erschein«»SchniNich S Mal � � f k/* � ASonnementtpreis: in-chrbji«.\J W- Für Preuß-n incl. Stempel. 31W dirtibitltiYitf M? 3-iKl H J II I 14 1411 II III Ä'Piiimtfuuu � OrgandersozialdemokratischenArbetterMrteiundderwternationalenGeverksgeuoffenschasten. ' Sr. 53. Mittwoch. 2. Juli. 1873. Momeulents-Eiuladlmg. Parteigenojscn! Mit dem 1. Juli wird das Parteiorgan wöchentlich dreimal trscheinen, und zwar Mittwoch, Freitag und Sonntag. Der Preis wird 16 Sgl.(56 Kr. rh.) pro Quartal, 6 Sgr.(21 Kr. rh.) pro Monat betragen, exklusive der in Preußen üblichen Stempelsteuer. Denjenigen Abonnenten, welche das Blatt per Kreuzband beziehen, wird dasselbe bei dreimaliger Zusendung in folgender Weise berechnet: für Deutschland 1 Thlr. 5 Ngr.(2 fl. 3 kr. rh.); für die Schweiz, Serbien, Belgien, Scandinavien und Italien 1 Thlr. 10?igr.(S FrcS.); für Frankreich, die Niederlande, Portugal, Großbritan- nicn, Runiänien und die Türkei 1 Thlr. 20 Sgr. (6'/. Fr«.); für Spanien und für Amerika 2 Thlr. . Für Leipzig und Umgegend ist der AbonnemcntSpreiS (mit Bringerlohn) auf 17'/, Sgr. pro Quartal und 6 Sgr. pro Monat festgesetzt. Alle deutsche Postanstalten nehmen Monat«- Abonnement« rntgege». ES steht zu hoffen, daß diesem öfteren Erscheinen de« .Lolksstaat" auch eine entsprechende Zunahme der Abonnenten- zahl folgen wird. Möge Jeder das Seine thun, damit der- selbe in keiner Fabrik, in keiner Werkstiitle, in keiner Hütte mehr fehle. Je größer die Abonnenten zahl, desto wirk- sanier kann das Blatt eintreten für die Interessen de« arbeiten- den Volke«, desto nachdrücklicher kann es gegen die Klassenherr- schaft und gegen die moderne Produktionsweise ankämpfen. Parteigenossen! Der„Volksstaat" ist das beste Mittel zur Verbreitung unsrcr Grundsätze; kein Dpfer darf Euch zu groß erscheinen, wenn es gilt, demselben allüberall Eingang zu verschaffen! Wir bitten, die Bestellungen rechtzeitig aufzugeben, damit in der Zusendung keine Verzögerung eintritt. Kedaktion und Erpedition. Die Ausuahmegeschgebuug gegen die Arbeiterklasse. DaS heilige deutsche Reich entwickelt sich gar prächtig. Kaum begründet, oder besser, erst in der Gründung begriffen, begann es die Verfolgungen gegen Alle, welche nicht dem allgemeinen Strome folgten und in das Lob des„genialen" Gründers einstimmten. Zuerst begann der Kampf mit Ausnahmegesetzen gegen die ultra Montane Partei, weil man glaubte, sie für den mächtigeren der Gegner halten zu müssen. Die Ausnahmegesetze folgten Schlag auf Schlag unter dem Jubel der Bourgeoisie und dem Beifalls- klatschen aller Jener, welche in ihrer Beschränktheit nur i» der brutalen Unterdrückung vorhandener geistiger Strömungen die Er- rettuug vom„Uebel" erwarteten. Schon liegt die Erfolglosigkeit dieser Kampfesweise, welche nur junkerliche Bornirthcit und säbcl- rasselnde Brutalität ins Leben rufen kann, offen vor aller Auge» und abermals beginnt der Kampf mit Ausnahmegesetzen gegen den Zweiten Reichsfeind, die Sozialdemokratie. Das deutsche Reich schien so fest gegründet, von Säbeln und Bajonetten starrte es, sein Schöpfer und die herrschende Klasse wähnten cS für die Ewigkeit gebaut zu haben— da kommt die darbende Arbeiterklasse und nagt wie der Maulwurf an den Fundamenten des stolzen Gebäudes. Was nützt aller äußere Glanz und alle äußere Herrlichkeit, wenn die Millionen im Elend schmachten, mit Roth und Sorgen kaum dürftig das tägliche Brod erwerben, die Herren da oben aber im Ueberfluß schwelgen, und Blut und Thränen de, Anne» in blanke Goldstücke verwandeln, Kisten und Kasten damit füllend. Die Arbeiterklasse hat ein Recht uns Leben und Lebensgenuß, mehr als jede andere Klasse, sie ist der Nähr- und Wchrstaud; ohne ihre Existenz wäre die ganze Herrlichkeit unserer so viel gepriesenen Civilisation unmöglich. Es 'st nur ein Zeichen des Bewußtseins ihrer Menschenwürde, wenn ste sich erhebt, um günstigere Existenzbedingungen von ihren Ausbeutern zu erlangen. Diese aber, gewohnt nur eine feige, willen- und widerstandslose Masse zu sehen, sind empört ob des erwachten Selbstgefühls und„Nieder mit der Canaille" ist die Losung, in welcher Regierung und herrsckende Klasse sich begegnen. Haben die Hochverraths-, MajestätsbelcidungS- und sonstigen Prozesse mese„Aufwühler" nicht zu bändigen vermocht, sind alle Polizei- ch'kanen und Ausweisungsmaßregeln nutzlos gewesen, dann müssen bie_ Daumschrauben der Gesetze fester angezogen werden. Die be-lige Dreieinigkeit von Thron, Altar und Geldsack ist durch die ketzerischen Lehren der Sozialisten in Gefahr; auf also zum heili- St" Kreuzzug gegen die, welche gegen alle menschliche und göttliche, »b. h. bürgerliche Ordnung reagiren. ftl' Die Bourgeoisie hat lange schon nach StaatShilfe geschrieen und um Errettung auS der Roth, in die sie die eigne Gesetzgebung gebracht. Ihr Herr und Meister hat den Ruf erhört und mit dem „Genie", welches den großen Staatsmann und im vorliegenden Falle vierfachen Interessenten— den Minister, Gutsbesitzer, Schnapsbrenner und Papierfabrikanten— auszeichnet, einen Gesetzentwurf einbringen lassen, welcher die Pest der Striks aus der Welt schaffen und der geängsteten Bourgeoisie die Ruhe wieder geben soll. Alle AuSnahmegcsctzgebung ist der Ausfluß brutaler Klassenherrschaft, die Proben, die neuerdings das Reich der GotteS- furcht und frommen Sitte geliefert, bestätigen diesen Satz, die kaum erst eingeführte Coalitionsfreiheit soll wieder auS der Welt geschafft werden und zu diesem Zweck hat Fürst Bismarck dem LundeSrath einen Gesetzentwurf zugehen lassen, den wir kurz beleuchten wollen, um zu zeigen, wie herrlich weit wir c« bereits gebracht. Der§ 153 des GcwerbegcsetzeS, welcher lautet: „Wer Andere durch Anwendung körperlichen Zwanges, durch Drohungen und Ehrverletzung oder durch Berrufscrklärung bestimmt oder � zu bestimmen versucht, an solchen Verabredungen(§ 152) [zum Behuse der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen, insbesondere mittelst Einstellung der Arbeit oder Ent- lassung der Arbeiter,) Thcil zu nehmen, oder ihnen Folge zu leisten, oder Andere durch gleiche Mittel hindert, oder zu hindern versucht, von solchen Verabredungen zurückzutreten, wird mit Ge- sängniß bis zu drei Monaten bestraft, sofern nach dem allgemeinen Strafgesetz nicht eine höhere Strafe eintritt." soll durch folgende Paragraphen ersetzt werden: „§ 153. Wer Andere durch körperlichen Zwang, durch Dro- Hungen, durch Ehrverlctzung oder durch BerrufSerNärung, durch Be- Hinderung in dem rechtmäßigen Gebrauche von Kleidungsstücken, Werkzeugen oder Geräthen, oder durch ähnliche Mittel bestimmt oder zu bestimme» versucht, an Verabredungen, welche auf Ent- lassung der Arbeiter oder Einstellung der Arbeit gerichtet sind, theilzunehmen oder ihnen Folge zu leisten, oder Andere- durch gleiche Mittel hindert oder zu verhindern versucht, von solchen Verabredungen zurückzutreten, wird mit Gefängniß bis zu sechs Monaten bestraft, sofern nach dem Strafgesetzbuch nicht eine här- tere Strafe eintritt. § 153. a. Mit Geldstrafe bis zu zwanzig Thalcrn oder Haft bis zu 14 Tagen werden bestraft: 1) Arbeitgeber, welche ihre Gesellen, Gehilfen oder Falrikar- beitcr vor Ablauf der vertragsmäßigen Arbeitszeit oder ohne vor- hergegangene Aufkündigung unbefugter Weise entlassen. 2) Gesellen, Gehilfen und Fabrikarbeiter, welche die Arbeit vor Ablauf der vertragsmäßigen Arbeitszeit oder ohne vorherge- gangcne Aufkündigung unbefugter Weise verlassen. Die gesperrt gedruckten Worte sind neu eingeschoben, das höchste Strafmaß im alten Paragraphen 153 ist auf das doppelte erhöht worden und wie die Zeitungen berichten, in dem Augenblick wo wir dieses schreiben, hat der hochweise BundcSrath den Bismarck'- scheu Entwurf noch mehr verschärft und das höchste Strafmaß auf ein Jahr festgesetzt. Diese Haftdauer ist also die 4fache Verschärfung der des ursprünglichen Paragraphen. Die„Nord- deutsche Allgemeine Zeitung", deren Aufgabe, als Mädchen für Alles, eS ist, alle Handlungen der Regierung im schönsten Lichte darzustellen, macht zu dieser abermaligen Verschärfung die naive Bemerkung:„Das Motiv dieser Aendcrung war vorwiegend ein theoretisckeS: nur dieses Strafmaß paßt in das System unseres Strafgesetzbuches hinein." Man kann wirklich die Frivolität nicht leicht weiter treiben, als es mit dieser Motivirung eines drako- nischcn Strafmaßes geschieht. Für keinen Richter hat, so lange die Welt steht, eine Strafbcstimmung in einem Gesetz nur ein „theoretisches" Interesse gehabt und so werden auch die Richter, die künftig über die Anwendung dieser Bestimmung zu entscheiden haben, sie als einsacke Strafvorschrift betrachten und die ange- klagten Arbeiter die praktische Schwere dieser„theoretischen" Be- stimmung zu kosten bekommen. Die Behauptung, daß ein solches Strafmaß allein passend in dem System unseres Strafgesetzbuchs sei, ist eine glänzende Illustration zu der Behauptung unserer Teutomanen, daß das neue Strafgesetzbuch sich durch einen be- sonders„humanen" Geist auszeichne. Wie das Strafmaß für die angedrohten Vergehen ein eminent hohes ist, so gibt auch die Fassung des Paragraphen der Aus- legungSkunst eines„gewiegten" Richters den freiesten Spielraum. In die Worte kann jeder mögliche Sinn hineingelegt werden, es gibt keine Handlung, die nicht davon getroffen werden könnte. Wird ein Arbeiter z. B. aus einer Gewerkschaft ausgeschlossen, weil er einem Beschluß auf Arbeitseinstellung nicht nachgekommen ist, flugs bietet der§ 153 die Handhabe zum Einschreiten; wird einem Abtrünnigen die Freundschaft seiner College» gekündigt, der tz 153 bietet das Mittel, sie dafür zu bestrafen. Und doch ist der Arbeiter von seinem Standpunkt aus vollständig im Recht, wenn er in demjenigen einen Feind erblickt, der durch seine Feig- heit und Abtrünnigkeit ihm die Erwerbung günstigerer Arbeits- bedingungen unmöglich macht. Aber die Berücksichtigung eines solchen Standpunkts ist von den Feinden der Arbeiterklasse nicht zu erwarten. Nur die krasseste Klassenjustiz kann Gesetzentwürfe wie die vorliegenden erfinden, und die furchtbarsten Strafen für Handlungen aushecken, in denen jeder objektiv Urtheilende nur einen Akt gerechter Nothwchr erblickt. Der tz 153 a ist vollständig neu. Hiernach werden Streitig- keiten, die überall sonst auf dem Wege des Civilprozesses geschlichtet werden, dem Ausnahmegesetz unterworfen und ähnlich wie im G 153 mit den höchsten Strafen belegt. Glauben unsere Gegner wirklich, mit solchen Mitteln die Arbeiterbewegung und die Ar- beitseinstellungen zu unterdrücken? Hirnlos müssen sie sein, wenn sie das sich einbilden. Nur Haß und Erbitterung müssen solche Ge- setze hervorrufen und die Folge wird sein, daß Taufende, die heute noch die StriteS als ein, wenn auch äußerste« Mittel be- trachteten, sich eine wünschenswerthc Lebensstellung zu erringen, von nun an der Sozialdemokratie in die Arme getrieben werden, und mit einem solchen Resultat können wir zufrieden sein. Auch wird die Folge davon sein, daß künftig jeder Arbeiter nur unter Annahme kürzester Kündigungsfristen in Arbeit tritt. Für die Arbeiter ist dies durchaus kein Schaden. Will der Unternehmer einen ihm unbequemen Arbeiter los werden, dann hat er die Mittel jeder Zeit in Menge; umgekehrt ist« gerade der Arbeiter, der durch die Bestimmung längerer Kündigungsfristen benachthciligt wird. Durch einen andern nur einen Paragraphen umfassenden Ge- setzentwurf sollen auch die land- und forstwirthschaftlichen Arbeiter und Arbeitgeber den oben aiigeführten Bestimmungen unterworfen werden. So wäre den» mit Ausnahme der eigentlichen Dienstboten, die unter besonders barbarischen Ausnahmegesetzen, sogenannten Dienstbotenordnungc» stehen, die gcsammte Arbeitsbevölkerung der Fuchtel ihrer Arbeitöherrn untenvorfcn. Denn es ist ja nicht« weiter als eine Verbrämung und Umhüllung der gcwaltthätigen und einseitigen Natur dieser Gesetzenttvürfe, wenn darin gesagt wird, daß auch die Arbeitgeber denselben unterworfen werden sollen. Die Arbeitgeber, das hat bereits der bisherige Verlauf der Bewegung bewiesen, sind stets in der Lage, alle möglichen Zwangs- bcstimmungen und Abmachungen unter sich zu treffen, ohne daß die„Wächter des Gesetzes" es gewahr werden, namentlich wenn man— selbst dieser Wächter ist, wie eS die nachfolgenden Be- stimmungen darthun, die einzig in ihrer Art sind. ES sollen nämlich gleichzeitig mit den Abänderungen der Z 153 und 154 an Stelle des jetzigen§ 108 der Gewerbeordnung Be- stimmungen treten, welche das gerichtliche Versahren in Streitig- keiten zwischen Arbeitern und Arbeitgebern festsetzen. Die Bestimmungen, betreffend das Gewerbegericht, lauten: Der§ 108 der Gewerbeordnung vom 21. Juni 186g wird ausgehoben; an seine Stelle treten die folgenden Bestimmungen: § 108. Streitigkeiten der selbstständigen Gewerbetreibenden mit ihren Gesellen, Gehülfen oder Lehrlingen, die sich auf den Antritt, die Fortsetzung oder Aufhebung des Arbeit»- oder Lehr- verhältnisscS, auf die gegenseitigen Leistungen während der Dauer desselben oder auf die Ertheilung oder den Inhalt der in Yen §§ 113 und 124 erwähnten Zeugnisse bezichen, sind, soweit für diese Angelegenheiten besondere Behörden bestehen, bei diesen zur Entscheidung zu bringen. Insoweit solche besondere Behörden nicht bestehen, erfolgt die Entscheidung durch die Gemeindebehörde oder durch eine Depu- tation derselben, welche aus Anordnung der höheren Verwaltung«- behörde gebildet wird. Durch die Centralbehörden können an Stelle der vorbezeichnetcn Behörden Gewerbegerichte mit der Ent- schcidung betraut werden. § 108a. Die Bezirke der Gewerbegerichte werden durch die Centralbehörden abgegrenzt. Das Gewerbegericht besteht aus einem von der obersten Justiz-Aufsichtsbehördc des Bundesstaates zu erneu- nenden, befähigten Beamten als Vorsitzenden und aus zwei Beisitzern. Der Vorsitzende ist befugt, allgemein oder für gewisse Gat- tungen von Streitigkeiten die Zahl der Beisitzer zu verdoppeln. Von den Beisitzern muß stets die eine Hälfte aus Arbeitgebern, die andere aus Arbeitnehmern bestehen. § 108b. Für den Bezirk jedes Gewerbegerichts ist alljährlich eine Liste von Arbeitgebern und Arbeitsnehmern durch Wahl der Gemeindevertretung zu bilden. Wählbar sind nur voll- jährige, welche seit mindestens zwei Jahren innerhalb des Bezirks ihren Wohnsitz haben. Die höhere Verwaltungsbehörde hat die Zahl der in jede Liste aufzunehmenden Arbeitgeber und Arbeitnehmer festzustellen, und kann nach Anhörung der betheiligten Gemeindevertretung bestim- men, daß für denselben Gewerbegerichtsbezirk mehrere Listen nach Unterbezirken oder nach Gewcrbszweiaen zu bilden sind. Unifaßt der Bezirk eines Gewerbegerichts mehrere Gemeinde- bezirke oder Theile solcher, oder bestehen für einen Gemeindebezirk mehrere Gewerbegerichte, so hat die höhere Verwaltungsbehörde über die Miüvirkung der bethciligten Gemeindevertretungen bei Bildung der Beisitzerlisten nach deren Anhörung besondere Bestim- mungen zu treffen. Stach Anhörung der Gemeindevertretung kön- nen durch die höhere Verwaltungsbehörde Bestimmungen getroffen werden, wonach die Listen der Beisitzer durch Wahl der bethciligten Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu bilden sind. § 108e. Der Vorsitzende wählt auS den beiden Listen die für jede Sitzung zuzuziehenden Beisitzer aus und verpflichtet die- selben mittelst Handschlags an Eidesstatt. Er entscheidet über etwaige Entlassungsgesuche derselben und kann gegen die Ausbleibenden Ordnungsstrafen bis zu 5 Thalcr verhängen. tz 108ä. Für das Verfahren der Gewerbegerichte gelten fol- gende Bestimmungen: 1) Die Klagen sind mündlich oder schriftlich zu Protokoll bei dem Vorsitzenden anzubringen, welcher einen möglichst nahe» Ter- min zur Verhandlung der Sache anzusetzen hat. Zu demselben sind die Parteien zu laden und zwar der Beklagte unter abschrift- licher Mittheilung der Klage[so zeitig, daß ihm eine vicrund- zwanzigstündige Frist freibleibt. Die Ladung erfolgt mit der Auflage, etwaige Zeugen und Sach- verständige oder sonstige Beweismittel zur Stelle zu bringen. 2) Bleibt der Beklagte in dem Termine aus, so werden die in der Klage behaupteten Thatjachen als zugestanden ange- nommen. TaS Ausbleiben des Kläger» gilt al» Zurücknahme der Klage. 3) Die Verhandlung ist öffentlich und mündlich. Die Leitung derselben liegt dem Vorsitzenden ob, welcher für die vollständige Erörterung der Anträge und Gegenanträge der Parteien Sorge zu tragen hat. 4) Da» Gewerbegericht ist berechtigt, Zeugen und Sachvcrstän dige eidlich zu vernehmeu und überhaupt alle, dem ordentlichen Gerichte hinsichtlich der Beweisaufnahme zustehenden Bcsugniffe auszuüben. 5) Da» Gewerbegericht hat über die Wahrheit der thatsäch lichen Behauptungen unter Berücksichtigung des gesammten In Halts der Verhandlungen nach freier Ueberzeugung zu entscheiden 6) Vor Abgabe de» Urthcil» hat das Gewerbegericht einen Sühueversuch anzustellen. Kommt ei» Vergleich zu Stande, so ist derselbe in da« vom Gewerbegericht zu führende Vergleichsbuch einzutragen und dieser Eintrag von den Partekeu und' den Mit- gliedern de» Gerichts zu vollziehen. Jedem Theile ist aus Ver- langen ein beglaubigter Auszug aus dem Vergleichsbuche zu er theilen.----------- r- 7) Die Entscheidung deS Gewerbegericht» erfolgt nach Stim menmehrhcit. Sie ist sofort am Schluß der Verhandlung zu verlünden und in ein Urtheilsbuch einzutragen. AuS dem Urtheil müffen ersichtlich sein: Die Mitglieder des Gerichts, die Parteien, deren Anträge und Gegenanträge, dir Angabe, ob nach vorgängiger Verhandlung der Parteien oder auf Ausbleiben eines TheilcS er- kannt ist, der festgestellte Thatbestand und der Ausspruch deS Ge richtS in der Hauptsache und über die Kosten. Jedem Theil ist auf Verlangen ein beglaubigter Auszug auS dem UrtheilSbuche zu ertheilen. 8) Bei Klagen, welche wegen widerrechtlicher Entlastung aus der Arbeit, oder wegen widerrechtlichen VerlassenS der Arbeit an- gestellt werden, hat das Gericht, wenn es auf Leistung einer Hand- luug erkennt, auf Antrag der Partei in dem Urtheile gleichzeitig für den Fall, daß die Leistung binnen einer zu bestimmenden kur zen Frist nicht geschieht, den Betrag de» zu leistenden Schadener satzeS nach freiem Ermessen und auf Grund eigener Sachkunde festzusetzen. 9) Gegen ein Urtheil, welches auf Ausbleiben ergangen ist, kaun innerhalb drei Tagen nach der Verkündigung Einspruch bei dem Vorsitzenden de» Gewerbegericht» erhoben werden, in welchem Falle ein neuer Termin zur Verhandlung anzusetzen ist. Erscheint die Einspruch erhebende Partei auch an dem neuen Termin nicht, so wird der Einspruch verworfen und es findet ein abermaliger Einspruch nicht statt. 10) An Kosten deS Verfahrens kann in der Entscheidung eine UrthcilSgebühr bis zu S Thlr. festgesetzt werden. Daneben hat die unterliegende Partei die baaren Auslagen de» Gerichts und die dem Gegner erwachsenen unvermeidlichen Kosten zu erstatten. Die Verhandlungen der Gcwerbegerichte find stcmpelfrei. tz 108«. Die vor den Gewerbegerichten geschlossenen Vergleiche sind sofort nach dem Abschluß, die Urtheile der Gewerbcgcrichte alSbald üäch deren Vrrtündung vollstreckbar. Im Falle des § 10Sä Nr. 8 wird der zuerkannte Entschädigungsanspruch mit Ablauf der bestimmten Frist vollstreckbar. Bei Entscheidungen auf Ausbleiben wird die Bollstreckbarkeit durch Erhebung des Einspruchs nur dann aufgeschoben, wenn der Borsitzende deS Gewerbegericht» einen hierauf gerichteten Antrag für begründet erachtet; sie beginnt in diesem Falle von Neuem mit der VerkÜttdung der den Einspruch verwerfenden Entscheidung. Die Vollstreckung erfolgt durch die nach den landesrcchtlichen Proceßvorschrifte» zulässigen Mittel. Ist eine Entschädigung beizutreiben, welche wegen unbefugten Verlassen» der Arbeit zuerkannt ist, so ist die Beschlagnahme der noch nicht fälligen Bezüge deS Verurtheilten an Lohn odet anderer dem Lohne nach dem Gesetze vom 21. Juni 1SKS(Bund.-Ges.-Bl. S. 242) gleichstehenden Vergütung zulässig. Die Vollstreckung ist bei dem Vorsitzenden des GewerbtgerichtS zu beantragen. Derselbe hat, wenn er den Antrag für begründet erachtet, die Vollstreckung anzuordnen und ist befugt, zur Ausführung der letztere» die Mitwirkung der zu- ständigen gerichtlichen Behörden oder Beamten in Anspruch zu nehmen. Gegen die auf die Vollstreckung bezüglichen Verfügungen des Vorsitzenden ist die Berufung auf die Entscheidung deS Gewerbr gerichts ohttc aufschiebende Wirkung zulässig. § 103k. Die Entscheidungen der Gcwerbegerichte können nur mittelst der Nichtigkeitsklage angefochten werden. Dieselbe ist bin- nen 10 Tagen nach der Verkündunz der Entscheidung bei dem ordentlichen Gericht« erster Instanz zu erheben. Sie kann nur darauf gegründet werden, daß eine Rechtsnorm nicht oder nicht richtig angewendet worden sei. Die Vollstreckung der angefochtenen Entscheidung wird durch Erhebung der Nichtigkeitsklage nicht aufgehalten. § 108�. Die Kosten der Gewerbegerichtc sind, soweit sie nicht durch die Urtheilsgebühren gedeckt werden, von der Gemeinde, wenn sich der Bezirk de» Gerichts über mehrere Gemeinden er- streckt, nach näherer Bestimmung der höheren Verwaltungsbehörde, von den betheiligten Gemeinden auszubnngen. § 108h. Was in den§§ 108 ä— k für die Gewerbegerichtc bestimmt ist, gilt auch für die Gemeindebehörden und Deputationen, soweit sie in gewerblichen Streitigkeiten als entscheidende Behörde thätig sind.(Schluß folgt.) der Erwiderung gewagt hätten— die Anklage der Korruption inS Gesicht geschleudert hatte, vorigen Dezember eine Spaltung im britischen Föderalrath hervorgerufen. Sie traten aus und beriefen einen Separatkongreß, der aus ganzen elf Mann bestand, von denen man nicht einmal zu sagen wagte, ob und welche Sektionen sie verträten. Die elf Mann erklärten sich mit Entrüstung gegen die Haagcr Beschlüsse und raugirten sich unter da» Banner der Sezessionisten; unter ihnen voran zwei Ausländer, Eccariu» und Jung. Von da an bestanden zwei Föderalrathe, aber mit dem Unterschied, daß der eine, der iuternationale, fast alle Sektionen hinter sich hatte, während der andre, der sezessionistische, Niemand vertrat als seine eignen Mitglieder. Der letztere spielte diese Komödie mehrere Monate lang, ist aber schließlich entschlafen. Mit den englischen Arbeitern, die ein« fünfzigjährige Bewegung ge- schult hat, kann man eben solche Possen nicht aufführen. Daatgen hak am i. und 2l Juni ick Manchester der Kdngreß dtr- dkitrschen Internationalen stattgefunden und entschieden Epoche gemacht in der englischen Arbeiterbewegung. ES waren 26 Delegirte gegen- wärtig, welche neben einigen kleineren Orten die Hauptmittelpunkte der englische» Industrie vertraten. Der Bericht deS Föderalraths unterschied sich von allen früheren derartigen Dokumenten dadurch, daß er— in diesem Lande der angestammten Gesetzlichkeit— für die Arbeiterklasse da» Recht in Anspruch nahm, ihre Forderungen mit Gewalt durchzusetzen. Der Kongreß billigte den Bericht und beschloß: Die frothc Fahne ist die Fahne der britischen Internationalen; die Arbeiter klaffe beansprucht Rückgabe nicht nur alle» GrundeigenthumS, son dtrn auch aller Arbeitsmittel überhaupt an daS arbeitende Volk; als vorläufige Maßregel wird der achtstündige'Normalarbeitstag verlangt; die spanischen Arbeiter werden wegen Errichtung der Republik und Erwählung von zehn Arbeitern in die EorteS be- glückwttnscht; die englische Regierung wird aufgefordert, die noch gefangenen irischen Fenier sofort zu entlassen.— Wer die Geschichte der englischen Arbeiterbewegung kennt, �wird zugeben, daß noch nie ein englischer Arbeiterkongreß so weitgehende Forderungen gestellt hat. Und jedenfalls ist mit diesem Kongreß und mit dem kläg- lichen Ende deS separatistischen, selbsterfnndcnen Föderalraths die Stellung der enghschen Internationalen entschieden. In der Schweiz geht eS den Sondcrbündlern nicht besser Man weiß, daß die Jurasötzeration von jeher die Seele aller Sonderbündlerei in der Internationalen war. Schon auf dem Haager Kongreß erklärten ihre Delcgirtcn, sie verträten die wahre Majorität der Internationalen und würden das auf dem nächsten Kongreß beweisen. Aber kommt Zeit kommt Rath, auch für Leute, die das Maul voll nehmen. Am 27. und 23. April hielt die Juraföderation ihren Kongreß in Neuchätel. AuS den VerHand- lungen geht hervor, daß die Föderation elf Schweizer Sektionen zählt, von denen neun vertreten waren. Wie es mit diesen elf Sektionen steht, wie stark sie sind u. s. w., darüber sagt der Be- richt des Ausschusses kein Wort; dagegen erklärt er, daß sozusagen die ganze Internationale sich ihrer Sonderbllndelei angeschlossen habe. Danach wird also diese enorme Majorität auf dem nächsten allgemeinen Kongreß erscheinen und die Haager Beschlüsse um- werfen? Nein, das gerade nicht. Im Gcgentheil, derselbe Ausschuß schlägt vor— was natürlich von diesen„autonomen" Dele- girten sofort angenommen wird: damit der neue Kongreß nicht wieder in die gefährlichen Jrnvege deS Haager Kongresses gerathe, sollen die sonderbündlerischcn Föderationen einen eignen Kongreß in irgend einer Schweizer Stadt abhalten und keinen Kongreß an- erkennen, den etwa der New-Vorker Generalrath berufen möchte. Der Haager Kongreß hat den Gcneralrath ausdrücklich beauf- tragt, die Schweizer Stadt zu bestimmen, in der der nächste Kou- greß stattfinden soll. Der Beschluß der Juraföderation bedeutet also weiter nicht» als einen neuen, hinter großtönenden Phrasen versteckten Rückzug. In der That, es war Zeit für diese Herren, sich den Rücken zu decken. Am 1. und 2. Juni— fatale Tage für die Sonder- bündler— war der schweizerische Arbeiterkongrcß zu Ölten. Auf 80 Delegirte waren ganze fünf Jurassier da. ES wurde vorgeschlagen, einen centralisirten Schweizer Arbeiterbund zu stiften. Die fünf Jurassier dagegen schlugen ein künstlich vcrklausulirte« Föderativsystcm vor, das die ganze Organisation wirkungslos gemacht haben würde. Da sie in einer hoffnungslosen Minorität waren, legten sie sich, wie im Haag, darauf, den Andern die Zeit zu ver- trödeln. Den ganzen Sonntag verlor der Kongreß mit der Debatte über diese sogenannte„Prinzipiensrage." Endlich fand sich die Majorität, ganz wie im Haag, genöthigt, diesen langstieligen Red- nern den Mund zu stopfen, um nur zur Arbeit zu kommen. Am Montag wurde einfach beschlossen, einen zeutralistrten Bund zu 'tiften, worauf die fünf Prediger, nach Vorlesung einer nichtssagen. den Erklärung, den Saal verließen und sich nach Hause begaben. Und diese Leute, in ihrem eigenen Lande so vollständig Null, be- theuern seit Jahren ihren Beruf, die Internationale zu reor- ganisircn! Aber Unglück kommt nie allein. In Italien, wo die Anarchisten der Sonderbündelei augenblicklich daS große Wort führen, hatte einer der Ihrigen, Crescio von Piacenza sein neues Blatt:„I-'avremre sociale"(die soziale Zukunft) an Garibaldi geschickt, den diese Herren fortwährend als einen der Ihrigen in Anspruch nehmen. DaS Aus der Jnternativuale«. Der„BolkSstaat" hat, feit längerer Zeit, über den Stand der Drnge in der internationalen Arbeiter-Assoziation weiter nichts ge- bracht, als die offiziellen Veröffentlichungen des Generalraths in New-Uork. Er hat es eben gemacht wie alle andern internationalen Blätter, und wie die große Masse der Mitglieder der Assoziation selbst. Während die von der bakunistischen geheimen„Allianz" geleiteten Organe der Haager Minorität Himmel und Erde in Bewegung setzten, um sich als Vertreter der wirklichen Majorität der Internationalen hinzustellen, die Majorität deS Kongresses, den alten Generalrath, und besonders Marx in allen Tonarten zu verlästern und zu verleumden, und die verkannten GenicS aller Nationen um sich zu versammeln, begnügten sich die Angegriffene» damit, ein für alle Mal den Thatbestand über den Haager Kon- greß festzustellen und nur den allergrößten und infamsten Ver- leumdungen die Thatsachen selbst entgegen zu halten. Im Uebrigen verließ man sich aus den gesunden Sinn der Arbeiter und die Aktion deS Generalraths, der sich ja auch seinem Posten vollstän- dig gewachsen gezeigt hat. DaS Rachfolgende wird beweisen, daß diese ohne weitere Ueber- einwnft Uberall von selbst eingehaltene Handlungsweise ihre Früchte getragen hat. In England Hatten einige englische Mitglieder des letzten Generalraths, denen Marx im Haag— auf Grund aktenmäßiger Beweise und eignen Eingeständnisses, und ohne daß sie ein Wort Politische Uebersicht. Blatt war voll von Zorngeschrei gegen daS was sie„das Autorität» zrinzip� nennen, das nach ihrer Ansicht die Wurzel alleS UebelS ist. Darauf antwortete Garibaldi:„Lieber Crescio! Herzlichen Dank ic. Ihr wollt in Eurer Zeitung der Lüge und Sklaverei den Krieg machen, daS ist ein ganz schönes Programm. Aber ich Staube, das Autoritätsprinzip zu bekämpfen, ist einer der Fehler der mternationalen, welcher ihre Fortschritte hindert. Die Pariser Kommune ist gefallen weil in Paris keine Autorität andern nur noch Anarchie war." Der alte Freiheitskämpfer, der in dem einen Jahr 1860 mehr ausgerichtet als alle Anarchisten je in ihrem Leben versuchen werden, weiß den Werth der DiSciplin um so mehr zu schätzen, als er seine Streitkräfte stets selbst dis- cipliuire» mußte und dies nicht that wie die offiziellen Soldaten, durch Drillen, stetige Drohung des Erschießens, sondern vor dem Feind. Leider sind wir noch nicht am Ende mit der Aufzählung der Mißfälle, die den Sonderbündlern zugestoßen sind. Es fehlte ihnen nur noch eins, und auch dies ist ihnen pafsirt. Der„Neue", dessen Polizeinase schon seit längerer Zeit an diesen Urstörern der Internationalen einen gewissen süßen Geruch entdeckt hatte, tritt jetzt ganz auf ihre Seite. In seiner Nr. 68 findet er, daß der von den— aus der Internationalen thatsächlich ausgettetenen— Belgiern entworfene Statuten-Entwurf ganz seinen Ansichten ent- 'pricht und stellt seinen Anschluß an die Sonderbündler in AuS- ficht. Damit sind alle unsrc Wünsche erfüllt. Wenn Hasselmann und Haseuklevcr auf dem Sonderbundes-Kongreß erscheinen, so er- hält dieser. Sondcrbund feinen wahren Charakter. Rechts Bakunin, links Hasenklever und in der Mitte die unglücklichen Belgier, die man an der Nase ihrer prudhonistischen Phrasen herumführt! Am vorigen Mittwoch wurde der Reichstag verabschiedet, jedoch nicht, wie mancher sonderbare Schwärmer gehofft, auf Nim- merwiederseh». Eine zweite„unfindbarc Kammer" wie diese» liebliche Früchtchen, welches die BiSmärckerei am 3. Marz 1871 mit dem SiegeSdusel gezeugt, ist selbst in Deutschland vorläufig unfindbar, und so wird man denn die großmüthigen Geldbewib liger und patriotischen Jasager zu einer Herbstsessiou zusam mentrommeln, in der sie, mit dem Schreckgespeustr einer zweite» Strafsession(nach Neujahr) vor Augen, da«„Sr. Majestät dem Kaiser so am Herzen liegende" Militärgcsctz, so wie die neuesten Culturblümlein, welche dem Berliner Mistbeet entsprösse» sind und entsprießen: Prcßgesctz, CaalitionSgesetz und BereinSgesetz» mit affenartiger Geschwindigkeit akzeptiren und apffzörtireck; und dann kackn die„Bude" getrost zugeschlossen wer- dm. Die Gebieter de» Reich» haben nicht bloß alle sogenannten ..Volksrechte" in der Tasche(selber„Volk"), sondern auch des Volks Schweig und Blut in Gestalt von unzähligen Millionen, so daß sie ruhig— die Hand auf der Tasche— fortwirthschaften können, unbekümmert darum, was der nächste Reichstag sagt und be- schließt. — Di« Vorgänge in Mcerane sind so recht geeignet, den Jrrthum oder die Unehrlichkeit Derjenigen klar zu legen, welche behaupten, daS Werk der gesellschaftlichen Befreiung könne voll- bracht, der allgemeine Nothstand de» arbeitenden Volts gehoben werden, ohne daß man mit dem heutige» Staat in Collisionen zu kommen brauche, ja falls man sich hübsch manierlich auf gesctz- lichem Boden bewege, unter dem Schutz und mit Vorschub de» heutigen Staat». Nun— unsere Partei, die, weil sie sich zu revolutionären Zielen bekennt, darum nicht auf revolutionäre, d. h. ungesetzliche Mittel angewiesen ist, hat bekanntlich in verschiedeneu sächsischen Gemeindeverwaltungen die Majorität erlangt, und unter Benutzung der von dem heutigen Staat gebotenen Mittel, sich allen Ernst» abgemüht, auf dem Boden der Gemeinde die Grund- sähe der Sozialdemokratie, d. h. der Gerechtigkeit zu verwirkliche». Eine dieser Gemeinden, in denen die Sozialdemokratie seit Jahren die Oberhand hat, ist Meerane, in dem Bebel'schen Wahlkreis. Wir wunderten uns oft über die außerordentliche, so häufig a» Schwäche gränzende Mäßigung, mit der unsere Parteigenossen im dortigen Stadwerordneten-Colleginm vorgingen. Sie waren aber der Meinung, man dürfe dem Gegner unter keinen Umständen eine Handhabe geben. Nun, trotz dieser Mäßigung, von der unseres Wissens auch in keinem einzigen Fall abgewichen wurde, kamen die sozialdemokratischen Stadtverordneten in einen Eon- slikt mit dem Stadtrath, und obgleich der letztere offenbar seine Befugnisse überschritt und z. B. vor Kurzem eine von dem Stadtverordnetenkollegium einberufene Bürgerversammlung in der willkührlichstcn Weise auflösen, und den zum Vorsitzer der Bersamm- lung erwählten Notar und Reichstagsabgeordneten Schraps so- gar aus einige Stunden verhaften ließ(wobei der famos«„Käthe- dersozialist" Wolf thätig war, den wir uns gelegentlich einmal bei Licht besehen werden), so hat doch die Staatsbehörde sich auf Seiten des Stadtraths geschlagen, und ist vorige Woche von der Zwickauer KreiSdirektion die Auflösung deS StadtverordnetenkollegiumS dekretirt worden. Da- mit ist gesagt, daß der heutige Staat der Sozialdemokratie den Weg gesetzlicher Reform abschneidet. Wir werd.m uns die Meeraner Vorgänge merken. — Für die vorige Nummer ging uns verspätet zu: „Poststiebereien. Der ReichStagSabgeordnete BankS hat, unterstützt von sämmtlichen Mitgliedern der Fvrtschrittspartei, folgende Interpellation eingebracht:„Hat der Herr Reichskanzler Kenntniß davon genommen, daß höhere Postbeamte mehrfach au» den unter dem Schutze deS Briefgeheimnisses stehenden Listen der Abnehmer der durch die Post beförderten Zeitungen die Namen unterer Beamten ermitteln und denselben dienstlichr Vorhaltungen darüber gemacht haben, daß sie auf Zeitungen abonniren, welche ihren Vorgesetzten mißliebig erscheinen? Beab- sicktigt derselbe Maßregeln zu ergreifen, welche die Wiederholung solcher Vorgänge verhindern, die neben einer Verletzung deS Briefgeheimnisses eine unzulässige Beeinflußung der Reichsbeamten ent- halten?"— Dies« Interpellation bezieht sich auf das notorische Spionirshstem, welches Herr Stephan gegen die Abonnente» eines die Interessen der Postbeamten vertretenden FachblattS organi- sirt hat. Sonderbar ist nur, daß die Herrn Interpellanten, wen» ihnen so viel an der Bewahrung des Briefgeheimnisses liegt, nicht die weit ernsteren, vom„Volksstaat" aufgedeckten Fälle von Briefstieberei in die Interpellation hineingezogen haben- Wir dächten, der Ausgang des Prozesses Stephan contra„Volks- staat" hätte den möglichst konNusiven Beweis geliefert, daß die schweren Anklagen, die wir gegen die Postverwaltung erHobe» haben, nicht in das Gebiet der Erfindung oder gar Ber- läumdung gehören. ES versteht sich, daß die Herrn Jnter- pellaitten, trotz ihre» schonenden Vorgehns, entweder eine aus- weichende Antwort, oder einen Fußtritt bekommen werden, wie daS parlamentarische Sitte ist im Reich der Wagener, Bismarck, Stieber. Apropos, nach einer Notiz der„Norddeutschen", die es wissen muß, wäre dem„königlichen UntersuchungSkommiffär" die Neinwaschung WagenerS glücklich gelungen. Wozu haben wir auch eine Regierung der„ehrlichen Leute"? Jedenfalls wird Wagener — und zwar aus den gleich zu Anfang von uns dargelegte« Gründen— thatsächlich in seiner biShengen Stellung verbleiben, vielleicht aber nominell seine Entlassung nehmen, für welch letzteren Fall der berüchtigte Geheime Oberregierungsrath Jakobs zu seinem Titularnachfolger auSersehen ist. lieber diesen Jakobi, dessen Biographie die Berliner„Volkszeitung" vom vorigen Mistl woch gibt, sei bloß gesagt, daß er der extremsten Muckerei huldigs- (er ist ein fanatischer Bekenner deS Teufels), in der Konfliktszcü unter und neben Wagener als dessen Hilfsarbeiter im Ministeriuch deS Innern Bismarcks reaktionärste Reattionsarbeit verrichtete, dü famosen Preßordonnanzen im Abgeordnetenhaus vcrtheidigte und ch seinem Chef und Freund Wagener„in reattionär-feudaleu Exper« menten zuweilen vorthat." Nun— der Mann paßt in die neuesb Aera." (Beides hat sich erfüllt. Die Regierung werde die Sw untersuchen, und damit Basta!, erklärte Delbrück, lind die Hr«' Interpellanten waren natürlich des famosen: Ruhe ist die ersV Bürgerpflicht! eingedenk, und quittirten schweigend, mit demüthige«' Kopfnicken den empfangenen Fußtritt.). — Wir lesen in der„Frankfurter Zeitung":„Aus Frankrjeick gehen unS eine Reihe Mittheilungen zu, welche die Thätigkeit dck neuen Regimc'S aufs grellste beleuchten. Der Beschluß der National Versammlung gegen Ranc, die Unterdrückung von bestehende Journalen, der Ukas Bourbaki's gegen die Gründung neue Journale, die militärische Demonstration bei dem Leichenbegräbni BrousseS' und die Anordnungen des Präfekten von Lyon übe« eivile Begräbnisse— alle diese Berichte sind eben so viele Ä>>' I h £ ! t, f t 1 i l' l» :n jt ie :tt ;D » r- üt ks >B it« e« !» h« ll- 5N :n S- eS zu h. ca !er ich >d» :n. en iS. an sen ea e» ?cr de, n- >ar em der m- so- ZZ ich ig- ng Sa- tie aus hat, etei, M auS >ea die iche gen !ab ung -ies ent- ■fit iten ini- enN acht ille ?ea. rs- die bc» er- ter- ms- wie irtf, e» die mch niet |te« ?en, clch ob' obw -st- klagen, welche daS neue Regime gegen sich selbst erhebt. Wir dürfen es siiglich unterlassen, die einzelnen Fälle zu kritisiren: ohne Ausnahme vcrrathen die Alte des Ministeriums und seiner Schlepp- träger das Bestreben, Frankreich gewaltsam in die Reaktion Zurückzutreiben. In der Angelegenheit Ranc ist eS die gewissenlose Parteiwuth, in den Maßnahmen gegenüber der Presse ist eS der Haß gegen jede freie Regung, welche die Handlungsweise der Behörden bestimmen. Was uns aber noch mehr als diese ebenso feigen wie willkürlichen Thaten zeigt, als«essen Geistes Kind wir das herrschende Regime zu betrachten haben, das ist die Hhäncn- uatur, welche die Instrumente Brozlie'S an den Tag legen, indem sie in den Gräbern wühlen und»och an den Leichen ihrer ver storbenen Gegner daS Werk der Lieblosigkeit und Frivolität fort- setzen, daß sie an den Lebenden verübten." So weit da? bürgerlich-demokratische Blatt. Wir dächten die Massakrirung der Kommnne, der Belagerungszustand, der seit über 2 Jahren auf Paris lastet, die Erschießungen aus dem Feld von Satory zeugten noch etwa» deutlicher als die oben aufgeführten Maaßregeln von den Bestrebungen,„Frankreich gewaltsam der Reaktion zuzuführen." Oder sind Sozialisten vogclfrei? Und die Gräber todtcr Gegner, die nicht» mehr fühlen können, aufwühle» oüva so schlimm, atS Tansende und Zehntausend- lebender Männer, Frauen, Kinder todtzuschießen?