g- Erscheint wöchentlich 2 Mal (3 in Leipzig. "l Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- langen de« In- und Au«- lande« an. Für Leipzig nehmen Be- stellungen an: die Expedition, Hohcstraße 4. die Genossenschaft«- tuchdruckcrei, Zeitzerstraße 44. «. Bebel, Peterstraße 18. I. Müller, Bahcrschestraße 8b, III. uch Der Volksstaat Äkonnemenlspreis: Für Preußen incl. Stempel- steuer l? Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten 12>/z Sgr, pro Quartal, pro Monat 4>/. Sgr. Für Leipzig und Umgegend pro Quartal 13 afgr. Filialexpeditioneu für die Ber- einigten Staaten: F. A. Sorge. So» 101 Hoboken, N.J. ▼ia Ncwyork. G. A. Lvnnccker, 155 W. Lake Chicago(III.) OrgandersozialdemokratlschenArveiterparteiundderinternationalenGewerksgenossenschasten. Nr. 31. Mittwoch, 16. Aprit. 1873. 12 Die Acht-Stunden-Arbeit in Australien. (Au« der 1. Nummer der New-Vorker„Arbeiter Zeitung".) ent bei der Compagnie für denselben Zweck, fanden aber bei derselben hartnäckigen Widerstand, die Arbeitszeit von 10 Stunden auf 8 Stunden per Tag herab zu setzen. Gleich den Baugewerken be- — 1 harrten die Leute auf ihrer Forderung, gaben aber zwei Zehntel ihres Taglohnes preis. Nach einer Probezeit fand die Compagnie, ilus-daß dieses(8 Stunden-) Stistem so gut arbeite und solche Er- sparnisse von Gas, Oel und anderen Auslagen sichere, daß sie ein warmer Befürworter desselben wurde. Seitdem hat sie dahin eingewilligt, die gleichen Löhne, wie für den Zehn-Stunden-Tag »-lju bezahlen. Zl'1 Es wurde angeführt und erwartet, daß nun(nach Einführung �der 8-Stundenarbeit) die Trinkhäuser in Sidney länger gefüllt —-ifeien, und also in der Tageszeit besser unterstützt und mehr ge- trunken werden würde.— ES war nicht so; aber merket auf, deswas die Folge davon war, daß die Arbeiter zwei Stunden des Tags mehr ihr eigen nennen konnten: Die Kunstschule, in ei»' welcher mechanisches und Freihand-Zeichnen, verbunden mit Model- stiren, Malen und drgl. gelehrt wird, hatte die Anzahl ihrer howZimmcr zu verdoppeln.— Hunderte von Arbeitern, vorher d. unbekannt mit der Zeichenkunst, führten dieselbe nun in ihre täg- tlichliche Arbeit ein: die Arbeiten wurden kunstvoller und intcl- ligenter ausgeführt. Es ist unmöglich, das zunehmende und m et schnelle Ausblühen von Fortschritten aller Art, welche die Folgen dieses Schrittes waren, mit Worten zu beschreiben, noch können �wir die große Wohlthat für die Zukunft der britischen Kolonie Ichätzen. Um zu beweisen, wie anregend und fortschreitend wirkend ikMiu gutes Beispiel ist, zeigte uns ein Herr eine Anzeige von einer bk' Dampferlinie in Neu-Seeland, in einem Londoner Wochenblatte, - i-lwclche zeigte, daß das Achtstunden-System das einzige in ..�eu- Seeland. 11 V Anmerkung. Obiger aus offizieller Quelle kommmende Be- T Ncht über den Triumph der 8-Stuudenarbeit widerlegt zwei der '�Bourgeoisie stets geläufige Lügen und zwar: 1. Durch eine Verminderung der Arbeitszeit(auf 8 Stunden) on>«be das Geschäft zu Grunde gerichtet— also sei dieselbe für lbcr5>e Arbeiterklasse sogar noch verderblicher als für die Arbeits- .elch�en u. s. w.•,,• er j' 2. Die Verkürzung der Arbeitszeit demoralisire die Arbeiter. Diese Lügen sind zwar seit sünfzig Jahren schon durch un- �iählige Thatsachen widerlegt worden, was aber die Herrn Bour- Pois und ihre Presse nicht hindert, sie stets wieder von Neuem allen Variationen zu wiederholen. Das Verfahren der aus.ralischen Arbeiter beim Kampf um den Achtstunden-Tag wird vermuthlich bei unfern Lesern Widerspruch finden in betreff des Aufgebens des Arbeitslohnes für die gefor- werten 2' Stunden. , Unleugbar ist aber, daß die Zeit, welche der Arbeiter gewinnt Wi Stunden täglich) für ihn mehr werth sind, als der ent- fprechende Lohntheil. Aber Thatsache ist wiederum, daß in unseren Verhältnissen nur kw bessergestelltcll Gewerke einen solchen Lohnausfall ertragen rdeilöunten und wäre es auch in der ziemlich sicheren Verausficht, Denselben durch daS naturgemäße Steigen des Wcrthes ihrer Ar- dl>°"tskraft in nicht zu ferner Zeit wieder zu erlangen. Ferner fallt zh#er noch in Betracht, daß dieses Land beständig durch die zahl- eltv&che Einwanderung von verfügbaren Arbeitskräfte» überschwemmt wird. Box allem aber lernen auch wir an dieftm Beispiel aus« J«ue, daß die Arbeiterklasse ohne Organisation nichts erreichen �nn. Mit diesen wenigen Bemerkungen sei die Besprechung der �Stundenarbeit, das heißt der Mittel und Wege, wie die hiesige � Arbeiterklasse dieselbe erringen kann, wieder eröffnet._ Möge ste p eine fruchtbare werden, die unS den Weg zum Ziele zeigt. �(In derselben Nummer berichtet die„Arbeiterzeitung", daß die �ncüBourgeoisic des Staats Massachusetts dem für denselben in Boston h o?8iIetzten staatlichen„Bureau für Arbeitsstatistik" nach dem -rieben trachte. Aus demselben Grunde, aus dem Herr von Bis- llüwarck den Berliner Statistiker Engel fortwünscht: es hat zu viel "usgeplaudcrt. R. d. V.) Die Tarwin'sche Theorie und ihre Beziehungen zum Social ismus von I. K. in München.*) Nicht ein Dichtergenie kann ein interessanteres Moment er- finden, als es die Thatsache ist, wie Darwin und Marx, per- sönlich einander unbekannt, obwohl Zeitgenossen und im gleichen Lande, durch tiefe, geistreiche Forschungen auf gänzlich verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten zu Resultaten gelangen, die, für die Menschheit von größter Wichtigkeit, zugleich einander nahe ver- wandt, sich gegenseitig stützen und ergänzen. Zwar ist dies bis jetzt wenig hervorgehoben worden und doch ist die Darwinsche Theorie eine wichtige Stütze für den Socialismus, sie ist so zu sagen unbewußt die Sanction desselben von Seite der Naturwissenschaft; denn was ist wohl schließlich die Haupterrungen- schaft oder die praktische Bedeutung der Darwin'schen Lehre: neben dem tiefgeistigen Einblick in das Wirken der organischen Natur überhaupt doch gewiß nur die stricte Anerkennung des Satzes von der Gleichheit aller Menschen. Auch in Bezug auf ihre Verbreitung haben beide Lehren ähnliches Schicksal. Gegen beide sträubt sich die alte Welt mit vieler Energie, auö Instinkt, der ihr richtig sagt: dies sind meine Todtengräber; über beide kann man, besonders von sogenannten Gebildeten, die albernsten Urtheile hören, und wie der Philister selbst über die einfachsten und klarsten Sätze der Social-Demokratie den Kopf schüttelt und sofort an's„Thesten" denkt, so hat er für die Darwin'schen Lehren das stereotype Schlagwort, er könne es nicht glauben, daß der Mensch vom Affen abstamme, und doch beweist hier das Wort „glauben" allein schon, daß der gute Mann von der Sache nichts versteht; würde er sich Einsicht verschaffen, belehren, ernstlich da- rum bekümmern, er würde begreifen, wie dies könnte zugegangen sein, er würde hier wie dort selbst ein Urthcil erlangen. Aber wie kommt eS, daß die Männer der Wissenschaft selbst noch so sehr»»eins sind und die Mehrzahl derselben, nachdem sie die biblische und überhaupt jede sogenannte Schöpfung zurück- weisen, ja sogar die ganze Argumentation der Verfechter des Darwinismus gutheißen, diese aber doch für keinen Fall auf die Entwickelung des Menschen angewendet wissen wolle»? Nach den i Conseguenzen dieser Lehre kann der Meiisch nur aus irgend einer höheren Thiergruppe hervorgegangen sein, sich heraus entwickelt haben; die höchst organisirte Thiergruppe ist aber eben die der Affen. Also entweder sind wir vom lieben Gotte geschaffen, und dies ist der Standpunkt der Gläubigen, oder wir stammen vom Affen, einen dritten Weg giebt es nicht. Den ersten verwerfen jene Herren unbedingt; was hält sie nun ab, den zweiten rund- weg zuzugestehen? Warum erwarten sie für den Menschen eine Extra-Ausnahnie, die doch logischer Weise nie hat stattfinden können?— Die praktischen Folgen sind es, die hier mit in daS Spiel kommen, die Furcht vor den Consequenzen, welche aus dieser Lehre gezogen werden müssen, die Einsicht, daß sie mit einem solchen Zugeständnisse der Social-Demokratie direkt in die Hände arbeiten. Hauptsächlich deshalb werden diese Gelehrten wohl noch lange streiten über die Anerkennung der Darwin'schen Theorie, ob- wohl dies ihrem Forschergeiste gerade keine große Ehre macht, da von Seite der Darwinianer mit großer Schärfe und Geistestiefe und mit einer Unzahl von Beweisen die Richtigkeit der von ihnen vertheidigten Ansichten bewiesen ist. Gerade deshalb wird aber auch der Darwinismus noch lange nicht öffentlich als Stütze der Social-Demokratie behandelt wer- den, sowie seine ernste Verbreitung unter's Volk möglichst ge- hemmt werden wird. Darum wäre es wohl.Sache der social- demokratischen Parteien selbst, so weit es geht, etwa durch die Parteiblätter, auf diese Erkenntnisse in den Naturwissenschaften hinzuweisen. Es ist dies bis heute nicht ist genügender Weise ge- schehen, wohl nur weil man die Wichtigkeit dieser Hilfsquelle unterschätzt. Wenn man aber bedenkt, wie nichts mehr geeignet ist, den abergläubischen Wahnideen der Menge den Boden zu ent- ziehen, als naturwissenschaftliche Kenntnisse, so dürfte diese Wich- tigkeit evident erscheinen. Würde z. B. in den Schulen die Zeit, welche für sogenannten Religionsunterricht vergeudet wird, darauf verwendet, den Kindern gediegene Kenntnisse über die Natur bei- zubringen, oder wären unsere Kirchen Volksbibliotheken und öffent- liche naturwissenschaftliche Museen und Laboratorien, gewiß wir hätten leicht Socialismus predigen, weil ja die Menschen schon wüßten, daß jeder Einzelne ein von der Natur gezeugtes Produkt ist und somit die gleicheu Ansprüche an die Natur hat. Buckle's Ausspruch: man kann den Bildungsgrad eines Volkes messen nach seiner Betheiligung an kirchlichen Streitigkeiten, ist gewiß vollwichtig wahr; nicht weniger sind eS aber auch die Worte des Dr. Seydlitz:„sowohl die Culturstufe eines ganzen Volkes als auch den Bildungsgrad eines Individuums erkennt man an der Stellung, die es zu den Errungenschaften der erklärenden Natur- crkenntniß einnimmt."*) r In diesen Errungenschaften liegt das wirksamste Mittel gegen die Consequenzen des kirchlichen Glanbens und zugleich ein voll- kommen logisch begründeter Beweis fur den erste» social-demo- kratischen Grundsatz von der Gleichheit und Brüderlichkeit aller Menschen. ») Die Redaktion ist nicht in der Lage, sich� wie der Verf. diese« Artikels, für Alle«, wa« im Namen Darwm'S von dessen Anhängern ge- s'chri. ben�rd,�M �ngag- eon Georg Or. Scydlitz. Dorpat l871. Vorwort. iT V L Politische Uebersicht. ' Am 4 Avril bereitete Hr. Lasker auch dem Reichstag das Traktament nner sittlichen Entrüstungsrede.„Die Miß- bräuche, welche im Zusammenhang mit dem jetzigen Zustand der Gesetze über das Aktienweseu bei der Gründung und Verwal- tung von Aktiengesellschaften obwalten" waren daS Thema des neuen Tugendergusses, und Hr. Lasker wußte dieses unsaubert Thema mit solchem Anstand zu behandeln, daß es ordentlich rein- lich wurde, und„allgemeine Heiterkeit" der Braune, Bamberger, Miquel und sonstigen Gründercelebritäten sein wohlverdienter Lohn ward. Um den bösen Sozialdemokraten nicht neue Waffen zu lic- fern, sagte Hr. Laöker nichts, was nicht schon längst bekannt ge- wesen wäre, und laugte das Bekannte obendrein noch auS—; und um nicht ein zweites Mal daS Unglück zu haben, an eine der Säulen des herrlichen Reichs der Gottesfurcht und frommen Sitte anzustoßen, bewegte er sich in harmlosen Allgemeinheiten, von jeder Namensnennung abstehend. Im..Lauf seiner Rede theilte Hr. Lasker mit, daß die Uutersuchungskommisston alle von ihm er- hobenen Anklagen begründet gefunden habe, und verstieg sich sogar zu dem Winke,„die Würdigung einzelner der(inkriminirten) Unter- nehmungen würde an anderer Stelle als in der Commission und vor dem öffentlichen Publikum zu Ende geführt werden müssen", welche„andere Stelle" doch nur das Criminalgericht sein kann. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", daS Leiborgan des Fürsten Bismarck, gab gleich den nächsten Tag die Antwort auf diesen Wink mit dem Lasker'schen Moralkuüppel, indem sie an vornehmster Stelle, am Ehrenplatz, so zu sagen, wo die amtlichen Communiquö's zu steh» Pflegen, eine Gott, König und Vaterland athmende Adresse von„Grundbesitzern, Ortsvorständen und Ein- wohnern" des Neustettiner Kreises abdruckte, in welcher dem Herrn Wagener(von Dummerwitz)„öffentlicher Dank" für seine„großen Verdienste" um den Kreis ausgesprochen wird. Das war die erste Antwort; und die zweite war, daß Hr. Delbrück sich und die Regierung im Wesentlichen mit den Wünschen des Hrn. Lasker einverstanden erklärte.— Die Gründer aber gründei»- flott weiter und werden gründen, bis entweder„die Dummen alle werden", worauf man bekanntlich nicht rechnen darf, oder bis der allgemeine Kladderadatsch eintritt, der nicht mehr lange aus sich warten kann lassen.— In einem von Hrn. R. Meyer in Person unterzeichneten Sen- sationsartikel:„Die drohende Entwickelung des Sozialismus in Deutschland" im letzten uns zugegangenen Heft der„Berliner Revue"(13. Heft des 72. Bds. vom 21. März) kommt folgende Stelle vor: „Als Hr. von Schweitzer die beiden sozialdemokratische» Linien geeinigt hatte, und Hr. Liebknecht in dessen Bureau arbei- tete, faßten die Sozialdemokraten den Plan, einmal einen Groß- grundbesitzer ihre Macht suhlen zu lassen. Sie hatten sich den Fürsten Pleß zum Objekt dieses liebenswürdigen Experimentes auS- ersehen—(folgt eine„liebenswürdige"— Jagdgeschichte).— Dem Hrn. R. Meyer zur Nachricht, daß Liebknecht niemals „in Schweitzer's Bureau" gearbeitet hat, wohl aber auf kurze Zeit mit Schweitzer zusammen in dem Redaktionsbureau des neu- gegründeten„Sozialdemokrat", und daß sich Liebkiiecht's Thätigkeit während dieser Zeit fast ausschließlich darauf beschränkte, Herrn Schweitzer zu überwachen und ihn als Agenten des Hrn. Wagener (von Dummerwitz) zu entlarven. Da Wageuer(von Dummerwitz) der Patron, und Hr. v. Schweitzer der Freund des Hrn. R. Meyer ist, so verweisen wir Letzteren betreffs weiterer Einzelheiten an die beiden genannten Ehrenmänner.— Blödsinn. Der oben erwähnte Sensationsartikel gipfelt bei- läusig in der pathetische» Aufforderung an Bismarck, sich an die Spitze der(sozialistischen) Bewegung zu stellen. „Und wie die nationale Demokratie besiegt wurde durch das nationale Kaiserthum, so wird der demokratische Sozialismus besiegt und vollendet werden in dem So- zialismus von Gottes Gnaden." Bravo, Hr. Meyer! Sie vergessen nur eins: daß„nationales Kaiserthum" und„nationale Demokratie" keine Gegensätze, son- der» erstereS nur die naturgemäße und logische Vollendung der letztere» ist, wohingegen Sozialismus und Gottcsgnadenthum ge- radc so viel mit einander zu schaffen haben, wie Höllenstein und Gistgeschwüre. Ueberdies treibt ja die Bismarck'sche Regierung seit 10 Jahren„Sozialismus von Gottcsgnaden"— durch die Herreu Stieber und Wagener, von denen jeder auch für seine Per- son die soziale Frage in seiner Weise gelöset hat.— Zur Geschichte der deutschen Presse. Die„Süddeutsche Presse" des Exhochrothen Julius Fröbel ist von der bairischen Handelsbank um 15,000 Thft. gekauft worden. Herr Fröbel soll indeß auö der Redaktion ausscheiden.— Man sendet uns die Nr. 74 ves„Hannoverschen Tageblatts" zu, in der der Pastor Zachariä in Holleben pei Halle einen Jammer-Aufruf„an die Kriegskameraden des 10. Hanuöv. Feld-' Artill.-Regiments" erläßt. Ein Soldat dieses Regiments, Otto Bester, ist nämlich bei Bellegarve gefallen und an ihm haben die Eltern„ihre einzige Stütze verloren". Seine Mutter ist„sehr kränklich, fast ganz taub und 60 Jahre alt", und sein Vater ist „ein armer Dorfschneider, der sich mit einer Nähmaschine höchst kümmerlich'ernährt, die ihm jetzt wieder genommen werden soll» wenn er nicht die noch darauf schuldigen 48 Thaler bezahlt". WaS thut nun da der„Staat", der„heidenmäßig viel Geld" hat? Der alte Vater und seine Frau Erhalten„jährlich 12 Thaler" Unter- stützung,— und zwar„an Staats- und Privatuuterstützüng". —„Helft! helft! Die Kleinste Gabe ist willkommen", ruft der Herr Pastor Zachariä demüthigst aus. So das Gebettel der Pfaffen, die durch das Anrufen des„Schlachtengotts" erst den Mordspatriotismus anfeuern, dann in den jämmerlichsten Aus- drücken die„Privatwohlthätigkeit" auffordern, die Opfer des Kriegs zu versorgen. Auf diese Weise bleibt der„Staat" seiner „verdammten Pflicht und Schuldigkeit" überhoben, während die Opfer des Kriegs bei den kümmerlichen Gaben der„Privatwohl- thätigkeit" verhungern. Fiir uns hat die obgedachte Annonce des „Hannov. Tageblatts" lediglich das Interesse, daß dieses Patrioten- blatt in seinem Jnseratentheil die Gefühle für's„dankbare Vater- land" so herzlos zerstört, welche es im redaktionellen Theil so mühselig zu erwärmen sucht.— Was wir in dem Artikel über„die Lehren der ArbcitScin- stellung in Südwales" mit Bezug auf die Vertragstreue der Herren Arbeitgeber sagten, ist bereits in Erfüllung gegangen. Auf der am Dienstag vor 8 Tagen zu Newport abgehaltenen„halbjährlichen Confcrenz" der„Verbündeten Grubenarbeiter- assoziation"(Gewerkschaft)— Amalgamated Association of Iiiners— wurde von dem Präsidenten der Assoziation, Herrn Halliday, die Mittheilung gemacht, daß laut ihm zugegangenen Briefen aus verschiedenen Mincnbezirken von Südwales, die Grubenbesitzer sich vielfach weigern, die vom l. April an ver- sprochene Lohnerhöhung zu bezahlen. Es ist dies ein schänd- Clfr 4 Ss/iv* Witt«„».4\ p i-fi v/» F+ovt» KVrAii• mit allen nur zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstützen, sowie Sammellisten auszugeben. Ein Gewerkschaftstag fand am 3». März statt. Herr Schmidt rcferirte über den Normalarbeitstag, und wurde folgende Refo- lution angenommen:„Die Delcgirten des heutigen Gewerkschafts- tages erklären die Einführung eines Normalarbeitstages von 9 Stunden im Interesse sämmtlicher Arbeiter für erforderlich, indem nur dadurch Zeit gewonnen wird, sich diejenige Bildung aneignen zu können, welche unbedingt nothwendig ist, um feine Lage zu studiren und seine Pflichten zu wahren". Herr Umland referirte über daS Lehrlingswesen, und wurde darüber folgende Resolution angenommen:„In Erwägung, daß durch die Theilung der Arbeit in den meisten Geschäftsbranchen der Arbeiter meistens nur ein und dieselbe Arbeit verfertigt und so die Erlernung und praktische Ausbildung in wenigen Monaten erreicht werden kann, erklärt der heutige Gewcrkschaftstag, daß das Lehrlingswesen der jetzigen Pro- Vuklionssorm nicht entsprechend ist und verlangt, daß das Lehr- licher Wortbruch, den wir nicht näher zu charakterisiren brauche»;>lingswesen in seiner veralteten Form aufgehoben, der Lehrling als die Herren Grubenbesitzer denken, die Aufregung des Kampfes sei Arbeiter betrachtet und seinen Leistungen und Fähigkeiten ent- nun vorüber und die Arbeiter, mit den zahlreichen Entbehrungen sprechend bezahlt wird, gleich jedem andern Arbeiter. Herr Maier des jüngsten Strikes noch in ftischem Gedächtniß, würden den referirte über die Organisation der vereinigten Gewerkschaften frech dargebotenen Gnadenlohn der Wiederaufnahme des Kampfes Mannheims, und wurde folgende Resolution angenommen:„Die vorziehen. Darin dürften die Herren sich aber verrechnet haben. Delcgirten des heutigen Gewerkschaftstages erklären, daß vorläufig Die Grubenarbeiter-Association ist in vortrefflichem Stand. Wie ans dem Rechenschaftsbericht Halliday's erhellt, zählt sie gegen- wärtig 86,623 Mitglieder— über 16,000 mehr als vor einem halben Jahre; und obgleich für die Strikenden und Ausgesperrten in SüdwalcS 32,858 Pfd. Stcrl.(in runder Summe 219,000 Thlr.!) aus der Gewerkschaftskasse ausgegeben worden sind, so befinden sich in derselben doch noch 20,861 Pfd. Stcrl.(in runder Summe ungefähr 140,000 Thlr.!), mit deren Hülfe der Strike sofort wie- der aufgenommen werden kann!„Wir sind", sagt Herr Halliday am Schluß feines Vortrags,„jetzt stärker als beim Beginn der Arbeits- einstellung, und hätte die Arbeitseinstellung noch 12 Monate ge- dauert, wir würden dadurch nur stärker geworden sein." Unsere deutschen Arbeiter können sich ein Exempel hieran neh- men. Das ist Organisation! Erwähnt sei bei dieser Gelegenheit die Aenßerung eines der englischen Grubeniuspektorcn, des Hrn. Dickinson,„das Treiben der Kohlenlords werde zu einer furchtbaren Abrechnung füh- ren."— Nun— die„Abrechnung" wird für alle Ausbeuter kommen.— Gewerksgenossenschaftliches. Allgemeiner deutscher Schneiderverein. Ehemnitz, 9. April. Unsere strikenden College» in Stade haben die Arbeit wieder aufgenommen, bis auf einen Gemaßregclten, nämlich Lind loh, Bevollmächtigter. Mehrere sind abgereist, spe- zicllere Nachrichten fehlen noch. Allen Mitgliedschaften diene hiermit zur Kenntniß, daß nur! stimmig an solche Strikes berücksichtigt werden können, von welchen vorher der die Gewerkschaften als Lokalvereine bestehen sollen und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu streben haben, eine Vereinigung der verschiedenen Arbeiter-Fraktionen zu erzielen; im Weiteren er- klären dieselben sich mit den Principien der Internationalen Ge- werkschaften einverstanden". Die Statuten wurden noch einmal durchberathen und einer Redaktions- Commission von 5 Mann für den Druck übergeben. August S6>immels, U. 4. Nr. 13. Mainz. Am 31. März fand hier eine zahlreich besuchte Volksversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1) Die Auf- gäbe des deutschen Reichstages und dessen Bedeutung. 2) Die Aussperrung der Buchdrucker und der hiesigen Schuhmacher. Bei der Debatte über den ersten Punkt führt Herr Zirfas an, daß der Grundstein deS heutigen Parlamentarismus schon vor 25 Jahren gelegt worden, dag die Abgeordneten, statt die Wünsche des Volkes zur Geltung zu bringen, dasselbe mit den höchsten Steuerlasten bedächten. Redner hält das ganze Verhalten der Reichstagsabgeordneten gegenüber dem Antrage Sonncmann-SchrapS für ein Zeichen der Furcht vor Bebel, welcher ganz entschieden für die Rechte des arbeitenden Volkes eingetreten wäre. Lcyen- deker bespricht die Thronrede des deutschen Kaisers: daß dieselbe nichts enthalte als neue Geldforderungen für den Militarismus. Der Reichstag hätte sich ein Armuthszeugniß ausgestellt durch sein Verhalten gegen Bebel. Im weiteren Verlauf seiner zündenden Rede schildert er daS Ansbentungssyftem des Staates und macht die Arbeiter auf die nächste Reichstagswahl aufmerksam. Die Versammlung nahm eine von Zirfas eingebrachte Resolution ein- „In Erwägung, daß der vor 25 Jahren gegründete Ausschuß benachrichtigt worden ist, um zu verhüten, daß nicht mehrere Mitgliedschaften mit gewagtem Vorhaben aufeinander- ' Ägen und dadurch die Unterstützung unmöglich machen. Für den Ausschuß: G. Schöffe l. An alle Gärtncrgchülfcn Deutschlands. Nachdem unsre Prinzipale uns auf unser Gesuch:„Bewilligung der 12slü»digen Arbeitszeit(incl. 1 Stunde Mittag,'/» St. Vesper stnd'/z St. Frühstück) und eines Minimallohnsatzes von 1 Thlr. 5 Sgr. Tagelohn oder 10 Thlr. Monatsgehalt bei freier Station", Forderungen, die bei den Berliner Verhältnissen durchaus mäßig sind, uns theils abschläglich beschieden, theils gar nicht geantwortet, haben wir beschlossen, zur Erreichung dieser Forderungen die Ar- beit einzustellen. Wir bitten unsere auswärtigen Collegen, Zuzug fernzuhalten und Briefe:c. an Herrn Lachmund, Wrangelstr. 44, 1 Tr. einzusenden. Mit Brndergruß Berlin, den 9. April 1873. Die Commission. I.A.: H. Clar. C. Meisemann. Suchland. Schmidt. Alle arbeiterfteundlichen Blätter werden um Aufnahme dieses AuftufS gebeten.______ und heute besonders im deutschen Reickstage verknöcherte Parla- Zirankfurt a. W. Auch die hiesigen Buchbinder haben sich zur Gründung eines Vereins aufgerafft und haben dieselben in einer am verflosseneu Mittwoch stattgehabten Versammlung beschlossen, einen Delcgirten zum Nürnberger Congresse zu schicken. A. Müller, Buchbinder. Apcnrade. Der Apenrader Strike der Schiffszimmerleute ist für beendet erklärt, insofery, daß den Leuten ihre Forderung de- willigt worden, bis auf Paulsen's Platz, der sich nicht dazu ver- stehen will, die Forderung zu bewilligen, weswegen die Leute sich genölhigt gesehen haben, anderweitig Beschäftigung zu nehmen, und ersuchen die Apenrader Schiffszimmerlente noch, allen Zuzug fern- zuhalten. Der Ausschuß des Allg. D. SchiffSzimmrcrvereinS. Kiek. Der Strike der Schiffszimmerleutc auf der Norddeutscheu Werft in Kiel hat am 1. April 1373 seinen Anfang genommen, und ersuchen die Kieler Schiffszimmerlente, allen Zuzug fernzuhalten. Der Ausschuß d. A. d. Schiffszimmrervcrcins. Correjpondenzen. Mannheim, 2. April. Den 24. März fand eine Versamm- lung sämmtlicher Gewerkschaften Mannheims statt, mit der Tages- ordnung:„Berathutig der Statuten der Central-Gewerkschaftsunivn". Die Mitglieder des Allg. d. A.-V., die bis dahin kein Mittel gescheut, um die Gründung der einzelnen Gewerkschaften zu hinter- treiben, glaubten die mit vieler Blühe und Kosten ins Leben ge- rusene Gewerkschafkbn jetzt mit einem Male vernichten zu können. Es wurde zunächst.der Telegraph in Bewegung gesetzt; dann wur- den Requisitions-Abtheilungen in die Umgegend geschickt, und um � 7.Bi 8 Uhr rückte die Knüppelgarde mit großer Glocke und Schreib- thun zu sein, die beiden bestehenden Vereinigungen auseinander- Material verschen ein, Herr Prinz aus Frankfurt a. M. und zutreiben. Obige Versammlung wurde von einem Maurer, Joh. Herr Frohme aus Darnistadt hinterher. Diesmal hatten sie sich Heiur. Bergmann aus Deutz, einberufen. Der Vorsitz kam in aber sehr getäuscht. Tie Versammlung war eine außergewöhnlich Hände der organisirten hiesigen Maurer und Steinmetzen. Ich mentarismus schon bei feiner Geburt durch den Pcsthauch des Feudalismus und der bürgerlichen Reaktion vergiftet wurde, also damals schon kein volksthümlicher war und eö heute noch viel we- niger ist, indem heute wie damals die Herrschaft über das Volk, auf dem politischen wie sozialen Gebiete, ausschließlich sich in den Händen der Geld- und Geburtsaristokratie und privilegirten Klassen befindet, sieht sich die heutige Volksversammlung zu der Erklärung genöthigt, den gegenwärtigen Reichstag, besonders im Hinblick auf den Ausschluß Bebels, eines mit der größten Majorität gewählten Volksvertreters, als ein nicht polksthümliches Institut zu bezeichnen, so lange nicht durch Bewilligung von hinreichenden Diäten für jeden Abgeordneten es möglich ist, Männer des Volks, anstatt der privilegirten Klassen als seine Vertreter zu entsenden." Beim zweiten Punkt der Tagesordnung schildert Herr ZirfaS das heutige Produktionssystem. In England wäre das AuSbeu- tungssystem auf die höchste Stufe gelangt; die englischen Arbeiter wären auch die ersten gewesen, welche sich zum Kampfe gegen das große Kapital organisirt hätten; durch den auf der einen Seite sich stets vergrößernden sogenannten„Nationalreichthum", wäre auf der andern Seite der sich immer mehrende Pauperismus eine vollendete Thatsache. Redner kommt dann noch auf die Buch- druckergehilsen und deren kräftige Organisation zu sprechen, welche im Stande gewesen, das Vorgehen der coalirten„Prinzipale" scheitern zu machen. In Bezug auf die Aussperrung der hiesigen Schuhmacher der Wölfischen Fabrik kritisirte Redner die Handlungsweise Wolfs und erwähnt, daß verheirathete Arbeiter, mit Einwilligung ihrer Frauen, was Redner auf hiesiger Polizei selbst mit angesehen hatte, ihr Heil in der Ferne suchten. Herr Fuchs theilte der Versammlung mit, daß schon eine Masse Arbeiter abgereist wären, daß noch andere folgen würden; ferner führt Ziedncr noch an, daß Herr Wotf die Entlassung der Arbeiter auf die Rückseite von bei der letzten Landtagswahl nicht gebrauchten nationalliberalen Wahlzetteln geschrieben hätte; varaushiu hätte die Schuhmacher- Union demselben em halb Buch Schreibpapier übersandt, welches Herr Wolf infolge seiner gedrückten und bedauernswürdigen Lage freundlichst ent- gegennahm.(!!!) Mit sozialdemokratischem Gruße Georg Beruh. Schaudt, Schriftführer. Mainz. In allen Wirthshäusern?c. jc. hängen Auffordc- rnugen, zu geben für den Jnvalldenfoud. Ist's gebettelt oder Ehren- gäbe? Wenn Letzteres— warum sammelte man nicht auch so für die Dotationen der„Höchsten"? Wenn ErstereS— sind die Invaliden, die als Soldaten im Kriege nicht hinterdrein sind, nichts Besseres werth? ßöln, 31. März. Wir wurden gestern durch ein Plakat über- rascht, welches die hiesigen Maurer und Steinmetzen zu einer Generalversammlung einberief, in der H. Grottkau aus Berlin über die Lage der Bauarbeiter referiren sollte. Hier besteht bereits seit 2 Jahren eine Mitgliedschaft der inrernationalen Maurerge- wcrkschaft und hat sich vor Kurzem ebenfalls eine solche des deut- scheu Steinmctzenvereins constituirt. Woher hatten nun die Her- reu des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins überhaupt das Recht, hier eine Generalversammlung einzuberufen, während sie hier keine Vereine haben? Man sieht: es konnte ihnen doch nur darum zu 41,,,«, a«•(>««>« Std t- fi•___ w-... O?«va> t.«... 2,1______ v___ stark besuchte und duldete das Brüllen und Skandalmachen jener Horden nicht. So mußten denn Diese, etwa 50 an der Zahl, mit geballten Fäusten, wuthschuaubend das Lokal verlassen. Di- Ver- sammlung tagte nun ruhig weiter, das Statut wurde besprochen und ein Gewerkschaftstag für den 30. März anberaumt. Als zweiter Punkt der Tagesordnung wurde die Ausschließung der als Vorsitzender erklärte der Versammlung, daß bereits seit zwei Jahren hier eine Maurergewerkschaft existire� und daß sich nunmehr auch die Steinmetzen organisirt hätten; daß somit die Herren nur gekommen, um die hier bestehenden Vereinigungen mit dem ihnen von der Diktatur des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins einge- inipsten Entzweiuugstricbe anzustecken, was schon am 14. August 1 fCtoU» förtffdft. A/vl- CV>.. rt~...... f.iIX_____ W... f.• O-jC. Buchdrucker und Schriftsetzer besprochen und beschlossen, dieselben� 1872(siehe Volksstaat Nr. 67) vergeblich versucht worden sei. Ich forderte demnach die Anwesenden auf, sich den bestehenden Bereini- gungcn anzuschließen und sich von Fremden, deren unheilvolles Treiben ohnehin hinlänglich bekannt fei, nicht beirren zu lassen. — Heer Boddelmayer erwähnte unter Andcrm, daß I. von Schweitzer von der Generalversammlung des Allgemeinen deutschen Arbeiter- verein? 1872 als Regierungsagent gekennzeichnet wurde und daß die gegenwärtigen Herren, insbesonders die Herren Grottkau und DreeSbach, jahrelang„durch dick und dünn" mit Herrn von Schweitzer gegangen. Man solle sich also„vor Fußangeln hüten". Herr Heucher, ehemals Vorsitzender der Maurergewerkschaft zu Essen, beleuchtete außerdem die Persönlichkeit deS Herrn Generalbevollmächtigten Drcesbach nach Maßgabe eigener Erfahrung. Herr Grottkau erhielt hierauf das Wort und erklärte, er verzichte auf sein Referat und wolle nur die eben geäußerte Behauptung wider- legen. Der Herr spielte jetzt gewissermaßen die Rolle eines Agent provocateur, indem er wörtlich auSrief:„Ist es denn eine Schande, wenn ich mit der Regierung in Verbindung stehe? Die Regierung ist doch nicht aus schlechten Männern zu- fammengesetzt. Wer wagt es, dies zu behaupte»! Wer wagt eS? Derjenige, welcher eine solche Behauptung aufstellt, dem kann man jedes politisches Urtheil absprechen." Herr Schumacher bemerkte, wir hätten das gesetzliche Recht, die Regierung einer Kritik zu unterwerfen, beleuchtete die von Seite» deS Allgemeinen deutschen Arbeitervereins ausgeübte Taktik und stellte den Antrag, den Her- ren Grottkau und Dreesbach das Wort zu entziehen, indem sie nur gekommen seien, hier Verwirrung anzurichten. Herr Grottkau erwiderte, er sei nicht allwissend und hätte von der Existenz der beiden hiesigen Vereine Nichts gewußt, obschon ich ihm daS Gegentheil bewies, da er selbst mit mir Briefe gewechselt hat, welche bezeugen, daß Herr Grottkau darauf hinzuwirken strebte, daß ich die hiesige Maurergewerkschaft untergraben, und mich mit der Mit- gliedschaft an de» Berliner Verband anschließen solle, was mich veranlasste, Herrn Grottkau die Erklärung abzugeben, ich würde mich nicht zum„Seelenverkäufer" herabwürdigen. Durch ein- stimmigen Beschluß der Versammlung wurde den Herren Grott- kau und Dreesbach das Wort entzogen und folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die heute hier versammelten Maurer und Steinmetzen erklären, an ihrer Organisation festhalten zu wollen und weisen die vorgeblichen Brüdcrlichkeitsphrasen der Hr. Grottkau und Konsorten entschieden zurück."— Zum Schlüsse dankte ich den genannten Herren für die wohlfeile Versammlung!' Wir rathen den Herren Agitatoren des Allzem. d. Arbeitervereins, uns künftig in Ruhe zu lassen! Wilhelm Ritsch, Vorsitzender der Maurergewerkschaft. Mathias Sauer, 1. Vorsitzender der Steinmetzen. � München, 6. April.(Allgemeiner Bericht.)„Arbeiter-, Volks-, Partei- und Fachvereinsversammlungen folgen aufeinander, wie noch nie. Kaum hat in einem Lokal ein Redner zusprechen aufgehört, beginnt ein anderer zu hetzen." So schreiben unsere sauberen Lo- kalblätter. In der That, reges Leben herrscht unter dem hiesigen denkenden Proletariat. Seit vier Wochen haben 70 bis 80 sozial- politische Versammlungen stattgefunden, eine interessanter aks die andere. Mit einem Male envacht der gemüthliche Münchener. Die ungesunde und mangelhafte Wohnung, schlechtes Bier, bedeu- teude Mehrausgabe» zum Leben, lange Arbeitszeit, schlechte Bezah- lung, Vereinigung der Arbeitgeber und polizeiliche Chikane sind dieFaktoren, welche dicBewezung in Fluß bringen. Wenn Maaßregcl» „gewiegter Polizisten" fruchtlos sind, der Erfolg für die Arbeiter in die Augen springt, lacht das beklommene Herz des Arbeiters.„Frühling ist'S in Deuifchlaud geworden"— fang die Lerche im Reichstag—-i „und die blutige Ernte ist vorüber." Wird's wohl bald Tag! werden? schluchzt in den Brutstätten menschlicher Unerträglichkeit das Proletariat. O ja, auf, du schlummernder Riese! und stähle deine Sehnen zum Kampfe!— Die meisten Branchen sind hier lokal organisirt, woraus all- mälig der Wunsch zu centraler Organisation verlautet, ein Be- dürfniß, welches sich selbst rechtfertigt. 25 Prozent Lohnerhöhung bezweckten die Gold- und Sikberarbeiter. Die Schneider ohne! Strike 10 und 15 Prozent. Im Strike befinden sich die Schuh- macher, die zum größeren Theile ihre Forderung schon durchgesetzt; haben Die Aussperre der Buchdrucker und Schriftsetzer dauertj fort. In der Lander'schen Fabrik haben die Gießer 25 Prozent; Lohnerhöhung und eine halbe Stunde weniger Arbeitszeit erreicht.; In Organisation befinden sich Maler und Gießer. Was die politische Bewegung anbelangt, sw sei konstatirt, daß unsere Parteigenosse» sich eifriger an derselben betheiligen müssen,; um von den verzweifelten Anstrengungen der Mitglieder deS Allgemeinen deutschen Arbeitervereins nicht überflügelt zu werden, �die; sich alle 8 Tage Vertreter des Lassalleanismus verschreiben lassen. Die Agitatoren Fleischmann, Stöhr, Lesser, Grottkau und wieder Fleischmann scheinen München mit Skurm nehmen zu wollen. Von wegen des„Congresses". Gerade so haben es diese Leute voriges Jahr in Mainz, vor 2 Jahren in Dresden und vor 3 Jahren in Stuttgart versucht. D. Red.) Bisher ist Alle« münchnerisch gemüthüch vvrübergegangen, so daß die Lokalitäten- besitzer einsehen, von der Polizei dupirt worden zu sein, welche haarsträubende Scenen vorauspredigte.— Die am 23. März veranstaltete Märzfeier verlief in schönster Ordnung. Ebenso die vor- ausgegangene Volksversammlung, in welcher Parteigenosse Grillen- berger über die politischen und sozialen Ereignisse im letzten Viertel- jahrhuudert referirte.— Heute berichte ich mit Freuden, daß in Schwabing eine Mitgliedschaft unserer Partei sich konstituirt hat 23 Mann ließen sich einzeichnen. Der Geist in der Versammlung war ausgezeichnet und vielversprechend. Unter den hiesigen Arbeitern wird eifrig für Herausgabe eine? ArbciterlokalblatteS gearbeitet, dessen Existenz sehr gesichert sein würde. Weiteres hierüber wird nächstens folgen. Allen Parteigenossen zur Notiz/ daß briefliche Mitthcilungen in Parteiangelegenheiten an Unterzeichneten zu richten sind. Hell Wendelin, Vertrauensmann, Färbergraben 29, 4. Et. (Nachschrift.) Die am 7. abgehaltene Versammlung, in web cher Grottkau aus Berlin 2'/» Stunden zu spät erschien, macht« einen schlechten Eindruck und war für die Einberufer(Schneider, Ortlieb) blamirend. Vorläufig scheint bezweckt zu sein, eine Zcv splitterung unter den gilt organisirten Fachvereinen der Maurei und Zimmerer hervorzubringen. Augsburg, 23. März. Auf daS Ersuchen einer der wenige» hiesigen Anhänger des Allgem. deutschen Arbeitervereins, mit denen wir im besten Einvernehmen stehen, indem sie unsere Parteiver sammlnngen besuchen und sich überhaupt jeder Agitation gegen uns enthalten, hatte unser Parteigenosse Endrcs auf' Dienstag de» 13. März im Saale zu den drei Königen eine Volksversammlung anberaumt, auf deren Tagesordnung die„Erhöhung der Tabak?- steuer und die indirekten Steuern" gesetzt war. Als Referenten hierüber waren Stöhr aus Kiel und Fleischmann aus Stuttgart, beide auf einer Agitationsreise für den Allgem. dcuffchen Arbe.itew verein begriffen, aufgestellt. Von unserer Seite war den beiden U ( 5 Nile» en. er- nb Dil l". zu al- erc mf er- !Nt n t 'S lu- S? an :te, ZU »cn ersinn >er as che 'ch it- ich cbe u- tt- on rer ZU ?r- lsi- «g! NS, S-, och vi, ]0' un al- die itr. euch- ;nb ctn die si'»f H az keit hl-> ill- Sc- mg hne ch-s -tzt icrt -ut ch� -aß eUf lll- bie� len- der ien. mte vor lle« en lche -er- or- en- teb in �rt nng nel sein gen vel cht- oer, jer irei >3-1 nie«! oer- ige" vcni un« akS- ,te" art, t-r-s de" Herren die Bedingung gestellt, baß sie sich jeben Versuche», bie hiesigen Arbeiter in zwei Lager zu spalten, zu enthalten hätten, außerbem sie von uns orbentlich heimgeschickt würben. Schon ber schwache Besuch ber Versammlung, ca. 400 Mann, zeigte, baß bie hiesigen Arbeiter alles Jnteresie für bcn Allgem. deutschen Arbeiterverein verloren haben. Nachdem nnsre Partei- genossen Endres und Stolberg zum Vorsitzenden und Günther zum Schriftführer gewählt waren, nahm Stöhr aus Kiel das Wort. Sein durchaus sachlich gehaltener 3«suuibiger Vortrag brachte außer einigen statistischen Notizen unS nichts Neue». Nach ihm sprach Fleischmann auS Stuttgart eben so lange. Er war ein lebendig geworbenes Exemplar der„Indirekten Steuern" Lassalle's. Dieselben in der Hand haltend, deklamirte er, unfähig, einen eigenen Ge- danken zu produziren, lange Stellen wortwörtlich herunter, dabei die kolossalsten Schnitzer machend, so daß ihm Stöhr oft Berich- Die Grundsätze des von uns angestrebten Bundes wären folgende: 1) Anlegung einer allgemeinen Kranken-, Sterbe- und Invaliden- kasse. 2) Vertretung geschäftlicher Interessen durch die Gesammtheit. 3) Regelung des Lehrlingswesens im Sinne der Fortbildung unseres Berufs und Bekämpfung der Rückbildung. 4) Ausschluß sämmtlicher Fabrikanten als Mitglieder unseres Bundes, wegen ihrer schon bestehenden Vereinigungen. Durchdrungen von der Zweckmäßigkeit dieses Programms er- suchen wir die bereits bestehenden Sennefelder-Lokalvereine, diese von uns aufgestellten Grundzüge in einer Versammlung zur Be- rathung zu bringen und hierüber gefaßte Meinungen oder Be- schlüsse in Fachblättern zu veröffentlichen. Gleichzeitig rufen wir alle Lithographen und Steindrucker, tigungcn zurufen mußte. Nur mit Mühe konnte das Mitleid den denen die Gelegenheit fehlt, sich an" Fachvereine anzuschließen, öfteren Ausbruch der Heiterkeit verhindern. Was Wunder, wenn auf, an den betreffenden Orten dahin zu wirken, daß unser Pro- er den mühsam errungenen Eindruck seines Vorredners vollständig gramm ebenfalls in Erwägung gezogen und die hierüber gefaßten verwischte? Nach ihm sprach Tauschcr, in scharfer Weise gegen den Meinungen schriftlich zu unserer Kenntniß gebracht werden mögen. Militarismus zu Felde ziehend, und an der Hand der"Geschichte nachweisend, wie es komme, daß die besitzende Klasse den größten Theil der Staatskosten auf die Nichtbesitzeiiden abwälzen konnte. Stöhr brachte eine Resolution gegen die Erhöhung der Tabaksteuer ein, die, da prinzipiell nichts dagegen einzuwenden war, mit der Modification einstimmig angenommen wurde, daß dieselbe durch das Bureau dem Reichstaasabgeordneten Bebel übermittelt werde. — Tags darauf fand eine allgemeine Holzarbeitervcrsammlnng statt, in der die beiden Herren den Versuch wagten, für den Tölcke- Hasenclever'schen Knüppel Propaganda zu machen, was ihnen aber gründlich vereitelt wurde. Fleischmann machte einen förmlichen llebertölpelungsversuch, indem er eine von ihm eingebrachte Rcso- lution, dahin" lautend:„Die hiesigen Tischlergehilfen beschicken den Wir ersuchen zugleich um Vorschlag eines Ortes, der zur Abhal- tung eines Congresses am geeignetsten wäre, zu welchem BeHufe wir uns Leipzig zu bezeichne» erlauben. Gruß und Handschlag! Für das Eomitö: der Vorsitzende Meyer, Steindrucker. Kabelitz, Lithograph. Kork, 6. April.(Allgemeiner Bericht.) Der letzte Kampf unserer- seits mit dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein fand hier kurz vor Weihnachten zwischen Max Kayser ans Berlin und Arnold aus Finsterwalde statt. Der Unwille in der Versammlung, sowie meine Zurechtweisung des Ruhestörers Herrn Arnold zwang mich, die Versammlung zu schließen. Kurze Zeit darauf(am 11. Ja- nächsten Mai in Berlin tagenden Tischlerkongrcß", mit Umgehung i nnar) sprach Wiemers aus Hannover unter lebhaftem Beifall der des Vorsitzenden zur Abstimmung bringen wollie. Man sah es! Volksversammlung über das Thema„Was wir wollen".— Allge- den beiden Herren an, daß sie um jeden Preis von einem Erfolge mein ist der Wunsch rege geworden, daß Wiemers wieder einmal ihres Wirkens am hiesigen Orte, und sei es auch nur die An- uns besuche und hier einen Vortrag halte.— Hierauf sprachen in nähme einer werthlosen Resolution,»ach Berlin schicken wollten, einer von den Mitgliedern des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Endres, Tauscher und Ulrich traten ihnen entgegen, indem sie, weit es ging, ihre Absichten enthüllten und die Nothwendigkeit der internationalen Organisation der Gewerkschaften betonten. Bei der Abstimmung protestirten selbst die anwesenden Tischlergehilfen gegen -ine solche Ueberrumpelung, so daß einstimmige Ablehnung erfolgte. Wie sich denken läßt, waren die beiden Agitatoren über den Erfolg ihres Wirkens in Angöburg wenig erbaut. Vergangenen Donnerstag trat hier plötzlich eine Aussperrung -ines TheilS der hiesigen Zimmergesellen ein. Die Gesellen hatten am 6. März an die Meister ein Gesuch um Lohnerhöhung einge- reicht und als Minimallohn einen Thaler pro Tag verlangt. Auf dieses hin traten sieben der größten Meister zusammen und arbeite- ten einen Lohutarif aus, der die schmählichsten Bedingungen für bie Arbeiter enthielt. Dieses Schriftstück wurde den Gesellen mit dem Bemerken zur Unterschrift vorgelegt, daß jeder, der sich zu Vereins einberufenen Ärbeiterversammlung Tölcke und Kapell hier. Kapell wiederholte mehr denn sechsmal:„Meine Herren, ich halte Ihnen einen rein wissenschaftlichen Vortrag." Oho! Oho! erschallte es hierauf. Tölke sprach über Börseuschwindel, erzählte längst bekannte Sachen und versuchte schließlich Propaganda für den Allge- meinen deutschen Arbeiterein zu machen. Die Vorträge sind hierorts schon in besserer Form gehört worden.— Hierauf sprach unsererseits in einer öffentlichen Parteiversammlung Herr Auer auS Berlin am 17. Februar über die Nothlaze des vierten Standes, sowie über die Spaltungen der beiden Fraktionen.— Zur Erinnerung an die der Reaktion zum Opfer Gefallenen vor 25 Jahren fand Hierselbst ein von uns veranstaltetes allgemeines Arbeiterfest am 18. März statt. Am Feste nahmen nur einige Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeiterveins Theil. Fischer ans Spandau hielt die Festrede. Redner gedachte der Märztage von 1848, unterzeichnen weigere, als außer Arbeit getreten betrachtet werde.! besonders des 18. März und erinnert daran, wie die Bourgeoisie Natürlich unterzeichnete Niemand, und so waren denn plötzlich denselben zu ihren Zwecken ausgenutzt hat. Nur Wenige seien der 80— 90 fleißige Arbeiter, größtentheils Familienväter(einer von Sache treu geblieben und diese bekämpfen sich gegenseitig. Die ben sieben Meistern trat zurück) auf's Straßenpflastcr geworfen. Arbeiter seien nicht dazu berufen, sondern in brüderlicher Weise In dieser Angelegenheit fand gestern Abend eine Volköversamm zusammen zu gehen, und die Lösung der gemeinsamen Sache herbei- lung statt, die wieder zahlreich besucht war. In derselben referirte zuführen. Redner gedenkt der Pariser Kommune von 1871 und Parteigenosse Galiläer(der Vorsitzende der Zimmerleute, ein uner- weist nach, wie die Bourgeoisie aller Länder zusammengehe, �indem niüdlichcr Streiter für die Arbeitersache) über die Aussperrung der hiesigen Zimmergesellen und die Solidarität der Arbeitcriuteressen. Nach ihm sprachen Ulrich, Endres, Bogner, die Forderungen der Zimmerer für berechtigt erklärend. Eine zu Gunsten der Ausge- sperrten eingebrachte Resolution wurde einstimmig angenommen, und die hierauf für die Ausgesperrten veranstaltete Sammlung ergab 32 Gulden und etliche Kreuzer. Dank den eifrigen Bemühungen Galiläers sind fast sämmtliche Gemaßregelte bei andern Meistern untergebracht, welche die Lohnerhöhnng bewilligt haben. Zuzug ist jedoch so lange fern zu halten, bis die sechs Holzbarone mürbe geworden sind. Es wird vielleicht mancher Parteigenosse uns vorwerfen, wir sie den gemeinsamen Feind, den Proletarier, bekämpfe. Darauf wendet er sich an die Frauen und erläutert ihnen, wie sie berufen seien, ein besseres Geschlecht zu erziehen. Eine von mir unter- nommene Sammlung für die Inhaftirten ergab die Summe von 2 Thlr. 4 Sgr. 9 Pf. Am 19. März war Volksversammlung, wo Auer, der, von Hof kommend, hier schon am Feste eingetroffen war, über„die Arbeiterbewegung und die Presse" referirte. Im Uebrigen sind die Arbeiter hier sehr zurückhaltend und entschließen sich nicht schnell, der Partei offen beizutreten, erstens wegen der Niederlage in dem von Or. Max Hirsch geleiteten Strike von 1370; zweitens wegen der gegenseitigen Feindseligkeiten der sozialdemokra- tischen Fraktionen. Von Seiten der hiesigen Fabrikanten scheint hätten die Herren Stöhr und Fleischmann gegenüber ihrem Ber-! man vor unserer Partei Furcht zu bekommen. Einer derselben, fahren anderwärts zu glimpflich behandelt. Diesem halte ich eut- Herr Adolf Wenzel, bei dem ein Kessel lävirt war, hatte Kessel- gegen, daß wir, wären wir den Hasenclever'schen Sendlingen in flicker auö Berlin kommen lassen und dieselben auf seine Kosten 'hrer Manier entgegengetreten, das geringe Gewicht dieser Leute bei unsrem Parteimitgliede und Wirth�Fr. Gay eingemiethet; da nur erhöht hätten. Solange Hasenkleoer solche Agitatoren aus- fällt denselben ein, daß auch dort die Sozialdemokraten ihren Sitz schickt(und über andere wird er schwerlich zu verfügen haben) hat haben, und schnell müssen die Leute ihre Sachen abholen. Mit unsere Partei nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen. Gruß Oswald Iurk. Hamberg, 30. März. Sonntag den L3. März wurde unsere Interöogk, 6. April. Sonntag den 30. März hielten wir Stadt nicht wenig in Allarm versetzt; es war nämlich eine Volks- dersammlung anberaumt, mit der Tagesordnung:„Die Arbeiter- bewegung und ihre Ziele". Ais Referent war A. Memminger aus Nürnberg genannt. Eine kurze Einladung und das Ankleben -iniger Plakate genügte, um den Saal„zum schwarzen Adler" bis Zum Erdrücken voll zu machen. Mamme von hier eröffnete die Versammlung, worauf Mein- minger in einer beinahe zweistündigen Rede die Ziele der sozial hier eine„Volksversammlnng" mit der Tagesordnung:„Die Sozialdemokratie und ihre Ziele" ab. Herr Kleist aus Berlin referirte. Es wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heutige Versammlung erklärt zich mit den Prinzipien der Sozialdemokratie vollkommen einverstanden, sieht in ihnen den einzigen Weg zur Erlösung bes Arbeiterstandes von der heutigen Lohnsklaverei, und erklärt es für die Pflicht eines jeden Arbeiters, der sozialdemokratischen Arbeiterpartei beizutreten und da» Organ, demokratischen Arbeiterpartei entwickelte. Er begann mit einem den„Volksstaat", zu lesen und zu verbreiten. Rückblick auf die Bestrebungen des Jahres 1848, ging dann aus die Arbeiterbewegung der tiOer Jahre, auf Lassalle und den Allgem. deutschen Arbeiterverein über, und besprach hierauf den Eisenacher Eongreß und was ihn veranlaßte. Nachdem Redner in treffender Darstellung die Entwicklung der sozialen Frage in allen ihren Punkten erörtert hatte, ging er Zum Parteiprogramm über und zergliederte es Punkt für Punkt. Schließlich forderte er zum Abonnement auf den„Volksstaat" und andere sozialdemokratischen Blätter auf und schloß unter rauschen- dem Beifall. Hierauf forderte Mamme zum Eintritt in die sozialdemokra- tische Arbeiterpartei auf. Es zeichneten sich sogleich bei 50 Mann -m. Gestern nun vollzog sich die definitive Gründung der Mit- gliedschaft, wobei der Unterzeichnete einstimmig zum Vertrauens- mann gewählt wurde. Es hat nun auch in Bamberg, wo wir lange vergeblich bemüht waren, eine rege Agitation ins Werk zu s-tzen, die Idee der Sozialdemokratie Wurzel gefaßt. Mit sozialdemokratischem Gruß Mamme, Vertrauensmann. Nürnberg. Fachgenossen! Am 24. März beschloß eine große «nzahl hiesiger Steindruckcr und Lithographen, einen Congreß be- Hufs Gründung eines deutschen Sennefclder-Bundes zusammenzu -ufen. Zu diesem Zweck wurde ein Eomitö von ö Lithographen- �......,> und 6 Steindruckern gewählt.— Schon seit längerer Zeit ergehen nicht bestätigt wurde, weil er Sozialdemokrat sei. irschiedenen Blättern, namentlich in der„Lithographia", Auf- N-rtin. Die Malergeh1 s-", die ein «t verschiedenen svrderu ugen zur Errichtung eines deutschen Sennefelder-Bundes.— �o entschieden wir in Nürnberg für Gründung dieses Bundes sind, so stehen doch die meisten hierüber bis jetzt erschienenen Ar- l'kcl mit den von uns als nothwendig erkannten Prinzipien einer solchen Vereinigung nicht im Einklänge. Mit sozialdemokratifchem Gruß und Handschlag R. Grunert, Vertrauensmann. Kusu«(Schleswig), 21. März. Eine am 17. März abgehaltene sozialdemokratische Volksversammlung wurde wegen eines auf die Pariser Commune ausgebrachten Hochs polizeilich aufgehoben. Merlin. Die Jiistrumentenmacher(Tischler) waren am 27. März im Vauxhall versammelt und beschlossen die diesjährigen Lohiiforderungeu(33'/, Proz. und 3stündige Arbeitszeit) unbedingt aufrecht zu erhalten und sie nöthigenfalls durch einen Strike zu erzwingen. Die Meister haben, wie mitgetheilt wurde, jetzt söge- nannte Conduitenzettel eingeführt und sich unter gegenseitigem Ehrenwort verpflichtet, keinen Gesellen ohne einen solchen in Arbeit zu nehmen. Von dem Pianofortefabrikauten Bechstein wurde ein Schreiben verlesen, welches derselbe an die Arbeiter seiner Fabrik gerichtet hat, und worin er mittheilt, daß er die diesjährigen For- derungen»och bewilligt, für die Folge aber, da der Bogen jetzt auf's Höchste gespannt sei, lieber seine Fabrik schließen, als nur noch einen Pfennig zulegen werde.— Am 28. März fand im Saale des Handwerkereins eine Versammlung sämmtlicher Bau- tischler statt, in welcher eine aus 6 Personen bestehende Commission zur Ausarbeitung einer Lohnstatislik gewählt wurde.— Am 30. fand die Wahl des Altgesellen zur Krankenkasse statt, da der s.Z. gewählte Hr. Hubert sowohl von den Meistern als dem Magistrat --.t- soi.(„Volkszeitg.") einen wöchentlichen Minimallohn von 9 Thlr. und die Ueberstunden mit 7'/- Sgr. bezahlt verlangen, entsendeten behufs Unterhandlung eine Deputation au den Vorstand des jünst gegründeten Malermeisterbundes. Diese Deputation wurde jedoch von einem der Meister sehr unhöflich behandelt, weSbalb die Malergehilfen in einer Versammlung be- schloffen, mit den Meistern nur dann wieder in Unterhandlung zu treten, wenn sie von diesen dazu eine directe Einladung erhallen. Hrsurt. Die Versammlungen werden hier sehr scharf über- wacht und die bestehenden Gesetze mit größter Strenge gehandhabt. Einige Worte aus den Organen oder Broschüren vorlesen, genügt schon zu 8 glänzenden Feiertagen.— Seit jedoch unser Freund, das Ausschußmitglied Herr Th. Porck am 3. Februar uns verließ, nachdem sich 53 eingeschrieben hätten, und durch sein Referat am 2. Februar die Mitgliedcrzahl auf 160 gestiegen war, herrscht hier ein fester, entschiedener Wille, getreu der Organisation und dem Programm auszuhalten, was aber dadurch erschwert wird, daß am Orte selbst keine geschickten Redner oder Agitatoren sind, außer dem nun gestern retourgekehrten Jmhof. Dank der besseren Orieu- tirung des Agitations-Comitö's in Weimar ist mir bis zu JmhosS Wiederkommen Gelegenheit geworden, dann und wann eine größere Versammlung im Interesse der Verstärkung abzuhalten. DaS Parteiorgan, da» durch durch die Errichtung einer Filiale hier au Abonnenten gewonnen, deren Zahl über 40 ist, greift ebenfalls energisch mit ein.— Von Erfurt und Umgegend wird diesbezüglich erwartet, daß alle Abonnements gerichtet werden an den Filial- Expedienten W. Hesse, Michaelisstr. 3. Trotz aller Hindernisse fest! Mit sozialdemokratischem Gruß der Vertrauensmann M. Reinecke. Magdeburg, 3. April.(„Man" hat Furcht.) Die„Magde- burger Zeitung" schreibt:„Schon jetzt fangen dje Sozialdemokraten an, die wegen Einführung des Normalarbeitstages unter den Ar- beitern hervorgerufene Auftegung für die bevorstehenden Wahlen auszubeuten. Wo sie können, schüren sie die Unzufriedenheit. Sie scheinen durch frühere Mißerfolge nicht belehrt zu sein und werden wiederum in den Wahlkampf unter dem Aufgebote ihrer sämmt- lichen Anhänger eintreten. Wie wir hören, soll diesmal Herr Bremer Aussicht haben, als Kandidat aufgestellt zu werden."— Unsere Magdeburger Genosse» werden diesen Angstschrei ihre» Lokalblattes schon verstehen! Muhka, 6. April. Gestern Abend hielt hier Bock au» Gotha einen mit vielem Bejfall aufgenommenen Vortrag über die Ge- werkschaftsbeweguug. Ihm suchte der Herausgeber des Ruhlaer Wochenblatts entgegenzutreten, ein Mann, der sich durch seine arbeiterfeindlichen Bestrebungen die Gunst der Geldprotzen zu erwerben sucht. Er vertheidigte natürlich die Harmonieapostel Schultze und Hirsch gegen Boik's Angriffe, welche Volksbeglücker er in seinem reaktionären Blättchen„bewährte Volkswirthe" nennt, während Bocks Rede„mit Petroleum getränkt" gewesen fr. Solch albernes Zeug macht indeß die hiesigen Arbeiter nicht irre. Die Bewegung wird trotzalledem in Fluß kommen. chörkih, 9. April. Der Strike der hiesigen Schneider ist nun beendet. Die Arbeitgeber einigten sich mit ihren Arbeitern zu 20 Prozent; infolge dessen wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Im Auftrage August Gleisberg. ßhcmnitz. Am 7. d. M. hielt Lyser zwei Volksversamm- lungen ab und zwar die erste Nachmittags 4 Uhr in Hermsdorf bei Hohenstein und die zweite Abends um 8 Uhr in Gersdorf. In beiden wurde die Arbeiterbewegung und ihre Zwecke besprochen. ßstemnitz, 27. März.„Aufklären und Organisiren" lautet? der Ruf, den am 6. Januar in der Zusammenkunft mehrerer Socialdemokraten aus Chemnitz, Köthensdorf, Burgstädt und Limbach die Anwesenden sich gegenseitig zuriefen. In wieweit wir hier in Chemnitz und Umgebung ihm nachzukommen versuchten, wird der Anfang nächsten Monats abzufassende allgemeine Bericht übersichtlich veranschaulichen. Für heute nur die MittHeilnngen, daß am Sonnabend 22. März in Oederan öffentliche Prrtei- Versammlung stattfand, in der Unterzeichneter mit gutem Erfolg über die sociale Frage referirte; es traten den 14 Tage vorher gewonnenen 41 Parteimitgliedern 20 neue bei. Auch wurde auf 75 Exemplare des„Volksstaat" für das nächste Vierteljahr abon- nirt, ein Zeichen also, daß der ausgestreute Sakne auf guten Bo- den gefallen ist.— Am andern Tage, Sonntag den 23. d. M., war geschlossene Mitgliederversammlung in Zschopku. Um die Streitigkeiten mit den Mitgliedern des Allgem. Deutschen Arbeiter- Vereins zu vermeiden, ist es unsere Aufgabe, vor allen Dingen die ifür die sozialdemokratische Arbeiterpartei Gewonnenen fest zu machen. Zu den vor 14 Tagen gewonnenen 78 Mitgliedern traten leine Anzahl neue.. Sich zu 5— 6 Mann associrend abonnirten die Mitglieder auf 6 Expl.„Volksstaat" für das neue Bierteljahr.-- Montag war ich zu einer Volksversammlung in Gelenau, die ungemein zahlreich besucht war, das reaktionäre„Chemnitzer Tage- blatt" giebt die Versammelten auf 600 Personen an. Die Tages- ordnung bestand in 3 Punkten:„Die Arbeiterbewegung und ihre Gegner",„Die Wohnungsnoth" und„Oertliche Angelegenheiten". Beim zweiten Punkt erfuhr ich vom Vorsitzenden Sonntag, der öffentlich erklärte, daß in Gelenau 4— 5 Familien in einer Stube wohnen und oft 10— 15 Personen in einer Kammer schlafen, daß die Hausbesitzer sich bedeutend schlechter stehen alö die MiethSbewohner, da sie zu viel Lasten und Abgaben habe». Da- her erklärt es sich auch, daß Niemand baut und die Wohnungs- noth ganz gräßlich zunimmt. Als beim 3. Punkt der Tagesordnung die in Nr. 5 des„Votksstaat" abgedruckte Correspondenz aus Gelenau verlesen werden sollte, erhoben die anwesenden Herren Faktorc während des Lesens einen solchen Skandal, daß mehrere Arbeiter sich veranlaßt fühlten, ihre Arbeitgeber aus dem Saal zu führen. Dem kam jedoch die löbliche Polizei zuvor, indem sie so gefällig war, die Versammlung aufzulösen. Geschadet hat das der Partei natürlich nicht, sondern sehr viel genützt. Es erfolgten zahlreiche Einzeichnungen in die Parteilisten, und„Volksftaat" und „Chemnitzer freie Presse" sollen ganz besonders in Gelenau ver- breitet werden. Natürlich ward sofort eine neue Versammlung auf 8 Tage später angesetzt und dies den Anwesenden bekannt gegeben. Außerdem sind am Sonnabend, Sonntag und Montag noch 7 Versammlungen abgehalten worden. Vahlteich sprach in Zwickau über das VolkSschulgesctz und die Bewegung unter den Buchdruckern und in Glauchan zur Feier des 18. Marz. Lyser hielt Sonnabend in Chemnitz Vortrag Uber die Angelegenheiten der Buchdrucker und Sonntag in Dorf Schellenberg über die Arbeit. Diese Versammlung wurde aber vom Herrn Actuar Bret schneider aufgelöst, weil Lyscr die Arbeiterblätter zum Lesen anem- pfähl und dabei sagte, die liberalen und reaktionären Zeitungen berichteten fast mir, wo der Kaiser zur Jagd hingehe u. s. w.— Wolf, sprach Sonnabend in Limbach, Sonntag in Claußnitz und Montag in Altend orf mit gutem Erfolg für die Parteiorganisation. Mit sozial-demokratischem Gruß Ä. Uhle. chkbernhau, 13. März. Nachdem bereits im Herbst vorigen Jahres durch Demmler aus Geyer eine Volksversammlung am hiesigen Orte abgehalten wurde und sich in Folge dessen hier eine Parteimitgliedschaft bildete, deren Mitglieder sich der ganzen Ver- folgungswuth der hiesigen Ortspolizei und der mit ihr im Bunde stehenden Fabrikanten zu erfreuen hatten, gelang es den hiesigen Parteigenossen, trotz aller Schwierigkeiten", auf Dienstag den 11. März eine Volksversammlung zu Stande zu bringen. Freilich «ar die Wuth der hiesige» Spießbürger groß; zuerst ließen sie ihren Zorn an den angeklebten Plakaten aus, die sie in ächter Straßenjungenmanier abrissen, und dann erzählten sie Allen, die es hören wollten, schon drei Tage vorher, daß dieses Mal die ganze„Lumpenbande»(darunter verstehen die„gebildeten" Fabri- kanten den Referenten und seine Freunde) aus dem Städtchen hinausgehaucn würden.„Sie würden es diesem„Bummler-Corps" schon vertreiben, je wieder nach Olbernhau zu kommen." Also Prügel, das war die Parole, welche diese Vertreter der„guten Gesellschaft" im Städtchen Olbernhau am Tage der Volksversamm- lung ausgaben. Der ganze Ort war in Auftegnng und voll Er- Wartung der Dinge, die da kommen würden. Auf der Tages- «rdnnng stand:„Die Arbeiter-Bewegung". Referent war Partei genösse Auer aus Berlin. Bis gegen 8 Uhr waren die ganzen nicht unbedeutenden Räumlichkeiten überfüllt; an den vorderen Tischen saßen der ganze Polizei-Apparat und die Vertreter der „guten" Gesellschaft. Zimmermann eröffnete die Versammlung, indem er aufforderte, ein Bureau zu wählen; das war das Signal zum ersten Sturm. Ein Herr Arnold, Fuhrwerksbesitzer und Dcmvkratenfresser, meldete sich zum Worte und verlangte erst zu wissen, über was gesprochen werden solle, dann dürfe erst das Bureau gewählt werden. Rachdcm er eines Besseren belehrt und Zimmermann als Vorsitzender erwählt war, erhielt der Referent das Wort. In dreistündiger ununterbrochener Rede gab er ein vollständig klares Blld über die gesellschaftliche Entwickelung seit dem Mittelalter, kennzeichnete scharf die verschiedenen Stände in ihren Bestrebungen, ging dann auf die Arbeiterbewegung der Ren- zeit über, schilderte die traurigen Verhältnisse, in denen der arbci- tende Stand in Folge der heutigen kapitalistischen Produktions- weise sich befinde, zergliederte dann das Programm der sozial- demokratischen Arbeiterpartei, löste die Vorwürfe der Gegner in ihr Nichts auf und schloß seinen Vortrag, indem er aufforderte, die Parteiblätter und Schriften zu lesen und einzutreten in die sozialdemokratische Arbeiterpartei. Die versammelten Arbeiter folgten dem Vortrag mit gespann- ter Anstnerksamkeit und gaben ihre Zustimmung durch rauschenden Applaus zu erkennen. Die Störungsversuche des Herrn Arn.ld und Genossen fielen iiis Wasser; die Erbitterung der Arbeiter über genannte Herren gab sich in der unzweidentigsten Weise kund und die. Herren„Gebildeten", die mit der ausgesprochenen Absicht ge- kommen waren, die Versammlung zu sprengen, zogen ab mit Schimpf und Schande, unter dem Hohngelächter der Arbeiter. Viele Arbeiter, welche aufgehetzt worden waren und den Auftrag hatten, Auer hinauszuprllgeln, kamen später zu ihm, erklärten sich vollständig mit ihm einverstanden und ließen jsich auch in die Partei aufnehmen. Herr Arnold aber dürfte für die Zukunft die Lust verloren haben, unsere Versammlungen zu stören, nachdem die Arbeiter ihm in sehr eindringlicher Weise begreiflich gemacht, daß sie es nicht lieben, in ihren Angelegenheiten gestört zu werden. („Chemn. Fr. Pr.") Hetena«, 25. März. Gestern Abend fand eine von der sozial- demokratischen Arbeiterpartei einberufene Volksversammlung statt, m welcher Parteigenosse Uhle aus Chemnitz referiren sollte. Ein Artikel im„Volksstaat" Nö. 5 vom 15. Januar d. I., die Lage der Lohnarbeiter resp. der Strumpfwirker behandelnd, hat einen Sturm von Unwillen unter den Besitzenden erregt, und wie ich «us sicherer Quelle höre, ist Weisung von competenter Seite an den Gemeinderath ergangen, die Wahrheit oder Unwahrheit des dort Gesagten zu untersuchen. Derselbe hat ausgesprochen, es herrsche hier ein so trauriges LooS nicht; untersucht kann daher der wohllöbffche Gemeinderath nicht haben, sonst wäre derselbe anderer Ueberzengung geworden. Es sind in dem betreffenden Artikel die Leute mit 4 Kindern herausgegriffen(natürlich kleinen Kindern) und das Elend derselben läßt sich mit der Feder nicht schildern. Man muß es gesehen und erlebt haben, und Die von solchen Verhältnissen keine Ahnung haben, wollen hier urlheilen!— Gestern Abend stand die Sache auf der Tagesordnung. Aber die ordnungsliebenden Bourgeois erhoben solch ein Gebrüll, daß der überwachende Beamte sich verpflichtet fühlte, die Versammlung aufzulösen. Diese Leute skandaliren über Thatsachen, die sie nicht fassen können. Hörten sie doch die Strumpfwirker einmal an, ob V» oder gar nur'/» durchschnittlich 3 Thlr. und darüber verdient; dann mögen sie dieselben„widerlegen"; aber so viel oder so wenig Humanität von unser» Großbürgern zu erwarten, ist Dummheit. „Bet' und arbeit', dann hilft dir Gott allezeit", daS sind ihre Argumente.— Ist es nicht eine Schande, wenn die„Spitzen" des Dorfes durch Brüllen und sonstige Rohheiten eine Versammlung armer Arbeiter stören, weil diese öffentlich beweisen und bekennen wollen, daß sie wirklich fast nicht existiren können? Was sagen dazu Spiclmann, der sich einbildet, groß zu sein, und gar C. Harzer, dessen Vergangenheit Momente ausweist, welche Zeug- niß dafür ablegen, daß derselbe wissen muß, wie's thnt, wenn's am Besten fehlt? Die hier Genannten haben bei der Ruhestörung wacker mitgewirkt und Hochachtung wird's ihneiz nicht einbringen. Meichenvach. 30. März. In der heute abgehaltenen Bcr- sammlung der Parteigenossen wurden die vom Ausschuß vorliegen- den Fragen hinsichtlich der Reichstagswahl gewissenhast beant- wortet, neue Mitglieder aufgenommen und was die Hauptsache ist, ein Agitations-Komitv gegründet, welches hauptsächlich den Zweck verfolgt, für die nächste Reichstagswahl zu agitiren. Das Komite besteht aus 10 Mann und erwartet von den Nachbarorten thätige Unterstützung darin, daß den baldigst erfolgenden Aufforderungen zur Einberufung von Versammlungen und gemeinsamen Zusammen- künften zur Besprechung der Mittel und Wege allerorts möglichst Gehör geschenkt wird. Sind auch die Kampfmittel in materieller und geistiger Beziehung zur Zeit nicht im Stand-, dem Feinde entsprechend zu begegnen, so kann doch durch ernste und vereinte Arbeit unserer große» Sache viel genützt werden. (Die Reorganisation der ungarländischen Arbeiterpartei.) Am 23. März 1873 hat in Pest eine freie Arbeiter-Volksversammlung stattgefunden, welche einerseits die Neu- konstituirung der im Jahre 1863 in Pest und mehreren größeren Städten Ungarns gegründeten ungarländischen Arbeiterpartei, andererseits die Wahl eines provisorischen Centralansschusses zum Zwecke hatte. Nachdem seitens des Einberufer-Comites B. Falussy die Berathung eröffnet und zur Leitung derselben Anton Jhrlinger als Vorsitzender, Fr. Czukelter als ungarischer und Karl Falkas als deutscher Schriftführer von den gegen 800 anwesenden Arbei- tern einstimmig gewählt war, besprachen St. Lukäcsy(magyarisch), Andreas Eßl und Karl Farkas(beide in deutscher Sprache) und Andere die Nothwendigkeit der Neubildung der ungarländischen Arbeiterpartei. Die Versammlung nahm nach zweistündiger Be- rathung eine von Eßl- und Lukäcsy eingebrachte Resolution an, in der es heißt: „Die am 23. März versammelten Arbeiter beschließen einstim- mig die Reugründung der Ungarländischen Arbeiterpartei und con- stituircn sich als solche unter Annahme folgender Punkte:.... Für Preußen. In der vorletzten Nummer des„Volksstaat" lese ich einen Bericht, der aus Halberstadt datirt ist. Es heißt dort, daß in der Versammlung zu Quedlinburg vom 23. Februar die Polizei durch 7 Polizisten und 3 Gensdarmen vertreten war. Nach dem preußischen Vereinsgesetz hat die Polizei nur das Recht, sich durch zwei Be- amte vertreten zu lassen. Der Vorsitzende der Versammlung kann die überzähligen Polizeibeamten, Gensdarmen und sonstigen Wachtmannsthaften zur Thüre hinausweisen. Will er sie als Gäste dulden, so mag er es immerhin; aber dann heiße �r sie wenigstens, um das Vereinsgesetz zu beobachten, außer dem Saale die Waffen ablegen, da Bewaffnete in der Versammlung nicht ge- duldet werden dürfen. Es thnt unbedingt Roth, daß wir die wenigen Rechte, welche wir haben, zu benutzen verstehen. Erster IVVUVVJWil»VVIVA/V ivi*.»/v-v.., gu VV»lW�V.lV VVVJVVVv...—» Bürgermeister von Quedlinburg ist übrigens der Fortschrittsmann, Herr Ärecht, eine der Stützen des„Rechtsstaats", der also das v« ,Q ituS I T�tt*1111 Vereinsgesetz kennen und halten müßte. Braunschweig. 3. Zur Erreichung ihrer Zwecke übernimmt die Partei die Leitung der Organe„Munkas- Heti- Krönika" und„Arbeiter- Wochen- Chronik", welche mit heutigem Tage in ihr Eigenthum übergehen. 4. Jedes Mitglied erhält unentgeltlich jede Nummer des Parteiblattes(derzeit„klnukas- Heti- IQömka" und„Arbeiter- Wochen-Chronik") in deutscher oder ungarischer Ausgabe gegen Rückgabe der vom Parteischeine abzulösenden Marke. 5. Die sich heute constitnirende Ungarländische Arbeiterpartei wählt einen provisorischen Central-Ausschuß von 7 Mitgliedern, u. z. 1 Vorsitzenden, 1 Secretär, 1 Kassirer, 1 Notar und 3 Con- troleure, serner 5 Ersatzmänner, welcher Ausschuß die Aufgabe hat, alle Parteigcschäfte zu besorgen, die Parteiorgane zu leiten und zu überwachen, erforderlichenfalls Parteiversammlungen, desgleichen innerhalb eines Jahres einen Arbeiter-Congreß einzuberufen, welch letzterer hauptsächlich die Feststellung eines detaillirten(vollständi- gen) Parteiprogrammes zur Aufgabe haben wird. Einzeln wurden vorgeschlagen und seitens der Versammlung ge- wählt, als Centralausschuß: Vorsitzender: Anton Jhrlinger; Sekre- tär: Viktor Külföldi; Kassirer: Karl Farkas; Notar: Karl Rauch- maul; Controleure: Johann Stürzenbaum, Andreas Eßl und Georg Rauch. Als Ersatzmänner: Stefan Lukacsy, Robert Voll- brecht, Karl Kovacs, B. Falussy und Adolf Grünfeld. (Nach der Pester„Arbeiter-Wochen-Chronik.") Leipzig. Auf seine in Nr. 29 mitgetheilte Beschwerde an die Genalstaatsamvaltschaft zu Dresden, daß in Sachen seines Straf- antrags gegen den Polizeidirektor Dr. Ruder noch immer keine Entschließung gefaßt sei, hat Hepner am 12. d. nachstehende Ant- wort erhalten: „Auf Ihre an die Königliche Generalstaatsanwaltschaft zu Dresden gerichtete Eingabe vom 7. Irnj. ist Ihnen andurch zu eröffnen, daß vor weiterer Entschließung auf Ihre Anzeige vom 17. vorigen Monats die Einsicht der betreffenden Polizeiacten un- umgänglich nöthig ist, und daß, da gedachte Acten bis jetzt der Königlichen Kreisdtrection vorlagen, Vorkehrung getroffen worden, daß jene Acten, sobald solche dort entbehrlich, sofort anher ab- gegeben werden, worauf alsbald weitere Enffchließung gefaßt wer- den wird.— Leipzig, den 10. April 1873. Der Königliche Staats-Anwalt." S. Kokosky. Erklärung. Zürich. Der Einsendung in Nr. 26 des„Volksstaats" von Härtung, Büttner u. s. w. gegenüber halte ich meine Erklärung vollständig ausrecht. Es ist wahr, man hat in der Sitzung am 18. März 1871 des hiesigen deutschen Arbeiter- Bildungs- Vereins die Bürger Liebknecht und Bebel beschimpft. Härtung selber hat diese Beschimpfung abwehre» wollen, indem er sagte:„Liebknecht und Bebel haben durch ihr Verhalten während des deutsch-ftanzö- fischen Krieges einen großen Fehler gemacht und der Partei da- durch viel geschadet, allein solche Ausdrücke verdienen diese Leute doch nicht." Uebrigens, was Verleumdungen anbetreffen, so könnte ich und mit mir Andere, noch so Manches von Härtung u. Comp, sagen; aber ich halte diese Personen, wenn sie auch noch so sehr gegen die Internationale intriguiren, nicht für so wichtig, um die Spal- ten des„Volksstaats" damit zu füllen.(Der Thatbestand wird be- zeugt von Greulich und Fößler.) Emil Szymanowski. Berichtigung. Im Auftuf des Aufsichtsraths der Schuhmacher(Nr. 29) muß es natürlich Zuschauerposlen(statt„Zuchthausposten") heißen. Briefkasten der Redaktion: Den Schnbmachern in Stade: die gewünschte Adresse ist: Zilgcr in Dresden(Exp. des„Dresdner Volksbote"). G. B. Ber- lin: Gedicht dem„Criininnschauer V.» u. B.-F." zur evcnt. Benutzung übersandt. St. U. Altgradiska: Prager„Politik" mit Marr'S„Demo- kritischen Betrachtunzen" dankend ertzalteu. Mylau: Brief vom Ver- trauensm. nicht erhalten. F. Mainz: Ihre letzte Korrespondenz ist in vor. Str.; ein„zweiter" Brief ist uns unbekannt. der Expedition: Von Mßr hier Ab. 2. Qu. 1 Thlr. 9 Gr., f. Schr. 11 Gr., v. Rchl Düsseldorf Ab. 2. Qu. 4 Tblr., v. Rth hier Ab. 2. 0. 13 Gr., v. Lzld Gr.-Zschocher Schr. 7 Gr. 5 Pfr., v. Ntrs Halbcrstadt Ab. u. Schr. 14 Thlr. 4. 5.,». Sorge Hoboken 4. u. 1. O. 60 Thlr., v. Hk Wien 2. Qu. 1 Thlr., v. Fachver. d. Spengler W-.N 2. Qu. 1 Thlr., v. I. Sthlbck. Stade 2. Qu. 13 Thlr., v. Wdt Franks. a.M. f. Ann. 6 Gr.(2mal bez.), v. Uhlq h. 2. Qu. 13 Gr., v. Hdlch h. Schr. 2 Thlr. 11. 3., Ab. 1. Du. 2 Thlr. 25 Gr.. 2. Qu. 4 Thlr., v. Lrbr Mylau Ab. 2. Qu. 7 Thlr. 21 Gr., v. W. Hss Erfurt Ab. 1. Qu. 3 Thlr. 1. 4., Vrtrsm. Augsburg: Ann. f. Nr. 30 zu spät, v. Stojan Ugrc Altgradiska 2 fl. o. W. f. ftrik. Buchdr.(Eintritt in d. G.-B. kann jederzeit erfolgen, Statut baldigst); I. G. in Johannesthal: Statut im Druck, v. M. Stgm Elbing Schr. 18 Gr., v. Lmsn Mainz Schr. 1 Thlr. 14. 8., v. Wldk. Minster Schr. u. Phot. 2 Thlr., v. Gthr Großenhain Schr. 11 Gr., v. Hspl. Cöln„VolkSst." 5 Gr., v. Franz Zürich 20 Thlr. u. A., Alles wird schnellstens expedirt. Gcnossenschaftsbuchdruckcrei. Antheilscheine bez. Antheilquillungcn erhielten ferner: In Leipzig: L. Dgr 20 Thlr., in Waldheim: L. E. 1, in Mylau: soc.-demokrat. Ver. 10, in Mainz: Lmsne 10(auf welche Nrn. zu verthcilcn?) Hadlich Fönd�für pol. Gemaßregelte. Von Parteigenossen in Borna durch H. Krieger 20 Gr.; v. H. Wil- derink Münster 1 Thlr. 13 Gr. Durch P. S. in Mainz 14 Fl, von Wormser Demokraten gesammelt. 3 Fl. von G. W. L. in M. CTüllt Internationale Gewerkschaft der Holzarbeiter. Die Gewerkschaft der Holzarbeiter hat ihr Sitzungelokal von der Thieboldsgasse nach Cronen's Bierlokal, Follerstraße Nr. 101 verlegt, wo die Sitzungen regelmäßig jeden Montag Abend halb neun Uhr stattfinden. Die Reiseunterstünungen werden ausgezahlt durch Heinrich Küpper, Thieboldsgasse Nr. 94 II. Briefe ,c. jc. find zu richten an den Unterzeichneten Bevollmächtigten Rockel, Severinstraße Nr. 181. (p Die hiesigen Arbeiter werden hiermit aufmerksam ge« f 11 V4-« macht, daß sich Michaelisstr. Nr. 3 eine Filialexpedition deS„Volkestaat" befindet. Derselbe erscheint jeden Mittwoch u. Sonnabend und kostet pro Quartal 17 Sgr. Die früheren Abonnenten werden er- sucht soweit sie dies noch nicht gethan, ihr Abonnement zu erneuern und überhaupt für die Verbreitung desselben ihr möglichstes beizutragen. Die Filialexpediton des„Volksstaat" Michaelisstraße 3 Part. n-ijMtf Die hiesige Schneidersection des internationalen Arbeiter« Vi/ �-44� verein« erläßt hiermit einen Auftuf an alle sozial-demo- kratischen Parteigenossen zu Gunsten der Familie des Dr. C. Boruttau. Unserer eifriger Parteigenosse und früherer Mitarbeiteiter des„Volksstaat" Boruttau ist seit einiger Zeit in Beyrut in Egypten, um seine Bnist- krankheit zu heilen. Seine Frau und Kinder sind hier in sehr traurigem Zustande. Trotzdem unsere Sectio« für sie thut, was sie kann, ist e» doch fast nicht mehr möglich für jene, zu leben, weßhalb wir in gestriger Sitzung beschlossen haben, uns an den„Volksstaat" zu wenden, um durch dessen Spalien Unterstützung von unseren deutschen Parteigenossen zu bekommen, und wir hoffen, daß unsere Bitte und unser Auftuf, ein un« verdientes Unglück zu lindern, nicht umsonst sein wird und eine reichliche und baldige Hülse nicht fehlen wird; denn bald geholfen ist gut geholfen. Gelder sind zu schicken an Fr. Blocding, Geaeve, Place de la Madelaine No. 1. Den 9. April 1873. Im Namen der Schneidersection Genf. Der Präsid.: Fr. Bloeding. Hamburg Sozial-demokratischer Arbeiterverein Versammlung Donnerstag, den 17. April, Abends 9 Uhr in Hansch's' Clublokal, Schauenburgerstraße 14. Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Bericht des FestcomiteeS.— 3. Die Partciagitalion. Die Mitgliedskurten sind vorzuzeigen. Hamburg Tülje's Etablissement. Am Sonnabend, den 26. April: chroßes"Docal- und Injirumental-Eoncert der Pc lU! die i Liedertafel..vorwärts- unter gütiger Mitwirkung namhafter Kräfte. Nach dem Conccrt: Ii ,41.1.. Karten ä 4 Shill. sind zu haben: Mundhenk, Rathhausstr. 22. Span« nagel, Rathhausstr. 5. Weiß, Stcinstraße 89. Mohrmann, kl. Raboisen 90. Lilie, kl. Raboisen 91. Zingelmann, b. d. Mllhren 59. Lüders, Neustr. 92. Traumann, Dragonerstoll 25. Möws, Hoops, Kattrepel 25—26. Hansen, gr. Neumarkt 30. Eggers, kleine Raboisen 89. Witte, Alsterthor 3. Gittermann, kl Bäckerstr. 11. Sperber, Valen« tinskamp 99. Börnberg, grünen Deich(Marienhof). Hoops, Gasthos zur Rennkoppel(Hamm und Horn), Sanders Salon(Barmbeck). KassenpreiS 6 Schillinge. Der Vorstand. Die Filial-Expedition de«„VolkSstaat" �loUvel ll befindet sich bei -*• Otto Ncubert, untere Bachstr. 140. Stötteritz. Mittwoch den 16. April Abends 8 Uhr: Volksversammlung im Saale des Hrn. Seifert.— Tagesordnung: 1) Bescheid de» königl. Gerichtsamts betreffend die Gründung eines Arbeitervereins. 2) Die Arbeiterbewegung.— Zahlreiche Bethciligung aller Derer) welche sich gezeichnet haben, wird erwartet._ sr n tc dl dl se 2 gute Damenschneider-Gehülfen auf Stückarbeit sucht F. Weichardt in Frankfurt a. M. Nähere« brieflich. d l U Ii ti l d Cigarren-Spitzen und Pfeifen aus Horn und Hol; verfertigt I. Rudel, Drechsler in Ruhla, und empfiehlt sich bestens allen Parteigenossen. 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In der Zuversicht, daß sämmtliche Arbeiter das Unternehmen nach Kräften unterstützen werden, bittet um gütigen Zuspruch Die GmossenschAfts-HMbrik. Leipzig: Verantw. Redakteur E. Kasper.(Redaktion und Expedition' Hohestr. 4). Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdrnckerei.