tlt"< Srschtint wZchcntlich 2 Mal in<5eipjig. Besttllanzen nchmm all« Pvstanstalten und Buchhand- langen de» In- und Aus« lande« an. Für Leipzig nehmen Be- I stellungen an: die Expedition, Hohcstraße 4. die Genoflenschasts- buchdruckerei, Zeitzerstraßc 44. ledrt"•®tgcgen. Es steht zu hoff.n, daß diesem öfteren Erscheinen des »Bolksstaat" auch eine entsprechende Zunahme der Abonnenten- Zahl folgen wird. Möge Jeder das Seine thun, damit der .Volksstaat" in keiner Fabrik, in keiner Werkstätte, in keiner Hütte mehr fehle. Je größer die Abonncntenzahl, desto wirk- sanier kann das Blatt ciiilrclcn für die Interessen dcö arbeitenden Polles, dcsto nachdrücklicher kann es gegen die Klassenherr- jchaft und gegen die moderne Produktionsweise ankämpfen. Parteigenossen! Der„Bolköstaat" ist daö beste Mittel jur Verbreitung unsrcr Grundsätze; kein Dpfer darf Euch zu Srvß erscheinen, wenn eS gilt, demselben allüberall Eingang zu verschaffen! Wir bitten, die Bestellungen rechtzeitig aufzugeben, damit m der Zusendung keine Verzögerung eintritt. Redaktion und Expedition. Ein Bonner Profcffor contra Artikel des „Bolksstaat". . ES ist ganz neuerdings im Verlage von Duncker und Humblot Nne Broschüre erschienen, betitelt:„Die deutsche Arbeiterpresse der Gegenwart." Als Verfasser nennt sich ein mir, wie wohl ich ihm, Aanz unbekannter Mann,„Dr. A. Held, Professor der Staats- v>'ssenschasten in Bonn." Ein Erzweiser, wie wir gleich seh.n werden! Das ganze Schristchcn zu besprechen, ist nicht meine Absicht; J« allgemeiner Würdigung sei nur angeführt, daß ihm die Arbeiter- �tec nicht„ideal" genug ist, während sich die bemittelteren Klassen, die ihm alö„höhere" gelten, doch noch immer für„Ideale" begeistern. Seine idealen..Mastbürger" haben zwar die hnndert Millionen für den letzten Krieg nicht hergeben wollen und die mchtideatcn Arbeiter möchten gerne besserer Erziehung thcilhaftig werden— jedoch so einfache reelle Betrachtungen passen dem„ge- whrten" Herrn nicht in seinen„staatSwissenschaftlichen" Kram, und me„mastbürgerlichen" Studenten glauben ihm gerne aufs Wort. j e selbst lesen die Arbeiterblätter nicht; er thut eS für sie und bann ihnen dann erzählen, waS ihm beliebt. So lernen die Söhne bir..Mastbürger" die„Staatswissenschasten." . Ter eigentliche Zweck dieses Aussätzchens ist eine kleine per- wnUch« Auseinandersetzung mit Herrn Held. Nämlich bei seiner Besprechung dcS Werthes, welchen einzelne Artikel dcö„Bolksstaat" habe», nennt er„die Adresse des GeneralrathS der internatio- balen Arbeiterassoziation über den Bürgerkrieg in Frankreich" eine «t'lvrisicirung der wüsten Revolution, der sich eine Broschüre "Umschließt, welche bestimmt ist, die Begeisterung für den deutschen "«taat möglichst abzuschwächen. Sie ist betitelt:„„Zur Erinnerung -an die deutschen Mordspatrioten"" und enthält eine an Schmäh- "U'igcn sehr reiche Geschichte Preußens vor und nach der Schlacht "b" Jena. Die Tendenz ist klar; man vergleiche außer vielen "�»gestreuten Bemerkungen nur die Schlußworte: »..stellt man einen Vergleich zwischen dem hier Erzählten und «.den Ereignissen des letzten deutsch- stailzösischen Krieges an, so «..kann man sich leicht sagen, ob überhaupt das Geschwätz„von »«den noch nie dagewesenen Leistungen" der deutschen Armee ««auch nur einen Schein von Beachtung hat."" .- �omit die citirtcn„Schlußworte" und die nicht zitirteu„ein- »'reuttn Bemerkungen" verglichen werden sollen, erhellt nicht aus m korrekten Styl dieses Bonner Professors. Kein Wunder, wenn an vernimmt, daß die„breimäuligen Faselhänse der deutschen Vulgärökonomie", wie Marx diese Herren im„Nachwort" zur zweiten Ausgabe des„Kapital" nennt, mit der Dialektik in ihrer einfachsten Bedeutung zerfallen sind. Der ideale StaatSwisscnschaftler schreibt nicht einmal richtig ab. Nicht einmal dieser allereinfachsten, reellen Höflichkeit befleißigt er sich gegenüber der Arbeiterpresse. Der Titel sagte nicht„zur Er- innerung an, sondern für die deutschen Morvspatrioten". Ich hatte nicht geschrieben und in der bezüglichen Broschüre war nicht gedruckt:„ob überhaupt daS Geschwätz u. f. w. einen Schein von Beachtung hat", denn solches Kauderwälsch würden wir unö schämen, dem unidcalsten Arbeiter vorzusetzen. Die Stelle lautet: „ob überhaupt das Geschwätz u. s. w. einen Schein von Be- rcchtigung hat." Genug von der Etymologie, der Grammatik und der Logik deS Lehrerö der Staatswissenschasten! Es kann mir nicht in den Sinn kommen, mich dagegen zu verwahren, daß ich die Begeisterung für den deutschen oder irgend einen andern Staat habe abschwächen wollen. Doch brauche ich nicht so geradeweg zuzugeben, daß weil der Mordspatriotismus oder Chauvinismus lächerlich gemacht, die„Begeisterung für den Staat" untergraben wird. Ist es nun aber wirklich Thatsachc, daß mein Lachen die Begeisterung für den deutschen Staat ab- schwächt, Nun dann taut pis für deS Herrn Held deutschen Staat. Während ihm die beschränkte„Vaterlandsliebe" für die höchste ideale Tugend gilt, verhält sich sein Kollege, der Herr Professor Virchow zu der reellen„Vaterlandslosigkeit" auf recht freundlichem Fuße. Er sagt: „Möge dann jedes der beiden Völker(Deutsche und Franzosen) „begreifen lernen, daß den Einzelnen nun auf dem Boden natio- „naler Entwickelung die Grundlagen ihrer Wirksamkeit gesichert „sind und daß daher dieser Boden ftei und sicher vor fvenidem „Eingriss sein muß, daß jedoch die nationale Entwickelung ihren „Abschluß in einer humanen Verständigung zu finden hat, welche „geeignet ist, den Einzelnen über die Beschränktheit des bloß „nationalen Wesens zu den höchsten Zielen der Menschheit empor- zuheben......... Für ihn wie für mich und manche andere Leute ist also die Grenzenlosigkeit das wahre und höchste Jdeck: wir lachen zusaninzen, der eine mehr, der andere weniger über die Begrenztheit. Vater- land und Mutterland— sie sind doch auch Onkelland, Tanten- laud und Ammenland! Ich will Ihre Leser nicht mit Geschichts- citationen beleidigen, die in unberechenbarer Zahl von Beispielen beweisen, welch lächerliche und gräuliche Schwindel unter der Fahne „Vaterland" von jeher abgespielt worden sind. Die ganze Erde ist daS ideelle Vaterland; die„Vaterländer" sin die reellen Para diese der Abderiten, der Michel, Cockneys, xobemouoües, Prawoß- lawnye, Starowjärzy und PapanataS, zu denen sich die Staats- Wissenschaftler, wie Herr Held, für begrenztes Gehalt mit ganz be- sonderem Behagen rechnen. Die Helle seines Idealismus ist passend ergänzt durch die Blödigkeit seines ErkenntnißvcrmözcnS. Von der Adresse des GeneralrathS der internationalen Arbeiterassoziation über den Bür- gerkrieg in Frankreich erzählt unser Mann mit tiefer StaatSwissen- schaftlichkeit, daß in ihr„der Aufstand der Kommune erscheint als Aufstand des Proletariats gegen die Bourgeoisie." Der General- rath ist also eine Gesellschaft von Schwindlern, welche den Aus- stand als das erscheinen läßt, was er nicht ist. Wenn der Aufstand aber nicht daS ist, wofür ihn der Generalrath auögiebt, so muß er in den Held'schen Gehirn etwa als Galeerensträflings- tanz, Klephtenunternehmen, radikales Hochstaplervergnügeii, größeres Bauernsängergeschäft oder Säuserexzeß im Style gewisser bekannter mordspatriotischer Straßburger Professorenprügeleien sixirt sein. Und dieser Held ist ein Jngcndlehrer, der seiner tiefen Religiosität durch ganz bescheidene Entrüstung über die unchristliche Ueber- setzung von Bourgeois durch„Mastbürger" Ausdruck verleiht! Wie man sieht, genügen wenige Worte um zu beweisen, daß man diesem Doktor und Professor nicht einfach auf sein Wort glauben darf. Klagt er mich an, mich in„Schmähungen" er- gangen zu haben, so hätte er wohl zum Belege einige Stellen zitiren dürfen. Das hat er nicht gethan. Er hat überhaupt seinem Publikum verschwiegen, daß alle von mir angeführten That- fachen dem offiziellen vierbändigen Buche des Generalmajors und Direktors der königlichen Allgemeinen Kriegsschule, Eduard von Höpsner, entnommen sind. Die„Schmähungen" liegen in den Thatsachen selbst. Darüber sollte er mit dem Generalmajor von Höpfner, nicht mit mir rechten. Herr Held würde aus lauter Mordspatriotismus dem Höpfner die Staatsarchive nicht geöffnet haben! Er sagt, daß meine„Tendenz klar ist", nämlich die mir�von ihm untergeschobene,„die Begeisterung für den deutschen Staat möglichst abzuschwächen." Die als Beweis angeführte Stelle läßt nur klar erscheinen, daß für seinen eigenen Mordspatriotismus die geschichtliche Existenz des macedonischen Alexander, Cäsars, der Gothen, Bandalen, Araber, Tataren, Türken, des preußischen Friedricks II., Napoleons, Wellingtons und vieler Anderer Mords- kerlc unbequem ist. Er darf neben dem schönen Wilhelm, neben Bismarck und Moltke keine anderen Götter verehren. „Wenn"— sagte ich—„waS wir in diesen Blättern ge- „schrieben, der grassirenden einfältigen Ueberhebung steuert, so haben „wir unseren Zweck erreicht." Diese Worte erwähnt der Jngendlchrer mit keiner Silbe. Bei ihm habe ich offenbar meinen Zweck nicht erreicht. Hatte ich ganz und gar unrecht, als ich i r] v ynQ fioiiijV fiitXXoy emxXnovG(cr&QtoTioi, tj Tis äxovovreaai vuaxatq"fjgiineXijtai. übersetzte mit: Lauschen sehn wir dem Sange der blutigen neuesten Thaten Pöbel der Professoren, der Prudelwitz, Müller und Meier? Pöbel der Professoren! Das ist arg! Wer eS wagt, sich solcher Ausdrücke zu bedienen, schwächt natürlich die Begeisterung für den deutschen Staat ab. Mit diesem Pöbel mache ich die Leser deS„Bolköstaat" vielleicht bald einmal genauer bekannt. Seine oft frechen, irreleitenden, afterwissenschafttichen, garstigen, ekelhaften Kciegsreden sind so eben in ziemlich vollständiger Samm- lung in einem Buche bei G. Hirth in Leipzig erschienen, dessen Titel:„Der deutschen Hochschulen Antheil am Kampfe gegen Frank- reich." Bon Ludwig Bauer, stuck, juris. Ist Herr Held ein einfacher„Mastbürger", oder ein'le-k jioixUoe, eine„weiße Blouse"? Leser, denk' a bisset nach! London, den 2. Juni 1873. Der Verfasser des «Zur Erinnerung für die deutschen Mordspatrioten". KsassengeseHgebung. Wie nothwendig eS für die arbeitende Klasse ist, sich den ihr gebührenden Einfluß auf die Gesetzgebung zu erkämpfen, daS lehrt am Ueberzeugendsten ein Blick auf unser» heutigen gesetz- gebenden Körper. Ob wir die deutschen Einzeltage oder den Berliner„Reichstag" nehmen, die Versailler Nationalversammlung oder das Londoner Parlament— überall sehen wir die besitzenden Klassen im ausschließliche» Besitz der Gesetzgebung, und überall sehen wir die besitzenden Klassen daS Recht oder richtiger die Macht der Gesetzgebung in ihren« Klassen in teresse ausüben. Die Gesetzgebung ist Klassengesetzgebung, daS Gesetz nur ein Mittel zur Erhaltung und Befriedigung der Klassenherrschaft. Wehe dem, der sich in einer dieser modeeuen sogenannten Volksvertretungen ernsthaft die Interessen des Volkes, der nicht besitzenden Klassen, vertreten zu wollen unterfängt! Er wird niedergeschriccu, hinter Schloß und Riegel gebracht, todtgeschossen�), kurz auf irgend eine Weise besorgt und aufgehoben.„Andere Länder andere Sitten." In England, dem Mutter- und Mnsterland des ParlamentariS- mus, vollbringt mau diesen parlamentarischen Todtschlag etwas weniger unmanierlich und geräuschvoll, etwas parlamentarischer, um unS so auSzndrücken, als auf dem Continent, aber daruin nicht minder wirksam. In jüngster Zeit hatten wir ein flagrantes Beispiel. Unsere Leser erinnern sich der Agitation deS ParlamentSmit- glieds Plimsoll zu Gunsten der Seeleute(Siehe„VolkSstaat" Nr. 30.) Wohlan, Ende deS vorigen MonatS hatte Mr. Pliin- soll eS endlich so weit gebracht, daß sein bezüglicher Antrag auf die parlamentarische Tagesordnung gesetzt wurde. Jnzwischcu war aber von den„Einpeitschern"(je nachdem auch„Auspeitschern", wie im vorliegenden Fall) der parlamentarischen Hauptpartcien die Ordre ausgegeben werden, den unbequemen Antrag durch eine „Auszählung" im Keim zu ersticken, d. h. dafür zu sorgen, daß an der betreffenden Sitzung nicht die beschlußfähige Mitgliederzahl anwesend sei. Und so geschah eS denn auch. Herr Pliinsoll begründete seinen Antrag, wieö hin auf die absolute Schutzlosigkeit der Matrosen, zeigte, wie während der letzten 11 Jahre laut amtlicher Statistik 8794 Matrosen innerhalb zehn(englischen gleich 2 deutschen) Meilen von der englischen Küste bei Schiffbrüchen umgekommen sind, von denen, ebenfalls mit amtlicher Statistik, die meisten durch Unaufmerksamkeit, schlechte Beschaffenheit der Schiffe, kurz, verhütbare Ursachen herbeigeführt worden waren. Half AlleS nichts. Ein Herr Smith ergriff daS Wort gegen den Antrag, der„unerwünscht" sei; und kaum hatte er zu reden begonnen, so leerte sich der schon vorher spärlich gefüllte Saal vollends— eine Auszählung wurde verlangt— die nöthige Anzahl Mitglieder war nicht vorhanden— und die Bill �st bis auf Weiteres beseitigt! Und unterdessen sind die erbosten Schiffs- eigenthümer bemüht, Herrn Plimsoll selber zu erdrosseln, d. h. ihn so mit Prozessen zu umstricken, daß er bankrout wird und schließ- lich seinen Sitz im Unterhaus aufgeben muß. Er hat nämlich, nm seine Agitation zu unterstützen, ein Buch geschrieben, in wel- chem verschiedene der gewissen'osen Schisfseiqenthümer namhaft gemacht sind. Von diesen haben nun mehrere auf Verläum- dung geklagt, und da die Kläger Millionäre sind, so können sie, Dank den heutigen Gesetzen, die Prozesse, waS auch immer der endgültige Ausgang fein möge, für den Verklagten so kostspielig machen, und so in die Länge ziehen, daß Jeder ruinirt wird, der nicht eine ebenso„lange Börse" hat. Herr Plimsoll ist nun zwar ein wohlhabender Mann, aber er ist kein Millionär, und die Prozesse, welche gegen ihn schweben, sollen ihn schon 10,000 Pfd. St. (über 66,000 Thlr.) gekostet haben! Genug, für diese Parlamentssession ist man ihn los. Hat man ihn bis zur nächsten nicht bankrout prozcssirt, gut— so gibts eilten neuen Count out(ÄnSzählung)— und Jan Maat fährt fort, die Fische der englischen Küste und die Schiffseigen- thümer rncrry olck Englands zu mästen! *) Wie Milliöre, Mitglied der Versailler Versammlung u. a. m. Politische Uebersicht. — Wie schon angedeutet, beschäftiaen sich die„Motive" des Bismarck-Stiebcr-Wagener'schen Preßgesetzes einschließlich mit den „Sozialdemokraten. Von der„schwarzen Internationale" kein Wort,— der„Geniale" hat eingesehen, daß er in der Katz- balgerei mit ihr sich nur lächerlich gemacht und geschadet hat, und will offenbar einlenken—; die„rothe Internationale" ist der Popanz, mit dessen Hülfe die Nationalliberalen ins Mauöloch der „Reichsfreundlichkeit" gejagt werden sollen. Um dieses Spiel z unterstützen, tischt die„Norddeutsche Allgemeine" allerhand sozial demokratische Greuel auf, und befleißt sich der„Neue" einer de- sonderS— gewählten Sprache. Gelegentlich wird er wohl den „dickbäuchigen Bourgeois" wieder einmal mit der„Laterne"(des Molkenmarkts) winken Hierher gehört auch daS Manöver eines dem Preßbnreau nicht fern stehenden Berliner BlattS, welches gerade als der Preß' gesetz Entwurf fertig wurde, dessen Bestimmung über die absolute Haftbarkeit der Redakteure dadurch drastisch zu rechtfertigen suchte, daß eZ unter lärmenden Trompetengeschmetter ankündigte, eS werde von nin an einen Dienstmann als verantwortlichen Redakteur zeichnen lassen, und seitdem auch wirklich deni„Dienstmann Nr. 107" daS fragliche Amt übertragen hat. Dieser Dienstmann, der Redakteur geworden ist, hat sich um die Firma Stieber-BiSmarck- Wagener ebenso verdient gemacht, wie der diciistniännischste der Hunderte von Redakteuren, die Dienstmänncr geworden sind. Schade nur, daß sein Name unter dem famosen Protest der letzteren gegen den neuen Preßgesetzentwurf fehlt. Hinter Wehrcnpsennig würde sich„Dienstmann 107" vortrefflich ausnehmen. Apropos, es wird versichert, die Berliner Zeitungsbcsitzer wollten ein Jubelfest veranstalten. Wir glauben das. Ein Gesetz, welches die unabhängige Presse tobtet, kann der Gründer- und RcptilienfondSpresse, der es daS Monopol gibt, nur höchst willkommen sein; es würde sie vollauf für den Ausfall, welchen der „Börsenkrach" verursacht, entschädigen.— Und nun noch ein Wort über die dem Preßgesetz Entwurf bcigebenen„Motive"— die Sauce, welche den haut gout des bedenklichen Gerichts verdecken soll, ihn aber nur erhöht. Genug die„Motive" sind deS Entwurfs würdig— eine Monstrosität zur Erklärung einer Monstrosität. Jedenfalls wäre eS klüger gewesen, die Erklärung wegzulassen eingedenk deS: Stat pro ratione Toluutaä; ich will es, und damit Basta; Wer Gründe verlangt, den AlS Denkmal denkervolklichcr Kultur theilen wir daS Aktenstück mit. ES lautet: "Zu 8 20. Ein Aufgeben der besonderen Cautelen, welche in den einzelne» Laudesgesetzen gegen Ausschreitungen der Presse ge geben sind, wird nicht erfolgen können, ohne durch besondere Straf- bestimmungen einen wirksamen Ersatz zu schaffen. Es wird sich dabei hauptsächlich um eine Vorkehr gegen die Art und Weise handeln, in welcher die sozialdemokratische Partei die arbei tenden Klassen für ihre ZukunftSxläue bearbeitet, wobei sie ihre Agitationen in eine Form kleidet, welche sich den allgemeineu Straf- gesehen entzieht. Sie sucht diesen Zweck dadurch zu erreichen, daß sie die Arbeiter mit der Gcsammthcit der sittlichen Grundlagen des Staatswesens verfeindet, in ihnen das Gefühl für Recht, Sitte und Baterland erstickt und das des Neides und der Erbitterung gegen die besitzenden Klassen an die Stelle setzt. Es kann selbstverständlich nicht die Absicht sein, der Wissenschaft und der ernsten Publizistik nach irgend einer Richtung Fesseln anzulegen oder das Recht der freien Meinungsäußerung in der Presse materiell zu beschränken. Aber es muß allseitig anerkannt werden, daß dieses Recht nicht in einer Form ausgeübt werden darf, durch welche die Existenz des Staates und der bürgerlichen Gesellschaft, denen die Preßfreiheit zu Gute kommen soll, selbst in Frage gestellt wird. Der Entwurf bezeichnet demgemäß zunächst als strafbar: Angriffe, welche in Druckschriften auf die Grundlagen der staatlichen Ordnung in einer Weise gemacht werden, welche die Sittlichkeit, den Rechtssinn und die Vaterlandsliebe untergräbt. Achnliche Strastorschristen, insbesondre gegen die Angriffe auf das Eigcnthum und die Fa> Milien finden sich in anderen Gesetzgebungen, z. B. in den Artikeln L und 8 deS französischen Gesetzes vom 9. September 1835, in dem§ 630 des badifchen Strafgesetzbuches in der Fassung des Gesetzes vom 5. Februar 1851, in dem kgl. sächsischen Strafgesetz buch vom 13. August 1855, Art. 127, in dem österreichlschcn Strafgesetzbuch vom 27. Mai 1852, K 305, in dem österreichischen Strafgesetzeutrvurf von 1367, K 147, und in dem(2.) Entwurf deS italienischen Clockice pönale von 1870, Art. 128,§ 1. Eine für alle Verhältnisse und Zeiten erschöpfende Auszählung der durch die Strafbestimmungen geschützten Grundlagen des Staats erscheint weder ausführbar und zweckmäßig. Der Entwurf beschränkt sich darauf, diejenigen fundamentalen Institutionen beispielsweise her- vorzuheben, welche zur Zeit die hervorragenden Angriffs-Objekte seitens der agitatorischen Presse sind und dies voraussichtlich auch bleiben werden. Bemerkt mag noch werden, daß der Entwurf unter dem Ausdruck„staatliche Ordnung"— wie die Hervorhebung der allgemeinen Wehrpflicht erkennen läßt— nicht blos die unerläßlichen Bedingungen einer jeden Staatsordnung, sondern auch— nach dem Vorgange des Z 130 a de» deutschen Strafgesetzbuchs— die concrete, auf den Verfassungen des Reichs und der einzelnen Bundesstaaten beruhende Staatsordnung verstanden wissen will. Liegt in dem Verbote einer unsittlichen Polemik gegen die funda mentalen Gesetze der staatlichen Ordnung der Schwerpunkt, so muß dieser Gedanke auch weiter dahin führen, die Strafsanktion auf die Glorisication strafbarer Handlungen durch die Presse auszudehnen Durch derartige, den Strafgesetzen hohnsprechende Verherrlichungen wird die öffentliche Moral verletzt und, wenn sie straflos bleiben, das Rechtsbewußtsein nicht minder erschüttert, als dies bei einer directen Aufforderung zu strafbaren Handlungen der Fall ist. �Diese Erweiterung entspricht dem Vorgang der oben erwähnten und noch anderer Legislationen. Bei der Aufstellung der Merkmale dieses Vergehens ist darauf Rücksicht genommen worden, daß die in Rede stehende Erschütterung der Autorität der Strafgesetze auch durch die Behauptung ihrer Unvereinbarkeit mit religiösen Pflichten begangen werden kann. Eine fernere Hauptaufgabe wird darin zu erblicken sein, der m den Blättern der sozial-demokratischen Richtung fast zur Tagesordnung gewordenen gehässigen und leiden- schaftlichen Erörterung der sozialen Verhältnisse einen Damm ent- gcgenzusctzen. Wen» hierbei als das entscheidene Kriterium aufgestellt ist, ob die Erörterungen in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise erfolgt, so ist im Anschluß an die gleichartige Fassung des tz 130 a deS deutschen Strafgesetzbuch« davon auögc- gangen worden, daß das deutsche Richteramt bei der Handhabung dieser Borschrift die richtige Grenze zu finden wissen wird und daß daher die Besorgniß nicht gehegt werden kann, es werde durch eine derartige Bestimmung ernstlicben und wohlmeinenden Be- sprechungen der sozialen Frage der Eingang in die Presse verwehrt werden. Anlangend die Art und das Maß der anzudrohenden Strafe, so würde die Androhung einer Geldstrafe der Gemein- gefährlichkeit des Vorgehens kaum entsprechen, jedenfalls aber der praktischen Wirksamkeit entbehren; mau müßte sich denn ent- schließen, die Geldstrafen mit einem schon hohen Mini- mum beginnen und zu einem Betrage von mindestens 1000 Thalern ansteigen zu lassen. Der Entwurf folgt dem erwähnten ß 130 auch in der Normirung der Strafen und droht daher wie dieser Gefängniß oder Festungshaft bis zu zwei Jahren an. Wenn in dem Falle jenes Paragraphen die Wirkung des ge- sprochenen Wortes durch das Ansehen des geistlichen Amtes und den Eindruck des Ortes, in welchem die Erörterung stattfindet, erhöht wird, so muß andererseits bei Preßerzeugnissen durch die Möglichkeit einer ungleich weiteren Verbreitung und die Aus- schließung einer geeigneten Gegenwirkung die Gefahr als eine eben- so bedeutende angesehen werden." ES fällt unS natürlich nicht ein, die einzelnen Punkte einer Kritik zu unterziehen. Nur ein Narr oder ei» Feigling diSkutirt mit dem Feind, der ihm das Bajonnet in die Brust stoßen will. Bloß auf zwei Stellen sei aufmerksam gemacht: erstens auf den Passus, daß die sittliche Ordnung", welche bei Strafe des Thadden- schea Galgens nicht angerührt werden darf,„die konkrete, auf den Verfassungen deS Reichs und der einzelnen BundeS- staaten beruhende Staatsordnung" nmfaßt, also die ganze Stieber-Biömarck-Wagener'sche„Schöpsnng", nebst allen waö drum und dran hängt; und zweitens auf das Eingestaudniß, die sozial- mit den Schlußworten seiner Rede ertheilte:„Ihr seid nunmehii nicht bloS die Schützlinge, sondern überdies die Plagiatoren(Nach-< welche demokratische Partei kleiee ihre Agitation„in eine Form, sich den allgemeinen Strafgesetzen entzieht." Etwas Ungeschickteres ist wohl nie geschrieben worden; und wir wissen nicht, sollen wir die— Naivetät mehr bewundern, welche in dem Moment, wo sie einen Schlag gegen die Sozialdemokratie führen will, ruhig ausplaudert, daß dieselbe sich auf durchaus gesetzlichem Boden bewegt— oder die Kurzsichtigkeit, welche wähnt, durch Aus- nah megesetzc bewirke» zu können, was den„allgemeinen Straf- Gesetzen nicht gelungen ist. ES gibt Menschen, für welche die Geschichte nicht existirt, nnd die statt von den Ersahrungen Anderer zu profitircn, sich hartnäckig die Finger verbrennen, und ihre Be- sthränktheit an die große Wocke hängen müssen. Habeant sibi.— — Fromme Sitte. AuS Freiburg in Sachsen schreibt man der„Constitutionellen Zeitung":„Ein schauerliches Gerücht durchläuft unsere Stadt. Am Sonntag flüchtet sich eine 17jährize hier unbekannte Arbeiterin vor dem Regenwetter in der Flur eincö HauseS, welches einer Eompagnie unserS Jägerbataillons(Krön- Prinz Nr. 12) zum Massenquartier dient. Einige Soldaten scherzen mit ihr und berauben sie ihrer Schürze. Das Mädchen eilt, um ihr Kleidungsstück wieder zu erlangen, ahnungslos nach und geräth in das Innere der Easerne. Hier vollzieht sich(Wie zart! der Akt vollzieht sich! UnS däucht, er wird vollzogen. Red. d.„V. mitten in der Stadt und unter— wenn auch nicht thatsächlicher Betheiligung, so doch Begünstigung von Seiten des mit der Aufsicht betrauten Unteroffiziers— an der Wehrlosen ein Akt der Bestialität die sich jeder öffentlichen Schilderung ent- zieht. Das trübe Bild brutaler Unsittlichkeit, wie eS hier scheußlich sich entfaltete, erfüllt uns mit Trauer. Die gerichtliche Unter- suchung ist eingeleitet." Da wird eS nun wieder, namentlich bei den Internationalen, eine Menge Flachköpfe geben, welche diesen Akt der Bestialität als eine unmittelbare Consequenz des Milita riSmuS, des KasernengeistcS nnd des DrillfpstemS hinstellen möchten. O diese Kleingläubigen, die nicht ahnen, daß solch ein Akt der Bestialität nur eine Station der„neuen Entwickclung" ist und die nicht begreifen, daß die Pickelhauben- Sittlichkeit erst dann ihre Vollendung erreicht hat, wenn solche Dinge alle Tage vorkommen. Denn das ist der„militärische Geist!" — Cnriosum. In dem Froschmäuslerkrieg zwischen den säch- fischen„Nationalen" und Gouvernementalen ist unser Freund Hllttner, vom Leipziger Organ für SchwcinSkuöchel und Klöße, Champion der Preßfrciheit geworden. Dank der Gofe und den obligaten Beefsteaks wiegt dieses„Bollwerk" eineS der„heiligsten ahmer) des Kaiserreichs!" Der Correspondent der Kreuzzeitung der Ansicht, daß diese Affaire ein furchtbarer Schlag für die Re- gierung der„moralischen Ordnung" geworden sei, weshalb auch das Organ Gambetta's, die„Ilepubliquo fran�aiae", einen förm lichen Aufruf an die gesammte republikanische Presse des Lande« richte, das Protokoll über die Sitzung vom 10. Juni bis in die kleinsten Weiler Frankreichs zu verbreiten. Es muß denn doch, nnd hierin liegt nach unserer Meinung die große Bedeutung dies« Affaire, um daS Sittlichkeitsbewußtsein des französischen Volke« keineswegs schlimm stehen, wenn im ganzen Lande die Thatsach« einen außerordentlichen Eindruck macht, daß die Bersaillcr Negierunz auf dem Wege war.�die öffentliche Meinung durch Bestechung Güter" zum Mindesten 2'/- Centner, und wird, wenn die streit- baren Herren Stephani(Berliner Thiergarten-Berühmtheit), Bie dermann u. s. w. daS Zeichen zum Kampf geben, zwar nicht auf die Barrikade steigen, aber doch selbst eine Barrikade sein— jedes Loth ein(natioualliberaler) Held!— Die„Berliner Wespen", ein BourgeoiS-Witzblatt, brachten kürzlich ein Rathfel, worin Wilhelm von Hohcnzollern mit abgebildet war. Alsbald fuhr der Preßengel auf die„Wcö pen" herab, so mit irdischem Namen benamset ist Polizeipräsident Madai und nahm die„Wespen" mit sich in seine himmlischen Hallen, so die Sterblichen nennen den Molkenmarkt. Auf An frage, warum der Preßengel also zu verfügen geruhe, da man mit „Wilhelm" nur das Wort„Wilhelmhaven" im Räthsel habe dar- stellen wollen, ertönte au« den Wolken seine Stimme, die also sprach: Der Preßengel bedauert die ConfiSkation, die auch seiner überirdischen Intelligenz unberechtigt erscheint: aber waS der Preßengel einmal verfügt hat, das muß bestehen bleiben" Und die Wespen waren futsch! Traurig aber ließ der Verleger eine neue Auflage drucken und dachte:„Schön ist'S, wenn die Polizei selbst einsieht, daß sie Unrecht hat; wer aber darauf rechnet, daß sie deshalb nicht Unrecht thut, der ist geleimt".— —„StaatShülfe". Zu Brüfterort bei Königsberg haben die Bernsteintauchcr gestrikt. Das Dasein eineS solchen Arbeiters dürfte sicherlich kein rosiges sein und eö gehört eine Lammsgeduld dazu, sich auch noch um den größten Theil des Ertrags einer solch sauren Arbeit prellen zu lassen. Die Bourgeoisblätter melden na- türlich mit„moralischer" Entrüstung von«Widersetzlichkeiten" und „Demvliruugcn" seitens der Arbeiter und verfehlen nicht behag- lich zu erzählen, daß das»on der Regierung abgesandte Militär dreizehn„Rädelsführer" verhaftet habe. Ein Re- gicrungSrath ist sogleich nach dem„Schauplatz" abgereist, um den „Thatbestand" festzustellen, der darin bestehen soll, daß die Ar- beiter„Plünderungsversuche" gemacht hätten. Nun kannS natür- lich nicht mehr fehlen: Die Pickelhaube für die„Ordnung", die Bureaukratie für den„Thatbestand"— da wird die soziale Frage bald gelöst sein.— — Die französischen„ehrlichen Leute" haben den deutschen ehrlichen Leuten" glücklich abgeguckt, wie man„öffentliche Meinung" en groa macht— in Frankreich hatte man eS auf diesem Gebiet selbst unter Bonaparte nur zur Kleinproduktion gebracht—, und sind jetzt damit beschäftigt, die edle Institution des„Reptiliensonds" zur Besserung der„verkommenen Franzosen" inS Vaterland der Revolutionen zu verpflanzen. Der Versuch ist aber auf Widerstand gestoßen, wie das bei einem so tief gesunkenen Volk, dem alle Grundsätze ächter Moralität fehlen, mit denen wir braven Teutonen, weiß Stieber!, bis an den Hals vollgepfropft sind, nicht anders zu erwarten war. Sogar in der Versailler Krautjunkerversammlung erregte das betreffende Ministerialschrciben einen Heidenskandal, worüber"sich unser biderber, über derlei alberne Skrupel erhabener„Reichstag" nicht wenig skandalisirt haben mag. Der„Frankfurter Beobachter" schreibt darüber sehr treffend: „Die augenblicklichen Vorgänge in Frankreich fordern in mancher Beziehung zu einer Vergleichung mit den Zuständen im deutschen Reiche, insbesondere in Preußen heraus. Die gesammte europäische Presse ist darüber einig, und selbst die„Krenzzeitung" betont dies sehr nachdrücklich in ihren neuesten Pariser Correspondenzen, daß die Gambelta'sche Enthüllung Uber das Preßcircular deö Ministers des Innern eine geradezu vernichtende Wirkung für die Broglie'sche Regierung in der Stimmung deS Landes hervorgebracht habe und daß auch in den„conservativen" Kreisen der schreckliche moralische Fußtritt empfunden wird, welchen Gambctta der Regierungspartei und Corruptiou der Presse zu„reguliren" und damit die durch Thiers begrabenen Practiken des Kaiserreichs wieder in Zug zu bringen. Die einfache Enthüllung eines solchen Versuchs aus der Tribüne der Nationalversammlung genügte, um die Ausführung unmöglich zu machen und der Negierung eine colossale moralische Niederlage zu bereiten. DaS Ministerium hat zwar mit Mühe und Noch sich am Ruder erhalten, aber der Verfasser des an- stößigen CicularS, ein UnterstaatSsecretär und als solcher daS eifrigste Werkzeug der herrschende» Reaction, wurde der beleidigten öffentlichen Meinung in geradezu infamirender Weise zum Opfer gebracht. To in Frankreich. Vergleichen wir nun hiermit ähn- liche Vorgänge in Deutschland. Seit länger als sechs Jahren besteht hier ein auS dem Vermögen der depossedirten Fürsten von Hannover und Knrhessen geschaffener, nach vielen Millionen zählender Fond, dessen R-venüen notorisch und zugestandenermaßen zur Unterhaltung politischer Spione und zur Beeinflussung der Presse im weitesten Maßstabe benutzt werden. Fürst Bismarck hat durch ein geflügeltes Wort diesem Fond den Namen gegeben, unter welchem er historisch bleiben wird:„Reptilienfond" und nicht minder hat Hr. von Bismarck die Verwendung desselben mit dem vielsagenden Geständiß eingeweiht,„daß er nur mit Widerstreben seine Hände in Schmutz tauche." Gleichwohl gab der preußische Landtag zu diesem schmutzigen Fond damals seine Zustimmung, weil eS sich angeblich darum handelte, den Gefahren zu begegnen, welche aus den„Umtrieben" der depossedirten Fürsten dem Reiche erwachsen. Diese Gefahren sind aber, wenn sie jemals bestanden haben, sicherlich durch die Ereignisse von 1870— 71 für immer beseitigt; man würde sich geradezu lächerlich machen, wollte man behaupten, daß das deutsche Reich nicht ohne den Reptilienfond den„Umtrieben" der ehemaligen Fürsten von Hannover und Hessen gewachsen sei. Besteht denn nicht aber dieser Fond und seine von dem Fürsten Bismarck selbst als„schmutzig" charakterisirte Ver- Wendung noch nach sechs Jahren ganz ungenirt fort; hat nicht gerade seit 1870 das Offiziöscnthnm in Deutschland mit Hülfe dieser Gelder eine Ausbreitung und Blllthe erreicht, welche die Praxis des bonapartischen Regime auf diesem Gebiete weit in den Schatten stellen? Und haben die Nationalliberalen im Reichs- nnd Landtage auch nur ein einziges Mal den Versuch gemacht, diesem zu einer dauernden Einrichtung heranwachsenden Krebsschaden unserer öffentlichen Zustände ein Ende zu machen? Mit Nichten. Sie wissen recht wohl, warum sie zu diesen Dingen schweigen und noch in einem Augenblicke schweigen, wo dem noch übrig gebliebenen Reste der wirklich unabhängigen Presse Deutschlands durch ein dra- konisches Preßgesetz die Vernichtung droht. Muß nicht über den Patriotismus dieser„nationalen" Männer ein Gefühl deS äußersten Unbehagens kommen, wenn sie den mächtigen Eindruck sehen, wel- chen in Frankreich der Zuruf Gambetta's an die Regierung her- vorruft:„Ihr seid die Plagiatoren des Kaiserreichs geworden!" nnd wenn sie hiermit die völlige Abstumpfung vergleichen, welche in Deutschland gegenüber dem„schmutzigen" Walten deS Reptilien- fonds herrscht?"— — Durch einen Ukas vom 8. d. ist der bürgerlich demokratische „Corsairo" unterdrückt worden und zwar wegen der unseren Lesern bekannten eher antisozialistischen als sozialistischen Subskription für die Entsendung von Arbeitern zur Wiener Ausstellung, und außer- dem wegen seiner allgemeinen Hallung. Mac Mahon oder Thiers— es ist nur verschiedene Erikette für denselben Wein.— Gewerksgenossenschaftliches. Allgemeiner Deutscher Schneiderverein. ßhemnih, 15. Juni. Nachdem wir auf unseren Vorschlag in Nr. 44 des„VolkSstaat", betreffs der Generalversammlung von mehreren Mitgliedschaften die Zustimmung erhalten haben, die Mitgliedschaft Gotha sich ebenfalls zu den dazu nöthigen Vor- arbeiten verpflichtet hat, ist hiermit laut Beschluß des Ausschusses die Generalversammlung auf den 10. August zu Gotha als fest- gestellt zu betrachten. Wir fordern daher die Mitgliedschaften auf, rechtzeitig ihre Anträge an uns gelangen zu lasse», damit wir in der Lage sind, alle weiteren Anordnungen sobald wie möglich zu treffen. Jede Mitgliedschaft ist verpflichtet, einen Delegirten zu senden; sollte dies jedoch für Einige unmöglich sein, so ist erfor- derlich, daß dieselben ihre Mandate mit der angegebenen Mit- gliederzahl, versehen mit den Unterschriften der Bevollmächtigten, Kassircr und Revisoren an den Unterzeichneten einsenden. Gleichzeitig sei bemerkt, daß statutengemäß die Abrechnung deS zweiten Quartals bis 15. Juli stattzufinden hat und sehen wir unS durch die Erfahrung veranlaßt, die Mitgliedschaften mehr an Pünktlichkeit zu mahnen, da durch die Säumigen der Organisation Nachtheile erwachsen. Das Statut muß als Gesetz respectirt wer- den, denn die vielen Aufforderungen sind ein nothwendigeS Uebel, welches beseitigt werden muß. Ueber die Angelegenheit der Leipziger Commission, betreffs der neuen Statuten sind bei uns schon öfter Klagen eingegangen, daß dieselbe sich zur Sache sehr gleichgiltig zeige, weshalb wir nicht umhin können, von derselben eine Veröffentlichung der Sachlage im„Volksstaat" hiermit zu verlangen. Falls die Erledigung dieser Angelegenheit aber noch in weiter Ferne steht, schlagen wir vor, zur Generalversammlung einen andern Ort damit zu beauftragen. Mit sozialdemokratischem Gruß der Ausschuß G. Schöffel, Geschäftsführer, Zimmerstr. No. 16, II. Etage. Internationale Gewerkschaft der Metallarbeiter. Leipzig. GewerkSgen offen! Collegen! Der Beschluß der dieS- jährigen Generalversammlung betreffs Lokalisirung der Kranken- kasse, der in direktem prinzipiellen Widerspruch mit unserer Ge- werkschaftSorganisation steht und mit dessen Inkrafttreten das Fun- dament unserer Gewerkschaft uuterminirt ist, veranlaßt uns, uns an den Ausschuß zu wenden, damit dieser Beschluß suspendirt werde. Die Ausführung dieses Beschlusses würde innere Konflikte und damit unfern Ruin herbeiführen. Gewerksgenossen schließt Euch unS an und wirkt mit uns dahin, eine Urabstimmung der nehi !ach i| Vit luch rm dt« die och, es« lkes ich« anz iNg irch Zu der Mitglieder herbeizuführen, oder wenigstens es beim Alten zu lassen. bis klare Einsicht in dieser Angelegenheit erlangt ist. Wir können uns im Interesse der Gesammtheit mit genanntem Beschluß nicht einverstanden erklären. Die hiesigen Mitglieder beantragen also, daß der Ausschuß Über die neue Krankeukassenorganisation eine Urabstimmung vor »ehmen lasse. Die Leipziger Mitglieder in corpore. reo zea der l?at ter cht em >en che % EN, che ien ,er an nd en oa er- cht lf- ?ie en nd !M en !N. nd en «- en en :l- r- Gewerkschaft der Holzarbeiter. Leipzig. Da durch den letzten von hier ausgegangenen Be ncht Freund Wildstacke in Stade und Lenz in Hainburg sich br vogeu fanden, uns so zu sagen zurecht zu weisen, sehen wir»ns veranlaßt, Einiges zu entgegnen. Erstcrer gidt uns den Rath, die Sektions-Eintheilung bei der Gewerkschaft fallen zu lassen. Aus dem Annoncentheil ds. Bl. ist schon längst ersichtlich, daß sie nicht mehr als solche besteht. Nur hinsichtlich deS KasscuwesenS ist sie aus praktischen Gründen bei GewerkschaftS-Bersammlungen welche fetzt in einem größeren Lokal stattfinden, beibehalten, während früher die zu kleinen Lokale die Sektions-Eintheilung nothwendig machten, Freund Lenz beklagt sich unter Andern über die zu späte Einsendung der Abrechnung und fügt hinzu, daß wir telegräphisch dazu aufgefordert wären, dieselbe nebst einem Todenschein einzusenden. Diese telezraphische Aufforderung seinerseits war unnöthig, da bereits b Tage zuvor die Einsendung erfolgt war. Noch müssen wir berichten, daß jener Bericht in Nr. 34 von einem Mitgliede ver- faßt ist welcher die Sache weniger kundig und streng genug auf- faßte, und ohne Wissen und Willen der�Mitglicdcr überhaupt dem Druck übergeben hatte. In jener gewöhnlichen Gewerkschaftsver- sammlung waren nur Ansichten ausgesprochen, über Anträge be- Ziehentlich des Ausschusses weder berathen, noch abgestimmt worden. Dies zur Beruhigung der erhitzten Gemüther! Der Gesammt-Borstand. Correspondenzen. * IZerkin, 4. Juni. Gestern fand hier eine außerordentliche Generalversammlung sämmttichcr Schuhmacher statt; einberufen von dem Vorstande des allgemeinen SchuhmachcrvereinS mit der TageS- Ordnung:„Die Bestrebungen des allgemeinen SchuhmachervercinS". llngefähr 100 Mann waren anwesend. Der Referent, Herr Rohde, Mitglied deS Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, führte aus, daß die Interessen der Arbeiter solidarisch seien, jedoch nur zum AuS- "irag gelangen könnten, wenn Alle in dem Allgemeinen deuffchen Arbeiterverein eintreten je. und Diejenigen, welche diesem Prinzip nicht huldigten, sollten sich gar nicht sehen lassen. Alle Redner sendeten sich gegen die noch bestehenden Vereine und Parteien, namentlich gegen die sozialdemokratsschc Arbeiterpartei, nannten einige der Anwesenden derselben„Verräthcr an der Arbeitersache", bestochen von der Bourgeoisie, Feiglinge, die nicht wagten öffent- Uch zu sprechen und bemerkten:„solche Leute stellten sie den An- svesendcu zur Verfügung, da diese wissen müßten, was sie mit ihnen zu machen hätten." ES meldete sich hierauf Herr Giffey Zum Wort. Auf den Vorttag des Herrn Rohde eingehend, wicS derselbe schlagend und deutlich nach, wie sehr die Schuhmacher terrorisirt würden, und die solidarischen Interessen der Arbeiter in gar keiner Verbindung stünden mit dem Thun und Treiben der hrutigen Führer des sogenannten Allgemeinen Schuhmachervereins. Redner wies ferner nach, daß das Lassallesche Prinzip, welches sie so sehr im Munde führten und daS bei ihnen nur in biutalen Akten zum AuSdrnck gelange, in gar keiner Verbindung mit Lassalle stehe, da derselbe ei» entschiedener Feind von Rohheiten und Brutalitäten gewesen ist. Als nun Herr Giffey mit einigen Anderen bas Lokal verlassen wollte, hatten sich eine Anzahl Tölcke'scher Leib- gardisten postirt, welche Herrn Giffey unter Püffen und Hohn- rufen bis auf die Straße verfolgten, so daß er auch mit Tölcke's Knüppel in unmittelbare Berührung kam, sowie seine Freunde. Dies alles geschah unter des Maske des„reinen Lassalleschen Prin- zchs". Schuhmacher Allerorts! Dies ist die wahrheitsgetreue Wiedergabe des Verlaufs der„großen Generalversammlung" siimmtlicher Schuhmacher, einberufen, von dem viel sich rühmenden --Vorstand" deS sogenannten„Allgemeinen SchuhmachervereinS"! Zig. Hoops, Kattrcpcl 25; Zig. Sperber, Valenlienskamp 99; Zig! Schultzc Sc Jslcr, Reust. Fuhlen tw. 60 Zig. Das Somit«._j der in tl $0! imr "ici Hat 26. ftoi Für Württemberg. m steh ! I 5 Q II Sonntag, den 29. Juni: Landes-Versammlung für die Mitglieder der sozial-demokratischen Arbeiterpartei Württemberg» im Gasthos„zum Hirsch" in Göppingen. Bormittag von 9—12 Uhr- Geschlossene Versammlung.— Nachmittag von 3 Uhr an: Große Volksversammlung. Die Tagesordnung wird bei Beginn der Versammlung festgestellt. Wir fordern sämmtlichc Parteigenossen, sowie die Vereine des frühere« Gauverbande« zu zahlreicher Bethetligung auf. Eßlingen, den 17. Juni 1873, Da« Agitations-Emniiee. <8. Mein Geschäft neuer sowie�eiragencr Kleidungsstücke und Schuhwerk» beffudet fich- Wi "ab S: in, «er Brühl Kr. (Früher Plaucn'scher Hof.) K.«. Kirlhor». "nd Le ivzig: Beraouv. Redakteur E. EaSper.(Redaktion und Expedition Zeitzcrstr. 44». Druck und Verlag der Genossenschastsbuchdntckerei.