Ko. 79. Mittwoch, 2. Oktober. 1872 Erschein««öchenllich S m«t i» LeiWi«. vrstellungtn lehmen uk Psstnnstnlt«!, imb«uchhanb- biagtii brt In- unb»u»- laabrf SN. Sit tcip|i( n«h»,»n «tßellungea an; Vi« fTp«biti»n, H»he Stt. 4. ». Peterlpr. IS. 8. lht«'.«.«milienftr. S. Aho«»r»rutSpret«: Jir Prnch» incl. Stempel- mcr 1 7 Sar., für bw übrig«, beu-ften Staat«, tS'/»Ngr per Onanal, pn Nana, t>/, Ngr, für Leipiig unb U«- gt�nb per Q«mal ISSlgr. ''liaterpedttw» für i>UÖ«- emi-zt«» Staat«: F A, Sorge, Bot 101 Bobokea N.J. viaNewyork Orgau der soM-demoKratischeu Arveitervartei und der Internationalen Gewerksgenossenschasten. ESmmtliche Redattionen«vserer in- und auslän- discheu Parteiblätter werden gebeten, je et» Exemplar derselben an unsere Hn bertusburger Ges.naencn - per«»lnzband oder durch Einzahlung der Post- Provision— zn senden.____________ Sbtr ersuchen zu Ansang des Quartals die Re- dattione«, welche«us bisher ihre Blätter durch Ein- zahluug der Postprovifiou oder per Kreuzband en ehsuige zukommen ließen. das Tauschverhältniß ge- jor,zuerha.,e.. � Avou«eme«tseinlavung. Mit tem 1. Oktober hat ein neues Abonnement auf den„Volksstaat'lbegonnen. Wir eisuchen die verchrlichen Leser, das Abonnement auf das Blatt sofort erneuern zu wollen, damit teiue Unterbrechung in der Zusendung eintritt. Der Preis des Blatte» ist wie bisher per Quartal 12'j, Ngr.— wozu in Preußen noch der Zuschlag für den Zeitungsstempcl kommt— bei wöchentlich zweimaligem Er- scheinen. Krcuzbandscndungen für Deutschland und Ocstreich kosten sit 1 Er. per Quartal 25 Ngr., die Schweiz 1 Thlr., Frank- reich, Belgien, England:c. 1 Thlr 8 Ngr. Zahlung pränu- merando. Parteigenosse«! Ein neues Quartal hat begonnen, gedenket des Par- teiorgans. Wirke Jeder von Euch so viel er kann sür dessen Verbreitung, die Verhältnisse sind uns günstig. Ueberall erwacht dos Proletariat zum Klassenbewußtsein, überall erheben sich die geknechteten Massen zum Kampfe gegen ihre Unterdrücker. Vorwärts denn und sorgt, daß unser Parteiorgan unter bie Arbeiter kommt! Arbeitet, agitirt, organisirt unablässig; wo ein Arbeiter in unsere Reihen eintritt, sei seine erste Pflicht; ein Abonnement aus das Organ. Die Wuth und VersolgungSsucht unserer Gegner wird immer größer. Kaum ist noch ein öffentlich wirkender Partei- genösse da, der nicht schwere Geld- oder Gefängnißstrafen erlitten, oder dem sie nicht bevorstünden, zu geschwcigcn Derer, die eben hinter Kerkermauern die Rache unserer Gegencr büßen. Auf all' diese Unbill giebt es nur Eine Antwort: Arbeiten, mit allen zu Gebote stehenden Kräften, arbeiten für die Aus- breitung der Partei, die Verbreitung des Parteiorgans. Parteigenossen! zeigt, daß im Kampfe uns der Muth wächst und'— thut alle Eure Pflicht. Eine Rebe von Karl Marx. (Die Rede wurde nach Schluß beS Haager Kongresses auf einer ?olksve>sammlni,g in Amsterdam gehalten; der Ve.ichr, den wir der Brüsseler„Liberis' im Auszug«mnommen haben, ist augenlch inlich sehr ungenau und lückenhaft, was wir ausdrücklich Hervorheben zu Muffen gruben.) Im achtzehnten Jahrhunderte hatten die Könige und die Potentaten die Gewohnheit, im Haag zusammenzukommen, um über die Interessen ihrer Dynastieen zu verhandeln. Grade an diesem Orte haben wir unfern Arbeitertag abhalten wollen, trotz der Besorgnisse, die man in uns wach zu rufen suchte. Inmitten der reaktionärsten Bevölkerung haben wir erscheinen wollen, um die Eristenz, die Ausbreitung und die Hoffnung auf die Zukunft unfrer großen Assoziation zu bekräftigen. Als man unfern Entschluß erfuhr, hat man von den Sindlingen gesprechen, die wir ausgeschickt, um das Terrain vorzubereiten. Ja, wir leugnen es nicht, daß wir solche Emis- säre haben; aber sie sind uns nletstentheils unbekannt. Unsre Sendlinge noch dem Haag sind jene Arbeiter gewesen, deren Arbeit so mühsam ist, wie die unsrer Emissäre in Amsterdam; dort und hier Arbeiter, die sechszehn Stunden täglich arbeiten. Da» sind unsre Emissäre, wir haben keine andern; und in allen Ländern, wo wir uns einstellen, finden wir sie bereit, un« mit vollem Herzen zu empfangen, denn sie begreifen aar bald, daß wir die Verbesserung ihres Schicksals erstreben. Der Kongreß im Haag hat drei wichtige Erfolge gehabt: Er hat die Nothivcndigkeit für den Arbeiterstand prokla- mirt, die alte Gesellschaft, welche zusammenbricht, auf dem po- litischen wie auf dem sozialen Boden zu bekämpfen; und wir wünschen uns G.ück dazu, von nun an in unsre Statuten diesen Beschluß der Londoner Konferenz aufgenommen zu sehen. Eine Gruppe war in unsrer Milte entstanden, welche die Enthaltung der Arbeiter von der politischen Arbeit anpries. Wir haben es für unsre Pflicht gehalten, zu erklären, wie gesöhrlich und verhängnißvoll für unsre Sache uns solche Grundsätze erschienen. Der Arbeiter muß eines TageS die politische Gewalt in der Hand haben, um die neue Organisation der Arbeit zu begründen; er muß die alte Politik umstürzen, welche die alten Jnstelutionen aufrecht erhält, wenn er nicht, wie die alten m j!Ien' 6'e �iches vernachlässigt und verachtet hatten, auf das „Reich von dieser Welt� verzichten will. Aber wir haben nicht behauptet, daß die Wege, um zu diesem Ziele zu gelangen, überall dieselben seien. W>r wissen, daß man die Institutionen, die Sitten und da» Herkommen der verschiedenen Gegenden berücksichtigen muß und wir leugnen nicht, daß e« Länder giebt, wie Amerika, England, und, wenn ich Eure Einrichtungen besser kennte, würde ich vielleicht hinzufügen, Holland, wo die Arbeiter auf friedlichem Wege zu ihrem Ziele gelangen können. Doch nicht in allen Ländern ist dies der Fall. Der Haager Kongreß hat dem Generalrath neue und ge- wichtigere Befugnisse zugestanden. In dem Augenblicke, wo sich die Regenten in Berlin versammeln, wo von dieser Zu- sammenkunst der mächtigen Vertreter des Feudalismus und der Vergangenheit neue und entschiednere Unterdrückungsmaß- regeln gegen uns ausgehen sollen, gerade in dem Augenblicke, wo die Verfolgung organisirt wird, hat der Haager Kongreß es sür angemiss.n gehalten und sür noihwendig, die Machlbe- fugnisse des Generalraths zu vermehren und sür den Kampf, der beginnen soll, seiner Thätigkeit einen festen Mittelpunkt zu schaffen, die ohne dies ohnmächtig wäre. Und wem anders könnte übrigens die Machtbefugniß des Gencralraths Unruhe erregen, als unfern Feinden? Hat er denn eine Bureaukratie, eine bewaffnete Polizei, um sich Gehorsam zu erzwingen? Ist nicht seine Autorität lediglich eine moralische, und unterwirft er nicht seine Beschlüsse dem Urtheil der Fö. erationen, die mit der Ausführung derselben betraut sind? Unter solchen Be- dingungen, ohne Heer, ohne Polizei, ohne dienstwillige Ge- richte, würden die Könige an dem Tage, wo sie ihre Macht von moralischem Einfluß und Ansehen abhängig'sähen, schwache Hindernisse für den Sturmschritt der Revolution sein. Schließlich hat der Haager Kongreß den Sitz dcS Gene- ralraths nach Newyork verlegt. Selbst viele unter unfern Freunden scheinen sich über einen solchen Beschluß gewundert zu haben. Vergessen sie denn, daß Amerika vorzugsweise zum Arbciter-Erdtheil wird, daß alljährlich eine halbe Million Menschen, Arbeiter, nach diesem andern Festlande auswandern, und daß die Jnternatwnalc kräftige Wutzcln auf diesem Boden, wo der APeiter dieM-hrzahl bildet, schlagen muß? Uebrigens giebt ja auch der Kongreß Beschluß dem Gcneralrath das Recht, sich die Mitglieder beizugesellen, deren Mitwirkung er für da« Wohl der gemeinsamen Sache sür nothwendig und für nützlich hält. Erwarten wir von seiner Einsicht, daß er Leute wählt, die der Aufgbbe gewachsen sind und die da« Banner unsrer Assoziation in Europa mit fester Hand zu halten verstehen. Bürger, denk n wir an jenes Grundprinzip der Jnter- nationale: die Solidarität! Rur wenn wir dieses ledenzeugeude Prinzip auf sichre Grundlagen unter sämmUichen Arbeitern aller Länder stellen, werden wir das große Endziel erreichen, das wir un» gesteckt haben. Die Umwälzung muß solidarisch sein, das lehrt uns die Pariser Kommune, d>e nur deswegen gefallen ist, w.il es eben an dieser Solidarität b.i denAibeitern der übrigen Länder gefehlt hat. Ich meinestheils«erde der mir gestellten Aufgabe treu bleiben und werde beständig daran arbeilen, unter allen Ar- beitern jene für die Zukunft fruchtreiche Solidarität zu be- gründen. Nein, ich ziehe mich nicht von der Internationale zurück, und der ganze Rest meines Lebens wird, wie alle meine Bemühungen der Vergangenheit, dem Triumph der sozialen Ideen geweiht sein, die einst— seid davon überzeugt I— die Weltherrschaft des Proletariats herbeiführen werden. � „ Gegen die Proviuztalkorrespondeuz. II. Die„Provinzialkorrespondcnz" betitelt ihren Artikel:„Die Fürsorge für das Wohl der arbeitenden Klassen." Wir wer- den sehen, wie der Inhalt dieser menschenfreundlichen Etikette entspricht. Der Artikel beginnt mit den Worten:„Seit einiger Zeit hat die öffentliche Aufmerksamkeit sich immer(!) ernster und theilnehm ender den bedenklichen Erscheinungen zuge- wandt, welche in den wirthschastlichen Verhältnissen und Be- strebungen der arbeitenden Klaffen zu Tag treten." Abgesehen von dem fehlerhaften Stil, der keinem Quartaner ungcrügt hin- gehen würde, vebutirt das amtliche Organ gleich in der zwei- ten Zeile mit einer groben Unwahrheit. Allerdings hat die„öffentliche Aufmerksamkeit" sich neuerdings ziemlich lebhast der Arbeiterfrage zugewandt, allein es ist die« weder mit dem »öthigen Ernst, noch viel weniger in„theilnehmender" Weise geschehen; ganz im Gegemheil: die deutsche Presse aller Schattirungen(und in der Presse äußert sich doch wesentlich die „öffentliche Aufmerksamkeit"), insbesondere der von dem Ber- liner Preßbüreau abhängige, also mit der„Provinzialkorrespon- denz" an Einem Strang ziehende Theil, hrt eine wahrhaft skandalöse Frivolität an den Tag gelegt, systematisch verwirrt anstatt zu klären, an die Leidenschaften appellirc statt an den Verstand, und der Arbeiterbewegung gegenüber eine so unglaub- lich rohe Sprache gejährt, daß sie dem künstigen Geschichts- schreiber zum Nachweis der traurigen Kuliurw>rkungen der Blut- und Eisenpolitik genügen wird. Also das„ernst" und „theilnehmend" ist gelogen. Doch„einmal ist ke'nmal"— «das erste Mal gilt nicht"— kann die„Provinzialkorrespon- denz" für sich plädiren. Drum weiter!„Als ein Zeichen un- behaglicher Zustände und Stimmungen muß schon die Thaisache gelten, daß die Arbeiter in der Regel mit blindem Vertrauen auch den unverständigsten Rathschlägen solcher Wortführer Folge leisten, durch die ihnen eine Verbesserung ihrer Lage in Aus- ficht gestellt wird, und massenhaft in Vereine eintreten, die groben wirthschastlichen Jrrthümern huldigen un. falschen Jdea- len nachjagen." Diese kräftige Tirade leidet an dem Grund- fehler zu großer Allgemeinheit; wir sehen nicht, an welche Adresse sie gerichtet ist. Weder sind die„unverständigsten Raihschläge" ertheilenden„Wortführer" genannt, noch die„Vereine", die „groben wirthschastlichen Jrrthümer" huldigen und falschen Jdea- len nachjagen", näher bezeichnet, noch endlich die betreffenden „Jrrthümer" und„falschen Ideale" analysirt und bloßgelegt. Oder sollte yerr Wagencr von Dumme, witz etwa in einem Anfall von Selbsterkcnntniß und heroischer Ehrlichkeit den Herrn — Wagencr von Dummerwitz gemeint haben, der freilich nach der Meinung sehr Vieler auf sozialem Gebiet keineswegs spar- sam gewesen ist mit den„unverständigsten Rathschlägen", der seiner Zeit auch stark darin war, den Arbeitern eine Verbeffe- rung ihrer Loge in Aussicht zu stellen"(die schlestsche Weber- dcpulation z. B. kann davon erzählen) und es auch nicht an Mühe hat fehlen lasse», die Arbeiter„massenhaft in Vereine" zu treiben,„welche den groben wirthschastlichen Jrrthümern(des Schusters Panse) huldigen und falschen(Zunft-) Idealen(ver- setzt mit dem �uset des Fcudalsoziatismus) nachjagen." Nun, wir wollen Herrn Wagencr die Rechl»wohlihat des Zweifels er- landen und arnuhmen, er habe nicht in's Blaue hinein geschimpft und denunzirt, sondern an seiner«genen Peison und seinen eigenen Meinungen eine scharfe, aber um so verdienstvollere Kritik ge- übt.„Noch deutlicher"(alS in den„falschen Idealen" jc, de« Hrn. Wagencr) sahn Herr Wagener fort,„offenbart sich.das Vorhanden- sein sozialer Mißstände in dem Umsichgreifen der allgemeinen Ar- beitSeinstellungen(Strikes), welche gegenwärtig zur Tagesordnung der Arb eite, b ewegung gehören, und dem gesammten gewerblichen Verkehr der Nation, wie den zunächst betheiligten Arbeitgebern und Arbeitnehmern schweren Nachtheil bereiten." Die Eine Lüge vorhin zählten wir nicht Herr Wagener. Hier kommen wir aber auf Lüge Nr. 2, die den Casus schon bedenklicher macht. Und obendrein eine recht saftige, verläumderische Lüge, vortrefflich dazu geeignet, eine ganze Pyramide von Lügen auf ihrem breiten Rücken zu tragen, eine Heckelüge zur Zucht brauchbarer Tendenzsügen und Lug- und Trugschlüsse. Daß die A» beitSeinstellungen jetzt im Schwang sind, wer wollte, wer könnte es leugnen? Aber zu sagen, daß„die Arbeitseinstellungen zur Tage«ord- nung der Arbeiterbewegung gehören," heißt die Unwahrheit sagen, heißt, da sämmtliche Fraktionen der Ar- beiterpartei in formellster und ösfeiulichster Weise die Sinke- macherei verunheilt haben, wider besseres Wissen die Unwahrh.it sagen, ist folglich eine Lüge, und nicht bloß eine einfache Lüge, sondern obendrein, da sie die Strikes als ein künstlich erzeugt s gemeinschädliches und demnach die Straf- und Repressivgewatt de« Staats herausforderndes Uebel hinstellt, eineperfideDcnunziat ion! Kau», ein Dutz. nd Zeilen und schon zwei Lügen und eine Denunziation! Ein viclocrsvrechendre Ansang. „Dem gewissenhaslen Beobachter(wozu sich natürlich der Provinziaikorrespandenz- Biedermann rechnet) kann es nicht entgehen, daß zu diesen Erscheinungen zwei Ursachen zusam- wen wirken, von denen bald die eine bald die andere vorwie- gend zur Geltung kommt: einmal die Gestaltung der wirth- schafllichen Verhältnisse, vermöge deren der Erwerb zahl- reicher Arbeiter zur Beschaffung der im Preise we- sentlich gesteigerten Lebensbedürfnisse nicht ausreicht, und andrerseits der Einfluß schlechter Rathgeber, welche den Glauben zu verbreiten suchen, daß die Arbeiter durch den sogenannten Kampf gegen das Kapital oder gar gegen das Eigenthum(!) ihre Ansprüche auf Lebensgenuß zu verwirk- lichei, vermögen." Hei!„Die Tobten reiten schnell!" Die philantrophischen Floskeln sind in alle Winde zerstoben und es umw.ht uns schon ächte Polizeilust. Unser„gewissenhafter Be- obachter" hat Eile: seine Loosung ist: in rnedinsres! Mitten in die Sache, das heißt auf deutsch: Mitten in den Slieber! Der„Gewissenhafte" ist so„gewissenhast", zuzugeben, daß die A> beitSeinstellungen nicht bloß von„schlechten Rachgebern" herrühren; er sieht einen zweiten Grund darin, daß der„Er- werb zahlreicher Arbeiter— zur Beschaffung der im Preise ge- steigerten Lebensbedürfnisse nicht ausreicht". Aver, Sie„Ge- w ssenhafter", ist dieser Eine Grund denn nicht ein genügender Gi und? Der„Erwerb zahlreicher Arbeiter reicht nicht aus zur Beschaffung der Lebensbedürfnisse" ist doch nur eine andere AusdruckSsorm sür die Thatsache: die Löhne zahlreicher Arbeiler reichen sür des Lebens Nothdurft nicht aus. Und cS liegt doch in der Natur der Dinge, daß der Arbeiter, dessen Lohn nicht ausreicht, ihn durch jedes Mittel, und insbesondere durch daS sich ihm zunächst darbietende der Arbeitseinstellungen in die Höhe zu treiben sucht. Der Selbsterhaltungstrieb der mächtigste im Menschen, zwingt die Aibeiler dazu. Unser „Gewissenhafter" weiß das sehr gut, sonst hatte er diese« Grund überhaupt gar nicht erwähnt. Er wird aber auch wis- sen, oder sollte wenigstens wissen, daß, wo ein genügender natürlicher Grund vorhanden ist, nur ein Pfuscher oder ein Polizeihirn noch nach einem künstlichen verborgenen Grund sucht. Neben dem Hunger, der nach deS„Gewissenhaften" Zuzeständniß zu Arbeitseinstellungen räth, bedarf es sicherlich keiner anderen Rathgeber. Mit ziemlich demselben Recht kann der„Gewissenhafte" ein Erdbeben oder den Ausbruch eines Vulkans neben den unterirdischen Elemcntarkrästen noch„dem Einfluß schlechter Rachgeber" zuschreiben, die auf Himmel oder Hölle gewirk' ab«». Im Mittelalter nannte man derlei„schlechte Rath- �eber" beideelei Geschlechts: H. renmeister, Zauberer, Hexen x.: und die damaligen Wagen« und Stieber«rangen sich die Unsterblichkeit durch Hexen Prozesse. Den Wagen« und Stieb« von heute blüht hefscnllich die gleiche Unsterblichkeit. Was endlich die Phrase vom„sogenannten Kamps gegen das Kapital" angeht, so klingt sie einigermaßen komisch im Mund eines Wagener, der e n ganzes Jahrzehnt hitzig im Weinberg der Sozialvemagogie gearbeitet hat aus Rechnung seines Herrn und Meisters Bismarck, jenes Bismarck, der einst den verdutzten Fortschrutsphilistern daö pech- und schwefelduf- tende Wort zur es: Flectere si nequeo superoe Acheronta movebo! Hilst der Himmel mir nicht, so rus ich die Mächte der Hölle. Ein Wink mit demZaupfahl oder richtiger mit Tölcke'S Knüppel, der seinen Zweck erfüllte. Und daS redet von„ s o g e- nanntem Kampf gegen das Kapital!" Ei, ei,„die liebe Unschnld thut nur so,"— wie wir später des Näheren an gar erbaulichen- Sxempeln sehen werden. Politische Ucbersicht. Ein tüchtiges Stückchen„sozialer Frage" finden wir in einer der letzten Nummern der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" blosgelegt, und zwar auf Grund eines Berichts in der„Provinziallo«espondenz". Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: „Tie im vergangenen Jahre, im Abgeordnetenhause geführten De- ballen beUessz Entlastung aller der aus der unteisten Stuse der Klassen- steuer Eingeschätzten haben zu statistischen Ermittelungen Anlaß ae- gebt», ala deren Resultat pro 1871 sich Folgendes herausstellt: In der Sluse 1» wurde» 3,639,123 Perionen veianlagt, die zmamnien 2,339,b74 Thlr. Sieu rn bezahlten, wovon die Lumme von 6l),063 THlr als unbeibringlich niedergeschlagen wurde. In den drei Haupt- klassen ausschließlich der Stufe la wurden 2,704, Ivb Personen veran- lagt, welche 10,568 962 Thlr. Steuern dezablten. Tie Summe vo» 22,>>23 Thlr. wui de als unluibrmglich uiedergetchlagen. Z» S'ufe 1» wurden 2,097 880, im Uebrigeu 1,758,938 Matniungeu, sowie 875,760, resp. 568,711 Errkutionen verfügt und 501,952, resp. 233, 9l8 r'reluiionen wirklich vollftrickt.?joil letzt«-,: blieben sruchtlos in Srnfe la 361,901, im Uebrigen 56,425 Erekunouen. Au Loimdeschlagnabmen wuideu in Smse'la 20,145. im llebrigen 23,962 verfügt, und sie durch Bei. reidungsm. ßregiin entstandenen Kosteu beliejen sich in Siuse 1» aus 92,223 Thlr., im Uebrigen aus 96,486 Thlr. Wie die Nachweisung«g ebr, haben für 1871 in Unter iule 1» 3,639,123 Personen einen SieuelbeO ag von 2,339,574 Thlin., dagegen in sammtlichen übrigen Stufen 2,704,105 Personen einen Sleuerberrag von 10,563,862 Thlrn. ausgebracht..... Wie aus anbei wei>e» Ermiitelung n zu schließen, entsteht die un- verhälinißmäßige E>nziehungslast in der Unterstufe 1a sowohl als in der Unterftuse 1b haup. sächlich bu ch die So ucr i>,r tzohnaibeitcr. Nach den für 1872 elugerogenen Nachrichten sind unter den in der Unierstr.se 1a veranlagt' n 3,462,917 PersoutN en halten: Gewöhnliche Tagelöhner 1,390,464— 40,, pCt. Gewö!,nlich gelohntes Gesinde 1,l9-j.l93— 34„- Grundbesitzer 202,591= 5,- Gewerdelrubend« 243,902= 7,8- Andere Personeu 300,673— 8,s- Unsrlbstständijje Personen I27'094— 3,„- zusammen wie oben 3,462.917=10o pCt. Ferner unter den in Uuter stufe 1b verantagien 444,433 Per- sonen- HandwerlSgehülsen und Lohnarbeit« 226 094~ 51 pTt. Höher pelohi.tcs Gesinde 93,161— 20,»- Grundbesitzer 33,544---- 7„- s Gewerbetreibende 3i 945=- 7,- Andere Personen__ 59,694= 13,,- zusammen wie oben 444,438—100 pCt. Tie Brvölkerung in beide» Srusrn besteht otro zu erwa drei Bieriheilen aus Lohnarbeitern und Gesinde. LetzteicS ist an den sür die beiden Sluferr entstandenen gesammten Exekutiv rSmaßregeln und Kost-ii. wir andeiwiii sesigesieUi worden ist, in Unlcrstufe 1a nur in 12„ pCr. und in Uuler siuse 1d nur zu 12., pEt. betheil'gt, wa« sich hanpiiäch- lich daraus erllärt, daß die Kiasj>nst>ucr des GrsindeS häufig von der Dienstherrschast ent i<1,t.t wird. Um so mehr irilt die Eischioerung der Sieuereinzrehung von den übrige» zu diesen beiden Smfen gehörenden Peisone» gegenüber derjenigen von Klassenst'Urrpfllchligen der anderen Sinsen und Klassen hervor. Die„Provinzial-Korrespondenj' begleitet die obige Darstellung mit der Bemeriung, daß die Denkschrrsl, welcher die dezügiich.n An- gaben rntnoinmen sind, in den maßgebende» Kreisen voraussichrlich «»ste Beochrung sinden a erde." So weil der Artikel d«„Nordd. Mzem. Ztg."„Ernste Beachtung" werden die bezüglichen Angaben in den maßgebenden Kreisen wohl finden, jedoch in sosern, als man diese Ziffern benutzen wird, um die„aus d« uniersten Stufe d« Klassen- fteuer Enigejchätzlen", das heißt: die Masse des arbei- t enden Bolls unter dem Borwand, die„Entlastung", wie dieS bereits ja offiziell in Aussicht gestellt ward, des Wahl- recht» z u beranden. Nun, Letzteres kann uns ziemlich gleich- gültig sein, denn das Wahlrecht de? Prolelariais unter dem Dreillasseiiwahlsystcm ist ja doch nur ein Scheinrecht, und kein Recht ist brss« als ein Scheinrecht. Aber welcher Ab- grund drs Elends wird durch die obigen fsiffern aufgedeckt! Die volle Bedeutung derselben hervorzuheben, würde uns hier zu weit führen. Die eine Ziffer: 361,901, in Buchstaben: d reimalh undert ein und sechzig tausend neunhun- dert und eine fruchtlose Steu«kxekulionen in einem einzigen Jahr spricht beredter, als die beredlesten Worte vermöchten, sür den enisitzlichen Rothstand unter den Eingeschätzten d« unter- st>n Klafsensteuerstufe d. h. unter der Mehrzahl der Be- »ölkerung, sie ist zugleich die befteKriiik des Gefasels von der Milliardenlichkeit; die schärfste Anklage gegen die im Gold sich wälzende Bourgeoisie; die glänzendste Rechlferligung der Sozialdemokratie. Das Mutterherz Germania's. Die humane Me- thode, welch« deutsch« seilS im Kriege angewendet wurde, Hann- lose sranzösische Bürger als Ge Hein auf der Lokomotive mit- zuführen, ist nun auch auf die„FriedenSzeit" übertragen worden. Der„Schweizer Grenzpost" wird aus S lra ßburg geschrieben: , Irr Folge d« wassmhaften Auswandtrunq unserer jungen Milliarpflilbugen haben die Behörden vielseitige Präoentivmaßregeln ergrijseo. So ist seit voriger Woche das Auewanderungsbnrenu an der Eisenbahn provisorisch geschlossen und eine strenge Aussicht an der Abfadrt vei ordnet worden, in Folge dessen viele junge Leute, deren Papiere nicht vollständig in Ordnung waren, zuiückgewnsen wurden. Die Kreisdirettorm haben überall den Erlaß der Militärdirektionen anschlagen losten, woduich alle Familienväter angewiesen werden, den jetzigen Ausenihilt ihr« abwesenden Mllitärpflichligen in kurzer F>>ft an, ureigen; dieselben werden unter Andiohnng von Geld- und Ellar AuchthauSftrafe verpflichtet, das Acksrerßen ihrer Hungens zu verl, indern und dieselben ohne Verzug in die in m Mairen von Elsaß-Lothringen ausgelegten RekrulrrungSsiamm- rollen für die im Laust deS nächsten MonatS angeordnet« LooSziehung einschr.iben zu lasten". Barbarisch« könnte die Regierung des Knntenrcichs kaum verfahren. In Berli n sollte man doch seit dem 18. März 1848 wessen, daß eine Familie nicht allemal„das Ausreißen ihrer JungenS" verhindern kann!— Während so die jüng«e Generation die Reichsherrlichkcit satt hat— auch der Posen« Staatsanwalt sucht nach 20 und das Wollstein« Kreisg«iä,t nach 50 flüchtigen Militärpflichtigen — kehren die Allen aus der ehemaligen„Opposition" reuevoll in den Schoost des Landesherreuthuins zurück.„Herr Clafsen-Kappelmann in Köln"— berichten die Blätt« —„das Haupt der oppositionellen Bewegung am Rhein in der Konflikisperiode und d« Beianstalt« jenes bekannten fortschrilt- licken Bankeltes auf einem Rheindamps«, welches schließlich in Ob«lahvstein duich nasiauiscbes Militär gesprengt wurde, hat den Kronenorden 3. Klasse«halten." Spötter behaupten sogar, daß Bismarck dieses Emgniß im Auge ßehadl habe, als er zur Ehrenvürgerdeputation sagte: „Nach all dem Gioßcn, was wir jetzt erlebt haben, hätte ich nicht« dagegen, wenn die Wettgeschichie eine Weile stehen zu bleiben schiene." Od« sollte er etwa unter„alldem Großen" die Kaiser- zusammenkunfr gemeint haben? Wäre auch nickt übel! Hat außer ein« Million Thaler ein paar Dutzend Menschenleben gekostet und d«„Demoktatischen Ztg."— die diese Rechnung für enornt fand, zwei Majcstätsbelcidigunzsprozesse eingebiacht. Eine Million Thal«! d. h. Vs wenig«, als d« preußi- sche Staat innerhalb 20 Jahren(1850—1870) sämmtlichen Arbeitern seiner B«gwc,ke, Hütten und Salinen zum Häuf«- bau leihweise vorgeschossen hat. Urb« die,« lumpigen 675,300 Th l«, die die Regierung darauf verwendet hat, um — ihre Lohnsklavcn an die Scholle zu fesseln, bringt der „Deutsche Reichsonzeig«" einen aus Rcgierungsfed« geflossenen fpaltenlangcn Selbstlobartikel, d« sogar— wie wir leid« sehen müssen— von einem Arbeiterblatt, das ihn ohne alle Kritik abdruckt— für baare Münze genommen wird.— Anfrage an die Staatsanwälte des„Reichs der Gottesfurcht und frommen Sitte," insbesondere die sächsischen: ist eS eine M a jestäls beleidigung, daß daS weiland von Friedrich dein„Großen" in Hudertusburg ge— holte Glockenspiel, das jetzt in Potsdam aufgestellt ist, dort hartnäckig die Melodie bim-�!t: Heb' im mcr Treu und Redlichkeit? Bayeis. ist noch immer in Ministeinöthen; die bayrisch- patriotischen und die preußisch-nationalen Hebammen sind beioe in Verzweiflung. König Ludwig schlrankt in romantisch« Rathlosigkeit zwischen der Hörnern des Dilemmas: Bayrisch sterben oder Preußisch verderben. Die Wahl ist allerdings fast so schwierig, wie die der Hühner, die von der Köchin gefragt wurden:„Wollt Ihr gekocht sein oder gebraten?" Die un- parlamentarischen Hühner antworteten:„Weder das Eine noch das Andere;" allein die Köchin, mit dem gewetzten Messer in der Hand, brachte sie schnell zur Raison:„Ihr weicht von der Tagesordnung ab! Gekocht oder gebraten— das allein ist die Frage."— Auch für König Ludwig.— Die„Repul lique Francaise" bringt einen neuen und schreienden Fall der schamlosen, über Recht und Gesetz sich hin- aussetzenden Jnhumaniläl, mit welch« die Bersaill« Regierung die politisch Veruriheillen behandelt, zur K-nntnist. Sie schreibt: „Vor etwa sechs Monaten veruriheillen die Kriegsgerichte Herrn Gustav Molti«, einen Uhrmacher seines Gewerbes, zu fünfjährig« Verbannung. Run denn, man wird es nicht glauben, He« Molti« hat noch immer r.iht die französischen Gefängnisse verlassen und auf alle Lorstellungeu, auf alle zu seinen Gunst.n gr honen Schrille«widert die Regierung unwandelbar, die fremden Staaten weigerten sich, die Personen aufzunehmen, welche wegen Theilnahme am Commune-Ausstande zur Verbau- nung verurtheilt sind. Was Herrn Mvitier betrifft, so ist die Antwort eine seltsame; denn dies« Bürger hat in einem be- deutendem Hau e des Nachbarstaales schon eine Stelle als Uhr- mach«gehilfe, die nur auf ihn wartet. Er hat sein gesichertes Auskommen und der Fabrikant, der ihn zu sich nimmt, steht gewissermaßen für dasselbe ein. Wenn es also wahr ist, daß die fremden Regi«ungen den Abschub subsist nzlos« Individuen e.uf ihr Gebiet nicht dulden und in diesem Sinne bei der französi- schen Regierung Borsiellungen gen acht haben, so ist es doch etwas Anderes um Perscnen, welche, sei es ans eigenem Ver- mögen, sei es durch Albeil, ein nachweisliches und ausreichen- des Einkommen haben. Wir glauben zu wissen, daß es in die- sein Ilugenblicke an 20 zur Berbannung Verurtheilt« in den französischen Gefängnissen giebt, welche sich in diesem Falle be- finden und gleichwohl nicht ihre Freilassung bewirken können, Was die internationale Frage betrifft, so �ällt, um es vorweg zu bemerken, das«ste Unrecht d« französischen Verwaltung zur Last. Vor bald einem Jahre warf sie eine gewisse Anzahl von Verurtheiltrn in einein Zustande schrecklicher Entblöß, ng aus die englische Küste. Dieselb n waren plötzlich und ohne jede Vorbc>eituilg eingrschifft worden; sie halten ihre Verwand- ten und Freunde nicht benachrichtigen und sich mithin nichts verschaff'N können; ohne einen Centime in der Tasche, ohne Wäsche beinahe ohne Kleid« und Schuhe tamen sie in Eng- la»d an. Die englische Piesse gerielh in Entrüstung; es kam zu Interpellationen im Parlament und in Folge dessen zu einem Austausch diplomat'sch« Noten«st mit E».>land, dann auch mit Belgien und der Schweiz. Worüber beklagen sich die trem- den Mächte? Etwa über die materielle Thatsache? Piolestire« sie gegen die Ankunft einer kleinen Anzahl von Veruriheillen, die von den Kriegsgerichien mit einer verhällnißmäßig leichten Strafe belegt worden sind und denen die Guadenkommission diese Strafe in Verbannung umgewandelt hat? Keineswegs. Die Mächte protestiren gegen das Recht, welches die franzö- fische Regierung sich anmaße, iyuen Verbannte von Amtswegen zu expediren und sich gewiss« Personen, die ihnen lästig sind, wir wiederholen es, von Amtswegen zum Schaden des Nachbars zu entledigen. Mit anderen Worten, wenn ein Verbann- ter mit einem ordentlichen Paß aa der Grenze ankäme, so würde er, auch wenn man seinen Fall kennen würde, ohne An- stand aufgenommen werden; aber hier stößt man auf die ab- scheulichen Gewohnheiten unserer Verwaltung. Sie will die Veruriheillen mit ihrem Stempel markiren; sie will ihnen eine besondere Art von Paß, den Paß des Verbannten ausstellen, und hiergegen widcrs yten sich unsere Nachbarn, weil sie damit daS Recht der sranzösischen Regierung anerkennen würden." Dresden. Am 21 Septbr. ist die Nr. 213 deS„DreS- n« Volksbvle" wegen des Artikels: Mit wie viel Geist die Welt regiert wird" confiscirt worden; es soll darin„Be- leidigung des Kaisers" enthalten sein. Wir bezweifeln, ob je- mals in den einzelnen deutschen Staaten zusammen die Hälfte so viel Einzelsürsten-Beleidigungsprozesse angestrengt worden sind, als jetzt Kais«bcleidigung§prozesse. Dresden. K Wieling, der frühere Expedient des „Dresdner Bolksbote" ist wegen Verkaufs der„10 Gebote im Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte" zu drei Monaten Festung verurtheilt. Am 30.Septemb« ist Kuielinz nach Hub«- tusburg abgeführt. Berlin. Bei dein hiesigen V«trauenSmann der sozial- demokratischen Arbeiterpartei, H. H e i n i s ch, ist am Donnerstog in dessen Abwesenheit eine Haussuchung vorgenom- men worden. Die Polizei suchte nach hochverrätherischen Pa- pieren. Ihre Mühe war wieder einmal umsonst, denn ste fand nichts, was auch ganz erklärlich ist, da stets nur d« ge- setzmäßige Weg innegehalten wird.(Dem, Ztg.) I. Most«läßt in der„Chemnitz« Freien Presse" nwh- stehende Srklärnng. Aus der Dienstagsnuminer des„Chemnitzer Tageblattes" ersehe ich, daß es das Chemnitzer Bezirksgericht für gut fand, mich steckbriefl ch zu verfolgen, was mich veranlaßt, folgende Erklärung abzugeben: 1) habe ich b«eit» vor mehr«n Tagen den» Chemnitz« GerichiSamt angezeigt, daß ich a>n 30. ds. Mt». meine Strafe antreten werde, 2) sind die inkriminirten Artikel, wegen welch-.l ich nach x Paragraphen angeklagt diu. so harmlos, daß es nicht nur feig, sondern auch im höchsten Grade ung«echlf«tigt von mir wäre, wenn ich mich dies«halb flüchten wollte und 3) war ich nur deßhalb von Chemnitz etwas länger fern geblieben als ich anfangs mir vorgenommen hatte, weil ich mich verpflichtet fühlte, vor meiner Gefangenschast noch an solchen Orlen eine Agitation zu entwickeln, wo es besonders nöth'g war. Dies solchen Arbeitern, Freunden und Par,«genossen zur Notiz, die mir allenfalls zutraute», daß ich wirllich Fluchtge- danken hege. B.i dies« Gelegenheit kann ich auch nicht unter- lassen, die Chemnitzer Arbeiter aufzuford«», sie möchten die Massenmaßregelungen, welche in neuest« Zeit gegen uns insze- nirt w«den, mit MasscnabonnementS auf uns« Blatt beant- warten, damit der Reaktion gezeigt wird, daß sie nur Schläge ins Wasser macht. Am 30. ds. werde ich also, wie gesagt, meine Haft an- treten und zwar frciwilltsi, es müßte den sein, daß man mich während der Reise verhastet. Mit sozialdemokratischem Gruße Coburg, 26. Septbr. 1872. I. Most. Internationale GewerkSgenossenschaft der Schnh- macher. GiesttN, 27. September. In ein« dahi« abgehaltenen Ver- sammluug der Schub wacher wurde beschlossen, womöglich den Congrch z» beschicken, aber nickt Berlin als Congreßort, sondern nach Beschluß d« Nrirnderg«, WOmor oder Gotha zu brslirnmen. Wir halten dai Vorgehen nrrsrer verlin« Bttufsgeiiossen sür zu einseilig. WürOchenswerth würde es jedoch sein, wenn die Berliner Kollegen sich der Internationalen Gewerlschast anschließen würden, um so den Congreß in einer der genannien Städte gemeinschaftlich abhalten z« können. Was haben die Berliner Kollegen beschlossen betreff» d« Nürn- berger Anfrage in Bezug auf die Geidseudungen? Auch uns ist die Aufforderung, Gelder einzusenden noch vor dem Kongreß, ganz ab- sonderlich vorgekommen. I. A.i LouisKoch, Bevollmächtigter, M. Simon, Beitragsamml«, H. Bender, Schriftführer, Adlerweg 130. Berlin, 25. Eepiemb«. An die Schuhmacher Deutsch- lands, Oesterreichs und der Schweiz. Eollrgen! Ich habe zu berichte», daß der Schuhmach er-Gesellen-Congreß in Berlin Ende November d. I. stattfinden wird, und zwar jed'Nsalls im Saale des Handwerker-Vereins, Sorhimrlraß« 15. Es haben nur wenige College» aus den Städten Süddeutsch lands sich gegen Berlin als Eonareß-Ort ausgesprochen, wa« von der General« Versammlung der Schuhmacher Berlius, w e von den Comitee-Mitgliedern in Er- wägung gezogen worden ist. Würde man einen andern Ort jetzt zum Congreß bestimmen, es würde die Agiration noch mehr erschweren, und auch den nördlichen wie ösilichen Provinzen ist Rechnung zu tragen. Nur ist zu wumchen, daß allerorts Versammlungen der Schuhmach« einberufen w-rden, die sich mir der Congreß, rage beschäftigen. Wir müssen der Agitation der Meister einen Damm entgegen setzen, und ich glaube, wir werden als Männer zu handeln verstegn— Agitire Jeder so viel er kann; der Congreß muß möglichst stark be- sucht werden. Für die Delegirten des Eongresses werdea die Berliner College» möglichst für freie Wohnung Sorge iraaen. Mir Brudergruß im Aufl-age des Comitee« F. Aurin, Vorsitzender, Königs-Graden 15., wohin all» Briefe zu richten sind. Berlin. DerStrikeder Maschinenbauarbeiter(vflug'sche Fabrik) wahrt immer noch fort; wenn auch Einige sahneuflüchtig ge- worden sind, so ist diises immer noch nicht erheblich, denn es sind noch 900—1000 Mann zu uniersiützen, während 3—400 Arbeit« außer- halb der Fabrik arbeiten. Das Bureau der Srrikekommision befindet sich jetzt Thorstraße 12, Sieber's Salon und sind Briefen, s. w. dort- hin ar> Srägc zu senden. EälN, 22. Seprbr. Heute fand rrnter dem Borsitze Heinrichs eine Vollsveisamnilring sia>t, welche ziemlich gut besucht war. Partei ge- nasse Most war unseier Einladung gefolgt und von Mainz herüber- gekomin n. Derselbe rfferirie über den ersten Punkt der Tagesordnung: ,,Tas Programm der sozialen Arbeiterpartei." Einleitend verbreitete sich Redner über die Enistehung und Eniwickelung der Sozialdemo- kraiie und hob hervor, daß die falschen Gerüchte über unser Streben, welche gesiissemlich von unser» Gegnern ver breit« würden, eÄ noth- wendig machten, unser Programm immer wieder dem Volte vorzuführen. Besonders lhue es nory, dem deulsch n Arbeit« die Prinzipien der Sozialoemokraiie darzulege», da derselbe(im Sinne der Bourgeoisie) der d'ste Arbeiter sei, d. h. am meisten arbeite und mit dem niedrigsten Lohnsätze sich begnüge. Sei man doch nach Aushebung der Sciaoerei in Amerika mir dem Plane umgegangen, die schwarzen Sclaven durch deuische Lohnarbeiter zu ersitzen. Zuerst habe die Bourgeoisie die Ar- beiterbew'gung in die Hand genommen, nachdrm aber Laffalle der Fortschriitspartei die Maske abgerissen, sei der Sozialismus, der biS dahin in den Köpien«nzelncr Männ««isiirt, m die Massen ge- drungeu. Die früheren Sozialisten seinen Theoretiker gewesen, Ivelch« ihre selig ausgedacht'» Jd-ale nicht zu realisiren im Stande waren. Heute seien wir praktisch geworden. Wir wollten eine allmälige Umgestanung der gisellichastlich.n V-ihältnisse und dazu bedürsien wir politisch« Macht. Von den heutigen herrschenden Faktoren der Gesellschaft sei ein Fortschreiten zum Bessern nicht zu erwarten, da da« Jrueresse der herrschenden Ktapen dem im Wege stünde. Die Arbeiter müß.en selbst ihre Einaiicipation in die Hand nehmen. Die Bourgeoisie, wenn sie sich auch als regiemngsun.ähig erwiesen, theile doch mrt den andern die Macht, indem«an das Volt als gememschasiltch« Melk- knh benutz«. iBaS die Arbeiter wollen, sei die Gleichberclbligung Wer. Um unser Bestreben, an Stelle des Lohnsyst mS den Arbeneertiag für die Arbeiter zu setzen, aber du chführen zu können, inüßtni wir auch den Staat Nimsormen, Nur wenn die Voltssouoeräniifr drirs�e, könne an eine eispri-stliche Lösung der sozialen ssroge gedockt werde». Nachdem Redner die Gründung unserer Partei b.rührt, ging dersrlbc zu den einzelnen Puukien des Programms, dieselben erläuternd Uber. Zu Punkt 2„die Errichtung des freien Volksstaat" betresiend, bemerke A dner, daß jeder Bolkss'eur d, auch wenn er nicht Sozial- demokrat ist, dies unterzeichnen könne, denn es sei eine Frage der Gerechtigkeit, daß da« Volk die politische Gleichberechtigung erhalte. Ver der Beleuchtung unserer Grundsätze wies Redner den Vorwurf zurück, daß die Aibeiter ein neues Privilegium für ihre Klasse be- Sruuden wollten. Unsere Parole sei: Gleiche Richte, gleich Pflichten. In seinen weitern AuSsübrungen kam Redner auf das ökonomische Lohnges.tz und das heutige Steuersystem und zeigte, daß die Ursache ulles U bels die ökonomische Abhängigkeit de« Arbeiters vom Kapital Zur Organisation übergehend, bewies Redner, da>> dieselbe noth- "!*stdjg inlernatwnal sein müsse, möchleu auch die Arbeiter der ver- lchiedenen Staaten, durch Polzeigesetze deengt, ihre Organisation nennen u�e sie wollten, die Gemeinsamkeit der Grundsätze, der innige Zusam- U'enhang der Sozialdemokraien aller Länder könne nicht verhindert ®trde» Bei Besprechung des Punktes 3 unseres Programm?, welchen Redner gewissermaßen die Verfassung des ZukunftSsiaais nannte, wies er die Gerechtigkeit der Forderung des Allg meinen direkten Wahlrechts nach und unterwarf das heut bestehende, von Bismarck gegebene allgemeine Wahlrecht einer scharfen Kritik. Besonder? trefsead erläuterte Redner III. 4 und 6 unseres Pro» gramms, die Errichtung der Bolkswehr an Stelle der stehenden H ere und die Forderung des obligatorischen Unterrichts in allen öffentlichen Bildungsanstalten betreffend. Redner prophezeite einen allgemeinen Bankerott, wenn die stehenden Heere sich wie bisher weiter entwickeln sollten. Die stehenden H-erc seien ebensowohl gegen den innern Feind gerichtet, wie gegen den äußeren. Die Forderung einer radikalen Umge- staltuug unsere? Schulwesen zeige besonders die Nichtigkeit der gegenerisch. n Behauptungen, das die Besirrbungen d�rCocialdemokraiie cullursernd- lich ieieu. Auf unsere lehre Forderung sfiehe III. 10) unjeics Pro- gramms, legte R.dner besonders Gewicht. Mir begeisterten Worten forderte Redner auf, der Sozialdemokratie beizutreten und Theil zu nehmen an dem Werke der Befreiung unserer Klasse. Der IV.stündig« ausgezeichnete von wiederholtem stürmischem Bei- fall begleitet- Vortrag unreves wackeren Most wird seine Wirkung nicht verfehlen und manchen den keinen Arbeiter in unsere Reihen führen. Zum 2. Punkt der Tagesordnung: Da? Arbeiierfeft im Schleduschcr Walde machte Heinrich? Mit- theilungeit über die durch den dortigen Bürgermeister herbeigeführte Bercitlung de» Festes; der Bürgermeister habe in Begleitung von mehreren mit geludenen Gewehren bewaffneter Gensdarmen die Abhaltung des Feste? wegen nicht gemachter direkter Anzeige rntersag». Die Arde'ter sollten weder ihr gekaustes Bier trinken dürfen, noch war «» der mitgebrachten Musik gestattet aufzuspielen.— Eine Wieder- holung des Arbeilerfestes wurde in Aussicht gestellt. Die Versammlung hatte den Borträgen, besonder? den unseres Most villen Beifall gespendet und ein Icbhaf.es Interesse für die e»t- wickelten Ideen an den Tag gelegt. Stur Einer schien sich zu lang- weile», was aus den Aeußerungen:..Nun hört das noch nicht »us« nnd„Do nuerw eiter eS ist schon 2 Uhr" zu entnehmen .iß. Dieser Eine war der aussichtsülnende Polizei-Commissar. Doch bald sollte sich zeig-n, daß auch dieser«in reges Interesse, sowohl an dem Vortrag, als anch an der Perjon unseres Most nahm. Nachdem die Berrammlurig geschlossen, jord rte der Comm ssar Most aus, ihm zu folge». Zwar war eS keine Einladung zu Mittag, wie man in Anbei, acht der Zeit hält- annehmen können, sondern der Po- lizeibeamte glaubte Ge egenhert zu haben, Einige« auS d>r Rede zum Gegenstände einer Anzeige machen zu tönnen. Auf dem Wege zum Bureau des Eommissar« kam unS eine ivtili rärpatr ouille von circa 7 Mann enrgegen, welche bei mrserm Anblik ab-r wieder kehrt machie. Nach der einleitenden Bemerkung, daß wenn Most sich nicht über das Gesp ochene auSweis.n könne, er soiort inS Loch gesteckl werde, suchte der Eommissar verschredeiic Stellen der Rede als gegen einen§ des Strafgesetzbuches verstoßend darzust llen. Die tr.ffenden Entgegnnngen Most's mögen d n Polizisten etwas weniger hosfmmgsvoU gestimmt haben, während Most Gelegenheit halte ein Stück Jntellige z des Jntelli enzsiaals zu bewunverri. Mit der tronreichen Beisichciung, baß Most zur Rechenschaft gezogen werde, durfte er gehen, um mit dem nächsten Zuge nach Solingen zu fahre», wo feiner die dortigen Parteigenossen mit Sehnsucht harrten. � Altona. In einer kürzlich abgehaltenen Versammlung der Seele nie theilte der Vo sitzende'mit, daß das Comite« mit einer größeren Anzahl hiesiger und Hamburger Rheder sich in Verbindung gesetzt und Rück,prache hinsichtlich der Forderungen der Seeleuie»nd der Höh« der Mo ralsgage genommen. Dasselbe hätte meist überall das freundlichste Enigeg-ntominen und an vielen Slellen ein b reit- williges Eingehen auf die Forderungen der Seeleute gefunden, mitunter sogar in B-rbiiidung mit der Äufsordernng, am Slrike festzu allen, da es keinem Zweifel umerlieae, daß in diesem Falle dir Schiffseigner wurden nachgeoen müssen. Um Nicht für die niedrige Monatsheuer anzumustern oder in Siillliegeii ihre Sparpfennige zu oerzehre», haben IHvn mehrere hi sigc Seeleute H-ner für Bremen angenommeil oder für die amerikanische Eorvelte„Äab.ish" an�emusteit. Von Seiten bir Seeleute wird ebenfalls eine Vorstellung an den Reichstarzler gerich et werden, welche im Gegensätze zu der von dem Königliwen Commerz. Eollegium eingereichlen, um Beideh ltung des§47deSEnt-' wnrf« zu einer Seemannsordnung nachsucht, da dieser Paragraph gewlfserinaßen der einzige, durch welchen der Man»schasr neben den mancher« ihnen auserlegtin Beipfl lbrungen auch em R.cht einge- raumtweide. Tag g n hat auch der hiesig RautifibeVereininselner letzien Sitzung den«e>chlun gefaft, denn Rrichslanzler lür Streichung «ä S 47 der Deutschen Seemannsordnunq sich ausfprech-n zu wollen. Di«« Paragraph gefuitt« nämlich drei Matrosen oder einem Sch sfs- TlsW" erne Untersuchung des Proviants o er der Seetüchtigkeit deS Schiffes herbeizuführen. Die Rheder und Eapitainc hallen eine solche Befug,>lß nun für unvereinbar mit der Rhe- oerci. Deeser Beschluß des Nauiischen Vereint ist um so veiwunder- samer, als ein solcher Protest Seitens der Matrosen und O'fi.ieri einer- seit selten und dann uichl ohne Grund erhoben werden wnd.� Uebernimmt ver Se-fahrer Pflichten, so müssen'hm auch R ch e zur Seile stehen; die Verprooiant rnnz auf>na ich-n S hissen läßt viel zu wünschen übrig und die Meinungen über den Werth dieier Bestimmung sind in der nautischen Weit auch sehr gethiilt. Neviges, d. 22. September. Am 3. S ptember, wie schon be- richlei,>a»o hierorts eine von den Mitgliedern des Allg. deutschen Ardel,«r-Verej»s veranstalteie Volksversammlung stall, in welcher eine R-ivlulion angenommen wurde, dahin gehend, daß die S.reiligkeiien m d.» verschirv-nen sozialdemokratischen F.aktmnen einge, t lll werden lollien. Hasenklever unv Tölke, welche anwesend waren und mit welchen wir noch puvaiim uns unterhielten, versprachen ihr Möglichstes hier- Zu beizutragen. Anstalt aber in diesem Sinne zu handeln, machen st« es gerade umgetey«, und man kömmt immer mehr in der Anficht, daß alle Betiohaungsoersuche mit diesem Herrn vom„Neuen" zu nichts füh- «n tonnen. Tölke schreibt über die Versammlung, welche am 3. «ptember hier stattgefunden, i»„N uen" unter Anderem Folgendes: „Der V«einspräsivcnt wurde an dem Buh-Hose mit stürmischen Hoch's �plangeu.- aber wahr ist, daß nur wenige Personen von N v'ges den ivu»,'! Plä>ideiilen auf dem Bahnhose empfangen haben. Diese G oß- «eil«..." � lacherlich. In seinem Berichte kommt Tölke Versammlung zur Ausbieitung d.S auch" Mettman viel beitragen würde. Ich glaub- eS a>ch, Herr Tolte, und besond ts dann, wenn die Leute Ihren Bericht über die grvtzarnge Empfangsic ne lesen. Was de» Bericht von Tö.ke im Uebrigen anbelangt, so ist der- Ittbe von vorne bis hinten eine direkte Herausforderung an uns. W,r ersehen hieraus, wie eS die Herren vom„Neuen" mit der «'nigkeit nehmen. In genannter Versammlung wurde auch eine Re- iNuiion eingebracht, welch« den Allgemeinen deutrchen Arb uervei«,, "nd dessen Organisation als allein maßgebend hinstellte, ielbige wurde �*r verworfen. Warum sagt Herr Tölke hierüber in seinem Bericht nichts? Wir haben eS ebenfalls unterlassen, um nicht Anlaß zu neuen Streitigkeiien zu geben; wir sehen aber, dair alles nichts hilsl. Um noch einen Versuch zu mach n uns nin hiesigen Orte zu eini- gen, zeigten wir aus de» 21. eine össeiiltiche Parteiversammlur g an und ludiN durch die Lokalblätter die Mitglieder drS Allgem. deutlchen Aibeilervereins ein, aber nur ein Mi-giied erschien, und ob- schon die Zahl Derer, welche noch am, Neuen" dangen, in Neviges ge- ring ist, so hallen wir dieres nichi envarlct. Wir werden deshalb i» Zukunft derartige Einigungsversuche nicht mehr machen. Biete Mit- glieder sehen wohl selbst ein, daß Mai chcs nicht mit rechte» Dingen zugeht, ober sie besitzen nicht den Murh, al« Opponenten anfzuire« ren. Hoffen wir, daß das Treiben gewisser Agenten bald authören wird. F. Obermann. HL. Die Hetzjagd auf die Sozial-Demokrat,» scheint auch in nnseter Gegend aufblühen zu solle». Von Seiten der Obn prokuratur Elberfeld ist drr Befehl an die Ortsdehörden ergangen, die Zier- sammlungen gehörig zu überwachen und die Sozialisten und deren Treiben zu beobachten. Wir erfreuten uns auch in der letzten Ver» samm'ung der Anwesenheit des Herrn Bürgermeisters nebst drei Mann von der bewaffneten Macht. Die Ver ammtung verlies aber nichts- destoweniger in oller Ruhe, bis eS dem Herrn Bürgermeister einige Minuten nach 10 Ubr beliebte die Beisammlung zu schließen. Auf mein Befragen, warum dieses geschähe, erkläite der Herr Bürgermeister, eS sei Polizeistunde. Wir haben natürlich hiergegen Beschwerde erhoben, denn so Etwas ist hier noch nicht er ebt wo den, ob ei aber was h Ifen wird, ist freilich die Frage. Jedenfalls glaubt man durch dcrattige Manö- ver uns zu schaden, aber da täuscht man sich, wir erfreuen uns im Gegenthcil eines schönen ParteilebenS. F. Obermann. BenSheim a. d. Bergstr. 18. Sept. Verstössen en SamStag Abend Halen wir da« Vergnügen, Herrn Most in einer hier ande- räumten Volksversammlung sprechen zu hören. Obschon die Lokal.- täien, welche hier sehr beschränkt sind, seinen Wünsche» am Ende nicht entsprachen, so wurde er doch, wie es>chien, durch den zahlreichen Besuch und die Begeisterung welche sich ösrer in Hoch- und Vraoo- Rufen Lust machie, einigermaßen zufrieren gestellt Es ist durch die anschaulichen, sehr verständlichen Erklä ungen des Heirn Most in manchen Köpfen«was heller geworden und geben jetzt Viele, w lche früher eibinerle Gegner der Sache waren, zu, daß bie sozialdcmo- lratischen Bestrebungen gar nicht so unrecht seien. Ohne Polizeichikanc kanntzlcrer nichts weiß Die Vermuihnng, daß an Ehrhari die bei seinem Betreien der Stadl ihm angidrohle Verbaftung in Ausführung gebracht werde, ging vo» Mund zu Mund. Die Polizei poslirte sich aus die Straße, die vcisammesten Arbeiter ebenfalls um die Agitatoren zur Badn zii begleiien. Der Zug von weuigstens 200 Personen setzt« sich in Bewegung, die Polizei eine Zeit lang an der Spitze. Doch al« letztere mertte, daß hier»ichrs zu machen sei, bog sie m eine Gasse links ein und ungehindert gings wener mit Sang und Klang zur Bahn. Wenn die H ppen.,eimer Parieigeiiosseii. deien Zahl foriwährend im Steigen begriffen ist, anch fern r so feit zus im- menhalien, vann wird der Polizei tald die Lust vergehe», so willküh- lich wie bisher zu versahren.— Während ein hier erschemei des ultramonrane« Blätlchen, welches sich„Siarkenburger Bore" iier.ni, über die Verfolgungen, welche die Kalhorcken zu ertragen hätten, la- mentirt, können doch d'e„Schwarzen" ihre Ai beileiveriomn luug.n zc. zc ruhig und nicht ohne polizeiliche U.berwachung abhalten.— In Pfungstadt, eine Stunde von Darmstadt, wurde verflossenen Sonntag eine Parteim tgliedschast mit 14 Mann gegründet. Psungstadt ist «in Fadrilstädtchcn und die Arbeiter meist protestantisch. Mit sonal-demolralischem Gruß A. Müller. Pforzheim.„Die ersten Versuch- der Sozialdemokraten, sich Gesanmileigen.hnm anzueignen." Unler dieiem Titel b ingi das Eentral- blait für das„free"„Foribildlingswesen" in D>uischland ,.D«r Bil- dungsverein' in Nr. 12 einen längeren, die Kämpfe und Reibereien der BilduiigSvereine und Sozialvemokraten behandelnden Artikel mit einem Mmtor „Nun kenn ich D ine würv'qen Pflichten I Du kannst im Großen nichts vcrilchtrn Und längst es niin im Kleinen an."(Faul.) Wir würd n zu dieiem Artikel n chis zu sagen haben, wenn der»- selben nichi«in von Verbächlrgungen, Entstellungen und Verlriumduriaen gegen unsere Pari. i strotzeni er Bericht aus Piorzbeim zu Gimide gelegt wäre, und werben w.r es auch haupliächlich mit dem Berrchi zu lhun haben. Um d n Bericht in seinem ganzen Wortlaut w eder- zugeben, ist uns der Raum dieses BlaileS zu kostbar, doch tönne» wir uns nicht versagen einige Auszüge anzusühren. Der Berichterstatler schreibt:„Der hi> sige OrtSverein der Gold- aibeiter, 2000 Mann strrk. ist durch Zusammenwirkung versch ebener Umnände. iusbelondeie durch den Rücktritt der srüberen Leiter deS- selben, die vo» den hiesigen Fabrikaulen nichi weniger al« von der radikalen Arbeiierparr« angesemdet. verdächtigt und beschimpft wuiden, nach ue d nach i> die Hände der eriremsten Sozialdemokraten Überge- gange»." Es ist Tbaifoche, daß, als im Jahre 1869 mehrere Märnier des brestgen Arb-iterstandes zusammentralen, um eine Genosse, eschaft der Goldai beiler in hiesiger Siadt zu gründen, gerade die Männer an die Spitze des pegründetin„Ortsvereir.s d« Goldai beiler" kamen, die von einer solchen Veieinignug gar nichis wissen wollten, und die erst dann dafür waren, alS st- sahen, daß sie erncns diese Verein gung mcht hintertreibe» konnten und zweiienS. daß dieselbe am Ende in die Hände der So ialdeiiidkialen, welche damals schon in hiesiger Stadl, wenn auch nur vor übergehend, tpätig waren, übergehen könnte. Erst von da ab arbeiteten sie scheinbar sür den Berein, in der That aber nur für die Bouraeoisii:, denn sie gaben sich alle Mühe, den Verein zu einem Werkzeug der Bourgeo.sie zu machen. Aber dre Freude sollte nicht lange dauern, denn die Männer„die weder lesen»och sonst was lernen"(wie besagter Bericht weiter unten sag,) harten doch so viel gelernt, um den Wols im Schaafskleide zu ertennen: Die Herren mußte» adireien und dee Männer, weiche die erile Anregung zur Gründung dieles Bereins gaben, übeenagmen, nnteistützt von andern tüchtigen Männeen, denen das Wohl ihrer Eollegen am Herzen liegt, die Leitung. Erster« zog«» sich nun vollständig in d>n hier bestehenden Arbeiierbildungsveeei» zu ück, um dort das so schmählich gescheiterte Werk von Neuem zu beginnen. Und von da ab wurde e» auch den besangensten der Orisveieinsuiitgl'D.er klar, welche Tendenzen diese Herren veisolgien, denn überall, wo es nur galt, gegen die Bestrebungen der Aebeiier aazukämps.n, war« i diese erren im Verein mit der Bourgeoisie am Platze, ja einer dieser erren brachte e» sogar soweit, daß ihm die Arbeiter in öffentlicher ersammlung sagten, daß ste ihn nicht mehr als Arbeiter d. h. als ihre» Eollegen betrachteten. Der Bericht sagt weiter:„Namentlich war ibnen ein Dorn im Auge, daß der Zsrbeiterdilduugsverein mit seinen 550 Milg ieder», mit seiner vorrresslichen Einrichtung und seinem Eigenthum, mit geräu- rnigen Lokalitäten sich bisher ihren Errflüssen entzog." ES isi richtig, daß von Mitgliedern des Ortsvereins sowohl, als auch von den Mit- gliedern der sozialdemokratischen Partei schon oft und v elfach bedauert winde, daß der Arbeckerbildungsverein sich in den Händen von Männer» befindet, die mit der Bourgw sie Hand in Hand gehen. Was jedoch d>e weiteren Ar ssührungen des Berichterstaiter« betrifft, alles HDten wir Alles aufgeboten, rim den Verein zu unterkühlen u. s. w., so ist dies eine Lüge, die auf Rechnung der famosen Bestre- düngen diesee Herren gesetzt werden muß. Es geht die? schon daraus hervor, daß bis vor ganz kurzer Zeit, sogar bi? nach der Neuwahl kaum 10 Mitglieder der hier bestehenden Partei zugleich Mitglieder de? Arbeilerbildungsveiein? waren. Wie gering aber auch im Arbeiter- biltungSveiein der Anhang dieser Herren war und ist, geht aus dem Klagernf des Berichterftatteis den lich hervor. Dt' selbe sagt:„Unsere gemäßigten Mitglieder, ruhige, solide und fleißige Arbeiter, welch« in der Halle lesen, Voiiräge und Unrerricht besuchen, kommen in die Versammiung nicht, wohingegen die Sozialdemokraten, die weder Lesen » ch sonst was leinen, deren Anfenthalr das Wrrthshau« ist, deren Lebenselemcnt die Agita wir in den Vereinioeriainmlungen. wo eben die Eirlscheiduiig liegt, vollzählig eifcheinen." O, weiche Logik! Die Sozialdemokraten lesen u ch lernen nicblS, und doch sind sie immer am Platze, wo es grlr, da« Interesse und daS Wohl de» Arbeiterstandet zu wahren und zu fördern; wogegen die ruhigen, fleißigen und solchen Arbeiter des hiesigen BildungSvenins durch lauter Lesen, Lernen, Vo rräg-bö eu und Unteriichibesuchen so dressirtund„heran- gebildet" sind, daß sie ihr eigenes Interesse und somir da? Interesse des Gesamnii-'lrbelieistandeS vollitäildig außer Acht lassen. Ja jammere nur, a m>r B richternatter, denn Du siehst jedensalls ein, daß der Arb>iterbildu»gsv«>ein irotz„Dressur" und sorgsätriger„Heranbildung" doch noch viele Mitglieder zäh t, weiche durchaus teine Lust besitzen, sich von Dir nnd Deinesgleichen zu Bourgeois-Trabanten stempeln zu lassen. Den Beweis hierfür lieferte jedenfalls eine kürzlH' abgehaltene Mitgliederversainmiung, in welcher es diesen Herren mit Ausbietung aller ihrer Rednerliäti« kaum gelang, eine Majorität von 26 gegen 23 Stlinmeil zu erlangen und dies erst, nachdem durch die Beischlep» pung der Abilimmung 4 von unser» Leuten au« Verdruß daoonge- gangen waren. Die? bewog nun die Herren abzutreten, denn ste mußte» sich sagen: , Tu kannst im Großen nichi? verrichten". Desto eifriger aber werde» sie nu» mit Veetäumdungen, Ver- drehungeii und Entstellungen bei der Hand sein, wie uns ja besagter Bericht schon jetzt ein Piöbchen davon giebt.„Was die weiteren In- konsequ-nzen des Berichtes delrifil, so wollen wir darüber hinweg- gehen und nur dem Berichlerilalter anempfe rlen, künftighin auch seine Berichte ordernlich zu lesen, ehe er solch n Unstun in die W lt hinaus- schrei t. Denn ein Berichl, in dem man sich in jedem Satz wieder- spl>che ist unserer Ansicht nach Ulisinn. Allerdings steht e? Jedem seei, sich zu lnamiren, und so lange mau mit solchen Waffen gegen un? ankämpft, haben wir nichi? zu fürchten, man will eben daS im Großen v-'lorene lerram im Kleinen wiedererobern. Z. Nürnberg, 18. S ptember. Im Verlage der Hoffmann' scheu Buchhandlung» München und Nürnberg) erscheint seil eiwa einem Jahre eine pädagogische Zeitschrif:» rter dem Titel:„Deutscher Schul- wart, pädagogi'che Monatsh sie im Harnisch, redigirt von Dr. Paul Schramm." Diese Schrift ist im Großen und Ganzen zu unserer Zu- iriedenheit gehalten. Wenn auch nicht die Artikel deS Herrn Dr. Schranim selbst, der sich mehr auf glänzenden Styl als auf wissen- ichaftiiche Gr in dlag: etwas zu Guie thuen kann, unfern Beifall ern- ten io ist doch an ueikellnen, daß vorrressliche Mitarbeiter an dem Werk« betheeligt ilne, denen es in Wahrh.it Ernst ist mit der Auf» tlärung d s Volks. Besonders in religiörer Hinsicht ist der Schulwart gewiß die einzige Lehrer zeuung, welche sich eillschieoen aus den Stand-- punkt der reinen Vernnust stellt. Um so mehr wunderte es uns da- her, als wir lü zlich auf der innern Seite des Umschlages, den wir bisher»och»ie beachtet hatten, dl« Bemerkung lasen, der Schulwart werde fort und fort bemüht sein, alle Feinde der freien Volksschule und Bvltsbilduilg, in berondere die schwarze und die rothe Jnlernano- nale zu bekämpfeu. Es rsi wirklich zu arg, ein Mann, der sür Geistes- rreiheil kämpit, und der von den liberalen sowohl als deir ultramon- tauen Spußbürge n Münchens selbst atS Internationaler und al? .Heide" b z.lchilet wird, nennt die Internationale einen Feind freier Bol'sbildung. Eiiiwcder hat Herr Dr. Schramm damit versucht, die nbe-aie Bouigcosie mit seiner radilalen Schreibweise auszusöhnen, oder er hat imiltich noch nie eine sozialistische Broschüre in Händen gehabt. Ist das Eruere der Fall, so ist es ein feiger, redalnoncller Kunitgriss, riissr aber das Zweite zu, so ist es noch weit schlimmer, denn in welch, in Lichte muß uils der Redakteur einer anerkannt gulm pä agogiicheu Zeitichnfi, der als Bousschullehrer von der Pike auf gedient hat und serlglich das ganze Elend de« Volke« von Grund aus reniie» souie, erscheinen, wenn er gestcheii muß: ich kenne die soziale Frage nicht ich kenne nicht einmal das Programm der Partei, die ich in journalistischer Unwisienh lt versoigel Und lautet nicht etwa ein Punlt in uliierem Programm aui Trennung der Schule von der Kirch» »nd der Knche vom Staat? lind ein anderer aus odliganmscheu, iinen gelsuche» Unterricht an al ren Bildungsanstalten. Herr Dr. Paul Schramin. iiüuer Schulvei weser in Nürnberg, häite daselbst wahrlich Gelegei hcit genug gehabt, um sich über die„rothe Internationale" envas genauer zu iiejoim ren. Wir ersuchen unsere München«! Par- tiigenosse», dein Herrn Doktor, da wir seine Ad'esse nicht genau kennen, tiu Er mplar von dieser Nnm riier des„Bolksstaar" und unser Paiieiprogramin zuschicken M wolle». Kussel.„Die Lage der Arbeiter" schreibt der„Arbeitgeber",„ist gegennärstg eine sehr gürestige und wird volaussichttich eine noch bessere werde», da u»t r dem Einflnsse der h urige« reichen A rndte die Preise der Leber smrt. et herabgehen, zUnd die Marttkrawalle?) währeird der Lohn auch ohr.e Auehände immer noch steigt.— Unter solchen Um- ständen ist es sehr angezrigl, datz die Arbeiter die Gunst der Zeit zu Eripainiss'ii benutzen nnd zur Gründung solcher Anstalten, die ihr malerielles Wohl fördern(Bau-, Konsum-, Sparvereine, Lebensver- steter uiu). Leider schenit das wenig der Fall zu sein; gerade wie in grwöyniichen Zeiten es eine alte Ersah ung ist, daß nicht die Arbeiter am meisten sparen, welche am meisten verdienen, so wird auch jetzt die Ersahrniig gemacht, daß der jetzt so reichliche Verdienst nur wenig zur Ansariimiung von Eriparnissen denutzt wird."— Wo die Arbeiter stecken, deren Lage„gegenwärtig eine sehr günstige" ist, das oerschweigt der„Ardeitgeber". Edensow nig hab-n wir bi« dato in Ersah nag bringen lönaen, wo die Linne„ohne Ausnände" in nenneuswerther W ne in die Höhe gegangen wären.„Unter solchen Unistäuden" müssen wir denn auch den Rath des, Arbeitgebers", die Arbeiter mögen zur Fö.deiung chres materiellen Wobls an die Gründung von Bau-, Konium-, Sp rr-Bereinen, Ledensveisicherung denken, als an die unrichtige Adresse gerichtet, zurückweijeu. AuS der Rtederlaufitz.(Agitationsbericht.) Am 31. August, früb 5 Uhr, reitzc im zum zweiten Mal über Berlin und zwar mit Kays er nach der Niederlausiv. Unser Ziel war Finsterwalde in erster Reitze. Leider nrußlen wir 6 Stunden, da kein Anschluß war, in Coiidus brach li>ge», doch wir benutzten die Z it, um mit den Cott- > ui-r Gisinmingsgeiiosseii Verschiedenes über die angezeigie V-isaenm- lung zu b.sp echen. Nachmittags 4>/, Uhr ging's dann nach Fnister- warde, wo Alles von den F>eunden zur Volksoersammlung Besten? vorbereitet war. Die Veisammiung war von 4—500 Mann besucht, worunter anch der H rr Bürgermeister, mehrere Fabrikanten, Buch- druck rerbesitzer, Bnchy rndler und der Herr Polizei-Jnspeklor vertreten waren. Kayier als erster Redner sprach über die„Ziele der Arbeiter bewegung" und ich über„die gegenwäriige Lag- der Ardeiteeklasse, ihre nothwendigsten und beiechtigtsien Foederungen Als hierauf der Bor- siy»de der Versaminiung. Herr«. Sp rn, zur Diskussion aufforderte, meideie sich nicht Einet zum Wort. Vor Schluß zeichneten sich 81 Mann in die Liste als Patteigenvssen ein. Wir blieben dann noch einige eil mit den Gesinnungsgenossen zur Besprechung«ieriger Punkte beisammen. Tags daraus gings nach Forst. Zwei Parteigenossen, daiuiner der Verirauensmann, empfingen un« aus dem Bahn- hos; zur Volksversammlung waren auch hier die Vorbereitungen ge- troffen. Kurz d.vor wir von Cottbus abdampften, gesellte sich H.rr Kernen vo», Allg. Deuisch. Arbeiterverein zu un« ins Coupe; seme Anwesenheit war uns ein sicheres Zeichen, daß wir in Forst aus Wider- stand voßen würden. Und in Tyat, kaum daß unser Förster Ler- tranensmann die Bersammlung elöffnei und zur Wahl eineS BureauS ausgesordert hatte, da ging, wie aus Kommando, der Speltakel los. »Zach etlichem Hixmidber gelanqte der Vorsitz in die Hände des »Hg. Deutsch. Arbeitervereins und das Schrifttiihreramt in die Ullirigen. «lS erster Referent gab ich nunmehr in'/«stündige Rede ein B ld von der Lage der Arbleiterklasse, hob die Ursachen hervor, die die heutige traurige Lage der Arbeiter herbeigeführt und begrünoetc dann die Be- rechtigung unserer Forderungen. Unter Anderm bew'eS ich die Be- rechtigung der Forderung deS NormalarbeitStageS und die Beschränkung der Frauen- und Kinverarbeir in ven Fabriken. Mein Referat fand »ngetheil»en Beifall, selbst der anwesende Kersten konnte sich dem Ge- ständnih nicht verschiirßen, daß prinzipiell gegen meine Ausführungen nicht daS Mindeste einzuwenden se«. Unbeschadet di< ses Einverständ- nissei im Pr:nzip, entblödete sich Herr Keiften nicht, in der parfiocsten Weise gegen Diejenigen loszuziehen, die in Elsenach gegen den den Allg. Deutsch. Arbeiterverein mißbrauchenden Regierungsagenten Schweitzer ein Gegengewicht schaffen wollten. Anstatt anzuerlennen, daß wir „Eisenacher" es waren, die Schweitzer unmöglich gemacht, daß wir e» waren und es immer noch sind, die von Jedem, der für die Arbeiter- interrssen eintritt, ein Ankämpfen gegen alle Feinde— nicht nur gegen die politisch ziemlich ohnmächtige Bourgeoisie— der«rbeiteillasse ver- langen, stößt Herr Kersten in das Horn deS..Neuen" und wettert— man höre— über„goldene Brillen",„Doktorenwirthschast" und zu feiner Schande auch über den stets in der Entwickclnng begrissen gewesenen Jobann J-koby. Kays er wieS Herrn Kernen auf die Jn- kons qnenzen hin, in die er sich verwitelt habe, und wuide lebhaft «ceompagnirt durch den Beifall der Berfammlung. Gleich nach Schluß der Versammlung»Uhren wir in Begleitung der Parteigenossen Adam und Zu ick nach Cottbus, aber die dortige Versammlung war des Marktes wegen von kaum lstU Mann besucht. Hier machten uns einige fanatisirt« OrtSvereinler Opvosition; die zu gedrückte Lage der Mannfaltnr- Arbeiter ließ die Mehrheit aber auch hier begreifen, daß der Sozialismus die einzigen Radikal-Heilmittel enihalte, um aus diesen Dilemma herauszukommen, und so wird auch in kurzer Zeit hier gleichwie in den Nachba» städten eine Mitgliedschaft entliehen. W. Fischer. Mar Kayser. Nachschrift. DieLage der Manufaliurarbeiter der Ni derlausitz ist eine unbeschi eidlich elende. Morgens schon um 5 Uhr eilen die abgezehrten Gestalten in die Fabrik.— Vater, Mutter, Kind— Alles eil, hinein. Die Fabrik ist die Schule, die Fabrikordnung der Lehr- plan und der Werkmeister der Lehrer des heranwachsenden Geschlechts. Abends um 8 Uhr kehren sie heim, sie Alle, die Jenen da Oben Alles herbeischaffen müssen, was zur B.rfchönerung des Lebens gehört,— kehren sie heim, die Lastthiere der herrschenden Klassen, hungrig und übermüdet. Und so geht es fort Tag für Tag. Woche für Woche, Jahr für Jahr. Nichts ist für den modernen Sklaven da als«in kümmerlicher Lohn, die Frücht« seines Fleißes gehören von„Gott und Rechtswegen" Anderen. Aber es sän rt an zu dämmern in den Köpien der Lausiyer Arbeiter, sie saiigen an zu begieifen, daß der Eine nicht da sei, um deS Andern Unterthan uno Stlave zn sein. Und es ist schon viel Werth, wenn da« Gefühl der Gleichberechtigung sich einnistet in die verzweifelnden Herzen der Proletarier. Die Stunde kann dann nicht mehr so fern sein, wo die unterd.ücklen Klassm im Namen der Mensch- heit die herrschenden Klassen bestimmen werden, menschlich.u sein.— Vorwärts also zum Sieg! W. F. AuS dem Haag. Nachstehend möge die Ueberfeyung eines Artikel» unseres hiengen„Tageblatt" folgen, aus dem die deutschen Par- teigenossen ersehen können, daß die Wichte der Bourgeoispresse sich überall gleich bleiben. Der Artikel, der ein wahres Monstrum von Unsinn und Frechheit ist, lautet in ungefähr wörtlicher Uebelfetzung — von einzelnen kleinen Unrichtigkeiten abgesehen—: „b. September. Gestern Abend empfingen wir, Citoyen Redakteur de„Dagdlab", eine Einladung, um der öfsentlichen Versammlung der Internationale beizuwohnen für heute. Wir habe» die Einladung angenommen, weniger um Bericht zu ernatien über das daselbst Ver- handelte— gester» gaben wir daiüder bereits inisre Gefühle kund — als um die Physiognomie des Saals aufzunehMlN und übrigens, um der Vergeßlichkeit zu entrücken, wa» verdient, nicht vergessen>u werden. Der Saal ist wie jede. Volkstanzsaal, nur kleiner, als n» u sich ihn vorstellen würde; es ist an den zwei Seiten der Wände r.i« gstrude, wovon die eine von Vertretern der Piefje besetzt ist, die an- der« durch bezohlendrs Publikum zbl) Cents). Gegenüber der Tribüne £r die Presse stehen über der Wand ein Paar Fenster offen, wohin- rch man wie auf eine große Rumpelkamm r,!!, sieht auf ein Neben- stüdchen, worin sich die H rren Polizisten b finden mit noch einigen andern Herrn, serner die Wirthsfamilie, mit Vequemnchkeit eine Tasse Kaffee schlürfend und wie in einer italienischen Loge das«Schauspiel zum größten Ergötzen anstarrend. Der Saal ist in zwei Th-ile ge- theilt durch eine Reihe Ga lenbänke. Davor sckaart sicki eine ab- und zulaufenve Menge von allen Ständen, aber der kleine Raum ist noch zu groß(!!) für die Neugierigen oder BelaiigsteUenden, denn man kann bequem zi kuliren und es ist eher leer, denn besetzt. Die Tribüne oben ist sehr voll. Vor den Garienbänken sitzt das Communeparla- ment(I). Eine buntere Zusammenstellung von Personeil und Gegen- pLnde» sah man wohl nimmer. Halberwege unter der Estrade, wo- rauf die Vertreter der Presse aller Länder sich vordrängen und Einer auf des Andern Schultern schreibt— was? wissen wir selbst nicht— steht ein zerfallener(1), von Scheiten Holz zusammengefügter runder Tisch, 20 Schritte davor mitten im Saal, ein viereckiger, ab- genutzter Spieltisch, worauf unzählige Ringe von Bier- und Schnaps- gläsern auf eine nicht zu iibe> sehende Reihe van Campagner( k? f beuien, und d herum sitzen k Personen mit Papier und ekelhaft schmu- zigen Poriestuillen versehen, welche das Amt von S>enograph-n zu erfüllen scheine». Den Wänden entl ng 2 Reihen Tische von allerlei Farbe, Größe und Gestalt; weiße, grüne, von rchem Holz, ja selbst aus drei Füße» u rd drei.ckige, Dahrrum sitzt eine Bande Kerle, wo- von einig« mit einem ausdrucksvolle» Antlitz, gefallenen Engeln ähn- sich find; in der Mitte sind eine Legion von Teufeln, denn in der That sieht die Masse schreckenerregcnd aus. Alle» was unqewaichen« Ge- sichter(I!), ungelämmte H rare(!>>, schwarze Hände und mit Trauer- rändern versehene Nägel dazu beitragen können, um die Züge von Nngeschlissenheit, Raubgier und Mordgier noch greller h.rvuitoinmen zu lasseri, fühl man hier beisammen, wozu neben der verdo.b nen Atmosphäre des dumpfigen Saales sich etwas wie Blurgeruch fügt, der wahrscheinlich noch mancher Hand anhaflet, die sich bei der orato- rischen Bewegung fortschlängelt. Belegt nun sind all die Tischchen mit unzähligen Papieren. Was dies« Menschen den ganzen Tag durch schmieren, Namen niederschreiben, w cder auskratzen u. f. w. ist unbegreiflich l— Auch Bierkruken sind da, Sledammer und Genever Llmo- nade, Biergläser wovon jed.s d e Runde macht fl!) in der illustdricn Gesellschaft, und aus und von den Tischen verschwinder,'idaS ist nichi auszuzählen! Männer mit rothea Halsbinden sind dabei en vogue zl l). Einer ist»ogar, der den ganze» Unterleib mit Roth ein- gew ckelt hatte(l!). Mail sag', daß er die Rolle der wandernden „roch n Fahne" erfüllt. An dem runden Tisch, dessen wir zuerst Er- wähnung chiten, sitzt an der einen Hälfte der Vo« sitzende, welch s nun der berüchligte Ranvier ist, der Raubvogel, und seine Schrfli- sührei; an der andern Hätfie ein Fläminger, welcher das Gesp.ochene allerdings flämilch übels.tzt, ein Engläiider. der das Kämliche für leine LandSlrUle lhul in einem Ton und einei Weise, w.lche nicht zi verstehen ist, und endlich ein„Mos" zMufs)(Denflcher en heißen hat, die- ser keiii Recht), mit eiium leinene», zerrlfsene» Kitiel, welcher daS Gesp ochene verkauderwälscht, so daß selbst der erste beste wenphälische Echnitler ihn zu Schande machen würde. Endlich dem Durchlanch- tigen Bureau gegenüb.r scheu 3 Damen(!!), welche feierlich y ineingeleitet durch vielleicht Ceremoinenineister, sich niederlassen auf die Gar- tenbänke, welche das Publilum trennen vom Coiniziuiirpa lameni;— eine derselben hat sogar eiuen Soiinenschirm. Sic gehören wahrsche n- lich zur Race der Tr ic o leuse s,— und mit steigender BelangllcUung sieht man ihrer Strickarbeit(!I?) enigegen, um nach der Anzahl der abgeftrikien„Maichen" die Aussichten des Looses der Revolution zu ber«ch»r.n. Das Burrau selbst zeichnet sich aus durch Zu schauflellnng von schreckenerregenden Gesichtern. Vorzüglich Ranoiec i» der per- sonifizirie Tiger(>), der allein an Blut sich scheint erfienen zn könne». Seine spitze Nase, seine schräg zurücklaufende Stirn, mit tiefen, schlauen, stiahlenfalschrn seuersprühenden Augn, feine voiiiüoer- sallende Geberdenhaliung, dies Alles macht'hn zum Sinnbild der Stellung, die er veltrin: das wilde Thür, w Iches auf dem Sp' iinge steht, die menschliche Ges. ll'chafl zu überfallen und zu zerreißen.— Nach dieser» flüchtigen Buck aus uusre Umgebung einige Zeilen nur über Dnsjenige, was wir gehört haben. Ranvier hielt eine einleuende Red., Brauchen wir wohl zu sagen,«aS ste enthielt? Da« Lob der Com- mune! Die arme, einfache, unschuldige, engelrnne, wohlthätige Tom- mune! Wie ist sie verfolgt! Uebeiall aufgejagt, nirgend« Schutz und B. schirmung findend; allein hier im Haag find sie frei wie der Vogel in der Lust. Und hört es wohl, ehrliche H lländer und verwundene Europäer!— die Tommune- Männer, nicht allein die wegen politischer Umlrieb« verfolgt werden, sind frei in Niederland, sondern seine Re- gierung hat auch„Andere", ja alle andern zugelassen. Willkommen, willkommen im klassischen Niederland! Willkoiilmen unter dem Van- ner von O«a»ien! Ihr Petroleurs, vielleicht PctrolenseS, Mörder der Geißeln, Plünderer! Eure hochgeehrten Häupter finden Schutz in den Fallen der ruhmreichen niederländischen Fahnen. Es ist wahr, die ausländischen Regierungen stgiialisireii die Herren Communc-Männer als Ausständige, Mordbrenner und Mörder,— wie der Voi sitzende erwähnte— während die Versailler gerade die Vöiewichte sind. Jules Favre war ein Verrälher, ebenso Trochu, welcher Paris überge- den halte, aber sie— sie sind Tauben voll Unschuld. Die Holländi- sche Regier:»g wußte es wohl bester, was für Creme der Menschheit sie vor sich haite zu beschützen: willkommen, willkommen, innerhalb der Mauern der Residenz I Vorzüglich jener Theil der Rede war so rührend, daß eine unsrer vornehinnen Kostschuisräuleins(!I) an Ra»- vier, Michon(?) und Dercure das Ansinnen stellte, von nun als Er- ziehungskoinitee(!I) bei ihrem Jnstitule sungiren zu wollen— und zwei Banquiers hier in der Siadt an die Internationale ossenen Erc- dit(!1) verliehen und vo, läufig sich als Bürgen(!!) hergegeben haben sür den Verzehr im Hotel„Zon" und„Siomboor. Endlich tröstete der Vorsitzende diejenigen, die schon lang keine Arbeit hätten(III), daß die goldne Zeit spulig anbrechen werde. Danach wuide der Bericht des Generalraths verlesen über die Schicksale der Assoziation und ihrer verschiedenen Abtbeiluiigen'm verstossenen Jahre. Die meisten der mir uns befreundeten Mächte, vorzüglich Oesterreich uud Deuischland, werde» im Bericht auf die schmutzigste Weise vt> lästert nnd die Presse, welche sich auch hier zu Lande gegen die Jnteinailvnale ausspricht, wird„feil" genannt und verkauft. Ist es nicht genug, daß unser eigenes Land gebückt gehe» muß unter der liederlichen Schmeichelei(?I j einer Bande von Buben und unser Land dulden muß. die holländische Regierung den Schutz- engel von Allem, was Gott Mo' streusrs auf dieser Erde duldet, nen- nen zu höre»? Wie kann die Regflrung es znlasie», daß gegenüber befreundeten Piächten solche Lästerungen von ehrvergessenen Frem- den ausgesprochen werden und es mir anhöleii? Besteht denn kein Gesetz von 1316? oder nur für holländische Schr-ststeller, und sind Fremde außer Schuß? Wie ist es auch zu begreisen, daß die Polizei zu sagen erlaiibr im Bericht:„Auch das holländische Volk liegt noch unter den Klauen der Regierung und der Reichen?" s!I) Ist dus„Freiheit" in Holland— oder Ungebunden heit und Aufhetzung zum Ausstand? Daß aus die Commune eine Lobrede ge- hallen werden würde, kann nicht beiremden, kein Wunder also, daß dies« Lobrede mir der Reioluiion geschlossen wurde, daß— u, s. w. (folgt die Resoluiion). Siehe da, also einen Loibeerkranz geflochten im Haag, iür die kriminell Verurtheilten, welche ihre gerechte Strafe erhalten— sei es durch den Tod, sei es durch Drportalion oder Zwangsarbeit.— Siehe da in unseri» Lande, wo Ordnung herischt und Gesetz ist, ziigestanden, daß Gesetz und Ordnung mit Füßen geireten und den Richtern der Stempel als Mö. der ausgedrückt werde. Was fehlt nun»och, um zu beweiie», daß die Regierung unier dem Haus von Oranien sich verpflichtet sichl, durch Fremd- der Revo- lutio» in alle» ih en AuSschwrisungen freie Zügel schieße» zu lassen. „Ist nun noch ein-r i» der Stadt, weicher nicht begriff-, daß vi« „öffentlichen" Versammlungen nur Komödie sind, und die An- fälle auf die Gesellschaft, aus dieMachtunddas Eigenthum imGeheimen geschmiedet werden? Und daß die holländische Regierung bei ihrer ladelnswertbrn Hallung auheidei» Gefahr läuft, sich lächerlch zu mache»? Endigen wir mit einem ander» Jmidcut, welches sehe» läßt, welche Sorte Leute der jürstliche Haag die Ehre hat, zu beherbergen. yrteftasten der Expedition: Häustler, Wilkau f. Abonn, HI. Qu, 16 Thlr. 18 Gr.; G. L, in I, f. Schrisien 10 Thlr., weitere 15 Thlr. dem Comitee: der strikenden Maichinendauer Berlins Übermacht; Wolke, Döbeln Wenn der„Volksstaat" wieder um 2 Tage z» spät kommt, beschweren Sie sich bei der Poildirektioii hier, es liegt nur an de: Postexpcditinn. Hack! in Beiden iür Schriften 1 Thlr. 6>K Gr.; Bender, Zweibiück n f. Abonnement September>2 Gr. 8 Pf; Müller, Bensheim: 6 Abonnements per Kreuzband losten pro Onart. 