Erscheint wöchentlich 2 Mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Auslandes an. F!ir Leipzig nehmen Be- stellungcn an: die Expedition, Hohcstrajje 4. die GenosscnschaftS- buchdruckerei, Zcitzerstraße 44. A. Bebel, Petcrstraße 18. I. Müller, Baperschestraße 8d, III. Der VMskM Avonnemeitlspfcs: Für Preußen incl. Stempel- steuer 17 Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten IL'/z Sgr, pro Quartal, pro Monat 4'/., Sgr. Für Leipzig und Ümgegeud pro Quartal 13 Ngr. Filialeppeditioncn für die Per- einigten Staaten: F. A. Sorge, Lox 101 Ilvdokoo, 17. J. via Nowyork. G. A. Lönnccker, 15ö W. Lake Clücago(III.) OrgandersozialdemokratischenArbetterparteiundderinternationalenGetverksgenoflenschaften. Nr. 30. Sonnaöend, 12. April. 1873. Zur Erinnerung an die Pariser Commune. (Weise der Marseillaise.) Herbei, ihr kräst'gen Arbeitsmanncn, Das Herz in Gluth, die Augen hell, Am Tag der Mahnung den Tyrannen, Heut' ruft's uns alle zum Appell. Heut' soll ein Lied die Welt durchklingen Den Opfern, die an Wunden reich Gefallen sind, so ernst und bleich, Für Volkes Recht im blut'gen Ringen. Wohlan denn, Mann für Mann, stimmt ein, zum Schwur die Hand! Die Arbeit hoch, Zerbrecht das Joch, So tön's von Land zu Land! Ja, lang' schon hat das Volk ertragen Der Knechtschaft Joch, so hart und schwer, Als ob das Maaß all' seiner Klagen Nicht voll zum Ueberlaufcn war'. Doch neiil� als uns're Brüder litten, Als sie im Uebermaaß bedrückt, Kühn haben sie das Schwert gezückt Und kühn bis in den Tod gestritten. Wohlan denn, Mann für Mann zc. Nicht sperren mehr und nicht mehr Sklaven, Der Arbeit Frucht dem Arbeitsmann,— So war die Losung jener Braven, So strebten sie zum Ziel hinan; Und als sie sich gleich Helden schlugen, Durchzuckt' ein freud'ger Hoffnungsstrahl Die Armen, die in Noch und Qnal Vergebens nach Erlösung rufen! Wohlan denn, Mann für Mann ac. Doch: siel der Sieg an jenem Tage, Als für das Volk der Kampf envacht, Dem Feind auch zu, drum Keiner zage, Hoch geh' der Pulsschlag eurer Macht! Verbrüdert steht in Süd und Norden, Ob Deutschland euer Heimatlands Ob fern ihm eure Wiege stand! Der Menschheit gilt'S an allen Orten! Wohlan den», Mann für Mann ac. Und sollt' dereinstens neu erschallen Der Weckerruf und muß es sein, So mag der eh'rne Würfel fallen, Die Welt vom Unrecht zu befrei'n. Nicht Klassenhaß wird dann noch trennen Die Nienschen,»ein, zum Völkerbund, Der Recht und Pflicht macht Allen kund, Ein Jeder freudig sich bekennen. Wohlan denn, Mann für Mann ac.<1... Adrrffe des Geueralraths der Internationalen Arbeiter-Assoziation an die Arbeiter in Spanien! Spanische Mitarbeiter! Ueber Nacht ist euch die Republik bescheert worden und es ist jetzt eure heilige Pflicht, dafür zu wirken, daß mit dem Wechsel der NegierangSform auch ein Wechsel des Systems eintrete. Es wird nicht an Solchen mangeln, welche euch vorzuspiegeln suche», daß nun die goldene Zeit hereingebrochen. Diesen aber zeiget die Republik Frankreich und fraget sie, was die dean Arbeiter genützt hat? Fraget sie, welche Regierung den Arbeitern die Rechte der freien Meinungsäußerung, der Versammlung und Vereinigung mehr verkürzt habe, als jene„Republik"? Und dann sagt den Herrn, daß die französischen Arbeiter keine Verantivortlichkeit für diese R-publik haben und daß ihr nicht gesonnen seid, zur Schaffuaag eines Ebenbildes der französischen Republik auf der andern Seite der Pyrenäen beizutraaen, daß ihr etwas Besieres als ein zweite Republik Thiers wollt! Der Sprosse des Hauses Savoyen, der Sohn des Schacherers von Nizza, des Helden von ASpromonte hat den Thron geräumt. Hütet euch, daß die Helden der Parla- MentSkomödie den Platz auf demselben nicht einnehmen. Schaut sie euch an diese Schönredner und Phrasenhelden! In Berlin und Paris, in Madrid und Washington! Sie sind überall dieselben! Ihre schönen Reden haben noch keine Last von den Schultern der Arbeiter genonimen, ihre glänzenden Worte noch nirgends den, Arbeiter ein Stück Brod verschafft, ihre begeisternden Ansprachen uns noch keine Arbeit erleichtert. Arbeiter Spaniens! Euer Heil kann nicht von solchen Män- nern kommen, die hinter ihren Worten ihre Gedanken verbergen. Ihr selbst müßt eures Glückes Schmiede sein! Darum immer wieder die Mahnung: Seht euch vor, schaart euch zusammen, or- ganisirt euch zur Errichtung der sozialen Republik und wenn ihr das nicht könnt, dann erhebt euren Protest gegen die Bourgeois- Republik! Wenn die Arbeiter der Welt organisirt sind, dann gründen wir die Republik der Arbeit, dann führen wir die Demo- kratie ein, d. h. die tvahre, die Sozialdemokratie! Brüder in Spanien! Die Befreiung der Arbeit muß durch die Arbeiterklasse selbst erobert werden! New-Uork, 23. Februar 1873. Der Generalrath. antworten: denn es gibt wohl eine nothdürftige Statistik der ge- scheiterten und durch Stürme, Klippen oder sonstwie beschädigten Schiffe, und, als Anhängsel dazu, wird auch die Zahl der bei diesen Gelegenheiten ertrunkenen Matrosen mit aufgeführt, allein eine Statistik sämmtlicher, auch abgesehen von Schiff- ibrüchen, außerordentlich zahlreichen Verunglückungen zur See ist nicht vorhanden. Und zwar nicht blos in Deutschland, (sondern, unseres Wissens, in keinem Lande der Welt. Die Herr- schenden Klaffen haben überall das gleiche Interesse, die häßliche „Rückseite" der heutigen Gesellschaft dem Blick der Oeffentlichkeit zu entziehen, und wenn es einen Proletarier jzibt, der die Brutalität und AuSbeutungswuth des Kapitals in ahrer vollsten, durch keine Rücksicht gemilderten Härte uaad Grausamkeit an sich zu �erfahren hat, so ist eS der Matrose. Von dem Moment an, wo jer deia Fuß an Bord des Schiffes setzt, ist der Matrose ein �Sklave, er muß bliaad gehorchen, sich jeder Laune des Capitäns und dessen Untergebenen ohne zu mucksen unterwerfen; uaad, abge- schloffen von der Welt, deren Urtheile die Unterdrücker des Fest- landS denn doch ianmer noch einigeranaßen scheuen, hat er avähreaad der Fahrt nicht die leiseste Möglichkeit, sich den Mißhaaadlunzen roher Vorgesetzten zu entziehen, außer durch offene Widersetzlichkeir, die aber anit sofortigean Tod bestraft wird, oder doch wer- den darf, da er zur See unter dem� Kriegsgesetz steht. Leider fördert das Seeleben einen gewissen Leichtsinn; und so i kommt es denn, daß es wohl Hunderte von Liedern gibt, die das �Loos des Biatrosen verherrlichen; dagegen Klagen über schlechte Behandlung aus dein Mund von Matrosen nur selten gehört Daverden. Uaad die schlechte Behandlung, ja Mißhandlung, ist noch das geringste Uebel, dem der Matrose zur See ausgesetzt ist— mit ! einem Leben avird in einer Weise gespielt, die nur zu deutlich verräth, daß seine Brotgeber uaad Vorgesetzten eS für absolut werthloö halten. Ein alter Englischer Seeinann, der von der Pike herauf gedient und sich eanporgearbeitet, trotzdem aber sein Herz gesund beavahrt hat, ein Hr. Pliinsoll, hat iin Unterhaus, dessen ! Mitglied er ist, diese Greuel zur Sprache gebracht, und verlangt eine Untersuchung zum Behufe der Anordnuaag avirksamer Schutzanaßregeln zu Gunsten der Matrosen. Auf eiaaean Meeting zu Leeds theilte Hr. Pliansoll neulich folgende zwei Ge- schichten aaait, welche beredter sind, als die beredteste Abhandlauag oder Rede. „Aus einer Seestadt iau nördlichen Schottland segelte vor nicht langer Zeit ein Schiff ab, dessen Alter Niemand anehr kannte, und das seit 20 Jahren schon eigentlich zu nichts Anderean als zuan Verbrennen gut war. So unseetüchtig war das alte„Faß" (taab), daß der Eigenthünaer keine Matrosen zur Bemannung mehr finden konnte. Der Capitän, avelcher sein gaaazes Leben lang das Schiff koananandirt hatte und schon alt avar, avollte eS noch einmal avagen, sich den hatbfaulen Plaaaken anzuvertrauen, erstens, weil er schon so oft der Gefahr entkommen war, uaad dann, weil er sonst keiaae Erwerbsguellc hatte, und schlimansten Falls das Ertrinken dean Hungersterben anit Frau und Kind noch vorzuziehen avar. Da Matrosen nicht aufzutreiben waren, so aniethete man Knaben, von denen der älteste 17 Jahre alt war; sie wurden mit jdean Schiff in die See geschickt, uaad das Schiff mit säanmt- lachen Knaben und dean Kapitäaa ging unter. Wie nennen �aneine Zuhörer das? Ich nenne es Mord, Mord ohne alle uaad jede Milderung(ckowurigilat murder). Die Sache avird jetzt untersucht; die Geanordeten sind aber nicht anehr ins Leben zurück- zubringen. Noch einen Vorfall ganz neuen DatnanS muß ich erzählen. Ein Schiff, das gerade unter Segel gehen wollte, war so überladen, daß die geworbenen Matrosen die Reise mitzuanachen verweigerten. Sie wurden wegen Widersetzlichkeit vor den Magi- Istrat(Gericht) geschleppt uaad auf je 6 Wochen inS Gefängniß �geschickt. Eine zweite Bemanaanng ward zusammengebracht, die jedoch, als sie den Zustand des Schiffes sah, ebenfalls Bedenken hatte. Die Leute ließen sich aber überreden und stachen in See. Nach eintägiger Fahrt mußte das Schiff in Falinouth ankern. Diese Gelegenheit benutzten die Matrosen: sie gingen ans Land und erklärten, nicht weiter fahren zu wollen. Der Kapitän ließ auch sie vor den Magistrat schleppen, der Jedean 3 Monate Gefängniß gab. Die beiden Mannschaften liegen in diesem Augenblick noch im Gefängniß, der Kapitän anit seiner dritten Schifssanannschast, die er zusaaaameaaznangeln wußte, liegt am Boden des Meeres." Soweit Hr. Plimsoll. Einer Erläuteraang bedürfen diese er- schüttcrnden Bilder nicht. Es ist die alte Geschichte in neuer Form: in seiner unersättlichen Habgier schickt das herzlose Kapital, nan sich zu mästen, seine Lohaasklaven in überladenen morscheia Schiffen ans die sturmgepeitschte See,— wie es seine Lohnsklaven in lüder- lich gebaute, schlecht ventilirte, Einsturz drohende, mit bösen Wet- tern gefüllte Schachte hinabschickt. Und aveigern sich die Lohnsklaven, ans Furcht vor dean ihnen entgegenstarrenden Tode— wohlan, dann kommt der„Staat", und der„Gesellschaft" seinen eisernen Aran leihend, bestrast er die„Widerspenstigen", die so verkehrt sind, nicht einzusehn, daß es ihre Pflicht ist, für das hei- lige Kapital, zum Dank, daß eS ahnen das Mark aus den Knochen gesogen, mit Wollaast zu sterben!— Das ist die heutige„Gesell- schaft"! Das ist der heutige Staat! Tribunal der öffentlichen Meinung und Widerlegung einiger seiner Hauptirrlchren. Von einem Arbeiter."*) Dies der Titel einer Broschüre unseres jetzt in Zürich lebenden Parteigenossen Franz, der vielen unserer Leser vom„Proletarier" her noch in gaatean Andenken sein wird. Herr Böhinert gehört zu jenen Lohnschreibern des Kapitals, avelche die traurige Doppelauf- gäbe haben, einestheils die heutige Gesellschaftsorganisation als die bestmögliche hiaazustellen, ihre Mängel und Ungerechtigkeiten ent- weder wegzulügen, oder in ebensoviele Vorzüge und Tugenden um- zulügen; anderntheils Jeden, der an die heutige Gesellschastsorgaaai- sation den Maaßstab der Wissenschaft und Hnananität legt, als einen Feind aller göttlichen uaad menschlichen Ordnung zu denuaa- ziren und anit Koth zu bewerfen. Diese schreibenden uaad schavätzeaa- den Handlanger der Bourgeoisie(die Schulze, Faucher, EraS, Oppeaaheian, Bamberger, Böhanert, Prince-Smitb und wie sie sonst heißen mögen) haben sich von den plattesten französischen und eaaglischen Vnlgärökonomen**) und Freihandels-Advokaten— den Bastiat, Cobden:c. die plattesten Stich- uaad Schlagwörter ge- borgt, die sie, je nach den Uinständen, in Vorträgen, Brvschüreaa, „dicken Büchern", kaleidoskopisch durcheinandergeschütlelt, dean„Volk der Denker" als„die wahre Volkswirthschaftslehre" auftischen. Von der Acra der Manteuffelei an bis zu Anfang der 60 er Jahre be- herrschte, ja terrorisirte diese� Clique die sogenannte„öffentliche Meinung" in Deutschland. Seitdein ist ihr Einfluß im stetigen Sinken begriffen, was aber die betreffenden Scribenten nicht hiaa- dert, unverdrossen weiter zu scribeln und zu fauchern. Die Bvaar- geoisie ist ja reich genug, ihre Lobhudler naad Hofnarren zu bezahlen. Meist kümmert sich heutzutage Niemaaad nan das Gescribel uaad Gesauchel, das in der Regel nur noch von den Redakteuren der am aaäanlicheaa Strang ziehenden Blätter zwar nicht gelesen, aber doch wenigstens pflichtschuldig erwähnt und pro forma(anit dean drückenden Bewußtsein der Erfolglosigkeit) eaaapfohlen und fü' feinstes Produkt echtester Wissenschaft ausgegeben avird. Dem Ge- scribel und Gefauchel des Herrn„Professor" Böhanert ist nun durch ein verhängnißvolles Zusaanmentreffen von Zufällen das Uaaglück passirt, daß ein Exemplar über den heiligen Kreis der Eingeweihten hiuausdrang uaad unserem• Freund Franz in die Hände gerieth. Herr Böhanert ist„Professor"—; vermuthlich hat er sich also ein- mal auf irgend einer Universatät„Studireaas halber aufgehalten", allein trotzdem paffen auf ihn, wie extra für ihn geanacht, die faanosen, dem aranen„Kobeö" gewidaneten Strophen Heine's: Gleich Zur Naturgeschichte des Kapitals. Bon einem deutschen Seemann wurde vor einiger Zeit die Anfrage an unS gerichtet, ob nicht eiaae Statistik der Verun- ölückungen von Seeleuten existire. Wir mußten veraaeiaaeaad Bücherschau. I. Franz:„Herr Böhmert, Professor der Natioaaalökonomie am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich ac. und seine Fälschungen der Wissenschast, begaaagen in seinem neuesten Buch „Der Sozialismus und die Arbeiterftage." Anklage vor dem -- hat er„nie studirt Auf Uaaiversitäten, Und Bücher gemacht aus sich selbst heraus, Ganz ohne Fakultäten. Ja seine gaaaze Ignoranz Hat er sich selbst erworben; Nicht fremde Baldung und Wissenschaft Hat je sein Gemllth verdorben." Herr„Professor" Böhmert hat seine Nase offenbar nie in ein wissenschaflliches, und naanentlich nicht in ein nationalökonomisches Buch gesteckt, und wenn er es ja gethan hat, so ist er auch bloß anit der Nase hineiaagekomanen. Das weist ihm Fraaaz, der anit Fug uaad Recht den Herrn„Profesior" als Schuljungen traktirt (nur hätte Franz hierbei die nicht gerade einpsehlenswerthe Manier Lassalle'S etavas weniger nachahmen sollen— Lessing ist ein besseres Muster) anit solch' zwingenden Gründen nach, daß Herr Böhanert selbst nach Daarchlesung der Franz'schen Broschüre vor seiner wunder- baren Ignoranz Respekt bekomaaaen haben muß. Um dem Herrn„Professor" gründlich„abzuthun", war Franz genöthigt, den von demselben verübten Blödsinn anethodisch zu ordnen, den Phrascnbrei in seine einzelnen Saabftaaazeaa aufzulösen und die eiaazelnen Substanzen der kritischen Analyse zu unteraverfen — eiaae aniahsame Arbeit, der wir es aber verdanken, daß die Fraaaz'sche Schrift zu einer allgeineinen und zwar vortrefflichen Kritik der ganzen durch„Professor" Böhmert uaad Eonsortcn ver- tretenen„Richtung" geworden ist, uaad die wichtigsten Fragen der Nationalökonomie kurz, scharf und klar abhandelt.— Daß aber der„Arbeiter" Franz gegen den„Professor" Böhmert die Würde der Wissenschaft zu wahren hatte und siegreich gewahrt hat, ist uaas ein neuer Beleg für die Cultur- Mission der Arbeiterklasse; uaad daß in diesem GeisteSturnier der proletarische freiwillige Vorkämpfer des Proletariats den wohlbestellten und wohlbezahlten Champion der Bourgeoisie so gläaazeaad auS dean Sattel gehoben hat, ist nur ein neues, fröhliches Vorzeichen� des nahenden, durch keine„Congresse", Stieberkonfe- reuzen, Polizeiinaaßregeln, Hochverrathsprozesse und Niederkar- tätschungen anehr aufzaahaltenden SiegS der Sozialdemokratie über den heutigen Bourgeois-, Polizei- und Militär- staat. Möge die Franz'sche Broschüre die weiteste Verbreitung finden! *) Zürich, in Commission beim VcrlagSanagazin; 120 Seiten. Preis 8 Neugroschen. **) Den Scribenten, welche sogenannte Oekonoanie sllr den gebildeten und ungebildeten Pöbel zurechtlochen. Herr Charles Lemonnier in Paris hat in der(uaas leider erst jetzt zu Gesicht koaaamenden) Nummer der«Vereinigten Staaten von Europa" vom 9. Januar auf unfern Angriff vom 21. Decbr. v. I. ein- Art„Antwort" gegeben. Er protcstirt dagegen, 1) daß die „Friedens- und Freaheatslaga" aus dem Standpunkte Thiers' stehe, und 2) daß das Organ derselben Thiers für einen„echten Re- publikaner" halte. Gleichwohl sagt er in denaselben Artikel:„Wir glaubeia, daß Thiers ehrlich(de bonaae foi) die Erhaltung der Republik will." Das reiane sich zusanamen, wer kann!— Dae von nns gerügteil Schmeicheleien— Thiers habe sich„die Achtung von ganz Europa" erworben, n. s. w.— übergeht Herr Lemonnier vollständig.— Dagegen steift er sich bei unserer Aeußmiiig„das innere Wesen der Friedens- und Freiheitsliga" auf das Wort „innere", es mit„geheim"(seeret) verwechselnd.— I» Bezug auf die Pariser Commune beharrt er dabei, daß die Friedens- und Freiheitsliga Recht gethan habe, als sie 1871 die Resolution annahm, sie verdamme„die Rtordthaten und Metzeleien, deren Schauplatz Paris 1871 war, gleichviel unter welchem Banner sie verübt worden sind." Da aber— wie erwiesen ist— die Com- mune offiziell keine Hinrichtungen vornehmen ließ und sowohl an den Erschießungen der beiden Generale wie der Geiseln unschuldig war(denn am 18. März existirte sie noch nicht und am 23. Niai nicht mehr), so ist jene Resolution eine offenbare Verläumdung der Commune gewesen.— Schließlich ist Herr Lemonnier gar so naiv, uns zu sagen:„Der„Volksstaat" sollte nicht vergessen, daß die Friedens- und Freiheitsliga der einzige Punkt in der Welt ist, wo bis jetzt Deutsche und Franzosen sich loyal und aufrichtig die Hand reichen." Unsere Internationale Arbeiter- Association existirt also für diesen Herrn nicht! — Die Redaktion des„Volksstaat" erhielt von mehreren Partei- genossen nachstehendes Schreiben:„Wir können nicht umhin, unsere Mißbilligung über die Flucht Memminger'S auszudrücfen. Abgesehen davon, daß wir in der inkriminirten Broschüre, die wir nochmals mit großer Aufmerksamkeit durchgelesen haben, keine di- rekte MajestätSbeleidigmig ausfindig machen können, sind wir der Meinung, daß ein Sozialdemokrat für alle seine Handlungen den Behörden gegenüber einzustehen verpflichtet ist. Die Anklagebank ist die beste Tribüne einer unterdrückten, emporstrebenden Partei. Außerdem sind die Wirkungen auf die anderen in Untersuchung befindliche» oder in Unter- suchung kommenden Parteigenossen in's Auge zu fassen. Wenn Männer, die für Vorkämpfer der Partei gegolten haben, sich durch eine Anklage zur Flucht bewegen lasten, so kann man es den Gerichten nicht verargen, wenn sie bei ähnlichen Anklagen gegen Parteigenossen sofort die Untersuchungshaft verhängen. Wir erinnern bei dieser Gelegenheit an die sehr verschiedene Handlungs- weise Most's, der doch wcjt schwerer angeklagt war, als Vtemminger." Zu diesem Schreiben" haben wir zu bemerken: Wir können zwar unter keinen Umständen dieFluchtMemminger's direkt billigen; allein wir vermögen auch andererseits einem Familienvater nicht zuzu- muthen, sich wegen einer unbedeutenden Broschiire einer mehr- jährigen Freiheitsstrafe auszusetzen. ES ist etwas Anderes, für ein Prinzip eine Festungshaft zu erdulden— wie unsere Hubertus- burger Genossen �— und etwas Anderes, für eine unbesonnene Aeußerung über irgend einen Fürsten, die unserer Sache gar nichts nützt. Zwischen einem Hochverrathsvorbereitungsprozeß, wie ihn Liebknechl und Bebel durchgekämpft haben, und einem ephemere» MajestätSbeleidigungsprozeß ist ein Unterschied, wie zwischen einem Elephanten und einer Mücke. MajestätsbeleidigungSprozeste sind die unlohnendsten, die man sich nur denken kann. Für das Prinzip wird damit Nichts erreicht. Wenn Memminger nun ge- glaubt hat, daß das Risico, dem er und seine Familie durch den �-Prozeß entgegengehen könnten, in keinem Verhältniß steht zu dem geringen Werth der ganzen Affaire, so läßt sich die Flucht nicht unbedingt verurtheilen. Andere— wie die Verfasser des obigen Briefes— meinen freilich, es stecke keine Majestätsbeleidigung in der„Freimaurer"-Broschüre. Zugegeben. Das schließt aber nicht aus, daß die Richter eine darin gefunden hätten.— Bedauer lich ist indeß,i daß, wie der obige Brief sagt, Memminger'S Flucht andereu Parteigenossen schaden könnte. yk Der§ 158 der Gewerbeordnung— auf Grund dessen der . Präsident des Buchdruckerverbands Härtel verurtheilt und Bock in Gotha angeklagt worden ist(s. vor. Ztr.)— wird überall nur gegen die Arbeiter, aber nirgends gegen die Arbeitgeber angewen- det. Heute haben wir abermals zwei Fälle dieser Art zu regist- riren: 1) Der Redakteur des in Pforzheim erscheinenden„Genossen- schaster", Organ des Gewerkvereins der deutschen Gold- und Silberarbeiter, veröffentlichte bei Gelegenheit eines Strikes der Goldarbeiter in Genf in dem genannten Blatte Folgendes: Wir warnen Jeden, in Genf Stellung anzunehmen, denn es wäre eine Schande, wenn durch Ueberläufer von Collegen der nahe Sieg vereitelt würde und bemerken noch, daß wir Diejenigen, welche ihr Interesse und das ihrer Collegen mit Füßen treten, öffentlich an den Pranger stellen werden." Die Geschworenen, welche in Bade» über Preßvergehen zu urtheilen haben, fanden in diesem Inserat den Thatbestand des 153 der Gewerbeordnung als festgestellt, und der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu drei Wochen Gefänguiß. 2) Ein Arbeiter in Berlin gerieth Uber die Höhe des Lohnes für Steinetragen mit seinem Arbeitgeber in Differenzen und stellte in Folge dessen die Arbeit ein. Um die übrigen Arbeiter zu einem gleichen Schritte zu bewegen, äußerte er:„Den will ich sehen, der für ein solches Schweinegeld noch weiter Mulden auf den Bau trägt; den schlag' ich todt!" Dadurch ließen sich vier Arbeiter ebenfalls zur Ziiederlegung der Arbeit bewegen. Diese„Drohung" wurde mit 2 Monaten Gefängniß bestraft." Mögen doch die Arbeiter endlich einmal den ß 153 an den Prinzipalen probiren! Gewerksqenossenschaftliches. Gcwerksgcnosscnschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter. Von Ostern an sind Briese in GewerkschastS-Angelelic»- heitcn an L. Mehlborn,„Expedition des Crim: itichauer Bürger- und Bauernsreund", Gelder je. an E. Ttehsest aber zu adressiren, da ich auf mindestens 4 Wochen geschästlich verreise. I M oft t r l e r. Internationale Gewerksczcnossenschaft der Schuhmacher. Erklärung. Da es allen unseren Mitgliedschaften hinläng- lich bekannt ist, daß zu Pfingsten unsere Generalversammlung statt- findet, so meinten wir, die Mitgliedschaften würden, in Envägung der durch die Generalversammlung unS erwachsenen Arbeit, sowie der sonst jetzt obwaltenden Verhältnisse, sich bis zur Generalver- saminlung möglichst passiv verhalten, um uns in dieser Zeit nicht noch mehr Arbeit aufzubürden. Einige Mitgliedschaften scheinen jedoch diese Rücksichten aus dem Auge zu lassen und gehen mit einer Hast ins Feuer, welche nicht gerade klug genannt werden kann und uns die Möglichkeit benimmt, so einzugreifen wie gewlinscht wird. Ja es ging sogar die Rücksichtslosigkeck von einer Seite so weit, uns grobe Vorwürfe zu machen. Wid erklären deshalb, daß wir, die Verwaltung, nicht im Stande sind, den Einfällen jedes Einzelnen Gehorsam zu leisten. Wir haben jede Woche eine Sitzung, in welcher die Geschäfte geregelt werden, und können nicht täglich Extrasitzungen nach Belieben Einzelner abhalten; wir beziehen keinen der Arbeit angemessenen Gehalt, sondern nur eine den Verhältnissen angemessene sehr geringfügige Gratification. Zeit ist Geld, auch für uns; mögen unsre Leute dieses wohl bedenken und nicht durch unbilliges Verlangen und uuüberlegtes Handeln die Sache selbst untergraben. Dresden, den April. Der BerwaltungSrath. I. A.: Zilger. Würzvnrg. College« und Berufsgenossen! Schon seit K Wochen stehen wir mit unser» Meistern i» Unterhandlung wegen der Lohn- erhöh» tig. Auf Donnerstag den 27. März waren wir sämmtlichen Arbeiter in ihr Lokal(Stadt Mainz) zur Entgegennahme ihres Tarifs und ihrer Bedingungen eingeladen. Es wurde vorher von uns ein Comitö gewählt, welches mit ungefähr 500 Mann hin- ging. Der Vorstand der Herren Arbeitgeber rechnete vor, was die Zuthaten zu einem Paar Halbftiefeln, Stiefeletten, Vorschuh w. kosten; dann las der Schriftführer ihren Tarif, welcher in 3 Classeu eingetheilt war, vor; dann kamen die Bedingungen, als da sind: Aufgabe der Schlafstelle, der Werkstätte, der Bedienung, der kleinen Zuthaten, z. B. Hansgarn, Licht zur Nachtarbeit-c. Wer die Schlaf- stelle: benützt 42 kr. allein, oder 30 kr-, zu Zweit; als sie an diesen Punkt kamen, wurden sie von unseren Leuten tüchtig ausgelacht, so daß die Herren vom Ausschuß mit purpurrotheu Köpfen da- saßen, denn blos mit Diesen hatten wir's zu thun. Sie wunderten sich auch, daß wir(das Comitö) blos mit ihnen debattirten. Zuletzt wurde der Herr Vorstand, welcher ohnedies blos Leder- Händler ist und keine Gesellen braucht, falsch uud benahm sich nicht mehr als Mann von Bildung, sondern als Flegel; er er- klärte: von Montag an tritt dieser Tarif in Kraft und wer nicht arbeiten will, der kann gehen. Demselben wurde aber von Einem von unS gehörig heimgeleuchtet und er auch von dem Ausschuß der Meister aufgefordert, nicht so schroff vorzugehen.>— In den nächsten Tagen erhielt unser Bevollmächtigter ein Schreiben von unserem Vorort, welches ungefähr lautete: es solle eine allgemeine Schuhmacher-Versammlung einberufen werden mit folgender Tages- ordnung: Die Lage der Schuhmacher, resp. die Hebung unseres Gcwerks. Referent Hr. Rob. Knöfel aus Dresden. Die Versamm- lung fand am Samstag den 30. März statt, in welcher sich auch eiue Anzahl Meister einfanden. Hr. Knöfel referirte ausgezeichnet, namentlich zielte er darauf hin, die Strikes zu vermeiden und eine Vereinigung herbei zu führen. Er machte den Vorschlag, daß wir unS den Sonntag versammeln sollten. Wir machten die Ber- saminlung durch Placate bekannt. Dieselbe war von unserer Seite sehr stark besucht und wir einigten nns, den Tarif anzunehmen mit der Bemerkung: die Klassenarbeit und die kleinen Zuthaten fallen hinweg(als Hansgarn, Pech:c.). Wir schickten den Meistern am Montag den 3. März unfern Beschluß zu. Am 1. April hatten sie Plenarversammlung und es wurde unser Tarif abgeschlagen. Mittwoch den 2. April hielten wir abermals Versammlung ab; die Erbitterung unter uns Collegen war sehr groß, namentlich vom Donnerstag her, weil uns der Vorstand der Meister so schroff behandelte. Wir kamen zu dem Entschluß, den Tarif sammt den Bedingungen abzulehnen und morgen den 3. April den Strike aufzunehnien, welcher bezwecken soll, den Tarif, welchen wir de» Meistern zuerst zusandten, aufrecht zu erhalten. Collegen allerorts, wir thaten alles Mögliche, um den Strike, welcher uns jederzeit mehr schädigt als die Meister, zu vermeiden, aber die Unverschämtheit dieser Leute geht in's Weite. Wir bitten deshalb Euch, Collegen, uns in diesem Kampfe nach Kräften zu unterstützen, damit der Sieg ein allgemeiner werde. Zuzug ist fernzuhatten. Alle Briefe sind zu richten: „Internationale Gewerksgenossenschaft der Schuhmacher Restauration Weigand, Semelsstraße." Mit sozialem Brudergruß die College» WürzburgS. Der Bevollmächtigte: Karl Heinrich, Cassirer. Mainz, 7. April.(Zum Schuhmackerstrikc.) Immer noch geht unsere Sache, mit Ausnahme einiger Kleinigkeiten, ruhig weiter. Seit einigen Tagen traten wir mit unserm Fabrikanten, auf sein Verlangen, in Unterhandlung. Die Zurücknahme von 15 Prozent würde von demselben gern bewilligt; aber wir verlangen jetzt die 5 weiteren Prozent', welche wir vorigen Jahres nickt erhielten. Der Fabrikant will dieselben bezahlen, aber er sagt, im Augenblick lasse er sich nicht zwingen. Also soviel ist fest, daß derselbe erst recht wieder seine Gewalt auf uns anwenden will. Wir faßten nun in der Versammlung vom 0. d. M„ einstimmig den Beschluß, die Arbeit nicht eher aufzunehmen, bis die wei- tcreu 5 Prozent nns genehmigt werden. Wir sind der festesten Ueberzeugung, daß, wenn der Zuzug imnier noch fern gehalten wird, binnen kurzer Zeit der Starrsinn des Fabrikanten bricht. Mit frenndschastlichem Brudergruß G. Fuchs. Wir bitten alle arbeiterffeundlichcn Blätter um Abdruck von Borstehendem. Allgemeiner deutscher Sattler-Acrein. Derkin, 7. April. Kollegen! Der Strike in Dresden ist beendigt und vollständig zu Gunsten unserer Kollegen ausgefallen. Der Zuzug nach Hamburg und Brannschweig ist jedoch streng fern zu halten, da unsere Kollegen in genannten Städten mit ihren Prinzipalen wegen Verbesserung ihrer Lage.in Unter- Handlung stehen und ein Strike bevorsteht. Außerdem ersuchen wir unsere Mitglieder, die im Strike be- sindlichen Wiener Kollegen thatkräftig zu unterstützen uud den Zuzug abzuhalten. Briese-c. sind an Ernst Lange, Taschner, III. Bezirk, Löwen- gasse Nr. 29 zu senden. Der Vorstand des Allg. deutschen Sattler-Bereins. 3. A.: Hugo Hempel, Schriftführer. München, 23. März. Montag den 24. März fand hier in der Zteuen Welt eine zahlreich besuchte Schneiderversammlung mit der Tagesordnung 1. Zuchthausarbeit, 2. Ueberproduktion durch die Consekriousgeschäste und 3. Die Lohnfrage statt. Gerstmaier beleuchtete in eingehender Weise die Nachtheile dieser auf Staatskosten den Arbeitern geschaffenen Coucurrenz, durch welche nicht weniger als 2- bis 300,000 Kleidungsstücke den Confektionären vermittelt und hiermit das Schneidergewerbe geschädigt, de» Ar- beitern insbesondere die Existenz erschwert wird. SchUeßlich wurde beschlossen, eine Deputation an das einschlägige Ministerium zur Aenderung dieser Produktionsweise in den Strafanstalten zu ent- seuden. Die Collegen in Baiern werden ersucht, bis Ende April an Unterzeichneten ihre Bethciligung, sei es durch Deputirte oder Mandate, einzusckicken. Im 2. Punkte wurden die Rachtheile der Confektionsgeschäfte erörtert und die Collegen aufgefordert, sich zu vereinigen, was durch zahlreickc Einzeichnung in den Fachverein theilwcise geschah. Zu Punkt 3 wurde ausgeführt, daß die Löhne mit der eminenten Steigerung aller Lebensbedürfnisse nicht gleichen Schritt hielten. Es wurde ein Comitö zur Erreichung höherei Löhne gewählt. Bereits sind an sämmtliche Arbeitgeber Cirkula« durch die Arbeiter gelangt. Die Collegen ersuchen wir, den Zuzug bis auf Weiteres abzuhalten, �fowic alle brieflichen Mittheilungen an den Fachverei» der Schneider, Hildegardstraße Nr. 12, zum Hallerbräu, wo sich auch der uneutgeldliche Arbeitsnachweis befin- det, gelangen zu lasse». Mit sozialdemokratischem Gruß. Für das Comite: Hell, W. HZraunschweig, 4. April. Wir thun hiermit unser» Colleges allerorts zu wissen, daß die Schneidergehülfen Braunschweigs ami 24. März d. I. mit den Arbeitgebern wegen einer Lohndifferenz in Verbindung traten, um auf gütlichem Wege eine Verbesserung des Lohnes, Einführung der 10stündigen Arbeitszeit, sowie bis Abschaffung der Sonntagsarbeit zu erlange». Die speziellen For� derungen waren so gestellt, daß ein Schneider jede Stunde 3 Sgrv verdienen sollte; das betrüge bei Ivstündiger Arbeitszeit täglich 1 Thlr., was für einen Handwerksinann, der Jahre dazu gebrauch« hat, ein Geschäft zu erlernen, wahrlick»och lange nicht für befrie- digend angesehen werden kann bei jetzigen Zeiten. Doch zur wei- teren Erörterung wollten wir mit den Arbeilgebern eine Zeitberech- nung feststellen, näinlich: wie viel Stunden zu einem jeden Stück, welches gut gearbeitet ist, gebraucht werden müssen. Da hier i» verschiedenen Geschäften sehr viel verlangt wird in der Verarbei wng, so stellten wir eine Stundenberechnung aus, nach der au ein gut gearbeitetes Stück, z. B. einen Frack 60 Stunden, einer Tuchrock, zweireihig, desgl. einreihigen Tuchrock und zweireihiges Jaguett 50 Stunden:c. veranschlagt wurden; bei kleineren Ge- schäften, wo die Arbeit nicht so gut verlangt wird, als bei grö- ßeren, wurde ein Unterschied gemacht, falls der kleine Meister seine' Arbeiter nicht wolle ans Tag arbeiten lassen(ü 1 Thlr.).— Das Comitv der Arbeitgeber wollte jedoch auf die Stundenberechuung nicht eingehn, erkannte aber selbst die 10stündigc Arbeitszeit, sowie die Abschaffung der Sonntagsarbcit an. Aber nach einer öffent« lichen Versammlung der Arbeitgeber am 31. März ließ uns das, Comitö derselben eine schriftliche Mittheilung zugehen, in welches es heißt,„daß in der am 31. stattgehabten Versammlung dei Arbeitgeber beschlossen ist: daß auf die von Ihnen an uns gestell ten Anforderungen nicht eingegangen werden kann." Geehrteste Collegen! Wir fühlten hier, daß mau nns dei Fehdehandschuh hinwarf, obgleich wir eö den Meistern schon plan sibel gemacht hatten, daß wir uns gegenseitig verständigen könntei ohne Krieg. Allein, da das ComitS, welckes die größten Geschäft Inhaber zählte, die frühere Anerkennung zurückzog, ja geradeweg- die Verhandlungen zwischen uns ganz abschnitt, fühlten wir unl gezwungen, ein- für allemal die 10stündige Arbeitszeit(pr. Stund« 3 Sgr.), sowie Abschaffung der SonntazSarbeit(jede lleberstundl mit 5 Sgr.) hochzuhalten, und wurde in Folge dessen am 3. Apri Morgens in jeder Werkstatt gekündigt; der Strike dauert 8 Tage Bemerkt sei noch, daß hier der durchschnittliche Lohn 4 Thlr. nich übersteigt; davon geh» noch Zuthaten ab. Collegen! Haltet den Zuzug fern mit aller Kraft, vergoß aber auch nicht, uns Unterstützungen zukommen zu lassen. Unser Sache ist Eure Sache; siegen wir, so siegt auch Ihr. Helft un den Sieg erringen, wir werden in gleicher Weise Euch wieder zw Seite stehn. Die Stimmung unter den Collegen hier ist vor- trefflich, und mit Eurer Hilfe wird es uns gelingen, den Uebers muth der Arbeitgeber zu beugen. Briefe?c. sind zu senden an Herrn E. Schäfer, Marstah Nr. 13, 2 Treppen. Mit sozialdemokratischem Gruß im Auftrag C. Ludolph, Comitömitglied. Alle arbeiterfreundlichen Blätter bitten wir um Abdruck. Schiveinfnrk, 1. April. Im Laufe vorigen Monats hattet wir, die Schneider, mehrere Versammlungen mit unseren Meisteck! betreffs Lohnerhöhung. Da unsere Genossenschaft jung, und inj folge dessen uns alle Mittel fehlen, um einen Strike(welcher hii> sehr nöthig wäre) mit Erfolg durchzusetzen, so mußten wir davoi abstehen; brackteu es jedoch durch einheitliches Zusainmenstehe» Zl 15 Prozent Lohnaufbesserung. Es ist zwar wenig, waS wir er- rungen: aber doch immer besser, als ein planloser Strike. Gleichzeitig mache ich hiermit bekannt, daß wir die Leitung d«! bisher bestandene» Arbeitsnachweises übernomme» haben, und be findet sich dasselbe im Gasthaus zum goldenen Stern. Mrt sozialdemokratischem Gruß G. Jmhof, Vertrauensmann. 1 Hraz, 3. März. Da sich hier wie überall in dem Kleider! machergewerbe die Uebelstände von Tag zu Tag mehren, so Hab« wir nns coalirt und am 24. März ein Memorandum unfern Pri«' cipalen überreicht, welche aber unsre Forderungen in allen Punktet abschlägig beschieden. In Folge dessen sind am 31. März 187] die Strikes in sämmtlichen hervorragenden Geschäften auSgebroch« und dauern fort. Die Arbeiter sind vom besten Geiste beseell! darum ersuchen wir Zuzug fernzuhalten. Unsere Forderungen lauten: 1) Abschaffung der Stückarbeit und Einführung der zehnftW digen Tagarbeit im Allgemeinen. 2) Gänzliche Beseitigung der Stückmeister sowie der Auß«! Hausarbeit. 3) Abschaffung der Sonntagsarbeit, Auszahlung der Arbeit* löhne Samstag Abends.— Feiertage nur VormittagSarbeis ten, an Feiertagen, wo zwei aufeinanderfallen, wird nur a« ersten Tage den Vormittag gearbeitet. Für das Comit6: Josef Wotawa, Jgnaz Losch, Schriftführer. Obmann. Briefe k. unter der Adresse: Anton Roßmann, Kleidermacher-Association. Grenadiergasse Nr. 1(ehemalige Waisenhauskaserne) in Graz. Eök». Ein Work an die Buchbinder Deutschlands. We» jemals die Arbeiter einer Gcschäftsbranche durch ihr eigenes Bs schulden hinter den Anforderungen der heutigen Zeitverhältniss« zurückgeblieben sind, und eS nicht verstanden haben, ihre Jnteressl zu wahren, so sind es die Buchbindergehilfen Deutschlands.' ist eine harte und schwere Beschuldigung, womit ich meinen K°! legen gegenüber trete. Wäre dem nicht so, dann ständen wl heute geschlossen und einig unseren Arbeitgebern gegenüber»« könnten diejenigen Ansprüche geltend machen, die wir als Arbei« berechtigt sind, zu stellen. Woher kommt es, daß wir Gehilft eine solche Ausnahmestellung einnehmen? Daß wir unter v« alten Zuständen mehr oder weniger leiden? Genießen wir ei' Gleichberechtigung gegenüber andern Arbeitern in Betreff der Löh' und Arbeitszeit? Ich glaube nicht, und doch ist uns Buchbinde> er :« l-z en m n- en hundertfache Gelegenheit geboten, aus volkswirthschaftlichen und — � Politischen Schriften Delehrung zu schöpfen. Doch der größere Theil �unserer Kollegen versteht es nicht, diese in ihrem eigenen Intereffe zu verwerthen. Man klagt allerorts über schlechten Loh» und lange Arbeitszeit, doch hat man die Energie und das richtige Verständniß nicht, selbst mit beizutragen, daß es besser werde. Ich venoeise zunächst auf die Buchdrucker und Schriftsetzer jc.; welche geachtete Stellung nehmen diese, vermöge ihres einheitlichen Zu- sammenwirkens, ein. Jeder meiner Kollegen wird den krassen Unterschied der Löhne und der Arbeitszeit kennen. Wie weststthu i wir hinter diesen zurück? And doch betrachten wir uns als einen em wesentlichen Bestandtheil dieser Branche. Daß es hin und wieder im Ausnahmen gibt, wo das Berhältniß zwischen Arbeitgeber und Ar- uz; beiter zufriedenstellend und humaner ist, will ich nicht bezweifeln. >ig Meiner Ansicht nach ist es aber nur da der Fall, wo größere zia Fabriken durch Massenproduktion darauf angewiesen sind, theils )x\ Akkordlöhne zu bewilligen, oder aber in Folge des überfüllten zr.l ArbeitSmarktes ihre Arbeiter so zu stellen, daß sie mit Sicherheit ich auf Effekluirung ihrer Aufträge rechne» können. Wie steht es aber chh mit den kleineren Arbeitgebern, die in allen Städten und auf dem Lande die Mehrheit bilden, die auch den größten Theil der Ar- beitskräfte absorbireu? Diese stehen unserem Streben feindlich gegenüber, sie können sich von dem alten Zopf nicht trennen. Ohne ein einiges Zusammenwirken ist es hier nicht möglich, sich von den alten verrotteten Zuständen frei zu machen. Hier ist in den meisten Fällen das Berhältniß der Löhne und Arbectszeit noch so willkürlich wie vor Jahren. Wie häusig findet man da eine 12-, 13- ja selbst 14stündige Arbeitszeit und einen Lohnsatz, zesj her mit den heutigen Bedürfnissen gar nicht in Einklang zu bringen ist. Wolle» wir uns von diesen Zuständen befreien, so müssen wir thatkräftig und entschlossen Hand ans Werk legen. Zu diesen ine! Zwecken ist es unbedingt nothwendig, daß in allen Städten, wo 'as»och keine Vereine bestehen, solche ins Leben gerufen werden, eher können und dürfen wir nicht an einen Kongreß denken, derselbe würde ebenfalls so wirkungslos bleiben wie der erste. Hier wäre es nothwendig, daß die Vorkämpfer vom Jahre 1868 die Sache in die Hand nehmen. In dem Augenblicke, wo sich wieder eine neue Bewegung unter unfern Berufsgenossen Bahn bricht, halte ich es für geboten, daß wir diesmal durch gegenseitigen Austausch von Erfahrungen und Ansichten dazu beitragen, unser aller wohlverstandenes Interesse zu fördern und zu wahren. Es liegen uns Briefe von Stuttgart, Leipzig und Hannover zur Einsicht vor. Daß man auch mit den alten Hindernissen zu kämpfen hat, ersehe ich aus denselben. Auch hier in Eöln ist die Theilnahme im Berhältniß zur Anzahl die hier Konditionircnden eine geringe. Das aber kann und darf uns nicht abhalten, unfern Zweck zu verfolgen und energisch vor- zugehen. Daß man in Leipzig der Ansicht ist, durch lokale Orga- ulji nisation sei nichts zu erreichen, muß ich dahin berichtigen, daß wir auch nicht gewillt sind, dies allein für unsere Interessen zu thu», sondern wir wollen suchen, die Wege zu ebenen, um uns, wenn es an der Zeit ist, dem großen Ganzen anzuschließen. Wir gehen hier nach llmständen und Verhältnissen auf eigene Hand vor, und suchen zu erringen was möglich ist. DieS haben wir auch schon mit dem besten Erfolg gethan, andere Vereine müßten ebenfalls in diesem Sinne wirken. Die Vereiuskassen müssen über die nöthigen Mittel zu verfügen haben, bevor wir einen Kongreß'«»- berufen können. Arbeitseinstellungen, die mit großen Geldopfern verknüpft sind, wären abzurathen, es sei denn, daß man mit Sicherheit auf Er- folg rechnen könnte. Unsere Kassen habe» im Allgemeinen zuwenig Mittel. Aus diesen Gründen wäre es wünschenswerth, daß sämmt- liche Vereine wenigstens ein Jahr Bestand hätten. � Dann kann ein Kongreß einberufen werden, dessen Aufgabe es sein wird, einen Normalarbeitstag zu bestimmen und so das Berhältniß deS Lohnsatzes zu regeln. Meiner Ansicht»ach liegt der Schwerpunkt in der verkürzten Arbeitszeit. Um die Ansicht der bestehenden und noch zu grüiidenden Vereine kennen zu lernen, wäre eS zweckmäßig, baß in denselben der„VolkSstaat" aufgelegt würde. Sodann wäre � darauf hinzuweisen, daß diejenigen, die einigermaßen die Fähig- keit besitzen, in diesem Arbeckerorgau unsere Angelegenheiten mit Offenheit und ohne alle Parteilichkeit niederschneben, so daß es zur Keuntniß aller Kollegen komme, es thun. Mein Borschlag ginge dahin, daß man in Leipzig, wo doch die größere Anzahl unserer Kol- legen vertreten ist, aus deren Mitte eine Kommission wählte, die sich zur Aufgabe stellte, alle Korrespondenz«», Aufsätze:c., die an sie gerichtet werden, in dem„Bolksstaat" zu veröffentlichen. Auf diese Weise würde man sich auf dem Kongreß schnell über die zu stellenden Fragen einigen. Also auf Kollegen Deutschlands, reicht euch die Hände, laßt jahrenlange Zerfahrenheit und Uneinigkeit schw.nden. Schaaret euch zusammen, organisirt und vereinigt euch. Es gilt unsere In- tcreffen zu wahren. Hier muß Jeder Hand anlegen, Alle, auch Diejenigen, die besser sitnirt sind als tausend Andere. Beiläufig sei»och bemerkt, daß ich im Auftrage des Eölner Buchbinder- Vereins diese Zeile» niedesschrieb. Kollezialischen Gruß und Handschlag I. B..... tz. chraz, 6. April. In einer zahlreich besuchten Tischlergehilfenversammlung wurde ein Memorandum an die Arbeitgeber angc- nommen, welches gänzliche Durchfuhrung und Anfrechterhaltung des Normalarbeitstages, Vereinbarung der Akkordarbeit mittelst eines Lohntarifs und eine SOproz. Lohnerhöhnug verlangt. Der 20. April wurde als Termin festgesetzt, bis zu welchem die For- derungen der Gehilfen bewilligt werden sollen. Im Falle der Nichtbewilligung gilt die Zeit bis dahin als die gesetzliche Kun- digungssrisl. Fachcollegen allerseits, wir bitten Euch, den Zuzug fernzuhalten, denn ein Strike wird unausbleiblich sein. Im Falle ein solcher ausbricht,«-suchen wir Euch, unS möglichst zu unterstützen. Alle Zuscbristen sind zu richten an: Josef Frank, Tischer, V. Bezirk, Greuadiergasse Nr. 1, Graz, Steiermark. Im Auftrage des Eomites Kraschkowltz. Augsburg, 8. April. Die hiesigen Tischlergehilfen sind im Begriffe, eine Lohnerhöhung von 30 Prozent durchzuführen. Da diese Forderung voraussichtlich auf heftigen Widerstand bei den hiesigen Meistern stoßen wird, so ersuchen wir alle Collegen Deutschlands, Zuzug gänzlich von hier fernzuhalten. Alle arbeiterfreund'ichen Blätter werden ersucht, Borstehendes aufzunehmen. Näherer Bericht folgt. L. Wörle, 1. Vorstand. I. Rohleder, Schriftführer. Correspondenzen. Leipzig, S. April. In letzter Woche sind unS zwei Freisprechungen passirt—„der erste Fall derart in unserm Hause". Seifferten und Hepnern wurde je ein Reinigungseip erlassen, woraus deren bedingungslose Klagfreisprechung erfolgte, und zwar Erstgenanntem durch das Ober-Äppellationsgericht(infolge einer von unserem Sachwalter Herrn Advokat Freytag eingereichten Nich- tigkeitsbeschwerde), Letztgenanntem durch das Bezirksgericht(infolge Einspruchs gegen das gerichtsamtliche Erkenntniß). Kläger in diesen beiden Prozessen waren— unsere beiden besten Freunde in Leipzig— Herr Polizeidirector Dr. Rüder und Herr Tageblatt- Redakteur Hüttner. In der Nummer 75 jd. Bl. von 1872 war nämlich(anläßlich der polizeilichen Untersuchungshaft Hepner's in- folge des Haager Kongresses) gesagt:„Wenn der Polizeidirektor Hepnern— der vor dem Hochverrathsprozeß nicht flüchtig gewor- den—„der Flucht verdächtig" erklärt, so ist man wohl versucht, dies für einen Akt persönlicher Rache zu nehmen. Hepner war es nämlich, der deni Polizeidirector schon so oft dessen demokratische Vergangenheit unter die Nase gerieben hat, indem er Zitate aus den von Rüdern redigirten Robert Blum'schen„Vaterlandsblät- tern" im„Volksstaat'- veröffentlichte."— Daraufhin war Herr Dr. Rüder gegen Seiffert als verantwortlichen Redakteur klagbar geworden.— Der Grund, ans dem das Ober-Appellationsgericht Seifferten freigesprochen hat, ist unS noch unbekonnt, wir werden uns aber das Erkenntniß zu verschaffen suchen. Der zweite Fall ist noch lustiger. In der Nr. 62 d. Bl. von 1872 war die Rede von einem„von dem bekannten Postdieb und Coltegen Dreihundertpfünder redigirtc Leipziger Loc�lblatt", und in Nr. 60 wurde unter der Ueberschrift„Ein Organ für Bordell- wirthinnen" die 7fache Huldigung abgedruckt, die im„Tageblatt" der„schönen Frau im Kupfergäßchen Nr. 2" dargebracht worden war. Herr Hllttner behauptete nun vor Gericht, er sei unter dem „bekannten Posidieb und Dreihundertpfünder" gemeint gewesen, und ihm sei insinuirt, das„Tageblatt" für Interessen der Bor- dellwirthinneu hergegeben zu haben. Weiter behauptete er mit einer unerhörten Dreistigkeit, Jjpepner sei der Verfasser dieser Artikel, ohne jedoch nur eine Spur von Beweisen hierfür beibringen zu können. Hepner verweigerte gegenüber einer so leichtfertigen, un- bewiesenen Anklage jede Auskunft darüber, ob er zu diesem Artikel in irgend welcher Beziehung stände. Des Uebrigen aber machte er sich(im G-fängniß hat man ja Zeit dazu) den Scherz, in 2 (zusamnien zehnbogenstarken) hnmoristisch-sachrischen Eingaben den Inhalt der Anklage� zu widerlegen. Unter Anderem that er dar, daß er gar nicht wissen könne, ob Herr Hüttner 300 Pfund wiege; denn die Schwere eines Menschen sei nicht bloß von dem Fleisch- und Fettvolnmen, sondern auch von der Stärke und Härte der Knochen abhängig; ob aber in unserer Gegend so starkknoAige Menschen, die 300 Pfund wiegen, existrren, wisse er nicht. Weiter venvahrte er sich dagegen, Herrn Hüttner„Collegen" nennen zu wollen; im Bereich der Gosologie ebensowenig wie in dem der Redaktionskunst existir? zwischen ihm und Kläger eine Gleichartig- keit und dergl. mehr. Wer unter„Postdieb" gemeint sei, wisse Herr Hüttner sehr genau; auch gehe schon aus dem Wortlaut des inkriniinirten Satzes hervor, daß der„Postdieb" und der „Dreihundertpfünder" zwei ganz verschiedene Personen seien.— Was die„Bordellwirthin" anbelange, so sei es—»venu der Rath sich nicht genire, diese zu coiizessioniren— auch für das„Amtsblatt" desselben keine Schande, ihre„Schönheit" zn verkünden. Im Uebrigen wäre nirgends behauptet, jene Annonce sei mil Wissen Hüttner's aufgenommen worden.— Der theilweise Vortrag dieser Eingabe erregte bei der mündlichen Verhandlung unter einigen Mitgliedern des aus 5 Personen bestehenden Gerichtshofs (Hüttner hatte nämlich gleichfalls Einspruch erhoben) eine derartige Heiterkeit— namentlich die Stelle, die von der Gose handelte — daß der Vorsitzende zuletzt nur resumircnd statt wörtlich die Eingabe vortrug. In seinem Erkenntniß brauchte das Gericht ans die Materie der Anklage erst gar nicht einzugehen, denn es sprach Hepnern ftci, weil gegen ihn nicht der mindeste Beweis der Verfasserschaft vorgebracht worden sei.— Dem RechtSkandidaten Broda— Hüttners Anwalt—, der sich zu der Behauptung verstieg, die Autorschaft Hepner's sei„unzweifelhaft", entgegnete dieser, es sei keine Ehre für einen Juristen, aus seiner bloßen per- sönlichen Vermuthung etwas„Unzweifelhaftes" zu folgern. Wie würde es umgekehrt Herrn Rechtskandidat Broda gefallen, wenn er(Hepner) in gleicher Weife über Jenen»rtheilen und sagen wollte:„Der Herr, der vor 3 Jahren die Studentenclique, die dem Redakteur Obermüller das Haus stürmte, anführte, hieß„un- zweifelhaft" B-R O-D-A!"?— Her Broda saß wie niederge- donnert da und— antwortete nichts daraus. Aorna. Was sich hier die Pfaffen gegen uns Sozialdemo- traten herausnehmen, davon hat man in größeren Städten keine Ahnung. Der Sohn eines unserer Parteigenossen(Krieger), der den„Sonntag Qnasimodogeniti" nicht geläufig über die Lippen bringen konnte und für den in der Schule gelehrten Aberglauhen überhaupt nicht inclinirt, mitunter auch dem Pastor Küls auf dessen komische Religiongfragen drollige Autworten gab, wurde voni Herrn Pastor aus der Stube hergus vor die Thüre gczerrt und auf die Steine hingeschleudert. Als dann der Vater des Knaben zum Superintendenten Teschner ging, mußte er sich von ihm die Liebenswürdigkeit anhören:„Ihr Junge wird— weil er nicht fromm ist— ins Zuchthaus kommen und Sie auch." Krieger wird gegen den Superindcnten gerichtlichen Strafantrag stellen, um- somehr als� dieser sich außerdem erfrechte, Kriegern de» srommen Fluch zu wünschen:„Es möge Ihnen so gehen wie Fuhimanu." (Steuereinnehmer Fuhrmann isi nämlich ein von schrecklicben Krank- heiteu heinigesnchter hiesiger Bürgen) Weiter drohte der fromme Herr:„Ich werde dafür sorge», daß Sie aus Borna ausgewiesen werden." Krieger ist aber hiesiger Bürger. Ob die von ihm gegen den Superintendenten anzustrengende Klage viel nützen wird, muß fteilich bei den traurigen Rechtsz» stände» in unserer Stadt bezweifelt werden. Hat sich doch der Staatsanwalt vor 1 Jahre geweigert, die von Kriegern eingereichte Denunziation gegen den Gcrichtöbeamten Schubert wegen versuchter Unterschlagung(eines vom Restaurateur Wolff verlorenen Zehnthalerscheines) anzunehme» und ihm gedroht:„Hüten Sie sich, etwas von dieser Sache in die Oeffeutlichkeit zu bringen!"?— Liraßach, 25. März. Nachdem wir am vergangenen Sonn- abend wieder eine Volksversammlung abgehalten, in welcher Wolf aus Chemnitz das Parteiprogramm eingehend erläuterte und in Folge dessen mehrere Parteigenossen gewonnen wurden, halte ich es für meine Pflicht, über den Stand der Sache am hiesigen Orte zu berichten. Der Berein zählt jetzt 40 Mitglieder. Es war Ende Juli 1871, als von einigen früheren Mitgliedern des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins eine Versammlung einberufen wurde, um wieder eine Organisation zu schassen. Dies geschah, und zwar dergestalt, daß man einen sozialdemokratischen Arbeiterverein grün- dete, aber ohne jedweden Anschluß an eine größere Parteiorgain- sation, weil die Meinung einstimmig herrschte, dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, welchem i»an ftüher angehorte, nicht wieder beizutreten; jedoch kam es durch den Widerstand der indirekten Anhänger des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins resp. Schwcitzer's auch nicht zum Anschlnß an die sozialdemokratische Arbeiterpartei. Die Folge davon war, daß die Versammlungen schwächer und schwächer besucht wurden, bis schließlich gar Niemand mehr kam, und somit der Verein, wenn auch nicht aufgelöst, so doch eigentlich zu den Todten zu zählen war. Dies veranlaßte den Unterzeichneten, im April vorigen Jahres den Anschluß an die sozialdemokratische Arbeiterpartei als eine dringende Nothwendigkeit darzulegen, was auch von Erfolg war, indem sofort der Anschluß als beschlossene Sache betrachtet wurde und auch die Parteibeiträge vom Januar an gerechnet au die Parteikasse abgeführt wurden. Auch haben wir die feste Hoffnung, den Berein bald erstarkt zu sehen, indem seit Kurzem Herr H. Kühn aus Berlin hier in Eon- dition getreten ist und derselbe seine agitatorische Thatigkeit nicht ohne Erfolg betreiben wird. Der Boden für die sozialdemokra- tischen Prinzipien ist hier nicht gar so ungünstig; Beweis die letzte Reichstags- bez.�Gemeindcrathswahl. Noch muß ich erwähnen, daß ein Parteigenosse durch öffentliche Kritik eines Gemeinderaths- beschlusses einen Gemeinderaths-Beleidigungsprozeß auf dem Hals hat, wobei ihm vier Wochen Gefängnißstrafe zuerkannt worden sind; jedoch hat derselbe Einspruch erhoben. Mit sozialdemokratischem Gruß Carl Schumann. chederan, 23. März. Gestern fand hier eine öffentliche Ver- sammlung der sozial- demokratischen Arbeiterpartei statt, die sehr zahlreich besucht war. Uhle referirte über die soziale Frage und über innere Partciangelegenheiten. Es ließen sich neuerdings 20 Mann einzeichnen, so daß sich nun in Oederan eine Mitgliedschaft von über 60 Personen befindet. Der Aufforderung, den„Volks- staat" zu lese», entsprach man in erfreulicher Weise, indem sofort auf 15 Exemplare für das nächste Quartal abonnirt wurde. Ein anderer Theil der Arbeiter abonnirte auf die„Chemnitzer Freie Presse". Es steht zu hoffen, daß nach solch günstigem Wieder- beginn der Arbeiterbewegung am hiesigen Orte dieselbe rüstig fort- schreiten und sich ausbreiten wird.(Chemnitzer Freie Presse). Chemnitz. Die am 20. März in„Stadt Köln" abgehaltene Bauhandwerker- Bersammlung, in welcher Lyser ein Referat über den Nutzen der Gewerkschaften gab, war stark besucht und vom bestem Geiste beseelt. An der Debatte über die Krankenkassen-An- gelenheit betheiligte» sich mehrere Redner. Schließlich gelangte eine von Lyser vorgeschlagene Resolution, welche den Meistern zugeschickt werden wird, zur Annahme und Unterschrift. ES unterliegt keinem Zweifel mehr, daß die Meister mit ihrem Kassen-Projekte voll- ständig Fiasko gemacht haben. Thakheim bei Stollberg, 18. März. Endlich ist auch bei unS die einst hochgehende Bewegung unter den Arbeitern, nachdem sie durch das Vorgehen der Herren Mende und Schweitzer vollständig zu Grund gerichtet war, wieder in feste Bahnen gelenkt. Die Aus- führungen Vahlteich's in der„Freien Presse",(Der Partcikampf k.) haben wir als sehr nützlich mit Freuden begrüßt. Bor allem waren sie sehr dazu angcthan, die Arbeiter nüchtern zn machen und nüchterne Leute brauchen wir! Was wäre daraus geworden, wenn wir uns von unsrer Lassallevergötternng nicht losgemacht hätten? Wenn es wirklich gelänge, Lassalle zu einem neuen Christus zu stempeln, so dürfte es, wie bisher, so auch später, nicht an Päpsten, Pfaffen und reaktionären Handlangern fehlen, welche die neue Lehre benutze» würden, um sie in ihrem Interesse auszubeuten und aus ihr neue Dogmen aufzurichten; man würde dem Volke eine Mumie;»>' Anbetung hinstellen, anstatt es von dem, ensig neue Wahrheit sprudelnden Quelle der Wissenschaft schöpfen zu lassen. Wir stimmen vollständig mit dem Satze iiberein, den Dietzgen in seiner„Kanzel- rede" aussprach, daß, wen» eine wirklich freie und selbstständig denkende Generation heranwachsen soll, alle Heiligen, sammt den Heiligthümern fallen müssen. Nur Fanatiker und Betrüger können dies leugne». Nach dieser Abschweifung zurück zu uns. Wir haben uns jederzeit Mühe gegeben, den demokratische» Geist wach zu erhalten. Regelmäßig"wurden„Bolksstaat",„Eh. F. Presse",„E. Bürger- und Bauernfreund",„Volksbote",„Br. Volkssreund�taz mehreren Exemplaren gelesen. Jetzt sind wir zn einem sozial-demo- kratischen Arbeiterverein zusammengetreten, welcher bereits circa 40 Mitglieder zählt, aber nach der ersten Volksversammlung aus das doppelte und dreifache steigen wird. Die Arbeiter können kaum erwarten, beizutreten. Verschiedene Leute, welche uns ftüher fern standen, schließen sich uns an und die Alten finden sich nach und nach alle wieder zusanimen. Unser hauptsächlichster Gegner, welcher als Klassenhetzer ganz Vorzügtiches leistete, ein gewisser Kohl, ehe- maliger Oberlehrer, ist nicht mehr hier. Die hiesigen National- servilen haben an ihm ihre festeste Stütz- verloren, und ist an eine» heftigen Widerstand von Seiten derselben nicht zu denken, zumal sich die hiesigen Arbeiter nicht mehr zur Verherrlichung unserer preußisch-deutsch-kaiserlichen Zustände gebrauchen lassen wird. Der von unS oft prophezeite Katzenjammer nach dem großen Sieges- rausche beginnt sich in erschrecklicher Weise,— zum Leidwesen aller in Knechtsseligkeit ersterbenden Nationalservilen— in allen Schichten der Bevölkerung einzufinden. Hoffen wir von dieser Kur das Beste!(Nach der„Chem. Fr. Presse"). Müksen St. Ilickas, 20. März. Ein wesentlicher Bestandtheil des Programms der sozialdemokratische» Arbeiterpartei i>t die For- derung der Beseitigiing aller indirecten Stenern und Einführung einer allgemeinen progressiven Einkommen- nud Erbschaftssteuer. Warum?— Freund Bebel hat berechnet, daß der Durchschnitts- betrag aller indirecteu Steuern im deutschen Reich pro Kopf jähr- lich 3'/, Thaler beträgt und daß demnach eine Familie mit sechs Köpfen jährlich 20 Thlr.(sage zwanzig Thaler) Stenern an den Staat zahlen muß, die ihr nicht einmal als Steuer angerechnet werden. Ist vorstehendes Exempel für den armen Mann und namentlich für die Weber unseres Erzgebirges, deren ganzes jähr- licheS Einkommen beiläufig zwischen 75 und 120 Thalern schwankt — schon höchst untröstlich, so ist dennoch dieser Dnrchschnittssatz von 3'/- Thlr. bei Zugrundelegung der Steuer auf einzelne her- vorragende, dem Menschen unentbehrliche Lebensbedürfnisse höchst ungenau und bei genauerer Berechnung viel zu niedrig gegriffcn.- Beispiel: Die rapide Vertheuerung aller Lebensbedürfnisse infolge des Zuflusses des vielen unerarbeiteten Geldes»ach Deutschland— unsere an sich schon sehr niedrigen Weblöhne sind durch die Mil- liardenzufuhr zu den bestehenden Lebensmittelpreisen in ein noch ärgeres Mißverhältniß getreten— nöthigte uns im November vorigen Jahres eine Consumgenossenschast zn gründen, um durch Einkäufe größerer Partien de» Parteigenossen die nvthwendigsten Lebensprodukte billiger zugänglich zu machen. Wir erhielten unter anderen Offerten mich eine am 7. Januar a. c. von E. le Goullou u. Comp, ans Antwerpen, in welcher uns amerikanisches Ochsen- fleisch 135 Kilo für 13 Thlr.(ca. 15 Pf. pr. Pfv.) ab Antwerpen angeboten wurde. Der Gedanke war verlockend; es wurde ein Faß bestellt. Am 15. Febr. kamen wir in den Besitz der Waare und des Frachtbriefes.— Die' Rechnung wurde schnell durchflogen: Fracht und Assecuranz bis Hamburg 1 Thlr. 11 Gr. 6 Pf., Fracht ab Hamburg bis Zwickau 4 Thlr. 11 Gr. 3 Pf., An- und Ab- führe»ach dem Hauptsteueramt, Porto, Auszüge und Erledigung durch Spediteur Reimann in Zwickau 1 Thlr. 6 Gr., Zoll 2 Thlr. 12 Gr. 5 Pf., Verbranchssteuer für 384 Pfd. 8 Thlr. 1 Gr. 5 Pf., Fracht bis Mulfen 17 Gr. Zusammen 17 Thlr. 29 Gr. 9 Pf. Von diesem Betrag kommen allein an den Staat IV Thlr. 14 Gr., sage zehn Thaler und 14 Groschen, den Betrag an den Spediteur Reimann von 1 Thlr. 6 Gr., der doch nur behufs der steueramt- lichen Behandlung nöthig wurde und deshalb noch auf Rechnung des Staates kommt, nicht inbegriffen, was die Summe von 11 Thlr. 20 Gr. ergiebt. Für jedes Pfund Fleisch, das nebenbei bemerkt, anderem frischen Fleisch gegenüber ca. 25 Prozent verliert, muß also der Konfnnient, der in Ermangelung etwas Befferen gern den salzigen Geschmack des Pökels überwindet, netto 13 Ps. (dreizehn Pfennige) für den Staat ausgeben. Rechnet man nun aus eine Faniilie von ö Köpfen wöchentlich 4 Pfd. amerikanisches Ochsenpökelfleisch, so erhalten wir die Summe von 8 Thlr. 2v Ngr. 4 Ps. und pro Kops 1 Thlr. 13 Gr. 4 Ps. indirecte Steuer nur für Fleisch. Man wird es nun erklärlich finden, daß der Durch- schnittSsatz von 3'/- Thlr. jährliche indirecte Steuer bei Anwen- dung ans die Arbeiter viel zu niedrig gegriffen ist und daß die Abschaffung derselben eine Existenz- und Lebensfrage für die Ar- beitcr bildet. Eine radikale Lösung dieser Frage aber von dem jetzigen Klaffenstaat zu erwarten, wäre einfach albern, denn wenn selbst die indirecten Steuern durch eine dirccte Steuer beseitigt würden, so wären eS doch nach wie vor immer wieder die Arbeiter, welche dem Einzelnuternehmer die Taschen füllen, damit derselbe behäbig von dem etwas an den Staat, der ihm sein Dasein ga- rantirt, abgeben kann, waö ihm die Arbeit Anderer erworben hat. Mit Recht nannte die Redaction des„Volksstaat" vor einiger Zeit die jetzigen Consumvereine„erbärmliche Dinger". Wir haben bereits die Erfahrung gemacht, daß wir nur dem Großkapital in die Hände arbeiten müssen. So bezahlen wir z. B. für Kunstbutter in Zwickau 19 Thlr. pro Centner, während dieselbe in Nürnberg, München oder Schweinfurt gewiß bedeutend billiger ist.(D>e Parteigenoffen könnten durch Berichte über Prodnktenpreise und Firmen einander sehr nützlich werden.)— Kurz, so lange nicht mindestens zwei Dritttheile Sozialdemokraten geworden sind und jede Gemeinde Abtheilnngen für Produktion und Consumtion init Ccntraldepots an Hafen- und Handelsplätzen besitzt und die Einrichtungen gesetzlich geregelt und garantirt werden, mit einem Wort, solange nicht an Stelle der heutigen Klaffenstaaten der sozialdemokratische Volksstaat etablirt ist, bleibt uns nichts übrig, als Kamps mit Entbehrungen:c. oder— Auswanderung.*) Mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag August Döhn. ') Die Parteigenossen kennen zur Genüge unseren Standpunkt in der Auswandcrungsfrage. Wir können selbstredend dem Einzelnen nicht abrathen auszuwandern, aber wir bekämpfen mit aller Entschiedenheit die durch gewissenlose Agenten betriebene organisirtc Massenanswanderung. Die transatlantische Bourgeoisie, vornehmlich die Nordamcrika's, braucht billige Arbeitskräfte, um dem auch dort jetzt für seine Interessen in die Schranken tretenden Proletariat ein Paroli bieten zu können. Wie für den Westen die chinesischen Kulis, so sind für den Osten Nordamerika'« vornehmlich die deutschen Arbeiter für den modernen Menschenhandel auserkoren.(D. R. d. V.) Ksauchau, 6. April. Das Bczirkswahlcomits beschloß in seiner heutigen Sitzung,-betreffs der Verweigerung der Haftentlassung unseres Reichstagsabgeordneten Bebel Seitens des Justizininisteriums, die schon veröffentlichte Resolution in allen Orten des Wahlbezirks bei öffentlichen Versammlungen zur Annahme zu bringen. Weiter wurde beschlossen, daß in Zukunft im 17. Wahlbezirk mehr für Ausbreitung der Partei, sowie des Parteiorgans gewirkt werden müsse. Folgender Antrag fand einstimmig Annahme:„Bei etwa abzuhaltenden Versammlungen des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins in unserem Wahlbezirk verpflichten sich alle Anwesenden, die- selbe Stellung einzunehmen, wie unsere Leipziger Parteigenoffen es in jüngster Zeit gethan, d. h. die Agitatoren des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins erst zu ftagen, welche Stellung sie zu dem Vorgehen ihres Präsidiums einnehmen, und daraus hin unsere Vorgehungsweise im Interesse unserer Partei festzustellen." Weimar. Hier giebt es bekanntlich kein Vereinsgesetz— und die Polizei hat auch hier keine Macht, unsere Versammlungen zu controliren oder zu überwachen. Zu der von unsern Weimarer Gesinnungsgenossen veranstalteteten 18. März-Feier waren aber doch etliche Polizisten erschienen. Was geschah ihnen? Sic wur- den— wie wir im„Crimmitschauer B.- u. Bsd." lesen—„vom Festredner veranlaßt, das Local zu verlassen, da die Gegenwart der Polizei störend sei." Was sagt man aus dem Berliner Mölken- und dem Leipziger Naschmarkt dazu?— Hreiz, d. 3. April. Die Parteigenossen von Greiz und Um- gegend hatten für heute eine Arbeiterversammlung im Tivolisaal einberufen, zu welcher Franz aus Glauchau als Referent berufen war. Die TageSordming war: 1) die Lohnftage, 2) Gründung eines Manufakturweberbundes(beziehentlich Anschluß an den be- rcitS bestehenden). Indem Franz verreist war, Albert ebenfalls nicht kommen konnte, erschien im Auftrag des Letzteren Dotzauer aus Zwickau. Als Vorsitzender wurde Herr Schneider Mitglied des Allgew. deutschen Arbeitervereins, gewählt. Die zahlreich bc- suchte Versammlung lieferte den Beweis, daß der Geist der Ver- einigung Boden gewonnen. Der Redner munterte in begeisterten Worten die Anwesenden auf, sich zu organisiren und machte ihnen klar, daß nur Ausdauer, fester Wille und Energie zum Ziele süh- ren. Nachdem noch einige Redner gesprochen und sowohl die Theilnahmlosigkeit der Arbeiter gerügt, als die Willkür und den despotischen Druck, welchen die Arbeitgeber fast durchgängig aus- üben, ergreift Dotzauer nochmals das Wort und weist auf die massenhasle Auswanderung hin, welche, wie so Vieles in den Mangel- haften Staatseinrichtungen, in den ungleich geordneten sozialen Veihältnissen seinen Grund habe. Der Vorsitzende fordert auf, eine Mitgliedschaft deS Weberbundes zu gründen z dafür erklärte sich die große Majorität, Witten, 40. März. In der am 16. dieses Monats abge- baltenen Versammlung des hiesigen sozialdemokratischen Arbeiter- Fortbildungsvereins kam u. a. auch das Vorgehen des deutschen „Buchdrucker-Prinzipal-Vereins" den Verbandsgehilfen gegenüber zur Erörterung. Die Arbeiter erkannten allgemein die Sache des „Verbaude�" als eine gerechte an. Es wurde hervorgehoben, daß ein jeder Arbeiter nach Kräften den„Buchdrucker-Berband" unter- stützen müsse, da es sich nicht allein um die Interessen der Buch- drucker- Gehilfen, sondern um die der ganzen Arbeiterschaft handle. Biö jetzt sind bereits 5 Thlr. 1 Gr. von den einzelnen Mitgliedern gesteuert und nach Leipzig abgesandt worden. gresses— den Grundsatz der Solidarität selber praktisch durch- führten. Herr Auer in Berlin hat aber in Nr. 26 d. Bl. durchschlagend dargethan, daß auf allen bis jetzt von Berlin aus angeregten„Congressen" die gröbste Intoleranz seitens der Mit- glieder des Allg. deutschen Arbeitervereins gegen unsere Partei ge- zeigt worden ist und daß man— wenn man uns zur„Betheili- gung" am„Congreß" einladet— von jener Seite nur den Ein- fluß des„Volksstaat" benutzen will, um uns hinterher zu prellen. Wir sind es daher der Ehre unserer Partei schuldig, von unserem ftüheren Verfahren, den von den Anhängern des„Neuen Sozd." ausgehenden Unternehmungen die Spalten des„Volksstaat" ohne Weiteres zu öffnen, abzugehen, und als Bedingung für eine Unter- stützung des Maurer- und Steinmetzkongresses die Forderung auf- zustellen, daß die Herreu vom Allg. d. Arbeiterverein ihren Vorstand und ihr Parteiorgan zum Widerruf aller uns von der„Sozial- demokratie" vermeintlich ausschließenden Erklärungen zwingen. So lange der Allg. d. Arbeiterverein sich in seinen offiziellen Erlassen und in seinen' Resolutionen als die alleinige sozialdemokratische Partei in Deutschland gerirt, haben die Agitatoren jenes Vereins kein Recht, an unsere„Solidarität" zu appelliren. Und die Herren Grottkan und Hurlemann— die Haupteinberufer des fraglichen Congrcsses— sollen sich erst bemühen, drei Versammlungen abzn- halten, ohne auf unö zu schimpfen, ehe sie uns einen Auftuf zu- schicken mit den Worten:„Fort mit allem FraktionShaß! Jeder ist willkommen!" Wir glauben uns in Vorstehendem mit den Parteigenossen im Einklang zu befinden. Tie Red, des„Volksstaat". Erklärung beim Ab. kostet b. d- Filiale 52 b. Post 54 Kreuzer, A. Th. Wien s. Schfl 21 Gr. s.Ab. 25 Gr., Bgr. Mindelh. s. Ab. 12 Gr. 5 Pf., Mllr. Col« hier f. Ab. 2. Qu. 10 Thlr.» der Redaktion: N. in Stollberg: Wir haben den betr. Artikel a«� die Redaktion des„Bürger- und Bauernsrcund" nach Erimmitschau gö sandt. Dort wird deselbe jedenfalls mehr wirken, als hier und ist in Lokalblatt auch näher am Orte selbst. H. W. München: Ihr Arft kam Dienstag früh an, u. das Blatt ist bereits Montag Abend druck � fertig.—■______J Genossenschaftsbuchdruckerei. Antheilscheine bez. Antheilquittnngen erhielten ferner in Leipzig: W» & Comp. 3 Thlr., W. M. 30; in Berlin: A. H. 3 Thlr., W. B. 2, FS A. 1, Dr. M. 1, A. B. 2, K. 1; Hannover: I. Z. 1 Thlr. F. B. 1- C. K. 1, A. B. 2, R.E. 1, F. W. 1, F. 1; in Weimar: A. H. 1. Hadlich. l Den Parteigenossen Adresse lautet zur Nachricht, daß meine jetzigi Jacob Gimbel, Schuhmacher, Universitätsstraße Nr. 12, Hinterhaus, in Freiburg, Baden._____ I Großes Famlicnfest, 1. Osterfeitag, Abds. 8 Uhr in Liebcrt's Local, Thorstr. 12 Entree 21/., Sgr. Plakate Näheres. Heinsch, Vertrauensmann. Urcsliul. Erklärung. Pon Herrn A. Finke aus Berlin geht uns wiederholt ein von ihm, Grottkan und Hurlemann unterzeichneter„Aufruf" zu einem in Berlin abzuhaltenden Maurer- und Steinhauerkongreß mit der Bitte um Abdruck(eventuell auch als bezahltes Inserat) zu. Dabei beruft sich Herr Finke auf die„Solidarität der Arbeiter- Interessen". Das wäre ganz hübsch, wenn die Herren vom Allg. denffchen Arbeiterverein— und dies sind die Einberufcr des Con- Die Mitglieder der sozialdemokratischen Arbeiterpartei zu Tuis- bürg erklären, daß die Behauptung des Hrn. A. Dreesbach in der Beilage zu Ztr. 37 des„Neuen Sozd." l. I., als hätten wir hier 5 Thlr. für Säuberung der Wäsche beim Wirth, wo Scheil logirte, bezahlen müssen, für eine infame Lüge, Dreesbach aber als einen erbärmlichen Verlänmder und charakterlosen Meisschen, so lange er seine Behauptung nicht zurückgenommen hat. Duisburg, den 1. April 1873.. I. A.: Der Vertrauensmann. Sozial- demokratische Arbeiterpartei. Dienstag den 15. d. M. Abends 7 Uhr geschlossen«(1 Mitgliederversammlung in Schneider'» Restauration, Klostcrstraße 73| Wichtige, innere Parteiangelegenheiten erfordern das unbedingte Erl scheinen aller Mitglieder. Die Karten siud vorzuzeigen. H. Ochmc. � (!3lllCrfClÖ Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Jeden Montag Abends 8 Uhr: ZusammankunßJ im Lokale des Herrn Albert Kasper, an der Haspeler Brücke.<>. Der Vertrauensmann, g >.v. Montag den 2. Osterfeiertag Landpartie nach Neviges, sammenkunst beim Wirth Knapperbusch, Hochstr. Abmarsch 2 Uhr Nach» mittags. Um zahlreiche Betheiligung bittet(2b)____ d. O.|° Erklärung. In Nummer 23 des„Volksstaat" befindet sich in einer Eorre- spondcnz aus Mitlweida eine Bemerkung, worin dem seitherigen Vertrauensmann in Waldheim Saumseligkeit wegen nicht erfolgter Abmeldung als Vertrauensmann vorgeworfen wird. Allerdings hätte sich der Unterzeichnete, da sich momentan keine direkten Parteimitglieder mehr an hiesigem Orte befinden, ab- melden sollen; jedoch hat es derselbe nur unterlassen, weil er ge- glaubt hat, die Zersplitterung der Mitglieder wieder beseitigen zu können, nicht aber aus Ehrgeiz. Noch erlaube ich mir zu bemerken, daß es unter einem Theile der hiesigen Arbeiter opferwillige Herzen giebt, welche für die gute Sache auch sernerhm einstehen werden. Waldheim. Carl Grunewald. � 1>1 1 � II! I IT 1�! Tlf Unser Versammlungslokal und Verkehr fid s * sämmiliche Gewerbe, die Maurer ausgenoiwss mcn, ist beim Gastwirth Hrn. König. Bersam«ckung jeden Dirnstag.�2aZ� Kleimschocher. SmmabeZ'N�?'''Abends 8 ml '''' in Lange's Restauration. Tagesordnung: Die Arbciterbttvcgung. Referenl: Nauert. Der provisorische Vorstand, j" Gewerkschaft der Holzarbeiter. � •'T f'ZJ' Scction der Glaser. Donnerstag den 10. dss. M., Ab. 8 Uhr: Versammlung bei Mosi«L Gerberflraße Nr. 56.— Tagesordnung: Neuwahl des Vorstandes. 18 Der V. der Glaser-ScctionDb Internationale Mc'allarbcitcrlchast.? Das unter Nr. 5 Hierselbst ausgestellte Mitgliedbils h Leipzig. Ein 25jähriges Jubiläum. Ostern 1848(am 3. Festtage) zog der„Demokratische Arbeiterverein" unter An- führung von Dr. Seinmig und Dr. Albrecht— den Führern gedachten Vereins und heutigen BiSmärckern— nach der„KönigS- Eiche" in der„Bürgeraue" und tauften sie unter Absingung des nachstehenden von Dr.Albrecht gedichteten Liedes zur„Volks-Eiche": (Mcl.: Wohlauf denn getrunken«e.) Frischauf nun gesungen Der Freiheit ein Lied, Wie's freudig im Busen DeS Mannes erglüht. Die Freiheit ist Leben, Die Freiheit ist Kraft, Der Freie nur ist es, Der Großes erschafft. Juvivallera n. s. w. �>as linier vti. u yicrieiozi anügezicuic umigueocu« pi für Herrn E. Kolbe wird hiermit sür ungültig erklärt und vor erwaigeü c Mißbrauch gewarnt. Für den Bevollmächtigten: r _ A-Petzsch. L Holzarbeiter- Gewerkschaft. it Freitag den 11. d. Mts. schußsitzung bei Zeidler. Nachmittags 4 Uhr: Aus d _____:_____ Jss ÜJil flä Cafe-Lrasserie-Suisse(CH. Must.'s »II Iv. 35 rue de l'Arbre See 35 nahe am Lonvre. ftl Dejeuners et Diners ä tont prix. Kalte und warme Speisen s'JU jeder Tageszeit.„Volksstaat",„Beruer Bund" und französische Zei tungen liegen aut. Hier Z»reisenden wird bereitwilligst jede cf __[mk2] Die öffentliche Versammlung � Hier Znreisenden ; wünschte Auskunft ertheilt. StoUbcrg. ♦ vx» w X per sozial-demokratischen Arbeiterpartei findet deltv 1. Osterfeiertag, Nachmittags halb 3 Uhr im„Schicßhaus" statt. T Die Parteigenossen von Luga» und Oelsnitz sind hiermit extra ciww geladen, da«vir mit ihnen Einiges zu bcrathen haben. Der Vertraucnsnisi Thonlierg bei Die Freiheit nur würzet Dem Braven das Loos, Für Sklaverei tauschen Wir lieber den Tod, Und sollt' es einst gelten, Dem Kampf uns zu weihn! Gern setzten für Freiheit Das Leben wir ein. Juvivallera u. f. w. Sonntag den 1. Osterfeiertag, Nachmittag« 2 Uhr: Gcmciuschasttichlli Landpartie mit Familien nach Großzschocher. li Alle Freunde sind zur Betheiligung sreundlichst eingeladen. Sammebsp platz: Vereinsbraucrei. Bei ungünstiger Witterung gesellige Zusammewp kunst im Vereinslocal.' D. V-�p. Zur Beachtung. ss Mit eilcitden Wolken Der Freie durchzieht, Und singt in der Ferne Der Freiheit ein Lied. Die Freiheit, die Gleichheit, Die Brüderlichkeit, Sind unsere Sterne Auf ewige Zeit. Juvivallera u. s. w. Alle Diejenigen, welche Bücher von mir zum Verkauf erhalten habe« ei tverdcn um Ordnung ihres Conto« gebeten; Alles noch auf Lager bs? findliche, dessen Verkauf nicht mit Sicherheit zu erwarten ist, erbitte iälp mir zurück, da einige Schriften zu fehlen beginnen. IM Gleichzeitig bringe ich die bei mir erschienenen Schriften in Erinnerung Preiscourantc ftanco.— Brannschweig, l. April 1873. _ SB. Bracke jr.J| w Für Stötteritz. Man theilt uns mit, daß ein Stötftritzer GenSdarn« einem Restaurateur das Auslegen deS„Volksstaat" verboten habe oder verbieten wollte. Wi«: machen den detreffenden Gensdarmen hiermit auf§ 339 des Reichsstrafgesetzbuches aufmerksam, mit dem Bedeuten, daß er, wenn er sich noch einmal einen derartigen Amtsinißbrauch zu Schulden kommen lasse» sollte, unnachsichtlich der Staatsauwalt- schaft denunzirt werden wird. tz 339 lautet:„Ein Bcainter, welcher durch Mißbrauch seiner Amtsgewalt oder durch Androhung eines bestimmten Mißbranchs derselben Jemand zu einer Handlung, Duldung, oder Unterlassung widerrechtlich nölhigt, wird mit Gefängniß bestraft. Der Versuch ist strafbar." Wonach män sich also zu richten hat! Zur Beachtung. Alle Nachbarorte werden ersuckit zu einer Besprechung nächsten SonKv tag, Nachmittags 3 Uhr, in Lengenscld(Wolfs Restauration) über, 1)„>n welchen Ortschaften befinden sich Sozialdemokraten"; 2) auf welihw Weise ist für Ausbreitung der Sozialdemokratie zu wirken". Vertreter zt senden.— Rcichcnbach>. V., den 8. April. ______ Da» AgitationS-Comitee. Ji Briefkasten der Expettion: Von Ber hier f. Ab. 2. Qu. 20 Gr. erh., Arb-V Thonberg f. Ann. 8 Gr. erh.. Lky Danzig f. Schr. 3 Thlr. erh., Arb.-V. Neunkirchen f. Ab. 2. Qu. 1 Thlr 24 Gr. erh., Hch. Köln f. Ab. 1. Qu. �Thlr. erh., Stgcr. Berlin f. Schr. 3 Gr. 8 Pf. erh., O. S. Stuttgart f. Schr. 23 Gr. erh., Hdch. hw s. Schr. 5 Gr., Zau. hier f. Ab. 20 Gr. �"ischochcr f. Ap. 1. Qu. 3 Thlr. 25 Gr. 5 Pf., s. Sckr. k«i SO � hier f. Schr. 3 Thlr. erh., Spandau Arb.-P. i.!r« Ater. Chemnitz f. Schr. durch Sri. hier 6 Thlr. Ä" i S" h'er f. Schr. 4 Thlr 15 Gr. erh., H. Wke. Döbeln f. m« ePV* Thlr. Lo«. Eiscnach f. Schr. 1 Thlr. 18 Gr. erh., Arb.- B.-V. Dresden f. Schr. 3 Thlr. 10 Gr. erh.. Esr.St.Joh. f. Ab. März "h' Sie schulden noch 2 Gr., Lke Dresden f. Schr. 3 Gr. erh. Vlkn. Frohburg f. Ab. 5 Gr. erh.. Lg. H°f, Lt. Gotha: Wenden Sie sich wegen Maurerstatut an die Exp. de« Dresd. Volksboten. G. in Pforz- Die st Hmossenschafts-Kutfaörik in Leipzig Nikolai Rraße Nr. 15, 1. Etage empfiehlt ihr gut sorlirtes Lckgcr in- Kitz-, Seiden- und Stojfljüten m elegantester Ausführung und«Itligstcu Preisen. Alle in die Hutmacherei einschlagenden Reparaturen werde schön, schnell und billigst besorgt. Vertrauend auf die Unterstützung der Arbeitcrkrcise, wagte di Gewerkschaft der deutschen Hutmachcr sich an die schwierige Aus gabe,.iiiniittell des Großkapitals mit nur geringen Mitteln, loeldj sie nach kaum 1 jährigem Bestehen sick, erübrigt, eine Genossenschafts- Hntsabrik zu errichten, um auch in dieser Weise ihr Biöglichstcs bcizutragtt den Druck deS CapiralS auf die Arbeit abzufckjwächen und dc Freiheit Bahn brechen zu helfen. In der Zuversicht, daß sämmtliche Arbeiter das Unternehme nach Kräften unterstützen werden, bittet um gütigen Zuspruch __ Die nosscusdnifts- H utfabril Leipzig: Vcrantw. Redakteur<£. Kasper.(Redaktion und Expedit«« Hohestr. 4). Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei.