"Steint w?chcnil:ch 2 Mal 1 in Lcip;iff. ! Bfstcllungcn nehmen alle ?estanstalten nnd Buchhand- sunzcn des In- und AuS- lande« an. Für Leipzig nehmen Be« stcllnngen an: die Expedition, Hohcstraße 4. > die Genosienschasts- dnchdrnckerei, Zeitzerstraße 44. A. Bebel, Peterstraße 18. Müller, Baycrschestraße 8d, III. Äkonnementspreis: Für Preußen incl. Stempel- steuer l? Sgr., für die übrigeit Deutschen Staaten I2>/2 Sgr. pro Quartal, pro Monat 4'/» Sgr. Für Leipzig und llnigegrnd pro Quartal 13 Nzr. Filialeppeditioncii für die Ver- einigten Staaten: F. A. Sorge, Bor 101 Hoboken, N. J. via Newyork. G. A. Ldnnccker, 155 W. Lake Chicago(III.) OrgandersozialdemokratischenArveUerparteiundderinternattonalenGelverksgenosienschaften. s Nr. 24. Konnavend, 22. Würz. 1873. Wegen zn großen Stoffandrangs mußte der für den Heiland, daß er ist dn S-hn Gottes, was soll dann werden? diese Nummer bestimmte Leitartikel zurückgelegt Dann waren a«ch.seme�usspr..ch-....ur.M-nw»satz«..g.n.�. werden. ---- er de Parteigenossen! In wenigen Tagen beginnt ein neues Abonnement auf den Volksstaat". Erinnert Euch, daß es Eure Pflicht ist, mit allen Euch zu Gebote stehenden Kräften für seine weitere Verbreitung puf's Mue einzutreten! Unfern gemeinsamen Bemühungen ist es gelungen, den Abon- neutcnstand in diesem Quartal um 498 zu erhöhen, aber dieser Erfolg darf und kann uns nicht befriedigen; es müssen größere Anstrengungen gemacht, es muß eifriger und thatkräftiger für seine Verbreitung eingetreten werden. Viele Parteigenossen haben bisher in der Agitation die Einbürgerung des Parteiorgans zu wenig 'betrieben, und doch liegt in der weitesten Verbreitung desselben Mnser bester Halt und unsere beste Stütze. Was wäre unsere Or- jganisatio», unsere Partei ohne das Organ? Zeigen wir unser» Peindcn, was die Arbeiterklasse an Opferwilligkeit und treuer Pflichterfüllung zu leisten verr.iag, wenn es gilt, für ihre Befreiung und die Verwirklichung unserer großen Prinzipien einzutreten. Kämpfen wir ununterbrochen, erobern wir u»s den Boden, indem wir unsere Geisteswaffen bis in die ärmste Hütte tragen. IVie beste und schneidigste Waffe aber ist unser Parteiorgan. Halte 'ks also auch jetzt wieder bei dem neuen Quarlalwechsel ein Jeder von Euch es für seine erste Aufgabe, ihm neue Leser nnd damit ber Partei neue Mitglieder und neue Kämpfer zuzuführen. Nur Irer dieS sich zur Pflicht macht, thnt als Parteimann seine Schul- bigkeit. Handelt darnach. Die'Dermaltung. I Politische Uebersicht. Der„Reichstag"— der am 12. d. M. zusammengetreten ist '— hat abermals das komische Bedürfniß gefühlt, sich vor der Welt Unsterblich zu blamiren: Er hat den Antrag von SchräpS-Sonne- Niann auf Haft- Entlassung deö Abgeordneten Bebel für die NeichstagSdauer„mit sehr großer Majorität" abgelehnt. DaS heißt auf rcichsdeutfch: 200 Leute haben Furckt vor Einem Mann. Ein baillantcreS Zeugniß für die Bedeutung der Glauchan-Mecrancr Wahl konnten sich die 10'/- Tausend Bebel'schen Wähler nicht wünschen; sie werden sich nicht beklagen,„nnvertreten" zu sein; sie werden es sich vielmehr zur Ehre rechneu, diejenigen gewesen zu sein, welche der Welt plausibel gemacht, was deutscher Parlameu- jtariSmnS heißt. Ter Glauchau-Meerauer Wahlkreis wird für die politische Geschichte Deutschlands die Bedeutung haben, die der erste Pariser Wahlbezirk früher für Frankreich hatte; und der be- redte Protest der lO'/* Tausend Bebel'schen Wähler wird von der Geschichte mehr gewürdigt werden, als die ganzen dicken Bände von Makulatur, die von den Herren„Volksvertretern" der Nach- Welt hinterbleiben.„Am 13. Mär; 1848"— wird die Geschichte sagen—„wurde der Parlamentarismus iü Verlin geboren. Am März 1873 wurde er— 25 Jahre und 1 Tag alt— ebendaselbst feierlichst offiziell begraben, nachdem die nioralischc Schwind- �ucht,.die ihm von der Geburt aus anhaftete, ihn so aufgezehrt atte, daß er nicht einmal den Tag erlebte, an dem daS 25 jährige "ubrläum eines Ereignisses gefeiert wird, das für die Geburt des Parlamentarismus so bedeutungsvoll war: nämlich das 25 jährige ubiläum der Flucht eines Berliners„Unter den Linden".— 1 Die deutschen Staatsanwälte machen jetzt wieder so viel in »Majestätsbeleidigung". Wie wär's, wenn wir— und alle unsre Genossen zugleich mit unS— uns angewöhnten, statt ein eignes Artheil über den und jenen Fürsten zu fällen, uns damit zu be- ssnügen, den Betreffenden selbst von und über sich reden zu lassen! Zum Beispiel: L 1) Ter Großherzog von Mecklenburg, der Verfasser des Wortö:„Schönes Kavalleriezefecht". Am Tage nach der Explosion von Laon(10. Sept. 1870) schrieb er einen Brief vom Feld nach Hause, der also lautete:„Wir sind alle gestern, zwar fahrend, hierher marschirt; die Stabsordonnanz ist am Kopfe leicht blesfirt und mit uns hier; die anderen Pferde unten in der Dorstadt hatten sich losgerissen; fortgelaufen und sind meist �schunden, aber schon gestern mitmarschirt. Der Kronprinz von Sachsen kam sehr liebenswürdig gleich am andern Morgen zu mir und war außer sich. Die Kugel, die auf dem Operngucker ab- Rsetzt hatte, ist schon geheilt, aber die durch Balken erhaltene Kontusion ist noch sehr geschwollen und dick mit Blut unterlausen. Das Gehen am Stock geht schwach." L) Der König von Preußen: u) Programm des Prinzregenten vom 8. Novbr. 1858:„In beiden Kirchen muß mit allem Ernste den Bestrebungen entgegengetreten werden, die dahin zielen, Religion zum Deckmantel politischer Bestrebungen zu machen. ssn der evangelischen Kirche— wir können cö nicht leugnen sst eine Orthodoxie eingekehrt, die sofort in ihrem Gefolge Heuchelei hat. Diese Orthodoxie ist dem segensreichen Werken vor evangelischen„Union" hinderlich in den Weg getreten, und hur siad nahe daran gewesen, sie zerfallen zu sehen. Alle Heuchelei, Scheinheiligkeit, kurzum alles Kirchcnwesen zu egoistischen Zwecken sit zu entlarven, wo es nur möglich ist." b) Ansprache des Königs von Preußen an den Vorstand der „Uuions"-feindlichen hyper-orthodoxcu Brandcnburgischen . Synode im November 1869: »Ich wünsche, das in Frieden angefangene Werk möchte in Fric- °on vollendet werden. Wir haben viel Feinde— ich denke nicht »u die Katholiken. Wenn wir nicht mehr den Glauben haben an o) Der Deutsche Kaiser bei Einweihung der Zionskirche in Berlin 1873: „Ich wünsche, daß hier immer der Gottessohn gepredigt werde, der vom Himmel gekommen ist— was man freilich jetzt leugnen will. Welche Folgen soll das aber haben? Sie werden das nie- malS predigen!" Zur Preßkorruption. Verschiedene hoffnungsselige„Libe- rale" hatten davon geträumt, die Preußische Regierung wurde den Zeitnngs- und Kalenderstempel jetzt, da sie„so heidenmäßig viel Geld" hat, aufheben. Die Regierung hat aber in einer der letzten Sitzungen des Abgeordnetenhauses diesen sonderbaren Schwärmereien ein Ziel gesetzt, und die kategorische Erklärung abgegeben, daß sie an eine solche Maaßregel nicht denke(obgleich der Hr. Finanzministcr positive Versprechungen gemacht!); die betr. Steuer habe übrigens keinen politischen, sondern nur einen finan- ziellen Zweck, und sei auch nicht drückend. Das„Haus" faßte zwar trotz dieser Erklärung einen Beschluß gegen Beibehaltung der Steuer, doch das ist eben nur Arbeit für den„Papierkorb". Zu dieser neuesten Szene der Preußischen ParlamentSkomödie be- merkt mit Recht der Frankfurter„Beobachter"(dem dieser Tage in einem Preßprozeß der Beweis für die„politische Heuchelei" des Grafen Bismarck so vollständig gelang, daß der Gerichtshof auf Freisprechung erkennen mußte):„Wir erwarten, so lange Hr. von Bismarck die Seele des Preußischen Ministeriums ist, auch nicht im Entferntesten eine Erleichterung der Lasten, welche auf der unabhängigen Presse ruhen. Wohl aber hätten wir gehofft(freilich eine sehr kühne Hoffnung. R. d. V.), daß der Landtag einmal bei dieser Gelegenheit den scheußlichen Unfug ans Licht gezogen hätte, welcher mit Hülfe der aus dem Reptilienfond fließenden Gelder in Bezug auf die Thätigkeit der Presse— die doch in allen Staaten der Welt als ein mächtiger Faktor des öffentlichen Lebens betrachtet wird(gerade deshalb muß sie korrumpirt werde». Red. d. V.)— nun seit Jahren bei nnS stattfindet. Skandalöser ist die offizielle Preßwirthschaft mit allen ihre» schmutzigen Aus- länsern unter Louis Bonapartc in Frankreich niemals getrieben worden, wie sie in Deutschland gegenwärtig in Blüthe steht. Die Summen, welche jährlich zur Erhaltung der„nichteingestandeneu" Presse und zum An- und Verkauf von Zeitungen durch das Ecn tralpreßbnreau in Berlin verwendet werden, übersteigen nach aller Wahrscheinlichkeit um ein Erhebliches die Summe des Ertrags des gesammten Zeitungsstempels in Preußen(um mindestens das Dop- pelle. R. d. V.) Für solche Zwecke ist reichlich Geld vorhanden — für die Aufhebung der Steuer auf unabhängige Blätter na- türlich nichts. Der Landtag hat dieses liebliche Verhältniß auch bei dieser Gelegenheit nur ganz nebensächlich zur Sprache gebracht, nnd die nationalliberale Partei insbesondere wird die Augen dazu wohl noch auf lange Zeit gerne zudrücken, da sie ja weseutlich mitgeholfen hat, diesen Zustand zu schaffen(und da ihre Partei- organe auch tüchtig aus dem Reptilienfond„gespeist" werden. R. d. B.). Wir trösten uns aber damit, daß der servile Erfolgkultns und die„politische Heuchelei" in Deutschland ebenso wenig zum dauernden Triuniphe gelangen werden, wie sie unter dem biederen Bonaparte in Frankreich vor der Gerechtigkeit der Geschichte Stand u halten vermochten." So der Frankfurter„Beobachter". Wenn derselbe meint, die Prcßkorruption sei unter Bonaparte„niemals skandalöser betrieben" worden, als im BiSmarck'schen Preußen, so bleibt er damit hin- ter der Wahrheit zurück; denn nuter Bonaparte war die Preß- korniption bei Weitem nicht so allgemein, und lange nicht in so großartigem Umfang und so stistematisch organisirt, wie dies im Neuen Reich der Hrn. Bismarck, Stieber und Wagener der Fall ist. Man würde den betreffenden, wahrhaft monströsen Leistungen des genannten Triumvirats das Zeugniß der„Genialität" nicht versagen können, wüßten wir nicht, daß es blos das Rezept des Korruptesten der Korrupten,— und darum von den gesinnungS- tüchtigen deutschen Geschichtsschreibern in den Himmel erhobenen—, (auch)„Grafen" Mirabcau buchstäblich befolgt hat. Man lese den famosen Bestcchungsplan dieses Heiden der Dahlmänner, Häusser, Sybel und Consorten, und man wird uns sofort be. pflichten. Da wir gerade bei diesem unsauberen Thema sind, sei hier erwähnt, daß Hr. Robolöki, den die BiSmarck'schen Preßturkos neulich verleugneten, weil er einmal irrthümlich— die Wahrheit gesagt hatte, seit einigen Tagen auf Kosten des Reptilienfondö ein blos auf 3 Seiten bedrucktes Blatt ohne Titel heraus- gibt, das in die Provinz verschickt und dort von Unteragenten des Preßbureauö auf der leergclassenen 4. Seite mit einem„lokalen Theil", Lokalannoncen und Titel verschen wird, so daß es unter den verschiedensten Aushängeschildern dieselbe Waare auf billigste Art in die verschiedensten Orte einschmuggelt— ein sinnreicher Kniff, der übrigens ebenfalls nicht das Verdienst der Originalität besitzt, sintemalen er— freilich nur zu spekulativen Privatzweckcn — seit Jahrzehnten in England geübt wird. Weiter ist noch zu bemerken, daß, einer Mittheilung deö Frank- furter„Beobachters" zufolge die„Frankfurter Presse", die notorisch Eigenthum des Berliner PreßbureauS ist, den Betrag der von ihr entrichteten Stempelsteuer vom Preßbureau, daS heißt von der Preußischen Regierung znrllckvergütct bekommt! Da nun aber nicht Anzunehmen, daß für die Frankfurter„Presse" ein apartes Würstchen gebraten wird, so folgt hieraus, daß die Preußische Regierung den ihr gehörenden und ergebenen Blättern die Stempelsteuer thatsächlich erläßt, und sie nur den Zeitungen auflegt, welch- sich nicht von ihr kaufen lassen. Mit andern Worten, daß die Stempelsteuer nur für die unabhängige, nicht für die abhängige Presse besteht! Ein etwas feineres Mittel, ihre eigenen Gesetze zu„umgehen", wo es ihr nützlich scheint, sollte die Roon'sche Regierung der„ehrlichen" Leute doch wohl entdecken können! Alle Nachrichten über die angebliche Beendigung des Strikes nnd Locköuts in Südwales sind ebenso viele Lügen. Die Eisenarbeiter haben hier und da in kleiner Anzahl die Arbeit wieder aufgenommen, zum Theil unter günstigeren Bedingun- gen, als die Grubenbesitzer anfänglich boten; allein die Masse der Kohlenarbeiter steht unerschütterlich fest, und wie schon wiederholt gesagt wurde, auf sie kommt Alles an. Dagegen häufen sich die Symptome, daß die Grubenbesitzer gesonnen sind, klein beizugeben.— Unserer Notiz(in vor. Nr.) über Castelar's Rundschreiben haben wir noch anzufügen, daß die„Ernancipacion" genau dasselbe Urtheil darüber fällt und sie„nicht eine Denk-(rnernoran- dum), sonder» eine Bittschrift(memoria!)" und zwar eine der feigsten, speichellcckerischsten Art nennt.—, Vahlteich moquirt sich in der„Chemn. Fr. Presse" über un- fern Artikel betreffend die Zwickaner Gefängnißordnung, indem er bemerkt, Most habe geschrieben, daß er mit der ihm widerfahren- den Behandlung zufrieden sei; weiter gibt Vahlteich unserem „Correspondenten" den Rath, lieber vorsichtiger zu sein und nicht gleich den Direktor zu„verdächtigen". Nun, der„Correspondent" des„VolkSstaat" hat die Direktion deö Zwickauer Gefängnisses nicht„verdächtigt", er hat eS aber unter seiner Würde gehalten, das Sammtpfötchen der Willkühr, genannt„milde Praxis", zu küssen, und sich für ein Reglement zn begeistern, das, wie Vahl- teich selbst in einem seiner Artikel gesagt hat, es in die Gewalt des AnstaltSdirektors gibt,„aus dem Landcsgefängniß nicht blos ein Zuchthaus, sondern eine Hölle zu machen." (Freie Presse Nr. 41, S. 1, Sp. 2, Z. 15 u. 16). Wenn Hr. Vahlteich es mit seinem sozialdemokratischen Gewissen vereinigen r' kann, sich deshalb für das Zwickauer Landesgefängniß zu begeistern, weil der gegenwärtige Direktor von seiner gesetzlichen Befugniß, es„zn einer Hölle zu machen", zufällig keinen Gebrauch macht, so ist das Sache des Hrn. Vahlteich. Unser„Correspondent" hat es mit dem System zu thun, er will nicht, daß solche Befug- nisse existiren, er fordert eine humane Gefängnißordnung, und zwar für alle Gefangenen gleichmäßig, nicht bloS für unsere Parteigenossen.— Gewerksgenossenschaftliches. Allgemeiner deutscher Schneiderverein. Aayreuth, 10. März. Wie es um das Wohl der Arbeiter unseres Gewerbes bei einer so ungünstigen Wintersaison steht, brauchen wir wohl nicht erst zu zergliedern, zumal wenn ein Ar- beitgeber nicht gar zu human mit seinen Arbeitern umgeht. So z. B. der Arbeitgeber deS ältesten größeren Geschäfts dahier. Die- jenigen Arbeiter, welche auf Tag sind, haben zu arbeiten, so viel sie nur fertig bringen, und die Anderen— die können spazieren gehen und Schulden machen. Heute lesen wir in hiesigen Lokal- blättern, daß das betreffende Geschäft tüchtige Arbeiter sucht, und doch müssen die älteren Arbeiter noch immer tagelang feiern; wir glauben, eS wäre besser, wenn man erst die alten beschäftigte und ihnen gerecht würde, als daß man noch mehr einstellte. RS. Wir finden uns veranlaßt, den Herrn Arbeitgeber auf den „Augsburger Congreß", das Referat des Herrn Bisch off, das Confectionsgeschäft betreffend, aufmerksam zu machen. Internationaler Gcwerkverci» vereinigter Maler, Lackirer, Bergoldcr ic. Dresden, 9. März. Jetzt, nachdem unser Gewerkverein ein Jahr bestanden, sehe ich mich veranlaßt, deni Wunsche deö'„Volks- staat" gemäß wie viele Andere einen Jahresbericht, den ersten und infolge veränderten Wahlresultats der Verwaltungsorgane zugleich den letzten meinerseits für den„Volksstaat" einzusenden. Den Anstoß zur Bildung unsres Gewerkvcreins bildete die Arbeitskarte, die die Prinzipale einzuführen gedachten. In einer öffentlichen Hauptversammlung ward unsrerseits die Arbeitskarte verworfen und durch eine Deputation von 3 Mann den Prinzipalen das Gesuch gestellt, die Karte jnrückzunehme», weil die'e'be Artikel gegen die Ehre nnd Freiheit der betreffenden G hnijea enthalte, und statt dessen Accordarbeit einzuführen. Das G-Mch ward von den Prinzi- palen einfach mit dem Bemerken abge.'e., o, cue Ausführung der Arbeitskarte sei bereits beschlossene Sach-, j.-e Einwendung unsrer- seits sei zwecklos. Auch zur Motivirung des Gesuchs ward den Deputirten nicht daS Wort gestattet. Es erfolgte hierauf nach einigen Versammlungen die Constituirung unsres Gewerkvereins am 17. Februar 1872, der bezweckte, seine Mitglieder gegen Maß- regelungen zn schützen, durch öftere Zusammenkünfte den kollegiali- scheu Geist zu pflegen nnd durch Gründung eines ArbeitSnach- weifebureaus den heimischen wie fremden Collegen alle möglichen Unterstützungen zu gewähren. Die Gründung des Vereins blieb nicht ohne Einfluß: die Arbeitskarte ist verschwunden, eine Produktivgenossenschaft der Maler, Lackirer und Bergolder entstand, die jedem Fachgenossen .von gutem Rufe Gelegenheit bot, selbstständig daran Theil zn nehmen. Die Genossenschaft, dem Prinzipc treu, nur gute Arbeit bei solider Preisstellung zu liefern, giebt durch ihren ersten Ge schäftSbcricht das Zeugniß ihrer Lebensfähigkeit und blühenden Existenz. Auch in Unterstützungen an Hiesige und Fremde hat der ! Verein sei» Möglichstes gethan. An Maßregelungen hat es gleich- falls nicht gefehlt; Nachdem die Hauptversammlungen einige Mo- nate hindurch an einem andern Tage als dem in den Statuten festgesetzten abgehalten worden waren, ohne daß von dem inzwi- scheu verstorbenen Vorsitzenden diesbezügliche Anzeige gemacht war, ward der Unterzeichnete plötzlich nach der letzten Hauptversammlung zu einer Geldstrafe von 5 Thlr. und in die Kosten vernrtheilt; ein Gesuch um Erlasiung derselben, weil ich nicht glauben konnte, für die Verbrechen eines Andern büßen zu müssen, hatte keine Folge. Die Strafe ist vom Verein erlegt, eiiie- 14 Tage später zuerkannte Strafe derselben Art jedoch erlassen. Indem täglich Anmeldungen zur internationalen Gewerkschaft der Brannschiveiger Maler k. stattfinden, wird durch dieses unser Wirkungskreis ein ausgedehnter werden. Da gegen die Prodnctivgenossenschast hier Schritte geschehen, so erläßt der Gewerkverein hierdurch eine allgemeine Warnung an alle College«. Arbeitsnachweis befindet sich im Coniptoir der Association Lucas, Ostraallee Nr. 4. DaS Wahlresultat der letzten Generalversammlung ist: Rosen- bäum, Vorsitzender, Wölfel, Schriftführer, an welchen Letzteren Briefe k. zu richten sind. Mit gewerkschaftlichem Gruß Heinrich Gathemann, seitheriger Vorsitzender, jetzt Cassirer. Internationale Gewerkschaft der Schuhmacher. Presde», im März.(Aufruf zur Generalversammlung der Schuhmachcrgewerkschaft nach Weimar den 1., 2., 3. u. 4. Juni 1873.) Schuhmacher und Gewerksgenossen! wo Ihr auch weilt, welcher Landsmannschaft Ihr auch angehört, Euch Allen senden wir hierdurch die herzlichsten Bvudergriiße! Mitbrüder, die Ihr mit-uns die Mühseligkeiten unsres Berufs erkannt und zu tragen habt, blicket um Euch und sehet wie die Bewegung unter allen anderen Gewerken eine viel lebendigere ist als unter den Schuhmachern, und doch wissen wir, daß die Lage der Schuhmacher die gedrückteste unter allen Gewerken ist. Ver- gleichen wir Arbeitszeit und Lohn zwischen Schuhmacher und Hand- arbeiten, so müssen wir beschämt bekennen, daß(mit wenig Aus- nahmen) ein solcher Vergleich zu unfern Ungunsten aussallen wird. Wozu haben wir die schweren Lehrjahre durchgemacht? Weßhalb eine jahrelange Wanderschaft zur Ausbildung für eine zukünftige Selbstständigkeit überstanden, wenn wir vor Augen sehen, daß wir durch die Großproduction der Fabriken zeitlebens zur Lohnsclaverei verdammt, an eine Selbstständigkeit nicht mehr denken dürfen? Wozu überhaupt noch eine Prosession für schweres Geld erlernen, wenn der Tagelöhner vom ersten Tage an seinen Lohn verdient und materiell besser gestellt ist, als wir? Schuhmacher! bedenkt Euch dieses alles selbst, wollt Ihr, trotz der jammervollen Lage, trotz aller Aufforderungen, trotz den Vereinigungen brutaler Fabri- kauten und Großmeister noch länger gleichgültig vereinzelt, eure Jugcndkräfte im Dienste der Ausbeuter für einen Hungerlohn hin- geben? Wollt Ihr noch länger an Euch und Eurer Zukunft freveln, ehe Ihr begreift, daß wir nur als vereinigtes Ganze die schamlosen Eingriffe der Gegner in unsre natürlichen Menschenrechte zurückweisen können? Mitbrüder! ja Ihr werdet endlich Alle wie ein Mann sowohl Eure Menschenrechte zu behaupten, wir auch Eure Bruderpflichten zu erfüllen wissen: darumAlle auf nach Weimar. Die Generalversammlung findet am 1., 2., 3. und 4. Juni statt, sorgt dafür, daß aus allen Gauen tüchtige Delcgirte gesendet werden, eS gilt die bereits seit Jahren bestehende Gewerkschaft im Interesse Aller zu erweitern, es gilt treu dem Prhzpip, wie es unser Statut nachweist, dem Ziele näher zu kommen, es gilt die Gewerkschaftskrankenkassen ins Leben zu rufen. Thut Eure Pflicht! Die Tagesordnung lautet: 1) Rechenschaftsbericht der Vermal- tung. 2) Die GKoerkschaft und der Allgemeine Deutsche Schuh- macherverein in Berlin. 3) Revision unsres Statuts. 4) Die Gcwcrkschaftskrankenkasse. 5) lieber die Arbeitszeit und die StrikeS. 6) Wahl des Vororts. 7) Gewerkschaftliches. Wir bitten die Berufsgenossen allerorts, die Wahl der Dele- girten zeitig genug vorzunehmen, damit bis zum 7. Mai alle Delegirten bei uns angemeldet sind. Jedes Mandat hat den Na- men des Gewählten, des Orts und die zu vertretende Stimmen- zahl nachzuweisen und ist mit Unterschriften des Vorstandes den Delegirten als Legitimation zur Generalversammlung einzuhändigen. Solche Orte aber, welche einen Delegirten nicht senden können, wollen ihre Mandate innerhalb obiger Frist unter nachstehender Adresse an den Verwaltungsrath einsenden. Schuhmacher und Gewerksgenossen: Thut Alle Eure Pflicht! Für die Verwaltung: Heinrich Zilger, Reitbahnstr. 5. Um weiteste Verbreitung dieses Aufrufs sind alle Collegeu im Interesse der gemeinsamen Sach dringend gebeten! j Mcgensburg, 15. März. Der Aufforderung unserS Venval- tungsraths gemäß niöchteu wir folgenden Tarif zur Einsicht Aller vorlegen:,. � In den besten Werkstätten(deren es wenige gibt) wird gezahlt: Für Zischma(feinste Herrenstiefel) mit Doppelsohlen fl. 2.—., do. ohne Doppelsohleu t. 54., Halbstiefel mit Doppelsohlcn 1. 43., do. ohne Doppels. 1. 36., Stutzen(Stiefeletten) und Vorschuh mit Doppelsohleu 1. 18., do. ohne Doppels. 1. 6., Zeugsiiefeln mit Absatz und Doppelsohlen 1.—., do. do., ohne Doppels.—. 48., do. ohne Absatz und ohne Doppels.—. 39., Schuh mit Absatz >—. 36., do. ohne Absatz—. 24., Herren-Borderblatter(Besätze) —. 42., Sohlen mit Fleck—. 18., Frauen-Sohlen—. 15., Kinderstiefel, gewendet—. 15., Rahm Kiiiderstiefelu 20— 24 Kr., ditto mit Absatz 27— 30 Kr. Die mittleren Preise sind: Für Zischma mit Doppelsohleu fl. 1. 42., do. ohne Doppeljohten 1. 30., Halbstiefcl mit Doppelsohlen 1. 30., do. ohne Doppel) ohlcu 1. 24., Vorschuh, Stulpen 1. 6., Herren-Vorderblätter—. 36., Sohlen mit Fleck—. 15., Zeng- sticfeln mit Absatz—. 42., do. ohne Absatz—. 36., Schuh mit Absatz—. 30., do. ohne Absatz 21., Frauen-Vorderblätter—.21. do. Sohlen-Fleck•—. 12. Außerdem gibt es noch viele Werkstätten, wo die Preise noch niedriger stehen, und die Gehilfen selbe gar nicht in die Oeffent- lichkeit bringen mögen. Wo die Kost verabreicht wird, die Por- tion 6—10 Kr., ist der Verdienst geringer als oben angesetzt ist. Die Meisten geben keine. Werk- und Schlafstellen sind ungesund. Aussicht auf Lohnerhöhung nicht vorhanden. Zuzug ist fern zu halten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Mitgliedschaft der internationalen Schuhmacher-Gewerkschaft. Im Auftrage: Stockt, Schriftführer. Mainz, 16. März. Zum Schuhmacher-Strike. Unser Strcke und Ausschluß geht in ruhiger Wesse weiter. Erst gestern erklärte der Fabrikant S. Wolf einem Arbeiter wiederholt, nach- dem wir bereits vier volle Wochen im Kampfe sind, daß er die Schuhmachcr-Union, bez. die Vereinigung der Arbeiter nicht aner- kennen werde. Wir werden aber durch diese Drohung nicht mürbe gemacht, sondern sind jetzt ebenso standhaft, wie am ersten Tage. Bereits hat eine Anzahl unserer Freunde das Weite gesucht, wieder Andere suchen sich Beschäftigung auf allerlei Art. Der Fabrikant hegt die Hoffnung, daß zum Quartalwechsel, wo der verheirathetc Manu seine Miethe zahlen muß, der Kampf für die Ausbeuter gewonnen sei. Aber, Kollegen allenthalben, zeigen wir dem Wolfe, daß ihm dieses Vergnügen cnt- und das Händereiben vergehen wird. Bei uns hier fehlt es nicht an Muth und Ausdauer: thut Ihr uns gegenüber Eure Pflicht und Schuldigkeit, so werden wir den harten Schlag, wenn der Qnartalwechsel eintritt, pariren. Noch machen wir unsere Kollegen in ganz Deutschland besonders darauf aufmerksam, allen Zuzug von hier fern zu halten, nicht allein wegen des Fabrikanten Wolf, auch dem hiesigen Schuhmacher- meistervcrein müssen alle Arbeitskräfte entzogen werden, denn von Seiten dieser Herreu bekommt kein Strikender Beschäftigung. Und gerade jetzt tritt die Periode ein, wo diese Herren Arbeitskräfte haben müssen; aber dieselben haben sich gleichsam verschworen, Keinem von den Unseren Beschäftigung zu geben. Alle Arbeits- kräste müssen so lange von hier fern gehalten werden, bis unsere Angelegenheit geordnet ist. Ein Beispiel sei hier gegeben. Einer von unfern Strikenden bekam bei einem solchen Helden des Schuh- macher-Mcislervereius Arbeit. Bei Ablieferung der verfertigten Arbeit wurde der Arbeiter mit der größten Grobheit wieder ent- lassen. Es war dies der Schuhfabrikant Rücker von hier, und wer diesen„Mordspatriot" kennt, der wird auch wissen, daß auS Nazareth nichts Gutes kommen kann. Also, Kollegen, nur nicht nach Mainz! Mit sozialdemokratischem Brudergrnß G. Fuchs. Man bittet alle arbeiterfreundlichen Blätter um Abdruck des Vorstehenden._ LeiPziger Bnchdrulker-Ttrike. Wir lassen nachstehend den offiziellen Situationsbericht folgen: Vtf. Leipzig, 17. März 1873. Collegeu! Dank Eurer Entschiedenheit und Energie schreitet unsere Angelegenheit unaufhaltsam einem siegreichen Ende zu. Unsere Gegner strecken die Waffen, und was vor kurzem noch un- möglich schien, ist heute vollendete Thatsache: die stolzen Herreu haben sich entschlossen, mit dem Verbände, den zu vernichten nun einmal nicht möglich ist, zu unterhandeln und das Präsidium schrift- lich ersucht, das Nöthige zu veranlassen. Mit dieser Thatsacbe im Zusammenhange steht eine„an die Mitglieder des Deutschen Buch- drucker-Verbandes" gerichtete, in den„Annale«"*) vom 13. d. abgedruckte Ansprache, die insofern besonderes Interesse erhält, als sie trotz aller Versuche� die Niederlage zu bemänteln, den Bankerott des PrinzipalvereinS eingestehen muß. Im ersten Satze der An- spräche wird gesagt, daß der Vorstand des Deutschen Buchdrucker- Vereins genöthigt gewesen, eine Anordnung zu treffen, welche die Interessen selbst solcher Gehülfen schädigt, die sich im besten Ver- nehmen mit ihren Prinzipalen befunden und den Agitationen fern gestanden haben, die das Geschäft zu unterwühlen drohen. Abge- sehen davon, daß nirgends gesagt wird, welcher Art diese Agi- tatiouen sind und von weni sie ausgehen, enthält dieser Satz das kostbare Geständniß, daß den Verbandsmitgliedern durch die all- gemeine Kündigung schreiendes Unrecht zugefügt worden ist und daß der Prinzipalverein sich einer unverantwortlichen Brutalität schuldig gemacht hat.— Weiter heißt es in der Ansprache,„daß der inhaltschwere Beschluß(trotzdem er sehr ungerecht und brutal) gefaßt werden mußte, weil der Verband aus eigenem Antriebe keine solchen Aenderungen in seiner Organisation und in der Handhabung der Statuten treffen würde, die den Prinzipalen gestatten würden, Hand in Hand mit allen Gehülfen zu gehen." Hiernach hätte also die allgemeine Kündigung nur den Zweck gehabt, den Verband zu einigen Statutenänderungen zu veranlassen; hiernach wäre also nicht wahr, daß man die Absicht gehabt, den Verband zu sprengen, und jene famosen, seitens der Prinzipale den Gehilfen zur Unterschrift vorgelegten Reverse, in welchen Letztere das seier- liche Versprechen geben sollten, nicht blos aus dem Verbände aus- zuscheiden, sondern demselben auch nicht wieder beizutreten,— wären lediglich das Produkt böswilliger Erfindung?!— Man steht, die Lüge ist eine Hauptwaffe unsrer Gegner. Dieselbe Nummer der„Annale»" enthält eine Zuschrift des Hamburg- Altonaer Prinzipalvereiiis an den geschäftsführenden Ausschuß. worin, in Erwägung, daß die Kündigung der Verbandsgehnlfen seitens der Prinzipale Deutschlands nicht allein eine Schädigung der Prinzipale mit sich führt, sondern auch an manchen Orten eine Zerrüttung des ganzen Geschäfts znr Folge haben kann,— der betreffende Prinzipalverein den Antrag auf Einberufung einer ge- mischten Commission stellt, welche die Differeuzen ausgleichen soll. Dieser Autrag wurde vom geschäftSführcnden Ausschuß in sehr gc- reizlem Tone abgelehnt und die Hamburg-Altonaer Prinzipale traten aus dem Verein aus. Im Uebrigen athmel die Au- spräche Humanität und lebhafte Sorge für das Wohl der Arbeiter bis in die alten Tage u. s. w; von Vernichtung des Verbandes ist keine Rede mehr, im Gegeutheil, die Herren wollen mit ihm in Frieden leben und das curiose Schriftstück schließt mit den Porten:„Der Verein bietet ihnen die Hand zur Versöhnung auch jetzt noch, nachdem die Erfolges?) der gethanen Schritte bereits uns und Ihnen vorliegen; er thut es, weil er lieber einen Frieden durch Vergleich, als einen Sieg ohne darauffolgenden gesicherten Frieden erringen will."— Ohne Flunkerei geht's nun einuial nicht ab, und so zerknirscht der Aufsatz im Ganzen auch ist, er entspricht doch noch lange nicht den thatsächlichen Verhältnissen. Die Herren sitzen immer noch auf dem großen Pferde, wenn sie auch nicht leugnen können, daß sie sich in bedenklicher Weise dem Schwänze nähern. Collegeu! Blickt um Euch! Seht auf Berlin, Breslau, Braun- schweig u. s. w., überall in unfern Reihen Enthusiasmus und brennende Kampfbegier, überall Thatkraft und Entschlossenheit und eine über alles Lob erhabene Opferwilligkeit, während unsere Gegner,— gelähmt durch die Concurrenz, nur künstlich zusammen- gehalten durch die Anzahl kleiner Tyrannen und durch die nieder- trächtigen Hetzereien einer Bande gewissenloser Zeitungsschreiber, verblüfft und entmuthigt durch den kläglichen Ausfall der„allge- meinen" Kündigung, von Spaltungen bedroht, durch Rücktritte Einzelner und ganzer Städte unsicher und haltlos gemacht,— ein klägliches Bild der Zerfahrenheit bieten.— Betrachten wir alle Momente für und gegen uns, so finden wir, daß gar keine Veranlassung vorhanden ist, voreilig einen faulen Frieden zu schließen. Von einer Aenderung in unfern Statuten nach dem Willen der Herren Brockhaus und Lorck kann nicht die Rede sein. Der uns ausgedrungene Kampf muß gründ- lich ausgefochten werden; wir wollen die großen Opfer nicht um- sonst gebracht haben und müssen es den Herren verleiden, in frivoler Weise einen Strike zu provociren. ') Organ der Prinzipal-Coalition.' Die Red. Uebcrdies, College«, hat die Generalkündigung die Sitnatiou/� wesentlich verändert. Der Kampf nimmt größere Dimensionen ar h und wir stehen nicht mehr allein. Der Prinzipalverein, der sidl k in lächerlicher Ueberhebung und mit edler Dreistigkeit den„übrige« is Gewerbsprinzipalen" als Führer und Vorturner aufgedrängt, ha! s dadurch die Gehülfen anderer Gewerbe veranlaßt, unsere Sache st zur ihrigen zu machen und in Folge dessen dem Kampfe, de» wir? gern lokalisirt hätten, größere Ausdehnung gegebe».— Die Herre« f Prinzipale haben uns durch den thörichten Generalkündigungs g beschluß gezwungen, die Hülfe der anderen Gewerbsgehülsen anzu- nehmen, was uns denselben gegenüber die moralische Vcrpflichtunz auferlegt, im gegenwärtigen Kampfe das allgemeine Arbeiter- interesse im Auge zu behalten und unsere Sache in einer Weiß t auszufechte», daß den„übrigen Gewerbsprinzipalen" definitiv die g Lust vergeht, das Beispiel unserer Patrone nachzuahmen.[ g So liegen die Sachen. An Euch, College», tritt die schwere v aber unabweisbare Pflicht heran, auszuharren, Euch nicht blos i kündigen, sondern auch aussperren zu lassen. Nur dadurch wirk( die Situation vollständig geklärt und dauernder Friede erreicht l werden. Wir stehen fest und sind entschlossen, unter allen Umstätsi t den hier den Kampf gründlich durchzuführen. Also Mnth und t Ausdauer! Unterstützung wird Euch nicht fehlen!! c Mit collegialischem Gruße l S Die Vertrauensmänner..� c P. d. Nach einer unS soeben zugehenden Nachricht neigt sich 1 die Wiener Preisbewegung einem für die Gehülfen günstigen Aus- r gange zu. Sobald die Tarifannahme erfolgt ist, was in spätestens x 14 Tagen erwartet wird, sind in Wien gegen 200 Stellen zu- besetzen. j � An die Böttcher-Gesellen Deutschlands! Collegen! In einer Zeit, wo die Einsicht unter den arbei- I tenden Klassen immer mehr Platz greift, daß dem gewaltigen- Uebergewicht des allmächtigen Kapitals, welches den Arbeiter stets' auszusaugen bemüht ist, daß diesem Uebergewicht nur durch ein* geschlossenes Gegenübertreten, nur durch eine feste Verbindung der j großen Massen der Arbeiter entgegengetreten werden kann; in einer I Zeit, wo fast alle Berufszweige der großen Handwerkerklassen sich' zu festen geschlossenen Corporationen zusammengethan haben, stehen* die Böttcher-Gesellen bis jetzt leider immer noch vereinzelt da.! College»! Daß, wenn wir unsere Existenz, die Existenz unserer Familien in Zukunft sicher stellen wollen, wir nicht in der allge-' waltigen Bewegung unserer Zeit zurückbleiben dürfe», daß diefts] nicht ferner so fortgehen kann, begreift jeder einsichtsvoll denkende J Mensch. Bereits ist der Anfang gemacht, auch die Böttchergeselleu,| zunächst hier in Berlin, durch ein gemeinsames Vorgehen gege» die Bedrückung der Arbeitgeber zu schützen; mit Stolz können wir j daraus hinweisen, daß die Bemühungen Derjenigen, die diese*| zuerst erkannten und durchzusetzen bestrebt waren, von Erfolg ge-' krönt sind. Bereits ist eine namhafte Lohnerhöhung— die Folge 1 eines glücklich durchgeführten Slrikes— der Berliner Böttcher-| Gesellen errungen. Aber unsere Ziele sind höher; nicht nur ftij( diejenigen, welche, in den großen Städten beschäftigt, sich leichte» gegen die Uebermacht des Kapitals schützen könnten, nicht nur siß< diejenigen soll eine dnrchgre.feudc Besserung der Verhältnisse herbeil; geführt werden. Unser Ziel best.ht darin: allen, auch den i«( den kleinsten Städten unter schwierigen Verhältnissen lebende« Böttchergeselleu, ein menschenwürdiges Dasein zu schaffen. Dieses unser Ziel läßt sich aber nur durch eine Vereinigung Aller! erreichen. Wir richten deshalb mit Vertrauen an alle College«, Deutschlands den Aufruf, sich mit unS zu einer großen, fest gc- � schlossenen Organisation zusammenzuschließen, um durch die große � Ueberzahl das zu erreichen, was bis jetzt in einzelnen Vereinigunge» nur theilweise zu erlangen möglich gewesen ist. Unsere Absicht ist die, einen großen„Allgemeinen Deutschen Böttcher-Verein' in's Leben zu rufen. Um dieses zu erreichen und zugleich die ver- schiedenen Ansichten über die Art und Weise der zu schaffende« Organisation zum Ausdruck gelangen zu lassen, halten wir fül das Zweckmäßigste, sobald als möglich einen Congreß, bestehen! aus den Delegirten der verschiedenen Städte Deutschlands, einzu- berufen. Wir fordern deshalb alle denkenden Collegen auf, sist zusammenzuchun und in ihrem Kreise die geeignetsten Männel hierfür zu erwählen, um aus dem einzuberufenden Congresse(übet dessen Zeit und Ort noch das Nähere bestimmt werden soll) ih� Meiinnige» zu vertreten. College»! Wir zweifeln nicht daran, daß dieser Aufruf Enst Allen, so wie er von Herzen kommt, zu Herzen gehen wird, unt sehen vertrauensvoll den hierüber zu machenden Beschlüssen e»l- gegen. Wir richten deshalb die dringende Aufforderung an all* für ihr eignes Wohl und Wehe bedachten Böttcher, nicht laiiist zu zögern, sondern uns sobald als möglich ihre hierauf bezügliche« Zuschriften au den Unterzeichneten gefälligst einzusenden. Berlin, im März 1873. F. Holtmann, Eugel-Ufer Nr. 65 4 Tr. Auf Angabe spezieller Adresse wird Jedem ein Statuteu-EnP wurf zugesendet werden. Korrespondenzen. «Leipzig, den 19. März. Heute— 3 Tage vor„Kaisers Geburtstag"— haben der Mitredakteur d. Bl. Seiffert und vel Expedient Fink wegen„Majeftälsbeleidigung" eine dreunonalig* Gefängnißhaft angetreten.— Der bisherige Redakteur des„Braunschweiger Volks freund", W. Blos ist in die Redaktion des„Volksstaat" eingetreten. Thonberg-Leipzig. Mehrere Volksversammlungen, die hi� in jüngster Zeit abgehalten wurden, gaben Anlaß zur GründutU eines sozialdemokratischen Arbeitervereins. Die verhältnißmäßE starke Betheiligung— gegen 100 Mann— legt Zeugniß ab f»! den Geist, der in der hiesigen Arbeiterbevölkerung herrscht, und dak der Verein wachse und erstarke, dafür werden die anerkannt tüch, tigen Kräfte sorgen, die von den Mitgliedern an die Spitze g< stellt sind. Großzschocher bei Leipzig. Behufs Gründung eines Arbeitet Vereins fand am Sonntag den 16. März im Grützner'schen Gas Haus hier eine zahlreich besuchte Versammlung statt. Herr Hadlst aus Leipzig referirte über die Entwickelung der Arbeiterbewegn« im Allgemeinen, gab einen kurzen Ueberblick über die 1348er M volution; an der darauf folgenden Debatte betheiligten sich t* Herren Nauert, Trost, Leipold und Jahn. Das ResaM war, daß sich einige 30 Personen in die ausgelegte Liste als Verein� Mitglieder einzeichneten. Deuben bei Dresden, 14. März. In einer Volksversan«« hing, welche am 26. Februar d. I. im Gasthof zum sächsisch� Wolf in Deuben stattfand, in der Eckstein auS Waldheim»l! Referent erschienen war, wurde das Programm der sozialdenü kratischen Partei und deren Bestrebungen erörtert. Zum Schl« der Versammlung ließen sich 42 Mann in die sozialbemokratis� ou fli "u iei r Parteimitgliedschaft einzeichne», bis heute ist die Zahl auf 60 Man» herangewachsen. Die Partei-Mitgliedschaft hat sich den 5. März konstituirt und die Vertrauensleute gewählt. Es sind dies die Herren SchönhalS als Vorsitzender, Christoph zum Schrift- suhrer, Liudner zum Einsammler. Zievisoren sind Webern. Christoph Festgesetzter Bersanimlungstag ist Mittwoch. Sollten noch genauere Angabe» erforderlich sein, so können solche beim Unterzeichneten Kran-ergasse 219 oder beim Vorsitzenden Robert Schönhals, Kirch- gaste 92 gemacht werden. Mit demokratischem Gruß Bernhardt Christoph, Schriftführer. ßhemnitz, 12. März. Auf einer Agitationsreisc in der Lausitz begriffen, besuchte ich am Sonnabend den 15. Februar eine Mit- gliedervcrsammluug in Luckenwalde. Dieselbe war verhältnißmäßig siut besucht; es wurde in derselben der Plan für den Wahlkamps sm Wahlbezirk Lnckcnwalde-Äüterbogk festgestellt. Von dort ging ich nach Forste, wo am Montag öffentliche Versammlung stattfand. Ich sprach über die traurige Lage der arbeitenden Klasse und Mittel und Wege zu deren Besserung. Im Lause der Debatte wurde ich aufgefordert, mich auszusprechen, wie es gekommen, dap die deutschen Sozialisten in zwei Lager gespalten seien. Ich be- antwortete die Frage, wie es schien, zur allseitigen Znfriedeicheit. Mittwoch Abends begab ich mich, nachdem ich es in Kottbus trotz aller Mühe zu keiner Versammlung bringen konnte, nach Finster- Walde, wo von den Mitgliedern des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins eine Versammlung anberaumt war. Der Kampf, der dort geführt wurde, war ein heißer. ES gelang mir indeß doch, eine Mitgliedschaft dort zu gründen. Eine Depesche rief inich nach Berlin zurück, wo man mir die Eröffnung machte, daß ich mich bis zu einem Majestätsbeleidiger emporgeschwungen habe. Am Sonnabend war ich wieder in Jüterbogk, wo eine sehr gut be- suchte VolkSversaminlung stattfand. ES fand.sich eine bedeutende Anzahl von Arbeitern, die in die Partei eintraten; es wäre somit auch dort Boden gewonnen. Montags war in Luckenwalde Volks- versamnilung. Von Luckenwalde ging ich nach Dresden, wo am Sonnabend von den Mitglieder» des„Allgemeinen" Volksversammlung mit Kißling aus Bautzen als Referenten über die Tabaksteuer anberaumt war. Der Herr Referent war anßerordent- lich versöhnungslustig; das niochte wohl daher kommen, daß die sogenanuten Ordnungsmannschaftcn nicht in genügender Zahl vor- handen waren. Es ist eben gar weit von Dresden nach Berlin und man kann sch die Getreuen und Drganisationstüch- tigen eben nicht überall hin verschreibeu. Am Sonntag war im Diana-Saal Volksversammlung. Ich referirte über den Kamps der Sozialdemokratie gegen die industrielle Anarchie. Die Ver- sammlnng verlief glänzend. Am Montag war ich in Freiberg, wo ich über unser Parteiprogramm sprach. Die Versammlung war, von einer großen Masse Landleute mitbesucht, überfüllt. Als Knriosum diene Folgendes: Ein Herr Vo.jd aus Longwitz, ein dicker, wohlgenährter Herr, gab nach meinem Referat der versam- Metten Arbeiterschaar den Rath, das Kinderzengen zu meide», dann würde es sowieso bester für die Arbeiter werden. Ein Sturm des Unwillens brach nach seinen Worten los, und nur mit Mühe gelaug es uns, den sauberen Herru vor dem Zorn der Menge zu schützen. Es ließ sich eine bedeutende Anzahl Arbeiter in die Partei ausnehmen. Dienstags war ich in Gelenau. Der Saal in Neumanns Gasthaus war überfüllt. Ich sprach über unser Partelprogramm und fand dasselbe sehr viel Anklang. Un- sere Mitgliedschaft in Gelenau ist zwar klein, aber sehr tüchtig� Die Vorstände des dort bestehenden Arbeiterbildungsvereins oer- sprachen mir» sich unserer Pariec anzuschließen, was ein bedeuten- der Zuwachs wäre. Herr Richter mag getrost in die Gegend kommen, die dortigen Arbeiter haben unter Blende den Personen- kultus satt bekommen und keine Lust, sich auf's Neue zum Besten halten zu lasten. Nach einem kleinen Intermezzo mit dem Uber- wachenden Polizeibeamtcn, der das Verlesen eines aus Gelenau in Nr. 5 des„Votksstaat" abgedruckten Artikels über die dortigen Verhältnisse als nicht zur Tagesordnung gehörig verbot, wurde die Versammlung nach Annahme folgender Resolution' geschlosten: »Die heute in Neumanns Gasthaus tagende Botksvcrsammlung erklärt sich mit dem Programm der sozialdemokratischen Arbeiter- Partei vollkommen einverstanden und erachtet eS als Pflicht jedeö Arbeiters, sich der Organisation der sozialdeniolratischen Arbeiter- Partei anzuschließen. Sehr starke Heisirkeit hinderte inich, am Mittwoch zu sprechen. Donnerstag war ich in Hainichen. Bei übervollem Saale verlief die Versammlung sehr glänzend. Die eigens eingeladenen Fabrikanten und Großbürger waren theilweise erschienen," zeigten aber keine Last, trotz mchrfacher Aufforderung, sich an der Debatte zu betheiligeu. Die Wirkung der Versamm- lung zeigte sich am Besten an der Anzahl der neuausgenominenen Mitglieder. Mit Gruß I. Auer. Ghcmnih, 5. März. Vor der Abführung Most's aus dem hiesigen Bezirksgefängniß, in welchem er reichlich 7 Monate ge- feste», nach der Strafanstalt Zwickau, in der er wieder 7 Monate sitzen muß, hat ihn die hiejige lokale Polizei nicht blos aus Chemnitz, sondern auch ans Sachsen ausgewiesen. Man fragt sich unwillkührlich: Wie kommt eine lokale Behörde dazu, eineu Reichsangehörigeu aus dem Lande zu verweisen? Ging die Wei- sung vielleicht vom Justizministerium aus? Most verlangte zu wissen, auf Grund welcher Paragraphen des Gesetzes dies geschah, die Antwort darauf ist man ihm schuldig geblieben. Most hat gegen diese Gewaltmaßregel Protest erhoben und die Akten hier- über an seinen Anmalt, den Advokat Freytag in Leipzig zn senden beantragt; vielleicht bringt dieser etwas Klarheit in die Sache. Was beabsichtigt man denn eigentlich damit? Denkt man damit die Arbeiterbewegung zu schädigen? Gauz im Gcgentheil. Most thut allenthalben seine Pflicht und wird, wenn er frei ist, ander- wärtS an dem wackligen StaatSgebäude rütteln, ganz so wie hier. Und hier? Durch ein derartiges Vorgehen wird der Haß in die Gemnlher der kleinen Leute ve, pflanzt. Man sieht vollends ein, daß es so ist: der Arbeiter hat kein Recht im Staat. Und dieser Haß. ihr Herren Staatslenkcr, wird Euch mehr zn schassen mache» als ein Agitator. Ihr meint zu verbessern und Ihr verschlimmert nur! Die Arbeiter wollen den friedlichen, gesetzlichen Kampf, und ihr drängt sie zum gewaltsamen! Aber merkt Euch, ihr hohen und reichen Herren, daß Euch auch einst die Verantwortung dafür treffen wird. Sie wird von Euch gefordert werden, dafür werden die sorgen, die Ihr zu vernichten meint, die Ihr aber�nickst vernichten könnt, weil sie stärker sind als Ihr und ihre Wurzeln im Volke haben. Ja, das Volk, ras einzusehen beginnt, daß diese Gemaßregelten seine Freunde, Ihr aber seine Feinde seid. Nur zu. Wemda(Thüringen), 10. März. Am 2. März wurde bei uns Iie 2te Volksversammlung abgehalten. Parteigenosse Ufert, welcher auf einer Geschäftsreise hier war, hielt einen Vortrag über den Nutzen der Gewcrksgenostenschasten. Im Weimarischen ist eS sonst gar nicht üblich, daß die Versammlungen von Polizei besucht tverden, in Remda scheint man eine Ausnahme zu machen. Denn schon als unser inhaftirter Freund Rcichelt hier war, hatte sich der Amtswachtmeister(Arresthausiuspcctor) von Weimar eingesun oen und suchte die neuen Parteigenosteu eines Anderen zu beleh- reu, was jedoch eine überflüssige Arbeit war. Kanin war unser Vertrauensmann mit Ufert im Versammlungslocal erschienen, so vrängte sich auch schon unser wohlgenährter Wachtmeister durch sie Kopf an Kopf stehenden Arbeiter, an dem einen Ende des Locals Platz nehmend. Kaum hatte Ufert seineu Vortrag begonnen, als er' schon von dem genannten Herrn unterbrochen wurde. Ufert schilderte die Aus- bentung der Arbeiter durch die Fabrikanteil, als er niit dem Be- merken unterbrochen wurde:„Ich dulde keinen Angriff auf die Fabrikanten, insbesondere auf die Remdaer, das sind chrenwerthe Mäinier!"— Ufert:„Ich begreife nicht, wie, wenn ich sage, ich habe unter den Remdaer Fabrikanten keine Bekanntschast, weiß nicht, ob sie gleich als Fabrikanten auf die Welt gekommen sind, dies als Beleidigung ans dieselben angesehen werden könne; überhaupt muß ich bemerken, daß wir im Weimarischen kein Vereins- und Ver- sammlungsgesetz haben und Sie jedenfalls selbst wissen, daß Sie in Waffen hier nichts zu suchen haben."„Das ist ein Angriff auf meine Person, den ich nicht dulden kann, wenn Sie in ihren Aeußerungen fortfahren, erkläre ich die Versammlung für eine politische und löse sie auf", rief entrüstet der Herr Wachtmeister. „Ob Sie das erklären oder nicht, ist mir vollständig gleich, das Erklären haben Sie umsonst, ob ich mich daran kehre, ist eine andere Sache, und ich werde mich nicht daran kehren. Ich muß geradezu lachen, wenn Sie von„Versammlung auflöseii" sprechen; so lauge ich Lust habe zu sprechen, spreche ich. Schon einmal habe ich Ihnen gesagt, daß wir kein Versammlungsgesetz haben, Sie folglich nichts zu verbieten haben. Zeigen Sie mir erst das Gesetz, nach welchem Sie es können", erwiederte Ufert. Ufert wiederholte hierauf seine Acußerung in Bezug auf die Fabrikanten, sprach einige Minuten, und bei seiner Beweisführung, daß es ohne Unternehmer schon heute ginge, das zeigten uns die Herren ja selber, wenn sie ihre Badereisen machten, rief der Herr wieder ergrimmt, das sei ja Unsinn, und hielt zugleich den Ver- sammelten eine Rede, deren kurzer Sinn der war:„Wenn jetzt getheilt würde, würde eS in fünf Jahren wieder Arme geben." Ufert bemerkte:„Das, was ich gesagt, nennt der Herr Unsinn, wie soll ich das Blech nennen, was er geschwätzt hat? Sie(sich an die Versammelten wendend) applaudiren, nach dessen Ansicht, mei- nein„Unsinn" und über dies Geschwätz murren Sie." Der Wachtmeister:„Ich dulde keinen persönlichen Angriff und die Versammlung(auf den Tisch pochend) ist aufgelöst." Ufert:„Schon einmal habe ich Ihnen gesagt, daß Sie nichts aufzulösen haben; so lange ich eben Lust habe, spreche ich und weide nur durch Gewalt von diesem Platze weiche». Sie scheinen die Versammlung stören zu wollen und bemerke ich Ihnen nur, daß Ihr Auftreten viel mehr nützt, als wenn ich 3 volle Stunden spreche." Kaum hatte Referent wieder eine Weile gesprochen, so ward er auf's Neue unterbrochen mit der Frage: ob die zn grün- dende Kasse local oder allgemein werden sollte.„Ich habe nicht Lust, Ihnen sofort zu antworten— erwiderte Ufert— wenn Sie's gern wissen wollen, warten Sie ab, bis ich in meinem Vortrag dazu komme. Ich bemerke Ihnen ferner: als Beamter haben Sie mich nicht zu interpelliren, wenigstens bitte ich mir das während meines Vortrags aus. Ich habe selbstverständlich nichts gegen die Interpellation, nur bitte ich, dies am Schluß zn thun. Wenn ich mich vergehe, haben Sie mich zu denunciren. Ich ver- spüre keine Lust, in Ihre Schlingen und Fallen einzugehen." Der Wachtmeister:„Ich löse die Versammlung auf, wenn Sie meine Frage nicht beantworten. Wollen Sie mir meine einfache Frage beantworten oder nicht?" Ufert:„Ich erkläre Ihnen ein- für allemal, daß ich Ihre Frage nicht beantworte, warten Sie ab, bis ich dazu Last verspüre. Da aber die Beantwortung der Frage von ver Versammlung begehrt wird, beantworte ich sie in deren Interesse."(Geschieht kurz.) Am Schluß seines Vortrags sagt Referent:„Man würde uns siir'S Irrenhaus reis erklären, wollten wir einen Communismns vertheidigen, wie ihn unsere Gegner auslegen." Wiederum fährt der ungebetene Gast von Weimar auf:„Da- mit bin ich angegriffen und muß mir das streng verbitten, ich habe von CommunismuS gesprochen." „Vertheidigen Sie den CommnniSmus, Herr Wachtmeister? Wie, wenn Sie das thäten, würden Sie in der Unisorni stecken? Wie kann meine Redensart(ich wiederhole sie nochmals) eine Be- leidigung für Sie sein? Ich bitte, hören Sie doch mit ganzen Ohren. Sehr dankbar bin ich aber doch für Ihre interessanten Auftritte; ich muß Ihnen gestehen, daß ich noch nie eine solche Versammlung erlebt habe und wünschte mir öfters ihre Gesell- schast." Ufert beendete nun seinen Vortrag, was eine nicht ge- ringe Aufgabe war, unter dem Beifall der Versammlung und es traten auch viele Arbeiter wieder der Partei bei. Auch weiden wir, durch Ufert mit dem Nutzen der Gewerk- schafte» bekannt gemacht, nächstens eine Mitgliedschaft der Manu- facturgenossenschafr gründen; trotzdem, daß bei uns Alles aufge- boten wird, um uns von der Beivezung abzubringen. Tüchtige Leute haben wir ebenfalls an der Spitze, und antwortete unser Vertrauensmann dem Herrn Wachtmeister, Ufert unterstützend, sehr treffend. In der Versammlung wurde eine freiwillige Sammlung, aus Ufert's Vorschlag, für den inhaftirten Parteigeuosten Reichelt veranstaltet, welche auch ein hübsches Sümmchen eintrug. llkäcbsteus werden wir wieder einen längeren Agitatiousbericht veröffentlichen; die Parteigeuosten dürfen nicht denken, daß wir hier lässig sind. Jocheiihudku, 13. März. Wegen einer Lohndifserenz haben sämmtliche Hauszimmer- und Tischlergesellcn die Arbeit hier und in der Umgegend am heutigen Tage eingestellt. Es werden alle Berufsgenossen gebeten, jeden Zuzug fern zu halten. Geldbeiträge und Unterstützungen nimmt der Gasiwirth I. Gätgens in Dochen- Huden jederzeit entgegen. Im Namen des Comites: � F. Peters. Kamlmrg, 17. März.(Telegramm, für die vorige Nummer verspätet eingetroffen.) Wegen Lohudifserenzen striken seit Sonn- abend 300 Arbeiter in Isermanns Pianoforte-Wkechanlkensabrik. >lnzug fernzuhalten. Das Strike-Coniitö. Kamburg, 18. März. Die hiesigen Parteigenosten hatten zu gestern Abend eine Versammlung zur Erinnerung an die Pariser Commune und die Berliner Erhebung im Jahre 1848 anberaumt. Die Polizeibehörde, welche hier in Bezug auf das öffentliche Leben unumschränkt herrscht, fand an der Tagesordnung jedoch keinen Gefallen und gestattete die Versammlung, welche übrigens unsere gewöhnliche Vereiusversammlung war, erst dann, als wir die Pro- dnktivgenostensckasten auf die Tagesordnung setzten, lieber diese Tagesordnung referirte Geib vor der zahlreich besuchten Versamm- lung Der Bortragende verbreitete sich über die Organisation der Prvduktivgendssensckaflen, erörterte deren Bedeutung in der Arbeiter- bewcaung, besprach die heutigen Gesetze über diese Genossenschaften, erläuterte die Anschauungen Blaues und Lastalle's über die Pro- duktiv-Astoziationen, kennzeichnete unsere Parteistellung zu dics n Anschauungen und gab eine Geschickte deö Genossenschaftswesens überhaupt. Dem Vortrag folgte eine Debatte über den Strike der 350 Arbeiter der Jsermann'schen Pianoforte-Mechanikenfabrik, über welchen Ihnen wohl von anderer Seite Bericht zugehen wird. Hierbei darf bemerkt werden, daß die Strikebewegung hier wieder lebhaft auftritt. Leider wird trotz dieser Bewegung die gewerk- schaftliche Organisation von vielen Arbeitern nur wenig gewürdigt, ein Fehler, der sich während der Strikes gewöhnlich bitter rächt. Hörkitz. 19. März. Wie wir schon angekündigt haben, stand hier ein Strike der Schneider in Aussicht; er ist nun am 17. März erfolgt. Wir sind mit unserer Forderung, 25 Prozent Lohn- erhöhung für Kunden und 33 V- Prozent für Lagerarbeit, abgewic- len worden. In einer hier am 12. März stattgehabten Versamm- sung, welche seitens sechs größerer Bestellungsgeschäfte einberufen worden war, und wozu die Gesellen zu endgültiger Entscheidung eingeladen waren, wurde uns die Offerte einer 10Prozent-Lohn- erhohung gemackt, welche wir in Anbetracht unserer wirklich drücken- den Lage nicht ann.hme'n konnten; da wir auf unserer oben ange- gebenen Forderung bestanden, so erfolgte der Strike. Es wurde seitens der Herren Meister in genannter Versamnilung eine Masse Schreckboniben losgelassen. 1) Daß wir durch„unverschämte" For- derungen den Ruin der Geschäfte herbeiführen; 2) wenn wir durch Eigensinn und trotziges Gebahrcn die Arbeit cinstellteu, würden wir den Fluch unsrer Kinder auf uns laden; feener wurde von sozialistischen Umtrieben und Anderem gefaselt; ferner stellten sie uns bei etwaigem Fortzug als Hauptschreckgespenst den in ge- schlostener Phalanx über ganz Deutichland dastehe.iden Meisterbund hin, was uns ebensowenig zu rühren vermochte, als der Hinweis auf sozialistische Umtriebe. Da die größte Anzahl der Strikenden Anhänger des Sozialis- mus sind, so ersuchen wir euch Parteigenosten, besonders aber die Geschäftsgenossen, vor Allem den Zuzug nach hier streng fern zu halten; ebensowohl ersuchen wir Euch, uns einige Unterstützung zukommen zu lassen; wir werden in ähnlichen Fällen ebendasselbe thun, wie wir es bis jetzt gethan haben. Briefe u. s. w. bitten wir zu senden an August Gleisberg, Jüdenring Nr. 1, 1 Tr. Das Co mit 6. P. 8. Die hier in Görlitz erscheinende„Niederschlesische Zei- tung" suchte uns schon durch zwei Berichte beim Publikum gehässig zu machen; auf ein paar Lügen kommt es dem Klatschblatt gerade nicht an. ZZcrtin, 16. März.(Die Wirren des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins.) Herr Bräuer und Genossen reißen in ihrer Flug- schrist die alten Wunden, die der Strike der Maurer Hamburgs im Jahre 1870 geschlagen, von Neuem auf, vermeiden dabei aber die Wahrheit voll und ganz an's Tageslicht zu legen. Obschon es nun sehr richtig ist, daß der Strike ein unzeitgemäßer war, so trifft doch aber die Schuld der Provocation weniger den Herrn Hartwig, denn dieser war nur das ausführende Werkzeug, vielmehr aber die Herren Hörig und den damals vortragenden Rath des I)r. Schweitzer, Liebisch. In der Hoffaung, die statutenniäßige Unterstützung von wöchentlich zwei Thalern zn erhalten, ließen sich in einer geschlossenen Mitgliederversammlung zwei Tage vor AuS- bruch des Strikes 320 neue Mitglieder aufnehmen. In dieser Ver- fammlung wurde nun zwar beschlossen, den Strike auszunehmen,' jedoch zeigten sich hier und da ängstliche Elemente und zwar nicht ohne Grund. Da auf einmal, in diesem Hin- und Herwanken hatte Herr Hörig(Cigarrenmacher) in dieser geschlossenen Mit- glicderversammlung das Wort. Derselbe versicherte nun, bei Ver- pfändung seiner Ehre, daß man im Allgemeinen deutschen Arbeiter- verein bereits ein Mittel in Händen habe, um die Maurermeister zu zwingen, den Forderungen der Gesellen nachzukommen, sobald man nur die Arbeit eingestellt habe. Und wer sollte da wohl noch zn widersprechen wagen? Der Sonntag des 12. Juni rückte heran und an 1500 Maurer füllten den Tütge'schen Saal.(Die An- gäbe Bräuer's, es seien beide Gewerke vertreten gewesen, ist durch- aus falsch.) Vorbereiteter als je, betrat Herr Liebisch(Schneider) die Tribüne und rcdete in einer ausgezecchneten Rede das aus- wendig gelernte Arbeiterprogramm Lastalle's. Da dieses nicht die Wirkung that, die Herr Liebisch vorausgesehen, sprang derselbe mit einem Mal in die Träume des Pharao, ließ die schönen fetten Kühe ausinarschiren, die. nach beendigtem Sticke alle in die Wohnungen der Arbeiter rennen würden. Da wo sie jetzt Schwarz- brod mit Heringsabsälleu essen, werden sie nachdem schone Mecklen- burger Ochsen verzehren, lauteten die Schlußworte des Herrn Liebisch.(Stürmisches Bravo.) Ich meldete mich zum Wort, wie« nach, daß der Strike ein durchaus unzeitgemäßer sei, denn das Angebot überstieg die Nachfrage ganz bedentend. Man solle doch von solchem künstlich auseinandergetriebenen Haufen nicht gar zu viel erwarten, der erste Windstoß würde sie auseinander treiben. Man solle zunächst für Ueberzeugung und Organisation sorgen und nicht blos striken, um die Mode mitzumachen zc. Herr L>eb>sch widerlegte mich aber gründlich?— Sie sind»och zn jung, um über solche Angelegenheiten mitsprechen zu können. So lautete Liebisch's glänzende— Widerlegung. Daraus wurde der Strike mit allen gegen meine Stimme beschlossen. Herr Hörig ließ sich nicht wieder sehen, sein angepriesenes Mittel blieb aus und der- selbe ist heute Ehrenmann, wie noch nie. Herr Bräuer betheuert nun zwar, den Strike nichi gewollt zu haben, jedoch ist mir nichts auch nur im Entserntesten bekannt, worin der Herr Bräuer mit seinem Anhang irgendwie rückwirke d für denselben eingetreten sei, wohl aber trägt sein Complice Liebisch einen großen Theil der Schuld am Entstehen desselben. Beide schlagen sich jedoch jetzt an die Brust, betheucrn ihre Unschuld und danken Gott, daß sie nicht auch so schlecht sind, wie andere Leute.— Aus dem ganzen Skandal ergiebt sich, namentlich für die Mitglieder und Anhänger des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, daß es nicht ralhsam ist, Beschwerden gegen den Vorstand einfach niederzuschreien(schlimm genug natürlich, wenn ein Vorstand seine Rettung darin suchen muß), denn damit wird das Vertrauen nicht hergestellt, wohl aber wird das Mißtranen dadurch größer, und es wird wie hier zur Emeute dem Verein gegenüber, und deren Enthüllunge:.: schänden die gesammte Sozialdemokratie. Körner, Maurer, Mitglied der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Wien. Der Gewerkschaftsverein der Sattler, Riemer, Tasch- »er und Deckenmacher hat unterm 10. Marz an die Arbeitgeber ein Memorandum gerichtet. Es sind darin keine neuen For- derungen enthalten, sondern nur dieselben, welche schon in einem früheren Memorandum enthalten und auch schon in vielen Werk- stätten durchgeführt sind.„1) Gründliche Durchführung der zehn- stündigen Arbeitszeit..2) Abschaffung der Kost- und Schlafstellen bei den Arbeitsgebern. 3) Festsetzung eines Minimallohnes von 10 Gulden per Woche ohne Abzug der Feiertage; bei Stückarbeit ist eine entsprechende Prozent-Erhöhung zu gewähren. 4) Wöchent- liche Auszahlung und zwar Samstag 6 Uhr Abends. 5) Die Sonn- und Feiertags-Arbeit ist ganz abzuschaffen und nur in /«ußeraewohnlichen Fällen gegen 50 Perzent Lohnzuschlag gestattet, dasselbe gilt auch von Ueber-Feierabendarbeit." „Die wöchentliche Auszahlung(vierter Punkt)"— heißt eS u. A. im„Bicmorandum"—„ist eine Nothwcndigkeit, um den Ar- beiter vor Uebervorthcilung zu schütze»; auch verleitet daS„Auf- schreiben" in WirthShäusern nur zu leicht zum leichtsinnigen Leben, was sehr nachtheilige Folgen für den Arbeiter hat. „Der Gcwerkschaftsverein rechnet in Anbetracht der mäßigen Forderungen auf eine gütige Verständigung, und ersucht um ge- fällige Rückantwort längstens innerhalb 14 Tagen, unter der Adresie des Gewerkschastsvereines der Sattler-c., Mariahilf, Windmühlgasse 37, Gasthaus„zum goldenen Fassel". Der Gewerkschafisverein erlaubt sich noch, die Herren Arbeits- geber auf die von ihm unentgeltlich geführte Stellenvermitt- lung hinzuweisen und zur Benützung zu empfehlen, dieselbe ist stets bemüht, durch passende Arbeitskräfte die Herren Arbeitsgeber zufrieden zu stellen; auch kann sie das viel besser als diejenigen Personen, welche ein Geschäft daraus machen, und bei der Ver- mittlung nur an das Geld denken, unbekümmert ob sie den Ar- beitSgebcr oder den Arbeiter zufrieden stellten oder nicht. „Für den Gewerkschaftsvercin der Sattler zc. Cäsar Grecht, Schriftführer. H. Gehrke, Obmann. Frantisurt a. ZiiL, 10. März. Einzelne Mitglieder des All- gemeinen Deutschen Arbeitervereins beginnen wieder mit Roh- heiten und Provokationen, seit unsere Partei auch hier größere Fortschritte macht. Leider hat sich hierin besonders Hr. G. Müller, Vorsitzender des neuen SteindruckervereinS, besonders ausgezeichnet. Uns macht dergleichen nicht irre.— Von Staatsgewalt und Bourgeoisie werden auch wir nicht verschont. Unser Parteigenosse Sabor, der Lehrer an einer Realschule war, sollte schleunigst abgesetzt wer- oen, so verlangte ein Utas des königl. Provinzialschulkollegiums in Kassel. Die Boargeoisie, theilend mit der Regierung den Wider- willen gegen wirkliche Sozialdemokraten, gab gehorsamst dem Wallen der Behörde nach, obwohl Schulrathsrcchte dabei preis- gegeben wurden. Sabor ist abgesetzt. Neuerdings hat man ihn auch zur Untersuchung gezogen, wegen angeblicher Beleidigung der kaiserl. Postbehörde, die er in einem svcialpolitischen Bortrag be- gangen haben soll. Parteigenosse Lüh ist wegen„Beleidigung" des Königs von Bayern zu 1 Monat Gefänguiß vernrtheilt wor- den. Woher wohl dieser Hr. Ludwig bei seinem Musikfanatismus noch die Zeit nimmt, um die gesetzlich vorgeschriebene Ermächtigung zu derlei Verfolgungen zu eriheilcn?! Bei Kretschmar's Wirths. leuten und Frau Kalb forschten Schutzleute oder ähnliche Per- soneu nach Allerlei über Kretschmar und Kalb, ja Kretschmar's Wirthin wurde(wohl in höherem Auftrag?) aufgefordert, auf Kretschmar genauer zu achten, ihm aber Nichts von ihrem Auf- passen zu verrathen! Mit welchem Rechte dies alles geschah, ist allerdings eine Frage, problematisch wie manches Andere.— Von einem hiesigen Cvmitö(Sonnemann und Genossen) zur Begehung einer Feier am 30. März, dem Tage der Eröffnung des Vor- Parlaments, war an Mitglieder unserer Partei die Aufforderung zum Eintritt in dies Comitö ergangen. Wir haben derselben keine Folge gegeben, wir begehen eine Märzfeier selbstständig. München, 13. März. Als Bevollmächtigter des Vereins der -utjchen Steinmetzen zu München zeige ich hierdurch an, daß sich .r hiesige Verein dem in Berlin domizilirten Verein der deutschen Steinmetzen angeschlossen hat. I. Gasteiger, Bogenhausenstraße 3. Landssiut, 13. März. Der hiesige Fachverein der Schuh- macher gedenkt in allernächster Zeit mit den Meistern wegen Auf- besserung der sehr niedrigen Löhne in Unterhandlungen zu treten. Wir glauben voraussetzen zu müssen, daß die zumeist dem Arbeit- gcberbunde angehörigen Meister unseren Forderungen nicht so ohne Weiteres Folge geben werden und ersuchen unsere Kollegen schon jetzt, den Zuzug nach hier abzuhalten. Wir werden seinerzeit über die Lage der hiesigen Schuhmacher des Weiteren Bericht erstatten. chießen, 19. März. Sonntag, den 16. d. M., fand hier eine Volksversammlung statt, in der Parteigenosse Opificius Uber die Gewerksgenossenschasten in klarem Vortrag unter Beifall reserirte. Eine Resolution: Die heutige Volksversammlung erklärt den gegen- wärtig im Kanipfe stehenden Buchdruckergehilfen ihre volle Sym- pathie, und hält jeden deusschen Arbeiter für verpflichtet, dieselben thatkräftig zu unterstützen, wurde einstimmig angenommen. Mit sozialdemokratischen Gruß I. A. d. V.: R. Orbig. G. Mittenberger. Kakverfladt, 12. März. Den 8. d. M. sollte eine Versamm- lnng der Holzarbeiter stattfinden, zu welcher Herr Stelzer aus Leipzig als Referent anwesend war, um eine internationale Holz- arbeiter-Gewerksgenossenschaft zu gründen; die Versammlung wurde aber von den Anhängern Hasenclever-Tölke Sc Co. auf die gemeinste und roheste Art hintertrieben. Trotzdem wird die Gewerkschaft zu Stande kommen. Am 9. d. M. fand eine sehr zahlreich besuchte Arbeiterver- sammlung in Quedlinburg, wo wir eine Parteimitgliedschaft gegründet, statt. Herr Stelzer, welcher mit Herrn Naters sowie mehreren anderen Parteigenossen zur größten Zufriedenheit in der Versammlung über die Lage der arbeitenden Klasse referirten, ernteten ungetheilten Beifall. Die Versammlung nahte zeitig ihrem Ende, denn das Lokal war nur noch dreivieetel Stunden zu haben, weil nachher darin Tanz sein sollte. Da noch mehrere Redner eingezeichnet waren, wurde ein Antrag auf 15 Minuten Redezeit angenommen. Da auf einmal meldete sich inmitten der Versamm- lung zur Geschäftsordnung Herr Hurlemann'ums Wort. Der- selbe versuchte der Versammlung begreiflich zu machen, daß die Beschränkung der Redezeil sehr ungerecht sei, denn allen früheren Rednern, die man bis jetzt gehört, sei die Redezeit auch nicht bc- schränkt worden; bis jetzt hätten nur Leute, welche nicht zu seiner Partei gehörten, gesprochen; nun wolle er sprechen ohne Beschrän- kung. Stelzer, welcher dieses Ansinnen als zur üblichen Taktik dieser Leute gehörig kennzeichnete, stellte gleichwohl den Antrag, Herrn Hurlemann eine halbe Stunde sprechen zu lassen, um ihm alle Räukeanlässe zu benehmen. Auch hiermit begnügte sich Hurle- mann nicht, sondern suchte durch fortwährendes Toben, wobei er von seinem Genossen, einem gewissen Dahle, Bev. d. Allg. d. A.-B. in Halberstadt, welcher zu diesem Zwecke uns nachgereist war, unterstützt wurde. Zur Ruhe und Ordnung von allen Seiten aufgefordert, blieben dieselben bei ihrem Toben, bis endlich der einstimmige Ruf erscholl:„Hinaus mit ihnen." Und da dieselben weder Ruhe hielten, noch sich entfernen wollten, wurden Beide unfreiwillig aus dem Saale entfernt. Durch den bei dieser Aus- führung entstandenen Lärm sah sich die anwesende Polizei genöthigt, die Versammlung aufzulösen. Erwähnt sei hierbei noch, daß am Abend vorher, wo die Holzarbeiterversammlung von diesen Leuten auseinandergesprengt wurde, dieser Hurlemann ein Uber das andere Aial ausrief, richtiger brüllte:„Auch nicht einen Fuß bekommt Ihr von jetzt ab mehr auf dem Boden." Doch wir sind so ängstlich nicht, und es vergeht fast keine Parteiversammlung, ohne daß sich Einige einzeichnen lassen; sogar einige der ältesten Mit- glieder des Allg. d. A.-V. sind der Partei beigetreten, weil ihnen dieses Treiben, wie eS in Berlin und hier blüht, längst zum Ekel geworden war. Man wird mit uns so leicht nicht fertig; drei Friedensstörer sind hier stetig am Orte, und wenn selbst, wie verlautet, noch der Vierte, der ehrwürdige Knüppcl-Tölcke in höchst eigener Person erschiene, sammt Knüttel und Kümmclbulle, würden wir auch niit diesem fertig. Nach Wegelebe», wo eine Mitgliedsduift unserer Partei besteht, zog den 9. d. M. der zu wiederholten Malen im„Bot- schafter, Organ der deutschen Cigarrenarbeiter" gekennzeichnete Dohne, welcher seit einiger Zeit hier sein Wesen treibt, aber mit demsclaen Erfolge. Solchen Rohheiten gegenüber rufen die Halbcrstädter Partei- genossen allen Anhängern unserer Bestrebungen zu, in fester ge- jchlosscner Organisation solchem Treiben entgegen zu treten. Die Mitglieder des Allg. d. A.-V. sind an solchen Schaudscenen, wie sie am Sonnabend den 8. d. M. hier vorkamen, unschuldig; die- selben werden nur als willenlose Werkzeuge von ihren Führern gebraucht, welche es verstehen, unwissende Arbeiter unter der Maöke der Arbeiterfreundlichkeit an sich zn locken, aber nichts weiter als ihre verkappten Feinde sind. Mit sozialdemokratischem Gruß Die Halberstadter Parteigenossen. Briefkasten der Redaktion: X. Sie glaubten also wirklich daran, daß wir während der Kommuuczeit den verstorbenen Bermorel einen„Polizei- agent", Flourens einen„Narren", Cluserct eine„hirnverbrannte, zweideutige Person" genannt und dessen wie Rosset's Verhaftung „zugejubelt" hätten? Wir haben über die Tollheit dieser Lüge nur gelacht. Den»„Lienen" ist nichts unmöglich. Bermorel gab und giebt es in Frankreich sehr viele; Einer dieses Namens starb auf den Barrikaden der Kommune; ein anderer Gleichnamiger ist uns aus den Tuilerienpapieren als Stipendiat des französischen Preßbureaus bekannt(s. Nr. 93 von 70); eines Dritten, der ebenso wie der Zweitgenannte ein„Polizeiagent" war, erinnern wir uns aus Bambergs 1848 erschienenen Geschichte der Februarrevolution.— Das Urtheil des„Volksstaat" über den ausgezeichneten Flourens siehe in unserer Nr. vom 15. April 71, Seite 2; daß der„Volks- staat" im Januar und October 70 das Vorgehen Rochcfort's in der Victor Noir-Affaire(Nr. 7 von 70) und nach Sedan(Nr. 85 von 70) gegenüber dem seines Freundes Flourens für relativ be- sonnener hielt, ändert nichts an der Sache. Wir sind nicht Heuchler genug, um die Fehler unserer Freunde gutzuheißen, weil es unsere Freunde sind. Und Flourens war ein ausgezeichneter Mann, trotzdeni er mitunter in der Taktik Mißgriffe machte; ihn einen„Narren" zu nennen— zumal während der Kommune- zeit, wo er sich so tüchtig zeigte— ist uns nie und nimmer eingefallen.— Und nun gar die bodenlose Lüge, der„Volksstaat" hätte Cluserct'S und Rossel's Verhaftung„zugejubelt". Er hat einfach— was alle sozialistischen Blätter thaten und thun mußten (in den Nrn. 37, 38, 40 von 71), von den Verhaftungen Notiz genommen, indem er mitgetheilt, daß die Genannten deshalb ver- haftet seien, weil sie bei der Kommune im Verdacht der Unfähigkeit, bez. des Verraths, und bez. der Diktaturgclüste stünden. Hatten wir— oder der„Neue"— etwa seiner Zeit das Material in Händen, um den Grund oder Ungruud dieses Verdachts zn prüfen? Wir haben uns doch einzig und allein auf die offiziellen Dekrete der Kommune gestützt! Und haben die Herren vom„Neuen" etwa über Cluserct'S und Rossel's Verhaftung seiner Zeit eine andere Meirning gehabt? Entschieden nicht; wir könnten es eventuell be- weisen. Speziell Cluseret's hat sich der„Volksstaat" sogar mehr angenommen, als irgend ein anderes sozialistisches Blatt. Nachdem Cluserct im Jahre 70 sich(durch vielleicht zu unzeitige Opposition gegen die Septcmberregierung) den Unwillen der Pariser Sozialisten zugezogen hatte und nach Genf gegangen war, ver- öffentlichte der„Volköstaat" zum Zweck der Rehabilitirnng deS Generals bereits in der Nr. 89(5. Nov.) von 70 einen unS von demselben zugeschickten offenen- Brief, aus dem hervorging, daß Cluserct nichts weniger als eine„hirnverbrannte, zweideutige Person" sei(es ist uns beiläufig gar nicht erinnerlich, wann und wo wir diesen Ausdruck gegen ihn gebraucht hätten); und weiter suchten wir ihn in Nr. 3 von 73 abermals zn rehabiliiiren, indem wir aus Nr. 75 von 70 einen seiner Briefe abdruckten, der ihm seiner Zeit so ungerechte Vorwürfe Seitens der Pariser Sozialisten eingebracht hatte, weil er Gambetta's Bourgeois-Jnstinkte voraus- gesagt hatte. Wann und wo ist es wohl dem„Neuen" passirt, so sorgfältig über die Ehre öffentlich angegriffener Personen zu wachen? Wir erinnern uns keines Beispiels— Andere wohl auch nicht.— Die Redaktion verhehlt es sich nicht, daß ihr von ver- schiedenen Seiten Vorwürfe zukommen werden, daß sie so gut- müthig war, Ihre naive Anfrage:„Ob die Behauptung des„Neuen" wirklich unwahr sei?" so eingehend und so gründlich zu beant- worteu. Denn thatsächlich werden sich die Herren vom„Neuen" nur in's Fäustchen lachen, daß es ihnen gelungen ist, uns um einige Stunden Zeit zu prellen, indem sie uns zwangen, unsere 3 Jahr- gänge von A biö Z zu durchstöbern, um die oben citirten Nummern herauszufinden. So bald aber soll es uns nicht wieder einfallen, ihnen diesen Gefallen zu thun. Sozialdemokratischer Verein. � Den Mitgliedern hiermit zur Kenntniß, daß die regelmäßigen Versammlungen von jetzt ab jeden Samstag in der Schützen- balle(Wnitcrgasse) stattfindeiu_(2a)__ Der Ausschuß. / Reilsheim. Bergstraße 2. Ein tüchtiger Buchbinder bei hohem Lohn wird gesucht bei O. Weihrauch, Parteigenosse erwünscht.___ Lcrlin. Allgemeiner Deutscher Sattlcrverein. Sonnabend den 22. d. Mt»., Abends halb neun Uhr Versammlung in den oberen Gratwcil'schcn Bicrhallcn.— Tagesordnung Vortrag. Vcreinsangelegcnheiten. D. V.� ßcrtiu. Versammlung der BoUchergehilsen. Sonntag den 23. März, Vormittags 10 Uhr, im Heise- scheu Locol, Landsbergerstr 15.— Tagesordnung: Vercinsangelegenheiten. NB. Um pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Sozial- deu okralischc Arbeiterpartei. Montag den 24. März, Abend« 8 Uhr, bei Möwis, Wcberstraße 24-,: Vortrag, Verschiedenes, Fragckastcn. Gaste willkommen. A. Heinsch, Vertrauensmann. üreslst». Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Montag den 24. März, Abend« 8 Uhr: Versammlung in Schneider« Restauration, Klostcrstr. 73, Mauritius-PIatzecke.— Tage«- ordnnng:„Die jüngste proletarische Revolution", Gedächtnißrede, gehalten von B. Geiser. Die Parieigenosscn fordere ich auf, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Gäste haben Zutritt. H. Oehme. Für solide Handwerker Kost und LvgiS bei Gastwirth Joh. Dcmbach, Schnurgasse 34.(4b)' Cöl». Hamlmrg. Sozialdemokra ischcr Arbeiterverein. Versammlung am Montag den 24. März, Abends 9 Uhr, in Hansch's Clublvkal(großer Saal), Schancnburgerstr. 14.— Tagesordnung:„Die Stellung des kleinen Handwerkers gegenüber dem Großkapital." Referent: Pranst. Gäste haben Zutritt._ j Klem-Ischocher Ii. Mpjig.-SSS mittag« Punkt halb 5 Uhr, in Lange's Restauration: Volksversammlung. Tagesordnung: Gründung eine« Arbeitervereins. Referent: Hr. Trost. Zu rcebt zablreichcm Besuch laden ein Die Einbcrufer. Ltipjig. Internationale Metallarbeiter-Gewerkschaft. Sitzung bei Arnhold, Rcudnitzerstraße 10.— Tage«- ordnnng: Eentralisirle und föderative Organisation. Sitzung jeden Montag und Ausnahme neuer Mitglieder.— Die Mit- glieder werden ausgcsordert, zahlreich zu erscheinen. ch'tipjig. Allgemeiner deutscher Schnciderverein. Dienstag den 25. März, Abends 8 Uhr: Versammlung bei Herrn Hictschold, Gewandgäßchcn Nr. 4, 1 Tr. Zahlreiches Erscheinen bcr Mitglieder wird erwartet. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. -(3-TrtJltt Gestern wurde„Medea", Trauerspiel au« 1250 v. Chr. von Grillparzcr, im hiesigen Stadtthcatcr auf- geführt.— Waruni aber, fragt Einsender dss., setzt man nicht auf den Theaterzettel zugleich:„Modernes Familien- und Ehe-Scaudalstück?" Wahrlich, eine Unwahrheit wäre es nicht. lltilschöiitfcld li. Leipzig. � Arbeiterverein. Montag den 24. März Versammlung Abends halb neun Uhr in der Restauration zum„Berg- schlößchcn".— Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht, Diskussion. Ausnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Der prov. Vorstand. Thonberg bei Leipzig/'.�'�'�Ä''' Montag, 24. März Abends halb 9 Uhr, im Gasthaus zum Thonberg: Generalversammlung. Tagesordnung: 1) Rechnungslegung. 2) Vorstandswahl. Rur Mitglieder und die am Eingange eine Mitgliedskarte lösen, haben Zutritt. Der prov. Vorstand. Stein vauer- Gesuch. Ein sehr guter fleißiger Arbeiter von gutem Charakter, welcher auf Grabstcinarbcit in Granit und Sandstein geübt ist und nach Zeichnung arbeitet, kann in meiner zweiten neu eingerichteten Filiale bei gutem Lohn ans lange Jahre Arbeit erhalten. Auch habe ich nicht« dagegen wenn derselbe als Genosse oder Gcschäfts-Antheilhabcr, selbst im unvermögenden Falle, eintreten will. Steinmetz C. F. Petersen, (2a) in Haide(Holstein). erschienen und Soeben ist in der Buchhandlung des vom 25. März an zu beziehen: Der ,Volsstaal" Ltipziger Hochverrathsprozeß. Siebentes und achtes Heft. Preis 2>/z Ngr. Wicdcrvcrkäufcr erhalten entsprechenden Rabatt. Briefkasten der Expedition: M. Hartmann in Dresden: 2 Thlr. 7 Ngr. 5 Pf. für die strik. Buchdrucker erhalten. B. Dcttlc in Elgersweier: für Schrift 5 Ngr. 4 Ps. W. Carl in St. Johann: für Schriften l5 Thlr. 22 Ngr. 1 Pf. vr. M. Schleich in München: für Schriften 2 Thlr. sviathcs' Exped. des„Dresdner Volksboten": für Schriften 2 Thlr. 20 Ngr.(Gut- schrist 2 Ngr. 5 Pf.). Röder in Neundors: für Annonoe 1 Franz in Zürich: 1 Expl Leben I. erh., von Hrn. Böhm>,.7, Sick, aas Lager; senden Sie vom 1. Heft L. I. 24 Expl.; Zahlung er.oai. ä a.>„0. Müller in Kotten bei Solingen: keine Annonce erhalten; send.n> o dag.lbe ges. bald für nächste Nummer. Alex. Oclsnitz in Zürich: j.U ilaon». 1 Thlr. G. Pansch in Ricdcrzwönitz: für Schriften 5 Ngr.; das Gewünschte folgt bald. Bennewitz in Obcrlungwitz: für Schriften 1 Thlr. Burkhardt in Stuttgart: habe keine Zeit süh Prolog; verweise Sie auf meine Annonce. Schneider in Johanngcorgenstadt: VolkstaatSkalender vollständig vergriffen. Berichtigung. In letzter Quittung muß es heißen: Endres in Augsburg: f. Abonn. 1. Quart. 20 Thlr., statt: s. IV. Quart. 10 Thlr., f. I. Quart. 10 Thlr.! Bei den in der Bennecke'schen Quittung ausgeführten 4 Thlrn. muß es! heißen: Schmitz, statt Schmidt in Cöln. Schnell und pünktlich liefern sämmtliche Artikel des Buchhc"clS und der Colportngr, sowohl an Wiederverkäufer, als an Jedermann zu den billigsten Preisen Heinze& Voigt in Leipzig. Auf geil. Anfragen brieflich Näheres.(5aS.) KilialeLpeditione» befinden sich ftu Plagwist, Lindenau und Umgegend bei Herrn Meinhardt in Lindenau, für Reudnih, Alt- und Neuschöne- selb, Bolkmarsdors, Thonberg:c. bei- Herrn Strlzer, Ka- uellengasse Nr. 1 1 in Reudnitz, für Klein- und Großzschocher, Schlcußig bei Herrn Karl Fleischer Nr. 87 in Kleinzschocher, für Conncwih und Umgegend bei Herrn Teubert, Dornasche Ztr. 19 in Connewitz. Fond für pol. Gemaßregelte. Bon Mitgliedern der Cig.-Arb.-Gen. in Waldheim 3 Thlr. 3 Ngr. Bon Gehlert aus Wilkau 15 Ngr. Während der dreimonatlichen Hast Fink's mit der Führnng der Grpedition des„Volksstaats" betraut, werde ich nach Kräften bemüht sein, alle Aufträge prompt zn erledigen, bitte aber zugleich, Befiellnngen auf Schriften, Abonnements, Annoncen n. f. w. immer sobald als möglich einzusenden. Chr. Hadlich, ___ Cassirer der Geuvssenschaftsbuchdruckerci. Das Abonnenten-Berzeichnist folgt nächste Nummer. Leipzig: Verantw. Redakteur R. Scifsert.(Redaktion und Expeditton Hobestr. 4). Druck und Verlag der Genossenschafttbuihdruckerei. Hierzu eine Beilage. ___ Aeitage zum MoLksßaat Ar. 24. Correspondenzen. Leipzig. Das Organ des Polizeidirektors schreibt:„Chem nitz, 10. März. Der sozialdemokratische Agitator Most, dessen sich Leipzig schon vor Jahren rasch zu entledigen wußte(!), ist nun auch durch die hiesige Polizeibehörde von hier ausgewiesen worden. Es steht zu hoffen, daß auf Gnmd des Freizügigkeitsgesetzes Z 3 von der Landespolizeibehörde Verfügung getroffen werde, daß er nicht in andern Orten Sachsens sein gemeingefährliches Treiben fortsetzen kann." Der Polizeidirektor hat nämlich schon vergeffen, daß die von ihm 1871 verfügte Ausweisung Most's von der Kreisdirektion und dem Ministerium als„nicht im Gesetze be- ' gründet" und„nicht auf genügender gesetzlicher Grundlage beruhend" aufgehoben worden ist. Die betreffenden beiden Aktenstücke haben wir in unserer Nummer vom 20. Dezember 1871 wörtlich abgc- druckt. Herr Dr. jur. Rüder kann sie daselbst nachlesen und sein „Amtsblatt" darnach berichtigen. Oder hat das Polizeiamt etwa dazu ein„Amtsblatt", um demselben unwahre Mittheilungen zugehen zu lasten, bez. solche durch dasselbe verbreiten zu lassen?— Leipzig. Herr von Mücke. Nicht wenig Auffehen erregt hier die schwurgerichtliche Freisprechung des Studenten Wildhayn, der — aus einem der läppischen Anlässe, die in der Regel die Sw- dentenduellc hervorrufen—„gefordert", in einem Piftolenduell auf„5 Schritt Barriere" seinen Gegner getödtet hatte. Die Leipziger werden sich nicht zu wundern brauchen, wenn die Herren Studenten fortan die Pistolenduelle auf die Tagesordnung ihrer BergnügungS-Veranstaltungen setzen und vor jede künftige Schwur- gerichtssession an fahrlässigen Tödtungcn die zehnfache Anzahl der heutigen wird gebracht werden müssen. Wir lassen es vorläufig dahin gestellt sein, welchen Einfluß Herr von Mücke als Präsident aus die Geschworenen gehabt hat,— sei es auch nur dadurch, daß er die Angeklagten, statt auf die Anstrageöank, auf eZtra heröeigehotte Stühke setzen ließ. Aus dem„Tageblatt" ersehen wir auch, daß das Publikum, als der„Wahrspruch" der Ge- schworenen verkündigt wurde, lauten Beifall klatschte. Wir möch- ten wissen, was Herr von Mücke gethan hätte, wenn vor einem Jahr beim Hochverrathsprozeß das Publikum zum„Wahrspruch" der Geschworenen gezischt hätte! Presdeu. Wieder eine Ausweisung! Diesmal betraf sie den Parteigenossen Linke, der ein harmlostS politisches Liederbuch in Verlag und Colportage hatte. chrimma. Am 23. Februar fand hier eine zahlreich besuchte Volksversammlung statt, in welcher Nauert aus Leipzig einen Vortrag über daS allgemeine, gleiche, directe Wahlrecht hielt. Redner schilderte zunächst die staatlichen Verhältnisse de« AlterthumS, hob die verschiedenen Ursachen, welche zur Beseitigung der Volks- Herrschaft und zur Befestigung der Sclaverei beigettagen haben, hervor, wobei er als wesentliche Factvrcn das Fehlen der Com municationsmittel und der allgemeinen Volksbildung bezeichnete. Nachdem die Buchdruckerkunst erfunden, fände jedoch ein steter Fortschritt statt; so seien bald darauf die Burgen des Feudaladels zerstört worden. Schon im Ansang des 13. Jahrhunderts sei durch die Philosophie eines Voltaire, Rousseau und Diderot im Herzen der feudalen Gesellschaft der Grund zur französischen Revolution von 1789 gelegt worden, welche sich daS größte Verdienst bei Hin- wegräumung des mittelalterlichen Schuttes envorben habe. Wie im Alterthum sich eine Klasse der Gesellschaft der Herrschaft des Staates bemächtigt und die Staatslasten den Sclaveu aufgebürdet, so habe auch im Mittelalter der Grundbesitz geherrscht und sich stcuersrei gehalten. Das Bürgerthum hätte zwar die Idee der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit schon bei der französischen Revolution aus seine Fahne geschrieben, aber sehr bald, als es einsah, daß von dem niederen Stand auf die Gleichheit Anspruch erhoben werden könnte, den Pferdefuß, in der Gestalt des CensuS, bei den Wahlen zu den gesetzgebenden Körpern durchblicken lassen, welcher 24 Gr. für das active und 13 Thlr. 10 Gr. für das pas- sive Wahlrecht, bei gänzlicher Ausschließung der Dienstboten betrug. Ganz dasselbe sei in Deutschland der Fall; auch hier habe einst die Bourgeoisie für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ge- schwärmt. AlS sie jedoch gewahr wurde, daß der Arbeiterstand nicht gewillt war, die Castanien für sie auS dem Feuer zu holen, habe sie diesen ihren schönen Grundfatz schmählich im Stiche ge- lassen und ihn in Infanterie, Cavallerie und Artillerie umgewan- delt; ebenso sei sie auch bemüht, für sich das System der Steuer- fteiheit aufrecht zu erhalten. Denn in Deutschland würden an indircctcn Steuern, welche ja zum weitgrößtcn Theil den Besitzlosen treffen, an den Staat entrichtet: 10,597,200 Thlr. für die Salzsteuer, 12,977,060 Thlr. für die Rübenzuckersteucr, für Ein- und Ausgangsabgaben 30,964,410 Thlr., für Tabak 3,000,000 Thlr., Branntweinsteuer 11,335,750 Thlr.; dazu kommt noch die Wechsclstcuer, die Ein- nähme von dem Post- und Telegraphcnwcsen, summa summarum über 103,000,000 Thaler, was für den Kopf der Bevölkerung eine Summe von mehr als 2 Thlr. 20 Gr. crgiebt und für eine Familie von 5 Köpfen aus die Summe von 13 Thlr. 10 Gr. steigt. Wie die Bourgeoisie, welche ja den heutigen Staat regiere, mit den sauer verdienten„Arbeitergroschcn" umgehe, zeige schon die eine Thatsachc, daß in dem Staat der„Intelligenz", Preußen, 60,000,000 Thlr. für Armee und Flotte, für das Volksschulwesen aber nur die magere Summe von 2,000,000 Thlr., dagegen für die Civilliste des Königs 4,000,000 Thlr. vom Staat verausgabt würden, also für den einen Mann genau doppelt so viel als für den Schulunterricht der Kinder eines Volkes von 28,000,000 - Einwohnern. Ebenso bestände die Ungerechtigkeit auch in der so viel ge- pricsenen allgemeinen Wehrpflicht. Während die Söhne der Reichen leicht vermittelst ihrer socialen Besserstellung im Stande seien, sich die nöthigen Kenntnisse zum einjährig-Freiwilligendienst an- zueignen, würde der besitzlose Arbeiter seinem bürgerlichen Berufs- zweig auf drei Jahre enttissen. Alle diese Mißstände würden nicht eher aufhören, ehe nicht der Arbeiter selbst sciy Wort in die Wagschaale würfe und sich Vertreter in den gesetzgebenden Körper wähle. Die Möglichkeit dazu sei ihm aber genommen, indem er i entweder direct oder indirect von den Wahlen ausgeschlossen sei. Es existire zwar in Deutschland ein sogenanntes allgemeines, gleiches, direktes Wahlrecht zum Reichstage, jedoch sei dasselbe ohne Diäten, vollkommene Preß- und Versammlungsfreiheit kein solches zu nennen; dann dürfe auch nur Derjenige wählen, welcher daS 25. Lebensjahr erreicht habe, während er zum„Gcdrilltwcrden" und„Kanonenfutter" mit dem 20. Jahre gescheidt genug sei. Im „Musterstaat" Preußen werde noch zum Landtage das Dreiklassen- Wahlsystem zur Anwendung gebracht, wodurch ein Wähler der 1. Klasse, d. h. der Besitzende, 18 der 3. Klasse, d. h. der Besitz- losen, aufwiege und die directe Steuer als Maßstab genommen würde. Bei uns in Sachsen sei es nicht besser, denn hier sei Der nur zur Wahl berechtigt, welcher 1 Thlr. directe Staats steuer zahle und zu dem nöthigen Verstand eines Volksvertteters gehöre zum Mindesten eine directe Staatssteuer von 10 Thlr. Durch diesen Census wären demnach'/» der über 25 Jahre zählenden Bevölkerung ausgeschlossen, besonders Diejenigen, welche den Löwenanthal der Staatsabgaben an indirecten Steuern zu tragen haben. Nachdem Redner noch einige Streiflichter auf das kommunale Gebiet geworfen und nachgewiesen hatte, daß die Miß- wirthschaft im Kleinen wie im Großen existire, fchloß er unter allgemeinem Beifall der Versammlung. Nachdem Fink, Leipzig, noch auf die Corruption der Presse und auf die Nothwendigkeit der Vereinigung der Arbeiter zur Beseitigung dieser Zustände hingewiesen, wurde vom Referenten folgende Resolution zur Annahme empfohlen:„Die heutige Ver- fammlung verpflichtet sich, mit allen Kräften cinzutteten für die Erreichung des allgemeinen gleichen und directcn Wahlrechts zu allen gesetzgebenden Körperschaften für alle Männer vom 20. Lebens- jähre an." Nachdem diese Resolution einstimmig angenommen so- wie zum Abonnement auf den„Volksstaat" aufgefordert worden war, wurde die Versammlung geschlossen. � Die rege aufmerksame Theilnahme sowie das Einverständniß, welches auf allen Gesichtern zu lesen war, hat uns wiederum gezeigt, daß die Arbeiter mehr und mehr ihre Klassenlage begreifen lernen. Gab es auch diesmal keinen ordnungsrufenden Beamten, so wurde doch von den in ziemlicher Anzahl anwesenden Vertretern der Ordnung das Einsammeln an der Thür verboten, ein Kniff, wodurch unser an und für sich schon reactionäreS Vereinsgesetz für den Arbeiter gänzlich illusorisch gemacht wird. Wittweida, 10. März. Am Sonnabend den 8. März hatten wir hier eine sehr zahlreich besuchte Volksversammlung, in welcher Herr Auer aus Berlin referirte über:„die Krebsschäden der heu- tigen Gesellschaft und der Sozialismus". Es kann nicht meine Absicht sein, den über 2 Stunden dauernden Vortrag hier wieder- zugeben; genug, Herr Auer löste seine Aufgabe in zufriedenstellender Weise und erntete allgemeinen Beifall. Das Bemerkenswertheste an dieser Versammlung war, daß wir uns wieder einmal Mit- gliedern des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins gegenüber sahen, die eine Lanze für ihre Organisation brechen wollten. Es haben nämlich die alten Anhänger des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins, mit denen wir auf gutem Fuß gestanden, sich seit 2 Mo- naten als eine Mitgliedschaft des Letzteren organisirt, vielleicht um an die leer gewordene Stelle der durch die Ungnade des Herrn Bürgermeister Dr. Stumme unmöglich gewordenen Mitgliedschaft der„sozialdemokratischen Arbeiterpartei" zu treten. Es war denn auf Ersuchen obiger Mitglieder des„Allg. Deutschen" Herr Schnips aus Chemnitz erschienen, welcher sofort nach Auer zum Wort kam und gar bald die„sozialdemokratische Arbeiterpartei" und bestimmte Personen, die ihr angehören, angriff; dies führte zu einer langen Debatte, in der Herr SchnipS allerdings den Kürzeren zog, und welche damit endigte, daß Auer eine Resolution einbrachte folgen-! den Inhalts:„Die heutige Volksversammlung erklärt sich mit dem Programm und der Organisation der„sozialdemokratischen Arbeiter- partei" vollständig einverstanden." Diese Resolution wurde mit Allen gegen 5 Stimmen(die Stimmen der Anhänger des„Allg. Deutschen") angenommen. Auf Sonntag den 9 März hatten die Mitglieder des„Allg. Dentschen" eine Volksversammlung einberufen in Sachen des Pro- tcstes bezüglich der Erhöhung der Tabaksteuer. Wir haben diesen Protest, welcher an das Präsidium des„Allg. Dtsch." geht, unter- stützt, und soll Bebel, als einziger Vertreter des ArbeiterstandeS im Reichstage, ersucht werden, den Protest dort zu vertreten, r. chekcna«. Am 4. März fand hier eine durch Plakate bekannt- gemachte große Volksversammlung statt, welche durch Hos- mann hier eröffnet wurde und in der Säuberlich den Vorsitz führte. Hr. Auer aus Berlin als Referent erläuterte das Pro- gramm. der socialdemokratischen Arbeiterpartei. Er sprach sodann auch über das Wesen der Kinderarbeit in den verschiedenen Län- dern, speciell in Frankreich und erläuterte das eherne ökonomische Lohngefetz. Dem nachfolgenden Redner Hofsmann wurde— weit er angeblich„nicht zur Sache" gesprochen— vom Expedienten Zeidler aus Ehrenftiedersdors das Wort entzogen. Es durfte auch keine Resolution vorgeschlagen, beziehentlich angenommen werden. Waldmann. Waldenburg i. S. Zu unserer größten Freude können wir unseren Gesinnungskameraden kundthun, daß seit der Bebel'schen Reichstagöwahl unsere Partei am hiesigen Platze riesige Fortschritte macht. Hauptsächlich haben wir den Ausschwung der Agitation zu verdanken, aber auch so manche getäuschte Hoffnung hat die Ar- bciter zu der Einsicht gebracht, daß es nicht fortgehen könne, wie bisher. Waldenburg, das seither als das gepriesene Eldorado der Philister galt, wird fortan in den Reihen der Kämpfer für die Emanzipation der arbeitenden Klassen seinen Platz zu behaupten wissen. H. R., Verttauensmann. Altstadt Waldenburg, S. März. Heber die systematische Ausbeutung der Arbeiter nur folgende Thatsachc: Vor kurzer Zeit trat ein Ilssähriges Mädchen bei einem Fabrikanten in Arbeit, der ihr das Versprechen gab, ihr die ersten Wochen, bis sie aus Stück ar- beiten könnte, einen Thaler zu geben. Als nun der Lohntag heran kam, gab ihr der wortbrüchige„Herr" 25 Neugroscheu mit dem Bemerken, ,daß er ihr nicht mehr geben könnte, wenn er selber keinen Schaden haben wollte. Mit diesen paar Groschen soll nun ein Mädchen, das noch dazu keine Eltern hat, auskommen. Doch die paar Groschen mü;,en hinreichen, es muß gehungert und ge- darbt werden, um nur jenem Egoisten, der kein Gefühl für seine Mitmenschen hat, den G-ldsack zu füllen. Der karge Lohn reicht nicht hin, das Leben zu fristen; er reicht nicht hin, die Arbeits- kraft zu ersetzen, die in der Arbeitszeit verbraucht wird, und die armen Geschöpfe, deren es genug giebt, müssen zusehen wie sie— geistig und körperlich zu Grunde gehen. Aber nur weiter so, ihr Herren! Ihr sorgi unbewußt dafür, dgß dem Arbeiter die Augen aufgehen. Und mit der Erkenntniß kommt auch die Erlösung. Kranbenberg, 11. März. Gestern fand hier dine Volksver- sammlung statt, die infolge der Auflösung der acht Tage vorher hier tagenden ungemein zahlreich besucht war. Uhle aus Chem- nitz reserirte über die indirekten Steuern und sprach sich für Ein- führung der progressiven Einkommensteuer aus. Eine eingebrachte Resolution, die sich der Ausführung des Referenten anschloß, wurde mit allen gegen die eine Stimme des Herrn SchullehrerS Boigt an- genommen. Nachdem noch Einzeichnungen in die Llsten der sozial- demokratischen Arbeiterpartei stattgefunden, ward die Versammlung '/-II Uhr geschlossen. Schon vor Beginn der Versammlung wur- den über 100 Exemplare„Volksstaat" und„Chemnitzer Freie Presse" abgesetzt und steht zu erwarten, daß die Bewegung hier und in der Umgegend einen regeren Charakter wie bisher an- nimmt. Aschopa«. Hier besaß bisher nur der„Allgemeine deutsche Arbeiterverein" eme Mitgliedschaft, die sozialdemokratische Arbeiter- Partei hatte aber noch keine Organisation; gestern fand eine große Volksversammlung statt, in welcher die Parteien aufeinander platz- ten, nachdem schon am vergangenen Sonntag ein kleines Plänkler- Gefecht stattgefunden hatte. Bon Seite der sozialdemokratischen Partei traten als Redner auf: Auer, Vahlteich und Uhle, die beiden Ersteren als Referenten; von Seiten der Lassallcaner Schnips, Stiegler, Püschmann und Roscher. Die Tagesordnung war: DaS Programm der sozialdemokratischen Partei und der„Allgemeine deutsche Arbeiterverein." Weil die Sozialdemokraten keine Orga- nisation für sich hatten, überließen sie den Lassalleanern den Vorsitz ohne Widerspruch; zu unscrm größen Erstaunen aber zeigte es sich, daß ein großer Theil der Anwesenden von vornherein gegen die Lassallcaner Partei ergriff, da gegen die von letzteren beanttagte Veränderung der Tagesordnung nicht bloS sogleich ein Zschopauer Arbeiter das Wort nahm, sondern bei jder Abstimmung auch die Mehrheit sich gegen die Veränderung der Tagesordnung aussprach. Vahlteich gab in großen Zügen eine Darstellung des Programm» der sozialdemokratischen Partei, wahrend Auer nach dieser Rich- tung hin zur Vervollständigung sprach. Nun aber entlud sich ein wahrer Wolkenbruch von persönlichen Verdächtigungen, die sich be- sonders gegen Vahlteich richteten. Höchst wirkungsvoll griff Uhle in die Debatte ein, indem er seine eigenen Erlebnisse im„Allge- meinen deutschen Arbeiterverein" darstellte. Uhle hatte sich mit ganzer Seele der Arbeitersache hingegeben, er glaubte an die Ehr- lichkeit der Herren Mende und Schweitzer, ebenso an die Unfehl- barkeit Lassalle's und der von ihm eingeführten Organisation der Diktatur und endlich kam der Augenblick, wo er ganz klar einsehen mußte, daß die strenge Partei- Disziplin nur erdacht und eingeführt war, um die große Masse willenlos zu führen; er selbst hatte sich in jugendlichem Esser und aus Liebe zur Sache in einem Zustand des Fanatismus versetzen lassen, der alles objektive Denken lahm legte; aber endlich fiel eS ihm wie Schuppen von den Augen: er sah, daß er schändlich betrogen war. Dagegen ließ sich nicht aus- kommen; die Versammlung, die natürlich ans dem Hin- und Wider« reden sich sogleich ein Unheil nicht bilden konnte, mochte aus den Worten Uhle's herausfühlen, daß seiner Ausführung Wahrheit zu Grunde lag und so neigte sich ihre Sympathie uns zu; es ist also der Boden gewonnen, auf dem sich weiter arbeiten läßt. Uebtr- dem wurde sofort eine Mitgliedschaft gegründet und wenn derselben vorerst nur 18 Mitglieder beittaten, so lag dies lediglich daran, daß das Versammlunglokal nach Schluß der Debatten sofort ge» räumt werden- mußte, da es anderweit verwendet werden sollte. Wir begrüßen daS in Zschopau erzielte Resultat mit großer Freude, > nicht weil es sich um einen sehr bedeutenden Ort, sondern darum handelt, schon jetzt jeder Störung der Wahlbewegung entgegenzu- wirken. Wir kennen die Herren Lassallcaner gut genug, um zu wissen, daß eS ihnen bei der Wahl nicht darum zu thun sein wird, Männer durchzubringen, welche die Arbeiterinteressen vertteten, sondern nur darum, durch Aufstellung von Gegenkandidaten, die auch nicht die Spur von Aussicht auf Erfolg haben, unsere Wahl- agitation zu schädigen. Darum darf ihnen hier nicht ein zollbreit Boden gelassen werden.(Ch. Fr. Pr.) Wiersen, 10. März. Gestern fand in Viersen eine zahlreich besuchte Volksversammlung statt, welche von dem Vertrauensmann Feegers zusammenberufen war. Als Tagesordnung war aufge- stellt:„Die Vereinigung der Arbeiterparteien in Deutschland." FeegerS bestieg zuerst die Redncrbühne und legte die Prinzipien der sozialdemokratischen Partei auseinander und forderte die An- wesenden auf, Vorschläge zu machen, welcher von den bestehenden Parteien man sich anschließen solle. Inzwischen war Sauren auS Gladbach, von einer Agitalionsreise zurückgekehrt, eingetreten. Der- selbe hielt eine lange gediegene Rede, hob besonders hervor, daß es keiner Berathung bedürfe, welcher Partei man sich anzuschließen habe, das müsse bereits jeder vernünftig Denkende erkannt haben, daß die sozialdemokratische Arbeiterpartei die einzige sei, von welcher man Erfolge zu erwarten habe. Folglich sei es Pflicht eines jeden Arbeiters, sich der sozialdemokratischen Partei anzuschließen, waS denn auch während der Pause zahlreich geschah. Nach der Pause ergriff Sauren wieder das Wort, crmahnte die Arbeiter' zur Ver- einigung und zu festem Zusammenhalten, wies auf die sächsischen Arbeiter hin, welche durch die Wiederwahl Bebels bewiesen hätten, daß Einigkeit nur zum Siege führen könne. Ja, sagte Redner, Ehre und Achtung jenen sächsischen Arbeitern, welche bewiesen haben, daß sie Männer sind, denn sie haben ihren ManneSmuth klar an den Tag gelegt, sie haben gezeigt, daß nur durch cinheit- licheS Handeln Großes erzielt werden kann. Gedenken wir aber auch, fuhr Redner fort, jenen Ehrenmännern, welche in Hubertus- bürg schmachten, und ihrer Freiheit, des Edelsten, was der Mensch besitzt, beraubt sind, beraubt sind wegen deS mannhaften EinstehenS für die Menschenrechte. Arbeiter, wir sind verpflichtet, durch eini- ges Wirken, einige« Handeln jenen Männern einen Ersatz zu bieten für das LooS, daS sie erdulden. Und so wollen wir denn heute wie immer Eins sein in dem Rufe: Hoch leben unsere Hubertusburger Gefangenen, hoch Bebel und Liebknecht. Nicht endenwollende Hochs erschallten durch den dichtgesüllten Saal. Der Vorsitzende, welcher den Redner Sauren während seiner Rede verfchicdene Male zur Mäßigung aufgefordert, wodurch die Anwe- senden in eine unwillige Stimmung geriethen, schloß jetzt die Versammlung. Mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag an alle Partei- genossen Jansen, Schriftführer. Kamöurg.(Die Vereine der Bourgeoisie.) Der„Verein für Volksbildung" hat bekanntlich sein Netz über ganz Deutschland ausgebreitet� um der großen Masse die Bildung zu geben, die er für die richtige hält. Wenn die Erfolge obigen Vereins aber überall dieselben sind wie hier, dann wird man ihn bald zu Grabe tragen können. Im Herbst v. I. hielt Dr. Emden im Auftrage des hiesigen„Verein« für Volksbildung" einen volkSwirthschaft- lichen Vortrag in der Aula des Johanneums. Diesem sind bis jetzt sechs andere gefolgt. Bei dem ersten Vortrage war der Saal, der circa 400 Personen faßt, gedrängt voll. Schreiber diese« war, wie alle Sozialdemokraten, die da waren, hingegangen, um selbst zu hören, wie diese„Volksbildner" ihre Themata behandeln wurde». Da wir hier uiicht den Vortrag, dem die Strikes zu Grunde lagen, ausfuhrlich kritisiren, sondern nur unsere Meinung über die Tendenz des oben erwähnten Vereins abgeben wollen, so können wir dieselbe kurz zusammenfassen, wenn wir uns der Ansicht eines Freundes anschließe», der während des Vortrages sich zu der Aeußeeung veranlaßt sah:„Siehst Du den Sozialisten auf dem Katheder?" Wir hatten, wie wohl alle anwesenden Parteigenollen, an der einen Auseinandersetzung genug. Die hiesigen Blätter berichteten über jeden späteren Vortrag, den der Dr. Emden hielt. In den betreffenden Referaten hieß es aber, mit Ausnahme der beiden ersten, immer: die Versammlung war schwach besucht. Um uns selbst einmal zu Überzeugen, wer und wie viel Personen sich nach den sechs Vorträgen nun noch zu dem siebenten hingezogen fühlten, gingen wir am Montag den 27. Febr. wiederum zu der Versammlung hin. Wir wußten jedoch nicht, worüber wir uns am meisten wundern sollten, ob darüber, daß keine Leute anwe- send waren, die sich bilden lassen wollten, oder darüber, daß Dr. Emden, um mit dem hier gebräuchlichen Ausdrucke zu reden, noch das Gewehr nicht in den Graben geworfen habe. Denn wir möchten fast sagen, wir sahen unter den 70— 80 Personen, die anwesend waren, auch nicht einen aus der sogenannten„großen Masse". Die Mitglieder deS obengenannten Vereins waren die Hauptpersonen, dann waren noch einige Doctoreu und Lehrer da, um sich„bilden" zu lassen. Was können wir, was kann überhaupt Jeder aus dieser Fern- bleibung des Arbeiters von diesen Vorträgen lernen? Es geht hieraus entschieden hervor, daß die Arbeiter, die begriffen haben, daß sie die Enterbten, die Sclaven sind, von diesem„Bildner treter nicht mehr mit einer sich schon längst überlebten Institution zeitraubend zu befassen brauchen. Mit sozialdemokratischem Gruß Julius Scheil. Deutz, 10. März. Einen wohl nicht seltenen Fall socialen Elends, nur daß dergleichen Fälle wohl zu wenig in die Oeffent- lichkeit kommen, hatte ich vor etlichen Wochen Gelegenheit, in un- serem Nachbarorte Kalk zu erfahren. In der Hermannstraße 16 in.Kalk wohnt eine Frau Th. mit 3 kleinen Kindern, deren Mann vor einigen Jahren in eine Irrenanstalt aufgenommen werden mußte. Die Frau suchte durch Waschen und Putzen ihren wie den Unterhalt ihrer damals 2 Kinder zu erwerben. Dieses mag ihr wohl schwer gefallen sein, sie schaffte sich einen Kost- gänger an und hat von diesem das 3te Kind. Derselbe verließ sie jedoch später. Vor etwa 9 Wochen erkrankte die Frau und übernahmen die gleichfalls sehr dürftigen Nachbarn ihre wie ihrer Kinder Pflege; wandten sich jedoch gleichzeitig an die Armen- Verwaltung wie an den Armenarzt. Die Erftere bewilligte der Frau nebst 3 Kindern(also für 4 Personen) pr. Woche 7'/- Sgr. und 1 Schwarzbrod. Der Letztere erschien einmal und kam nicht wieder. Der zweite dort ansässige Arzt erklärte als er gerufen wurde, die Behandlung der kranken Frau sei nicht seine Sache. Die dort in einem Klösterchen sich befindenden barmherzigen Schwestern erschienen einige Male, brachten einige Brödchen und Schnittchen Brod, sonst aber soviel Flüche des Hnnmels mit, daß die arme Frau fast regelmäßig bei deren Erscheinen in Krämpfe verfiel. Das Stöhnen und Gewinsel der Kranken, namentlich bei Nachtzeit, veranlaßte die Nachbarn, einen Thaler zusammenzulegen und einen Kölner Hospitalarzt kommen zu lassen. Derselbe er- klärte, daß die Frau an Gelenkentzündung leide und deren Auf- nähme im Kölner Hospital behufs nothwendiger Operation drin- nichts erwarteten. Daß dieses sich so verhält, sieht man auch � gend erforderlich sei. Daö von den'Nachbarn dem Bürgermeister deutlich aus dem großen Anhang, den die Sozialdemokratie hier überreichte ärztliche Attest hatte jedoch keinen Erfolg, da nur der hat. Wenn auch der Allg. d. Arb.-V. hier in der Majorität ist, so ist die Kluft zwischen uns und ihm doch nicht in der Größe vorhanden wie früher, und so lange währt's hier sicher nicht mehr, wie es gedauert hat, bis wir vereint unsere gemeinsamen Feinde bekämpfen. Einem andern Verein, der hier voriges Jahr entstanden ist, möchten wir wünschen, daß er von den Arbeitern dieselbe Beach- tung erführe wie der erftere. Der Verein„Klapperkasten" trat vor einigen Wochen mit- der großen Idee hervor, in Hamburg einen Maskenzug in Scene zu setzen. Man muß wirklich staunen, daß trotz all dem Elend, das hier wie überall unter der großen Masse der Arbeiter herrscht, Leute da sind, die solche Narretei öffentlich aufführest wollen. Die Rheinländer und Süddeutschen sind mit ihrem Fasching aufgewachsen, und es wird deshalb wohl mancher Arbeiter sich daran betheiligen; aber um derartiges Zeug irgendwo einzuführen, da mußte unter allen Umständen der'Roth- stand nicht, wie es hier ist, ein großer sein, sondern er mußte zuvor auf ein Minimum beschränkt werden. Aber es wird ja auf alle Art und Weise versucht, das Volk ins Schlepptau zu bekommen. Wären wir doch endlich so weit, daß uns alles Derartige kalt wie Stein ließe. Zum Schluß noch etwas über die Intelligenz des so sehr oft gelobten Hamburger Gewerbestandes. Der Vorstand des �uchdruckervereins berief un Januar eine Versammlung der Buch- and Steindrucker, Papp- und Galanteriearbeiter, Papierhändler-c. Zweck der Versammlung war, daß diese Gruppe selbstständiger Gewerbetreibender einen Kandidaten zu der neu errichteten Ge- Werbekammer aufstellen sollte». Und von allen Stimmberechtigten, 3000 an der Zahl, waren so wenig erschienen, daß die Versamm- lung vertagt werden mußte. Ein besseres Armuthszeugniß kann sich der Kleingewerbestand nicht ausstellen. IL Flremcrhaven, 9. März. Nach vorläufigem Abschluß meiner Agitatiousreife von Süddeutschland nach dem Norden halte ich es dortige Armenarzt befugt sei, ein solches Attest auszustellen. Gleichzeitig mit dem Herbeirufen des Kölner Arztes hatte man auch den Kalker katholischen Pfarrer von der Lage der Frau be- nachrichtigt. Derselbe erschien und erklärte am Nachmittage des- selben Tages der Frau die Beichte und am andern Tage die hei- lige Communion zu ertheilen. Ein im Hause wohnender Mann benutzte die Gelegenheit, als der Geistliche die Beichte der Frau gehört hatte, demselben beim Verlassen des Hauses die Bitte vor- zutragen, neben den Spenden der heiligen Sacramente doch auch etwas an leiblichen Spenden zu thun, da er, wie die andern Leute der Nachbarschaft, selbst arm sei und ihnen die Erhaltung der 4 Personen zu schwer falle. Da ihm von dem Gerstlrchen kein Bescheid wurde, sagte er der Frau, sie möchte doch am an- dern Morgen, nach Empfang der heiligen Communion, den Geist- lichen selbst um etwas leibliche Stärkung angehen, Die Frau that dieö und nicht umsonst. Der Herr Geistliche wnsch sich nach der heiligen Handlung die Hände und gab zur Stärkung der Kranken— das Waschwasser zu trinken. Sodann entfernte er sich und hat bis jetzt auch nicht das Geringste für die Armen ge- than.— Was Helsen uns, so fragen wir, Armenverwaltungen, wenn der Arme verhungert? Armenärzte, wenn der Kranke ver- kommt? Was barmherzige Schwestern und christliche Seelsorger? Schaffen wir das Elend ab und wir brauchen keine Armenvcr- waltungen, keine Armenärzte mehr. Die arme Frau gebar aber ein sogen,„uneheliches" Kmd! Haben deshalb die Privilegirten der heutigen Gesellschaft ein'Recht, Andere zu steinigen, wenn sie selber des Steinigens wcrth sind? Gicbt es nicht einen Pater Gabriel, nicht einen Fürsten Pückler:c. ic. K.?— Und wann wird das Volk zur Vernunft kommen? Essen, 1. März. Die am 16. v. M. hier in Essen statt- gehabte öffentliche Mitglieder-Versammlung des Allgem. Deutschen Arbeitervereins war um deswillen interessant, weil der Socialist Aeußerung fiel in einem Verein, wo nur durch Mitglieder. eingeführte Gäste zugegen waren, eine gegnerische Antwort �' also unmöglich war; sie fiel gegen einen Mann, der jetzt hinter- Schloß und Riegel sitzt und sich nicht vertheidigen kann. Das istf schon an und für sich eine Gemeinheit. Aber Dr. Max Hirsch kennt j£n Bebel von früher genau, er weiß, daß, waS er über Bebel gesagt,? ' eine Lüge ist, und so erklären wir denn hiermit den Dr. Max sir i Hirsch in Berlin für einen elenden Verleumder. Wir fordern! unsere Parteigenossen auf, wo sie dieses Ehrabschneiders in einer px; Versammlung habhaft werden können, ihn öffentlich zur Rede zul,� i stellen und ihn als ehrlosen Verleumder zu brandmarken. L" München, 11. März. So hätten denn»un wirklich die Mit-�j glieder des Deutschen Buchdrucker-(Prinzipal)-Vereius den Beschluß, s betr. Aussperrung der dem Verbände angehörenden Gehilfen in vielen Druckorten Deutschlands, zur Ausführung gebracht! Dankj� dem eiftigen„uneigennützigen" Bemühen einiger„Herren", welche!)� in dem„ihnen aufgedrungenen Kampf bis auf's Messer" gegen? die Arbeiter keinen Parteistandpunkt kennen, haben bei uns hier 5p in München auch Prinzipale gekündigt, welche dem obgeiiauuten[\] Verein gar nicht angehören. Was diese Herren wohl damit be- zwecken wollen? Etwa uns zum Verhungern oder zur knechtischen!� Unterwerfung bringen? Da haben sie weit gefehlt! Sie wollen sich doch nicht etwa vermessen, unsere anerkannt feste Organisation zu sprengen? Kennen die Herren die Devise nicht:„Leben und leben lassen?" Ihr Verein soll von uns als zu Recht bestehend.. anerkannt werden und unfern Verband wollen sie sprengen! I Welche Logik! Die Aufforderung, aus dem Verband zu treten, f � wurde.natürlich von allen davon Betroffenen energisch zurück- on gewiesen; an räudigen Schafen fehlte es allerdings auch nickst;L diese empfehlen wir den Herren zur gefälligen weiteren Aus- l ; guetschung. Mit Genugthuung kann jedoch vermeldet werden, daß! � sogar einige Nichtverbäudlcr diesen Angriff auf die persönliche tw � Freiheit als auf sich beziehend betrachtet haben und es unter ihrer Würde hielten, unter diesen Umständen fortzuarbeiten. Die Zahl' j der event. Auszusperrenden beträgt in IS Offizinen zusammen � 153 Mann. Es ist wohl selbstoerständlich, daß dcese sodann auch Ex gehörig unterstützt werden müssen; jedoch werden wir wohl in. s Anbetracht der großen Zahl der in ganz Deutschland Betroffenen, auf die Hülfe anderer Arbeiter angewiesen sein. Bis jetzt sinbr" wir stets in der Lage gewesen, unsere Angelegenheiten selbst aus-?— zufechten und unsere College» in allen Gefahren zu unterstützen,! in dem Augenblcck aber, in dem die Existenz unserer Vereinigung auf dem Spiel steht, müssen wir die Öpferwilligkeit der Arbeiter cz womöglich ganz Deutschlands in Anspruch nehmen. Briefe, Unter- � stützungsgelder k. wolle man adressiren: E. Rottmanner, Schrift- L, setzer, Kletzeugarten, Fürstenstraße, München. sz Zum Schluß wollen wir noch mittheilen, daß der Münchener i xz Buchdrucker-Lokalverein Sonntag den 16. Mär; eine musikalischeste Unterhaltung abhält, zu der die Mitglieder der sozialdemokratischen Arbeiterpartei sowie sämmtlicher Fachvereine eingeladen worden siesind. Der Ertrag ist zum Besten der Unterstützung unserer Eol-U, legen. für eine unabweisbare Pfiicht, die Erfahrungen, welche, ich aus der Raspe, der sich wahrscheinlich der ewigen Zänkereien wegen seit langen Reise gemacht, zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, alle Jahr und Tag nicht mehr eingefunden hatte, plötzlich erschienen diejenigen Parteigenossen, welche in gleicher Weise agitatorisch thätig war. Der augenblickliche Sprecher, ein Hr. Wirtz, bemerkte dessen sind, auffordernd, ein Gleiches zu thun. Daß unsere, die sozial- Anwesenheit und konnte es nach eigenem öffentlichen Geständniß demokratische Partei>n letzterer Zeit durch die lebhafte Azi- nicht über's Herz bringen, am Schlüsse seines ohnehin unrichtigen tation, welche entfaltet wurde, bedeutend an Umfang zugenommen Vortrages die Eisenacher Fraction zu packen. Und nun höre man hat, wird Jedem, welcher sich für dieselbe interessirt, bemerkbar ge-! und staune, was dieser Herr vortrug: Die Eisenacher ehrliche worden sein. Dem ungeachtet, und das wird jedem Eingeweihten Fraction sei einmal vom Prinzip abgewichen, bestände aus bürger- schon klar geworden sein, müßte die Partei, namentlich bei gewissen- lichen Demokraten, mit denen er nie mehr in Freundschaft treten hafter lokaler Agitation, noch einmal so stark dastehen, als es jetzt könne, sie seien des Anspuckens nicht werth und müßten ausge- der Fall ist. Statt selbst kräftig die Hand an's Werk zu legen, rottet und abgeschlachtet werden wie Kaninchen. Hieran hofft und verläßt man sich viel zu sehr auf ftemde Hilfe. Ueberau knüpften sich nun die widerlichsten, von der größten Unkenntniß, verlangt man Agitatoren, und wenn ein solcher einmal an einem der gröbsten Bornirtheit zeugenden Angriffe, thells auf die Per- Orte erscheint, so verlangt man, daß er sich dort auch gleich für son Raspe'S, theils auf andere Persönlichkeiten. AlleS dies war I.A.: Rudolph Böhm, II. Schriftführer ip£ des Altbayerischen Gauverbands.(rie Wurzburg. Sonntag den 9. März fand hier eine Volks- Versammlung statt, wozu der Herr E. Grillenberger aussisix ! Nürnberg als Referent anwesend war. Derselbe sprach über diesig Sozialdemokratie und ihre Bestrebungen und Ziele, sodann überij� die indirekten und direkten Steuern, und zum Schluß besonders st über die enorme Tabakssteuer, worauf der Vorsitzende Weckesscr;$ der Versammlung eine Resolution vorlegte, welche einstimmig von e» der gut besuchten Versammlung angenommen wurde. Die gedachte e Resolution lautet: Die heutige Volksversammlung protcstirt aufS. al Entschiedenste gegen die projektirte Erhöhung der Tabakssteuer,»( weil sie den materiellen Ruin und die Korruption des Volkes f y befördert, und beauftragt das Bureau, diesen Beschluß durch den» i Reichstagsabgeordneten Hrn. Bebel dem Reichstage zur Kenntniß ikcj zu bringen. Zum Schluß forderte der Vorsitzende die Anwesenden � aus, sich in die. Mitgliederliste der sozialdemokratischen Arbeiter-! partes einzeichnen zu wollen, welcher Aufforderung 30 Mann nach- j kamen. Es besteht von nun an wieder eine Parteimitgliedschaft! in Würzburgs Mauern. Mit sozialdemokratischem Gruß ige b » As' e» d die Dauer niederlassen möge. Anderntheils erscheint es den In- teressen der Gesammtpartei gegenüber als ein Fehler, wenn in manchen Orten, wo dies die lokalen Verhältnisse gar nicht einmal erfordern, die Mitglieder durch Lokalvereine(sozialdemokratische natürlich für Raspe und wenige seiner zufällig anwesenden Freunde das; Signal zum Eingreifen in diese gehässige Debatte. Raspe erhielt das Wort, und wie bekannt, versteht es derselbe, Rede und Antwort zu stehxu, wenn es sich um innere VereinSangelegenheiteu Arbeitervereine) sich in eine isolirte Stellung bringen. An vielen sowohl als um die ächten Prinzipien handelt. An der Hand ge- Orte» habe ich die Bemerkung gemacht, daß durch solche Jnsiitu- nauer Aufzeichnung und unter Angabe bestimmter Beweise wurden tionen sich ein partikularistischer Geist unter den Mitgliedern solcher alle Gehäffigkeiten mit derben aber parlamentarischen Ausdrücken Lokalvereinchen he> angebildet hatte. Die guten Leute glauben oft, in's rechte Licht gestellt, so daß schließlich die Herren es für gut es sei gar nicht»öthig, sich um die Mitglieder des Nachbarortes fanden, sich zu entschuldigen, indem sie vorgaben, sie hätten ja zu bekümmern. Sie kommen freilich regelmäßig zusammen, halten nur Antworten abwarten wollen. RaSpe betoute bei allerem die ihre Sitzungen ab, führen auch wohl ein Protokoll, aber einmal Nothwendigkeit der ftiedlichen und einigen Agitation beider�Frac- in bestimmten Zwischenräumen einen Bericht zu schreiben für das tionen und wies auf die kommende Wahl. Es wurden zum«chluß Parteiorgan, damit auch die übrigen Parteigenossen erfahren, wie der Versammlung mehrere Resolutionen eingereicht, davon eine. eö bei ihnen aussieht, dazu scheint Niemand Zeit zu haben. Eine von RaSpe, welche wörtlich also lautet:„Die Versammlung be- j komische Zwiltergestalt nehmen aber erst solche Plätze an, wo die schließt, daß ein einheitliches friedfertiges Zusammengehen bei der Partelgenosieu sich zwei Lager geschaffen haben. Es gicbt verschie-! kommenden Wahl, zwischen dem Allgem. � eutschen Arbeiterverein S iv+i> Vt\ rt Kam» O f J"....... oC.____£. i.vt I ändert />*•;;Cv,a /♦<•».. I W. 5 z dene Orse, wo neben dem Lokalvereinchen. auch nock eine Partei- Mitgliedschaft besteht, und wo die Sozialdemokraten, wie es jeder nach seinem eignen Befinden für gut hält, entweder nur der Partei- yiitglietschaft oder dem Lotalverein beitreten, oder aber auch Mitglied beider Körperschaften werden. Natürlich müssen Beide besonders tagen. Wenn sich aber einmal Jemand einfallen lassen sollte, solche Vereinsspielereien, wie oft es mit Recht geschieht, zu tadeln, und ein solches unlogisches Verfahren in das rechte Licht zu stellen, so hat er gewiß in ein Wespennest gestochen. Man sucht ihm zu be- weisen, daß dies zur breiten demokratischen Grundlage unbedingt und der Eisenacher Fraction nicht ausgeschlossen sein soll." Diese Resolution sollte unter allen Umständen hintertrieben werden. Zu- nächst hieß eS, Raspe könne gar keine Resolution in einer ösfent- licken Mitglieder Versammlung einbringen: alsdann dürften sie'-gar nicht abstimmen lassen, denn' das müßte Raspe doch wisse», daß erst das Präsidium befragt werden müsse. Raspe verwies und be-� wies den Versammelten, daß da� selbstständige Sache eines jeden vernünftigen Socialdemvkraten sei. Die fragliche Resolution wurde verlesen, aber gelangte durch Beschluß nicht zur Abstimmung. Wir wissen jetzt, woran wir sind. Die dargebotene Bruderhand erforderlich sei, und obendrein behauptet man noch wohl gar, der i ist zurückgewiesen und somit werden wir auf allen Gebieten der Central. sation der Partei vollständig Rechnrmg zu tragen.— � Socialdemokratie ohne Weiteres unserer selbstständigen aber gründ- „Niemand kann zwei Herren dienen." Thatsache ist, daß in den- lichen Agitation nachgehen. jenigen Orten, wo nur Parteimitgliedschaften bestehen, die Agi- Berkin. Nach einem Bericht der„Demokr. Zeitung" hielt tation sich besser und weiter verbreiten kann, als dort, wo nur � Dr. Max Hirsch Freitag den 28. Februar im Berliner„Arbeiter- Lokalvere.ue sind. Ein ganz anderer Geist der Solidarität und Verein" einen Vortrag über das Thema„Ein Verspreche» Organisation herrscht dort; die- Parteimitgliederversammlungen des preußischen Handelsipinisters und die StaatSwerkstätten." tragen mehr den Charakter von Volksversammlungen und die In der hierauf sich entspinnenden Debatte sagte ein Redner: Prinzipien finden auf diese Weise eher den Weg in die Massen„Schulze-Delitzsch ist der einzige Arbeileroertreter im Reichstag." des Volkes, als durch die Agitation der Lokalvereine. Mögen Dr. Max Hirsch trat dann auf und erklärte: Bebel sei auch ein diese wenigen Bemerkungen unter den Parteigenossen Veranlassung Arbeiterrertrcter, aber er vertrete noch etwas Anderes. Einer der geben, überall diese Frage reiflich zu envägcn, mögen sie dazu bei- Anwesenden rief:„was?"; worauf der Dr. Max Hirsch antwor- tragen, daß die Partei sobald wie möglich von solchem überflüssigen tete:„Bebel sei gegen unser deutsches Vaterland, er stehe mit Zopfthum befreit werde, damit auf dem nächsten Kongreß die Ver- Welfenthum und Ultramontanen in Verbindung." Diese Weckesser. Rottmanu. Ohlhaut. Wegensburg, 8. März. Von hier kann ich die erfreuliche Mittheilung machen, daß die Partei immer kräftiger sich entfaltet. 'Nachdem wir vor sechs Wochen eine Volksversammlung in dem Dorfe Rainhausen abgehalten und dort eine Mitglievschaft gegründet hatten, benutzten wir die Anwesenheit'Ijorck'S in Sllvdeutfch- land und beriefen in unserer Schwefterstadt Stadtamhof für den � 10. Februar eine Volksversammlung. Dieselbe war von reichlich 600 Personen besucht. Äsorck sprach in eindringlichster Weise über p die Prinzipien der Sozialdemokratie und hat mit seinen: zweistün- sst digen Vortrag alle gegen uns gemachten Augriffe entschieden wider- stll legt und der Partei neue Mitglieder zugeführt. Am Montag, den i' 3. März, war Memminger von Nürnberg hier,, auch er sprach A in demselben Lokale und war der große Saal überfüllt. Aus der Tagesordnung stand„Das heutige Ausbeutungssystem in Staat und Gesellschaft". Die Ausführungen des Redners fanden un- getheilten, oft stürinischeu Beifall. Schließlich wurde eine Reso- lution angenommen, in der gegen die Tabakssteuer energisch pro- testirt wird. Diese Resolution soll an unseren derzeitigen, einzigen r t Volksvertreter Bebel übermittelt werden, damit er sie dem Reicks tage unterbreite. Die Versammlung wurde unter Hochs auf die ß* Sozialdemokratie und Absingung des Liedes„Arbeitend leben oder ftu kämpfend den Tod" geschlossen, und hat auch sie der Partei ver- schiedene Mitglieder zugeführt. Wird ein Jahr in der jetzigen st Weise gearbeitet, so werden die Herren vom liberalen und Gewerk- ler verein unmöglich gemacht sein. Da ich gerade vom„Gewerkvereiu" rst rede, so will ich jenem„Herrn", welcher sich jüngst erlaubte, mit fstn Grillenberger und mir anzubinden, nur erwidern, daß es nicht meine Schuld ist, wenn er ein eng zusammengedrängtes Referat nicht lesen, oder sein Correspondent einen gehaltenen Vortrag nicht verstehen kann; er hat eben nur bewiesen, daß Bildung noch lange nicht seine größte Tugend ist. Wir halten hier alle 8 Tage Parteiversammlung und mindestens alle 3 Wochen eine Volksversammlung ab. Außerdem hat jede Ge- werkschastsmitgliedschaft all» 8 Tage Versammlung, und zwar in � unserem Lokale, goldene Sonne beim Brückthor, auf das wir allen- falls zureisende Parteigenossen aufmerksam machen. Mit sozialdemokratischem Gruß »ii ib >re elt r» �zi te 'tn tibi »ni C. F. Rick. Megenskurg. Zuzug von Schuhmachern ist fernzuhalten. Be- st? I Im M T„4.>4 i w-t» v 1 a richt in nächster Nummer. °u, »r »w Lei vng: Berantw. Redakteur R. Seifsert.(Redaktion und Expedition Hoqestr. 4). Druck und Verlag der«Äenoffeuschaltsbuchdruckerci. . � »»» tb, iii9