1 Tblr. 20 Gr.; Reichel, Düssetdoef f. Anno ce der Partei 4 Gr., f. Schriften 10 Gr.. von E. nichts erhailc»; Geabler Neustadt a. H. f, Schriften 10 Gr. 5 Pf.; Vornberger, Bamberg f. Schriften 4 Thlr,; Schreiber, Friedrichshaide' Blätter erhalten, Sie haben 16 Gr. gut; Koennecke, Spandau s, Schriften 1 Thlr. 6 Gr.; Stollberg, Augsburg f. Annonce 8 Gr.; f. Annonce der Schnhmachergew, 3 Gr.; O-Hme in Breslau f. Schriften 8 Thlr; Schweis in Wiesbaden: Das Abonnement auf den Bolksstaat beträgt in ganz Druischiand 12'/, Gr.— 39 Kr,, in Preußin incl. der Stemp lstener 16'/, Gr.; w-nn Ihnen mehr abverlangt wird, so beschweren Sie sich beim beir. Obc, Postamt, Hilst das nicht, theilen sie es un» wieder mit. Tischierkoinmisston in Altona: J-re Annonce kam für Nr. 73 zu spät. Kroeger Cöln f. Abonn. III. Qi. l0 Thlr.; Wienier in Hannover f. Schrisien 5 Gr.; Huber in M. Glavdbach s. Abonn. IV. Qu. 1 Thlr, 2 Gr.; Naumann in Neundo-f für Abonn. III. Qu 8 Tblr. 21 Gr; Müller Colv. s. Schlifien 20 Thlr.; L. P. Paris 6 Thlr. 16'/, Gr. f. Abon. III. Qu. Brief folgt. Schmidt l» Philadelphia: Gestern an sie Schriften abgesandt. der Redaktion: I. E. in Augsburg: ES ist recht gut, wenn Sie K. hoch in Ehren halte», ab>r deinselben wegen B rlegung des Wohnsitzes von Augsburg nach Waffen, üdingen einen Nachruf zu widmen, das geht denn doch elwas zu weit.— Ein Hamburger Abon- nent: Die Schreiben haben wir erhalle». Die Verzögerung ist ein« unabstchrliche und hat in der Heft Hepner'S ihren'Grund.— y, Hamburg, U. in Stutiaar': für diese Nummer zu spät eingetroffen.— K. in Köln ist wegen Stoffs, Ue für« ne Nummer znrückgenelll worden, Für de»„Volksftaat". Von E. Stockmayer in Obafleuseld 4 Schuldscheine Nr. 81, 82, 85, 86 4 1 Thlr. gratis zurück. _________ Die Erp-dition de»„Bolksstaat." Für politisch Gemakregelte. Von Friedr. Koch Nacbsolg. in Berlin 2 Thlr. _ Die Erpedition des„Bolksstaat". Kür Leipzig. Sozial-demotratischcr Arbeiterverein. Freitag 4. Oktober Abends 8 Uhr im Leipziger Sa«l. Tagesordnung: Sozial politischer Wochenbericht, Ref. Mnth. Freie Diskussion. Gäne willkommen___ Der Vorstand. Für Leipzig. Sectio» der Tischler und Pinnofortearbeiter. Moniag, d. 7 Okiotur, Abends 8 Uhr Bersammlungen bei Zeidler, Gr. Windmühlenstr. N>. 7. Um zah l eiches E> scheinen bittet D. B. Für Leipzig. Gewertschnst der HoUnrdetter. Donnerstag, d. 3. Onober, AdeildS 8 Uvr. Au schußsitzung bei Z-idler gr. Windmühlenstr. Nr. 7. Die Vorstände der verich:edenen Seciioren st id verpflich et z» erscheinen. D. V. Allg. deutscher Schneiderverei«. Hiermit zur Räch ichl, dag ich mchi meyr Zlmmerstraße Nr. 73, sonde� n Sonnenstriße Nr. 747. 1 Treppe wohne. Chemnitz, 28. Septbr. Mit iozial-demokratischem Gruß Georg Schössel, Geschäftsführer. Für Eszltnge«. Nächsten Sonntag Adeno Zn�mmrutiiust bei Hang, Metzger. Augsburg. Schial'drmokratijche Arbeiter-Partei. Samstag, den 4. Otto her. Abends 8 Uhr. Versammlung im Gasthaus zum Säwanen am oder» Graben. Tagesoldiiung: I.Uebel das Institut der Plesse. 2. Vo. schlag eines Vertrauensmann. I. A.: I. Endres. Für Augsburg. Die Unterzeichneten veehren sich ihre Freunde und Gesinnungsgenossen in AugSbura und llmgcbung ? n ihrer am Sonnlag, den 6 Okiober im Gasthaus zum„grünen K ranz' in Lechhausen stattfi idenden Hochzeiisfeier, verbunden mit einer Tanzunterhaltung des Arbeitervereins„Vorwärts' freundlich einzn- laden. Albert Lichtcnstei ger Viktoria Zöttl. Augsburg Den Parteigenossen hiermit zur Rachricht, daß ich vom 1. Oktober an die Winhschaft des Herrn Schleißinger„Gasthaus zum Schwanen" am ober» Graben übernommen habe nnd bitte deshalb mir auch hier das Vertrauen schenken zn wollen, wie bisher. Für gute Speise» und Getränke, sowie genießbare ZeiiungSliteiatur werde ich wie bekannt stets Sorge tragen. G. Stollberg.» Die Filialexpedition betr. gebe ich bekannt, daß von obigem Dalum a» in der Wirthschast sowohl ans den„Bolksstaat" als auch aus das„Fürther Demokratische Wochenblatt" abonni.t werden kann. Ferner g de ich den Parteigenossen, welche das 3. und 4. Heft des Leipziger Hochverrathsprozessez noch nicht abgeholt haben, be'annt, da« in den nächsten 14 Tagen thun zu wollen, außerdem dieselbe». reiour gesandt werden. __ G. Stollberg. Für Altona. Soiial-demokratischer«rbrtter-Ver-tn. Mitglieder-Versamml ng Donnerstag, den 3. Otiober Abends um 9 Uyr im schnhm«cher-Amt- Haus gr. Bergst aße. Tag,sordnunq: I. Sozial-polfl sicher Wochenbericht 2. Dat Proaramm des vieiten Standes. Referent Herr Braast. 3. Das Partei-Organ. Die ausgegebenen Karten sind vorzuzeigen, Der Borstand. Zugleich wird den Vereinsmitgliedern bekannt gegeben, daß die Versammlungen nicht mehr Norderstraße bei Herrn Edler, sond>r» nunmehr in Schuhmacheramthaus große Bergstraße statifinden» ____ D. O. Zur Beachtung! Diesenigen Abonnenten, welche den„Bolksstaat" per Kreutzband oder Convert beziehen wollen, werden ersucht, den Betrag sofort einzus»den.___ Zur Beachtung. Meine Wohnung bis,.ver sich von heute an nicht mehr Ohlauer. Lraße 42, sondern Ohlauerstraße 52, 3. Etage, wa« ich alle mit mir Correspondirenden zu beachlen bitte. Breslau, d, 2, Ollober. � H. Oehme, Vertrauensmann, Aufforderung Alle Diejenigen, welch Briese?c. an uns abgesandt, wovon ihnen bekannt, daß dieselben nicht in unsere Hände gekommen sind, sowie alle Diejenigen, welche von uns obgeiandie Briese»der Packcte nicht oder mit dcrarr ve> letztem Couveri oder ausgerissenem Umschlag er» halte» haben, daß dee Inhalt sichtbar oder aar hei auszunehmen war, ersuchen wir unter Angabe der Zeit des Vorfalls und der Art der Verletzung ihre Adresie», inzusenden. Leipzig, den 25, Sevtember 1872. (2) 2_ Die«edattion und Srpevttto« de»„B»lk»ftaat". Die Flliatexpcvitionen werden ersucht dl Abonnemenisgdder für III. Quartal sofort einzn- senden, sowie allenfallsige Aenderungen der Adressen umgehen» bekannt zn geben. (3) l Die Expedition des„BollSSaat." Belauutmachung Mit ei stein Oktober d, I. übernimmt Herr Oiwald Stelzer in Reudnitz Kappellengasse Nr. 11 I die Filialexpedittou für Reudnitz. Volkmarsdorf und Umgegend. T>r>e>be inmml Aboummenls ans den„Bokspaat" wie Bestellungen auf Schrnten enigegen. Um ein« geregelte Uebergabe der Filialerpedition möglich zu machen, ersuchen wir die geehrlen doetipen Abonnenten ihre allenfalls noch reslireiiden Beträge sofort abzuführen. ____ Die Expedition des„Bolksstaat." Dm Prriiigenosse» biete ich an: B. Becker. Der alle und der neue Jesuitismus. 2. Auft. 20 Stück 2 T ir,, einzeln(Poito 8 Pfg.) 4 Gr. W Bracke juu., Der Braunschweiger Ausichnß der social-demokratischen Arbenervartei in Loctz n und vor d m Gericht, mit Gruppenbild. 6 Stück 2 Thlr., einvln(Porio 2 Gr.) 12V- Gr. Gruppenbild aus vorstehendem Werke, ansgeieichnet, NB. Portraitt einbauend 13 Stück l Thlr. einzeln(Porto l Gr.) 3 Gr� Husarenbrodprojetz gegen den Braimschw iger Volksfreund. 30 Stück > Tblr. einzeln zPorto 4 Psq.) 1'/, Gr. Anti-StzllabuS, Gedicht. 100 Stück(Pveto 3 Gr.) 20 Gr., einzeln 6(esg., Poris bis 12 Stück 4 Pf.) Bericht des Londoner Generalraths an den Conareß der Jnter- nationalen Aibciteiasiosiation im Haag. 100 Siück(Porto 3 Gr.) 1 Tblr einzeln 6 Pfg.(Porv bis 8 Stück 4 Pfg.) Laffalle A beiterlesebuch. 20 Stück 1 Thlr. 15 Gr., einzeln(Porto « Pfg.) 3 Gr. „ Etwiderung(neu) 30 Stück 1 Thlr., einzeln(Porto 4 Pfg.) l y, Gr. Die iämwtlichen Sachen bedürfen keiner Empfehlung. Auch die üb' igen sozialistischen Schuften halte ich auf Lager. Demnächst wiro erscheinen: Briefe deutscher Bettelpatrioten von Bei»bard Becker. Man wende sich an die Erpedition de» Braunschweiger Boll«- freund. Neuest raße 23, oder au Brau» schweig. W. Bracke juu. ____ un 2) 1* �Süddeutsche Post"&„Deutscher Demokrat" in München Die täglich erscheinende„Süddeutsche Post" enthält: Leitartikel, Politische Ueberfick-l, Correspv»denz>n ans Deutschland und dem Ans- land. Bayerische Angelegenheiten. GenählieS Fenilleton, Vermischtes, Handel, Berkehr uno Landwiitöschafi, die Münchener und Franksutter Courie je. und ist in entichieden freiheitliche»! Sun- redigirt. Der Preis des reichhaltigen BlatieS tsl deisriellos billig und be- irägt pro Qua'tal ausworls nur 1 fl. oder 17'/, Sgr., wozu noch die etwaige Siemp lg bühr kommt. Man abonnirt bei allen Postanstalten und Postboten. ______?«e Hleda ktion& K/rpedition. Nene Sadische Landes-Zeitling Mannheimer Anzeiger mit dem Mannheimer Unter- Haltungsblatt. Demokratische Zeitung redlgirl von vr, Joleph Stern. Tödlich Snml in Groß-Royal-Format.— Auflage 9500. Für das Vierte Quaual 1872 tOltober, November, Dezember) im Verlage 1 st, 30 kr. — 26 Sgr., au-wär>s 2 fl 11 kr. 1 Thlr. 8 Sgr. Anzeigen die 5 spaltige Petitzrlle 6 kr.=- 2 Sgr Hiuzu lader ein die Mannheimer Verrins-Äruckkrei.__ Leipzig: Berantw, Redaiteur A. Mnth.(Redoktioii und Ex- pedition Hodestr, 4.) Druck und Veilaa von F. Thiele. Sterz« eine Vellage. Beilage zu Nr. 79 des„Volksstaat". Die schweizerische Berfassuugsreform. in. Die politische Centralisl'.tion; Armee, Gesetz und Finanzen. Die adminiftrative Decentralisation. Die Unterdrücknng der Volkösouvcränttäl in den Cantonen- Die Geschichte lehrt, daß die einzigen Republiken, die gelebt haben und gediehen, die noch eristiren und gedeihen, die fordcrativen Republiken sind, während die Einheitsrepubliken immer nur ein Hinterhalt für die Volksfreiheit gewesen sind, ein fataler Uebcrgang der Volksrevolution zur persönlichen Diktatur, die sich der Kaiserkrone bemächtigt. Und was stellen die Einheilsrcpubliken während ihrer kurzen Dauer vor? Ach, das jetzige Frankreich nennt sich auch Republik, ganz wie sich das des Juni 1848 auch nannte! Warum folgten denn der Ver- rätherei des Dictatsren die blutigen Saturnalien, ausgeführt von den Versaillern auf den Ruinen der pariser Commune, uns das um Platz zu machen dem allgemeinen Mißbehagen, den Conspirationen aller Factionen der primlegirten Klasse, den Verfolgungen, den Bankerotten? Ist es nicht, weil diese Republik auf Nichts gebaut ist, weil ein Volkshauch oder ein royalistischer Wind sie in Äkichts versetzen können, weil diese Republik nicht Frankreich, sondern Versailles ist? Das ist die Einheitsrepublik! Alles ist darin central isirt, die Armee wie die Gesetzgebung, die Finanzen wie der Unter- richt! Man muß jedoch gestehen, daß Frankreich mächtig und reich, und daß sein Volk glücklich und stark wäre, wenn es mit den Einrichtungen einer Förderativ-Republik begabt wären. Und man weiß, daß die Bestrebungen der Arbeitcrklosie in Frankreich genau die Förderativ-Republik verlangen, daß dies der politische Sinn der pariser Jnsurrection war. Für'Jeden, der von der Liebe zum Fortschritte begeistert ist, ist es peinlich, zu sehen, daß während man in Frankreich selbst in Folge eines Jahrhunderts von Unglücken sich endlich von dem Aussatz der Centralisation und Unification reinigt, man in der Schweiz sich vorbereitet, diesen Aussatz zu erben, indem man einen tödt- lichen Schlag gegen den Föderalismus führt. Man scheint zu vergessen, daß das letzte Wort, der Gip- felpunkt der Zentralisation Sedan ist, wo man sich von dem Unstern Frankreichs abwendet und Hymnen für die deutsche Zentralisation anstimmt: und diese ist's, die man nachahmen will(die eidgenössischen Redner haben sich nicht genirt, es ge- legentlich zu gestehen!). Aber man verkennt einestheils, daß diese Zentralisation noch ganz neu ist, und man sieht noch nicht ihre unheilvollen Resultate, man sieht nicht, daß sich nur die Blsmarck'sche Verpreußung Deutschlands und nicht die Ver- einigung der Nation vollzieht, daß andererseits diese Zentrali- saliou in Nichts den anschreitenden Lauf Deutschlands zu einem schrecklicheren Sedan aufhält, zum ökonomischen Sedan,. zum offnen Kriege zwischen den zwei Klassen der deutschen Nation. Alle Siege der Zentralisation haben nicht das Elend gemildert, haben nicht die immer mehr wachsenden Finthen der Auswanderung gehemmt, sie haben nur wieder erweckt die gute alle Zeil der Tendenzprozesse gegen die Vorkämpfer der Volks- emanzipationl Als ganze Antwort auf unsre Betrachtungen wird man uns sicherlich das sagen, was mrn die ganze Zeit über den Gegnern des Bundesmerkes gesagt hat:„Niemand denkt daran, zu zentralisiren, alle Welt respektirt das Föderativ-System, man will nur einheitlich machen, was durchaus einheitlich gemacht werden muß; die föderativen Institutionen bleiben nn- berührt." Wir müssen zuerst bemerken, daß es bedauerlich ist, daß die verhältnißmäßige Ausrichtigkeit der Debatten in den Bun- deskammern in der letzten Zeit einer strategischen List Platz ge- macht hat! In der That, in den Bundeskammern hat man freimüthig die Unterdrückung der kantonalen Souveränität, als diner sinnlosen Fiktion, eines Ausdrucks� der nach den revidir- tcn Artikeln alle Kraft verloren hat, verlangt.(Vorschlag Stamm im Nationalrath K.) Jetzt sucht man der schweizerischen Nation einzureden, daß sie ihre föderative Organisation trotz der Revision beibehalten könne. Man hat nichts gethan, als das Militair zentralisirt, als die Einheitlichkeit oder Zentralisation im Straf- und Zi- vilrccht eingeführt, als die Großräthe ihrer gesetzgeberischen Rechte zu Gunsten der Bundesgesetzgebung beraubt. Es ist natürlich, daß man mit dem auch Bundesfinanzen schaffen wird, als logische Felge der neuen Bundesbefugnisse und ihrer Vollziehung: „wenn das Militair zentralisirt ist, ist die Bundesversammlung gehalten, diejenigen Maßnahmen zu dekretiren, die geeignet sind, das Defizit zu decken."(Escher in der Kommission des Nationalraths.) Es liegt auf der Hand, daß diese geeigneten Maßnahmen bald einen der wichtigsten Zweige der neuen Bundes-Bureau- kratie bilden werden. Nun, da die Zentralgewalt(die französischen Publizisten sagen: der Staat) in ihren Händen die Armee, die Finanzen und die Gesetze hat, so ist die Gewalt allmächtig und eine solche Organisation heißt politische Zentralisation. Bewaffnet mit diesen allvermöz.'nden Eigenschaften steht es der Centralgcwalt frei, die cantonale oder die nationale Sou- veränität zu handhaben, wie es ihr gut scheint, denn nichts kann ihr widerstehen auf dem gesetzlichen oder bewaffneten Ge- biet— mit Ausnahme der Jnsurrecrion. Bei diesem Stand der Dinge verschwindet der Föderalis- mus und macht der administrativen Decentralisa- tion Platz. Nun diese illusorische Decentralisation ist durch- aus nicht ein Abkömmling des positiv en Systems des Födera- ltsmus; es ist eine Bastardform, die ein Compromiß zu sei» scheint zwischen dem Heißhunger der Centralgcwalt und dem furchtsamen Verlangen der unterjochten Gesellschaft, die aber in Wirklichkeit nichts ist, als eine unheilvolle Heuchelei, die preis- gegeben ist der ersten besten Laune der Centralgewalt. Man hat in der letzten Zeit gern die Meinungen Fremder über die schweizerische BundeSr- wnisation citjct. Nun wohl, man lese alle Die, welche etwas Ernsthaftes über den Födera- | lismus geschrieben haben, man lese den englischen Gelehrten - das jüngste Werk, das über den Föderalismus erschienen ist, und man wird sehen, daß er sehr wohl zwischen dem Föderalismus und gewissen Freiheiten zu unterscheiden weiß, die als municipale bezeichnet werden. Oder man lese, wenn das diesem Patriotismus besser gefällt, das Werk des Züricher Professor Rüttimann**). 