krschtini wöchentlich 2 Nal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle stostanstalten und Buchhand- Hungen de» In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Be- stcllungen an: die Expedition, Hohestraße 4. die Genossenschafts- achdruckerei, Zeitzerstraßs 44. Bebel, Peterstraße 18. Müller, Bayerschestraße Sd, III. Für Preußen incl. Stempe stcuer 17 Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten 12'/» Sgr. pro Quartal, pro Monat 4>/2 Sgr. Für Leipzig und Umgegend pro Quartal IL Ngr. Filialexpcditionen für die Ver- einigten Staaten: F. A. Sorge, Vor 101 Uodoken, H. J, ▼ia Newyork. G. A. Lönnccker, 155 Vf. Lake Chicago(Hl.) OrgandersozialdemokratlschenArbeiterparteiundderwtmlationalenGetiierksffenossenschaften. Nr. 104. Sonnaöend, 28. Dezember. 1872. Abonnements- Einladung. Mit dem 1. Januar 1S73 beginnt ein neues Abonnement auf den„Volksstaat". Wir ersuchen die verehrlichen Leser, das Abon- nement auf das Blatt sofort erneuern zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zusendung emtritt. Der Preis des BlatteS ist wie bisher per Quartal 12'/- Ngr. wozu in Preußen noch der Zuschlag für den Zeitungsstempel kommt— bei wöchentlichem zweimaligem Erscheinen. Kreuzbandsendungen für Teutschland und Ocstreich kosten für 1 Exemplar per Quartal 25 Ngr., für die Schweiz 1 Thlr., für Frankeich, Belgien, England:c. 1 Thlr. 8 Ngr. Zahlung pränumerando. Ein Rückblick. Das Jahr neigt sich zu Ende. In jeder ordentlichen Wirth- schaft ist eS Sitte, am Schlüsse des Jahres die Bilanz zu ziehen, Gewinn und Verlust zu vergleichen und zu erwägen, welche Maß- regeln getroffen werden müssen, um Verluste möglichst zu vermei- den und bessere Resultate zu erzielen. Aehnlich wollen auch wir handeln. Für die Allgemeinheit ist daS Jahr ruhig verlaufen. Erschiit ternde Ereignisse von tiefgreifender Bedeutung für die politische oder ökonomische Entwickelung unserer Zustände sind nicht einge- treten. Das politische Leben ging im gewohnten Geleise. Hier und da zankte und stritt sich die Bourgeoisie— nur nicht im Ernste— mit der Staatsgewalt um mehr oder weniger großen Einfluß. „Gründer" und Solche, die es werden wollen, benutzten ihre Macht auf den Ministerstühlen oder in den„Volksvertretungen", um auf Kosten des arbeitenden Volkes neue Schätze anzuhäufen. Die Bour- geoisie hielt bei dem im Ganzen flotten Geschäfte ihre gute Ernte, so sehr sie auch über die unmäßigen Lohnforderungen der Arbeiter schrie. Für die Arbeiterklasse hat das verflossene Jahr keine materiellen Gewinne gebracht. Gelang es auch einer Anzahl Branchen, in Folge günstiger Geschäftskonjunkturen, die Löhne in die Höhe zu schrauben, so standen diese immer noch nicht in einem annähernd ausgleichenden Berhältniß zu den ebenfalls gestiegenen Mieths- und Lebensmittelpreisen. Andere Brauchen dahingegen, z. B. die Web- und Manufakturarbeiter, leiden unter vermehrter Konkurrenz doppelt s hart; ja, sie ftisten nur mühselig das Dasein. Wie auf dem ökonomischen, so ist auch auf dem politischen Ge- biet keine nöimenswerthe Verbesserung der Lage der Arbeiterklasse errungen, wol aber ist Vieles gegen sie gethan worden. In Preußen ist unter dem Jubel der„Liberalen" eine Kreis- ordnung zu Stande gekommen— eine mit Liberalismus und Feu- dalismuS verquickte Mißgeburt—, nach welcher die grundbesitzende und iudustrielle Bourgeoisie sich in die Herrschaft«heilen und die arbeitenden Klassen als steuerzahlende Masse behandelt werden. In Hessen wurde ein neues Wahlgesetz geschassen mit indirekter Wahl und Steuercensus, bei dem im günstigsten Fall die Arbeiter- klasse als Stimmvieh figurirt. Sachsen, das fa nie zurückbleiben darf, wo es gilt, Etwas „für das Wohl des Volkes" zu leisten, erhält ein Gemeindegesetz, welches das knappe Wahlrecht der Arbeiterklasse noch mehr als bis- her verkümmert und die von den Wogen des Sozialismus zer- bröckelte Macht der Bourgeoisie künstlich zusammenleimt. Und der Reichstag, jene„segensreiche" Schöpfung des Genialen? Er schuf ein Militärgesctz mit drakonischen Bestimmungen für den Sohn des„gemeinen" Mannes, und ein Jesuitengesetz als Vor- läufer eines— Soziali sie nverfolgungsgesetzes. Damit aber neben dein Großen auch daS Kleine zur Geltung komme, haben unsere meist aus Bourgeois zusammengesetzten Ge- meindevertretungen neue Defizits und erhöhte Steuern registrirt, für welche die Arbeiterklasse zunächst und zumeist auszukommen hat. Hand in Hand mit der Rücksichtslosigkeit gegen die Interessen der Arbeiterklasse ging die Vergewaltigungssucht der Regierungen — voran der Sächsischen. Unsere Partei ist eine noch junge, aber sie hat die Ehre, die am meisten verfolgte zu sein. Einkerkerungen und Ausweisungen, unmäßige Geldstrafen, Auflösung unserer Organisationen, Verfol- gung unserer Parteiorgane, Unterdrückung unserer Versammlungen, kurz jedes der herrschenden Gewalt zur Verfügung stehende Mittel wurde angewandt, uiiS zu vernichten. Aber stolz und muthig und siegesgewiß steht die Partei auftecht und ist bereit, im neuen Jahre mit verstärkter Kraft den Kampf zu führen, die Massen sich zu erobern. Eine Reihe neuer Orte mit neuen Kämpfern sind der Partei beigetreten; die Parteiorgane haben eine immer weitere Verbreitung erlangt; in einer erheblichen Anzahl von Gemeindewahlkämpfen hat die Partei glänzende Siege erfochien; große Summen sind für die Unterstützung unserer politisch gemaßregelten Parteigenossen zusammen- gebracht worden. Das sind Erfolge, auf welche die Partei stolz sein kann. Aber die Lichtseite hat auch ihre Schattenseite; und unsere Pflicht gebietet, auch diese rückhaltslos zu besprechen. Unsere Parteiorganisation hat nicht diejenigen Fortschritte ge- macht, die sie machen konnte, die sie machen mußte, wenn sie ihre Aufgabe voll und ganz erfüllen sollte. Unsere Partei steht auf der äußersten Linken. Mächtige Gegner bekämpfen sie. Die Nothwendigkeit gebietet die Anspannung aller Kräfte, um stark, um unüberwindlich zu sein. Stark aber können wir nur sein in der festen Vereinigung, in der möglichsten Cen tralisation der Kräfte. Die Partei hat ihren Ausschuß gewählt mit dem Auftrag, seine Hauptthätigkcit auf die Ausbreitung der Partei in neue Orte und Gegenden zu legen. Der Ausschuß kann seine Aufgabe nicht er- füllen ohne genügende Mittel, und diese zu beschaffen, ist von der Partei bisher entschieden vernachlässigt worden. Der§ 2 unserer Parteiorganisation lautet:„Jedes Mitglied der Partei hat einen monatlichen Beitrag von 1 Groschen(3'/- Kr. südd., 5 Kr. österr., 12 Cent.) für Parteizwecke zu entrichten." Der größte Theil der Parteigenossen hat diesen Beitrag nicht entrichtet. Orte, die ihren Lohnverhältnissen und ihrer Mitglieder- zahl nach entschieden mehr leisten konnten, ließen sich von unfern Parteigenossen im schlesischen Riesengebirge, die unbedingt die Aermsten in der Partei find, tief beschämen. Das ist unverantwortlich, und es muß anders werden. Andere Orte, und ihre Zahl ist ebenfalls nicht gering, die ihre Pflicht zu erfüllen im Stande waren, hatten die Pflichtvergessen- heit, sich Monate lang als Restanten in den Steuerlisten aufführen zu lassen. Was soll man dazu sagen, daß Orte wie Barmen, Burgstädt, Döbeln, Elberfeld, Grimma, Lausigk, Mylau, Giengen in W., Solingen, Saalfeld, Waldheim, Werdau, Zwickau und andere als Restanten aufgeführt werden? Haben die Parteigenossen an den betreffenden Orten keinen Funken von Pflichtgefühl, daß sie ihre Pflicht so vernachlässigen? Es ist die größte Ungerechtigkeit, der Parteileitung Saumseligkeit vorzuwerfen, die höchste» Ansprüche für Agitation u. dgl. zu erheben und andererseits Alles zu unter- lassen, wodurch die Parteileitung in den Stand gesetzt wird, ihre Pflicht zu erfiillen. In diesem Punkte— mit der regelmäßigen und ausreichenden Steuerzahlung an den Ausschuß— haben die meisten Orte schwer gesündigt. Wir wiederholen: daS darf nicht so bleiben, das muß anders werden. Noch ein anderer unverzeihlicher Fehler ist gemacht wor- den. Ein großer Theil der Orte hat eS an Agitation in seiner Umgebung nicht fehlen lassen; neue Leser für die Parteiorgane wenn auch oft nicht genügend— und neue Gesinnungsgenossen sind gewonnen, aber wenig neue Parteigenossen. Hierin unter- scheiden wir scharf. Jeder, der unsere Gesinnungen theilt, die Parteiorgane liest, bei Wahlen uns seine' Stimme gibt, ist uns an- genehm, aber doppelt angenehm ist er uns, und seine volle Pflicht erfüllt er nur, wenn er sich auch der Parteiorgani sation anschließt und seine Steuern bezahlt. Lassen wir es ruhig geschehen, daß Staat und Commune uns mit hohen Steuern belasten, ohne unö zu ftagen, ob wir mit deren Verwendung einverstanden sind, so müssen wir auch freiwillig eine monatliche Steuer von einem Groschen sür die Ausbreitung UN- serer Partei aufzubringen im Stande sein. Der Ausspruch Montecueuli's lautet: Zum Kriegführen gehört erstens Geld, zweitens Geld und drittens Geld. Nun, unsere Partei führt auch Krieg, sie kann des Mittels hierzu so wenig ent- kehren wie der Kaiser von Deutschland oder Herr Thiers. Thalsache aber ist, daß die Parteigenossen bisher für den An- schluß an die Organisation und die Pflichterfüllung gegen die Or- ganisation viel zu wenig gethan haben. Es ist z. B. kein ehrendes Zeugniß für Leipzig, daß der Aus- schnß zweimal im„Volksstaat" ausfordern niußte, Vertrauensmänner für Neuschönefeld und Connewitz zu wählen, d. h. für Orte, die vor den Thoren der Stadt liegen. Es ist ferner eine Schande, wenn in dem Verzeichniß der Partei- orte nicht viel über hundert Namen stehen, wo doch die Zahl mit Leichtigkeit mehr als verdoppelt werden könnte; wenn die Hauptorte nichts thun, um die Nachbarorte, in denen Parteigenossen in Menge wohnen, zum Anschluß an die Parteiorganisation zu veran lassen. Wir wiederholen zum dritten Male: das darf nicht so bleiben, daß muß anders werden. Unsere Parteiblätter in Braunschweig, Chemnitz, Dresden, Crimmitschau, Nürnberg-Fürth verössentlichen beständig Anzeigen von Volksversammlungen in ihrer Umgebung, und berichten über neue Ausbreitung der Partei, aber die Parteiorganisation ist leer ausgegangen und dem Ausschuß ist kein Pfifferling zugeschickt worden. Wir haben stets gegen Andersmeinende die Gründung von Lokalblättern als einen großen Fortschritt für die Partei ver- theidigt und sind auch heute noch dieser Meinung. Sie zeugen von der zunehmenden Kraft und Intelligenz der Partei und dringen aus einem bestimmten Umkreis in einer Breite und Tiefe in die Massen, wie eS ein allgemeines Organ nicht vermag. Aber wir müssen auch offen aussprechen, daß die Lokalblätter ihre Pflicht: für die Parteiorganisation zu wirken, nicht erfüllt haben. Auch hier ist Besserung dringend nöthig. Unsere Parteigenossen sollen nicht in selbstgefälliger Beschaulich- keit sich der Freude über die Erfolge hingeben, die sie errungen, sie müssen der Partei immer neue Gebiete zu erschließen suchen. Von dem Maß unserer Anstrengungen hängt der Erfolg ab. Der Parteileitung nussstu tüchtige agitatorische Kräfte zur Ver- fügung gestellt werden, wenn unsere Prinzipien in immer weitere Kreise getragen werden sollen. Die Männer aber, die eine ge- sicherte Existenz preisgeben, ihre Kraft, ihre Person, ihre Freiheit für die Partei einsetzen— die vollen Gefängnisse legen Zeugniß dafür ab— müssen wir auch ausreichend unterstützen, das ist um sere Pflicht und Schuldigkeit. v Wir dürfen also den Ausschuß nicht ohne Mittel lassen, oder ihm nur das zusenden wollen, waö uns zufällig übrig bleibt. Wir müssen uns vielmehr zur strengsten Pflicht machen, regel- mäßig unsere Steuern an ihn abzuliefern und alle GesinnungS- genossen zum Anschluß an die Parteiorganisation veranlassen. In diesem Sinne sollen auch alle Parteiorgane wirken. Sie können hier unendlich viel thun und sie müssen es thun, wollen sie ihrer Aufgabe in der Partei gerecht werden. Handeln die Parteiorgane und unsere Parteigenossen entschlossen in diesem Sinne,— und wir erwarten dies bestimmt— setzt Jeder seine ganze Kraft ein, dann werden wir unserm Rückblick im nächsten Jahre kein„Aber" anzuhängen brauchen. Die dann bevorstehenden Reichstagswahlen werden unsere Partei wohlgcrüstet und wohlvorbereitet nach jeder Seite hin finden. Agitation und Organisation sei unsere Losung. Im Kampfe nur lebt die Partei, durch den Kampf nur kann sie siegen. Merkt Euch das, Parteigenossen, und handelt danach. Das ist unser Wunsch zum„Neuen Jahr". Wie die Bourgeoisie die Wohnungsfrage löst. Von Friedrich Engels. (Schluß des Art. I.) Unser Verfasser geht nun an die praktische Lösung der Frage- Wie wenig revolutionär der Vorschlag Proudhon'S war, die Arn beiter zu Eigenthümern ihrer Wohnungen zumachen, geht schog daraus hervor, daß der bürgerliche Sozialismus diesen Vorschla- schon vor ihm praktisch auszuführen versucht hatte und noch ver- sucht. Auch Herr Sax erklärt, daß die Wohnungsfrage vollstäne dig nur durch Uebertragung des Eigenthums der Wohnung au di Arbeiter zu lösen sei(Seite 58 und 59). Mehr noch, er verfäll- in dichterische Verzückung bei diesem Gedanken, und bricht in fol genden Begcisterungsschwnng aus: „Es ist etwas Eigenthümliches um die im Menschen liegende Sehnsucht nach Grundbesitz, einen Trieb, den selbst daS fieber- Haft pulsirende Güterleben der Gegenwart nicht abzuschwächen vermochte. Es ist dies das unbewußte Gefühl von der Bedeutung der wirthschaftlichen Errungenschaft, die der Grundbesitz darstellt. Mit ihm bekommt der Mensch einen sicheren Halt, er wurzelt gleichsam fest in den Boden und jede Wirthschaft(!) hat in dem- selben die dauerhafteste Basis. Doch weit über diese materiellen Vortheile reicht die SegenSkraft des Grundbesitzes hinaus. Wer so glücklich ist, einen solchen sein zu nennen, hat die denkbar höchste Stufe wirthschaftlicher Unabhängigkeit erreicht; er hat ein Gebiet, worauf er souverän schalten und walten kann, er ist sein eigner Herr, er hat eine gewisse Macht und einen sichern Rückhalt fitr die Zeit der Roth; es wächst sein Selbst- bewußtsein und mit diesem seine moralische Kraft. Daher die tiefe Bedeutung des Eigenthums in der vorliegenden Frage.... Der Arbeiter, hilflos heute den Wechselfällen der Konjunktur ausgesetzt, in steter Abhängigkeit von dem Arbeitgeber, würde dadurch bis zu einem gewissen Grad dieser prekären Lage entrückt, er würde Kapitalist und gegen die Gefahren der Arbeitslosigkeit oder Ar- beitöunfähigkeit durch den Realkredit, der ihm in Folge dessen offen stände, gesichert. Er würde dadurch aus der besitzlosen in die Klasse der Besitzenden emporgehoben."(Seite 63.) Herr Sax scheint vorauszusetzen, daß der Mensch wesentlich !! Bauer ist, sonst würde er nicht den Arbeitern unserer großen Städte eine Sehnsucht nach Grundbesitz andichte», die sonst Niemand bei � ihnen entdeckt hat. Für unsre großstädtischen Arbeiter ist Freiheit der Bewegung erste Lebensbedingung, und Grundbesitz kann ihnen nur eine Fessel sein. Verschafft ihnen eigne Häuser, kettet sie wieder an die Scholle, und Ihr brecht ihre Widerstandskraft gegen die Lohnherabdrückung der Fabrikanten. Der einzelne Arbeiter mag sein Häuschen gelegentlich verkaufen können, bei einem ernstlichen Strike aber würden sämmtliche den betreffenden Arbeitern gehörenden Häuser zum Verkauf auf den Markt kommen müssen, also gar keine Käufer finden oder weit unter Kostpreis losgeschlagen werden. Und wenn sie alle Käufer finden, so wäre ja die ganze große Wohnungs- reform deö Herrn Sax wieder in Nichts aufgelöst und er könnte � wieder von vorn anfangen. Jndcß, Dichter leben in einer Welt der Einbildung, und so auch Herr Sax, dcr sich einbildet, der en en Grundbesitzer habe„die höchste Stufe wirthschaftlicher Unabhängig- � habe„einen sichern Rückhalt", er würde Kapi- e, keit erreicht", er talist und gegen die Gefahren der Arbeitslosigkeit und Arbeits- jj! Unfähigkeit durch den Realkredit, der ihm in Folge dessen offen � stände, gesichert" u. s. w. Herr Sax sehe sich doch die französischen e|, ,«.-Iii»!«» I f.-ll ,-»t»?(/*>.•<*«*■> V». ll.v«/« I Vv.tv« und unsre rheinischen kleinen Bauern an; ihre Häuser und Felder sind mit Hypotheken über und über beschwert, ihre Ernte gehört/ ihren Gläubigern che sie geschnitten ist, und ans ihrem„Gebiet". schalten und walten nicht sie souverän, sondern der Wucherer, der. Advokat und der Gerichtsvollzieher. Das ist allerdings die denk-, bar höchste Stufe der wirthschaftlichen Unabhängigkeit— für den, Wucherer! Ilnd damit die Arbeiter so rasch wie möglich ihr Häus- � chen unter dieselbe Souveränität des Wucherers bringen, weist sie der wohlwollende Herr Sax vorsorglich auf den ihnen offen stehen- ,e den Realkredit hin, jden sie in Arbeitslosigkeit und Arbeits»»- fähigkeit benutzen können, statt dcr Armenpflege zur Last zu � fallen. jj, Jedenfalls hat nun Herr Sax die Anfangs gestellte Frage ge- löst: der Arbeiter„wird Kapitalist" durch Erwerb eines eignen Häuschens. 0 Kapital ist Kommando über die unbezahlte Arbeit Anderer.�, Das Häuschen des Arbeiters wird also nur Kapital, sobald er es einem Dritten vermiethet, und in der Gestalt der Miethe sich einen tv Theil des Arbeitsprodukts dieses Dritten aneignet. Dadurch, daß � er es selbst bewohnt, wird das HauS gerade daran verhindert�, Kapital zu werden, ebenso wie der Rock in demselben Augenblicks, aufhört Kapital zu sein, wo ich ihn vom Schneider kaufe und anziehe. Der Arbeiter, der ein Häuschen im Werth von tauft-, Thalern besitzt, ist allerdings kein Proletarier mehr, aber man muftzg Herr Sax sein, um ihn einen Kapitalisten zu nennen. pj DaS Kapitalistenthum unsres Arbeiters hat aber noch eine andre . Seite. Nehmen wir an, in einer gegebenen Jndustriegegend sei cö die Regel geworden, daß jeder Arbeiter sein eignes Häuschen be- sitzt. In diesem Fall wohnt die Arbeiterklasse jener Gegend srei; Unkosten für Wohnung zehn nicht mehr ein in den Werth ihrer Arbeitskraft. Jede Verringerung der Erzeugungskosten der Arbeitskraft, d. h. jede dauernde Preiserniedriguug der Lebeusbe- dürfnisse des Arbeiters kommt aber„auf Grund der ehernen Ge- setze der Volkswirthschaftslehre" einer Herabdrückung des Werths der Arbeitskraft gleich, und hat daher schließlich einen entsprechenden Fall im Arbeitslohn zur Folge. Der Arbeitslohn würde also durch- schnittlich um den ersparten Durchschnitts-Miethbetrag fallen, d. h. der Arbeiter würde die Miethe für sein eignes Haus zahlen, aber nicht, wie früher, in Geld an den Hausbesitzer, sondern in unbe- zahlter Arbeit an den Fabrikanten für den er arbeitet. Auf diese Weise würden die im Häuschen angelegten Ersparnisse des Arbeiters allerdings gewissermaßen zu Kapital, aber Kapital nicht für ihn, sondern für den ihn beschäftigenden Kapitaliften. Herr Sax bringt es also nicht einmal auf dem Papier fertig, seinen Arbeiter in einen Kapitalisten zu verwandeln. Beiläufig bemerkt, gilt das oben Gesagte von allen sogenannten sozialen Reformen, die auf Sparen oder auf VeNvohlfeilung der Lebensmittel des Arbeiters hinauslaufen. Entweder werden sie all- gemein, und dann folgt ihnen eine entsprechende Lohnherabsetzung, oder aber sie bleiben bei ganz vereinzelten Experimenten, und dann beweist ihr bloseS Dasein als einzelne Ausnahme, daß ihre Durchführung im Großen mit der bestehenden kapitalistischen Produktions- weife unvereinbar ist. Nehmen wir an, in einer Gegend gelinge es, durch allgemeine Einführung von Konsumvereinen die Lebens- mittel der Arbeiter um 20 Prozent wohlfeiler zu machen; so müßte der Arbeitslohn auf die Dauer dort um annähernd 20 Prozent fallen, d. h. in demselben Vcrhältniß, in dem die betreffenden Le- benSmittel in den Lebensunterhalt der Arbeiter eingehn. Verwendet der Arbeiter z. B. durchschnittlich drei Viertel seines WochenlohnS auf diese Lebensmittel, so fällt der Arbeitslohn schließlich um "A mal 20= 15 Prozent. Kurzum: sobald eine derartige Spar- reform allgemein geworden, erhält der Arbeiter in demselben Ver- hältniß weniger Lohn, als ihm seine Ersparnisse erlauben, wohlfeiler zu leben. Gebt jedem Arbeiter ein erspartes, unabhängiges Ein- kommen von 62 Thaler, und sein Wochenlohn muß schließlich um einen Thaler fallen. Also: je mehr er spart, desto weniger Lohn erhält er. Er spart also nicht in seinem eignen Interesse, sondern in dem des Kapitalisten. Was bedarf es mehr, in ihm„die erste wirthschaftliche Tugend, den Sparsinn---- aus das Mächtigste an- zuregen?"(Seite 64.) Uebrigens sagt uns Herr Sax auch gleich darauf, daß die Ar- beiter Hausbesitzer werden sollen nicht sowol in ihrem eigenen In- teresse, als indem der Kapitalisten:„Doch nicht der Arbeiterstand, auch die Gesellschaft im Ganzen hat das höchste Interesse daran, möglichst viele ihrer Glieder mit dem Boden verknüpft(!) zu sehen (ich möchte Herrn Sax wol einmal in dieser Positur sehen)... der Grundbesitz... vermindert die Zahl Derjenigen, die gegen die Herrschaft der besitzenden Klasse ankämpfen... Alle die ge- Heimen Kräfte, die den Vulkan, die soziale Frage genannt, der unter unfern Füßen glüht, entflammen, die proletarische Verbitte- rung, der Haß... die gefährlichen Begriffsverirrungen... sie müssen zerstäuben wie die Nebel vor der Morgensonne, wenn... die Arbeiter selbst auf jenem Wege in die Klasse der Besitzenden übergehen."(S. 65.) In anderen Worten: Herr Sax hofft, daß die Arbeiter durch eine Verschiebung ihrer proletarischen Stellung, wie sie der Hauserwerb herbeiführen müßte, auch ihren proleta- ? rischen Charakter verlieren und wieder gehorsame Duckmäuser wer- den gleich ihren ebenfalls hausbesitzenden Vorfahren. Die Prou- dhonisten mögen sich das zu Gcmüthe führen. Hiermit glaubt Herr Sax die soziale Frage gelöst zu haben: „Die gerechtere Vertheilung'der Güter, daö Sphinxräthsel, an dessen Lösung sich schon Viele vergeblich versuchten, liegt sie nicht so als greifbares Faktum vor uns, ist sie nicht damit den Regionen der Ideale entrückt und in den Bereich der Wirklichkeit getreten? Und wenn realisirt, ist damit nicht eins der höchsten Ziele erreicht, das selbst die Sozialisten der extremsten Rich- tung als den Gipfelpunkt ihrer Theorien hinstellen?" -(S. 66.) Es ist ein wahres Glück, daß wir uns bis hierher durchgearbeitet i haben. Dieser Jubelruf bildet nämlich den Gipselpunkt des Sax- scheu Buchs, und von jetzt an geht eS wieder sachte bergunter, aus „den Regionen der Ideale" auf die platte Wirklichkeit, und wenn wir unten ankommen, werden wir finden, daß sich Nichts, aber auch gar Nichts in unserer Abwesenheit geändert hat. Den ersten Schritt bergab läßt unS unser Führer thun, indem e er unö belehrt, daß es zwei Systeme von Arbeiterwohnungen gibt: l daS Cottagefystem, wo jede Arbeiterfamilie ihr eigenes Häuschen s und womöglich Gärtchen hat, wie in England, und daS Kasernen- ■ systcni der großen, viele Arbeiterwohnungen enthaltenden Gebäude, < wie in Paris, Wien u. f. w. Zwischen Beiden stehe das in Nord- , deutschland übliche System. Nun sei zwar das Cottagesystem da« [ einzig richtige, und das einzige, wobei der Arbeiter daS Eigen- ; thum an seinem Hause erwerben könne, auch habe das Kasernen- , system sehr große Nachtheile für Gesundheit, Moralität und häus- ;• lichen Frieden— aber leider, leider sei das Cottagesystem gerade , in den Mittelpunkten der Wohnungsnoth, in den großen Städten, � wegen der Bodentheurung unausführbar und man könne noch froh sein, wenn man dort, statt großer Kasernen, Häuser zu 4 bis 6 , Wohnungen errichten oder den Hauptmängeln des Kasernensystems j durch allerhand bauliche Künsteleien abhelfe.(S. 71— 92.) , Nicht wahr, wir sind schon ein gutes Stück heruntergekommen? Die Verwandlung der Arbeiter in Kapitalisten, die Lösung der so- � zialen Frage, daS jedem Arbeiter eigenthümlich gehörende Haus— e daS Alles ist oben in„den Regionen der Ideale" geblieben; wir , haben uns nur noch damit zu beschäftigen, daS Cottagesystem auf dem Lande einzuführen und in den Städten die Arbeiterkasernen . so erträglich wie möglich einzurichten. Die bürgerliche Lösung der Wohnungsfrage ist also eingestandener Maßen gescheitert— gescheitert an dem Gegensatz von > Stadt und Land. Und hier sind wir an dem Kernpunkt der Frage angelangt. Die Wohnungsfrage ist erst dann zu lösen, l wenn die Gesellschaft weit genug umgewälzt ist, um die Aushebung - des von der jetzigen kapitalistischen Gesellschaft auf dic'Spitze ge- � triebenen Gegensatzes von Stadt und Land in Angriff zu nehmen. , Die kapitalistische Gesellschaft, weit entfernt, diesen Gegensatz auf- heben zu können, muß ihn im Gegentheil täglich mehr verschärfen. � Dagegen haben schon die ersten modernen utopistischen Sozialisten, Owen und Fourier, dies richtig erkannt. In ihren Mustergebäu- en existirt der Gegensatz von Stadt und Land nicht mehr. ES .ndet also das Gegentheil statt von dem was Herr Sax behaup- et: nicht die Lösung der Wohnungsfrage löst zugleich die soziale ' Frage, sondern erst durch die Lösung der sozialen Frage, d. h. durch die Abschaffung der kapitalistischen Produktionsweise, wird zugleich die Lösung der Wohnungsfrage möglich gemacht. Die Wohnungsfrage lösen wollen und die modernen großen Städte forterhalten wollen, ist ein Widersinn. Die modernen großen Städte werden aber beseitigt erst durch die Abschaffung der kapi- talistischcn Produktionsweise, und wenn diese erst in Gang gebracht, wird eS sich um ganz andere Dinge handeln, als jedem Arbeiter ein ihm zu eigen gehörendes Häuschen zu verschaffen. Zunächst wird aber jede soziale Revolution die Dinge nehmen müssen wie sie sie findet, und den schreiendsten Ucbelständen mit den vorhandenen Mitteln abhelfen müssen. Und da haben wir schon gesehen, daß der Wohnungsnoth sofort abgeholfen werden kann durch Expropriation eines Theils der den besitzenden Klassen gehörenden Luxuswohnungen und durch Bequartirung des übrigen Theils. Wenn nun Herr Sax im Verfolg wieder aus den großen Städten herausgeht, und ein Langes und Breites redet über Ar- beiterkolonien, die neben den Städten angelegt werden sollen, wenn er alle die Schönheiten solcher Kolonien schildert, mit ihrer gemeinsamen„Wasserleitung, Gasbeleuchtung, Luft- oder Warm- wasserheizung, Waschküchen, Trockenstuben, Badekammern u. dgl.", mit„Kleinkinderbewahranstalt, Schule, Betsaal,(!) Lesezimmer, Bib- liothek... Wein- und Bierstube, Tanz- und Musiksaal in allen Ehren", mit Dampfkraft, die in alle Häuser geleitet werden und so„die Produktion in gewissem Umfange ans den Fabriken in die häusliche Werkstätte" zurückverlegen kann— so ändert das an der Sache nichts. Die Kolonie, wie er sie schildert, ist von Herrn Huber den Sozialisten Owen und Fourier direkt abgeborgt und blos durch Abstreifnng alles Sozialistischen total verbürgert. Da- durch aber wird sie erst recht utopistisch. Kein Kapitalist hat ein Interesse daran, solche Kolonien anzulegen, wie denn auch nirgendwo in der Welt eine solche besteht, außer in Guise in Frankreich; und diese ist gebaut von einem— Fourieristen, nicht als rentable Spe- kulation, sondern als sozialistisches Experiment. Ebenso gut hätte Herr Sax die im Anfang der vierziger Jahre von Owen in Hampshire gegründete und längst untergegangene kommunistische Kolonie„Harmony Hall" zu Gunsten seiner bürgerlichen Projekten- macherei anführen können. Jndeß ist all' dies Gerede von Kolonisation nur ein lahmer Versuch, wieder in die„Regionen der Ideale" emporzufliegen, der auch sofort wieder fallen gelassen wird. Wir gehen nun wieder lott bergab. Die einfachste Lösung ist nun die,„daß die Arbeit- geber, die Fabrikherren, den Arbeitern zu entsprechenden Wohnungen verhelfen, sei es, daß sie diese selbst herstellen, sei es, daß sie die Arbeiter zu eigener Bauthätigkcit aufmuntern und unterstützen, in- dem sie ihnen Grund und Boden zur Verfügung stellen, das Bau- kapital vorschießen u. s. w."(S. 106.)— Hiermit sind wir wie- der aus den großen Städten heraus, wo von alle dem keine Rede sein kann, und aufs Land zurückversetzt. Herr Sax beweist nun, daß es hier im Interesse der Fabrikanten selbst liegt, ihren Arbei- tern zu erträglichen Wohnungen zu verhelfen, einerseits als gute Kapitalanlage, andererseits weil die daraus unfehlbar„resultirende Hebung der Arbeiter... eine Steigerung ihrer körperlichen und geistigen Arbeitskraft nach sich ziehen muß, was natürlich... nicht minder... dem Arbeitsgeber zu Gute kommt. Damit ist aber auch der rechte Gesichtspunkt für die Betheiligung der letztern an der Wohnungsfrage gegeben: sie erscheint als Ausfluß der la- tenten Assoziation, der meist unter dem Gewände humanitärer Bestrebungen verborgenen Sorge der Arbeitsgeber für das leibliche und wirthschaftliche, geistige und sittliche Wohl ihrer Arbeiter, welche sich durch ihre Erfolge, Heranziehung und Sicherung einer tüch- tigen, geschickten, willigen, zufriedenen und ergebenen Arbeiter- schaft von von selbst pekuniär entlohnt."(S. 108.) Die Phrase der„latenten Assoziation", womit Huber dem bür- gerlich- philanthropischen Gefasel einen„höheren Sinn" unterzu- schieben versuchte, ändert an der Sache nichts. Auch ohne diese Phrase haben die großen ländlichen Fabrikanten, namentlich in England, längst eingesehen, daß die Anlage von Arbeitenvohnungen nicht nur eine Nothwendigkeit, ein Stück der Fabrikanlage selbst ist, sondern sich auch sehr gut rentirt. In England sind auf diese Weise ganze Dörfer entstanden, von denen manche sich später zu Städten entwickelt haben. Die Arbeiter aber, statt den menschen- fteundlichen Kapitalisten dankbar zu sein, haben von jeher sehr bedeutende Einwendungen gegen dies„Cottagesystem" gemacht. Nicht nur daß sie Monopolpreise für die Häuser zahlen müssen, weil der Fabrikant keine Konkurrenten hat; sie sind bei jedem Strike sofort obdachlos, da der Fabrikant sie ohne Weiteres an die Luft setzt und dadurch jeden Widerstand sehr erschwert. Das Nähere kann man in meiner„Lage der arbeitenden Klassen in England" S. 224 und 228 nachlesen. Aber Herr Sax meint, dergleichen„verdiene doch kaum, eine Widerlegung".(S. III.) Und will er nicht dem Arbeiter das Eigenthnni an seinem Häuschen verschaffen? Allerdings, aber da„die Arbeitgeber in der Lage sein müßten, über die Wohnung stets zu verfügen, um, wenn sie einen Arbeiter entlassen, für den Ersatzmann Raum zu haben", so— nun ja, so müßte„durch Verabredung der Wider- ruflickkeit deö Eigenthums für jene Fälle vorgesehen werden!" (S. 113.)*) Diesmal sind wir unerwartet rasch heruntergekommen. Erst hieß es: Eigenthum deS Arbeiters sn seinem Häuschen; dann er- fuhren wir, daß dies in den Städten unmöglich und nur auf dem Lande durchführbar; jetzt wird uns erklärt, daß dies Eigenthum auch auf dem Lande nur ein„durch Verabredung" widerruf- liches sein soll! Mit dieser von Herrn Sax neu entdeckten Sorte Eigenthum für die Arbeiter, mit dieser ihrer Verwandlung in „durch Verabredung widerrufliche" Kapitalisten, sind wir glücklich wieder auf ebener Erde angekommen, und haben hier zu unter- suchen, waS die Kapitalisten und sonstigen Philanthropen zur Lö- sung der Wohnungsfrage wirklich gethan haben. Politische Uebersicht. Man erinnert sich theilweise vielleicht noch, daß, als die Land- arbeiterfrage im Leipziger Hochverrathsproß zur Sprache kam, Herr von Mücke, präsidentlichen Angedenkens, zu einer jener un- gehörigen Aeußerungen sich veranlaßt sah, zu denen er als Schwur- •) Auch hierin haben die englischen Kapitalisten längst alle Herfen«- wünsche des Herrn Sax nicht nur ersüllt, sondern weit übertrosscn. Mon- tag, den 14. Oktober dieses Jahre», hatte in Morpeth der Gerichtshof\ur Feststellung der Parlament»-Wählerlisten über den Antrag von 2000 Bergarbeitern aus Eintragung ihrer Namen in die Liste zu entscheiden. Es stellte sich heraus, daß der größte Theil dieser Leute nach dem Regle- ment der Grube, wo sie arbeiteten, nicht als Micther der von ihnen bewohnten Häuschen, sondern nur als darin geduldet anzusehen seien, die ohne jede Kündigung jeder Zeit an die Luft gesetzt werden konnten. (Grubenbesitzer und HauSeigcntbümer waren natürlich eine und dieselbe Person.) Der Richter entschied, daß diese Leute keine Miethcr, sondern Knechte seien und als solch« zur Eintragung nicht berechtigt.(Daily News 15. Okt. 1872.) gerichtSpräsident nicht daS mindeste Recht hatte, nämlich zu der unsere Bauern fühlten sich ganz wohl in ihrem Besitzthum un hätten gar keine Lust zum Kommunismus.— Es wurde ihm auf der Stelle erwidert, daß die Bauern, die noch etwas besitzen,� von der Sozialdemokratie vorläufig nicht ins Auge gefaßt seien, sondern die nichtbesitzenden. Herr von Mücke blieb nichtsdesto- weniger dabei, daß sich unser Bauern„wohl" fühlen. Da finden wir nun in einem Blatt, welches füglich des„Kommunismus" nicht gut beschuldigt werden kann, anläßlich der preußischen Kreis- ordnungscomödie folgende Auseinandersetzung: „Man weiß, daß die Besitzverhältnisse in den ländlichen Be- zirkcn der preußischen Provinzen der gesunden Grundlagen entbehren. Der überwiegend größere Theil deö Grund und Bodenö ist in gefchl offenen Gütern vereinigt und hiervon gehört wieder der größere Theil zu Rittergutscomplexen. Auch die Bauerngüter haben meist einen verhältnißmäßig großen Umfang, und deren sind in jedem Dorfe nur wenige. Daraus ergibt sich, daß der überwiegende Theil der Bevölkerung besitzlos oder nahezu besitzlos ist, und dies Verhältnis auch nicht zu ändern vermag. „Selbstverständlich nun, wenn der Kreis oder die Gemeinde Lasten, die nicht auf persönliche Ableistung hinauslaufen, aus- schreibt, so ist es der Bauer, der sie zunächst zu tragen hat; und er empfindet sie mit heftigem Widerwillen, auch wenn ihm ans Dem, das vermöge seines Beitrags geschaffen werden soll, selbst Nutzen erwächst. Man muß bedenken, daß kein Mensch ver- ">ag über seinen Horizont hinauSzublicken. Kaum in irgend einem LebenSkrcise erreicht man in Schätzung des Besitzes den Bauer, denn dieser fühlt, daß er ohne den Besitz Nichts sein würde. Da- l her sieht er auch in jedem Beitrag, den er einem Gemeinsamen leisten soll, eine Beeinträchtigung seines Besitzes, selbst wenn jener Beitrag eine Wohlthat für ihn selbst begründen soll, und er empfindet diese Beeinträchtigung um so härter, als er bemerkt, dag nur wenige es sind, die mit ihm die Last tragen. Denn es ist das Charakteristische, daß zwar die Rittergüter und Ritterguts- besitzer in den ländlichen Bezirken Preußens jedes Vorrecht haben und die eigentlichen stkutznieser in den Kreisen sind, daß sie aber die Lasten nur in geringstem Grade tragen und außerdem un- ausgesetzt bestrebt sind, jenes zu steigern, dies zu vermindern. Be- merkenöwerthe Beispiele, wie dies Streben herrschend auftritt, haben wir vor Kurzem erst an der Durchführung des Reichsgesetzcs über den Unterstützungswohnfitz erfahren. In Hannover z. B. wälzte die Ritterschaft die Beitragspflicht zu den Armenverbänden fast ausschließlich den Bauern zu. Äehnliches tritt auf, wenn es sich um Anlagen allgemeinen Nutzens, z. B. Straßenbau handelt. Auch hier herrscht die Tendenz, die Lasten von dem ritterschaftlichen B sitz abzuwälzen, wogegen man andererseits nicht minder bemüht ist, den Nutzen der Anlage jenen zuzuwenden. Daß dies vermöge der gegenwärtigen Kreisverfassung sehr leicht thunlich ist, weiß Jedermann." Und wie heißt das Blatt, in dem solcher„Hochverrath" steht? „Der Arbeitgeber",„Centr'alblatt für Stellen- und Arbeiter- gesuche",(Usingen bei Frankfurt a. M.) Jfn besagtem Blatt wird beiläufig auch— wenngleich unter verschiedenen Vor- und Nachklauscln— das große Wort auSae- sprechen:„Um sich Bildung zu erwerben braucht man Kapital." — Was gewisse Leute ihrem harten Schädel einzubläuen sehr nöthig haben dürften!— Was sich die Herren Bourgeois immer entsetzen, wenn die Sozialiste» von„Expropriation" des Grundeigenthums sprechen! Alö ob im heutigen Staate dieses Kunststück nicht auch schon gekanntwäre! Und zwar Expropriation nicht bloß im Interesse des Staats— wie die Sozialisten wollen— sondern sogar im Interesse von Eisen- bahnbaronen und sonstigen konzessionirten„Gründern und Schin- dern", wie ein treffender Volkswitz die Klasse nennt, für welche Herr LaSker jüngst deS Neichsjustizniinisters Zucht-, ja sogar Zucht- 1 hauSruthe(freilich vergebens) zu begehren sich erkühnte. So be- I richtet z. B. von einer der bereits heute gang und gäben„Ex-> propriationen" die„Elberfelder Zeitung" aus Berlin: „Unsere Terrain- Spekulanten, welche an die unerschöpfliche Gntmüthigkeit der Berliner im Bezahlen des Baugrundes geglaubt! haben, mußten neuerdings eine arge Enttäuschung erfahren. Der Anhalt'schen Eisenbahn wurden für das Terrain, welches sie zu dem interimistischen Personcn-Bahnhof und dem'Güterbahnhof jen- seit des Kanals gebraucht, 180 Thaler pro Qnädrat-Ruthe abgefordert; sie fand den Preis zu hoch und sda der Verkäufer von seiner Forderung nichts ablassen wollte, leitete sie daS Expro- i priationSverfahren ein und erwarb das Terrain zu dem Preise von 38� Thalern pro Quadrat-Ruthe. Vielleicht gehen in Folge dessen unsere Spekulanten mit ihren Forderungen für Terrains, welche eine halbe Stunde und niehr von der Stadt entfernt liegen, auch' etwas im Preise herunter." Wir sagen:„Vielleicht gehn in Folge dessen unsere„Privat- eisenbahnen" mit ihren Forderungen für„Billcte" auch etwa« im Preise herunter"— weil sonst an ihnen daS ExpropriationS- cxperiment versucht werden könnte, durch daS man jenen 180-Thaler- guadratruthenprellern ein Wenig mores gelehrt hat.— Wiener Zustände: Das„Parlament der Hansherren"—, schreibt der Wiener Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" über den Wiener Gemeinderath— wird zwar nicht daS Geringste zur! Beseitigung der Wohnungsnoth thun, aber um Attentate der Ver- zweiflnng zu verhindern, soll zur Aufnahme verarmter Bürger ein i neues„VersorgungShaus" errichtet werden, da die bereits bestehen- den überfüllt sind. Wenn die Steigerung der Miethzinse und die Bertheuernng der Lebensmittel in derselben Progression zunimmt, wie bisher, so wird die Gemeinde Wien bald große Armcnkolo- 1 nie» anlegen müssen. Die höheren Klassen bleiben gleichgültig bei der Roth der großen Masse. Der Kaiser Franz Joseph, der von 1867 bis 1872 seine aus den Steuern des arbeitenden Bolkes bezogene Zivilliste(„für den allerhöchsten Hofstaat" ist der Titel i des bezüglichen Budgetpostens) von 5 auf 9,3 Millionen fl-. erhöhen ließ, hat zwar neulich„geruht", 2000 fl. für die Armen j Wiens zu spenden, aber man findet, daß diese Summe wenig bedeutet gegenüber den 150,000 fl., welche die in den letzten Woche» bei Gödöllö veranstalteten k. k. Fuchsjagden gekostet haben." Das Vcrhältniß ist so: die Fuchsjagd ist den 62sten Theil deö Einkommens werth und die Armen Wiens den 4650sten Theil; mit andern Worten: die Fuchsjagd ist 75 mal so wichtig, wie die vielen tausenv Armen Wiens zusammen; und nehmen wir beispielsweise an, daß die Zahl der erlegten Füchse sich zu der der Wiener Armen verhält, wie 1 zu 100, so wissen wir, daß 1 Fuchs so viel werth ist wie 7500 Wiener Arme.— Aus Bjielitz-Biala erhält der„VolkSwille" folgende Mit- thcilnng:�„Die beiden Parteigenossen I. Szedlig und B. Peschina wurden Sonntag, den 24. November, ans ihrer 29wöche»tliä>en Untersuchungshaft plötzlich und ohne Urtheil entlassen. Bemerkens werth ist der Umstand, daß die schlesischen Gerichte gleich nach Verlauf von sechs Wochen erklärten:„Die dem Bielitz-Bialaer Ar- beiterverein angehörenden Angeklagten tragen- keine Schuld an den ausgekrochenen Arbeiterunruhen, während die galizischen Gerichte zu dieser Riesenarbeit volle 29 Wochen brauchten!" Hierzu bemerkt der„VolkSwille": „Man wird sich erinnern können, daß ein großer Theil der Zresie die Sozialdemokraten alö Anstifter dieser sogenannten Ar- nterunruhen denunzirte. Und nun sind die Behörden zum Ge- indnisie genöthigt, der Arbeiterverein, die Sozialdemokraten haben it der Sache gar nichts zu thun!"— Der Londoner Polezeidienerstrike gab der Brüsielcr„Libertö" om 15. d. MtS. Gelegenheit, in einem sehr gut geschriebeneu Zchwachmatikusie würden sagen„bissigen") Artikel zu zeigen, ne die ganzen heutigen Eigenthnmer einer Hand voll von schlcchlest- csoldeten Subalternbeamten auf Gnade oder Ungnade ergeben nd; und wie diese paar Beamtenproletarier— wenn sie wollen — die gesammte Bourgeoisie in Angst und Schrecken, Zittern, Beben und Entsetzen bringen können. Die Erkcnntniß dieser Er- heinung dürfte auch anderweitig von erheblichem Vortheil sein. Bei dieser Gelegenheit möchten wir fragen, warum sich kein eutscher Schulmeister anläßlich des Polizeidienerstrikes in London mch dort um Beschäftigung gewandt hat? Besser als jetzt würde ich ein solcher dann jedenfalls stehen. Ist ja sogar ein deut- scher Polizeidiener um IVO Thaler höher dotirt, als ein Schul- mcister! Beweis: „Im Deutschen Reichs- und Preußischen Staatö-Anzeiger Nr. 245 befindet sich eine Zusammenstellung zur Besetzung angezeigter va- kanter Stellen, in welcher n. a. die Stelle eines Lehrers an der Stadtschule zu Gollnow mit 200 Thalern und die eines Polizei- dieners zu Hattingen mit 300 Thalern ausgeboten werden." So berichteten seinerzeit(d. h. vor etwa 2 Monaten) die Blätter. Und es entspricht diese Mittheilung durchaus den An- gaben, welche um gleiche Zeit der Berliner Seminardirektor Schnei- 'der dem„Kongreß für innere Mission" machte, nämlich: „Am Rhein sind 103, in Wiesbaden 100, in Posen 71, in ganz Preußen 595 selbftständige Lchrerstellen, 474 Hitfstchrerstellen ulibesetzt und 1792 Stellen besetzt mit Lehrern, die keine Be- ■rechtigung haben. In Oppeln fehlen 700 neue Lehrer, um jede Schulklasic auf 100 Schüler zu bringen; in Braunschweig werden Klasien von 80— 100 Kindern kombinirt; in Dresden kommen auf 48 Stellen 19 Bewerber, in Leipzig auf 59 Stellen 19 Be- averber, in Zwickau aus 150 Stellen nur 28 Bewerber. In Ba- den 148 Stellen unbesetzt. In Baden fehlen noch 361 Lehrer, wenn jeder derselben nur 100 Schüler haben soll." Dpr„Nürnberger Anzeiger" schreibt sogar unter Anderen Folgendes: „Namentlich gehört es z. B. in Schlesien nicht mehr zu den Seltenheiten, daß Lehrer in daö Berg- oder Hüttcnfach über- -treten. Denn ein Häuer verdient monatlich seine 20— 40 Thlr. und darüber, und zahlt das ganze Jahr 4 Thlr. für Arzt und Apotheke, während der Hauptlehrer bei einem jährlichen Einkorn- men von 159 Thlr. 11 Sgr. 5 Pf., wovon mehr als die Hälfte auf das Kirchendieneramt entfällt, den Arzt und den Apotheker aus seiner Tasche, und außerdem noch jährlich 6'/- Thlr. an die Wittwcn- und Sterbekasse zu zahlen hat, das Einkommen des zweiten Lehrers aber, nach Abzug des Steuerthalers, sich jährlich -gar nur auf 120 Thlr. beläuft. Da können uns denn freilich die ahlen nicht wundernehmen, mit denen auf dem evangelischen irchentag zu Halle der Nothstand auf dem Gebiete des Volks- Unterrichts illustrirt wurde. Darnach sind in Preußen nicht weniger als 1029 Lehrerstellen unbesetzt und 1792 Stellen mit Lehrern ohne Berechtigung besetzt. Ein erschöpfendes Bild von dem Lehrermangel ist damit indeß noch nicht geliefert, da fast alle Schulen, in den Städten sowol als auf dem platten Lande, so überfüllt sind, daß viele Kinder zurückgewiesen werden müssen und die Lehrer bei aller Anstrengung ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind." Nichtsdestoweniger bleibt cS dabei: Es giebt nur einen Kul- turstaat, und daS ist Preußendeutschland.— Den gefangenen dänischen Sozialisten ist das Gesuch um Freilasiung, oder wenigstens Urlaub, abgeschlagen worden, und, da aus Mangel an Bewcismaterial noch kein Prozeßtermin festgesetzt werden konnte, müssen sie auf uubestimmte Zeit in Haft bleiben. Selbst der Kopenhagener Korrespondent der„Norddeut- fchen Allgemeinen Zeitung" nennt dies„allerdings bcftemdlich". „Um aber", schreibt der nämliche Korrespondent,„jedem(!) Vor- Wurf zu begegnen, daß nicht alles(!) geschehe, wodurch die Ver- chältniste der Arbeiter gebessert werden können, hat die Regierung zur Begütigung der(sozialistischen) Partei, nachdem die Berichte der Amtmänner und Stadtobrigkeiten über die Zustände der Ar- bciter in Stadt und Land eingegangen sind, die Bildung einer großen Kommission vorgenommen, welche die Berichte unter- suchen und vergleichen, und ellvaige Borschläge zur Berbesse- rung der Lage der Ardeiter daran knüpfen soll, und will in diese Kommission auch einige Arbeiter berufen". Die Bildung einer solchen Kommission wäre ein sehr lobens- werther Schritt, wenn nicht durch daö Verfahren gegen die So- zialisten von vornherein der Beweis geliefert wäre, daß dabei der gute, ehrliche Wille fehlt. Wenn eS mit dieser Untersuchungskommission ernst gemeint wäre, so mußten vor Allen gerade Die- jenigen darin sitze», welche die Regierung in willkührlicher Weise ihrer Freiheit beraubt hat; und das Verfahren der dänifchen Re- gierung gleicht dem eines Mannes, der einen unbequemen Menschen mit der Faust zu Boden schlägt, und ihn dann seiner Sympathie versichert. Für solche Sympathie werden die dänischen Arbeiter danken!— Die neuesten Nachrichten über die Schilderhebung in Spanien lauten den Republikanern nicht günstig. Ein Aufstandsver- such in Madrid, der ani�ll ds. Mts. statt hatte, ist kläglich mißlungen. Anläßlich desselben schreibt die)„Emancipacion" vom 14. ds. Mts.:„Vor 8 Tagen sagten wir: Wir werden mit unseren Brüdern sein, mit den tapferen Arbeitern, welche ihr Blut für die heilige Sache der Emanzipation unserer Klafte vergießen — wir werden mit der Revolution sein!" jlnd wir fügten hinzu: „Weder die Partei, welche der gegenwärtigen Bewegung den An- stoß gegeben hat, noch ihr Banner, noch ihr Programm, noch die Männer, welche an der Spitze stehen und deren Anschauungen und Vorgeschichte kein Geheininiß sind, bieten unS hinreichende Bürgschaften dafür, daß die Bewegung die Verhältnisse einer echten sozialen Revolution annehmen wird— eine Revolution zum Vor- theil der arbeitenden Klasse." „Wir dachten damals nicht, daß die Ereignisse so rasch unser Mißtrauen und unsere Befürchtungen rcchtferiigen würden. Der Auflauf oder Aufstand(wotiu 6 asonada) der Nacht des 11. hat uns von Neuem bestätigt, waö wir tausendmal behauptet: die revolutionäre Ohnmacht, die Unfähigkeit zu organisiren und oben- drein die Unehrlichkeit(la mala fd) d"'' bürgerlichen Politiker, die sich in jüngster Zeit zu Vorkämpfern deS Proletariats aufgeworfen haben, und die eS seiner Emanzipation zuführen zu wollen be- haupten. Die Republikaner, welche sich die Entschiedensten(m- transigientes) nennen, sprachen uns in mysteriösem Ton von einer mächtigen revolutionären Organisation, in welche sie die ganze Arbeitermasse Madrids hineinziehen würden, indem sie ihr einen unzweifelhaften Triumph und die sichere Erfüllung gerechter Wünsche verbürgen könnten. Nichts fehlte, als eine günstige Gelegenheit, ein passender Tag. Wie eS scheint, glaubte man diesen endlich ge- funden zu haben. Am Mittwoch Abend um halb 10 Uhr wurde das Signal an verschiedenen Punkten der Stadt gegeben; zahl- reiche Bewaffnete eilten auf die Straße, nahmen die ihnen günstigst scheinenden Positionen ein, ohne daß ihnen während fast zwei Stunden das geringste Hinderniß in den Weg gelegt wurde; und trotzdem bauten sie keine Barrikade, besetzten sie kein öffentliches Gebäude, bemächtigten sie sich keines mäch- tigen strategischen Punktes. Nach 11 Uhr rückte der General- kapitän mit einigen Kompagnien Soldaten heran, und in weniger als einer Stunde, waren die Republikaner aus allen Straßen ver- trieben, aber erst, nachdem mehrere Söhne des Volkes getödtet worden waren: das Opfer ihres Muthes und ihrer Leichtgläubig- keit. Was hat man, so ftagen wir, mit dieser vielgepriesenen Organisation gemacht? Und wo ist der„Provisorische Födcralrath von Madrid", diese lächerliche Nachäffung unserer Föderalräthe, ge- blieben? Welche Anordnungen hat er getroffen, wie seine pomphaften Versprechungen erfüllt? Er hat Proklamationen und Manifeste ge- schrieben und Befehle erlassen, die„ weil die Macht der Ausführung fehlt, einfach grotesk sind. „Wir beklagen bitterlich diese abermalige Täuschung unserer Brüder zu Arbeit und Elend; wir beklagen vor Allem das Blut, welches unnütz vergossen wurde, um dem kindischen Ehrgeiz und dem albernen Hochmuth einiger Bourgeois mit revolutionärer Maske zu dienen. Wir hegen aber die tröstliche Hoffnung, daß diese Täuschung die letzte sein, und daß die Arbeiterklasse sich für immer von allen bürgerlichen Parteien lostrennen wird, von denen wir nur Schaden zu erwarten haben. Genossen und Brüder! Wir alle haben die nämlichen Leiden, die nämlichen Bedürfnisse, die nämlichen Ausbeuter und Feinde! Einigen wir uns gegen die ge- meinsamen Feinde! Schaaren wir uns allesammt unter der Fahne der Internationalen Arbeitcrossoziation! Sie allein gibt uns die Mittel an die Hand, um die erbärmliche Klasse, welche unS auS- beutet und unterdrückt zu Paaren zu treiben; sie allein kann unS in Stand setzen, die soziale Revolution durchzuführen, die wir Alle ersehnen. Genossen! Keine blutigen Possen mehr!(uo rna» farsas sangrientes). Keine Putsche mehr! Setzen wir Alles an die große, die wahre soziale Revolution. Es lebe„die Internationale Arbeiterassoziation!" Daß der Putsch des 11. einen wirklich jämmerlichen Verlauf genommen hat, wird auch von anderer Seite bestätigt. Die Leitung war kopflos, oder richtiger: eine Leitung scheint gar nicht vor- handen gewesen zu sein. Desto großmäuliger waren(wie auch im obigen Artikel der„Emancipacion" angedeutet) die Proklamationen. Eins der„Manifeste" lautet: „Das provisorische föderative Comitö von Madrid beschließt im Namen der Revolution und der föderativen Republik: 1) Alle Häuser, deren Thüren geschlossen bleiben, während das Volk kämpft, werden eingezogen und veräußert. 2) Desgleichen alle Häuser, in denen man den Verwundeten oder Kämpfenden Schutz und Zu- flucht»crweigert. 3) Jedes Individuum, welches im Besitze von Waffen und Munition sich derselben nicht im Interesse der Sache des Volkes bedient oder dieselben nicht unaufgefordert den Kämpfen- den ausliefert, wird sofort erschossen. 4) Desgleichen, wer den Feinden deö Volkes Schutz gewährt. 5) Wer die Flucht ergreift und die Grenze überschreitet, verliert jedeö Anrecht auf sein Eigen- thum, das zum Nationaleigeuthum wird. Politische und soziale Leidens- und Schmerzensbrüder, zu den Waffen! Es lebe die demokratische und föderative Republik mit allen ihren natürlichen Prinzipien und logischen Konsequenzen. DaS föderative Comitv von Madrid." Erwähnt sei noch, daß die Parlamentsschwätzer, der Zungen- virtuos Castelar voran, bei den jüngsten Ereignissen in Spanien natürlich wieder die kolossalste Feigheit bewiesen haben. Correspondenzeu. Wcerane, 17. Dez.' Auch wir haben bei den diesjährigen Stadtverordneten-Ergänzungswahleii einen glänzenden Sieg über die Gegenpartei davongetragen. Sämnitliche von uns aufgestellte Kandidaten haben mit sehr brillanter Majorität ihre Gegeukan- didaten aus dem Felde geschlagen. Abgegeben wurden im Ganzen 947 gültige Stimmzettel, davon erhielten die Arbeiter-Kandidaten 565— 584 Stimmen, die Gegner 353— 374. Die Gegner, welche Vormittags im Vortheil sein mochten, wählten sehr geschlossen und haben nach Wahrnehmungen alle disponiblen Streitkräfte ins Tressen geführt, aber auch unsere Parteigenossen, lauter erprobte Wahl- kampeu, so zu sagen die alte Garde des 17. Wahlkreises, haben trotz des ungünstigen WahltermiuS ihre Schuldigkeit gethan. Kannover, 18. Dczbr.(Allgemeiner Bericht). Infolge des aus Leipzig erschollenen Rufs konstituirte sich Hierselbst ein Buch- biuder-Gehilfen-Verein. Derselbe hat sich in kurzer Zeit so zu organisiren gewußt, daß er schon jetzt mit einer Forderung von 25 Prozent Lohnerhöhung und 10 Stunden Arbeitszeit hervor- treten konnte. Die Lage der hiesigen Buchbinder- Gehilfen ist keine glänzende, denn der Durchschnittslohn eines hiesigen Buch- biuder- Gehilfen beträgt bei lO3/, stündiger Arbeitszeit 4 Thlr. 7 Sgr. 6 Pf.; daß mit diesem Lohn heutzutage aber kein Mensch existiren kann, ist selbst vielfach von Arbeitgebern zugestanden. Da wir noch mit den Meistern in Unterhandlung stehen, ersuchen wir die Kollegen allerorts, den Zuzug nach Hannover fernzuhalten. Zu- gleich machen wir darauf aufmerksam, daß wir hier einen Arbeits- Nachweis gegründet haben, und zwar bei Gustav Sanveke, Seilwindenstraße Nr. 3, in Arbeit bei Herrn Zoch, Kreuzstraße Nr. 3 bei Brandes II. Zum Schluß an Euch, Kollegen Deutsch- lands, die dringende Mahnung, Euch ebenfalls in jeder Stadt zu organisiren, damit wir sobald als möglich einen Allgemeinen deutschen Buchbinderverband ins Leben rufen können. Mit kollegialischem Gruß Der Vorstand. ?l. Glebe, Neuestraße Nr, 10. Briefliche Auskunft werde ich auf Anfragen gerne mittheilen. Spandau. Parteigenossen und Freunden unserer großen Sache zeige ich mit blutendem Herzen an, daß Parteiversammlungen vorläufig abzuhalten, der Lokalfrage wegen, rein unmöglich ist. Dies haben wir unfern mächtigen Gegnern und besonders deren Drohung gegen die Wirthe zu verdanken, daß dem Militär der Besuch ihrer Lokale untersagt werden wird, wenn sie unsere Versammlungen noch länger abhalten lassen. Die in ihrer Existenz bedrohten Wirthe kündigten uns— was sollten sie in der Jetztzeit auch andres thun. Z b r wenn wir bedenken, wie unsre Gegner vor uns paar Mann schon zittern und zagen, trotz Bajonueten, Kanonen und Festungswerken, wie erhaben, wie gerecht und wahr muß dann nicht unsre Idee sein! Dann kommen wir wol Alle zu der lieber- zcugung, daß wir entschiedener, energischer und kräftiger wie bis- her für unsre Prinzipien, für das Wohl der Menschheit in die Schranken treten müssen.— Vor Kurzem ist hier von Freunden unserer Sache ein Arbeiterbildungsverein gegründet worden, dessen Gastfreundschaft es ermöglichen- wird, uns wieder zu versammeln. Die Partei existirt also trotzdem und alledem. Und jedenfalls ist die Zeit auch nicht mehr so fern, wo uns das Haus eines Partei- genossen zu Parteiversammlungen gastlich geöffnet wird. Dann können wir mit ruhigem Lächeln die Wnth unsrer Gegner mit ansehn. Bis dahin werden die hiesigen Parteigenossen fleißig den Arbeitcrbildungsvercin bei Voigt besuchen, in dem durch wissen- fchaftliche Vorträge für die geistige Ausbildung der Arbeiter eifrigst Sorge getragen wird. Mit sozialdemokratischem Brudergruß W. Fischer. Köln, im Dezember. Es wurde auf dem Kongresse in Mainz beschlossen, daß die Parteigenossen an den einzelnen Orten allmo- natlich einen Bericht über die Lage der Partei für den„Volks- staat" einschicken sollen. Wir Kölner, die wir wohl nicht immer die Ersten, wollen doch in dieser Beziehung einmal die Initiative ergreifen. Seit dem Tode Lassalle's 1864 bis zum Jahre 1369 wurden von den Mitgliedern des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins hiersclbst höchstens 10 öffentliche Arbeiterversammlungen einberufen. Die Meisten wußten von der Existenz eines solchen Vereins kaum mehr, als daß er im Jahre 1867 bei der ersten Reich'stagswahl über 1100 Stimmen auf den damaligen Kandi- daten der Arbeiterpartei, Rittinghausen, vereinigt hatte. Die erste größere Arbeiterversammlung war der im Jahre 1869 von den Mitgliedern deö Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins einberufene Westdeutsche Arbeitertag. Sodann kam der Strike der hie- sigen Zimmerleute und der Kongreß in Eisenach. Von dieser Zeit an weiß erst die Bevölkerung der getreuen Tochter Roms, daß eS nicht blos eine, sondern zwei Parteifraktionen giebt. Seit dem Eisenacher Kongresse haben sich die Mitglieder der beiden Fraktio- uen zwei volle Jahre in allen öffentlichen Versammlungen unge- schwächtcr, hartnäckiger(wenn auch zur Klärung der Idee in man- cher Beziehung nothwendiger) Weise, zur allgemeinen Belustigung der gemeinsamen Gegner, bekämpft. Fast jeden Sonntag wurden Versammlungen abgehalten. Von Seiten des Allgemeinen Deut- schen Arbeitervereins wurde der Ziinmererverein, von unserer Seite die Internationale Gewerkschaft der Holzarbeiter ins Feuer geführt. So wurde denn auch unter anderm von Seiten des Allgemeinei? Deutschen Arbeitervereins mit Hülfe der keiner Partei angehören- den Arbeiter der Rheinischen Maschinenbaufabrik der zu Pfingsten des Jahres 1870 von unfern Parteigenossen einberufene Rh ei- nischc Arbeitcrtag gesprengt. Fast in jeder Versammlung, wo die Mitglieder deS Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins den Vor- sitz führten, wurde uns das Wort entzogen, welches Verfahren wir den Mitgliedern des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins gegen- über nie beobachtet haben. Da man sah, daß eS auf diese Art und Weise doch nicht fort gehen könne, wurde von unserer Seite auf eine Beilegung der Streitigkeiten hingearbeitet. Man wählte ein Comitö, welches sich an die hiesigen Mitglieder des Allgemeinen Dentschen Arbeitervereins wandte und die Nothwendigkeit einer Einigung auseinandersetzte. Es wurde entgegnet, wir feien vom Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, mithin von den Prinzipien Lassalle's abgefallen und es könne nur dann eine Einigung statt- finden, wenn wir wieder zu ihnen zurückkehrten. Nun fand eins jüngere prinzipielle Diskussion darüber statt, welches eigentlich die Ideen Lassalle's seien und welche nicht. Als man von Seiten der Gegner sah, daß man unsre Gründe nicht wiederlegen konnte, sagte ein damals tonangebendes, im vorigen Jahre gestorbenes Mitglied des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, es sei erst dann eine Einigung zu erzielen, wenn eine Partei die andere kaput gemacht habe, worauf denn der alte Streit in den Versammlungen von Neuem entbrannte und erst mit dem Kriege und daS durch den- selben entstandene gänzliche Brachliegen der Arbeiterbewegung er- losch. Vor dem Kriege war aber schon die internationale Gewerk- schaft der Buchbinder(durch Einflüsse von Außen— Affaire Werner w.), der hiesige Dachdeckerverein(durch Mißlingen deS StrikeS) sowie der Klcmpnervercin und ein von den Mitgliedern deS All- gemeinen Deutschen Arbeitervereins gegründeter Goldleistenmacher- verein, eingegangen. Während und durch den Krieg schmolz die au 500 Mitglieder starke Internationale Gewerkschaft der Holz- arbeitcr, sowie die der Schuhmacher auf wenige Mann zusammen; die der Maler und Lackirer sowie der Allgemeine Deutsche Schnei- derverein lösten sich gänzlich auf. Nach dem„glorreichen" Kriege kamen die ReichstagSwahlen und eS wurde, trotz des famosen„ReichStagSwahlukaS" deS Herrn von Schweitzer, wiederum von unserer Seite auf ein Zusammen- gehen hingearbeitet. Einige Mitglieder deö Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins wollten von unserin Kandidaten Dr. Jakobi nichts wissen; andere, welche durch die Haltung deö„Sozial-Demokrat" während des Krieges mit dem Herrn von Schweitzer unzuftiede» geworden waren, traten mit uns in das Wahlkomitö. Weil wir aber theilS durch die Anwesenheit vieler Parteigenossen bei der Armee, thcils auch durch den Rücktritt einiger Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins aus dem Wahlkomits nicht ge- schlössen vorgehen konnten, vereinigten wir ans unsern Kandidaten� nur circa 400 Stimmen, also 700 Stimmen weniger als u■ Jahre 1867. Ein der großen Masse der Bevölkerung unver I ständliches und unmotivirteS Wahlmanifest trug nicht wenig diesem Mißerfolg bei. Der Vorsitzende deS ZimmerervereiiiS sagjfl uns bei dieser Gelegenheit, die Mitglieder des genannten VerciiW würden sich zur Sprengung von Versammlungen nicht mehr g? brauchen lassen, und man hat Wort gehalten. Einige Monate später wurde wiederum von beiden Seiten eine Einigung ange- strebt, und zu diesem Zwecke ein gemeinschaftliches Comitö ge- wählt, welches den Frieden herbeiführen sollte und auch wirklich für 3 Wochen auf folgende Weise zn Stande' brachte. Die öffent- lichen Versammlungen wurden gemeinsam einberufen. Die Plakate zu diesen Versammlungen ebenfalls gemeinsam unterzeichnet und dadurch die großartigste Bctheiligung der Kölner Arbeiterbevöl- kcrung an unserer gemeinsamen Sache, der Sache der So- zial-Demokratie, erzielt. ES wurde aufgefordert, auf der „Sozial-Demokrat" und den„Volksstaat" zu abonniren und dir beiderseitigen Vercinsversammlnngcn zn besuchen. Durch unser Einigung sowie durch die dadurch erzielte Betheiligung der Ar besser gcrieth die hochwohltöbljche Polizei außer sich und wir warei auf Schritt und Tritt, ja.sogar in unsern Privatznsammeukünfter und bei unsern Spaziergängen von unisormirten und nichtuni formirten Polizisten umgeben. Die Wirthe wurden instruirt, un keine Lokale zu überlassen, während zur selbigen Zeit sowie wäh rend deö Krieges zwischen zwei Verwundeten- und Pvckenhospi tälern von niedrigem Gesindel und verkommenen Menschen ge tanzt und musizirt wurde. Diesen legte man keine Hindernisse n .J . tJ..«w| ivv/v CVtttt c viti� .wiesen. Dadurch, daß nun die Hauptversammlungen, weil das . �okal deS Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins zu klein, in un- serm Vereinslokale stattfanden, glaubten mehrere Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, sie würden im Nachtheile >ein und zogen sich zurück. Bei der nächstfolgenden Comits-Sitzung, wo eine Tagesordnung für die nächstfolgende öffentliche Verjamm- lung festgesetzt werden sollte, erklärte der damalige Bevollmächtigte des Allgemeinen Teutschen Arbeitervereins, Herr Lichters, nicht mehr mitmachen zu wollen, wodurch der kaum geschlossene, so lange ersehnte und unsere gemeinsamen Gegner in Angst und Schrecken jagende Friede wieder in Kriegszustand verwandelt wurde. Die Versammlungen konnte man uns aber nicht mehr sprengen, weil wir die Majorität hatten. Ans einmal brach im Oktober 1871 auf der Centralwerkstätte der rheinischen Eisenbahn ein Strike aus, an dem über 1000 Ar- beitcr, worunter auch Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins, bctheiligt waren. Es fanden mehrere große.von Uber 3000 Personen besuchte Arbeitervcrsammlungen statt. Wir arbeiteten nun natürlich wieder zusammen, auch Fritz Wende hatte sich ein- gefunden, und es kamen durch unser Zusammenwirken in der ersten Versammlung nicht weniger als 78 Thlr. 20 Ngr. an freiwilligen Beiträge» ein. Vor der zweiten Versammlung hatten sich aber schon einige Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins von Blende ködern lassen. Anstatt die gemeinsamen Kräfte auf den Strike zu konzentriren, beschlossen die Herren Fritz Wende nebst höherem und niederem Gefolge die soziale Frage mit einem Schlage zu lösen und von der Regierung 200 Millionen Thlr. von den französischen Milliarden zur Gründung von Produktivgenossenschaften nach den Prinzipien Lassalles zu verlangen. Der Strike wurde nun als Nebensache behandelt. Der bescheidene Blende besürwor- tete in einer Versammlung die Millionensorderung und eine durch diese, sowiedurch einen Kongreß zu erzielendeEinigung der deutschen Ar- beiter. Bei den glormchen Schlachten habe sein Herz immer höher geschlagen aus dem Grunde, weil eö immer für„Sein Volk" ge- ilüht habe. Jetzt mußten die Gegensätze natürlich wieder aufeinander ckatzen. Es wurde unsererseits unter Andcrm geltend gemacht, daß Lassalle niemals von dem heutigen Staate etwas verlangt hätte, und daß die heutigen Regierungen auf derartige Förderungen auch nicht eingehen würden. Würden die Regierungen etwas lhnn, so könnten wir sie natürlich nicht daran hindern. Die Resolution für die Blillionenforderung wurde augenommen. Jetzt glaubte Fritz sich gesichert und fiel über die Internationalen her. Als er unge- Vhr eine Stunde lang tolles Zeug geschwätzt hatte, wurde die Rede- zeit auf 5 Minuten beschränkt, um die Opposition abzuschneiden. Die Versammlung verlief sich und die strikenden Arbeiter waren die Geprellten. Wir haben uns schon zu lange mit diesem eiteln Geck aufgehalten; aber Eines dürfen wir unsern Parteigenossen doch nicht vorenthalten. Als nämlich einer unserer Parteigenossen das Nationalitätsprinzig das Kainszeichen auf der Wange der Völker nannte, riß der Tollhänsler unter allgemeinem Gelächter oen Rock aus und rief:„Dies kann ich nicht zugeben; er beleidigt sie Nation; er beleidigt„Mein" Volk". Es war ihm aber nicht gelungen, durch die Goldstücke seiner hohen Gönnerin, auch nur einen einzigen von den Unsern zu ködern. Seit dieser Zeit wurde uns nur noch von einzelnen Mitgliedern des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins Chikane bereitet. Dieselben konnten jedoch, da es ihnen an geistiger und numerischer Kraft fehlte, nichts ausrichten. In den letzten zwei Monaten wurden zwei Versammlungen mit fremden Rednern von ihnen einberufen. Man beobachtete dabei wiederum die alte Taktik, den Gegner nicht zu Worte kommen zu iasseu. Es wurde nun vor einigen Monaten wieder eine Einigung on unserer Seite versucht, welche auch von dem jetzigen Bevoll- .nächtigten und mehreren Mitgliedern des Allgemeinen deutschen Ärb.'itervercins befürwortet, von den ljebrigen aber verworfen wurde, weil man erst Instruktionen von Berlin einholen müsse. Im Laufe oieses Jahres sind nun an Stelle der Gewerkschaften theilweise Fachvereine gegründet worden. Die Tischler und die Seiler haben einen solchen gegründet; der OrtSverein der Maurer schloß sich der internationalen Gewerkschaft der Maurer und Zimmerer in Dres- oen, die Weber der internationalen Gewerkschaft der Manufaktur- und Handarbeiter, die Sattler dem Allgemeinen deutscheu Sattler- verein an. Einige Tischler haben an ihrer alten Gewerkschaft fest- gehalten. Ebengenannte, sowie der Cigarrenckrbeiterverein sind durch ein Centratcomitö miteinander verbunden, welches in der letzten Zeit seine Schuldigkeit nicht gethan, jetzt aber wieder in die Be- ' wegung eingreifen wird, wie wir hoffen wollen. Außerdem wurden noch ein Fackvcrein der Schuhmacher, der Bäcker und der Schneider > gegründet. Ferner bestehen hier in Cöln der Buchdruckervereiii, ein Musikerverein, sowie der von Seiten des Allgemeinen deutschen ' Arbeitervereins gegründete Bietallarbeiterverein und der Allgemeine c deutsche Zimmererverein. Auf das Gedeihen der einzelnen Vereine l werden wir in unsern später» Berichten zurückkommen. Wir haben l 132„VolkSstaat"-Abonnenten. Der„Nene Sozialdemokrat" hatte nach seiner eigenen Angabe im vorige» Quartal 24, nach genau « eingezogenen Erkundigungen aber nur 7 Abonnenten. Ferner haben > wir seit dem Frühjahre auch den Schriftenverkauf unentgeltlich '■ übernommen und bereits für 100 Thlr. Schriften vertrieben. Unser Haupthinderniß ist der carnevalistische Geist und der > varaus für ernstere Sachen entstehende Jndisferentismns der Kölner Arbeiter, mit welchem wir uns, sowie mit den uns gegenüber- ' gehenden Parteien und ihren Organen in unserm nächsten Mo- ' �rtsberickte beschäftigen werden. S. � Tangenbielau i. Sch., 21. Dezbr. Gestern Nachmittag 2 Uhr > Tc � Parteigenosse August Kühn verhaftet worden. Den ' durund zu dieser Maßregel haben wir nicht erfahren können; wahr- >einlich aber ist, daß er anläßlich mehrerer gegen ihr anhängig ' D.nachten Prozesse in Untersuchungshaft genommen ist. c 1 cheestendorf, 16. Dez. Am Sonntag, den 30. November, - hielten wir Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins , �Präsidium Wende) eine öffentliche Volksversammlung zu Bremer- ' �afen bei Gastwirth S ahlin g, Markt6ab. Die'Tagesordnung war: � � s.Das Elend der arbeitenden Klasse und dessen AbHülse." Als Re-- '• rent war Herr?) o r ck aus Hamburg anwesend.— Am Montag, tcn 1. De'., Volksversammlung zu Geestendorf bei Gastwirth Metter, Friedrichstraße. Tagesordnung:„Die Stellung des Ar- ' Deiters in der heutigen Gesellschaft." Referent Herr 2>orck aus l �Hamburg.— Am Dienstag, den 2. Dezember, Volksversammlung, •' Bremerhafen bei Gastwirth A. Jansen. Tagesordnung:„Die '1 1 Mchultze-Delitzsch'schen Genossenschaften und deren volkSwirthschaft- 'i i Tchxr Nutzen." Herr Porck hielt in allen drei Versammlungen £' Mr gediegene Vorträge, so daß der Wunsch ausgesprochen wurde, > �r möchte nur recht bald wieder kommen. O Joh. Saltz, Schriftführer. '■ Weu-Isenöurg, 12. Dezember. Am 6. und 7. d. Mts. hatten Ur die Wahl für die hessische Ständekammer zu vollziehen. Durch - �hn Beschluß der Delegirtenversammlung in Darmstadt fühlten wir !>'»ns bewogen, auch 6 Kandidaten aufzustelleu. Unsere Gegner par.cu jwai ft.r imai oen �icg vävongelragen, doch uiu mit einer sehr geringen Majorität. Das nächste Mal soll eö besser werden.— Ich habe aber noch zu berichten über eine Handlung der enipö- rendsten Art, die sich bei den Gemeinderathswahlen abgespielt____ hat. Am 7. Dezember, Abends, entstand in einer hiesigen Wirthschaft der Fortschrittler ein heftiger Streit. In denn vU*. selben Augenblick, als unser Parteigenosse Gerhardt nebst seinem Anzeigen:e. Dienstag, den 31. Dez., Abends 8 Uhr: II Ii U 4 Versammlung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei im„Schwanen", oberer Graben. Z. Schäfte. Cöln. Sozial-dcmokratischcr Arbeiterverein. Mittwoch, den 1. Januar 1873, Vormittags pünktlich 11 Uhr: ______..._______ f_____|vv... � Geschlossene Parteinersammlung „rade aus Urlaub anwesenden Sohne herbeieilten, erhielt der'"' Wchdors Thieboldsgaiie lW. |6,m, w m A M..4» W S,„Är,:'' �"SSSSStä Ii» Hilfe ist sein Zustand derart, daß sein Tod jeden Tag zu be--—--—-—---—-- v w fürchten ist. Damit aber nicht genug. Gerhardt nebst noch 12 Anderen wurden Tags darauf gefänglich eingezogen, von denen sich jetzt noch- drei und unter diesen auch Gerhardt in Haft be- finden. Ter Thäter, wie auf das Bestimmteste behauptet wird, ist dagegen immer noch auf fteiem Fuß.— Tetaits über den Vorfall werden folgen. Parteigenossen allerorts! Gerhardt ist 62 Jahre alt und Vater von ö Kindern; die bitterste Roth ist jetzt über diese gekommen, da sie ihres Vaters beraubt sind. Verlaßt Gerhardt und seine Angehörigen nicht. Thut Eure Schuldigkeit. Briefe u. s. w. sind an den Unterzeichneten einzusenden. Jean Volle. Wurnbcrg, 7. Dezember. In der sogenannten Maschinen- fabrik von Georg Häberlein sind zwei unserer Parteigenossen ge- Dienstag, den 31. December, Abends halb 9 Uhr: Ocffcntlicke Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Die Vorgänge in der sozial-demokratischen Ar- beitcrpartci.— Diskussion. Der Vorstand. Hamburg. Sozial-demokratischer Arbeiterverein. Versammlung am Montag, den 30. Dezember, Abend« 3 Uhr, in Eberbahn's Clnblokal, Zcughausmarkt 31. Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Das Eirculair Schweitzers und die Einigungsbestrebungen. SS" Die Mitgliedskarten find vorzuzeigen. Die Mitglieder wcrdm dringend ersucht, sich einzufinden. _ Der Vorstand. Hannober. Der maßregeltundj-tzt'also 14Tage"v°r Weihnachten aufsPflafter �'den 3l' Dlzlmbcr(WSfhÄ VnPi Iip l�jnlinlriPmnfvrttPtt irn� Ppm I ViriPt» Sil/ aS Pill rnvpitipr u. v. o rrv__...r...„ �..... �' 0 gesetzt, weil sie Sozialdemokraten sind. Dem Einen, Modellschreiner, war im Frühjahr bei seiner Aufnahme die Versicherung gegeben worden, daß er auch im Winter dauernde Arbeit haben solle; allein, was liegt einem Fabrikanten an einem Versprechen! Heute wird der anerkannt gute Arbeiter, blos weil er Sozialist ist, ohne jede weitere Ursache an die Luft gesetzt und anderen Tags im Lokalblatt wieder ftisch um andere Arbeiter annoncirt. Der Andere, ein Schlosser, wurde als revolutionärer Aufwiegler be- zeichnet und dem Modellschreiner zum Vorwurf gemacht, daß er sich mit diesem Menschen, mit dem sonst Niemand zu thun haben wollte, eingelassen habe. Tie Zeckgiufse Beider sind zwar mit dem Wörtchen„ordnungsgemäß" versehen, aber statt des gedruckten Formulars des Fabrikantenbundes hat Herr Häberlein den Ent- lassenen ein auf Briefpapier geschriebenes eingebändigt, es sind demnach AuSnahmözeugnisse. Erst kürzlich ist ein anderer Ar- beiter, der von Häberlein ohne Kündigung und ohne Zeugniß fortgegangen war, auf Veranlassung des Herrn Häberlein aus einer andern großen Fabrik, wo ,er angefangen hatte, entlassen worden. Merkt Euch das Arbeiter, und laßt Euch die Unter- drückungsorganisation der Ausbeuter zur Mahnung dienen, Euch selber zu organisiren. Alle Parteiblätter werden ersucht, diesen Herrn bestens zu empfehlen. Kaag, 25. Novbr. Die Bakunisten haben nicht still gesessen und nach Amsterdam ein„Bulletin" geschickt; nach Anleitung der- selben war gestern daselbst Versammlung der Sektion mit Tele- girten von den übrigen Sektionen; da ich für den Haag abgesandt war, so hatte ich die betreffenden Nummern des„Volksstaat" mit- genommen und daraus das„Bulletin" widerlegt, so daß der Be- schluß gefaßt wurde, eö mit dem Generalrath zu halten bis zum nächsten Kongreß und erwartet man, daß derselbe noch mehr Klar- heit in die Sache bringen werde.— Es ist Schade, daß unsre Partei ohne Organ hier ist, daher hier so viel Leichtgläubigkeit. Ich thue mein möglichst Bestes, aus dem„Volköstaat" für„De Werkman" zu übersetzen. B. Ls. Haltung im Lokale des„Deutschen Gartens". Es findet äuch Chrifibaiimverloosung statt und nimmt das Vcrgnügungskcmit« Geschenke zum Christbaum ent« gegen. Die Geschenke sind im Vercinslvkale bei Herrn Bartling, Kno- chenhaucrstrasie 59, abzugeben. Zutritt frei. _____ n______________ Im Auftrage des KomiteS: Kaiser. Leipzig. Internationale Mctallarbciter-Gcwerkschast. ..„ Montag, den 30. Dezember, Sitzung Rcudnitzerstraße bei Arnold.— Alle Mitglieder werden aufgefordert für Karten Bücher in Empfang zu nehmen und alle Restanten wegen Jahresabrechnung zu erscheinen.£ zz ttpt hilfl Fachverrm der Kürschner und Mützenmacher Leipzigs und Umgegend. Montag, den 30. Dezember, Abends 8 Uhr, im Trianon bei Richter,, Rchplatz Nr. 9. Die Mitglieder werden aufgefordert, recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Aufnahme neuer Mitglieder. Gleichzeitig diene hiermit zur Nachricht, dafj selbigen Abend- Hauptprobe zur Abenduntcrhaltung stattfindet. Der Vorstand. Hf&PIlIlrtrfl®CI' �escrn des„Volksstaat" zur Kcnntniß, daß »n». lUsinimll/. vom 1. Januar 1873 ab hierselbst eine Filial- Expedition besteht, mit deren Leitung Parteigenosse Rob. Müller be- auftragt worden ist. Alle Abonnement« sind bei demselben zu machen,. da dadurch der Preis des Blatte«, wclcker im 2. Monat des Quartals zu bezahlen, geringer wird. Auch ist es Pflicht aller Leser, für das Blatt zu agitiren d. h. die Arbeiter zum Lesen des„Volksstaat", welcher dem Arbeitervolk die bis über die Qhren hereingezogene Schlafmütze hcrun- terreißt, aufzufordern.____________ Die Parteigenossen, f Soeben erschien: Es werde Licht. Poesieen von �eopokd Aacoöy. Zweite Auflage. Ladenpreis für das Einzelexemplar 15 Sgr. Bei 12 Exemplaren wird für diese Auflage der Verkaufspreis auf 5 Sgr. pro Exemplar ermäßigt. /- Ngr. Heft 2:„Wie die Bourgeoisie die Wohnungsfrage löst", erscheint demnächst. FilialexpedUionen befinden sich: für HKdgmih, Lindenau und Umgegend bei Herrn Uhrmacher Meinhard in Lindenau; für Weudnih, Akt» und Aeuschönefekd, Hokkmarsdorf, tzkon- Üerg:c. bei Herrn Stelzer, Kapellengasse in Reudnitz; für Ftkein» und Oroßzschochcr, Schkenßig bei Herrn Karl Fleischer, Nr. 87 in Kleinzschocher; für Connewitz und Umgegend bei Herrn Teubert, Borna'sche Straße 197 in Connewitz�_ Brieskastcn: der Redaktion: F. M. in Leisnig: Als Dissident rttf können Sie gesetzlich nicht gezwungen werden, ihre Kinder taufen zu fvervtN Ilftlls§ 4 NC» llitlfltNlcNlß tl'flllhl, ülC vlÜOUUfs lassen,- H. F. in Berlin: Wird aufgenommen. Besten Dank.— H." M.»»entsbeträae bis 1 �ttNUar k eilNUl'endlkN in Fürth: Bevor wir von der Wahrheit Ihrer Angaben nicht überzeug. UleNlövriragc vw 4. �llNvllr t. I». CUlJUfCnOCn. find, kann die Ausnahme nicht erfolgen; am Besten würde die Angelegen-> Ter(»mS lltts Verkauften ÄßlCIIOCrn NNd sonstigen heit durch den Ausschuß geregelt.- F. W. in Spandau: Ihr Vorwurf«.f, 4« cbenialls biß länasteilß 1 �llNUftr 1 H7H ist ungerechtfertigt. Stosiandrang verzögerte die Veröffentlichung-der. �" Korrespondenz.— G. N. in Neundorf: Erhalten. Nur Geduld.— E. W. eiNjNfeNoeit. in Ronsdorf: Wir werden de» Schreiber des Artikels interpelliren der Expedition: Vellmar in Untcrsendling für 1 Thlr. 4 Rgr. 2 Ps.— Grätzer in Plauen für Abonn. Dez. 8 Ngr.— Bronnenmayer in Göppingen für 4. Qu. 5 Thlr. 20 Ngr. Die Expedition des„Volksstaat." Leipzig: Berantw. Redakteur R. Seiffert.(Redaktion und Expedition Hohestr. 4). Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerci.