Erscheint wöchentlich 2 Mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lunzen des In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Be- stellungen an: die Expedition, Hohcstraße 4. die GenosienschastS- buchdruckerei, Zeitzerstraße 44. A. Bebel, Peterstraße 13. I. Müller, Baherschestraße Ld, Ol. Aöonnemenkspreis: � Für Preußen incl. Stempel- steuer 1? Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten 12>/z Sgr. pro Quartal, pro Monat 4>/z Sgr. Für Leipzig und Umgegend pro Quartal 13 Ngr. Filialexpedilioncn für die Vereinigten Staaten: F. A. Sorge, Bor 101 UoboKcn, N.J. via Newyork. G. A. Lönnecker, 155 W. Lake Chicago(III.) OrgandersozialdemokratischenArveiterparteiundderinternationalenGelverksgenoffenschasten. Nr. 6. Sonnamnd, 18. Januar. 1873. Telegraphische Depesche. Mülsen St. Jacob, 16. Januar. Nach voraus- gegangener ungesetzlicher Hinausweisung der Frauen und Minderjährigen wurde die heutige Wählerversammlung ausgelöst. Es ist das die beste"Agitation für die Wie- dcrwahl Bebels. Sonntag, den 19. d. M., Nachmittags neue Versammlung. Mülsener Arbeiter! Alle zur Wahl- urne! Hoch Bebel! Franz. Mcerane, 12. Januar. Gestern wurden hier zwei stark be- suchte Wählerversammlungcn abgehalten. Im Saale der Tonhalle refcrirte Motteller und im Tivoli Stolle. Ueber die Referate und über den Geist, der diese Versammlungen durchwehte, braucht es keiner weiteren Worte. Unter stürmischen Hochrufen auf ihren Kandidaten Bebel gingen die Wähler auseinander. Ein Konsusionsrath. In Nr. 38 und 43 voni vorigen Jahre hatten wir einige Stellen aus den Aufsätzen eines human gesinnten Schweizer Arbeit- geberS in der„Eoncordia" mitgelheilt, welche theils zwar recht vernünftig, theilö aber auch höchst unlogisch waren und geeignet schienen, uns einen Blick in die geistige Schatzkammer deS gegneri- scheu Heerlagers zn gewähren. Fabrikanten, die Lust und Fähig- keit haben, Aufsätze über„Kapital und Arbeit" zu schreiben, gibt es blutwenig; unser„I. C. B."— der Verfasser jener„Coucordia"- Artikel— ist einer dieser AuSnahinS-Fabrikanteu; er ist jedenfalls eine Koryphäe des gebildeten TheilS des Fabrikantenthums— und doch, wie traurig sieht es in?cm Kopse dieses llllaiines aus,! In Nr. 25 der vorjährigen„Concordia" schrieb er z. B. Folgendes: „I. Ueber die Lohnverhältnisse.(Nachschrift.) „Man hat gesagt: da wo der Manncslohn nicht ausreiche, da müsse die Arbeit von Frau und Kindern nachhelfen.— Wenn wir voraussetzen, die Kinder können mit dem zwölften Jahre zum Fabrikverdienst angehalten werden(was ich zwar für Sünde halte), so liegen zwischen der Geburt deS ersten KindeS und dem ersten Batzen Kinderverdienst immerhin zwölf Jahre. Wer soll in diesen zwölf Jahren die HauShaltungSzeschäfte verrichten, die Kinder er- ziehen, wen» die Frau in die Fabrik geht? Eine Schwester, eine Großmutter? Augeiitmimeu, die könne Mutterstelle verscheu, so ist dadurch schon wieder eine Zehrperson mehr im Hause; also damit wenig gewonnen. „Man vergleicht oft das Einkommen einer Fabrikarbciterfamilie mit demjenigen einer Beamten- oder Lchrerfamilie.— „Schande genug, daß auch diese so schlecht besoldet sind; aber Niemandem ist noch eingefallen, daß Frau und Kinder von Be- amten und Lehrern in die Fabrik gehen sollten, um den mageren liche Meinung diesem Treiben die Larve des ehrlichen Handwerks abreißen kann. „Sinnlos ist aber der Streit zwischen Arbeit und �apital, wenn er einen Feldzug gegen redliche Unter- nehmer oder gar gegen Eigenthum und Besitz im All- gemeinen bedeuten soll. Hier herrscheu eben auch wieder kon- suse Begriffe, die etwas schwer zu berichtigen sind.— Man darf sich unter Kapital nicht nur einen Sack voll Geld, eine Schachtel voll Aktien oder ein Zinsbuch vorstellen; daS sind nur die Rechts- titel auf das Kapital. Kapital ist Alles um uns her, was wir auf dieser Welt mit den Augen sehen und mit de» Händen greifen können. Jedes Grundstück, jedes Haus, jedeS Stink Vieh, jede Maschine, jedes Hauögeräth, jede Waarc ist ein Stück Kapital. Der Eine besitzt ein Kapital, der Andere besitzt keines. Der Eine braucht sein Kapital, der Andere braucht es nicht. Der Eine braucht mehr, der Andere weniger für seinen Beruf. Der Eine hat zwei Wohnungen, der Andere hat gar keine. Was ist nun auf der Welt natürlicher) als daß man einander aushilft(!!); was ist natürlicher, als daß man für diese Dienstleistung, wie für jede andere, einen vereinbarten Miethzins bezahlt? Damit ist in der Regel beiden Kontrahenten geholseu(??) und durchaus kein Grund zu Vorwürfen.— Unsere Arbeiter haben z. B. eine bedeutende Summe in unserer Fabriksparkasse liegen, die ihnen mit 6 Prozent verzinse wird. Uns ist daö Kapital erwünscht (ah!), sie brauchdn'ö nicht(!?) und sind also uns gegenüber Kapitalisten(!?), also als Besitzer grundversicherter Obligationen auch Thcilhaber(!?) am Gewerbe. „Dieser Miethzins steigt und fällt je nach Orts- und Zeitum- ständen genau wie der Lohn nach dem Gesetze von Angebot und Nachfrage, und daö, wie die Erfahrung lehrt, nüt und ohne Wuchergesetze; da kann kein Fürst der Erde eingreifen, im Gegen- theil Fürsten und Regierungen zahlen in der Regel den hoch- sten Zins. „Zu bedauern ist nicht, daß das Kapital verzinst wird. Zu bedauern ist nur, daß so unendlich Viele, und darunter die meisten Arbeiter, kein Kapital besitzen, dessen Ertrag ihnen durchhelfen könnte und sollte, daß sie so schwer dazu und so leicht davon kommen.— Das Mißverhältniß zwischen Reich und Arm fällt nirgends so in die Augen, wie bei der Fabrik. Es liegt dies in der Natur der Sache. Ohne Kapital läßt sich keine Fabrik Herstelleu. Die Herstellung setzt also schon begüterte Leute voraus. Und umgekehrt gehörcu�die Leute, welche in Fabriken ihren Brodcnverb suchen, gewöhnlich zu den Armgeborenen, zu den Aermsten aller Armen. Es ist dies also eine, wenn auch stumme Association(!!) zwischen den Extremen von Kapital und Arbeit, die einander auf diese Weise die Hand reichen(!!) und gegen- seitig nützlich sind, oder wenigstens sein können, wenn sie guten Willen dazu haben... „Erbrecht und Eigenthum abzuschaffen, dazu wird es schwerlich je kommen(!?), denn damit sind doch die Wenigsten einverstanden ManneSverdienst aufzubessern.— Ich gebe zu, man muß oft„aus und so lange wir Erbrecht und Eigenthum stehen lassen, werden der Noth eine Tugend" machen; aber je mehr wir unnatürlichen wir die Dinge eben nehmen müssen wie sie sich nach und nach ent- Verhältnissen Vorschub leisten, desto mehr wachsen sie und desto Pickelt haben. Unsere Aufgabe wird es nur immer sein, de» Miß- langer behaupten sie sich. Jedenfalls können uns einzelne Beispiele brauchen und den Begriffsverwirrungen auch auf diesem Felde ent- nie als Entschuldigung des Schlimmen gelten; auch die schlechteste gegen zu wirken(!!)." Schule könnte nöthigenfalls etwa einen hervorragenden Schüler Konfuseres Zeug— d. h. ein ärgerer Mischmasch von Wahrem vorstellen, um die Blößen der übrigen zn decken.— und Falschem, richtigen Voraussetzungen und trügerischen Schlüssen „Es hat Alles auf der Welt seine Grenzen. Wenn ein Familien- s" igt— jg"''M I Einkommen von fl. 10,000 auf st. 5000; wenn ein solches von st. 5000 auf fl. 2000 reduzirt wird, das ist an sich noch kein Unglück. Sobald aber dasselbe unter fl. 200 pro Kopf herabsinkt, Wir übergehen den Unsinn, daß die Fabrik- und Hausbesitzer quasi ein verdienstliches Werk thnn, indem sie den Besitzlosen durch Arbeitsangebot und Wohnnngsvermiethung„aushelfen" und die „Hand reichen", bez. gar mit denselben„stumme Assoziation" ein- gehen. Wir wollen eben, ihr Herren Bourgeois, Eure Humani- tät überflüssig machen; wir wollen, daß der Besitzlose Wohnung, Arbeit und Nahrung habe ohne Eure Gnade, ohne daß ihr ihm die„Hand reicht", ohne daß ihr ihm„aushelft". Zu diesem Zweck wollen wir Euch, als Kapitalisten, absetzen und den Staat als Disponent über Eure Häuser und Fabriken einsetzen. Dann hätten wir statt der„stummen Assoziation" eine„Assoziation", die sich reden läßt.— Der ganze Artikel ist nur ein Ausdruck der in diesem Blatte wiederholr gekennzeichneten Bourgeoiö-Philanthropie, der naturge- mäß das Bestreben innewohnt, die Schäden der bürgerlichen Ge- sellschaft abschaffen, die Grundpfeiler dieser selbst aber erhalten zu wollen,— ein Bestreben, von dessen Erfolglosigkeit Konfusions- räthe wie unser„I. C. B." freilich nicht zu überzeugen sind.— dönn stehen wir an der Grenze der Möglichkeit, auch bei der größten Einschränkung; denn genährt muß der Leib Durchaus sein, toeutt er arbeiten, die Kraft nicht verlieren soll. ..®et Streit zwischen Arbeit»nd Kapital ist eben so sinnig als unsinnig(!!). Er hat seinen tiefen Sinn, soweit er sich auf den Schwindel bezieht, auf die heute so sehr überhand- nehmende Sucht, auf spekulativem Wege schnell zu Reichthum, Müßiggang und Wohlleben zu gelangen. Die Spielhäuser sind mit Recht als unsittliche Institute verpönt. Wenn der glückliche Spieler seinen Bündel Gold heimträgt, der eine Stunde früher — als dieser Artikel äst wohl noch selten geschrieben worden. Der Verfasser anerkennt zuerst ausdrücklich', daß„nur die Arbeit die Erdeiigütcr schafft", und darum verdammt er Börsenspiel und Müßiggang; hinterher aber vertheidigt er das„Erbrecht", welches doch eben auch Müßiggänger in Reichthnm versetzt, und findet er„durchaus keinen Grund zu Vorwürfen" darin, daß„der Eine zwei Wohnungen, der Andere gar keine hat",— wenn auch Dieser sehr fleißig und geschickt, Jener aber faul und dumm ist. Und welcher Unterschied ist denn schließlich zwischen den Konjunkturen des Börsenspiels und denen des sogenannten reellen Waarengeschäfts? Höchstens doch nur der, daß man bei letzterem nicht wie bei ersterem über Nacht Hunderttaufende sondern nur Taufende gewinnen kann; aber daö den kanfmännifcheu Spekulationen innewohnende Prinzip ist überall dasselbe; das eine Handelsgeschäft ist gerade so ehren- noch m der Tasche eines andern lag, der sich jetzt vielleicht eine Haft und so unehrenhaft wie das andere. Auch ist es unwahr, Kugel durch den Kopf schießt, so sagt man mit Recht, der erstere daß man bis heute„noch kein ist ein Schuft. Aber der Unglückliche ist nicht sehr zu bedauern, � SpielhauS gegangen mit der Absicht, es Andern nicht besser zu machen.— „Die Börsenspekulation ist aber noch weit unsittlicher, als die Spielhölle; denn da sind die Opfer de&�jpiels, das hier nicht blos auf dem Zufall beruht wie beim Roulette, sondern gar oft auf Lug und Trug, auf Spiegelfechterei, ich sage, da sind die Opfer� meist völlig wehrlos und unschuldig(?). Jede Million, jeder Franken, der da erschwindelt und nachher verpraßt wird, be- steht aber aus lauter Sweißtropsen der fleißigen Arbeit; denn nur die Arbeit schafft die Erdengüter. Er ist direkt' oder mdirett den Lebensbedürfnissen abgezapft, kommt schließlich aus der Tasche der Konsumenten. Es ist darum begrc.ftufy on a na(u Unb na(� lftn Schrei der Entrüstung durch die ganze Welt geht gegen diese Leute, die man mit Recht die Geier und Marder der Gesellschaft nennt.— "tick/f- auch noch seine Berechtigung, soweit er gegen den Müglggang gerichtet ist. Auf dem Todbette sollte jeder Sterbliche mit gutem Gewissen sagen können: Ich habe der Mensch- Heck nicht blos mit Geld, sondern durch persönliche Leistungen wenigstens ebenso viel geleistet als von ihr empfangen.— „Jndeß mit Klagen, Jammern und Schimpfen ist eben nicht geholfen und praktische Mittel gegen den Schwindel hat man bis letzt»och keines(??) finden können, höchstens dies, daß die öffent- i» praktisches Mittel gegen den Börsenschwindel" wisse. Daö Hauptmittel ist freilich das soziali- stische: durch Umgestaltung der Produktionsweise auch die heutige Zirkulationsmethode des Kapitals aufzuheben und mit ihr selbstverständlich das Borsenspiel unmöglich zu machen. Geht die Gesellschaft noch einen Schritt weiter und von der sozialistischen zur kommunistischen Organisation, d. h. der Aufhebung des Privateigenlhnms, so ist der Börsenschwindel erst recht unmöglich gemacht.— Ein nicht unerhebliches Palliativmittel gegen den Börsenschwindel ließe sich sogar schon unter den heutigen Ver- Hältnissen anwenden(und eine wirklich volksihümliche Revolution dürfte es dereinst während der Uebcrgangsperiode mit vollster Strenge durchsühren)— wir meinen: Die unbedingte Rechtlos- erklärung aller als Schein-Käufe viid-Verkäufe erweisbaren Handelsoperationen,— sie mögen nun mündlich oder schriftlich abgemacht sein. Dadurch daß man derartige Geschäfte— die|ich nun einmal nach Lage der Dinge nicht verbieten lassen— außer halb der Wohlthateu des bürgerlichen und deS Handelsrechts� stellt und sie für gerichtlich u neinklagbar erklärt, würden die Börsen- scheingescbäfte sicherlich sich auf ein Minimum rednziren. Denn nur Wenige dürften dann Lust haben, Differenzen bei Scheiugeschästen zu bezahle», wenn kein gesetzlicher Zwang dafür existirt. Das Börsenspiel würde demgemäß auf daö Niveau eines ganz gewöhn- lichen Wettspiels gesetzt und als solches auch von den sich daran Betheiligenden aufgefaßt, mithin minder verderblich werden. Politische Nebersicht. Die deutsche lJugend findet immer weniger Geschmack am Sol- datenspiel, und das ist ein gutes Zeichen. Das Obcrgericht zu Osnabrück sucht 121 ausgetretene Militärpflichtige, daö Ober- geruht Nienburg 216, das Obergericht Celle 74, in Snmma 411 Mann. Wenn überall im Reich der Gottesfurcht und ftom- men Sitte die Fahnenflucht in demselben Maaßstabe sich herausstellt, dürste der Ausfall sehr bald ein recht empfindlicher werden.— Wie weit die Korruption der Presse bereits gediehen ist, davon legt Zeuguiß ab folgender Preiskourant, den der„Correspondent v. u. f. Deutschland" veröffentlicht:„Wie aus dem von Rudolf Mosse publizirten Jnsertionstaris zu ersehen, hat die„Angsburger Allgemeine Zeitung" einen besonderen Tarif für Griiiidnngs- Emissionen und Reklamen, und zwar beträgt derselbe per Zeile bei Anlehens- und Gründungs-Emissionen 1 fl., bei AnlehenS-Reklanten 5 fl., bei Lotterie-Anzeigen 21 kr., bei Lotterie-Reklamen 3 fl., bei ärztlichen und Bade-Anzeigen 14 kr., bei ärztlichen Reklamen 3 fl.; alle übrigen Annoncen kosten per Zeile im Hanptblatt 24 kr., in der Beilage 10'/- kr. und andere als oben genannte Reklamen 1 fl. 30 kr. Und dabei hat die„Allgemeine Zeitung" seit Neujahr den Abonnementöpreis uill 5 fl. erhöht.">— In Frankreich hat sich nach dem Ergebniß der kürzlich vorge- nommenen Volkszählung die Bevölkerung seit 5 Jahren um eine drittel Million vermindert— natürlich ohne Elsaß-Lothringen in Rechnung zu bringen. Natürlich ist dieses Resultat dem heiligen Krieg und den Kommune-Schlächtereien zu verdanken. Die Be- dcutung der Ziffer tritt übrigens erst dann in helles Licht, wenn man dabei erwägt, daß unter normalen Verhältnissen die Be- völkerung sich in diesen 5 Jahren um mindestens eine halbe Million vermehrt hätte. Diese halbe Million ist zu jener drittel Million zu addiren, um den Posten vollständig zu haben. Jndeß für die Krautjunker von Versailles hat Frankreich doch immer noch zn viel Menschen; in mehreren Städten des Südens haben sie Verschwörungen der„Internationalen" mit obligaten Orsiniboinben allsgeschnüffelt, und massenhafte Verhaftungen vornehmen lassen, damit daS Material für die lustig florirenden Deportationen nicht ausgehe.— Herr Thiers ist augenblicklich besonders guter Laune, jer hat, trotz feines Viktor Hugo gegebnen Ehrenworts, den armen Rochefort nicht„begnadigt", nnd daS Bewußtsein eines glücklich und erfolgreich gebrochenen Ehrenworts hat etwas außerordentlich Wohlthuendes für einen Biedermann. Außerdem stimmt ihn der Tod Bonaparte's heiter,— nicht daß er den Helden von Sedan als Prätendenten gefürchtet hätte,— aber er ist seinen gefährlich- sten Kouklirrent aus dem Gebiet der Gesellschaftsrettung loö, nnd ist jetzt unbestrittener Oberster Gesellschaftsretter Europas.— In Südwales steh» alle Kohlenminen und Eisenwerke still; 60,000 Arbeiter, von denen ein Jeder außer sich selber im Durch- schnitt noch vier menschliche Wesen zu erliähreu hat, also zusammen au 300,000 Menschen sind außer Erwerb gesetzt, ein erster In- dustriezwcig ins Stocken gebracht, bloß weil einige Dutzend Groß- kapitalisten die Arbeiter als rechtliche Sklaven betrachten, mit denen sie nicht auf gleichem Fuße verkehren können!— Ein charakteristischer Zug ist hier zu erwähnen: Als die Herren zun, letzten Mal die schiedsrichte» liche Lösung der Differenz abgewiesen hatten, e, klärten sie sich heuchlerisch bereit, ihre Bücher zur Einsicht vor- zulegen; die Arbeiter würden sick daraus überzeugen, daß der Stand des Geschäfts die Fortzahlung der bisherigen Löhne nicht gestatte. Die Arbeiter griffen zu, sagten aber, da sie selber sich auf die Buchführung nicht verstünden, so wollten Sie einen Sach- verständigen mit der Prüfung betrauen; komme dieser zum Schluß, daß es sich so verhalte, wie die Grubenbesitzer sagten, dann seien sie(die Arbeiter) bereit, die Arbeit zu dem reduzirten Lohnsätze auszunehmen. Wichts konnte billiger sein. Kaum aber hatten die „Herren" gehört, daß die Arbeiter die Prüfung der Bücher einem Sachverständigen übertragen wollten, so zogen sie schleunigst ihr Anerbieten zurück, und bekundeten dadurch, daß sie auf die llnerfahrenheit der in die Geheimnisse der kauf- männischen Buchführung nicht eingeweihten Arbeiter spekulirt, mit anderen Worten: einen gemeinen Betrug ber absichtigt hatten! Bekannilich wies Richter Brett, der die Gaöarbeiter verur- theilte, zur Motivirung der schweren Strafe auf die schweren Nach- theile hin, die dem Publikum durch den Gasarbeitcrstrike envachsen seien. An die zehnfach, Hunderlfach größeren Nachtheile, die dem Publikum durch den Lockout(denn das ist es thatzächlich) in Süd- wales erwachsen, denkt natürlich die Bourgeoispresse ebensowenig wie der ehrcnwcrthe Nichterstand. Dort waren es Arbeiter, die gegen Arbeitgeber für ein Ziecht kämpften— hier sind es Arbeit- geber, die Arbeitern ein Recht verweigern— daS ist freilich ein wesentlicher Unterschied, lieber die weitere Entwickelung deS Lock- out läßt sich mit Bestimmtheit nichts vorhersagen. Daß 300,000 Menschen, die keine Ersparnisse zu verzehren haben, nicht lang ohne Erwerbsguelle bleiben können, liegt auf der Hand. Die Arbeiter suchen deßhalb ihre Zahl möglichst durch Auswanderung nach England zu vermindern. Gelingt das, so sind Chancen des Er- solgS vorhanden. Jedenfalls haben die Arbeitgeber eine mehr- wöchentliche Unterbrechung der Arbeiten in den Kreis ihrer Be- rechnung, ja Spekulation gezogen.— Fritzsche bringt eine zornige Antwort auf die uculiche Anfrage des„Volksstaat." Hätte er sich in dem Artikel, der die Anfrage vcranlaßte, nur halb so deutlich ausgedrückt als er in der Antwort — grob ist, so würde die Anfrage nicht erfolgt sein. Etwas weniger Grobheit und etwas mehr Klarheit wäre der Antwort zu wünschen— indeß, da Herr Fritzsche die Tendenz des„Bollsstaat" ausdrücklich billigt, so sind weitere Bemerkungen überflüssig. Die Vorwürfe, die er dem„Volksstaat" macht, widerlegen sich durch den„Volkssiaat" selbst, in dem Herr Fritzsche die betreffenden Partien nochmals durchlesen möge. Zur Entgegnung. Der Verfasser des Berichts aus Nürnberg in Nr. 3 des„Volks- staat" wünscht eine Erläuterung einer Stelle in dem Artikel„Ein Rückblick" in Nr. 104 des„Volksstaat", wo es heißen soll:„die Parteiorganisation ist bei der Ausbreitung der Partei leer ausge- gangen, und dem Ausschuß ist kein Psifferling zugeschickt worden." Der Verfasser des Nürnberger Berichts sehe sich nur erst die be- treffende Stelle genauer an, und er wird finden, daß er falsch zitirte und seine Schlußsolgeruug aus jeuer Stelle folglich auch eine falsche ist. Es heißt in dem Artikel„Ein Rückblick" in Nr. 104 wörtlich: „Unsere Parteiblätter in Braunschweig, Chemnitz, Dresden, Nürnberg mid Fürth veröffentlichen beständig Anzeigen von Volks- Versammlungen in ihrer Umgebung und berichten über neue Ausbreitung der Partei, aber die Parteiorganisation ist leer ausgegangen und dem Ausschuß ist kein Psifferling zugeschickt wor- den." Wir glauben, das ist klar für Jeden, der ein bischen denken kann. Es wird nicht behauptet, die Parteiinitglieder in Braun- schweig, Chemnitz, Dresden, Crimmitschau, Nürnberg, Fürth bezahlten nicht ihre Parteisteuern— das wäre sehr blamable, wenn es nicht geschähe— sondern es wird behauptet von der Gründung jeuer Blätter, von ihrem Einfluß auf das Gebiet ihrer Umgebung hat die Parteiorganisation, trotz der vielen Versammlungen, welche von ihnen angezeigt wurden und in welchen den Parteiprinzipien neue Anhänger gewonnen wurden, keinen Nutzen bisher gehabt, weil kein Anschluß an die Parteiorganisation und keine Steuerzahlung erfolgt. Und da erlauben wir uns allerdings im Gegensatz zu der Anschauung des Nürnberger Korrespondenten die Ansicht auszu- sprechen, daß nur derjenige zur Partei gehört, der auch seine Pflicht gegen die Partei erfüllt. Dazu gehört in erster Linie die regelmäßige Steuerzahlung, ohne welche kein Verwaltungsorganismus bestehen kann. Bei unserer Partei ist aber die regelmäßige Steuerzahlung eine Lebensfrage; unsere Partei darf keinen Tag ruhen, sie muß beständig kämpfen, sich auszudehnen trachten, neue Kreise ihcen Prinzipien zu gewinnen suchen. DaS kann nur geschehen durch die Agitationen, durch stete ununterbrochene Agitation, und hierzu gehören Mittel. Also, wer Parteigenosse' sein will, hat nicht nur selbst nach Maßgabe seiner eignen Kräfte für die Ausbreitung der Partei zu wirkell, er muß auch die Parteileitung, die zu diesem Zwecke da ist, in den Stand setzen, dies in möglichst großem Maß- stabe auszuführen. Und hierzu sollen ganz besonders die Partei- organe beitragen— deren Thätigkeit in dieser Beziehung gleich Null war. Damit aber der Nürnberger Korrespondent nicht glaubt, wir redeten nur in den Tag hinein ohne das Gesagte e- weisen zu können, so wollen wir ihm Folgendes vorhalten: Das „Demokratische Wochenblatt" in Fürth-Nürnberg hat nach seiner eigenen Angabe 3000 Abonnenten, die sicher nicht allein auS Nürnberg-Fürth, sondern auch aus den umliegenden Städten und Ort- schaffen sich rekrutiren. Von den 3000 Abonnenten des„Demo- kratischen Wochenblattes" sind höchstens 4— 500 in den beiden Städten Nürnberg-Fürth wirklich der Parteiorganisation angehörig und zahlen ihre Stenern. Aber von den zahlreichen Ortschaften um Nürnberg-Fürth, wir nennen nur Erlangen, Schwabach. Lauf, Langenzen, Rothenbach und den zahlreichen Jnduftriedörfern ist in keinem eine Partei- Mitgliedschaft gebildet, obgleich überall daS„Demokratische Wochenblatt" sicher gelesen wird. Das haben wir getadelt, und nicht bloS von Nürnberg-Fürth, sondern von den Sltzen aller Partei- organe, Leipzig als Sitz des„Volksstaat" nicht ausgenommen. Wir verlangen, die Parteiorgane sollen nicht nur ihren Leserkreis auszudehnen suchen und die Parteiprinzipien— wir wünschen sogar schärfer als es bisher hier und da geschehen— vertreten, sondern auch für die Parteiorganisation bei jeder Gelegenheit eintreten. Es sollte z. B. jedes Parteiorgan, sobald der Ausschuß die Liste der Säumigen ini„Volksstaat" veröffentlicht, die Orte seines Bezirks herausgreifen und extra an den Pranger stellen; und nicht allein diejenigen Orte, welche ihre Pflichten nicht er- füllte», sondern auch diejenigen Orte, die es noch nicht der Mühe werth hielten, sich der Parteiorganisation anzuschließen, obgleich zahlreiche GesiuuuugSgenosseu darin vorhanden sind. Das würde helfen und der bisherrgeu Unordnung und Nachlässigkeit ein Ende machen. Der Verfasser des„Rückblicks", der weder zum Ausschuß, noch zur Kontrol- kommission, noch zur Redaktion gehört. Boden verloren(!!). Wäre Deutschland in seinem Rieseukainpse'gasse 233; Schriftfiihrer Carl Heinze, gegen Frankreich unterlegen, so konnte es leicht geschehen, daß die Erhard Ebner, Bauerngasse 852. Kommune statt in Paris mitten in Deutschland ihren blutigen(?) Gewerksgenossen! Euch Allen unsere besten Wünsche zum ueui! Thron aufgerichtet hätte. In einem Jahre aber wurden zwei Jahr. Blicken wir zurück auf die Zeit, wo wir(vor noch nils! mächtige Feinde Deutschlands für längere Zeit zuni Waffenstrecken(?)j ganz fünf Monaten) die Verwaltung üb« rnahweci, so könne» wil gezwungen(!!!). und mit uns jeder verständige College giiit Freuden konstatire» „Aehnlich den Jesuiten und deren Gesinnungsgenossen sind je- daß das Kassenverhältniß heute ein sehr er sreuliches ist. Aber uoi doch die Sozialdemokraten in ihren Bestrebungen von der zähefteii Ausdauer. Trotz aller Niederlagen geben sie die Hoffnung auf ihren endlichen Sieg nicht auf. Ihr letztes Ziel ist im Grunde genommen ein und dasselbe: Umsturz der destel, enden Verhältnisse — durch Blut(?!) und über Trümmer zur Herrschaft! Ein Unterschied in der Thätigkeit Beider ist bloS der, daß die Einen vorgeben, Alles„zur größeren Ehre Gottes" zu thun, während die dleibt sehr viel zu thun und zu wünschen übrig; von dem Stand ber Hauptkasse hängt die Erreichung unseres Zieles wesentlich ab Die Hebung unseres Gewerkes, resp. die Verbesserung unserer Lag durch Gründung von Unterstützungskassen läßt sich nicht von de» Einzelnen in Monaten herbeiführen, es gehört dazu die Bethfl liguug der großen Masse, nur sie kann durch Ausdauer und treui Festhalten ain Prinzip in kurzer Zeit das Ziel erreichen. Mög Andern zu Rettern des armen geknechteten„Arbeiters" sich stempeln, jeder College Sorge tragen, daß der nächste Jahreswechsel ein no Dabei lassen beide Parteien, wenn sie es für gerathen halten, au viel besseres Resultat aufzuweisen hat ni pn rtrfUt fpMpn Otiir ivikpn v>ti,-Yotniti-ii Gruß an alle Mitgliedschafte»! friedlichen Versicherungen nicht fehlen. Wir haben doch die Jesuiten bei den RetchstagSverhandlungen über das Jesuitengesetz von ihren Freunden und Helfershelfern wegen ihrer ersprießlichen und fried- lichen Thätigkeit sich rühmen lassen! Wer weichen Gemüthes war und die glelßuerischen Phrasen für baare Münze nahm, konnte wahrhaftig bis zu Thränen gerührt werden. „Auch die Führer der Sozialdemokraten versichern, wenn sie vor der Obrigkeit wegen ihres Agitirens sich zu verantworten haben, daß sie durchaus nicht blutigen Umsturz haben wolle», sou- Znternationale Gewerkschaft der Waler, Lackirer, Vergoldet Megensöurg. Kollegen Süddeutschlands! Brüder, reicht di Hand zum Bunde! so rufen wir Euch zu, denn wir wollen nich länger dulden, daß auS uns Maschinen ohne Geist und Wille» gemacht werden. Nicht länger dulden, daß man uns ausbeute dern den Umschwung der bestehenden Verhältnisse auf friedlichem für einen kargen Lohn bei guter Geschäftszeit, während die längs s) li»t a»irt* Jao»» v-v» 1 1* v»»V wm»>i 7 A.< � T. � o..,1 �.... s, OfYi � � r 1 j. t" x.<'.. f. rr\ r Für den Verwaltungsrath: H. Zilger. Wege anzubahnen sich bestreben. Wenn das wahr ist— wenn sie schlechte Geschäftszeit uns gar keine Möglichkeit.bietet, unser Dasei» dem Proletariat wirklich ohne Blutvergießen und ohne Raub und zu fristen. Deßhalb, Kollegen, tretet ein in unsre Gewerkschaft' Plünderung zu einer menschenwürdigeren Existenz verhelfen wollen wir und unsere Brüder in Braunschweig werden Euch unterstützeit' — dann Ehre diesen Männern! Allein dann müssen sie andere i so viel nur in unseren Kräften steht. Einig sind wir Alles, g» Wege zu ihrer Volksbeglückung einschlagen und ihre Reden an das trennt Nichts. Also auf, organisirt Euch; wir werden alles aus Volk dürfen nicht so sehr nach Pulver �riechen. bieten zur Agitation. „Alle Parteien nun, welche nast) Einfluß auf die Masse deS Volks streben, suchen die Reihen ihrer Anhänger gleich von Jugend auf gefügig und ihren Grundsätzen zugänglich zu machen. Daher soll die Volksschule ihr Aschenbrödel sein und ein Geschlecht er- ziehen helfen, das willig Ordre parirt. Von den pfäfflsch-jesuitr- ichen Gelüsten, die Schule für sich allein in das Schlepptau zu nehmen, wollen wir heute absehen. Auf dieses Kapitel kommen wir das nächste Mal. „Heute haben wir zunächst darauf hinzuweisen, daß die So-Zal- demokratie sich allen Ernstes bemüht, Einfluß auf die Eni- Wickelung des Volksschulwesens sich zu verschaffen. Mit ihren Bestrebungen würden die Führer der Sozialdemokraten natürlich, wenn auch langsam, in besseres Fahrwasser kommen, wenn der Lehrerstand ihren Einflüsterungen und Vorspiegelungen willig Gehör schenkte und ihr Programm, pädagogisch zubereitet, der Jugend in kleinen Dosen nach und nach zum Eigenthum machte. „Während der deutschen Lehrerversammlnug in Hamburg ließen die Sozialdcmok>-ateu sich es besondere Mühe kosten, Zulaß zu den Versammlungen zu erhalten und Lehrerkreise zum Besuche der von ihnen selbst in Hamburg und Altona beabsichtigten sozialdemokra- tischen Versammlungen zu bewegen. Wir wissen nicht, ob ihre Mühe völlig vergeblich gewesen ist. „Wie hat aber die Schule diesen Versuchern sich gegenüber zu verhalten? Die Schule soll dem ganzen vollen Leben in seinen mannigfachen Beziehungen zu Diensten sein und darf sich nicht zum Werkzeug einer Partei machen lassen. „DaS Leben fordert sittlich-religiös(!!!) gesinnte Menschen; es fordert brauchbare Staatsbürger; es fordert nützliche und geschickte Arbeits- und Geschäftsleute, verständige Gemeinde- und Familien- glieder. Zu dieser allseitigen Bildung hat die Schule in dem ihr anvertrauten Geschlechte die Keime zu entwickeln und zu kräftigen. Das ist die Aufgabe der Volksschule, welche ihr von Natur und Vernunft vorgezeichnet ist. Jeder Partei, welche die Arbeit der Schule für sich zur Erreichung von Sonderinteressen ausbeuten möchte, hat die Schule einfach die Freundschaft aufzukündigen. Thut sie das nicht, so wird sie gar bald von den einzelnen Par- teieu im Staatslebeu wie ein schwankendes Rohr hin und herge- trieben werden."..... Wir brauchen die gänzlich irrigen Anschauungen des Verfassers, daß die Sozialdemokratie in den letzten Jahren„an Boden ver- loren" habe, nach„Pulver" rieche und„Blut"-dürstig sei, nicht zu widerlegen. Der Herr Verfasser scheint sich noch immer nicht vom Leipziger Hochverrathsprozeß erholt zu haben, der in ihm jene Gespeustersehenssucht erzeugt hat. Richtiges an dem ganzen Artikel finden wir nur in dem Winke, daß uns, wenn wir die Schule er- obert haben, dann die andern Siegesfrüchte von selbst in den Korb fallen. Falsch aber ist hinwiederum, daß wir die Schule zu Parteizwecken mißbrauchen wollen. Unsere Sache identifizirt sich mit-der Sache der Menschheit, nicht mit Sonderintereffeu eines Bruchtheils derselben; wenn wir die Schule in unserm Sinn umgestalteten, betreiben wir also nicht das, was man fouft schlecht- hin„Parteizweck" nennt, sondern das Gemeininteresse. Und was endlich die Verwirklichung jenes Planes anbetrifft — die Schule in unsere Häude zu bekommen— so ist sie nicht .V so fern, wie Viele unter unsern Freunden und Feinden glauben. O. Deutschland werden wir zunächst in Sachsen— sobald durch noch einige brillante Kommunalwahl-Sicge das städtische Heft in gute Hände gelangt— schon in wenigen Jahren zu experimen- tiren anfangen können. Wir halten den Weg dieser konimunalen Revoliitiomrmig— falls er rechtzeitig überall geebnet wird— für das einzige Mittel, um das große soziale Endziel ohne welt- geschichtliche Tragödien zn erreichen. Welches Prognostikon unsere Gegner uns stellen. Im Plauener„Voigtländischen Anzeiger" befanden sich vor einigen Monaten„Streislichter auf das Volksschulweseu",— Artikel, die allein Anschein nach vom Redakteur des Blattes Professor Jessing, dem Zeugen im Leipziger Hochverrathsprozeß, herrühren. WaS uns, außer dem bisweilen süßlich-sentiinentaleii Ton dieser Arbeit, darauf ganz besonders schließen läßt, ist der Umstand, daß das Thema„Was sordert das gewerbliche und soziale Leben von der Schule?" erst die Ueberschrift zu Nr. 16 in der Serie dieser Artikel bildet. Und zwar spricht der Verfasser Folgendes: „Die Sozialdemokratie hat mit ihren Bestrebungen durch die politischen Errungenschaften Deutschlands in den letzten Jahren, sowie nicht minder durch den nach dem Kriege erfolgten Aufschwung des Arbeits- und Geschäftslebens in unserem Vaterlande viel an Alle Arbeiterblätter werden um Veröffentlichung dieses Aus rufö gebeten. Alle Auftagen sind zu richten an den Unterzeichnete». Mit Gruß und Handschlag Jos. Jblager, Bevollmächtigter, 119 e Pfarrergasse. Allgemeiner deutscher Schiffssimmercr-Verein. Kamburg, 13. Januar. Der vom 8. bis 11. Dezember hie» abgehaltene Congreß deutscher Schiffszimmerer hat eine allgemein! Einigung auch dieser Arbeiter erzielt und sind die Beschlüsse des selben im entschieden sozialdemokratischen Sinne ausgefallen. Ali Beleg hierfür möge eS gestattet sein, den tz. 1 der von denselbe» ausgearbeiteten Statuten, hier anzuführen. Derselbe lautet: K 1. Unter dem Namen„Allgemeiner deutscher in Hambur- domicilirender Schifföziinmerervercin" begründen die Unterzeichnete» für die Mitglieder der deutschen Schisfszimmerer eine Verbindung welche den Zweck verfolgt: durch gemeinsames Zusammenhalte» die. Verhältnisse in materieller wie in geistiger Beziehung zu hebe» und durch ftiedliche und legale Mittel den zehnstündigen Normal' arbeitstag herbeizuführen; b. doch soll die Förderung und AuS- breitung der Idee: das Löhnungssystem in jeder Form Z» beseitigen und an Stelle des Arbeitslohnes den Arbeits' ertrag zu setzen, die Hauptaufgabe des Vereins sein." Eröffnet wurde der Congreß von dem Vorsitzenden der Hain- burger SchiffSzimmerer mit einer herzlichen Ansprache an die Dele- girten; derselbe wies auf die erfreuliche Thatsache hin, daß dil Versammlung ein beredtes Zengniß ablege von der fortschreitende» Bewegung unter den Arbeitern im Allgemeinen, der auch di! deutschen Schiffbauer ferner sich nicht mehr entziehen dürfen und können, und daß der gegenwärtige Congreß von den Hamburger Schiffbauern zu dem Zwecke einberufen worden, eine allgemeive Einigung aller deutschen Schiffszimmerer zu erzielen, und auf solche Weise eine Verbesserung der Lage aller diesem Gewerke Angehörige« zu erstreben. Nach viertägiger unausgesetzter Berathung vollendete der Congrcs seine Arbeiten, und nachdem als Sitz des Vorortes Hamburg be- stimmt, als Vereinsorgane der„Neue Sozial-Demokrat" und der „Volksstaat" angenommen worden, schloß der Vorsitzende den erste» Congreß der„Bereinigten deutschen SchiffSzimmerer", daran de» Wunsch knüpfend, daß die nächste statutenmäßig stattfindende Go- neralversammlung ebenso erfreuliche Resultate in sortschreitendc» Richtung zu Tage fördern möge, wie der gegenwärtige Congrek solche geliefert habe, damit, wenn wir selbst nicht mehr die Frücht sollten genießen können, dieselben doch unseren Rachkommen r vollstem Maße zu Theil werden möchten. Die versammelten Tele- girten stimmten herzlich in diesen Wunsch ein und gelobten feie» lichft, in dem ausgesprochenen Sinne mit allen ihren Kräften 4 wirken.— In einer gestern abgehaltenen allgemeinen Versammlung d Schiffbauer Hamburgs und Umgegend wurden nach Verlesung des Congreß- Protokolls die Statuten unter großer Begeisterung ein' stimmig angenommen. Es wär erfreulich, diese aus über vier- hundert Personen bestehende Versammlung von echt sozialdemokra- tischein Geiste erfaßt und Zengniß ablegen zu sehen von dem ernst- gemeinten Entschluß, mit einzutreten in die große Kulturbewegung, von der bald alle Arbeiterklassen erfaßt sein werden. Unter be- .geisterten Hochs auf die sozialdemokratische Bewegung und dk noch theilweise anwesenden auswärtigen und die heimischen Delc- girten trennte sich die Versammlung unterAbsingung der„Marseillaise" nach mehr als dreistündiger Berathung. Im Auftrage des Vorstandes des Allgemeinen Deutschen Schiffözimmervereins: H. Peters, pr. Adr. Im Kranzhausc, Brook 65. Gewerksgenosseuschaftliches. Znternationale Eeiverkschast der Schuhmacher. Dresden, 10. Januar. Abrechnung des Vororts Dresden bis mit 31. Dezember 1872. Kassenbestand am 1. Oktober 1872 Thlr. 45 22 7, Beitrag aus Nürnberg 8 2 8, Regensburg— 25 8, Dresden(2 Posten) 9 14 5, Würzburg(2 Posten) 11 19—, Offeubach(2 Posten) 19 16 1, Erfurt(2 Posten) 17 12 5, Braunschweig 6--, Gießen(2 Posten) 5 23—, Balingen 1 17, 4, Leipzig 2——, Fürth 6 25 6, Chemnitz 2——, Stuttgart 8 17—, Weimar 5 5 5, Pforzheim 9 21 4, Schweinfurt 1 4, 2, Dresden Monat November u. Dezember 6 5 5, Summa der Ein- nähme 167 23—. Ausgabe: Unterstützung nach Stuttgart Thlr. 6--, 6 Stück Quittuugsstempel 2--, 1000 Stück Mitgliedskarten 3 20—, für Porto inet. Verwaltung Oktober, November und Dezember 16 24 9, Summa der Ausgaben 28 14 9. Abschluß: Summa der Einnahmen Thlr. 167 23—, Summa der Ausgaben 28 14 9, Kassenbestand 139 8 1. August Stengel, Hanptkassirer. Schölzel, E. Liebsched, Johann Klemp, Revisoren. In Schweinfurt ist Bevollmächtigter Kaspar Fcser, Kirch- Correspondenzen. Leipzig, 12. Jan. Der„Neue Sozial-Demokrat" ist seh» großmüthig. Er empfiehlt in seiner Nummer 4 den Mitglieder» des Allgemeinen deutschen Arbeiterveins und dessen Anhängern ii» 17. sächsischen Wahlbezirk gegen die Kandidatur Bebels„nick das Geringste zu unternehmen". Damit unsere Parteigenosse» diese gnädige Herablassung des„Neuen" auch richtig würdigen? wolle» wir ihnen mittheilen, daß die R Mitglieder des Allgemeine» deutschen Arbeitervereins nebst ihrem Anhang im ganzen 17. Be zirk höchstens 20 Köpfe zählen, wovon der 3. Theil kaum wähl' fähig ist. Es geht wirklich nichts über die„Großmuth". Berlin. Die Nummer 10 der„Demokratischen Zeitung" hi konfiszirt wegen Abdrucks cineö der„N. B. Landcszeitung" ew lehnten Artikels„Aus Baden." Die„Demoftatische Zeitung� konstatirt bei dieser Gelegenheit, daß das Polizeipräsidium jed! Auskunft über den Anlaß der Konfiskation verweigerte. Zlemse, 10. Januar. Nachdem wir mit sämmtlichen noal' uö� Z° is> IN' de ti< de» di! int s5et in! 14! ä«' r-j bf dt> rtcii ce» Äc- w vef 4t- i» de ier> Z" dl Nil« ier- r« nst' ng- be- di- elc- IV eh> er» ii» »Z HC» 1«! HCl ßp. chl' iß int' 'g" cd- o4 CNik Z-ki >aß ich' S-" daß wir ihnen Bibel, Spruch- und Versbuch weggenommen, und baten denselben, andeie Aufgaben zu geben, und sie während der ReligionSftunden näch Hause zu schicken. Statt dessen ist unser 13jähriger Sohn an jedem Hersagetage um einen Schiiler herunter- gesetzt worden, weil er sich weigerte, die Hauptstiicke der lutherischen Konfession herzusagen, jetzt ist er der Letzte in der Klasse. Am 8. Januar ist der Herr Pastor in der Schule erschienen, und nach- dem er unserm Sohn eine tüchtige Predigt gehalten, erklärte er, daß derselbe wegen Widerspenstigkeit und Unfolgsamkeit zweimal Schulstrafe erhalten solle, und wenn das nicht helfe, so würde er aus der Schule gestoßen und in eine Anstalt untergebracht!!— Erinnert dieses Verfahren nicht an den Judenknaben i» Plortara, der von katholischen Priestern seinen Eltern geraubt und in einem Kloster erzogen wurde.— Weil wir unsere Kinder nicht nach einer Schablone wollen zustutzen lassen, sondern zu denkfähigen Menschen, droht man uns, dieselben uns zu entreißen, und tritt die Gesetze mit Füßen.. Nun bange machen gilt nicht. Und wenn Sie cS nicht wissen sollten, Herr Pastor, so sei es Ihnen hiermit gesagt, der§. 32 der VerfassungSurknnde des KönigSreichs Sachsen vom 4. September 1831 besagt:„Jedem Landcscinwohner wird völlige Gewissensfreiheit und in der bisherigen oder der künstig gesetzlich festzusetzenden Maaße, Schutz in der Gottesoerehrung seines Glau- bcnö gewährt." Möge der Herr Pastor als Schulvorstand lieber darauf sehen, daß in der untersten Klasse mehr als sieben Schul- stunden wöchentlich abgehalten werde», wie dieses schon oft geschehen. Frau Weber. iA, imöerg, 14. Januar. Aufruf an alle Buchbinder, "Portefeuille- und Eartonnagenarbeiter in Deutschland, Oestreich und der Schweiz. Kollegen! Der Ruf nach Organi- sation unseres Gewerbes ist erschollen; er hat einen kräftigen Wiederhall gefunden überall da, wo sich bereits Kollegen um ihre -Interessen bekümmert und sich vereinigt haben. Blicken wir auf die schlechte Lage, in der wir uns befinden anderen Gewerben gegenüber, blicken wir hin, wie die Arbeitgeber allerorts zusam- menstehen und selbst die billigsten Forderungen ihrer Arbeiter mit Hohn zurückweisen, so wird sichs Keiner verhehlen können, daß von Seiten unserer Berufsgenossen etwas geschehen muß, um beruhigter der Zukunft entgegen sehen zu können. Kollegen aller- orts! Zur Wahrung unserer gegenseitigen Interessen ersuchen wir Euch, zusammenzutreten und eine Organisation zu schaffen, damit jenem auf uns lastenden Druck mit offener Stirn begegnet werden kann. Die Kollegen in Nürnberg-Fürth haben ein Eomits gebildet und berufen hiermit zu Ostern d. I., den 12., 13. und 14. April, einen allgemeinen Buchbindertag nach Nürn- berg ein. Kollegen! Zeigt, daß Ihr Eure Lage begriffen habt und be- schickt den Buchbiudertag zahlreich. Im Auftrage des Fachvereiiis Nürnberg-Fürth: Das Eomits zur Einberufnng des Buchbindertags: Drepkorn, Huß, Meier, Lorenz, Luth, Kidaisch, Flessa, Weigcl, Hagenbauer. Alle Briefe bittet man zu richten an I. Haaenbauer, Schlot- fegergasse Nr. 1438. Die Arbeiterblätter werden freundlichst ersucht, von Obigem Notiz zu nehmen. Nürnberg. Wie die Bourgeoisie Weihnachten feiert. Zur Feier des Weihnachtsfestes führte der Nürnberger Männer(?) Gesangverein eine Mordgeschichte auf unter dem Titel:„der Pe- troieumfritz", welche eine Verspottung des Herrn Dr. Mook beabsichtigte. Ter lithographirte Text besteht aus nicht weniger als 33 Strophen. Herr Santer von der Pegnitz, Pfarrer P. Z., Dr. weck. Wilhelm Beckh und Herr Rathsvenveser Jäger solle» ihn gemeinsam verfertigt haben. So sieht er auch aus. Die Auf- führung war nach Schilderung von Augenzeugen eine meisterhafte. Das Mordslied wurde von Herrn Baron von Schaden und Herrn Hammerbacher nach einer nativiialliberalen Melodie glänzend vor- getragen. Der Erstcre der Herren ist Miteigeuchümer des„Eorre- spondenten von und für Deutschland", bekannt als Hanswurst und Possenreißer, durch seine Liebesabentheuer in mancher Beziehung anrüchig, als Jurist unbrauchbar und auf seinen kleinen Stamm- bäum nicht wenig stolz. Der Andere ist ewiger Rechtspraktikant, wenn sich nicht der Hochlöbliche seiner als Nürnberger Kind er- barmt und eine neue Rathsverwrserstelle für ihn gründete, im Uebrigen der reine Herr Garnichts, der ein glückliches Dasein führt, so lange ihm die Biergroschen nicht ausgehen. Der Kenner hatte bei der höchst gelungenen Ausführung Gelegenheit, besonders bei Herrn von Schaden große Talente zum Bänkelsänger zu entdecken welche durch längern intimen Umgang mit einer Italienerin einen hohen Grad der Ausbildung erreicht haben. Herr Landwchrlieute- naut Förderreuther, von der Firma Förderreuther, spielte die Rolle einer„zweifelhaften" Orgeldame so ausgezeichnet, daß AllcS ent- zuckt war. Rasende.Applause, die mit dem Wiehern einer fürst- lichen Stute viele Aehnlichkeit hatten, bezeugten, daß Inhalt wie Vortrag alle Ansprüche der Nürnberger Männcr(?)-Gesa»gvereins- Mitglieder weit übertraf. Ehrend müssen wir hier noch erwähne», daß Herr Hammerbacher das Mordsbild selbst gemalt hat. Ta- lente zu diesem Genre von Malerei sind bei ihm unverkennbar, besonders wmn es sich um zotige Partien handelt.— Und nun noch Eins. Wir begreifen nicht, warum diese Herren Gegner der Sv zialdemokratie sind. Mit solchen Anlagen zum Bänkelgesang, zur Jahrmarktsmimik und zur Drehorgel kann es ihnen nie fehlen, auch wenn sie einmal nicht mehr von ihren Renten leben können. Köln, 16. Januar. Die hiesigen�Tischlergesellen haben an ihre Meister ein Zirkular gerichtet, in welchem sie Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung des Lohnes fordern. In dem Zirkular wird nachgewiesen, daß das Interesse der Kleinmeister ein Hand- lnhandgehen mit den Arbeitern erheische. Im Auszüge lautet das Schriftstück: „Es wird Ihnen nicht unbekannt sein, wie die ganz bedeutenden Preissteigerungen aller Produkte, insbesondere aber der unentbehr- lichsten Lebensbedürfnisse, alle Handwerksmeister sowohl als Ge- sellen in ihrer Existenz bedrohe», und sie gezwungen haben, über AUttel und Wege zu berathen, die in Frage gestellte Existenz sicher zu stellen. Nicht allein alle andern Handwerker, auch Sie selbst, die Meister, haben ja bereits mit dieser Frage sich beschäftigt, und werden darum es um so gerechtfertigter finden, daß auch wir, die Gesellen, als ein in dieser Angelegenheit gleich sehr interessirter und berechtigter Faktor, gleichfalls unsere Meinung kundthun und uissere Forderungen aussprechen. Ja, wir sind überzeugt, daß Sie ersterer beistimmen und letztere billigen werden, sofern eS uns gelangt, den Beweis zu führen, daß in dieser Angelegenheit Meister und Gesellen nicht einander entgegenstehende, sondern ganz gleiche Jntcressen zu vertreten haben.»-» � .Die Großproduktion mit ihren Aktiengesellschaften, das Groß- kapital mit seinem Börsenschwindel, mit einem Worte: die Groß- uidustrie, die es wenigen Müßiggängern ermöglicht im Handum- drehen Millioneu zu erwerben, die den geschäftsmäßigen Betrug Z» einem rechtlichen Gewerbe gemacht hat und, geschützt durch die spekulatioiien und Wuchergeschä i� in profesfionsmäßiger Weise die Arbeitskraft des gesammteu Handwerker- und ArbeiterstandeS ans- beutet und die kolossalsten Reichthümer ergaunert, sind in erster Linie die Ursache des Ruins der Handwerker. Die millionenweise Vermehrung des Reichthums in den Händen weniger Nichtsthuer ist nur möglich auf Kosten des gesammteu arbeitenden Volkes, findet in der von Jahr zu Jahr immer krasser hervortretenden Verarmung deö Mittelstandes, der kleinen Geschäftsleute und Hand- werker nothwendigerweise seine Erklärung. Millionenweise Bereicherung Einzelner ohne Arbeit— das ist die Vorder-, Verarmung von Millionen, trotz vieler Arbeit— das die Kehrseite der Medaille. Schon jetzt ist der Handwerkerstand durch den von Jahr zu Jahr in progressiver Weise steigenden Fabrikbctrieb in die letzte Position zurückgedrängt, die ehrliche Arbeit beim Hungerlohn angelangt. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die Tischlerei im All- gemeinen(einzelne Ausnahmen ändern an der Sachlage nichts) auf eine Basis gedrängt ist, ans welcher der rechtschaffene Meister kaum mit der allergrößten Anstrengung seine Selbstständigkeit auf- recht erhalten, der Geselle dagegen mit nicht minder großer An- strenguug sein Leben fristen kann. Die geringste Stockung in der Arbeit gefährdet schon die Existenz Beider, während umgekehrt die günstigsten Konjunkturen keine Besserung dieser Lage herbeiführen. Es muß als ein trauriger Jrrthum bezeichnet werden, daß im Interesse der Meister niedrige Lohne und lange Arbeitszeit noth- wendig wären. Würde der Lohn auch nur um 25Proz. steigen, so würden die Meister, gestützt auf diesen Umstand, der eine allgemeine Preissteigerung der fertigen Arbeiten zur Folge haben müßte, auch ihren Verdienst als Meister nicht nur in gleicher Weise, sondern in bedeutend erhöhter Proportion steigern können, wie dieö ja in andern Geschäften, z. B. bei den Buchdruckern der Fall war. Doch wäre dieS nach unserm Dafürhalten immerhin noch nicht der einzige Weg und daS richtige Mittel, unser Handwerk besser zu fundire», demselben eine gesundere Basis zu geben. da uiizweifelhaft ein noch erheblich größeres Gewicht auf eine bedeutende Bcrkürzerung der Arbeitszeit gelegt werden, die streng durchzuführen und aufrecht zu erhalten Meistern und Gesellen viel leichter fallen wird, als dieö bpi einer Lohnerhöhung der Fall sein kann, indem hierbei eine heilsame äußere Kontrolle sehr leicht möglich ist. Wenn Sie, die Meister, frei von jeglichem Vorurtheil, an die Frage wegen Verkürzung der Arbeitszeit herantreten, sb muß ohne allen Zweifel dieser Vorschlag Ihre Billigung finden. Die Tischlerei, insbesondere die Möbeltischlerei, kann zunächst nur durch eine verkürzte Arbeitszeit empor gebracht werden. Durch daö fort- währende Zuviel arbeiten sind alle Magazine überfüllt; die Meister, welche ihre Arbeiten absetzen wolle», vermögen dies nur zu Schleuder- preisen zu thun, und setzen dadurch nicht nnr die Magazine in den Stand, durch Preise, bei welchen kein solides Geschäft be.- stehen kann, einen unheilvollen Einfluß ans die Privatarbeiten auszuüben, sondern auch die Meister werde» dadurch gezwungen, den Arbeitslohn Groschen um Groschen herabzusetzen, so daß wir, trotz der seit 1870 ganz enorm gestiegenen Preise aller Lebensbedürf- »isse, heut durchschnittlich nicht einmal mehr den Lohn von 1 Thlr. verdienen, welcher s. Z. durch gegenseitiges Uebereinkommen zwischen Meistern und Gesellen festgesetzt wurde. Beiläufig ein Be- weis, daß durch Lohnerhöhung allein nichts gebessert wird, zugleich aber auch muß hierbei bemerkt werden, daß durch die Lohnerhöhung 1870 das Interesse der Aieister nicht"geschädigt, dagegen aber das allgemeine gewcrkliche Interesse bedeutend gefördert wurde. Wir gehen von der Ueberzeugung aus, daß den Meistern selbst viel daran liegen muß, eine feste und sichere Grundlage für Auf- besserung der Preise zu gewinnen, die, weil für Alle gleichmäßig vorhanden, ein Zurückweichen des Eilizelnen nicht gestattet, ein Herunterdrücken der Preise unter dieses Niveau unmöglich macht. Ohne eine solche feste Grundlage muß jeder Versuch, die Preise der fertigen Arbeiten zu steigern, scheitern an der Möglichkeit, durch geringen Lohn und lange Arbeitszeit die Arbeiten billiger liefern zu können. Mit einem Worte, nur der zwingende Umstand, nicht billiger liefern zu können, wird die von den Meistern gewünschte Preissteigerung von 25 Prozent möglich machen. Fragen wir uns nun, wie kann diese Grundlage geschaffen, wie die gewünschte Preissteigerung ermöglicht und wie verhindert wer- den, daß die Existenz der Meister und Gesellen nicht noch tiefer herabgedrückt wird? Nun, die Antwort ist einfach: Dadurch, daß Meister und Gesellen im wohlverstandenen beiderseitigen Interesse sich vereinigen, um so klägliche Zustände, wie die Tischlerei solche heute aufweist, ein für allemal zu beseitigen und sich gegenseitig verpflichten, eine zu diesem Zweck getroffene Vereinbarung mit aller Kraft durchzuführen und auftecht zu erhalten, stind gemäß unserer vorausgegangenen Auseinandersetzung 1) eine Verkürzung der Arbeitszeit, und 2) eine Erhöhung des Lohnes durch gegenseitige Vereinbarung feststellen zu wollen, weil, gestützt auf solche Grundlage, die Preise der fertigen Arbeiten mit absoluter Nothwendigkeit steigen müssen und die gesammte Tischlerei ge- hoben wird. Wir ersuchen Sie deßhalb um Ihre Zustimmung zu folgelldem Vorschlag, der unseren Wunsch über Verkürzung der Arbeitszeit und euts: rechende Erhöhung deö Lohnes präzisirt, und den wir Jhnei ar Annahme angelegentlichst empsehlen: 1) Die Arbeitszeit dauert von 7 Uhr Morgens bis 12 Uhr Mittag(einschließlich Stunde Frühstücks-Pause) und Nachmittags von l1/» Uhr bis 7 Uhr Abends(ein schließlich'/- Stunde Vesper-Panse). 2) Der Minimal-Lohn beträgt für die so normirte Arbeitszeit 1 Thaler per Tag, 6 Thaler per Woche, und wird allwöchentlich anSbezahlt. Für Akkord-Arbeiten würde eine entsprechende Lohnerhöhung von 20 Prozent nothwendig sein, wefche wir ebenfalls von Ihnen bewilligt zu sehen wünschen; jedoch muß bei allen Akkord-Ärbeitcn mindestens der Minimal-Lohn als Abschlagszahlung gelten. 3) So lange die Sonntags- und Feierabendarbeit nicht ganz beseitigt werden kann, verpflichten sich Meister und Gesellen, nur in den allerdringendsteü Fällen von derselben Gebrauch zu machen, und werden Arbeiten nach 7 Uhr Abends, sowie Arbeiten an Soim- und Feiertagen die Stunde irnt 5 Sgr. bezahlt. Wir glauben auf eine weitere Empfehlung dieser Vorschläge um so eher verzichten Forderung von 1 Thaker Minimal-Lohn pro Tag eine unbillige nicht genannt werden kann. Unter 1 Thaler per Tag kann ein unverheiratheter Arbeiter kaum leben und bei anstrengender Arbeit neue Kräfte sammeln; von einem vexheiratheten gar nicht zu sprechen. Wir haben uns bereits bei der Formulirnng unserer Borschläge von der Idee leiten lassen, daß Meister und Gesellen ein gemein- sames Interesse an der Gewährsleistunz dieser Forderung haben, und dem Grundsätze gehuldigt: „WaS für den Einen recht, ist für den Andern billig." Das unterzeichnete Eomito, von den hiesigen Tischlergesellen beauftragt, Ihnen diese Zuschrift zu unterbreiten, ersucht zugleich um gefällige Rückäußerung bis 1. Februar 1873, indem obengenannte Forderungen bis zum 1. April in Kraft treten sollen; das Eomite ist auch zu jeder Zeit bereit, mit der löblichen Meister- schaft in corpore oder mit einem Eoinitv derselben, behufs güt- licher Regelung dieser Angelegenheit in persönlichen Verkehr zu treten, und erbittet Zuschriften unter der Aufschrift:„Eomitv der Eölner Tischler-Gesellen" per Adresse Joseph Zaun, Thieboldsgasse Nr. 126 richten zu wollen. Die Tischler Eölns." Köln, 13. Januar. Heute fand Hierselbst eine zahlreich besuchte Bolksversammlung statt. Gegenstände der Tagesordnung waren 1) die indirekten Steuern und die Lage der arbeitenden Klasse. 2) Der Buchdruckerstrike in Berlin und die heutige Presse. JulinS Scheil aus Breslau, welcher hier durchreiste, übernahm das Referat über den 1. Gegenstand der Tagesordnung. Die„Kölnische Volkszeitung" spricht sich über de» Verlauf der Bersammlnng in einem objektiv gehaltenen Bericht also aus:„Herr Scheil aus Breslau sprach über„die indirekten Stenern und über die Lage der arbei- tenden Klasse" und erwähnte die ehemahligen Frohndienste, die Zehnten und dergleichen Abgaben,°/,2 indirekten und 3/ts direkten Steuern, das Anziehen der Steuerschraube, die beabsichtigte Tabaks- steuer trotz der Milliarden, und die Einkommensteuer. Diese direkte Steuer, so führte Redner anS, sei zwar gegenwärtig bis zur Ein- Es muß führung einer„andern sozialen Ordnung" die beste, müsse aber später durch die Gewerbesteuer ersetzt werden, welche hauptsächlich auf den großen Umsatz zu legen wäre, nicht auf den Arbeiter und den kleinen Handwerker. Bei der Kritik der Einkommensteuer be- zeichnete Herr Scheil es als einen Uebelstand, daß man das Ein- kommen der Arbeiter und der untersten Beamten-Katezorieen bis zum letzten Pfennig kenne und somit ganz einschätzen könne, während dies bei dein Einkommen großer Produzenten nicht der Fall sei. Bei Besprechung der Lage der arbeitenden Klasse zog Redner die Sklaverei, die Feudal-Hcrrschaft, die die Arbeiter auf die Straße setzenden Maschinen, den Aktienschwindel, der das Kleiukapital ab- sorbire, herbei, und begab sich dann auf das religiöse Gebiet. Scheil sprach sich ohne Rückhalt im Geiste Fenerbach's aus und behauptete, das Christenthum habe zur Sklaverei erzogen. Er vertröstete auf das Christenthum der Zukunft, das echte Christen- thum, daß erst anfangen müsse. Dem Satze deö St. Simon ge- inäß müsse allen Menschen eine freie Entwickelung gestattet, der fteie Unterricht eingeführt und für alle zugänglich gemacht werden, von der Elementarschule bis zu den höchsten Lehr-Änstalten. Am Schlüsse dieser Rede lief der Antrag auf eine Geldsammlung ein, deren Ueberschnß»ach Abzug der Tageskosteu den strikenden Schrift- setzern in Berlin überwiesen werden solle. Der Ueberschnß betrug nur 1 Thlr. 8 Sgr. 10 Pfg. Herr Schumacher sprach über den zweiten Gegenstand der Tagesordnung, über den Buchdruckerstrike, wobei er besonders auf die Erklärirng der„Berliner Börsen- Zeitung" und auf die Antwort der Setzer in der„Demokratischen Zeitung" Rücksicht nahm., Herr Schuhmacher„wies schlagend nach," die„Patrone" der„Börsen-Zeitung" hätten Unrecht, die Setzer Recht; jene hätten falsche Angaben gemacht, diese die richtigen. Sodann nahm er die National-Liberalen in's Gebet, und ging dabei von einer in Ehrenfeld abgehaltenen Versammlung von Ver- tretern dieser Partei aus. Er führte aus, den Ultramontanen ver- denke man es arg, daß man auf ihre Kanzelvorträge nicht ant- Worten könne; sie selbst aber— die National-Liberalen— schlössen bei ihren Versammlungen die Oeffentlichkeit ans. Den Ehrenfclder Herren war es jedoch passirt, gerade Herren Schuhmacher zuzulassen, und deshalb war dieser in der Lage, daselbst gehaltenen Bortrag gründlich und geschickt zu persiflire». Nachdem Herr Hesch die Setzer aufgefordert, sich gegenüber ihren Prinzipalen zu vereinigen, sprach Herr Ries über die liberale Presse. Wir erwähnen zum Schluß noch, daß an der Versammlung ziemlich viele Schriftsetzer und Buchdrucker, und zwar solche, welche dein„Verbände", nicht angehören, sondern zu dessen Gegnern zählen, Theil nahmen. Doch betheiligten sich dieselben nicht an der Debatte." München. Zur Ausklärung. Von einer Geschäftsreise zurück- gekommen, lese ich in Nr. 1. Ihrer geschätzte» Zeitschrift eine Korrespondenz von hier, datirt vom 4. Dezember, unterzeichnet: Jnl. Scheil. Zur Erklärung derselben diene Nachstehendes: Gögg ersuchte mich, unter allen Umständen eine Debatte nach� seinem Vortrag zu verhindern, da er befürchtete, es möchten seine in Fürth, Nürnberg und Augsburg projektirten Vorträge durch die bayrische Polizei verboten werden, da sie in diesem Falle nicht mehr als wissenschaftliche Vorträge, sondern als Agitation für die internationale republikanische Partei aufgefaßt werden könnten. Obwol ich dieses vor der Versammlung den Herren Schneider nnd Scheil mittheilte und sie bat, von einer Debatte abzustehen, ihnen ferner den Vorschlag machte, diese Debatte auf eine spätere Versammlung zu vertagen, zu welcher ich mit meinen Frcnnden erscheinen würde, verlangte Scheil sofort nach Schluß von Gögg das Wort. Ich sah mich dadurch veranlaßt, vor der Versamm- lung nochmals die Gründe anzubringen, welche Gugg bestimmten, die Versammlung zu bitten, eine Debatte für diesen Abend zu unterlassen. Hierauf griff Scheil in der schroffsten Weise Gögg und mich an.(Wir sollten offen erklären, ob wir uns zum Pro- gramm der sozialdemokratischen Arbeiterpartei bekennen oder nicht, denn nur in diesem Falle wären wir wahre Demokraten, andern- falls Bourgeois k.) Ich sah mich dadurch veranlaßt, da viele jüngere Arbeiter Gögg nur dem Namen nach kennen, eine biogra- phische Skizze dessen Lebens zu geben und bat nochmals die Ver- sammlung, den Wunsch deö Gastes zu ehren nnd von einer Debatte abzulassen. Da diesem Wunsch nicht willfahrt wurde, so blieb uns nichts anderes übrig, als die Bersammluug zu verlassen. Mit frenndlichem Gruß A. Kröber. (Die Redaktion deS„Volksftaat" enthält sich jeder weiteren Urtheilsäußerung. In Betreff unserer Notiz über eine Anklage der„Frankfurter Zeitung" gegen Gögg, freut es unS, konstatiren zu können, daß wir unS geirrt hatten. Gögg hat allerdings und Wnfffin»_ ßSiNin sei ein verkannter rzichten zu können, als ja in den meisten Gewerken zwar sofort das Nichtige der Anklage Gögg sei ein verkappter und Fabriken die Arbeitszeit von früh 7 Uhr bis Abends 7 Uhr.Regiernngsageut für die Nördliche Pacifie-Bahn— nachgewiesen bereits durckigeführt ist, oder doch in nächster Zeit eingeführt wer- und die Redaktion der„Frankfurter Zeitung" zum Widerruf der .', /-v-,-.» rv\-_. r v r»«-•d.f t. ta_______ /"Ct.'4 � � k Q den wird. Wenn wir die Mittags-Paus« 1>/- Stunde wünschen, so ist dieö gewiß keine unbillige Forderung und haben humane Meister ja auch bereits mehr als eine Stunde Mittags Pause ge- heutigen staatlichen Einrichtungen und Gesetze, durch Schwindel- i nehmigt. Desgleichen werden Sie wohl einräumen, daß unsere Anklage gezwungen. Die bez. Erklärung Gögg's— die uns leider entgangenFvar, steht in der«Frankfurter Zeitung" vom 30. Oktober— die Anklage war in der Nr. des 23. Oktober erschienen. Red. d. Volksstaat.) Kotn, 15. Januar. Am Montag, den 13. d. MtS. erfolgte in einer hiesigen Lastingweberei ein ArbeitSausschluß und zwar auf folgende Weise: Sämmtliche Arbeiter erklärten nicht mehr für den jetzigen Lohn arbeiten zu können, und kamen überein, 5 Mann ans ihrer Mitte zu wählen, die an den Fabrikherrn das gar zu mäßige Ersuchen stellen sollten, den Lohn zu zahlen, den er vor 7 und 8 Jahren gezahlt habe. Diese 5 Mann erhielten von -Seiten des Fabrikherrn die schnödeste Antwort, welche sich nur von dem brutalsten Bourgeois erwarten ließ:„Wenn Ihr mit dem jetzt bestehenden Lohne nicht zufrieden seid(und dieser besteht im Durchschnitt bei einem guten Arbeiter in 4 Thlrn.), so könnt Ihr alle insgesammt Euer Zengniß ohne Kündigung haben." Worauf am Dienstag sämmtliche Weber, den Ausschuß an der Spitze, noch- mals nach der Fabrik gingen, um zu erfahren, ob der Herr Fabri- kant bei seiner ersten Aussage beharre. Die Fabrik war mit GenSdarmerie ziemlich stark besetzt, Thüren und Fenster fest ge- schlössen. Und so erhielten wir 36 Weber statt aller Aulwort in Zeit von einer Stunde alle unsre Entlassung. Kaum daß 3 Stunden verstrichen waren, erhielt von demselben guten Herrn, welcher soeben unsre Entlassung verfügt hatte, ein Arbeiter das Ersuchen, zu ihm zu kommen. Dieser Arbeiter erhielt die hoch- edclmüthige Versicherung, daß Aussicht da sei, daß er die Woche 15 Sgr. mehr verdiene. Dieses Anerbieten haben wir aber einstimmig zurückgewiesen und sind wir fest entschlossen, so lange auszuhalten, bis der Fabrikant unfern Ansprüchen einigermaßen gerecht geworden ist. Es ist wlluschenswerth, daß alle arbeiterfreundlichen Blätter dieses weiter verbreiten. Mit sozialdemokratischem Brudergruß und Handschlag I. M. Witten, 14. Januar. In der Fabrik von Brinkmann u. Co. besteht eine Fabrikordnung, die zur Veröffentlichung um so mehr geeignet ist, als sie ein grelles Schlaglicht wirft auf die Sophistereien der Harmonielehre. Es heißt da: stieglement Z 1) Jeder Arbeiter ist gehalten, die ihm zugetheclte Marke jeden Morgen und Mittag abzunehmen und im Kasten seiner Werkstatt aufzuhängen.§ 2) Der Portier ist streng gehalten, keinen Arbecter ohne Marke durchzulassen. § 3) Die Arbeitslöhne werden nach der Kontrolle der Marken ausgeschrieben, tj 4) Wer nicht pünktlich um 7 Uhr kommt, kann um 8 Uhr anfangen, es geht jedoch die Arbeitszeit um ö Uhr an. § 5) Wer Nachmittags um 1 Uhr nicht da ist, kann den Nach- mittag nicht zugelassen werden, ß 6) Liegen triftige Gründe für verspätetes Kommen vor, muß eö dem Werkmeister sofort unter- breitet werden. K 7) Wer sich anderswo als bei dem Portier- Hause einen Eingang verschafft oder für einen Andern die Marke abnimmt, wird sofort entlassen.§ 8) Wer seine Marke verliert wird mit 5 Sgr. bestraft. Die Fabrik der Herren Brinkmann u. Comp, ist eine Maschinen- fabrik nebst Gießerei. Die Arbeiter der Gießerei, die pünktlich des Morgens und Mittags anfangen sollen, müssen es sich gefallen lassen, wenn durch zu spätes Anfangen des Gießens ihre Arbeits- zeit um ein Bedeutendes verlängert wird. Die Arbeitszeit währt von morgens 7 Uhr ohne Unterbrechung bis 12 Uhr, von 12 bis 1 Uhr Pause; von 1 bis 6-Uhr ohne Pause. Vorigen Winter war die Arbeitszeit von 7 bis 12 Uhr, mit Unterbrechung einer halben Stunde zum Frühstück, und von 1 bis 7 Uhr ohne Pause. Wird nun spät zu gießen angefangen, dann sind auch die Former zu späterem Blecben genöthig, denn sie arbeiten in Akkord. Daß dem Fabrikant die Verlängerung der Arbeitszeit nur erwünscht sein kann, ist einleuchtend. Je� länger die Arbeitszeit je größer der Profit des Fabrikanten. Daraus erklärt sich auch, daß man die Frühstücks- und Vesperpausen möglichst einzuschränken, wenn nicht ganz aufzuheben trachtet. In genannter Fabrck nun war es Sitte, daß sich die Arbeiter in der Gießerei Kaffee kochten. Nach der neuen Ordnung ist Essen und Trinken in der Fabrck verboten. Ist der durch Dunst und Hitze angegriffene Arbeiter eines Trunkes be- nöthigt, dann steht ihm, da Bier uüd Schnaps verboten sind, daS Wasser der Ruhr zur Verfügung, das durch die Lectnug ge- liefert wird. Zu bemerken ist noch, daß dem Former für fehler- hafte Stücke(sogenannte Wracks) nichts vergütet wird, und doch ist derselbe in den meisten Fällen an dem Mißlingen der Form schuldlos, da das Gelingen wesentlich von der Bejchasfenheit des Materials abhängt. Der geplagte und schlecht bezahlte Arbeiter muß also auch noch das Rlicko übernehmen.— Ferner ist noch hervorzuheben, daß mit den befähigteren Arbeitern die Arbeit ver- akkordirt wird; diesen werden dann minder tüchtige Arbeiter oder Lehrlinge beigesellt, die dann von ihrem Mitarbeiter auch den Lohn empfangen. Es wäre zedenfalls besser, wenn die tüchtigen und d c minder befähigten Arbeiter gesondert arbeiteten.(Ist die Einrich- tung so getroffen, daß der unbefähigte Arbeiter von seinem be- sähigteren Genossen ausgebeutet werden kann, dann ist das ge- sonderte Arbeiten zu empfehlen; im anderen Falle aber ist eine Anleitung dem schwächeren Arbeiter nur von Nutzen.) Ueundorf, 14. Januar. Da wir lange nichts haben von uns hören lassen, so könnte man glauben, cn Neundorf sei Alles eingeschlafen; das ist aber nicht der Fall, denn hier ist ein Funken eingeschlagen, der zwar langsam glüht, aber nicht auszulöschen ist. So hat bei uns am NenjahrStage eine Mitgliederversammlung stattgefunden, zu der ein Vorschlag von Kleus aus Buckau einge- gangen ist und den wir den betreffenden Parteigenossen in Halber- stadt, Magdeburg, Dessau und Nmidorf hiermit zur Kenntniß bringen. Da die Agitation in uziserm Kreise sehr nothdürftig be- trieben wird und dieselbe einem Orte füglich nicht übertragen wer- den kann, so wollen die genannten' Ortschaften zusammen ein Agitationscomilö gründen. Jedes Mitglied zahlt monatlich einen j�ilbeuzroschen. Um die Angelegenheit rasch zu erledigen, ist der 26. Januar zu einer Versammlung festgesetzt, zu der jede Mit- gliedschaft vbeugenannter Ortschaften 2—3 Vertreter hierher zu sen- den hätte. Neundorf ist zum Versammlungsort vorgeschlagen, weil es der Mittelpmikt ist. Um nun nichts zu versäumen, laden wir die Delegirten zu Souuabend ein, damit die Verhandlungen Sonntag früh 9 Uhr beginnen können. Am Abend ist kleines Tanzvergnügen. Wer zu dieser Feierlichkeit kommen will, hat sich baldmöglichst an Unterzeichneien zu wenden. Für Quartier wird gesorgt. Mit sozialdemokratischem Gruß Gottlieb Röder. Nmkcheid. Tie Arbeiter in den Feilenfabrikeu fordern Lohn- erhöhüng und es ist ihnen daher von den Fabrikanten, die sich verpflichtet haben, darauf nicht eingehen zu wollen, gekündigt worden. Da die Kündigung sich nicht nur auf Feilenschmiede und Zu- schläger erstreckt, sondern auch auf die Fe lcnhauer, so gehen in nächster Zeit 800 Arbeiter müßig.- Die Unterstützungen, welche diesen von anderer Seite zufl.eßen werden, können unmöglich dem von den Feilenarbeitern bisher geführten Lebe» auch nur im Vi in- besten ensspreche», und bei vielen Familien wird daher bald Mangel und Roth Einzug halten. Wer von der unter dem Fabrikanten getroffenen Vereinbarung abweicht und bevor die Augelegenheit geschlichtet ist, weiter schmieden läßt, muß für jedes Feuer eine Konventioiialstrafe von 500 Thaler bezahlen. Zu dem Ende sind cn.— Nach den neusten 5 Tblr., bleibt Rcst incl. Porto-Rückvcrgütung 4 Thlr.— Arbcitcrpart eiter an dem Strike cnga-i Rochlitz für Auncnccn 1 Tblr. 4 Gr.— Houtz in Apolda für Annonce« 1 1 Tblr. 6 Gr.— Schäfer in Maim 4 Ou. 45 Thlr.— Schneider i'» bereits 27,000 Thaler hinterlegt worden. Nachrichten fol'en bereits an 2000 Arbeiter girt sein..............- Wandskcck, 12. Januar. In Folge der Anwesenheit des Marburg für Schriften 3 7 2; die 14 Gr. für Schriften crhaltcn folgen ...._.. �..''_ SKlr\r1ro_ SR /IS ,4. Ol», 1 Or.r.. r Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins Herrn Hasenclever in dem benachbarten Hamburg berief der Bevollmächtigte � deschenannten Vereins am hiesigen Orte am 7. d. Mts. eine Volks- Versammlung. Wenn der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein hier am Orte nicht sehr stark vertreten ist, so hielten wir es doch, da sämmtliche Vorstandsmitglieder und nichrere Agitatoren des All-- F�d für poliiifch Gemaßregettc. gemeinen Deutschen Arbeitervereins in Hamburg Anwesend waren, Hirsch in Mainz 2 Thlr., Gürtlervercin Genf 5 Thlr. 10 Ngr., frei- iftir zweckmäßig, Parteigenossen auS Hamburg einzuladen. Daß willige Samml- im Brb.-Bild.-Ncrcin Leipzig 8 Tblr. 27 Ngr. diese Woche.— Volksvcrein in Glanchan Annoncen 1 Thlr.— Rösif in Frankcnberg Annonce 8 Gr. Ihre Bild.r sind noch auf Lager unt bitten wir über selbe zu verfugen, da wir keinen Absatz hierfür sinden. — Mangold in Eßlingen Annonce 4 Gr., bitten künstig bei Gcldsew düngen anzugeben, wofür dieselben bestimmt find, damit Buchung au bcstin.nitcs Conto erfolgen kann.— Lerra in Versetz 17 Gr. diese der Einladung nachgekommen sind, erwicö sich als sehr zweck- Socialdcmokratischr Arbci erparcci. dienlich. Richter(Hannover) führte den Vorsitz. Hasenclever Montag, den 20. Jan., Abends 8 Uhr, im Lokale des hielt einen Vortrag über Plenschenrcchte. Ihn unterstützten Tölcke Herrn Lorenz, Grünftraße 32, Vortrag des Herrn Kayser. Mitgliede und Hörig. Wenn die Reden der Führer und Agitatoren des""d Freude der Partei sind freundlicbst eingeladen. Allgerneineu Deutschen Arbeitervereins immer in der Art und,®cn �an' Mit Gruß Weise gehalten würden, wie die hier gehörten, dann würde sicher---Babing, �ertranensmann. (ich die Vereinigung der beiden Fraktionen nicht mehr lauge auf GewerkSgcnofsenschaft der Manufaktur-, Fabrik- unl sich warten lassen. Ganz besonders müssen wir Tölcke, den Schreiber tv,____ Handarbci er. v-«.«-r"-.i*-?»S Sozialdemokrat" erwähnen. Er bekannte hier offen: Ware ich halten daselbst zu jeder Zeit gewünschte Auskunft, sowie auch Arbeit» 1869 aus dem Arbeiterverein ausgetreten, dann wäre ich jetzt auch nacliwei«. Der Vertrauensmann. sicher bei den Eisenachern. s.- � pSVlTIlfflk II$11} Die Parteigenossen versammeln siij Hasenclever betonte mit ganz besonderm Nachdruck, dag der litt» s Kl 1 tt.«Vi. jeden Samstag, Abends 9 Uhr im Gast- Vorstand einstimmig beschlossen habe, so viel wie möglich bei! haus zur Stadt Kreuznach, Dominikanergaffe 10. Wahlen mit uns Hand in Hand zu gehn; als Beweis führte er Im Gastzimmer liegt der„Volksstaat" au?. n, daß die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins Montag, den 2t). Zanuar, Abends von 6 Uhr ab wird der Volksverein eine an, vaf; die Mitglieder des Allgemeineu Deutschen Arbeitervereins im Wahlkreise Bebel's gehalten sein, Letzterem ihre Stimme zu geben.> �»tt UUjllil. Wir glauben aber, der Grund, daß diese Herren sich in einem, weniger feindlichen Ton uns gegenüber äußerten, lag darin, daß, �»l!A»ttt»ltt» wir, wenn nicht die Majorität, doch mindestens ebenso zahlreich in, verbunden mit der ziemlich stark besnchten Versammlung vertret-n wärest wie der Instrumental- Und Vokat-Coniert. Allgemeine Deutsche Arbeiterverein. Letzterer war durch einen', rv t 3 großen Theil Hamburger mit vertreten. Unsrerseits traten Praast, �yC|lTCuCtl Schulz, Köhler, Wen dt mid Külte l auf. In der Volks- anwesenden tüchtigen Sprechern, Versammlung Tags vorher, die gleichfalls vom Allgemeinen Deutschen Masirnnointti» Arbeiterverein beherrscht wurde, ward Praast auf Beschluß der,. ß Versanimlung das Wort entzogen. Hier wurde,»achdem Hasen- im htefigen Theaterlokal vcranftaltem � clever und Hörig ziemlich zusammen anderthalb Stundeu ge- �Gleichzeitig wird eine tclcgraphische Station� daselbj sprachen die Redezeit auf 10 Minuten festgesetzt. Von unser» cröffiict werden und sind alle Vorkehrungen getroffen,«od Rctnern wurde als Hauptgegeustand die Vereinigung hervorgc- an diesem Abend die Wahlergebnisse vom'ganzen Vezil hoben. Es wurde ausgeführt, wie es eine Freude für unsere-ur Einsicht zu bekommen. Gegner sei, wenn wir uns stets und immer in den Haaren lägen j Programm und Liedcrtext am Eingang. und es müsse einem wahren Sozialdemokraten keine Ruhe lasse»,, 0(UC Gesinnungsgenossen von nah und fern lade» bis der Weg gesunden sei, worauf die beiden pcraktioncu gemec»-»| schaftlich marschiren könnten. Ferner wurde eS unbegreiflich und" l l l___ M ••'■"-'-r- Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Sonntag, den 19. Januars s Etublokal, Schauenburgs laud gründen wollen. Tölcke �Rer Schweister.. als einen Aaenten!..... Tagesordnung: 1. Rückblick auf das Jabr 1872, Referent Geib, 2. die der preußischen Regierung hinstellte, wurde interpellirssweöhalv er Einigungsbestrebungen.— Gäste haben Zutritt. D. V. denn so lauge mit Schweitzer durch Dick und Dünn gegangen fei- i Gewerkschaft der Holzarbei er. Die Ausreden, die beide Herren vorbrachten, waren wohl auge- Sonnabend, den 18. Januar Generalvcrsa gethan, uin Leute, die wenig zu denken vermögen, zu überzeugen;! Zcidler, Gr. Windmühlcnstraße 7. Tagesordnung: 1. Abrechnung dci aber damit, daß Hasenclever sagte: Napoleon hätte den Krieg be- Gcwcrkschasts- und des jkravkenkassirers. II. Ergänzungswahl des gönnen, und zugleich sei er auch der größte. Feind der Sozialisten,! Ausschuffcs. Die Mitglieder werden auf Z 26 der Krankenkaffen-Statutc» deshalb habe Redner für die Anleihe gestimmt, erwarb er sich nur, aufmerksam gemacht._;-----_®er Vorstand. 1 sehr wenig Glauben bei den Anwesenden. 9$!ttl'!lNll'il Ter Verkehr und Arbeitsnachweis der Schulsi Tölcke tischte die bekannte Phrase auf:„Ich trat nicht aus dem! machcr beftndct sich von heute an in der Restafl Verein, obgleich ich wußte, daß Schweitzer im Dienst der Regie- raston Wng-nd, semmelstraße.__ j ruug stand, weil ich im Berein Opposition gegen ihn machen. Soeben ist erschunen und von der Buchhandlung de« Volksstaat zu wollte." Die Versammlung hat überall den Eindruck hinterlassen, daß, wenn beiden Fraktionen nur die Möglichkeit eines gegenseitigen Aussprechens öfter geboten wird, wir bald vereint gegen uusere ge- meinsamen Feinde marschiren werden. Diese Versammlung war die erste seit dem Bestehen unsrer Partei, wo in Hamburg und dessen Umgegend, wo sich beide Fraktionen, sowol au Kopfzahl und Rednern, das Gleichgewicht hielten. Wünschen wir, daß auch sie uns die Vereinigung um ein Bedeutendes naher gerückt habe. Preis de« Hefte« 10 Ngr. Wicdervcrkäufer erhalten Rabatt. — Ganz besonders möge sie dazu beigetragen haben, wenigstens«. Rockel. Sachsens Erhebung und das Zuchthaus in Waldhcim. Preis hier in dieser Gerend ein Hand in H-ndgehn zu ermöglichen K. � Gedickte. Preis 1'/. Gr. Bneskusten: der Eppedition: Ugrmie in Aligradista für Schrift« Memminner, Die Freimaurer. Eine Gesängnißarbeit. Preis ä>ft Gr, tcn 2 25.— Vogel in Berlin für Schriften 25 Gr.— Schlechter in—---- �-?------3 Dresden 4. Qn. 21 Thlr.— Deln-List. in Prag 2 Thlr. 25 Gr. er- allUlfllUljjtkflö« halten.— Schultz in Hamburg 4. Ou. 21 Thlr. 16 Gr. 5 Pf., sin per litbographischcn Anstalt von A. Fchrmann u. Co. in Hanl Schriften 20 Thlr. ü. Leu, ,n Hamburg für Schrift 1 Thlr.- So- 6 j» foe6nl Q'chftncn: man in Altona 9 Thlr. 13 Gr. 5 Pf.— Geib in Hamburg für An-"*.,.1.1, OniTnTlrr nonce Arbeiterverein 1 Thlr. 19 Gr.— Stopper und Vorrichter 5 Gr. � �rkUlllUNll �.UffUUtv �.U-U, - Lüttjohann in Wandsbeck für Abonnement und Schriften 21 27, sürj gezeichnet von Th. Förster, in Doppeldruck. Annonce 9 Gr.— Ziergiebel in Crimmitschau 4. Ou. 14 11 5—! Ein Gcdenkblatt des großen Vorkämpfers für das Wohl der Arbeiter. Fritzscke in Berlin 1 Ou. 25 Gr.— Fennmann in Duisburg 1. Ou.>_ Preis pr. Epemplar 9 Gr., pr. Dutzend SV, Thlr.* j bezichen. Ter Leipziger Hochderraihsprozeß. Ecchstes Heft. Preis: 2'/, Ngr. Wiederverkäufern Rabatt. Marx Kapital. Siebentes und achtes Heft. Zur geMigen Beachtung! Montag, beit 20. b., Zvenbs»ach 6 Ilßr, findet im Theatcr-Saale in Glauchau eine freundschastlichc Zusammenkunft aller bei der Wahlagitation zur Witt derwahk Bebels b/ktheiligten Personen statt..~ �