tb b« Erscheint wöchentlich 2 Mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten unb Buchhanb- lungcn des In- unb Au«- lanbcs an. Für Leipzig nehmen Be- stellungeu an: die Ezpebition, Hohestraße 4. bie Gcnossenschasts- buchdruckerei, Zcitzcrfiraße 44. A. Bebel, Peterstraße 18. 3. Müller, Bayerschestraße 8b, III. Der Vdlislhmt ÄSonnemenlsprets: Für Preußen incl. Stempel« steilcr 17 Sgr., für die übrige» Deutschen Staaten I2>/, Sgr. pro Quartal, pro Monat 4>/. Sgr. Für Leipzig und Umgegend pro Quartal 13 Ngr. Filialeppcbitioncn für bie Ber- einigten Staaten: F. A. Sorge, Hoi 101 Hobokcn, N. J. Yla Newyork. G. A. Lvnnecker, 15S W. Lake Chicago(III.) OrgandersozialdemokratlschenArbeUerparteiundderinternatio«alenGetverksgenoffenschaften. Nr. 32. Sonnaöend, 19. Aprit. 1873. e« . r- er i« K. -> e» !N f' K Unsere Partei und die Reichstagswahlen. Spätestens in den ersten Monaten des nächsten Jahres finden die allgemeinen stieuwahlen zum Reichstag statt, lieber unsere Stellung zum Reichstag ein Wort zu verlieren, ist unnütz; wir hegen ihm gegenüber keine Hoffnungen und keine Befürchtungen. Der Reichstag ist, wie jede andere unserer sogenannten Volksver- tretungen, der Ausdruck der Klassenherrschaft der Bourgeoisie, seine Befugnisse sind beschränkt und werden beschränkt bleiben, da er selbst kein Bedürfniß und keine Neigung empfindet, sie zu erwei- tern. Die deutsche Bourgeoisie war nie kühn und fest auftretend für ihre(vormals idealen) Ziele, hat dieselben vollständig preis- gegeben von dem Augenblick an, wo die Arbeiterklasse als selbstbe- wußte, unabhängige politische Partei auf die Bühne des öffent- lichen Lebens trat. Die deutsche Bourgeoisie ist bescheiden gewor- den, sehr bescheiden, bescheidener als irgend eine andere Bourgeoisie in irgend einem Lande. Das macht: die deutsche Bourgeoisie ist die feigste unter allen. Im Bewußtsein ihrer Feigheit sieht sie die einzige Rettung gegen die stets drohender werdende sozialistische Bewegung in einer„starken" Regierung. Dieser wirft sie sich in die Arme und bewilligt mit vollen Händen die Mittel, um die Zahl der Kanonen, der Bayonette und der Polizei zu vermehren. Die parlamentarische Schwatzbühne ist das Mittel, dem Bolke Sand in die Augen zn streuen und es über seine eigene Beden- tung zu täuschen. Zu einer solchen parlamentarischen Comödie kann und darf die sozialdemokratische Arbeiterpartei die Hand nie bieten. Wenn sie den- noch die Gelegenheit benutzt, um auch ihre Vertreter in de» Reichs- tag zu sende», thut sie es nicht, um„mitzuspielen", sondern um dem parlamentarischen Gaukelspiel die Larve vom Gesicht zn reißen, den Reichstag in seiner wahren Gestalt zu enthüllen, und um von seiner Tribüne herunter die revolutionären Principien zu predigen, die Fahne der Sozialdemokratie offen vor aller Welt zu entrollen. Unsere Vertreter habe» nicht zu Parlamentiren und zu compro- mittiren, sondern einfach den Reichstag als Agitationsmittel zu bc- trachten, von dem aus sie über Millionen ihren Einfluß auszu- dehnen und Propaganda zu machen trachten. Die Reichstaqswahlen endlich sollen ein Mittel sein zu gründ- lichstcr und umfassendster Agitation und ein Maaßstab für die Stärke der Partei, soweit sie die über 25 Jahre alte, also wahlberechtigte Mannschaft betrifft. Von diesen Gesichtspunkten aus>sl die Be- theiligung an den Reichstagswahlen für unsere Partei ein Gebot der Pslicht, der Gewinn möglichst zahlreicher Stimmen und die Durchbringung von möglichst vielen Eandidaten eine Ehrensache. Soll Beides im vollsten Maaße erreicht werden, dann muß die Agitation mit allen zu Gebote stehenden Kräften und Mitteln im großartigsten Maaßstab ins Werk gesetzt werden. Bereits haben die Parteigenossen im Hinblick auf die nächsten Reichstags- Wahlen die Agitation an vielen Orten i» die Hand genommen. Aber sie muß planmäßig überall organisirt werden, kein Ort, seien auch seine Kräfte noch so schwach, darf zurückbleiben. Ist es auch nicht mögliw, schon jetzt in der Mehrzahl der von uns besetzten Bezirke einen Eandidaten durchzusetzen, dann gewinnt die Partei doch neue Mitglieder, neue Leser der Parteiorgane und daS ist die Hauptsache. In jedem Ort, wo eine Versammlung ab- gehalten wird, muß eine Parteimitgliedschaft gegründet, müssen den Parteiorganen Abonnenten gewonnen werden; ohne dieses ist an keinen Erfolg zu denken. Die so gewonnenen Mitgliedschaften bilden gewissermaßen die Eadres für die Armee in der Wahlschlacht. Sie sind die Stützpunkte bei der Einberufung von Wahlversamm- lungen, der Verbreitung von Flugblättern und Stimmzetteln, der Ueberwachung der Wahlcampagne und Wahlhandlung, damit weder von Seiten der Gegner noch der Behörden sich trügerische Mittel oder ungesetzliche Beeinflussungen geltend machen können. Aber soll ein Erfolg erzielt werden, dann darf nicht bis we- »ige Wochen vor der Wahl gewartet werden. Schon jetzt muß allenvärts energisch Hand an's Werk gelegt werden; da gicbt's kein Zaudern und Besinnen. Die Orte eines Wahlbezirks, in denen" Parteimitglieder vorhanden sind, müsten sofort zusammen- treten und ein Agitationskomits wählen. Localvereine oder söge- nannte Wahlverciue zu bilden— ist entschiede» zu verwerfen; die ganze Agitation muß innerhalb des Rahmens der Parteiorganisation vollzogen werden. Das Agitationskomitö hat nach und nack in allen wichtigen Orten des Bezirks Volks- oder Arbeiterversamm- lungen einzuberufen und darin unsere Principien zn besprechen. Reichen die eigenen Kräfte dazu nicht aus, dann nehme man die Nachbarbezirke zur Hilfe. Aber nur, indem die Parteigenossen durch pünktliche und reichliche Steuerzahlung den Parteiausschuß unterstützen, ist dieser in der Lage, durch tüchtige agitatorische Kräfte helfend einzugreifen. Wir betonen es noch einmal: in jeder Versammlung muß zum Eintritt in die Partei und zum Abonnement auf die Parteiorgane aufgefordert werden; das muß das A und das O sein. Eine solche ftühzeitige und umfassende Agitation hat für die Wahlcampagne»och einen andern Vortheil. Sobald an einein Orte eine Versammlung zur Verbreitung sozialistischer Grundsätze stattsiudet, werden die Gegner in. gewohnter Weise über uns her- fallen und gegen uns ihr ganzes reichhaltiges Arsenal a» Schimpfe- reien, Lügen und Verleumdungen in Bewegung setzen. Das schadet nichts. Sie geben uns damit nur Gelegenheit zu neuen Vcrsamm- lungen, in denen diese Angriffe beleuchtet und widerlegt werden. Dadurch gewinnen wir immer neuen Boden, die Pfeile der Gegner verliere» ihre Wirkung, indem das große Publikum nach und nach gegen diese Verleumdungen abgestumpft wird. Statt dessen er- wacht die Neugierde; die Energie, mit der unsre Sache vertreten wird, ftappirt; man fängt an, sich näher damit zu beschäftigen und da findet man,„daß die Sozialdemokraten eigentlich gar nicht so gefährlich sind und in Vielem nicht so Unrecht haben." Die citirte Redensart hören wir häufig. Wer aber s o spricht, der ist zur Hälfte uns schon versallen. Kommen nun die Gegner in der Wahlschlacht mit den alten Waffen, dann sind dieselben schon abgenutzt und machen keinen oder nur geringen Eindruck, während, wenn sie im Wahlkampf zum ersten Male angewendet werden, sie bei der voreingenommenen Menge ihren nachtheiligen Einfluß nicht verfehlen. Dies gilt na- mentlich von der ländlichen Bevölkerung der Bezirke, bei welcher behäbige Bauern und Gutsbesitzer, Beamte und Pfarrer nebst den, Lehrer und Dorfschulzen die erste Geige spielen. Die Vortheile der möglichst frühzeitigen Vorbereitung zum Wahlkampf liegen also auf der Hand. Die Partei gewinnt im Voraus an Stärke, au geistigen und materiellen Mitteln und diese fallen bei jeder Wahl- agitation gewaltig ins Gewicht. Die Chancen des Erfolgs steigen dadurch und die Anstrengungen im Wahlkampf werden erleichtert. Mag die Partei in einem Bezirk siegen oder nicht, auf jeden Fall !hat sie zahlreiche thätige Mitglieder gewonnen; das nächste Mal wird ihr der Sieg um so sicherer. Aber noch Eins ist zu beachten. Wahlbezirke, die erst nach den unsäglichsten Anstrengungen und Opfern einen zweifelhaften Erfolg bieten, lasse man lieber vorläufig liegen und vereinige die Kräfte auf solche, wo der Sieg einigermaßen gewiß scheint. Das werden namentlich Bezirke sein, wo zahlreiche Jndustrie-Arbeiter existire» und bei einigem Zusammenhalt schon an und für sich Aussicht aus Erfolg geben. Nach unserer Ansicht soll zwar bei der nächsten Reichstags- wähl die Partei überall selbstständig, wenigstens im ersten Wahlgang, vorgehen, und nur solche Eandidaten aufstellen, die ganz und rückhaltlos unsere Parteigrundsätze anerkennen; aber in Bezirken, wo kein Erfolg möglich ist, soll sie sich begnügen, nur die Stimmen für irgend einen Eandidaten der Partei abzugeben, dagegen alle die materiellen und geistigen Mittel dahin con- centriren, wo der Erfolg winkt. Ein solches Verfahren gebietet die Klugheit. Es wird Sache des nächsten Parteikongresses sei», die Bedingungeu festzustellen, unter welchen die Partei in den Wahl- kämpf einzutreten hat. Pflicht aller Parteigenossen aber ist es schon jetzt, bei Zeiten, die Agitation in die Hand zu nehmen, ohne Ruh und ohne Rast. Die gevratenen Tauben fliegen uns nicht in den Mund; wir haben zahlreiche und mächtige Feinde gegen uns; der größte und zahlreichste ist die Gleichgiltigkeit und lln- wissenheit der Masse». Hier gilt eS aufzurütteln und aufzuklären mit Esser und Begeisterung, wie sie Jedem im Herze» lodert, der sich bewußt ist, das Gute und Gerechte zu wollen. Keiner bleibe zurück, Einer suche den Andern an Opferwilligkeit zu überbieten; der Erfolg— er muß und wird uns werden! Der„moderne Sozialismus" und das veraltete Bornrtheil.�) II.(I. siehe Nr. 22.) [JozialiSmuS,„Materialismus", und Atheisinns. Zukunft des Sozialismus. Antikritik der„Kritik".) Der Verf. hat seiner geschichtlichen�Darstellung einen Abschnitt folgen lassen, der unter dem Titel„Schlußfolgerungen"(S. 403 bis 474) eine Kritik des„modernen �Sozialismus" enthalten soll. Zahlreiche Wiederholungen der verschiedensten Gedanken an den verschiedensten Stellen beweisen schon äußerlich, daß es derzVerf. zu keinem System des Antisozialismus gebracht hat, und bei näherer Betrachtung der„Schlußfolgerungen"(in Verbindung mit den im Haupttheile des Buches zerstreut liegenden Einzelbemerkungen) gewahrt man sogar, daß der Verfasser selbst sich der Hohlheit seiner Opposition, selbst sich seines Bankerotts bewußt ist. „Die Hauptursache, warum der Sozialismus keine Zukunft hat, ist der materialistische Geist, welcher ihn durchdringt."(„Ma- terialistisch" nennt nämlich der Verf. den Sozialismus nur deS- halb, weil dieser das„Naturrccht" der„höheren, sittlichen Ord- nung" und der althergebrachten„Autorität" entgegenstellt:„Weil der Sozialismus dem Materialismus entspringt, so ist der Streit um das Privateigenthum in letzter Instanz ein Kampf des Ma- terialismuS" mit der überlieferten Anschauung, welche über der irdi- scheu noch eine höhere, sittliche Ordnung annimmt. Wer diese leugnet, muß zuletzt, so lange ihm das Mitgefühl für die Menschheit lebendig bleibt, zum Sozialismus kommen." S. 467.— Zum Mindesten geht aus diesen zwei Sätzen hervor, daß der Verf., der zwischen unserer„irdischen" und einer„höheren, sittlichen Ordnung" unterscheidet, jene heutige„irdische" nicht für„sittlich" hält. Grund genug also, diese„Ordnung" umzustoßen.) In Wirklichkeit treibt der Verf. in seinem ganzen Buch mit dem Wort „Materialismus" puren Unfug. Es giebt keinen„Materialismus" ohne Idealismus und keinen„Idealismus" ohne Materialis- mus. Und was speziell den„Sozialismus" anbelangt, so ver- einigt er diese beide»(fälschlich als Gegensätze verschrieenen�) ♦) Die Redaktion bemerkt bei dieser Gelegenheit, daß die Buchhändler- Anzeige in Nr.!> d. Bl.— welche besagte, da« Jäger'schc Buch enthalte „eine anschauliche Darstellung von den Principien, den Bestrebungen der 'ozialistischcn Partei"— ohne ihr Verschulden und nur durch ein ander- weites leichte« Versehen in der gedachten Form ausgenommen worden ist. Gleicherweise bedauert die Redaktion die durch einen ihr fernliegenden Jrrthum bewirkte Aufnahmeder„Kunstanzeige. Lastallc«Duell" in Nr.6b.Bl. DieRe« daklioti nimmt keinen Anstand, zu erkläre», daß sie e« für eine sehr unwürdige Geschichtssälschung hält, wenn man„Lassalle's Duell" zu einem „Gebenkblatt des großen Borkämpfers für das Wohl der Arbeiter" stem- pcln, d. h. jenes Duell canonisiren will, indem man indirekt die Täu- schung versucht, Lassalle habe sich>m Interesse der Arbeiter duellirt.— *') Siehe Dictzgens„Kritik der reinen und praktischen Vernunft" (unter dem unscheinbaren Haupttitel„Da« Wesen der menschlichen Kops- Geistesrichtungen in eminent harmonischer Weise: er will das Glück des Einzelnen und der Gesammtheit begründen und zwar das Eine durch das Andere. Ja, man könnte sagen, daß die scheinbaren Gegensätze von Materialismus und Idealismus noch nie einen so herrlichen Vereinigungs-Triumph gefeiert haben, wie in der sie beide versöhnenden und dauernd verbindenden sozia- listischen Idee, in welcher das Besondere, der Materialisnins, aufsteigt zur Höhe des Allgemeinen, zum Idealismus.-— Doch hören wir, wie der Verf. deS(weil„materialistischen") Sozialismus„Znkunftslosigkeit" begründet:„Daher(durch seinen materia- listischen Geist) hat der Sozialismus seinen gefährlichsten Gegner in sich selbst, denn es ist mit der Herrschast des Materialismus nothwendig(!) die innere Auflösung und innere Zersetzung gegeben. Ja diese wird schon eintreten, ehe das Ziel erreicht und die alte Gesellichaft gestürzt ist. Ein Blick auf die Erscheinungen in den Kreisen der Sozialisten belehrt uns zur Genüge hierüber. Der Trieb zu Spaltungen ist dem modernen Sozialismus immanent(?) und bildet eins seiner wesentlichsten Kennzeichen. Der Materia- lismus kann ja blos eine vorübergehendes!) Einigung der Geister herbeifiihren; sobald es sich darum handelt, die gemeinsamen Pläne in die Wirklichkeit überzuführen, jmuß(!) die Eoalition der Sozia- listen durch die Ueberwucheruug der persönlichen Leidenschaften un- Heilbars?) geschädigt werden. An derselben Ursache wird auch jede sozialistische Organisation der Gesellschaft nothwendig scheitern müssen. Wie die Republik Republikaner verlangt, so bedarf eine sozialistische Gesellschaft in noch viel höherem Grade der freiwilligen Disciplin, diese fehlt aber auf dem materialistischen Boden noch weit mehr als in der normal zusammengesetzten Gesellschaft und deßwegen mußs!) das Privateigenthum sein. Schon die einfache Frage»ach der Führerschaft bringt Egoismus und Herrschaft mit allen häßlichen Leidenschaften zu Tage. Daher(!) kann der Sozia- lismus wegen feines durchaus(!) materialistischen Charakters nur zerstören, aber nicht aufbauen. Das vollendete Chaos(!) würde eintreten, sobald den Sozialisten die Möglichkeit gegeben wäre, ihre Theorien praktisch zu machen und die Gesellschaft nach ihren Plänen neu)zu gestalten. Eine Zeit lang könnte sich der soziali- stische Staat noch halten, aber bloß dadurch, daß seine Gliederung, die theoretisch auf weitestgehender Autonomie beruhen sollte, in eine despotisch zusammengehaltene verwandelt würde. Bald miißte(!) auch diese unter den Schlägen eines herrschsüchtigen Imperators zusammenbrechen, und so unnatürlich der Eäsarismus auch ist, so wäre er doch in diesem Falle noch eine Wohlthat für die Gesell- schaft; sie hätte die Freiheit nicht wieder erlangt, wohl aber wenig- stens eine sichere Ordnung.(!) Daher»uißte(!) ein Sieg des Sozialismus naturgemäßer(!) Weise zugleich der Wendepunkt zu seinem Untergang hm sein, denn die Auslösung der sozialistischen Gesellschaft im entsetzlichsten Bürgerkriege ist eine in ihrem inner- sten Wesen begründetes!) Nothwendigkeit.s!) Freilich lassen sich darauf noch keine Hoffnungen für die Anhänger der natürlichen Sozialordnung bauen...... Die sozialistische Irrlehre muß aus geistigem und besonders auf moralischem(!!) Gebiete erst llbcrwun- den werden; erst dann kann man von einem wirklichen Siege der Ordnung und Freiheit sprechen, erst dann verschwindet die Gefahr für die Gesellschaft." Sehen wir uns dies etwaS näher an! Seite 467(und noch an einer andern Stelle) hat der Verf. eingeräumt, daß das„leben- digc Mitgefühl für die Menschheit" den Materialisten zum Sozialismus führt— also damit zugleich eingeräumt, daß dieser „Materialist" kein bloßer„Materialist", sondern Materialist und Idealist sei—; hier schiebt er diesem verhaßten„Materialisten" wieder alle nur denkbaren bösen Eigenschaften und niedrigen, ge- meinen Triebe zu. Er hält es für unmöglich, daß die Men- scheu(weil sie jetzt noch so thöricht sind) chereinst so vernünftig sein könnten, einzusehen, chaß das G esain m t iiiteresse zugleich das Einzel interesse fördert-— In der That nämlich liegt in der spezifisch„materialistischen" Seite deS Sozialismus gerade dessen Stärke(statt, wie der Verf. meint, Schwäche); es ist dies die vernünftige Einsicht, daß jeder Einzelne ein Interesse daran habe, daß der Andere glücklich sei, weil, wenn des Einen Glück gefährdet, auch das des Andern nicht gesichert ist. So wie diese Einsicht— und zwar in Folge deS vermaledeiten sogen.„Materialismus"— möglichst weit Platz gegriffen hat, verschwindet auch die vom Verf. als„begründete Nothwendigkeit" an die Wand gemalte Uneinigkeit, welche„durchaus" den Bau des Sozialismus zertrümmern müsse, und wird die„Eoalition der Sozialisten" vor der„Ucbenvucherung der persönlichen Leidenschaften" möglichst geschützt. Der Verf. schließt von den heutigen Spaltungen der Sozialisten ans die Zukunft. Wir behaupten aber, daß die Ur- Heber der gegenwärtigen Spaltungen gar keine Sozialisten sind, sondern sich nur fälschlich als solche geriren.— Und giebt es etwa in der Partei der Besitzenden weniger-„Spaltungen"? Gewiß nicht. Ebensowenig wie dort die„Führerschafts"- und Aemterjägerei mit ihren Eonsequenzen zu den überwundenen Dingen gehört. Der große Fehler, den der Verf. an dieser Stelle begeht, liegt also darin, daß er allgemein menschliche Fehler auf Conto des Sozialismus schiebt, beziehentlich gar diesem zumuthet, alle„häßlichen Leidenschaften", die durch eine vieltausend- jährige Geschichte unserer Natur eingeprägt sind, über Nacht aus eiümal wegzurasiren. Das geht natürlich nicht. Die heutigen Menschen müssen so verbraucht werden, wie sie sind; einen bessern Schlag heranzuziehen, das ist Aufgabe der Zukunft. Und jener zukünftige Menschenschlag wird ebensoviel Gemeinsinn haben, daß ihm das nothwendige Maß„freiwilliger Disziplin" nicht arbeit"), eine neue philosophische Ertenninißiheorie, die man„da» Sysiem des Allgemeinen und Besonderen" nennen könnte, begründend.(Ham- bürg, Meißner 1869.) abgehen, ihn„despotisch zusaminenzubalten" also unnöthig sein wird.— Alle Ausführungen des Verf. brechen somit der Prä- misie zusammen, daß der sogen.„Materialismus" ein Laster sei. Und ebenso verzweifelt sind auch die letzten Schlüsse, zu denen sich der Verf. gedrängt fühlt. Er will— wie wir sahen— die „sozialistische Irrlehre" auf„geistigem und besonders moralischem(!) Boden überwunden" sehen. Aus„geistigem" Boden— dieses Wort hätte unter Umständen einen Sinn; aber was heißt: auf „moralischem"? Nun, das ist unschwer zu enträthscln. Der Verf. genirt sich, zu sagen: auf„kbligiösem"; darum wählt er ein minder ver- rufeues Wort:„moralisch". Dies geht unzweideutig aus dem vom Verf.(in gleicher Weise wie gegen den„Materialismus") gegen den„Atheismus" kundgegebenen Widerwillen hervor, sowie aus seiner wiederholten(in verschiedenen Formen gehaltenen) Bemerkung, daß„das innerste Wesen des modernen Sozialismus im Abfall von der Autorität liegt"— einer durchaus richtigen Bemerkung. Dieses Verbrechens haben sich aber(nach des Verf. Ansicht) auch andere Gesellschaftsschichten schuldig gemacht, und er sagt daher:„Das zu lösende Problem besteht in der Wiederherstellung(Nein! In derHerstellung. Der Recensent.) der natürlichen Sozialordnung, und der erste Schritt hierzu wäre die Anerkennung, daß die höheren Schichten der Gesellschaft selbst vielfach von dieser natürliche» Ordnung abgefallen sind. Wenn schon die Lösung der sozialen Frage vorwiegend auf geistigem und moralischem(!) Gebiete erreicht werden muß, so gilt dies in noch viel höherem Grade für den Sozialismus." Also wieder einmal „moralisch".„Wir glauben daher, daß die bisher vorgeschlagenen Reformen den Sozialismus nur wenig berühren werden", und zwar sowohl die seitens der Regierung in dem bekamtten„Provinzial- correspondenz"-Artikel vom Septbr. 72 kundgegebenen„Reform"- Pläne, als die des Eisenacher Kathedersozialistencongrcffes. Was denn? Hier sollte man doch nun etwas Radikaleres erwarten, etwas was über jene Reformpläne hinausgeht! Allein man sucht vergebens darnach; es findet sich nichts.— Doch halt! Etwas findet sich doch, und zwar auf dem„geistigen und besonders mo- ralischen Boden." Der Verf. sagt nämlich»ach Auszählung der bekannten Kathedersozialistenmittel:„Auch Polizeimaßregeln gegen die Verbreitung sozialistischer Irrlehren werden sich, wie die Dinge gegenwärtig liegen, nicht umgehen lassen."(„Geistiger und besonders moralischer Bode»"!)„Dabei ist fteilich zu bedenken, daß solche Maßregeln das Uebel meist verschlimmern(ah!), daß sie die soziale Spaltung vertiefen."— Diese Sätze kennzeichnen die Rathlosigkeit, in der sich der Verf. gegenüber dem Soziä- lismus befindet. Wir fügen, um diese noch mehr zu charakterisiren, hier ein, daß der Verf. Seite 130, bei Erwähnung des RUder'schen Polizeiverbots in Leipzig, hinsichtlich desselben bemerkt:„— ein wenig ersprießliches Mittel." Die Rathlosigkeit des Verf. erreicht ihre Höhe in der Schluß- betrachtnng:„Durch die Anwendung der im Vorstehenden aufge- zählten Reformen und Maßregeln möchte eS wohl gelingen, der sozialistischen Agitation manchen Stoff zu entziehe» und ihr sehr vieles Menschenmaterial abwendig l!?) zu machen, obgllich das Wesen des Sozialismus, der grundsätzliche Abfall von Eigenthum mit den daraus folgenden Consegucnzen nicht im mindesten berührt wird. Es wäre daher auch irrig, zu glauben, daß auf diese Weise der Sozialismus gebannt werden könnte. Seine Wurzeln liegen auf moralischem Gebiete(Zum dritten Mal„moralisch"!) und auf diesem hat die Staatsgewalt den allergeringsten Einfluß."(Sehr schlimm das und ein Beweis dafür, daß die heutige Staatsgewalt eben die Moral Moral sein läßt und einen eigenen, verbotenen Weg wandelt. Und dann wundert sich der Herr Verf. noch über unfern„Abfall von der Autorität"?)„Denn obgleich in jenem Gebiete der Schlüssel für fast alle sozialen Vorgänge liegt, so ist es doch dem Wirkungs- kreise der politische» Mächte am meisten entrückt. Blos durch Unterricht und Verbreitung von Bildung kann der Staat hier wirken; aber wie wenig mächtig auch dieses Mittel ist, beweist allein schon der Umstand, daß gerade die bedeutend- sten Sozialisten unserer Zeit, Marx und Lassalle, Män- »er sind, denen Niemand Mangel an K.enntnissen und Bildung wird vorwerfen können. Den Arbeiter durch Bil- dung über seine Lage trösten, das heißt: ihm Steine geben statt des Brodes und eine Hanptseite der sozialen Frage, die Magen- frage(Pfui! So ein unschönes Wort auf den„geistigen und be- fonders moralischen Boden" zu bringen!) übersehen. Die soziale Frage ist ihrem Wesen nach eine ethische(zum vierten Mal„mo- ralisch"!), der Sozialismus kann daher blos auf diesem Gebiete dauernd überwunden werden." Aber wie? Daraus bleibt uns der Verf. die Antwort schuldig. Er schließt mit jenem Gedanken fein Buch und überläßt es uns, je nachdem wir Lust haben oder nicht, uns darüber den Kopf zu zerbreche», was er sich eigentlich unter dem„geistigen und besonders moralischen Boden" gedacht hat, und inwiefern die„Magenfrage" eine„ethische" ist, statt eine ökonomische. Ein hübsches Plaisirchen fürwahr für Solche, die nichts zu thun haben! Wir gehören nicht zu diesen Scheinglücklichen; wir haben uns noch viel mit den Detailausstellungen, die der Verf. am Sozia- lismus macht, abzugeben. Politische Uebersicht. In der„Wissenschaftlichen Beilage" der„Kgl. Leipziger Ztg." vom 16. März findet sich der Schlußartikel eines Aufsatzes über die Communerevolution, verfaßt von einem militärischen deutschen Zuschauer. In diesem Artikel wird— obschon der Verfasser i» dem Petroleum- und Mordbrenner-Märchen befangen ist— doch Vieles zugestanden, was unsererseits von Anfang an behauptet wurdez so z. B. daß die Versailler Bomben enormen Schaden in der Stadt angerichtet haben(namentlich auf dem Boulevard des Italiens und dem Concordienplatz), und daß die Communards „Privathäuser nur dann angezündet hatten, wenn es ihnen zu Vertheidigungszwecken und um das Vordringen der Truppen aufzuhalten, von Vortheil schien. Größere Brandstätten fand man daher meist an solchen Punkten, wo Barricadeu wichtige Straßenknotenpunkte verschlossen hatten." Es ist also Un- sinn, wenn der Verfasser, wenige Zeilen vor diesem Gcständniß, uns insinuiren will, die zelstörten„öffentlichen Gebäude" wären der„Rachewuth der CommuuardS" zum Opfer gefallen. Viel- mehr wurden„öffentliche Gebäude" gerade so wie„Privathäuser" nur„zu Vertheidigungszwecken" zerstört,— eine nach dem Kriegsrecht vollständig erlaubte Handlung, welche von de» Deutschen in Frankreich bekanntlich bis zum abscheulichsten Mißbrauch aus- gedehnt wurde, indem sie zwecklos ganze Dörfer und halbe Städte einäscherten.— lieber den durch den Kampf angerichteten Schaden äußert sich der Verf. so:„Dagegen(im Gegensatz zur Zerstörung der Tui- lerien) sah ich zu meiner Freude, daß das alte Louvre, Mansard's und Perroult's Prachtbau, ganz unversehrt und auch von den neuen Louvrebauten nur der Pavillon, in welchem die Bibliothek sich befand,(Unrichtig. Die Bibliothek war schon im September 70 an sicheren Ort gebracht worden, weil man deren Beschädigung durch die Belagerung voraussah.) ausgebrannt war. Es konnte daher den weltberühmten Sammlungen des Louvre kein großer Scliaden zugefügt sein. Dagegen war das pnlsis royal, welches früher Ludwig Philipp als Herzog von Orleans und zuletzt Prinz Napoleon bewohnt hatten, ebenfalls in Brand gesteckt worden, doch hatten auch hier die Flammen nicht weiter gegriffen. Das theatre frangais und die Galerien des palais royal waren unversehrt. Auch war es um alle diese modernen Gebäude nicht Schade, wenigstens waren sie leicht wieder herzu- stellen. Einen unersetzlichen Verlust hat nur die Zerstörung des Stadthauses und seiner inneren, den Zeiten von Franz I. und Heinrich IV. entstammenden, Einrichtung bereitet." Weiter gesteht der Verf. die Scherzenrolle zu, welche die deutschen Truppen den Versailler» gegenüber gespielt haben. „Am 28. Mai wurden die letzten Insurgenten nach einem ver- zweifelten Widerstande auf dem Kirchhofe Pöre Lachaise zur lieber- gäbe genöthigt. Ein Theil derselben versuchte bei Vincennes durch die bayerischen Linien durchzubrechen, wurde jedoch entwaffnet und ausgeliefert" Und schließlich wird uns Folgendes enthüllt:„Die Verluste der Versailler Truppen wurden zu 3 bis 4000 angegeben, und dies ist immerhin glaublich, da sie im Allgemeinen mit großer Vorsicht vorgingen und die in den Straßen errichteten Barricaden nur sehr ausnahmsweise von vorn, in den meisten Fällen durch Um- gehung nahmen." Erwägt inan nun, daß in dem Ltägigen Straßenkainpse gegenüber den 3— 4000 Versailler» 40,000 Com munards umgekommen sind, so muß es wohl auch dem blödesten Auge klar werden, daß Massenmetzeleien nur seitens der Versailler verübt worden sind. 4000 gegen 40,000 gehalten— ergiebt: daß die Versailler für jeden ihrer regelrecht im Kampfe Gefallenen zehn Unschuldige massakriren iießen.— lieber den Stand der Tinge in Spanien schreibt der bür- gerlich-demokratische„Corsaire" von Paris unterm 8. April:„Die Regierung von Madrid verspricht immer energische Maßregeln gegen die Karlisten, allein während diese Maßregeln auf sich warten lassen, wimmert Herr Figueras' die föderalistischen Demokraten von Barcelona an, daß es die erste Pflicht der Republikaner sei, die Ordnung um. jeden Preis aufrecht zu erhalten. Die Repu- blikaner könnten ihni antworten, das wirksamste Mittel zur Siche� rung der Ordnung sei: den Karlistischen Aufstand zu unterdrücken; und die Aufregung in Barcelona sei einzig der Befürchtung zuzuschreiben, daß das Mimsterium in Erfüllung seiner Ausgabe erlahme. Gewiß ist: in Barcelona herrscht eine große Erbitte- rung gegen die Karlisten, die Regierung und die Pfafsen. Man beschuldigt die religiösen Anstalten, die Karlisten mit Waffen und Kriegsmaterial zu unterstützen; und die Einwohner scheinen nickt länger gewillt, die Propaganda des Klerus zu Gunsten des Kronprätendenten länger zu dulden.— Trotz der beruhigenden Rundschreiben deö Ministeriums läßt die öffentliche Sicherheit in mehreren Provinzen viel zu wünschen übrig. Einem Gerücht zufolge soll in Katalonien der Belagerungszustand proklamirt werden, woraus zu schließe» wäre, daß die Karlistischen Banden sich in dieser ganzen Provinz verbreiten. In Malaga haben die Bürger selbst die Vertheidigung der Ordnung in die Hand genommen und fordern von der Regierung nichts, als ihnen keine Trup- pen zu schicken. Das ist ein gutes Exempel, welches man in Katalonien befolgen sollte. Nach Berichten aus Madrid hofft das Ministerium sich bis zum Zusammentritt der konstituirenden Kortes (die mi Laufe dieses Monats gewählt werden sollen) behaupten zu können." In seiner Nummer vom 9. April schreibt dasselbe Journal: «Die Mäßigung der Herren Figueras und Castelar kommt hauptsächlich ihren Feinden zu Gute. Zu diesem Schluß muß man gelangen, wenn man die letzten Telegramme aus Madrid liest. Das neue spanische Ministerium findet die Situation sehr zuftieden- stellend, aber das Gleiche ist nicht bei den Republikanern von Barcelona der Fall, welche die Thaten der Karlisten in der Nähe sehen. Während Tristany und Saballs(zwei Karlistische Banden- führer) mit einer Unparteilichkeit, welche anzuerkennen ist, die Kir- chen und Bahnhöfe anzünden, scheint die Regierung in Madrid an nichts anderes zu denken, als ihre Achtung vor der Gesetzlich- keit zu beweisen, indem sie den Belagerungszustand in Katalonien zu proklamiren verweigert. Wie zu erwarten war, haben diese„konstitutionelle»" Skrupel nur die Kai listen ermuthigt und die Republikaner erbittert, welche durch die Reglernng verhindert werden, die nölhigen Maßregeln zur Wiederherstellung der Ordnung zu ergreifen. Die letzte De- monstration der föderalistischen Republikaner i» Barcelona ist nur durch den Indifferentismus provozirt worden, mit welchem die Madrider Regierung die karlistische Insurrektion zu behandeln fort- fährt. Das Volk verlangt, daß man neue FreiwilligenkorpS zur Bekämpfung der Anhänger der Legitimität bilde; und selbst in den baskischen Provinzen zeigen die Lokalbehörden sich sehr geneigt, ein gleiches System anzubahnen, wie das, welches die föderalistischen Republikaner von Katalonien vorgeschlagen haben. Es handelt sich darum, das Verinögen aller Derjenigen zu konfisziren und sie sonst streng zu bestrafen, welche ihren Wohnort verlassen, um sich den karlistischen Banden anznschließen; alle Orte rasch so zu befestigen, daß die Karlisten sich nicht hinein flüchten können, wie sie es bis jetzt gethan haben. Ans diese Weise würden die CabecillaS(kleine Häuptlinge, Führer kleiner Bande») bald zu dem Range einfacher Wegelagerer und gemeiner Räuber reduzirt und die Rekrutirung und Verproviantirnng der Banden fast ün- möglich werden. Wir wissen nicht, ob das Madrider Ministerium die von den Republikanern Kataloniens vorgeschlagene Taktik gegen die Karlisten billigen wird. Auf alle Fälle ist gewiß, daß es ein praktischeres Programm schwerlich finden wird." So weit der„Corsaire". Seitdem Obiges geschrieben, ist fast eine Woche verstrichen— geändert hat sich eben nichts. Es ist wahr, die Regierung hat eine sehr tapfere Proklamation erlassen, allein mit derarliger Makulatur machen die Äarlisten sich Patrone». Dieses unglückliche Geschlecht der Parlamentler und Schönredner hat vor dem Wort— dem gesprochenen wie gesckriebenen und gedruckten, einen so heidenmäßigen Respekt, daß es sich einbildet, zedeS andere Menschenkind müsse von ähnlichem Respekt erfüllt sein. Es giebt auch eine beträchtliche Anzahl von Duslern, bei denen dies zutrifft; aber die Karlisten gehören jedenfalls nicht dazu. Sie haben sich in ein Unternehmen gestürzt, dem nur durch die rücksichtsloseste Energie der„Erfolg" gesichert werden kann, ein Unternehmen, bei dem sie, gleich anderen Abenteurern, die ihre Haut zu Markt tragen, in möglichst rascher und gründlicher Ein- schüchterung lind Unschädlichmachung des Gegners ihr einziges Heil erblicken. Wie der Räuber der Apeninnen und der Romagna nicht aus persölilichem Haß, sondern aus Prinzip und als guti gläubiger Christ, im Namen Gottes und der Jungfrau seinen G faugnen die Ohren, mitunter sammt dem Kopf abschneidet, befördern die Herren Karlisten ihre wehrlosen Gefangenen v Jenseits, petroliren mit ächt preußischer Virtuosität Städte uü Dörfer— nicht aus Zerstörungswuth— bewahre!— nein, an Prinzip, im Namen des Himmels und seiner Heiligen; daii Herz voll hehrer, eines deutschen Kreuzzeitungsritters und Bismarck- scheu Krautjunkers würdigen Begeisterung für das Kön'gthum vo» Gottes Gnaden und die Krone, die nur vom Tische des Herr« nicht aus gemeiner, durch ihre bloße Berührung sie befleckend« Menschenhand genommen werden kann. Das„Prinzip" ist bei Beiden das Nämliche— es ist das„Prinzip" des Raubthiers, welches zu seinem Niitze» und Vergnügen das schwächere oder fried- lichere Geschöpf zerreißt und auffrißt. Und die nämliche Tattih die gegen die Raubthiere befolgt wird, muß auch gegen deren zweibeinige ungesiederte Nachahmer befolgt werden: entweder mans fängt sie ein und zähmt sie allmählig— unser Haushund, ,> Freund des Menschen" soll ja ein zivilistrter Abkömmling dl Wolfs und des Fuchses sein— oder man schlägt sie todt. Mil schönen Worten ist da nichts auszurichten; und die glänzends Rede und beststilisirte Proklamation der Schwatz-Firma Figuerat Castelar bringt auf die Karlisten genau dieselbe Wirkung hervori die sie auf Wölfe, Lüchse, Tiger und sonstiges vierbeiniges Unge-. ziefer hervorbringen würde. Die Herren in Madrid sollen nur die Arbeiter bewaffnen und wir garantiren daftir, in vier Wochen ist Spanien von dein königlichen Raub- und Petroleumschwindel befteit. Aber die Ar beiter bewaffnet! Wäre das nicht eine Gefahr für dii heutige Ausbeutungsgesellschaft, der die Herren Figueras Castelar ebensogut aiigehören, wie die mordbreuneril scheu Karlisten? Da liegt der Hase im Pfeffer!— Wir erwähnten in einer früheren Nummer, daß die Bersaillet Krautjunkelversammluiig einen Antrag, für ftanzösische Arbeiter, welche die Wiener Jndnstrieausstellung besuchen würden, die Sumntt von 100,000 Frcs. auszusetzen, verworfen hat. Dieser skandalöse Beschluß vcranlaßte den„Corsaire" eine Privatsubskription zn eröffnen, durch deren Ertrag eine kleine Zahl von Arbeitern in den Stand gesetzt werden sollte, die Wiener Ausstellung zu be- suchen. Diese Subskription hat einen unerwarteten Erfolg gehabt Binnen 10 Tagen sind 21,000 Franken zusammen gekommen, unk es ist keineswegs unwahrscheinlich, daß die ganze bei der National- Versammlung beantragte Summe aufgebracht werden wird/ Dit uns vorliegenden Listen sind in sofern sehr lehrreich, als auf den selben die Bourgeoisie durch Abwesenheit glänzt. Nicht Einel der reicheren Arbeitgeber, nicht Eine größere Gcschäftsfirma hat. sich betheiligt! Eine-Engherzigkeit, die von dem bürgerlich-republi kanischen„Corsaire"-streng gerügt wird, die uns aber nicht ii« Mindesten wundert. Wir kennen unsere Bourgeois! Das Reise« ist ein Mittel der Bildung, und„intelligente" Arbeiter kann du moderne Gesellschaft ebenso wenig brauchen, wie der moderne Staat„intelligente Bayonnette."— "Daß Netschajeff— wie verschiedene Zeitungen inelden sich auf dem Wege nach Sibirien erschossen habe, ist bei der strew gen Uebenvachung der nach Sibirien Verurtheilten ganz unmöglich Viel wahrscheinlicher ist, daß er vor Abgang des Transports oder unterwegs»ach russisch- bestialischer Sitte zu Tode geknutet worden. Wie dem auch sei, ob nun Netschajeff, um seinen spen* kern zu entgehen, Hand an sich gelegt hat,- oder von ihnen er-! mordet worden ist— gleichviel, seine Mörder sind jene Elenden, die ihn der russischen Regierung ausgeliefert haben.— Zur Volksverdummung. Zum.Charfreitag haben die Gelehrten des„Neuen Sozialdemokrat" gleich den übrigen llnfehl- barkeitspfaffen ihren Gläubigen eine Predigt auftischen müssen Dieselbe ist in dem„saftigen" Stil unseres II(asselmann) und schließt, nachdem wir erfahren, daß„auf Golgatha und Satory dasselbe Märchrerblnt geflossen", mit den Worten: „Jesus vo» Nazareth ist todt; schlaue Pfaffen verstanden es, aus seiner Lehre die Gleichheit, die Brüderlichkeit, die Güter- gemeinschaft fortzulügen. Was hilft es ihnen? Dem Tod der Lehre folgt ihre Auferstehung. „Und so rufen wir Sozialisten als ächte Christen am 11. April, daß es allen Betrügern und Ausbeutern in die Ohre« schallt: „Jesus von Nazareth ist todt! Es lebe Ferdinand Lassalle!"— Mit Mühe und Noth fängt die Welt jetzt an, von dieser„acktzehnhnndertjährigen Krankheit" des ChristenlhumS zn genesen, und da kommt ei» Blatt, welches sich Organ der„Sozial- demokratie" nennt, ja das einzig wahre Organ der einzig wahre» Sozialdemokratie— und sucht den Arbeitern das alte, glücklich ausgeschwitzte Gift unter neuem Namen wieder in den Schädel zu schaffen. Jesus von Nazareth, wenn er überhaupt gelebt hat— was sehr zweifelhaft— war ebensowenig Sozialist, als Lassalle Christ. Die Demuth, die sich, die Feinde segnend, den Widerstand verdammend, ruhig an's Kreuz schlagen läßt— und der wilde revolutionäre Trotz des Proletariats, der, kämpfend ge sangen, dem siegreichen Feind seine Verachtung iu s Gesicht speit, haben gerade so viel mit einander gemein, wie Tölcke's Knüppel, der in Eisenach sich so lammfromm zeigte, und die pulvergeschwärzte Büchse des Pariser Communehelden. Und den Gründer des Allgemeine» Deutschen Arbeitervereins unter die Heiligen versetzen und anbete», ist genau ebenso blödsinnig oder— bauernfängerisch, als der Cultus der„Jungfrau von Salette" oder der„Knochen des Heiligen von Pruntrut."— Und schließlich, Hr. Hasselmann: wo haben Sie gelernt, daß eine„Lehre", die„todt" ist, wieder„auferstehen" kann? Hat der Sozialismus, der das Kind der modernen Gesellschaft ist— und nicht Ferdinand Lassalle's, wie Sie bei Ferdinand Lassalle nach- lesen können!— früher schon einmal bestanden, und ist unter gegangen? Um Antwort wird gebeten.— „Eine internationale Diebsbande ist hier festgenommen worden", telegraphirt man aus Brüssel unterm 8. April. Nur — leider nicht: die, denn die internationale Dicbsbande treibt nach wie vor ihre Geschäfte in allen Hauptstädten der alten und neuen Welt.— Gewerksgenossenschaftliches. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Kannover, 14. April. In der Generalversammlung an« 7. April d. I. wurde als Bevollmächtigter Sewig, Ballhofstraße?; als Kassirer Weinand; Unterzeichneter als Schriftführer und als Revisoren Eberhart, Wagner und Zimmermann gewählt. Zimmermann, Schnftf. guti i G t, Internationale Gewerkschaft der Schuhmacher. Aresdcn.(Abrechnung des Vororts Dresden bis mit 3t. Btärz 1373.) Kasienbestand Neujahr 1873 Thlr. 139. 8. 1.; Beitrag i">* aus Leipzig bis mit Dezember Thlr. 2. 1.; aus Erfurt 3. 2. 5.; aus Meerane 2. 23.; aus Celle—. 10.; aus Gotha 1. 24.; aus Erfurt 3. 13. 2.; aus Dresden 2. 4.; aus Würzburg 8. 14. 2.; dal aus Gießen—. 28.; aus Chemnitz 1.; aus Nürnberg 16. 28. 8.; larch aus Pforzheim 5. 18.; auS Offenbach 7. 1. ö.; aus Weimar 2. 6. 5.; voT aus Erfurt 8. 16. 7.; aus Regensburg 2.; aus Gotha 1. 24.; »erritj aus Chemnitz 1.; aus Braunschweig 12. 9. 5.; ans Leipzig 4. 18. 5.; aus Negcnsburg 2. 21. 5. Summa Thlr. 230. 8.—. Ausgabe. Monat Januar: für Agitation nach Thüringen Thlr. 5.; für Porto incl. Verwaltung und div. Ausgaben 6. 14. 2. Februar: srieb-! Unterstützung nach Mainz 15.; für Porto incl. Verwaltung nebst akti� oiv. Ausgaben 5. 22. 9. Marz: für die Buchdrucker nach Leipzig deren II.- f�tr schriftliche Arbeiten von August 1872 bis mit Mai 1873 111311 5.; für Porto und weitere Ausgaben incl. Benvaltung 8. 10. 1. „der Summa Thlr. 57. 17. 2. Abschluß. Einnahme: Thlr. 230. 8.—. Ausgabe: 57. 17. 2. Kassenbestand: Thlr. 172. 20. 8.; davon gehen ab 30.—.—. Strike- Unterstützung nach Pforzheim und Würzburg, bleibt: b42. 20. 8. Revidirt und richtig befunden A. Stengel. Schölzel. Neißner. d,B. Im Anschluß an obigen Kassenbericht richten wir An- gesichtö der bedeutenden Ausgaben an alle restirenden Mitglied- 11 schaften die Bitte, umgehend Abrechnung einzuschicken. Bezüglich den1 her Generalversammlung erwarten wir, daß alle Mitgliedschaften Ar- jh� Schuldigkeit thun. Für die. Verwaltung: Zilger. endl st bl siev d Mi! !nd era> rvorl Inge- : dii ras icri' Correspondenzen. Leipzig. Auflösung eines Vereins.„Registratur, den Allgemeinen Arbcitcr-Verein zu Nenschönefcld betr. „Beschluß. „Die Vereinsstatuten verstoßen zunächst gegen§ 22 des Ge- Jjj fetzes vom 22. Novbr. 1850, wonach nicht, wie§ 2 der Statuten m oj zugelassen ist, Jeder, sondern nur dispositionsfähige(großjährige) Personen zur Theilnahme zugelassen werden dürfen; demnächst ist aus den Statuten nicht zu ersehen, auf welchem Wege der in tz 1 derselben nur sehr allgemein angegebene Zweck des Vereins, die Würde und das materielle Interesse seiner Mitglieder, wie der gesammten Arbeiterklasse, zu wahren und zu fördern, erstrebt wer- den soll. Wenn nun ferner die Mitglieder des Vereins dadurch, daß sie E. Seyffert in Ncnschönefeld und O. Stelzer in Reudnitz ha�. zu Vorstehern gewählt haben, obschon dieselben der unter dem illerl eiter, immj alösej InH WM bo habt. undj inab Diä dem linü, ubli treiv glich oder! Skameii sozial-demokratische Arbeiterpartei bestehenden Vereinigung t im als Mitglieder angehören, welche im Jahre 1872 verboten(!!) dssen e i die Jen« worden ist, die Vermuthung gegen sich gelten lassen müssen, daß der ncugegründete Verein nur eine neue Auflage desjenigen Vereins sei, welchen unter dem Namen„sozial-demokratische Arbeiter- Partei" O. Stelzer im Jahre 1872 bereits in Anger zu gründen versucht hat, mit diesem Versuche aber, weil die Tendenz deS Vereins gegen die Vorschrift der§§ 20 und 24 des Vereinsgesetzes vom 22. November 1850 verstieß, unter Bestätigung seitens der Königlichen KreiSdirection abgewiesen worden ist, und weil ferner utet aus dem Umstände, daß man auf mehreren Orten der Umgegend Hem von Leipzig ähnliche Vereine mit wörtlich gleichlautenden Statuten 1 er] zu gründen unternommen hat, zweifellos hervorgeht, daß der neu- jene! gegründete Verein der Vorschrift des tz 24 des Vereinsgesetzes zu- -ferfl wider Zweigvereine bilden, oder sich niit anderen Vereinen in i Verbindung setzen will; so ist auf Grund des tz 25 des angezo- d« genen Gesetzes der am 4. März d. I. in Neuschönefeld unter dem Iftht' Namen„AUgemeiner Arbeiterverein zu Neuschönefeld" gegründete Verein, wie hiermit geschieht, wieder aufzulösen und die Theil nähme daran, bei Vermeidung der gesetzlichen Strafe, verboten, wessen der provisorische Vorstand zu bescheiden. Leipzig, am 31. März 1873. Königliches GerichtSamt I. Litzkendorf." In diesem Erlaß ist nur ein geschlicher Auflösungsgrund find bar: nämlich der zu Anfang des Rejcripls gedachte, wonach nicht „Jeder", sondern nur„dtspositionsfähige" Leute einem politischen Berein angehören dürfen. Wir rathen daher den Gründern des Vereins, unter Vermeidung dieses Formfehlers sofort neue Statuten einzureichen,— gleichviel ob sie Stelzern und Seifferten wieder zu Vorstehern wählen wollen oder nicht. Ein Hiuderiingsgrund tonnen die genannten Personen unter keinen Umständen sein— das möge sich das Königl. GerichtSamt wohl gesagt sein lassen—; denn jeder„Dispositionsfähige", der Mitglied eines Vereins sei» darf, kann auch Vorsteher desselben sei», ohne daß dessen Vor- standschaft einen Grund zur Auflösung des Vereins abgiebt. Lluch ist das Königl. Gerichlsamt in völliger Unkenntniß seiner Compe- stalle tenzen, wenn es behauptet, die Statuten müßten minutiöse Auf- lder-l kläruug darüber geben,„ans welchem Wege" der Vereinszweck er- der! reicht werden soll. Nach Z 19 Abs. 2 des Vcreinsgesetzcs haben die . Statuten unter Anderm wohl de»„Zweck" des Vereins anzn- speit, � geben, nicht aber,„auf welchem Wege" jener erreicht werden soll. ppel„' Das Königl. Gerichtsamt hat zwar das weitdehnbare Recht, von �All kCm Erstand des Vereins„alle ans den Verein bezügliche Aus- und , als- des -ssen und itorv »den ütcr l der ai» >hren and V0N! � zu izial ihren cklich -l zu t— daß- t der- und nach- nter- imen Nur ande alten am Z-7; als fc tf. fünft" zu verlangen, nicht aber einen Verein aufzulösen, weil dieser es für unnöthig hielt, in seinen Statuten anzugeben, daß „gesetzlich" und„ohne Gewalt" vorgegangen werden soll. Möge sich das Königl. Gerichtsamt dies gesagt sein lassen und nicht— indem es in willkürlichster Weise die Gesetze auslegt und verletzt — die Achtung vor den Behörden im Publikum noch mehr schä- digt, als dies im Allgemeinen bisher schon geschehen ist. Was soll man auch von einem Gerichtsamt denken, welches behauptet, die sozialdemokratische Partei wäre„im Jahre 1872 verboten wor- den",— wissend, daß sich dieses Verbot, vom Leipziger Polizei- amt ausgehend, nur auf die Stadt Leipzig beziehen konnte, nicht aber auf den Bezirk des Gerichtsamts 1? (Nachdem Vorstehendes geschrieben, wird uns die Mittheilnng, daß das abgedachte Gerichtsamt I. auch eine von den Herren Hoffmann und Richter angemeldete Versainmlung(mit der Tagesordnung: 1) Auflösungsbescheid des Gerichtsamts I. 2) Die Arbeiterbewegung) kurz»ach ertheilter Genehmigung wieder verboten habe und zwar durch folgende Resolution: „Die Abhaltung der von Ihnen heute angemeldeten, auf morgen Abend 8 Uhr in Stötteritz anberaumten Volksver- sammlung wird hierdurch, weil sich dieselbe lediglich als eine Umgehung des unterm 2. d. M. von unterzeichneter Behörde ausgesprochenem Vcreinsverbots darstellt, untersagt,— was Ihnen unter Hinweis auf die in tz 33 des Gesetzes vom 22. November 1850 ausgesprochenen Strafen der Zuwider- Handlung und% 34 desselben Gesetzes andurch eröffnet. Leipzig, am 15. April. Königliches Gerichtsamt l. Litzkendors. Das Gerichtsamt erlaubt also nicht einmal, daß man seinen Vereins-Auflösungsbescheid dem Publikum erläutere! Und von Leuten mit solcher Kurzsichtigkeit muß man sich„regieren" und „Recht sprechen" lassen!) Danzig, 14. April. Während des StrikeS der Schisiszimmerer auf den Privatwerften wurde den in der kaiserlichen Staatswerft beschäftigten Arbeitern angezeigt, daß, wer Unterstützung an die Strikenden zahle, sofort entlassen werde, und daß, wer die Petition an das Marineministerinm unterzeichne, einen halben Taglohn ab- gezogen bekommen solle. Ebenso wurde daselbst 100 Schiffsarbeiter» gekündigt, um dadurch die Strikenden zur Wiederaufnahme der Arbeit zu zwingen. Als die Arbeit unter den alten Bedingungen wieder aufgenommen war, wurde auch diese„Kündigung" wieder zurückgezogen. So unterstützt der heutige„Staat" die Kapitalisten und fördert ihre Interessen, während das arbeitende Volk Nichts von ihm zu erwarten hat. Kannover. Zur Osterzeit verspürt hier, wie in allen großen Städten, die arbeitende Klasse auf's Empfindlichste die Wohnungs- noth. Wohnungen sind genug da; wie sollen aber Arbeiter Mieth- preise von 95— 125 Thlrn. zahlen? Die schamlose Habsucht der Kapitalisten und Hausbesitzer muß natürlich chier mit andern Orten gleichen Schritt halten. Aber auch dieser Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Erfurt, 6. April. Unter heutigem Tage hielten wir die wöchentliche Parteiversammlnng ab, in welcher auch ein Mitglied des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, Hr. Schurig, Tischler- geselle aus Naumburg, anwesend war. Die Versammlung wurde eröffnet, Hr. Schnrig zum erste» Vorsitzenden vorgeschlagen, welcher auch das Amt ohne vorherige Abstimmung annahm. Wir ließen eS geschehen, um etwaige Störungen zu vermeiden.*) Bald aber stellte sich die gänzliche Unfähigkeit desselben, eine Versamm- lung zu leiten, heraus, und wurde der Antrag gestellt, einen an- der» Vorsitzenden zu ernennen. Nun hatte Schurig nichts Eiligeres zu thun, als die Versammlung zu schließen und den anwesenden Beamten zur Hülfe und Beistand aufzufordern.- Davon wurde keine Notiz genommen und wir setzten die Versammlung fort. Wir sahen uns genöthiat, den Herrn Schurig während einer Pause Höf- lichst hinaus zu spediren.-— Was die Parteimitgliedschaft anbe- langt, so verspricht sie tüchtig zu werden, denn wir haben den „Bolksstaat" im vorigen Vierteljahr von 15 auf 45 Abonnenten gebracht, wodurch die Leser eine andere Meinung von unserem heutigen Zustande bekommen werden. Auch von Prozessen sind wir nicht verschont geblieben, lieber ein Mitglied, welches einzelne Stellen aus dem Mainzer Protokoll vorlas/ wurden acht Tage Gefängniß verhängt. Ein zweiter Prozeß wegen Gotteslästerung ist noch in der Schwebe. Mit sozialdemokratischem Gruß I.A.: Götze, Schriftführer. Aüteröogk. Wir haben hier bereits mehrere Male Volks- undauch Parteiversammlungen abgehalten, i» welchen uns die Parteigenossen Auer, Bernst-in und Kleist aus Berlin als Refereirten unterstützt haben. Wir zählen bereits 40 Mann und hoffen, daß die Bethei- ligung eine noch bessere werden wird. Auch auf daS Parteiorgan haben wir abonuirt. Trotzdem Jüterbog! eine Bevölkerung hat, die in jeder Beziehung, in politischer wie ökonomischer, so gut wie gar kein Verständniß zeigt für die gewaltigen Fragen, welche die Gegen- wart bewegen, so wollen wir doch versuchen, die Geister aufzurüt- teln und zum Kampfe für unsere Ideen anzuspornen. Bremerhaven, 22. März.(Die neuen„Internationalen".) Abermals schlagen die Herren vom Allgemeinen deutschen Arbeiter- verein auf die Älarmtrommel. Der Sommer kommt, sie brauchen Kongresse und Geld. Diesmal sind sie sogar international ge- worden, denn in einem durch alle Gauen verbreiteten Aufruf„so weit die deutsche Zunge klingt" laden sie alle Maurer und Stein- Hauer des deutschen Reiches, Deutsch-Oesterreichs und der Schweiz zu einem Monstre-Kongreß am 3. Juni d. I. nach der Kaiserstadt Berlin.— Die bisherigen Resultate ihrer natio- nalen Agitation, sowie auch der bisher unfehlbaren Organisation müssen ivohl nicht genug für ihre agitatorischen Existenzen abgeworfen haben, und deshalb gedenke« sie nun einmal vn bauque zu spielen. Um den Maurern und Steinhauern der drei große» Reiche die Nothweudigkeit eines solchen Kongresses klar zu machen, wird wie gewöhnlich als Popanz„die Coalition der Arbeitgeber", diesmal unter der Firma„Deutscher Baugewerkvcrein" hingestellt. Sodann lassen sie es sich auch nicht verdrießen, die abgenutzte und verlogenste aller ihrer Phrasen im besagten Aufruf von Neuem auf- zutischc»; sie schreiben:„Also fort mit allem Fractionshaß, Jeder ist willkommen" ic. Wenn er uns nur erst sein Geld nach Berlin geschickt hat. Nicht wahr, Ihr Herren? Man kann darauf verfthten, diesen ans den gewöhnlichsten Phrasen zusainmengestellten' Aufruf einer eingehenden Kritik zu unterwerfen.— Zur Sache nur kurz: Mögen die den, scheu Ar- beiter doch einmal aus der Vergangenheit dieser Berliner Clique gelernt haben, sich fernerhin von derselben nicht mehr nasführen zu lassen. Als Ende des Jahres 1868 durch Schweitzer die deutschen Gewerkschaften in Berlin gegründet, und später im Januar 1870, nachdem die deutschen Arbeiter Tausende von Thalern zu den Hauptkasten gezahlt hatten, wieder aufgelöst wurden— damals saßen oder standen dieselben Leute, wie heute noch Schweitzer's Spießgesellen, an der Spitze— die Gewerkschaften wurden, nach- dem durch eine absichtliche Jntrigue die Sache vernichtet war, für unpraktisch und unverträglich mit dem Prinzip der Sozialdemokratie erklärt und alle in einen Topf geworfen, und es entstand der Berliner Arbeiterbnnd. Aber wo blieben die Tausende? Ver- trauend auf ein altes Sprüchwort:„Die Dummen werden nie alle", fängt man das alte Spiel von vorn wieder an, hoffend, daß es ihnen glücken werde, auf's Neue Gimpel zu fangen und deren Gelder in den bodenlosen Schlund zu Berlin gleiten zu lassen. Berlin liegt seiner geographischen Lage nach so ungünstig, wie nur möglich für eine Gcwelkschaftsverbindnng. Sollte wirklich für die Gewerkschaften die Centralisation behauptet werden, so liegt der Mittelpunkt in Thüringen, aber nicht in- Berlin. Wenn einmal diese Berliner gewerkschaftsbildende Clique unmöglich ge- macht ist, so wird auch eine andere praktischere, nicht mehr nach der jetzigen deutsch-einheitlichen Schablone geschaffene Organisation zur Lösung dieser Frage beitragen. Die Arbeiter aber mögen an der Vergangenheit von 1868— 1870 ein Beispiel nehmen und sich ihre Leute genau ansehen, che sie denselben blindlings vertrauen. I. Scheil. Apolda. In Nr. 37 des„Neuen Sozialdemokrat" äußert sich ein gewisser Hr. Ph. Sch aub von hier über einen Versuch unserer- seits, eine Holzarbeiter-Gewerkschaft zu gründen, und gerirt sich in seinem Artikel als Bevollmächtigter des hiesigen Tischlervereins. Der oben Genannte beschuldigt Hrn. A. Müller aus Weimar, ') Wir können nicht umhin, hier»u bemerken, daß in diesem Fall die Erfurter Parteigenossen die Gutmüthigkeit zu weit getrieben haben. Eine Abstimmung bätte unbedingt vorgenommen werden sollen. Red. d. V. daß derselbe„gewaltig über den Allgemeinen Tischlerverein los- gezogen" hätte, was aber eine vollständige Verdrehung des ganzen Sachverhalts ist. Nennt der p. Schaub das ein„Losziehen" gegen die Mitglieder des Tischlervereins, die der Richtung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins angehören, wenn obengedachter Redner in wärmster Weise dieselben auffordert, eine Vereinigung zu Stande bringen zu helfen zwischen den beiden Parteien sozialistischer Rich- tung, und, wenn die Führer nicht wollen, auch ohne diese? In dem erwähnten Artikel zeigt sich einmal recht deutlich, daß Leuten von einem gewissen Charakter die Sache der Sozialdemokratie gar nicht oder weniger am Herzen liegt, als persönliches Interesse. Nicht ein einziges Mal ist es dem p. Müller aus Weimar einge- fallen, den p. Schaub oder die Mitglieder des Tischlervereins zu bearbeiten,„weil sie den„Volksstaat" nicht als jhr Organ anerkennen". Nein, er wies, wie schon erwähnt, darauf hin, in allen Stücken die Sache höher zu halten, als persönliches Interesse. Was soll man aber von einem Menschen denken, der öffentlich in einer Parieimitglieder- Versammlung„der Ehrlichen"(wie er uns zu nennen beliebt) erklärt, daß er im Geheimen gegen unsere Partei wirken und handeln wolle, der er selbst noch als Mitglied anzu- gehören behauptete? Hr. Schaub hat denn auch durch den ein- stimmigen Beschluß der Parteimitglieder, wodurch er ans unserer Partei ausgestoßen wurde, wahrnehmen können, in welchem. An- sehen er bei der Partei steht.— Ferner behauptet der betreffende Schaub, daß er dem Redner A. Müller„den Trost mitgegeben, daß er seine ganze Kraft der Erhaltung des Tischlervercins widmen wolle". Nun aber hat p. Schaub sich nicht ein einziges Mal zum Wort gemeldet, vielweniger auf die Rede des A. Müller eine Entgegnung gebracht; deshalb möchte ich ganz bescheiden fragen, worin bestand denn nun der„Trost"? Weiter will uns der p. Schaub„heimgeleuchtet" haben, am Ende gar init dem Knüppel seines Meisters Tölcke? Leute, die sich offen aussprechen, im Geheimen gegen Andere, die dieselben Ansichten haben, zu wirken, müssen vor jedem offenen und rechtlich Denkenden die Augen niederschlagen, und Hr. Schaub handelte auch ganz klug, sachlichen Disput zu vermeiden. Er sprach sich blos gegen Hrn. A. Müller aus Weimar über seine Aus- stoßung aus der Partei aus, ja er äußerte selbst gegen die Herren Giertz und Kettel aus Weimar, daß er nicht abgeneigt wäre, un- serer Partei wieder beizutreten. Seiner Zeit hat eS blos an uns gelegen, dies wieder zu bewirken. Wenn Arbeiter in die Be- strebungen der Arbeiter die Fackel der Zwietracht werfen, anstatt mit ihnen gemeinsam das gemeinsame Ziel anzustreben, so brand- marken sie sich selbst, indem sie zeigen, daß nicht die Sache, sondern die Person ihr Abgott ist. Im Namen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei: Hermann Mangner, Borsitzender. Eökn. Die Tischler-Werkstatt von Gebr. Denssen, Johannis- straße 43, ist durch Beschluß des Komitös vom 12. d. M. an für geschlossen erklärt, bis die Forderung voll und ganz bewilligt ist. Dies allen Tischlergesellen Deutschlands zur Nachricht. Das Komito der vereinigten Tischler Cölns. Elverfeld. Kleinliche Rancüne des„Neuen".— Die Redaktion des„Volksstaat" erhielt folgendes Schreiben:„Ich ersuche die geehrte Redaktion um gef. Aufnahme folgender Zeilen, welche ich unter dem heutigen Datum an die Redaktion des„Neuen Sozialdemokrat" gerichtet habe:„Zu meinem größten Erstaunen habe ich in Nr. 42 des„Neuen Sozialdemokrat" gelesen, daß Sie die Ihnen eingesandte Annonce(Empfehlung meiner Wirthschaft) verstümmelt haben, und anstatt zu drucken:„„Volksstaat" und „Neuer Sozialdemokrat" liegen auf!" sich damit begnügen, zu sagen: „Der„Neue Sozialdemokrat" liegt auf", und den„Bolksstaat" ganz weglassen; für die Zukunft muß ich mir eine solche Willkür mit meinen Geschäftsannoncen sehr verbitten, und ersuche Sie hierdurch, vorstehende Zeilen in Ihrer Zeitung zum Abdruck zw bringen. Ergebenst A. Bröcker. Elberfeld, den 13. April 1873." Dieses läppische Gebühren des„Neuen"— sich zu scheuen, seinen Anhängern mitzntheilen, wo der„Volksstaat" ausliegt � harmonirt prächtig mit seiner sonstigen GroßmachtSthuerei. Die wüthcndsten Tyrannen sind eben immerzugleich die feigsten! Die Knüppelianer vermögen wohl eine Versammlung z» sprengen, fürchten sich aber vor einem Stück Papier, das den Titel„Volks- staat" führt. Kreuznach, 13. April. Heut war in einem nahen Dorfe eine zahlreich besuchte Volksversammlung; der aufsichtführende(hessische) Assessor löste sie aber auf, als man zum Eintritt in die sozial- demokratische Arbeiterpartei aufforderte. Die Auflösung erschien durchaus unmotivirt. War das Verfahren des hessische» Beamten sehr auffallend, so ist das Vorgehen des hiesigen Polizeikommissars sowie des Bürgermeisters nicht minder seltsam. Diesen Beiden tst das preußische Vereins- und Versammlungsgesetz wohl nicht genug bekannt, und doch wäre es ihre Pflicht, dasselbe zu kennen und—- zu befolgen! Die Bescheinigung zu vorschriftsmäßig angeineldeten Versammlungen wird nicht erlheilt, die Versammlung nachher ans- gelöst, die Wirthe werden beeinflußt, ihr Lokals nicht herzugeben u. s. w. Der Thatbestand ist ei» solcher, daß schon jetzt die Staatsanwaltschaft auf Grund des Reichsstrasgesetzbuchs gegen den Biirgermeister, vielleicht auch gegen den Polizeckommissar wegen Mißbranchs der Amtsgewalt einschreiten könnte. Wenn die Dinge wie bisher fortgehe», so werden alle gesetzlich zustehenden Mittel zur Abhülfe gebraucht werden.— I. A.: Ad. Sabor aus Frankfurt a/M. Augsburg, 15. April. Der Strike der Tischlergehilsen ist heute ausgebrochen. Dringende Hilfe ist sehr nothwendig, damit wir der Hartnäckigkeit unserer Gegner Stand halten können. Zu- zug ist gänzlich von hier fern zn halten. Die arbeiterfrenndlichen Blätter ersuchen wir um Abdruck. Das Comitv. München, 12. April. Ans Sonntag den 30. März hatte der hiesige Fachverein der Spengler eine allgemeine Spenglerversamm- lung anberaumt, welche denn auch von ca. zwei Drittel der hier arbeitenden Gehilfen besucht war. Anlaß hierzu gab zunächst der am 16. März zu Frankfurt a. M. abgehaltene Bereinstag der deutschen Blecharbeiter. Spenglergehilfe Kastner kritisirte die Versuche der Meister, die Einführung einer allgemeinen deutschen Werkstattordnnng und die Berlängernng der Arbeitszeit durchzn- setzen. Im vorigen Jahre erst sei es den Gehilfen hier gelungen, eine elfstündige Arbeitszeit zu erlangen, und nun drohe schon die Gefahr, dieselbe in eine zwölfstündige und wohl»och länger dauernde umgewandelt zn sehen; er weist darauf hin, wie besonders von„liberaler" Seite dem Arbeiter der Mangel an Bildnng vor- geworfen werde, und kaum hätte der Arbeiter zur Erlangung einer solcken eine Stunde gewonnen, so wolle man sie ihm wieder neh- inen. Gerade die Abkürzung der Arbeitszeit sei eines der wesent- lichsten Mittel zur Verbesserung der heutigen Lage des Arbeiters, wie Uorck in seiner Rede über den NorinalarbeitStag so trefflich ausgeführt hat. Redner ermahnt ferner zum Eintritt in den Fach- verein und wünscht die Vereinigung sämmtlicher Spenglergehilfen Deutschlands. Hr. Gerstmaier meinte, die in jüngster Zeit gegen die Arbeiter in Sccne gesetzten Versuche, dem Arbeiter auch das letzte Bischen vom Vereins- und CoalitionSrecht zu nehmen, seien nichts Anderes, als die geplante Absicht, die Arbeiter zu einem Putsche zu verleiten, um der Reaktion die volle Herrschaft wieder zu verschaffen; er ermahnt zum festen Aneinanderschließen und zähen Anklammern an eine Organisation. Hr. Ortlied vom Allge- meinen deutschen Arbeiterverein ist ebenfalls für geschlossenes Vor- gehen der Arbeiter. Hr. Kiefer, Schriftsetzer, vom deutschen Buch- druckerverband, weist auf die Nothwendigkeit der Einigung sämmt- licher deutschen Spenglergehilfen hin und hofft, daß eine Organi- satiou der Gehilfen die der„Herren" bald überholt haben werde; die Spengler sollten sich nur nicht abhalten lassen, von dem Ein- tritt in den Fachverein durch die Lüge über die Sozialdemokraten. Die Sozialdemokraten seien das vorwärtsstrebende Element für einen Fachverein. Auf Antrag von Kastner wird folgende Reso- lution einstimmig angenommen:„In Erwägung, daß die vom Meisterkongreß zu Frankfurt a. M. am 17. März ausgearbeitete Sklaven- resp. Werkstattordnung das Gesammtinteresse der Blech- arbeiter im höchsten Grade schädigt, sowie in Erwägung, daß gerade durch Vermehrung der Arbeitszeit dem Arbeiter keine genügende Zeit zur Bildung und Erholung gegeben ist, erklärt die heutige Speiiglergehilfeu-Versammlnng die Beschlüsse des Meistsdongresses als inhuman und verwerflich; ferner ist die Versammlung mit Gründung eines allgemeinen deutschen Spenglergehilfenverbands einverstanden. 30 Gehilfen ließen sich in den Fachverein auf- nehmen; Briefe wegen Gründung eines Vereins deutscher Spengler- gehilfcn sind zu richten an K. Kleinhönig, Spenglergehilfe, Rosen- thal 6. Mit Gruß Adolf Gräf, Schriftführer. Kaiserstautern. Da wir Arbeiter hier weder eine eigene Presse,»och Geld für das gerichtliche Verfahren haben, so macht sich ein hiesiger Preßpirat Namens Hugo Weise,„Redacteur" der „Kaiserslauterer Zeitung", unausgesetzt das Vergnügen, uns auf die gröbste und gemeinste Art und Weise zu schmähen, zu belei- digen und zu verdächtigen. Weise ist in der Braß'scheu Schule bei der„Nordd. Allgemeinen" für sein trauriges Handwerk heran- gebildet worden. Man darf sich daher nicht wundern, wenn dieser Geselle in seinem Schandpapier erzählt, die spanischen Arbeiter hätten bereits den Plan zur Einäscherung von Madrid entworfen, oder wenn er von unseren Versammlungen berichtet und sagt: „man hätte schon an den schmutzigen Kleidern die sozia- listischen Elemente erkannt"! Und die vom Reptilienfonds gemästeten„Sauhirten" erkennt man an ihrer schmutzigen Gesin- nung, nicht wahr, Herr Weise? Die Berliner Parteigenossen werden ersucht, Näheres über das frühere Treiben dieses Biedermannes fzu berichten, damit die ganze Kaiserslauterer Bevölkerung über denselben aufgeklärt werden kann! Iraukfurk, 5. April. Wir unterstützen den Antrag der Bres- lauer Parteigenossen, daß der Congreß Pfingsten stattfinde, und ersuchen alle Partei-Mitgliedschaften, diesen Antrag, ans Nützlich- keitsgründen und mit Bezug auf die ReichstagSwahlen, zu unter- stützen. Die Frankfurter Parteigenossen. Stuttgart. Zwei friedlich heimkehrende Arbeiter pasfirten kürzlich Nachts gegen 12 Uhr die Königstraßc. Ihnen entgegen kamen in äulvi jubilo— jedenfalls von Helden-Kaisers Gebnrts- tag kommend— drei jüngere Offiziere. Im Vollbewußtsein ihres „Jch's" stießen Letztere im Vorübergehen die zwei Arbeiter in bru- talstcr Weise vom Trottoir herunter, und als diese sich durchaus nicht überzeugen lassen wollten, daß Arbeiter gar nicht auf's Trot- toir gehörten, wurde» sie von Seiten der Offiziere noch weiter mit Püffen und Ohrfeigen traktirt. Der Hanptheld zog alsbald seinen„Sarras" und drohte, einen Jeden sofort niederzustechen, der noch ein Wort rede. Auf vorübergehende Bürger und Arbeiter, die sich den Krambol ansehen wollten, machte unser kampflustiger Ritter einige Attaken. Die Zuschauer wurden immer zahlreicher; die Erbitterung über den Uebermuth der Offiziere immer größer. So kam der Zug langsam bis zum nahen Schloßplatz. Plötzlich unternimmt der Hauptmatador der Offiziere unter dem Rufe: „Ihr Sauhunde, ich schlag' euch Allen die Schädel ein!" einen neuen Anlauf und schlägt mit dem Säbel den ihm zunächst stehen- den Arbeiter zweimal über den Kopf. Augenblicklich wird er aber auch schon gepackt, zu Boden geworfen und nach Wegnahme seines Degens mit Fäusten und Stiefelabsätzen gar elendiglich bearbeitet; ein wahrer Hagel von Faustschlägcn siel auf seinen hochmüthigen Schädel nieder; reichlich, mit Zins und Zinseszins statteten jene zwei Arbeiter ihre erhaltenen Püffe und Ohrfeigen zurück. Mit Verlust seines Degens*), eines Nockärmels, eines Rockschoßes, der Mütze u. s. w., mit blutender Nase und gar arg geschundenem Gesicht, zerfetzt von Oben bis Unten, coucentrirte sich unser Don Quixote alsdann schweigsam rückwärts in's Dunkle der Nacht. Seine beiden Kameraden ergriffen angesichts der Lynchjustiz das Hasenpanier, nachdem dem Einen davon ein paar Ohrfeige» huldvollst überreicht worden waren. Eine herbeigeeilte Militärpatrouille fand Alles wieder ruhig. In den Kasernen soll dieser Vorfall mit boshafter Freude ausge- nommen worden sein, wie sich auch schon während des Kampfes selbst mehrere gewöhnliche Soldaten, die versteckt zuschauten, vor Freude die Hände rieben und sonst noch sehr verständliche Zeichen der Zustimmung gaben. ') So viel wir. wissen, zieht der Verlust des Degens bei dem Offizier- corps die Ausstoßung nach sich._ D. Ned. d. V. Erklärung. ES liegt mir ein Bruchstück einer Broschüre von Dr. Friedrich Mook vor, betitelt:„Anton Memminger, Nedacteur des „Further dem. Wochenblattes". Eine sozial-demokratische Charakter- studie." In dieser Broschüre bin ich auf's Gröblichste beleidigt und verdächtigt und in die bekannten Nürnberger Wirren hineingezogen, an welchen ich mich gar nicht betheiligt habe. Gleichwohl würde ich für diesen Gegner i» dieser Sache nur Schweigen haben, wenn nicht meine jetzige Stellung mir die Pflicht auferlegen würde, mich auszusprechen. Ich erkläre also nicht dem Dr. Mook, dessen Verdiensten um die Bereicherung der Skandal- und Waschweiber-Literatur ich voll- ständige Gerechtigkeit widerfahren lasse, sondern den Mitgliedern der sozialdemokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Arbeiter-Associatiou, welche sich Zeit und Mühe genommen haben, die Mook'sche Broschüre zu lesen, in möglichster Kürze Folgendes: 1) Ich habe nie von„Arbeiterbataillonen" gefabelt, die mir zu Gebote stünden. Ich habe Mook einfach gesagt, daß mein Leben der sozialen Revolution gewidmet sei. Die bescheidene Rolle, die ich in der Arbeiterbewegung spiele, widerlegt von selbst den Vor- Wurf der„Eitelkeit", den mir Mook macht; auch habe ich mir nie, wie Andere, durch Stänkereien einen„Namen" zu machen gesucht. 2) An" der groben Beleidigung des Dr. Hector, die Mook ohne allen Grund.begeht, muß ich jeden Antheil zurückweisen. Dr. Hector ist von mir, wie es nach Mook scheinen könnte, nie in solcher Weise„charakterisirt" worden. 3) Memminger hat mir nicht„Hemden, Kleider und Cigarren", sondern nur eine Reisetasche und ein Packet Cigarren nach Braunschweig mitgegeben.„Charakterstudien" in Ctgarren und Reise- taschen! 4) Daß Memminger mir einen Bleistift an den Kopf geworfen und mich beschimpft hätte, ist gänzlich unwahr. Memminger hat mich stets mit der größten Znvorkommenkeit und Achtung behandelt; ohnedies lasse ich mir auch keine Bleistifte an den Kopf werfen. 5) Die„Perfidie", welche ich begangen haben soll, indem ich einen Brief von Mook's Bruder, in welchem mir gemeldet war, daß Mennninger mein heimlicher Feind sei, an Memminger„auslieferte", ist lange nickt so gefährlich, wie Dr. Mook sich und Andern weiß macht. Ich habe schon wiederholt schriftlich erklärt, daß ich diesen gänzlich unbedeutenden, als„Material" gegen Mook meiner Ansicht nach gar nicht verwendbaren Brief an Memminger mit der Frage geschickt habe, ob es wahr sei, daß er so von mir denke, wie in diesem Briefe stehe. Memminger verneinte dies und ich war damit zufrieden; daß der Brief später„Material" wurde, ist nicht meine Schuld. Das ist die ganze„Perfidie"; und um dieser nichtigen Sache willen sucht Mook, wie er ausdrücklich sagt, mich einer unehrlichen Handlung zu verdächtigen. 6) Mook behauptet, man habe ihm gesagt, ich habe die für Ludwig Feuerbach gesammelten Gelder nuterschlagen; er selbst könne aber dies�widerlegen. Also ist es doch nicht wahr! Aber gedruckt muß es sein! Dann behauptet er wieder, ich habe die Gelder bei der Ablieferung„decken" müssen. Dies ist einfach ebenfalls nicht wahr. Als mir mitgetheilt wurde, das Geld sollte mit Beschlag belegt und ich angeklagt werden, weil in Bayern Geldsammlungen ohne Erlaubniß der Behörden verboten sind, gab ich das Geld einem Freunde zur Aufbewahrung. Als ich freigesprochen war, habe ich das Geld ganz richtig bei Heller und Pfennig und sowie ich es erhielt, an die Zeh'scke Buchhandlung zu Nürnberg abgeliefert und zwar mit kurzer Zeit Verzöge- rung, weil mein Freund, dem ich das Geld übergeben, in der Auslieferung desselben saumselig war. Das ist der Sachverhalt. 7) Bon einem Freunde zu Nürnberg habe ich allerdings, als ich in Roth war, 25 fl. geborgt, aber nicht, um etwas zu„decken", sondern für meine Privatbedürfnisse. Daß diese Schuld mit d r v.n mir abgelieferten Summe für Feuerbach zusammenhänge, ist eine böswillige Erfindung Acook's. 8) Da Mook selbst ausdrücklich sagt, daß von einer„Unter- schlaguug" nicht die Rede sein kann, so kann er dies nur ver- öffentlicht haben, damit etwas an meinem Namen hängen bleibe. Und doch macht derselbe Mook mir den Vorwurf der Bosheit! 9) Ob Memminger über mich so raisonnirt hat, wie Mook sagt, weiß ich nicht; kann es aber auch nur dann glauben, wenn es mir bewiesen wird. 10) Die weiteren Auslassungen Mook's über mich, als da: „Schwäbischer Dialekt"—„Nichts von einem Corpsburschen"— „verwahrlost"—„Klassenhaß"—„Bosheit"—„unprakicsch"— überlasse ich ruhig der Lächerlichkeit. Wenn Mook wirklich so von mir denkt und gedacht hat, wie er schreibt, so brauche ich nur sein persönliches Austreten gegen mich, das an Freundschaftlichkeit Nichts zu wünschen übrig ließ, sowie seine früheren Briefe dagegen zu hakten, um zu der Ueberzeugung zu kommen, daß er ein Meister in der lieblichen Kunst der Heuchelei ist. Den Vorwurf der Armuth nehme ich mit Stolz entgegen. Und damit basta!— Leipzig, 15. April 1873. Wilhelm Blvs. Berlin. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonntag, den 27. April, Vormittag 10 Uhr: General Versammlung in Helfe's Lokal. Tagesordnung: 1) Rechenschaftsbericht des Kasfirers.— 2) Wahl eines Delegirten zum Congreß. D. B. Berlin. Sozial-demokratische«rbeiicr- Partei. Montag, den 21. April, Abends 8 Uhr Partei-Bersammlunz in Möwis Local, Weberstraße 24a. Vortrag des Herrn Kleist. Vev schiedcnes. Fragckasten. Localfrage.— Die Mitglieder werden ausge fordert, nicht nur zahlreich zu erscheinen, sondern auch für Zuführung vo» Gästen zu wirken. A. Heinsch, Vertrauensmann. $ Vo hm die Breslau. Sozial demokratische Ardeitcr-Partei. Montag, den 21. d. M., Abends 8 Uhr finden zwei Versammlungen statt, die erste in Schneider'« Restauration, Kloster- straßc 73. Tagesordnung: Bortrag über den Proudhon'schen Ausspruch: „Eigenthum ist Diebstahl", von B. Geiser; die zweite in Kuhnert'» Restauration, Vordcrbleiche 7. Tagesordnung:„Der Zunstzopf und seine Vertreter".— Vortrag, Diskussion und Fragekasten.— Parteigenossen und Freunde ladet zu recht zahlreicher Betheiligung an beiden Versammlungen ein H. Dehme. J dm «. 3. Hamburg. Mittwoch, den 23. April, Abends 9 Uhr. Deffentliche Cigarrenarbeiter- Versammlung in Hanfch's Clublocal, Schauenburgerstraße Skr 14. Tagesordnung: Die Gewerkschaftsbewegung, Referent: Herr C. Wode aus Verden. ____ Georg Mahl. Zur Bcacheuug. -�/UiUUlliZ. Wir benachrichtigen hiermit alle Schlosser Deutsch- lands, daß der Schlosscrverein zu Hamburg ein Arbeitsnachweisungsburau errichtet hat, und ersuchen daher alle nach hier Reisenden, sich nur an folgende Adresse zu wenden: Herrn Eckhardt, Schopenstehl Nr 22. I. A. des Bau- und Maschinenschlosservcreins: G. Gentzsch, kleine Johannisstraße Nr. 1, 4. Etage, rechts bei Tolle. Buchbinderverein. B* Sonnabend, den 19. April, Abends 8 Uhr: Versammlung in der Bicrhalle, gr. Windmllblcnstraße Nr 15. Tagesordnung: Bericht über den-Nürnberger Buchbindcrtag. Alle College« sind eingeladen. Dienstag, den 22. d. M., Abends 8 Uhr: Allgemeine Versammlung der Schlosser, Schmiede, Maschinenbauer, Former, Klempner n. und aller sonstigen Mctall-Arbciter Leipzigs und der Umgegend, im Leipziger- Salon hicrsclbst. Tages- Ordnung: 1) Das moderne Lohnsystem.— 2) Die Internationalen Gewerkschaften.— Alle Freunde der Arbeitersache sind willkommen. Um zahlreiches Erscheinen bittet � das Comitee. Briefkasten der Redaktion: Artikel über dm fortschrittlichen Vereins- und Ver- sammlungsgesetzcntwurs in nächster Nummer.— München: Hirth'jche Abhandlung dankend erhalten. Wird im Blatt besprochen werden.— Berlin: Wer„der Redakteur des neuesten Blättchens der Eifenacher Partei" sein soll, der„vor einigen Zahrcn aus Berlcn geflüchtet, nachdem er Gelder' des Allgemeinen deutschen Arbeitervereüis durch Unterschlagung veruntreut hatte"(„Neuer" vom 9. April 1873) ist uns unerfindlich Gewiß, daß es wieder bloß ein„Jux" des„Neuen" war, um philiströse Gemüther in Schrecken zu setzen. Und so viel steht fest: Sollte ein „Redakteur"— wie obgcschilderter— wirklich sich in den Reihen unsrcr Partei befinden, so würde er nicht— wie Tolcke und Genossen— jahrelang am Ruder gelassen, sondern ohne Weiteres an die Lust gesetzt wer den. Komisch muß es übrigens schon von vornherein klingen, daß der „Neue"— der doch sonst nicht in porsonulidus so schüchtern und zart- fühlend ist— uns den Namen des fraglichen Unterschlägers vorenthält. Warum sagt er nicht, wen er meint, damit wir den Betreffenden fassen können? Einfach deshalb nicht— weil das Ganze erlogen ist.— Hentze und Lindenberg haben wahrhaftig keine so niederträchtige Streiche geführt wie diese„Redakteure" des„Neuen".— PH. E. in Wiesbaden: Die mitgetheiltcn Geschichten sind etwa« kritisch und dürften wohl unan- genehm- Folgen haben. Würden Sie in diesem Falle die Vcrantwor- lung dasür üvernehmen und sind Sie auch sicher, daß Alle« sich so ver- hält, wie Sie es schildern? der Expedition: Von Vswkt Schwelm Schr. 28 Gr. 5 Pf., von A. Ellncr Coblenz Schr. 3 Thlr. i2. 4., von I. Fldr Solingen Schrift. 5 Thlr., von Mnhrdt Lindenau Ah. 1 Ou. 2 Thlr. 3 Gr., von A. Mchl Hohenstein Schr. 5 Thlr. 1 Gr., Ab. 1. Qu. 14 Thlr. 4. 5., von E. Bch Werdau Schr. 4 Thlr. 12 Gr., Ab. 1. Qu. 9 Thlr. 13. 5., von Bhm Kotschenbroda Ab. April 6 Gr., von F. W. Schltz Hamburg Schr. 25 Thlr., Ab. 1. Qu. 25 Thlr., von G. Krg hier Ab. 2. Qu. 13 Gr., vom Arbeiterbtldungsverein Brünn Ab. 2. Qu. 1 Thlr., von Sch. hier Schr. 2 Gr. 5 Ps., vom Fachverein der Kürschner hier Ab. 1. Qu. 13 Gr., von Trost Kleinsschocher Annonce 5 Gr., Plakate 5 Gr., von G. Hnn. Eßlingen Ab. u. Schr. 13 Thlr. 19., von P. Grbn Spandau Ab. 1. Qu. 10 Thlr. 27., Schr. 2 Thlr. 17. 7., vom Deutschen Verein Aarau Ab. 2. Ou. 1 Thlr., von WIpf Hannover 1. Qu. 21 Thlr., von Rlrbck Schweslingen Schr. 5 Gr. 9 Pf., von A. Prbst Buckau Nachab. 20 Gr., Arbeiterverein Graz 1. und 2. Ou. 1 Thlr. 13. 5., von W. Schlchtr Dresden 1. Qu. 24 Thlr. 15 Gr., von Bttchr hier 2. Quartal Leipzig. bei Zeidler. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 19. April, Abcnds 8llhr: Versammlung D. B. tili