt ihr Delegirter nicht zugelassen und ihr Mandat nicht anerkannt werdem(Ber- waltnngsverordnungcn II., Art. 5. 6., III. Art. 4.).— Umgekehl erging es mit der Bollmacht der Neuen Madrider Föderation. Diese bestand aus einer Anzahl von Arbeitern;, welche unter allerlei falschen Vorwänden und in flagranter Verletzung der Lokal- statuten, von der alten Madrider Föderation ausgestoßen worden� waren. Der. wirkliche Grund mar der, daß sie die, innerhalb der spanischen Internationale organisirte ge- Heime Gesellschaft:„die Allianz der Sozialdeinokratie" des Verraths an der Internationale angeklagt hatten. Sie organisirte» sich nun als neue Madrider Föderation und wandten sich an den spanischen Födemilrath um Anerkenuunep Dieser, i» seiner Mehrheil, wo nicht ganz, der Mianz ange- hörend, schlug ab. Vom Generalrath, an den sie sich jetzt wandten, als unabhängige Föderation anerkannt, sandten sie ihren Delegirten, desien Vollmacht von den Delegirten der spanischen Föderation bestritten wurde. Der Generalrach hatte in diesem Falle sich über die Borschrift,, der Verwalt.-Verord». II., 5 hinweggesetzt, wonach er vor Zulassung der neuen Rladrider Köderaliau den spanischen Föderalrath hätte zu Räche ziehen müssen; er that dies nicht, weil ernerscits Gefahr im Verzuge war und weil zweitens der spanische Föderalratch durch seine offene Parteinahme für die„Allianz" sich in Rebellion gegen die Internationale, gesetzt hatte.— Der Kongreß billigte die Handlungsweisc des Genoralraths mit großer Majorität, dagegen stimmte Niemand; die Neue Madrider Föderation wurde demnach, anerkannt.— Eine ähnliche Frage erhob sich bei der Vollmacht d-r Genfer„Sektion der revolutionären Pro- paganda", die der Generalrach, auf Antrag des Genfer romani- scheu Föderalkomilecs, nicht anerkannt hatte. Die Vollmacht und mit ihr die ganze Sektion blieb bis Ende des Kongresses fuSpendirt, und da der Fall aus Zeitmangel nicht erledigt wer- den konnte, ist die Sektion noch immer suspendirt.— Das Recht des Generalraths, sich wie auf früheren Kongressen durch sechs Delegirte vertreten zu lassen, wurde, nach schwacher Be- streitung, anerkanitt.— Die vier Delegirten der spanischen Föderation, welche für das verflossene Geschäftsjahr keine Bei- träge gesandt hatten, wurden erst nach, Zahlung ihrer Beiträge zugelassen.— Endlich, der Delegirte der amerikanischen Sektion Nr. 12. derselben, die den ganzen Skandal in New-Aorck ange- stiftet hatte(wie früher im„BoUchtaar" erzählt) wurde, nach- dem er lange iür Sektion 12 plaidirt, einstimmig abgewiesen und Sektion 12 befindet sich demnach, endgültig außerhalb der Internationale. Man sieht: unter der Form der VollmachtSprüfunq wurden. fast alle praktischen Fragen, die die Internationale im Laufe des Jahres beschäftigt, haben, verhandelt und entschieden. Mit Majorität von 38 bis 45 gegen eine meist sich der Abstimmung gänzlich enthaltende Minorität von 12 bis 20, wurde jeder einzelne Akt des Generalraths vom Kongreß gebilligt, ihm etu Vertrauensvotum nach dem anderen erlheilt. Ein italienischer Delegirter war auch gekommen, Herr Caficro, der Präsident der Konjeronz v.on Rimini, auf welcher am 7. August 21 Seltiomn(von der 20 keine einzigst der äatutenmäßig, vorgeschriebenen Bedingungen ihrer Zulassung ex- füllt haben, also der Internationale, gqr nicht augehören) be? ichloffen hatten: alle Solidarität mit dem Generalrach abzu- brechm und einen Kongreß aller gleichgestimmten Sektionen am 2. September nicht im Haag, sondern im Neuchatcl in der Schweiz, abzuhalten. Wie es scheint besann man sich eines Besseren und Herr Cafiero kam nach dem Haag, war aber so gescheut, sein Man- dat ruhig in der Tasche zu behatten und, gestützt auf seine Mit- gliedskarte, dem Kongreß als einfacher Zuschauer beizuwohnen. Gleich bei der ersten Abstimmung— der Wahl der Kom- Mission zur Prüfung der Vollmachten— spaltete die Versammlung sich in Majorität und Minorität, die mit wenigen Aus- nahmen bis zuletzt geschlossene Körper blieben. Frankreich, Deutschland, Amerika, Polen, Dänemark, Irland, Oesterreich, Ungarn, Portugal, die romanische Föderation der Schweiz und Australien bildeten die Majorität. Belgien, die spanische und die Jurasöderation, Holland, ein französischer undein amerikanischer Delegirte bildeten die Minorität, die in den meisten Fragen sich der Abstimmung ganz oder theilweise enthielt. Die eng- lischen Delegirten stimmten getheilt und ungleich. Den Kern der Majorität bildeten die Deutschen und die Franzosen, die mit einer Einmüthigkeit zusammenhielten, als ob die ganze große Kriegs-, Haupt- und Staatsaktion von Anno 1870 gar nicht vorgefallen wäre. Die Einstimmigkeit der deutschen und französischen Arbeiter wurde besiegelt am zweiten Jahrestage der Kapitulation von Sedan— eine Lektion für Bismarck nicht minder als für Thiers! Nach der Erledigung der Vollmachten kam es an die erste brennende Frage: die Stellung des Gencralraths. Daß von seiner Abschaffung keine Rede sein konnte, bewies schon die erste Debatte in öffentlicher Sitzung, Mittwoch Abends. Vor der kompakten Majorität, die augenscheinlich entschlossm war die Internationale nicht in Spielerei ausarten zu lassen, ver- hallten die schönen Redensarten über freie Föderation, Autonomie der Sektionen, ic. ohne alle Wirkung. Die Delegirten der Länder, wo die Internationale einen wirklichen Kampf mit _______________ Ii___ i ü der Staatsmacht zu führen hat, diejenigen also, denen es am meisten Ernst ist mit der Internationale, Deutsche, Franzosen, Destreicher, Ungarn, Polen, Portugiesen, Jrländer waren der Ansicht, daß der Generalrath eine bestimmte Macbtbefugniß ha en müsse und nicht zu einem bloßen„Brieftasten", einem „Bureau für Correspondenz und Statistik herabsinken dürfe, wie die Minorität es verlangte. Demnach wurde zu Art. 2, Kap. 2 der Berwaltungsverordnungen, welcher lautet:„Der Generalrath ist gehalten die Kongrcßbeschlüsse auszuführen," folgender