1866 verherrlicht er gerechter Weise die Bundesinstitutionen der Schweiz im Vergleich mit den nämlichen Institutionen Amerikas und im direkten Gegen- satz mit allen den einheitlichen Systemen, die in Europa ent- standen und verschwanden, als Beute der heftigen Krisen der Revolutionen und Staatsstreiche. Was diese famose„administrative Decentralisation" betrifft, so haben sie die französischen Publicisten in ihrer crassen Un- wissenheit, ihrer Naivität oder ihrer Spitzbüberei gepredigt und bewundert, und eine ganze oppositionelle Agitation war auf diese administrative Decentralisation***) gegründet, die freilich Fiasko gemacht hat, weil Napoleon III. und seine Minister sich offen für jene Centralisation und ihre unmittelbare Einführung im napoleonischen Reiche erklärten. Nun, was man den schweizerischen Cantonen lassen will, reducirt sich in der That auf diese„administrative Decentralisa- tion". In einer Sitzung der Commission des Nationalraths bestimmte Stämpfli die zukünftige Rolle der Cantone folgender- maßen: „Nach der Centralisation des Militärs werden die Can- tone noch ein hinlänglich großes Gebiet haben, auf dem sie ihre Thätigkeit in sehr verschiedener Weise entfalten können. Sie werden noch zu sorgen haben für die Bedürfnisse des Handels und der Industrie, des Unterrichts und des Cultus; es werden ihnen die öffentlichen Arbeiten, die Verwaltung der Justiz der Tribunale— mit einem Wort eine sehr ausgebreitete Sphäre(?) bleiben, bei welcher sie viel im öffentlichen Interesse thun können." Das wurde den 4. März 1671 gesagt und wenn man jetzt, den 4. Mai 1872, diese von Stämpfli den Cantonen zu- getheilten Befugnisse in Rücksicht darauf, was ihnen von Re- Visionswegen bleibt, ansehen will, so wird man finden, daß diese„sehr ausgedehnte Sphäre" sich auf eine absolute Weise zusammenzieht, und daß in der That die cantonalen Ge- setzgeber viel im öffentlichen Interesse thun können, indem sie sich den öffentlichen Arbeiten widmen, indem sie gute Edilen (Bauherren) werden, soweit die Föderal-Centralisation geruhen wird, ihnen diese Funktion zulassen, ebenso wie die der Polizei zur Vollziehung der von der Bundesjurisdiktion erlassenen Er- kenntnissc!— IV. BundeSgesetzgebung.—„Ktn" Recht unbekannt!— Eonstit«- tionelle Vorlagen ohne begrenzte Prinzipien noch Grund- lagen.— Die Rolle der VundeSgewalt— Die Demokraten und die Jakobiner.— Wird diese Bundesgerichtsbarkeit gut sein? Wird diese Bundesgesetzgebung, in deren Hände die Cantone ihre Sou- veränität abdanken müssen, der schweizerischen Nation günstig sein? Wenn in der That diese Bundcsgesetzgcbung alle Miß- bräuche ausrotten, alle Uebel heilen soll,— warum weinen auf den Trümmern der cantonalen Souveränität? Als ganze Antwort: Die Sonderlichkeit der revidirten Verfassung ist der Art, daß sie wenigstens 30 Verweisungen aus die Bundesgesetz- gebung enthält und alles das ohne irgend ein festgestelltes noch verkündetes Princip! Und darüber soll sich das Volk aus- sprechen! Man sagt ihm:„Du hast jetzt in Deinen Cantonen das Recht, die Gesetze zu machen, die Du willst; sie sind schlecht — dan> Dein Recht in die Hände der Gesetzgeber eines Palastes ab, in den Du nie eingetreten bist und diese Bundes- gesetzgeber werden cndere Gesetze machen"— und— die Arbeitergesellschaftcn werden sofort ausrufe»: es lebe eine Armee! es lebe ein Recht! Welches Recht?— Das ist's, was wir vergeblich fragen. Ein Volk, das sich achtet, giebt nicht so seine Souvcräni- tät auf und läßt nicht freiwillig seine Mehrzahl knebeln durch eine unbekannte Vormundschaft. Und wenn wir diese Vormundschaft nach der Vergangen- heit beurtheilen wollen, so müssen wir die Thatsache constatiren: in der Verfassung von 48 war nur ein Drittel Verweisungen an die Bundesgesetzgebung(im Vergleich zur neuen Verfassung); nun, diesegesetzgeberijchen Entwürfe sind der Mehrzahl nach nach Ver- lauf von 24 Jahren im Zustande der Entwürfe geblieben und die Bundesgesetzgebung hat sich nicht beeilt, positive Gesetze zu erlassen. Die B undesgese tzgc b ung liebtes.der Bundescxecutive zuzuweisen und diese Executive begnügt sich mit Ver- füg un gen, gefaßt in Bezug auf den und den Vorfall. Ist es gut, sich so anzuvertrauen— nicht dem Gesetz, sondern der Erecutivgewalt, die den Platz dieses unbekannten und gelegentlich improvisirten Gesetzes einnimmt, unter dem Druck irgend eines bedauerlichen Umstandes? Wenn wir an dieser Stelle die Rolle der Bundesgewalt prüfen könnten, und wäre es auch nur im Lauf der letzten Jahre, so würden wir sehen, daß sie zuweilen fern davon ist, mit den Wünschen des Volkes im Einvernehmen zu sein, und daß sie nicht immer durch Unabhängigkeit und republikanische Frei- müthigkeit glänzte. Hier ist's, wo man sich zurückrufen muß, daß eine Cen- tralgewalt immer mehr den bedauerlichen Gin- flössen des monarchischen Auslandes unterworfen ist, als es eine delegirte Gewalt wäre, die ihre Kraft und ihre Competenz aus der Souveränität der Bundesstaaten schöpft. ") Edw. A. Freemann, History of Federal governement. *•) Das nordamerikanische Bunde« staatsrecht verglichen mit den politischen Einrichtungen der Schweiz. *•♦) 1865 da« Decentralisationsprojekt von Nancy. Man constatirt mit Schmerz diese Einflüsse, sowohl in vielfachen Beziehungen mit dem französischen Kaiserreich, die in einem Vertrage aufstoßen, der voll ist von Demüthigungen, wie in jenem wenig republikanischen Act schmeichlerischer und theologischer Beglückwünschungen, gerichtet vom Bundesrath an den Deutschen Kaiser, und in mehreren Conflicten in Bezug auf Flüchtlinge oder Reu-naturalisirte. Man hat gesehen, wie die Bundesgewalt geneigt war, ihren Verträgen eine für die cantonale Souveränität nach- theilige Auslegung zu geben(Affaire Tourangin im Kanton Freiburg), man hat neuerdings gesehen, wie trotz der in Be- treff der Beziehungen mit der Fremde präcisen Bundesgesetz- gebung(Art. 10) die Bundesgewalt schreiende Verletzungen dieses Artikels geschehen ließ, wenn ihr dies gefiel; man hat endlich gesehen, wie die Bundesinterpretation des Auslieferungs- Vertrages die schweizerische Gastfreundschaft zu verletzen drohte, und daß in dem Conflict bezüglich der C ommun e-Flücht- linge die cantonale Regierung von Genf— stark durch die Stütze des gesammten Genfer Volkes— die Ehre gehabt hat, die schweizerische Unabhängigkeit zu beschützen. Ist es nicht praktisch, im Interesse der ganzen Schweiz gesprochen, klar, daß die monarchischen Mächte immer arrogan- ter sein werden, wenn sie wissen werden, daß sie diese oder jene demüthigende Concession der Centralgewalt abzwingen können? Neulich rief in einer revisionistischen Versammlung ein an sich wenig populärer Redner aus:„Warum können die Arbeiter annehmen, daß die zukünftigen Gesetze schlecht sein werden? Wir haben genug Vertrauen in die Männer, die bis jetzt an der Centralgcwalt gewesen sind." Darauf könnten wir antwotren: Warum sich in diesem Fall sp viel Mühe geben und für oder gegen die Verfassung dispu- tiren? Ist es nicht besser, wenn man mit Vertrauen gegen die Bundesmänner erfüllt ist, ihnen die ganze Sorge zu lassen und sie zu beauftragen, die Gesetze zu machen, wie es ihnen' gut scheint?" Wir haben darin volles Vertrauen! Wie kann das Volk, wenn dieses Verfahren nicht zusagt, eifersüchtig auf seine Rechte eine Verfassung votiren, die fast die Gesammthcit seiner Rechte einer unbekannten Gesetzgebung unterwirst, einer Gesetzgebung, deren Grundlagen zu setzen und deren Privilegien zu sormuliren man sich gehütet hat? War es schwierig oder unmöglich, um alle Welt zu be- friedigen? Aus noch stärkerem Grunde wird die Ausarbeitung dieser 30 Entwürfe schwierig und unmöglich sein. „Ein Gesetz! Ein Recht!"— Wie wird man es machen? Wie wird die Bundesgcsetzgebung dahin gelangen, die Jahrhun- derte alten Verschiedenheiter der Sitten, Gebräuche, Nationali- täten, Sprachen und des Klima zu entfernen und sie alle unter die Ruthe der Einförmigkeit zu falten? Wie wird man es machen, wenn gewisse wohl vorgeschrittene Cantone, trotz aller ihrer Arbeit nicht zur einheitlichen Codificirung der Gefetze aller Oert- lichkeitcn des Cantons gelangen können?— Wird die gesetzgeberische Centralgewalt von der Höhe ihrer Allgewalt reinen Tisch mit allen den verschiedenen Gesetzgebungen der 22 Can- tone auferlegten lokalen Vorbedingungen machen? In diesem Fall riskirt die Gewalt ihrerseits wohl, daß das unzufriedene Volk reinen Tisch mit seiner centralistischen Allgewalt macht! Wir sind verpflichtet, unseren Brüdern der deutschen Schweiz es laut zu proklamiren und zuzurufen, welches das wesentliche Prinzip der sozialistischen Demokratie ist. Ach, wir ha- ben es wohl begriffen, daß, ermüdet durch manche routinirte Hindernisse, durch manche Mißbräuche und Ungerechtigkeiten in den Cantonen, mehrere unserer Kollegen in der Bundesrevi- sion eine Rettungsbarke erblickt haben, hoffend, daß das, was nicht auf cantonalem Gebiet erreicht werden kennte, in Kraft von Bundesdekreten von oben herab zugestanden werde. Das ist die traurige Illusion, die das Volk später recht lheuer be- zahlen kann. Zunächst bleiben die Menschen, was sie sind, und die Er- nennungen ändern nichts. Wenn eure politischen Männer in den Cantonen nichts können oder wollen, warum glaubt ihr, daß sie in der Bundcscentralisation geschickter oder weniger in- teressirt sein werden? Anderntheils: wenn Leute aus der Be- völkerung nicht wollen, nicht fähig sind, diese oder jene Reform von CantonSwegen zu ertragen, so werdet ihr sie nicht ändern und bestimmen„von Bundeswegen." Hier zeigt sich unser Prinzip in seiner ganzen Einfachheit: mit Gewalt werdet ihr das Volk mit keiner Wohllhat be- glücken, mit Gewalt werdet ihr ihm keinen Fortschritt auf- erlegen. EL giebt nichts Lebensfähiges, nichts wahrhaft Fort- schreitendes, als das, was durch das Volk selbst erzeugt ist, und was in Folge dessen sich als sein überlegter Wille zeigt. DaS ist die Verneinung der Lehre der neuen Jakobiner, die verkünden, daß dem unwissenden Volke das Glück auf er« legt werden müsse la Hegel), und die davon logisch zu einer andern Dictatur folgern. Run, eS wäre abgeschmackt, wenn die Männer der Ar- beiterpartei selbst sich als Propheten erhöben und erklärten, daS Volk führen zu wollen!„Die Befreiung des Volkes muß durch dieses selbst geschehen." Die Befreiung wird sonach auf sich warten lassen; aber andererseits, anvertraut den weisen Dekreten der Centralgewalt, die wesentlich der bürger- lichen Oligarchie angehört, würde diese Befreiung ewig auf sich warten lassen. Diejenigen, die dagegen die Doctrin oder vielmehr daS Aus- kunftsmitrel des Fortschritts von oben her annehmen, sind die auf eine Viertelstunde Jakobiner gewordenen Liberalen! Aber habt nicht Furcht, diese Leute bleiben immer treue Söhne der Manchesterschule; sie haben immer die„absolute Freiheit"— für sich selbst gepredigt und die Staatshandschellcn für ihre Sklaven. Jetzt nehmen sie die Bundesccntralisatkon an; sie erklären sich, indem sie patriotisch die Feder des„Genfer Journals" schwingen, für warme Parteigänger des Fortschritt« von oben her; sie wissen nämlich, daß Alles, was von oben her kommen wird, durch sie und für sie allein gemächt und bestimmt sein wird, alle» Bestrebungen von unten her einen Maulkorb anzulegm. V. Die Bilanz der Wohlthaten der Revision für die Arbeiten Woher kommt es doch, daß ein Theil der schweizerischen Arbeiter sein ganzes Vertrauen in die Bundesreformen setzt und von ihr die Verbesserung seinesjLooses erwartet? Hat dieser Theil der Arbeiter auch nur ein wenig die Debatten in den Bundeskammern verfolgt, hat er konstatirt, woher alle reformatorischen Tendenzen der Centralisirer kommen und wohin sie gehen?„Die Einheitlichkeit der Gesetze", die nur von einer Gesellschaft schweizerischer Juristen verlangt worden ist(gestützt durch die Ermunterungen junger schweizerischer Bourgeois, welche Jurisprudenz aus deutschen Universitäten studiren), diese Einheitlichkeit hat im Auge vor Allem und ein- zig die Interessen des Handels. Alle die sehr energischen Verthcidiger dieser Einheitlichkeit haben eS formell und zu wiederholten Malen gesagt*): Der Handel ist es, der diese Ein- heitlichkcit verlangt, um einige Unbequemlichkeiten des finan- ziellen Verkehrs zu beseitigen! Und für dieses ausschließlich der Tafel der Handelstrcibenden zugerichtete Linsengericht muß die Volkssouveränität abdanken, muß die föderative Organisation leichtsinniger Weise geopfert werden! Ach, wenn die Einheilsmacher etwas für das Volk thun wollten, warum sind sie nicht logisch gewesen und haben ihre Einheiismacherci auf alle Gebiete des politischen und sozialen Lebens erstreckt? Warum haben sie, so revolutionäre Jakobiner, wenn es sich darum handelte, mit den so- derativen Institutionen zu brechen, plötzlich angehalten, er- schreckt vor der Geldfrage? Warum wurden diese selben Re- volutionärc furchtsam, als es sich darum Handelle, die finan- ziellen Mittel zur Ausführung ihrer glänzenden, ccntralisiischen Reformen zu finden? Als inan dahin gelangt war, eine Bundes- st euer auf das bewegliche und unbewegliche Gut und auf das Einkommen zu legen? Und warum beeilten sie sich zu erklären, daß dies„vielleicht in eine gefährliche Bahn eintreten hieße."** Warum, als es sich selbst um einen der einfachsten Ge- neralvoronschläge handelte, als, von der gerichtlichen Reform sprechend, ein Mitglied der Kommission deS Rationalraths den folgenden Vorschlag machte:„Die cantonalen Gksetze müssen Denen, die sich an die Gerichte wenden, ein einfaches, schnelles und wenig kostspieliges Verfahren sichern. Es ist keine Kau- tion von einem in der Schweiz domicilirten Kläger zu ver- langen. Die cantonalen Gesetze, die die Bundesversammlung oder das Bundcstribunal als diesen Bestimmungen entgegen- stehend erkennen wird, müssen modifizirt werden."***)— Warum wurde eine ähnliche Bestimmung verworfen, obwohl ihr' Prinzip der Arbeiterklasse viel mehr versprach, als manche vagen und unbestimmten Bestimmungen der neuen Ver- fassung? Warum hat man nicht gewagt, die Ehe von den kirch- lichen Zangen zu befreien, noch von dem Mißbrauch der vor- mundschaftlichen Autorität, die immer die Mittel finden werden, die nämlichen skandalösen Verhinderungen auszuüben, die die Revision beseitigen zu wollen vorgiebt? Warum hat man nicht gewagt, die Frau und die Wittwe von der permanenten Vor- mundschofl zu befreien, indem man die unerträglichsten Ver- folgungen in mehreren Cantonen gestattete?s-) Warum ist in dem Artikel 44 über die Niederlassung die letzte Klausel beibehalten, betreffend die„Kanzleisportcln, die zu zahlen sind, um eine Erlaubniß zur Niederlassung zu erhalten," und solches trotz der beredten und ernsthaftesten Beweisgründe einiger Redner gegen diese Sporte!, die mit ihrem ganzen schweren Druck auf der Arbeiterklasse lastet?"1"s) Ja! Ihr werdet ein allgemeines schweizerisches Nieder- lassungsrecht haben, proklamirt durch die Revision, aber Ihr werdet auch das Schauspiel von Schweizerbürgern haben, die von allen Cantonen ausgetrieben sind, und die überall die Ver- Weigerung des Niederlassungsrechts erdulden müssen, weil in Folge einer langen Krankheit oder eines unheilbaren Gebrechens sie„in dauernder Weise der öffentlichen Wohlthat zur Last fallen," rc.(Art. 44,2). Die Bundesgesetzgeber haben kein anderes Mittel gewußt, das Elend zu erleichtern. Aber außer dem Allen wird der Art. 44 vollständig durch ten Artikel 46 aufgehoben:„Ein Bundesgesetz wird den Unter- schied feststellen zwischen der Niederlassung und dem Ausenthalt und wird gelegentlich die Regeln fixiren, denen die sich in Aufenthalt befindenden Schweizer unterworfen sind, sowohl was ihre polnischen als was ihre bürgerlichen Rechte be- trifft." Wissen die Arbeiter der deutschen Schweiz, was die Trag- weite dieses„bezeichnenden" Artikels ist? *) Man müßte eine ganze Studie über die die Einheitlichkeit des Civitrechis belressenden Debatten machen; wir bedauern lebhaft, daß der Mangel an Ätaui. uns hier nicht erlaubt, die Beweisslücke der Einheilsmacher zu prüfen; man würde sehen, daß das einzige in Frage gestellte Interesse das oder die Interessen des Handels sind, und die Herren Bigier, Kappler, Barel und Andere haben nur von der Roth- wendigkeit der Bereinigung für die commerciellen Vergleiche, für die Fallimente, für den Wechsel mit dem Auslande und für die Obliga- tionen gesprochen.„Deutschland hat sich aller Verschiedenheiten mit einem Male entledigt", rief Bigier,— welch' artiger Schlag!— Kapp- ler citirt das Beispiel Frankreichs von 1789.„Das Land war einst in Provinzen getheilt. Frankreich ist dahin gelangt, sein Recht ein- heitlich zu machen." Der Redner hat vergessen, daß es zu dieser Ein- heitlichkeit durch die tiefste und heftigste Revolution gekommen ist und daß gerade dies« Einheitlichkeit, vollendet durch Napoleon, das Unglück Frankreichs, die Verirrung der Revolution von ihrer wahren Bahn war. Durch den von der Constiluanle gegen das Leben der Provin- zen gerichteten Schlag marschirte die Aevvlulion schnell, indem sie auf dem Schassot die söderalistische Idee der Girondisten erstickte, zur kai- sertichen Eentralisation. Was Herrn Barel betrissr, so hat er, um das Bedürsniß der Einheitlichkeit zu beweisen, zur Ciration eines in Genf 1866 erschienen Meinoires zurückgreifen müssen, worauf Fazy ihm ge- antwortet hat:„Das Memoire, von den, Herr Barel einen Auszug citirt hat, ist durch die Handelskammer redigirt worden, die von gro- ßen Geschäftsleuten und Aristokraten zusammengesetzt ist, die nur ihr eigenes Interesse zu fördern und das des Volkes zu zerstören suchen." **) Protokoll der Verhandlungen der Commiision des National- Raths, P. 84-89. *'•) Ebenda p. 25. t) DaS Verlangen dieser �Reformen fand sich in der Proposilion Lxtet'».(Sitzung deS Nat.-R. vom 19. Dezbr. 1871.) tt)„Die Eportel", sagte Berthoud aus Neuenburg,„die bezahlt wer- den muß für die Erlaubniß zur Niederlassung, ist eine Schranke, die noch umgestürzt werden muß. Wie kann man eine so unpopuläre Steuer auftecht erhallen, die ausschließlich die am wenigsten gut ge- stellte Klasse trifft, die Arbeiter, die gezwungen sind, ihre Famlie und ihr Land zu verlassen, um ihr Brod verdienen zu können? Diese Steuer ist um so drückender für dieselben, als sie schon Mühe haben, �gewöhnliche Steuer bezahlen zu können."(Staatsraih- Bulletin Ach! Die Bundesgesetzgebcr könnten sich gut in Akade- miker umwandeln; nach langen Debatten haben sie nicht dahin gelangen können, den Unterschied zwischen Niederlassung und Aufenthalt feststellen können und deßhalb haben sie die ethy- mologische(ivortforschende) Frage der Bundesgesetzgebung über- wiesen! Aber da der Bundesrath in diesen Dingen seine Erstan- ficht giebt, so können wir im Voraus sagen, in welcher Weise er diesen Unterschied feststellen wird. Wir haben dafür die offiziell erlassene Ansicht eines Mitgliedes des Bundesralhs: In der Sitzung deS Staatsraths vom 1. Februar 1872 behauptete der Bundesrath Knüsel bei Gelegenheit verschiedener Vorschläge in Betreff der Niederlassung,„daß der Fortschritt, den inan verwirklichen will, nicht zu weit gehen darf, damit die öffentliche Ordnung nicht gestört werde...; man dürfe nicht auf gleichen Fuß die in Aufenthalt befindlichen und an- sässigen Bürger stellen... Der Nalionalrath hat diese Unterscheidung mit 75(!) Stimmen gegen 21 aufrecht erhallen. In der Mehrzahl der Fälle hat der ansässige Bürger eine Familie und ist daran interessirt, daß der Ort, wo er sich niedergelassen, prosperire; er hat oft die Absicht, lange Zeit oder selbst immer an diesem Ort zu bleiben. Es giebt außer- dem sich nur aushaltende Bürger, die nur während kurzer Zeit einen bestimmten Ort bewohnen, wie Studenten, Handwerker, Arbeiter, die keinerlei Anhänglichkeit an denselben haben(!). Die zwei eben erwähnten Kategorien v»n Bürgern dürfen nicht auf dieselbe Weise behandelt werden. Ein Bürger, der sich niedergelassen hat, ist, wenn man ihn austreibt, in Gefahr, seine ganze Stellung ruinirt zu sehen, während ein sich blos aufhaltender Bürger wenig oder gar keinen Schaden(?) von einer ähnlichen Maßregel empfinden wird!*)" Es lebe die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz! So begreift also die Centralgcwalt die Interessen der Arbeiter und auf eine so traurige Spielerei reduzirt sich die famose Nieder- lassungsfreiheit für die zahlreichste Klasse des Landes! Und um noch besser zu zeigen, daß eS die soziale Fra ge sein wird, die die Ausmerksamkeit der Centralgewalt in Anspruch nehmen wird, vervollständigt Herr Bundesrath Knüsel**) die oben gegebenen Erläuterungen, indem er einige Bemerkungen über die Arbeitseinstellungen macht, die in letzter Zeit ausgebrochm sind.„Bei dieser Angelegenheit haben eine Menge fremder mehr oder weniger zu empfehlender(verdäch- tiger) Arbeiter den niedergelasseneu Arbeitern gewaltsain(!) die Mittel, zu arbeiten, entzogen. Der Redner glaubt, daß es schädlich sein würde, unter solchen Umständen die Austreibung fremder Arbeiter zu verhindern!!!" Man kann h'er wohl bemerken, welche rührende Harmonie zwischen einem Gesetz und einer Armee herrschen wird!... Man sieht, welche rührende Sorgsalt die Arbeiterklasse hervorruft! Aber vielleicht wird man, obwohl man das Nie- derlassungsrecht den Vätern verweigert, für die Kinder sorgen?— Ist es vielleicht der Artikel über die Kinderarbeit, der uns Genuglhuung geben kann? Stellt dieser Artikel irgend etwas positiv fest? Sind es die Fabrikanten oder die Arbeiter, die später dieses Gesetz machen werden? Ist die Bundesein- Mischung in die Verhältnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeiter nicht einfach die Legalisirung der Gesinnungen und der In- teressen der Kapitalisten gegenüber den Arbeitern? Hat ein neueres Beispiel nicht gezeigt, wie die gegenwär- tigcn Gewaltträger sich in der Arbeiterfrage verhalten? Dies Beispiel ist uns durch die Berner Regierung ge- geben worden, die sich weigerte, das Reglement des Vereins der Graveure aus dem Distrikt von Courtelary anzunehmen, weil dies Reglement Artikel in Betreff des Widerstandes der Arbeiter gegen die Ausschreitungen des Kapitals enthielt! Uebrigens würde es genügen, den schweizerischen Arbeitern etwas die Geschichte der englischen Gesetzgebung in Betreff der Arbeit in Fabriken und in letzter Stelle in Betreff der Trndes unions zu vergegenwärtigen, um sie zu überzeu- gen, daß einestheils ein riesenhafter Kampf von einigen 8» Jahren nöthig war, um einiges Gute in diese Gesetzgebung einzuführen, daß anderntheils sich die Verhältnisse zwischen Kapital und Arbeit in einem solchem Grade zugespitzt haben, daß das kapitalistische Parlament sich beeilte, drakonische(über- aus strenge) Gesetze gegen die Arbeiter zu erlassen. In unsrer Zeit werden die Arbeiter eine ernstliche Besse- rung ihrer Lage nur dann erreichen, wenn sie durch die Ge- walt ihrer Organisation und durch ihre vereinten Bemühungen selbst zur politischen Macht gelangt sein werden. Doch diese politische Macht— wir haben es am Anfang gesagt— ist leichter in den Cantonen, als ini centralisirten Staat zu er- reichen.. Bis dahin werden alle Gesetze, welche die ausschließlichen Vertreter der Bourgeoisklasse machen werden, nicht zu Gunsten, sondern gegen das Interesse der Arbeiterklasse gemacht werden. Halt! werden uns da unsre Freunde zurufen, wo bleibt das Referendum und die Initiative? Wir werden jetzt das Bun- desreferendum haben! Schönes Referentum in der That! Kö- der und Heuchelei! „Die Bundesgesetze und die Bundesbeschlüsse, die keinen dringlichen Charakter haben, werden der Annahme oder der Verwerfung unterbreitet, wenn das Verlangen darnach von 50,000 Bürgern, oder von 5 Cantonen gestellt ist." Liegt eS nicht auf der Hand, daß man immer, wenn es nach den Bundeserwägungen nothwendig sein wird, projektirten Gesetzen einen dringlichen Charakter wird beilegen können? — und damit ist Alles gesagt. Und dann, besitzt die Arbeiter- klasse die Leichtigkeit und die Muße, sich mit der Sammlung von 50,000 Unterschristen zu beschäftigen? Kann man endlich mit diesen 50,000 Unterschriften durch das Recht der Initiative dieses oder jenes Recht abschaffen?— Ja, aber der Artikel 90 schickt die Frage wieder an die Bun- desgesetzgebung zurück, um„die Formen und Fristen fest- zustellen, die zu beobachten sind für die Ausübung des Rechts, der Initiative und für die Volksabstimmungen." So bleibt also Alles ungewiß, und man drängt das Schweizervolk, das Tau zu zerhauen und die Barke der politischen Verfassung in dieser Zeit der Stürme und Unwetter in unbekannte Wogen zu stoßen! *) Bulletin des StaatSralhs p. 295. ••) Ebenda p. 941. YL Die widerlegten Allianzen Ultramoutane und MomterS.*) Ein alter Schrei vereinigt sich noch mit dem Enthusias- mus des Tages: es ist nicht allein„eine Armee und ein Recht", was wir ausrufen hören, es ist auch der Krieg gegen den Ultra- montanismus! Aber einerseits bildet dieser Kriegsruf ein eigenthümliches Echo zu den patriotischen Deklamationen Bis- marcks und seiner Eisenmänner; und andrerseits fragen wir uns, wozu es gut sein kann, die confessionellen Kämpfe auf dem schweizerischen Boden neu zu beleben? Diese Kämpfe sind das Zubehör der blutigen Epoche der Vergangenheit; was jetzt alle alten Fragen verdrängt, ist die öconomische Frage.— Von ihrer Lösung hängt ebenso die Niederlage des Ultramontanis- mus, wie die Zerstörung des Aberglaubens, der Vorurtheile und anderer Mißbräuche ab, die dazu dienen, das Volk auszu- beuten. Was macht die Kraft des Ultramontanismus? Ist es nicht das Elend, in das das Volk getaucht ist? Was erhält das Volk in der Unwissenheit, auf welche der Ultramontanis- mus spekulirt? Ist es nicht wieder das Elend? Ist es nicht das Elend, die Furcht sich der Arme seiner Kinder zu berau- ben, die die Männer des Volks dazu gedrängt hat, gegen das so schöne Gesetz über de» öffentlichen Unterricht in Zürich zu stimmen? Das ist der fchlerhafte Kreis und ihr werdet nicht eher aus demselben heraustreten, als bis ihr nicht die öconomische Frage in Angriff nehmt. Was speziell den Vorwurf betrifft, der den Genfer Arbei- lern gemacht wird, daß sie in der Frage der Bundesrevision ge- meinsame Sache mit den Ultramontanen machen, so denken diese Arbeiter mit Recht, daß die„Mummerei"**) eben so viel gilt, als der Ultramontanismus, und daß: mit den Ultramontanen oder mit den politischen Anhängern oer schlimmsten der schweizerischen Reaktionen unter der Fahne des revistonscifrigen Genfer Jour- nals zu gehen, zwei Alternativen sind, die sich die Waage halten und in- Betreff deren man Unrecht lhäte, wenn man davon eine beleidigende Solidarität folgern wollte, um sich dessen als po- lemischen Arguments zu bedienen. Hier können wir unsre Betrachtungen schließen, aber wir machen uns eine Pflicht daraus, zuzufügen, daß wir nicht zwei- sein, daß es in dem rc visionsfreundlichen Lager viele den Volks- interessen ergebene Männer giebt, die aufrichtig glauben, daß das un it aristis che(Einheits-) Prinzip das Gedeihender Schweiz sichere. Wir lasse/, ihrer Ehrlichkeit Gerechtigkeit wieder'ihren, aber wir beklagen bitter ihre unheilvolle Verblendung in Rücksicht auf die Schweiz und die Demokratie im Allgemeinen. VII. Die Mission der Arbeiterklasse. Nieder mit dem Racenstreit! Was auch komme, die Lärmmacher der einen oder der andern Partei dürfen nicht spckuliren können auf das Unglück und die Mißverständnisse, die sich zeigen in dieser einzigen und allen Völkern so theuren schweizerische» Repuhlik!— Wird die Revision verworfen, müssen die aufrichtigen Revisionsfreunde be- greifen, daß sie sich in eine falsche Bahn eingelassen haben, sie müssen trachten, dem Volk gewissenhaft auf einem andern Felde zu dienen. Wird die Revision angenommen, so dürfen die treuen Parteigänger des Föderalismus nicht an der Schweizer Republik verzweifeln und sie nicht heftigen Meinungsverschiedenheiten und den Gefahren des Racenkampses zur Beute werden lassen.— Die republikanischen Sitten und die politische Erziehung der schwei- zerischen Nation können und müssen der schweizerischen Republik die feierliche Lösung der Schwierigkeiten und der vorübergehen- den Jrrthümer sichern. Hier ist die Arbeiterklasse der Schweiz berufen, eine schöne Rolle zu spielen. Die mächtige Propaganda unsrer Prinzipien bekämpft allen Racenstreit und verwirft die schrecklichen Kämpfe nationa- len Racenstreiles, die genährt sind durch■ die egoistische Beschränktheit oder die-verbrecherische Hetzgier der privilegirten Klassen. Mögen also die Arbeiter der Schweiz— des romanischen wie des deutschen Theils— einig bleiben vor wie nach der Revision. Mögen sie sich zu jenem andern großen Kampf vorbereiten, der darin besteht, nicht Waffen zu nationalen Kämpfen zu schmieden, sondern die moderne Gesellschaft von den Mängeln zu befreien, die die sozialen Kämpfe veranlassen. Mögen sie vor Allem an ihrer Organisation arbeiten, da durch diese Organisation, unterstützt von einer ernsten und be- sonnenen Propaganda, sie dahin gelangen werden, den politischen Platz einzunehmen, der ihnen unter den verschiedenen Elemen- ten der gegenwärtigen Gesellschaft gebührt;— dann werden sie eint andre Revision zu vollziehen haben, die bestimmt ist, nicht allein den Nationalitätenhaß zu beseitigen, sondern auch den Klassenhaß. Sie werden dann sehen, was es zu thun gicbt in Betreff der progressiven Einkommensteuer, des Kredits für Pro- duktivgenossenschaften, industrielle wie landwirthschaftliche, der Errichtung combinirter Volksschulen, mit der Möglichkeit, sich darin sein Brod zu verdienen jc., und sie werden so die Bahn zur ernstesten und dringendsten aller Refonnen anbahnen, zur Sicherung des Gesammtertrages der Arbeit für die Arbeiter und zur Vernichtung der Parasiten! Arbeiter! Eine Organisation, NN Ziel! Bleibt daher einig und laßt Euch nicht theilen! In die- fem Sinne haben sich die Genfer Arbeiter an ihre Brüder der deutschen Schweiz gewendet, damit alle Arbeiter-Bürger der Eid- genossenschaft zur Urne marschiren mit denselben Gesinnungen und derselben Ueberzcugung. Wenn dieser Brief zu diesem glücklichen Resultat beitragen könnte, würden unsre Wünsche er- füllt sein. Es lebe die Arbeiter-Solidaritäl! Es lebe die Föderativ-Republik! Es lebe die schweizerische Eidgenossenschaft! *) Wörtlich Mummerei Treibende; spottende Benennung einer Methodislenpartei in Genf und Waadtland.(Anmerk. des Uebers.) *) Die Umtriebe der strengen Methodistenpartei,(»um. des Uebers.)_■_ Leipzig: Berantw. Redakteur A. Muth.(Redaktion und Ex- pedition Hohestr 4.) Druck und Verlag von F. Thiele.