. Erscheint w'öchentlich 3 Mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand« langen des In- und Aus« tandes an. Für Leipzig nehmen Be« stellnngcn an: die Expedition, Hohestraße 4. die GenossenslhastS« iuchdruckerei, Zeitzerstraße 44. A. Bebel, Pelerstraße 18. I. Müller, Bayerschcstraß« 8b, lll. Ävonnemenispreis: � Für Preußen incl. Stempel- steucr 17 Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten 12'/, Sgr, pro Quartal, pro Monat 4'/, Sgr. Für Leipzig und Umgegend pro Quartal 13 Ngr. Filialcxpeditionen für die Ver» einigten Staaten: F. A. Sorge, Lox 101 Uoboken, dl. 3. via Newyork. G. A. Lönnecker, 155 W. Lake Chicago(III.) OrgandersozillldemokratischenArveiterparteiMdderwternattonalenGewerksgenossenschasten. Nr. 2. Sonnaöend, 4. Januar. 1873. Abonnements auf den„Volksstaat" für den Monat Januar zu 4'/, Neugroschen werden bei allen sächsischen Postanstalten, für Leipzig bei der Expedition Hohe Straße 4, wie in der Genosscnschaftsbuchdruckerei Zeitzer- straße 44, dann Petersstraße 18 und bei Colporteur Müller, für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: ftirKolKmars- darf, AendniH, Ncuschönefcld-c. bei O. Stelzer, Reudnitz, Kapellcugasse 11, 2 Tr., für �lagwitz und Lindenau k. bei dem Uhrmacher Meinhard in Lindenau, für ßonncwitz K. bei Teubner, Bornaische Straße 197, für Kleinzschocher und Um- gegend bei Fleischer, Nr. 87 daselbst entgegengenommen. Außerhalb Sachsens kann nur auf Januar und Februar zu- gleich bei den Postanstalten abonnirt werden. Die Erpedition des ,,Dolksstaat Programm der sozialdemokratischen Urbeiterpartei. I. Die sozial-dcmokratische Arbeiterpartei erstrebt die Errichtung des freien VolkSstaats. II. Jedes Mitglied der sozial-demokratischen Arbeiterpartei ver- pflichtet sich, mit ganzer Kraft einzutreten für folgende Grundsätze: 1) Die heutigen politischen und sozialen Zustände sind im höchsten Grade ungerecht und daher mit der größten Energie zu bekämpfen. 3) Der Kampf für die Befreiung der arbeitenden Klaffen ist nicht ein Kampf für Klassenprivilegien und Vorrechte, sondern für gleiche Rechte und gleiche Pflichten und für die Ab- schaffung aller Klassenherrschaft. 3) Die ökonomische Abhängigkeit des Arbeiters von dem Kapi- talisten bildet die Grundlage der Knechifchaft in jeder Form, und es erstrebt deshalb die sozial-demokratifche Partei unter Abschaffung der jetzigen Produktionsweise(Lohnsyftem) durch genossenschaftliche Arbeit den vollen Arbeits- ertrag für jeden Arbeiter. 4) Die politische Freiheit ist die unentbehrliche Vorbedingung zur ökonomischen Befreiung der arbeitenden Klassen. Die so- ziale Frage ist mithin untrennbar von der politischen, ihre Lösung durch diese bedingt und nur möglich im demokra- tischen Staat. 5) In Erwägung, jdaß die volitische und ökonomische Befreiung der Arbeiterklasse nur möglich ist, wenn diese gcmeiusam nnv einheitlich den Kampf führt, gibt sich die sozial-demokratischc Arbeiterpartei eine einheitliche Oraauisatiou, welche es aber auch jedem Einzelnen ermöglicht, feinen Einfluß für daS Wohl der Gefammtheit geltend zu machen. 0) In Erwägung, daß die Befreiung der Arbeit weder eine lokale noch nationale, sondern eine soziale Aufgabe ist, welche alle Länder, in denen eö moderne Gesellschaft gibt, umfaßt, betrachtet sich die sozial-dcmokratische Arbeiterpartei, soweit es die Vereins- gesetzt gestatten, als Zweig der Internationalen Arbeiter- assoziation, sich deren Bestrebungen anschließend. III. AlS die nächsten Forderungen in der Agitation der sozial- demokratischen Arbeiterpartei sind geltend zu machen: 1) Ertheilnng dcS allgemeinen gleichen direkten und geheimen Wahl- rechts an alle Männer vom 2l). Lebensjahre an, zur Wahl für das Parlament, die Landtage der Einzelstaateu, die Provinzial- und Gemeindevertretungen, wie alle übrigen Vertretungskörper. Den gewählten Vertretern sind genügende Diäten zu gewähren. 2) Einführung der direkten Gesetzgebung(d. h. Vorschlags- und VerwerfungSrecht) durch das Volk. Z) Aufhebung aller Vorrechte dcS Standes, des Besitzes, der Ge- burt und der Konfession. 4) Errichtiing der BolkSwehr an Stelle der stehenden Heere. 5) Trennung der Kirche vom Staat, und Trennung der Schule von der Kirche. S) Obligatorischer Unterricht in Volksschulen und unentgeltlicher Unterricht in allen öffentlichen BildungSanstalten. 7) Unabhängigkeit der Gerichte, Einführung der Geschworncn- und Fachgewerbegerichtc, Einführung deS öffentlichen und münd- lichen Gerichtsverfahrens und unentgeltliche Rechtspflege. 8) Abschaffung aller Preß-, Vereins- und Koalitionsgesctze; Ein- führung deS NormalarbeitStageS; Einschränkung der Frauen- und Verbot der Kinderarbeit. Beseitigung der durch die Zucht- und Arbeitshausarbcit den freien Arbeitern geschaffenen Konkurrenz. 9) Abschaffung aller indirekten Steuern und Einführung einer ein- zigen direkte» progressiven Einkommensteuer und Erbschaftssteuer. 10) Staatliche Förderung des Genossenschaftswesens und Staatökredit fürfreieProduktivgenossenschaftenunterdemokratischenGarantien. Wie die Bourgeoisie die Wohnungsfrage löst. Bon Friedrich Engels. II. Wenn wir nnscrm Dr. Sax glauben dürfen, so ist von Seiten der Herren Kapitalisten schon jetzt höchst-Bedeutendes zur Abhülfe der WohnuugSnoth geleistet und der Beweis geliefert worden, daß die Wohnungofragc auf Grund der kapitalistischen Produktionsweise losbar ist. Vor allen Dingen führt uns Herr Sax an— das bonapar- tistische Frankreich! LouiS Bonaparte ernannte bekanntlich zur Zeit der Pariser Weltausstellung eine Kommission, scheinbar um über die Lage der arbeitenden Klassen Frankreichs zu berichten, in der That, um zum größereu Ruhm des Kaiserreichs diese Lage als eine wahrhaft paradiesische zu schildern. Und auf den Bericht dieser, aus den korruptesten Werkzeugen des BonapartismnS zusammen- gesetzten Kommission beruft sich Herr Sax, besonders auch weil die Resultate ihrer Arbeit„nach dem eigenen Ausspruch des damit betrauten ComiteS für Frankreich ziemlich vollständig" sind! Und was sind diese Resultate? Von 89 Großindustriellen resp. Aktien- gesellschaften, welche Auskunft crtheilten, haben 31 keine Arbeiter- Wohnungen errichtet; die errichteten Wohnungen beherbergen nach Sax's eigener Schätzung höchstens 50— 60,000 Köpfe, und die Wohnungen bestehen fast ausschließlich nur aus zwei Zimmern für jede Familie! Es ist selbstredend, daß jeder Kapitalist, den die Bedingungen seiner Industrie— Wasserkraft, Lage der Kohlengruben, Eisenstein- lager und sonstigen Bergwerke u. s. w.— an eine bestimmte länd- liche Lokalität fesseln, Wohnungen für seine Arbeiter bauen muß, wenn keine vorhanden sind. Darin einen Beweis der Existenz der „latenten Assoziation",„ein sprechendes Zcugniß fiir die Zunahme des Verständnisses der Sache und ihrer hohen Tragweite", einen „viel verheißenden Anfang"(S. 115) zu sehen, dazu gehört eine stark entwickelte Gewohnheit, sich selbst etwas aufzubinden. Uebri- gens uuterscheiden sich die Industriellen der verschiedenen Länder auch hierin nach ihrem jedesmaligen Nationalcharakter. Z. B. er- zählt unö Herr Sax S. 117:„In England macht sich erst in neuester Zeit eine gesteigerte Thätigkcit der Arbeitgeber in dieser Richtung bemerkbar. Namentlich sind es die abgelegenen Weiler auf dem Laude... der Umstand, daß die Arbeiter sonst häufig von der nächsten Ortschaft einen weiten Weg zur Fabrik zurückzu- legen haben und schon erschöpft daselbst anlaugend, ungenügende Arbeit leisten, ist es vorwiegend, welcher den Arbeitgebern den Beweggrund zum Baue von Wohnungen für ihre Arbeitskräfte abgibt. Jndeß mehrt sich auch die Zahl derjenigen, welche, in tieferer Auffassung der Verhältnisse, mit der Wohnungsrc form auch mehr oder weitiger alle sonstigen Elemente der latenten Asso- ziation in Verbindung bringen, und diesen danken denn jene blü- heuden Kolonien ihr Entstehen... Die Namen eines Ashton in Hpde, Ashworth in Turton, Graut in Burp, Greg in Boltington, Marshall in LeedS, Strutt in Belper, Salt in Saltaire, Ackroyd in Copley u. A. sind im vereinigten Königreiche uni desscutwillen wohl bekannt." Heilige Einfalt und noch heiligere Unwissenheit! Erst in der „neuesten Zeit" haben die englischen ländlichen Fabrikanten Ar- beitenvohnungen gebaut! Nein, lieber Herr Sax, die englischen Kapitalisten sind wirkliche Großindustrielle, nicht nur dem Beutel, sondern auch dem Kopfe nach. Lange ehe man in Deutschland eine wirkliche große Industrie besaß, hatten sie eingesehen, daß bei ländlicher Fabrikation die Auslage für Arbeiterwohuungen ein noth- wendiger, direkt und indirekt sehr rentabler Theil deS Gesammt- Anlagekapitals ist. Lange ehe der Kampf zwischen Bismarck und den deutscheu Bourgeois den deutschen Arbeitern die Koalitions- freiheit schenkte, hatten die englischen Fabrikanten, Bergwerks- und Hütteubesitzer praktisch erfahren, welchen Druck sie auf ftrikende Ar- reich und Deutschland ist es ganz anders. Hier sind eS nur kolof sale Hüttenwerke und Fabriken, die sich nach langem Zaudern zum Bau einiger Arbeiterwohnungen entschließen— wie das Schnei- der'sche Werk im Creusot und das Kruppssche in Essen. Die große Mehrzahl der ländlichen Industriellen läßt ihre Arbeiter in Hitze, Schnee und Regen meilenweit Morgens zur Fabrik und Abends wieder nach Hause traben. Dies ist besonders in gebirgigen Ge- genden der Fall— in den französischen und clsasser Vogesen, wie an der Wupper, Sieg, Agger, Lenne und anderen rheinisch-wcst- phälischen Flüssen. Im Erzgebirge wirds nicht besser sein. ES ist dieselbe kleinliche Knickerei bei Deutscheu wie bei Franzosen. Herr Sgx weiß sehr gut, daß sowol der vielversprechende An- fang wie die blühenden Kolonien weniger als Nichts bedeuten. Er sucht also jetzt den Kapitalisten zu beweisen, welche prächtige Ren- ten sie aus der Anlage von Arbeiterwohuungen ziehen können. Mit