Erscheint wöchentlich 2 Mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle ?ostanstalten und Buchhand- langen de« In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Be- stellnngen an: die Expedition, Hohestraße 4. die Genossenschaft«- iuchdruckerei, Zeitzerstraße 44. ll. Bebel, Petcrstraße 18. 3. Müller, Baperschestraße 8b, III. Der VollisKaat >vonnententspre«s: Für Preußen incl. Stempel- steuer 17 Sgr., sür die übrigen Deutschen Staaten 12'/z Sgr. pro Quartal, pro Monat 4>/2 Sgr. Für Leipzig und Umgegend pro Quartal 13 Ngr. Filialexpeditionen für die Ver- einigten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken, N. J. via Newyork. G. A. Lönnecker, 155 W. Lake Chicago(III.) d 3 H OrgandersozialdemokratischenArbetterMrteiundderinternationalenGeverksgenossenschaften. Nr. 29. Mittwoch, 9. April. 1873. Programm der jozialdemokraiischen Urbeiierpartei. I. Die sozial-demokratische Arbeiterpartei erstrebt die Errichtung des freien Volksstaats. It. Jedes Mitglied der sozial-demokratischeil Arbeiterpartei verpflichtet sich, mit ganzer Kraft einzutreten für folgende Grundsätze: 1) Die heutigen politischen und sozialen Zustände sind im höchsten Grade ungerecht und daher mit der größten Energie zu bekämpfen. 2) Der Kampf für die Befreiung der arbeitenden Klassen ist nicht ein Kampf für Klassenprivilegien und Vorrechte, sondern sür gleiche Rechte und gleiche Pflichten und fiir die Ab- L schafsung aller Klassenherrschaft. 3) Die ökonomische Abhängigkeit des Arbeiters von dem Kapi- talisten bildet die Grundlage der Knechlschaft in jeder Form, und eö erstrebt deshalb die sozial-demokratische Partei unter Abschaffung der jetzigen Produktionsweise(Lohnstistem) . durch genossenschaftliche Arbeit den vollen Arbeits- ertrag für jeden Arbeiter. 4) Die politische Freiheit ist die unentbehrliche Borbedingung zur ökonomischen Befreiung der arbeitenden Klassen. Die so- ziale Frage ist mithin untrennbar von der politischen, ihre Lösung durch diese bedingt und nur möglich im demokra- tischen Staat. 5) In Erwägung, daß die volitische und ökonomische Befreiung der Arbeiterklasse nur möglich ist, wenn diese gemeiusam nnv einheitlich den Kampf führt, gibt sich die sozial-demokratische Arbeiterpartei eine einheitliche Organisation, welche es aber auch jedem Einzelnen ermöglicht, seinen Einfluß sür das Wohl der Gcsammtheit geltend zu machen. 6) In Erwägung, daß die Befreiung der Arbeit weder eine lokale noch nationale, sondern eine soziale Ausgabe ist, welche alle Länder, in denen es moderne Gesellschaft gibt, umfaßt, betrachtet sich die sozial-dcmokratiscbe Arbeiterpartei, soweit eS die Vereins- gesctze gestatten, als Zweig der Internationalen Arbeiter- assoziativ«, sich deren Bestrebungen anschließend. III. Als die nächsten Forderungen in der Agitation der sozial- demokratischen Arbeiterpartei sind geltend zu machen: 1) Ertheilung des allgemeinen gleichen direkten und geheimen Wahl- rechts an alle Männer vom 20. Lebensjahre an, zur Wahl für das Parlament, die Landtage der Einzelstaaten, die Provinzial- und Gemeindevertretungen, wie alle übrigen VertrctungSkörper. Den gewählten Vertreter» sind genügende Diäten zu gewähren. 2) Einführung der direkten Gesetzgebung(d. h. Vorschlags- und BerwerfungSrecht) durch das Volk. 3) Aufhebung aller Vorrechte des Standes, des Besitzes, der Ge- burt und der Konfession. 4) Errichtung der Volkswehr an Stelle der stehenden Heere. 6) Trennung der Kirche vom Staat, und Trennung der Schule von der Kirche. K) Obligatorischer Unterricht in Volksschulen und unentgeltlicher Unterricht in allen öffentlichen Bildungsanstalten. 7) Unabhängigkeit der Gerichte, Einführung der Geschwornen- und Fachgewerbegerichte, Einführung des öffentlichen und mündlichen Gerichtsverfahrens und unentgeltliche Rechtspflege. 8) Abschaffung aller Preß-, Vereins- und Koalitionsgesctze; Ein- führung des Normalarbeitstages; Einschränkung der Frauen- und Verbot der Kinderarbeit. Beseitigung der durch die Zucht- und Arbeitshaus den freien Arbeitern geschaffenen Konkurrenz. 9) Abschaffung aller indirekten Steuern und Einführung einer einzigen direkten progressiven Einkommensteuer und ErbschaftS- steuer. 10) Staatliche Förderung des Genossenschaftswesens und Staats- kredit für freie Produktivgenossenschaftcn unter demokratischen Garantien. Die Lehren der Arbeitseinstellung in Tüdwales. Im Laufe der vorigen Woche gelangte, wie bereits mitgetheilt j wurde, die Arbeitseinstellung i» Südwales durch einen„Kompro- miß" zum vorläufigen Abschluß. Dieser Eonflikt zwischen Arbeit ■ und Kapital ist nicht blas in Bezug auf die Zahl der Betheiligten ■— die Geschichte der Arbeiterbewegung kennt keinen organisirtcn i Strikc von ähnlicher Ausdehnung—, sondern auch in Bezug auf die Art der Kampfführung von beiden Seiten so interessant und lehrreich, daß eine kurze Zusammenfassung der Hauptmomente des �Verlaufs wohl am Platze erscheint. Im September des vorigen Jahres forderten die Kohlengräber von Südwalcs eine Lohnerhöhung von 10 Prozent, welche sie damit begründeten, daß der verlangte Lohn dem in England seit längerer Zeit gezahlten gleich sei, und daß die Grubenbesitzer von SlldwaleS, die für ihre Kohlen denselben Preis empfingen wie die Englischen Grubenbesitzer, auch denselben Lohn bezahlen könnten wie diese. Die Grubenbesitzer gaben eine schroff ablehnende Ant- wort und drohten einen allgemeinen Lockout an, wenn die Arbeiter nicht von ihrer Forderung abstünden. Die Arbeiter wollten die Dinge nicht zum Aeußersten treiben, und zogen ihre Forderung Zurück. Mittlerweile trat in den künstlich emporgetriebcnen Kohlen- preisen ein kleiner Fall ein, und die Grubenbesitzer ergriffen nun ihrerseits die Offensive, indem sie eine Lohnverminderung von 10 Prozent für Beginn des Jahres 1873 ankündigten, mit dem Bedeuten, daß, sollten die„Hände" sich sträuben, sämmtliche Werke geschlossen würden. Die Arbeiter wiesen die Lohnreduktion zurück, Und am 1. Januar dieses Jahres wurden, der Drohung gemäß, sämmtliche Werke in Südwales geschlossen und eine Viertelmillion Menschen brodloö gemacht. Aus einer Confcrenz von Arbeitern Und Arbeitgebern zu Cardiff erklärten erstere sich für ein Schieds- gericht; dasselbe wurde jedoch von den Arbeitgebern verwo-rfen, die— um dj� angebliche Nothwendigkeit der Lohnherabsctzung zu beweisen— zich blos dazu verstehen wollten, den Arbeitern ihre Geschäftsbücher vorzulegen,— ein Vorschlag, den die Hrn. Arbeit- geber jedoch schleunig zurücknahmen, als die Arbeiter antworteten, sie nähmen ihn an, unter der Bedingung, daß die Bücher von Sach- verständigen geprüft würden, denen man nicht ein£ für ein U vormachen könne. Die Verhandlungen zerschlugen sich. Mehrere Versuche, eine schiedsrichterliche Lösung herbeizuführen, scheiterten an der Hartnäckigkeit der Arbeitgeber, welche die Arbeiter durch Hunger zu bändigen hofften. Die menschenfreundliche Hoffnung erfüllte sich indeß nicht; die trefflich organisirten Kohlenarbeitev hielten mit unerschütterlichem Muth aus, und auch die Masse der Eisenarbeiter, denen es an einer festen Dralles Union fehlte, blieb treu bei der Fahne. Gegen Ende Februar schloß einer der grö- ßeren Grubenbesitzer, Hr. Brohden, einen Vergleich mit seinen Arbeitern, dessen Einzelheiten seiner Zeit im„Volksstaat"(Nr. 13) mitgetheilt wurden. Die übrigen Grubenbesitzer verharrten jedoch bei ihrer Forderung, daß die Arbeiter sich unbedingt unterwerfen müßten. Die Arbeiter unterwarfen sich jedoch nicht; einige Wenige krochen zu Kreuze,— die große Masse blieb fest. Woche um Woche verging. Die Arbeiter wurden nicht mürbe. Trotz der reichlich fließenden Unterstützungen hatte die Mehrzahl, die keine regelmäßigen Zuschüsse aus einer Gewerkskasse empfing, schwere Entbehrungen zu erdulden. Nichts vermochte die Standhaftigkeit zu brechen. Die Arbeiter hungerten, aber„ergaben sich nicht." Inzwischen gingen die Kohlenvorräthe der Grubenbesitzer auf die Neige, die Arbeiter singen an, in die benachbarten Englischen Ort- schaften auszuwandern— eS war Zeit für die Hrn. Arbeitgeber, daß die Werke wieder in Betrieb kamen— sonst waren schwere Verluste zu erwarten, die Vortheile, welche die Arbeitseinstellung bisher in der Gestalt enorm gesteigerter Kohlenpreise gebracht hatte, gingen verloren, und dem ganzen„Geschäft" drohte der Untergang. Es galt also, mildere Saiten aufzuziehen. Mitte März wurden die 4 Wochen vorher für unannehmbar erklärten Bedingungen deS Broyden'schen Compromisses den Arbeitern von den Grubenbesitzern angeboten, und, nach Berathung mit den Vertretern des Gewerkvereins der Kohlengräber, kam sehr bald ein Vergleich zu Stande. Und zwar gaben die Grubenbesitzer that- sächlich in dem Punkte nach, der die Arbeitseinstellung ver- anlaßt hatte. Ein paar(5) Tage lang wird allerdings der um 10 Prozent reduzirte Lohn gezahlt, diese paar Tage reichen aber gerade knapp aus, die Werke wieder in Stand zu setzen, so daß, wenn die eigentliche Arbeit wieder beginnt, der alte, nicht reduzirte Lohn gezahlt wird, zu welchem die Arbeiter stets bereit waren, zu arbeiten, den fortzuzahlen aber die Herren Gruben- besitzer über 2'/- Monate lang für eine ökonomische Unmöglichkeit erklärt hatten. Die Arbeiter sind unter solchen Umständen berech- tigt, den Sieg sich zuzuschreiben.— � Dies in kurzen Zügen die Geschichte der denkwürdigen Arbeits- einstellung von�Südwales. Nun zu den Lehren: jM Erste Lehre: Das Kapital verfolgt ausschließlich und rücksichts- los seine eigenen Interessen; und wenn eS glaubt, etwas „perdienen" zu können, so stößt es die Arbeiter erbarmungslos ins Elend. Die welschen Grubenbesitzer hatten kolossale Kohlen- vorräthe: es war ihr Interesse, daß dieselben entweder nicht vermehrt würden oder mit einer Reduktion des Arbeitslohns, welche den bei fortgesetzter Vermehrung der Kohlenvorräthe zu erwartenden Fall im Preise der Kohlen zum Mindesten decken würde— sie stellten den Arbeitern die Alternative: Entweder reduzirter Lohn oder Aussperrung! und machten, Tda die Arbeiter sich nicht fügten, im Handumdrehen eine ' Viertelmillion Menschen brodlos.( Zweite Lehre: Es gibt keinen gütlichen Vergleich zwischen 5ka- pital und Arbeit. Sind auch die Arbeiter, als der unter- drückte Theil, sür eine gerechte schiedsrichterliche Schlichtung ausgebrochener Konflikte, so sind die Kapitaliste», als unter- drückender, im Besitz der Macht befindlicher Theil, gegen eine gerechte schiedsrichterliche Schlichtung, denn dieselbe würde in allen ernsten Conflikten zu Ungunsten der Unterdrücker und Machthaber ausfallen müssen. Ein Schiedsgericht hat nur dann Sinn und Werth, wenn es absolute Garantieen der Gerechtigkeit bietet: für Gerechtigkeit ist aber naturgemäß der Arbeiter, der Alles von ihr zu erhoffen hat; und ebenso si naturgemäß ist gegen Gerechtigkeit der Kapitalist, der Alles durch sie zu verlieren hat, das heißt Alles, was ihn zum v'. Kapitalisten macht. An diesem„harten Faktum" werden und müssen die gewerblichen Schiedsgerichte und Einigungsämter in allen'bedeutenden prinzipiellen Conflikten zwischen Capital und Arbeit scheitern: nicht an den Arbeitern, sondern an den Arbeitgebern. Die Erfahrungen von Südwales sind in� dieser Beziehung konklusiv: Der Versuch schiedSrichter- licher Schlichtung wurde von Hrn. Mandella, dem Abgott unserer Deutschen Harmoniesimpel, dem obersten Apostel der Schiedsgerichte und Einigungsämter in Person gemacht, und wiederholt gemacht, und ist schimpslich gescheitert an den Grubenbesitzern. Hr. Max Hirsch wird daraus ersehen, daß nicht die Sozialdemokraten es sind, die seine Einigungs- träume verderben. erkaufft. Darum: Organisation! Ohne Organisation kein Sieg. Vierte Lehre: Die Arbeiter von Südwales sind jetzt genau in der nämlichen Stellung wie vor Anfang des Strikes. Eine Zeitlang werden die Grubenbesitzer, nachdem sie soeben die Stärke der Organisation ihrer„Hände" kennen gelernt haben, 'von weiteren Angriffen abstehen. Doch nicht auf lange Zeit. Pekuniär haben sie, Dank den gesteigerten Kohlenpreisen, wenig oder nichts verloren; und sobald eine Arbeieseinstellung wie- der in ihrem Interesse ist, werden sie ihre„Hände" von Neuem aufs Pflaster werfen. Und dann beginnt ver Kampf von vorn, um wieder auf die eine oder andere Weise durch einen faulen Frieden beendigt zu werden, der zu neuem Krieg führt! Soll das ewig so fortdauern?' Die heutige Gesellschaft ist der Klassenkampf in Permanenz. Wollen wir den gesellschaftlichen Frieden, die wirkliche„Harmonie der Interessen", so müssen die Grundlagen der heu- tigen Gesellschaftsordnung, so muß mit den Klassen selbst die Klassenherrschaft beseitigt werden. Hierzu genügen die Gewerkschaften nicht, hierzu bedarf es der politischen Organisation. Die gewerbliche Or- ganisation sür den Klassenkampf! Die politische Organisation für die Beseitigung der Klassen- ■ � Herrschaft! ineu m Zer-' Dritte Lehre: Die welschen Arbeiter hätten sich bedingSlos dem Machtspruch der Grubenbesitzer unterwerfen müssen, wenn sie nicht in der Gewerkschaft der Kohlengräber einen mächtigen Rückhalt gehabt hätten. Es ist wahr, wie die Hrn. Kapita- listen vorrechnen, die Arbeiter haben während des Strikes und Lockoutö 750,000 Pfd. St. Lohn eingebüßt,' damit ist aber der Sieg, den sie erfochten haben, nicht zu theuer Politische Uebersicht. Ueber das Triumvirat Stieber, Bismarck, Wagener schreibt Hr. Robolski in dem Berliner„Börsenkourier" wie folgt) „Der böse Geist des Fürsten Bismarck ist der Geheime Re- gierungsrath Stieber. Der Fürst hat noch andere Geister, an die e» glaubt; Wagener ist ihm als Arbeitskraft unentbehrlich, als „der einzige Mensch, der ihn versteht", um mit Hegel zu sprechen, aber ohne den bekannten Zusatz! Der Fürst glaubt an Aegidi. Aber sein bösester Geist ist Herr Stieber. Der weiß ihn aber auch— um uns recht populär auszudrücken— zu nehmen. Man muß aber auch den Glauben Bismarcks.an die Macht der Polizei kennen, um seinen Glauben an Stieber zu begreifen. Große Männer sind abergläubisch. Napoleon, der Alte, glaubte an seine: Stern. Fürst Bismarck glaubt an Stieber. Diesem„guten CA nius" verdankt er(oder glaubt er zu verdanken), daß er noch 0 daß der ehemalige Norddeutsche Bund nicht in Trümmern[ fallen ist, daß das deutsche Reich es ebenfalls noch nicht ist, und daß König Georg noch nicht den Thron seiner Väter wieder erlangt hat. Diesem„guten Genius" hat er den Schutz Deutschlands gegen die Welfiten und die Ultramontanen anvertraut. Herr Stieber ist fortwährend Verschwörern und Attentätern auf der Spur, und er weiß seinem mächtigen Gebieter gar grausige Dinge aus dem Reiche und aus Europa zu melden.„Im Bade H. lebt ein armer Kranker, der einen Bettelbrief an Exrex Georg auf die Post gegeben." Ha, die Fäden der Verschwörung reichen schon bis in die Bäder. Wiesbaden, Homburg ic. müssen scharf ins Auge gefaßt werden— natürlich nur während der Sommermonate. Da lebt es sich in Berlin schlecht. In einer Villa am Bodensee sind fremde Herren und Damen, die in der Nachbarschaft Niemand kennt, und die man von entgegengesetzter Richtung hat anlangen sehen, bemerkt worden, die Fenster sind länger als gewöhnlich er- leuchtet geblieben. So viel ist sicher, der eine Herr sprach Fran- zösisch, und eine Dame das„st" fast ganz Hannövrisch... kein Zweifel, hier ist konspirirt worden. Es wachsen die Polizei-Akten über die geheimen Beobachtungen, und Fürst Bismarck hat seine Freude daran. Er kann ruhig schlafen, denn für ihn wacht Stieber. Da taucht in Berlin ein Literat ans, hat einen Deutschen Namen und schreibt Französisch, ist ein Ultramontaner..... Stieber, paß auf! Also Haussuchung und Beschlagnahme der Papiere.— Stieber hat, so lange er dem Fürsten dient, daS Unglück, niemals etwas zu finden, auch bei dem Kozmian und dem Westerwelle nicht.... aber er versteht ans dem Nichts etwas zu machen, auch aus dem nichtssagenden Briefe des Herrn Windthorst an Kozmian, und aus dem bei dem gefährlichen Menschen Kuhn vor- gefundenen Bericht über katholische Krankenpflege." Dieser pikante und interessante Artikel wird doppelt pikant und interessant durch die Persönlichkeit des Schreibers. Der Hr. Ro- bolski, der ihn verfertigt, ist nämlich identiscb mit jenem Regie- rungS-Preßturko Robolski, der uns in jüngster Zeit durch seine Rinnsteinbalgerei mit dem Bismarck'schen Ober-Preß-Turko Aegidi unter die Augen gebracht wurde. Er steht im Solde des Repti- lienfonds-Bureaus, und zwar gehört er der von dem Minister Eulcnburg geleiteten Abtheilung an, während Aegidi die Bis- marck'schen„Sauhirten" als Generalsauhirt oder„Sauhirten"- General befehligt. Der vergiftete Pfeil ist also nicht von einem simplen Privatindividuum, nicht von einer beliebigen Catilinarischen Existenz auf den„genialen Staatsmann" abgeschnellt worden, son- der» von dem Bedienten und Werkzeug eines College» des be- sagten„genialen Staatsmannes", woraus zu ersehen, daß es im Preußischen Ministerium Leute gibt, die vor dem Fürsten Bismarck ungefähr ebensoviel Respekt haben, wie die Leute im Redaktions- büreau des„Volksstaat". Beiläufig nehmen wir von dem Ro- bolski'schen Artikel noch insofern Akt, als er die wiederholten Angaben des„Volksstaat" über das Verhältniß Bismarck'» zu seineu Compagnons: Ehren- Stieber und Ehren- Wagener in authentischster Weise bestätigt.— Ack den Früchten sollt ihr sie erkennen. Was für Volk mit dem„Reptilienfond" gemästet wird, ersieht man ans folgendem Geistesprodukt, das einer der Bismarck'schen„Sauhirten" in die dem Reptiliensonds gehörige„Frankfurter Pre�e"(?kr. vom 27. März d. I.) abgelagert hat: „Die letzte Nummer des von Bebel und Liebknecht heraus- gegebenen„Volksstaat" bringt eine Correspondenz aus Frankfurt a. M., nach welcher Seitens der Herren Sounemann und Consorten an die Mitglieder der sozialdcmokratisch-internationalen Arbeiter- Partei eine Einladung zur Theilnahme an der März-Feier(3v.d.M.) und speziell zum Eintritt in das zu diesem Zweck gebildete Comitö ergangen sein soll. Die Internationalen hätten jedoch die Ein ladung abgelehnt, weil sie ihre eigene Märzfeier für sich begehen wollten. Herr Sonnemann, der Millionär von der Börse Gna- den, unter den Anhängern der rothen Internationale— ein hübsches Bild! Sollten wirklich Freiligrath und Herwegh von der Partie sein, wie es heißt, so wäre man versucht, Gretchens Worte auf sie anzuwenden:„.. Es thut mir lang schon weh, daß ich dich in der Gesellschaft seh'." Jedenfalls würde es einige der Festtheilnehmer doch ein wenig frappirt haben, sich in den Comitö sitzungen plötzlich neben den Mitgliedern der vaterlandslosen Jnter nationale gefunden zu haben, die den 18. März als den Tag der Pariser Commune feierten. Einige hätten doch wohl vielleicht Kopfschmerzen bekommen, wenn sich ab und zu ein penetranter Geruch von Petroleum verbreitet hätte, den, obwohl die Nützlich keit dieses Brennmaterials anerkannt ist, doch nicht ein Jeder recht vertragen kann. Einige würde hoch wohl vielleicht ein gelinder Schauder überlaufen haben, wenn ihnen die eingeladenen Partei- führer zwischen den Toasten auf die Freiheit und Brüderlichkeit erzählt hätten, wie sie diese Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verstehen. Soll doch einer der„Eingeladenen" noch kürzlich in einer Versammlung öffentlich gesagt haben:„Ihr Schuhmacher, Ihr seid doch noch viel zu dumm und zaghaft. Wenn Ihr Eure Macht kenntet und nur gebrauchen wolltet, dann müßte morgen der Rothschild barfuß über die Straße laufen." Also guten Ap- petit zum großen Banket; wenn nur das Petroleum nicht vor- schmeckt." Der Bismarck'sche„Sauhirt" sollte bedenken, daß das Petro- leum von seinen Brodgebern während des„heiligen Kriegs" unter die Kampfmittel aufgenommen und zur Einäscherung Fran- zösischer Städte und Dörfer benutzt wurde, und daß es gegen- wärtig von den Freunden und Schützlingen seiner Brodherren, den Carlistischen Mordbrennern, zur Einäscherung Spanischer Städte und Dörfer„gotteöfürchtig und dreiste" benutzt wird. UebrigenS ist der Geruch des Petroleums lange nicht so„penetrant", als der mcphitische Dunst, der ans den Kabinetten der Hrn. Wagener und anderer, unserem„Sauhirten" sehr werthen Persönlichkeiten aufsteigt.— In derselben auffallenden Weise, in der in Berlin der Hungertyphus Fortschritte macht(10 Prozent dieser Kranken sind bis jetzt gestorben), grassirt auf der andern Seite die Wagenerkrankheit.„Eine sehr reiche Fundgrube von Schwindel" — schreibt man der„Rhein. Ztg."—„hat die Untersuchung�- Commission in voriger Woche mit bedeutendem Erfolge angebohrt, indem sie sich die Geschichte der Berlin- Dresdner Eisenbahngesell- schaft näher beleuchtete. Erster Director dieser Bahn ist der be- kannte redselige conservative Abgeordnete für Ober- und Nieder- barnim, Geh. Ober- Regierungsrath a. D. Heise, ein Streber der Landrathskammern, der schnell vom Staatsanwalt zum Geh. Ober- Regierungsrath und vortragenden Rath im Handelsministerium(Eisenbahudezernenten) anvan»irte. Seiner Freundschaft mit Strousberg verdankte er es, am 1. Jan. 1369 erster Director der Rechten-Oder-Ufer-Bahn zu werden und ein Abstandsgeld für Verzicht auf die künftige Staatspension von 40,000 Thlrn. einzuheimsen. Jetzt hat ihm die Berlin-Dresdner �'jene Bahn abgekauft; das Verdienst dieses Handels gebührt dem eigentlichen Gründer der Berlin-Dresdner, dem cons»rvativen Reichstags- und Landtags- Abgeordneten für Keltow- Beskow- Storkow, Landrath Nicolaus Prinz Handjery. Es sind so böse Dinge gegen ihn festgestellt, daß er vom Landrathsposten wegdisciplinirt werden wird, wenn er es nicht vorzieht,„frei- willig" zu gehen."— Und damit der Herr„Landrath" in passender Gesellschaft ser, meldet sich gleich der Abgeordnete und Staats- minister a. D. v. Bonin, Aussichtsraths- Borsitzender des be- rüchtigten Bauvereins„Unter den Lmden", der einem Hochstapler ein Haus von 1,200,000 Thlr. abgekauft hatte, für das dieser kurz zuvor 700,000 gezahlt hatte.— Die Zeitungen verwundern sich über die neulich in Köln vor- gekommene Thatsache, daß Jemand,„um sich ein Unterkommen zu verschaffen", eine„Kaiserbeleidigung" ausgeführt hat. Wir können dagegen versichern, daß in allen Gefängnißanstaltcn sehr häufig Fälle vorkommen, daß Gefangene mit Widerstreben ihre Freilaffung annehmen und die Drohung aussprechen:„Wenn ich nicht hierbleiben kann, dann mause ich gleich, sowie ich heraus konime, damit ich wieder eingesperrt werde." Namentlich sprechen sie diese Drohung aus, wenn ihnen die Verweisung ins Armein Haus oder in eine Correctionsanstalt bevorsteht. In der Verbrecher welt gilt es nämlich als ausgemacht, daß das Leben in den ge- dachten Hnmanitäts- und Vers orgungsan stalten miserabler ist als im Zuchthaus. Es fehlen uns indeß bezüglich Deutschlands die nöthigen authentischen Berichte darüber. Daß das Londoner „Worth ouse"(Armen-Arbeitshaus) schlimmer als ein Zuchthaus ist, darf als bekannt vorausgesetzt werde».— Zur Sächsischen Justizpflege. Dem Herrn Boland, der in dem bekannten neulichen Skandalprozeß wegen grober Be- trügereien und Schwinde'eien vom Schwurgericht in Dresden zu mehrjähriger Zuchthausstrafe vcrurtheilt ward, ist vom Sächsischen Appellationsgericht die Zuchthaus- in einfache Gefängnißstrase umgewandelt worden, was eine bedeutende Strafermäßigung. Herr Boland ist ein naher Verwandter des bei Hof sehr in Gunst stehenden katholischen Bischofs Vorwerk. Es fällt uns natürlich nicht ein, zu behaupten, diesem Umstand ver- danke Hr. Boland seine sehr milde Behandlung Seitens des obersten Landesgerichtshofs, aber so viel steht fest, wenn man die einem gemeinen Verbrecher— gemein in jeder Bedeutung des Worts— wie dem Hrn. Boland zu Theil gewordene sehr milde Behandlung des obersten Gerichtshofs mit der gegen uns Sozial- demokraten geübten richterlichen Praxis vergleicht, so führt der Vergleich zu keinen günstigen Schlüffen für die Sächsische Justiz. Derselbe Gerichtshof,— daran sei hier erinnert— der dem Schwindler und Betrüger Boland die Zuchthausstrafe in Ge- fängnißstrafe verwandelte, weigerte sich vorigen Sommer) die Pebel vom Schöffengericht wegen angeblicher Majestätsbeleidigung zugesprochenen 9 Monate Gefängniß in Festungshaft umzuwan- deln. Hätte Bebel einen bei Hof in Gunst stchenden Verwandten, gleich Hrn. Boland, so würde das selbstverständlich auf den Entscheid des Appellationsgerichts keinen Einfluß gehabt haben. Un- sere Richter sind ja unabhängig.— § 153 der Gewerbeordnung zu 6 Wochen Gefängniß vcrurtheilt worden und hat seine Hast angetreten.— Parteigenosse Memminger, Redacteur des„Fürther demo- kratischen Wochenblattes", hat sich in die Schweiz geflüchtet, und zwar nicht wegen seiner kürzlich erfolgten Verurtheilung zu 3 Mo- naten Gefängniß, sondern weil wegen mehrfacher Beleidigung des Reichsoberhauptes in der Broschüre:„Die Freimaurer" die Kri- minaluntersuchung gegen ihn eingeleitet wurde und ihm mehr- jährige Festungshaft in Aussicht stand.— Der Reichstag hat die Bebel'sche Wahl für giltig erklärt. Hiermit hört wohl endlich das gegnerische Geflunker über die „Ungiltigkeit" der Bebel'schen Wahl auf. Herrn Biedermann ist— während er im Reichstag sitzt- durch seinen Redaktions-Stellvertreter daheim ein kleines Malheur passirt. In Nr. 20 des„Volksstaat" war gesagt,„daß uns ein Artikel aus der Biedermann'schen„Deutschen Allgem. Ztg." vom Jahre 1866 bekannt ist, in dem die preußische Regierung in un- genirtester Weise zur Bestechung(anstandsdämlich wird zwar nur von„Unterstützung" gesprochen) der sächsischen Blätter ermuthigt wurde, damit sie für die Annexion schrieben. Wir werden den ftaglichen Artikel bei paffender Gelegenheit veröffentlichen." Daraus- hin erklärte ein etwas vorlautes Mitglied der Biedermann'schen Redaktion— nachdem es das Vorstehende abgedruckt—:„Wir erwarten, daß der„Volksstaat" diese Veröffentlichung recht bald bringe." Nun, diesem Wunsche können wir gerecht werden! Schlage man gefälligst nach Jahrgang 1866, Nr. 197 der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" und man wird Folgendes finden: „Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt, und zwar an bevorzugter Stelle, anläßlich der Entlassung des Herrn v. Beust einen längeren Artikel„auö Sachsen", dem wir— schon weil er in dem Organ der preußischen Regierung enthalten ist und also mehr oder weniger deren Anschauungen entsprechen dürfte— das Folgende entnehmen:„zc. Möge Graf Bismarck sorgsam wachen über das Land und namentlich den Anstiftern von Maßregelungen gegen die preußensreundlichen Gesinnungsgenossen die Lust dazu gleich von vornherein benehmen! Möge die preußische Regierung nie vergessen, daß man sich hier nur mit Zähneknirschen dem Un- vermeidlichen fügt und Sachsen von nun an der heimische Herd aller derer werden wird, die Rache im Herzen gegen Preußen nähren und auf die günstige Gelegenheit hoffen, diese Rache neh- men zu können:c. Alles in Allem genommen behaupten wir, daß es ein schwerer Fehler sein würde, wenn die preußische Regierung die Großmuth des Siegers zu weit treiben wollte. Früher oder später würde es sich rächen. Wir mögen unfern Bericht nicht schließen, ohne nochmals auf die sächsischen Preßzustände zu- rückzukommen. Die preußische Regierung hat alle Ursache, die sZeitungen, welche bisher unabhängig von der officielle» Presse für den Anschluß an Preußen sich aussprachen, zu unterstützen und zu kräftigen, und dem Unfuge, den die Leipziger Zeitung, das Dresdner Journal und circa 50 sogenannte Amtsblätter in sächsisch-österreichischem oder particularistisch-sächsi- schem Sinne trieben und jeden Augenblick bereit sind, Wiederaus- zunehmen,„wenn nur erst diese verhaßten preußischen Uniformen aus dem Lande sind", nachdrücklich zu steuern-c.:c.:c.",— Si taeuisses!— Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß wir unser Citat der „Leipziger Zeitung" verdanken, welche in ihrer Nr. 252 von 1367 und Nr. 127 von 1869 die gravirendsten Annexionsartikel Bieder- mann's zusammengestellt hat. Uebcr diese Artikel hat bekanntlich das Leipziger Bezirksgericht am 14. Octbr. 1867 das Urtheil ge- sällt, daß sie„sämmtlich, und zwar zum Theil in schroffer und gehässiger Weise, für die vollständige Einverleibung des Königreichs Sachsen in das Königreich Preußen sich aussprechen, und daß hierzu von Herrn Biedermann in seiner Stellung als Re- dacteur eine Bemerkung, daß er mit diesen von ihm zum Abdruck gebrachten Artikeln und der in selbigen verfolgten Tendenz nicht einverstanden sei, niemals gemacht, was doch um so nothwendiger gewesen wäre, als sogar mehrere der fraglichen Aufsätze von ihm als Leitartikel an die Spitze des von ihm redigirten Blattes ge- setzt worden."— „An die Kgl. Staatsanwaltschaft Leipzig. „Gegen den verantw. Redakteur der Lir. 20 des„Volksstaat� vom 8. März, Seiffert, ist die Untersuchung wegen„Beleidigung' der Herren Geschworncn und des Präsidenten des Hochverraths- Prozesses eingeleitet worden. Ich erlaube mir mit Bezug hieran zu bemerken, daß ein ähnlicher Prozeß gegen mich bereits seit länger denn dreiviertel Jahren beim Kgl. Gerichtsamt in Chemnitz schwebt, und daß die von mir daselbst zu den Akten gegebenen Er klärungen und Anträge für den Ausgang dieser neuen Untersuchung gegen Seiffert von erheblicker Wichtigkeit sind. Or der Pr flu cch sin M als erk sto Demgemäß möchte ich mir auch den Antrag erlauben, diel 31 Kgl. Staatsanwaltschaft wolle auf Grund von Art. 3 der Rev. Strafpr.-Ordn. mich als Entlastungszeugen in der Seiffert'scheii Untersuchuugssache vernehmen lassen, bez. meine Chemnitzer Akte» we we we zu diesem Zweck requiriren. Auf Vorhalt derselben würde ich meine Fe Richard Härtel, Präsident des deutschen Buchdruckerverban- des, ist auch in zweiter Instanz wegen angeblichen Verstoßes gegen chtauchau, 6. April. In einer Bezirkskomitssitzung des 17. Wahlbezirks, in der fast alle Orte vertreten waren, ist nach- stehende Resolution einstimmig angenommen worden. Zur An- nähme dieser Resolution sollen fast in allen Orten des Wahlbezirks Versammlungen abgehalten werden. Sie lautet:; „Die heutige Volksveisammlung zu Glauchau protestirt gegen den Beschluß des Reichstags, durch welchen der Vertreter unseres Wahlbezirks im Gefängniß belassen wurde. Sie betrachtet es als ein Zeichen jämmerlicher Ohmnacht, wenn eine Volksvertretung erklären muß, nicht die Macht zu besitzen, ein wegen politischer Vergehen im Gefängniß befindliches Mitglied für die Dauer einer Session frei fordern zu können. „Die Volksversammlung protestirt wegen des ihrem Vertreter durch das sächs. Justizministerium verweigerten Urlaubs, erblickt in diesem Beschluß eine Mißachtung des Bolksmandats, einen Akt der Rücksichtslosigkeit gegen die Wähler und sieht es als ein Zeichen der Angst und Furcht vor ihrem Vertreter an. „Die Volksversammlung erklärt ferner, daß sie vor wie nach fest und treu zu ihrem Vertreter steht, sie fordert ihn auf, das Mandat für den 17. Bezirk zu behalten, und spricht hiermit aus, daß sie ihn als ihren Candidaten auch für die nächstjährige allge meine Reichstagswahl ansieht." Nr. 20 des„Volksstaat" ist nicht— wie es in Nr. 24 hieß —„wegen Beleidigung des Justizministers Abeken" confiscirt worden, sondern nur auf Antrag desselben wegen angeblicher Be- leidigung der Hochverrathsprozeß-Geschwornen und des Präsi- deuten von Mücke. Herr Justizminister Abcken selber verzichtet für seine Person auf eine straftechtliche Verfolgung; er weiß jeden- falls: warum?— Die Anwesenheit des Justizministers in einem gewöhnlichen Prozeß würde absolut nichts Tadelnswerthes ge- habt haben; aber es ist etwas ganz Anderes bei einem politi- schen Prozeß, den die Regierung veranlaßt hat, und bei dem sie selber(und zwar zunächst de? Justizminister) Partei ist. Die Anwesenheit des Juftizministers bei einem solcyen Prozeß kann nur dem politischen Interesse an einer Verurtheilung, nicht dem juristischen Interesse an dem Verlauf entspringen; und wenn Richter und Geschworne sehen, daß die Regierung sich so sehr für die Verurtheilung interessirt, so ist das Beeinflussung in des Worts verwegenster Bedeutung.— Zur vollständigeren Kennzeichnung dieser Affaire möge ein Schreiben, das bereits bei den Akten liegt, hier Platz finden: an MI „Z ein G. üb M Chemnitzer Angaben nicht nur aufrecht erhalten, sondern auch noch theilweise durch weiteres Beweismaterial verstärken. Besonder« was die gedachte Parteilichkeit und Unfähigkeit des Herrn von Mücke betrifft. Bereits in>.r. 1 des„Volksstaat" von d. I. habe ich in einem Artikel mit der Ueberschrift„Etwas für das sächsische Justizministerium" nachgewiesen— ohne daß nian bis jetzt mich zu widerlegen auch nur versucht hätte— daß Herr von Mücke als Präsident der Hauptverhandlung einfachste Bestimmungen der Strafprozeßordnung über die Beweisaufnahme nicht gekannt bez. nicht beachtet und verletzt hat. Den anbei folgenden Beleg hierfür(Nr. 1 des„Volksstaat" von 1873) bitte ich daher ergebenst, den Akten gef. einverleiben zu wollen. Weiteres behalte ich mir für die gerichtliche Vernehmung vor. Ich glaube, daß derselben Seiteirs der Kgl. Staatsanwaltschaft ein Widerspruch um so weniger entgegengesetzt werden dürfte, als ich— der im Hochverrathsprozeß© „Freigesvrocheue"— ja im Staude bin, meine Aussagen ouw sjx studio zwar, aber sine ira abzugeben. Hochachtungsvoll und ergebenst Adolf Hepner. „Leipzig, den 26. März, am Jahrestage der Verurtheilung von Liebknecht und Bebel." Auf diesen Antrag, den die Staatsanwaltschaft dem Gerichts- jU amt übergeben, hat dieses resolvirt, daß im Beleidigungsprozeß du m Intervention eines Dritten unzulässig sei. Es wird nun Seiffert � selber die Vernehmung Hepner's beantragen. Man schreibt uns:„Die Herren vom„Neuen" haben dem „Volksstaat" vorgeworfen, er habe Männer, die sich 1371 in der Pariser Commune hervorthaten,' geschmäht— sind aber natürlick den Beweis schuldig geblieben. Dagegen mögen die Mitglieder de« Allgem. Deutschen Arbeitervereins die Nummer 8 des„Socialdem." vom Jahre 1870 nachlesen, da finden sie in der Mitte der dritte« Spalte wörtlich Fblgendes:„O ihr gewaltigen deutschen)Neoolutio näre! Ihr stellt euch auf eine Stufe mit Herrn Delescluze der neben der großen Feigheit mit euch übereinstimmt im Hasse und in der Schmähsucht gegen uns, gegen die Sociab Demokratie." Das ist gegen Delescluze, den bekannten große« Märtyrer der Commune, gesagt! Und das Blatt, in dem da« geschrieben steht, war damals ebenso wie heute der„Neue", Organ des Allgem. Deutscheu Arbeitervereins, und derselbe Hasselmani« der heute in der Redaction sitzt, saß auch damals darin. A. S." % sti 6« so ni st w be rc Ter Strike der Buchdrucker dauert unverändert fort, da durch die Anmaßung der Herren „Principale" die Ausgleichsversuche mit dem Verband gescheitert sind. Der„Correspondent" berichtet darüber:„Wenn wir un« in's Gedächtniß rufen, in welcher Art und Weise seitens verschic- dener Prinzipale der Verband geschmäht wurde, wie man einzig und allein darauf hinausging, dem Verband mit Einem Schlage den Garaus zu machen, wie man die Nichtverbäudler zu Ungunsten der Verbaudsmitgsieder als die rechten und echten Vertreter de« Gehilfen poussirte, so muß man den Vorschlag des Verbands Präsidenten, die Wahlen aus allgemeinen Gehilfenversammlungen hervorgehen zu lassen, als ziemlich weitgehend betrachten, denn eigentlich ist doch nur der Verband berechtigt, Schiedsrichter seiten« der Gehilfen zu stellen, da nur dieser sich im Conflikt mit de« Prinzipalen befindet, wogegen vie Nichtverbäudler bekanntlich bau- kend Alles annehmen, was ihnen fertig überreicht wird. Es liegt also nicht die geringste Gefahr vor, daß nach Austrag des Streite« durch den Verband die?tichtverbäudler denselben wieder aufneh- men, weil sie nicht um ihre Meinung in dieser Sache beftagt worden sind. Wenn diesen überhaupt daran läge, ein Mitbestimmungs- recht in Lohnftagen zu haben, wären sie eben keine Nichtverbändler. Auch seitens derjenigen Principale, die nicht im Principalverein sind, ist ein Einspruch gegen allgemeine Geltung haben sollende Abmachungen zwischen Principalverein und Verband nicht jzu be- sorgen, denn diejenigen Principale, die nicht im Verein sind, sind eben solche, die sich stets in Frieden mit ihren Gehilsen ausgleichen, also sich auch in diesem Punkte bestimmt fügen. Zudem hat der Verband, der seitens der Gehilfen allein die Last und die Kosten des Streites getragen und noch ferner tragen wird, sich dadurch ein unanfechtbares Recht erworben, auch die Sache seitens der Ge Hilfen allein zu Ende zu führen. Gleichwohl hat die Generalver sammlung in Weimar die Annahme dieser entgegenkommenden Vorschläge als eine Concession betrachtet, die man dem Ver- bände mache, und deshalb verlangt, daß der Verband den von Prinzipalen aufgestellten Tarif anerkenne und den Strike aufhebe. Erst dann will man sich herbeilassen, mit dem Verbände weiter zu verhandeln. Während der Verbandspräsident die sofortige Einbr rufung der Delegirtenvers ammlung im Auge hatte, um den Strike zu beenden und dadurch zu einem dauernden Frieden zu ge- langen, forderten die Principale erst Unterwerfung unter ihre Bestimmungen. Das Einigungsamt soll erst zusammentreten, wenn es nichts mehr zu einigen giebl! Nebenbei sei erwähnt, daß die Leipziger Principale in deniselben Augenblicke, wo sie mit den« Verbände verhandelten, den Leipziger Lokalzuschlag einseitig fest' stellten. Wir meinen, daß, wenn man das Einigungsamt über Haupt anerkennen will, dasselbe Mittel auch in Anwendung kommen muß, wenn es sich um lokale Abmachungen handelt.— Auch einen zweiten Punkt der Vorschläge des Präsidenten glaubten die Princi pale nicht anerkennen zu dürfen, nämlich daß die Tarifberathung nicht auf Grundlage der beiderseitigen Tarife vorgenommen wer- den könne, daß vielmehr nur der Principal-Tarif als Vorlag« dienen solle. Der Verband streitet sich nicht um Formen und Worte,'er hat auch dieses Verlangen fallen lassen.— Bczüglicb des Differenzpunktes hätte sich leicht ein Ausweg finden lassen� Man brauchte nur die Wahlen zur Delegirtenversammlung auszu- schreiben, den Termin des Zusammentrittes anzuberaumen und den Delegirten die Macht einzuräumen, den Tarif endgiltig festzustellen und die beiderseitigen Vorstände zu verpflichten, den vereinbarten Tarif sofort in Kraft zu setzen, dann konnte recht gut die Arbeit wieder aufgenommen werden, da sich ein Provisorium in den betr. st d v- A dl zt ü v fl N d. f l ! ! Orten wohl hätte finden lassen. Statt dessen läßt man Alles in der Schwebe hängen, macht den vereinbarten Tarif von einer PrincipalS-Generalversammlung abhängig, die anderseits eine Ab- stimmung der Gehilfen erfordert. Nehmen wir an, daß die Prin- cipale ablehnen und die Gehilfen annehmen, oder umgekehrt, so find wir wieder auf dem alten Flecke. Das nennt man Einigung. Man sollte sich doch endlich mal daran gewöhnen, die Gehilfen als gleichberechtigt bei der Entscheidung über Lohnfragen anzu- juhJ erkennen und sich nicht allzusehr an die althergebrachte» Formen stoßen. Die Beendigung des Streites war beiderseits für den 31. März in Aussicht genommen. Durch einige Herren in-Weimar, welche die Einigung von Bedingungen abhängig machten, die nichts weniger als Grundlagen zu einem dauernden Frieden genannt werden können, ist die Beendigung des Streites in unbestimmte Ferne gerückt worden und der Borstand des Principalvereius deutet an, daß er„Anordnungen" ergehe» lassen werde, die jallem Ber- muthen nach wieder die alte Parole zur Basis haben werden: »Der Verband soll und muß vernichtet werden!" Wenn eS nun «nmal nicht anders geht, wen» man vernünftigen Borschlägen kein Gehör schenken will, dann bleibt den Gehilfen nichts Anderes übrig, als ihr gesetzlich gewährleistetes Recht bis auf den letzten Mann zu vertheidigen." Gewerksqenossenschaftliches. Gewerksgenossenschast der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter. Gewerksgenosien und Freunde! Wir veröffentlichen heute die bis jetzt bei uns angemeldeten Neuwahlen auf Grund der stattgehabten Reorganisation unserer Gewerkschaften und fordern alle Säumigen und Rückständigen auf, sich unvcrzögert zu erklären, andernfalls werden wir die Namen der seitherigen Vertrauensleute im Organ aufrufen, um durch die Genossen bezüglicher Orte wenigstens Gewißheit über den Stand der Dinge zu erlangen. Die Adressen für Wandernnterstützung sind zu vervoll- ständigen, ebenso rückständige Mitgliederlisten an den Vorort ein- zusenden. Stationen, die dicß versäumen, haben keine Ansprüche «uf unsere Hilfleistung, wenn wir ohne Mittel zu Controle gelassen werden. Abrechnungen bis Ende März sind ebenfalls ungesäumt cinzu- geben, damit wir in der Hauptkasse Ordnung halten können. Ter Versandt bestellten Materials erfolgt noch vor Ostern und bemerken wir ausdrücklich, daß jeder Vertrauensmann, Beitrag- fammler und Eontvoleur ein Generalversammlungsprotokoll haben muß. Wir verweisen nochmals auf unsere Bekanntgaben im Volks- staat Nr.10 und 19 und weisen jede weitere Verantwortung von uns, wenn die Thätigkeit unserer Gewerkschaft durch die eigenen Säumnisse derGenossen in entscheidentenMomenden nicht ausreichend wäre. Came- raden! Es kann nicht genügen, daß wir da oder dort aus kleineren Verwicklungen siegreich hervorgehen; gegenüber dem riesigen An- schwellen der eisernen Konkurrenz im mechanischen Stuhl und allem damit Zusammenhängende» ist es jetzt die höchste Zeit geworden, voran die Weber und Wirker, in dicht geschlossenen Reihen zur Abwehr zu treten! Wollt ihr warten, bis euch endlich der Druck aun,� der Verhältnisse den Kampf ohne genügende Organisation aus- Zwingt, dann ist es zu spät.— Vorwärts also zunächst ihr, die � ihr bisher mit der Einsicht und dem Beispiel des Opfermuthes vorangegangen seid, treibt die in der Knechtung und im Hunger rren Ulll> gleichgültig Hinbrütenden an zum Erwachen, in unsere nt'N Weckt ihren Muth und regt ihren Opfersinn im Dienste 1, der eigenen Sache an! mif Ki'inV'tfi aat' ing' ckhS' raul seil mich Ev du We». ichcn lkten leine noch der« rrn >. Ii jäch j-yl iückc ngen illNt, JeUjj enst, mit Iben nge- ozes euu von chts- z die ifferi dew der irlich del em. tttei utio uZCi t im eial oßea das rza» Fort mit deni hündischen Schicksalsdusel! Es lebe der selbst- bewußte, gerechte Widerstand!— Soll dieser aber zum Ziele führen, so gewöhnt euch daran, darüber Klaiheit zu erlangen und zu verbreiten, daß wir ohne Geldmittel nicht kämpfen und diese nicht gewinnen können, wenn sich nicht jeder Gewerkschafter gelobt, binnen Jahressrist sammeln zu helfen, bevor er an unsere Hilfe appelliren will. Die Wunder von Zauber und Schatzgräberei würden wir um- sonst herbeitränmen, auch haben wir kein Füllhorn, das wir in euren Schoos schütten könnten, es sei denn, daß ihr es euch zuvor � selber bereitet hättet!— Unsere Gewerkschaft stand bei Beginn der Bewegung in erster Kampflinie, die Periode der Prüfung und Läuterung ist vorüber, sorgt, daß wir vor der großen kämpfenden Arbeiterwett nicht be- schämt vom Platze treten müssen! Berufsgenossen und Freunde! wir appelliren an euer Pflichtbewußtsein und zählen auf euch! Für die Vorortsoerwaltung I. Motteler, z. Z. 1. Vors. gtr Von Ostern an sind Briese in Gewerkschas S-Angelegea- heiten an L. Mehlborn,„Expedition des Erinti! itschaurr Biirger- «nd Baucrnjreund", Gelder ic. an E. Stehsest aber zu adressiren, da ich ans mindesten» 4 Wochen geschäftlich»erreise. I. M o t t e I e r. Chemnitz: Vertrauensmann Aug. Alex. Steitz; Beitragsainmler Earl Haase, Untere Georgenstraße 3; Controleur Ferd. Teubert; Wandergeld beim Beitragsaminler.— Hohen stein- Ernstthal: Vertrauensmann Jul. Seifert; Beitragsaminler Louis Pößneck; Controleur Fritz Koch; Wandergeld beim Vertrauensmann.�— Ronneburg: Carl Schmidt(Schuhmacher); Beitragsaminler Rob. Ämig; Controleur Aug. Schmutzler; Wandergeld?— Deub e n bei Dresden: Vertrauensmann Fr. Rob. Schönhals, Kirchgasse 92; Beitragsanimler H. Eberl; Controleur Aug. Böhme; Wandergeld bei E. Hanisch, Fcldgasse(Cigarrenarbeiter).— Reutlingen: bei Pfullingen: Vertrauensm. Carl Renz, Schloßgasse �Pfullingen); Beitragsammler Christ. Walz, Reutlingen, Altvorstadt 152; Eon- troleur W. Lerch; Wandergeld beim Beitragsammler.— Wolfen- Ed. Schmelzer; Controleur Gcrecke, Wiebe, Holzhäuser; Wander- geld?— Passau: Vertrauensmann Georg Gahlauer in Ort 71: Bcitragsammler Alois Bauer; Controleur Joseph Marbauer; Wan- dergeld?— Hainicken i. S.: Vertraueusmanu Friedr. Ferd. Schröder, Ziegelweg 10; Beitragsammler Friedr. Köhler, Tuchm. Controleur K. E. Lange(Weber); Wandergeld? �— Schönau d. Chemnitz: Vertrauensmann Franz Aug. Mehner, Haus� 46; Beitragsammler Jul. Job. Kemptcr; Controleur Wilhelm Tauscher; Wandergeld beim Beitragsammler von 12 bis 1 Uhr Mittags.— Kamenz i. S.: Vertrauensmann I. Karl Mendt, unterm Schloß- �erg 539; Beitragsanimler F. W. Werner, innere PulSnitzerstr. 5ii; Controleur Carl Müller in Schloßberg; Wandergeld beim zlich Beitragsammler von 12 bis 1 Uhr Mittags und von 8 bis 9 Uhr Abends.— Schweinau bei Nürnberg: Vertrauensmann Clpr. Bauer, Haus 45; Beitragsanimler Ferd. Hörner; Controleur L. --orcnz; Wandergeld beim Vertrauensmann.— Gotha: Ver- �auensmann Constantin Gicsecke, Hutzelsgasse 47; Beitragsanimler p-/ I. Langlotz; Controleur Ernst Canis; Wandergeld bei Ch. �Mmerhirt, Berg 37.— Frankenberg: Vertrauensmann Aug. �osch, Sonncnstraße 289 o; Beitragsammler Herm. Schöne, Fab- »enn die dem fest- ber- mcn inenj nci--' ung Verlag- und rikstraßc 399; Controleur Adolf Prösch; Wandergeld beim Beitrag- saiumler.— Braunschweig: L. Bertram, Kaiserstraße 28; Bei- tragsammler A. Jsensee; Controleur? Wandergeld?— Meerane: Vertrauensmann A. Söllner, Augasse 334; Beitragsammler Aug. Hermann; Controleur Val. Taubert; Wandergeld beim Vertrauens- mann von 12 bis 1 Uhr Mittags und von 7 bis 8 Uhr Abends. — Hof: Vertrauensmann Jakob Jene, Leimnitzer Weg, Wirtschast Schloßky; Beitragsammler I. Söllner; Controleur P. Köhler; Wandergeld beim Vertrauensmann von 12 bis 1 Uhr Mittags u. von 7 bis 8 Uhr Abends.— Berlin: Bertranensmann W. A. Schuster bei Herrn Garbe, Blumenstraße 36 b; Beitragsammler Ed. Reiher; Controleur W. Schmidt; Wandergeld? Internationale Gewerksgcnossenschast der Schuhmacher. Da sich jetzt die College» zweier Städte im Kampf befinden, drängt es uns, einige Worte über die bisherige Stellung dieser College» zu äußern.— Schon vielmals sind Stimmen laut ge- worden, daß unsere College» in Mainz und München sich nicht unserer Gewerkschaft anschließen, nicht eintreten als Mitgliedschaft, wie sich's für College», für Arbeiter geziemt, die durch die Zeit- Verhältnisse eingesehen haben, daß Vereinigung nöthig und Einig- keit stark macht. Sie gehen nicht heraus aus ihren Mauern, fechten in ihren Winkeln und treiben ein Vereinswesen, das sich nur auf ihre Stadt oder Ort bezieht, das man aber nur Vereinsspielerei nennen kann und fast als ein Verbrechen an der Arbeiterbewegung bezeichnen möchte. Wir erkennen in derartiger Organisation nur eine Verzettelung und Verschleppung der Gewerkschaftsbewegung, welche crstere durchaus verbannt und getadelt werden muß. Wir sind keine Corporation, die sich mit Fachvereinen u. s. w. begnügen müßte, wir zählen nack Tausenden und wir sagen mit Recht, daß Ihr Collegen von Mainz und München unter diese Tausende ge- hört und das Bewußtsein dieser Einheit erlangt habt; aber warum o in der Ferne schweben? Es ist Eure Pflicht, zu uns zukommen, Ihr gehört in unsere Reihen. Schon oft haben wir uns gefragt, welches Wohlgefallen, was für Vergnügen eS Euch wohl machen muß, so allein zn stehen in der jetzigen bedeutungsvollen Zeit, Ihr Münchner College», so trocken und gemüthlich auf Eurem„Zuchthauspostcn", wie Ihr Euch zur Zeit des Berliner Congresses ausdrücktet, zu bleiben Und Ihr, Collegen in Mainz, habt Ihr immer noch die alten Vor urtheile, die Ihr uns einstmals kiiyd gabt? Habt Ihr noch keinen andern Begriff von der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung be- kommen? Erkennt Ihr immer noch nicht unsere Organisation für gut und praktisch an? Seht Ihr nicht ein, daß unsere Arbeiter und Gcwerksgenossen anderer Branchen fast dieselbe Organisation haben und sich wohl suhlen? Wohl können wir uns vorstellen, daß Ihr uns zur Antwort gebt, wie es so viele schon gcthan haben:„Wenn es gilt, so sind wir da, wir wissen und verstehen unsere Schuldigkeit trotz alledem zu thun!" Damit sind wir nicht zufrieden; bei uns gilt es immer: einen großen Verein, einen großen Bund, eine große Gewerkschaft zu bilden und zu schaffen. Wozu da noch Fack- und Ortsvercine, die doch nur ein Hemmschuh sind? Darum, Collegen, fort mit dieser Bereinsspielerei; es gilt, für die Centralisation zu wirken Für den Aibeiter giebt es keine Ausreden mehr, es muß gehandelt werden, und je mehr Ihr Einwendungen macht, würdet Ihr nnr die Befangenheit zeigen, in der Ihr Euch befindet; daß es Euch noch nicht möglich gewesen ist, zu begreifen, daß Ihr Euch dem Ganzen und Großen anzuschließen habt. Eure materiellen Opfer müßten schon längst allen Genosseii zu Gute kommen. Ist es ein Wunder, wenn von Collegen Stimmen laut werden, die ebenfalls von Befangenheit und Iliibcsonnenheit zeige»,— Stimmen, die sich dahin aussprechen: wenn Ihr Mitglieder wäret, Euch bereit- willigst zu unterstützen? Wer sind Diejenigen, die solche Gedanken groß ziehen, wer ist Schuld daran, daß solche eines Arbeiters und Mannes unwürdige Redensarten hier und da fallen und wohl gar zur Geltung gebracht werden? Ihr seid es. Nicht aus Barm Herzigkeit soll ein Arbeiter den andern unterstützen, sondern aus Pflicht. Nicht aus Barmherzigkeit sollt Ihr eintreten in die Ge- werkschaft, wohl aber aus Pflicht. Also, Collegen in Mainz und München, an Euch ist es, solche unwürdige Gedanken und Aeußerungen zu verbannen. Weiler möchten wir unsere Collegen fragen, ob sie nicht tagtäglich sehen, wie sich ihre Meister, Arbeitgeber, Fabrikanten u. s. w organisiren? Bleiben diese am Ort organisirt? Agitiren sie nicht tagtäglich, um ihren Meister- und Fadrikantenbund so groß� als möglich zu machen? Haben nicht schon unsere Collegen in Süd- deutsckland geklagt, daß ihre Meister einen Bund geschlossen hätte», um sie, die Arbeiter, in die Enge zu treiben, um sie besser auö- zubenten und maßregeln zu könne»? Nun, Collegen, hier gilt kein Klagen, Jammern, Händeringen und Beschwöre», hier heißt es: ein Beispiel nehmen, und dasselbe thun! Wenn es dem Meister, Fabrikant und Arbeitgeber erlaubt ist, so liegt auch Euch Nickis im Wege, was Euck die Vereinigung und Centralisation verbietet. sen. Zzu dem llen rte« beit ictr. Muß es nicht für Euch eine doppelte Pflicht sein, in die Centrali sation einzutreten, wenn Ihr hört, dieselbe soll durch herz- und gewissenlose Subjecte zerstört werde»? Euch soll etwas genommen, etwas zerrissen werden, worauf die Prinzipale die größte Sorgfalt venvenden und die weitgehendsten Ansprüche machen? Collegen in Süddeutschland, an Euch ist es, wenn Ihr diese Befürchtung hegt, Eure Centralisation ebenfalls so weit als möglich auszuhrciteu und zu befestigen. Aber nicht nur in Süddentschtand, sondern überall mögen sich die Collegen ein Beispiel nehmen und Muth und Aus- dauer zeigen. Noch eins möchten wir unseren Collegen in Mainz und München an's Herz legen. Wir wünschen sie, so gut wie dieselben in Erfurt vertreten waren, auch bei uns in Weimar als Mitglieder durch Delegirte vertreten zu sehen! Dann helft verbessern, was Ihr an unserer Organisation zu tadeln habt. Wir haben durch unsere freiausgesprochene Ansicht durchaus unsere College» nicht beleidigen wollen� aber die Wahrheit dürfen wir auch sagen und das darf Niemand übel nehmen. Wir hoffen, unsere Collegen in Mainz und München bei. h et zu haben und erwarten vpn allen unseren Mitgliedschaften deren volle Zustimmung. Der Aussichtsrath. Erfurt. Am 24. März hatten wir eine größere Schuhmacher- Versammlung einberufen mit der Tagesordnung:„Unsere Lohn- frage..._ Als Referent fungirte Herr Rodert Knöfel aus Dresden, welcher ausführte, daß unsere Bemühungen größer waren als der Erfolg und daß wir die Erhaltung der Gewerkschaft nur der Local- krankenkasse verdanke». Herr Knöfel erwähnte auch die Frauen- arbeit, wie durch dieselbe die Erziehung der Kinder verabsäumt wird, und wie er hier gefunden, daß die Frau trotz dem Manne mit arbeitet an den Schuhen, um sich ihre Existenz zu verschaffen. — Kürzlich sollte eine Meifterversammlung arrangirt werden; zu dieser wurden 5 Gewerkschaftsmitglieder gewählt. Herr Knöfel wollte referiren. Was geschah? Als die Masse beisammen, wurde de? Vortrag abgelehnt von den Junungsmeistern, und wir gingen unverrichteter Sache in unser Gewerkschaftslokal zurück. Denkt an uns, Brüder allerorts! Kommt die Roth über uns und unsere Kinder, so werdet Ihr Eurer Pflicht eingedenk sein. Wir müssen weiter handeln!(Lohntarife fremder Städte sollen kurzgefaßt dem Publikum veröffentlicht werden.) Mit sozialdemokratischem Gruß der Schriftführer der Gewerkschaft: M. Reinecke. Meimar. Zu der am 1., 2., 3. und 4. Juni d. I. zu Weimar stattfiiidendeu Generalversammlung lade» wir hierdurch freundlichst ein. Um so viel als möglich für Freiquartiere Sorge tragen zu können, bitten wir die Mitgliedschaften, der Verwaltung die Tele- girten sobald als möglich anmelden zu wollen, damit wir zeitig genug benachrichtigt werden. Für das Localcomitü. I. A.: Mattheh. Würzbnrg, 19. März.(Lohntarif für Schuhmacher- Arbeit.) Für gewöhnliche Schaftstiefeln cinfacksohlig... 1 fl. 36 kr. Stutzenböden ohne Naht ,.... 1„—„ Vorschuhe mit und ohne Kappen„... 1„ 6„ Herren-Hausschuhe mit Rand„...—„ 42„ Knabenstiefeln mittlerer Größe„... 1„—„ Herrenbesatz.............—„ 39„ Herrensohlen und Flecke.........—„ 18„ Herren-Doppelsohlen, dazwischen 6 Obersohlen..—„ 12„ Damenstiefeln mit Rand und Absätzen.....—„ 50„ Schuhe von feinem Leder mit Absätzen.....—„ 50„ Gewöhnliche Schuhe...........—„ 36„ Mädchenstieselchen mittlerer Größe......—„ 33„ Damenbesatz mit Rand..........—„ 20„ Dameiisohlen und Flecke.........—„ 14„ Damen-Ober- und Zwischensohlen...... 9 u. 6„ Die Gewerksgenossenschaft Würzburg. Kaiser, Schriftführer. Allgemeiner deutscher Schneiderverein. Einer Mittheilung aus Regensburg zufolge versuchten die-Ar- beitgeber, da sie eine Lohnerhöhung befürchteten, einen Arbeitsaus- schluß zu provociren. Am 15. März wurden jedem Gehilfen zwei Reverse vorgelegt. In dem ersten sollte durch Unterschrist erklärt werden, nicht der Gewerksgenossenschaft anzugehören, und in dem zweiten, ans derselben auszutreten. Leider hatte» auch einige Mit- glicder den zweiten Revers unterschrieben, jedoch gelang eS dem Bevollmächtigten Rick, in einer Versammlung den Beschluß durch- zubringen, daß sämmtliche Unterschriften als erpreßt zu betrachten sind und wurden dieselben wieder zurückgenommen. Dieser Be- schluß brachte die Herren außer Rand und Band; nachdem sich aber ihre Wuth gelegt hatte, holten sie sämmtliche ausgeschlossene Mitglieder bei Zusicherung einer Lohnaufbesserung von 15— 20 Prozent wieder. Obgleich diese Aufbesserung bei den schlechten Löhnen nicht ausreicht, so hat doch die Gewerkschaft seit einem Jahr in manchem. Geschäft eine Lohnerhöhung bis zu 40 Prozent be- wirkt. Zuzug ist noch fern zu halten. Vorstehendes beweist, wie nothwendig die Organisation ist, denn nur in der Einheit liegt unsere Macht. Collegen allerorts! Immer und immer wieder ergeht der Ruf an Euch: Gründet Mitglied- schafte» und beobachtet Eure Gegner, wie sie sich organisiren! Wollt ihr bei eurem Jndifferentismus beharren, so wird die Zeit kommen, wo ihr euch selbst sagen müßt: wer nicht hört, muß füh- len. Darum reicht die Hand zum Bunde, auf zur Organisation. Chemnitz, den 2. April 1873. Für den Ausschuß: G. Schöffel. An die Klempner-(Spengler-) Gehülfen in- und au halb Deutschlands. Kamburg, 1. April. Fackgenossen! Obgleich wir schon vor circa einem Jahre das Bestehen eines Fachvereins der Klempner zur allgemeinen Kenntniß brachten und zur Gründung von ähn- lichen Vereinen aufforderten, um unsere Lage zu verbessern, so hat doch leider dies sehr wenig gefruchtet. Es ist nun' geschehen, daß unsere Arbeitgeber uns überholt haben. Am 16. März fand in Frankfurt a. M. der erste Congreß der deutschen Blecharbciter statt, und betheiligten sich daran circa 300 Klempnermeister aus allen namhaften Städten Deutschlands. Es wurde die Gründung eines Arbeitgebervercins beschlossen. Zweck des Vereins ist natür- lich die Wahrung ihrer Interessen den Arbeitern gegenüber, als- dann die Einführung von Entlassungsscheinen oder Führungs- attestcn, welche den Zweck haben, Arbeiter, welche sich das Miß- fallen ihres Arbeitgebers zugezogen haben, dem Hunger preiszugeben. Sodann wurde eine allgemeine Werkstattordnung angeliommen, welche ganz und gar dazu angethan ist, die Arbeiter zu Sclaven herabzuwürdigen. Collegen! Wachetauf! Beruft Versammlungen ein und gründet überall, wo es irgend thunlich, ähnliche Fachvereine, wie sie schon in Wien, Zürich, Frankfurt a. M., Hamburg und Altona bestehen, damit wir bald einen über ganz Deutschland und über seine seine Grenzen hinaus verbreiteten Verein inS Leben rufen können. College»! Wir rufen Euch zu: Sckließt Euch zusammen zu unser Aller Wohl!- Einigkeit macht stark! Wir sind gern bereit, alle hierauf bezüglichen Anfragen sofort zu bcantivorten, sowie allen Collegen, welche es wünschen, unsere Statute» zuzusenden. Schließlich bemerke ich noch, daß wir in unserem Bereinslokal, Schoppenstehl 22, ein Arbeitsvermittlungs- Bureau eingerichtet haben, und wird daselbst jeden Abend von 8— 9 und Sonntags Morgens von 10— 11 Uhr Arbeit nachgewiesen. Alle Briefe sind an den Unterzeichneten zn richten. Mit collegialischem Gruß und Handschlag der Vorsitzende der Klempner und Gassitter. W. Metzger, Neue Fuhlentwiete 7, II. Etage. Correspondenzen. Leipzig. Am 5. April wurde Hepnern der Bescheid der Kreis- direktion— welcher die gegen ihn verfügte polizeiliche Ausweisung genehmigt— mitgetheilt. Zugleich wurde ihm nun von Polizei- wegen eröffnet, daß er„innerhalb 24 Stunden bei Strafe der Verhaftung und Wegschassung" die Stadt zu verlassen habe. Auf einen hiergegen erhobenen Recurs sollte er nach einigen Stunden Antwort erhalten. Er schickte daher der Vorsorge halber sogleich iiachstehendes Telegramm ab:„Dresden. Kgl. Ministerium de« Innern. Polizeidircktion befiehlt mir Verlassen der Stadt inner- halb 24 Stunden. Bitte um Suspcndirung dieses Befehls bis zur Erledigung meines Recurses und vor 17 Tagen bei der Staats- anwaltschast eingereichten Strafantrags gegen Polizeidirektor. Rück- antwort bezahlt. Ergebenst Hepner."— Nachmittag kam ihm vom Polizeiamt folgende Nachricht:„Bis nach Eingang der Ministerial-- entscheidung bleibt der Ausweisungsbeschluß iu suspeusv." Das Ministerium hat es nicht für nothwendig gehalten, die gewünschte Antwort zu ertheileu. Ebensowenig hat sich die Staatsanwaltschaft bis jetzt bemüßigt gefunden, zu erklären, ob sie den Strafantrag annehme oder nicht. Hepner hat deshalb unter'm 7. April die Intervention der Generalstaatsanwaltschast angerufen und sie um Beschleunigung der Angelegenheit ersucht,„damit es nicht den An- schein gewinne, als werde dieselbe so lange hingezogen, bis er (Hepner) ausgewiesen und ihm die Möglichkeit, seine Rechte persönlich zu wahren, benommen sei." Hrnftthal. Wähler Bebefs!|2ßie Ihr werdet erfahren haben, muß unser Vertreter im Reichstag, August Bebel, sein Mandat in der Rocktasche herumtragen; es ist ihm vom Reichstag während der Session kein Urlaub gestattet worden, und meiner Ansicht nach vielleicht deswegen, weil sich der Reichstag vor ihm fürchtet. Warum fürchtet der Reichstag sich wohl vor Bebel? Weil ihm dieser die Wahrheit tüchtig sagt! Wir werden aber zum nächsten Wahlkampf um so entschiedener für Bebel einstchen; wir haben dadurch, daß Bebel nicht reklamirt worden ist, ein Kampfmittel mehr in der Hand. Da der Reichstag die Stimmen von ziemlich elftausend Männern nicht beachtet, so ist es an uns, öffentlich Protest zu erheben und dem Reichstag zu zeigen, daß wir nicht muthlos, sondern vielmehr erst recht kampflustig geworden sind. Darum auf, Wähler Bebel's, zeigt dem Reichstag, daß der 17. sächsische Wahlkreis nicht mürbe zu machen ist! Mit sozialdemokratischem Gruß Gotth. Grabner. Kainichen, 20. März. Am 6. d. M. hatten wir eine zahl- reich besuchte Volksversammlung, in der Herr Auer aus Berlin über das Parteiprogramm referirte. Zu dieser Versammlung hatten wir die Bourgeois von Hainichen durch Plakate eingeladen, und waren auch Einige erschienen. In mehr als zweistündiger Rede behandelte Hr. Auer unser Programm unter allgemeinem Beifall. Auer schilderte die heutigen Zustände mit einer Schärfe und Gewandtheit, daß es den anwesenden Bourgeoisphilistern gar sonderlich zu Muthe wurde. Auf die mehrmalige Aufforderung, daß die Gegner sich zum Worte melden sollten, fand sich kein Gegner, und Herr Auer sah sich genölhigt, nochmals das Wort zu ergreifen, um die Herren Bourgeoisphsiister in einer Weise zu charakterisiren, daß die ganze Versammlung mit stürmischem Aplaus endigte und sich viele Arbeiter von Stadt und Land in die Partei- listen einschreiben ließen. Nach Schluß der Versammlung fand sich noch ein Herr Plantagen-, Ziegelei-, Bergwerks-, Unterkollekteur- und Jncasso-Geschäfts-Jnhaber veranlaßt, Herrn Auer persönlich zu interpelliren, machte aber bei dieser Gelegenheit ein so klägliches Fiasko, daß" er es vorzog, mit den übrigen Bourgeois unter dem Gesang des Liedes:„Der Staat ist in Gefahr-c." abzuziehen. Friedrich Fleischer, Vertrauensmann. ßhemnih, 26. März. Agitationsbericht. Außer den Bersamm- lungen hier und in Oederan, über welche schon berichtet worden ist, fanden noch 8 weitere statt, über welche wir kurz Folgendes zu erwähnen haben: Vahlteich sprach in Zwickau über den Kampf der Buchdrucker und das Volksschulgesetz; in Glauchau zur Feier dcö 18. März vor einer überaus zahlreichen und begeisterten Ver- sammlung. Wolf agitirte in Limbach mit sehr gutem Erfolge für die Partei-Organisation und die Buchdruckerbewegung und wurde dabei von anderen Rednern unterstützt; die Bewegung ist hier vortrefflich im Gange und es sind auch bereits einige Erfolge bei den städtischen Wahlen erzielt worden. In Claußnitz bei Burgstädt hielt Wolf die erste zahlreich besuchte Versammlung ab, unterstützt von Parteigenoffen aus Köthensdorf, Wittgensdorf, Taura und Mittweida. Dort machten sich, wie das auf den kleinen Orten dieser Gegend üblich ist, einige Gegner durch rohe Ruhe- Drangen bemerklich; der Ortsrichter wollte die Ruhe auftecht er- Ilten helfen, wurde aber von dem Gendarmen daran verhindert, dessen gelang es, wie gewöhnlich, auch ohne Polizeihilfe, die .«gel in die nöthigen Schranken zu verweisen. Es wurde sofort eine Parteimitgliedschaft gegründet. Uhle war in Zschopau, um die Organisation der schon gegründeten Mitgliedschaft zu festigen, bei welcher Gelegenheit sich wieder eine Anzahl neuer Genossen in die Liste der sozialdemokratischen Arbeiterpartei einzeichnen ließ. Nachdem Lyser, wie schon gestern berichtet wurde, hier für die Buch- drucker gewirkt hatte, hielt er am 23. März in Schellenberg bei Augustusburg eine Versammlung ab. Auf der Tagesordnung stand: „Die Arbeit." Als Redner den Arbeitern anempfahl, sich zu or- ganisiren, der sozialdemokratischen Partei beizutreten und sozial- demokratische Blätter zu lesen, intervenirte der die Versammlung überwachende Beamte, Herr Referendar Brettschneider, weil Lyser gesagt hatte:„Die sogenannten Amts- und Kreisblätter haben so wenig wie die Organe der National-Liberalen und Fortschrittler für die Arbeiter irgend welchen Werth, da in denselben ihren In- teressen nicht Rechnung getragen wird. Neben einer oberfaulen Erfolgsanbetungs-Politik und abgedroschenen Anekdoten bringen sie meistens nur noch Nachrichten, wie z. B.:„Sc. Majestät der deutsche Kaiser habe sich da oder dorthin zur Jagd begeben. Der Prinz von So und So ist mit dem Tode abgegangen w." Herr Refe- rendar Brettschneider erklärte, daß er wegen dieser Aeußerungen über Se. Majestät den Kaiser Lysern das Wort entziehen müsse. Lyser erwiderte, daß er nur über den Inhalt gewisser Blätter ge fprochen, nicht aber irgend eine unparlamentarische Äeußerung über den preußisch-dcutschen Kaiser gethan habe und daher nicht begreife, wie man ihm deshalb ohne Weiteres das Wort entziehen könne. Die Versammlung stimmte dieser Erklärung Lyser's zu. Jetzt warf sich der Herr Referendar in die Brust und sprach solgende denk- würdige Worte:„Da die Versammlung einen Charakter angenom- men hat, welcher die öffentliche Ordnung gefährdet, so erkläre ich die heutige Versammlung, kraft meines Amtes, für aufgelöst." Allgemeine Heiterkeit folgte diesen Worten. Der Staat war wieder einmal gerettet. Gleiches Schicksal der Auslösung hatte eine am Montag von Uhle in Gelenau abgehaltene Versammlung. (Chemnitzer Freie Presse.) Wardenburg, 4. April. Parteigenosse Adolph Waldt ist heute bei Anmeldung einer Versammlung verhaftet worden. Wie man uns mittheilt, soll die Polizewerwaltung etwas von ihm verlangt haben, was das Gesetz nicht vorschreibt.(Wie wir nachträglich erfahren, ist Waldt wegen„Majestätsbeleidigung" zu einer Hast von 3 Monaten verurtheilt worden: D. Red. d. V.) Wraunschweig, 1. April. Die Schneidergehülsen Braunsebweigs theilen schleunigst den übrigen Collcgen in Deutschland und außer Deutschland mit, daß sie wegen einer Lohndifferenz mit den Ar- beitgebern in Verhandlung getreten sind; es scheint aber, als ob eine Uebereinkunft Seitens der Arbeitgeber mit uns nicht stattfinden solle. Wir bitten deshalb unsere Collcgen, von allen Orten den Zuzug nach Braunschweig fern zu halten. Nähere Bekanntmachung behalten wir uns vor. Das Comitö. Alle arbeiterfteundlichen Blätter bitten wir um Abdruck. Karburg, S. April. Die Arbeitseinstellung der Maurer und Zimmerer, deren Meister sich durch Conventionalstrafe verpflichtet haben, die Forderung der Gesellen: pro Tag 1 Thlr. 2'/- Sgr. Minimallohn für 9'/- Stunden Arbeitszeit, nicht zu bewilligen, dauert fort. Die Gesellen, insbesondere die Maurer, bei denen „Bange machen gilt nicht" Parole ist, können das jedenfalls noch lange aushalten, denn 1) sind alle„Fremden" abgereist, 2) neh- men dieselben nunmehr Arbeiten auf eigene Rechnung an, und je länger der Strike dauert, destomehr gewöhnt das Publikum sich daran, die„Herren Meister" zu entbehren und die 5— 10 Gr. Meistergeld pro Tag zu ersparen, so daß, wenn dies noch lange so fortgeht, die Gesellen doppelten Vortheil von dem Strike haben. Daß„Fremde" nicht zugereist kommen, dafür ist auch gesorgt, und und die sich doch etwa hierher verirren, nnn, die verstehen ja auch deutsch. Leider stehen die Zimmerleute nicht so fest, indem etwelche aus„Mißverständniß", mit oder ohne Absicht sei dahin- gestellt, bei Meister Brunkhorst wieder angefangen hatten. Uebrigens haben die Maurermeister bereits eingewilligt, für 10 Stunden bis 1 Thlr. 7'/2 Gr. Lohn zu zahlen, während die Gesellen bei 9'/- Stunden den Lohn von 1 Thlr. VU Gr. aufwärts bezahlt haben wollen. Die Zimmermeister glauben nun freilich alles Ernstes, daß die Gesellen bis 7 Uhr Abends arbeiten sollen, wogegen sie allerdings 2 Stunden Mittag bewilligen wollen. Am Besten dabei stehen sich die Landmeister der Umgegend, die nun, weil sie tüchtige Gesellen erhalten, den renitenten Meistern in der Stadt, manch schönes Stück Arbeit, bei den großartigen Eisenbahnbauten vor der Nase wegschnappen. Man sagt zwar, daß die„Bürger" die Erklärung zu Gunsten der Meister erlassen werden, daß sie ihre Bauten auf drei Monate sistiren wollen, allein andere„Bürger", z.B. Brauer H., der gerade am meisten baut, scheint anders zu denken, und hält die theuern Formsteine für zu gut, um von den paar unfähigen Gesellen, die die Meister in ihrer Roth angestellt haben, verhunzt zu werden. Also„Bange machen gilt nicht!" Die Sache der Gesellen steht sehr gut, durch Ausdauer und treues Festhalten werden sie ihre Forderung durchsetzen. Königsberg, 3. April. Sämmtliche Arbeiter der Ostbahn haben die Arbeit eingestellt und verlangen statt 16 Silbergroschen 1 Thaler Tagelvhn. Die Bromberger Direction erhöhte auf tele- graphische Benachrichtigung den Tagelohn auf 22'/- Silbergroschen, was die Arbeiter ablehnten. Winterthur. Ein Schneidcrstrike ist ausgebrochen. IS Prozent Lohnerhöhung werden verlangt. Der Zuzug ist abzuhalten. Wir bitten die Kollegen, sich unserer anzunehmen, da der Kampf immer hartnäckiger zu werden droht. Das Strikecomitö. Erklärung. In Nr. 19 des„Volksstaats" vom 5. März d. I. sind gegen meine Person die unbegründelsten Angriffe direkt wie indirekt von feiten der Herren Kühn, Metzner, Pioch und Wenner ge- schleudert worden, welche ich unter Protest zurückweise. Vor- stehende Herren sind in Berlin erkannt— auch die Außenwelt wird selbige noch erkennen.(!?) F. Aurin, Königsgraben IS. Berlin. An unsere Eorres�ondentcn! Die Zahl der tagtäglich einlaufenden Versammlungsberichte steigt mit der reger werdenden Agitation und der Ausbreitung der Partei dermaßen, daß— so lange das Blatt nur zweimal wöchent- lich erscheint— ein unverkürzter Abdruck der Einsendungen ganz unmöglich ist. Wir bitten unsere Correspondenten daher dringendst, sich der möglichsten Kürze zu befleißigen und in ihren Refe- raten alles DaS wegzulassen, was schon unzählige Mal dagewesen und für die Leser nicht von erheblichem Interesse ist. Andernfalls müßte die Redaktion unbarmherzig den Rothstift anwenden, um den Fall zu verhüten, daß der belehrende und politische Theil deS Blattes ans die Dauer durch eintönige Versammlungsberichte in den Hintergrund gedräugt würde. Namentlich an die Agitatoren und Verttauensmänner richten wir die Bitte, statt der Referate über einzelne Versammlungen lieber Monrtscorrespondenzen und Gesammtagitationsberichte cinzusetiden; es ist dies die einzige Möglichkeit für uns, die Einsendungen ohne lange Verzögerung zum Abdruck zu bringen. Denn so wie die Dinge jetzt liegen, müßte jede Nummer eine Doppelbeilage haben, wenn alles ein- gesandte Material nur halbwegs schnell berücksichtigt werden sollte. Die Redaction des„Volksstaat". Briefkasten der Expedition: Hlr. in Leipzig: für Annoncen 3 Gr. Br. in Ham- bürg: f. Annoncen 12 Gr. Die in Nr. 29 quittirten 2 Thlr. vom Arb.- Bild.-Ber. in Stollberg für die strik. Buchdrucker sind nicht von Rothbarth, sondern von Bockert gesendet. Gnm. in Pforzheim: f. Abonn. 19 Thlr. 5 Gr. 4 Pf. erh. H. Kr. in München: f. Abon». 16 Thlr. 25 Gr. 8 Pf. erh. A. ZI. in Berlin: für Abonn. 1 Thlr. 10 Gr. erh. Stgr. in New- Vork: f. Abonn. 2S Gr. erh. Mülf. in Graz: f. Abonn. 12 Gr. erh. Arb.-Bild.-Vcr. in Glognitz: f. Abonn. 1 Thlr. 6 Gr. erh. Th. Kfm. in Berlin: f. Bbonn. 25 Gr. Gggbg. in Graz: f. Abonn. 18 Gr. erh. Hrm. in Leipzig: für Abonn..3 Gr., f. Monat April 4>/z Gr. Hcssl. in Leip- zig: für Abonn. 13 Gr. H. M. in Lichtenstcin- Calnberg: f. Schriften 10 Gr. Rechtsanw. Osw. in Göppingen: f. Schriften 6 Gr. Colp. Bckt. in Leipzig: für Abonn. 1 Thlr. 10 Gr. Int. Mett.-Arb.-Gewsch. in Leip- zig: für Annoncen 1 Thlr. 16 Gr. Sybd. in Leipzig: für Abonn. 13 Gr. A. Brkr. in Elberfeld: f. Annonce 10'/- Gr. erh. P. St. in Mainz: 2 Thlr. 8 Gr. erh. Ggl. in Leipzig: f. Schrift. 10 Gr. E. Schmdt. in Fiinskirchen: f. Abonn. II. Quart. 3 Thlr. 18 Gr. Kosta Lira in Sz. Tama«: f. Abonn. II. Quart. 18, f. Schrft. 1 Thlr. 24 Gr. erh. Kztzsch. in Dresden und Zrngl. in Crimmitschau: f. Abonn. I. Quart. 14 Thlr. 8 Gr. erh. A. Prbst. in Buckau: f. Abonn. 20 Gr., f. Schrft. 12'/.- Gr. erh. Gstgr. in München: f. Abonn. 8 Gr. erh. A. Wld. in Langen- bielau: f. Abonn. I. Quart. 8 Thlr. 27 Gr., f. Schrft. 2 Thlr. 15 Gr. erh; verwenden Sie die Uebrigcn zur Agitation; Annoncen kosten 12 Gr. W. Zpk. in Breslau: f. Abonn. 1. Quart. 16 Thlr. erh. F. Lschk. in Kötschenbroda: Wir berechnen Ihnen zu 10'/- Groschen. Ksta. Lrra. in Sz. Tomas: Marx„Kapital" können Sie hestweise ä 10 Gr. bez.; bis jetzt sind 8 Hfte. erschienen. Colp. Mllr. in Leipzig: f. Abonn. II. Quart. 50 Thlr., f. Schrft. 10 Thlr. erh. B.C. Kr. Coburg: f. Schrft. 3 Thlr 16 Gr. erh.; Ihr Brief scheint verloren. der Redaction: Ch. A. in Duisburg: Ist dem Ausschuß übersandt. P. N. in München: Brief von Schirmer nicht erhalten. Quittung. Für die strikcnden Buchdrucker hat mit Dank erhalten: Au« Gotha, 1. Sendung: Schuhm.-Gcwerkfchast Thlr. 6. 3'/-., Schneider-Gcwerkfchaft Thlr. 4. 8., Zimmerleute Thlr. 5. 6., Maurer Thlr. 2. 10., Actienfabrik Thlr. 3. 24'/-., Fabrik von Bricgleb u. Hansen Thlr. 6. 16'/-., Holz- arbciter-Gewcrkschast Thlr. 7. 3., Summa Thlr. 35. 11'/-. Göppingen: von. einer Anzahl Tuchmachergehilfcn Thlr. 2. 15., von drei Nichtverbands Mitgliedern 1 Thlr. Stadt Remda: 17 Gr. Leipzig.__________ G. Lamm. gerung seitens des Betreffenden der„Volksstaat"-Kaffe(speziell zur An- schaffung von Büchern für die Redaktion) überwiesen. Leipzig. A. H. Fond für pol. Gemaßregelte. Von H. B. in Paris 3 Thlr. Genofsenfchaftsbuchdruckerei. Antheilscheine bez. Antheilquittungen erhielten ferner: In Leipzig: E. G.! F. Thlr. 10, F. L. 20; in Hamburg: G. H. 10, E. A. P. 7, E. H. 2,: Th A. 1, Wdd. 1; in Lichtenstein- Calnberg H. M. 1; in Borna E.K. 1; in Dresden M. K. 8. Hadlich. Anzeigen:e. Internationale Metallarbciterschast. .Jvvl Hl» Außerordentliche Mitglicderver'ammlung Freitag, d. 11. Mär; Vormittag 10 Uhr im Cafö Hübner, Jnvalidenstraße Nr. 16. Tagesordnung: Besprechung und Entscheidung in Sachen der Eon- trollcommission und andere innere Angelegenheiten. Alle Mitglieder haben zu erscheinen Der Bevollmächtigte.| Sozialdemokratischer Arbeiter Verein. Donnerstag, den 10. d. M. Abend» halb 9 Uhr: Generalversammlung in„Cafe Scheible", Münzstr. 5.— Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und der Revisoren, Neuwahl Beider wie Beschlußfassung über wichtige Anträge. Zn recht zahlreichem Erscheinen ladet ein_____ Der Vorstand. Äreslau. Arbeiterverein Geselligkeit. Jeden Sonntag von Abends 7 Uhr an gesellige Zusammenkunft mit Pallien in Schneider'« Restauration, Klosterstraße 73, Mauritiusplatz-Ecke. Die Vereins- und Parteimitglieder werden zu recht zahlteicher Be- theiligung aufgefordert und wir denselben obiges Lokal bei ihren Aus- gängen auch außer der Zeit zu fleißiger Benutzung bestens empfohlen. __ Der Borstand. H j tt Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Iii* Geschlossene Versammlung Sonntag den 13. April, Morgen« 11 Uhr, bei Wisdors, Thieboldsgasse.— Tagesordnung: Die„Volks- staat"-Kolportage. Um pünktliches Erscheinen bittet der Vertrauensmann. Zugleich werden die hiesigen Pateigcnossen dringend ersucht, für die Unterstützung der hiesigen Buchdrücker thatkräftig einzutreten, und sind bereits Listen zum Zeich- nen der Beiträge in Umlauf gesetzt. Der Obige. Sozialdemokratische Arbeiterpartei » Jeden Montag Abends 8 Uhr: Zusammenkunft im Lokale des Herrn Albert Kasper, an der Haspetcr Brücke. Der Vertrauensmann. Montag den 2. Ostcrfeiertag Landpattie nach Neviges, Zu- sammcnkunst beim Wirth Knapperbusch, Hochstr. Abmarsch � Uhr Nachmittag«. Um zahlreiche Betheiligung bittet(2a) d. O. Elberfeld. Restauration A. Broeker, Thomashof. Warme Speisen an jeden Abend von 6 Uhr ab. „Volksstaat",„Sozialdemokrat" u. s. w. liegen aus.(•) "f'rrtllPrlT t S®0st0' demokratische Arbeiterpartei. � VVlvity U Die hiesigen Parteigenossen versammeln! sich regelmäßig alle Sonnabende, Abends 8 Uhr im Hotel zum schwarzen Roß. Petersstraße. Auch liegt der„Volksstaat" daselbst aus. E. F. Männcl, Vertrauensmann.! Bitte an die Hainichener und Ocderaner Parteigenossen:! Wir schlagen vor, am 20. April Nachmittag» halb 4 Uhr die Agitation j zur ReichstagSwahl zu besprechen. Versammlungsort: Schwarzes Roß.I ____ C. F. Manuel. Freiberg i. Z. uh-7' Lrstes großes Arbellerverörliderungsfell Nachmittags 4 Uhr im Saale zum schwarzen Roß, Petersstraße. Bestehend in Vorträgen, Concert und Ball. Festrede von Otto-Walstcr aus Dresden. Alle Parteigenossen und deren Familienglieder sind freundlichst ein- geladen._____ Das Festcommitö. Meine Freunde Schneider MatlhicS, Buchbinder ~JUlU Ulli 1.4* Kühn, Berlin, wollen Adresse bei Vertrauensmann Hcinsch abgeben. Komme Ostern.___ Kern. "f 1 lt Ut Ii 1t t' Ii Der Strike der Steinmetzen dauert ungeschwächt sott, und ist der Zuzug fem zu halten. Briefe und Gelder sind von jetzt ab zu richten an Heinrich Lotze, Steinmetz, per Adr. H. Priggc, Wirth zum Postkeller, Ecke der Amsinkftraße und Klostcrthor in Hamburg. Das Commitö. Kötzfchcnbrodll. Abonnements auf den„Volksstaat" werden in den Versammlungen, sowie bei Ar. Leuschbe, Neuegasse Nr. 16 I., vierteljährlich und monatlich an- genommen Langenöielau. Die Mitglieder der �„ sozialdemokratischen Arbeiterpartei versammeln sich regelmäßig ieden Mittwoch und Sonnabend Abend«> im Parteilokale.(w)> Ad. Wald. Freitag. 11. April: Gesellige Zusammenknnft der Mitglieder de« sozial-demokratischen Arbeitervereins und deren Familien im Lokale des Herrn Zeidler, gr. Windmühlenstraße Nr. 7._ Der Vorstand. Zum Buchbmdertag. Den Delegirten Zur Nachricht, daß von Samstag, den 12. d., Mittags an fottwährend Commitee-Mitgliedcr an dem Bahnhof sein werden, um die Deligirten in Empfang zu nehmen. Dieselben sind an weiß-grünen Schleifen an der Brust kenntlich. Für Quartier ist bestens gesorgt. Mit collegialischem Gruß Da« Comitö. Schnell und pünktlich liefern, sämmtliche Artikel des Buchhandels und der Colportagc, sowohl an Wicderverkäuser, als an Jedermann zu den billigsten Preisen Heinze& Voigt in Leipzig. Aus gefl. Anfragen brieflich Nähere«.(5c S) Ich suche einen Jungen, welcher Lust hat, Schuhmacher zu werden, unter günstigen Bedingungen in die Lehre. Leipzig. Joh. Heinr. Werner, (4d) Kleine Fleischergasse, Nr. 29, 4 Treppen. Zur öeachtung. Berichtigung. Einige Exemplare der Beilage sind fälschlich mit Nr. 28 jstatt mit Nr. 29 bedruckt. Quittung. 3 Fl. 30 K. am 3/12. 72 und 8 Fl. 33 Kr. am 2/1 73 per P. S. erhalten für einen politisch Gemaßregelten, und infolge Annahmeverwei- Alle Diejenigen, welche noch Erfurter Protokolle zu bezahlen haben, werden hierdurch aufgefordert, den Be- trag bis spätestens den 15. April an mich einzusenden. Desgleichen ersuche ich um sofortige Retoursendung etwa noch nicht verkaufter Mainzer Protokolle, da solche nicht mehr vorräthig sind und noch verlangt werden. 2d Th. Uorck. Leivzig: Beranlw. Redatlmr E. Kasper. sRedakuon und«xpedttt»» Hohestr. 4). Druck and Verlag der GenosseuschaftSbnchdruckerei. Hierzu Bcilayc. / Aeitage zum AoNsjlaat Ar. 29. Die Sozialdemokratie und der Buchdruckerstrike. Gerade 10 Jahre sind es, als ich ein Mitgründer des„All- gemeinen Deutschen Arbeitervereins" oder der sogenannten Lassallea- nischen Vereine war, und zu diesem Bchufe die„Fränkische Volks- zeitung" ins Leben rief. Ist diese Zeitung durch den Vertragsbruch eines„liberalen" Druckers, welcher mit den Bourgeois und Geld- juden der moralischen Hauptstadt Bayerns Hand in Hand ging, trotz taufenden von Abonnenten, auch zu Grunde gegange», so gewährt es mir doch ein freudiges Bewußtsein, nicht umsonst ge- arbeitet zu haben; denn es sind nun überall die Massen der Arbeiter erwacht, nachdem sie vor zehn Jahren noch zu schlafen schienen und kein freies und lautes Wort gegen ihre Unterdrücker, die modernen Sklavenhalter, auszusprechen wagten. Endlich sogar in München, der noch nicht vollständig ver- preußten, vielmehr wenigstens immer noch den Namen tragenden Hauptstadt Bayerns hat man deutsches Phlegma abgeschüttelt und regt es sich unter den Arbeitern, um sich vom Joche der blut- saugenden Geldaristokraten zu befreien. Kühn stellen sich nun auch die Schriftsetzer an die Spitze der Bewegung und nehmen den von ihren Unterdrückern hingeworfenen Handschuh auf. Sie wollen lieber den Dienst verlassen, als ehrlos sein. Dank gebührt deßhalb denselben und allen Arbeitern, die mit ihnen Hand in Hand gehen. Der günstige Erfolg wird nicht aus- bleiben. Sind auch manche Schriftsetzer oder sonstige Arbeiter für den Augenblick beschäftigungslos und fast ohne Erwerb, so sind ihre sie unterdrückenden Prinzipale doch noch viel schlimmer daran. Denn während Jenen nur Groschen entgehen, verlieren Diese hun- derte und tausende von Thalern, und sind schließlich gänzlich rui- nirt, wenn ihre Maschinen auf die Dauer stille stehen müssen und Zeitungen und Bücher nicht mehr erscheinen können. Selbst die unbezahlten armen Teufel von Lehrlingen werden diese Scharte na- türlich nicht auswetzen können. Die geldgierigen Buchdrucker, die ihre armen, aber fleißigen Gehülfen, die schon in ihrer Jugend durch Bleistaub und Ueber- anstrengung Augenlicht und Gesundheit verlieren müssen, nur als eine gewöhnliche todte„Waare" betrachten und nur allein ihren eigenen Geldsack anbeten, werden deßhalb früher oder später, frei- willig oder gezwungen, ihre Habgier mäßigen und günstigere und menschenwürdigere Bedingungen für ihre Arbeiter aufstellen müssen. „Einer für Alle, und Alle für Einen" heißt der Grundsatz, von dem die Schrifisetzer, als wahre Jünger Guttenbergs, mit allen andern Arbeitern bis zum letzten Proletarier herab, und ihrer sind Neun gegen Einen, mit Wort und That eingetreten sind. Sie und nur sie allein haben das Recht und die Freiheit der Presse gewahrt. Doch sagen nicht auch die gewinnsüchtigen Buchdrucker, daß gerade durch die dem Verbände angehörenden Schriftsetzer die Frei- heit der Presse bedroht sei?!— Kann man je eine schmählichere Lüge dem Publikum ins Gesicht schleudern?!— Der Wolf wagt es, dem Lamme gegenüber zu sagen, es habe das Wasser getrübt und er dürfe deßhalb sein Blut schlürfen?!— Der arme Arbeiter mit seinen paar sauer verdienten Groschen soll sich dem Kapita- listen gegenüber nicht verbinden, nicht einmal von seinem Interesse sprechen dürfen?!— Und was wiegt der Pfennig der Armen gegen die Millionen der Reichen?!>— Sie, die reichen Bourgeois-Buchdrucker, wagen es also, von der bedrohten Freiheit der Presse zu sprechen, während es ihnen doch nur gilt, den„heiligen Geldsack" für unantastbar und un- verletzlich, eben für vollkommen und„unfehlbar" zu erklären. Sie wollen von diesem„unfehlbaren Heiligen" auch nicht einmal einen rothen Pfennig für den nothleidenden Arbeiter ablassen. Lächerliches Gcbahren! Ihr„unfehlbaren Bourgeois"! Die Kugel ist im Rollen und werdet Ihr sie nicht mehr aufhalten! Der Arbeiter ist erwacht und spricht zunx Schrecken aller„Geld- heiligen" nicht allein von Freiheit und Menschenwürde, sondern will sogar wahrhaft frei und auch für seine schwere Arbeit'zum wenigsten genügend bezahlt sein. Die 10 Prozente der Bourgeois, die bisher nur allein alle Rechte genossen und dafür geringe direkte Steuern zahlen, werden im wenigen Jahren gegen die 90 Prozent Arbeiter und Proletarier, von deren indirekten Steuern die Geldprotzen sich mästeten und in Luxus schwelgten und dazu auch noch StaatS-„Unterstützungen" erhielten, einsehen, daß sie ihre Rolle ausgespielt haben und daß sie diese nun an die bisher unterlegene Mehrheit abtreten müssen. Darum fest und einig, Ihr Arbeiter und Proletarier jeder Branche! Solidarisch verbunden„Einer für Alle und Alle für Einen." Nicht geruht und nicht gerastet. Ueberall gibt es Hilfe. Auch Spanien, Frankreich und Italien blickt aus Euch und ist strebsamer als je an der Arbeit zur Befreiung von dem Joche der Kapitalherrschaft.— Hoffnung! Noch kurze Müh und Arbeit und Euch ist der Sieg! Rud. v. G achter. Von Vahlteich geht uns folgende Erklärung zu: „Auf den in Nr. 24 des„Volksstaat" enthaltenen Angriff auf mich bezüglich meiner Beurtheilung der die Zwickaner Straf- anstatt betreffenden Fragen') habe ich in Nr. 69 der„Eh. Fr. Pr." eingehend geantwortet-). Ich beschränke mich hier darauf, zu er- klären, daß ich in dem Artikel in Nr. 18 des„Bolksstaat"„Ein deutsches Gefängniß" trotz der versuchten Ableugnung der Thatsache nach wie vor eine ungerechte und ungeschickte Verdächtigung des Herrn Direktor d'Alinge finde. Wenn in Nr. 24 des„Bolksstaat" auf mich der Schein zu werfen versucht wird, als hätte ich mich für die Verhältnisse in der Zwickauer Strafanstalt im Ganzen und für die daselbst herrschende„milde Praxis" insbesondere„begei- stert", so weise ich das entschieden als eine aus der Luft gegriffene Verdächtigung zurück1). Wer sich dafür interessirt, mag die frag- lichen Artikel in der„Eh. Fr. Pr." lesen." Bei unserer nachstehenden Antwort beziehen wir uns auf die in Vahlteichs Erklärung durch Zahlen bezeichneten Stellen: »d 1) Unrichtig. Der„Bolksstaat" hatte Vahlteichen nicht zurechtgewiesen wegen dessen„Beurtheilung der die Zwickauer Strafanstalt betreffenden Fragen", sondern wegen deffen Behaup- tung, der„Volksstaat" habe den Direktor d'Alinge„verdächtigt". Unsere Notiz war also kein„Angriff", sondern nur eine Abwehr des Vahlteich'schen„Angriffs"; Vahlteich hatte unsere Notiz selber provozirt. all 2) Was? Daß die Polemik des„Bolksstaat" in Nr. 24 „perfide" sei; und wieso? Weil es nicht wahr sei, daß Herr d'Alinge ein Anhänger des„Rauhen Hauses", und weil es ferner nicht wahr sei, daß„Muckerthum und Humanität unvereinbare Gegensätze sind". Die Redaktion muß freilich für den ersten Punkt ihrem„Corrcspondenten" den Beweis der Wahrheit über- lassen, für den zweiten Punkt aber Herrn Vahlteich seinem eigenen Schicksal. »A 3) Im Artikel 6 sagte Vahlteich:„Haben wir an der Hand der formell zweifellos zu Recht bestehenden Bestimmungen der Hausordnung und Verhaltungsvorschriften gesehen, was in der Zwickauer Strafanstalt unter einem willkürlichen, ungebildeten nnd harten Direktor möglich wäre, so wende ich mich nun zur Beurtheilung der Zustände, die wirklich bestehen. Ich muß da leider bestätigen, daß die Einrichtungen, die Disziplin, mit einem Worte der ganze Mechanismus der Anstalt den bestehenden ministeriellen Anordnungen entspricht; die bisher zugelassenen Ausnahmen laufen auf weiter Nichts als eine milde Praxis hinaus, und wenn man sich Mühe gibt, die Sache objektiv zu beurtheilen, wird mau finden, daß es gar nicht anders sein kann." Weiter aber:„Ich habe die feste Ueberzeugung, daß die Direktion der Zwickauer Strafanstalt auf eine angemessene Bitte hin es jedem gebildeten, ehrenhaften Gefangenen gestatten wird, seine eigenen Kleider, sowie Bart und Kopfhaar nach Belieben zu tra- gen, sich selbst zu beköstigen und zu beschäftigen und sich genügend an freier Lnft zu bewegen, vorausgesetzt, daß der Betreffende die nöthigen Geldmittel zur Verfügung hat und sich durch unkluges Betragen nicht selbst die Erleichterungen verscherzt." Heißt das nicht, sich für die„milde Praxis" des Herrn d'Alinge begeistern? Und sollte es so ganz unbegründet sein, was die säch- fischen Gerichtssubalternbeamten— die doch hierüber sehr compe- tente Autoritäten sind— allgemein behaupten: daß die Zwickauer Gefangenen es schlechter haben, als die Waldheimer Zuchthäusler? Wie konnte auch Herr d'Alinge— wenn er wirklich in der Praxis so„human" wäre, wie er sich in seinen Schriften gerirt und wie ihn Vahlteich von Anfang bis Ende ausmalt— sich eine so barba- rifche Hausordnung, die(nach Vahlteich's Worten)„aus dem Ge- fängniß nicht blos ein Zuchthaus, sondern eine Hölle" macht, ini Jahre 1871 widerstandslos aufoktroyiren lassen? Oder glaubt Vahlteich wirklich, das sächsische Ministerium würde ein solches Reglement erlassen ohne Gutheißung des Mannes, den es selber als„erste Gefängnißwescn-Autorität" im Lande ausposaunen läßt? Mag es Vahlteich glauben! Für uns ist ein Mann, der lauter von„Humanität" über und überfließende Bücher über das Ge- fängnißwesen schreibt und sich zum Vollstrecker einer„Hausordnung" — wie die Zwickauer ist; siehe Nr. 18 d. Bl.— hergibt, keine so zutrauengewinnende Persönlichkeit wie für Herrn Vahlteich. Lese man alle 9 Artikel des Letzteren in der„Chemnitzer Fr. Presse" durch, und man wird dann sehen, ob unsere Behauptung, daß sich Vahlteich für die„milde Praxis" des Herrn Direktors begeistert hat,„aus der Luft gegriffen ist" oder nicht. Correspondenzen. London. Der„Volksstaat" brachte vor einiger Zeit einige Zeilen, welche die Section l der I. A.-A. in New-Aork an unseren braven, würdigen Freund A. Sorge gerichtet hatte, um ihm bei dem plötzlichen Verlust seiner einzigen 17 jährigen Tochter ihre tiefen Sympathieen mit seinem Schmerz und zugleich ihre Erkennt- lichkcit fiir seine vielen treuen und langjährigen Dienste in der großen Sache der Befreiung des Proletariats auszudrücken. Die „Soienee populnire"(„Volkswissenschaft") von Verviers bringt darüber in ihrer Nummer vom 16. März 1873 folgende Notizen: „Heiliger Sorge, bitt' für uns!" Der würdige„Bolksstaat" von Leipzig enthält diese Woche einige Zeilen, gerichtet an A. Sorge, General- Secretair der Int. A.-Association in New-�)ork, welche wir hierbei übersetzen und die unser Nachdenken erregen. Der General-Secretair hat kürzlich ein kleines Kind(seine einzige Tochter von 17 Jahren) verloren und er scheint großen Kummer darüber empfunden zu haben. Nichts ist natürlicher und wir begreifen seinen Schmerz. Aber was wir nicht begreifen, ist ein Schmerz, der sich breit macht, um von seinen College» des Gencralraths einen Akt der Heiligsprechung in bester Form �zu erringen und zwar nicht für die zu frühzeitig dahingeschiedene Tochter, sondern für den über- lebenden Vater. Herr Sorge, Dank sei es der Inspiration Gottes und des heiligen Geistes, welcher ein Landhaus in der Nähe von London bewohnt, leitet den Generalrath und einige Föderationen�), die ihm treu geblieben sind, willkürlich, wie es ihm gefällt; bald wird er Orakel erlassen unter� dem Schatten einer alten, dichten Eiche auf dem Wege nacb Hoboken, und seine Freunde werden eine zweite Unfehlbarkeitserklärung für ihn erlassen. Man wird dann sagen:„Der Papst und Herr Sorge haben gesprochen, nieder auf die Kniee, Sterbliche gehorcht!"" Hierauf in getreuer Uebersetzung die fragliche melodramatische Prosa. Ich verschone natürlich den Leser des„Volksstaat" mit dieser getreuen Uebersetzung in belgischem Französisch. Nach der Uebersetzung kommt noch folgendes Nachwort: „Es will uns bedünken(vielleicht sind wir aber zu naive Leute), als ob es unendlich besser wäre» ernstlich und mit allen Kräften für die Emanzipation des Proletariats zu arbeiten, als sich durch Freunde und Bekannte Patente ausstellen zu lassen, geschrieben in stammenden Buchslaben, bestätigend, daß man ein Herz besitzt von weiterem Umfang, als das der gewöhnlichen Märchrer. Duich dieses System niedriger Schmeicheleien und knabenhafter Beglück- wünschungen will man sich unentbehrlich machen, und wir haben gesehen, wie von den hundert Unentbehrlichen 99 ihren Einfluß mißbrauchen, den man ihnen so edelmüthig einräumt.„Ich bin ein großer Mann, Du bist ein großer Mann, wir sind große Männer", das ist leicht gesagt, aber es wäre besser, das zu be- weisen, wenn man der Sache so sicher ist. In der That ist es uns nicht gelungen, zu begreifen, wie der„Volksstaat" solcher Speichelleckerei die Hand bieten konnte." So weit belgische„Wissenschaft". Ich brauche diesem Aus- bruch von Jndelikatesse nichts hinzuzufügen. Sie sind selbstredend und nur der„esprit beige" kann ein solches Mackwerk produ- ziren, wodurch das„wlssenschaftliche" Blatt sich würdig seinen beiden literarischen Colleginnen anreiht, die wie es in„Anarchie", „ewiger Gerechtigkeit" und„ewiger Wahrheit"„machen", seit Jahren aber ihre Spalten ewigen Lügen und unsterblichen Ver- *) Auch nicht eine ist abgefallen, außer der„Woodhullistischen free- lovere" und einigen französi'chen Scctionen, die nie anerkannt waren. leumdungen geöffnet haben und zwar mit dem vollen Bewußtsein der Lüge und der Verleumdung. Daß sich die„Faro"- Politiker und die„bonnet de coton""- Philister des„International" wohl und heimisch in diesem Wust von Lng und Trug fühlen, läßt sich begreifen; was soll man aber denken von den„tiefen Denkern" der„Ltberts", diesen sozialisti- schen Kleinkrämern, diesen von Comteismus angesäuerten Proudhoni- sten, wenn sie ihre tiefsinnigen Bandwurmartikel mit und ohne „Methode" genießbar zu machen suchen durch daö Altweibergeklatsch der englischen proletarischen Schleppträger der Bourgeoisie und ihrer Vorbilder, der systematischen Lug- und Trugfabrikation unter russischer Oberherrschaft? "[Paris, 17. März. Sowohl der Jahrestag der Revolution (24. Febr.) von 48 wie der Faschingsdienstag sind glücklich, trotz- dem einer auf den andern folgte, ohne besondere Theilnahme von Seiten der Pariser Bevölkerung, und ohne Ruhestörungen zum Nachtheil der conservativen Republik überstanden. Wie wäre eS auch anders möglich; bietet doch der Belagerungszustand hinläng- liche Garantie für Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung. Auch hat daS neue Gesetz gegen die Trinksucht die Pariser nüchtern ge- macht und der Nichtnmzug des fetten Ochsen allen Zusammenlauf auf den Straßen und öffentlichen Plätzen beseitigt. Freilich, ge- wohnheitshalber auf den Boulevards, von Place de la Bastillc bis zu den Madelaine bewegte man sich auch dieses Jahr in dich- ten Massen ans und ab, ab und auf. Jedoch nicht munter oder etwa ausgelassen, sondern ruhig und gelassen, höchstens daß ein Pariser Gamin als Bajazzo verkleidet, oder ein industrieller Spe- kulant durch seine Reclame in diese Einsamkeit etwas Leben brachte. Nur die in geschlossenen Räumen zahlreich stattfindenden Masken- bälle mögen des Nachts manchen Ersatz geboten haben für die Langeweile des Tages, wenn auch dort die Hüter der Ruhe, Ord- nuna und Sittlichkeit während der Fastenzeit durch ihre Gegenwart die Pariser daran mahnten, daß sie sich in Belagerungszustand befinden. Doch trösten wir uns, daß der Fasching in Paris ziemlich ernsthaft-einförmig und einseitig dieses Jahr abgelaufen ist. Desto vielseitiger, reichförmiger und lustiger haben die Repräsentanten derNationzuVersailles ihre Sitzungen wieder begonnen, und wir haben wohl ein Recht zu hoffen, daß das, was noch kommen wird, das überbieten wird, was schon dagewesen ist. Ziehen wir nur ein Factum in Betracht: der exinternationale Arbeiter Tolain, an- jetzo der Versailler Linken angehörend, trat vor einiger Zeit mit der bescheidenen Bitte an die geehrte Versammlung, sie möchte doch 100,000 Fr. bewilligen, daß zu der Weltausstellung in Wien auf Staatsunkosten einige Pariser Arbeiter dorthin könnten geschickt werden. Dieser Antrag wurde einer Commission zur Begutachtung übergeben, und was haben diese Herren für gut befunden? Gang natürlich im Einverständniß mit der Regierung:„Nichts dafü8 zu' bewilligen". Denn nach der Meinung des Ministers für Handel und Industrie wären es ja eigentlich Abgeordnete der Jnternatio- nalen Arbeiterassoziation, die man dorthin schicke. Jules Simon, Minister des öffentlichen Unterrichts, war etwas toleranter; er meinte, wenn es dazu käme, müßte die Regierung die dazu Aus- erwählten genau controliren. Die reactionären Blätter, unter andern la Patrie, können diesen Entschluß nicht genug loben. In Anbetracht der finanziellen Calamitäten müsse man im Staats- budget allerlei unnöthige Ausgaben verhindern, man hätjx, das Geld zu was Nöthigerem zu verwenden u. s. w.— Sie sthen aus diesem einzigen Beispiel, daß der vierte Stand, unter einer republikanischen Regierungsform, wo die Gewalt in Händen der Ausbeuter und Unterdrücker ist, ebenso rücksichtslos behandelt wird, als in einer Monarchie, daß in dem Lande der permanenten Re- volution und Beschützuug peö Jesuitismus für ünS, die Arbeiter, die Hoffnung auf die Zukunft ebenso zweifelhaft ist— wie in dem Lande der Gottesfurcht und frommen Sitten, so lange das Classenbewußtsein, die Einigkeit und die Organisation noch nicht tiefere Wurzel als bis dato unter uns gefaßt habe». Die schon angebahnte Verständigung des kleinen Bourgeois Thiers mit der Rechten kann vielleicht in Bälde zu ihrer Vollendung gelangen, wenn die Republik in Spanien ihren demokratischen Anlauf weiter verfolgt, und eine gefahrdrohende Stellung gegenüber der conser- vativen französischen Republik einnimmt.— Und dann wird es sich am Ende ausweisen, was dann die radicalen Republikaner in Frankreich ü la Gambetta machen können und machen wollen.— Ob die Capitalherrschaft dadurch einen Stoß erleidet, oder ob sie, wenn auch unter anderen Formen, doch die herrschende bleiben wird? Hoffen wir das Beste, hoffen wir jedoch nicht zu viel, selbst von einer Republik, die anstatt konservativ, demokratisch sich nennt. Leipzig. Das Polizeiamt veröffentlicht im„Amtsblatt" vom 19. März eine offizielle Uebersicht seines Geschäftsbetriebs pro 1872; diese„Uebersicht" ist aber derart, daß man darin alles Das nicht sieht, was entweder die Schmach der heutigen Gesellschaftverrathen oder den Herrn Polizeidirektor— der beiläufig seit vorigem Sommer Ehrenmitglied der Äiarrengesellschast„Jnsnlanerriege" ist— persönlich kompxomittiren könnte. So ist z. B. zwar angegeben, daß die Zahl der Contraventionen gegen das Prostitutionsregulativ 167 war, nicht aber die Zahl der Konzessionsscheine, die an die unglücklichen, verlorenen Mädchen ertheilt wurden.— Polizeilich„verhaftet und bestraft" wurden 5284 Personen, die in 50 (namhaft gemachte) Kategorien von Polizeiverbrechcrn zerfallen; außerdem wurden wegen 17 anderer Kategonen von Polizeiver- gehen„Strafen und Bedeutungen" ausgesprochen. Unter diesen 67 Kategorien befindet sich aber die Verhaftung nnd„Bestrafung" Hepner's wegen deö Haager Kongresses nicht. Man hat sich gs- schämt, davon dem Publikum Mittheitung zu machen. — 17. März. DaS„Tageblatt" berichtet:„Bon welchem Geiste manche unserer Arbeiterk/eise durchdrungen sind, davon legten in den letzten Tagen wieder die Gehülfen in mehreren hiesigen Werk- stätten Zeugniß ab. Es war denselben seitens der Prinzipale die Subscriptionsliste für das in Leipzig zu Ehren der im Kriege 1870 und 71 gefallenen Krieger zu errichtende Denkmal vorgelegt worden, damit sie sich auch nach Kräften mit einem kleineren Bei- trage an dem patriotischen Werte betheiligen könnten. Die Herren Gehülfen verweigerten aber nicht nur jeden Groschen, son- dern sie gaben die Liste mit der darin eingeschriebenen Be- merkung zurück, es möchten das Denkmal nur Diejenigen herstelle» lassen, denen die französischen Milliarden in die Tasche geflossen seien." .Dies ist seit Jahren der erste„Tageblatt"-Artikel, der uns gefallen hat. Kamknrg. Eine der tüchtigsten Mitgliedschaften, die sich in neuerer Zeit organisirt haben, verspricht unstreitig Lörrach zu wer- den. Dieselbe zählt bereits 60 rührige, regelmäßig zahlende Mit- glicder, und sandte sofort als erste Ratenzahlung der ausgeschrie- denen Extrasteuer den Betrag von 2 Thlr. 10 Sgr. ab. Der „Volköstaat" wird von allen Mitgliedern gelesen und für weiteste Verbreitung des Blattes kräftig agitirt, so daß für's nächste Quartal ein bedeutender Zuwachs an Abonnenten erfolgen wird. Weiter schreibt man uns von dort:„Obgleich der Boden für Aus- breitung der sozialistischen Ideen nicht gerade günstig zu nennen ist, auch die Gegner, und wo gäbe es deren nicht, alles aufbieten, die Bewegung nicht aufkommen zu lassen, so wird doch rüstig und unerschrocken weiter gearbeitet, und hoffen wir, daß früher oder Päter die Mitglieder.anderer Vereine sich der Partei ebenfalls an- chließen werden. Jedenfalls wird der Erfolg ein durchschlagender ein, sobald wir nur erst in der Lage sind, eine öffentliche Ver- ammlung abzuhalten, wozu uns b:s jetzt, da unsere Mitgliedschaft aus lauter Fabrikarbeitern besteht, die geeigneten Redner fehlten. Wir wünschen, daß auch uns recht bald ein tüchtiger Redner be- suchen möge, die Blühe desselben würde durch glänzenden Erfolg belohnt werden, zumal auch an anderen Orten unseres Wahl- kreises zur Bildung neuer Mitgliedschaften die beste Aussicht ist. Bis dahin werden wir alle Kräfte aufbieten, immer mehr Mit- gliedcr zu gewinnen, uns immer besser und fester zu organisiren, und hoffen wir, das gleiche bald von andern Orten zu hören." Köln, 18. März. Volksversammlung zur Feier de» 18. März. Referent Herr Raspe(Essen) dankt für die zahlreiche Theilnahme und befaßt sich, da zur Lösung der sozialen Frage doch nur der S. Stand berufen sei, mit Besprechung derjenigen Ereignisse, bei welchen der vierte Stand zum ersten Male als selbstständiger Factor auftrat. Durch die französische Revolution des dritten StaudeS 1739 wurde der vierte Stand geboren und kämpfte 1371 gegen die Ausbeutung und den Cäsarismus. Warum konnte die Commune nicht siegen?£)as Volk war nicht vorbereitet, nicht organisirt, vor Allem aber die Idee der direk.en Gesetzgebung nicht verbreitet; wäre diese von vornherein energisch durchgesetzt wor- den, so konnte die Commune auch auf Beistand aus der Provinz rechnen. Wir befinden uns in defensiver Stellung und haben keine andern Mittel, als die Agitation; der Jndifferentismus aber bietet uns ni'hr Schwierigkeit, als alle unsere Gegner! Alle müssen daher theilnchmen: die Aufgeklärten müssen aufklären und die Uebrigen herbeiziehen. Die Communekämpfer müssen uns ein Beispiel des Muthes und der Einigkeit sein! Die Revolütion 1789 schuf eine neue Klasse; aber die Commune wollte die Ab- schaffung aller Klassen; denn es giebt nur eine Wahrheit, nur eine Gerechtigkeit; sie ist daher das Vorbild für ziikünftige Kämpfe! Die Ansicht der Rational-Oekonomen, das eherne ökonomische Gesetz sei ein �Naturgesetz, widerlegt schon der Umstand, daß alle heutigen sozialen Verhältnisse auf keinem Naturgesetz basiren, mithin refor- mirbax sind.— Wir kämpfen nicht etwa für Privilegien des vierten Standes, sondern für die Aushebung aller Privilegien und aller Klassen, für die Gleichheit. Die Fundamente der Heu- »igen Zustände: das Eigenthumsrecht, das Erbrecht, die kapitali- silsme Productionsweise rc. müssen entwurzelt werden. Dies erklärt die Hartnäckigkeit und Erbitterung unserer Gegner. ES handelt sich allerdings um nichts mehr und nichts weniger als um die to- tale Umgestaltung aller bestehenden sozialen und politischen Ver- Hältnisse! Darum fteilich wird die in' ihren Prinzipien so edele, menschliche Commune den abscheulichsten Verleumdungen ausgesetzt: ES müssen Systeme fallen, die mit 100,000 Bajonetten beschützt werden, und es müssen Leute, die in Saus und Braus schwelgen, sich daran gewöhnen, wie andere Menschen zu leben, frei und gerecht! Die Zukunft wird schon zeigen, ob alle Systeme, welche heutr bestehen und noch fortan bestehen wollen, neben unserer Gesetzgebung auch bestehen können.— Die Pariser Commune ist ein Fingerzeig, daß den Culturstaaten eine großartige Umwälzung bevorsteht/ sie hat den Beweis geliefert, daß die sozialistijchen Ideen zu reifen und sich zu verbreiten beginnen, und daß demnach deren Verwirklichung in nicht ferner Zukunft liegt. Scheuen wir nicht, die bittere Schale zu offnen, sie birgt einen süßen Kern. Die Organisation der Partei ist des Arbeiters Schule; darum herbei und unterrichtet Euch einander, damit Ihr die Gelegenheit zu erkennen und zu benutzen lernt!— Daß während der Com- mune auch Fehler zu Tage kamen, soll uns nicht abschrecken. Wo hat denn je eine Staatsnmwälzung ohne'solche stattgefunden? Und stehen nicht die später ausgeübten Versailler Gräuel einzig da in der Weltgeschichte? Moralisch hat die Commune gesiegt! Ein Beweis dafür ist der Fortschritt der Arbeiterbewegung an Kraft und Umfang allüberall trotz der Anstrengungen der Bour- geoisie, deren Verfahrungsweise heute auch in Teutschland wieder in crasseS Licht tritt: trotz gewonnener 5 Milliarden werden die Steuern erhöht. Auch als Deutsche sind wir, wie. Bebel sagt, der Commune nicht fern, sondern solidarisch mit ihr verbunden; weil die Bourgeois, unsere Peiniger, wie Herr Thiers bewiesen hat, auch untereinander solidarisch sind. Daher das Prinzip un- serer internationalen Thätigkeit. Wir müssen unS energisch an der Politik betheiligen, um die directe Gesetzgebung zu verwirk- lichen; niemals dürfen wir zurückhaltend vorlieb nehmen, sondern wird uns ein Finger geboten, so müssen wir wernmöglich gleich die ganze Hand schnappen. Halten wir das Beispiel der Schweiz, die den Anfang zur directen Gesetzgebung gemacht hat, den Un- gläubigen vor Augen. Agitiren wir mit vollster Thätigkeit für den Beitritt zur sozialdemokratischen Fahne, und folgen wir ruhig dem von der Commune angebahnten Wege. Sie war stets desen- siv und hat auch nie offensiv sein wollen; denn sie war der be- stehende legitime Staat der Wahrheit und Gerechtigkeit; man hat sie zum Kampfe provozirt, und das Blut, das ihre Helden vergossen haben, legt uns Zeugniß ab für deren Ueberzeugung; sie bleibt unS stets ein musterhaftes Vorbild!— Hierauf verschafft Herr Rittinghausen der Versammlung einen Rückblick auf die verwandten Ereignisse der Pariser Com- mune, des 18. März in Berlin und der Pariser Februarrevolution, und lenkt seine Rede nach kurzer Betrachtung der französischen Verhältnisse seit Napoleons I. Sturz auf die„besteingerichtete der Welten", nach Ansicht des mit Louis XVIII. regierenden Bürger- staudeS. Aber in dieser besten Welt nahmen die Abgaben unerhört zu. Da daS Salz monopolisirt wurde, war es den Küsten- bcwohnern unter Strafe verboten, auch nur einen Eimer Wasser auS dem Meere zu schöpfen; die Lohnarbeit wurde eingeführt, dem Adel eine Entschädigung von 1000 Millionen Frcs. bezahlt-c... Da entstand der Sozialismus, Saint-Simon verlangte Abschaffung de» Erbrechtes, Cabet verbreitete seine sozialistischen, Fourier seine resorinatorischen Ideen, LouiS Blanc schuf die Organisation:c.— Die Verschlechterung nahm immer mehr zu und als endlich Carl X. die Idee faßte, die Preßfteiheit abzuschaffen, erfolgte 1830 die Revolution, deren Resultat daS von der. Bourgeoisie eingesetzte Königthum Louis Philippe war.— 1834 wagten die organisirten Lyouer Arbeiter einen Aufstand. Von Tag zu Tag wurde der Fortschritt der freiheitlichen Ideen bemerkbarer. Der Mißwachs des Jahres 1846 auf 47 veranlaßte eine Theuerung, die für den Arbeiter nachgerade unerträglich wurde. Der Arbeiter erkannte seine Lage und es kam zu Aufständen, deren Urheber aber trotz der Stimme des Volkes hingerichtet wurden. Fürsten und sonstige hohe Persönlichkeiten, die über Falschmünzerei und andern gemeinen Verbrechen ertappt werden, kündigten die von oben eintretende Fäulniß an.— Das Volk beräth sich, es wird eine groß? Ver- s ammlung, ein Banquet beschlossen; die Regierung läßt Truppen aus Algier kommen. Der Tag des Banguets bricht an, das Volk versammelt sich und zieht sich Anfangs ruhig in Ordnung vor der nahenden Heeresmacht zurück, als plötzlich der Adjudant Louis Philipp's beim Könige eintritt mit der Nachricht:„Die Armee hat die Waffen gedreht und ftaternisirt mit dem Volke." Nachdem nun der noch ungläubige König seine persönliche Ueberzeugung eingeholt, reist er frei und ungehindert nach England ab. Wir kennen die Umtriebe, durch welch? die nun proklamirte Republik am 2. Dezember 18S1 wieder gestürzt wurde.— Die französischen Ereignisse hatten aber die freiheitlichen Ideen nicht nur erweckt, sondern auch mit Blitzeseile durch alle Länder getragen.— Preußen gehorchte vor 48 der despotischsten aller Regierungen: die Landtage konnten dem gesetzgebenden Könige nur Gutachten vor- legen. Wer nur das damalige Strafgesetzbuch ausschlägt, in wel- chem unter andern charakteristischen Merkmalen der despotischen Willkühr auch die Prügelstrafe fungirt, kann sich leicht einige Auf- klärung verschaffen. Wie tief die Unwissenheit des Volkes in sozialistischer Beziehung war, mag der damalige Wunsch, die Ge- Werbefreiheit zu beschränken, um die mittelalterlichen Zunftzustände wieder herbeizuführen, darthun. Während die Reaction sich zu einem Bunde vereinigte und sich verschwor, der Entwickelung der Freiheit i» der Schweiz Einhalt zu thun, konnte in Preußen jedoch nicht mehr das Verlangen nach einer Verfassung unterdrückt werden.— Die Erfindung der englischen Spinnmaschinen führte in Schlesien, da die dortigen Fabrikanten sich auf die Einführung der Maschinen nicht verstehen wollen und sie die Concurrenz der Engländer nur durch Herabsetzung des Lohnes auszuhalten fähig waren, den Hungertyphus herbei. Da kam die Nachricht von Louis Philipp's Sturze und zwar noch vor dem vom französischen Könige abgesandten Courier, der die Lage als eine ganz vortreffliche schildern sollte. Die preußische Regierung war nun ernstlich darauf bedacht, die Revolution unmöglich zu machen; aber sie brach aus, eben als der König nachgeben wollte. Das Volk verlangte die deutsche Einheit und eine fteisinnige Verfassung. Das Resultat ist unsere heutige Verfassung, vermöge deren der Bürgerstand mit an's StaatSruder zugelassen wird. Die besiegte, nach Cayenne deportirte Demokratie von 48 hat uns gelehrt, daß das Reprä- sentativsystem durch die directe Gesetzgebung ersetzt werden muß. Daher die Bestrebungen der Commune. Herr Ries erinnert an den Zweck der heutigen Versammlung: der großen Todteir zu gedenken, deren Ideen wir aufgenommen und denen wir es zu verdanken haben, daß wir heute bereits eine Macht bilden. Alle Monarchien haben sich gegen uns verschworen; aber es steht uns die Wissenschaft zur Seite, und die Aufklärung ist das Mittel, unsere Macht zu stärken. Herr: Schumacher: Wir wollen keine Demonstration ver- anlassen; wir agitiren nur für den Anschluß an die Partei und sür die Unterstützung unserer Presse. Unsere Gegner bekämpfen uns mit keiner ehrlichen Waffe; sie können uns keine Wissenschaft- liche Begründung vorlegen, wie unsere Ideen sie haben; sie bedie- neu sich der Lüge, Verleumdung, Verdrehung und allerlei Umtriebe. Zum Schlüsse bespricht Herr Raspe den Strike der Buchdrucker und erwähnt den letzten Essener Bergstrike. Mit Brudergruß und Handschlag Birnbaum. Kotha, 12. März. Es ist wahrhaft staunenöwerth, mit welcher Frechheit das Geldprotzenthum auftritt. Der Fabrikant S. Wolf in Mainz leistet nicht das Wenigste. Derselbe hat seit geraumer Zeit eine Concession in Gotha bei Berthold Rabus errichtet. Dieser„Freikops"(so nannte sich Rabus bei einer Gelegenheit) stellt nun den für ihn beschäftigten Arbeitern folgende Bedingungen: 1. Wer sich der Gewerkschaft anschließt, bekommt keine Arbeit. 2. Wer dabei ist und der„Freikops" erfährt es, theilt dasselbe Schicksal. Ich glaube, daß dies auf Anordnung Wolf'S geschehen ist. Ich werde nun von der königl. Staatsanwaltschaft in Erfurt wegen einer am 1. Februar daselbst abgehaltenen Schuhmacher- Versammlung verfolgt, weil ich zum Schluß meiner Rede die Worte gebraucht habe:„Linn, Collegen, richte ich zum Schluß noch die dringende Aufforderung an Sie: verlasse Keiner den Saal, ohne daß er der Gewerkschaft beigetreten ist, denn nur in kompakter Masse sind wir im Stande, den Uebermuth der Fabrikanten zu brechen und alle unsere gerechten Forderungen durchzusetzen; schließe sich Keiner aus und schrecke Niemand davor zurück(vor der Arbeits- einstellung), damit Sie nicht„feig" genannt werden." Dieses Wörtchen„feig" soll nun nach der Gewerbeordnung eine Androhung sein. Ferner soll es„Ehrenverrus" und Beleidigung sür die Anwesenden involviren. Weny die Regierung den Mann in seinem 20 Jahr unter Androhung von Gesangniß zwingt, an der Ver- bindung des Kasernenlebens Theil zu nehmen, so ist dies eine er- laubte Handlung. Wenn der Fabrikant seine Arbeiter zwingt, unter Androhung von Arbeitsentlasiung, an dieser oder jener Ver- bindung nicht Theil zu nehmen, wenn dem Arbeiter Fabrik-„Ord- nun gen" aufgezwungen werden, die oft mehr als Ehrverrus und Beleidigung in sich schließen, da besteht die Gewerbe-„Ordnung" sür Staatsanwälte nicht! Wenn aber ein Arbeiter.in einer Ver- fammlung fpricht und nicht jedes Wort auf die Goldwage legt, da wird Polizei, Gericht und Gesängnißwärter in Alarm gesetzt. Den Mainzer Collegen zur Nachricht, daß Rabus im höchsten Fall IS Arbeiter hat, und daß er nicht mehr bekommt, dafür sorgen wir, und er durch seine Lohnabkürzung. Es sind schon einige von ihnen fort. Harret fest und treu aus Eurem Posten aus! Die Münchener Collegen ersuchen wir, sich ebenfalls der Gewerkschaft anzuschließen. Mit Gruß und Handschlag W. Bock. Kakterstadt, 1. April. Parteigenosse Psillipp ist wegen einer am IS. März zu Quedlinburg begangenen„Majcstätsbelei- digung" verhaftet und dahin abgeführt, jedoch vorläufig wieder fteigelassen worden, da seine Frau jede Stunde ihrer Niederkunft 'entgegensieht. Nürnverg.(Agitationsbericht.) Weil wir uns nicht, wie es oft Andere thun, auf den hohen Schemel paukender Reklame stellen, so haben Manche aus dem Stillschweigen, das wir über unsere Agitation im„Volksstaat" seit einiger Zeit beobachtet haben, die Vermuthung geschöpft, wir legten uns hier auf unsere Bären- haut, tränken unser Bier, äßen unsere Knödel, ließen den Herr- gott einen guten Mann sein und sähen zu, wie Andere die! Partei in die Höhe brächten. Dem ist jedoch nicht so. Wir brauchen nicht lange Worte zu machen, uni der Gesammtpartei zu zeigen, daß wir seit Beseitigung der hiesigen Wirren wieder nach Kräften für die Ausbreitung und Befestigung der Partei gewirkt '! haben. Ganz abgesehen davon, daß die neue Fürther Mitglied- schaft die suspendirte Mitgliedschaft bedeutend übertrifft, haben wir in Nürnberg und Umgegend Alles aufgeboten, um die unS geschlagene Scharte wieder auszuwetzen. Wir haben seit 4 Wochen drei öffentliche Versammlungen der Partei hier abgehalten, welche so zahlreich besucht waren, daß man an anderen Orten schon wieder von„glänzenden Volksversammlungen" gesprochen hätte. Außerdem hielten wir während dieser Zeit in der Vorstadt Wöhrd, in Glaishammer, in Regensburg, in Landshut, in Würzburg, in Schweinau und hier im sächsischen Hofe Volksversammlungen ab, welche uns nicht nur Gesinnungs-, sondern auch Parteigenossen zuführten. In Würzburg und Schweinau, wo bis jetzt blos Ge- werkschaften cxistirten, wurden Parteimitgliedschaften gegründet, die bereits bestehenden in den genannten anderen Orten aber bedeu- tcnd verstärkt und der Ausbreitung unserer Prinzipien namentlich durch die energische Behandlung der Tabakssteuerftage, welche für Bayern von besonderer Wichtigkeit ist, merklich Vorschub geleistet. Selbst die uns feindlichen Organe der Ultramontanen und Na- tionalliberalen geben dies in ihren Berichten über die von uns veranstalteten Versammlungen zu.— Am 15. März war Volksversammlung in Fürth, am 22. in Schweinau und Glaishammer, am 23. in Bamberg und zu Anfang April soll in Augsburg, Pfersen, Lechhausen, Schweinfurt zc. Versammlung stattfinden. Ueberhaupt wird im Laufe dieses Frühjahrs ganz Bayern bear- beitet werden und zwar nicht auf Kosten der Hauptkasse; im Ge- gentheil werden wir nach wie vor unsere Steuern und Extrasteuern regelmäßig an den Ausschuß abführen. C. Grillenbergcr, Schriftführer des Lokal-Agitations-Comitä'S. Tandssiut, 15. März. Am Sonntag den 2. März hatten wir nach einem kurzen Winterschlafe wieder eine Volksversammlung, zu welcher A. Memminger aus Nürnberg als Referent erschienen war. Die Tagesordnung bildeten die Thema's:„Die Arbeiter- bewegung und ihre Ziele", und„Die Sozialdemokratie und ihre Gegner". Zum Vorsitzenden wurde I. Wcisheiter gewählt, welcher diese Gelegenheit benutzte, um seine Mißbilligung über die Auf- lösung der vorhergehenden Versammlungen auszusprechen. Alsbald erhob sich der von der Tauscher'schcn Affaire her noch in gutem Andenken stehende Stadtvater Gehrina und bemerkte dem Redner, daß ihm eine Kritik der polizeilichen Maßnahmen nicht zustehe. Hierauf ergriff Memminger das Wort und erläuterte nach einer kurzen Einleitung das Programm der sozialdemokratischen Arbeiter- Partei. Nach fast zweistündiger Rede desselben trat eine viertel- siündige Pause ein und begann dann derselbe seinen Vortrag über den zweiten Punkt der Tagesordnung, in welcher er besonders die i Hrn. Liberalen nebfi ihrer erkauften Presse als die Hauptgegner unserer Partei hinstellte. Beide Vorträge wurden von den über 500 Köpfe zählenden Anwesenden mit athemloser Stille verfolgt und nur hie und da unterbrachen lebhafte Beifallsrufe den Redner. Zum Schluß brachte Herr Memminger noch einen Protest gegen die Aufhebung der Geschwornengerichte und gegen die Einführung der Tabaksteuer, welcher einstimmig von der Versammlung ange- nouimen wurde. Alsdann ergriff noch ein Landshuter Arbeiter, Schneider Wünschheimer, das Wort,, die Versammelten zum Bei- tritt zur Partei und zur fleißigen Agitation unter ihren Mit- arbeitern auffordernd. Seiner Aufforderung folgte denn auch eine ziemlich bedeutende Zahl Arbeiter und Kleinmeister, welche sich in die aufgelegten Listen eintrugen. Die Versammlung hat bei allen Parteien die lebhafteste Auer- kcnnung geftinden, was besonders Hrn. Memminger's ruhigem und objectivem Auftreten zu verdanken ist. Wir werden rüstig weiter arbeiten und in nächster Zeit wiederum eine Volksversammlung veranstalten., Mit sozialdemokratischem Gruß I. Dietze. Aeundors.(Kommuneangelegenheiten.) Mit welcher Freude und Genugthuung sahen wir auf die Kommunewahlen in Sachsen, wo die Arbeiter so viele Siege erkämpften! Und wie noth thut es auch, daß der Arbeiter endlich aus seinen Winterschlaf erwacht, und sich die heutige Kapitalwirthschaft mit klaren Auge besieht! Wenn er zum vollen Bewußtsein gelangt ist, dann mit voller Kraft für Recht und Wahrheit eintritt, wird endlich der Tag er- scheinen, wo die heutige Kapitalgesellschaft einer vernünftigen Ord- nung Platz machen muß, auf Grund welcher man mit dem Eigen- thum der Kommune besser zu wirthschaften verstehen wird, als es heute der Fall ist. Ich möchte hier ein solches Stückchen von Neundors folgen lassen. Vor einigen Jahren wurde die nach AscherSleben und Heckling führende Straße mtt jungen kräftigen Bäumen bepflanzt, was der Gemeinde Ncundorf einen Kostenaufwand pon ungefähr vierhun- dert Thalern verursachte; die Bäume prangten auch schon in der größten Ucppigkeit an beiden Straßen und Jeder, der diese Straßen entlang kam, freute sich über die Baume. Es braucht hier nicht auseinandergesetzt zu werden, wozu die Straßen und Wege mit Bäumen bepflanzt sind, nicht allein wegen der Schönheit und des Nutzens, welchen dermaleinst die Bäume gewähren, sondeni als Wegweiser für die Nacht. Da geschah es aber, daß der Orts- schulze mit einem Weisheitsgedanken begabt wurde, jene Bäumchen mit heißem Dachtheer anzupinseln, und durch einen dazu beauftrag- ten Manu die Kronen, so zu verschneiden, daß sie noch obendrein in ihrem eigenen Saft ersticken mußten. Und was sagt ein Ge- meinderath dazu? Und was sagt überhaupt die Gemeinde? Trotz- dem die Bäume schon seit dreiviertel Jahre zur Schande für Neundorf dastehn, so haben wir bis jetzt nichts vernommen, daß Derjenige, der dieses Stück angeordnet hat, dafür verantwortlich gemacht würde; und wer war zur Zeit Ortsschulze? Nun zur Ehre für Neundorf sei es hiermit gesagt, sein Name ist August Günther, ein Mann, welcher es besser versteht, arme Handwerks- gesellen mit den Knüppel zu bearbeiten, als junge Bäume pflegen zu lassen. Rechnet man die vierhundert Thaler und die Gelder, welche das erste Kriegcrfest in Anspruch genommen hat, so bekommt' man eine Summe heraus, welche sür unsere kleine Gemeinde enorm ist, und besser zu einem Armenhausbau hätte verwandt werden können; denn Ncundorf kann nicht einmal einem Obdachlosen einst- weilen ein Unterkommen zuweisen. Die Gemeinde ist durch einen Gemeinderath vertreten, der folgendermaßen zusammengestellt ist: 3 aus dem Oekonomcnstande; 3 aus dem Kayatenstande; 3 aus dem Häuslerstande.— Der Miether hat blos xu bezahlen, aber nicht zu sprechen. Da aber bis jetzt von dem Gemeinderathe in dieser Angelegenheit noch nichts geschehen ist, so fordern wir hier- mit denselben auf, diese Angelegenheit nächstens auf die Tages- ordnung zu setzen.________ Für Leipzig. Wegen de» Charfreitag müssen alle Inserate, An- zeigen Zc., für Nummer 39 bestimmt, spätestens Mittwoch Mittag in Händen der Expedition sein. Leipzig: Verantw. Redakteur<3. Kasper.(Redaktion und Expedition Hohestr. 4). Druck und Verlag der Senossenschaftsbuchdruckerei.