Erscheint wöchentlich 2 Mal m Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- langen de« In« und Au«- lande« an. Für Leipzig nehmen Be- l stellungen an: fcie Expedition, Hohcstraße 4. die Genoffenschast«- " WWW» >0» t itotf che« lv rdis uig rtei 5. cip mdi zeä- l -ldi nit> f. eud chfl lUItj ton- L leid iuchdruckcrei, Zeitzerstraße 44. A. Bebel, Peterstraße 13. I. Müller, Bayerschestraße 8b, III. ASonnementspreis: Für Preußen incl. Stempel- steuer 17 Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten 12'/, Sgr. pro Quartal, pro Monat 4>/2 Sgr. Für Leipzig und Umgegend pro Quartal 13 Ngr. Filialexpeditionen für die Ver» einigten Staaten: F. A. Sorge, Loi 101 Uoboken, N. J. Tia Newyork. G. A. Lonnecker, 155 W. Lake Chicago(Dl.) Organder sozialdemolratischenArveUerparteiund der wternationalenGetverksgenossenschasten. Nr. 9. Mittwoch, 20. Januar. 1873. An die Parteigenossen im 17. sächsischen Wahlkreise. Arbeiter, Bürger! Der großartige Triumph, �den Ihr durch Euren am 20. Januar errungenen Wahlsieg der Sozialdemokratie im Allgemeinen und unserer Partei speziell bereitet habt, veranlaßt uns, Euch hierdurch unsere Anerkennung auszusprechen. Wir zollen Euch diese Anerkennung in erster Linie im Namen der sozialdemo- kratischen Arbeiterpartei, der wir Alle angehören, deren Grundsätze zu verbreiten wir uns Alle verpflichtet haben, für die zu kämpfen und zu siegen wir Alle gewillt sind. In zweiter Linie gebührt Euch Anerkennung Namens unserö Jnhaftirten, dem Manne Eurer Wahl, August Bebel, der nach wie vor seine Pflicht erfüllen wird. Und drittens zollen wir Euch Anerkennung NamenS des ge- sammten Proletariats, im Namen der Armen und Enterbten, die aus Eurem Siege neue Hoffnung geschöpft haben auf den einstigen Sieg unsrer gemeinsamen gerechten Sache, auf den großen Sieg der Sozialdemokratie. der allgemeinen Sache zu opfern und schließlich schmählich im Stich gelasien, verzweiflungSvoll zu Grnnde gegangen ist. Der Undank des Volkes gegen Die, welche für seine Interessen sich geopfert, ist sprichwörtlich geworden; Sache der Sozialdemokraten ist es, zu be- weisen, daß das Sprichwort falsch ist. Wer ehrlich für uns kämpft soll sicher auf unfern Dank und unsere Unterstützung rechnen können. Daß die im Dienste der Partei stehenden Kräfte auch wirklich der Partei dienen und ihr Ehre machen, darüber hat jeder Einzelne das Recht und die Pflicht zu wachen. Die mit der Agitation betrauten Persönlichkeiten können aber noch iu anderer Weise der Partei sich nützlich erweisen. Da sie Dag für Tag nicht Versammlungen abhalten können— das würde den stärksten Menschen in kürzester Frist ruiniren— können sie, in Arbeiterbezirken wohnend, zugleich eine Filiale des„Volksstaat" und die Schriftenkolportage übernehmen. Für beides finden sie genügenden Absatz und darin zugleich eine Quelle des Verdienstes. Dann aber müssen sie auch durch den Ausschuß verpflichtet werden, so oft als möglich Berichte über die Arbeiterverhältnisse ihres Be- Hoch die Sozialdemokratie! Hoch die Arbeiterpartei und deren zirks im„Volksstaat" zu veröffentlichen. ! ds :ta iL M huh' Ar am et- erwählter Vertreter. Hamburg, den 25. Januar 1873. Der Ausschuß der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. E. Prey, Vorsitzender. Th. Horck, Sekretär. czr ich eet Die Organisation und Agitation unserer Partei. ii. Zur Unterstützung der Agitation in die weitere Umgebung eines Orteö sollen sich die nächstgelegenen Orte, in denen Parteimitglieder sind, die Hände reichen. Häufiges Zusammentreffen der Genossen nahegelegener Orte stärkt den Muth für den Kampf und pflegt den brüderlichen Sinn. Der Austausch der Meinungen und gegen- seitigen Erfahrungen schärft den Verstand und vermehrt die Ans- ficht auf den Erfolg. Einen bequemen Maßstab für den Erfolg bieten z. B. die nächstjährigen ReichstagSwahlen. Sie sind ge- wissermaßen der Gradmesser für die Stärke der Partei, so weit dies bei der Bcschränknüg des Wahlrechts auf alle über 25 Jahre alten Staatsbürger überhaupt möglich ist. Die Wahlbezirk-Ein- Die für die Agitation bestimmten Kräfte müssen sich aber auch ihre Fortbildung angelegen sein lassen, ebenso sollen sie beständig von Allem was in der Partei vorgeht unterrichtet sein. Zu diesem BeHufe ist die Partei verpflichtet, auf ihre Kosten jedem Agitator je ein Exemplar der erschienenen sozialdemokratischen Schriften zu- zustellen; jede neue Parteischrift muß er ebenfalls erhalten. Ebenso muß ihm von sämmtlichen Parteiblättern 1 Exemplar zugängig ge- macht werden. Für beides hat der Ausschuß Sorge zu tragen, indem er den Expeditionen der Parteiorgane mitzutheilen hat, an welche Adressen Schriften einzusenden und Exemplare einzuzahlen sind. Die Kosten trägt die Partcikasse. Wird in dieser systematischen und gründlichen Weise von Seiten der Partei bei der Agitation und Organisation verfahren, dann können die Erfolge nicht ausbleiben. Die Mitgliederzahl wird rasch zunehmen, mit ihr das Wachsthum der Steuerkraft, das Abonnement auf die Parteiorgane; neue Hilfsmittel werden da- durch für die immer weitere Ausdehnung der Partei gewonnen, sie wird progressiv wachsen. Aber ein solches Resultat ist nur möglich, wenn Jeder, wohl- gemerkt, Jeder in der Partei, seine volle Schuldigkeit thut. Der wesentlichste Faktor für die Erweiterung der Agitation, die Befestigung der Parteiorganisation, ist die Partcipresse. Wir verlangen deshalb dringend, daß die gesammten Lokalorgane theilung bildet auch in der Regel einen bequemen Boden für die Agitation. Mögen das die Parteigenossen nicht übersehen, aber in ein innigeres Verhältnis; zur Parteiorganisation und zur Parten auch nicht vergessen, daß die Agitation nicht blos wegen der Wahlen, leitung gebracht werden. Die Lokalorgane müssen nicht nur der sondern zur Ausbreitung und Besestigung der Partei überhaupt Kontrole der Parteileitung im allgemeinen unterworfen sein, sie dienen soll.� Sind in möglichst vielen Orten eines Wahlbezirks müssen namentlich auch sich für verpflichtet halten: 1) alle Aufrufe Parteimitgliedschaften gebildet, und seien sie noch so schwach, die und Bekanntmachungen des Parteiausschnsses, wie der Parteibehörden Wfirteiorcicme aenüaenb verbreitet, bamt ist ein firfWf»r Parteiorgane genügend verbreitet, dann ist ein sicherer Boden vor Händen, auf dem sich mit Aussicht auf Erfolg operiren läßt. Eine überhaupt, soweit sie die allgemeine» Parteiverhältnisse betreffen, an ihrer Spitze zum Abdruck zu bringen. Sie sollen 2) ganz be- solche Organisation erleichtert in pekuniärer Hinsicht den Kampf sonders die Veröffentlichungen des Ausschusses über die pünktliche in der Wahlkampagne ungemein. Die Parteigenossen, die ent- i Steuerzahlung der Mitglieder mittheilen und diejenigen Orte, schloffen sind, die uächsten Wahlen auSziimitzen— und das sind welche wcsenllick in dem Bezirk ihres LeserSreiseS sich befinden, zur sie hoffentlich alle— mögen also mit der Parteiorganisation un- verzüglich vorgehen, neue Parteimitgliedschaften gründen und dem Parteiorgane neue Leser schaffen. Aber die Agitation, wie sie jeder Ort ftir seine Umgebung be- treiben soll, genügt nicht, es müssen auch Gegenden und Provinzen erobert werden, in denen die Partei bisher nur geringen Boden gefunden hat. Dies kann nur durch die Agitation tüch- tiger, befähigter Parteigenossen gesckeh Opfer fallen, nur während eines Jahres sammeln, und in eine Man werze einmal einen Blick m die Rechnungen der � Jieku«nanderleg-n- und wenn wir daneben die Leichen n v ü.- � A n sauinttl.cker Soldaten legen, die in sämmtlichen„heiligen" und UN- und Einkünfte dieses Hmn für eine. i ber �cn 20 Jahre getödtet worden sind- Deutsche, Franzosen, Italiener, Dänen, Engländer, Amerikaner— Alle brüderlich im Tode vereint,— so wird die erste Reihe mit Tag sich höher belaufen, als die Spesen eines Arbeiteragitators für acht oder vierzehn Tage. Die Bourgeoisie hat allezeit Die- jenigen, die in ihrem Interesse arbeiteten, sehr gut bezahlt und sie hat deshalb stets zahlreiche und bereitwillige Werkzeuge gefunden. Die Arbeiter dürfen Diejenigen, welche für ihre Interessen Existenz und Gesundheit opfern, jeden Tag mit dem einen Fuße im Ge- fängniß stehen, nicht darben lassen, das ist einfach Pflicht. Jeder, *) Ein Auszug au« der kürzlich erschienenen Broschüre„Wiffen ist Macht— Macht ist Wiffen", Vortrag gehalten zum Stiftungsfest de« Dresdener Arbciterbildungsverein« am 5. Februar 1«72 und zum Stif- ......................., mngssest de« Leipziger Arbeiterbildungsvereins am 24. Februar 1872. der mit den Parteiverhältnisscn einigermaßeii bekannt ist, weiß, von W. Liebknechü Den Parteigenossen empfehlen wir diese Broschüre wie so Mancher sich vom Feuereifer hat hinreißen lassen, fein Alles angelegentlichst. ihren im Bett, nach dem ärztlichen Zeugniß, eines„natürlichen TodeS Gestorbenen weit hinaus reichen über die blutige Reihe der zerfetzten, durchlöcherten, von klaffenden Wunden entstellten Cadaver, die einst Soldaten waren. Und auch an Blut, an Todeswunden und ftirchtbaren Ver- stümmlungen fehlt es nicht auf dem„Schlachtfelde der Industrie". Gehen Sie in die erste beste Industriestadt,— sie sehen sich alle ähnlich wie ein Ei den anderen, ob Englisch, Französisch, Belgisch, Deutsch, beiläufig ein schlagender Beweis für die Albernheit des AmmenmährchenS von den Grundverfchiedenheiten der verschiedenen Nationen!— gehen Sie in die erste beste Jndnstriestadt, und Sie werden, was man sonst nur nach Kriegen zu beobachten pflegt, ehe Sie weit gegangen sind, Männern begegnen, denen ein Bein, ein Ann, eine Hand fehlt, Unglückliche, denen beide Beine fehle», ver- stümmelte Frauen und Kinder.— Frauen uüd Kinder! denn dadurch unterscheidet sich der Moloch des Kapitalismus von dem Moloch des Kriegs: er ist nicht so wählerisch; er beschränkt sich nicht bloß auf daS Fleisch erwachsener Männer in der Blüthe der Jahre— ihm ist Alles recht, das schwache zarte Weib, das hüls- lose Kind, er hat kein Erbarmen, er packt Alles, was die Hand heben, eine Maschine bedienen, eine Kurbel umdrehen kann, und verschlingt eS.-- Die Verstümmelten, die Ihnen in der Industriestadt begegnen, nun, sie haben ein„Unglück" gehabt, einen„unglücklichen Zufall", und zwar meist„durch eigene Schuld"— sie sind einem Maschinen- rad zu nahe gekommen, von einem Zahn, von einen Riemen erfaßt worden und— daS sind die Ucberlebenden. Wie Mancher, wie Manche wird sofort von der Maschine zermalmt und— eine fonnlose Fleischmasse— auS den Rädern hervorgezogen! Und blicken Sic unter die Erde, in den Schacht, aus dem die fleißigen Hände unserer Bergleute die Licht und Wärme spendende Kohle, diesen„schwarzen Diamant", der tansendmal werthvoller und nütz- lichcr ist als der weiße, zu Tag fördern. In England werden nckch amtlicher Statistik Jahr aus Jahr ein gegen Tausend Berg- leute bei ihrer Beschäftigung getödtet, zehnmal so viel ver- wund et. In Deutschland ist die Zahl der Todten nur um ein Drittel kleiner, die Zahl der Verwundeten verhältnißmäßig noch höher. Rechnen Sie dazu die Verluste von Menschenleben und die Verstümmelungen in den Französichen, Amerikanischen, Oestreichischen Kohlenbergwerken, und wir gelangen in diesem Einen Industrie- zweig auf eine Gesammtziffer von mindestens 4000 Menschen, die alljährlich plötzlich und gewaltsam getödtet, und von niiiidestenS 40,000, die mehr oder weniger schwer verwundet, zum Thcil auf Lebenszeit zu Krüppeln gemacht werden! ES gilt schon für eine sehr große, blutige und„ruhmvolle" Schlacht, die eine solche Zahl von Todten und Verwundeten liefert. Und das Grauenhafte ist: mit sehr seltenen Ausnahmen sind diese Schlachtopfcr der Industrie nachweisbar durch liederlichen, gewissenlosen, um das Leben und die Gesundheit des Arbeiters sich nicht kümmernden Geschäftsbetrieb getödtet,— also Todtschlag, selbst nach der juristischen Defini- tion des Worts, jedoch durch den Gebrauch geheiligter, praktisch strafloser Todtschlag, denn die Krähe Staat hütet sich wohl, der Krähe Gesellschaft die Augen auszuhacken. Das zur„Kultur" der heutigen Gesellschaft. Und nun ein Wort über die„Bildung", welche sie dem Arbeiter angedeihen läßt. Von der Schule habe ich schon gesprochen, für welche die Gesell- schaft nur indirekt verantwortlich ist,— aber doch verantwortlich, Staat und Gesellschaft lassen sich nicht trennen, es herrscht mora- tische Solidarität zwischen ihnen. Ich meine die„eivilisatorischen" Wirkungen der heutigen Produktion auf Geist, Gemüth und Körper des Arbeiters. Wohlan: wenn die Bildung das ist, was die edelsten und erleuchtetsten Männer darunter verstanden haben, wenn sie in der harmonischen Entioickelung aller Fähigkeiten besteht, so wirkt die Gesellschaft diesem Bildungsideal diametral entgegen. Sie bildet den Geist wie den Körper auf's Einseitigste auS, entfaltet untergeordnete Fähigkeiten in unnatürlicher Weise, erstickt oder ver- krüppelt die wichtigsten Fähigkeiten. Dank der ArbcitStheilung und der Maschinenarbeit wird die Arbeit immer mehr ent- geistet. Die Arbeitsthcilung, zu deren Lob und Preis uns die Herren Volkswirthschaftler begeisterte Psalmen vorsingen, schränkt den Kreis der körperlichen und geistigen Thätigkeit deS Arbeiters dergestalt ein, daß bloß ein paar Sehnen und Muskeln beschäftigt werden und der Geist völlig brach liegt. Geistige Fähigkeiten aber vertrocknen gleich Muskeln, welche nicht geübt werden. Schon das gewöhnliche Handwerk erzeugt körperliche und geistige Einseitigkeit: daS eine schiefe Schultern, unbeholfenen Gang, daS andere eingedrückte Brust, hohe Schultern— und das Geistige dem Körper- lichcn entsprechend. Auf den ersten Blick kann man sagen: daS ist ein Schuhmacher, das ein Schneider, das ein Schlosser! In weit höherem Grad wird aber diese Einseitigkeit durch die Großindustrie gefördert, welche die Arbeitstheilung auf die Spitze getrieben und die Beschäftigung so vereinfacht hat, daß sie auf wenige, stets monoton sich wiederholende Handgriffe und Bewegungen, ja oft nur auf einen einzigen Handgriff, zurückgeführt ist. Fern ist eS mir, gegen die Theilung der Arbeit eifern zu wollen. Sie erhöht die Produktivität der Arbeit und ist darum ein wescnt- licheS Element menschlichen Fortschritts. Allein in der heutigen Gesellschaft findet die Theilung der Arbeit statt auf Kosten des arbeitenden JndividulimS, und kommt die erhöhte Produktivität der Arbeit nicht der Gesammtheit, am wenigsten den Arbeitern, sondern der die Arbeit ausbcuteuden Minorität zu Gute. Schon Adam Smith hat die Nachtheile, welche die Theilung der Arbeit für den Arbeiter hat, in seinem„Reichthum der Nationen" an- gedeutet, hat zugegeben, daß die Beschränkung des Arbeiters auf eine bestimmte einfache, mechanische Verrichtung ihm in geistiger. und körperlicher Hinsicht nachthcilig ist, ihm ein einseitiges, be- schränftes Wesen giebt. Nicht abschaffen wollen wir die Arbeits- theilung, wohl aber durch Verkürzung der Arbeitszeit, durch Wechsel der Beschäftigung und eine wabrhaft menschliche Erziehung die nachtheiligen Wirkungen der Arbeitstheilung ans das Individuum neutralisiren, ohne ihren vortheilhafteu Wirkungen ans die Pro- duktivität Abbruch zu thun. Der mittelalterliche Arbeiter war in seiner Art ein Künstler, er hatte Muße, Geist und Körper zu üben— er war, vom Standpunkt seiner Zeit aus bcurtheilt, ein ganzer Mann, wohingegen der Arbeiter der modernen Arbeiisthei- lung nur ein halber, nur ein Hundertstel-, ein Tauscndstel-Mann ist— oder doch wäre, wenn die Mannhaftigkeit in ihm sich nicht aufbäumte gegen die Mißhandlung seiner menschlichen Natur, und ihm nicht die Waffen in die Hand drückte, mit der er sich das Recht erkämpfen wird, Mensch zu sein. Fehlt es etwa an den Mitteln, jedem Menschen ein menschen- würdiges Dasein zu sichern? Mit Nichten! Der gesellschaftliche gleich- thum in den Kulturländern ist schon jetzt so groß, daß für die leibliche und geistige Wohlfahrt aller Mitglieder der Gesellschaft ohne Aus- nähme ausreichend gesorgt werden kann. Das ist kein phantastischer Traum— die Produktivität der Arbeit ist schon jetzt so groß, daß es nur einer vernünftigen, sozialen Organisation bedarf, um Elend und Unwissenheit auszurotten. Rechnete doch bereits im Jahre 1827 Robert Owen aus, daß England, Dank der von der Wiüenschaft ausgebeuteten Industrie, vermittelst der Maschinen so viel produzire, „als ob es, bestünde die Maschinenarbeit nicht, neben seiner wirk- lichen Arbeiterbevölkerung noch vierhundert Millionen Arbeiter zählte— oder als ob für jeden englischen Arbeiter achtzig Sklaven von Morgens bis Abends arbeiteten, ohne Nahrung und Kleidung zu heischen." Mit anderen Worten: die Produktivität der Arbeit war damals in England verachtzigfacht. Heute ist sie noch viel intensiver. Und sie wächst fortwährend. Sie wächst mit jedem Sieg des Menschen über die Materie, mit jedem Fortschritt der Wissenschaft. Die Produktivität der Arbeit ist der untrügliche Barometer des Fortschritts. In jederMaschine steckt vieltansendjährige Kultur. Aber was nützt das dem heutigen Lohnarbeiter? Er ist der Sklave der Maschine, nicht ihr Herr. Er ist ihr Anhängsel und dem Eigenthumer unendlich weniger werthvoll als sie. Im selben Maß, wie das Kapital sich die Wissenschaft dienstbar macht, macht es die Arbeit weniger wissenschaftlich. In der Maschine konzentrirt sich die Intelligenz, die dem Arbeiter genommen wird. Die Iutelligenz des Menschen verkörpert sich in der Maschine und giebt damit dieser Maschine die Kraft, den intelligenten Menschen in eine Maschine zu verwandeln. Geistlose Arbeit für die geist- volle Maschine— das ist der Charakter der modernen Pro- duktion. Die Maschine repräsentirt den stolzesten Triumph des Menschengeistes; aber der Menschengeist, welcher in der eisernen, todten Maschine triumphirt, wird in dem lebendigen Menschen von Fleisch und Blut, der sie bedient, in den Staub getreten. Statt den Menschen zu erheben, erniedrigt ihn die Maschine, statt ihn zu befreien, knechtet sie ihn; die Materie rächt am Geist den Sieg des Geistes über die Materie; die vom Menschen begeistete Materie lehnt sich auf gegen den Menschen, unterjocht ihn, entgeistet ihn, macht ihn zum Idioten. Oder würde ihn dazu machen, wäre im Menschen nicht eine wunderbar elastisaje Feder, die ihn, hört der Druck einen Moment auf, auch nach jahrelanger, nach jahrzehntelanger Unterdrückung wieder emporschnellen läßt! Mißverstehe man mich nicht, ich bin kein Gegner der Ma- schinen. Die Maschinenstürmerei, zu der sich bei Anbruch der Großindustrie die Arbeiter Englands hinreißen ließen, war durch- aus reaktionär, beruhte aus einer grundfalschen Auffassung der Dinge und mußte darum mißlingen— zum Heile der Mensch- hcit— nicht der einzelnen arbeitenden Menschen. DaS ist eben der Fluch der heutigen Kultur, daß jeder allgemeine Fortschritt nur einer privilegirten Minorität nützt, die Lage der enterbten Masse dagegen relativ und absolut verschlimmert— daß jede „Segnung" der Zivilisation das Unglück, ja den Untergang, die Ausrottung ganzer Arbeiterstämme im Gefolge hat— ich will bloß an die jetzt im Erzgebirge sich vollziehende Vernichtung der Haudwebcr erinnern, eine erschütternde GesellschaftS- Tragödie, um die sich Niemand kümmert, wenigstens Niemand, der helfen könnte und zur Hülfe verpflichtet wäre. Diesen Fluch zu ent- fernen, das allgemeine Wohl mit dem Wohl jedes Einzelnen gleich- bedeutend zu macheu— das ist das Ziel der Sozialdemokratie. Die Maschine hört auf, den arbeitenden Menschen zu unterdrücken, hcrabzndrücken auf das Niveau rein mechanischer Verrichtung— denn Thätigkeit kann man das kaum nennen—, sobald sie aufhört, das Eigenthum eines Individuums, einer Klasse zu sein. Vom Augenblick an, wo die Maschine in die Dienste der Allgemeinheit tritt, wird aus der Herrin des Arbeiters dessen Dienerin; sie unterdrückt nicht mehr, sie befreit. Mit Recht wird deshalb von der sozialistischen Partei die Expro- priation der Maschinen, wie überhaupt der Arbeitsinstrumente ge- fordert— mit Recht, nicht bloß vom Standpunkt der Humanität aus, sondern auch, ich möchte fast sagen: aus juristischen Gründen, insofern die Maschinen und Arbeitsinstrumente überhaupt das Produkt der Collectivintelligenz*) sind, und deshalb von keiner Person als absolutes Sondereigenthum beansprucht werden können. Die einfachste Erfindung, jede Vervollkommnung der Arbeits- instrumente setzt die ganze bis dahin erworbene Kultur voraus, folgt aus ihr naturgemäß, logisch, wie das Fazit eines Rechen- exempels. Sind doch verschiedene der wichtigsten industriellen Er- fiudnngen, z. B. die Wollkämm-Maschine(nach einem Strike der englischen Wollkämmer), auf Bestellung der Fabrikanten gemacht worden. Die„großen Erfinder", von denen man in Geschichls- und Geschichtenbüchern so viel liest, und aus deren Hirn welt- umgestaltende Erfindungen fertig hervorgesprungen sein sollen wie Minerva aus Jupiters Haupt, sind mythische Figuren gleich dem Rest der„großen Männer". Die Industrie gelangt' in ihrem Fortschreiten stets vor neue Probleme, aber auch stets erst dann, wenn die Möglichkeit, sie zu lösen, bereits in ihren Händen ist. Und es handelt sich dann bloß darum, die Aufgabe richtig zu stellen, und sie wird gelöst mit der Unfehlbarkeit einer mathemati- scheu Aufgabe. Wohl sagen die Anbeter deS goldenen Kalbs:„Schafft die Aussicht aus Gewinn ab, und Ihr tödtet die Erfindungskraft, den Unternehmungsgeist, und damit den Fortschritt." Nichts kann un- richtiger sein. Schon jetzt ist es nicht die Aussicht auf Gewinn, welche die Menschen vorantreibt. Die Leistungen Derer, die durch Gewinnsucht angestachelt werden, sind sehr untergeorgncter Natur, verglichen mit den Leistungen der Wissenschaft, denen wir unsere Forsschritte verdanken; und für jene untergeordneten Leistungen wird es zu allen Zeiten leicht sein, geeignete Kräfte zu finden. Die Anbeter des goldnen Kalbs stellen die Wahrheit auf den Kopf. Für Jeden, der unter den herrschenden Produktionsverhäll- nissen durch die Aussicht auf Gewinn zu einer nützlichen Er- findung, überhaupt zu einer nützlichen, geistigen Leistung bewogen wird, werden Tausende, die unter vernünftigen sozialen Verhält- nissen Nützliches, das Interesse der Menschheit Förderndes geleistet hätten, durch die herrschenden Gesellschastszustäude daran verhindert und geistig getödtet. Und dieser Eine, der jetzt nützlich wirkt, würde bei vernünftigen, d. h. gerechten, alle Fähigkeiten entwickelnden, alle menschlichen Bedürfnisse beftiedigenden Gesellschaftseinrich- tungen nicht nur ebenso viel, sondern weit mehr geleistet haben. Der Durst nach Wissen ist jedem Menschen angeboren, die Fähigkeiten sind gleichmäßig unter den Menschen vertheilt. Nicht Alle haben gleiche Anlagen, aber bei Allen ist die Durchschnittssummc der Anlagen gleich, und von den Verhältnissen hängt es ab, ob und wie die Anlagen und welche Anlagen entwickelt werden. Die Keime sind in unendlicher Fülle in dem Menschengeschlecht niedergelegt; fast alle aber vertrocknen auö Mangel an den Ent- wicklungsbevingungen unter den heutigen Gesellschaftsverhältnissen. Es ist purer Zufall, kommt ein Talent zur Entfaltung; eine Menge günstiger Umstände müssen zusammenwirken. Die Talente des Armen haben gerade soviel Aussicht zu wachsen und auszu- blühen, wie Saatkorn auf die festgestampfte Landstraße gestreut. Wie massenhaft, weil gleichmäßig über das ganze Menschengeschlecht vertheilt, die Anlagen, auch für das Höchste sind, daS zeigt sich in jenen Sturm- und Drangperioden der Geschichte, wo die Mensch- heit zwischen den Abgrund oder die Beantwortung einer Sphynx- frage, die Lösung eines Leben und Tod in sich schließenden Kultur- Problems gestellt ist, und wo jeder Einzelne sich gedrungen fühlt, das Ganze zu retten, oder doch sein Schärflein zur Rettung bei- zutragen. Die Talente sprießen dann empor wie das Gras im Frühling. Betrachten Sie das wunderbare Schauspiel, das Frank- reich zu Ende des vorigen Jahrhunderts bot. Im Mai 1789 zogen„KKK) Unbekannte" nach Versailles, und wenig Wochen darauf war der Name dieser Unbekannten im Munde Europas, der Welt. Frankreich brauchte Gesetzgeber, und die Nothwendigkeit stampfte Gesetzgeber aus dem Boden. Frankreich brauchte Kämpfer,.Kriegs- künstler— und es erwuchsen ihm Kämpfer, Kriegskünstler, welche die Feinde im Innern niederschmetterten und die geschulten Armeen des alten Europa in Scherben zerschlugen. Was wären die Tausende von Helden deS Friedens und Kriegs, die im letzten Dezennium deS vorigen Jahrhunderts meteorartig aus Frankreich aufschössen— was wären sie ohne die Revolution geworden? Sie wären in ihren Advokateuftuben, in ihren Werkstätten, hinter dem Pflug verkommen! An Talenten fehlts nicht, nur an der Entwicklung. Was in außerordentlichen Epochen den elementaren Kräften ruck- und stoßweise gelingt, das kann zu allen Zeiten durch systematische Organisation der Erziehung regelmäßig und sicher erreicht werden. Nur müssen wir vorher die chinesische Mauer zerstören, die um das Reich der Bildung gezogen ist. Gezogen durch die heutige Gesellschaft. In der heutigen Gesellschaft wird für die Entwicklung der Anlagen nicht nur nicht gesorgt, die Anlagen werden geradezu unterdrückt oder verkrüppelt. Die heutige Gesellschaft hat darum kein Recht sich kulturfreundlich zu nennen, und uns Kulturfeinde. Sie ist kultnr- feindlich, denn sie verhindert den Aufschwung der Kultur— und wir, die Vorkämpfer der neuen, sozialistischen Gesellschaft, sind die Bertheidigeb der Kultur gegen die ihr feindliche alte Ge- scllschaft, welche dem Volk das Wissen vorenthält, welche es leib- lich und geistig erdrückt, welche das Gemeinwohl gemeinschäd- lichen Klasseninteressen opfert, daS Eigenthum zum Monopol einer ausbeutenden Minorität, den Arbeiter zum Ding, die Familie zu einem frommen Wunsch, die Moral zur Heuchelei, die Bildung zur Lüge macht.-- Politische Uebersicht. In Berlin hat Herr Polizeipräsident Madai(Dirigent der famosen Zapfenstreich-Affaire) einen Feldzug gegen die Pro- stitution eröffnet, der darin besteht, daß er die Dirnen, die so dumm sind sich der Polizei in den Weg zu stellen, aufgreifen und auf einige Tage die Pestlust der Stadtvoigtei athmen läßt. Das nutzt naturlich gerade so viel, als wenn ein Man», um dem Regen ein Ende zu machen, den Mund aufsperren und die Tropfen ans- fangen wollte. Die ganze heutige Gesellschaftsordnung ist eine Brutstätte der Prostitution. Jeder reicbe Müßiggänger korrnmpirt Dutzende von Proletarierkindern, jede Fabrik, jede Werkstätte, in der Mädchen und Frauen beschäftigt sind, ist eine Schule der Prostitution. Zu diesen Bemerkungen finden wir uns veranlaßt, durch folgende Netiz in der Berliner„Demokratischen Zeitung" vom 22. Januar d. Mts.:„Im Laufe der vorigen Wocbe schied eine junge Dame, die Tochter eines diesigen geachteten Mannes, schon jnach einem halben Tage aus einem Fabrikgeschäft in der Sc- bastianstraße, weil der„Herr Prinzipal" sie durch Redensarten und gar fö2, schnür ..F mä Arl Sc niss trgi um lich keii leic S- Ive� aü mo Gl iu vo M tä, en tri da üb Z» Zo od ler ni ih m ist er b- be ni Ul auch neuen„Presse") in die der„TageSprcsse" wandern möge. Und nun: Eau de Cylogne, her! Welche Gerüche!— Herr Wagener(von Dnmmenvitz) ist plötzlich erkrankt— an einem„Fnßlciden" sagt die„Norddeutsche". Ob das Uebel nicht in den Fingern sitzt? Einem Gerücht zufolge will der vortragende Rath des Königs von Preußen(und Kaisers von Deutschland) seine durchlöcherte„Ehre"(das Lichtenberg)'che Messer ohne Stil und Klinge) durch ein Duell mit seinem Ankläger wieder zusam- menflicken. Wir schlagen dann zu Waffen vor: für LaSker den historisch gewordenen" Knüppel, der seinen Namen trägt, und ihm die Unsterblichkeit sichert, und für Wagener eine Brechstange.— Von Paris dringt wiederum der Knall gesellschaftsrettender tandrechtSbücksen in unser Ohr. Drei neue Opfer der Versailler Ordnungspriester! Drei neue Reiser in dem Lorbeerkranz des ftan- zösijchen„Hodengreises"! Vorläufig, so heißt's, soll es nun gering sein. Die Bourgeoisie glaubt, bis auf Weiteres ruhig schlafen zu können.— Nein, sie wird nicht Ruhe finden; der Schlaf wird ihr Auge niciden, wie das Auge der Lady Macbeth oder deS rühm- und erfolgbeladcnen Helden von Varzin. Die Geister der Gemordeten werden sie verfolgen, werden sie vom Lager auf- scheuchen;— um die Furien der Blutschuld zu bannen, muß sie sich mit frischer Blutschuld belasten,— das alte Blut muß mit ftrschem Blut weggespült werden, immer fort in endloser Reihen- folge— mehr Blut! mehr Blut! Die Adern deS Volks haben sich frisch gefüllt, seine Pulse pochen— laßt rasch zur Ader mit Mitrailleuse und Chassepot! Denn wenn das Volk, wenn das Proletariat stark ist, muß die Bourgeoisie sterben. Also zur Ader! zur Ader! Und so vonvärts in wahnwitziger Verblendung vom bösen Gewissen gepeitscht, die Angst im Nacken— mordeuv aus Feigheit, mordend aus innerer Nothwendigkeit— immer vorwärts — vorwärts— der Tag der Rache kommt— der Tag der Ver- geltung, der Tag der Gerechtigkeit!— lieber die letzte Metzelei auf der Ebene von Saton, schreiben die Pariser Blätter:„Alle drei starben muthig. Fenoillot ver- hielt sich schweigend. Decamp fluchte den falschen Zeugen und seinen Mördern, und Besot erwartete die tödtenden Kugeln unter dem Ruf: Es lebe die Kommune! Hoch die sozialdemo- kr a t is ch e Republik!"— Außer einem oder zwei Tausend französischen Lumpen, die vom Raub der Familie Bonaparte leben, betheiligten sich au dem Be- gräbniß des Chefs der Dezemberbande noch ein paar Tausend englischer Philister. Der Philister ist überall ein gesin- nungsloses Subjekt, und in England macht er keine Ausnahme von-- der Regel. Und nicht bloö englische Philister— deren„Snobbis- j � muS"(bedientenhafte, deutsche Servilität) Thackerey in sein er» famosen Snobbuch so klassisch gezeichnet hat, beihciligten sich au der widerlichen Komödie, auch eine Anzahl adeliger und sogar fürstlicher Herren. Ohne die Anwesenheit solcher Pcrsonnagen wäre diese Ausstellung der Infamie ja nicht vollständig gewesen. Nur eine Klasse hielt sich fern: die Arbeiter. Und so oft wir schon in der Lage waren, die Inkonsequenz, ja Feigheit des„Bee- hive" zu tadeln— wir drücken ihm heute die Hand, daß er iu seiner letzten Nummer die Mannhaftigkeit hat, anläßlich der lakaienhaften Zeitungsberichte über das„große Ereigniß" zu schreiben: „Wenn wir solche Lobeserhebungen über solch einen Menschen ohne Protest gestatten, wie sollen wir ehrliche Worte des LobcS finden Ö1 für diejenigen, welche edel gelebt und treu ihr Leben dem Dienste! r* ihrer Mitmenschen hingegeben haben? Mögen unsere höheren Klassen. und unsere Krämer hingehen und den kaiserlichen Purpur küssen, � der gesättigt ist von Strömen unschuldigen Blutes■— die Arbeiter Englands, das erklären wir mit Stolz, haben sich fern gehalten von diesen elenden Verirrungcn." Und nicht blos in England, auch in Deutschland und Frankreich sind die Arbeiter die einzige Klasse, welche sich nicht beschmutzt hat durch die Anbetung dieser„Spottgeburt" von Blut und Koth, ge- nannt Napoleon III.— In Dänemark hat die Regierung, um der Unzuftiedenheit über die fortgesetzte Einsperrung Pio's und der anderen Sozialisten die Spitze abzubrechen, dem Reichstag einen Fabrikgesetz-Ent- wurf vorgelegt, dessen Hanptbestimmungen nach einer Kopenhagencr Correspondenz der„Frankfurter Zeitung" folgende sind:„Jedes Fabrik oder Werkstatt, wo mehrere Arbeiter von einem Arbeits- Herrn beschäftigt werden, soll unter öffentlicher Aufsicht stehen, in-I soweit darin Personen unter 18 Jahren beschäftigt werden. Kinder s unter 10 Jahren dürfen durchaus nicht in solchen Fabriken oder Werkstätten arbeiten. Kinder zwischen 10 und 14 Jahre» dürfen nur 6'/- Stunde— mit einer Pause von mindestens '/- Stunde inmitten der Arbeitszeit— im Laufe eines Tages ans solcher Stelle arbeiten und dabei nicht vor 6 Uhr Morgens oder nach 8 Uhr Abends. Junge Personen beider Geschlechter in einest Alter von 14— 18 Jahren dürfen nickt mehr als 12 Stunden an einem Tage(24 Stunden) zu solcher Arbeit verwendet werden, 'und gleichfalls nicht vor 6 Uhr Morgens oder nach 8 Uhr Abends; während der Arbeitszeit sollen sie dabei 2 Stunden zu ihren Mahl- � zeiten haben und davon mindestens 1'/- Stunde vor 3 Uhr Nack-! mittags. Kinder und junge Personen unter 13 Jahren sollen ihre Mahlzeiten, wenn dieselben in der Fabrik eingenonimen werden, in einem Räume genießen, wo zu der Zeit nickt gearbeitet wird, und sie sollen alle zur selben Zeit Mahlzeit halten,. Sowohl während( der Mahlzeiten als während der Arbeit sollen Kinder und junges 1 Handgreiflichkeiten in einer Weise belästigt hatte, die ihr ein längeres Verbleiben daselbst durchaus unmöglich machten. Die Weibspersonen, so weit möglich, von den erwachsenen männlichen Eltern des Mädchens, das von dem säubern Fabrikanten als Dirck- Arbeitern getrennt sein. Au Sonntagen und an Feiertagen dürfe» trizc engagirt war, machten uns von diesem Vorfall ungesäumt Mittheilung, und im Interesse der Moral glaubten wir diese An- gelegenheit in die Hand nehmen zu müssen. Unserem Rechercheur Kinder und junge Personen gar nicht iu der Fabrik arbeiten.) Kinder, die gesetzmäßig die Schule besuchen sollen, dürfen während j der Schulzeit nicht zu Fabrikarbeit verwendet werden. Kein Kind gegenüber leugnete der Prinzipal zwar jede unsittliche Absicht, gab! darf in irgend einer Fabrik als Arbeiter angenommen werden, bevor zedoch zu, die neue Direktrize zum Zweck der Resion nach etwa nicht ein Arzt attestirt hat, daß sein Gesundheitszustand ein solcher •) Selbst Herr Schulze-Delitzsch hat die« im Prinzip zugestanden. In einer Festrede, die er Ende des vorigen Jahres dem Berliner Arbeiter- verein hielt,„predigte er den geistigen Kommunismus."„Jedermann an« dem Volk müsse'Thcil haben an den unermeßlichen Schätzen des Wissens, welche die Errungenschaften von Jahrtausenden in den Scheunen des Geistes aufgespeichert haben."(S. Demokratische Zeitung vom 1. Jan. 1873.) Äonsequenterweise muß Herr Schulze dann auch„Jedermann aus dem Volk" an den„unermeßlichen Schätzen des Wissens" Theil haben lassen, die in den Maschinen„aufgespeichert" sind. Anm. d. Setzers. eingesteckten Waaren betastet zn haben. Andere Kollegen, so meint der Biedermann, gingen hierbei noch weiter, da sich vor diesen die Mädchen völlig entkleiden(!) müßten, um darzuthun, daß sie in ihren Kleidungsstücken resp. am Körper von den durch ihre Hände gehenden Waaren Nichts versteckt hätten. Die„Revision" erfolgte kurz nach Eintritt des betreffenden Mädchens in das Ge ist, daß es die erforderliche Arbeit ertragen kann. Ein von der Regierung ernannter Fabrikdirektor und mehrere vom Minister des Innern angestellte Inspektoren, deren Zahl jährlich im Finanz- gesctze festgesetzt wird, sollen die nöthige Aufsicht in den Fabriken ausüben." Der Correspondent dcr„Fr. Ztg." bemerkt hierzu:„De» Anlaß zu diesem Gesetzentwurf haben ohne Zweifel die VerHand- s, � � � Wirt i»»* vxovffrtffcMtiMt l�rtmmov iifvi»* Tsta/Wlt' schäft zu wiederholten Malen und war von Anträgen bcglecket, die lungen gegeben, die im verflossenen Sommer über diesen Gegen keinen Zweifel über das Ziel derselben übrig lassen. Dessen un-! stand in der zur Zeit der Ausstellung in Kopenhagen abgehaltene» geachtet will genanntes Blatt mit dem Namen des um sein Eigen- Zusammenkunft von Gewerbtreibenden gefiihrt wurden. Däneinav thum so auffällig besorgten Fabrikanten diesmal noch zurückhalte»! ist zwar, wie Sie wissen, kein Fabrikland; indesseü entstehen doch i" — es wird ihn aber unnachsichtlich an dieser Stelle nennen, falls jüngster Zeit immer mehr Fabriken und die Zahl der in diese» von ihm noch ein einziger ähnlicher Fall zur Keuntniß gelangeu beschäftigten Kinder ist verhältnißmäßig nicht klein. In einer solche» sollte."—, vom statistischen Bureau geleiteten Untersuchung über die Zahl de» Die Käuflichkeit unserer Presse ist so notorisch, daß sich Fabriken und Fabrikarbeiter— die freilich keinen Anspruch am Niemand über die neueste, von Wien kommende„Enthüllung" Vollständigkeit macht, indem man beispielsweise genöthigt war, atK wundern kann, des Inhalts, daß während des letzten„heiligen" Massenmords eine telegraphische Anweisung von 200,000 Franks aus Paris irrthümlich statt in die Bureaux der„TageSprcsse" in die der alten„Presse" gelangte. Wir wollen blos hoffen, fabrikmäßig betriebenen Bnchdruckereien, Bäckereien und Mühle» _„g.---' aUl aus der Uebersicht wegzulassen, weil die Fehler in Beziehung diese Etablissements zu notorisch waren— ist die Zahl de» dänischen Fabriken auf 1400 angegeben worden, von de»e» ui tic uiicu„jptcfic ivuucii viuw i;uui|u;cu �yatuucu uuj a-aw juvivtu, wu. daß nicht gelegentlich einmal ein Geldbrief der Verwaltung des nicht weniger als 374 nach dem Jahre 1864 entstanden, währe»» Berliner Reptilienfonds statt in die Bureaux der alten(oder 231 der älteren zur selben Zeit bedeutend erweitert sind. D> ganze Zahl der festen Arbeiter in diesen Fabriken war ungefähr 22,500; beinahe 7500 Arbeiter wurden außerdem temporär be- schäftigt, im Ganzen also 30,000 Arbeiter oder im Durchschnitt nur wenig über 20 Arbeiter in jeder Fabrik. Ungefähr 830 dieser »Fabriken" beschäftigten weniger als 10 Arbeiter.— Berhältniß- Mäßig ist nun aber, wie gesagt, eine wesentlich große Zahl der Arbeiter Kinder. Unter den erwähnten Verhandlungen im letzten Sommer wurde von einem Arzte eine Uebersicht über die Verhält- hisse der 45 Fabriken mitgetheilt, in denen 4297 Arbeiter beschäftigt waren; von diesen waren 886— oder 20 Prozent— Kinder unter 14 Jahren und davon wieder 136, oder beinahe'/° sämmt- licher Kinder, unter 10 Jahren.— Da unser Reichstag heinahe keine Fabrikanten zählt, wird dieser Gesetzenüvurf gewiß ziemlich leicht den Reichstag passiren; nur läßt sich denken, daß von einer Seite das Interesse der Arbeiter gegen daS der Kinder befürwortet werden wird. Hoffentlich werden aber die Sympathien mit den Kindern überwiegend sein." Ohne uns hier auf nähere Vergleiche mit der Fabrikgesetzgebung anderer Länder einzulassen, begnügen wir uns, hervorzuheben, wie mangelhaft vom Gesichtspunkte in einfachsten Humanität aus das Gesetz ist, und wie entsetzlich die Zustände sein müssen, denen �urch ein solches Gesetz abgeholfen werden soll! Für Kinder von 10 Jahren an eine 6'/- stündige Arbeitszeit pro Tag, als Maximum und als Schutzmaßregel! Sechs und eine halbe Stunde tägliche Arbeit für Kinder, deren Körper wie Geist noch völlig un- entwickelt ist und der unablässigen Pflege bedarf, um nicht zu ver- krüppeln! DaS heißt ja einfach erklären: vom zehnten Jahre an ist das Kind einen halben Arbeitstag lang dem ausbeutenden Kapital überliefert, und damit für den ganzen Tag den Erziehungs- Zwecken, mit denen der heutige Staat heuchlerisch renommirt, ent- Zogen! Ein Kind, das 6sz Stunden pro Tag in einer Fabrik oder Werkstätte ist, kann in der Schule und für die Schule nichts lernen— daS wird jeder gewissenhafte Lehrer uns zugeben. Und nicht bester steht's um die körperliche Ausbildung. DaS Wachs khum wird hei so langer Arbeit in solch zartem Alter gehemmt und wenn nicht geradezu Verkrüppelung oder Siechthum die Folge ist, so wird wenigstens Schwächlichkeit erzeugt! Und das nennt sich eine Maßregel zum Schutz der Arbeiter! Wie schamlos und un- bannherzig muß bis jetzt in Dänemark die Ausbeutung der Kinder hstrieben worden sein, wenn das eine Verbesserung ist! Run, nicht schlimmer als anderwärts. Nirgends hat das Kapital Scham und Barmherzigkeit. Der Arbeiter ist ihm nur Waare, nicht Mensch,— und so wenig von Menschlichkeit die Rede sein kann �genüber einem Stück Holz oder Eisen, so wenig kann für daö Kapital von Menschlichkeck Arbeitern gegenüber die Rede sein. Waare ist Waare. Der Staat ist aber der Mitschuldige der Bourgeoisgesellschaft. Daß er die Verbrechen dieser Gesellschaft kennt, beweist er durch die Thatsache der Fabrikgesetzgebung. Durch die Natur der Fabrikgesetzgebung eben beweist er, daß er »im Prinzip" gegen diese Verhrechcn nichts einzuwenden hat und nur seiner eigenen»Sicherheit" wegen den Kapitalismus an allzu tollen Exzessen verhindern will.— Den Grubenhesitzern in Südwaleö scheint nicht Alles nach Wunsch zu gehen. Nach Berichten ans London haben die Maschi- nisten, welche die Pumpen zu versehen hatten, und die bisher neutral gehliehen waren, nun auch die Arbeit eingestellt, und sind in Folge Hessen die Werke in Gefahr, zu„ersaufen". In mehreren steht das Wasser schon so hoch, daß es fraglich ist, ob überhaupt noch eme Anspumpung möglich. Vergehens haben die Grubenbesitzer den Maschinisten erhöhte Löhne— 8 Schilling(2 Thlr. 20 Gr.) Tag— angeboten, keiner findet sich, der so niederträchtig wäre, eine Brüder zu verrathen. Thatsache ist, daß die Gruheubesitzer schon jetzt weit mehr eingebüßt haben, als sie durch den reduzirteu Lohn während eines ganzen Jahres profiliren würden, falls sie nämlich denselben durchsetzen, was unter den obwaltenden Um- ständen noch zweifelhaft. Wahr ist, die Arbeiter haben schwere Entbehrungen zu erleiden; nur der kleinste Theil der Strikenden— die eigentlichen Kohlengräber— sind in einer Gewerkschaft und empfangen regelmäßige Unterstützung, wohingegen die Arbeiter der Eisenbergwcrke und Eisenhämmer mit einer sehr losen Organisation in den Kampf eintreten und auf die Vorschüsse(resp. Geschenke) der Gewerkvcrcine und die Sammlungen in Arbeitcrkrcisen ange- wiesen sind— eine Einnahmequelle, die natürlich dem Bedarf bei Weitem nicht entspricht. Jndeß die Leute sind guten Muchs; der Beitritt der Maschinisten hat ihre Siegeshosfnungen wesentlich ge- stärkt, und so dürfen wir also das Beste envarten.— einige hervorragende Momente wollen wir aus dieser Wahlkam- pagne herausgreifen. In Meerane fanden am Sonnabend, den 11. Januar, die ersten Versammlungen gleichzeitig in zwei Sälen statt, in welchen Motteller und Stolle anwesend waren, da weder Horck noch Fink rechtzeitig eintreffen konnten. Sonntag darauf war Versammlung in Thuren, wo der überwachende Referendar Scheuster die Stelle eS Rcichstags-Simson übernahm und Walster durch sein:»Zur Tagesordnung" belehrt:, daß eine Erklärung wie„Hochverraths- Prozesse und Majestätsbeleidigungen" entstehen, schon unter der Kritik stehen. Auch in Mülsen St. Jacob, wo Ä)orck sprach, stellte derselbe Beamte„Tagesordnungs-Anträge" und da diesen nicht Folge gegeben, im Gezcntheil bemerkt wurde, daß die Haltung der nationalliberaleu Partei zwar nuter aller Kritik, diese aber nichts desto weniger, obschon sie dem Herrn Referendar nicht gefalle, ge- übt werden müsse, da erfolgte die längst vorausgesehene Auflösung der Versammlung. Daö war zwar nicht zu verhindern, that unsrer Agitation aber auch uicht den mindesten Abbruch, wie das Wahl- resultat ausweist. Waren unS doch durch die gleich bei Beginn der Versammlung aus derselben ausgewiesenen Frauen eine nicht unerhebliche Anzahl neuer Agitationskräste zugeführt worden. Schon aus dem Verlauf dieser Versammlungen war unschwer zu ersehen, wie die Wahl im allgemeinen würde. An einem Siege und zwar an einem großartigen Siege, konnte um so weniger be- zweifelt werdenHals die Stimmung der Bevölkerung, auch der klein- sten Ortschaften und Dörfer, ja auch der Orte, wo die Weberbe- völkerung nicht gerade die Majorität bildete, eine ausgezeichnete genannt werden mußte. Da der Schwerpunkt der Agitation, wie dies bei der notorischen Mittellosigkeit der Sozialdemokratie überhaupt nicht anders sein kann, in die öffentlichen Versammlungen gelegt werden mußte, so wird es Niemand überraschen, zu hören, daß an den letzten beide» Glauchau, 27. Januar. 10,470, Pchold 4240. Offizielles Resultat: Bebel Albert. Auf HubertuSburg ist am 22. d. M. neue Einquartirung ein- getroffen. Parteigenosse Dafchner von Dresden kam an, um die Sünde einer„Majestätsbeleidignng" mit 6 Monaten abzubüßen. In der Blumenfabrik von Emmler und Israel, Centralstraße 5 in Berlin, hat ein großer Theil der Mädchen die Arbeit ein- gestellt, weil eine von ihnen geforderte Lohnerhöhung nicht bewilligt wurde. Es steut uns, daß auch die so sehr bedrückten und aus- gepreßten weiblichen Arbeiter anfangen, sich gegen den Druck der Kapitalmacht aufzulehnen. In Paris erscheint von jetzt ab monatlich einmal ein Organ der Anhänger Fonrier's unter dem Titel Bulletin der sozialen Bewegung". Das Journal wird schwerlich im Stande sein, dem unter der französischen Arbeiterwelt fast ganz erstorbenen Anhang der Fourier'schen Lehren auf die Beine zu Helsen. Gewerksgenoffenschaftliches. Iiiternntionnle Gewerstschaft der Schuhmacher. Dresden. 26. Januar. Alle Mitgliedschafteii machen wir hiermit aufmerksam, daß in nächster Zeit der Aufruf zu unserer dies- jährigen in Wciniar stattfindenden Generalversammlung erscheinen wird; speziell sind Zeit und Tagesordnung noch nicht fest bestimmt, doch bitten wir schon jetzt, unS zur Generalversammlung gehörige Anträge einzuschicken. Mühlhausen i. Th. ist als Mitgliedschaft angemeldet. Gelder gingen ein: Meerane 2 Thlr. 28 Ztgr.— Pf. Für die Verwaltung: G. Zilger. Berichtigung. In Nr. „Und sie bewegt sich doch!" Dieser Refrain eines zur Feier des Wahlsieges am 20. Januar improvisirten Arbeiterfestes vorgetragenen Gedichts hallt immer und immer wieder in unserer Seele, wenn wir an die großartigen Erfolge erinnert werden, wcl- chen die Sozialdemokratie an jenem Tage errungen hat. Die Be- bentung dieser That, die Wirkung dieses wuchtigen Protestes von 10400 Wählern gegen jeden Angriff auf die durch das demokra- tische Wahlrecht repräsentirte Volkösouverainität, scheint unsere Geg- ner, vor allein aber die nationalliberale Sumpftartei so ganz und gar außer Fassung gebracht zu haben, daß ihre Organe, das Zei- tungsgeschwister" es nicht'einmal wagen, ihren Lesern das einfache Wahlresultat mitzutheilen, geschweige denn die ihnen sonst so ge- länsigen weinerlich-sittlichen Phrasen über eine solche„Bcrirrung" des deutschen Bolksgeistes anzustimmen. Bebel, der zur Freude aller Nationalservilen glücklich ans dem Reichstage entfernte Störenfried des reichstäglichen Fami- uenzirkels, der„Feind" des Vaterlandes, des Eigenthums, der Religion, der Familie, der zum Zuchthaus avanzirte FestungSge- sangenc, der„Hochverräther" und„Majeftätsbelcidiger", der sozialdemokratische„Theiler" und internationale„Commu- nard"— und dennoch, trotz alledem, über 7000 Stimmen mehr als bei der vorigen Wahl�— schrecklich, doch nicht von den Schrecken, der unsere reaktionären Gegner ersaßt hat, sondern von der Wahl- agitation wollen wir berichten, die diesmal größere Dimensionen annahm, weil es sich nicht nur darum handelte, der Arbeiterpartei den einzigen Vertreter zu erhalten, sondern weil auch durch die ckvlederwahl die höchst wichtige Frage, ob das Urtheil eines Ge- richts über dem Willen des souverainen Volkes steht, entschieden werden mußte. Ep galt auch, den Beweis zu erbringen, daß alle jungen der Sozialdemokratie doch nur zu neuen Erfolgen Parteigenossen! Ihr nhüßt glänzend siegen, hatte der Partel-Ansschuß den Arbeitern im 17. sächsischen Wahlkreise zuge- 7 des„Volksstaat" ist unter den ,,.„,,. eingegangenen Geldern bei Erfurt die Ziffer 3 vor Thaler wegge- Tagen vor der Wahl an folgenden 17 Orten Versamnilungen an- lassen, es muß da heißen 3 Thlr. 2 Ngr. 5 Pf. beraumt waren. Am Sonnabend sprachen Aorck und Albert in Glauchau, Walster in Waldenburg, Flechsig in Dürnnhlsdorf, Motteller in Ernstthal; Rchtenftei» war leider durch Chemnitz ver- bummelt; Sonntag früh 11 Uhr sprachen?)orck und Auer in einer zweiten Versammlung in Meerane, die Meeraner Parteigenossen H elten ihrerseits Nachmittags eine Versammlung in Dänneritz, Walster war Nachmittags in Remse, Albert und Flechsig in Lang- chursdorf, dieselben Abends in Calluberg, Äjorck Nachmittags in St. Egydien, SchrapS und Franz in einer zweiten Versammlung (die erste war bekanntlich ungesetzlicher Weise aufgelöst worden) zu Mülsen St. Jacob, endlich Engelhardt aus Zwickau und Döhn aus M.-St.-Niclas in Jüdenhain. Am Abend wirkten Fink und Lyser in Nedlitz bei Lichtenstein, Aorck und Auer in Hohenstein, Molteller, der Nachmittags bereits im weitgedehnten Oberluugwitz thätig gewesen, hielt daselbst auch Abendö in einem anderen Oaale desselben Ortes Versammlung ab. In allen diesen Orten waren die braven Parteigenossen zahlreich am Platze; in Glauchau, Meerane, ganz besonders in Hohenstein', wo auch die Frauen in greßer Anzahl der Versammlung belwoh iten, und mit sichtlichem Interesse und größter Begeisterung sich als Mitkämpfer zu den so- zialdemokratischen Grundsätzen bekannten. Die Arbeiter-Bevölkerung dieses Distriks ist so arm, daß wir Kinder von 8 bis 10 Jahren ohne Fußbekleidung gehen sahen. Trocken Brod, Kartoffeln und Cichorienbrühe sind dre Hauptkon- sumartikel. Doch eins ließen sich die Arbeiter, insbesondere in' Glauchau und Meerane nicht nehmen. An beiden Orten war der Wahltag ein halber Feiertag und als endlich die Wahl beendet, die Stim- men gezählt, und die Gegenpartei mit wuchtiger Majorität zu Boden gedrückt war, wollte der Jubel in den Wahllokalen kein Ende nehmen. Eine ungeheure Menschenmenge dnrchwogte die Straßen von einem Wahllokal zum andern, und sammelte sich in den Festsälen, die in beiden Städten viermal größer hätten sein müssen, um die Tausend und Abertaufend freudig erregten Mcu schen zu fassen. Was aber am meisten ins Gewicht fällt— und zur Ehre der Arbeiter sei es gesagt— daß auch nicht die geringste Störung vorkam, trotzdem z. B. in der Sonnabend-Versammlung in Glauchau ein Lump es an Provocalion nickt fehlen ließ. Aber Parteigenossen im 17. sächsischen Wahlkreise und in Sachsen überhaupt, es ist nicht genug, daß Ihr bei den Wahlen Majoritäten erzielt, und dann des Erfolges Euch erfreuend, auf den errungenen Sieges-Lorbccren ruhend in Unthätigkeit zubringt; nein, das dacf nicht geschehen. Eö muß weiter agitirt werden, die Partei verlangt dies von Euch. Wie vorher für Evern Kandi- baten, so jetzt für die Partei für Durchführung einer festen ein- heitlichen Organisation. Die während der Wahl erlaugte Ver- bindung an Orten, wo noch keine Parteimitgliedschaften bestehen, sollen benützt werden, um überall solche zu gründen und so erst recht Gelegenheit zu schaffen zu immer eifolchreicherem Wirke», zu immeren glorreicheren Siegen. Hoch die Sozialdemokratie! Hoch die Partei und ihr bewährter Vertreter des 17. Wahlkreises August Bebel!__ 'Ten. Nun! es haben Alle ihre Schuldigkeit gethan und der 'e3 C,toar ker gemachten Anstrengungen würdig. Es würde zu suhrcn, alle Einzelnheiteu der Agitation, den Verlaus von ca. »25 abgehaltenen Wahlversammlungen schildern zu wollen, nur Herr Staatsanwalt Hofmann in Leipzig ist ein glücklicher Mann. Bor dem famosen Leipziger Hochoerrathsprozeß, aber nach Beendigung der denselben einleiienden Voruntersuchung flog ihm ein österreichischer Orden in's Knopfloch(den er jedock während der Prozeßverhandlunge» nicht trug), und jetzt, 10 Monate nach glücklich(mit Gottes und Steiger's Hülfe) zu Ende geführtem Hochoerrathsprozeß fliegt ihm(dem Herrn Staatsanwalt Hofmann) 'ächsischer Orden in's Knopfloch— das„Ritterkreuz des Verdienstordens". Nun, Niemand kann feinem Schicksal entgehen. Auch Herr Ritter von Mücke, Schwurgerichtspräsidentlichen An- dcnkens, hat bekanntlich seinen Orden weg. Es fehlt jetzt bloß noch ein Orden für Herrn Steiger— und ein ditto für Herrn Schatz, dessen Bier jedenfalls ebenso gute Dienste gethan hat, als die Redekunst des Herrn Staatsanwalts.— In unserem Chemnitzer Parteiorgan, der„Ch. freien Presse", finden wir folgende erbauliche Nachrichten:„Unser verantwortlicher Redakteur G. A. Geilhof wurde heute zu Herrn Referendar Lotichius beschieden, welcher ihm eröffnete, daß er(G-ilhof) sich durch den Abdruck zweier auf�die goldene Hochzeitsfeier der säch- fischen Majestäten bezügliche Stellen aus dem„Bolksboten" des Vergehens der MajestätSbeleidigung schuldig gemacht habe und ihm dafür 3 Monate Festungshaft zuerkannt worden sind.— Am 22. d. wurde unserem Freunde und Parteigenossen Johann Bio st die Entscheidung deS Oberappellationögerichts mitgetheilt. Dasselbe hat die Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung verworfen. In den Gründen heißt es: die Strafe sei nicht zu hoch gegriffen, auch-stehe eS dem Gerichtshofe frei, Zeugen zu vereidigen oder uicht. Auch habe der Gerichtshof das Recht, Zeugen, deren Vereidigung bereits beschlossen war, nachträglich zurückzuweisen." Das Urtheil Most's lautete bekanntlich auf 8 Monate Gefängniß, von denen er wcl nahezu zwei verbüßt hat. Correspondenzen. Leipzig, 24. Januar.(Organisirtcr Klassenkampf.) Es ist den Lesern des„Volksstaat" nicht unbekannt, daß die deutschen Buchdruckergehülfen in Ansehung ihrer Organisation allen übrigen Arbeiter» des Kontinents voraus sind. Der„Deutsche Buchdrucker- verband" zählt gegenwärtig gegen 7000 Mitglieder, und da es un- gefähr 10,000 Buchdruckergehülfen in Deutschland gibt, so dürfte das Ziel, welches sich eine einzelne Korpsrätion hinsichtlich der Vereinigung stecken kann, von den Buchdruckergehülfen so gut wie erreicht sein. Der„Deutsche Buchdruckerverband" wurde im Jahre 1865 gegründet; ihm gehört Alles au, was das Buchdrnckergcwerbe au Intelligenz und Thatkraft enthält. Die Organisation der Buchdruckergehülfen darf nach achtjähriger rüstiger und unauSge- setzter Arbeit als abgeschlossen betrachtet werden. Erklärlicherweise schenkten die Bnchdruckereibesitzer den Fortschritten der Gehülfen ein wachsames Ange. Denn nicht allein, daß eS den Letzter» im Laufe der Zeit gelingen mnßte, ihren Arbeitslohn stets in daö richtige Verhältniß zu bringen mit den Anforderungen, welche infolge der Steigerung aller Lebensbedürfnisse an sie heran- treten,— auch das Gefühl der Unabhängigkeit, daS Selbstbewußt- sein mußte unter den Verbandsmitgliedern einen mächtigen Auf- schwung nehmen und dokumentirte sich bei den verschiedensten Ge- lezenheiten in erfreulicher Weise. Dies und vieles Andere war für die Buchdruckereibesitzer, welche hinsichtlich der Bevormundung und Ausnutzung ihrer Arbeiter an vielen Orten das Möglichste leiste- ten, Grund genug, ihrerseits auf Mittel und Wege zu sinnen, um die Fortschritte der Gehülfen zu paralystren. Vornehmlich waren es die Chefs der drei größten hiesigen Buchdruckereien (Breitkopf u. Härtel, Brockhans�) und Teubner), welche sich in offensten Widerspruch zu den Verbandsbcstrebnngcn setzten, und es mit Ausbietung aller Kräfte und unter Benutzung der verschieden- sten Mittel zu einer Koalition der Buchdruckereibesitzer(Deutscher Buchdrucker-Verein) brachten. Dieser Koalition, der etwa die Hälfte der Buchdruckerei-Jnhabcr Deutschlands angehört, geschah bereits n Ende des vorigen Jahres sm„Volks staat" Erwähnung, wo von dem Bestreben der Leipziger Buchdruckergehülfen wegen Erhöhung ihres Lohntarifs die Rede war. Außer derschiedenen andern, je- doch immer erfolglos angewendeten Mitteln, welche die Chefs der ge- nannten drei Firmen ausheckten, um den ihnen sehr unbequemen Gehülfeuvcrband zu sprengen, brachten sie auch die Einführung eines sogenannten Normaltarifs aufs Tapet, mit welchem sie die Arbeiter beglücken und— ködern wollten. Selbstverständlich sahen die Gehülfen den fortgesetzten Bemühungen ihrer Gegner, den Verband lahm zu legen, nicht ruhig zu, sondern beschlossen kurzer Hand dem Normalrarif-Schwindcl ein Ende zu machen. Am 15. Januar traten die Vertreter der Gehilfen von neu» der größten deutschen Druckorte in Leipzig zusammen und forderten den„Buch- drucker-(Prinzipal-)Berein" auf, seinerseits eine Kommission zur Feststellung des Tarifs abzuordnen. Das Letztere geschah nicht, und die Gehülfen-Vertreter besorgten die Arbeit allein. Der aus den viertägigen Verhandlungen hervorgegangene Tarif soll nach und nach im Gesammtgebietc des Dentscken Buchdruckerverbandes zur Geltung gebracht werden. Als die Ersten im Kampf für die Ein- fnhrung desselben haben die Leipziger Gehülfen sich gestellt: am 24. d. M. richteten diese an sämmtliche Buchdruckereibesitzer das Er- suchen, den Tarif anzuerkennen, welchem Ersuchen nur die Druckereien der„Gartenlaube" und des„Volksstaat" bedingungslos Folge gaben. Um die Koalition der Buchdruckereibesitzer auf die Probe zn stellen, entschieden sich die GeHülsen in letzter Stunde für ein partielles Vorgehen, und am 26. kündigten 341„Freiwillige" in 27 Druckereien die Arbeit.' Es bleibt nunmehr abzuwarten, ob diejenigen Buchdruckereibesitzer, deren Gehülfen nicht gekündigt haben, der getroffenen Vereinbarung gemäß, die Letztern aufs Pflaster werfen, oder ob sie die stipulirten Konventionalstrafen von 100— 1000 Thlrn.(nicht) zahlen werden. Daö Abkommen lautet wörtlich: „Wenn in irgend einer Stadt von Seiten unter sich gecinigter Gehülfen eine Arbeitseinstellung mit oder ohne Kündigung erfolgt und fortbesteht, trotzdem die Kommission der Vertrauensmänner den Standpunkt der Prinzipale gerechtfertigt findet, so Witt der Gesammtverein zum Schutze der gefährdeten BereinSmitglieder ein, indem an einem und demselben Tage im ganzen Gebiete des deutschen Buchdruckervcreins die Vereinsofsiziiwn allen Gehülfen kündigen, die einer Verbindung angehören, welche den betreffenden Strike veranlaßt hat oder unterstützt. Kein Gehülfe, der wegen de? Strikes ausgetreten oder entlassen ist, darf während der Dauer desselben in einer Bereinsoffizin angestellt werden. Brockhaus, ') Besitzer der(Biedermann'schen)„Deutschen?lllgcineincn Zeitung"; es ist dies jener famose Patriot, welcher im Jahre 1870 den bei ihm einquartirten Vaterlasdsveriheidigern Graupen mit Wurst seroirte, welches Gericht dieselben in Rücksicht auf die Armnth des Spender« stehen ließen. Breitkopf& Härtel, Tcubner, Engelhardt, Andrä, Bär& Herrmann, Dennhardt, Drugulin, Ferter& Seydel, Fischer& Knrsten, Fischer& Wittig, Greßner& Schramm, Grimme& Trömel, Gröber, Grainbach, Hirschfeld, Hüthel& Legler, Hnndertstund& Pries, Klinkhardt, Leiner, Leopold& Bär, Metzger& Wittig, Naumann, Pöschel � Co., Polz,Reusche, F.Thiele, Vollrath,'Waldow, Wigand." Bemerkt sei noch, daß seit 6 Wochen etwa 250 Buchdrucker- gehülfen Leipzig verlassen haben, die ca. 1500 Thlr. Reiseunter- stützung erhielten— eine Summe, welche daö IahreSbudget sämmt- licher übriger Gewerkschaften übersteigt. Und das ist erst die Vorbereitung zum Strike!— Weichenliach i. B., 20. Januar. Um die hier zahlreichen Metallarbeiter in die Arbeiterbewegung hineinzuziehen, bez. sie zum zum Anschluß an die Internationale Metallarbeiter-Gewerkschaft zu veranlassen, fand gestern Hierselbst eine Versammlung sämmtlicher Metallarbeiter statt, welche leider schwach besucht war und somit den Beweis lieferte, daß viele Arbeiter dieser Branche glauben, sie seien vor den mißlichen Zuständen anderer Gewerbe gesichert. Einige Parteigenossen von hier nebst anwesenden Mitgliedern der Metallarbeitergewerkschaft aus Crimmitschau betonten die Roth- wendigkeit der Organisation gegenüber des sich immer mehr Ge- walt anmaßenden Kapitals und brachten es zu dem erfreulichen Resultate, daß gegen 20 Mann sich einschreiben ließen. Zugleich wurde einem Genossen der Auftrag ertheilt, die weiteren Arbeiten zu übernehmen, rcsp. bei der Behörde Schritte zu thun, ob An- schluß an die Internationale Metallarbeiter-Gewerkschaft möglich, oder ein Lokalverein zu gründen sei, da die hier bestandene Jnter- nationale Manufakturgewerkschaft im vorigen Jahre aufgelöst wurde. Da die Versammlung polizeilich angemetdet war, erstellte sie sich des Besuchs von drei starken, die höchsten Chargen bekleitenden Dienern der Gerechtigkeit. Hverkungwitj. Am 19. dS. MtS. hielten wir zwei VolkSver- sammlungeu ab mit der Tagesordnung:„Die bevorstehende Reichs- tagswahl." Bei der ersten, welche im Saale zum Hirsch abge- halten wurde, hatten sich viele Gesinnungsgenossen auö GerSdorf, Hermödorf und Bernsdorf eingefunden. Nach Eröffnung der Versammlung erthcilte der Vorsitzende Herrn Mottcller aus Crimmitschau als Referenten das Wort. Der Herr Referent kam zuförderst auf die niedrige Kampfweise der national-lieberalen Partei zu sprechen. Weiter entwickelte Redner unter glänzendem Nachweis, daß die gegnerische Partei immer nur die Volksfreiheit im Munde führe, aber nicht dafür eintrete, wo es gilt, das Vcr- sprechen einzulöesn. Im Gegentheil wurde nachgewiesen, wie unser jetziger Reichstagsabgcordneter, Herr Bebel, seinen Versprechungen und Grundsätzen treu geblieben und selbige in That, Wort nud Schrift in und außerhalb des Reichstags muthig und unerschrocken verfochten habe. Redner legte nun die Wiederwahl Bebels den Anwesenden dringend ans Herz und bewies, daß die Ausübung des richtigen Wahlrechtes zum sozialen Kampf gehöre. Ruhig und aufmerksam hörten Alle dem gediegenen Vortrag des Herrn Mottcller zu. Als nun der Vortragende noch auf die sozialen Uebelstände und auf die jetzige moderne Produktionsweise, wie solche schwer auf dem größten Theil der Familien laste, zu sprechen kam, ergriff es die Anwesenden so sehr, daß sich Manche der Thränen nicht enthalten konnten.(So lange die Arbeiter noch Thränen als Antwort auf die Bedrückungen der herrschenden Klassen haben, steht die Lösung der sozialen Frage freilich noch weit im Felde.)'Räch zweistündigem Vortrag ging es zur anderen Versammlung, welche in dem eine gute Stunde von elfterem Lokal entfernten Kasino stattfand. Auch hier vermögen unsere Worte nicht zu schildern, was für einen unerschöpflichen und Wissenschaft- lichcn Redefluß. Herr Mottcller entfaltete. Auch Herr Bohne aus Ernstthal richtete seine kernigen und warmen Worte beziehentlich der Wiederwahl Bebels an die Versammelten. Als nun der 2. Theil der Tagesordnung in sehr geschickter und logischer Weise von Herr Motteler besprochen war, erscholl ein nicht enden wollen- des Bravo und Händeklatschen. Ja, sogar Gegner haben den Vor- trag der Motteller einen musterhaften genannt. Dem Wirken MottellerS und der sonstigen Thätigkcitder Parteigenossen in Ober- lungwitz ist es zu danken, daß unser Kandidat Bebel 340 und Petzold nur 199 Stimmen erhielt. Mit sozialdemokratischem Gruß Friedr. Wilh. Bennewitz. Kakberstadt. Lange Zeit lag hier unsere Sache darnieder. Allerdings bestand schon vor 1869 eine Mitgliedschaft des Allge- meinen deutschen Arbeitervereins, welche jedoch in der Konflikts- Periode mit Schweitzer zu Grunde ging, trotzdem sie noch eine Zeit lang dominirte und dann im sich selbst zerfiel. Es schien nachdem lange unmöglich für unsere Prinzipien hier Boden zu gewinnen, denn der Arbeiter ist hier fast überall schon so an seine elende Lage gewöhnt, daß es sehr schwer hält, ihn aufzurütteln. Schuld daran mochte allerdings mit sein, daß die wenigen Anhänger unserer Partei, welche vielleicht unter Umständen eüvaö vermocht hätten, sich lau und lässig zeigten. Da gründete sich im Sommer vorigen Jahres durch Einwir- kungen von Außen wieder eine Mitgliedschaft deö Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, welche durch energische Agitation von Innen und Außen sich auch bald eines regen Wachsthnms erfreute. Auch Einige von unserer Seite faßten wieder Hoffnung und suchten die zerstreuten alten Parteigenossen, welche sich nicht dem Allge- meinen deutschen Arbeiterverein angeschlossen hatten, zu sammeln, um vereint wieder aufs neue unsre Prinzipien zu lehren und das Banner dcS Proletariats zu entfalten. Dies Bemühen war ein sehr schwieriges und mit doppelten Hindernissen verknüpftes. Trotz- dem gelang es, wieder festen Fuß zu fassen und eine Mitgliedschaft der sozialdemokratischen Arbeiterpartei zu konstituiren. Sind die von der Partei hier am Orte erzielten Resultate auch keine glän- zenden zu nennen, so sind wir zcdoch vorläufig damit zufrieden. Der„VolkSstaat", welcher jahrelang hier nur Einen, höchstens Zwei Abonnenten zählte, und somit das Parteileben rein todt war, ist jetzt in ca. 30 Exemplaren verbreitet. Sind wir auch zur Zeit noch schwach vertreten am Orte, und ist unsre Zahl noch eine kleine, so ist jedoch im Verhältnis; zum Volksstaatabonnemcntcn menschen- mögliches geleistet, denn die Mitgliederzahl der Partei ist noch nicht auf die Höhe der Volksstaatsabonnenten gebracht. Sind wir auch nur wenige entschlossene Mann, so sind doch Die, welche sich uns angeschlossen, sämmtlich überzeugungstrene, prinzipienfeste Parteigenossen. Und ist somit die Zukunft noch vielversprechend. Ueber eine ain 5. d. Mts. abgehaltene Bersaminlun� und die in derselben gefaßte Resolution ist schon berichtet. Den 11. Januar hatten wir eine öffentliche Mitgliederversamm- lung im„Deutschen Kaiser", welche verhältnißmäßig jnt besucht war. Oie Tagesordnung war:„Das Manifest des Dr. Schweitzer". Als Referent war Parteigenosse Naters anwesend. Derselbe führte in einem längeren Vortrage ans, was Schweitzer als Präsident des Allgemeiaeu deutschen Arbeitervereins eigentlich war und wozu der- selbe die Arbeiter gebraucht hat, namentlich bei den Reichstags- Wahlen. Redner führte aus, daß Schweizer ausdrücklich befohlen habe, in Orten, wo der Allgemeine deutsche Arbeiterverein in der Minorität sei, lieber für einen Fortschrittler zu stimmen, als für einen Kandidaten unserer Partei. Herr Hurleinann bezeichnete dies als Verläumdung und Lüge, worauf er von Seiten Naters aufge- fordert wurde, die schriftlichen Beweise für diese Behauptung in seiner Wohnung einzusehen, welche Aufforderung Naters auch a» alle Anwesenden richtete. Es ward sodann folgende Resolution �eingebracht:„Es ist die Pflicht aller Parteigenossen beider sozial- demokratischen Fraktionen, für eine Vereinigung, resp. für ein einiges Zusammengehen zu wirken, sowie einzutreten. Da nur auf diese Weise dasjenige erreicht werden kann, was wir erstreben." Herr Hurlemann sprach sich gegen die Annahme der Resolution aus. Derselbe erblickt in derselben, wie er sich ausdrückte, einen Hinter- gedanken, weil, wie er schon bemerkt, gemeinschaftlich schon eine ähnliche Resolution angenommen sei. Wir erklären nochmals, was der Vorsitzende Voigt, sowie Naters schon in der betreffenden Ver- sammlung gethan haben, daß mit der Resolution kein Hintcrge- danke verbunden sei, und daß wir diese Resolution als Richtschnnr dem Allgenieinen deutschen Arbeiterverein gegenüber aufrecht zu halten bestrebt sein werden; und hielten wir es darum für unsre Pflicht, in einer öffentlichen Mitgliederversammlung, welche jeden Hintergedanken durch die Oeffentlichkeit der Verhandlung aus- schließt, eine solche zu fassen und anzunehmen. Obige Resolution wurde von sämmtlichen Parteigenossen angenommen. Mit sozialdemokratischem Gruß Voigt, Vertrauensmann, Martini, Schriftführer. Oelsnitz L. V. kratic. Glück auf! dem 17. Wahlbezirk für die Li Wiederwahl Bebels. Hoch die Sozialdemo- Die dasigen Parteigenossen.) Für den„VolkSstaat". Bon Zapke in Breslau Schuldschein Nr. 109 1 Thlr. gratis zurück. Spengler in Ronneburg Schuldschein Nr. 59 1 Thlr. und von Engel Hardt daselbst Schuldscheine Nr. 56 und 58 ä 1 Thlr. gratis zurück. Die Exped. d. BolkSst. Fond für politisch Gcmaßregelte. Von K. u. Sch. 10 Ngr., von H. Brüning in Nyburg 24 Ngr., von I. Bralm« in Heide 6 Ngr. Briefkasten: der Expedition: Schneider in Marburg für Schriften 3!£hlr. 7 Ngr. 2 Pf., die 14 Ngr. für Schriften erhalten.— Kalb in Frankfurt a. M. für Annoncen 8 Ngr., für Abonn.(Grimm) 22 Ngr., Rest 3 Ngr.— Lämmerhirdt in Gotha: die gewünschten Liederbücher sind nicht mehr auf Lager. Grimm in Frankfurt a. M.: der eine Kreuzer, den Sie zahlen müssen, ist wahrscheinlich für Zeitungsstempel. Spengler in Ronneburg: die Feuerbachschcn Werke sind zu beziehen durch die E. H. Zeh'sche Buchhandlung in Nürnberg; Preis sämmtlicher Werke ca. 10—15 Thlr.— Stollberg in Augsburg für 4. Qu. 15 Thlr. 5 Ngr. - Krieger in Borna für Kalender 1 Thlr.— Pichler in Hannover für Schriften 3 Ngr.— Münde in Mylau für Schriften 10 Ngr. Klees in Magdeburg für 4. Qu. 8 Thlr. 12 Ngr., für Schriften 5 Thlr.— Hadlich hicrf. Ab. 1. Qu. 22 Ngr. 9 Pf., für Kalender 25 Ngr. 8 Pf. — Brüning in Heide für Schriften 1 Thlr. 9 Ngr. der Genossenschaft: B. in Konigsb. 50: 11, 100: 11'/, Thlr. Anzeigen:c. Sozialdemokratischer Arbeiterverein. �*1* villi» Donnerstag, den 30. Januar d. I. Mitgliederversamm lung im Schuhmacher-Amthause, grcße Bergstrasse. Tagesordnung: Wahl des Vorstandes.— Die Einigung der sozial demokratischen Fraktionen, Referent: Herr Uorck.— Verschiedenes.— Anfang 9 Uhr. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Wttitältttfil Den hiesigen Mitgliedern zur Notiz, daß von heule /l-IIJjvl'lllg» ab das sechste Heft des Hochverrathsprozcsscs in der Filialexpcdition zu haben ist. Endrcs. Allgemeiner deutscher Sattlerverein. <11. II IN» Sonnabend, den 1. Februar, Abends halb 9 Uhr, in Gratweils Bicrhallen, Commandantenstraßc 77. Vortrag und Berichterstattung über die Agitationsreise, Referent Auer. Der Vorstand. Internationale Metallarbeiterschafi.