andern Worten, er sucht ihueu einen neuen Weg anzuzeigen, die Arbeiter zu prellen. Zuerst hält er ihnen daS Exempel einer Reihe von Londoner Baugesellschaften vor, welche, theilS philanthropischer, theils spcku- lativer Natur, einen Reinertrag von 4 bis 6°/o und mehr erzielt haben. Daß Kapital, in Arbeiterwohuungen angelegt, sich gut rentirt, braucht unS Herr Sax nicht erst zu beweisen. Der Grund, weshalb es nicht mehr darin angelegt wird als geschieht, ist der, daß theurere Wohuungen sich dem Eigenthümer noch besser rentiren. Herrn S-ax's Mahnung au die Kapitalisten läuft also wieder auf bloße Moralpredigt hinaus. Was nun diese Londoner Baugesellschaften angeht, deren glän- zeude Erfolge Herr Sax so laut ausposaunt, so haben sie laut seiner eignen Aufzählung— und darin ist jede beliebige Bauspe- kulation mit aufgeführt— im Ganzen Unterkommen für 2132 Familien und für 706 einzelne Männer hergestellt, also für unter 15000 Personen! Und dergleichen Kindereien wagt man in Deutsch- land eruslhaft als große Erfolge aufzuführen, während im Osttheil von London allein eine Million Arbeiter in den elendesten Woh- nungszustäuden leben? Diese sänimtlichen philanthropischen Be- strebungen sind in der That so erbärmlich nichtig, daß in den eng- tischen Parlamentsberichten, die sich mit der Lage der Arbeiter be- fassen, ihrer nie auch nur Envähnung gethan wird. , Bon der lächerliche» Unkenntniß Londons, die sich in diesem ganzen Abschtlitt breit macht, wollen wir hier gar nicht sprechen. 'Nur Eins. Herr Sax meint, das LogirhauS für einzelne Män- »er in Soho sei eingegangen, weil in dieser Gegend„auf zuhlreiche Kundschaft nicht zu rechnen" war. Herr Sax stellt sich nämlich das ganze Westend von London als eine einzige große Luxusstadt vor und weiß nicht, daß dicht hinter den elegantesten Straßen die schmutzigsten Arbeiterviertel liege», von denen z. B. Soho eins ist. Das Niustcrlogirhans in Soho, von dem er spricht und daS ich schon vor 23 Jahren kannte, hatte anfangs Zuspruch die Menge, ging aber ein, weil kein Mensch es darin aushalten konnte. Und dabei war eS noch eins der besten. Aber die Ärbeiterstadt von Mühlhansen im Elaß— daS ist doch ein Erfolg? Die Ärbeiterstadt in Mühlhaufen ist das große Paradepferd der köntinentalcn Bourgeois, grade wie die weiland blühenden Kolonien von Ashton, Ashworth, Greg und Konsorten das der eng- beiter ausüben können, wenn sie gleichzeitig die MiethSherren dieser lischen. Leider ist sie kein Produkt der„latenten" Assoziation, .! i- �. e. t v s>o /-vW. a*. o viy« t. Z<*...• W �» 0 1 ZZ— ä! � r... w....~' L... r...... 1• r y- Arbeiter sind. Die„blühenden Kolonien" cineS Greg, eines Ash- ton, eineS Ashworth, gehören so sehr der„neuesten Zeit" an, daß sie schon vor 40 Jahren von der Bourgeoisie als Muster aus- sondern der offenen Assoziation zwischen dem zweiten französischen Kaiserthum unddcn'elsasser Kapitalisten. Siewar eins vonLouisBona- partes sozialistischen Experimenten, zu dem der Staat'/- des Kapi- posaunt wurden, wie ich daS selbst schon vor 28 Jahreix beschrieben talS vorschoß. Sie hat in 14 Jahren(bis 1867) 300 kleine (Lage der arbeitenden Klassen, Seite 228— 30, Anmerkung). Etwa! Häuschen nach einem mangelhaften, in England, wo man dies ver- eben so alt sind die von Marshall und Akroyd(so schreibt sich der steht, unmöglichen System gebaut, und überläßt diese den Arbeitern Mann) und noch viel älter, ins vorige Jahrhundert in ihren?ln- gegen monatliche Bezahlung eines erhöhten MiethbetragS nach 13 sängen zurückreichend, ist die von Strutt. Und da in England die bis 15 Jahren als Eigenthum. Diese Art der EigentbumSerwev durchschnittliche Dauer einer Arbeiterwohnung auf 40 Jahre ange nommen wird, so kann Herr Sax sich selbst an den Fingern ab- zäh er, in welchem verfallenen Zustand sich diese„blühenden Kolo- nien" jetzt befinden. Zudem liegt die Mehrzahl dieser Kolonien jetzt nicht mehr auf dem Lande; die kolossale Ausdehnung der In- dustric hat die meisten von ihnen derart mit Fabriken und Häusern umgeben, daß sie mitten in schmutzigen und rauchigen Städten von 20— 30,000 und mehr Einwohnern liegen; waö die durch Herrn Sax repräsentirte deutsche Bourgeoisiewsssenschaft nicht verhindert, die alten englischen Lobgesänge von 1840, die gar nicht mehr an- wendbar sind, noch heute getreulichst nachzubeten. Und nun gar der alte A— ich will den Namen nicht nennen, er ist längst todt und begraben! Dieser brave Mann war aller- dingS ein Philanthrop vom reinsten Wasser. Er liebte seine Ar- beiter und besonders seine Arbeiterinnen so sehr, daß seine weniger menschenfreundlichen Konkurrenten in Pvrkjhire von ihm zu sagen pflegten: er treibe seine Fabrik ansschließkich mit seinen ciguen Kindern! Allerdings behauptet Herr Sax, daß in diesen blühenden Kolonien„uneheliche Geburten im: er seltener werden"(Seite 113). Jawohl, unehelich? Geburten außer der Ehe; die hübschen Mäd- che» verheirathen sich in den englischen Fabrikdistrikten nämlich sehr jung. In England ist die Anlage von Arbeiterwohuungen dicht neben jeder großen ländlichen Fabrik, nnd gleichzeitig mit der Fabrik, die Regel gewesen seit 60 Jahren und mehr. Wie schon erwähnt, sind viele solcher Fabrikdörfcr der Kern geworden, um den sich später eine ganze Fabrikstadt angesetzt hat, mit allen den Uebel- ständen, die eine Fabrikstadt mit sich bringt. Diese Kolonien yabcn also die Wohnungsfrage nicht gelöst, sie haben sie in ihrer Lokalität erst geschaffen. Dagegen in den Ländern, die England auf dem Gebiet der großen Industrie nur nachgehinkt sind, und' die eigentlich erst seit 1848 kennen gelernt haben, waS eine große Industrie ist, in Frank- bung, in den englischen genossenschaftlichen Baugesellschaften, wie wir sehen werden, längst eingeführt, brauchte von den elsasser Bo- napartisten nicht erst erfunden zu werden. Die Miethaufschläge für den Ankauf der Häuser sind im 4Lerhältniß zu den englischen ziemlich stark; der Arbeiter erhält z. B., nachdem er 4500 Franken in fünfzehn Jahren nach und nach eingezahlt hat, ein HauS, das vor 15 Jahren 3300 Franken Werth war. Falls der Arbeiter weg- ziehe» will oder auch nur mit einer einzigen Monatszahlung im Rückstand bleibt(in welchem Fall er herausgesetzt werden kann), be- rechnet man ihm 6~j�ja des ursprünglichen HauSwerths als jähr« liche Miethe(z.B. 17 Frauken monatlich bei 3000 Franken Haus- Werth), und zahlt ihm den Rest heraus, aber ohne einen Pfen» »ig Zinsen. Daß dabei die Gesellschaft, abgesehen von der „Staatshilfe", fett werden kann, begreift sich; ebenso wohl begreift sich, daß die unter diesen Umständen gelieferten Wohnungen, schon weil vor der Stadt, halb ländlich, angelegt, besser sind als die alten Kasernenwohnungcn in der Stadt selbst. Von den paar erbärmlichen Experimenten in Deutschland, deren Jämmerlichkeit selbst Herr Sax, Seite 157, auerkennt, sagen wir kein Wort. WaS beweisen nun alle diese Exempel? Einfach, daß die An- läge von Arbeiterwohuungen, selbst wenn nicht alle Gesetze der Ge« sundheitSpflege mit Füßen getreten werden, sich kapitalistisch rentirt. DaS aber ist nie bestritten worden, daS wußten wir Alle längst. Jede Kapitalanlage, die ein Bedürfniß beftiedigt, rentirt sich bei rationellem Betrieb. Die Frage ist grade: warum trstzdem die Wohnuugsnoth fortbesteht, waruln trotzdem die Kapitalisten nicht für hinreichende, gesunde Wohnungen für die Arbeiter sorge»? Und da hat Herr S.rx eben wieder nur Ermahnungen an daS Kapital zu richten, uiw bleibt uns die Antwort schuldig. Di« wirkliche Antivort auf diese Frage haben wir oben schon gegeben. DaS Kapital, das ist jetzt eudgiltig festgestellt, will die Woh- nungSuoth nicht abschaffen, selbst wenn es könnte. Bleiben nur Zwei andere Auskunftsmittel: die Selbsthilfe der Arbeiter, und die Staatshilfe. Herr Sax, ein begeisterter Verehrer der Selbsthilfe, weiß auch auf dem Gebiet der Wohnungsfrage Wunderdinge von ihr zu b'e- richten. Leider muß er gleich im Anfang zugeben, daß sie nur da etwas leisten kann, wo das Cottagesystem entweder besteht oder doch durchführbar ist. Also wiederum nur aus dem Lande; in den großen Städten, auch in England nur in sehr beschränktem Maßstab. Dann, seufzt Herr Sax,„kann sich die Reform durch dieselbe(die Selbsthilfe) nur auf einem Umwege, daher stets nur unvollkommen vollziehen, nämlich nur insofern, als eben dem Prin- ziv des Eigenbesitzes eine auf die Qualität der Wohuuug rück- wirkende Kraft zukommt". Auch dies wäre in Zweifel zu ziehii; jedenfalls hat„das Prinzip des Eigenbesitzes" aus die„Qualität" des Stpls unsreS Verfassers keineswegs reforniircnd zurückgewirkt. Drotz alledem hat die Selbsthilfe in England solckc Wunder ge- than,„daß dadurch alles, was dort zur Losung der Wohnungsfrage nach anderen Richtungen hin geschehen ist, weit überholt wird. Es sind dieS die englischen lniilctiuA societies", die Herr Sax auch besonders deswegen weitläufiger behandelt, weil„über ihr Wesen und Wirken im Allgemeinen sehr ungenügende oder irrige Vor- stellungen verbreitet sind. Die englischen buildin� societies sind ceineswegs____ Ballgesellschaften oder Baugenossenschaften, sie sind vielmehr____ im Deutschen etwa durch:„Häuserwerbvereiue" zu bezeichnen; sie sind Vereine mit dem Zwecke, durch periodische Bei- träge der Mitglieder einen Fond anziisammel», und daraus, eben nach Maßgabe der Mittel, den Mitglieder» zum Ankauf eines Hauses Darlehen zu gewähren---- Die building society ist somit für den einen Theil ihrer Mitglieder ein Sparverci», für den andern Theil eine Vorschußkasse.— Die building societies sind also für die Bedürfnisse des Arbeiters berechnete. Hypothekar- kreditanstalten, welche hauptsächlich---- die Ersparnisse der Ar- besser____ den Standesgenossen der Einleger zum Ankauf oder Bau eines Hauses zuwenden. Wie vorauszusetzen, werden diese Darlehen gegen Verpfändung der betreffenden Realität und in der Weife konstitnirt, daß die Tilgung derselben in kurzen Rateuzah- lung?« erfolgt, welche Verzinsung und Amortisation in sich ver- einen.... Die Verzinsung wird den Einlegern nicht ausbezahlt, sondern stets auf ZinfeszinS gutgeschrieben---- Die Rückforderung der Einlagen sammt den angewachsenen Interessen---- kann gegen monatliche Kündigung jeden Augenblick erfolgen". (Seite 170— 172.)„Es bestehen in England über 2000 solcher Vereine,____ das in ihnen augesammelte Kapital beläuft sich aus etwa 15,000,000 Pfund Sterling, und an 100,000 Arbeiter- familien sind auf diesem Wege bereits zu dem Besitze eines eignen häuslickjen Heerdes gelangt; eine soziale Errungenschaft, der sicher- sich nicht bald eine andre an die Seite zu stellen."(Seite 174). Leider kommt auch hier das„Aber" didft hinterdrein gehinkt: „Eine vollendete Lösung der Frage ist indeß damit noch keines- Wegs erreicht. Schon aus dem Grunde nicht, weil der Haus- erwerb nur den bessergestellten Arbeitern.... offensteht---- Namentlich die sanitären Rücksichten sind oft nicht genügend be- obachtet."(Seite 176.) Auf dem Kontinent finden„derartige Vereine____ nur ein geringes Terrain zur Entfaltung vor". Sie fetzen das Cottagesystem voraus, das hier nur auf dem Lande be- steht; auf dem Lande aber sind die Arbesser zur Selbsthilfe noch nicht entwickelt genug. Andrerseits in den Städten, wo sich eigent- siche Baugenossenschaften bilden könnten, stehn ihnen„sehr erhebliche und ernste Schwierigkeiten mannichfacher Art entgegen."(Seite 179.) Sie könnten eben nur Cottages bauen und das geht in den großen Städten nicht. Kurzum,„dieser Form der genossenschaftlichen Selbsthilfe" kann„nach den heutigen Verhältnissen— und auch kaum in naher Zukunft— die Hauptrolle in der Lösung der vor- siegenden Frage wohl nicht zufallen." Diese Baugcnosseuschaften befinden sich nämlich noch„im Stadium der ersten, unentwickelten Anfänge".„Dies gilt selbst für England."(Seite 181.) Also: die Kapitalisten wollen nicht und die Arbeiter können nicht. Und damit könnten wir diesen Abschnitt schließen, wenn eö nicht unbedingt nöthig wäre, über die englischen building societies, die die Bourgeois von der Couleur Schuize-Desitzsch unfern Arbeitern stets als Muster vorhalten, einige Aufklärung zu geben. Diese building societies sind weder ArbeitergefeUfchaften, noch ist ihr Hauptzweck, Arbeitern eigne Häuser zu verschaffen. Wir werden im Gegentheil sehen, daß dies nur sehr ausnahmsweise geschieht. Die building societies sind wesentlich spekulirender Natur, die kleinen, welche die ursprünglichen sind, nicht weniger als ihre großen Nachahmer. In einem Wirthshaus thun sich, auf Be- trieb gewöhnlich des WirthS, bei dem dann die wöchentlichen Ver- fammlungen stattfinden, eine Anzahl Stammgäste und deren Freunde, Krämer, Commis, HandlungSreisende, Kleinmeister und andres Kleiubürgerthum— hier und da auch ein Maschinenbauer oder sonstiger zur Aristosiatie seiner Klasse gehöriger Arbeiter— zu einer Baugenossenschaft zusammen; die nächste Veranlassung ist gewöhn- sich, daß der Wirth ein verhältnißmäßig wohlfeil zu habendes Grundstück in der Nachbarschaft oder sonst wo aufgespürt hat. Die meisten der Mitglieder sind durch ihre Beschäftigung nicht an eine bestimmte Gegend gebunden; selbst viele der Krämer und Hand- werker haben in der Stadt nur ein Geschaftslokal, keine Wohnung; wer irgend kann, wohnt lieber draußen als mitten in der rauchi- gen Stadt. Die Baustelle wird gekauft, und die mögliche Anzahl von Cottages darauf errichtet. Der Kredit der Wohlhabenderen ermöglicht den Ankauf, die wöchentlichen Beiträge, nebst einigen kleinen Anleihen, decken die wöchentlichen Auslagen für den Bau. Diejenigen Mitglieder, die auf ein eignes HauS fpekuliren, erhalten durchs LooS die fertig werdenden Cottages zugetheilt, und der ent- sprechende Miethaufschlag amortisirt den Kaufpreis. Die übrig- bleibenden Cottages werden vermiethet oder verkauft. Die Bau- gesellschaft aber, wenn sie gute Geschäfte macht, sammelt ein kleineres oder größeres Vermögen an, das den Mitgliedern verbleibt, so lange sie ihre Beiträge zahlen und von Zeit zu- Zeit, oder bei Auflösung der Gesellschaft vertheilt wird. Das ist der Lebenslauf von neun englischen Baugesellschaften aus zehn. Die übrigen sind größere, zuweilen unter politischen oder philanthropisd,en Vorwänden gebildete Gesellschaften, deren Hauptzweck aber schließlich immer der ist, den Erspanlissen des Kleindürgerthums eine höhere hypo- thekarische Anlage mit guter Verzinsung und Aussicht auf Divi- dende vermittelst Spekulation in Grundeigenthum zu verschaffen. Auf welche Sorte von Kunden diese Gesellschaften spekuliren, beweise der Prospekt einer der größten, wo nicht der größten unter ihnen. Die Birkbeck Building Society, 29 and 30, Soutbampton Buildings, Chancery Laue, London, deren Einnahmen seit ihrem Besteh» über lO'/ii Millionen Pfund Sterling(70 MillionenThaler) betragen, die über 416,000 Pfund in der Bank und in Staats- papieren angelegt hat, und gegenwärtig 21,441 Mitglieder und Depositare zählt, kündigt sich dem Publikum folgendermaßen an: „Die meisten Leute sind vertraut mit dem sogenannten Drei- jahre-System der Pianofortefabrikanten,»ach welchem Jeder, der ein Pianoforte auf drei Jahre niiethet, nach Verlaus dieser Zeit der Eigenthümer desselben wird. Vor der Einführung dieses Systems war es für Leute von beschränktem Einkommen fast ebenso schwer, sich ein gutes Pianoforte, wie ei» eignes Haus anzuschaffen; man zahlte jahraus jahrein für die Miethe des Pianofortes und gab zwei- oder dreimal soviel Geld aus als das Pianoforte werth war. Was aber bei einem Pianoforte thunlich ist, ist es auch bei einem Hause____ Da aber ein Haus mehr kostet als ein Piano- forte____ ist eine längere Zeit nöthig, um den Kauftreis durch Miethe abzutragen. In Folge bellen haben die Direktoren mit Hauseigenthümern in verschiedenen Theilen von London und seinen Vorstädten Abmachungen getroffen, wodurch sie im Stande sind, den Mitgliedern der Birkbeck Building Society und. andern ein« große Auswahl von Häusern in den verschiedensten Stadttheilen anzubieten. DaS System, wonach die Direttoren zu verfahren be- absichtizen, ist: die Häuser für 12'/- Jahre zu vermiethen, nach Verlauf welcher Zeit, falls die Miethe regelmäßig bezahlt wird, das HauS das absolute Eigenthum deS Miethers wird, ohne fernere Zahlung irgend welcher Art____ Der Miether kann auch für eine kürzere Anfallzeit bei höherer Miethe, oder für eine längere Anfallzeit bei niedrigerer Miethe akkordiren____ Leute von beschränktem Einkommen, HandlungS- und Ladengehilfen und andere können sich sofort von jedem Hausvermiether unabhängig machen, indem sie Mitglieder der Birkbeck Building Society werden." DaS spricht klar genug. Von Arbeitern keine Rede, wohl aber von Leuten mit beschränktem Einkommen, Laden- und Handlungs- gehilfen jc.; und noch dazu wird vorausgesetzt, daß die Appli- kanten in der Regel schon ein Pianoforte besitzen. In der That, eS handelt sich hier gar nicht um Arbeiter, sondern nm Klein- bürger und soläw, die es werden wollen und können; Leute, deren Einkommen, wenn auch innerhalb gewisser Gränzen, in der Regel allmählig steigt, wie daS der HandlungSkomniiS und ähn- licher Erwerbszweige, während daS des Arbeiters, im Betrage bestenfalls sich gleichbleibend, in Wirklichkeit fällt im Verhältniß der Zunahme seiner Familie und ihrer wachsenden Bedürfnisse. In der That, nur wenige Arbeiter können ausuahmsweise an solchen Gesellschaften Theil nehmen. Einerseits ist ihr Einkommen zu gering, andrerseits zu unsichrer Natur als daß sie Verpflichtungen auf 12'/- Jahre hinaus übernehmen könnten. Die wenigen AuS- nahmen, für die dies nicht gilt, sind entweder die bestbezahlteii Arbeiter, oder Fabrikaufseher. Uebrigens sieht Jedermann, daß die Bonapartisten der Arbeiter- stadt Mühlhausen weiter Nichts sind als elende Nachäffer dieser kleinbürgerlichen englischen Baugesellschaften. Bloß daß jene, trotz der ihnen gewährten StaatShilfe, ihre Kunden weit mehr be- schwindeln als diese Baugesellschasten. Ihre Bedingungen sind im Ganzen weniger liberal als die durchschnittlich in England gültigen, und während in England von jeder Anzahlung stets Zins und ZinseSzinS berechnet und nach einmonatlidier Kündigung auch zu- rückbezahlt wird, stecken die Ptühlhauser Fabrikanten den Zins und ZinseSzinS in die Tasche und zahlen nur den in harten Fünffranken- thalern eingezahlten Betrag zurück. Und Niemand wird sich über diesen Unterschied mehr wundern als Herr Sax, der das Alles in seinem Buche stehen hat, ohne es zu wissen. Mit der Selbsthilfe der Arbeiter ist eS also auch nichts. Bleibt die Staatshilfe. WaS kann uns Herr Sax in dieser Beziehung bieten? Dreierlei: „Erstens, der Staat hat darauf bedacht zu fein, in seiner Gr- setzgebung und Verwaltung Alles auszumerzen oder entsprechend zu bessern, was in irgend einer Weise die Beförderung der WohnungS- noch der arbeitenden Klassen znr Folge hat."(Seite 187.) Also: Revision der Baugesetzgebung und Freigebung der Bau- gewerbe, damit wohlfeiler gebaut werde. Aber in England ist die Baugesetzzebung auf ein Minimum beschränkt, die Baugewerbe sind frei wie der Vogel in der Luft, und doch existirt die WohnungS- noth. Dabei wird jetzt in England so wohlfeil gebaut, daß die Häufer wackeln wenn eine Karre vorbeifährt, und daß täglich welche einstürzen. Noch gestern, 25. Oktober, sind in Manchester sechs auf ein Mal zusammengestürzt und haben sechs Arbeiter schwer verletzt. Hilft also auch nichts. „Zweitens, die Staatsgewalt hat zu verhindern, daß der Ein- zelne»i seinem beschränkten Individualismus das Uebel fortpflanze oder neu hervorrufe." Also: Gesundheits- und baupolizeiliche Inspektion der Arbeiter- Wohnungen, Uebertraguug der Besugniß an die Behörden, gesund- heitsgefährliche und baufällige Wohnungen zu schließen, wie dies in England seit 1857 geschehen ist. Aber wie ist es dort geschehen? Das erste Gesetz von 1855 Muisances Bemoval Act) blieb, wie Herr Sax selbst zugibt,„ein todter Buchstabe", ebenso das zweite von 1858(Local Government Act)(Seite 197.). Dagegen glaubt Herr Sax, daß das dritte, der Artisans' Dwellings Act, der nur für Städte über 10,000 Einwohner gilt,„sicherlich ein günstiges Zeugniß ablegt von der hohen Einsicht deS britischen Parlaments in sozialen Dingen"(Seite 199), während diese Behauptung wieder nur ein günstiges Zeugniß ablegt„von" der totalen Unbekannt- schaft des Herrn Sax mit englischen„Dingen". Daß England überhaupt„in sozialen Dingen" dem Kontinent weit voraus ist, versteht sich von selbst; es ist daS Mutterland der modernen großen Industrie, in ihm hat sich die kapitalistisd)e Produktionsweise am fteisteu und am weitesten entwickelt, ihre Konsequenzen treten hier am grellsten a» den Tag, und rufen daher auch zuerst ein. Re- aktion in der Gesetzgebung hervor. Der beste Beweis dafür ist die Fabrikgesetzgebung. Wenn aber Herr Sax glaubt, ein Paria- mentsakt brauche nur Gesetzeskraft zu erhalten, um auch sogleich praktisch eingeführt zu werden, so irrt er sich gewaltig. Und dies gilt von keinem Parlamentsakt mehr(den Workshops' Act allenfalls ausgenommen) als grade von dem Local Government Act. Die Ausführung des Gesetzes wurde den städtischen Behörden übertragen, welche fast überall in England anerkannte Mittelpunkte von Kor- ruption aller Art, FamilienbegUnstigung und dodbcry*) sind. Die Agenten dieser städtisäien Behörden, ihre Stellen allerlei Familen- rücksichten verdankend, sind entweder nicht fähig oder nicht gewillt, derartige Sozialgesetze auszuführen, während grade in England die mit Vorbereitung und Ausführung der Sozialgesetzgebung beauf- kragten Staatsbeamten siä) meist durch strenge Pflichterfüllung aus- zeichnen— wenn auch jetzt in oeringerm Maß als vor zwanzig, dreißig Jahren. In den Stadträthen sind die Eigenthümer ungesunder und baufälliger Wohnungen fast überall direkt oder indirekt stark vertreten. Die Wahl der Stadträthe nach kleineu Bezirken macht die Gewählten von den kleinlichsten Lokalinteressen und Einflüssen abhängig; kein Stadtrath, der wieder gewählt werden will, darf ') llobdciy heißt die Benutzung eine« öffentlichen Amts zu Privat- vortheilen für de» Beamten oder seine Familie. Wenn z. B. der Chef der StaaiStclegraphie eines Landes stiller Gesellschafter einer Papier- fabrik wird, dieser Fabrik Holz aus seinen Forsten liefert, und dann ihr Papierliefcrungcn für die Telegraphenbureaux überträgt, so ist das ein zwar ziemlich kleiner, aber doch in sofern ganz hübscher Job, als er ein vollkommenes Verständniß der Prinzipien der fobbvry bclundet. wagen, für Anwendung dieses Gesetzes auf seinen Wahlbezirk zu ne stimmen. Man begreift also, mit welchem Widerwillen dieS Ge-He setz fast überall von den Lokalbehörden aufgenommen wurde, und0" daß es bisher nur auf die aller skandalösesten Fälle— nub auch!" da meist nur in Folge einer bereits auSgebrochenen Epidemie, wieN voriges Jahr in Manchester und Salford bei der Pockencpidcmieäu« — Anwendung gefunden hat. Der Appel an den Minister deS Innern hat bisher nur in derartigen Fällen seine Wirkung gehabt, M wie es denn däS Prinzip jeder liberalen Regierung in England Wi ist, soziale Reformgesetzc nur nothgedrungen vorzuschlagen niid bietei schon bestehenden, wenn irgend möglich, gar nicht auszuführen. DaS�'c fragliche Gesetz, wie manche andere in England, hat nur die Be-"°' dentnug, daß es in den Händen einer, von de» Arbeitern be-� herrschien oder gedrängten Regierung, die eS endlich ivirklich au-Bc wendet, eine mächtige Waffe sein wird, in den gegenwärtigen°"� sozialen Zustand Bresche zu legen. stri „Dritteiis" soll die Staatsgewalt nach Herrn Sax„alle ihr zu?01" Gebote stehenden positiven Maßregeln zur Abhilfe der bestehenden ksst Wohnungsnoth in umfassendstem Maße in Anwendung bringen."!"-"« DaS heißt, sie soll Kaserne»,„wahrhafte Atnsterbautcn" süri>" ihre„subalternen Beamten und Diener" errichten(aber das sind""' ja gar keine Arbeiter!) und„Genie indeverttetungen, Gesellschaften � und auch Privaten, zum Zweck der Verbesserung der Wohiiungen�e für die arbeitenden Klassen Darlehen____ gewähren"(Seile 203)�" wie dies in England laut dem Bnblic Works Loan Act geschieht, und wie LouiS Bouaparte in Paris und Mühlhauseu gethan hat.�t Aber der Bublic Works Loan Act besteht eben auch nur aus dem� Papier, die Regierung stellt den Kommissären nur höchstens 9� 50,000 Pfund Sterling zur Verfügung, also die Mittel zum Ban�ll von höchstens 400 Cottages, also in 40 Jahren 16000 Cottages� oder Wohnungen für höchstens 30,000 Köpfe— ein Tropfen am�c Eimer! Selbst wenn wir annehmen, daß nach zwanzig Jahren die Mittel der Kommission sich durch Rückzahlung verdoppeln, also fc" in den letzten 20 Jahren Wohnungen für fernere 40,000 Köpfe hergestellt werden, so bleibt eS immer nur ein Tropfen ain Eimer. � Und da die Cottages nur 40 Jahre durchschnittlich dauern, söSt müssen nach 40 Jahren jedes Fahr die flüssigen 50,000 oder*" 100,000 Pfund dazu verwandt werden, die verfallenen älteste»?0� Cottages wieder zu ersetzen. Dies nennt Herr Sax, Seite 203 da« Prinzip praktisch richtig und„auch in unbeschränktem Maß"— durchführen? Und mit diesem Eingeständuiß, daß der Staat, selbst in England,„in unbeschränktem Maß", so gut wie gar nichts ge- leistet hat, schließt Herr Sax sein Buch, nur noch eine erneute Moralpredigt an alle Betheiligten vom Stapel lassend. J0g Daß der heutige Staat der WohnungSplage weder abhelfest"" kann noch will, ist fonnenklax. Der Staat ist nichts als die�" organisirte Gefamintmacht der besitzenden Klassen, der Grundbe- Icher und Kapitalisten gegenüber den ausgebeuteten Klassen, den"� Bauern und Arbeitern. WaS die einzelnen Kapitalisten(und diese � kommen hier allein in Frage, da in hieser Sache auch der betheiligte Grundbesitzer zunächst in seiner Eigenschaft als Kapitalist auftritt)1™1 nicht wollen, das will auch ihr Staat nicht. Wenn also die eiu-�. zelnen Kapitalisten die Wohnungsnoth zwar beklagen, aber kaum�" zu bewegen sind, ihre erschreckendsten Kousequenzen oberflächlich zu"� vertuschen, so wird der Gesammtkapitalist, der Staat, auch mchl� viel mehr thun. Er wird höchstens dafür sorgen, daß der einmal�™ üblich gewordene Grad oberflächlicher Vertuschung überall gleich«1™' mäßig durchgeführt wird. Und wir haben gesehen, daß dies der Fall ist.' ein Aber, kann man einwenden, in Deutschland herrschen die Bour-�™ geois noch nicht, in Deutschland ist der Staat noch eine, in ge-ß'" wissem Grade unabhänaig über der Gesellschaft schwebende Macht, � die eben deshalb die Gesammtinteressen der Gesellschaft repräscn- tirt und nicht die einer einzelnen Klasse. Ein solcher Staat kantf™1 allerdings Manches was ein Bourgeoisstaat nicht kann; von ihm�" darf man auch auf sozialem Gebiete ganz andere Dinge erwarten" Das ist die Sprache der Reaktionäre. In Wirklichkeit aber iß. auch in Deutschland der Staat, wie er besteht, das nvthwendigi Produkt der gesellschaftlichen Unlerlage, aus der er Herausgewachse, f 1 ist. In Preuße»— und Preußen ist jetzt maßgebend— besteht!? »eben einem immer noch starken, großgrundbesitzenden Adel eii» verhältnißmäßig junge und namentlich sehr feige Bourgeoisie, dü � sich bisher weder die direkte politische Herrschaft, wie in Frankreich noch die mehr oder weniger indirekte, wie in England, erkämpf!'" hat. Neben beiden Klassen aber besteht ein sich rasch vermehrendes � intellektuell sehr entwickeltes und sich täglich mehr und meyr orga- � nisirendes Proletariat. Wir finden also hier neben der Grnnfr!e, bedingung der alten absoluten Monarchie: dem Gleichgewicht zwi- 1 scheu Grundadel und Bourgeoisie, die Grundbedingung des ine cv bameii Bonapartismus: daS Gleichgewicht zwischen Bourgeoine unt J Proletariat. Sowol in der alten absoluten, wie in der.nolcrnek. bonapartistischen Monarchie aber liegt die wirkliche Regierung« i! gctDvilt in den Händen einer besondern Offiziers- und Beainter.taste- die sich in Preußen theils aus sich selbst, theils aus dem kleinei'i' MajoratSadel, seltener aus dem großen Adel, zum geringsten Thei 0"s der Bourgeoisie ergänzt. Die Selbstständigkeit dieser Kaste... die außerhalb uiid so zu sagen über der Gesellschaft zu stehel. scheint, gibt dem Staat den Schein der Selbstständigkeit gegen übe. der Gesellschaft..» o» z« Die Staatsform, welche sich in Preußen(und nach seinem Vor' � gang in der neuen Reichsverfassung Deutschlands) aus dieset 9' widerspruchsvollen gesellschaftlichen Zuständen mit nothwendigc: � Konsequenz entwickelt hat, ist der ScheinkonstitutionalismuS; ein... Form, die sowol die heutige Auflösungsform der alten absolute- Monarchie, wie die Existenzform der bonapartistischen Monarchi T ist. In Preußen verdeckte und vermittelte der Scdeinkonstitutiona lismuS von 1848 bis 1866 nur die langsame Verwesung der ab M soluten Monarchie. Seit 1866 und namentlich seit 1870 ab- ch geht die Umwälzung der gesellschaftlichen Zustände, und damit di_ Auslösung des alten Staats vor Aller Augen und auf koloss- a wachsender Stufenleiter vor sich. Die rasche Entwicklung der J", m. dustrie und»aiiwntlich des Börsenschwindels Hat alle Herrschende' al Klassen in den Strudel der Spekulation Hineingerissen. Die 13Ä(S) auS Frankreich irnportirte Korruption im Großen entwickelt sich»>' w unerhörter Schnelligkeit. Stroußberg und Pereire ziehen den Iis vor einander. Minister, Generale, Fürsten und Grafen mache» li fa Aktien trotz der geriebeufteu Börfenjudeii, und der Staat crkeiss ihre Gleichheit an, indem er die Börsenjuden massenweise tarn" |irt. Der Landadel, seit langem als Rübenzuckerfabrikant js Branntweinbrenner industriell, hat diese soliden Zeiten längst hi"'� in sich, und schwellt mit seinen Namen die L.sten der Direktoren all" � sol'den und unsoliden Aktiengesellschaften. Die Burcaukratie � � achtet mehr und mehr den Kassendefekt als einziges Mittel der � Haltsaufbesserung; sie läßt de» Staat laufen und macht Jagd � die weit einträglicheren Posten in der Verwaltung inbufm«11� Unternehmungen; die noch im Amt bleiben, folgen dem Beiftus f ihrer Vorgesetzten, spekuliren in Aktien, oder lassen sich bei bahnen u. s. w.„betheiligen". Man ist sogar berechtigt anzuw? ;n.ncn, daß auch die Lieutenants in mancher Spekulation ihr Händ- ifeahen haben. Kurz, die Zersetzung aller Elemente des alten Staats, >„d0er Uebergang der absolulen Monarchie in die bonapartistische ist ,chin vollem Gang, und mir der nächsten großen Handels- und In- viebustriekrisiS bricht nicht nur der gegenwärtige Schwindel, sonder» „jxauch der alte preußische Staat zusammen. Kks Und dieser Staat, dessen nichtbürgerliche Elemente sich täglich frt mehr verbürgern, soll„die soziale Frage" lösen oder auch nur die „d Wohnungsfrage? Im Gegentheil. In allen ökonomischen Fragen vixoersällt der preußische Staat mehr und mehr der Bourgeoisie; und >�gwenn die Gesetzgebung seit 1866 ans ökonomischem Gebiet nicht zx.noch mehr den Interessen der Bourgeoisie augepaßt worden ist, als �.dies geschehen, an wem liegt die Schuld? Hauptsächlich an der .�Bourgeoisie selbst, die erstens zu feig ist, um ihre Forderungen .�„energisch zu vertreten, und die zweitens sich gegen jede Konzession ' sträubt, sobald diese Konzession gleichzeitig dem drohenden Prole- .�tariat neue Waffen in die Hand gibt. Und wenn die Staats- Knjgewalt, d. h. Bismarck, sich ein eignes Leibproletariat zu organi- �„streu versucht, um damit die politische Thätigkeit der Bourgeoisie sürfUl Zaume zu halten, was ist das anders, als ein nothwendigcs inbimb wohlbekanntes bonapartistisches Mittelchen, das gegenüber den �„Arbeitern zu Nichts verpflichtet, alS zu einigen wohlwollende» �nLiedensarten und höchstens zu einem Minimum von Staatöhilfe ,z) bei Baugescllsckafteu ä la Louis Bonaparte? Der beste Beweis dafür, was die Arbeiter vom preußischen Staat zu erwarten haben, liegt in der Verwendung der französischen �Milliarden, die der Selbstständigkeit der preußischen Staatsmaschine, .„z gegenüber der Gesellschaft, eine neue, kurze Galgenfrist gegeben. langst auch nur ein Thaler dieser Milliarden verwandt worden, um a�die auf die Straße geworfenen Berliner Arbeiterfamilien unter am Dach zu bringen? Im Gegentheil. Als der Herbst herangekom- r£n.mtn, ließ der Staat selbst die paar elenden Barracken einreißen, g.-gdie ihnen im Sommer als Nothdach gedient hatten. Die fünf J.'£Milliardeli gehen flott genug den Weg alles Fleisches, in Festungen, 1£J. Kanonen und Soldaten; und trotz Wagner von Dummerwitz, trotz sä Stieberkonscrenzen mit Oestreich, wird den deutschen Arbeitern von �xden Milliarden noch nicht soviel zugewandt werden, als Louis Bo- ä£anaparte den französischen zuwandte von den Millionen, die er jg.Frankreich gestohlen. lbst Polltische Uebersicht. .ate Bei Erwähnung einer der um Berlin jetzt veranstalteten Treib- jagden verglich der„Volksstaat" neulich das„Jagdvergnügen" l seit mit einfacher Fleischerarbeit. Der Vergleich ist— und viel- jj.jleicht auch nicht zum ersten Male— schon vor 350 Jahren ge- macht worden und zwar von dem Englischen Staatskanzler Tho- b£ltulas Morus in seuiem berühmten, das Bild eines Jdealstaats s£s£ entwerfenden Werk: Utopia�) Es heißt darin: „lc„Als eingebildete Vergnügen betrachteten die Utopier(das Volk, ..�»welches den Jdealstaat Utopia hergestellt hat) unter andern die ia«3agd und die Glücksspiele. Die letzteren, welche sie niemals Wii. geübt, sind ihnen kaum dem Namen nach bekannt.„Welche Freude, � ,u so sagen die Utopier, kann man darin finden, einen oder mehrere: Würfel auf den Tisch zu werfen? Und, selbst wenn eS eine Freude .aa> bereitete, so muß man doch sehr bald von Langweile ergriffen .�.werden. Und nun die Jagd! Ist eS nicht mehr lästig als ange- t££iwhm, Hunde bellen und heulen zu hören? Ist es genußreicher, einen Hund hinter einem Hasen als hinter einem anderen Hund �umherlaufen zu sehn? Und doch ist das Laufen in beiden Fällen ae- ganz gleich. Ist es nicht vielmehr die Hoffnung aus daS Er- acht.�egen, die Lust am Blutvergießen, was ausschließlich den .-�a-Reiz der Jagd ausmacht? Und sollte man nicht lieber seine Seele aatfbtin Mitleid öffnen? Sollte man nicht Abscheu vor einer solchen jba, Metzelei empfinden, in welcher der starke muthige und grausame �a Hund den schwachen, furchtsamen und sanften Halen zerreißt?" c j«„Die Utopier verbieten deshalb freien Menschen die Jagd als , eine ihrer unwürdige Beschäftigung; sie erlauben dieselbe nur �Fleischern. Und ihrer Meinung nack bildet die Jagd .-.Li sogar die niedrigste Art der Kunst, das Vieh zu schlachten; die übrigen Arten dieses Handwerks stehen weit mehr in Ansehe», .weil sie nützlicher sind, und man dabei die Thiere nur auS Noth- . � wendigkeit tödtet, während der Jäger an Blut und Metzelei eine» mtJ ungesunden Genuß sucht. Außerdem halten die Utopier dafür, idcs biese Liebe zum Tödten, selbst zum Tödten von Thiere, i, der Hang eines bereits verwilderten Gemüths A. sei. und daß das noch nicht ganz verwilderte Gemüth durch die- � seS barbarische Vergnügen bald verwildern müsse."-- nt« �ho'uas MoruS kannte, noch gar nicht die moderne ..».Äagr auf zusammengetriebenes Wild, daS Stück für Stück rnei �hg�sjstach-et wird, wie in den großen Schlächtereien Cincinnatis ", �ie Schweine. Als die französische Revolution einen Theil des 'ritt 3!u Auswanderung veraulaßte, ernährten sich die expropriirten inei s�hZosischen Aristokraten im Exil durch Tanzstunden, und alö !bei Bas Tanzen und Kochen war das Einzige, was sie gc- bstt"ern' ha�en' Unsere deutschen Barone und Fürsten könnten in '-ilei �h"�chkr Lage bei den ausländischen Fleischermeistern ein Unter- übel kommen finden. Es ist immer gut, wenn man ein Handwerk gc- �] lernt hat.— «cr- Einem englischen Telegramm vom vorigen Sonnabend zn "sU Folge, erwartete man, daß in Südwales am I.Januar 70,000 • c Gruben- und Eisenwerkarbeiter die Arbeit einstellen ein ü?eil die Arbeitgeber sich nicht zur Rücknahme der ange- lutei„ b'Öt£.n Lohnherabsetzung entschließen wollten.— Die durch das iwi s���ose Urtheil gegen die Londoner Gasarbeiter hervorge- '.,a a(h�c Gährung ist im Steigen. Es haben verschiedene Meetings i b stattgehabt, in denen bejchtosseu wurde, daß eS die Pflicht und ' das Interesse der sämmtstchen englischen Gewerkschaften sei, für die 0. Berurtheilten einzutreten, und eine Abänderung der Gesetze, aus ss- Welche das Urlheil sich stützt, zu erwirken. Vorläufig soll für die Iii»Zilien der Gasarbeiter gesammelt, und eine Vorstellung an das bel BUnisterium um Strafmilderung gerichtet werden. Letzteres ist >87' Ä-rdmgS überflüssige Zeit- und Papierrerschwcnduug. Herr a,j �wdstone ist der Minister der englischen Bourgeoisie, und ' ritb thun, w'aS der Bourgeoisie nicht genehm. Die eng- . i°i> Arbeiter müssen sich selbst helfen, wenn sie keinen Ge- ken«" baran h�en, außer dem Gesetz zu stehen.— "init.. Auoinanbrungsfrage. Der Redaktion deS„Volksstaat" »»l�-''s'«5®r'c.f zugegangen, den wir, da der Schreiber wenigstens ailck ulLlr',."A? eine frühere Nolij des„Volksstaat" berührt war, ®nt Weglassung eines nicht zur Sache gehörigen persönlichen Ausfalls hiermit unveräudert zum Abdruck bringen: > a«i-- 'irlä*. � D'eser„Kanzler" hatte seinen Jdealstaat oder sein Staatsidca - i-n> ic-, at j1J 3 im �«ds, daß er von dem„realpolitischen" Könia-Vlaudert fil J(Hc.nr.ch VIII.) dafür aufs Schaff«! geschickt wurde. „In Nr. 97 deS„VolkSstaat" finde ich einen Artikel„Für AnswanderungSlustige," welcher den Staat Michigan und die sich in Sachsen organisirte Kolonie Saxonia indirekt angreift. Dürste ich die Redaktion um gefällige Aufnahme der folgenden kurz- gedrängten Erwiderung bitten? „Ihr Korrespondent gibt an, daß von allen in Nordamerika begründeten deutschen Kolonien nur noch zwei„vegetiren". Deutsche Kolonisation in der Weise, wie der Verein Saxonia be- zweckt, hat aber schon seit der ersten Ansiedelung des amerikanischen Kontiueuts stattgefunden und sind die schönste» Resultate erzielt worden. Der Staat Pennsylvania z. B. verdankt sein Ausblühe» hauptsächlich den deusschen Kolonisten, welche sich dort anfänglich gemeinschaftlich ansiedelten. Jeder Staat in der Union kann ähnliche Kolonien, oder Ansiedelungen, in kleinerem Maßstabe auf- »eisen. In meinem Staate(Michigan) sind nicht weniger als ein Dutzend äußerst blühender Ansiedelungen, die durch gemeinschaftliche Uebersiedeluug aus Deutschland entstanden sind. Wenn sich Ihr Korrespondent auf Rapp'sche oder Fvurier'sche Kolonisationsprojekte, welche auf diktatorische oder kommunistische Prinzipien begründet wurden, bezieht, so ist daö etrvaS Anderes und hätte er erst die Statuten der Saxonia lesen solle», ehe er alle Kolonisationsprojckte verdammt. „Auch ist er im Jrrthum, wenn er befürchtet, daß durch daS Zusammenschießen von Geldern den Delegirten nur die eigne Auswanderung crleicht.wt worden ist. Die Delegirten der Saxonia haben ihre eignen Reisekosten getragen und sind auch gehalten, aus eignen Geldern die einleitenden Schritte zur Realisirnng des Projektes zu unternehmen. Erst nachdem dieselben durch amtliche Beglaubigung die gesetzliche Belegung der Ländereien dem Berein angezeigt, wird derselbe die uöthigcn Gelder an die betreffenden Behörden zur Deckung der eingegangenen Verbindlichkeiten über- mittel».■— Nach dem Census von 1870 befinden sich aber in Piichigan 487 Personen, in Minnesota geboren, welche sich in Michigan niedergelassen hatten. Nimmt man an, daß Minnesota erst im Jahre 1849 als Territorium und im Jahre 1859 als Staat organisirt worden ist und folglich im Jahre 1870 wenig eingeborene auswandrungsfähige Einwohner hatte, so könnte man dies auch als ein für Minnesota ungünstiges und für Michigan günstiges Zeichen betrachten, besonders da bekanntlich der Wander- ström nach Westen zieht und die östliche Rückwanderung nur von den Allerunzustiedeusten unternommen wird. Doch bei dem nomadischen Charakter deS amerikanischen Volkes ist kein be- sonderer Werth auf diese Thatsache zu legen. „Daß der„VolkSstaat" jedem Versuch, die Auswanderung zu befördern, entschieden feindlich'ist," ist mir bei den trost- losen Arbeiterverhältnissen in Deutschland höchst befremdend; doch ziemt eS mir nicht nach den Beweggründe» zu fragen. „Hamburg, den 6. Dezember 1872. Hochachtungsvoll M. H. Allardt, Emigrations-Kommissär für Michigan." Die Haltung des„Volksstaat" in der Auswanderungsfrage würde Herrn Allardt nicht„befremdend" sein, wenn Herr Allardt sich mit den Prinzipien der Sozialdemokratie bekannt gemacht hätte. Die Sozialdemokratie will den„trostlosen Arbeiterverhältnissen" ein Ende machen, aber, gerade weil sie dieS will, muß sie Be- strebungen entgegentreten, welche unter dem Aushängeschild einer Abhülfe der sozialen Mißslände bewußt oder unbewußt andere Ziele verfolgen. Durch Auswanderung kann der Einzelne seine Lage verbessern, allein nimmermehr kann durch Auswanderung, und würde sie auf dem großartigsten Maßstab organisirt, eine allge- meine Abhülfe der sozialen Mißstände erzielt werden; und zwar aus dem einfachen Grund, weil diese Mißstände in dem heutigen Produktionssystem wurzeln und, so lange dasselbe besteht, fortdanern werden. Der Kampf der Sozialdemokratie richtet sich darum gegen das heutige Produktionssystem. Wie wenig die Auswanderung zur Abhülfe der„trostlosen Arbeiterverhältnisse" thut, das zeigt uns eklatant das Beispiel Irlands, des Landes, welches seit 2 Jahrzehnten eine kolossale Massenauswanderung hat, ohne daß die Lage des Volks eine günstigere geworden wäre. Im Marx'schen„Kapital" ist das Nähere hierüber nachzulesen. Wir wollen und können Niemand an der Auswanderung ver- hindern. Wir wollen und werden aber jedem Versuch,„die trost- losen Arbeiterverhältnisse" Deutschlands für ein Auswandrungs- geschäst auszubeuten, mit aller Energie entgegentreten. Den Arbeiter mit dem Hinweis auf Amerika ködern, ist nicht minder reaktionär, als die Köderung des Volks durch den Hin- weis auf den Himmel. Hier, auf dem Boden, der das Elend erzeugt hat, muß und soll es auch geheilt werden. Nach dieser Erklärung haben wir nicht»öthig, auf den Brief des Herrn Allardt einzugehn, zumal die Spalten des sozialdemo- kratischen Parteiorgans nur einer prinzipiellen Besprechung der Auswanderungsfrage offen stehn können. Wothwcndige Krllkärung in Sachen des Augsburgcr „�roketarier." Bereits auf zwei Parteikongressen sind die Ent- schädigungsansprüche der augsburgcr Parteigenossen für den zeit- weilig als Parteiorgan neben dem„VolkSstaat" sungirendcn„Prole- tarier" zur Sprache gekommen, und in zwei Kcnzreßprotokollen sind Bemerkungen hierüber enthalte», welche zur Annahme Vera»- lassung geben, als habe der während des Krieges mit Frankreich seit Gefangennahme der Braunschweiger fungircnde dresdner Aus- schuß eine Schuld oder eine Ueberschreitung seiner Befugnisse be- gangen, die ihm zum Vonvurf gereichten. Das Mainzer Protokoll berichtet, daß 9)or(f in dieser Sache ausführliche Darlegung gc- geben; dieselbe kann aber unmöglich so thatsächlick richtig gewesen sein, da Stollberg unmittelbar darauf vom Schuldtrazen deS dresdner Ausschusses und Kölsch von einer gemeinschastlicben Schuld (der Augsburger und Dresdner) spricht. Leider war ich bei beiden Kongressen abwesend, d. h. in Mainz, weil ich zur Zeit Staats- Hilfe genoß, und in Dresden durch einen bösen Zufall. In Dresden war der Kongreß ziemlich zu Ende, Alles schien erledigt, eS war keine Ahnung vorhanden, daß noch eine Augsburgcr Au- gelegenheit zur Sprache kommen würde, so daß ich, da mich dringende Bcrufsgeschäfte wegriefen, beim Präsidium mich empfahl, welches diesen Fall nicht voraussah Unter„diversen" Parteiange- legenheiten kommt dann auch Augsburg aufs Tapet, und da eut- sinnt sich Most, daß ihm von Augsburg ein Packet Schriften zn- geschickt sei, welche er noch nicht Zeit gehabt, durchzusehen. So entstand eine lebhafte Debatte, und meine Abwesenheit bei einer solchen Angelegenheit mußte doppelt aufsallen. Eine dießbczügliche Note wurde im dresdner Kongrcßprotokolle auf meinen Autrag aufgenommen, kam aber an die unrichtige Stelle. Mit der Angetcgeuheit hat es aber folgende Bewandniß: Als die süddeutschen Lassalleaner auf dem stuttgarter Kongreß mit der Partei sich zu vereinigen bereit erklärten, stellten sie den Antrag, daß ihr Organ, der„Proletarier", alS Parteiorgan für Süd- dcutschland ernannt werde. Der Kongreß lehnte jedoch diesen An- trag mit Hinweis auf die finanzielle Lage deS„VolkSstaat" ab und mußte sich auf daS Versprechen einer moralischen Unterstützung durch Empfehlung-c. beschränken. Auch erwuchs insofern dem „Proletarier" eine finanzielle Unterstützung, als die Augsburger, statt der Steuern, eine Anzahl„Proletarier" an den Braunschweiger Ausschuß schicken durften, der sie dann zu versilbern sich's ange- legen sein ließ. Der Krieg und das Verbot des„Volksstaat" in den von Vogel von Falkenstein beherrschten Ländern Norddeutsch- lands schufen eine total veränderte Sachlage, da eine große Zahl von Parteigenossen in Folge dessen aus aller regelmäßigen Ver- bindung mit der Partei geriethen und hierfür einen in solchen Zeiten doppelt nothwendigen Ersatz durch ein Korrespondenzblatt verlangten. Hierzu kam, daß die Möglichkeit nicht fern lag, daß der„Volksstaat" ganz unterdrückt würde. Zu gleicher Zeit meldeten die Augsburger, daß wegen Erschöpfung ihrer Geldkräfte der „Proletarier" im Erlöschen begriffen sei. Schon vorher war bei einem Besuche, den der dresdner Ausschuß den Leipzigern machte, wobei die 1000- Thaler-Anleihe besprochen wurde, die Möglichkeit ins Auge gefaßt worden, für den Fall, dajrdie Anleihe gut von statten ginge, dem„Proletarier" im Parteiinteresse eine Unter- stützung zu theil werden zu lassen. So stand die Situation: der größte Theil unserer nordischen Parteigenossen, einen Ersatz für den „VolkSstaat" verlaugend, auf der andern Seite der„Proletarier" aus Mangel an Geld auf dem Sterbebette, die zwingende Nvth- wendigkeit für ein neues Korrespondenzblatt vorhanden, da wäre es geradezu eine Schädigung der Partei und ein Verrath an den augsburger Parteigenossen uns erschienen, hätten wir daS billigere Mittel, den„Proletarier", verschmäht und ein unter allen Um- ständen kostspieligeres gesucht. Nur ein Hinderniß bestand: der Kongreßbeschluß. Wäre derselbe prinzipieller Natur gewesen, so hätten wir, wenn auch mit Bedauern absehen müssen; der Beschluß basirte aber auf rein praktischen Gründen, und die Verhältnisse hatten eine total verschiedene Sachlage herbeigeführt. Von dem Augenblicke aber, wo wir den„Proletarier" im Parteiintcresse zu verwenden hatten, mußten wir daS in dieser Zeit entstehende Defizit übernehmen, und trafen in Folge dessen die nöthigen Vor- kehrungen, daß das Rechnungswesen geordnet und unter Kontrvle weiter geführt werde. Darüber kam die Reichstagswahlvorbereitung und der Ausschuß ging nach Leipzig über. Ob die Augsburger dann weitere Fehler begangen, weiß ich nicht, nur das war ein Fehler, daß sie nicht rechtzeitig einen An- trage zum dresdner Kongreß brachten; stand ein solcher auf der Tagesordnung, so wäre ich zur Stelle gewesen und die Angelegen- heit wäre damals schon erledigt gewesen. Für den nächsten Kongreß aber stelle ich in Rücksicht auf die in den genannten beiden Protokollen enthaltenen Bemerkungen den Antrag(und bitte den Ausschuß ihn zu berücksichtigen): daß der Parteikongreß ein Urtheil darüber abgeben möge, ob der dresdner Ausschuß in Angelegenheit des augsburger„Prole- tarier" korrekt gehandelt habe oder nicht. Diese Angelegenheit wird jedenfalls nicht �iel Zeit in Anspruch nehmen. Dresden, im Dezember 1872. Mit Gruß und Handschlag A. Otto-Walster. Innere Partei-, Verwaltnngs- und Organisations-Angelegcnheiten. Die Vertrauensmänner werden hierdurch nochmals und drin- gend aufgefordert, innerhalb acht Tagen die rcstirten Partcibeiträge auch für Dezember mit einzusenden. Am 15. Januar soll der Ausschußbericht versandt werden und erwarten wir, daß diesmal weniger Orte auf der Restantcnliste figuriren. Hamburg, den 31. Dezember 1872. Der Ausschuß. Gewcrksgenossenschaftlichcs. Gewerlisgenossenschaft der Wannfaktur-, Fabrik- und Hand- arkritcr. ßrimmitscha», 31. Dezember. Werthe Genossen! Die dritte Generalversammlung zu Weimar hat uns abermals die Füh- ruug der Borortsarbeiten zugewiesen, nachdem sie eine gründliche Revision unserer statutarischen Organisation, sowie die Verlegung des zeitherigen Sitzes nach Weimar vorgenommen. Die VorortSvcrwaltung wird so lauge in ihrer zeitherigen Zu- sammensetzung fungiren, bis auf Grund uusers neuen, jetzt aus- schließlich einheitlichen Statutes eine Reorganisation unserer lokalen Kräfte am Vorort stattfinde» kann und sind nun von uns zunächst als Vertrauensleute für Weimar ernannt die Bürger Gicrtz, Kettel jr. und A., Müller, Berkaerstraße 122, welch Letzterer bis auf Weiteres die Angelegenheiten deS Sitzes unserer Gewerkschaft vertreten wird. Die dritte Generalversammlung hat daS ihr vorgelegte reich- haltige Material vollständig bewältigt und sind nun zunächst die Vertrauensleute allerorts aufzufordern, ungesäumt hierher zu be- richten: 1) Die Mitgliederzahl bei Jahreswechsel(Listen senden!). 2) Abrechnung bis Ende 1872. 3) Ernennung der Vertrauensleute, Beitragsammlcr und Eontrolenre für's neue Jahr, damit wir ein geregeltes und klares Arbeiten bekommen. Ferner muß mit den Mitgliederlisten gemeldet werden, wie viel Ergänzungsblätter zu ausgegebenen und etwa noch vor- haudenen Büchern gebraucht werden, damit wir den Neudruck deS Statutes k. schnellstens betreiben können. Ebenso sind betreffs der Krankenkassen- Sektion die obigen Nachrichten an C. Kirchhübel hier, Scheunenplatz 757, einzusenden; während die provisorische Leitung der Sterbekassen-Organisatiou Meerane übertragen ward. Man adressirt in dieser Angelegenheit an A. Söller, Weber in Meerane zAugasse 334). Auszug aus dem Generalversammlungs-Protokoll zur Bekannt- gäbe im Organ muß später folgen, da wir dasselbe noch nicht in Händen haben; es mögen dagegen die Vertrauensleute bald hier- her berichten, wie diel gedruckte Protokolle sie gebrauchen, damit wir die Auflage darnach bemessen können. Wir unterziehen»»S der übertragenen Arbeit nur unter der Bedingung, daß zunächst alle die Orte, die rn Weimar vertreten waren und unser Mandat erneuert haben, fest hinter uns stehen und uns nach Kräften unterstützen. Bernfsgenosscn solcher Orte, wo früher Lokalvereine, Mitgliedschaften oder dergl. Unterorganisgtionen unserer Gewerkschaft bestanden, werden ersucht, jetzt aus Grund der neuen Organisation sich anzuschließen, die es Jedem ermöglicht, ungehindert beizutreten.— Wir senden, sobald druckfertig, neue Statuten an alle bekannten Adressen ab und be- schließen»»sie heutigen Nachrichten mit der Aufforderung zu raschem Ersch und pünktlichem Mitarbeiten Aller, die es ehrlich mit der Sache meinen Gruß und Hand zur neuen Arbeit! Im Auftrag der Borortverwaltung: Motteler, d. Z. 1. Vorsitzender. Alle Berufs- und Gewerksgenossen sind gebeten, diese Bekanntgaben schleunigst und nachhaltigst zu verbreiten! Internationale Nlctallarbeiter-Eewerllschast. Leipzig, 1. Januar. Aufforderung an den Ausschuß der internationalen Nietallarbeiter- Gewerkschaft. Bei- nahe ein halbes Jahr ist vergangen, ohne daß wir auch nur irgend ein Lebenszeichen vom Ausschuß erhalten hätten, so daß wir im Zweifel sind, ob selbiger noch existirt. Wir vermisien nicht nur im Gewerkschaftsorgan Aufrufe au die Bietallarbeiter, die mehr venu je sich imnier fester aneinander schließen müssen, um gerüstet der Koalition der Fabrikanten entgegen zu treten, sondern auch briefliche Anfragen, die wir an den Ausschuß richteten, sind unbe- rücksichtigt geblieben. Wir hoffen und erwarten, daß eS im neuen Jahr anders und zwar besser wird. Alle Gewerkschaften, beziehent- lich die Ausschüsse derselben sind rührig und wetteifern, um die Gewerkschaften zu heben. Nur die Metallarbeiter sind unthätig, und doch sind sie die meist Gedrückten. ES fehlt dem Ausschuß am festen Willen und Energie, die Gewerkschaften zu heben. Zu dieser Annahme sind wir um so mehr berechtigt, als von Gecsten- dorf bei Geestemünde an die Expedition des„Volksstaat" ein Brief geschickt wurde mit der Bitte, Statuten und Stempel zu schicken. Die Kollegen in Gecstendorf wußten nicht, wo und ob ein AnS- schuß existirt, und da die Kontrolkommission in Berlin hat Sta- tuten drucken lassen und uns bereitwilligst welche abließ, so konnten wir der zu gründenden Gewerkschaft welche ablassen. Wir richten aber an den Ausschuß die Bitte, für Anschaffung der Statuten schleunigst Sorge zu tragen, da anzunehmen ist, daß bei einiger Thätigkeit das vorhandene Material nicht ausreicht. Möge der Ausschuß in dieser Ausforderung nicht die Absicht erblicken, ihn zu beleidigen; es ist lediglich die Liebe zur Gewerkschaft, die uns zu diesem Tadel veranlaßte. Möge unsere Gewerkschaft im neuen Jahre groß und stark werden. Die Leipziger Metallarbeiter-Gewerkschaft. Correspondenzen. Leisnig, 8. Dezember. Unterzeichneter hält eS für Pflicht, einen Fall an die Oeffeutlichkeit zu bringen, welcher nicht allein lehrreich, sondern gleichzeitig auch als Warnung für einen jeden Geschäfts- mann dienen kann. Im Laufe dieses Sommers kam ich, auf einer Geschäftsreise mich befindend, nach Strehla bei Riesa.(Mein Geschäft besteht, nebenbei bemerkt, im Hausirhandel mit Preßerzeugnissen.) Auf der dortigen Schiffmühle, wo ich den Knappen meine Waare vorgelegt, wurden wir durch das(zufällige?) Hereinkommen des dort stationirtcn Gensdarmen in unserem Handel gestört. Ter Gcnsdarm, der, wie es schien, in meinen Schriften etwas Ver- dächtiges witterte, glaubte sich berechtigt, mir eine Anzahl Broschüren, sowie meine Legitimationskarte wegzunehmen; ich selbst mußte ihm auf das dortige Gerichtsamt folgen. Zwei Stunden mochten vergangen sein, als man für gut befand, mich zu einem Verhör vor- zulassen, wo eS sich aber sofort herausstellte, daß weder meinen Broschüren noch meiner Persönlichkeit ein staatsgcfährlicher Cha- rakter inne wohnte. Aber Ordnung muß sein! Meine von der königlichen Kreisdirektion Leipzig ausgestellte Legitimationskarte genügte dem königlichen Gerichtsamt Strehla nicht, man verlangte außerdem noch einen Gcwerbstcnerschein. Auf Grund der erwähnten Karte, welche von der zuständigen Behörde nicht eher an Empfänger abgeliefert wird, biö schließliche Beweise vorliegen, daß die übliche Steuer entrichtet ist, auf Grund dieses, ist ein Gewerbsteuerschein nicht mehr nothwendig. Diese Erklärung schien aber dem Herrn Referendar nicht recht einleuchtend zu sein, denn er meinte, er kenne die Polizeigesetze auch nicht so genau. Auf dieses hin mußte denn das Verhör geschlossen werden. In dem Wahn, daß dieser wichtige Prozeß zn Ende, verließ ich, meine Broschüren wieder zu mir nehmend, GerichtSamt und Stadt Strehla. Drei Wochen später wurde mir durch die hiesige is�lizeibchörde im Austrage des Gerichtsamts Strehla eröffnet, daß nieine Wenig- keit mit einer Ordnungsstrafe von 1 Thaler, sowie mit den aus- gelaufenen Gerichtskosten belegt sei. Mir blieb nun nichts anderes übrig, als den in solchen Sachen üblichen Rekurs einzureichen; auch dieses half nichts. Die königliche Kreiödirektion Leipzig befand es für gut, dies Urtheil des GerichtsamteS Strehla nicht nur zu bestätigen, sondern die Strafe und Kosten hatten eine Höhe von über fünf Thaler erreicht. Es sei ferne von mir, mich über ein derartiges Verfahren tadelnd auszusprechen, indem voraussichtlich auch dieses nichts helfen würde; nur kann ich mich mit meinem beschränkten Uuterthanen- verstände in die Erklärung, welche mir zur Zeit mit zu Theil wurde, nicht hineinfinden, welche dahin lautete,„daß zwar in dieser Beziehung ein neues Gesetz publizirt, ein alteö darauf bezüg- liches aber noch uicht zurückgezogen". An Gesetzen fehlt es so- nach nicht. Friedr. Müller. Kkberfekd, 21. Dezember. Unser frommer Herr Ober-Bürger- meistcr richtete vor einigen Wochen an unser Stadtverordneten- Collegium daS schriftliche Gesuch um Niedcrleguug seines Amtes. Obgleich nun unser Herr Ober-Bürgermeister noch nicht die gesetz- liche Zeit von 24 Jahren als Ober-Bürgermeister fungirt hat, so wurde demselben doch von unserm Stadtverordneten-Collcgium das Gesuch nebst einer jährliä en Pension von 1500 Thalern bewilligt. So greift man überall willkürlich in den Volkssäckel und das immer zu Gunsten solcher Leute, welche über große Kapitalien zu verfügen haben. Unser Herr Ober-Bürgermeister ist ein steinreicher Mann, und er scheut sich doch nicht, jährlich 1500 Thaler aus dem Volks- säckel zu nehmen. Und wofür?— Wenn ein armer Arbeiter alt und arbeitsunfähig geworden ist, wird derselbe aufs Straßenpflaster geworfen. Im günstigsten Falle wird er ins Armenhans gesteckt, und das wird noch als eine besondere Gnade betrachtet. Möge die deutsche Arbeiterpartei überall da, wo von Seiten der Stadt- verordneten solche Ucbergriffe geschehen, entschieden Protest erheben. Rich. Schmelzer. Schweinsürt, 14. Dezember. Nachdem die Schneider uud Schuhmacher hiesigen Orts sich in GewerkSgenosienschafien organisirt haben, wurde auf Anregung beider Genossenschaften am 8. d. M. eine allgemeine Arbeitervcrsammlung abgehalten, in welcher Herr M. Weckesser, Cigarrenarbeiter ans Würzburg, als Referent fuu- girte. Die Versammlung war zahlreich besucht. Nachdem Herr Weckesscr die heutigen Staatsverhältnisse, sowie die heutige Pro- duktionSweise mit allen ihren Uebelständcn gehörig beleuchtet hatte, zog er die Folgerung, dag uns, dem arbeitenden und lasttrageudcn Volk Nichts weiter übrig bleibe, als sich zu vereinigen und mit allen uns zu Gebote steheuden Mitteln unser Iiecht zu vertheidigen. Daß seine Worte nicht'auf steinigen Boden fielen, bewiesen die zahlreichen Bravorufe, welche Herr» Weckesscr gespendet wurden. Es wurde eine Kommission niedergesetzt, welche die Aufgabe hat, Gewcrksgenossenschaften zu gründen. Demzufolge wurde am 15. d. Bits, eine Versammlung der Metallarbeiter einberufen, in welcher abermals Herr Weckesstr referirte, und kam es in derselben zur Gründung einer Gewerksgenossenschaft. Es werden sämmtliche Gcwerke von der gewählten Kommission einberufen, und scheint Schweinfurt ein ftuchtbarer Boden für die internationale Bewegung zu werden. Möge endlich das Licht der Wahrheit in alle Winkel der Erde leuchten, damit die Dunkelheit verschwinde, die den Ar- beiter seine Roth nicht erkennen läßt. Mit sozialdemokratischem Gruß Georg Jmho'f. Henf, 27. Dez. Werthe Berufsgenossen! Als wir den Kampf für die neunstündige Tagesarbeit und einige andere Erleichterungen aufgenommen, durften wir hoffen, ihn siegreich zu Ende zu führen, ohne den brüderlichen Beistand auswärtiger Berufsgenossen in An- spruch nehmen zu müssen, da wir selbst 10,000 Francs in unserer Kaste hatten und die materielle Unterstützung aller übrigen hiesigen Gewerköschaften der andern Berufe uns sicher war. Leider haben wir, wenn auch nicht auf mehr Wohlwollen, doch aus mehr ein- sichtsvollen Eigennutz und weniger dummen Eigensinn der Fabri- kauten gerechnet, die lieber ganz enormen Schaden leiden, als un- fern mäßigen Forderungen gerecht werden und uns nöthigen, die fünfte Woche des Strikes nun zu beginnen. Freilich hoffen die Herren, daß uns die Mittel bald ausgehen und der Hunger uns zwingen werde, endlich zu Kreuze zu kriechen. Unsere Lage ist nun folgende: Äceunzchn Fabrikanten haben unsere Forderungen bewilligt, 160 Genossen sind dadurch beschäftigt, 140 sind mit Reisegeld aus unserer Kasse versehen, weggereist, 1»0 aber, fast alle Familienväter und etwa S0 Poliererinnen feiern noch. Unsere wöchentliche Ausgabe beträgt immer noch 4500 Fr. Indessen stehen wir alle fest wie ein Mann und wird Jeder von uns auch bei ärmlichen Mitteln und kärglichem Mahle die bevor- stehenden Feiertage mit Resignation zubringen. Da wir jedoch nicht wissen können, wie lange sich der Kampf noch hinausziehen wird, so sehen wir uns zur Sicherung des Sieges nach der Bei- Hilfe unserer natürlichen Bundesgenossen in der Ferne um. Doch Ihr versteht uns, und wir dürfen nicht daran zweifeln, daß Ihr Euer Möglichstes thun werdet, uns Eure hilfreiche Bruderhand zu reichen und uns den Erfolg, der ja unserer Berufsgenostenschaft allerorts zu Gute kommt, sichern helfet. Bedenkt aber, daß rasche Hilfe wahre Hilfe ist. Mit welcher Freude würden wir, wenn Ihr einmal in ähnliche Lage kommt, Euch dann zeigen, wie wir die Solidarität in die That zu über- setzen verstehen. ES lebe die ueunstündige Arbeitszeit! Mit Brudergruß und Handschlag Für die Assoziation der Bijouteriearbeiter, Graveure ic.: Louis Weiß, Präsident. L,a Cluse Nr. 1. Charles Schatt, Sekretär. Zürich. Ich hoffe, Sie versagen mir nicht, das folgende Ge- sctzeskuriosum auö dem russischen Kriminalcodex, die absonder- lichen Privilegien der Augeber betreffend, in den„Volksstaat" aufzunehmen.„Tie Namen Derjenigen, die die Fälschung der Staatökreditbillete, der Papiere der Staatsrente und sonstiger Geld- werth habender Kreditpapiere angeben, gleichwie die Namen der- jenigen Angeber, die an diesem Verbrechen betheiligtc, oder dasselbe unterstützende Persönlichkeiten kundthun, müssen in jedem Falle geheim gehalten werden, selbst wenn der Angeber selbst des Verbrechens theilhaftig wäre."—(Nr. 54 Theil II des Bandes XV, Seite 12 in der Ausgabe 1857.) Dies Gesetz klärt uns zur Genüge ans, warum in dcni nicht längst be- endeten Falschmünzerprozesse zn Jverdon(Schweiz) ein gewisser des Verbrechens der Falschmünzerei bezichtigter russischer Staatörath KameuSki trotz mehrmaliger Vorladung weder vor Gericht er- schien, noch trotz thätigcr Theilnahme weder arretirt, noch zur Ver- antwortung gezogen werden konnte, ungeachtet aller Nachforschungen und Mühen, die der StaatSprocnrator des Kantons Waadt, Herr GuimpS, daran gesetzt, um ihn zur Verantwortung und Strafe zu ziehen; und warum schweigt die„russische Regierung" und leistet keine hilfreiche Hand? Weil in diesem Lande Spione über dem Gesetze oder außerhalb desselben stehen und Verbrechen zu begehen carte blanclie haben.— P. S. Ich wende mich an Sie, weil ke'.ns der Bourgeois- journale diese Zeilen annehmen wollte; daö wundert mich übrigens nicht; eine Hand wäscht die andere, selbstverständlich. Ich aber halle eö für meine Pflicht, nationale Gesetzschurkcreien nicht zu verschweigen. Es ist immer kurioS, daß man durch s Spioniren für anderweitige Verbrechen außerhalb des Bereichs der Knute des großen„Sozialisten"(wie ihn Herzen in seiner„Glocke" und Bakunin,„Collektivist und Compaguon", in seiner Broschüre: „die Sache des Volteö" sPougatscheff, Pcstell oder Romanoss? Genf 1862j nannten) uud„Befteier" stehe« kann. M., russischer Flüchtling. Zürich. Zur Charakteristik der„republikanischen Bourgeoisie. Daß die deutsche Bourgeoisie im Ausland in Schmeichelei und Servilität gegen den„Fürst-ReichSkanzler" Bis- marck derjenigen im„Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte" durchaus nicht nachsteht, ist so ziemlich bekannt; und zwar die „republikanische" Bourgeoisie mit eingeschsossen. Würde z. B. ein Ntensch, der Deutschland während der Reaktionsperiode der fünf- ziger Jahre wegen der politischen Misere verlassen und sich bis zu dem letzten Krieg von aller Politik ferngehalten, den Entwick- lungsgang der deutschen politischen Verhältnisse also uicht kennen gelernt hat, sich jctzt plötzlich wieder über dieselben aufklären wol- len und zu diesem Zwecke die neugebackene„Züricher Presse" oder die„Neue Züricher Zeitung" oder die„FreitagSzeitung"(die beiden erstgenannten Organe der„liberalen" Bourgeoisie; das letztere ein reaktionäres Blatt) lesen, der würde zu seiner Verwunderung erfahren, daß Deutschland frei uud einig,, kurzum, daß in Deutsch- land das goldne Zeitalter angebrochen sei und daß man diesen großartigen ft-eieinheitlichen Aufschwung dem„genialen" Bismarck, gewissermaßen dem deutschen Washington zu verdanken habe. Die „Deutschen" Zürichs erließen bekanntlich eine ZnstimmungSadrcsse an Bismarck.„'Neue Züricher Zeitung" und„Züricher Presse" brachten s. Z. eine dahingehende Notiz mit der Bemerkung, daß auch Schweizer zur Unterzeichnung zugelassen würden. Wie„republi- kanisch"! Doch die republikanische Gesinnung des genannten und ungenannten liberalen ZeitungSgeschwisters geht auch ans dem hervor, daß bei Anlaß der verschiedenen stattgehabten Strikes, in welche auch Flüchtlinge verwickelt waren, man deren Ausweisung angerathen und sie„Kreaturen" und„arbeitsscheue Subjekte" ge- nannt hat. Aeußerungen wie:„ES wundert uns nur, daß die hohe Regierung dem wiisten Treiben der Internationalen so zu- sieht", oder:„Den Sozialdemokraten, die meist ausländische, Zweifel- haste Subjekte sind, müssen Behörden und Volk eines fteiheitliche» Bes Gemeinwesens mit Entschiedenheit entgegentreten", kann man Posta unserer„liberalen" Presse sehr häufig finden. Das Proeram�nge der veuliberalen Partei verlangt ebenfalls:„Eine Politik, die ni Entschiedenheit und Festigkeit den verderblichen Tendenzen dt Sozialdemokratie entgegentritt." q Wer würde bei diesen Aeußerungen nicht an das Geschrei di- französischen Bourgeoisie in den Jahren 48—52 nach einer stark�chd Regierung erinnert und wer begreift nun»och nicht die SdmpaihA. � für das bismarckische Regiment mit seinen achthunderttausciH. D Bajonnetten? Es ist eben die alte Geschichte, die immer neu bleib Die bevorrechteten Klassen der menschlichen Gesellschaft haben immt der gegen das Volk gerichteten organisirten Gewalt zugejubelt, sie sehr wohl wissen, daß ihre bevorrechtete Stellung nur mit walt auftecht erhalten werden kann. So hat die europäische Bourgeoisie den französischen Kais« als„Gesellschaftsretter" und daS ftanzösische Kaiserthum als ds „Zivilisation" gepriesen, so preist sie heute Bismarck und dg deutsche Kaiscrthum, um ihm möglicherweise wie dem französisch� einst in der Sterbestunde den Eselsftißtritt zu versetzen. Man sieht: die Bourgeoisie ist auch hier gegen die politisch Gerechtigkeit, d. i. Freiheit, weil die Arbeiter dieselbe benutze�ür um sich die soziale Freiheit damit zu erkämpfen. Die Bourgeoisie�� ist eben immer und überall reaktionär, also gegen den Fortschritt. � und, da nicht daS Verewigen des jeweiligen Zustandes der meiiserp lichen Gesellschaft, sondern das immerwährende Fortschreiten dersiras selben zu gerechteren sozial-politischen Zuständen die Kultur istnel kulturfeindlich. R. S. dors "Kap Lrieskoflen: der Expedition. Vogel in Burgstädt für Auuoiu�, CV?ii vm nor-e*• lDli s ♦tnrf» SUKfnfa frt Yu 3 Gr.— Seisckab in Nürnberg: Wenn Sie noch Absatz haben, so bl l�_-----»M----jEc halten Sie die Photographien aus Lager, außerdem senden Sie dieselbs�� retour, sür Photographien 8 Thlr.— Lauge in Hainichen sür Schriftegege 1 Thlr. 14 Gr. 5 Pf.— Guts in Feltemendt 6 Gr. sür Kalender e! halten, die 3. Auslage erscheint in 14 Tagen, von 2. Auslage Alles vei griffen.— Müller in Reichcnbach i. V. sür Schriften 5 Thlr. 14 Ggle� — Wolke in Döbeln für Abonnement 4. Qu. 14 Thlr. 16 Gr.- Roller in Reutlingen sür Schriften 5 Gr.— Kaufmann in Berlin fr_ Abon. 1. Qu. 25 Gr.— Zum Wahlfond Bebels. Von einer Abendunterhaltung der fozialdmokratischcn Arheitcrpart in Mainz 10 Tblr. Für den„VolkSfloar .neu ,gun Von Aug. Lehrmann in Meerane Schuldschein Nr. 65 zu 1 ThlffZ.. gratis zurück. Durch F. B. in M. Schuldschein Nr. 152 zu 3 Thlr. utt?) 1 Nr. 159 zu 1 Thlr. gratis zurück. Die Exped. d. V. fach Zum Weihnachtsgeschenk sür die Kinder. Von R. in Gumbinen 5 Thlr., von L. Rossel 5 Thlr. beiterverein in Königsberg 2 Thlr. vom .des Ischa gan Anzeigen 2c. glie Die Parteimitglieder versammeln sich jeden Sonntag Nack 2 Thlr., einzeln(Porto 8 Pf.) 4 Ngr. Unl B. Becker, Briefe deutscher Bettclpatrioten. 1. Lf. u Lf. 7>/- Ngr.@c 2B. Bracke jr., der Braunschweiger Ausschuß der sozialdemckratischen Ar. � bcitcrpartei in Lotzen und vor dem Gericht, mit Gruppenbild. 6 Stü£" 2 Thlr., einzeln(Porto 9 Pf.) 12'/, Ngr. Gruppenbild au« vorstehendem Werke, ausgezeichnet, 13 Portrait« entlrel haltend. 13 Stück 1 Thlr., einzeln(Porto 1 Ngr.) 3 Ngr. der Husarenbrodprozeß gegen den Braunschweiger Volkssreund. 30 Stü 1 Thlr., einzeln(Porto 4 Ps.) I'/, Ngr. Antisyllabus, Gedickt. 100 Stück(Porto 3 Ngr.) 20 Ngr., einzel_ 6 Pf.(Porto bis 12 Stück 4 Pf.). Bericht des Londoner Generalraths an den Kongreß der Internationale s Arbeiterassoziation im Haag. 100 Stück(Porto 3 Ngr. 1 Thlr einzeln 6 Pf.(Porto his 3 Stück 4 Pf.). Lassalle, Arbeiterlesebuch. 20 Stück 1 Thlr. 15 Ngr., einzeln(Port 8 Pf.) 3 Ngr. Lassalle, Erwiderung(neu). SO Stück 1 Thlr., einzeln(Porto 4 Ps 1'/, Ngr.. Die sämmtlichen Sachen bedürfen keiner Empfehlung. Auch die übrig|zZ, sozialistischen Sckristen halte ich aus Lager. föi Man wende sich an die Expedition de«„Braunschwciger Volksftcund � Neuestraße 23, oder an W. Kracke jr. jm2 S)rauuschweig. Zur gef. Notiz. Da die Bestellungen auf den „MoMsstaalkatender" sich noch immer mehren, so erscheint in 8— 14 Tagc