— — Die„Neue Mllhlhäuser Zeitung", ei» amtliche« preußische» Organ, daS, trotzdem eS den Estäffern fortwährend von der Herrlichkeit de« BiSmarck'schen Reiche» vorfaselt, noch nicht über 80 Abonnenten hinausgekommen ist, und da» trotz seine» innigen Ber bände» mit andern preußischen Sauhirtcnblättcrn im Elsaß nicht hat verhindern können, daß der von Sr. Majestät eigenhändig abgesetzte„reichsfeindliche" Bürgermeister Lauth von Straßburg do» der Bevölkerung wieder gewählt wurde, deuunjirl uns in nachstehendem albernen Geschwätz: „Mülhausen, 24. Juni. Bon der absoluten BedeutungS losigkeit de» Verfasser» und Verbreiters jener Flugblätter, welche unter dem Namen einer„Elsässischen Liga" erscheinen, geben die letzten Wahlen den unwiderteglichsten Beweis. Die„Liga" hatte Steden, der wählte, mit dem Bann bedroht. Nun wurde aber tzerade in den Grenzkantonen, die der„Liga" am leichtesten erreich- bar sind, mit großem Eifer gewählt, mit geradezu beispielloser Be- lheiligung in Psirdt. Wahlenthaltungen fanden nur statt in Col char und Mülhausen, und daß hier die Parole von Leuten auS- lZing, die mit jenen schmutzigen Fetzen nicht» zu thun haben, braucht wohl nicht erst hervorgehoben zu werden. UebrigenS tritt bei den hiesigen Industriearbeitern bereits den Pamphletisten der «Liga" eine Eoncurrenz auf, indem die international- communistische Partei Bebcl-Licbknecht in den letzten Tagen angefangen hat, ihren «Volksstaat" in zahlreichen Exemplaren in derselben Weife zu derbreiten, wie eS die„Liga" in der Gewohnheit hat. Einer dieser— Gentlemen wird vom andern abgcthan!" Wirklich? Und doch ruft der Herr„Sauhirt" nach Stieber? Wie reimt sich das zusammen? — Bei Durham(England) hatte am Samstag vor 8 Tagen die Kohlengräberassoziation ein großartige» Volksfest an dem ungefähr 70,000 Personen Theil nahmen. Man beschäftigte sich uuch mit ernsten Gegenständen, und u. A. wurde eine Resolution ttgen da« heutige Parlament und zu Gunsten de» allgemeinen Stimmrechts mit Begeisterung adoptirt. Ein neuer Beweis, daß die englischen Arbeiter die Nothweudigkeit der politischen Agi- tatiou einzusehen beginnen. Aus Spanien widersprechende und konfuse Nachrichten. In den konstituirenden Cortes herrscht augenscheinlich die größte Zer- fahrenheit; die letzten Telegranimc melden abermals eine Minister- brise. Charakteristisch für die Zustände ist, daß die Wähler von Katalonien ihre Deputirten aufgefordert habe», auS den CorteS auszutreten und in die Heimath zurückzukehren? das Klügste für die Koalition sei, eine Catalonische Republik zu organisiren, da die Centralregierung ihre Unfähigkeit bewiesen habe. Die„Frankfurter Zeitung" schreibt über die parlamentarischen Skandale Folgende»: „ES fehlte schon in den letzten Zeiten der Monarchie nicht an Anzeichen einer Spaltung unter den Republikanern. Die Jatran- slgentcn betraten letzten Herbst, im Widerspruch mit den Gemäßig- tcn, die Wege der Revolution. Aber es war doch nur ein Unter- schied des Temperaments. Die Einen wollten die Veste des �vnigthums bombardiren, die Andern belagern. Die Differenzen Aber die Methode konnten auch, da» ließ sich begreifen, fortdauern, so lange die Monarckie in ihren Ueberläufern, den Neurepublika- �ern, zu bekämpfen war, so lange der provisorische Zustand der Aiepublik noch Besorgnisse erwecken konnte. Mit dem Abschluß des Provisoriums aber, mit der Eröffnung der constituirenden Ratio- nalvcrfammlung, mit der Proklamation der föderalen Republik ihätte man glauben sollen, daß die regelmäßige parlamentarische Arbeit begänne, daß die nothwcndigen Meinungsverschiedenheiten in einer geordneten Parteigruppirung ihren Ausdruck fänden, daß bie Minorität sich deren parlamentarischem Comment(Brauch) um so mehr fügen würde, als sie doch in der Mehrheit Blut von ihren, Blut erkennen mußte. Es war ganz in der Ordnung— wenn auch die Heftigkeit der Opposition in der ersten Stunde auffallen mußte— daß der Antrag, Pi y Margall mit der Bildung und dem Vorschlag einer Ministerliste zu beauftragen, von der Minorität bekämpft wurde. Der Antrag stützte sich aus die Nothlage, die ein einheitliches Mi- nisterium verlange, die Opposition berief sich auf die demokrati- scheu Prinzipien, welche durch diktatorische Anwandluugen verletzt tverden. Die Mehrheit siegte; die Minorität hatte sich zu fügen, statt dessen begann sie am nächsten Tag den Streit auf's Neue; *3 wurden die Persönlichkeiten bekämpft, welche Pi auS den Reihen der Gemäßigten vorgeschlagen, darunter Pcdregal. Die Lebhaftig- «it der Debatte, welche der GreiS auf dem Präsidentenstuhl, Orense, �icht zügeln konnte, ging weit über die Grenzen hinan», welche daS südländische Feuer gestattet. ES kam nicht zur Abstimmung Aber die Ministerlistc, da Pi in dem Berhalteir der Kammer den Ausdruck ihrcS Mißtrauens sah und die Präsidentschaft und Mi- susterbildung abgab. Eine geheime Sitzung führte auch zu Nichts. Die Wiederwahl der Exekutivgewalt war nur eine Aushilfe. Die «risis dauerte fort. Figucras, der eine Regierung schaffen wollte, hatte sich durch seine macchiavellistischen Umtriebe und sein slweifelhaftes Benehmen Sonntag Nachts in Mißkredit gebracht. �a er sah, daß er nichts ausrichtete, ließ er, obwohl Präsident der Exekutivgewalt, seinen Posten im Stich und verließ in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch Madrid, flüchtig vor— ja «er das wüßte. Möglich, wahrscheinlich, daß Figueras an eine Rebellion des Aufgeregten Volkes glaubte. Schon am Sonntag Nachmittag, da die neue Miiüsterliste bekannt wurde, erschienen Straßenplakate «ü jener Frage: Wer ist Pedregal?— eine bedenkliche Andeutung, °oß der Prozeß aus dem Congreßhause auf die Straße verpflanzt «rrden sollte. Als nun die Krisis keinen Abschluß finden wollte, mehrten sich die Anzeichen, daß die Masse in Erregung und Thä- tigkeit gerieth. Der General-Capitän SociaS setzte seine Truppen aus alle Fälle in Bereitschaft. FigucraS selbst soll ihn dazu an- gewiesen haben. DieS vermehrte nur die Auftegung der Masse. Die VoluntarioS erschienen wieder an ihren„strategischen Punkten". Die Commandanten derselben gingen hin— eS war Mittwoch Morgen geworden—, um im Cougreß eine Lösung der KrisiS — im Sinne der Unversöhnlichen— zu fordern. Die Nationalversammlung hatte indeß schon vorher, immerhin unter dem Drucke der drohenden Gewalt, sich über ein Ministerium verständigt, in welchem Pi y Margall als Präsident, und der bisherige Civil- gouvcrneur von Madrid, Estevanez, ein Intransigcnter, die Haupt- Personen sind. Die Zusauimcnsctzung entspricht nicht ganz den parlamentarischen Verhältnissen, die Rechte kommt zu kurz. Aber man hat doch eine Regierung und die traurige Geschichte ihrer Entstehung ist hinter uns." DaS ist ja äußerst interessant. Figueras, der von den„bür- gerlichen Demokraten" nicht weniger verhimmelt wurde, als der große Zungenheld Castelar, wird hier endlich im rechten Lichte ge- zeigt, wie er, feig und unfähig, ausgerissen ist. Wo das Volk leibst sein Recht verlangt, da ist kein Bleibens mehr für Diese- »igen, welche e» nasführen wollen! — Parteigenosse A. Radtke in Königsberg ist wegen eines Festliedes, von dem nur ein Abzug existirte, zu 3 Monaten Ge- fängniß verurtheilt worden. Die Anklage lautete auf„Majestäts- beleidiguug." Innere Partei-, Berwaltvngs- und Organisations- Angelegenheiten. Allen Parteigenoffe« hierdurch zur vorläufigen Kcnntnißnahme, daß der diesjährige Partei-Kongreß vom 23. bis 26. August in Nürnberg abgehalten «erden soll. Indem wir noch besonders auf tz VII der Organisation auf- mcrksam machen, werden die Parteigenossen hierdurch aufgefordert, alle Anträge rechtzeitig an den Unterzeichneten einzusenden. Hamburg, den 24. Juni 1873. Der Ausschuß der soz.-dcm. Arbeiter-Partei. Im Auftrag: T h.?)orck, Erste Vorsetzen Hof 13. Im verflossenen Monat sind Mitgliedschaften gebildet und als BerttauenSmänner ernannt worden: fürLechhausen, AlbertLichtcn- steiger; Reutlingen, I. Roller; Berta, Ed. Gestner; Hänichen. Clemens Mehner; Wilkau, Friedr. Kircheis; Viersen, Bcrnh. Rademacher; Dahme, Karl Schendel; Grefrath, Ioh. Baum. Außerdem sind noch Vertrauensmänner ernannt für: Wittgens- dorf, Alban Spindler; Amberg, Georg Thädcl; Darmstadt, Friedr. Maskat; München, F. Schneider; Heinichen, Wilh. Hosemann; Magdeburg, Otto Köhler; Plauen, Hartenstein; Dresden, F. Eichhorn; Erfurt, W. Bohre«. Sämmtliche Ver- trauensmänncr werden hierdurch aufgefordert, die Parteisteuern gelmäßig allmonatlich an dcu Parteikassirer, Herrn H. Benneke, Kleincr Schäferkamp 34, Hamburg, einzusenden. Der Ausschuß: I. A.: Th. Horck. A« die Parteigenoffen! In letzter Zeit haben die Vertrauensmänner verschiedener Orte statt die Parteigelder einzusenden, dieselben ohne vorher eingeholte Genehmigung de» Ausschusses am Orte verwendet und nur über deren Verwendung Abrechnung eingesandt, theilweise sogar ohne Uberhaupt den Nachweis geführt zu haben, daß diese Verwendung nothwcndig war, und unter Zustimmung der Parteigenossen erfolgt sei. Der Ausschuß sieht sich deshalb veranlaßt, nachdrücklichst dar- auf hinzuweisen, daß ein solches Verfahren unstatthaft ist. Wir fordern deshalb die Revisoren auf, derartig ausgefertigte Ad rechnungen nicht zu unterzeichnen, und erklären hierdurch ein für alle Mal, daß hinfort nur die bei der Hauptkasse eingegangenen Baarsenduugeu in der Abrechnung über geleistete Parteisteuern verrechnet, ohne unsere vorhergegangene Genehmigung gemachte Ausgaben aber überhaupt nicht mehr verzeichnet werden sollen. Hamburg, den 29. Juni 1373. Der Ausschuß: Th. Aorck. H. Bennecke, Kassirer. Kl. Schäferkamp 34. (Kewerksgenosseuschaftliches. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Kamburg. Die Bevollmächtigten der neugegründeten Mit- gliedschaften welche daS Cirkular Nr. 4 noch nicht erhalten haben, werden aufgefordert, unter Angabe ihrer Adressen dasselbe sofort zu reklamiren. Gleichzeitig werden alle Bevollmächtigten, denen die heut versandte» veränderten Abrechnungsformulare nicht zugc- gangen sein sollten, ersucht, solche abzufordern, und bitten wir, dieselben bis spätestens den IS. Juli ordnungsgemäß ausgefertigt an den Unterzeichneten einzusenden. Da in kürzester Zeit Cirkular Nr. 6 versandt werden soll, so wollen alle Bevollmächtigten oder Mitglieder der Gewerkschaft, die noch Lokalberichte nicht veröffentlicht haben wollen, ersucht, solche so- bald als möglich einzusenden, insbesondere aber ersuchen wir um Angabe der Verkehrslokale für Reisende, sowie um Angabe wann und wo das Reisegeld ausbezahlt wird. Schließlich sagen wir allen Vertrauensmännern und Parteigc- nossen, insbesondere in Thüringen, die in neuerer Zeit um die Ausbreitung der Gewerkschaft durch Gründung neuer Mitglied- chaften sich verdient gemacht haben, unser» Dank und bitten alle Parteigenossen sowohl als die Mitglieder der verwandten Gewerk- chaften um fernere gefällige Mitwirkung in agitatorischer und or- ganisatorischer Hinsicht, damit endlich auch in Süddeutschland unsere Gewerkschaft festen Boden gewinnt. Der Ausschuß ddr Gewerkschaft der Holzarbeiter. Im Auftrag: Th. Äorck, Ey'te Vorsetzen 13. Gcwerksgenossenschaft der Manufaktur- Fabrik- und Handarbeiter. Weerane, 26. Juni. Den Mitgliedern zur Kenntniß, daß ich nicht mehr Carlstraße deutsche Eiche, sondern Gerberstraße 828 c. Abth. a. wohne. Die Vertrauensleute der Sterbckasscn möchten hiervon Notiz nehmen. Mit Gruß und Handschlag Für die Hauptverwaltung der Sterbckassc: August Haverbier. Correspondenzen. Weida, 22. Juni. Obwohl der Raum dieses BlatteS sehr kostbar ist und ich ungern von meiner eignen Person berichte, si zwingen mich die Verbältnisse doch, etwas von der eroberten„Frei- hcit" im„neuen Reich' zu berichten. Als voriges Jahr die dün- kclhaften Dresdner Tischlermeister ihre Arbeiter durch reactionäre Lorlagen zum Strike zwangen, suchte ich anfangs so viel wie möglich den Strike abzuwiegeln. Meine Mitarbeiter jedoch ent- schieden anders. Mir wurde die Leitung de» StrikeS mit über- tragen. Nach 13 wöchentlichem Striken hatten die Arbeiter den Sieg zu verzeichnen und mehr erreicht, al« sie erwartet. Da»� Resultat für mich war, daß ich für meine Unterschrift, die unter einigen Briefen stand, welche für die Meister beleidigend sein sollten, mit zwei Monaten Gefängniß büßen mußte. Nicht genügt Um den Arbeitgebern, welchen ich 25 Jahre meine Kraft geopfert, nicht etwa wieder entgegentreten zu können, wurde ich' auch noch polizeilich ausgewiesen. Die Recurse an die höhere und höchste Behörde blieben erfolglos. Auf Anrathen de» Polizeidirektor» Dresdens reiste ich, meine Familie zurücklassend, nach Leipzig, w» ich auch baZd Arbeit erhielt. Nach Bekanntwerden meines AuS- weise» au» Dresden wurde mir von der Leipziger Polizeibehörde befohlen, die Stadt binnen drei Tagen, den 14. Juni, zu verlasse« uxid mir gleichzeitig bedeutet, daß ein RecurS-Erheben*) Nicht« helfen würde, da ich denselben schon in Dresden verfolgt habe. Ich fügte mich dem Machtspruch. Selbst die Vermittelung meine« Arbeitgebers, der darum ersuchte, daß ich wenigsten» die angefan- gcne Arbeit bteuden dürfe, blieb erfolglos. Arbeitgeber und Arbeit- uchmer werden, wenn sie den Accord brechen, bestraft; mich zwingt die Polizei dazu, meinen Contract zu brechen. Das ist die Cul- tur des neunzehnten Jahrhunderts. Ich werde aber der Arbeiter- fache treu bleiben. Den Freunden für ihre reichliche Unterstützung meinen besten Dank. Fr. Arnold. Wcemue, 22. Juni. Gestern Abend, nach einem sehr heißen Tage, hatten wir hier auch ein Gewitter sehr eigner Art. Der „Crimmitfchauer Bürger- und Bauernft." berichtet hierüber: Dir im„Bairischen Hof" tagende Bürger-, eigentlich Steuerzahler-Ver- sammlung, welche überaus stark besucht war, wurde von dem Herrn Polizei-Kommissar Ludwig-Wols kurz nach der Eröffnung, al« die Bürger und Steuerzahler»och massenweise herbeiströmten, im Namen des Gesetze» aufgelöst. Nach den Borgängen schon läßt sich schließen, daß, wenn es in der Macht des Herrn Ludwig-Wolf gelegen hätte, diese Versammlung gar nicht erlaubt wordm wäre; es stand aber auch Ungeheuerliches auf der Tagesordnung, nämlich: Berichterstattung über die derzeitigen Gemeindeverhältnisse. Icho« daS im Laufe des Tage» ausgetragene Wochenblatt Nr. 96 brachte ein umfangreiches und aufklarende», vom Stadtverodneten-Vorsteher Herrn Meister und noch drei Stadwerordnetcn, den Herrn C. Low, E. Dietsch und C. Ackermaun, im Namen anderer achtzehn College« unterzeichnetes Publicandum, welche« den Gegnern den Bode« unter den Füßen wegzog, und mochten dieselben auch befürchten, durch diese Versammlung würden die circa 300 Unterschriften z« einer Petition au die Krcisdircktion, welche von ihnen zum große« Theil erschlichen worden sein sollen, illusorisch gemacht werde«. Deshalb beantragte gleich bei Beginn der Verhandlungen der bekannte frühere Schullehrer und jetzige Delikatessenhändler Härtel mittelst eines laugen vorher ausgearbeiteten Schriftstück», daß der zum Schriftführer vorgeschlagene Advocat SchrapS au« Crimmitschau, welcher als Anwalt der 21 Stadtverordneten in der Differenzangelegeuheit mit dem Rathe unt:r ihnen anwesend war, da derselbe kein hiesiger Bürger und Steuerzähter sei, den Saal zu verlassen habe. Da dieser Antrag nur wenig Unterstützung fand und gar keine Aussicht aus Annahme hatte, machte der anwesende Polizei-Komissar Ludwig-Wolf die Sache zu seiner eignen und verlangte, daß Herr Schraps sich entferne. Mehrere Redner mes- den sich zum Wort..Der ermähnte Polizci-Kommissar verbietet dem Vorsitzenden, Herrn C. Binder, in dieser Angelegenheit da« Wort zu ertheilen. Ein allgemeines Murren geht durch den Saal; der Polizei-Kommissar droht, die Versammlung aufzulösen, wenn sein Wille nicht geschehe. Der Vorsitzende weiß sich nicht ander» zu Helsen, als daß er abstimmen läßt. Nur einzelne stiminen gegen SchrapS, ein Wald von Händen erhebt sich für dessen Ber- bleiben. Da fällt auS dem Munde des Polizei-KommissarS da« Machtwort: Die Versammlung ist aufgelöst. Ein demonstrativer lang anhaltender Applaus tobt durch den Saal. Herr Meister mahnt zur Ruhe, Alle» schickt sich bereits an, zu gehen, auch Herr Schraps thut desgleichen. Da wird it auf Befehl de» Polizei- Kommissar« verhaftet und nach dem Rathhau» gebracht, weil er, wie daS Tageblättchen schreibt, geäußert habe: Ich weiche der Ge- «alt.— Auf allen Gesichtern zeigt sich die höchste Entrüstung; aber die Besonnenheit behäit, wie immer bei unserer friedliebenden Be- völkcrung, die Oberhand.„Man will uns zur Empörung treiben," ging es von Mund zu Mund;„es darf den Gegnern nicht ge- lingcn." Und obgleich infolge der aufgelösten Versammlung bi« lief iu die Nacht hinein in den Restaurationen und auf de« Straßen ein erregtes Leben zu bemerken war, so ist doch nicht der geringste Exzeß vorgekommen. Auch Herr SchrapS mußte noch denselben Abend nach kurzem Verhör wieder entiassen werden. (Der Polizeikommissär Wolf, dessen Thaten in obiger Korrespondenz verzeichnet sind, gehört zu den Kathedersozialistcn, deren vorjährigen Kongreß er durch seine Gegenwart schmückte. Daß Herr Wolf in emem seiner praktischen Versuch zur Lösung der sozialen Frage meldenden Telegramm der„Frankfurter Zeitung" ein„Kathedersozialist" genannt wird, verursacht der Berliner„Volre- zeitung" etlichen Aerger, und inspirirt.ihr die weise Bemerkung/!) es sei dieß nur ein Plagiat an dem famosen Telegramm Lassalle'« an Bismarck über den„fortschrittlichen Bürgermeister.« Ei, ei, liebe„Volkszeitung"!„FamoS" ist besagtes Telegramm Lassalle« nicht, weil ein Bürgermeister darin„fortschrittlich" titulirt wurde,. sondern weil e» sich an Bismarck richtete. Der„Kathcdersozialist Wolf" ist aber weder an Bismarck, noch an eine staatSlenkerische und staatSrettcrische Adresse telegraphirt worden, was nothwendig gewesen wäre, um das„Plagiat" zu konstituiren. Also mehr Logik künftighin, liebe„VolkSzeitung" und womöglich auch etwas bessere» Stil. R. d.„V.") ZZerli«, 24.$ant. Die Lohnbewegung der Stuhlarbeiter nimmt hier ihren ruhigen Fortgang': leider ist eine Vereinbarung zwischen Meister und Fabrikanten bis jetzt nicht erfolgt. Unter dem Vorgeben, das Geschäft vertrage eS nicht, wollen die Fabri- kanten unter allen Umständen in keine Lohnerhöhung einwillige«. Am Donnerstag, d. 19. d. M., wurden die Letzteren in einem sehr höflichen Schreiben von den Jnnungsvorstäuden aufgefordert, im Friebel'schen Lokale, Webcrstr. 17, zur Anbahnung einer Verstau- digung, zu erscheinen; der festgestellte Lohntarif sollte ihnen da unterbreitet und die Beschlüsse der überaus zahlreich besuchten Bit- sammlang vom 11. d. M. mitgetheilt werden. Ungefähr 30 Firmen hatten eine Commissiou von vier Mann gesendet, welche die Er- klärung abgab, vorläufig nichts bewilligen und sich in keine weitere« ") Mr meinen doch, Genosse Arnold hätte sich weder von der Dresdner Polizei, die ihn gemaßregelt, etwas anrathen, noch sich von der Leipziger Polizei einschüchtern lassen sollen. Wenn ein Ausgewiesener Rccur« erhebt, so ist das seine Sache und die Leipziger Polizei braucht nicht erst ihren Seust dazu zu geben. Red. d.„B." Bcrhaxdlungen mit den JnnungSvorständen einlassen z» wollen, sie wollten nur mit ihren Meistern selbst unterhandeln. Das war deutlich genug! Gestern Abend fand nun wieder eine von mehre- ren Tausenden besuchte Persammlung selbststäudiger Stuhlarbeiter statt, wozu die Gesellenvorstände eingeladen waren. Bei der DiS wssion über den Vorschlag der Fabrikanten, nur mit Einzelnen unterhandeln zu«ollen, waren alle Redner dagegen, indem sie sehr richtig bemerkten, daß aus solchem Wege jeder einzeln Fordernde abgewürgt und in manchen Artikeln ganz bestimmt gar keine Lohn- erhöhung eintreten würde. Sie verlangten deshalb, die Beschlüsse vom 11. d. M. aufrecht zu erhalten, welche dahin gingen: wenn der Lohntarif nicht genehmigt«erde, zum 1. Juli die Arbeit ein- zustellen. In diesem Sinne sprach sich auch der Vorsitzende unserer Kommission auS; weiter versicherte derselbe den Meistern die voll Sandige Uebereinstimmung der Gesellen mit den gefaßten Beschlüssen. ils es zur Abstimmung kam, war auch nicht ein Einziger gegen die Arbeitseinstellung. Auch die Umgegend von Berlin ist bereits dearbeitet; am Sonnabend waren Becker und Unterzeichneter in Bernau, Gerstenbera und Schnabel in NowaweS und heute ist Becker in Zinna. In beiden ersteren Orten waren die Gesellen «it unS einverstanden, nur erklärten sie, den von ihren Meistern ausgearbeiteten Lohntarif annehmen zu wollen; derselbe ist, den dasigen Verhältnissen entsprechend, etwas niedriger. Wenn bis zum Dienstag den 1. Juli von den Fabrikanten keine befriedigende A»t- wort eingetroffen, bricht der Strike aus; über 3000 Stuhlarbeiter, Meister und Gesellen, Verheirathete wie Unverhcirathete, werden dann die Arbeit niederlegen. Arbeiter allerorts, bedenkt das und laßt unS nicht im Stich; nur die bitterste Nothwendigkeit treibt «u» zu diesem Schritt; und ihr Stuhlarbeiter Deusschland», auf Euch setzen wir unsere Hoffnung, meidet bi« auf weiteres Berlin und die Umgegend und unterstützt un», sobald der Strike ausbricht, mit materiellen Mitteln, damit wir nicht unterliegen, denn unser Sieg ist auch Euer Sieg! Briefe rc. sind zu richten an Scholz, kl. Andreasstraße 20, S. Tr. l. Im Auftrag der Gescllencommission: G. Gladewitz, Schriftführer. NB. Alle arbeiterfrenndlichcn Blätter werden gebeten, von vbigeui Bericht Notiz zu nehmen und denselben zu verbreiten. Kamburg. Bericht. Allen Klempnern,(Spenglern) GaS- und Wasserrohrlegern diene hiermit zur Nachricht, daß wir am Sonn- abend, den 28. Juni die Arbeit eingestellt haben, nachdem unsere Forderung von 20 Prozent Lohnerhöhung von uiisern Arbeitgebern auf höchst inhumane Weise zurückgewiesen wurde. Wir richten an all« Kollegen die dringende Bitte, unS in unscrm Kampfe zu unter- stützen, sowohl durch Fernhalten de» Zuzuges, wie auch materiell, denn es stehen viele verheirathete Kollegen in unfern Reihen. An alle Parteigenossen richte ich gleichfalls die Bitte, dafür Sorge zu tragen, daß Obiges hauptsächlich in größeren Städten, wie Leipzig, Dresden, Breslau, Eßlingen, Stuttgurt jc.— genügend bekannt wird. Mögen sich die Kollegen besonders vor marktschreierischen Annoncen hüten, und namentlich solchen nicht trauen, die ihnen hier ein Herrenleben in Aussicht stellen; denn in Wahrheit sind die Löhne, die in unserem Geschäft hier am Ort bezahlt werden, fast die schlechtesten von allen Gewcrkcn. Darum Kollegen seid auf der Hut. Briefe zc. sind zu richten an den Unterzeichneten. Mit kollegialischem Gruß und Handschlag: Der Vorsitzende deS Fachvereins der Klempner u. GaSfitter. W. Metzger, Böhmkcnstr. Nr. 8, 2. Etage. Kamburg. Zur Beachtung für alle Schlosser! Kollegen, da wir allem Anschein nach mit einigen Meistern wegen Lohn- differenz in Konflkti gcrathen werden, so ersuchen wir den Zuzug fern zu halten. Der Vorstand des Bau- und Maschinenschlosser-Verein». Krefekd. Die Agitation in hiesiger Gegend wird immer leb- hastcr und es unterliegt keinem Zweifel, daß wir für die nächste ReichStagswahl die günstigsten Chancen haben. Sonntag den 15. fand in St. Tonis(Wahlkreis Kempen) eine sehr zahlreich besuchte Volksversammlung, in welcher Unterzeichneter referirte, statt. Die Versammlung nahm einen guten Verlauf, 20— 30 Personen traten unserer Partei bei. Orts ist einstimmig als Vertrauens- mann gewählt. Den 16., Montag Abend, tagte am hiesigen Orte eine Volksversammlung, in welcher Raspe apS Essen und Unter- zeichnete? über die Menschenrechte refcrirten. Die Versammlung tagte bis spät in die Nacht, und auch hier traten wieder viele neue Mitglieder bei. Uebcrhaupt mehrt sich die Zahl unserer Mitglieder von Woche zu Woche, so daß wir mit Sicherheit sagen können, Crefeld wird bald unter die besten Mitgliedschaften gerechnet wer- den können.— Zur Konstituirung eines Central-Wahlagitations- Comit� für die Kreise M.- Gladbach, Kempen und Crefeld findet Sonntag den 6. Juli Morgens eine Delcgirtenverfammlung ge- »anntcr Kreise in Crefeld statt, worauf wir die Parteigenossen oben erwähnter Kreise aufmerksam machen. Fr. Obermann. Krenzttach, 17. Juni. Eine für Sonntag den 15. d. M. auf hessilchem Boden bei Kreuznach anberaumte Volksversammlung konnte abermals nicht stattfinden. Nachdem die Versammlung vor- schriftsmäßig angemeldet war, schrieb das großh. hessische Kreisamt zu Alzey an den preuß. Landralh(auch Reichstagsabg.) Agricola in Kreuznach, die Versammlung dürfe nicht abgehalten werden, denn dem Kreisamt ständen keine Beamten zur Verfügung, die zur Be- anfsichtigung„solcher" Versammlungen geeignet seien, auch wolle es(nämlich löbliches KreiSamt) nicht dulden, daß„preußische Agitatoren das hessische Land durchwühlten." Der Landrath wurde er- sucht, den Anmelder hiervon zu benachrichtigen, waS denn auch von dem Urheber des ber— ühmten Spreng-Telegramms an die Berliner „Nordd. Allg. Ztg." sehr gern geschehen ist.— Nach dem, wie man meinen sollte, nicht bloS zum Spaß publizirten VerfammlungS- gesetz(von 1849!!) bedarf es keiner Erlaubniß zur Abhaltung von Versammlungen. Aber„man" ist bekanntlich immer„gesetz- lich" und die Sozialdemokraten nennt man hintcndreiu ungesetzlich. Ein weiterer Commcntar ist wohl überflüssig. Beschwerde beim hessischen Ministerium ist abermals eingereicht, die erste, aus ähn lichem Anlaß erfolgte, noch nicht beantwortet. Es wird sortge arbeitet. Der„Volksstrat", daS steht schon jetzt fest, erhält trotz verschiedener unverschämter Maßregelungen gegen die Leser desselben im nächsten Quartal weit mehr Abonnenten. Hoch leben der wohl- weise Landrath, Bürgermeister Rüppel und Polizeikommissar X zu Krähwinkel, nein dock zu Kreuznach; sie sollen leben! und ihre Geistesverwandten in Alzey daneben! Hera. In der hiesigen mechanischen Weberei haben sämmtlichc Weber, 80 an der Zahl und größtentheilö Familienväter, die Ar- beit eingestellt. Forderung 25 Prozent Lohnerhöhung. Bitte Zu- Jug fern zu halten und um Ausnahme in alle arbeiterfreundliche» Zlätter. Näheres folgt. Das Comit�: Radack; Schmeißer; Kurze; E. Gläßer; Wetzel, Weidschegasse 4. durch unsere elenden Verhältnisse anheimgefallen, haben wir un< endlich aufgerafft und sind zweimal bittend an unsere Herren her- angetreten, jedoch abschlägig beschiedcn worden. Darauf haben wir, 420 Mann stark, Weber der mechanischen Weberei Weltz und Weidner), Männer und Frauen, sofort die Arbeit eingestellt. Unser Lohn variirte zwischen 7 bis 14 fl.(4 bis 8 Thaler) in vierzehn Tagen! Wir verlangen 25 Prozent Lohnerhöhung und llstündige Arbeitszeit. Daß unter den heutigen Verhältnissen ein junger Mann mit solchem Lohn nicht auskommen kann, geschweige ein verheirathcter, ist ganz selbstvcrständlick. Und nur das reine Elend war es, welches uns dazu trieb, die Arbeit sofort niederzulegen. Auch vom Direktorium wurden wir abgewiesen und dennoch entschlossen wir un« auSzuhalten; darum, Arbeiter! verlaßt unS nicht!— Unterstützungen werden erbeten an Jakob Jena, postv restantv Hof. Mit sozialdemokratischem Gruß, Hof, 28. Juni 1873. Otto Raithel. Heller. Erklärung. Durch ein unS unliebsame« Versehen ist zu der Zahl der ge- nannten Partciblätter daS„Felleisen" Organ der deutschen Arbeiter- Vereine der Schweiz nicht mit angeführt. Wir empfehlen dasselbe hierdurch ganz besonders und nachdrücklichst zu weitester Ver- breitung. Der Ausschuß der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Ed. Prey. Th. 7>°rck._ Berichtigungen. In dem Artikel über die Junischlachl muß es aus der ersten Spalte S. 2 heißen:„in seierlicher(nicht friedlicher) Stille marschirte die Tolonne um die Säule der Freiheitsgottia" u. s. w. Und einige Zeilen weiter sind einige Worte ausgefallen; es muß heißen:„Wie die in die Arena ziehenden Gladiatoren den Cäsar, der ihren Todeskampf schaueu wollte, stolz mit dem Ruf zu begrüßen pflegten: Ave Caesar, moritiiri te salutant! (Heil Dir, Cäsar, die in den Tod gehenden grüßen Dich!), so brachten" u. s. w. In der Rundschau der vorletzten Nummer muß es S. 2, Sp. 3, oben heißen: pour corriger la fortune— um dem Glück und der NaMr nach- »Helsen, anstatt: mit der Natur. Fond für pol. Gemaßregelte. Vom Arb.-Bild.-Verein Leipzig durch Nauert Thlr. 7. 6. 5. Gcnosstnschaftsbuchdruckerei. Antheilscheine bez. Antheilquittungeu erhielten serner: In Leipzig I. Pr. Thlr. 2, W. Fnk 2; in Dresden: Int. Schuhiuachergcwerk chaft 10; Magdeburg: W. VI» 1, W. Hbrm 1, H.«rs1, A. Kr. 2. Frau Krll 2; in Pfersee: M. Phl 1, A.«n; 1; I. Gsbgr 1 Thlr. I. Stnbchr 1, Jos. Stnbchr 15 gr.; in Altona: Th. Klb 5, PH. Mansseld 6. Hadlich. Briefkasten der Redaktion. St. K. in Ravensberg: Die Aenderungen, die wir an Ihrem Bericht vorgenommen haben, kläreu Sie über Weiß auf.— Ernst Mllr Köln: Kolb's Kulturgeschichte der Menschheit, Struvc's Weltgeschichte und Kvlb's Statistik. Die verlangte Adresse lautet A' Gögg in Renchen, Großh. Baden.— Tölcke, Geschichtsschreiber in Berlin: Wir können un« leider heute nicht mit Ihnen beschäftigen. Am Freitag werden wir Ihnen einige» Material für Ihre historischen Studien zukommen lassen. Wenig, aber von Herzen. Einstweilen rathen Sie„Freund Wilhelm", ehe er seine nächste Vorlesung über die Französische Revolution hält, soll er den 6. Band von blicbelet's Hist. de la Kev. Fran�aise durchlesen, namentlich die Partie von der Köpsung der Hebertisten durch den„ge- wältigen Tribun" bis zu der Köpsung de» Letzteren durch die Ther- midorier. Es ist ziemlich mangelhaft, genügt aber doch, um„Freund Wilhelm" ahnen zu lassen, von welchem Stoff der„Sozialismus" de« „gewaltigen Tribun'»" gewesen. A revoir!— der Expedition. W. Mtzg Hamburg: Ihre Annonce kam erst Freitag, also zu spät. W. Hck Rcgensburg: Die Ihnen fehlenden Liescrungen (bi» jetzt vier erschienen) vom„Webstuhl der Zeit" können Sie durch un« oder von W. Bracke jr. Braunschweig beziehen. A. Thl Wien: Schr. 23 Gr. 2 Pf. W. Rbw Berlin: 20 Gr. Rmn ebcnd.: Ann. 5 Gr. Adv. Frtg Plauen: Schr. Thlr. 1.20. Th. Jgh« Witten: Ab. 2. Qu. Thlr. 9. 20. 5. H. Fmnn Duisburg: Ab. 2. Qu. Thlr. 3. 19., Schr. Thlr. 2. 10. 5. P. Simp Mainz: Schr. Thlr. 3. 4. Hck Römerstdt: 2. Qu. Thlr. 1. 4. Schnciderver. Leipzig: Ann. 5 Gr. E. Kl ebcnd.: Schr. Gr. 8. 8. Lociete Allemande Gens: für? Thlr. 5. 11. 8. E. W« Mühlhausen: Schr. Thlr. 2. 24., Ab. 20 Gr. Wnschhm Landshut: Ann. 9 Gr. I. Ltschk hier: Ab. Juni Gr. 7. 5. Jgh» Witten: Abonn. 3 Thlr. Dtzr Zwickau: 2. Qu. 7 Thlr. Rchtr Stötteritz: Schr. 1 Thlr. 6 Gr. A. R. in M.: 3. Qu. Thlr. 1. 2. Manuf.-Arb.-Gcw. Berlin: An». 21 Gr. Rnk Altona: Ann. 5 Gr. Pbst Buckau: Schr. 5 Gr. A. K. Eiscnberg: Schr. Gr. 6. 5. I. Bhlmnn Münster: Schr. 5 Thlr. Kst Lrr. St. Tama«: Ab. Thlr. 1. 4.—.__ Anzeigen?e. WOrtttrt Sozial-demokratischer Arbeiterverein. lillUUU Donnerstag, den 3. Juli, Abend« 9 Uhr: Versammlung im Schumachcr-Amtshaus, gr. Bergstraße 39.— Wegen wichtiget An- gelegenheiten ist da« Erscheinen sämmtlicher Mitglieder nothwendig. Altona Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonntag, den 6. Juli, Nachmittag 4 Uhr, Generalver- sammlung der Krankenkasse im VereinSlokale große Bergstraße Nr. 139. Da» Erscheinen eine» jeden Mitgliedes wird erwartet. �_ Der Vorstand. Aufruf! Arbeiter aller Länder! Seit langen Jahren fast der Verzweiflung sWesvIib» Gewerkschaft der Holzarbeiter. Oll 11 H Sonntag, den.6. Juli, Vormittag« 10 Uhr im Lokal de» Herrn Groß, Köpnikerstraße Nr. 151. � Tagesordnung: Einführung der Krankenkasse; Aufnahme neuer Mitglieder findet statt. Der Vorstand. XL. Wir fordern alle Diejenigen auf, die weiter bei der Gewerk- schast der Holzarbeiter bleiben oder sich der Gewerkschaft der Holzar« deitcr anschließen wollen, in dem genannten Lokal zu erscheinen, damit wir eine stramme Organisation schaffen über die ganze Welt. Holzar- beitcr aller Länder, verbindet Euch! Da» soll stet« unser Mahnruf sein. BerUn Man abonmrt vom 1. Julr ab aus dm„Volksstaat" monatlich 1>/., Cgr. frei in« Hau», bei den Herren Traut- mann, Eygeluserstraße 6d, 4 Tr.; Friese, Schwcdterstraße 28, Hof Part.; Mehner, Linienstraße 79; Heinsch, Lindcnstraße II, Hof 4 Tr. bei Ewcst; Revber, Koppenstr. 26; Schwoide, Stettinerstr. 43, Hof Part. sjNs Sonntag, den 8. Juli, Abend» von 8 Ubr ab findet bei Gclcgenbeii und zu Ehren der zum Rheinischen Cigarren- Arbeitertag anwesenden Delegirten ein Großer Festball der vereinigten Cigarreuarbeiter im„Dmtschen Kaisersaale"(Comödienstraße) statt.— Festrede, gehalten von F. W. Fritzsche au« Berlin. Bei eintretender Dunkelheit: Triumph- Einzug de» Mohrenkönig« und Feuerwerk in den Gartcn-Anlagcn. Entree 5 Sgr., Eine Dame jrei. Der Reinertrag wird einem edlen Zwecke überwiesen. Um recht zahlreiche Betheiligung bittet[2d'j Da« Comitee. rtT rtfinfrt S-untag. dm 6. Juli: VLOUllly Allgemeines Arieiterfest bestehend in: Festzuz durch die Stadt mit Fahne nach dem Festplatz Festrede, Concert, Gesang und deklamatorischen Vorträgen. Die Parteigenossen von»ah und fern werden hierm eingeladm un» bitten wir um vorherige Anmeldung, damit für Freiquaniere gesoch werden kann. Ein EmpfangS-Comitee wird, an rothen Schleifen kenntlich, bei allti Zügen am Bahnhofe sein. Da« Fest- Comitee. XB. Alle Briefe sind zu richten an Herrn Lorenz Fischer, Weber- Meister am Ketschenthor, Coburg. s'Zb) Frankenberg verbunden mit Konzert, von Dr. Walft-r an« im festlich dekorirten Saale de« Herrn Benedix, Deklamation,.Gesang und Festrede(gehalten Dresden). Anfang Nachmittag« 3 Uhr. Abend« Ball. Hierzu find die Parteigenossen und sozial-demokratisch gesinnten Arbeiter von Nah und Fern herzlich willkommen. Empfang auf dem Bahnhofe von den Fest-Comite-Mitgliedern. E« rufet unsere Gefinnuligsfittk, Euch Alle zu seh'n in uns'rer Wtte! *2a] Das Fest-Ccmite de« sozial-demokratischen Arbeiterverein«. Einladung zum«bnanement aus den ,.volk»st>at' Preis bei Lieferung in« Hau» vierteljährlich 26 Schill. „„„„ monatlich 9. Bestellungen nehmen an: Die Colportcure de«„Volksstaat" Schnlf und Schütze; Traumann, Dragonerstall 25; I. Lllder«, neustädt Neustr. 92; August Geib, Rödingsmarkt 12. Die Zahlungsbedingungen, wie sie per Circulair mitgetheilt, firfl streng zu beachten. f 0ClilClftCrj � ff l�Jutr die Filialexpedition aufgegedn ._ babe, ersuche ich diejenigen Abonnenten, welche de „Volk«staat" durch mich bezogen, freundlichst, von jetzt an aus der Po! zu abonniren. Der vierteljährige Prei« bei dreimaligem Erscheinen bc trägt 1 fl. 5 kr., pro Monat 24 kr. I. E. Jkert. Leipzig Sozial-demokratlscher Arteiterverei». Freitag, den 4. Juli, Abend» 8 Uhr: Versammlung b< Zeidler, gr. Windmühlenstraße Nr. 7.— Tagt»°rdnung: 1) Sozial politischer Wochenbericht. Referent Voigt. 2) Die Grundrechte d« deutschen Volke« von 1848. Referent Nauert.— Gäste>willkomme» _ Der Vorstand. ni}ltt||2 Diejenigen Abonnenten de«„Volksstaat", welche in L« treff der Zahlung im Rückstände find, werden dringest gebeten, sofort zu bezahlen. C« ist die» unbedingt nothwendig, da ei« neue Geschäftsordnung in den Filialen eintritt. I. Schäfer, Schuhmacher und Kolporteur de«„Bolksstäat". «( Pr- tezil Wc - GZitttthem Oeffentliche Versammlung W«UUUll|) der sozial-demokratischen Arbeiterpartei für Stollber und Umgegend, Sonntag, den 6. Juli, Nachmittag« 2 Uhr, im Schieß Hause. Tagesordnung. Abführung der Parteisteuer und Beschickung d« Landesversammlung zu Chemnitz. Wenn möglich, soll wenigsten« E» Vertreter au» jedem Orte de« 19. Wahlkreise« in dieser Versammlung mit erscheinen, damit Verständigung über Kandidaten für die nächst Reichstagswahl erzielt wird. 2a]__ Da» Agitation»-Tomits und der Vertraucn«mann. (mii pro tnfg - LA*0€ »Sc [am zahl — � stlbl Giengen a. d. Brenz. (Würtemberg). Für meine Schlosserei suche ich einen tüchtigen Arbeite« VÜt _ l-bj__ M. Köpf jun., Eisenhändler.. i'am Aufforderungen. Leonhard L. Weber möge mir ungesäumt seine Adresse anzeige: Ich habe ihm Mittheilung über den Stand seine» Prozesse« gegen in K. zu machen. Parteigenossen, welche diesbezüglich Nachricht ge» können, bitte ich um Ausschluß. Eßlingen, den 27. Juni 1873. __ Wilhelm Morlock, Obertborstraße 3» den lchaj Ich ersuche den Cigarrenmacher Hugo Stumfs au» Potsdam, M> sofort seinen Aufenthalt, dringender Familienangelegenheiten wegen, wissen zu thun. Zeitz, den 28. Juni 1873. O. Zur «rvi verjl Bolksflallt�-Kaleilder. in Wir machen die Parteigenossen daraus aufmerksam, daß auch dies« �1. Jahr der„Volksstaat"-Kalendcr in hekannter reichhaltiger AuSstab tung erscheint. Sein Inhalt wird wiederum den Zielen und Jntcressss de« arbeitenden Volke» entsprechend sein. Der Versandt wird Ende LA gust beginnen._ j gt Zur allgemeinen Kenntniß bringen wir, daß Anlernt« für die nächste Nummer nur bestimm! Aufnahme finden, wenn daS betr. Manufcript hierzu längstens b« � toiss als Jedl Montag, Mittwoch oder Areitag Mittags in unseren Händen i|t sst Sei Inserate bitten wir an uns zu adressircn. Die Expedition des„Bolksstaot" Bekanntmachung. Die Filialexpcditionen werden hiermit aufgefordert, den Bett»- für daS II. Quartal, soweit es nicht schon geschehen, binnen af stände sind, ersucht, sofort den Betrag einzusenden, wie für d»! III. Quartal pränumerando zu bezahlen. Die Erpedition des„Dolksstaat" «it sich wa» >vir «ich W Ih P° behi «i ;-f Nil Gl. nur Ör Die Gewerkschaft der Holzarbeiter hält Sonntag, den 13. Juli, ein Kltgemeines Urbeiterfest verbunden mit Konzert, Vorträgen und Tanzvergnügen, und ladet somit sämmtliche Partei- und ÄewerkSgenossen ganz Thüringen« hiermit freund- lichst ein. Da» Eomitö. Bekanntmachung. Die Filialen wie sonstigen Leser des„Volksstaat" werden e> ucht, umgehend das Abonnement zu erneuern, damit die AuM bestimmt werden kann. Säumige haben es sich selbst zuzuschreiben wenn sie die ersten Nummern nicht mehr erhalten. Die Expedition des„Dolksstaat" Filialcxpeditioncn, welche im Besitz von unanbringlich� Heften Nr. 2, lt. und 4 von Marx„Kapital" sind, werd� gebeten, solche recht bald zu remittircn. Expedition des„Dolksstaat" Leiviip:«erautw. Redakteur E. Sa«per.(Redaktion und Expedit� Zeitzerstr. 44). Druck und Verlag der GeuosseuschastSbuchdrucktret. aus stuf geb au« geb der he, soll erw «m wo der Gl. du, gib