«i Erscheint wöchentlich 2 Mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand. langen des In- und Aus- lande« an. Für Leipzig nehmen Be- stellungen an: die Expedition, Hohestraße 4. die Genossenschafts- uchdruckerei, Zeitzerstraße 44. Zl. Bebel, Peterstraße 18. Z. Müller, Bayerschestraße 8d, III. Kvonnementspreis:- Für Preußen incl. Stempel» steuer 17 Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten 12'/z Sgr. pro Quartal, pro Monat 4>/z Sgr. Für Leipzig und Umgegend pro Quartal 13 Nzr. Filialexpeditioncn für die Ver» einigten Staaten: F. A. Sorge, Boz 101 Ilobokcn, N. J, via Newyork. G. A. Lonnccker, 155 W. Lake Chicago(III.) OrgandersozialdemokratischenArbeUerpartelundderinternMonalenGewerksgenoffenschaften. JVr. 13. Mttt vol), 12 Kevruar. 1873. Abonnements auf den„Voltsstaat" Kr den Monat Februar zu 4'/- Nenarvschcu werden bei allen 'ächsischen Postan statten, für Leipzig bei der Expedition x'ohe Straße 4, wie in der Gcnvsscej�aflsduchdruckerei Zcitzer- straße 44. dann Petersstraßc 18 und bei Eolporrenr Mutter, fi» die iimgeaend von Leipzig bei den FiliaUxpedilio. en: stn Volkmarsdorf, Reudnitz, Ncuschönefeld'.c. bei O. St lzer, iRcudnitz, Lapellengaste 11.2 Tr., für Plagwitz und Linde- nau k. bei dein Uhrmacher Meinhard l» Li oenau, für(5on- newitz rc. bei Tenbncr, Bornaische Straße 197, für Klein- zschocher und Umgegend bei Fleischer, Nr. 87 daselbst cnt gegen genommen. Außerhalb Saclisens kann nur auf Februar und Mär; zu- gleich bei den Poslanftaltcn abonnirt werden. Die Expedition des„DolKsstaaUst An die Mitglieder der sozial-demokratifchen Arbeiterpartei. Parteigenossen! Seit einiger Zeit regt es sich unter den deutschen Arbeitern mehr denn je.(Überall verlaugt das Volk nach Aufklärung über die gesellschaftlichen und staatlichen Zustände und täglich treffeu bei dein unterzeichneten Ausschusse Briefe em, worin um Mittel und Kräfte für die sozial-demokvaUsche Agitation, beute für diesen, Morgen für jenen Ort, ersucht wird. Selbstverständlich ist der Ausschuß mit Freuden bestrebt, diesen Anforderungen schleunigst zu genügen, umsomehr als dieselben zusammentreffen Mit seinem Entschlüsse, in diesem Jahre die Agitation ans daS lebhafteste zu betreiben. So sind denn auch schon Agitationsreisen in den Rhe.n- landen, in Süddeutschlaiid, in Thüringen, Sachsen, Schlesien nud im Harz unternommen worden oder in der Ausführung begriffen und weitere Agitationen in Wort und Schrift befchlonene Sache. Mit diesen Agitationen geht die Ausbreitung unserer Partei Hand in Hand und wird das Netz unserer Organisation nicht nur e>- w-ilert, sondern auch gekräftigt. Allein damit nicht genug. Die außerordentliche Gelegenheit erfordert, will man sie zum guten Theil nicht unbenutzt vorübergehen lassen, außerordentliche Mittel. Mehr Geld! lautet daher der Zuruf, den wir an Euch, Parteigenossen, richten und demzufolge wir hiermit eine Ertrasteucr»on 2 Silbergroschen(9 Kreuzer) pro Mitglied ausschreiben. Kein Mitglied darf'sich von der Zahlung dieser Extrasteuer ausschließe»! Wem das Wohl und Gedeihen der Partei am Herzen liegt, dem wird dieses tieiue Opfer sicherlich nicht schwer fallen. Dtejenigeu Parteigenoffe», welche im Staude sind, eine höhere Extrasreuer zu zahlen, werden dringend ersucht, dies zu thun; der Boden der Agitation ist jetzt günstiger für uns wie je, also eilen w.r, die Saal zu bestellen! Der Ausschuß verpflichtet die Vertraneiismänner, die erste Rate der Extrastener möglichst sofort, jedenfalls noch im Februar, den Rest jedoch spätestens bis Mitte März dieses Jahres an den Partei- kassirer H. Benneke, Hamburg, kleiner Schäfeikamp 34, ein- zusenden. Gedenke jeder seiner Pflicht! Der Ausschuß der sojinl-dkmoiirntischrn Arbeiterpartei. I. A.: Ed. Prey. Th. Ljorck, Amandastr. 44. Hamburg, den 8. Febr. 1873. An die Vertrauensmänner. Da unter heutigem Datum die Konferenz-Circuläre abgeschickt 71 Morden sind, so bitte ich diejenigen VertraueuSmänner, welche keine Ii erhalten haben, sich brieflich unter Angabe ihrer Adreffen au i» Th. syorck, Amandastraße 44 in Hamburg, zu wenden. !! Zur den Ausschuß I. A.: Friedrich Lenz. Nachtrag über Proudhon und die Wohnungsfrage. Von Friedrich Engels. II. Wir kommen jetzt auf einen Hauptpunkt. Ich warf den Mül kergersschen Artikeln vor, daß sie»ach Proudhon'scher Manier ökonomische Verhältniffc verfälschen durch Uebersetzung m juristlsche Ausdrucksweise. Als Beispiel dafür hob ich folgenden Mülberger schen Satz heraus: «Da* einmal gebaute HauS dient als ewiger Rechtstitel aus einen bestimmten Bruchtheil der gesellschaftlichen AibeU. wenn auch der wukl.che Weich des Hanfes längst schon mehr aiS genügend i» der Form deS MieihziuseS a» den Besitzer gezahll wurde. So kommt es, daß ein HauS, welches z. B. vo. 50 Jahren gebaut wurde, während dieser Zeit in dem Enra. seines Miechzinses zwei-, drei-, fünf-, zehnmal u. s. w. den ur- sprünglichen Kostenpreis deckte." Mülberger beschwert sich nun:_ «Diese einfache, nüchterne Konstatirung einer Thal fache Lbraiilaßt EngelS, mir zu Gemüthc zu führen, daß ick halte erklären sollen, wie daS Haus„Rechtstitel" wird— eine Sache, die ganz außerhalb des Bereichs meiner Aufgabe lag... Ein anderes ist eine Schilderung, ein anderes eine Erklä- run g. Wen» ich nach Proudhon sage, das ökonomische Leben der Gesellschaft solle von einer Rechtsidee durchdrungen sein, so schildere ich hiermit die heutige Gesellschaft als eine solche, in der zwar nicht jene Rechtsibee, aber die Rechtsidee der Revolution fehlt, eine Thatsache, die Engels selbst zugeben wird." Bleiben wir zunächst bei dem einmal gebauten Hause. Das Haus, wenn vermiethet, bringt seinem Erbauer Grundrente, Re- paraturkoften und Prosit auf fem ausgelegtes Bankapital in der Gestalt von Miethe ein, und je»ach den Verhältnissen kann der »ach und nach gezahlte Miethbetrag zwei-, drei-, fünf, zehnmal den ursprünglichen Kosteupreis ausmachen. Dies, Freund Mül- berger, ist die„einfache»üchierne Konstatirung" der„Thalsache", die eine ökonomische ist; und wenn wir wissen wolle», wieso „es so kommt", daß sie existirt, so urüffe» wir die Untersuchung auf ökonomischem Gebiet sühren. Sehen wir niiS also die Thatsache etwas näher au, �damit kein Kind sie weiter mißverstehen könne. Der Verkauf einer Waare besteht bekanntlich darin, daß der Besitzer ihren Gebrauchswerth weggibt und ihren Tauschwerth einsteckt. Die Gebrauchswerthe der Maaren unterscheiden sich unter Anderem auch darin, daß ihre Konsumtion verschiedene Zeiträume erfordert. Ein Laib Brot wird in einem Tage verzehrt, ein Paar Hosen in einem Jahr verschlissen, ein Haus meinetwegen in 1 Jahren. Bei Waaren von langer Verschleißdauer tritt also die 'Möglichkeit ern, den Gebrauchswvlh stückivesse, jedesmal auf be- stimmte Zeit, zu verkaufen, d. h. ih» zu vermiethen. Der stück- . oe.se Verkauf realiprl also den Tauschwerth nur nach und nach; für diesen Verzicht auf sofortige Rückzahlung dys vorgeschossenen Kapitals nnv oes darauf erwordeuen Profits wird der Verkäufer entschädigt durch einen Preisaufschlag, eine Verzinsung, deren Höhe durch die Ges.tze der politischen Oekonomie durchaus nicht will- kürlich bestimmt wird. Am Ente der 100 Jahre ist das Haus ausgebrancht, verschlissen, unbewohnbar geworden. Wenn wir dann von dem gezahiten Gesamiut-Mwihbeirag abziehen: 1) die Grundrente nebst der etivaigen Steigerung, die sie während der Zeit er- fahren, und 2) die ausgelegteu tausenden Reparaturkosten, so wer- den wir finden, daß der Rest im Durchschnitt sich zusammensetzt: l) aus dem ursprünglichen Baukapital des Hauses, 2) aus dem Prosit darauf, und 3) aus der Verzinsung des nach und»ach fällig gewordenen Kapitals: Nun hat zwar am Ende dieses Zeit ramus der'Miether kein Haus, aber der Hausbesitzer auch nicht. Dieser hat nur das Grundstück(wenn es ihm nämlich gehört) und die darauf befindlichen Baumaterialien, die aber kein Haus mehr sind. Und wenn das Haus inzwischen„fünf- oder zehnmal den ursprünglichen Kostenpreis deckte", so werden wir sehn, daß dieö ted. glich etilem Anfschlag der Grundrente geschuldet ist; wie dieS Niemanden ein Geheim». ß ist a» Oiten wie London, wo Grund- bejiyer und Hausbesitzer meist zwei verschiedene Personen sind. Solche kolossale Mieihsauffchläge kommen vor tii rasch wachsenden großen Städten, aber nicht in einem Ackerdorf, wo die Grundrente für Bauplätze fast unverändert bleibt. Es ist ja notorische Thatsache, daß, abgesehen von Steigerungen der Grundrente, die H iusiiuethe dem HanSdeptzer durchjchuitltich nicht über 7 pEt. des angelegten Kapital«(uicl. Prosits) jährlich einbringt, woraus dann noch Reparawrko stell ic. zu bestreiten sind. Kurz, der Mieth- v.rlrag ist ei» ganz gewöhnliches Waarengeschäfr, das für den Arbeiter theoretisch».cht mehr und nicht minder Interesse hat als jedes andere Waarcngejchäft, ailsgenommeu das, worin es sich um oen Kauf und Verkauf der Arbeitskraft handelt, während er ihm praktisch als eine der tausend Formell der dürgerlichen Prellerei gegenuberirilt, von denen ich S. 4 des Separalabdrucks spreche, die aber auch, wie ich dort nachgewiesen, einer ökonomischen Rege- tung unterworfen sind. Mülberger dagegen sieht im Miethoertrag Nichts als reine „Willkür"(S. 19 des Separatabdrucks), und wenn ich ihm das Gegeniheil beweise, so beklagt er sich, ich sage ihm„lauter Dinge, dw er leider schon selbst geioiißt." Mit allen ökonomische» Uuters»chil»geil Uber die Hansmiethe kommen irnr aber nicht dahin, v.e Abschaffung der Miethwohnunz zu verwandeln in„eine der fruchtbarsten und großartigsten Be- strebnngeu, welche dem Schooß der revolulionären Idee ent- stammt." Um dies fertig zu bringen, müssen wir die einfache Thatsache aus der nüchternen Oekonomie in die schon viel idea- logischere Juristerei überietzeii.«Das Haus dient als ewiger Rechts- titel" auf Hansmiethe—„so kommt es", daß der Werth des HauseS in Hausm.ethe zivee-, drei-, fn»f-, zehnmal gezahlt werden kau». Um zu ersah, e», wie, das„so kommt", hilft uns der „Rechtstitel" keine» Zoll vom Fleck; und deswegen sagte ich, Mülberger hätte erst durch Untersuchung, wie das Haus Rechts titel wird, erfahren können, wie das„so kommt." Dies erfahren wir erst, wenn wir, wie ich that, die ökonomische Natur der Hausmiethe unte. suche», statt uns Uber den jurischen Ausdruck, unter welchem die he.richende Klasse sie� sar.ktionirt, zu erbosen.— Wer ökonomische Schritte zur Abschaffung der Hausmiethe vor» schlägt, der ist doch wohl verpflichtet, etwas mehr von der Haus- miethe zu wissen, als daß sie„den Tribut darstellt, den der Miether dem ewigen Rechte des Kapitals bezahlt." Darauf ant- ivortet Mülberger:„Ein anderes ist eine Schtlderung, ein anderes eine E. kiärung." Wir haben also das Haus, obwohl es keineswegs ewig ist, in einen ewigen R.chistitel auf Hausmiethe verwandelt. Wir finde», einerlei wie das„so kommt", daß kraft dieses Rechlstitels das HauS seinen Werlh in der Gestalt von Hansmiethe mehrfach ein- bringt. Wir sind, durch die Uebersetzung ins Juristische, glücklich soweit von der Oekonomie entfernt, daß wir nur noch die Er- scheinung sehen, daß ein Haus sich in Brutto-Miethe allmälig mehrfach bezahlt machen kann. Da wir juristisch denken und sprechen, so legen wir an diese Thatsache den Maßstab des Rechts, der Gerechtigkeit und finden, daß sie ungerecht ist, daß sie der „Rechtsidee der Revolution", was das auch immer für ein Ding sein mag, nicht entspricht und daß der Rechtstitel daher nichts taugt. Wir finden ferner, daß dasselbe vom zinstragenden Kapital und vom verpachteten Ackerland gilt, und haben nun den Bor- wand, diese Klassen von Eigenthum von den andern auszuscheiden und sie einer ausnahmsweise» Behandlung zu unterwerfen. Diese besteht in der Forderung: 1) dem Eigenthnmer das Kündigungs- recht, das Recht auf Rückforderung seines Eigenthums, zu neh- men; 2) dem Miether, Borger oder Pächter den Nießbrauch des ihm übertragenen, aber ihm nicht gehörigen Gegenstandes unent- gcltlich zu überlassen, und 3) den Eigenthümer in längeren Raten ohne Verzinsung abzuzahlen. Und damit haben wir die Proudhon'- schen„Prinzipien" nach dieser Seite hin erschöpft. Es ist dies Proudhon's„gesellschaftliche Liquidation." Beiläufig bemerkt. Daß dieser ganze Reformplan fast aus- schließlich den Kleinbürgern und Kleinbauern in der Weise zu Gute kommen soll, daß er sie in ihrer Stellung als Kleinbürger und Kleinbauer befestigt, liegt auf der Hand. Die nach Mül- berger sagenhafte Gestalt des„Kleinbürgers Proudhon" erhält hier also plötzlich eme sehr handgreifliche historische Existenz. Mülberger fährt fort:„Wenn ich nach Proudhon sage, das ökonomische Leben der Gesellschaft solle von einer Rechtsidee dnrcbdrungen sein, so schildere ich hiermit die heutige Gesellschaft als eine solche, in der zwar nicht jede Rechtsidee, aber die Rechts- idee der Revolution fehlt, eine Thatsache, die selbst Engels zugeben wird." Leider bin ich außer Stande, Mülberger diesen Gefallen zu Ihn». M. verlangt, die Gesellschaft solle von einer Rechtsidee durchdrungen sein, und nennt das eine Schilderung. Wenn mir ein Gerichtshof eine Aufforderung durch Gerichtsvollzieher zu- kommen läßt, eine Schuld zu bezahlen, so thut er, nach Mül- berger weiter nichts, als daß er mich als einen Menschen schil- dert, der seine Schulden nicht bezahlt! Ein anderes ist ein« Schilderung, ei» anderes eine Zumnthung. Und gerade hier liegt der wesentliche Unterschied des deutschen wissenschaftlichen Sozialis- mus von Proudhon. Wir schildern— und jede wirkliche Schil- derung ist, trotz Mülberger, zugleich die Erklärung der Sache— die ökonomischen Verhältnisse, wie sie sind und wie sich entwickeln, und führen, strikte ökonomisch, den Beweis, daß diese ihre Ent- Wickelung zugleich die Entwickelung der Elemente einer sozialen Revolution ist: die Entwickelung— einerseits, einer Klaffe, deren Lebenslage sie nothwendig zur sozialen Revolution treibt, des Pro- lelariats— andererseits, von Produktivkräften, die, dem Rahmen der kapitalistischen GeseUschast entwachsen, ihn nothwendig sprengen müssen, und die gleichzeitig die Mittel bieten, die Klaffenunter- schiede ein- für allemal im Interesse des gesellschaftlichen Fort- Ickritts selbst zu beseitigen. Proudhon dagegen stellt an die heutige Gelellschaft die Forderung, sich nicht nach den Gesetzen ihrer eigenen ökonomischen Entwickelung, sondern nach den Vorschriften der Ge- rechtigkeit(die„Rechtsidee" gehört nicht ihm sondern Mülberger) "mzugestalten. Wo wir beweisen, predigt und lameutirt Proudhon, und mit ihm Mülberger. Was„die Rechtsidee der Revolution" für ein Ding ist, kann ich absolut nicht errathen. Proudhon allerdings macht sich aus „der Revolution" eine Art Göttin, die Trägerin und Vollstreckerin seiner„Gerechtigkeit"; wobei er dann in den sonderbaren Jrrthum verfällt, die bürgerliche Revolution von 1789— 94 und die künftige proletarische Revolution durcheinander zu werfen. DieS thut er in fast allen seinen Werken, besonders seit 1848; als Beispiel führe ich nur an: Idee generale de la Revolution, ed. 1868, p. 39& 40. Da aber Mülberger alle und jede Verantwortlich- keit für Proudhon ablehnt, so bleibt mir verboten,„die Rechts- idee der Revolution" aus Proudhon zu erklären, und ich verharre in ägyptischer Fiiisterniß. Weiter sagt Mülberger: „Aber weder Proudhon noch ich appelliren an eine„„ewige Gerechtigkeit"", um dadurch die bestehenden ungerechten Zu- stände zu erklären oder gar, wie dies Engels mir imputirt, die Besserung dieser Zustände von dem Appell an diese Gerech- tigkeit zu erwarten." Mülberger muß darauf bauen, daß„Proudhon überhaupt�» Deutschland so gut wie gar nicht gekannt" ist. In allen seinen Schriften mißt Proudhon alle gesellschaftlichen, rechtlichen, politi- schen Zustände, alle theoretischen, philosophischen, religiösen Sätze an dem Maßstab der„Gerechtigkeit", verwirft sie oder erkennt sie an, je nachdem sie stimmen oder nicht stimmen mit dem, was er „Gerecktigkeit" nennt. In den Ooutrndictious dconorniques heißt diese Gerechtigkeit noch„ewige Gerechtigkeit", jnstiee eternelle. Später wird die Ewigkeit v rschwiegen, bleibt aber der Sache nach. Z. B. in: l)e la Justice dans la Revolution et dans l'Eglise, Ausgabe 1858, ist folgende Stelle der Text der ganzen dreibändigen Predigt(Band 1, S. 42):» „Welches ist das Grundprinzip, das organische, regelnde, souveraine Prinzip der Gesellschaften, das Prinzip, welches, sich alle andern unterordnend, regiert, schützt, zurückdrängt, züchtigt, im Nolhfalle selbst unterdrückt alle rebellischen Elemente? Ist es die Religion, das Ideal, das Interesse?... Dies Prinzip, nach meiner Ansicht, ist die Gerechtigkeit.— WaS ist die Gerechtigkeit? Da« Wesen der Menschheit selbst. Was ist sie gewesen seit dem Anfang der Welt? Nichts.— WaS soll sie sein? Alles." Eine Gerechtigkeit, die das Wesen der Menschheit selbst ist, was ist das anders als die ewige Gerechtigkeit? Eine Gerechtig- keit, die das organische, regelnde, souveraine Grundprinzip der Gesellschaften, die bisher trotzdem Nichts gewesen ist, die aber Alles sein soll— was ist sie anders als der Maßstab, an dem alle nienschlichen Dinge zu messen, an die in jedem Kollisionsfall als entscheidende Rickterin zu appelliren ist? Und habe ich etwas Anderes behauptet, als daß Prondhön seine ökonomische Unwissen- heit und Hülfslosigkeit damit verdeckt, daß er alle ökonomischen Verhältnisse nicht nach den ökonomischen Gesetzen, sondern danach beurtheilt, ob sie mit seiner Borstellung von dieser ewigen Gercch- tigkeit stimmen oder nicht? Und wodurch unterscheidet sich Mül- berger von Provdhon, wenn M. verlangt, daß„alle Umsetzungen im Leben der modernen Gesellschaft... von einer RechtSidee durchdrungen, d. h. allenthalben nach den strengen Anforde- rungen der Gerechtigkeit durchgeführt" werden sollen? Kann ich nicht lesen, oder kann Mülberger nicht schreiben? Weiter sagt Mülbergen „Prondhon weiß so gut wie Marx und Engels, daß da» eigentliche Treiben in der menschlichen Gesellschaft die ökonomi- scheu, nicht die juridischen Verhältnisse sind, auch er weiß, daß die jeweiligen Rechtsidcen eines Volks nur der Ausdruck, der Abdruck, das Produkt der ökonomischen— insbesondere der Produktionsverhältnisse sind... Das Recht ist für Prondhon mit Einem Wort— historisch gewordenes ökonomisches Pro- dukt." Wenn Prondhon dies(ich will die unklare Ausdrucksweise Mülbcrgers passiven lassen und den guten Willen für die Thal nehmen), wenn Prondhon dies alles„ebenso gut weiß wie Marx und Engclö", wie können wir unS dann noch streiten? Aber es steht eben etwas anders mit der Wissenschaft Proudhon's. Die ökonomischen Verhältnisse einer gegebenen Gesellschaft stellen sich zunächst dar alS Interessen. Nun sagt Proudhon in der eben zitirten Stelle seines Hauptiverks mit dürren Wo ten, daß das „regelnde, organische, souveraine Grundprinzip der Gesellschaften, welches sich alle andern unterordnet", nicht das Interesse ist, sondern die Gerechtigkeit. Und er wiederholt dasselbe in allen seinen Schriften an allen entscheidenden Stellen. WaS Mülberger nicht verhindert, fortzufahren: „... daß die Idee deö ökonomischen Rechts, wie sie von Proudhon am tiefsten in La Guerre et la Paix entwickelt ist, vollständig zusammenfällt mit jenen Grundgedanken Lassalle's, wie sie so schön in seinem Vorwort zum„„System der erwor- denen Rechte"" gegeben sind." La Guerre et la Paix ist vielleicht das schülerhafteste der vielen schülerhaften Werke Proudhon's, aber daß cS als Beweismittel aufgeführt werde für sein angebliches Verstäudniß der deut- schen materialistischen Geschichtsanschauung, die alle historischen Ereignisse und Vorstellungen, alle Politik, Philosophie, Religion, aus den materiellen, ökonomischen Lebensverhältnissen der frag- lichen geschichtlichen Periode erklärt, das konnte ich nicht erwarten. Das Buch ist so wenig materialistisch, daß es seine Konstruktion des Kriegs nicht einmal fertig bringen kann, ohne den Schöpfer zu Hülfe zu rufen:„Indessen hatte der Schöpfer, der diese Lebens- weise für uns gewählt hat, seine Zwecke"(Bd. II, S. 100 der Ausgabe von 1869). Auf welcher Geschichtskenntniß es beruht, geht daraus hervor, daß eö an die geschichtliche Existenz des gol- denen Zeitalters glaubt:„Im Anfang, als die Menschheit noch vünngesäet war auf dem Erdball, sorgte die Natur ohne Mühe für seine Bedürfnisse. Es war das goldene Zeitalter, das Zeit- alter des Ueberflusses und des Friedens"(ebenda, S. 102). Sein ökonomischer Standpunkt ist der des krassesten Malthusianismus: „Wenn die Produktion verdoppelt wird, so wird die Bevölkerung es bald ebenfalls sein"(S. 105). Und worin besteht denn der Materialismus des Buchs? Darin, daß es behauptete, die Ursache des Kriegs sei von jeher und immer noch:„der Pauperismus" (z. B. S. 143). Onkel Bräsig war ein ebenso gelungener Mate- rialist, als er in seiner 1843er Rede das große Wort gelassen aussprach: Die Ursache der großen Armuth ist die große pauvrets. Lassalle's„System der envorbenen Rechte" ist nicht nur in der ganzen Illusion des Juristen, sondern auch in der deö Alt- Hegelianers befangen. Lassalle erklärt S. VII ausdrücklich, daß auch„im Oekonomifchen der Begriff des eravorbenen Rechts der treibende SpringqueÜ aller weiteren Entwickelung" ist, er will „das Recht als einen vernünftigen, sich aus sich selbst(also nicht auS ökonomischen Vorbedingungen) entwickelnden Organis- mus" nachweisen(S. IX), es handelt sich für ihn um Ableitung des Rechts, nicht aus ökonomischen Verhältnissen, sondern ans dem „Willensbegriff selbst, dessen Entwickelung und Darstellung die Rechtsphilosophie nur ist"(S. X). Was soll also das Buch hier? Der Unterschied zwischen Proudhon und Lassalle ist nur der, daß Lassalle ein wirklicher Jurist und Hegelianer war, und Proudhon in der Juristerei und Philosophie, wie in allen andern Dingen, ein reiner Dilettant. Daß Proudhon, der sich bekanntlich fortwährend widerspricht, auch hier und da einmal eine Aeußerung thut, die danach aus- sieht, als erkläre er Ideen aus Thatsachcn, weiß ich sehr gut. Dergleichen einzelne Aeußerungen sind aber ohne allen Belang gegenüber der durchgehenden Denkrichtung des Manues, und wo sie vorkommen, noch dazu äußerst verworren und in sich in- konsequent. Auf einer gewissen, sehr ursprünglichen Entwickelungsstufe der Gesellschaft stellt sich das Bedürfniß ein, die täglich wiederkehren- den Akte der Produktion, der Vertheilung und des Austausches der Produkte unter eine gemeinsame Regel zu fassen, dafür zu sorgen, daß der Einzelne sich den gemeinsamen Bedingungen der Pro- duktion und des Austausches untenvirft. Diese Regel, zuerst Sitte, wird bald Gesetz. Mit dem Gesetz entstehn nothwendig Organe, die mit seiner Auftechthaltung betraut sind— die öffentliche Gewalt, der Staat. Mit der weiteren gesellschaftlichen Entwickelung bildet sich das Gesetz fort zu einer mehr oder weniger umfang- reichen Gesetzgebung. Je verwickelter diese Gesetzgebung wird, desto weiter eiirfernt sich ihre Ausdrucksweise von der, in welcher die gewöhnlichen ökononsischen Lebensbedingungen der Gesellschaft ausgedrückt werden. Sie erscheint als ein selbständiges Element, das.nicht aus den ökonomischen Verhältnissen, sondern aus eigenen, inneren Gründen, meinetwegen aus dem„Willensbegriff" die Be- rechtigung seiner Existenz und die Begründung seiner Fortent- Wickelung hernimmt. Die Menschen vergessen die Abstammung ihres Rechts aus ihren ökonomischen Lebensbedingungen, wie sie ihre eigene Ab- stammung aus dem Thierreich vergessen haben. Mit der Fort- bildung der Gesetzgebung zu einem verwickelten, umfangreichen Ganzeu tritt die Nothwendigkeit einer neuen gesellschaftlichen Arbeitstheilung hervor: es bildet sich ein Stand berufsmäßiger Rechtsgelehrten, und mit diesen entsteht die Rechtswissenschaft. Diese vergleicht in ihrer weiteren Eniwickelung die Rechtssysteme verschiedener Völker und verschiedener Zeiten mit einander, nicht als Abdrücke der jedesmaligen ökonomischen Verhältnisse, sondern als Systeme, die ihre Begründung in sich selbst finden. Die Vergleichung setzt Gemeinsames voraus: dieses findet sich, indem die Juristen das mehr oder weniger Gemeinschaftliche aller dieser Rechtssystem: als Naturrecht zusammenstellen. Der Maßstab aber, an dem gemessen wird was Naturrccht ist und was nicht, ist eben der abstrakteste Ausdruck des Rechts selbst: die Gerech- tigkeit. jVon jetzt an ist also die Entwickelung des Rechts für die Juristen und die, die ihnen auf's Wort glauben, nur noch das Bestreben, die menschlichen Zustände, soweit sie juristisch ausgedrückt werden, dem Ideal der Gerechtigkeit, der ewigen Gercch- tigkeit immer näher zu bringen. Und diese Gerechtigkeit ist immer nur der ideologisirte, verhimmelte Ausdruck der bestehenden ökono- mischen Verhältnisse, bald nach ihrer konservativen, bald nach ihrer revolutionären Seite hin. Die Gerechtigkeit der Griechen und Römer fand die Sklaverei gerecht; die Gerechtigkeit der Bourgeois von 1739 forderte die Aushebung des Feudahömus weil er un gerecht sei. Für die preußischen Junker ist selbst die faule Kreis- ordnung eine Verletzung der ewigen Gerechtigkeit. Die Vorstellung von der ewigen Gerechtigkeit wechselt also nicht nur mit der Zeil und dem Ort, sondern selbst mit den Personen, und gehört zu den Dingen, worunter, wie Mülberger richtig bemerkt,„Jeder etwas Anderes versteht." Wenn im gewöhnlichen Leben bei der Einfachheit der Verhältnisse, die da zur Beurtheilung kommen, Ausdrücke, wie recht, unrecht, Gerechtigkeit, Reckcksgefühl, auch in Beziehung auf gesellschaftliche Dinge, ohne Mißverständniß hin- genommen werden, so richten sie, in wissenschaftlichen Untersuchun- gen über ökonomische Verhältnisse, wie wir gesehen haben, die- selbe heillose Verwirrung an, die z. B. in der heutigen Chemie entstehen würde, wollte man die Ausdrucksweise der phlogistischen Theorie beibehalten. Noch schlimmer wird die Verwirrung, wenn man, wie Prondhon, an dies soziale Phlogiston, die„Gerechtigkeit", glaubt oder, wie Mülberger betheuert, mit dem Phlogiston nicht minder als mit dem Sauerstoff habe es seine vollkommene Ria;- tigkeit.�) Politische Uebersicht. Die Folgen der bestehenden sozialen und politischen Zustände machen sich in einer für das herrschende System immer erschreckenderen Weise fühlbar. Die Klagen deS Grafen Eulenburg im preußischen Abgeordnetenhaus erhalten in nachfolgenden Zahlen ein Pendant, aus dem hervorgeht, daß die Auswanderung im vorigen Jahr riefen- hafte Dimensionen angenommen hat. In der Provinz Preußen werden wegen Entziehung vomMilitärdienste und unerlaub- tem Auswandern allein verfolgt: im Regierungsbezirk Königsberg 2163 Personen. Das Kreisgericht Memel verfolgt 568, Neideu- burg 259, Rößel 238, Bartenstein 176, Mohrungen 164, Wehlau 142, im Regierungsbezirk Posen werden ans dem gleichen Grunde 1172 Personen verfolgt. Und das Heilmittel gegen diese Fahnen- flucht in Masse, worin besteht es? Die Regierungen verlangen vom nächsten Reichstag die Bewilligung von 68 Millionen Thaler zur Erweiterung der Festungen, und um 10— 15 Millionen Thaler soll das laufende Militärbudget erhöht werden. Unterdeß geht für die, durch die Novemberstürme schwer heimgesuchten Ostsee- Provinzen unter Protektion des Kronprinzen der Betlelsack von Neuem im Lande herum, weil der Staat für das Unglück seiner Bürger kein Geld hat.— Zum Conzessions- Schwindel des Geheimen Justiz- und Regierungsraths, ersten Vortragenden Raths im Reichskanzleramt und beim Kaiser, Wagener, bringt die„Oder-Ztg." folgende (neue) Enthüllung aus Bärwalde in Pommern: „Nicht die Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschast hat die Vor- arbeiten für die Eisenbahn von Wangerin nach Conitz macheu lassen, sondern dieselben sind von den betreffenden Kreisen gemacht worden, wozu der Neuftettiner z. B. 7000 Thlr. hat zusammen- bringen müssen. Diese Vorarbeiten sind s. Z. dem Herrn Wa- gen er und Herrn Bankdirector Schuster überlassen worden: diese beiden Herren hatten ein Consortium englischer Eisenbahn- Bauunternehmer gefunden, welches die Strecke Wangerin-Conitz bauen wollte; sie verlangten aber von demselben für die lieber- lassung der Konzession— sage eine Million Thaler,— worauf die Gesellschaft es vorzog, als seitens der Herren Wagener und Schuster ein Angebot von 200,000 Thlr., einschl. Ueberlassnng der Vorarbeiten, die ihnen gar nichts gekostet hatten, abgelehnt war, lieber auf den ganzen Bau zu verzichten. Wenn man bedenkt, daß das ganze Anlagekapital aus 9 Millionen berechnet ist, und daß die Biedermänner davon nur eine Million für Nichts und wieder Nichts haben wollten, so kann man sich einen Begriff machen, welcher Schwindel bei dieser Eiienbahn-Angelegenheit ge- waltet hat. Der jetzige Vorsitzende des Comite's, Herr Bang vier Oder, ist erst später in die Gesellschaft eingetreten und nicht Mit- begründer gewesen, vielmehr soll er seinen bedeutenden Posten erst nach dem offiziellen Rücktritt deö Herrn Wagener erhalten haben. Obgleich Herr Wagener Vertreter des Neuftettiner Kreises ist, so ist er dies nur für seine Parteigenossen, die hier im Kreise sehr mächtig sind. Für die Mehrzahl des Kreises ist er es indessen nicht und wird es auch nie sein. Die Angaben über die Forderung bei der Conzessions-Ueberlassung habe ich von dem Herrn Eisen- bahn-Baumeister Kretschmer, der die Thatsache von den betreffen- den englischen Herreit selber erfahren hat." Als Moltke vor 3 Jahren feinen 70. Geburtstag feierte, sagte die„Norddeutsche" in ihrem diesbezüglichew.Festartikel sehr sinnig, das preußische Volk werde zeitlebens seinem Gotte dafür danken, daß dieser ihm einen König gegeben habe, der es verstanden, Moltke den richtigen Platz im Stklate anzuweisen. Wie schön würde dieser Ausspruch erst auf Wagener passen!— Der„Neue Sozialdemokrat" thut von Zeit zu Zeit als ob er im vertrautesten Verhältniß zu den Schweizer Baku- nisten und Belgischen Föderalisten stünde. Um denjenigen, die diese wunderbare Zärtlichkeit deS Berliner zentralisationS- wüthigen Blattes für die jede Autorität bekämpfenden Jurassischen und Belgischen Fanatiker der Anarchie und Dezentralisation etwa für ernst nehmen, und au eine Erwiderung der komischen Leiden- schaft glauben sollten, den Staar zu stechen, übersetzen wir noch- malS folgenden Passus aus dem offiziellen Organe der Belgi- schen Föderalisten. In der„Internationale" vom 6. Oktober des vorigen Jahres, Nr. 195, S. 1, Spalte 3, oberster Absatz, ist zu lesen:„Wir sprechen kein Urtheil aus über den sogenannten *) Vor Entdeckung des Sauerstoffs erklärten sich die Chemiker die Ver- brennung der Körper in atmosphärischer Luft durch die Annahme eines eigenen Brennstoffs, des Phlogiston, der bei der Verbrennung entweicht. Da sie fandcu, daß verbrannte einfache Körper nach der Verbrennung mehr wogen, als vorher, erklätten sie, das Pblogiston habe eine negative Schwere, sodaß ein Körper ohne sein Phlogiston mehr wiege als mit ihm. Auf diese Weise wurden dem Phlogiston allmälig die Hauptcigen- schatten des Sauerstoffs angedichtet, aber alle umgekehrt. Die Eni- dcckung, daß die Verbrennung in der Verbindung der brennenden Körper mit einem andern, dem Sauerstoff, bestehe, und die Darstellung dieses Sauerstoffs inachte dieser Annahme— aber erst nach langem Widerstand der älteren Chemiker— ein Ende. „Allgemeinen Föderalistischen Kongreß"(GottAfös Federaliste üniversel), der von den Landeck, Oudot und Vesinier in London abgehalten worden ist. Es ziemt sich nicht, daß diese Namen in einem Blatt, das seine Leser achtet, oft ge- nannt werden.(II n'est pas bon que ces noms— lä soient i'requemmeut reproduits datts utt Journal qui ruspecte ses lecteurs). Es ist sehr gleichgültig, ob die Schattenbe- jchlüsse(ombres de decisions) dieser Leute unseren Forderungen günstig sind oder nicht.(Wir sind bereit, die betr. Nummern der „Internationale" auf Wunsch vorzuzeigen.) Wir dächten, das wäre deutlich genug. Die Landeck, Vesinier und Konsorten sind bekanntlich die Freunde Schneiders und des „Neuen Sozialdemokrat"'. Wir bedauern sehr, daß wir in Bezug auf die Organisalionsfrage mit den durch die„Internationale" vertretenen belgischen Arbeitern momentan in Differenz sind, aber dieselben sind„ehrliche Leute", die mit Lumpen nichts zu thun haben wollen; und es sind unsere Brüder, trotz alledem, mit venen wir auch unzweifelhaft bald wieder in vollster Harmonie zusammenstehn werden.— Die Berliner„Kreuzzeitung" bemerkt in einer ihrer letzten Nummern, Graf Eulenburg habe das Hebel der Auswanderung noch nicht in seiner vollen Äusdehnung geschildert. Die Ziffer der Auswanderuug sei viel größer, als er angegeben; allein in dem Regierungsbezirk Königsberg seien in diesem Augenblick zweitausend einhundert und sechsundachtzig Landwehrleute und Reservisten, welche sich durch Aus- Wanderung der ferneren Dienstpflicht entzogen haben, steckbrieflich verfolgt. Das ist fteilich eine„beunruhigende" Ziffer; und wenn es so fort geht, wird das„herrliche KriegSheer" nach etlichen Jahren in Amerika hinter dem Pflug hergehen, an- statt in Europa Städte in Brand zu schießen und die Erde mit Leichen zu düngen—, waö allerdings ein großes Unglück für un-, seren„Nationalruhm" wäre.— Die Französische Nationalversammlung beschäftigt sich seit einiger Zeit mit einem Gesetz über die Kinderarbeit. Am 29. 1 Januar kam der Artikel 2 des RegicrungsenNvurfs zur Berathnng. Derselbe lautet:„die Kinder dürfen von den Arbeitgebern in den Manufakturen, Fabriken, Werkstätten und Werften weder beschäf- tigt noch zugelassen werden, bevor sie nicht das Alter von zehn! Jahren erreicht haben." Ein Herr Laureut stellte ein Amende- ment, welches das Alter von 12 Jahren als Grenze der kapitali- 1 stischen Ausbeutung sestsetzte; er führte auch auS, daß die Kinder bei zu ftüher Beschäftigung in Werkstätten physisch und moralisch zu Grunde gehen müßten, zog aber schließlich doch sein Amende- � ment zurück,„weil man die Beziehungen zwischen Arbeit und Ka-J pital nicht revolutionär stören dürfe!" Ein ebenfalls die! Altersgrenze von 12 Jahren setzendes Amendement eines Herrn i Godin wurde mit 213 gegen 392 Stimmen, also fast mit Ma- jorität verworfen. Hierauf kam der§ 3 zur Berathung und! Annahme. Derselbe lautet:„Vom Alter von 10 Jahren an bis zum vollendeten zwölften dürfen die Kinder nicht länger als sechs| Stunden täglich, in die eine Ruhepause fallen muß, beschäftigt werden. Mit 12 Jahren können sie zwölf Stunden täg- lich, die durch zwei Pausen zu unterbrechen sind, beschäftigt werden. Diese Arbeit darf nur zwischen fünf Uhr Morgens und neun Uhr Abends stattfinden." Sechsstündige Arbeit für Kinder von 10— 12 Jahren ist erwiesenermaßen so anstrengend und aufteibend, daß von normaler Körper- und Geistesenttvicklung nicht die Rede sein kann, und der in diese, zwischen oder nach den Arbeitsstunden ertheilte Schul- Unterricht eine elende Farce ist, aufgeführt, blos um dem Pub- likum Sand in die Augen zu streuen. WaS aber sollen wir zu der zynischen Barbarei sagen, daß man fiir Kinder vom 12. Jahre an eine zwölfstündige Arbeitszeit angemessen hält! In Deutsch- land streben die arbeitenden Männer allgemein nach einer Ma- ximal-(höchsten) Arbeitszeit von 10 Stunden, in England von 9 und in den Vereinigten Staaten von Amerika gar bloß von 8 Stunden, weil eine längere Arbeitszeit sich mit den Erforder- nissen der körperlichen und geistigen Gesundheit des vollenttvickel- ten Menschen nicht verträgt. Und hier spannt man zarte Kinder von 12 Jahren, deren Körper und Geist noch völlig unentwickelt,. aus zwölf Stunden in das Joch deS Kapitals, also auf cinr um ein Drittel längere Zeit, als es in Amerika, und uin ein Viertel, als eS in England mit dem Wohlbefinden er-i wachfencr Männer für vereinbar gilt! Natürlich gehen die Kinder bei solcher Ueberarbeitnng zu Grunde, doch was macht daS dem Kapital? An die Stelle der Getödteten und Verkrüppelten kommen frische Rekruten des Kirchhofs und des Hospitals;— der Hunger figurirt als„Einpeitscher", um uns eines englischen, ergo musterparlamentarischen Ausdrucks zu bedienen, tind sorgt dafür, daß eS dem Moloch nie an Kinderfleisch fehlt; das Geld, welches die Arbeit des zarten Kindes in die Tasche deS gnädigen Herrn Arbeitgebers bringt, folgt ja dem Kind nicht in das Grab nach, sondern bleibt, in der Gestalt von harten guten Souvereigns, 20-Franc-Stücken und FriedrtchSd'or in der Tasche des gnädigen I Herrn Arbeitgebers, und setzt ihn in den Stand, an Stelle ceSi getödteten oder verkrüppelten Kinds sich ein frisches gesundes auch zwei— zu kaufen. Das nennt man das„ewige Recht deS Eigenthums", und„göttliche Weltordnung!" Was die„Ruhepausen" zwischen der Arbeit angeht, so ist daS reiner Humbug. Das Kapital sorgt dafür, daß möglichst viel 'Arbeit auS den Kindern„herauSgetchunden" wird und nutzt die Zeit, wo sie ihm überliefert sind, nach Kräften aus. Von Muß? kann da nicht die Rede sein; durch die 6stündige Arbeit werde» die zehn- und durch die 12stündige die zwölfjährigen Kinder s» vollständig erschöpft, daß sie selbst zu gesundem körperliche!» Ausruhen zu müde sind, geschweige gar die für den Schul- Unterricht nöthige geistige Frische und Elastizität haben sollten! i Es ist eben Mord! Körpermord und Seeleumord! Der Strike in Wales dauert fort; die Arbeiter, obgleiä nun einen vollen Monat ohne Beschäftigung, sind nicht nur i» bester Verfassung und besten Muchs, sondern haben sogar ei»' Ansdehitung deS Strikes bewirkt, so daß jetzt 80,000, statt der anfänglichen 60,000 ausstehen. Die Grubenbesitzer scheinen ai» Sieg zu verzweifeln; laut Londoner Blättern haben sie ihre Bt- reitwilligkeit erklärt, die Lohureduktion zurückzunehmen' falls die Arbeiter ihrerseits in das Doppelschichtsystem wil- ligen wollten. Diese? Doppelschichtssystem ist ein neuer uch zwar erzinfamer Kniff der Herren Kapitalisten. Es besteht darin, daß die Werke doppelte Belegschaften erhalten sollen, und h»� für die Herren Kapitalisten den zwiefachen Vortheil, daß sie, wen» die Arbeit brisk geht, mehr Arbeit ausbeuten und das Anlage' kapital, die Maschinen. tc. besser ausnutzen können, und daß 2. wenn die Arbeit erschöpft, die eine Belegschaft wegschicke» und gegen die in Arbeit Verbleibenden ausspiele» können. Kurz, die Herren Kapitalisten haben in der„guten Zeit weniger Mangel an Händen, in der„schlechten Zeit" wenige) Schwierigkeit mit den„überschüssigen" Händen, und jeder Ze� leichteres Spiel mit den unter sich konkurrirenden in sich gespal- tenen Händen. Da kann man schon ein paar Prozent mehr Lohn bezahlen!— lieber diesen Kniff nächstens mehr. Beiläufig begreift selbst der„Beehive", daß das Doppelschichtsystem die Arbeiter auf Gnade und Ungnade dem Kapital überliefern würde, und daß eS dann mit der gewerkschaftlichen Organisation vorbei wäre. Nun _ um so revolutionärer wäre die Wirkung!— Die Englischen Grubenbesitzer reden auch davon, Chinesische Coolies(Knlies)�) in England einzuführen! Vorläufig ein Schreckschuß. Wenn aber dem Kapital nicht�daS Handwerk gelegt wird, kann's auch noch Ernst werden! An die KednKtion des.,Uollisstaat". Dresden, den 27. Jan. 1873. Einem von Parteigenoffen ausgesprochenen Wunsche zufolge will ich hiermit über die eigentlichen Zwecke meiner ftiiheren und gegenwärtigen, öffentlich besprochenen Reisen und insbesondere über meine Stellung zur internationalen Friedens- und Freiheitsliga ein für allemal eine offene Erklärung abgeben, obwohl ich Nichts mehr hasse, als persönliche Polemik führen und von meiner eigenen Person sprechen zu müssen. Vom Jahre 1343 an, wo ich am 25. August bei Gelegenheit des 25jährigen badischen BcrfaffnngsfesteS als Student in Heidel- berg zum ersten Male öffentlich aufgetreten bin und energisch die Nothwendigkeit der freiheitlichen Einigung Deutschlands mit ciueul Gefammtvolksparlament hervorgehoben,�) habe ich's für Pflicht gehalten, nicht blos in Privatgesprächen mich als Demokraten zu bekennen und manchmal da und dort mit einem anonymen Artikel oder einem kleinen Geldbeitrag die Sache des Volkes zu fördern, sonderil überall, wo sich Gelegenheit bietet, mit größeren Mitteln und insbesondere mit dem zündenden lebendigen Worte die Massen aufzuklären und zum Fortschritte zu bewegen. Meine bekannte Thätigkeit von 1848,49 und insbesondere meine Bethelligung an der 1849r badischen.Erhebung, von welcher ich einer der Urheber und Leiter gewesen, und bei welcher ich mein Vermögen geopfert und mein Leben mehr als einmal auf's Spiel gesetzt, beweisen dies. Nach mißlungener Schilderhebung als einer der Letzten mit der Arrieregarde— der gegnerischen militärischen Uebermacht weichend — in die Schweiz gekommen und alsbald aus derselben ausge- wiesen, wollte ich dennoch den europäischen Eontinent nicht ver- lassen und fortwirken. Ich wußte mich 2 Jahre lang unter anderem Namen in Paris zu halten und gab daselbst den„Völkerbund mit den Grundzügen der heutigen Friedens- und Freiheirsliga und meine Schrift:„Rückblicke auf die badische Revolution" heraus. Von dieser Schrift wurde die ganze Auflage konfiszirt und nur wenige Exemplare, von denen meines Wissens Gustav Rasch noch eins besitzt, gerettet. Rasch kann bezeugen, daß ich in dieser Schrift für die Lösung der sozialen Frage, resp. für die Emanzipation des ArbeiterstandeS schon 1851 Grundsätze aufgestellt habe, welche in dem heutigen Programm der Sozialdemokratie enthalten sind. In Paris entdeckt und nach mehrwöchentlichcm scheußlichem Aufenthalte im Gefängnisse aus Frankreich ausgewiesen, kam ich im Somnier 51 nach London, wo mich die Deutschen für eine Agiiationsreise nach Amerika erwählten. Ich unternahm diese Reise ausschließlich auf eigene Kosten vermittelst Anlehen, welche ich später nach und»ach aus dem Verdienste eigener harter Arbeit zurückerstattete, sammelte im Gegensätze zu Kinkel keine Gelder und gründete durch öffentliche unentgeltliche Versammlungen CoiuiteS für Unterstützung der deutschen Demokratie. Im Spätjahre 1852 aus Amerika zurückgekehrt, ward ich von Mitteln gänzlich entblöst und mnßte im Auslände als Arbeiter in verschiedenen Geschäftszweigen mich beinahe ausschließlich auf lange Jahre hinaus darauf beschränken, meine und meiner Familie Exi- stenz zu sichern. Im Laufe der 60r Jahre konnte ich wieder auf- athmen, von Neuem auf eigene Kosten auftreten und wurde im Jahre 1867 einer der Gründer der internationalen FriedeM und Freiheitsliga. Diese Liga unter dem Banner der„Vereinigten Staaten von Europa" will durch öffentliche gesetzliche Diskussion die Völker überzeugen, daß Frieden und Freundschaft zwischen ihnen nur durch die Freiheit, d. h. durch Selbstregierung, durch republi- tanische Verfassungen möglich sind, und daß diese Verfassungen nur dann ächt republikanisch sind, wenn die stehenden Heere abgeschafft sind, die Kirche nicht nur vom Staate, sondern auch von der Schule getrennt ist, die gesammte Jugend ohne Unterschied des Geschlechts in ausschließlich welilicheu Staatsschulen eine all gemeine höhere unentgeltliche Ausbildung bis zum 17. Jahre erhält, die Frauen bürgerlich gleichgestellt sind, die Lohnarbeit abgeschafft, die Todesstrafe aufgehoben ist und die Gefängnisse nicht als Straf-, sondern als moralische Besserungs- und Erziehungsanstalten be- trachtet werden zc. In einer solchen Gesellschaft, welche vollkommen auf dem Boden des Eisenacher Programms steht, mitzuwirken, brauche ich mich als Sozialdemokrat wahrlich nicht zu scheuen; ich habe es deshalb für Pflicht gehalten, auch für sie Opfer zu bringen, vereiste England im Winter 1368/69 für Absatz streng kontrolirter Aktien zur Gründung des in Bern unter der Redaktion von Gustav Vogt in deutscher und ftanzösischer Sprache erscheinenden "igaorgans:„Die Vereinigten Staaten von Europa", durchzog "ji Frühjahr 1870 Deutschland, wo ich in ein genau kontrolirtes Buch Elnzeichnungen, für welche an jeden einzelnen Einzahler der Rgakassirer Quittung ausstellte und außerdem auf dem Kongresse und im Ligaorgan öffentlich Rechnung ablegte, zu envirken suchte und entschloß mich, voriges Jahr �eine zweite Reise nach Amerika, ?ur Hälfte, wie dies öffentlich vorigen September auf dem Luga- 'wer Kongreß konstatirt worden, auf meine eigenen Kosten, zur Hälfte ans diejenigen Lemonnier's, des ftanzösischen Vizepräsidenten der Liga.' Auch auf Dieser zweiten amerikanischen Reise erhob ich keine Gelder») und gründete nur Eomites für die Liga. Außerdem aber war ich insbesondere bemüht, den Deutschen jenseits dcS Oceans über unsere politischen und sozialen Zustände klaren Wein einzuschenken und in speziellen Arbeiterversammlungen die Annahme bes Programmcs der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei und insbesondere die Beschlüsse des Basler internationalen Arbeiter- kongresseS voni Jahre 1869. an welchem ich mich als Delegirter von Arbeitervereinen betheiligte, zu empfehlen. Jetzt reise ich, trotz Ermüdung und theilweiser Erschöpfung, Uln bei noch frischer Erinnerung meinen Mitbürgern die interessan- wn Erfahrungen meiner vorjährigen Reise mitzutheilcn und auch *) So nennt man die auswandernden, zum Theil wie Sklaven ver- rauften Indischen und Chinesischen Proletarier. *) Dies kann aus den Akten des Heidelberger Universitätsamts nach- �wiesen werden; denn ich wurde von demselben deshalb amtlich zu Pro- wkoll� vernommen. j,,,.") Zur Deckung der Saal- und Anzeigekosten wurde nach amcrika- Icher Sjue nur ein kleines Eintrittsgeld erhoben. über Amerika rücksichtslos nach meiner Ueberzeugung die Wahrheit zu sagen. Ich schließe mit dem Wunsche, daß die Mitglieder der Frie- dens- und Freiheitsliga als ehrliche Mithelfer an dem Ausbau des wahren sozialdemokratischen Bolksftaates betrachtet und das Miß' trauen und die persönlichen Angriffe gegen wackere Männer im Interesse unserer gemeinsame» Sache aufhören mögen. Freundschaftlichst Amand Goegg. (Was Goegg über sein persönliches Wirken sagt, kann die Redaktion des„Volksstaat" aus genauster Kenntniß als that- sächlich bestätigen; was Goegg dagegen über die Friedens- und Freiheitsliga sagt, kann bloS als die individuelle Meinung Goegg's aufgefaßt werden. Wenn er sagt:„Die Liga will das und das", so heißt dies:„Die Liga, wie Goegg sie sich vorstellt, will das und daS". Die Liga, wie sce ist, schließt die verschiedenartigsten Elemente ein, neben Sozialisten auch Feinde des Sozialismus, und gerade diese Buntscheckig- keit ist Schuld daran, daß die Liga vollständig in der Luft schwebt, allen Einflusses entbehrt, und in eine zweideutige, ja den Sozialisten gegenüber durch die berüchtigte Resolution zu Gunsten Thiers' in eine positiv feindliche Stellung gekommen ist. Wäre die Liga sozialistisch, so würde sie nicht mehr bestehen; sie wäre längst der Internationalen Arbeiterassoziation beigetrete», von der, wenn wir das Programm der Liga. ernst nehmen, ein- zig der Sozialismus sie trennt; das Programm der Liga können wir aber nicht ernst nehmen, weil es vor dem Sozialis- muS Halt macht. Ehe die Friedens- und Freiheitsliga offen und nett Stellung zum Sozialismus genommen hat, wird sie das herrschende Mißtranen nicht beseitigen. Wir können nur den als Freund und Kampfgenossen betrachten, dessen Farbe wir kennen; und wer nicht Farbe bekennt— gut, der muß sich gefallen lassen, daß wir den alten Satz auf ihn anwenden:„Wer nicht für uns, ist wider uns!" D. Red. d. V.) Im„Gewerkverein" vom 1. Februar wird in echtem Fisch- weiberton auf den„Volksstaat" geschimpft, weil in einer Corre- spondenz aus Regensburg in Nr. 8 behauptet wird, Dr. M. Hirsch und die Fortschrittspartei seien für daö Haftpflichtgesetz im Reichs- tag eingetreten. Dem Redakteur dies. Bl. ist jener Bericht ent- gangeu, er steht aber nicht an zu erklären, daß jene Behauptung thatsächlich unrichtig ist. Die Fortschrittspartei hat die§§ 2 u. 4 des Haftpflichtgesetzes lebhaft bekämpft, dasselbe geschah durch Dr. M. Hirsch im Gewerkvereiu. Wir warnen unsere Parteigenossen, ihnen nicht genau bekannte Thatsachen zu behaupten. Dem Ver sasser jener Schimpfnotiz aber, Herrn Karl Waldow, geben wii Den guten Rath, künftig, wenn er glaubt uns berichtigen zu müssen eö erst mit einer an uns eingesandten, aber anständig gehaltenen, Berichtigung zu versuchen, bevor er nach Gassenbubenart uns mit Koth bewirft. Der„Gewerkverein" resp. Herr Dr. M. Hirsch hat bereits die Erfahrung gemacht, daß wir begründete Berichtigungen jeder Zeit anstandslos auftiehmen. Herr Waldow wird überhaupt gut thun, den frechen anmaßenden Ton im„Gewerkverein" etwas herabzustimmen und vor allen Dingen die hämischen Bemerkungen über den Streit der sozialistischen Fraktionen zu unterlassen. Er fege vor seiner eignen Thüre, an Schmutz fehlt es nicht. Man schreibt unS:„Es ist unrichtig, wenn Sie sagen, daß der Leipziger Staatsanwalt Hoffmann das Hauptverdienst um den Leipziger Hochverrathsprozcß hätte. Im Gegentheil: Derselbe hätte den Prozeß in solchem Umfange gar nicht herstellen können, wenn ihm nicht der(nun in gleicher Weise von Sachsen decorirte) Braunschweiger Staatsanwalt Koch, und Beiden die Berliner Oberstaatsanwaltschaft Monate lang vorgearbeitet hätte. Und auch dann noch wäre die Untersuchung nicht so gründlich gc- wesen, wenn nicht der verstorbene Gerichtsrath Ahnert als Unter- suchnngörichter 14 Wochen lang Tag und Nacht gearbeitet und sich dabei— den Tod geholt hätte. Ahnert war der Einzige von der ganzen sächsischen Justiz, der die Sache vollständig verstandeü hat. Hätte er dem Staatsanwalt nicht daS ganze weitschichtige Material geordnet und guiwi vorgekaut, würde dieser sich schwer- lich überall herausgefunden haben. Thatsache ist es auch, daß Herr Hosfmann, nachdem er ein ganzes Jahr hindurch das Material der Fink und Mulh aus Leipzig referirten. Als Tagesordnung war aufgestellt: Die Arbeiterbewegung und ihre Ziele. In einem einstündigen Vortrag führte Fink aus, daß in alter Zeit die Arbeit den Menschen erniedrigte, bei unserer heutigen Knlturentwicklung aber durch Anwendung aller nur erdenklichen Hülfsmaschinen die Arbeiter aufs Pflaster geworfen würden und einem elenden Dasein preisgegeben seien, schutzlos stehe der Arbeiter da, wie in alter Zeit, wo es nur Herren und Sklaven gab. Während dem Ar- deiter ans der einen Seite eine Menge Pflichten auferlegt würden, gebe es im heutigen Staate für ihn nur drei Rechte: Stei ern zahlen, Soldat werden und Maul halten. Von Seiten der Ver- sammlung wurde dem Referenten lebhafter Beifall zu Theil. Der anwesende Gerichtsreserendar dagegen war andrer Meinung, indem er den Redner zur Ordnung rief. Em thatsächlicher Beweis, daß man das Maul halten muß. Fink wies auf den 17. Wahlkreis hin und zeigte noch, was die Arbeiter für eine Macht wären, wenn sie sich vereinigten und organisirten._ Die Stunde der Befreiung würde schlagen, wenn die Arbeitermasse nur den Willen hätte, die Klassenherrschaft zu beseitigen und den Ausbeutern ein energisches Halt zu gebieten. lieber die Gewerkschaftsbewegung sprach Muth. Derselbe hob hervor, daß die Gewerkschaften das sicherste Mittel seien, mit ver- einter Kraft dem Geldprotzenthnm entgegenzutreten und die mate- rielle Lage des Arbeiters einigermaßen zu schützen. Denn nicht die Arbeit ist es, die den Arbeiter krank und hohläugig mache, sondern die Sorge um das tägliche Brod. Daß die internatio- nalen Gewerkschaften so sehr bekämpft und verfolgt werden, sei der beste Beweis, daß die Arbeiter auf der rechten Spur sind. International müssen aber die Vereinigungen sein, bestehe doch überm Ozean drüben wie bei uns hier der Kampf um ein men- schenwürdiges Dasein. Auch die Kaiser und Könige seien inter- national und frügen bei einem ausbrechenden Kriege gleich an, wie sich Der und Jener verhalten würde. Warum sollen es die Arbeiter nicht sein? Der heutige Staat fühle wenig oder gar kein Bedürfniß, dem Arbeiter seine Lage zu verbessern, im Gegen- theil sieht man den Staat aus Seite deS Kapitals stehen, wie es bei Strikes in Dresden, Stuttgart, Wien, Berlin zu sehen war, wo die Soldaten in die Fabrik kvmmandirt wurden. Redner wurde durch mehrmaligen Ordnungsruf unterbrochen, der ihn aber wenig kümmerte. Im Gegentheil war Redner der Meinung, daß es eine Unordnung wäre, wenn der Herr Gerichtsreserendar das Gesetz mißbrauchte, statt es zu gebrauchen. Nachdem der Redner sodann noch die gewerkschaftlichen Kranken- und Wanderunter- stützungskassen besprochen und deren Gründung warm empfohlen hatte, forderte er die zahlreichen Anwesenden auf, einzutreten iu die Gewerkschaften und Vereine. Er gedachte sodann der Arbeiter- presse und forderte auf, auf dieselbe zu abonniren, um sich Auf- klärung zu verschaffen. Die Versammlung verlief ernst und man sah es den Arbeitern an, daß ihnen aus der Seele gesprochen war. Sie gaben den Wunsch laut zu erkennen, daß sie mitarbeiten möchten an dem großen Werke der Erlösung, nur fehlte es ihnen an Kräften, die ihnen an die Hand gehen. Ein mäßiger Absatz von Schriften und einige Abonnenten auf den„Volksstaat" war das Resultat der Versammlung, die mit einem donnernden Hoch auf die Sozialdemokratie endete Zöiesbaöen. Wie aus dem Nachfolgenden hervorgeht, scheint eine Vereinigung der beiden Fraktionen der'deutschen Sozialdemo- kratie von Seiten des Präsidiums in Berlin und seiner Agitatoren nicht gewünscht zu werden.(Schon längst haben die Berliner Führer des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins erklärt, daß sie eine Einigung nicht wollen. Ihnen unterwerfen sollen sich die Arbeiter.) Am verflossenen Sonntage stellte sich mir und einigen Mitglieder» in dem von uns gewöhnlich besuchten Lokal im„Eafs Gotting" eine Persönlichkeit vor und suchte sich bei uns einzu- schmeicheln. Der Mensch erklärte, seines Gewerbes ein Schreiner zu sein und in dem nah gelegenen Biebrich in Arbeit zu stehen, er komme von London, wo er in dem Allgemeinen Arbeiter-Bll- dungsverein und in dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein Niit- glied gewesen) er gab auch seine Adresse:„Mr. Charles Thatier Cabiuet Maker, Allgemeiner Arbeiter-Bildungsverein, Rupertstreet 40 W. E. London"; er sei iu Hannover geboren, er habe unter Garibaldi den Krieg im Jahre 1370 und 71 mitgemacht und als daö Korps aufgelöst, sei er in Marsallle unter die Kommune getreten, dorten gefangen geNonimen und nach London tranöpor- stuRrt hatte, wahrend der Verhandlung rotzdem mitunter das � worden, wo'er bis vor kurzer Zeit gewesen. Ich hielt.hn Wichtigste- ubersah worub r dw Augeklagten ,ich... der Regel Schwindler. Ei., Mitglied unserer Partei beherbergte sehr amustrten. Der Herr Generalstaatsanwalt war auch keines- jT,n£nflflr„0ri, linh«r« mw.„.rx-.L wegö über den nicht zu hohen Grad an Scharfsinn, den sein Leipziger Untergebener im ganzen Prozeß bewiesen hat, sehr er- baut. Herr Hoffmann hat den Orden nur bekommen, weil man ihn Herrn Koch geben mußte." Gewerks�cnossenschaftliches. Ucrein der deutschkii Steinmeheil. Wertin, 2. Februar. Zu Bevollmächtigten sind bestätigt für die Mitgliedschaften: Berlin: Kußete; Hamburg: I. Reimmers; HildeSheim: Koch; Ncbra a. U.: Aug. Kanlwell; Bernbnrg: Otto Weitzmann; Wittgendorf b. Kayna: Julius Schellen- berg; Naumburg a. S.: Gust. Jahn; Schkaunitz b. Zeitz: W.lh. Reuter; Rochlitz i. Sachsen: Karl Kritz; Breslau: E.Mayer; Bremen: A. Morg; Osnabrück: Daniel; Leipzig: Ernst Fischer; Kiel: Rod. Wagener; Hannover: Heinemeier; Wiesbaden: Frd. Stritter; Loderslebeu b. Querfurk: Frd. Zeigert; Halle a. S.: Louis Schwendler. Ferner bringe ich sämmtlichen Mitgliedschaften zur Kenntniß, daß, da die Hamburger Kollegen Lohudifferenzen halber mit ihren Meistern in sehr gespanntem Verhältniß stehen, schon des schlechten Verdienstes wegen der Zuzug abgehalten werden muß, bis von kompetenter Seite Kontre-Ordre erfolgt. Mit Brudergruß und Handschlag A. Zabel, Vorsitzender, WeinbergS-Weg Nr. 4. Correspondenzen. Teipzig, 28. Januur. Freitag den 24. d. M. hielt Herr A. Gögg im Saale der Westendhalle einen Vortrag über die po- litischen, religiösen und sozialen Zustände Nordamerikas. Da Herr Gögg über dasselbe Thema bereits an verschiedenen Orten gesprochen und auch diesbezügliche Berichte im„Volksstaat" Auf- nähme gefunden haben, so kann wohl von einer wiederholten ihn sogar»och und da dessen Frau als frühere Lehrerin geläufig französisch und englisch spricht, so suchte dieselbe ihn auszuforschen und erfuhr von ihm dann, daß er verheirathet sei und seine Frau in Hamburg bei ihren Eltern wohne, daß er in der Fremdenlegion in Afrika gedient, daß er nach Ostern auf die Wiener Ausstellung und von da über Trieft nach London zurückreisen werde. Er sprach viel über die Organisation des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins und erklärte unter fortwährenden Lobsprüchen und Tadel über Lassalle, daß dieser vor seinem Tode ausgesprochen, man solle seine Organisation dem Zcitgeiste anpassen. Er zog auch sehr über Carl Marx her, derselbe verleugne seine Farbe, obgleich seine Werke gut seien. In d'er am Montag Abend stattgefundenen Par- teiversammlung erschien nun Thatier mit noch einem Genossen und suchte fortwährend unsere parlamentarische. Ordnung zu nnter- graben, indem er fortwährend, ohne sich ums Wort zu melden, laut sprach und mit den Armen gestiknlirend andre Redner zu nn- terbrechen suchte; von dem Vorsitzenden mehrmals zur Ruhe und Ordnnng aufgefordert, meldete er sich endlich ums Wort, und als er das Wort erhielt, sprach er fortwährend über Bildung und zwar so verworren durcheinander, daß er ein Wort 3 bis 4mal wiederholte. Aus seiner Rede und seinem Gebahren wurde die Versammlung klar über ihn, daß er ein geheimer Agitator von Hafselmann-Hasenktever-Tölcke sei und unsere Versammlung zu sprengen suchte, welcher Verdacht nachträglich zur Gewißheit wurde, indem ein Mitglied ihn und seinen Genossen nunmehr erkannte, daß er mit ihnen in einem Coups von Mainz nach Wiesbaden gefahren und daselbst gehört, wie sie davon gesprochen, daß sie die Versammlung sprengen und unsere Mitgliedschaft untergraben woll- ten, damit die Polizei uns auflöse. Der Genosse deS Thatier wollte auch reden, sprach aber so ver- worrenes Zeug, daß ihm das Wort entzogen werden mnßte, und als die Genannte», trotz mehrfacher Aufforderung das Lokal nicht verließen, war daS Ende, daß man die Ruhestörer auf u.ifreiwil- lige Weise aus dem Lokal entfernen mußte. Es geht also hieraus und darans, daß wir in Erfahrung brachten, daß das Präsidium in Berlin eine großarttge Agitation am Mittelrhein unternehmen will und noch mehrere solche Gestalten sich in und um Wiesbaden Behandlung dieses Gegenstandes Abstand genommen werden.................. D|___________ Gegenüber den absprechenden Berichten ist aber zu konstatiren,! aufhalten, deutlich hervor, man will unsere Mitgliedfchaft uutergräben daß Gögg's Vortrag von der Versammlung allseitig mit Beifall nm an derenTtelle eine solche deSAllgemeinen deutschen Arbeitervereins ausgenommen wurde. zu gründen. Wir stehen zwar fest, aber dadurch, daß wir hier fort- chrimma. Sonntag, den 26. Januar, wurde auf Verlangen während Defizite durch freiwillige Beiträge zu decken haben/ wer- mehrerer Grimmaer Arbeiter eine Volksversammlung abgehalten, in den schon viele Mitglieder stutzig.(Stutzig, warum? Opferwillig- keit ist eine Tugend, die die sozialdemokratische Arbeiterpartei ein Recht hat von ihren Mitgliedern zu fordern.) Fallen anck solche Störungen noch vor, so ist leicht zu denken, daß unsere Mitglieder- zahl nicht sehr stark werden kann, wenn wir nicht von anderer Seite unterstützt werden. Die hiesige Polizei-Direktiou geht dermalen schon mit dem Plane um, uns aufzulösen. Ich warne deßhalb alle Mitgliedschaften der sozialdemokratischen Arbeiterpartei sowohl in als außerhalb Deutschland vor diesem Carl Thatier, wenn er sich an irgend einem Ort einzuschmeicheln sucht. Derselbe hat dahier im„Storchnest"(unserm Versamm- lungSlokal) auch sür Bierschuld noch seinen Ueberzieher hängen. Phil. Engelhard, Vertrauensmann. Köln, 2. Februar. An die Parteigenossen des Rheinlandes! In der Parteiversammlung am 26. Januar wurden folgende Mit- glieder ins AgitationS-Comits gewählt: G. Heinrichs, Schreiner: C). Schumacher, Gerber; I. Kröger, Schreiner; A. Ries, Schuhmacher; P. Hellebrandt, Schreiner. Die Parteigenosse» machen wir nun daraus aufmerksam, diesbezügliche Schritte zu thun, um mit uns in nähere Verbindung zu treten, damit eine kräftige und geregelte Agitation in hiesiger Gegend statlsindeu kann. Die näheren Einzelheiten über die Art und Weise der Agi- tation werden durch Korrespondenz festgestellt. Alle die Agitation betreffenden Briefe k. bitten wir an den Unterzeichneten einsenden zu wollen. Im Auftrage G. Heinrichs, Vorsitzender, Thieboldsgasse W. Zürich, 7. Februar. Wie wir aus der„Tagwacht" sehen, hat der Parteigenosse Mors folgenden Antrag an den Kantonsralh ein- gei eicht:„Der Kantonsrath, in Erwägung, daß unter dem Genossenschaftswesen, welches nach Art. 23 der Zürich. Verfassung vom Staate gefordert und erleichtert werden soll, hauptsächlich die auf gegenseitiger Solidarität ihrer Mitglieder beruhenden Arbeiter- verbiiiduilgen, die sogenannten Prodi, ktivgenossenschafte»(industrielle sowohl als landwirthschaftliche) zu verstehen sind, deren Mitglieder nicht als Lohnarbeiter eines Meisters, sondern als selbsiständige Produzenten assoziationsweise ihren Beruf auf eigene Rechnung der Genossenschast ausübe», selbstverständlich aber auch keine andern Lohnarbeiter beschäftigen, und welche so das zivilisatorische Ziel des Genossenschaftswesen— die Republ.kanisirung der Arbeit— zu eire.chen suchen, wodurch strebsamen Arbeitern möglich gemacht werden soll, selbstständig und unabhängig zu werden, beschließt: 1. Tie Regierung, resp. die Finanzdireklion, wird ermächtigt, an Arbelter-Prodnktivgenosseuschasleu je einen Kredit in lau- feiider Rechnung zu eröffnen. 2. Die Größe dieses Kredites ist zu bemessen nach der bisher an den Tag gelegten Wirksamkeit und Thäligkeit der betreffenden Genossenschaft und ihrer daherigen Vertrauenswürdigkeit. Die Finanzdirektion hat sich durch Fachverständige über den Gang und Stand des Geschäftes Bericht erstatten zu lassen. 3. Die Mitglieder der Genossenschaft sind für den letzteren ge- wählten Kredit solidarisch haftbar. Zürich, den II. Januar 1873. Rud. Morf, Mechaniker." Indem die„Tagwacht" eine nähere Besprechung dieser Ange- legenheit ankündigt, macht sie zu dem vorstehenden Antrag folgende Bemerkungen:„Diese Motion selbst mag zum Theil einer näheren Präzisirung bedürftig sein; das ist zunächst gleichgültig, da schon jetzt ihr Wortlaut wenigstens in der Einleitung die Unterstützung von solche» Produktivgenossenschaften, in welchen auch Lohnarbeiter beschäftigt werden, ausschließt und� damit die wissenschaftlich-sozia- liststche Tendenz bekundet, daß in der durch den republikanischen Staat und nur durch diesen in Gang zu bringenden Verall gemeinerung des Produktivgenossenschaftswesens die allmälige Abschaffung der Lohnarbeit anzustreben ist. In diesem Sinne handelt es sich im Voraus nicht blos um den einzig wesentlichen Inhalt der zürcherischen Revisionsbewegung, um den sozialen Kern ihrer sonst blos fornial-politstchen Errungenschaften in der neuen Verfassung des Kantons Zürich— es handelt sich vielmehr um die praktische Verwerihung des republikan fchen Prinzips für das aibeitenpe Volk und damit um die Zukunft der republikanischen Eidgenossenschaft, welche auf das Vorgehen oder Zurückweichen Zuiichs in dieser Frage einen entscheidenden Einfluß ausüben wird. Zweitens wissen wir, daß diese Molion, so sehr sie als ein Schritt zur friedlichen Losung der drohenden Frage unseres Jahrhunderts gerade von de» Besitzeiiden begrüßt werden müßte, wenig Aussicht auf Annahme Hai und jedenfalls nicht auf eine gedeihliche Ausführung rechnen kann, so lange nicht die Mehrheit aller Staatsbehörden aus den unmittelbarsten Vertretern der schwei- zerijcheii Arbeiterklasse zusammengesetzt ist. Die Befreiung des Arbeiters kann in jeder Beziehung nur durch den Arbeiter selbst geschehen. Aber es gilt zu zeigen, daß die Arbeiter verstehen, um was es sich handelt, zu zeige», daß sie auch da find— und deßhalb Aus- gepafzt. Arbeiter!" Die Gtnossenschajtsl.'uchdrnckerri zu Leipzig. Nachdem in Nr. 1t) des„Volksstaat" der erste Rechenschafts- bericht der Genossenschaftsbuchdruckerei zu Leipzig erschienen, dürfte eS wohl an der Zeit sein, aus das junge Unternehmen eine» pnifeitden Blick zu richten.'Ich thne dies um so lieber, als die Resultate, welche der Ziechenschaftsbericht für die ersten drei Betriebs- monate auflveift, ohne Ueberhebur.g höchst erfreuliche und befrie- digende zu nennen sind. Auf Antheilscheine von je 10 Thlr., welche in Monatsraten einzuzahlen sind, im September 1872 gegründet, hatte die Genossen- schaftsbuchdruckern Ende Dezember 1872 ein durch Einzahlungen auf die gezeichneten Antheilscheine gebildetes Betriebskapital von 1566 Thlr. Es war also Ende Dezember der etwa dritte Theil der durch die gezeichneten 450 Ainheilfcheiiie repräsentirten Summe fliissig gemacht und dem Vorstand behändigt worden. Daß dies Geld den übernommenen Verpflichtungen gegenüber nicht völlig ausre chte, ist durch das im Rechensch iftsberichte erwähnte Darleh» von 100 Thlr., worauf übrigens 30 Thlr abbezahlt wurdeu, zu ersehen. Dies ist jedoch keineswegs ern ungünstiges Zeichen für den eigentlichen Geschäftsgang der GenossenschaftSbuchdruckerei, sondern im Gegeutheil, wenn wir den Saldo am Reingewinn in Betracht ziehen, ein Beweis für das rasche Aufblühen des Unternehmens, w lches mehr Hilfsmittel verlangt, als die Genossensch iftsmitglieder bis Erde Dezember zusammengebracht hatten. Jedermann weiß, daß je größer das Betriebskapital, desto nützbringender das Geschäft sich gestaltet. Kommen viele Aufträge, so müssen große Auslegen für Arbeitslohn, fitr Papier und für Geschäftsutensilien aller Art gemacht, sowie selbstverständlich nach dem heutigen Ge schäftsbrauche neue Credite gewährt werden. Zu all diesem ge hört Geld und deshalb ist es nöthig, daß die Einzahlungen auf die Antheilscheine pünktlich und regelmäßig geleistet werden. Für Arbeitslohn hat die Genossenschaftsbuchdruckerei in den ersten 12 Wochen ihreS Bestehen(denn erst Anfang Oktober ward die Druckerei eröffnet) allein 536 Thlr. 10 Gr., folglich in jeder Woche durchschnittlich 48 Thlr. 23 Gr., ausgegeben. Jetzt(im Februar) ist dieser AuSgabeposten schon auf ca. 90 Thlr. pro Woche angewachsen, was uns den besten Gradmesser für das Ge- deihen oder das WachSthnm des Unternehmens an die Hand giebt"), Es hat die Druckerei ersichtlich noch ganz andere Druckarbeiten zu liefern, als jene, welche mit den Druck des„Volksstaat" eng verbiliiden sind. Sie muß daher eine größere Auswahl von Typen halten, als dies der Zeitungssatz, überhaupt der schlichte Satz er- fordert. Sie muß ferner, abgesehen von den Arbeitslöhnen/ mehr für das Lokal, für Beleuchtung u. f. w. ausgeben, da die vom Lokal bisher vermietheten Räume nun für die Druckerei unentbehr- lich sind. Auf solche Weise wächst das Budgeh, jedoch dürfen daraus dem Vorstand keine pekuniären Bedrängnisse entstehen, zu- mal dann die Einträglichkeit des Unternehmens zuerst in Frage gestellt werden würde. Der Weg, diese pekuniären Bedrängnisse zu vermeiden, liegt offen vor uns. Es ist der Appell an die Ge- nossenschasiter, wenn möglich die von ihnen gezeichneten Antheil- scheinen voll, mindestens aber zur Hälfte zu zahlen, fowi? bestrebt zu sein, auS der Reihe der Parteigenossen neue Mitglieder der Genossenschäftsbuchdruckerei zuzuführen. Auf die Schnellpresse, welche für die Druckerei neu gekauft wurde, sind erst 250 Thlr. abbezahlt. Der Rest von 1410 Thlr. muß in Raten entrichtet werden. Ein großer Theil des auf An- theilscheinen eingehenden Geldes wird also durch die Verpflichtungen belrefss der Druckmaschine beansprucht. Zu diesen Verpflichtungen kommt möglicherweise demnächst noch die Änschaffnung einer zweiten Schnellpresse. Wenn das von dem Ausschuß der sozial-demokra- tischen Arbeiterpartei projektirte Unternehmen, Herausgabe einer wöchentlich einmal erscheinenden, belletristischen Parteizeitschrist ver- wirklicht wird, dann ist die zweite Schnellpresse nothwendig, wie überhaupt die Vergrößerung der Druckerei absolut bedingt. Hierzu kommt, daß die Genossenschaft nunmehr zur Verwirklichung des zweiten Theiles ihres Programms, den buchhändlerischen Vertrieb der von ihr hergestellten Erzeugnisse schreiten muß. All diesem gegenüber muß die Genossenschaft schon jetzt nach Kräften ihre Anordnungen und Verfügungen treffen. Vielbeschäftigt und zwar von zablungsfähigen Austraggebern, geht die Genosienschaftsbnchdruckerei einer guten Zeit entgegen. Wer in ihr geschäftliches Getriebe einen Einblick erlangt hat, der muß gestehen, daß wohl selten einem gleich jungen Unternehmen bessere Aussichten für seine Existenz und seine Entwicklung sich eröffneten, als dies bezüglich der Genossenschaftsbuchdruckerei der Fall ist. Befleißigen wir unS, das unsrige dazu beizutragen, daß die Genossenschaftsdruckerei, deren sichere Existenz in jeder Hinsicht für die Arbeiterbewegung von Bedeutung ist, in den Stand gesetzt wird, die ihr sich bietenden günstigen Aussichten auszunutzen und die schönen Hoffnungen zu erfüllen, welche mit ihrem Aufblühen verbunden sind, gewinnen wir ihr daher neue Mitglieder und er- füllen wir alle gegen sie baldigst unsere eigenen Verpflichtungen. August Geib. *) Die Druckerei eröffnete den Betrieb mit 4 Gehülfen, jetzt find deren 9 beschäftigt. Fond für pol. Oemaßregelte. Den 6. Febr. durch S. auS Mainz 1 Thlr. 12 Gr. 5 Pf. Sammlung bei einem Vortrag vor Bourgeois.__ Für den Volksstaat Schuldschein Nr. 146 n 1 Thlr. von Winnen in Chicago gratis zurück. Schuldschein Nr. 262— 267 n 1 Thlr., Sa. 6 Thlr., aus Coburg durch Krämer gratis zurück. Stumpf in Mainz Schuld- schein Nr. 322 gratis zurück. Briefkasten der Redaktion: S. in Mainz: Quittung exHalten Sie nach Hepner's Haftentlassung.— Dem uns nnbekannten Herrn Verf. des Aufsatzes über„Beranger" steht das Mskpt. noch zur Verfügung.— An die Einsender von Gedichten. G. H. Das Gedicht ent- hält viele Widersprüche; auch ist uns das Wort„allempfundner Geist" nicht verständlich.— P. M.:„Ihr Versailler Bluthunde" in einem„Gedicht"» ist doch etwas zu prosaisch".— N. I. in B.: Ihr Gedicht dem Chemnitzer„Nußknacker" zur eventuellen Benutzung übergeben.—„'Nachtrag zum 22. März" dito.—„Echo aus dem Proletariat" total uubrauchbar; zwar keine Poesie, aber recht viel Piozeßliches ist darin.— E. B. in P. Zu mangelhaft.—„Trost in KnegSleiden" dem„Nußknacker" übergeben; A.B. in N. dito; R.S. in M. dito; A. M. in M. dito;(nur muß das Religiöse daraus ent- fernt werden.)„Was du säest, wirst du ernten" dito;„Zum festlichen Einzug der Truppen" dito.— G. in Bernau: Erhalten; wird dem- nächst aufgenommen. der Expedition: Simon in Gießen: die gewünschten Lieder- bücher sind nicht mehr zu haben.— Arb.-Verein Klagenfurt für Ab. 2 Thlr. 2 Gr.— Pokovny in Bruck a. M. f. 2 Abonn. v. Febr. bis Ende April 1 Thlr. 2 Gr.— Sältz Gesteudorf f. Schrift 1 Thlr. Klein in Offenbach f. Annonce der Schuhmacher 10 Gr., die Annonce der Arb.-Partei kostet 20 Ngr.— E. Weiß in Mühlhausen: Bitten Sie, uns Verzeichniß der jetzigen Abonnenten zu senden. Legewitt in Essen f. Schrift 6 Thlr. 5 Pf. Loennecker in Chicago f. IV. Qu. 50 Thlr.— Bauli Straßburg f. Febr. 8 Gr.— Haast in Mastricht f. Abonn. I. Qu. 1 Thlr. 10 Gr.— Franz in Züririch: Am 10. d. gingen Schriften' per Bahn ab. Anzeigen k. «llge- einer deutscher Sat'lerderein. Sonnabend, den 15. Februar Abends halb 9 Uhr in Gratwells Bierhallcn, Commandantenstr. 77. Vortrag und Vereins angelegenbeiten._____ Der Vorstand. Stil Getverkschast der Manufaktur-, Fabrik- und 4-& U. Handarbei er. Sonnabend, den 15. Febr. Abend« halb 9 Uhr in Möwis Lokal, Weberstraßr. 24a. Vortrag und geschäftliche Angelegenheiten. Der Vertrauensmann. Berlin. Sonnabend, den 22 Februar, Abends 8 Uhr. Allgemeines Arbeiterfest im Saale des frühereu Pavillon-Thcater, jetzt Königshöhe, Greifswalderstr. Entree 2'/- Sgr. Um zahlreiche Betheiliguug bitlet Das Festeomitö. Billet« find zuhaben: Scheible's Restaurant, Münzstraße 5. Im Cigarrengeschäst Monbijouplatz 12 und in er Expedition der„Demokra tischen Zeitung", Lindenstr. 76. Wer fich für Verbreitung der Bittet« interesfirt, erhält solche bei Liebmann, Höchstestraße 64, Hof 2 Dr., und bei Heinsch, Mauerstr 74 in der Buchdruckerei. l3a Gewerkschaft der Holzarbeiter. ■OtlllU» Die Böttcher Berlins versammeln fich regelmäßig jeden Sonntag Landsbergerstr. 15, den 16. d.M. eine außerordentliche Ver« sammlung. Umstände halber Wahl eines ersten Vorsitzenden. Der Vorstand. Bitte Herrn Jorck um Quittungsbücher sobald wie möglich. Dresden. Photographien von den hervorragendsten Sozialisten und Conimune-Mitgliedern. Das Dutzend 5 Ngr., sowie einige große Congreßbilder sind zu bezieben durch� (3a)* Henriene»erw. Knieling, Cbristianstr. 6, 4. Et. Düsseldorf. Die � sozialdemokratische Arbeiterpartei hat ihr Lokal Oststraße 123 bei Gastwirth Schumacher und versammelt sich Mittwoch und Samstag Abend 8 Uhr. Die Holzarbeiter-Gewcrkschaft hat ihr Versammlungslokal Oststraße 123 bei Gastwirth Schumacher versammelt sich jeden Montag Abends 8 Uhr. Verkehr für Reisende und Arbeitsnachweis Oststraße 69 Gasthaus zur Heimath. E. Zimmermann, Bcvottm. Oststraße 69. Nächsten Sonntag Abend Zusammenkunft bei Münz Wirlh, Fabrikstraße. Frankfurt a. M... M. Abends halb 9 Uhr in der Allemania(Eingang gr. Eschenheimer« gasse Nr. 11). Tagesordnung: Zweck und Aufgabe der Gewerksgcnossenschaftell.- Referent: Herr Opificius.— Jedes Mitglied hat zu erscheinen. Der Vorstand.- Montag, den 10. Februar geschlosiene Mi'gliederversummlung i der sozialdemokratischen Arbeiterpartei: n der Restauration zum deutschen Kaiser bei Herrn Plaisant. Tagesordnung: Regelung der Parteiangelegenheiten, sozialpolitischer Wochenbericht und Agitation. DaS Erscheinen Aller ist unbedingt noth« wendig. Freunde, welche der Partei zutreten wollen, werden aufgenommen, Fr. Voigt, Vertrauensmann.: -Langent'ielau. Allgemeine Arbeitertiersammlung. Sonnlag den 16. Februar Nachmit« tag 3 Uhr. Tagesordnung: Der Schluß der letzten Versammlung. Fortsetzung des Vortrages über die Arbeiterbewegung und ihre Ziele. Referent: Hr. Philipp Wiemer aus Hannover. Alles Ucbrige besagen die Plakate. 1 Adolf Wald. 1 ikiMhttrt Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Freitag, den 14. Februar Abends 8 Uhr bei Zeidler, Windmühlenstr. Nr. 7. Tagesordnung; Sozialpolitischer Wochenbericht. Diskutsion über eingelaufene Fragen. Gaste willkommen. Der Vorstand, f Leipzig. Kewerkschasi der Holzarbeiter. Außerordentliche SektionSvcrsammlung der Tischler und Pianofortearbeiter Donnerstag den 13. Februar Abend» 8 Uhr bei Zeidler, Windmühlenstraße 7. Tagesordnung: Innere Angelegenheit der Scction. Das Erscheinen aller Mitglieder ist nothwendig. Filialexpeditionen betr. c>'ll lUjtUpllu|» Die Leser des Volksstaat ersuche ich, bis Ende d. M. um Entrichtung der Abonnementsbeträge 12 Sgr., bei Abholung 13 Gr. 5 Pf., bei Zusendung per Monat 4 bez. 4. 5. Bestellungen aus Schriften auS der VolksstaatS-Buchhandlung werden bestens auSgc« führt. Roch thcilc ich mit, daß für Alle, welche bei Bezahluna nicht ab- bestellen, wieder abonnirl wird. Rob. Müller, st Alle Diejenigen, welche über den jetzigen Aufcntbalt de« Gene« ral« Vogel von Folkenstein bündige Anskunft ertheilen können, wer* den freundlichst gebeten, dem Unterzeichneten oder Herrn Dr. jur. F- Dcdekind, Oberger.-Advokat in Wolfenbüttcl darüber zu schreiben. Ed ist im Interesse unserer Lößeuer. Braunschweig. W. Bracke jr. 1 Anfforder.mg an die Parteigenossen in Cöiii. Sind Briefe von uns angekommen? Warum erhalten wir keine Antwort? Winner und Weleking, Chicago Jlls., North America. Aufforderung. AM Diejenigen, welche„"Dolksssaalkakender" bezogen und noch Expl. hievon ohne Verwendung auf Lager haben, werden ersucht, solche sofort zurückzusenden. WaS binnen 8 Tagen iiichi retournirt ist, muß bezahlt werden. Ebenso werden die Abnehmer von Schriften resp. FiliabExpt' ditoren nnd Colporteure, welche noch im Rückstände sind, aufge- fordert, bis Ende dieses Monats die Beträge hiefür einzusenden, damit die Geschäftsbücher abgeschlossen werden können. Die iibrft gen Expl. der Lief. 1— 5 des Leipziger Hochverrathsprozesseö erbitten wir franko rückzusenden. Leipzig, 10. Febr. 1373. Die Buchhandlung des Volksstaat.' _ W. Fink, Todes-Anzeige. Am 11. Januar 1873 starb unser ältestes Kind, c nzige Tochter und treue Stütze, Klothilde Colonia, im Alter von nicht ganz 17 Jahren. Hobokcu bei New-Aork, 14. Januar 1873. (2a) F. A. Sorge und Katharine Sorge. Genosse»schastebuchdruckerei zu Leipzig. Gemäß Z 20 der Statuten, entsprechend dem Beschlüsse der letzten Generalversammlung, wurde der Aussichtsrath zu Hamburg am Montag, den 3. Februar d. I. gewählt, worauHsich derselbe am Donnerstag, den 6. Februar d. I. konftituirte." Mitglieds des Aufsichtsraths sind: Ed. Prep, 1. Borsitzender, Fr. Lenz«! 2. Vorsitzender, TH. Uorck, Schriftführer, H. Bennet e und 6- Liedentopf, Beisitzer.— Für den Aufsichtsrath bestimmte Briest n. s. w. sind zu richten an TH. A'orck, Hamburg, A nandastraße 44 Im Commissionsverlage der Buchhandlung des„Volks staat" ist erschienen: Herr Böhmert, Professor der Nat.-Oekon. in Zürich und seine Fälschungen der Wissenschaft. Preis per Exemplar 3 Riss Sachsens Erhebung und das Zuchthaus zu Waldheim vod Äug. Röckel. Preis 10 Ngr. Die Verfälschung und Verschlechterung der Lebensmittel von H. Vogel. Preis 12 Ngr._' Im Verlag der Unterzeichneten erschien soeben: Wissen ist Macht— Macht ist Wissen. Jortrag gehalten zum Stiftungssest des Dresdener Arbeiterbildunzs-VereinS 5. Februar 1872, und zum Stiftungsfest de« Leipziger Arbeiterbildung� Verein« am 24. Februar 1872 von W. Liebknecht. Nach dem in Dresden aufgenommenen stenographischen Bericht bearbeite 3 Bogen broswirt. Preis pro Expl. 2 Sgr.— Bei Abnahme von 12 Expl. i 2 Ngr- Leipzig, im Februar 1873._ Genossenschaftsbuchdruckerei� Leipzig: Veramw. Revatteur R. Seifsert. tRedakuon und«xpebiu' Hohestr. 4). Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei.