hlr.; fbiu �rint wSch«ntlich 2 Mal v,Cr in-Leipzig. .��Bestellungen nehmen alle .,'Äofran stalten und Buchhand- -hgungcn de« In- und' Aus- ilL lande« an. hij Für Leipzig nehmen Be- uch stellungen an: .iA>ie Expedition, Hohestraße 4. jL die Genossenschast«- . Luchdruckcrei, Zeitzcrstraße 44. A. Bebel, Peterstraße 18. 4 J. Müller, Bayerschestraße - 8d, III. dß h Der VollisKaak ÄKonnemenkspreis: Für Preußen incl. Stempel« steuer 17 Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten 12'/, Sgr. pro Quartal, pro Monat i1/? Sgr. Für Leipzig und Umgegend pro Quartal 13 Ngr. Filialeppeditioncn für die Ver« einigten Staaten: F. A. Sorge, Bor 101 Ilobokcn, N. J. via Newyork. G. A. Lonnecker, 155 W. Lake Chicago(III.) 'OrgandersozialdemokratischenArbeiterparteiundderinternatlonalenGelverksgenossenschasten. Uli ran Nr. 18. Sonnabend, 1. Würz. 1873. P. Abonnements auf den„Volksstaat" 60, für den Monat März zu 4'/- Neugroschcn werden bei allen �sächsischen Pvstanstalten, für Leipzig bei der Expedition fHohe Straße 4, wie in der Genosscnscyastsbnchdruckerci Zeitzcr- straße 44. dann PcterSstraße 18 und bei Colporteur Müller, für die rimqcaend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: für Volkmarsdorf, Reudnitz, Neuschönefeld k. bei O. Stelzcr, Reudnitz, Kapellcngasse 11,2 Tr., für Plagwitz und Linde- ff. nau w. bei dem Uhrmacher Meinhard in Lindenau, für Eon- newitz ic. bei Teuberl, Bornaische Straße 197, für Klein- zschocher und Umgegend bei Fleischer, Nr. 87 daselbst cnt- � gegengenommen. Äußerhalb Sachsens kann nur sauf März und April zu- —�gleich bei den Postanstalten abonnirt werden. eils Vit ErpeditionDes„Volksstaat". Tie Republik in Spanien- r' Es ist schwer zu sagen, welche von Beiden seit drei Jahren el' mehr heruntergekommen ist, die Monarchie, oder die Republik. Die L-t Monarchie— aus dem europäischen Kontinent wenigstens— geht Uei überall mit stets rascheren Schritten in ihre letzte Form, den Cä- ''l' ük«« nrt,itiÄmn.S njif ftllnpnicineui Widerwillen eingeführt, sie zwingt sich ihnen auf. Woher dieser sonderbare Widerspruch? daher, daß die Einführung der Republik den Bruch bedeutet uiit der gcsamniten politischen Uebcrlieferung!; daß in ihr au jede politische Einrichtung die Forderung gestellt wird, ihre Existenzberechtigung nachzuweisen; daß also alle tra ditionelleu Einflüffe wegfallen, die unter der Monarchie die be das Berliner Preßbureau,„das die Redaktionen mit seinen direkten und indirekten Zusendungen bis zur Verzweiflung belästigt, und ihnen die Richtung(!) zwischen Wahrheit und Dichtung so unend- lich erschwert. Dazu bemerkt der Braunschweiger..Volksfreund" sehr treffend:„Es ist bereits die Klage der schönen Helena:„WaS doch das Herz AphrodytenS bewegt, daß sie der Tugend so viele stehende Gewalt stützen. Mit anderen Worten: ist die moderne Fallstricke legt!" Es ist merkwürdig, daß gerade feile Dirnen so Republik die vollendetste Form der Bourgeoisherrschast, so ist sie viel über Gefahren und Versuchungen klagen, während ein anstän- zugleich diejenige Staatsform, in der der Klassenkampf seiner letzten diges Mädchen kaum von ihnen belästigt wird. Ob das„Tage- Fesseln entledigt, und der Kampfplatz für ihn bereitet wird. Die! Matt", nachdem es so verachtungsvoll vom Preßbureau gesprochen, —- recht, eine überwuchernde Armee als Stütze der Regierung, Kauf und Bestechung als HauptregierungSmittel und Bereicherung durch � Korruption und Schwindel als einziger Regiernngszweck, schieben ;u" sich überall unwiderstehlich allen jenen schönen konstitutionellen Garantieen, jenem künstlichen Gleichgewicht der Gewalten unter, -�vou denen unsre Bourgeois träumten in den idyllischen Zeiten Louis Philippes, wo selbst die Allerkon'umpirtesten noch Engel der tri Unschuld waren, im Vergleich mit den„großen Männern� von nd» heute. Wie die Bourgeoisie täglich mehr den Charakter einer im ge- sellschaftlichen Organismus zeitweilig unentbehrlichen Klasse verliert, ihre ei.zenthümlichen sozialen Funktionen abstreift, sich in eine reine ___ Bande von Schwindlern verwandelt, so verwandelt sich ihr Staat l-n ein Institut zum Schutz, nicht der Produktion, sondern des � offenen Diebstahls der Produkte. Dieser Staat trägt nicht nur 'tt' seine eigene Verurtheilung in sich, er ist sogar durch die Geschichte i schon verurtheilt worden in Louis Napoleon. Aber er ist zugleich i die letzte mögliche Form der Monarchie. Alle andern Formen der Monarchie sind verschlisse» und veraltet. Nach ihm ist als Staats- 1 form nur noch möglich die Republik. ien Aber der Republik ergehts nicht besser. Von 1789 bis 1869 war sie das Ideal begeisterter Freiheitskämpfer, stets erstrebt, nach hartem, blutigem Kampf erreicht, und kaum erreicht, stets wieder entfliehend. Seit es einem König von Preußen gelungen ist eine französische Republik zu machen, hat sich das Alles geändert. Von 1870 an— und das ist der Fortschritt— werden die Republiken nicht mehr von den Republikanern gemacht— eben weil es keine reinen Republikaner mehr gibt— sondern von den an der Monarchie verzweifelnden Royalisten. In Frankreich befestigen, in Spanien proklamiren die monarchisch gesinnten Bourgeois die Republik um dem Bürgerkrieg zu entgehen; hier, weil zu viel Prätendenten da sind, dort, weil der letzte mögliche König Strike macht. Es liegt hierin ein doppelter Forffchritt. Erstens ist der Zauber vernichtet, der bisher den Namen Re- publik umgab. Nach den Vorgängen in Frankreich und Spanien kann nur noch ein Karl Blind den Aberglauben an die Wunder- Wirkungen der Republik festhalten. Die Republik erscheint endlich auch in Europa als das, was sie ihrem Wesen nach, und in Amerika wirklich ist, als die vollendetste Form der Herrschaft der Bourgeoisie. Ich sage: endlich auch in Europa, weil von Republiken"wie die Schweiz, Hamburg, Bremen, Lübeck und die exfreie Stadt Frankfurt— Gott habe sie selig— hier keine Rede sein kann. Die moderne Republik, von der allein wir hier sprechen, ist die politische Organisation eines großen Volks, nicht das Winkel- politische Institut einer Stadt, eines Kantons oder eines Clnbs von Kantonen, die aus dem Mittelalter historisch überkommen, mehr oder weniger demokratische Formen angenommen, und im besten Fall die Patrizicrherrschaft durch die um nicht viel bessere Bauern- Herrschaft ersetzt haben. Die Schweiz lebt halb von der Gnade, halb von der Eifersucht ihrer großen Nachbarn; sie muß ihre großen republikanischen Redensarten jedesmal einstecken und Ordre pariren, sobald jene einig sind. Solche Länder bestehen nur, so lange sie nicht versuchen in den Gang der Geschichte einzugreifen, weßhalb nun ihnen dies auch verbietet, indem man sie ncutralisirt. Die Aera der wirklichen europäischen Republiken wird vom 4. Septbr., oder vielmehr vom Tage von Sedan datiren, selbst wenn ein kurzer cäsaristischer Rückschlag, einerlei unter welchem Prätendenten möglich sein sollte. Und in diesem Sinn kann man sagen, daß die Republik Thiers die endliche Realisation der Republik von 1792 ist; die Republik der Jakobiner ohne die Selbsttäuschungen n der Jakobiner. Von jetzt an kann die Arbeiterklasse sich nicht mehr l- täuschen über das, was die moderne Republik ist: die Staatsform, m der die Herrschaft der Bourgeoisie ihren letzten, vollendetsten Uusdruck erhalt. In der modernen Republik wird endlich die politische Gleichheit, die in allen Monarchien immer noch gewissen Ausnahmen unterworfen, rein durchgeführt. Und diese politische Gleichheit, was ist sie anders als die Erklärung, daß die Klassen- gsgensätze den Staat nichts angehen, daß die Bourgeois ebenso- viel Recht haben Bourgeois zu sein als die Arbeiter, Proletarier i» sein? Aber diese letzte, vollendetste Form der Bourgeoisherrschast, die �publik, wird von den Bourgeois selbst nur mit dem äußersten moderne Republik ist eben nichts anders als dieser Kampfplatz. Und dies ist der zweite Fortschritt. Einerseits fühlt die Bourgeoisie, daß eS mit ihr zu Ende geht, sobald ihr der Boden der Monarchie unter den Füßen entschwindet, und mit ihm die ganze konservative Macht, die in dem Aberglauben der ungebildeten Volksmassen, besonders des platten Landes, an die überkommene Fürstenhohcit lag; einerlei ob dieser Aberglaube das Königthum von Gottes Gnaden anbetet wie in Preußen oder den sagenhaften Bauernkaiser Napoleon wie in Frankreich. Andrerseits sfühlt� das Proletariat, daß das Grablied der Monarchie zugleich der isigualruf zur ent- scheidenden Schlacht mit der Bourgeoisie ist. Darin, daß die moderne Republik nichts Anders ist, als der reingefegte Schauplatz für den letzten großen Klassenkampf in der Weltgeschichte— darin liegt ihre gewaltige Bedeutung. Damit aber dieser Klassenkampf zwischen Bourgoisie und Pro- letariat zur Entscheidung komme, müssen diese beiden Klassen auch in dem betreffenden Lande hinreichend entwickelt sein, wenigstens in den großen Städten. In Spanien ist dies nur in einzelnen Laudestheileu der Fall. In Katalonien ist die große Industrie verhältnißmäßig hoch ausgebildet, in Andalusien und einigen an- deren Gegendtn herrscht großer Grundbesitz und großer Äckerbau — Gutsbesitzer und Lohnarbeiter— vor; im größten Theil des Gebiets Kleinbauern auf dem Lande, Kleingewerbe in den Städten. Die Bedingungen einer proletarischen Revolution sind also hier noch verhältnißmäßig wenig entwickelt, und grade deshalb ist in Spanien für eine bürgerliche Republik immer noch sehr viel zu thun; sie hat hier vor Allem den Beruf, den Schauplatz für den bevorstehenden Klassenkampf erst reinzufegen. Dazu gehört in erster Reihe die Abschaffung der Armee und die Einführung einer Bolkswehr. Spanien ist geographisch so glücklich gelegen, daß es ernsthaft nur von Einem Nachbarn, und auch das nur auf der kurze» Front der Pyrenäen angegriffen werden kann; einer Front die noch nicht den achten Theil seines Gesammtumfangs ausinacht. Dazu sind die Terrainverhältnisse des Landes der Art, daß sie den Bewegungskrieg großer Armeen in demselben Maß erschweren, wie sie den unregelmäßigen Volks- krieg erleichtern. Wir haben dies�unter Napoleon gesehen, der zeiüveise an 300,000 Mann nach Spanien schickte, die stets am zähe» Bolkswiderstand scheiterten; wir haben dies seitdem unzählige Mal gesehen und sehen es heute noch an der Ohnmacht der spa- uischen Armee gegenüber den wenigen Banden von Karlisten im Gebirg. Ein solches Land hat keinen Vonvand für eine Armee. Gleichzeitig war in Spanien seit 1830. die Armee nur der Hebel aller jener Geueralsverschwörnngen, die alle paar Jahre die Regie- rung durch eine Militärrcvolte stürzten, um neue Diebe an die Stelle der alten zu setzen. Die spanische Armee auflösen, heißt Spanien vom Bürgerkrieg befreien. Dies wäre also die erste For- dcrnng, die die spanischen Arbeiter an die neue Regierung zu stellen hätten. Ist die Armee beseitigt, so fälltauch der Hauptgrund weg, wes- halb namentlich die Katalonicr eine föderative Staatsorgauisation verlangen. Das revolutionäre Katalonien, sozusagen die große Arbeitervorstadt Spaniens, ist bisher durch starke Trnppenkonzeu- trationcn niedergehalten worden, wie Bonaparte und Thiers Paris und Lyon niederhielten. Daher verlangten die Katalo.iier Thei- lung Spaniens in Bundesstaaten mit selbstständiger Verwaltung. Fällt die Armee, so fällt der Hauptgrund für diese Forderung; die prinzipielle Selbstständigkeit wird sid) auch erreichen lassen ohne reaktionäre Zerschlagung der nationalen Einheit, und ohne Repro- duktion einer größeren Schweiz. Die Finanzgesetzgebnng Spaniens, sowohl was innere Steuern wie Grenzzölle betrifft, ist von Anfang bis zu Ende widersinnig. Hier kann eine bürgerliche Republik sehr viel thun. Desgleichen in der Konfiskation des oft konfiszirten aber immer von Neuem wieder angesammelten Grundbesitzes der Kirche, und endlich!, vor nunmehr dessen Zusendungen in den Papierkorb werfen wird? Icdeufalls haben wir jetzt eine neue Bestätigung unserer ftüheren Behauptungen, daß das„Tageblatt" aus dem Preßbureau des Wagener und Stieber gefüttert wird." Mittlerweile dauert in Berlin das Fischweibergezänke zwischen dem Gesindel des Bismarck'schen Reptilienfonds fort: Robolsti, Aezidi, Wehrenpfennig, die„Norddeutsche Zeitung", die „Spener'sche Zeitung", Wagener, Gödsche, Braß,— wie ein Knäuel wälzt sich das übereinander, und die unsaubersten Wurf- geschosse fliegen aus den unsaubersten Händen an die unsaubersten Köpfe— wir halten die Nase zu und gehen lächelnd vorüber. Der Schmutz, Ihr Herren, wird nicht abgewaschen, und wenn Ihr den Atlantischen Ozean nach Berlin leitet. Äm Schmutz gehn aber Regierungen mitunter zu Grund, wie Louis Philippe vor 25 Jahren erfuhr. Freilich, das war bei den„verkommenen Franzosen" und wir sind„sittliche, tugendhafte" Deutsche! Apropos, das Gekoller der.Mationalzeitung" über den Reptilienfonds hat den Nationalliberalen einen solchen Schreck ein- gejagt, daß sie vor einigen Tagen an Zabel eine Deputation schickten, die ihn bat, doch eine„weniger schroffe Haltung gegen die Regierung einzunehmen." Was Zabel geantwortet, erfahren wir nicht. Daß er dem Wunsch entsprechen wird, versteht sich aber von selbst.„Wir sind ja allesammt Sünder", heißt es in der Bibel, und wer in der Gosse liegt, darf über fremden Schmutz sich nicht aufhalten.— „Wenn der preußische Beamtenstand bei diesem Unwesen (Stroußberg-Wagcuerei) intakt(unberührt) geblieben ist, so ist das ein wahres Wunder", sagte Herr Lasker in einer seiner letzten Entrüstuugsreden. Nun— die Zeit der Wunder ist vor- bei, und auch das von Hrn. Lasker hypothetisch angenommene Wunder löst sich'vor der Kritik der Thatsachen in grausame Ironie auf. Wir lesen in der„Deutschen Reichszeitung":„Es ist bereits wiederholt, sowohl in der Presse als auch in den legis- latorischen Körperschaften auf das Unwesen hingewiesen woideu, welches von hochgestellten Beamten damit getrieben wird, daß die- selben als Nebenbeschäftigung noch das in vielen Fällen sehr lukra- tive Gewerbe eines Mitgliedes von Berwaltungsräthen zc. von industriellen und anderen Aktienunternehmen betreiben. Daß eS durchaus nicht in dem Sinne der Staatsregiernng liegt, solche Mißstände auch nur im geringsten bestehen zu lassen, geht daraus hervor, daß die Regierung in einem Zirkular- Erlaß die Ueber- »ahme derartiger Aemter Seitens der aktiven Staatsbeamten für unzulässig erklärt hat; daß aber trotz dieses Zirkular-Erlasses noch zahlreiche Beamte existiren, die noch aktiv, derartige Nebenbeschäs- tigungen treibe», geht auS folgendem hübschen Geschichtchen her- vor, welches uns als verbürgt gemeldet wird. Seitens des Chefs eines Ministeriums wurde an einen ihm untergestellten höheren Beamten, welcher Mitglied des Vcnvaltuugsrathes mehrerer Aktien- gescllschaftcn ist— nebenbei bemerkt aber nicht zu denjenigen Be- amten gehört, die durch ihre amtliche Stellung zu diesen Gesell- schaften in irgend welcher geschäftlichen Beziehung stehen— mit Rücksicht auf jenen oben erwähnten Ministerial-Erlaß die Anfrage gerichtet, wie er seine fernere Mitgliedschaft an industriellen Unter- nehmungen mit jenem Erlaß in Einklang bringen wolle. Hierauf soll der Beamte seinem Chef ein Verzeichnis' von höheren und höchsten Staatsbeamten eingereicht haben, mit dem Bemerken, er werde die Anfrage seines Chefs beantworten, sobald derselbe auch an jene im Verzeichuiß benannten Herren dieselbe Aufforderung gerichtet habe. Das Verzeichuiß enthielt nicht weniger als einhundert und fünfundsiebzig Namen solcher Beamten." Einhundert fünfundsiebzig hohe und höchste Beamte, die nicht„intakt'' geblieben sind! Und die Liste in der Eile ent- worfen, also jedenfalls nicht vollständig. Wir möchten wissen, wie viel„hohe und höchste" Beamte es in Preußen gibt, die nicht auf Allem in der Herstellung von Verkehrswegen, die nirgends mehr dieser Liste siguriren! Es kann nur eine Minorität sein.— In im Argen liegen als grade hier. Ein paar Jahre ruhiger bürgerlicher Republik würden in Spa- nie» das Terrain f r eine proletarische Revolution in einer Weise vorbereiten, die selbst die fortgeschrittensten spanischen Arbeiter über- raschen müßte. Statt die blutige Posse der vorigen Revolution zu wiederholen, statt vereinzelte, stets leicht unterdrückte Aufstände zu macken, werden die spanischen Arbeiter hoffentlich die Republik benutze», um sich fester an einander zu schließen und sich im Hin- blick auf eine nahende Revolution zu organisiren, eine Revolution die sie beherrschen werden. Die Bourgoisregierung der neuen Republik sucht nur einen Vorwaud, um die revolutionäre Bewe- gung zu erdrücken und die Arbeiter zusammenzuschießen wie die Republikaner Favre und Konsorten dies in Paris thaten. Mögen die spanischen Arbeiter ihnen diesen Vorwand nicht bieten! Politische Uebersicht. »ur-Naturgeschichte der Bismarck'schen Preßreptilien. Gleich der Berliner„Nationalzeitung" hat auch das Braunschwei- äußersten iger„Tageblatt" einen Tugendanfall bekommen und schimpft auf zwischen mehrt sich das Belastungsmaterial trotz aller Vertuschungs- versuche. Auch Fürst Bismarck, der bisher Mos indirekt ver- wickelt war, ist nun direkt in den Rieseuskandal hineingezogen. Davon nächstens.— 1 Der parlamentarische jBajazzo Ziegler(„Mühler muß fort vom Platz!" und„Mein Landsina»» Bismarck ist gottesfürchtig und dreiste") hat wieder einmal eine Harlekinsrede gehalten, und zwar zu seinem 70. Geburtsfeste. D r.'lnfang derselben fehlt uns; der Leser nehme daher mit Eu, n, ins dem Schlußtheile fürlieb und zwar nach dem Bericht der„Volkszeitung". Etwas Widerwärtigeres als diese gegenseitige Lobhudelei— wie sie unter den Herren der Forffchrittspartei Mode ist*)— läßt sich nicht *) Möge sich unsere Partei vorsehen, nicht in dieselbe Unart zu ver« fallen! Falle, wie sie in letzter Zeit vorkamen, daß ein Redakteur in seinem eigenen Blatte in crassester Weise gelobt oder in einem andern Partei-Lokalblatt von anonymen Freunden mit Schmeicheleien bedacht wurde, sind wahrlich nicht geeignet, da« Ansehn der Partei zu erhöhen. Jeder Arbeiter ist zwar seines Y'obeS Werth, allein daß ein Redakteur in dem von ihm redigirten Blatte sich von Anden» plumpe Schmeicheleien gefallen läßt, wird nicht anders als eine Art Corruplion angesehen wer- den können. Der Verfasser. denken. Da wird zunächst auf der Stenerverweigerung der National- Versammlung von 1843 herumgeritten! Und zwar seitens desselben Mannes(Philipps), der von seiner(Fortschritts-)Fraktion zu gleicher Zeit beauftragt war, dem Berliner 18. Märzfeier-Comit6 mitzu- theilen, daß die Fraktion der deutschen Fortschrittspartei an jener Feier nicht theilnehmen könne, weil„eine Partei, welche sich ver- pflichtet hat, ihre politische Thätigkeit ans den Wegen des Gesetzes zu üben, nicht beabsichtigen kann, in einer solchen Feier das Prinzip der Revolution aus ihren Schild zu erheben." Die Steuerverweigerung von 43 war also kein„revolutionärer" Akt? Herr Ziegler nennt sie— es liegt eine kostbare Ironie darin—„die größte Thal in unserm politischen Leben". „Noch Eins! Wir sind 150 Steuerverweigerer, darunter ganz! arme Beamte, aber bis heute noch nach 24 Iahren ist nicht ein Einziger(!!) seiner Ueberzeugnng untreu geworden, keiner ist zur Regierung übergetreten.„Was ineinen Sie, wie viel in Eng- land und Frankreich den Mantel gedreht hätten?"(fragte ich einen Franzosen und einen Engländer). Nun, sagte der Engländer, vielleicht die Hälfte. Und Sie? wandte ich mich zum Franzosen, der lachend ausrief: crois presque toua(Ich glaube fast Alle.) Am andern Morgen kam der Engländer zu mir und bat mich ganz ernst ihn zu versichern, ob das, was ich gestern über die Stencrverweigerer gesagt, wörtlich wahr sei.„Ganz gewiß" erwi- derte ich, und nun schlug er die Hände zusammen und rief: Und diese Ehre der deutschen Nation, diese Thatsache wird nicht jeden Tag von jeder deutschen Zeitung an der Spitze ihres Blattes wiederholt?(Allgemeiner Jubel.) So, meine Herren, denkt das Ausland über uns, und wir, die wir nicht mehr und nicht weniger gethan als deutsche Männer thun sollen, haben ein Recht auf Achtung von unseren Mitbürgern, die sie, wie wir hoffen, bei den Wahlen bethätigen werden.(Bravo.)" Ziegler ist wirklich ein Mann, der an seine Narrheit glaubt. Diesen Ausspruch, daß kein Fortschrittler„zur Regierung über- getreten" sei, that er in Gegenwart und unter dem Bravorufen einer ganzen Schaar von nationalliberalen Bismarck- mameckuken! Wir werden uns gelegentlich die Liste der 150 Steuerverweigerer verschaffen und dann dem Herrn Ziegler das Gegentheil seiner Behauptungen vordemonstriren. Lesen wir vor- läufig seine Narrethei(nach dem„Bolkszeitungs"-Bericht) weiter: „Ueberhaupt, meine Herren, ist das deutsche Boll noch nicht genug gewürdigt und gerade in seinen guten Eigenschaften gemiß- braucht worden. Sie wissen ja, daß es in den letzten Zeiten des deutschen Reichs viel erbärmlicher aussah als heute in Frankreich, Spanien IC. Es ist wahr, daß Frankreich sowohl wie Spanien und England zuweilen abscheuliche Fürsten gehabt haben, aber bis zu der bassesse�)— ich gebrauche absichtlich einen fremden Aus- druck— soweit hat es doch nie ein ftemder Fürst gebracht, seine Landeskinder für überseeische Schlachtfelder für baares Geld zu verkaufen. Das war nur Deutschland aufgehoben! Und ganz im Geist des deutschen Volks laßt Schubart in seinem Herr- lichen Licdc:„Auf, ans, Ihr Brüder, und seid stark" diese ver- kauften Landeskinder singen: „Und an der Grenze füllen wir Mit Erde noch die Hand Und küssen sie; das sei der Tank Für Sorge, Pflege, Speis' und Trank, Du liebes Vaterland!" „Nach lange anhaltender Erregung(!!) der Hörer fährt der Redner fort: Und diesen Zug deutschen Gemüths, vermöge dessen der Deutsche so sehr an Heimat und seinen Fürsten hängt, hat man entstellen(!!!) wollen, indem man ihn.Sklavensinn ge- nannt hat. Nein! es ist etwas Tieferes, dieselbe Treue, von der der vornehme Römer Tacitus erstaunt ausruft:„In ääem vocaut!" Der Mann hat Recht!„Es ist etwas Tieferes", etwas was noch„tief" unter dem„Sklavensinn" steht! So haben die Worte des Herrn Zicgler einen Sinn. Viel sinniger als in Zieglers Rede ist die„deutsche Huudedcmuth" neulich von der „Nationalzeitung" angedeutet worden, indem sie— anläßlich des Wagener-Skandals— bezeichnend sagte: „Preußens König hat das Glück, über ein gutartiges, williges, geduldiges und im Ganzen ehrliches Volk zu re- gieren. Aber auch dieses Kapital kann äufgewirthschaftet werden, und Regierung und Abgeordnetenhaus mögen.dessen eingedenk sein." König Wilhelm, der den von Lasker an den Pranger gestellten Mitstroußberg, Herzog von Ratibor, sofort als dieser in Berlin eintraf, zur Tafel zog, wird sich an dieses Gewäsche natürlich ebenso vwl kehren wie Bismarck, der in demonstrativster Weise seinem Günstling Wagener einen Besuch abstattete. Doch kehren wir zu unserem Festredner zurück. Er erklärt, daß„wir, Gott sei Dank, fortgeschritten" seien— natürlich blos durch die„Fort- schrittspartei"— und lobt nun einen seiner Freunde nach dem ander»: z. B. Schulze-Delitzsch als den„Wohlthäter ganzer Gene- ratiouen", den literarlschen Dieb und siebenfachen„Gründer" Braun-Wiesbaden einen„vipuarischcn Franken von reckenhaftem Stamm"; am niedlichsten verherrlicht er Lasker:„Ich kann wirk- lich mit Falstaff sagen: Der Junge hat mir einen Trank ein- gegeben, daß ich ihn so liebe, es kann nicht anders sein, er hat mir einen Trank eingegeben." In einer Carnevalsgesellschast könnte es nicht anders zugehen, als in dieser„Fortschritts"- Koterie!— Hr. Keudell, Schwiegersohn und Kreatur Bismarck's, vor Kurzem von ihm als Gesandter nach'Conftantinopel geschickt, hat, wie Preußisch- Blätter anzeigen, soeben die Conzession zu einer Eisenbahn von Bertin über Freienwalde a. O. nach Pyritz und Stargard, nebst Zweigbahn nach Barzin erhalten. Daß diese Bahn, nebst Zweigbahn, den Werth des Bismarck scheu Gutes Varzin und der darauf angelegten industriellen EtabUsse- ments beträchtlich erhöhen muß, bedarf keiner Ausführung. Auf welche Weise Hr. Keudell die Eoncession erhalten hat, wird klar durch folgenden an den Bürgermeister von Pyritz gerichteten Brief des Fürsten Bismarck vom 22. Januar:„Ich habe bedauert, daß meine Abreise mich verhindert hat, Ew. Wohlge- boren und die Deputation aus Pyritz zu sehen und hätte ich, falls ich von Ihrer Absicht ftüher unterrichtet gewesen wäre, meine Ab- reise gern um einen Tag verschoben. In Betreff der Eisenbahn- linie Berlin-Pyritz Stargard bin ich mit dem Inhalt Ihrer Bitt- schrift ganz emverstanden und seit längerer Zeit bemüht, bei dem Königl. Handelsminifterium auf die Ausfüh- rung desProjekts nach Kräften hinzuwirken. V.Bismarck." Dieser Brief, der Ende Januar von mehreren Handelsblättern veröffentlicht wurde, wird jetzt von der Berliner„Volkszeitung" mit dem Bemerken abgedruckt:„Mehr als Naiv etat dahinter (hinter dem Benehmen des Fürsten Bismarck in dieser Angelegen- heit) zu vermuthen, verbietet sich schon durch jenen fteimülhigen Brief BiSmarck'S, in dem er kein Hehl von seiner Pression auf das Handelsministerium macht." Also wenn Jemand„freimüthig" — der gewöhnliche Ausdruck heißt anders— sagt, waS er ver- übt, so ist das Verübte blos„Naivetät!" Nach dieser Theorie größten Grubenbesitzer, des Mr. Crawshay in Cifarthfa, mit seine»st strikenden Arbeitern. Er war so generös, zu versprechen, wenn dict> Arbeiter 6 Wochen lang zu dem um 10 Prozent reduzirten Loha.� wird daS Strafgesetzbuch sich künstig mit keinem Verbrechen arbeiten wollten, werde er die folgenden 6 Wochen den Dezember«� und Vergehen mehr, sondern nur mit„Naivetät" zu beschäftigen haben.„Naivetät" erster, zweiter, dritter ic. Klasse, die je nach den Umstanden mit Zuchthaus oder Gefängniß von verschie- dener Dauer zu bestrafen ist. Daß Fürst Bismarck sich für seine lohn bezahlen und sich dadurch halb ruiniren; das Weitere»erfc1 sich finden. Es fand sich aber nicht. Nicht einmal das Nähert� und Nächste. Ein Schrei der Entrüstung empfing den mit einige» 3 Seiteichieben auf die Gewerkschaften ausftafsirten Vorschlag det� zwei letzten Kriege 2'/2 Millionen Thlr. an„Dotationen" hat be- Hrn. Crawshay, der mit langer Nase abziehen mußte. So stand � *)„Bassesse" heißt„Niederträchtigkeit", wird aber von der zartfühlenden„Vollsjeitung" in„niedrige Gesinnung" übersetzt. zahlen lassen; daß er, der oberste Beamte des„Reichs" eine Papierfabrik gründet, und deren Produkte dem von ihm be- herrschten Reich verkauft, daß er wegen seines Gemeindesteuer- Antheils sich mit dem Berliner Magistrat herumzankt; daß er dem Arzt an der Paukrechnung für seinen Sohn Abzüge macht— diese und so manche ähnliche Vorkommnisse sind der„Volks- zeitung" offenbar nur Beweise für die—„Naivetät" des Reichskanzlers in Geldsachen. Nun— vor der Königlichen Untersuchungskommission braucht es dem Herrn Reichskanzler so wenig wie dem Herrn Wagener nickt zu bangen; sie hat nicht einmal das Recht der Zeugenvor- ladung, und ist so zusammengesetzt und Eingerichtet, daß Freund LaSker darin entweder seinen Körper oder seinen Ruf zu Schan- den arbeitet.— Die beiden in vorletzter Nummer erwähnten Gesetzentwürfe (daS neue Preßgesetz und die neue Prozeßordnung) können dem nächsten„Reichstag" noch nicht vorgelegt werden, weil zwischen drei verschiedenen Regierungen Differenzen obwalten, deren Be- seitigung so bald nicht abzusehen ist.— Alles was in einigen Reaktionsblättern von feindseligen De- monstrationen der Spanischen Internationalen, überhaupt der Arbeiter gegen die neue republikanische Regierung gemeldet wird, sind Erfindungen des internationalen Polizei- spitzelthumö. Die Spanischen Sozialisten begeistern sich nicht für die neue Regierung, und sie haben keinen Grund dazu, aber es am 22. Febr. Nach einem Telegramm vom 24. Febr. soll bieg Wiederaufnahme der Arbeit durch 60,000 der Strikenden in Aus- � ficht stehen. Wir wollen abwarten. Die Nachricht klingt nicht � wahrscheinlich, die Grubenbesitzer müßten sich denn nachträglich zu 3 den Bedingungen von Tondu verstanden haben.> sie denken �nicht im Entferntesten� daran, ihr Schwierigkeiten zu bereiten. Daran kann, wie die Dinge liegen, überhaupt nur ein Polizeispitzel denken.— Nette Gesellschaft haben wir nächstens zu erwarten. In verschiedenen Zeitungen ist zu lesen:„Straßburg, den 17. Febr. Professor K. Binding, in weiteren Kreisen erst bekannt gewor- den durch seinen an dem Freiherrn von Aufseß verübten Patrio- tismus, ist zum Nachfolger des geheimen HofrathS Dr. Heinze aus den Lehrstuhl dcS Criminalrechts und Eriminalprozesses in Leipzig ernannt worden." Wir hatten gedacht, dieser Mordspatriot säße in irgend einem Zuchthaus und spinne Wolle sürs„Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte"; und siehe, man macht ihn zum Rechtslehrer an Deutschlands erster Hoch- schule. Jetzt fehlt nur noch, daß Wagener zum Präsident deö Leipziger Handelsgerichts ernannt wird.— Hr. Leone Levi, die„bekannte wissenschaftliche Autorität", welche im S.olde der Englischen Bourgeoisie gefälschte Statistik anfertigt(die man auch in Deutschland zuweilen gegen die Sozialdemokratie aufmarschiren läßt), ist, wie wir aus einer englischen Zeitungs- notiz ersehen, Generalkonsul für Paraguay, und Obergeschäfts- leiter der nach jenem südamerikanischen Staat betriebenen See- lenverkäuferei. Diese Gesellschaftsretter und Sozialistensresser haben All'„ihre Grind'", um in der eleganten Sprache des Mainzer Gründungsvirtuosen oder Reichshanswursts Bamberger zu reden.— Der in Berlin erscheinende„Neue Sozialdemokrat" bringt seit 8 Tagen schon den zweiten Leitartikel über einen ekelhaften Unzuchtprozeß in Hamburg-Altona— über die Wagener- Äfsaire erwarten wir dagegen von den Schreibern„ä la Marat" noch den ersten Leitartikel. In Ermangelung eines solchen enthielt eine der letzten Nummern eine heftige Attake auf— LaSker. Herr Wagener ist bekanntlich der Erfinder und Organisator des königl. preußischen Sozialismus, und Wagencr's Schüler, ein Herr Meier von der„Berliner Revue" sagte vor einiger Zeit mit drohend erhobenem Finger:„Die Redakteure des„Neuen Sozial- demokrat" sollen nur hübsch bescheiden sein— wir wissen mehr von ihnen, als sie glauben." Was auch„hübsch bescheiden" ein- gesteckt ward.— Der Klassenkampf in Süd-Wales dauert fort. Von den 80,000 ausstehenden Arbeitern sind bis jetzt blos 4000 an die Arbeit zurückgekehrt, und zwar auf Grund eines durch daS Parla- mentsmitglied Brogdcn— selber Theilhaber des betreffenden Ge- schäfts— vermittelten EompromisseS mit der„Clynoi, Tondn und Ogmore Kohlen- und Elsen-Gesellschaft". Dieser auf einer Eon- ferenz zu Tondu zwischen Hrn. Brogden, als Vertreter der obigen Gesellschaft einer- und 50 Arbeiter-Delegirtcn andererseits abgeschlossene Compromiß, läuft daraus hinaus, daß die Arbeiter bis zum 1. März(also vom Datum der Vereinbarung an gerechnet 14 Tage) zu einem um 5 Prozent unter den letzten Dezembersatz reduzirten Lohn arbeiten, daß dann aber vom 1. März bis zum 29. März der Dezembersatz bezahlt wird, und vom 31. März(der 30. ist ein Sonntag) bw zum 5. Juli ein Zuschlag von 5 Prozent über den Dezembersatz. Vor dem 5. Juli ist eine Conferenz von Vertretern der Gesellschaft und Delegirtcn der Arbeiter abzuhalten, auf welcher eine Verständigung über den später zu zahlenden Lohnsatz erstrebt werden soll. Die b:tr. Gesellschaft hat 13 Kohlen- werke, 9 Hohöfen und über 100 Puvdelwerke und sonstige Oefen, 4 Dampfschmceden und 7 Walzwerke; sie beschäftigt 1200 Kohlen- gräber, die in den letzten Jahren ungefähr eine Million Tonnen Kohlen per Jahr förderten; die Gesammtzahl der beschäftigten Arbeiter beträgt, wie schon angegeben, 4000. Während dieser Bertrag nach kurzer Debatte zu gegenseitiger Zufriedenheit abgeschlossen ward, scheiterten gleichzeitig gepflogene Unterhandlungen zwischen dem Vertreter der Dowlais- Gesellschaft und Delegirten der von ihr beschäftigten Arbeiter. Hr. Menelaus — dies ist der klassische Namen des Vertreters der Dowlais- Gesellschaft im Besonderen und der Bourgcois-Gesellschaft im All- gemeinen— suchte den Arbeitern begreiflich zu macken, daß die unglücklichen Grubenbesitzer statt Millionen blos Hunderttausende per Mann„verdienen" würden, wenn sie den Lohn auf der bis- herigen Höhe beließen; schon bei einer Reduktion von 10 Prozent sei der„Profit" der Herren Grubenbesitzer ein so geringer, daß nur ihre aufopfernde Arbeiterfteundlichkeit sie zu einem so unge- hener großmüthigen Anerbieten bewegen könne; Punkt 10 des Eisenacher Programms ist allerdings von höchster si prinzipieller Bedeutung, er ist der einzige unter den aufgeführten � 10 Punkten der sog.„nächsten Forderungen" des Programms der_ rücksichtslos die Verpflichtung des Staats zur Lösung der sozialen Frage aussprickt. Die Grundsätze unter I. und II. des Eisenacher Programms, die Brake als diejenigen von wirklich prinzipieller Bedeutung auffaßt, sprechen für daS Verhalten der Brannschweiger Genossen gar nicht, weil sie auch diese Pun tc ls bei ihrem Wahlvereinsprogramm vollständig außer AchtJi gelassen haben. Die zum„Wahivereinsprogramm" pure ange- � nommenen 9 Punkte enthalten thatsächlich nicht eine einzige sozia- listischc Forderung. Wer diese 9 Punkte annimmt ist jedenfalls ein guter Demokrat, braucht aber kein Sozialist zu sein, er kann vielmehr ein entschiedener F.eind des Sozialis- mus sein. Ueberall wo das Eisenacher Programm— wir sprechen hierbei immer nur von den 10 Punkten— in den Reihen der bürger-! d lichen Demokratie zu Erörterungen gekommen ist, hat der Punkt v 10 den Stein des Anstoßes gebildet. So auf der Landesver-° sammln ng der deutschen Volkspartci im Herbst 1869, so bei den ti Beschlüssen-der Fürther Volksparrei, wenn wir nicht irren 1371, I so bei der Erörterung über die Stellung zum Eisenacher Pro- 3 gramm im Berliner„demokratischen Verein" 1872. Die bürger- f1 iiche Demokratie wußte also recht wohl, daß, wenn sie den Punkt u 10 anerkenne, sie den Sozialismus in allen seinen Konsequenzen» anerkenne. Darüber hinweg hilft auch nicht die Redensart, die Bracke anwendet, indem er sagt: daß eine kleine Anzahl Demo- traten„im Allgemeinen die Berechtigung des Sozialismus aner- kenne ohne auf dem Punkt 10 zu stehen." Wir sagen, wer den Punkt 10 nicht anerkennt, kann auch den Sozialismus im„Allge- meinen" nicht anerkennen, denn der Punkt 10 ist das mildeste und harmloseste Mittel, um auf allmälige Weise aus der heu- tigen.bürgerlichen Gesellschaft in die sozialistische zu gelangen. Bracke wird doch nicht im Ernst glauben, daß die bürgerliche De- mokratie, welche dieses„mildeste und harmloseste" Mittel nicht anerkennt, etwa den am Schlüsse des. ersten Bandes„Das Kapital" von Marx angedeuteten Weg vorzieht? Ob serner, wie Bracke weiter auszuführen sucht, das in Punkt 10 vorgeschlagene Mittel „ein Experiment ist, das möglicherweise die Lösung mehr hemmt als fordert", kommt hier nicht in Betracht. Vorläufig steht der Punkt 10 im Programm und weder ein Einzelner noch eine noch so zahlreiche Mitgliedschaft hat das Recht, ihn ohne Weiteres aus- zumerzen. Zudem mußte die geringfügige Bedeutung, die Bracke dem Punkt 10 beilegt, die bürgerlichen Demokraten Brauuschweigs nur um so eher veranlassen, ihn zu akzeptire». Weiter sagt Bracke: der„Waylverein" war nothwendig, weil Arbeitervereine in Braunschweig verboten sind. Er fügt aber gleichzeitig hinzu,„daß in Braunschweig eine größere Parteimit- gliedschaft existire und rings um Braunschweig in kurzer Zeit ei» Kranz von Mitgliedschaften sich bilden werde, die sicher auch ihre Pflicht gegen die Partei erfüllen würden." Ei, das ist ja präch- tig und wir treuen uns sehr darüber. Sind aber diese Mitglied- schaften vorhanden, wozu dann noch Arbeiterverein gründen? Und da diese verboten sind— was uns im vorliegendem Falle nicht einmal sehr ärgert— wozu dann einen unseres Erachtens ganz überflüssigen Wahlverein ins Leben rufen? Sind die Gesinnungs- genossen Parteimitglieder, Gewerkschaftsmitglieder, halten sie die Arbeiterorganc und erfüllen sie auch in materieller Beziehung ihre Pflicht— und daS haben die Braunschweiger Arbeiter, zu ihrer Ehre sei es gesagt, voll gethan— warum sie dann aufs Neue in einen Wahlverein ziehen, der weder Fisch noch Fleisch ist? Sie sind durch die vorhandenen Organisationen schon zum Uebermaß in Anspruch genommen und durch eben diese Organisationen sind auch die Zwqcke einer Reichstags- oder sonstigen Wahl vollkommen zu erreichen. �Man gründe in jedem beliebigen Wahlbezirk 15 oder 20 Parteimitgliedschaften und jeder Wahlbezirk ist unser, wir brauchen keinen Wahlverein. Aber antwortet Bracke drittens, wir brauchen den Wahlverein, um mit einer kleinen Zahl bürgerlicher Demokraten, um uns zu verständigen, damit ww uns nicht be- kämpfen. Das sehen wir nicht ein. Erstens sagt Bracke selbst, es handelt sich um eine„kleine Zahl', da ist es also schon un- recht, wenn die Majorität der Minorität sich fügen soll, aber wo es sich um Prinzipien handelt, soll und darf man sich überhaupt nicht fügen. Zweitens braucht man sich mit Leuten nicht zu ver- feinden, wenn diese wenigstens ein großes Stück Wegs mit uns gehen. Bon den 10 Punkten billigt die bürgerliche Demokratie in Braunschweig 9, sie ist aber viel zu schwach, um selbftständig irgend etwas erreichen zu können; nichts ist also einfacher, natib� licher und gerechter, als daß sie erklärt: wir sind zwar mit Euch Sozialdemokraten nicht einverstanden, wir wollen aber mit Euch bei den nächsten Wahlen zusammengehen, Euren Kandidaten unter- - meüstützen, weil er ja auch für die nenn Punkte, die wir billigen, ein- dietritt und diese sogar zuerst erobert werden müssen,! ehe Ihr an oh ii den 10. Punkt gehen könnt. Haben wir die S Punkte erreicht, waS öer- freilich noch ein Weilchen dauern wird, und wollt Ihr den Punkt xrt«kO ausführen, dann hat unsere Freundschaft ein Ende." Das hertwäre wie gesagt vernünftig, statt dessen aber ist alles gerade nm- gen gekehrt. Bracke geht so gar so weit zu erklären, daß der Kandidat, de»den der Wahlverein aufstelle, von unseren Parteigenossen akzeptirt Mwürde, auch wenn er nur die 9 Punkte anerkenne. Holla. Da- die gegen müssen wir doch Protest erheben und zwar gegen den hierin �ausgesprochenen Grundsatz; denn daß der bezeichnete Fall wirklich itjjd entntt und die Braunschweiger Parteigenossen sich dann fügten, zu glauben wir nicht. Wir resumiren unsere Anschauungen kurz dahin: 1. Die Auf- sstellung eines Wahlprogramms mit Ausschluß von Punkt 10 des o�Gisenacher Programms ist unter allen Umständen eine Programm- u,. Verletzung, welche die Partei sich nicht gefallen lassen darf. 2. jZDie Gründung eines besonderen Wahlvereins ist überflüssig, weil die Parteiorganisation, richtig ausgebreitet, denselben vollständig en, erfetst- 3. Ein Zusammengehen mit der bürgerlichen Demokratie och zum Zweck der Wahlen ist keineswegs verwerflich, im Gcgeutheil ~:«izll wünschen, aber die Partei darf dabei ihre Grundsätze nicht preisgeben. Sie ist unseres Erachtens verpflichtet, überall Partei- kandidaten aufzustellen und kann erst dann zu einem Kompromiß- kandidaten übergehen, wenn sie im ersten Wahlgang unterlegen ist. Unser Programm ist das weitere, es schließt das demokratische Programm in sich ein, dem unseren also gebührt die Prioritäc. Daö ist, was wir Freund Bracke in aller Freundschaft und Kürze zu antworten haben. Der Parteikongreß, als oberste Instanz, mag entscheiden, wer Recht hat. nik en. ver reß ra- -cht ZU' te» nkl pe- Der östreichische Agitator Richard Ludwig Zimmermann chss beginnt wieder die Herausgabe seiner Zeitschrift„Freiheit". Das H Blatt— meist auf österreichische Zustände-berechnet und in der gemüthlich-populärsten Weise für das Bolk geschrieben, wie die älteren, hauptsächlich antipfäffischen Schriften deS Verfassers— erscheint in Wien(Schottenring 3 bei Katz) und kostet viertel- ter jährlich 1 fl. 50 kr. ö. W.— Der Herausgeber Zimmennann -ei» wohnt in Passau.— jeil._■-____________■ [iJ Em deutsches Gesänguiß. ich I. >er In Nr. 14 des„Volksstaat" druckten wir einen, zuerst im te� Crimmitschauer„Bürger- und Bauernfreund" veröffentlichten Ar- ht tikel(„Zur Behandlung der politischen Gefangenen in ;e-; Sachsen") ab, welcher sich speziell mit den Zuständen des a-- Zwickau er Landesgefängnisses beschäftigte; in der folgenden lls- Nummer(15) erwähnten wir einer„Berichtigung" jenes Artikels, n, welche dem Erimmitschauer„Bürger- und jBauernsreund" Seitens s-l des Direktors der Zwickauer Anstalt, Hrn. D'Alinge, zuge- -gangen. Seitdem hat Vahlteich, der von den Chemnitzer Par- iei- teigenossen mit Ermittlung des Sachverhalts beauftragt wurde, in r-'der Chemnitzer„Freien Presse" einen nunmehr vollendeten Chklus ikt von Artikeln über die Zwickauer Strafanstalt zu veröffentlichen r- 1 begonnen, in welchem wir die im Zwickauer Landesgefäugniß gil- en tige Hausordnung vorfinden. Dieselbe datirt aus dem Jahre 1, 1871, gründet sich auf das jetzt sür ganz Preußisch-Deutschland o- l giltige Strafgesetzbuch und ist sür unseren heutigen Culturzustand r- so bezeichnend, daß wir die von der Chemnitzer„Freien Presse" iktl wörtlich oder im Resumö mitgetheilten Auszüge den Lesern des en„Volksstaat" nicht vorenthalten können: Die„Hausordnung", um welche es sich hier handelt, ist ein- geführt durch Verordnung vom 3. Januar 1371 und zwar für die Strafanstalten zu Zwickau für Männer, und zu Hohem ck und Hubertusburg für Personen weiblichen Geschlechts. Die- selbe ist zwar bei Lommatzsch in Dresden gedruckt worden, im Buchhandel aber augenscheinlich nicht zu haben; sie ist im Gesetz- und Verordnungsblatt nicht publizirt, also ein Geheimniß für Alle, die nicht ex officio damit zu thun haben, sie ist unbekannt dem Richter, der eine Gefängnißftrafe ausspricht, die unter ihr verbüßt werden muß, sie ist ein Geheimniß für den Ge- fangenen, der ihr unterworfen ist, aber nur„Berhaltungs- Vorschriften" eingehändigt bekommt. Nach dieser Hausordnung besteht die Bestimmung der Straf- anstatt darin, daß in ihr 1) Gefängnißftrafe, welche die Dauer von 4 Monaten übersteigt, vollstreckt und 2) die sittliche Besserung der Sträflinge angestrebt wird. Die Anstalt steht unter dem Ministerium des Innern, das Ministerium der Justiz nimmt durch Absendung von Kommissaren Kenntniß von der Art und Weise der Erreichung des Strafzwecks. Gewisse Angelegenheiten der Anstalt werden vom Beamten- konvent besprochen und geregelt,„über die Besprechungen im Kon vente und die dabei sonst eröffneten Gegenstände sind Mitlhei- lungen an andere Personen unstatthaft, wie überhaupt über alle Angelegenheiten der Anstalt das Dienstgeheimniß mit besonderer Vorsicht zu bewahren ist." Die in dieAn- stalt Eingelieferten werden visitirt, in das Register unter fort- laufender Nummer eingetragen und erhalten eine Bekleidnngs- nummer, unter welcher sie bis zu ihrer Entlassung in den Akten, Listen, Büchern und Rechnungen geführt werden. Der Direktor und insbesondere der Geistliche haben den Ge- ie müths- und Sittenzustand, sowie die Schulbildung zu prüfen und das Ergebniß zu notiren. „Der Eingelieferte wird von der Annahme an als «Sträfling" bezeichnet und mit„Du" angeredet." Die Sträfllnge sind in drei DiSziplinarklassen eingetheilt, werden hiernach verschieden behandelt und in der Kleidung unter- schieden. Jeder neu Eingelieferte ist, wenn er rückfällig ist, in die dritte Klasse, sonst in die zweite einzureihen. In die erste Disziplinarklasse können diejenigen Sträflinge auf- rücken, welche mindestens 8 Monate hintereinander, oder, wenn ihre Strafzeit überhaupt die Zeit von 6 Monaten nicht erreicht, mindestens die Hälfte ihrer Strafzeit sich gut betragen haben." Von der Anstalt darf den Sträflingen nur Das- jenige gewährt werden, was zurErhaltung ihresLebens, ihrer Gesundheit und Arbeitsfähigkeit nothwendig ist. Weiteres an Kost, Bekleidung, Lagerstatt oder nur angewöhnten Bedürfnissen ist von der besonderen Er- laubniß des Direktors abhängig. Die den Sträflingen zu gewährende Beköstigung wird durch ein vom Ministerium genehmigtes Speiseregulativ geordnet. Zur z Einnahme der drei Hauptmahlzeiten, inkl. der dabei stattfindenden - � Andachtsübungen sind täglich anderthalbe Stunde bestimmt. Für j j Besperbrod und zweites Frühstück ist je eine Viertelstunde gewährt. Die Borschriften der Reinhaltung des Körpers sind angemessen und befriedigend(wir folgen dem Bericht der Chemnitzer„Freien Presse"), vorzügliche Badeeinrichtungen, wenn auch nicht in aus- reichendem Umfange, sind vorhanden. „Das Tragen von Bärten ist nicht gestattet." Mindestens eine Stunde täglich ist auf den Spaziergang zu verwenden; für die Nachtruhe sind mindestens 6, höchstens 3 Stunden zu gewähren; zwölf Stunden täglich muß gearbeitet werden, Ausnahmen können nur nach ministerieller Genehmigung eintreten. Das Arbeitspensum ist so bemessen, daß es bei ange- nommener mittlerer Arbeitsfähigkeit nicht ohne Anstrengung ge- leistet werden kann. Für besonderen Fleiß und Mehrleistung über das Pensum werden kleine Gratifikationen gewährt, deren Ertrag der Sträfling erster und zweiter Klasse bis zur Hälfte zum An- kauf von Bier, Milch, Butter, Heringe, saure Gurken, Obst und Schnupftabak verwenden kann. Der Direktor kann auch den An- kauf von anderen Dingen gestatten. Sonn- und Feiertags findet°ein Arbeits- und Pensumzwang nicht statt. Die Sträflinge haben den Aufsichtsbeamten unbedingt zu ge- horchen, letztere sind befugt,„Sträflinge, die sich irgendwie ver- gehen" in Arrest zu bringen und haben dies dem Direktor läng- stens 6 Stunden danach zu melden. Sträflinge dürfen ohne Genehmigung des Direktors weder unter sich, noch mit dritten Personen in irgend welcher Weise ver- kehren.„Sie müssen in der Regel jederzeit schweigen." „Ob Geschenke, welche Sträflingen gemacht werden, für dieselben angenommen werden dürfen, bestimmt im Allgemeinen der Direktor." Einzelhaft kann der Direktor nach seinem Ermessen verfügen, auch der Sträfling kann sie beantragen, sie darf j aber ohne Zustimmung des Letzteren nicht die Dauer von drei Jahren über- steigen. „Jeder nicht ausdrücklich erlaubte sinnliche Genuß ist verboten." Die ein- und ausgehende Korrespondenz der Sträflinge ist vom Direktor zu kontroliren, derselbe braucht Zuschriften,„wenn ihm Bedenken gegen den Inhalt beigehen", nicht abzugeben oder abgehen zu lassen. Das Schreibmaterial' wird dem Sträflinge für jeden einzelnen Fall in erforderlicher Menge gewahrt, er muß dasselbe, beschrieben oder unbeschrieben, nebst Feder, Tinte zc. wie- der abliefern. Ausnahmen hat der Direktor, zu ge- nehmigeu. Nachstehend folgt ein Verzeichniß der Strafen, welche aus gesprochen werden können. Die gegen alle Klassen der Sträflinge in Anwendung zu bringenden Arten von Disziplinarstrafen sind folgende: 1) Verweis. 2) Entziehung der Erlaubniß zum Einkauf von Viktualien und Tabak auf bestimmte Zeit bis zu 2 Monaten. 3) Verlust deö Arbeitserwerbs auf bestimmte Zeit bis zu 2 Monaten. 4) Kostschmälerung verschiedener Grade. 20 Mal Eni- ziehung der warmen Abend- oder Mittagskost, Brodminde- rung auf ein halbes Pfund täglich, halbe Kost im Allge- meinen, Krankenkost dritter Klasse, oder: 15 Mal Eni- ziehung der warmen Abend- und Mittagskost, Entziehung der warmen Morgen-, Mittag- und Abendkost. 5) Hartes Lager. 20 Mal zu verbüßen in einer gedielten Zelle ohne Lagerstätte. Die Gewährung von einer oder mehreren wollenen Decken oder Heizung ist nach Umstän- den zu bestimmen. 6) Einfacher Arrest. Auf 3 Wochen, ohne Arbeit bei 1 Pfund Brod täglich(excl. der übrigen Kost). Eine halbe Stunde Spaziergang. 7) Verschärfter Arrest. a. mit hartem Lager bis zu 20 Tagen. d. bei Wasser und Brod bis zu 15 Tagen. 8) Enger Arrest, bis zu 10 Tagen. Der Arrestat wird nach jedesmaliger Bestimmung bis zu je 15 Stunden des Tages mit mindestens 1 Stunde Rast des Mittags in ein in einer Arrestzelle eingebautes aus Lattengitter bestehendes enges Be- hältniß gebracht, in welchem er sitzen oder auftecht stehen, aber nicht liegen kann(mindestens anderthalb Ellen und höchstens zwei Ellen im Geviert groß), in welchem aber un- gehinderte Ventilation stattfindet. Jeder dritte oder vierte Tag ist Rasttag. Gegen die Sträflinge dritter Klasse kann noch verfügt werden: 9) Dunkelarrest bis zu 19 Tagen, einen Tag um den andern, oder je 2 Tage hintereinander, mit je einem folgenden Rast- tag. Der Arrestat wird vom Arzt an jedem Rasttage bc- sucht und ans dessen Anordnung von Zeit zu Zeit an die Luft gebracht. 10) Enger Dunkelarrest(nur bei männlichen Sträflingen) bis zu 5 Tagen. Die Bestimmungen unter 8 und 9 sind hier einzuhalten. 11) �attenstrafc in Heller Zelle bis zu 10 Tagen, in verdunkelter Zelle(nur bei männlichen— also die Lattenstrafe in Heller Zelle auch bei weiblichen!— Sträflingen bis zu 5 Tag«". Die Strafzelle in einer Arrest- zelle durch Abschluß mittelst Lattengitters eingebaut und am Fußboden mit dreieckige» Latten /nach vorgeschriebener Form bekleidet(aaa)- Der Arrestat bringt in einfacher wollener oder je nach Jahreszeit und Witterung) leinener Bekleidung und ohne Schuhe oder andere derartige feste Fußbekleidung in derselben entweder a. je 3 hintereinander folgende Stunden des Vormittags und des Nachmittags, oder d. die Zeit von Früh 6 bis Abends 8 Uhr zu. Rasttag, ärztlicher Besuch, Genuß freier Luft und be- ziehentlich Oesfnen der Fensterläden wie beim Dunkel- arrest. Brodminderung wie beim einfachen Arrest. Endlich kann bei Sträflingen, welche die Flucht versucht oder ausgeführt haben 12) Daö Tragen von Klotz und Kette auf 1 Monat ver- fügt werden. Der Klotz wiegt für die Männer lOPfttnd, Krtte und Veinschrlle 3—4 Pfund, bei den ZSeiöern der Klotz 5 Pfund 44 Hektas, die Kette nebst Fußriemen und Schloß zusammen 56 Hektas. 13) Für Männer Eisenstrafe auf 1 Monat besteht in An- legung eines Beineisens von 3 Pfund Gewicht. Jede begonnene Strafvollstreckung muß unterbrochen werden, sobald von sofortiger Fortsetzung derselben ein lebensgefährlicher oder bleibender Nachtheil für die Gesundheit des Sträflings zu erwarten ist. Bei der Auswahl aller dieser Strafen soll(nach der HauS- ordnung) die Besserung(!) der Sträflinge je nach deren Jndnvi- dualität, sowie die Auftechterhaltung der Ordnung angestrebt wer- den. Der Direktor soll sich vor der Strasverfügung die nöthige Kenntniß von der Schuld des zu Bestrafenden verschaffen, das Erörterungsverfahren ist aber in der Regel an keine Form und Niederschrift gebunden, nur bei Verhängung der Lattenstrafe ist der Beamtenkonvent zu vernehmen, und sie kann nur exekutirt werden, wenn mindestens die Hälfte der Beamten zustimmt. Hier- bei müssen Zeugen vernommen und Protokolle abgefaßt, die letzteren nebst den sonstigen Akten auch in jedem einzelnen Falle dem Mi- nisterium zur Kenntnißnahme eingesandt werden. Im Uebrigen hat der Direktor allmonatlich eine Abschrist des Strafjournals an das Ministerium einzusenden. Der Anstaltsarzt ist, je nach der Art der Strafe, entweder vor der Exekution derselben um sein Gutachten zu ftagen, oder eS ift ihm bei leichteren Strafen wenigstens alsbald von deren Voll- streckuug Nachricht zu geben. Die Theilnahme am Abendmahl ist eine freiwillige,„es ist aber darauf zu halten, daß jeder Sträfling mindestens zweimal in jedem Jahre sich daran betheiligt".„Der Gottesdienst ist von den gesunden Sträflingen jedesmal zu besuchen". Genehmigung zum Zurückbleiben ist vom Direktor nur bei dringenden Veranlassungen und unter motivirter Mittheilung an den Geistlichen zu ertheilen. Den Sträflingen ist geeigneter Unterricht zu ertheilen. Beschwerden gegen die Direktion scheinen auf schrift- lichem Wege den Sträflingen ganz unmöglich zu sein, denn der über Beschwerden handelnde§ 87 der Hansordnung spricht nur davon,„daß jede Anwesenheit eines Kommissars der Ministerien des Innern und der Justiz, sofern nicht von dem- selben eine andre Anordnung ertheilt wird, alsbald zur Kenntniß sämmtlicher Sträflinge zu bringen ist." „Beschwerden gegen die Verwaltung oder Beamte der Anstalt haben nur dann Anspruch ans Berücksichtigung, wenn sie sich auf Vorgänge beziehen, die nach der letzten Anwesenheit eines Kom- missars des Ministeriums des Innern stattgefunden haben." Wir lassen nun die zur„Hausordnung" gehörigen„Ver- Haltungsvorschriften für die Sträflinge" nach dem Referate der Chemnitzer„Freien Presse" folgen, indem wir nur unser Be? danern darüber ausdrücken, daß das„religiöse und moralpredigende Beiwerk, welches zur Beurtheilung dieser kulturgeschichtlichen Mon- strosität sehr wesentlich wäre, nicht näher charakterisirt worden ist. In diesen„Verhaltungsvorschriften", die ebenfalls aus dem Jahre 1871 stammen, wird den Sträflingen mitgctheilt, daß die Schildwachen auf Solche, welche einen Fluchtversuch machen, zu schießen berechtigt sind; nach einer Mittheilung aus guter Quelle�) tragen indessen die Schildwachen zur Zeit keine geladenen Gewehre-mehr bei sich. Mit Strafe und größtentheilö strenger Strafe wird bedroht: unbegründete oder böswilliges!) Beschwerde über Be- antte, das Reden von Unwahrheit, insbesondere wenn es in falsche Angeberei und Verläumdung ausartet, das Umsehen, Stehen- bleiben und Austreten beim Ausstellen und Marschiren, der Besitz von Kleidungsstücken, welche nicht im Beklcidungsbuche eingetragen sind, die geringste Kaupelei, Entwendung oder Unterschlagung, der Besitz von nicht erlaubten Gegenständen, oder der unerlaubte Ge- miß von Viktualien, lautes Lachen, Singen, Pfeifen„oder andere unpassende Scherze", das Unterlassen der strengsten Zurückhaltung gegen Personen weiblichen Geschlechts, Erzeugung oder Erheuche- lnng von Krankheiten, das Verweilen auf Treppen, Gängen, Appartements:c., das Versäumen der Anmeldung nach dem Aus- treten, zu spätes Eintreffen nach dem zu irgend welchem Zwecke ertönenden Glockensignal; bei den Jsolirten der Versuch des Ver- kehrs unter einander durch Worte, Zeichen, Pochen, Gcberden oder Schriftwechsel, das Aufsteigen in der Zelle, nm aus dem Fenster zu sehen, das eigenmächtige Oesfnen oder Schließen der Ventils- klappen in der Zelle, das Klingeln ohne Roth. Der Sträfling darf kein Geld, kein Messer, keine Instrumente, keine Schreibgeräthe, überhaupt keine Gegenstände besitzen, welche ihm nicht ausdrücklich erlaubt und in sein Bekleidungsbuch einge- tragen sind. Er darf nur mit seinen Vorgesetzten und, soweit ihm dies gestattet wird, mit seinen Mitgefangenen sprechen. Die Sträflinge haben überall Stillschweigen zu beobachten, auch dann, wenn sie von Wachtposten oder fremden Personen angeredet werden. Insbesondere, obwohl das eigentlich nach dem Vorhergehenden ganz überflüssig erscheint, ist angeordnet, daß die Sträflinge sich nicht über ihre Vergehen und Familienverhält- nisse aussprechen, andere Sträflinge um ihre Namen, HeimathS- Verhältnisse, die Ursache ihrer Einlicserung befragen,„weil üble Subjekte solche Mittheilungen benutzt haben, um Andere in neues Unglück zu stürzen." Nach Vollendung des aufgegebenen Arbeitspensums muß der Sträfling fleißig fortarbeiten.„Auch dürfen die Bewegungen der Sträflinge nie saufend geschehen, außerdem es wird besonders be- fohlen", wer aber zu spät kommt, wird, wie wir gesehen haben, bestraft. Bei mündlichen Ausrichtungen darf„weder leise noch zu laut" gesprochen werden; die Sträflinge haben sichtgegenseitig durch „Sie" anzureden. Außerhalb der Faktur ist stets die Jacke zuge- knöpft zu tragen, innerhalb derselben darf sie nur im Sommer ohne Erlaubniß ausgezogen werden. „Sträflinge, welche keinerlei Anlaß zur Unzufriedenheit gegeben haben, können alle zwei Monate die Erlaubniß zum Briefschreiben erbitten. Wegen dringender Geschäfts- und Familienangelegenheiten wird die Direktion nach Bcfin- den Genehmigung zu sofortiger Abfassung und Absendung von Briefen ertheilen." „Spricht ein Vorgesetzter mit dem Sträflinge, so muß dieser ganz gerade mit aneinander gezogenen Ab- sätzen stehen und sich aller Bewegungen nnd Gestiku- lationen enthalten." „Wer dem Direktor ein Anliegen vorzutragen hat, muß durch einen Auffeher um Gehör bitten lassen. Nur wenn eine derartige zweimalige Meldung ftuchtlos geblieben sein sollte, darf der Straf- ling den Direktor selbst bei erster Gelegenheit ehrerbietigst an- reden und sein Anliegen bescheiden vorbringen. Außerdem ist jedoch unmittelbares und unangemeldetes Anreden des Direktors untersagt." Für die Jsolirten bestehen u. A. folgende besondere Bestini.- mungen: Beim gemeinschaftlichen Verlassen der Zellen hat jeder Sträf- ling seinem Vordermann in einem Abstände von 3 Schritten zu folgen; Jeder erhebt sich auf das�Glockensignal im Sommer um 5 Uhr, im Winter halb 6 Uhr; Sonn- und Feiertags eine halbe Stunde später. Nach Besorgung des Waschens, Beendigung der Frllhmahlzeit zc. hat der Sträfling ohne Unterbrechung bis Mit- tag fortzuarbciten. Er darf nicht eigenmächtig aufhören, in Büchern lesen oder gar sich auf's Lager legen. Beim Spaziergang haben die Einzelnen die vorgeschriebene ') Es wäre gut, wenn die„gute Quelle" angegeben würde; über- baupt wäre zu wünschen, daß der Verfasser aussagte, ob er das Zwickauer Gesängniß persönlich besucht hat.' Entfernung von einander(8 Schritte) einzubalten, möglichst gleiche mäßiger, beschleunigter Schritt ist vorgeschrieben. Abends halb 8 Uhr wird das Zeichen zur Beendigung der Arbeit gegeben, gegessen und es muß alsdann um 8 Uhr das Licht gelöscht werden und„in der Regel(?) jeder Sträfling sich zur Ruhe begeben; auch darf er in der Regcl(?) vor Morgens die Lagerstätte nicht verlassen." So weit das Material nach den Artikeln der Chemnitzer „Freien Presse". Dies ist also die. Anstalt, in der„fehlende Gesellschaftsglieder" „gebessert" werden sollen, und in die man alle zu mehr als vier- nionatlicher Gefängnißstrafe vernrtheilten Sächsischen Parteigenos- fen schickt! Ein Blick auf diese„Hausordnung" und diese„Verhaltungs- regeln für Sträflinge" genügt, um zu zeigen, daß wir es hier mit einer Ausgeburt reaktionärster und barbarischster Anschauung zu thun haben: kein Sinn für Menschenwürde, kein Begriff vou Menschennatur, keine Ahnung der sittlichen Pflicht der Gesellschaft gegen die von ihr ins Verbrechen getriebenen Glieder! Der„Sträfling" ist kein Mensch, er ist ein Ding, das nicht denken, nicht fühlen, nicht handeln darf, ein Automat, dem Federdruck der „Vorgesetzten" folgend, und, wenn die Menschennatur in ihm sich aufbäumt gegen die Automatenrolle, dann grausame, unsere„Ci- vilisation" brandmarkende„Bestrafung", das heißt Mißhand- lung, Tortur! Für Frauen der„Klotz", mit Ketten und Fußriemen— o der Schmach! Und so verordnet im Jahre des Heils 1871, wenig Monate nach der Aufrichtung des ruhmvollen „Reichs der Gottesfurcht und frommen Sitte"! Es ist wahr, die„haarsträubenden" Bestimmungen dieser „Hausordnung"(nebst„Verhaltungsregeln") sind nur die Grenze, bis zu welcher die Anstaltsdircktion gehen kann. Aber die Grenze liegt weit jenseits des Gebiets der Menschlich- keit, und welch' weiter, geradezu unermeßliche Spielraum ist der Willkühr, der Laune, dem bou xlsisir der leitenden Beamten ge- öffnet! Kein asiatischer Despot regiert unumschränkter über seine zitternden Unterthanen, als der Direktor des Zwickauer Gefäng- nisses über die ihm auf Gnade und Ungnade überlieferten„Straf- linge". Man sagt uns, Hr. D'Alinge, Direktor der Zwickauer Anstalt, sei ein„humaner" Mann. Wir wollen es glauben, obgleich wir gleichzeitig erfahren, daß Hr. D'Alinge ein Anhänger des„Rauhen Hauses" sei, und wir bis jetzt ausnahmslos gefunden haben, daß Muckerthum und Humanität unvereinbare Gegensätze sind. Doch schlagen(wir die Bedenken nieder. Also gut— Hr. D'Alinge macht gegenwärtig von der diskretionären Gewalt, die ihm dieses Reglement überträgt, keinen barbarischen Gebrauch, wer und was bürgt uns dafür, daß Hr. D'Alinge morgen noch dieselben„hu- manen" Neigungen hat, wie heute? Hr. D'Alinge gilt für einen tüchtigen„Psychologen", und es muß ihm daher bekannt sein, daß plötzlicher Gesinnungswechsel zu den„psychologischen Möglichkeiten" gehört— er ist heutzutage sogar epidemisch. Unh angenommen, Hr. D.Alinge bleibt seinen humanen Neigungen treu, wer und was bürgt uns dafür, daß nicht an Stelle des Hrn. D'Alinge morgen ein Mann tritt, der diese barbarischen Bestimmungen ebenso barbarisch handhabt, als sie erdacht sind? Daß nicht an Stelle des Hrn. D'Alinge ein Heink, fluchbeladenen Andenkens, tritt, der im Geist und nach dem Buchstaben dieser barbarischen Bestimmungen handelt, und Zwickau zu einem zweiten Wald- heim, fluchwürdigen Andenkens, macht? Wer und was verbirgt es uns? Niemand, Nichts! Die„milde Praxis", die momen- tan in der Zwickauer Anstalt walten soll, ist ein schwankendes Schilfrohr, das der leiseste Windhauch umbiegen kaun. Wir wissen in Sachsen ein Liedchen von„milder Praxis" zu singen. „Milde Praxis", das ist eine Leimruthe für Gimpel, eine tückische Fußangel für den Arglosen.„Milde Praxis"— das ist der Despotismus in guter Laune; eine Fliege, die sich auf eine aller- höchste Nase setzt, und die gute Laune wird zur schlechten Laune, und aus dem Sammtpfötchen der„milden Praxis" springen die spitzen Katzenkrallcn hervor. Kurz, Hr. D'Alinge ist uns keine Bürgschaft. Er ist nur eine Person, und die Zwickauer Gefängnißordnung ist ein System. Dieses System aber ist barbarisch, und wenn es Hrn. D'Alinge Ernst ist mit seiner Humanität, dann hilft er uns dasselbe be- kämpfen. Wir haben den Kampf gegen dieses barbarische Gefängniß- system begonnen, und wir werden sortkämpfen, bis die Zwickauer Bastille, gleich ihren Schwesteranstalten, Unter dem Gewicht der auf sie gehäuften Verachtung zusammenbricht.— theilen. Vorläufig sind die Mitgliedschaften aufgefordert, sich mit den Nachbarorten in Verbindung zu setzen. Den 22. Februar 1873. Der Ausschuß. Im Auftrage: Theodor'Dorck. Internationale Metallarbeiterschaft. ßhemnih, 20. Febr. Anläßlich der Aufforderung der Leip- ziger Mitgliedschaft, wonach unsere Generalversammlung zu Ostern dieses Jahres stattfinden soll, hat der Ausschuß in seiner letzten Sitzung die Einberufung der Generalversammlung in Erwägung gezogen und sich einstimmig dahin ausgesprochen: 1. Ostern cig- net sich nicht für Abhaltung der Versammlung, weil gerade an vielen bedeutenden Orten Mitgliedschaften im Entstehen begriffen sind, deren Vertretung auf der Generalversammlung, wenn dieselbe tchon zu Ostern zusammentritt, fraglich wird, mindestens dürste die Vorberathung des Verhandlungsmaterials dadurch beeinträch- tigt werden. 2. Der Ausschuß erachtet die Tage dis Psingstfestes zur Abhaltung der Generalversammlung sür am geeignetsten. 3. Dresden wird als Kongreßort in Vorschlag gebracht. 4. Die Mitgliedschaften sind aufzufordern, über die die Generalversamm- lung betreffenden Vorschläge abzustimmen und über das Resultat dem Ausschuß alsbald Mittheilung zu machen. Für den Ausschuß: C. G. Schubert. Adr. Exped. der„Chemnitzer Freien Presse". Lerlin. Correspondenzen. Innere Partei-, Vcrwaltnngs- und Organisations- Angelegenheiten. An die Parteigenossen! Von einer längeren Agitationsreise zurückgekehrt, sage ich hier- durch den Partei- und GewerkSgenossen an allen Orten, die zu besuchen ich Gelegenheit hatte', meinen besten Dank für die mir- gewordene ftcundliche und wohlwollende Aufnahme. Indem ich nunmehr die Geschäftsführung deS Sekretariats wieder übernommen habe, bitte ich etwa in letzter Zeit vorgekom- mene Verzögerungen in Beantwortung von Briefen, Ucbersendung von Material entschuldigen zu wollen, und fordere alle Parteige- Nossen, die Vertrauensmänner insbesondere, dringend auf, mit Eifer und Energie sür Ausbreitung der Partei durch Gewinnung neuer Mitglieder, und für Kräftigung der Organisation zu wirken, und in jeder Versammlung sür die Gewinnung neuer Volksstaat-Abon- nenten Sorge zu tragen. Mit sozialdemokratischen Gruß Hamburg, den 12. Febr. 1873. Th.?)orck. Gewerksgenossenschastliches. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Altona, 22. Febr. Da in nächster Woche das zweite Ge- werkschaftszirkular versandt werden soll, so werden die Orte, die bis dato die Abrechnung für das vierte Quartal 1872 noch nicht eingesandt haben, hierdurch aufgefordert, dies sofort zu thun, des gleichen alle Mitglieder der Gewerkschaft, insbesondere aber die Vorstandsniitglieder der Gewerkschafts- und Krankenkassen der Leipzig, 27. Febr. Heute wurde Hadlich in dem seit Sep- tember vor. I. gegen ihn schwebenden Religionsschmähungsprozeß vom hiesigen Bezirksgerichte klag- und kostenfrei gesprochen. Dresden, 26. Februar. Schuhmacher allerors! Arbeiter aller Gewerke! Die Maßregelung, welcher sich der Schuh- waarenfabrikant Simon Wolf in Mainz gegen seine Arbeiter schuldig machte, hat so sehr das Gepräge schamloser Brutalität und gleicht so ganz einem Raubzuge gegen das freie Menschen- recht der Arbeiter, daß in dem Vorgehen dieses Mainzer Wolfejs nur ein Versuch der coalirtcn Fabrikanten, die Vereinigungen aller Arbeiter zu sprengen, erblickt werden kann. Gelänge dieser Ver- such, müßten die Arbeiter der Wolf'schen Fabrik unterliegen, so würden derglcichensBedrucknngcn sich bald in anderen Geschäftskreisen zeigen, deshalb rührt Euch Arbeiter im eigenen Interesse. Bringen wlr dem Wolfe in Menschenhaut den Beweis, daß es da, wo sich's um das tägliche Brod handelt, nichts zu Hau- deln, nichts zu Schachern giebt, und daß es nicht mehr so leicht ist, den fleißigen Arbeitern das Fell über die Ohren zu ziehen. Schuhmacher und Arbeiter überall, unterstützt die Mainzer so gut ihr könnt. Ihr Sieg ist unser Sieg, ihre'Niederlage müßte unsre Schande sein. Adressen nach Mainz, siehe Mainzer Auftuf. Die Verwaltung der Schuhmacher-Gewerkschaft. Auftuf an sämmtliche Schuhmacher Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz. Als wir im vorigen Jahre nach den Verhältnissen der Zeit, als da sind: theure Lebensbedürfnisse, hohe Miethe u. s. w. ge- nöthigt waren, an unfern Herrn Fabrikant S. Wolf eine Lohn- erhöhung zu verlangen, so kamen wir mit demselben überein, daß uns ein Lohnzusatz von IS Prozent bewilligt wurde. Wir waren nun zuftieden und arbeiteten mit Freuden. Doch hört Freunde und Berufsgenossen! Am 19. Februar des Morgens in der Früh wurde jedem Arbeiter in der Fabrik des Herrn Simon Wolf die Erklärung gemacht, daß ein Lohnabzug von 15 Prozent, welchen wir im vorigen Jahre nach 15 harten Strike-Tagen bewilligt be- kommen haben, entrissen werden soll. Aber damit lieben Freunde und Berussgenossen ist der Fabrikant nicht zuftieden, nein, Er verlangt die Austretung aus der Union, Er verlangt die Aus- einanderstreuung der Arbeiter, Er erklärte uns resp. der Commis- sion, welche am 19. Februar bei Ihm war, daß er die Union nicht anerkenne. Wir sehen also auS dieser Handlung, wie die Herren Fabrikanten gesonnen sind gegen uns vorzugehen, wie sie sncheu�auf jede mögliche Weise die Union auseinander zu sprengen. Aber Freunde und Berufsgenossen, die Mainzer Arbeiter werden wissen, wie sie diese Handlung brandmarken werden, denn die Gesinnung, der Geist, ist vortrefflich, sie ist wie wir sie noch nie zu bezeichnen hatten. Aber zu diesem Schritt Freunde und Be- rufsgenossen brauchen wir Geld, und deshalb appelliren wir an Euch, verlaßt uns nicht in diesem Kampf, siegen wir! bekämpfen wir diese schnöde Handlung des Fabrikanten, so siegt Ihr, und gewiß wird sich ein Fabrikant dies nicht mehr erlauben, was sich der Fabrikant Simon Wolf ans Mainz erlaubt hat. Wir haben viele vcrheirathete Männer unter uns, aber diese halten als treue Kämpfer ihrer Sache bewußt rechtschassen zu uns. Vergeßt deshalb nicht Eure Pflicht. Briefe u. f. w. sind zu rich- ten an Herrn Garrez, Mitternacht, in Mainz. Mainz, 20. Februar. Im Auftrage des Strike-Comits's: Heinrich Vonill, Schriftführer der SchuhmacherUuion. Krankfurt a. M., 25. Febr.(An die Spenglergehilfen Deutschlands, Oeslreichs und der Schweiz.) Die Spengi lermeister Süddcutschlaüds haben einen Verein gebildet, dessen erste Frucht eine uns oktroyrte Werkstattordnung war, die ein reiner Hohn auf die„freien" Arbeiter ist, wie man uns zu nennen be- liebt, ein Schimpf auf das arbeitende Volk. In Folge dessen haben sich die hiesigen Spenglergehilfen geeinigt, diese Sklaven-, resp. Werkstattordnung entschieden abzulehnen. Es werden deshalb alle Spenglergehilfen anfgefor- dert, Zuzug nach hier zu verhindern, und sei noch bemerkt, daß die hiesigen Fachgenosscn der internationalen Gewerkschaft der Metallarbeiter beitreten. Zuschriften sind zu richttn an: Heinrich Hütter, KlaPpergaffOll, Sacbscnhausen. 'Aatersow im Januar. Die hiesige 23. amerikanische Sektion der Internationalen hat sich gegen die Secession der Jurassischen Bakunisten erklärt.— Kamöurg� 21. Februar. Wegen Lvhndifferenzen ersuchen die Apenrader Schiffszimmerleute allen Zuzug nach dorthin fernzu- halten. G. Rümpel, 1. Vors. der Redaktion: G. Schäfer in Berlin: Ist geschehen. Radtke ill/< Königsberg: Leider nicht. W. Barnig in Bremerhaven: Depesche ist abgegangen. Sie haben an die Expedition 10 Gr. zu zahlen. Schimmel«' in Mannheim: Wir müssen Ihre Correspondenz nochmals für eine Shim-« mer zurückstellen. Metzner und Aurin in Berlin: Nächste Nummer. js Genossenschastsbuchdruckerei. Antheilschcine bez. Antheilquittungen erhielten ferner: in Reudnitz E. G.Sdi Thlr. 5, in'Nürnberg G. B. 10, in Breslau H. Oe. 1, I. K. 1, H. R. 1,1 in Neundorf G. N. 1, in Franks, a. M. L. O. 1, H. G. 1. Th. K. I. bi PH. Z. 1, Ph. II. 2, L. G. 4. Hadlich.!A Foud für pol. Gemaßregelte. Freiw. Samml. i. Arb.-Bild.-Ber. Leipzig Thlr. 8. 15. 8., nachträg- s lich 6 Ngr. von Haselhuhn jirn., Frankenhausen 3 Ngr. i 4 _-a Scrlm. Anzeigen?c. Sozialdemokratische Ardeiterpartei. Montag den Z.März bei Möwis, Weberstraße 24a.; Tagesordnung: Das Haftpslichtgesetz. Referent: Herr Bernstein. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vertrauensmann: A. Heinsch. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Versammlung der Böttchergehilfen. Sonntag den 2. März, Vormittags 10 Uhr, im Heise-Local, Lands-! bcrgerstraße Nr. 15.— Tagesordnung: Innere Vereins-Angelegenheiten. i Um zahlreiches Erscheinen bittet__ Der Vorstand. f Greslau. Sozialdemokratische Arbeiterpartei. j f Montag den 3. März, Abends Punkt 8 Uhr: Wer- sammlung in Kuhnert'« Restauration, Vorderbleiche Nr. 7.— Tages- ordnung:„Die Zukunft der Arbeiterklasse". Referent: PH. Wiemer.— Um pünktliches Erscheinen ersucht____ H. Oehme. Forst. Allssemeines Arbeiterfest. Dienstag den 18. März, Abends 8 Uhr, im Bufu'schcn;( scheu Locale.— Concert, Ball und declamatorische Vorträge. * Freunde und Gesinnungsgenossen sind eingeladen. Das Comitee. Sozialdemokratischer Arbeitcrderciu. ,■* Sonnabend den 1. März, Abends 8 Uhr: Versammlung G im Brühl Nr. 3.— Tagesordnung: 1) Wahl eines Vertrauensmannes;! 2) die allgemeinen Menschenrechte.— Mitgliedskarten sind vorzuzeigen.! Der Vorstand.■ Hamburg. (Sozialdemokratischer Arbeiterverein.! � Versammlung am Montag den 3. März, Abends � j 9 Uhr, in Hans ch'S Elublokal, Schaucnburgcrstraße 14.— Tagesord- I nung: Sozialpolitischer Wochenbericht. Referent: Wendt.— Daraus' Discussion.— Gäste haben Zutritt. Internationale Mctallarbciterschast. , c Sitzung Montag, den Z.März, bei Arn hold, Reut- � nitzcr- Straße Nr. 10.— Tagesordnung: 1) Die Jntriguen der hiesige» Krankenkassen gegen die Gewerkschastskasse; 2) Statutenberathung; Aus- nabme neuer Mitglieder. 4?mmfr Sch«eidergeh«lfeu! Nächsten Sonnabend den I.März findet in den Räu- wen der„Tonhalle" eine Festlichkeit sämmtlicher Gewerkschaften mit! Concert, Festrede und Ball statt. ES ergeht Hiermit an alle Collegcn die ftcundliche Einladung zur Be-; theiligung. Der Vorstand der Schneidergehlllfen.-- Holzarbeiter, die irgend welche Notizen mit veröffentlicht wünschen, ersucht, dieselben ungesäumt an Unterzeichneten einzusenden. Da nunmehr wieder Statuten und Quittungsbllchcr vorräthig sind, werden die Bevollmächtigten der Orte, wo solche fehlen, er- sucht, mir gefälligst Mittheilung machen zu wollen.' In nächster Zeit soll eine weitere Agitation für Ausbreitung der Gewerkschaft stattfinden, und werden wir seiner Zeit darauf Bezügliches mit- Ncuschöncfcld b. Leipzig. tSfffJgiSS schloßchen; allgemeine Arbeiterversammlung. Tagesordnung: Die Arbeiterbewegung, Constituirung eines Arbeiter- Verein« und Wahl eines prov. Vorstandes.(2b) lllinibf l Ij",� iirtl). Volksversammlungen. Samstag den 8. März Abend» 8 Uhr, in den Sälen des„Sächsische» Hofes" in, Nürnberg. Sonntag den 9. März in Fürth in einem snoch zu bestimmende»! Saale. Tagesordnung: Das Ausbeutungssystem der kaiserl. Preußischen Reichs« regicrung und die projectirte Erhöhung d« Tabaksteuer. Referenten; Memminger und Grillenberger. Die Vertrauensmänner. M. Seischab. Reichert. Thonberg b. Leipzig.«erSÄr Montag den 3. März, Abend« halb neun Uhr: Versammlung im„Gast« haus zum Thonberg". Mitglieder und die es werden wollen, haben Zutritt.___ Der prov. Vorstand. WandSbeck. Sozialdemokratischer Arbeiterverein Mitgliederversammlung Freitag den 23. Febr., Abends halb neun Uhr, bei Herrn Reimer im„Hotel de Garni", Ham- burgcrstraße.— Tagesordnung:„Die kulturhistorische Entwickclung der Völler". Referent: Hr. Aug. Geib aus Hamburg. Jedes Mitglied muß in dieser Versammlung erscheinen. Richtmit« glieder werden durch Mitglieder eingeführt.____ Joh. Jahncke. Ich suche einen armen Jungen, welcher Lust Hat, Schuhmacher zu werden, unter günstigen Bedingungen in die Lehre. Leipzig. Joh. H. Werner, ___(2a)_ Kleine Fleischcrgasse Nr. 29, 4 Treppen, Tüchtige Drechsler und Graveure auf Elfeubei» finden guft lohnende Beschäftigung bei Friedet K Martin, Leipzig, UniversitätSstraße Nr. 4. Reisegeld wird nach Uebcreinkommen vergütet.(2b) Tcleczraphische Depesche. Bremerhaven, 26. Febr. Sämmtliche Metall- und sonstigen Arbeiter des„Lloyd" haben die Arbeit eingestellt. Zuzug ist fern zu halten. Das Komits. � Briefkasten I? der Expedition: Endres in Augsburg: Bebel's Reichtagsredcn(erste und zweite Session) find vergriffen. Reichel in Düsseldorf: Ohne Orts- angabe nicht zu verwenden. German in Znterlacken: 3 Gr. Gimbel in Frankfurt: sür Abonn. 1. Quart. 5 Gr., für Schrift 12 Gr. Grimm in Franks, a. M.: für Schrift. 10 Thlr. 20 Gr. 3 Pf. Pausch in Nieder- zwönitz: für Schriften 1 Thlr. 10 Gr. Schreck in Altona- für Annoncen 2 Thlr., Rest noch 1 Thlr. Müller in Keltsch: für Schriften 28 Gr. Naumann in Neundorf: Wir senden Ihnen schon von Nr. 10 an 25 Expl. Die Filialerpeditionen werden ausgesordert, dem§ 4 des Reglements nach- zukommen. Die übrigen Expl. von Nr. 1, 5', 6. 10, 11 des„Volkstaats" wie die übrigen Lieferungen de� Hochverrathsprozefses und des Volkstaatskalenders werden umgehend rückerbeten. Die Buchhandlung und Expedition des„Volksstaat". Leipzig: Verantw. Redakteur N. Seif fett.(Redaktion und Expediti«"' Hohestr. 4). Druck und Verlag der Genossenschastsbuchdruckerei.