Erscheint wöchentlich 2 Mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand« lungen de« In- und Aus- lande« an. Für Leipzig nehmen Be- stellun cH stcllungen an: die Expedition, Hohcstraße 4. die GenosienschastS- buchdruckerei, Zeitzerstraße 44. A. Bebel, Pelcrstraße 18. I. Müller, Bayerschestraße 8d, III. Ävonnemcntspreis: Für Preußen incl. Stempel- steucr 17 Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten 12>/z Sgr, pro Quartal, pro Monat Sgr. Für Leipzig und Umgegend pro Quartal 13 Ngr. Filialexpeditioncn für die Ver» einigten Staaten: F. A. Sorge, Loi 101 Hoboken, N. J. via Newyork. G. A. Lönnecker, 155 W. Lake Chicago(III.) OrgandersozialdemokratischenArbeiterparteiundderinternationalenGewerksgenoffenschaften. 7t Nr. 7. Mittwoch, 22. Januar. 1873. Corruption. c» die i« «> et Unter Corruption des StaatskörperS hat man von jeher ver- standen, daß die Beamten, anstatt ihre Ämtsbefugnisse pflichtmäßig zu erfüllen, den Einfluß, welchen ihr Amt ihnen gibt, zu ihrem persönlichen Vortheil ausbeuten, theilS indem sie durch servile Liebe- dicnerei gegen Vorgesetzte(durch Verurtheilungen mißliebiger Per- sonen:c.) sich Avancement und sonstige Vortheile zu erschleichen suchen; theils indem sie ihren Einfluß direkt an Spekulanten, die Conccssionen-c. haben wollen, für Geld verkaufen, oder ihre Kennt- niß politischer Geheimnisse aus der Börse verwerthen, oder Fabriken errichten, deren Erzeugnisse der Staat ihnen abnehmen muß u? s. w. Das französische Kaiserreich des feigen sjsaubmörders, um welchen in diesem Augenblick sämmtliche Monarchen Europas Hostrauer angelegt haben, gilt unserer„nationalen" Presse seit dritthalb Jahren— d. h. seit es bankerot gemacht hat— für das non plus ultra politischer Corruption, und kein Zweifel, es hat in dieser Beziehung allerdings Großes geleistet. Die allgemeine Servilität der Richter; die ehr- und schamlose Bereichernngssucht aller Beamten, die irgend Gelegenheit hatte», ihre Hände in die Tasche des Publikums zu stecken; der Börsenschwindel, welcher von den Großwürdenträgern des Reichs ebenso cyuisch als systematisch .betrieben wurde— am cynischsten und systematischsten von dem Chef der Dezemberbande selbst*)— kurz Corruption deö Staats- körpers in Haupt und Gliedern bis in's innerste Mark hinein! Aber ist es in anderen Ländern etwa besser? Die Beust- und Lonyay-Skandale haben einen Einblick gestattet in die ofsizielle Fäulniß, welche in Oesterreich herrscht, und was die„unbestechlichen Richter" Oesterreichs sind, nun das haben wir auch zur Genüge erfahren. Doch sieht es in unserem eigentlichen HauS reiner aus, als in dem.Llorhof", wie man Oesterreich, genannt hat? Vor acht Jahren, nach der famosen Tweften-Affaire, rief Simson, der„geborne Präsident", aus:„Plan muß sich schämen, preußischer Richter zu sein." Und Preußisch ist bekanntlich gleich- bedeutend mit Deutsch. Die Dotationen verrathen eine nichts weniger als ritterliche Geldgier der Spitzen des deutschen Mili- tarismus, und die größte Dotation hat sogar der Leiter des neuen Reichs sich selber auszahlen lassen, was entschieden nicht gegen Corruption spricht. Die letzterwähnte Persönlichkeit ist ferner Besitzer einer Papierfabrik, deren Produkte an das von ihm regierte Reich verkauft werden. Des Weiteren munkelt man von sehr ausgedehnten Börsengeschäften, die Herr Bankier Bleich- röder in Berlin für sehr hochgestellte Persönlichkeiten vornehmen soll. Und Stroußberg, und Herzog von Ujest, und— doch man wußte stets noch ein Mäntelchen über die sauberen Geschäfte zu decken. In der Dienstagssitzung des preußischen Abgeordneten- Hauses ist dieses Mäntelchen nun zerrissen worden, und zwar ge- bührt das Verdienst dem Abgeoroneten Laster, dem dafür einige seiner Sünden verziehen sein mögen. Laöker's Rede, nebst der „Antwort" des Handelsministers Jtzenplitz sind Aktenstücke von solcher Bedeutung, daß wir sie ihrem ganzen Wortlaut nach folgen lassen: Abg. Lasker: Sie werden von mir nicht erwarten, daß ich mich auf den Standpunkt der Vorredner der Regierung gegenüber stelle und ihr geradezu einen Handel anbiete. Wenn eine andere Bahn oder Bahnen gebaut werden würden, so würde ich der Vorlage zustimmen. Im Ganzen genommen bin ich der Meinung, daß das System, wie eS im Großen und Ganzen in seinen leitenden Grund- sätzen aufgestellt werde, ei» durchaus richtiges ist, die Bahnen zum Theil durch den Staat, zum Theil durch Privatleute zu bauen, je nach der augenblicklichen Sachlage. Für die Zukunft nämlich habe ich den Gedanken, daß wir in der weitern Enlwickelung des Eisen- bahnwesens uns dessen nicht werden entschlagen können, den Verkehr aus den Bahnen gerade so an den Staat zu bringen, wie jetzt den Postverkehr. Die großen Communicationsmittel dürfen nicht in den Händen einzelner Menschen sein, wir dürfen nicht zurück- kehren zu den Schlagbäumen und Wegelagerern des Mittelalters. Es ist unmöglich, daß wir dasjenige Mittel, welches für mich, außer der Bildung des einzelnen, der Kernpunkt der Civilisation ist, ich meine die Bewegung der Menschen von einem Orte zum andern, sei es durch Gesetz, sei es thatsächlich, dem Monopol einer einzelnen Gesellschaft zur Ausbeutung überlxssen dürfen. In der That ist ja der Bahnbau ohne große Opfer deS Staates und ohne Opfer der Einzelnen unmöglich; keine einzelne Gesellschaft könnte ohne Expropriation und andere Schutzmittel deS Staates eine Bahn bauen. Daher hat das ursprüngliche Eisenbahngesctz, wie zuweilen die guten Gedanken gerade zuerst in den Köpfen der Meiischeii Platz greifen, bestimmt, daß die Bahuen nach bestimmter Zeit an den Staat fallen sollen. Ich wünschte, wir wären bei dem Gedanken geblieben und hätten nicht aus Finanzgründen eine andere Politik verfolgt. Ich habe bedauert, daß ein Gedanke Herrn v. d. HeydLs nicht ausgeführt ist, eine Summe Geld zu sammeln, um nach und nach in Besitz der Bahnen zu kommen. >rt. w' n' *) Während des Krimkrieges mußten ftie amtlichen Morgenblätter ungünstige, die amtlichen Abendblätter günstige Nachrichten bringen, so daß die Werthpapiere beständig auf- und nicdergejchnclltwurden, wobei die „Eingeweihten" natürlich kolossale(Acschäfte machten. Als das Publikum hinter den Betrug kam, führte der„Kaiser" persönlich das Schelmen- stück der„Tariarenbotschasl" auf; er ließ sich nämlich eines Tages eine Depesche schicken, die er hastig erbrach, mit allen Zeichen freudiger Aufregung durchlas, und strahlenden Gesichts den»ersammelten Gästen milthcilte: Sebastopvl ist genommen!'Ein Tartar hat die Nachricht nach Koustantinopel gebracht. Es war einen Monat nach der erössnetcn Belagerung und die gan.e Welt sehr gespannt aus da«„große Ereigniß", Jndeß eine Zeit lang habe ich es mir gefallen lassen, die Bahnen an Private übergehen zu sehen. Der Mensch steht innerhalb der Geschichte, und wenn ich weiß, daß ich meinen Enkeln dadurch einen guten Zustand bereite, lasse ich mir gern die Plackereien selbst der Anhalter Bahn gefallen.(Heiterkeit.) Nur muß es einmal ein Ende haben, die Richtung unserer Zeit geht dahin: die Straßen müssen dem Staate oder den Com- munen(?) gehören. Ich muß einige Thatsachen hier mitthcilcn, weil ich die Ver- antwortung des Ministers für dieselben nur aus diese Weise und an dieser Stelle herbeiführen kann. Mit seiner persönlichen Redlichkeit habe ich es dabei nicht zu thun, ebensowenig kann ich einen seiner Räthe herausgreifen und aus ihn die Sachen schieben, sondern der Minister allein ist verantwortlich und er soll das, was mir mitgetheilt ist, widerlegen oder bestätigen. Ich will also in großen Grundzügen nur das Eine sagen: Es wird dem Handels- Ministerium vorgeworfen, daß es die Concessionen nach Gunst und Ungunst vertheilt. Ich will damit noch nicht sagen, welches die Gründe dieser Gunst oder Ungunst sein inögen. Es sind mir nirgends diese Gründe angegeben worden, und ich habe, da ich kein Crimistalrichtcr bin, keinerlei Veranlassung, über die Motive der Mensche» zu entscheiden. Aber, meine Herren, es wechselt die Gunst und Ungunst; es wechseln auch die Systeme. Es ist mir glaubhaft versichert worden, daß diejenige Calamität, die der Handelsminister als solche bezeichnet hat, von ihm selbst großgezogen ist(Hört!), die Calamität unter dem Namen Strous- berg, die Blüthe des Herrn Strousberg(Hört, hört!), und daß dieser Mann zu einer gewissen Macht hat in Preußen kommen können und leider auch zu einem Beispiele, das soll durch den Handelsminister veranlaßt sein.(Hört, hört! Unruhe.) Als Strous- berg noch ein kleiner Plann war und das Bedürfniß hatte, auf Haupt- und Nebenwegen seine Vortheile zu suchen,' da hat er seine beste Stütze und Unterstützung im Handelsministerium bekommen. (Hört!) Es ist bekannt, daß Herr Strousberg sich gerühmt hat, Wege genug offen zu haben, um zu seinen Wünschen zu kommen. Ich will das im Einzelnen nicht untersuchen, aber es ist mir von glaubwürdigen Zeugen mitgetheilt worden, von Zeugen, gegen deren Glaubwürdigkeit auch der Handelsminister nichts auszusetzen haben wird, daß er, der Herr Handelsminister persönlich, die Unternehmungen deS Herrn Strousberg als ein sehr nachahmens- wertheS Vcispiel angepriesen hat(Hört, hört!), daß er den Herrn StrouSberg mit der ganzen Art seines Baues und seiner Hand- lungsweise wie einen in Preußen aufgehenden Stern— vielleicht nicht so dichterisch, aber der Thatsache»ach— bezeichnet hat, daß er an den Herrn StrouSberg die Concessionen z» den besten Bahnen abgegeben hat, die nur deshalb minder einträglich gewesen sind, weil Herr Strousberg nach seiner ganzen Art und Weise zu bauen Ueberkosten verursacht und dadurch an sich sehr rentable Bahnen zu unlohnenden gemacht hat. Ich brauche nicht an die Görlitzer Bahn zu erinnern, die an sich sehr fruchtbringend war. Kurz und gut, Strousberg hat die Gelegenheit wahrgenommen und Unternehmungen gehäuft, und jahrelang hat ihn das Handels- Ministerium unterstützt zu einer Zeit, wo die preußische Bank Herrn Strousberg für so wenig wohlthatig wirkend gehalten hat, daß sie vor einer Geschäftsverbindung mit ihm gewarnt hat(Hört! Un- ruhe), als sie ihn für so unsolid hielt, daß sie seine Wechsel von der Discontiruug zurückwies. Und so haben wir das Schauspiel erlebt, daß eine Abtheiluug des Handelsniinisteriums Herrn Strous- berg großzog, und daß die andere Abtheiluug desselben Ministeriums seine Sache für ein gefährliches Unternehmen erklärt hat, nämlich die unter der Aufsicht deS Handelsministeriums stehende preußische Bank. Später hat dieses Ministeriuni eftie andere Ansicht gewonnen. HatchaS Günstlingöwcseu dann aufgehört? Nein, es ist nur auf andere Personen übertragen worden. Wiederholen muß ich hier wiederum, was ich glaubwürdig gehört habe, und zwar wiederum nur eine vereinzelte Thatsache, wie sie sich mehrfach wiederholen kann, die aber ein schlimmes Schlaglicht auf das amtliche Leben wirft. Ein Rath im preußischen Ministerium, gegenwärtig berufen eine der bedeutendsten Stellen einzunehmen als erster Rath im preußischen Staatsministerium, ein solcher, der unmittelbar vor Sr. Pias, dem Könige Vortrag zu halten hat, der Geheimrath Wageuer, hat nicht weniger als drei Concessionen zu Eisenbahn- bauten bekommen(Hört, hört!), zuerst die Pommersche Central- bahn, dann BelgardMeustettiu und dann Neustettin-Schneidemühl. Ich möchte in aller Welt wissen, was hat ein Rath im preußischen Ministerium mit Eisenbahnbauten zu thun? Man erzählt und ich habe die Sicherheit bekommen, daß der Geheimrath Wagener für seine erste Concession eine Geldabfindung bekommen haben soll von Denjenigen, welche die Bahn wirklich gebaut haben. Ich weiß nicht, ob er auch für die andern in Zukunft Geld bekommen wird. Ich sage nur: Entweder bekommt er Geld dafür und dann treibt er Handelsgeschäfte mit Concessionen unter der Aegide des Handels- Ministeriums, und es ist sehr wunderbar, daß ein sehr einflußreicher Rath aus dem einen Ministerium in das andere hineinspaziert und sich dort Eoncessionen geben läßt, oder Herr Wagener betreibt kein Geldgeschäft, und wenn er kein Geld dafür bekommt, dann weiß er sich doch dadurch Protectionen zu verschaffen. Ist das eine Art und Weise, in der ein Ministerium, welches ftoi sein will von übler Nachrede, verfährt? Mir scheint es einfach, wenn ein solcher Herr um Concessionen eiukonimt, daß ihm von vornherein gesagt wird, das sei nicht die schicklichste Art, in der preußische Staatsbeamte Geschäfte machen dürfen. Es würde zuletzt noch so weit kommen, daß sich ein Minister von dem andern Concessionen J geben läßt(Heiterkeit), und da müßte doch wol eine üble Nachrede bekommen: ich weiß nicht, ob sie die Concessionen direkt oder in direkt bekommen, aber sie treiben Geschäfte d amit, der eine ist der das mdeß weiter Ferne lag. D.r Tartar war eine„Na-..-.. pvlevnifche Idee", welche ganz Europa ein paar Tage lang mostifizirte: herauskommen. Ich weiß es auch von andern, es sind jetzt meistens hat" und dem glücklichen Erfinder-10 Millionen Frauken eingebracht haben soll.! hohe Edcllcute, die aus Gunst die Concessionen von den Ministenen und Fürst Putbus(Hört, hört!) und der andere Prraz Biron von Kurland. Nun, meine Herren, ist dies die Art und Weise, in der man wiederum sich etwa schützt, wenn man eine so bedeutungsvolle Regierungsgewalt in Händen hat, daß man sich ein paar hohe Edelleute ganz besonders heranzieht, nachdem man sich davon über- zeugt hat, daß gar nicht die Herren diese Bahnen bauen, sondern Komitees? Ich kann mich aus diesen Jrrgängen gar nicht heraus- finden, wie die Komitees gemacht werden, und wie Baukiers zu- gezogen werden, und da erhält der eine 100000 Thlr., der an- dcre 50000 Thlr. Ich kenne alle diese Zickzackzüge nicht, ich kann ihnen nicht nachfolgen, aber so viel weiß ich gewiß, daß mit den Koncessiouen Handel getrieben wird. Es ist ferner bekannt, und man könnte aus die Personen mit Fingern deuten, die im Handels- Ministerium aus- und eingehen und sich dort lebhafter Protektion erfreuen, und dagegen erhebt sich die schwere Klage, daß, wenn von Kommunen und von solchen, die wirklich glaubwürdige Interessen vertreten, von Provinzen-c. Koncessionen nachgesucht werden, es dann ein Geschäftsgang ohne Ende ist.(Sehr wahr!) Es ist mir die Mittheilung gemacht worden, daß dann die Regierung die Leute 6— 8 Jahre lang hinzieht, ohne auch nur irgendeine difini- tive Entscheidung zu geben; bald ist das Juteresse nicht gesichert, bald soll die Anlage nicht sehr rentirend sein. Ich habe hier mehrere solche Beispiele— der Herr Handelsminister wird sie ge- wiß kennen. Man sagt, der Herr Minister sei gegenwärtig in einem Stadium, besondere Gunst den großen Bahnen zu gewähren. Nun sollte man meinen, es würde wenigstens der Grundsatz ganz allge- mein festgehalten, daß da, wo eine rentirende Bahn nicht in Aus- ficht sei, die Konzession nicht ertheilt würde; eS wäre das wenigstens eine Art Finanzwirthschaft, daß nicht viele geringwerthige Papiere auf den Markt geworfen werden, und deshalb sei es besser, der- artige Konzessionen zurückzuweisen. Wenn man aber wirklich die Idee hat, es müssen alle Bahnen in Zukunft vom Staate über- nommen werden, es sei gut, daß alle Bahnen gebaut würden, die nur gebaut werden können, so glaube ich, ist der Grundsatz richtig, daß man zu erwägen hat, ob auch die Aktien nicht zu wenig werth seien. Aber dieser Grundsatz wird nicht einmal festgehalten, indem einer Anzahl von Bahuen neue Konzessionen gegeben werden, ob- schon während des Baues bei einigen Prioritäts-Stammaktien haben aufgenommen werden müssen und die Stammaktien schon während des Baues haben zurücktreten müssen als wenig Werth; wo bleibt da die Prüfung im Handelsministerium? Wenn es sich einmal das Recht der Prüfung beilegt, ob denn die Bahn rentirend sei oder nicht, so muß wenigstens jemand dafür verantivortlich sein. Ich sage ja nicht, daß es Ungeschicklichkeit ist oder böser Wille, aber irgendjemand muß doch verantwortlich sein, daß diese Prüfung gleichmäßig veranstaltet werde. Und ist es hierbei ein Wunder, wenn diejenigen, welche sich jahrelang herumqnäleu» mit dem besten Willen, weil sie Vertreter von Kommunen sind, die Konzessionen nicht erhalten können, andere aber sie mit Leichtigkeit erhalten, wenn Unzufriedenheit sich geltend macht und über das ganze Land verbreitet? Ich muß Ihnen sage», daß im Handelsministerium in Be- ziehung auf das Konzessionswesen nicht mit der Vorsicht und Um- ficht vorgegangen wird, welche durchaus uöthig ist, damit die Staats- Verwaltung über jeden Verdacht erhaben ist. Wir haben vergangenes Jahr hier verhandelt über eine Bahn, für weiche eine Subvention an eine große Bahn gegeben werden sollte— ich glaube es war die Magdeburg-Halberstädten— und es sollten für diese Bahn 500,000 Thaler gegeben werden. Während der Verhandlungen im Herrenhause wurde plötzlich glaubhaft nach- gewiesen, daß eine andere Bahn bereit sei, ohne diese große Sub- vention, ich glaube mit 220,000 Thaler, zu bauen. Der Herr Handelsminister hatte anfangs, wie es schien, gar keine Kenntniß davon. Es hieß damals, es müsse diese Bahn in aller Schuellig- keit bewilligt werden, sie sei vom höchsten Jiiteresse für der Berg- bau im Harz; aber zu unserem Erstaunen hatte der Herr Minister im Herrenhause gegen den Aufschub der Sache nicht einmal Wider- stand geleistet und dieselbe ftüher konzessioiurte Bahn hat nun den Bau ohne jede Subvention übernommen. Solch ein einzelner Fall verstärkt sicher nicht im Lande dce Meinung von der Umsicht und Unparteilichkeit. Sehe ich nun von allen ander» Klagen ab, deren es viele gibt, daß nicht genügende Aufsicht über den Betrieb geübt werde, daß besonders die Zustände bei der Anhaltischen Bahn die Aufmerksam- keit der Regierung hätten erregen müssen:c., so muß ich dabei bleiben: indem ich eS billige, daß der Staat auf jede Weise den Bahnban förderst, und als letztes Endziel fordere, daß der Staat einmal sämmtliche Bahnen besitze, scheint es mir die beste Politik, nicht schikanös den Unternehmern gegenüberzntreten, sondern gleich- mäßig solchen Unternehmern, welche nachweisen, daß ste reelle Ab- sichten aus den Bau einer Eisenbahn haben, die Möglichkeit hierzu zu geben, denn die Eisenbahnen sind ja an sich etwas Gutes, und die Frage, wie der einzelne Zeichner sich dabei stehen würde, ob es besser sei, ihn auf nebelhafte Projekte, die anderweitig ohne Kon- Zession des Staates vorgenommen werden, zu verweisen, scheint mir lehr zweifelhaft. Weit besser ist es, daß man sie zuläßt, vor allem aber— dies ist, was ich hauptsächlich und ganz vorzüglich in erster Linie dem Handelsministerium zum Borwurf mach, eine so be- deutende Macht, wie sie in seine Hände gelegt ist, Konzessionen für Eisenbahnbauten zu ertheileu, dadurch den Wohlstand ganzer Gegenden entweder zu erschließen oder unerschlosscn zu lassen, da- durch einzelnen Vortheile zuzuwenden— dies muß anders geHand- habt werden, als es gegenwärtig geschieht, es darf nicht nach Gunst Ungunst, nicht nach Systemwechscl verfahren werden, nicht ein L auf uusolidcr Basis stehender�emzcluer Mann in die Höhe gezogen werde», damit er später bei Seite geworfen werde, nicht dann wieder die Vorliebe zu großen Bahnen in den Vordergrund gestellr werden, im Gegensatze zu den Bahnen, welche Kommunen oder einzelne Lokalintercsfenten vornehmen wollen, eö darf vor allem nicht die Konzession an einzelne Personen crtheilt werden, von denen man sagt, entweder die Stellung ihres Amtes oder ihre sonstige gesellschaftliche Stellung, Gunst oder Ungunst cmscheidc darüber. Dieö schädigt nicht blos die wirthschaftlichen Interessen, sondern nöthigsien kommen zuerst, dann die andern. Wir haben noch lange nicht genug und ich hoffe, wir werden noch reckt viel dazu be- kommen. Ich will nun speziell auf die Borlage kommen. Es ist worden Grenz Interesse Politische Uebersicht. Die preußischen OPpositionS-Blätter brachten vor Kurzem fol-ü militärische Wichtigkeit,-aber nicht vorzugsweise. Diese Bahn rft Traatsverwaltuug vielleicht eine andere Gestaltung erhalten, das in von der allergrößten Wichtigkeit, uui die östlichen«taatsoa. den letzten sechs Iahren entstanden und seither namentlich im Stillen taate wie Preußen Konzessionen crtheilt, scheint nur in einem durchaus nicht zu dulden zu sein; hierin muß Wandel geschafft werden. Deshalb habe ich neulich schon die Frage angeregt und heute näher brgründet. Ich hoffe, daß endlich, nachdem einmal mit Ernst die Verwaltung des Handelsministeriums in Angriff genommen worden ist, nun auch ans dem Lande die Beschwerden an uns gelangen, wie sie eigentlich sollen, damit wir befreit werden von der Meinung, es werde, in einem so wichtigen Ministerium nickt im Interesse der Sache, nicht nach festen Prinzipien, sondern nach wechselnder Laune und nach Gunst, oder Ungunst entschieden. (Lebhafter Beifall.) Handelsminister Graf Jtzenplltz: Auf den Borwurf, ich hätte Herrn Strousberg und seine Unternehmungen besonders begünstigt, erwidere ich: die Bewilligung der ostpreußischen Südbahn geschah zu einer Zeit, wo Sie mir dieselbe doch nicht bewilligt hätten. Ich habe mich zur Bewilligung der Konzession herbeigelassen, als ich die Schäden noch nicht kannte, wie sie sich später herausstellten. Sowie ich die Schäden kenne, verfolge ich sie auch. Ich wäre ftoh, wenn Sie mir daS ganze Konzessionöwesen abnähmen, und zwar lieber heute als morgen. Gerade die Herren, von deren Be- günstigung durch mich Herr Lasker redete, beklagen sich über mich. Er hat gewisse Namen genannt; aber nicht diese sind es allein, sondern es ist immer ein Comits, wo ein solcher Name dri'n ist(Nisse:«ha! Sehr richtig!), und ich verhandle nicht mit dem Namen, mit Herrn N. R.'.c., sondern mit dem Comit6, und gerade die vom Vor- redner genannten Herrn haben sich wiederholt aufs bitterste gegen mich beklagt. Einer hat mir sogar gesagt, er proteslire; da habe ich ihm gesagt, er möge mir mal gefälligst daß Gesetz nachweisen, was ihm dazu das Recht gibt. Ich bewege mich bei den Konzessionen immer zwischen zwei Punkten. Ein Coniitä tritt ans und sagt: wir wollen die Bahn bauen, und da muß ich zugeben, es wird dabei oft mit dem scheußlichsten Leichtsinn verfahren.(Hört, hört, links.) Man nimmt die Karte, ,eal eine Linie und sagt: daS ift eine wundervolle Linie, die müssen wir bauen; gebt unS die Erlaubniß. Sie kriegen aber keineswegs immer die Erlaubniß(Unruhe und Lachen), sondern ich gebe sie nur, wo ich allenfalls hoffen kann, daß die Sache ordentlich zu Stande kommen wird. Ist daö nicht der Fall, dann muß ich mich dagegen erklären. Nun, meine Herren, ick rede so offen, wie Sic geredet haben.(Rufe: Nein!) ES ist ja klar, daß, wenn die Herren jetzt mit Bauten kommen, die nicht aus dem augenblieklichen Bedürfmß hervorgehen, wenigstens nicht aus einem dringenden, sondern nur, weil sie nützlich sind, und uns eine Linie vorschlagen und so ulld so viel von nnS verlangen, sie immer die Neigung haben, recht viel voii�unö zu for- dem, manchmal recht viel mehr, al« sie brauchen. Die Bahn ist aber nützlich, das kann ick nicht leugnen, wollte ich den Bau nun hindern, dann schreit daS Land, ich wäre kein Beförderer der Eisen- bahnen, sondern ein Hindcrniß dafür.(Unruhe und Gelächter.) Die Sache ist nützlich, also habe ich keine Ursache, sie zu hindern. Also ftage ich mich, wie viel hat er gebraucht, wie viel wird er gebrauchen? der Unternehmer nämlich. DaS schreibe ich ihm dann in runder Summe hin, nach befteui Wissen und Gewisse>i. Dan» kommt die andere Seite wieder und sagt mir: Du bist ja eiu abscheulicher Mensch(große Unruhe und Gelächter), warum schneidest Du unS so viel ab? wie sollen wir damit fertig werden? Da sitze ich nun wieder da, die Unternehmer wollen gewinnen und ich will nicht so viel bewilligen. Zwischen diesen beiden Punktcu bewege ich mich. Wird nun aber gesagt, ich ver- fahre persönlich nach Gunst und Ungunst, ,0 erwidere ich erstens, daS habe ich zu verantworten(Rufe liuks: Ja wohl!), mit den westlichen zn verbinden, wodurch dann die Ctaatsregicrnn,/ gewirkt hat; wir meinen' das unter der Leitung des Geheime» gewissermaßen einen Regulator m die Sache brmgeii hm. Regiernnw- Raths Stieber stehende„Nachrichten-Bureau." J Wenn nun hier gesagt worden ist: Versprichst du die Bahn nach Dieses k i. a mtlich seit dem Jahre 1866 bestehende Institut hatte itttS CVtiitii Stirn» fbt mm.»»rf« titr S:rK_ rn.'i 1'? V t:: t... r �• r•',». Renrode und Glatz, dann stimme ich für dich,— meine Herren, die Aufgabe, den weisischen und andern partiku'aristischen Umtricbetlf' ich kann mir nicht helfen; ich bin nicht gegen diese Bahn,:•....•~..... kemer Seite hm verantworten. Die Bahn hat auch nur für cu e.. pierLber ein Urtheil zutrauen kann, be-weifelt, da die Resultate, die kleinen Landstrich. Werth,».cht für den allgemeinen Verkehr. � Der j durch dies Bmean erreicht worden sind, sehr wenig den bedeutende« Abg. Glaser sagte, ich hätte bei Kyritz die Kvnzesiion vcrweige tdUnmst�, entsprechen sollen, die zur Erhaltung des Bureaus er- das ist nicht richtig. Es wird noch darüber verhandelt, und forderlich waren." übrigens ist daö keine Kommune, sondern es sind Unternehmer.� Wenn die Bedingungen so sind, daß ich sie verantworten kann, ft W Nun es liegt in der Natur der„frommen Wünsche", daß; werde ich sie genehmigen; wo nicht, nicht.(Große Heiterkeit.) Dies die beiden Aktenstücke. So vernichtend die Anklage, man muß bedenken: LaSkcr ift der Ankläger, das heißt ein Mann, der das System, dem die von ihm gebrandmarklen Auswüchse eut- sprossen, bewundert und seiner Natu» nach überhaupt nicht das Zeug hat, einem Krebsschaden fest auf den Leib zu rücken und unerbittlich das Messel anzusetzen. Hätte ein Anderer über das Material verfügt, das LaSker zu Gebot steht, die Anklage wäre ungleich wuchtiger ausgefallen, indes?, wie schon gesagt, auch so ift sie vernichtend. Was dem?liigriff fehlte, hat die Vertheidi- gung ergänzt. Die Jtzenplitzijche„Artwort" schlägt das in ihr vertheidigte System vollends moralisch todt.„Proralisch" in dop- pelter Beziehung: sittlich, insofern sie den schmachvollsten Kon- zessionenschachcr und Schwindel, der im preußischen Ministerium getrieben wird, thalsächlich eingesteht; und geistig, indem sie den Redner, einen preußischen Adligen und königlich preußischen Minister, als einen Mann hinstellt, der sich nicht einmal in seiner eignen Mutiersprache korrekt auszudrücken weiß.(Die„Intelligenz", welche den„Jntelligenzstaat" regiert, konnte nicht drastischer verhöhnt, nicht wirksamer auf ihr wahres Wesen zurückgeführt werden. Herr Wagener, dessen Reinwaschung die offiziöse Presse jetzt vessucht, ist ein abzethaner Mann. Er wird seinen Posten unzweifelhaft behalten, allein nur, um zu zeigen, daß auch die Sache, die er vertritt, eine abgcthane ist. Kein Herrgott bringt daS verlorne„Prestige"*) zurück. Von der Lasker'schen Erklärung, daß die KommunikationSj- mittel nicht Sache der Privatspekulation, sondern des Staats (oder der Gemeinde) sein müssen, uehmen wir Akt. WaS hier eiu ehrlicher Vertreter der Bourgeoisie von den Kommunikations- Mitteln sagt, gilt in noch höherem Grade von den Arbeits-'' instrumenten, von Maschinen:c., von Bergwerken, vom Grund und Boden überhaupt. Wenn Herr LaSker meint, die Korruption, gegen welche er in sittlicher Eutriistung sich wendet, sei unter der heutigen Staats- ordnuug, für welche er im Allgemeinen schwärmt, zu beseitigen, so ist daS eine Selbsttäuschung, die aus mangelhafter Kennlluß der politischen und sozialen Faktoren entspringt. Die Natur des modernen Klassenstaats bringt es mit sich, daß daö militärische Element, welches ihn erhält, und das bureaukratischc Element, welches ihn verwaltet, sich den Einflüssen der Bourgeoisie, welche ihn geschaffen hat, nicht entziehen kann. Vom Momente an, wo daS Soldaten- und Beamtenthnm, welches in einer primitiveren Entwickelungöperiode spartanischer Einfachheit und Sittenstrenge beflissen find, in die Dienste der Bourgeoisie treten, ift es mit diesem Aszetiömus vorbei, und verfallen auch sie der Anbetung des gclduen Kalbs. Das Kaiserreich des zweiten Bonaparte gab das erste in Aller Augen fallende Exempel. Daö Kaiserreich Bis- niarcks, des Schülers von Bonaparte, gibt das zweite großartige Exempcl. Gleiche Ursachen, gleiche Wirkungen. Die Offiziere und nicht erfüllt werden. Und wenn die„Frankftirter Zeitung" '.neuit,„vielleicht finde Bismarck irgend einen Weg, um aus dem � Stiebcr'schcn Nachrichlen-Vureau ein Neichsinstitut zu machen", so macht sie sich einer ebenso großen Unterschätzung des Stiebcr,! Is Ueberfchätzung des Reichs schuldig. Der Stieber branchth .Jhatsächlich falsch ist in der Notiz, daß daö Siiebcrsche„Nachrichten-: burean" bloß gegen die„Welsischeu und'andern partikularistischen, Umtriebe" gerichtet sei. Es ist die Firma für die politisches Spionage im Allgemeinen und in allen Gestalten: von!: der vornehmsten Moncharderie bis zur komnmnsten Bricfsticberei.— Was der moderne Polizeistaat den Menschen zu bieten� wagt, zeigt in drastischer Weise das soeben amtlich veröffentlichtem Resultat des„von dem Berliner Stadtgericht eingeleiteten Er-. K Resllltat des„von dem Berliner Stadtgericht eingelc......., mittluugSverfahrenS zur Prüfung der Frage, ob an dem Tode der� am 7. September vorigen Jahres(bei dem„Dreikaiser-Zapsen- � streich") auf der Schloßfreiheit verunglückten Personen ein Ver-: schulden der Polizcibeamteu oder anderer Personen anzunehmen jei. Daß die Untersuchung die„absolute Schuldlosigkeit" der Polizei ergeben hat, ist bekannt, und war von vornherein selbstver- ständlich. Nicht gefaßt konnte man aber sein auf eine solche Be- gründung, wie d-.e ReinwaschungSschrift sie enthält.„Wenn di: von dem Polizeipräsidenten-c. getroffenen Anordnungen—- zur„ Ausführung gekommen wären, so würde der Zusammenstoß � (der daS„Unglück" bewirkte) verhütet worden sein", sagt der � amtliche Bericht. Wer aber ist Schuld daran, daß die Anord- nungen nicht zur Ausführung gelangt sind? Nun, der bekannte Better'Niemand.„Die Polizei hat' ihre Schuldigkeit gethan," sagt der amtliche Bericht. Nur die vollständige Ausführung der Absperrung aller Zugänge zu dem Terrain— hätte eine unbedingte Sicherheit-- gewährt. Zu einer solchen Absperrung reichten die vorhandenen Kräfte nicht airs," sagt der amtliche Bericht, und sagt damit entweder, daß er die p und zweitens, das leugne ich rundweg ab. Denn gerade �Beamteil Bonapartes stndirten die CurSlisten eifriger, G"14( ausreichende Kräfte, j ganz Wenn nun Abg. Lasker sagt, es sei Unzufriedenheit im Lande, so erwidere ick: ja, daö ist die Unzufriedenheit von Denen, denen ick Millionen gestrichen habe(Rufe links: O nein!), aber so vieni.nitt ich versichern, daß ich eine Gunst dabei für Nie- mand habe, sondern wenn Einer kommt und macht eine Bahn solide, so kann ich daS nicht hindern. Es sind allerdings Beispiele vorgekommen, daß Leute gleich damit haben anfangen wollen, die Hälfte in Aktien und die Hälfte in Obligationen aus- viel Ieremiadcn über die Korruption loslassen, Roon noch zo „ehrlich" die Regierung der„ehrlichen Leute" anstreben— nm- sonst; daS Gift der Bourgeoisie dringt durch alle Poren des modernen Staats,— Fürst. Bismarck wird seine Dotationen nicht zurück- und seine Papierfabrik nicht aufgeben; Möltke und Konsorten, Roon selbst werden ihre Dotationen nicht zu- rückgeben; Wagener, der doppelte und dreifache Gesellschafts- und Staatsretter wird seine Kommissionsgelder nicht zurück- pigeben, das habe ick aber abgewiesen. Also ich wünsche die. �ben; Stieber, der dntzendfache Staatsrcttcr wird seine sieb- v». i........., s �•.%»V-»»-* l OX t» s 1 b-i tz<.. iX■■.___..! ck*.«X:.f..... � l v• /»i v» Q». 11 T-X«. Bahnen zu Stande zu' bringen, wo eö einigermaßen mit Solidität möglich ist, aber ich muß mir vorbehalten, mag nun Dieser oder Jener sie bauen, die gehörigen Mittel anzuwenden, um den Schwindel zu verhindern. Damit verlasse ich diesen Gegenstand. 'Was den ersten Theil der Rede des Herrn Lasker betrifft, so halte ich das, was er empfohlen hat für das Richtige, was ich auch gern befördere. Wir waren ja auch schon nahe daran, wir hatten �ehn Häuser nicht zurückgeben;— mit Einem Wort: Menschen und Dinge werden in Preußisch-Deutschland ihren natürlichen Lauf bis zu Ende verfolgen, wie die Menschen und Dinge im Kaiserreich des zweiten Bonaparte. (Nachschrift. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 15. d. Mts. wurde das von Lasker Tags zuvor aufs Tapet gc- brachte Thema weiter besprochen. Und zwar fühlte Herr Bergcr, schon ein Gesetz, daß die Eisenbahnstener lediglich zum Ankauf von PtitgUed der Eisenbahnkommission des Abgeordnetenhauses, ohne Aktien verwandt werden solle, ich würde gern auf diesen Weg zu deren Genehmigung, wenigstens Mitwissen der an den Pranger rückkommen. Der Vorredner sprach davon, ich hätte den Kom- gestellte Konzesstousschacher nicht stattgefunden haben konnte, daS munen und Provinzen Schwierigkeiten gemacht. Mir ist wol bc-...... cilh angeordnet, jedoch nicht dafür gesorgt, daß vorhanden waren." Aber„keinen Polizeibeamten trifft die leiseste s schuld" sagt der amtliche Bericht." Die Aissammlnng von Men-, schen-- hatte gewaltsame(!) Verhältnisse angenommen, wie' sie nach menschlicher Voraussicht nicht zu erwarten war.ss Das heißt, jeder vernünftige Mensch, der die Gedankenlosigkeit, Scrvilität und Neugierde des heutigen Publikums kennt— und die Behörden welche diese Eigenschaften systematisch pflegen, kennen sie am besten— mußte eine solche Ansammlung von Menschen voraussehen. Nur die Polizei sah sie nicht voraus. Und da die Polizeibeamten„auch" Menschen sind, so schließt der amtliche Bericht mit ächt amtlicher Logik, nach menschlicher Vor-� y aussteht" sei der Menschenandrang nicht zu erwarten gewesen! Aus- Grund dieser aktenmäßig festgestellten Thatsachcn nämlich,(daß der � Polizeidirektor genügende Vorsichtsmaßregeln angeordnet, und � g„nicht anS- StadtzerichtS die Unglücks- durch die seien. Da Oberstaatsanwalt des königlichen Kammergerichts hat sich der Aus- sührung des Staatsanwalts angeschlossen und demgemäß ebenfalls mieii, daß das beklagenswerthe Ereigniß sich angenommen, dag das vekiagensweriye Vreigiuß sich als ein„Um glücksfall darstellt." Sela! Und das muß sich die Einwohner- schaft der Hauptstaat des„Intelligenzstaats" bieten lassen! Für- wahr der Hohn dieses amtlichen Berichts ist noch mehr, als der „Unglücksfall" selbst, dazu augethan,„Haß und Verachtung in jeder Brust zu erregen, die überhaupt eines männlichen Gefühls noch fähig ist!— In Rußland herrscht bekanntlich die Sitte, mißliebige Stellen auS Zeitungen mit Druckerschwärze zn überstreichen. Dst preußischen Behörden haben Gefallen an dieser bequemen„Ein- Achtung" gefunden, und vor Kurzem au der„Brombcrger Zeitung": welche die päpstliche Allokution abgedruckt hatte, ihr erstes Meisterstück vollbracht, und sie mit zwei handbreiten schwarzen-Flecken ausstasfirt! Fortschritt muß sein. Am Donnerstag traf Parteigenosse Weck auS Chemnitz vor wüßt, daß ich den Unternehmern Schwierigkeiten bereitet habe, aber den Provinzen und Kommunen nicht. Es ist dann ferner geklagt� worden, der Westen werde auf Kosten des Ostens im Eisenbahn Wagencr in einer anonymen Zeitungserklärung Herrn Lasker zu- bau begünstigt. Das ist im höchsten Grgde ungerecht. Betrachten„Weshalb wenden Sie sich mit Ihren Moralpredigten� nicht Sie dock die Eiscnbahiikarte von vor 10 Jahren; da waren im zunächst an Ihre eigenen Gesinnungs- und Fraktionsgeuossen? Osten ungeheuere, jetzt ausgefüllte Lücken, ich erinnere nur an die.sg rechtfertigt sich Herr Wagener damit allerdings nicht, aber Ostbahn, an die Thorn-Instcrbnrger, die auf Staatskosten erbaut schlägt den„liberalen" Sitteurichteru erfolgreich aus den Mund S-» S,- nn+ ftT.1 11 1 1 rtpfMllt hllirb«! iff rnif Sim fdtmitktApn Ofnftiiilllllt.lPn TtrHKi"?ir(Vnbp er die andern theils ihre Hast verbüßt, theils— die Mchtparteig� Nossen— auf ausdrückliches Ersuchen begnadigt worden sind. Reis Einquartiruug wird aber nicht lange ausbleiben. Dietze, Redaktcck der„Chemnitzer freien Presse," ist wegen Majestätsbeleidigmig be Chemnitzer 4 Mon: boten", zu 6 Monaten Festungshaft, und zwar ebenfalls wegek reits zu 4 Monaten, Daschner, Redaklenr deö„Dresdner Volks Bahnen, wie sie im Osten zum Tbeil schon existiren, vernachlässtgen, gch an den Tag kommen.) daS wäre eine unstaatsmännische stieget, deren ich mich nicht schuldig machen möchte. Ich glaube, daß es gar nickt darauf ankommt, ob die Bahn im Osten und Westen liegt, sondern darauf, ob sie«) Die eingebildete Tugend, Reinheit, Größe, den Ruhmesglanz,! nothwendig oder nützlich ist. Würden Sie fragen: Bist du denn Heiligenschein NUN beft'iedigt? so würde ich sagen: Nein, ich bin es nicht. Alle Eisenbahnen sind mehr oder weniger eine Sache der Zeit, die. verurtheilt worden. schen„Verbrecher", die sich in Sackst" augenblicklich folgender: Liebknecht nitf Bebel in" Hubertusburg, Hepner in Leipzig, KwaSniewsky i" ! Crimmitschau, Most in Chemnitz, Daschner in Dresdew In Pest erscheint seit Neujahr die„Arbeiter-Wochen-Chroni� ozialökonomisckes Volksblatt." Da daS Blatt mir die sozial . ozialökonoinisches_________. ökonomischen Interessen der Arbeiterklasse vertreten wird, mußb �gesetzlich von der Aufstellung eines Programms Abstand ge- chimen werden.„Dcßhalb werden wir auch," sagt die Nedaktion fol-r„Arbeiter-Wochen- Chronik" in der Nr. 1,„und dessen be- men unsere Leser versichert sein, jederzeit und unter allen ÄAer- ltnissen tapfer einstehen, wenn es gilt die Nechte, die Ehre, die lillen eite seiner nimmersatten Ausbeuter in brüderlichen Schutz zu imcn hmen."_ � II'' u r;te Wegen in öffentlicher Versammlung geligeutlich der Erörterung s Ausfalls des Hamburg-Altouaer Tischler-StrikeS von Mielitz id Ralfs gegen Zorek und S o mann geschehener Verläumdung : vom Altonaer Amtsgericht folgendes Urthal gefällt:„daß der erklagte Mielitz wegen Beleidigung ans'W 185 und 186 des »traf-Gefctzbnchcs mit 10 Thalern Geldbuße eventuell 4 Tagen »efängniß und der Verklagte Ralfs wegen Beleidigung aus 185 :S Straf Gesetzbuches mit 5 Thalern Geldbuße eventuell 2 Tagen aft zu bestrafen; beide Verklagte die Kosten des Verfahrens zu aaen aebalten und endlich den Klägern eine Ausfertinug des ErOder rechnen unsre deutschen Journalisten und Professoren lschrittS paßt, von dem längst bekannt ist, daß er Religion nicht etwa auf die Hilf- dcrDeutfchen in Amerika. Warum nicht, spricht anö religiösen oder wissenschaftlichen, sondern auS politischen man doch in diesen gelehrten Kreisen, als wenn ganz Amerika deutsch wäre, weil man nicht weiß, daß die 5 Millionen deutscher Zunge sich unter den 40 Millionen Bevölkerung im raschen Pro- zeß der naturgemäßen Verschmelzung befinden. Diese gelehrten Herren sind freilich total fanatisch in ihrem Ultra Germanismus, wie die traurige„Aufseß"-Asfäre in Straßburg zur Genüge gezeigt hat und in ihrem süßen Wahn, daß„Sedan" und Bismarck uns zur ersten Naiton der Welt gemacht haben, werden sie sich schwer- lich eher stören lassen, bis die Geschicke ein neues Jena oder son- stigc unheilsvolles Schicksalsschläge über die sieges- und sicherheits- trunkenen tonangebenden Kreise Deutschlands verhängt haben.— Daß die Politik dieser Kreise Deutschland inö Verderben führen muß, diese Besorgniß fängt schon bei Vielen an zu dämmern, aber die militärischen Erfolge und die Milliarden haben eine derartig demoralisirende Wirkung ausgeübt, daß ein unbefangenes Urtheil und eine moralische Auffassung der Verhältnisse noch auf längere Zeit nur sehr schwache Chancen haben, zur Gellung zu kommen.— Ssscu, 14. Januar. Gestern Nachmittag wurden hier der Be- vollmächtigtc des Allgemeinen deutschen'Arbeitervereins Schneider in verstoßen, können wir mittheilen, daß es sich hier um einen ... �....___*. i/i Prozeß wegen Bcamtenbeleidigiiiig und dergleichen gegen das hienge E.n Wunder: Der B-rl.n-r„Nene Sozialdemokrat" rst kon- Mitglied des obigen Vereins, N-m-nS Horzig handelt, bei dessen theilweiser Verur'theilnng die Aussagen der Verhafteten den AnS- iözirt worden,„Grund unbekannt". W:r haben die betreffende tnmmer von vorn bis hinten und von hinten bis vorn dnrch- und auch keinen„Grund" entdecken können.— cj's.-J Kamöurg(Worauf gründet sich der Hochmutb unserek .Rationalen?"). Alan begegnet in der deutschen Journalistik ��ieit 1870 einer auffallenden nationalen Ueberhebung. Seit dem j Erfolge von 1866 und 1870 streut man sich selbst unaufhörlich i'eteirf�eihranch und Blut auf alle anderen Nationen, als auf unter- lichte istordnete g�a(.en i— � Möchten die Herren Journalisten doch ein wenig auf den Welt- . �globuS blicken, da würde sich ihnen ein ganz anderes Bild feil-p"ün'-' Wer hat Amerika kolonisirt und bevölkert? Wer hat in Afrika, mwiffisien und Australien, in Ost- und Westindien die großartigen ..�Handelsbeziehungen geöffnet? Wer hat die Völker aller Welttheile durch den Snez-Kanal, den internationalen Kabel, den Moni Cenis-Tunnel, die Pacifie-E>senbahn, mit einander verbunden? Waren eS Schöpfungen deutschen Genieö und deutschen Unter- nehmungsgeistcs? Die Antwort lautet: nein; cS waren Amerikaner, Motiven, der Zweckmäßigkeit wegen, hoch hält. Und gerade in der Politik liegt der Springpunkt, welcher nicht nur dem Bernstein, sondern der ganzen Klasse der Bernsteins das Brandmal wissenschaftlicher Unfähigkeit aufdrückt.— Ich höre schon ihren entrüsteten Aufschrei ob dieser demokratischen Arroganz, s�ie zeigen auf die Heroen der Literatur und fragen höhnisch nach den wissenschaftlichen Thaten des jungen Sozialismus. Nur gemach, Ihr Herren, die aufgeblasenen Backen hindern Euch am Sehen. Aristoteles, Kopernikus, Lavoisier, Kant, Humboldt n. s. w. n. s. w. waren nicht gerade Sozialisten,— der Sozialismus fiel nicht in ihre Zeit und ihrem Bereich— aber sie waren wahrhaftig auch keine fortschrittSmännifchen, sifchweibifchen, zweifeeligen, interefsirten Speichellecker und Achselträzer. In ihren Werken findet unsere junge Schule die Pillen dutzendweise, die Euch so schwer zu schlucken sind. Hat Lassalle und der Bolksftaat nicht schon manche davon gereicht? Nur müßt Ihr die Sache, die man Euch unter die Nase reibt, auch recht verstehen. Es wird nicht behauptet, daß die Lakaien des herrschenden Regiments auS dem Reich der Wissenschaft'ausgeschlossen seien. Woher hättet Ihr sonst die Bänder und Titel, die Doktoren und Professoren. Schtvarzwälder- Uhren, Äsfenschädel und Nibeliiiigenlicder tonnt Ihr erforschen, auch seid Ihr»och groß in physikalischen oder chemischen Detailkeiintnissen, besonders inföferu sie einträglrch sind. Nach derselben Nummer der„Volkszeitnng", von der hier die Rede ist, hat Bernstein sogar eine Erfindung in der Telegraphie gemacht. Dergleichen ist zulässig. Aber Wissenschaft im eminenteren' Sinne des Worts, die die Mannigfaltigkeit der Natur und der Geschichte auf wenige durchsichtige' Prinzipien zurückführt, die vom„geheimnißvolleu Ursprung der Dinge" und Anderem handelt, das Bernstein zu den unlösbaren Problemen zählt, solche Wissenschaft bedarf kühne die lizei-- treibuug. Von A. Bernstein. An. IX." (Bolkszeitiing Nr. 301.) �Das Berliner„Organ für Jedermann anö dem Volke" würde treffender zeichnen, weiin cö sich Organ für seichte Pinsel nennen wollte, so vornehmlich ist seine Tendenz darauf gerichtet, allein Rühmlichen die Spitze abzubrechen und eS stumpf und schartig zu inachen. Sogar sein Bischen Ruf verschont Meister Bernsteul nicht. Was er davon einst erworben, als er im Volkskalender die Prinzipien einer Schwarzwälder Uhr so poxMär auseinanderzusetzen wußte, das vergeudet er jetzt, indem er seine Zähne an den Problemen der Philosophie ausbeißt. „Die Frage, ob man in der Wissenschaft einen Ersatz für Engläiiver, Franzosen, Jntaliener, Spanier und Portiigicsen, welche �Religion bieten könne» ist für uns schon an sich eine jxnwisseil- den verschiedenen Welttheilen den Stempel ihres Genies, ihrer schaftliche, die der Beantwortung unwerth ist. Religion in ihrem � b imS tKvi»v■»+ 1 i\yi f'rM'iV.-fjit..i,> b f r\ 4 ,>>!<' ,1 ,7,1� ox�s Thatkraft und ihrer Nationalität aufdrücken. Das glückliche Kriegsspiel, welches obendrein 1870 mit unter- drückender Uebennacht in Szene gesetzt wurde, gibt sicherlich keinen Anspruch darauf, die Leistungen anderer Nationen mit Gering- schätzung zu behandeln— Leistungen, welche der Menschheit einen permanenten Nutzen bringen. Wo sind denn unsere der- artigen R.ihmeSdenkmäler? Wie weit sind wir z. B. mit dem uns verheißenen Nord-Ostfee-Kanal? Die kostspieligen Eroberungen des alten deutschen Reichs sind oder-"' Valien und Ungarn bereits wieder verloren gegangen, in Böh- : u-ln n,en. sieht dem deutschen Element höchst wahrschcinsich ein ähnliches räste bevor.—■ Und nach solchen Vorgängen dürste kaum zu iscstc �sivesseln sein, daß auch Polen sich einst von der deutschen und. russisch,» Zwanasheivschaft emanzipiren wird. So ist die Welt- wie stP' beschaffen und sie sollte als eine Warnung vor allen Er- ,ari3 oberungcn dienen. Aber die„Blut- und Eisenpolitik" kennt solche zkeit! Warnungen der Geschichte nicht und das uns seit mehreren hundert - �Jahren entfremdete und inoralisch von Frankreich eroberte Elsaß- Lothringen ward die erste Eroberung des neuen deutschen Reichs. Die Behauptung dieses kleinen Zuwachses wird dem neuen Reiche ebenso verderblich sei», als eS für Oestreich die V-rtheidignug semer italiciuschen Provinzen geworden ist. Daß Preußen für diesen kleinen blutig von Frankreich abgerissenen Fetzen, dessen Bevölke- rung ebensowenig deutsch sein will, als die Lombarden östreichisch sein wollten, das große, schöne, reiche Deutsch-Oestreich ganz aufgebe» konnte, ist nur durch ein spezifisch preußisches Interesse erklärlich, aber wahrhaftig dnrch kein deutsches! v.»-.Dieses Elsaß-Lothringen ist einDanaergcschenk, dessen Gefährlich- icks-• man �at'ur(� s 11 verhüllen glaubt, daß man immer und immer wieder von dem„verkommenen" Frankreich und überhaupt von den„entarteten" romanischen Rayen spricht, als wenn dieselben und zen, vo« ans der Zor- Auf de« und n s- die d-e Del ins« all« Uu- icr« iür- llen Tie :m' S' ler« ke» eiaentlichsten Sinne ist so unbedingt mit dem Menschenscin und Menschenwesen verwachse», daß eine Wissenschaft gar nicht epi stiren würde, wenn nicht die Religion den Bo�cn dafür in der Mensch- heil geebnet hätte." Nichtig! die Religion hat den Boden für die Wissenschaft ge- ebnet oder vorbereitet; aber der Schluß ist falsch, daß sie deshalb axch mit dem Meilscheiiseiü unbedingt, d. h. für ewige Znknnfi verwachsen sei. Weil das alte Testament unserm Bernstein den Boden für die Wissenschaft geebnet, d.h. weil eS ihm als ABC Buch gedient hat, deshalb ist er Unbedingt, bis in die Haare hinein damit verwachsen, so daß ihm davon ein widerwärtiger Weichselzopf stets hinten hängt. Nun schließt er von seinem Ber- bältniß mit dem alten Testament auf das Berhältniß. zwischen Religion und Menschheit. Die Antireligiösen leugnen nicht, daß die Religion den Boden für die Wissenschaft geebnet hat, erkeniien aber wohl, daß damit ihre Rolle ausgespielt ist. „Gesetzt aber auch, daß die Summe aller Tugenden und Ent- sagungen, welche die Religion dem Menschen ohne"jede Wissenschaft- licke Begründung als Psiichtgcbot auferlegt, nicht nöthig wäre zur Gründung und Pflege der Wissenschaft, gesetzt, der Menschengeist wäre so geartet, daß er nach wisscnschaftticher Erkenntniß streben könnte, ohne die Grundlagen sittlicher Eigenthümlichkeiten, welche das Wesen der Religion ausmachen, gesetzt, es würde uns dann freie Wahl gelassen, ein Menschengeschlecht neu zu erziehen, ent- weder nur in der Erkenntniß dessen, waS sich wissenschaftlich be- weisen läßt, oder nur in der Neigung z» alledem, was Religion ohne jeden wissenschaftlichen BelveiS zur Lebensregel erhebt, gesetzt, es stände der Menschheit die Wahl zwischen beid?» Formen der Entwicklung frei, so würden wir, bei aller Liebe zur Wissenschast, .,...... doch mit-Grausen und Entsetzen die nur wissenschaftliche Er- nichts mehr uu europäischen Eoncert gelten und namentlich nebc» ziehnngSm.'thode von uns abweisen. Ohne Menschenliebe, ohne Lassen wir Bernstein davon reden: „Und die Wissenschaft!.? „Wer sie treu und wahrhaft liebt, dem wollen wir eine kleine, ganz kleine Aufgabe(!) der Wissenschaft zeigen, deren Lösung wahrhaftig Ersprießlicheres fordern kann, als der tendenziöse Schwindel in vorläufig noch sehr unlösbaren Problemen." Zu diesen unlösbaren Problemen gehört ihm namentlich die Religion. Da er aber„für die Zieligion im eigentlichen Sinne", wie sie der Pastor lehrt, zu„gebildet" ist, und dennoch für Re- ligion streiten muß, verwechselt der politische Heuchler sie klüglich mit der„Grundlage sittlicher- EigeatlsiimUchkeilen". Aus dieser Grundlage macht er dann„Trieb zum Nachdenken über den Ur- sprung der Dinge*)— Menschenliebe— Wahrheitsliebe— Drang, seine Erkenntniß zu erweitern und den stiebeumenschen zu be- lehren n. s. w. u. s. w., alles Dränge, die wie der Drang des Mast- darmS dem antireligiösen ebensoviel eigen sind, wie dem religiösen Menschen, die mit der Religion„im eigentlichen Sinne" absolut nichts zu thun haben. Wenn Bernstein meine Entrüstung über seine und seines Gelichters unsittliche Zweideutigkeit zu den„sitt- liehen Eigenthümlichkeiten" zähle» wollte, würde er daran schon den Beweis haben, daß die moralische Grundlage mit der Religion, die ich längst ablegte, durchaus nicht zu konftindiren ist. ?lber nicht nur seicht, auch boshaft ist der Patron. Klar genug deutet er in dem angeführten Passus an, daß Menschen, die nur wissenschaftlich, also religionslos erzogen, auch deshalb„ohne Pie..schenliebe, unbarmherzige Veruichter" oder Würger sind. Eine Kleinigkeit hat er dabei übersehen: Die nur wissenschaftliche Er- zichungsmethode läßt sich nur auf Menschen mit Fleisch und Bein anwenden, wo also Menschenliebe und andere„sittlichen Eigen- thnmlichkeiten" nolous volens gegeben sind, deshalb denn auch die religionslose Schule keine unmenschliche, würgende Wirkung haben kann. „Ist vielleicht die Wissenschaft so weit, daß sie ans Grund nn- bestreitbarer Axiome zu beweisen im Stande ist, daß der Mensch den Menschen lieben müsse?" An solcher Frage läßt sich die philosophische Bildung eines Bernstein ermessen. Wie kann er einer Sache zumuthen, waö ganz und gar nicht ihres Wesens ist. Das heißt dem Schmied das Schnhsiicken auftragen. Ist vielleicht die Wywn.schaft so weit, beweisen zu können, daß Feuer brennen oder Wasser n�jen müsse? dem neuen deutschen Reich gar nicht in Betracht kommen könnten. Der wirkliche Sachverhalt ist aber ein ganz anderer. DaS spanische Amerika hat z. B. eine Bevölkerung von nahezu 30 Millionen, das portugiesische von Ii Millionen' und deren Handel und Reich- und obendrein das so nahgelegene mehrere tausend Quadratmeilen umsaffende Algerien. Bon den reichen Hilfsquellen des spanischen Amerikas und Australiens ist es überflüssig zu sprechen, ebenso, )0> as L'i tl « eil' ;ii< b< tj grenioii von Produkten versorgen. Es ist also im Wicderspnich Mit iUlen thatsächlichen und allgemem bekannten Verhältnissen, wenn die deutschen Journale die sterolype Phräse von den„ganz- lich" verkommenen romanischen Rayen fortwährend vom Stapel lassen. Man will wol Sicherheit wiegen. nicht im entferntesten Q /«•,.„''/ 1 V".-vvjv.* 1 v-TUtC JU/ÜU Ulli(VUIJCI.„ Vi/tuuviviyv.|11 Lothringen doch bald wieder.zuin Krieg kommen sollte? Man will Religion haben, selbst ohne Glaube» an den Gott Bater. den ot dtn uiijidU Oettuug verschaffen, daß es ebenso„genial" und Zohn, oder den heiligen Geist? Ich bitte das„Organ für Jüder- und UliaCTäbrlicb Nt. ben Wlöifi in annpftimi. als....... v,..... crr>........ Ehrfurcht vor dem geheimnißvolleu Ursprung rer Dinge, ohne Gewissen würde auch das schärfste Wissen den Scharf,"innigsteil der Menschen nur zum unbarmherzigsten Veruichter aller anderen machen. „Oder ist es nicht so?" Nein, lieber gutester Bernstein, so ist eS nicht. Aber wer hat Sie gelehrt, derart mixecl yikles zu präpariren? Wie kommen Sie zu dieser russischen Manier, eingemachte Kirschen, Sauerkraut und Lebkuchen untereinander zu mengen. Menschen- liebe— Ehrfurcht vor dem geheimnißvollen Ursprnng der Dinge— — Sauerkraut— Lebkuchen.— und aufhören? man. Fachleute zu Rath ziehen. Was wird nun der Herr Pastor sagen, wenn Bernstein die„Grund- läge sittlicher Eigenthiimlichkeiten" für das Wesen der Religion ansgiebt. Glaubt er wirklich, daß Derjenige, der Vater und Mutter ehrt, der Fraß niid Völlerei meidet, der pflichtmäßig für alle Kinder sorgt, die er in die Welt setzt, der sein Weibchen und das Gegebene zu systematisiren. Wir haben die Menschenliebe nicht von der Religion und nicht von der Wissenschaft. Was Religion iilid Wissenschaft davon haben, ist der Menschen natnr abgesehen. Doch wollen wir nnS hier nicht herbeilassen, einem Bernstein das Wesen der Wissenschaft, das Erienntnißvermögen zu erklären. Der gelehrte Herr mag viel verstehen, aber das Instrument des Perstehens, der Verstand selbst ist, wie der Ursprung der Dinge, ihm unverständlich. Den bedürftigen Leser erlaube ich mir deshalb auf mein„Wesen der menschlichen Kopfarbeit, eine aber- malige Kritik der reinen und praktischen Vernun Hamburg, Otlo Meißner, zu-verweisen. I. Dictzgcn. Gewertsgettossenschaftliches. .2»!kriiatl0llnie Gewerkschaft der Maurer und Zimmerer. Dresden. Wiederum hat«in Jahr geendet, jedoch der Kampf um'S Dasein endet nicht. Wenn wir auf das verflossene Jahr zurückblicken und die Errungenschaften unserer Gewerkschaft im ver- slossenen Jahr aufzählen, so niüsscil wir uns sagen„sie sind zu messen mit der Stärke unserer Gewerksgeuosscnschaft." Jedoch wollen wir uns damit nicht begnügen, sondern arbeiten wir rüstig weiter; ftichen wir alle Kräfte zusammen zu raffen nm uns noch mehr zu befestigen, um unö zu verbreiten und zwar derart, daß eS keine Stadt in und außer Deutschland gibt, welche nicht mit uns verbunden ist, denn vereinzelt sinv wir nichts, im großen r""flch-tyrhch sst, den Elsaß zu annckliren, als Nord-Schleswig mann aus dem Volke" den Sprachgebrauch zu achten. Wenn es Ganzen sind wir alles. Darum Berufsgenossen, sorge jeder dafür, rzv�.D.i1. U Frankreich nicht viel mehr zu fürchten sei ats�fttzt das moralische Interesse der Menscben Religion nennt, wird daß wir daS Ziel rasch erreichen. Die noch restireudeii Mitgliedschaften werden ersticht, Abrechnug ......« j., tcn sijorort einzuschicken. Bei nicht werden die rcstirenden Mitgliedschaften im Dänemark!— et...... icS dem Runden nächstens den Namen eckia gel-cn und mit solcher noco reiiirenocu u, 8!.s?n! u mackst letzt der kolo„ale Erfolg der französifch-n Anleihe Tcbarfssnnizkeit die Quadratur des Zirkels finden.— Der Herr bis zum Jahresschluß an g-.g eu" ulspirirten Skribenten einen strich durch Pastor und die ganze unverdrehte Welt versteht unter Religio» baldiger Erfüllung werde die Rechnuna und W»i.rAe«nr.->»»!, ,«7 sT.J__ ku..,.......... sU.-.ti... m.L-_____'.....•.••1.....: i.- � � � u.il' mc yaii-jt u-icti m-i/tt U'Ct fltl) 1 Uillcl üalUU�tl. viljulluU'Z fit ll jj. ju'tynung und die Furckt vor kommenden Ereignissen gewinnt den Glauben an einen persönliiben vernnnftbegabten lebendigen„VolkSstaal" veröffentlicht werden. Mit Gruß ii) neuen aj* /rt.ij..____ m, i.•*. /rx.r.... r.• �«• �' r~ � -j � YVk............—'...... tu Uli tlliCil t j i.'tlllUil|lUCi�apiCU Tugucy Neueng roden.— Mau weg; sich umringt von feindlichen Gott, der die Natur und ihry Gesetze frei beherrscht.„Die Grund- �iementen, /lanen, Schweden, Polen, im Norden und Osten, im lagen sittlicher Sigenthümlichkeitei,". d'e mir Antichristen dem * ro r-»» O. Z'vs'lelhafte Freundschaft, die der„Stoß- uiS Menf-ben angehefiet finden, wie dem Körper die S-bwere, verlegt �rz"-PoIlltk nicht unelngedenk seinkann,»nd nun gar imWesten basidie Religion, wie überhaupt die llr-macherei in den Allmacher. eur vicvanche�rustende Frankreich! Und dabei nicht einen Alliirten ER scbilf Physik und Moral. Insofern hängt die Sittlichkeit „Stoß- ins �Menschen angeheftet finden, wie dem Körper die Schwere, verlegt �-'Knbasldie Religion, wie überhaupt die Ur-macherei in den Allmacher. fi„...lliirten ER schuf Physik und Moral. Insofern hängt die Sittlichkeit außer etwa Rnßland, deyeu Hilfe dem uenen Reiche eben keine' allerdings mit der Religion zusammen. Nun aber sie zu ihrem f,«?CU N'nrde, und selbst darauf wäre nur zu rechnen, Wesen, die Accidenz zur Substanz zu machen, ist ein Taschen- in lange Alexander II. lebt. spielerstückchen, daö ganz in den Krani des nationalliberalen Fort- Ernst Knopf, Vorsitzender. Palmstraße 55 im Desiillationsgeschäft. Anirrnntionnic Cemtr�schast der Achuhmacher. Dresden, 14. Jailiiar. Nachdem unser seitheriger Kassirer ') Nachdenken Über ein„milösbarcs Problem" ist ihm also glitt« l-cher Trieb. Muß uns dabei nicht der göttliche Sauhirt einfallen? terr Stengel sein Amt freiwillig niedergelegt, ist Herr Karl wollen die Arbeiter auS ihrer nnterdrnckten Stellung befreien und reifche an dessen Stelle gewählt worden, und sind von jetzt ab ihnen den Ertrag ihrer Arbeit sichern, sie also, wie das bisher alle Geldsendungen zu addressiren an Herrn Karl Kreische, noch nie geschehen ist, vor den kapitalistischen Theilern bewahren. Rähnitzgasse Nr. 26 im Hof 3 Treppen, und bitten wir„Tie Arbeit," so sagt der„E�zebirgische Volksfreund" selbst,„ist genau davon Notiz zu nehmen. Sodann mögen sich die Kollegen die Bedingung des Bestehens.— Bei einer Vertheilunz ohne Ruck- allerorts Folgendes zu Herzen zu nehmen. Unsere Freunde in-ficht auf die verschiedene Arbeit wäre der Thätige und Sparsame Stuttgart, welche, wie gewöhnlich, durch daö lieblose Entgegentreten in die trostlose Nothwendigkeit versetzt, sich für die Müßiggänger der Arbeitgeber zum Strike gezwungen wurden, haben durch die und Trunkenbolde zu opfern."— Sehr wohl, das ist ja gerade Wankelmüthigkcit und durch das taktlose Verhalten dortiger Mit- der Krebsschaden der heutigen Gesellschaft. Wenn sich ein Arbeiter kollegen, sowie durch das Hinzudrängen gedankenloser Gehilfen von von Morgens früh bis Abends spät abrackert, so hat er doch nur- Außen, im Ganzen gerechnet durch den Strike wenig oder gar nichts um' des Lebens Rolhdurst kärglich zu befriedigen. Woher kommt erzielt. Nimmt man hinzu, das gehässige und rohe Betragen einiger dortiger Arbeitgeber, wie Nr. 8l und 86 deö„Volksstaat" zeigt, so muß sich jeder Gehilfe, dem das Gefühl der Solidarität inne- wohnt, sagen, daß unier den Verhältnissen, wie sie heute in Stutt- gart epistiren, der Zuzug nach dort so lange fern zu halten ist, bis die Stuttgarter Mecster durch Mangel an Arbeitern gezwungen sind, ihren Pstichten nachzukommen, und unsere Kollegen, die dortigen Gehilfen, zu ihrem Rechte gelangt sind. Also Schuhmacher, nicht nach Stuttgart. Ferner ward uns die Mittheilung, daß der frühere Bevoll- mächtigte in Schweinfurt, Raimund Leix von dort verschwunden und durchgebrannt ist. Wir können»nr achtbare Leute in unfern Reihen gebrauchen und machen die Mitgliedschaften deßhalb darauf aufmerksam. Gelder gingen ein: Leipzig 2 Thlr. 1 Ngr.— Pf., Erfurt 3 Thlr. 2 Ngr. 5 Pf., in Offenbach ist Bevollmächtigter Heinrich Schäfer, Gasthaus zum Lindc.nbaum in der Sandgasse. Gotha ist als Mitgliedschaft angemeldet. Mit Brndergruß für den Verwaltungsrath: H. Zilger. das?— Kapitalistische Müßiggänger und Ausbeuter, oft auch Trunkenbolde, ziehen einen großen Theil des Ertrags der Arbeit, indem sie die Arbeitskraft für einen Hungerlohn kaufen, an sich, das heißt, sie zwingen den Arbeiter durch die„Ordnung" der heutigen Lohnsklaverel-Geselljchaft, mit ihnen die Arbeitsprodukie zu„theilen". Daß dieser„Kommunismus", wobei der Arbeiter seines Lebens nie froh wird, dem Arbeiterstand nicht gefällt, ist er- klärlich. Wenn der„Erzgebirgische Volksfreund" feine Kommunisten auch die Fabriken in Stücke zertheilen, also die modernen Pro- Corr'espondenzen. duktionSmittel zerstören läßt, so ist das Sache seiner Phantasie oder — Bosheit; die wirklichen Kommunisten sind Kenner der Volks- Kalberstadt, 13. Jan. Es bestehen neben einander in Hal- berstadt eine Mitgliedschaft des Allgemeinen deutschen Arbeuer- Vereins und eine desgleichen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Beide bekämpften und verdächtigten sich beständig, bis in letzter Zeit Stimmen laut wurden, welche den Wunsch äußerten, den Streit unter Arbeitern einzustellen und gemeinsam zu wirken, Haupt- sächlich bei der Reichstagswahl. Zu dem Zwecke der Vereinigung fand am 5. dieses Monats in der Eentral-Halle eine von Herrn Naters, im Auftrage beider Mitgliedschaften, einberufene zahl- reich besuchte Versammlung statt, welche, nachdem von beiden Seiten das Thema gehörig besprochen war, nachfolgende Resolution ein- stimmig annahm, mit dem Wunsche, Bericht und Resolution in beiden Parteiorganen zu veröffentlichen. Resolution:„Die heutige Versammlung der hiesigen Sozialdemokraten beschließt, vom heu- tigen Tage ab alle Parteislreitigkeiten fallen zu lassen, gcmeinschaft- lich für die Vereinigung, und Aufklärung aller Arbeiter zu wirken, und bei der ReichStagswahl für den von der Majorität anfge- stellten Kandidaten zu stimmen, zu Nutz und Frommen der ge- sammten Arbeiterwelt." Von brüderlichem Geiste beseelt, trennte sich die Versammlung unter dem Gesänge der Arbeiter-Marsellaise Zu wünschen ist, daß auch in anderen Städten Deutschlands dce Parteigenossen unserem Beispiele folgen niöchten. G. Lampe, Mitglied des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins. Hberstirchen. Nachdem das Bergamt die Kohlenpreisc seit dem 2. Januar abermals um 1>/> Sgr. pro Scheffel erhöht hat, ohne gleichzeitig das Arbeitslohn der Bergleute aufzubessern, hat die Mehrzahl derselben sofort die Arbeit angestellt, und wird die kaum beseitigte Kohlennoth aufs Neue für die ganze Gegend sich empfindlich geltend machen. Wien. Nachdem die österreichische Polizei kurz hintereinander verschiedene Fachvereine, namentlich der Buchdrucker und Schrift- gießer aufgelöst, ist jetzt auch und zwar am Schlüsse des alten Jahres, der Wiener Manufakturarbeiter-Verein ausgelöst worden. Nach dem offiziellen Utas der Wiener Polizei, welchen der„Volkswille" mitthalt, erfolgte die Auflösung, weil der ge- nannte Verein die Arbeitseinstellung der Ptanufakturarbeiter in Brüsau unterstützt hat. Und da wundern sich unsere Staats- lenker, wenn dem so maltraitirten Arbeiter die Geduld zu reißen droht und er Lust verspürt, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben. „Wer Wind säet, wird Sturm ernten", daö mag sich die Polizei in Oestrcich und anderwärts merken. jSenshbim a. d. Bcrgstr., 9. Januar. Bei einer Delegirtcn- Versammlung in Darmstadt erfuhren wir von Müller aus Offen- dach, daß die unsererseits längst niedergeschlagen geglaubte Unter- suchung gegen Frohme fortdanre und daß es demselben an den nölhigen Zeugen mangle. Ich schrieb an den Sekretär Derossi, da mir dies der kürzeste und sicherste Weg zu sein schien und schlug demselben 6 Zeugen vor, die ich mir in Lorsch verschafft hatte. Frohme war inzwischen nach Lorsch transportirt worden und die Darmstädter Parteigenossen hatten sich bereits wegen eines Vertheidigers umgethan. Dem Ausschuß hatte ich auch ge- legentlich über Frohme's Untersuchungshaft berichtet, und schrieb mir der Sekretär Äsorck unter Anderem zurück:„Was Frohme anbelangt, so möchte ich Ihnen empfehlen, zu thun, was in Ihren Kräften steht, um ein günstiges Urtheil herbeizuführen. Es kann hierbei nicht ins Gewicht fallen, ob Frohme zu uns oder zum Allgemeinen deutschen Arbeiterverein steht." Zwei Tage später wurde mir von Lorsch telegraphirt, Frohme ist frei, heute Abend Versammlung. Wir waren Mehrere von hier bei der betreffenden Versammlung, ich habe mit Frohme mancherlei über'Parteiange- legenheiten und seine Untersuchung gesprochen: es kam dabei auch seinerseits auf die seiner Zeit im„Volksstaat" gegen ihn gerichteten Artikel die Sprache, aber von den in Nr. 3 des„Neuen Sozialdemokrat erwähnten Nummer des„Volksfreund" hat er auch auffallender Weise nicht eine Silbe ge- sprochen. A. Müller. Lößnitz, 16. Januar. ES gibt nichts NeueS unter der Sonne, sagt das Sprichwort, und doch— der Redakteur unseres„Erz- gebirgischen Volksfreund" setzt allwöchentlich neues Geschreibsel gegen die Sozialdemokratie in die Welt. Die Kinder seiner Muse werden aus Unkenntniß, Bosheit und Entstellung zusamniengesetzt, und sind natürlich auch danach. Neuerdings veröffentlichte er eins seiner Geisteserzeugnisse unler der Auffchrift:„Das Eigenthum als Grundlage des allgemeinen Wohlseins". In diesem Artikel hatte er sich die Aufgabe gestellt, das„Wesen des rothen Kommunismus" zu zergliedern, dabei passirte es ihm denn, daß er sich den„Kom- munismus" nach Belieben zurecht legte, um ihm alsdann seine Nadelstiche besser versetzen zu können. Er schafft sich in der Phan- taste eine neue Klasse von„Theilern", und diese Klasse ist nach ihm die Sozialdemokratie, von deren Programm dem guten Mann keine Silbe bekanut zu sein scheint.„Theilen" und„nichtsthun" sind die beiden Eigenschaften, welche der„Erzgebirgische Volks- freund" an„seinen." Kommunisten entdeckt hat. Die ihm fremden zevcch wirklichen Konimunisten erheben die Arbeit zur Herrschaft- wirthschaftslehre und lächeln mitleidig über die Ausgeburt, womit sich unser„Erzgebirgischer" zun, Ergötzen seiner Leser herumbalgt. Na, unsere Gegner mögen sich über einen solchen Vertreter ihrer Gesellschaftsordnung trösten, es gibt ihrer noch schlechtere. Zlew■ �fork, 7. Jan. Indem ich an Sie diesen Brief richte, spreche ich gleichzeitig den Wunsch auS, denselben im„Volks- ftaat" zur Vaöffeiitlichuug zu bringen. In der Eldridge Street in New-'Zork sieht man an einem der rothen Backsteinhäuser in großen Buchstaben die Worte:„Zur Arbciterhalle". Das Hauö hat schöne möblirte Zimmer, einen großen Saal und einen an- sehnlichen Raum zur Aufnahme von Gästen, die ihren müden Leib erquicken wollen. Die„Arbeiterhalle" ist ein Gasthof, ein sogenanntes Boarding- oder Äosthaus, in welchen, der deutsche Arbeiter seine Landsleute findet und für ein Billiges wohnen und essen kann. Es ist aber nicht meine Absicht, Ihnen von dem Gast- haäs als solchem zu erzählen, sondern von der Gesinnung, die mit den Bewohnern in dem Hause wohnt, und die ich, selbst ein In- sasse und Arbeiter, genau kenne.— Als ich mein Vaterland vcr- ließ, da wußte ich nicht allzuviel vom Sozialismus. Ich nahm. hier angelangt, bei Flrner, 94 Eldridge Street, Logis und Kost und fand in dem Wirth der Arbeiterhalle einen Sozialisten von echter Art, einen ganwn Mann, wie er sein soll. Es wird da viel und eingehend über den Sozialismus gesprochen, und das Resultat dieser Diskussionen eu fawille ist, daß meine deutschen Landsleute und Mitbewohner fast ohne Ausnahme asiige Anhänger der internationalen Arbeiter-Assoziation sind. Und auch ich, auf- geklärt über die Lage der Arbeiter, schloß mich aus voller Seele einer Sektion der Internationalen an. Bei Firncr finden gegenwärtig allwöchentliche Vorlesungen oder Vorträge statt, welche geeignet sind, den Arbeiter auf den rechten Weg zu fuhren, damit er ein brauchbarer Mitkämpfer werde bei der Lösung der großen Aufgabe, seinen Gesinnungs- brüdern und sich selbst zum Wohl und zum Heil. Unverkennbar hat hier die Internationale einen fruchtbaren Boden gewonnen, der nicht durch jene bezahlten Agitatoren für andere Richtungen unterminirt werden wird. Den einwandernden Parteigenossen aber empfehle ich, sich an den Generalsekretär der internationalen Arbeiterassoziation F. A. Sorge, box 101, Ho- boken, M. I. zu wenden. O. Schmidt, Brickleger oder: Maurer, Mitglied der 6. Sektion. An die Partecblätter richte ich die Bitte, diesen Brief zum Abdruck zu bringen. Nun, so geh zu den Palästen, Wandle zu den Reichen hin; die Hunde und Lakaien mästen, Denken auch wohl an's Genie? Mußt in Lob Dich uur ergießen Und nicht sparen Schmeicheleien, Als Mäceen sie begrüßen Und nur fleißig Weihrauch streu'n. Mußt Dich krümmen und Dich bücken Vor des Edlen Angesicht, O, dann muß es Dir ja glücken, Daß er Hilfe— Dir verspricht. Mußt indeß nur nicht verhungern Bis Dir Hilfe kommt herzu Mußt nur warten, mußt nur lungern, Armer, dunimer Teufel Du! Brieskastcu: der Expedition: Bbgler in Wcrdau 4. Qu. 8 1'fc — Falk in Äcln 4. Qu. 20 Thlr.— Dr. Bolkclt in Biala 1 Qu. Thlr. 4 Gr.— D' Bcrnardo in Colosano 1. und 2. Qu. 2 Tblr., st Schriften 2 6 3, Barowsky in Eiscnach für Schriften 1 15.— W-ndist in Oschatz 4. Qu. 13 Gr.— Altona. Anzeigen 2c. Sozialdemokratischer Arbeiterderciu. Donnerstag, den 23. Januar d. I. grschlosiene Mi gliederversammlung Tagesordnung: Die Einigung der beiden sozialdemokratischen Frck tioncn. Referent Th. Iorck au« Hamburg. Versammlungslokal Schu! machcr-AmthauS, gr. Bergstraße. Beginn der Versammlung 9 Uhr. J Der VorstandL Augsburg. �...«... u----- u«""«»mugiieotr werden ersucht, btS«o»� tag, den 26. Januar ihre Quittungsbücher im Vereinslokal„Zum Schwfl«' am oberen Graben abzugeben; was im Interesse der Koiiirolle für ko» mcnde Generalversammlung unbedingt uothwendig ist. Ter Ausschuß, i Montags den 27. Januar Versammlung der. � Alt gliedern der sosialdemokratischc'n" Ar'battrpättei Schleching er, oberen Graben. Tagesordnung: 1) Sozialpolitischer Monatsbericht. 2) Parteia»� legenheiten. Pünktlichem Erscheinen aller Mitglieder sieht entgegen I. EnlreS IHTrÄInil 3 Sozialdemokratische Arbeiterpartei. 1 'VJlVvlUU. Sonntaa. den 26. d. M. a iifut P Sonntag, den 26. d. M. Nachmittag von 6 Ilbr gesellige Zusammenkunst mit Tomen im Saale des Hotels zur„Nora' Grünedaumbrücke 1 Treppe. Die Parteigenossen mit ihren Frauen, sowie die Mitglieder des& sangvereins ladet zu recht zahlreicher Bciheiligung freundlichst ein Gäste haben Zutritt. H. Ochme�, di si' de di F> UI de Preis 48 kr. füdd. 5 Groschen prenß. billiger. 25 kr. österr. In Partien I es (6b)' I S Soeben erschien: Es werde Licht. Poesieen von Leopold Aacoöy. Zweite Auflage. Ladenpreis für das Einzelexemplar 15 Sgr. Bei 12 Exemplars wird für diese Auflage der Verkaufspreis aus 5 Sgr. pro Exemplar ermäßigt. K. K. Hkiven, Berlin, Louisenstraße 45. O he S sa: G st- an bl ■Hei ich mi ab GenossenschastSbuchdruckerei. Antheilscheine bez. Antheilquittungi- � erhielten ferner in Leipzig: W. G. Thlr. 20, A. Th. 1, A. G. 1, Haw zw nover E. St. 1, F. A. 1, R. E. 1, A. L. 2, F. W. 1, Z. 1, I. Z. 1 T A. R. in T. 10. in Gera E. B. 10. in Witten C. W. 1. Th. I. 1.& ,K B. ii F. T. 1, H. B. 1, Arbeiterbildungsverein 1, in Miinchenbernsdor E. R. 4. H ad lich, Kässirer Zur gef. Notiz. Die dritte Ailsiage des „'Dolksstaatkatender ist erschienen und zum Preise von 3 Ngr. Ttcmpelsteuer zu beziehen von der Bnchhandlnng des„Bolkßstaat." ftii sie ercl. Telegraphische Depeschen. Glauchau, 20. Zanuar. Wahlresultat. Bebe 2179, Pcholdt 1077 Stimmen. Hoch die Sozialden»l kratic! M S Pi be Zu po Zu Uli all L- Glauchau.(2. Telegramm.) Majorität bis jchk 1920. Schluß morgen. Betts *) Dieses Gedicht drucken w!r nflr aus dem Grunde ab, um zu zeigen, wie sich„die Zeiten ändern und mit thnen die Zeit— ungcn." Besagte« Gedicht, herrührend von Lina Simonion, stand nämlich im„Mainzer Anzeiger" Scr. 18(Jan. 1869). Red. d.„Volksstaat." M e e r a n e, 20. Januar. 8 Uhr Abends. Beb- 2750, Petzoldt 020 Stimmen. Sieg glänzend! Jub«' unermeßlich! Hoch Bebel! Hoch die Sozialdemokratie! Leipzig: Berantw. Redakteur R. Seifferl.(Redaklion und Expediti« Hohestr. 4). Druck und Verlag der GenossenschaftSbuchdrockerci.� gel ko> G ru du gr g- G wi g- üb