Zusatz mit 40 Ja, gegen 5 Rein und 4 Enthal- tungen angenommen:„und für die strenge Einhaltung der Grundprinzipien und der allgemeinen Statuten und Berwal- tungSoerordnungen der Internationale zu sorgen."' Und Art. 6 desselben Kapitels:„Der Generalrath hat ebenfalls das Recht, jede Sektion der Internationale bis zum nächsten Congrcß zu süspendiren," lautet, künftig wie folgt: „Der Generalrath hat das Recht, eine Sektion, einen Föderalrath, oder ein Föveralkomue und eine ganze Föderation zu süspendiren. „Er wird jedoch, sobald es sich um einer Föderation ange- hörige Stklionew handelt, den betreffenden- Föderalrath zu ralhe ziehen. „Im Fall der Auflösung eines Föderalraths wird der Genera treu h innerhalb spätestens 3V Tagen zur Wahl eines neuen Föderalraths schreiten lasicn. „Im Falle der Suspension einer ganzen Föderation wird der Generalrath alle Föderationen davon in Kenntniß setzen, und falls die Mehrzahl derselben es verlangt, eine außerordent- liche Konferenz, von jß einem Mitglied per Nationalität, zusammenberufet', welche sich innerHaid eines Monatb! versammelt und den Fall endgültig entscheidet."(3K!Ja, 11 Nein, 9 Ent- Haltungen.) Hiermit war die Stellung des Generalraths, die nach den bisherigen Statuten und Kongreßbesch'üffen zweifelhaft sein konnte, hinreichend klargestellt. Der Gcneralrath ist der voll- ziehende Ausschuß der Association und hat als solcher gewisse Machtvollkommenheiten gegenüber den Sektionen und Födera- tionen. Diese Machtvollkommenheiten sind durch obige Be- schlüsie in Wirklichkeit nicht erweitert; sie sind nur besser umschrieben und mit solchen Garantien umgeben worden, daß dem G-neralrath das Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit nie wird abhanden kommen können. Von Diktatur des General- raths kann nach diesem Beschluß weniger die Rede sein als je zuvor. Die Einführung dieser beiden Artikel in die Berwaltungs- vervtdnungen erledigte das dringendste Bedürfniß. Bei der Kürze der Zeit wurde von einer Detailrevision der Statuten abgesehen. ES lag indeß in Beziehung auf diese noch ein wichtiger Punkt vor. Ueber das Programm in Bezug auf die politische Aktion der Arbeiterklasse waren ernstliche Differenzen entstanden. Die bakunistische Sekte halte in der schweizer Juraföderation, in Spanien und in Italien die absolute Ent- Haltung von aller politischen Thätigkeit, namentlich von allen Wahlen, als Lehrsatz der Internationale gepredigt. Dieses Mißverständniß war durch den 9. Beschluß der Londoner Kon- ferenz vom September 1871 beseitigt worden; dafür aber hatten die Bakunisten auch diesen Beschluß als einen Uebergriff der Konferenz über ihre Befugnisse hinaus verschrieen. Der Kongreß brachte wiederum Klarheit in die Sache, indem er mit über Zweidrittel-Stimmenmehrheit den Englischen Konferenz- beschluß in folgender Fassung in die Statuten aufnahm: „In seinem Kampf gegen die Gesammtmacht der besitzen- den Klassen kann das Proletariat nur als Klasse handeln, indem cs sich, selbst als besonder«, allen von den besitzenden Klassen gebildeten alten Parteien entgegenstehende, politische Partei organisivt. Diese Zusammenfassung des Proletariats zur poli- tische» Partei ist unumgänglich, um den Triumph der sozialen Revolution und ihres höchsten Zwecks, der Abschaffung der Klassen, zu sichern.— Die Zusammensasiung der Arbeite» kräste, wie sie schon durch den ökonomischen Kamps erreicht worden, muß dieser Klasse ebenfalls als Hebel dienen im Kamps gegen die politische Macht ihrer Ausbeutern.— Die Herren der Erde und die Herren des Kap'tals werden sich stets ihrer politischen Vorrechte bedienen, um ihre ökonomischen Monopole zu ver- theidigen und zu verewigen, und um die Arbeit zu beherrschen. Di« Eroberung der politischen Macht ist also die erste Pflicht des Proletariats." Dieser Beschluß wurde mit 28 Stimmen gegen 13(wo- rin die Enthaltungen inbegriffen) gefaßt. Es hatten aber außerdem 4 Franzosen und 6 Deutsche, die vorher abreisen mußten, ihre Abstimmung für den neuen Statute nartikel schrist- lich eingereicht, so daß die wirkliche Majorität 38 betrug. Durch diesen Beschluß ist es den Enthaltungspolitikern unmöglich gemacht, den Jrnhum zu verbreiten, als sei die Ent- Haltung von allen Wahlen und von jeder politischen Aktion ein Grundsatz der Internationale. Wenn diese Sekte, die- selbe, die von Anfang an alle Zivistizkeiten in der Jnlernatio- nale hervorgerufen hat, es jeyt noch mit ihren Grundsätzen vereinbar findet, in der Internationale zu bleiben, so ist das ihre Sache; darin festhalten wird sie sicher Niemand. Der nächste Punkt war die Wahl des neuen General- raths. Die Mehrheit des allen Gcneralraths, Marx, Engels, Scrraillier, Dupont, Wroblvwski, Mac Donnell u. A. schlugen vor, den Generalrath nach New-Aort zu verlegen und die acht Mitglieder des amer kanischen Föderalraths dazu zu ernennen, denen die amerikanische Föderation noch sieben andere zufügen solle. Dieser Antrag hatte seinen Grund darin, daß die lhä- tigstcn Mitglieder des bisherigen Generalraths in der letzten Zeit genölhigt, ihre ganze Zeit der Internationale zu wid- men, nicht mehr in der Lag« waren, dies zu thun. Marx und Engels hatten ihren Freunden schon vor Monaten mitge- theilt, baß die Fortführung ihrer wissenschaftlichen Arbeilen nur möglich sei unter der Bedingung ihres Rücktritts voin Generalrach. Arhnlich« Motive galten bei Andern. Der Generalrath, sollte er, also in London bleiben, würde demnach gerade derjenigen Mitglieder beraubt worden sein, die bisher alle wirk- liche Arbeit— sowohl Korrespondenz wie literarische Arbeiten — besdrgl hatten. Dabei gab es in London zwei Elemente, die beide nach der Oberhand im Generalrath strebten, und sie unrcr solchen Umständen auch wahrscheinlich erhalten hätten. Da« eine waren die französifchen Blanquisten(die freilich von Blonqui nie anerkannt worden), eine wenig zahlreiche Coterie, welche an die Stelle der Einsicht in den wirklichen Gang der Bewegung revolutionäre Phrasen, und an die Stelle der pro- pagandiftischen Thätigkeit kleine Scheinkonspiratiönchen setzt, die nur zu nutzlosen Verhaftungen führen. Diesen Leuten die Lei- tung der Internationale in Frankreich in die Hand geben, hieße unsre Leut: dort zwecklos in die Gefängnisse werfen und alle die 30 Departements, in denen die Internationale florirt, wieder zu dcsorganisiren. Auf dem Kongreß selbst hatte man Gelegenheit genug, sich zu überzeugen, daß die Internationalen in Frankreich sich eher alles Andere gefallen lassen würden, als die Herrschaft dieser Herren. Das zweite gefährliche Ele- ment in London waren jene englischen Arbeiterführer, denen Marx im Kongreß das Wort ins Gesicht schleuderte: es sei eine Schande, zu den englischen Arbeiterführern zu gehören, denn sie seien fast alle verkauft an Sir Charles Dilke, an Samuel Morley, oder an Gladstone selbst. Diese Leute, bisher nieder oder draußen gehalten durch die kompakte französtsch-deutsche Majorität des Gencralraihs, würden jetzt eine ganz andere Rolle gespielt und die Aktion der Internationalen in England wäre dann nicht nur unter die Kontrole der bürgerlichen Ra- dikalen, sie wäre wahrscheinlich selbst unter die Kontrole der Regierung gekommen. Eine Verlegung war also nothwendig, und diese einmal«angenommen, war New-Aor? der einzige Ort, der die beiden nöthigen Beoingungen vereinigte: Sicherheit für die Archive der Assoziation und internationale Zusammensetzung des Generalraths selbst. Es kostete einige Mühe, diese Ver- Icgung durchzusetzen; die Belgier trennten sich diesmal von der Minorität und stimmten für London und die Deutschen namentlich beharrtcn auf London. Nach mehreren Abstimmungen wurde indeß die Verlegung nach New-Aork beschlossen und folgende zwölf Mitglieder des Generalraths ernannt mit; dem Recht, sich bis auf fünfzehn zu verstärken: Cavanagh. und St. Clair(Jrländer), Laurel(Schwede), Panacicri(Italiener), David, Leoiöle, Dcreure(Franzosen), Bolle, Beitrand, Carl, Speier(Deutsche), Ward(Amerikaner). Ferner wurde beschlossen, den nächsten Kongreß in der Schweiz abzuhalten und dem Generalrath die Bestimmung des OrtS zu überlassen. (Schluß zu Artikel II. folgt in nächster Nr.) Berlin. Zum Haager Congreß. Keinem Congrcß der Jn.ernationalen Arbeitcrassociation wurde von den Mit- gliedern derselben mit solcher Spannung entgegensehen, wie dem diesjährigen 5. Congreß im Haag. Sehr natürlich. Seit längerer Zeit war eine Spannung zwischen dem Generalrath und den Föderalräthen der belgischen, einem Theil der spanischen, süd-französischen(?), und romanisch-schweizerischen Sektionen eingetreten. Die Bemühungen des Generalraths, eine centra- listnere Organisation herbeizuführen und die Kräfte der Jnter- nationalen Ardeiierassociation hauptsächlich zur Erlangung und Erkämpfung politischer Macht einzusetzen, fand auf Seiten der Opposition entschiedenen Widerspcuch. Sw ging von der An- ficht aus, daß die Erlangung politischer Macht für die Arbeiter- klasse ein Unding sei. Nicht Eroberung der Staatsgewalt, sondern Untergrabung jeder Staatsgewalt und Auflösung des Staates selbst sei, was die Arbeiterklasse durchsetzen müsse. Man verlangte also nichts mehr und nichts weniger, als daß die Ardeiterklasse ruhig zusehen solle, wie Staat und Bonc- geoisie ihr ruhig das Fell vollends über die Ohren ziehe, und zuwarte, bis die auf die Spitze getriebene ökonomische Ent- Wickelung der Bourgeoisie diese in sich selbst zum Zusammensturz bringe. Daß jeder Gensdarm und Polizeimann, ä la Rüder, die furchtbaren Verfolgungen und Unterdrückungen der Arbeiter- klasse in allen Cultuistaalen, Spanien und Belgien nicht aus,- genommen, die A» beiler sozusagen mit der Nase ans die Er- oberung politischer Macht hinstößt, oas konnten und können die Herren„Anarchisten"(wie sie sich nennen) nicht einsehen. Die herrschende Klasse sucht die in ihren Händen bc- findliche Macht mehr und mehr zu befestigen uno zu centrali- siren,— der Arbeiterklasse muthet man zu, jede Centralisation der Kräfte zu vermeiden, die herrschende Klasse in der Ans- beulung der Masse mit Hülfe der Staatsgewalt ruhig gewähren zu lassen. Das begreife wer kann. Analog dieser Anschauung der Opposition /über die Stellung der Arbeiterklasse zur Staatsgewalt und Poiitik, wollte die Opposition auch jede centralisirte Leitung aufgehoben wissen, höchstens dem Generalrath die Stelle eines Coircspondenz- und statistischen Bureaus angewiesen sehen. Gingen die Wünsche der Herren Anarchisten durch, dann— das ist klar— halte die Internationale aufgehört, das zu sein, was sie sein soll und heute auch thalsächlich ist: eine Macht, die gegenüber der internationalen Macht und Ausbeutung des Kapitals und der internationalen Verbrüderung der Reaktion— siehe Unterdrückung der Commune und Drei- Kaiserzusammenkunft in Berlin— die Solidarität der Interessen der Arbeiterklasse der ganzen Welt vertrttt, den Kampf gegen die Mächte der alten Gesellschaft organistrt und planmäßig ins Werk setzt. Alle, die darüber klar sind, daß es sich in dem Kampf der Proletarier aller Länder gegen die Kapitalpartei aller Länder nicht allein um das handelt, was sein soll, sondern auch um das, was ist, werden und müssen darin einig sein, daß ein Sieg der Pläne der Herren Anarchisten geradezu ein Sieg der Feinde der Arbeiterklasse gewesen wäre. Von diesem Standpunkt aus erhält auch die Haltung des „Neuen" die richtige Beleuchtung, der als Feind der inier- nationalen Organisation der Arbeiterklasse nichts eiliger zu thun hatte, als sich auf die Seite der Bakunisten vulgo Anarchisten zu stellen, obgleich er für seine eigenen Zwecke in Deutschland den Föderalismus bekämpft und die„Ceniralisation" vertheidigt, wenn diese zugleich in eine diktatorische Spitze, die er natürlich selber bilden muß, ausläuft.„Der Zweck heiligt das Mittel." Neben diesem hervorragenden Interesse, welches der dies- malige Congreß der Internationalen Arbeitcrassociation für die gesammte Arbeiterklasse hat, war noch ein anderes, wenn auch untergeordnetes Interesse das, welche Stellung die holländische Regierung zwr Abhaltung des Congresses eingehen werde. Halte doch schon wochenlang vorher die gesammle Bourgcoispresse, die osficiöse Presse(wie die„Nordd. Allg. Ztg.") voran, ein internationales Concert anstimmt, in welchem gegen die Jnler- nationale geheult und die holländische Regierung in allen Ton- arten aufgesovdcrt wurde, den Congreß nicht tagen zu lassen. Ja Herr Jules Simon, Unlerrichtsminister des Herrn Thiers, Er-Repnblikaner, Ex-Jnternationaler hielt es sogar für ange messen, extra eine Reise nach dem Haag anzutreten, u»n durch persönliche Intervention die holländische Regierung zum Ver- bot oder, wenn das nicht möglich sein sollte, zu strengster Ueber- wachung des Congresses zu veranlassen. Die holländische Regierung war anständig genug, im Gegensatz zu der sonstige» Gewohnheit ihrer festländischen Calle- ginnen, jeden Wunsch einer größeren Macht mit hündischer Servilität zu erfüllen, auf dieses Verlangen nicht einzugehen. Sie ließ den Congreß gewähren.— Das Resultat des Congresses ist ein zufriedenstellendes. Die Elemente, welche bisher beständig Unfrieden stifteten, und die Internationale in falsche Bahnen zu drängen suchten, find ausgeschlossen oder freiwillig ausgeschieden. Die Organisation ist verbessert und befestigt, dem Generalrath sind seine Befug- niffe klar vorgeschrieben worden.— Die auf dem Congreß zu Tage getretenen Differenzen veraulaßten die gegnerische Presse aller Schattirungcn:„Nordd. Allg. Ztg.",„Neuer Social-Demokrat",„Kölnische Ztg.",„Volks- Ztg." und den ganzen Troß der kleinen und kleinsten Blättehen über den„Zerfall" der Internationale zu triumphiren. Jubelt nur, ihr werdet bald begreifen, daß ihr zu. früh gejubelt. Die Internationale Arbeiterassociation ist eine Macht, die de« Lebensfunken unzerstörbar in sich trägt, denn sie ift da» nolhwendigc Produkt der ökonomischen Verhältnisse und diese Nothwendigkeit wird sie zum Siege, zu Macht und Glanz an dem T ge führen, wo die alte Gesellschaft in Trümmer geht. Chemuitz, 21. September. Maßregelung. Gestern war unser verantwortlicher Redakteur, Herr Weck, auf die Staats- anwaltschaft bestellt und zugleich, nur für eine Stunde später, hatte er eine Einladung von Seiten des Gerichts erhalten. Leider konnte er der letzteren nicht genügen, denn schon im Bureau des Staatsanwalts wurde er verhaftet. Die Lösung dieses Räthsels erhielten wir heuc« Vormittag, als in den Lokalitäten unserer Druckerei nach dem Manuscript des in Nr. 33 des„Nußknacker" abgedruckten Gedichts„Mahnruf an die Feinde des Volks" eine Haussuchung, allerdings ohne jeden Erfolg, vorgenommen wurde. Wie man diesen so überaus harmlosen und noch dazu gutgemeinten Mahnruf zum Gegen- stand einer Verfolgung machen kann, begreifen wir natürlich nicht, indessen— bei der Staatsanwaltschaft ist eben kein Ding unmöglich.— Auch wegen der Anti-Sedanfeier-Demonstration schwebt das Damokles- Schwert der Verurtheilung über den Häuptern unserer Parteigenossen Weck, Most, Uhlc und Dietze; in beiden Fällen wissen wir aber nicht, auf welchen Paragraph des Strafgesetzes hin die Anklagen erhoben werden sollen. (Ch. Fr. Pr.) Der Untersuchungsrichter Gerichtsrath Döring in Chem- nitz hat gegen Most, als„verdächtig sich der gegen ihn an- hänqigen Voruntersuchung durch die Flucht zu cniziehen," einen Steckbrief erlassen. Es ist dies um sondecba.er, da Most ganz neuerdings in der öffentlichsten Weise von der Welt an verschiedenen öffentlichen Versammlungen sich betheiligt hat, was in den Zeitungen deutlich zu lesen. Most gleich anderen Sozialdemokraten hat nicht genug christliche Liebe für seine Feinde, um ihnen die von Herrn Döring erhoffte Freude zu machen. Der„Demokratischen Zeitung" in Berlin wird„zur Ver- Haftung Hepncrs" geschrieben: Berlin, den 19. September 1372. Geehrter Herr Redakteur! Mit Bezug auf den in der heutigen Nummer Ihrer Zeitung ent- haltenen, dem„Volksstaat" entnommenen Bericht, betressend die In- Haftnahme Hepner's, werde ich von befreundeter Seite aus Folgendes auimerksam gemacht» j as von dem Leipziger Polizisten Rüder ausgegangen« Verbot der Internationale kann prinzipinäßig nur für den Leipziger Polizei- bezirk Geltung haben; außerhalb der Grenzen dieses Bezirkes existirt es nicht, weil über Leipzig hinaus die Polizeigewalt des Rüder nicht reicht. Ein Rüder'sches Edikt, welches dahin gegangen wäre: Mit Haft b« zu einem Monat wird bestraft, wer am Haager Kongreß der Internationale Theil nimmt, wurde für prinzipiell nichtig und deshalb bedeutungslos zu erachten sein; die Rüvei'sche Kompetenz zu Verboten und Siraiandrohungen erstreckt(Ich eben, wie wiederholt wird, nur aus den Leipziger Polizei- bezirk und aus Vorgänze innerhalb des letzteren; au den Grenzen dieses Bezirk» hörl sie auf. Dem Polizisten Dr. zur. Rüder sind die angegebenen rechtlichen Schranken seiner Polizeigewalt wohl bekannt. Form und Inhalt, so- wie die Art der Verkündung seines Verbots, lassen darüber keinen Zweifel, daß als Geltun isbcreich auch von dem Verbietenden selbst nur der Leipziger Polizeibezirk gedacht war. Insofern nun nach Ihrem Bericht Hepner zu einem Monat Gt- sängrnß um deßwillcn verurtheilt worden, weil für erwiesen anzusehen sei, daß er durch die Theiluahme am Haager Kongreß daß(kill. Leipziger) Polizeioerbot gegen die Internationale übertreten habe, ist gegen Hepner eine flagrante und zwar meiner A sschauung nach eine bewußte------, eine unverhüllte Thal der Gewalt ver- übt worden. Ein Blick aus die einschlägigen Gesetzesbestimmungen ergiebt dies zur Evidenz: Nach S 4 des ReichsstrasgesetzbuchS findet wegen der im Aus- lande begangenen Verbrechen und Vergehen in der Regel eine Verfolgung nicht statt. Ausgenommen ist — von anbern hier nicht interesflrenden Fällen abgesehen— der Fall, wenn ein Deutscher im Auslände eine Handlung be- gaiigeii hat, welche a. nach den Gesetzen des Deutschen Reichs(also nicht nach irgend einem, beispielsweise einem Leipziger Polizeiukase) als Verbrechen oder Vergehen anzusehen und b. durch die Gesetze de« OrtS, an welchem sie begangen wurde» mit Sirase bedroht ift. (s 4. Nr. 3.) Daß keine einzige dieser Voraussetzungen der Strasbarkeit stegeben ist, braucht als volllommen selbstverständlich nur hinbestellt, nicht erst eingehend bewiesen zu werden. Das Rüver'sche Polizeioerbot hat die Theilnahm« an der Jnter- nationale zu einer„tleberiretung" im Sinne des Strafgesetzbuches (§ 1> erhoben. Ich habe Eingangs dargetha», daß dieses Verbot nach der Natur der Rnder'jchen Kompetenzen einen rein örtlichen Charakter hat und daß seine Tragweite nur btS an die Grenzen des Leipziger Potezeibezirkes reicht. Im Haag, also im Auslande brauchte sich Hep- ner um Rüder und dessen Edikte ebcnsow nig zu schieren, wie uns in Berlin der Leipziger Serenissimus und seine liebenswürdige Verord- nungslaune Sorge macht. Was i» Leipzig Ucbertretung ist, ist cS nicht mehr im Haag und was im Haag gesetzlich stalthasi erscheint, darf dort von jedem Leipziger ohne Scheu vor Verholen Rüber's oder welcher fremden Poltzeibehördo sonst geübt werden. Erbiicki unser Leipziger F»eund in dem Tragen roiher Halstücher eine Bethäiigung lommunistischer Gesinnungen und verdielec er es demgemäß für seinen Polizeibezirt, so werde ich mich bim Verbote möglicherweise fügen, so lange ich M Leipziger Bezirke weile. Tresse ich indeß freund Rüder außerhalb desselben, so verfehle ich nicht, mir ein HalSluch von impertinent roihcr Farbe anzuschaffen und den Leipziger Polizeichef dadurch wüthend zu machen, daß ich die Zipfel de» rothcn Tuches vor ihm hin und her tanzen lasse. Die Leipziger Polizeivcrbotc exiNiren eben für denjenigen nicht, der sich in ihrem Geltungsbezirke nicht aushält. Entscheidend würde also im schlimmsten Falle sein: ob Hepner durch Theilnahme an der Inte: nationale eine eben- sowohl»ach Niederländischem(Haager), wie nach einheimischem Recht alS Uebertretung anzusehende Handlung begangen hat? Notorisch war die Abhaltung de« Kongresses im Haag und die Theilrcihme daran»ach dortigem Recht vollkommen statthaft. Wäre daS Gegernheil der Fall gewesen, so würde 8 6 des Reichs- Etiafg-setzbuchS zur Anwendung zu kommen haben, wonach im Aus- lande begangene Uebertretungen nur dann zu bestrafen sind, wenn die» durch besondere Gesetz« oder Verträge angeordnet ist. Derartige„besondere Gesetze" oder„Verträge" exi stiren nicht. Die ganze gegen Hepner verübte Prozedur setzt sich hiernach aus -----Akten zusammen, hinsichtlich deren bei der klaren, unzwci- deutigen Form der gesetzlichen Bestimmungen nicht zweiselhasl sein kann, daß sie bewußt—-- Weise ausgedrückt sind. Lediglich dieses Moment—---Verletzung zu konstatiren. habe ich für meine Pflicht erachtet. Hochachtungsvoll Dr. Michaeli. Die Leipziger Polizei. In unsrer vorletzten Nummer berichteten wir, daß der verantw. Redakteur d. Bl., Muth, sechs Tage Polizcihafr erhalten habe, weil — gelegentlich der E> wähnung des Verbots bei Mandaisvermit'elung für den Haager Kongreß— gesagt war:, Herr Rüder sollte wissen, daß, «er(wie wir) foitwährend mit der Polizei zu thun hat, durch diese Praxis mindestens ebenso schlau geworden ist, wie gewisse Leute.' In der Sonnabendnummer der„Ttsch. Allg. Ztg." wird nun von Einem der sich:„zuverlässig unterrichtet" nennt, unsere Angabe für eine„Ver- drehung des wahren Sachverhalts" erklärt und— dabei in naivster Weise nocki mehr enthüllt, als uns bereits bekannt war. Der Verfasser gesteht nämlich, daß die Berurtheilung nicht wegen der abgedachten «chlußbemerkung, sondern wegeil Veröffentlichung des Verbots erfolgt sei; diese ist nämlich von der Polizei als eine Wiederho- lung des verbotenen Anerbieten» der Mandatsvermittelung betrach- tet woiden. So etwas ist uns noch nicht passirtl Wenn man ein Verbot bekannt macht, damit sich andere darnach richten—so ist dieS eine wiederholte Uebertretung des Verbotenen!! ES fiägt sich nun: Wer ist der„zuverlässig unterrichtete" Ver- saffer, der dieses Gehcimniß, ohne es zu wollen, verrathen hat? Nous rerrons! Am Schluß desselben Artikels heißt es: „Wenn üb igens dasselbe Blatt, der„Volksstaat", in Be- zug aus die vom Polizeiamte gegen den Schriftsteller Hepner wegen seiner Betheiligung am Haager und Mainzer Kongreß eingeleitete Untersuchung und in Bezug aus die Jnhafibehaltung H-pner's ausruft:„Wir wollen abwarten, was das BezirkSge- ri»t zu diesem Verfahren sagen wi d." so liegt auch darin eine Unrichtigkeit und eine irrige Auffassung des Jnstanzenzuges: nicht das königl. Bezirksgericht hat auf den von Hepner gegen seine Berurtheilung zu einmonatlicher Haft eingewendeten Re- curs zu entscheiden, sondern die königliche Kreisdirection. Letz- teie hat übrigens, wie ich erfahre, die Entscheidung in zwei- ter Instanz bereits gisällt und hierbei da» polizeiamtliche Er- kenntniß, somit die Hepner zuerkannte einmonatiiche Haftstrafe, bestätigt, auch sonst gegen das wider Hepner beo- dachtet« Verfahren nichts einzuwenden gehabt." Der„zuverlässig Unierrichteti" hat hier am Schluß'sich eine„Ver- drehung der Wah heil" zu Schulden kommen lassen. Die Kreisdirek- tion hat— indem sie die volle Anrechnung der vom Polizeiamte ge z n Hepner verhängten Untersuchungshaft befohlen, allerdings„V- l«n das wider Hepner beobachtete Versahren" etwas„eingewend-i"; ie hat tamil indirekt«rkläit, daß die Untersuchungshaft unnöthig war. Woher ober in aller Welt hat der„zuverlässig Unterrichtete� seine unwahre Angabe„erfahren". Ed dien! Die Nummer der„Dtsch. Allg. Ztg.", in der sich der gedachte Artikel bestndet— die Sonnabendnummer vom 20. Sept.— mußte schon Freitag Nachmittag um 3 aus der Post, also mindestens um 12 Uhr Mittags druckferlig fein. Um 10 Uhr Vormittags ist dem Gefangenen Hepner da» Erkenntniß der Kreisdirektion publizirt wor- den,— wer anders also kann der„zuverlässig Unterrichtete" sein, als — ein Mitglied des Polizebüreaus, welches die Hepner'» sche Sache in Händen hat? Wir werden bei der Behörde keinen Antrag auf Untersuchung die- ses Vorfalle» stellen, weil wir sonst— was gegen unser Prinzip ist — den Rcdalteur der„Dtsch. Allg. Ztg." anhalten müßten, den Na- men des Verfassers zu nennm. Zudem können wir uns ja an den Fingern abzählen, wer der Verfasser in, und haben wir eine Aussragung der mit der Polizei asfilirten Redaktion überhaupt nicht nölhig. Aber die Anfrage an die Behörden können wir doch nicht unter- lassen: Ob das etwa nicht„Haß und Verachtung" erzeugen muß, wenn das Polizeiamt oder ein Mitglied desselben heimlich und ano- nym, also auch ungestraft, journalistischen Frevel treibt. Und„jour- naliftischcr Frevel" ist es, wenn man sich in Form einer Mittheilung oder Berichtigung— zumal wenn sie sich(wie die hier in Rede stehende) einen offiziösen Anstrich giebt—„Verdrehung der Wahr- heit" zu Schulden kommen läßt. Wenn das Polizciamt wahrheits- getreue Belichtigungen liefern wollte, hätte e» auch nichtuöthig, sich als anonymer„Berichterstatter" der„Dtsch. �llg. Ztg." zu geriren, sondern könnte eS seine Berichtigungen osfijrnl im Amtsblatt ver- öffentlichen. * Gewerkschaft der Holzarbeiter. Hamburg. An die Hauptkasse eingegangen im II. Quart. 1872: Söln. I. u. IL Quart. 11 Thlr. 21 Gr.— Erfurt 77 Thlr. 8 Pf. — Leipzig 54 Thlr. 19 Gr. 8 Pf.— Altona 61 Thlr. 6 Ps.— Braunlchweig 17 Thlr. 5 Gr. 3 Ps.— Chemnitz 4 Thlr.— Stade 15 Thlr. 11 Gr.— Weimar 4 Thlr. 6 Gr. 6 Ps.— Dresden 5 Thlr. Da erst im Laufe d. M. von einigen Ortschaften die hier ange- achenen Gelder eingegangen, gleichwohl die Abrechnungen nicht einge- schickt hatten, so war eS bisher nicht möglich, die Abrechnung vom II. Quartal, die nunmehr in den nächsten Tagen erscheinen wird, zu veröffentlichen. Ich eisuche somit die Bevollmächtigten resp. Kossirer in dieser so wichtigen Angelegenheit besonders pünktlich zu fein. H. So mann, Kassirer. Internationale Gewerkschaft der Schuhmacher. Dresden, 21. September. Uebrr einen gewliien Peter B ö I l «elcher(wie bereits in Nr. 66 des„Voltsstaat" aus Würzburg ge-, meldet wurde) auf dem Namen Kölsch reist und sich veischieoener Schwindeleien schuldig gemacht haben soll, sind uns neuerdings Nach- richten zugegangen, welche verbürgen, daß genannter B ö ll ein Mensch ist, welcher, wenn er wirtlich im Besitze eines Mitgliedsbuches»nsrer Gewerkschaft sein sollte, aus Grund des 8 5. unsres Statuts al« aus- gestoßen zu betrachten ist. Die» allen Mitgliedschaften zur Beachtung und Warnung. Der Berwallungsrath. I. A.: Zilger. Stuttgart, 21. September. Schuhmacherstri ke. Arbeiter! Beruisgliiosfen I Ihr habt au» Nr. 74 des„Volksstaat" ersehen, daß isier in Stuttgart ein Schuhmacherstrike bevorstand. Er istzur That- aöbe geworden. Wir stellten schon im Mai d. I., da wir durch die etztgen Zeitverhältnisse dazu gezwungen waren, an unsere Arbeilgeber »äs Gesuch, unsere Löhne um 20% zu erhöhen. Hieraus erhielten wir folgende Antwort:„Vorerst lönnen wir(Arbeitgeber) Ihnen be- treffs der Lohnsr.rge nicht gerecht werben, bevor wir einen Tarif im lüddcuischen Verband geregelt haben." Darauf sagten wir unS, daß wir unS gut organistren müßten, um unsere Forderung zu gelegener Zeit zu erneuern. Da wir nun wohl wissen, daß unsere Herrn Ar- beitgeber besagten Tarif schon längst geregelt haben und uns dennoch keiner weiteren Antwort würdigten, so beschlossen wir am 9. Septmbr. unsere Forderungen zu erneuern. ES wurde ein Gesuch ausgearbeitet und per Post an den Vorstand deS Meister-Bereins abgeschickt. Darauf rehielten wir, ebenfallSper Post'znr Antwort:„Vorerst können wir Ihnen nicht gerecht werden, da in nächster Woche Arbeitgeber- Congresse in Leipzig und München stattfinden. Nachdem soll ein jeder Meister persönlich mit seinen Arbeitern verhandeln." Unsere«Geduld ist jetzt zu Ende, nachdem die Arbeitgeber sich nicht gescheut baben zum zweiten Mal ausweichend zu antworten. Was ivir von Meister-Conarcssen zu erwarten haben,— das wiffen wir— ist nichts anderes als Maßr gelungen. um uns Arbeitern den Garaus z» machen. Wir hielten am Samstag den 21. d. M. eine stark be- sucht« Versammlung ab, und wurde einstimmig beschsoffen, die Arbeit niederzulegen und nicht ehrr wieder aufzunehmen, bis unsere Forderungen bewilligt sind. Gegen 300 Mann haben somit die Arbeit tingestellt. College»! Arbeiter! Ihr seht anS Vorstehendem, daß wir nicht unüberlegt gehandelt haben: wir Ii ßen 7 Monate verstreichen, bevor wir zur Atbeitseinfiellnng schritten. Aber Ihr wißt ja, wie es die Arbeitgeber machen, wenn sie etwas mehr bezahlen sollen. Wir stehen fest wie Ein Mann, und werden nicht weichen. Aber auch Ihr müßt für uns thun, was Euch möglich ist; hallet jeden Zuzug fern, und thut sonst ebenfalls Eure Schuldigkeit. Wir haben Familienväter unter uns, und Ihr wißt, daß diese mit ihrer Familie nicht hungern können. Das Strike-CoMite«: Schröder 1, Stapf 2. Voi sitzender; Strecker, Birkach, Kassirer; Scheck, Belz, Schrislsührer; Heed, Harnisch ier, Deuschle, Weiser, Bopp, Lenz, Wctzel, Bauer, Schnee, Schaal, Vollmer. Alle Briefe u. s. w. sind zu adressiren an Strecker bei Schuh- macher Weiugärlncr, Gaisstrahe Nr. 19, Stuttgart Mit sozial-demok atisckiem Gruß V. Schröder. Alle arbeiterfreuiidlichen Blätter werden um Abdruck des Vor- stehenden gebeten. Gera, 15. September. Mittwoch, den 4. Sept., fand hier eine Volksversammlung statt, in der Most über„Jesuitiimus, Libe- ralismus und Sozialismus" referirte. Teotzdem die Bekanntmachung nur sehr kurz voiher erfolgen konnte, war die Versammlung zahlreich besucht, und reicher Beifall wurde dem Redner zu Theil. Der in den Händen des liberalen Stadtraths sich befindenden Polizei scheinen unsere Agitationen sehr unbequem zu werden; sie hat in hohem Raihe be- schlössen, einen Tämpser auszusltzen, und ist dem Emberufer der Ver- sainmlung, Carl Brärter, eine Palizeistrafversügnng von Z» Thlr. 20 Sgr eventuell 0 Woche» Hast zuerkannt worden, weil in der Versammlung Frajuen gewesen sein sollen, trotzdem von den an der zum Saal tührenden Thür stehenden Vereinsmitgliedern alle kommen- den Fiauen zurückgewiesen worden sind, weil unser Vereinsgesetz die Theilnahme von Frauen an Volksversammlungen verbietet. Dasselbe stammt noch aus der Reactionszert vom Jahre 1852; unsere Herren Liberalen haben sich aber von jeher bei ihren Versammlungen stets über dasselbe hinweggesetzt, indem sie zu ihren Versammlungen offiziell Frauen durch die Zeitung ringeladcn und bemerkt haben, daß ihnen ein Tdeil derGalleiie rcservirt bleiben solle. So sollen bei der Wahl- voistelluiig des reichstäglich paientirten Heiterkeitmachet s Braun über 50 Fiauen zugegen gewesen sein. Der Einberufer der Versammlung, Vorsitzender des Gemeinderaihs, der nachher ausgetretene Dr. Wiitig, sowie der Vorsitzende der Versammlung, Sladtrath Sturm, sind nicht gerügt und nicht bestraft worden, wahrscheinlich weil es nicht gut geht,' daß die stadträlhiichen Bergehen durch den Sladtrath beiirast werden sollen, oder der alte Grundsatz, nur mit einer veränderten Nutzanwendung, befolgt worden ist,„daß Niemand in seiner eignen Sache Richter sein könne". Brätter hat gegen diese Strasverfügnng auf gerichtliche Entscheidung angetragen und so wird die Sache zur öffentlichen Verhandlung kommen, und wir werden sehen, ob der Richter der polizistischcu Interpretation des Gesetzes sich anschließen wird.(„Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund'.) Augsburg. Ein gestieberte« Telegramm. Die hiesigen arteigcnoffen ließen Sonniag, den 8. September, folgendes Tele- gi rmm an den Kongreß in Mainz abgehen:„Welch' wunderbare'll- gung Gottes! In Berlin die Bertreter von 3 Millionen Bajonetten und 5000 Kanonen. In Mainz die Vertreter der Volksrechte. Euch Arbeiismännern, die ihr neue Bresche m'S Bollwerk des Despotismus legt, ein donnernd Hoch! Die AugSburger. Diese» Telegramm wurde hier ang-nommen, kam jedoch nicht an seine Adresse, sondern wurde erst am 18. Semper, also nach 10 Tag-n. an die Ausgeber wegen seines un�eetgnelen Inhalts wieder zurück- befördert. Die hiesigen Parteigenossen ersuchen deshalb die Redaktion des „Volksstaat" um nachträgliche Verbreitung uff dem bekannten Wege. G. Stollberg. Fürth.(Unlieb verspätet). Am Sonntag, den 11. August, ver- anstatteten die hirsigen Parteigenossen ein Arbeiierfest, zu dem ver- schiedene Bei eine eingeladen waren. Unsere hiesigen Fortschrittler, welche, wie überall, von Festen wo Arbeiter sich variffgen, nicht gern was wissen wollen, glaubten daher, den Plan der Sozialdemokraten vereiteln zu müssen. Und so wurde denn auch von einem fortschritt- lichen Gejangveicm ein Sängertag abgehallen, wobei Jeoermann ohne Entree Zutritt hatte. Sodann war es der Hirsch-Dunckersche Ort«- verein der Metallschläger, welcher sich berufen suhlte, du« ch Abhaltung eine« Festes den Arbeitern einen Streich zu spielen. Aber, o Schrecken! die Herren halten sich verrechnet, denn Nachmittags 2 Uhr bewegte sich«in stattlicher Zug durch die Straßen der Stadt, und mochte es manchem Bourgeois ün Korse schwül werden beim Anblick der rothcn Fahnen von Fürth und Nürnberg, sowie der Fahnen der Maurer, Zimmerleute und des Turnvereins von Zirndorf. Der Zug bewegte sich zum Festplatze, wohin eine ungeheure Menschenmenge nachfolgte. Um 4 Uhr begann das Konzert. Fräulein Schäfer spiach den Pro- log. Herr Memminger Hill! die Festrede, an deren Schluffe er aus die Jnbasliricn Bebel und Liebknecht ein Hoch ausbrachte, in welches mit großer Begeisterung eingestimmt wurde. Das Fest war von 4000 Personen besucht und endete in der heitersten Stimmung. Nachträg- lich erfuhren wir, daß der Ortsvereur ein Defizit von 28 Gulden erzielte. G. Frankfurt a. M., 22. September. Es dürfte bekannt sein, daß hier in Frankfurt keine Gewerkschaften eristiren, dagegen befinden sich viele Gewerkschaftsmitglieder hier am Orte, die wegen der mangelhaften Organisation jetzt außer aller Verbindung nach Auswärts sind. Ich «rsttche deshalb die Bevollmächtigten aller Gewerkschaften, ihre Mit glieder dahin zu instru ren, daß sie bei etwaigem Domizilwechj el an Orten, wo keine G-werkschasten bestehen, sich der sozial demokratischen Arbeiter-Partei anschließen mögen. Der Nutzen dieser öfters zu wieder- holenden Aufforderungen lieg! auf flacher Hand; nicht nur, daß die Partei an manchen Ottcn erstarken wird, auch die Gewerkschaften wer- den in der Lage sein, die zeitweilig ans Reisen befindlichen Mitglieder wieder an die Organisation zu fesseln. Mit sozial-demokratischem Gruß I. GimbeL Herr Biedermann versucht in einem(seinem guasi-„Sittlichkeits"-Natnrell sonst ganz fremden) Anfall von satirischem,, Humor"— also nicht„sich selbst ge- treu"(siehe sei» Autograph unter der der Autobiographie veigcgebencn Lithographie— mich zu„uzen", indem er im HI. seiner Artikel über den Haager Congreß also jagt: „In ähnlichem Sinne wie Vaillant spricht auch„Bürger Hepner von Leipzig"—„der Mitangeklagte der Herren Bebel und Liebknecht", wie ihn der Berichlerstatter der„Jndöpendance belge", der sonst nichts von ihm zu wissen scheint, bezeichnet." Wehe mir! Wie werde ich mich von dieser Schande reinwaschen!.... Vielleicht doch! Ich will's wenigstens versuchen: Ich meine: ' 1) Kann nicht Jeder durch die besonderen Umstände der Geburt gleich ein berühmter Mann sein— wie Herr Biedermann. 2) Ist überhaupt Nlemand verpflichtet,«n berühmter Mann zu sein— wie etwa glaubt Herr Biedermann. 3) Ist es noch sehr fraglich, ob es eine Ehre ist, ein berühmter Mann zu sein— wie Herr Biedermann. 4) Hat nicht Jedermann die Pajsizn, eine Sel bstb iographi« herauszugeben— wie Herr Biedermann. 5) Ist es weder ein Verbrechen, noch eine Schande, jung zw sein. Weiß das nicht einmal eine„Anstandsdame"— wie Herr Biedermann? Leipzig, Pvlizeigesängniß d 27./4. M A. Hepner. Berichtigungen. In Na 76: im Art. ,Die Verfolgungen der sozialdemokratische» Arbeilcrpa'tei" muß es Spalte 1 Zeile 33 von unten heißen:„Bestie im Menschen"(nicht„Bestie als Menschen"), 9 Zeilen Weier, Bartholomäusnacht anordnet—(nicht verordnet) und 7 Zeilen weiter: obwohl bemerkt(nicht erwähnt) werden muß. Ferner in der politi- tchen lieberficht Spalte 3, Zeile 5 von unten. Schweinerei(nicht Schmiererei) und Zeile 33 von oben: unserer hochmoralischen(nicht »»moralischen') Burqeoist«.— Briefkasten. Redaktion: Zollinger Frantiuit a. M.: Schreiben nicht er- halten.— I. K in München: erhallen.— W. Umland in Stuttgart: Sie thun demZEinsender entschieden Unrecht. Erinnern Sie fit> doch nur an da» erste Austreten des Herrn Hartman» in Stuttgart. Im Uebri- gen ist die in Nr. 74 enthaltene süotiz so harmlos gehalten, daß wir für Ihr herbes Urtheil keine Erklärung nnde» können. Den Bersasier nennen wir nicht, das ist bei uns nicht Usus.— Neißer Breslau: Brief angekommen. Wird brantwort-t.— M. Breslau: Ihren Brief haben wir an M. geschickt, mit der Bitte, die Sache definitiv zur Be- endigung zu br'nqen. Für politisch Gcmatzregclte. Durch Colp. Müller hier, für Monai August 2 Thlr. 17>|, Gr Die Erpediti on dts�„Volr»staat". Für Leipzig. Ällg. deutscher Zchneiderverein. Dienstag, den 1. Oktober Abends 3 Uhr im Lokale des Arbeiter- bildungsvereins, Versammlung. Tagesordn.: Wahl eine? Bevollmäch- ligteu.' Ausnahme neuer Mitglieder. DaS Erscheinen Aller ist uoth- wendig. D. B. Für Leipzig nnS Umgegend Internationale Mctallarbciterschaft. Jeden Montag Ab-nd» 8 Uhr Versammlung Reudnitzerftraße bei Arnold. Die restirenden Mitglieder werden ausgesorderl, laut Statut ihren Pstichien nachzukommen Ausnabme n-uer Mitglieder Etzlingeu. Nächsten Sonniag Ziisammeiikuiiit bei Oettle, Löwenwirtb. Für Breslan Schial-demokratische Ärbeiter-slartei. Montag, den 30. d. M Abends 8 Uhr geschlossene Mitglte» derversamm lung im hintern Lokale des„Weißrn Engel". Kupfer- ichmievestroße ll. Tagesordnung: 1. Berichterstattung de« Delegirten über den Mainzer Parieicongreß. 2. Beschlußfassung über die vor 8 Tagen vertagte Angelegenheit. Pünktliches»ud vollzähliges«ifchri- nen ist nothwendig. Zutritt nur gegen Vorzeigung der Karte. H- Lei, nie. Für Hambnrg. Sozial-demokratischer A rbeitcroeretn Versammlung, am Moniag, d.n 30. Sepieuiber, Abend« 9 Uhr in Ebcrhahn's Elublokal, Zenghausmartt 31. Tages ordnung: 1. Sozial-poliiischer Wochenbericht. Referent Paulsen. 2. Armuth und Armenwesen. Referent Geib. Gäste haben Zutiitt. Nachruf. Am 22. September starb nach längern Leiden ein alter treuer Kampfgenosse für die grbeitersache, der Tischlermeister und Filialerpeditior I. David Häußler in Wilkau. Wir rufen ihm hierdurch ein beri. liches„Ruhe sanft in kühter Gruft" nach. �ie Erpedition des„VolkSstaat". Anfrage an Mar Fellner in Gotha: Wann erhalte ich das Buch„Theologie und Wissenschaft" u. s. w., wofür ich am 21. Auaust 1 Thlr. per Post eingezahlt habe. Gelenan, 12. Sept. Karl»ngust Reuter. Erklärung. Die in Nr. 71 erwähme Angelegenheit Wilhelm'« ist nun end- giltig geregelt. Wilhelm selber ist an der Verzögerung nicht schuld dies sei hiermit zu seiner Rechtfertigung beioiider» erwähnt.' PH Zollinger. F«Ilner. Aufforderung. Da ich auf meine briestichen Mak«»ingeii bisher von keiner Seit Antwort erhalten habe, sehe ich mich genöthigt, alle meine Schuld»« ans diese Weise an ibre Verpflichtungen zu erinnern. Sollte aufl dieses nicht» fruchten, dann werde ich die Betreffenden öffentlich be Namen nennen und die ganze Angelegenheit in die Hände eine» Ad vokaten legen. Zugleich effuche i» alle Parteigenossin, mich mit Be- stellungen auf Schriften zu unterstützen. Alle für Einen, Eine für Alle. Albcrtine Dittrich 1 bei Frau Kubesch in Bautzen. Aufforderung Alle Diejenigen, welche Briese w. an uns abgesandt, wovon ihn« bekannt, daß dieselben nicht in unsere Hände gekommen sind, sowi alle Diejenigen, welche von uns abgesandte Briese oder Packet-»ich oder mit derart vei letztem Couvert oder ausgeriffenem Umschlag er halten habe», daß der Inhalt sichtbar oder gar hei auszunehmen war eriuchen wir unter Angabe der Zeit de» Vorfalls und der Art de Verletzung ihre Adreffen rinzusenbeir. Leipzig, den 25. September 1872. 2) 1_ Die Redaktton und Grpedttio« des„Volksstaat' Dnich die Buchhandlung und Erpedition de» ,,Voltssiaat" ffi zu beziehen:* L Fcuerbach S Photographie in Visitenkartenforinat ä 2h, Gr. Die bei der Beerdigung L. Feuerbach's g-baltenen gedicgenei Reden von Scholl, vr. Mook und Memminger werden neb einer Biographie von Feuerbach in einer Broschüre in kürzester Ze erscheinen und sind durch uns zu beziehen. vuchhandluug und«rpedition dcs„BolkSftaat". Soeben ist erschienen Marx Kapital III. u. IV. Heft ä 10 Ngr. Bei Abnahme von 12 Expl Rabatt. Die Abonnenten aus dics-s Werk werden ersucht nach Empfang die ersten drei Lieferungen zu bezahlen. _ Die Buchhandlung und Erpedition des Bolksstaat. Bekanntmachung. Herrn Cigarrenarbeiter Karl Fleischer in Kleinzschocher Nr. 87 ist für Kleinzschocher, Großzschocher und Schleutzig die riliaiexpedition übertragen worden. Derselbe nimmt Quartal- und Monats-Abonnements auf den „Bolksstaat" entgegen und können auch einzelne Nummern dort ge- kauft werden. Die Erpedition de«„Boltsstaat." D»e Filmlexpevitionen werden ersucht die Abonnementsgelder für III. Q«. sofort einzusenden, sowie allenfallsige Aendernngen der Adreffen umgehend bekannt zu gebe«. (3) i Die Expedition des Bolksstaat. Rurnberg, den 2Z. September.(Telegramm) Arbeit»- elnstellnng sammtlichrr Schmiede und Wagner. Zuzug fern zu ballen. Briese u- s w sende man goldene Krone, Obst- markt, Brief folgt. Faaz. (Wiederholt, weil wegen zu späten Eintreffens nicht in allen Nummern abgedruckt.) Leipzig: Berantw. Redakteur A. Muth.(Redaktion und Ex- pedition Hohestr. 4.) Druck und Verlag von F. Thiele.