Ur. 100. Abonnements• Bedingungen: NbonnemenlZ-Preti pränumerando: vtirttljährl. 3,30 SDH., monatt. wöchiMNch 28 Pfg. frei ins Haue. Slnsetne Nummer S Pfg. SonnlagZ- Nummer mit iliuNrterlec EonntagZ- Beilage„Dl- Neue Welt» lv Pfg. Post- Abonnement: 3.Z0 Ntarl pro Quartal. Singetragen in der Post- Zeitung»- Prct»IIsti für 1900 unter Er. 7971. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Dutland S Marl pro Monat. Erschein! lüglich«uftrr Zvonleg«. Vevlinev Volksblskt. Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. 17. Jahrg. Die Inscrtiong. Gebühr betrSgt für die sechsgespaltene Kolon«?« zeile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerkschaftliche Verein»- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Knieigen" jede» Wort ki Psg. tnur da» erste Wort sell>. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in derBxpedttion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Tonn- und Festtagen bi» 3Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Eml I, Er. 1508, Telegramm-Adresse: „Sorliildrmokrai Btrlitv' Nedaktion: SW. 19, Veuth-Strahe 2. Dienstag, den 1. Mai 1900. Expedition: SW. 19, Beukh-Skrafke 3. Zum Volkerfest der Arbeit. Der t. Mai wird heute zum elftenmal als internationales Weltfest der Arbeit von den zum Belvuhtsein ihrer Kulturmission er- wachten Proletariern aller Länder gefeiert. Vor 11 Jahren, im hundertsten Jubeljahr der grossen französischen Revolution, wurde der 1. Mai, seit unvordenklichen Zeiten ein dem Volk besonders teurer und weihevoller Tag, von dem ersten Weltparlament der organisierten Arbeiter zum Weltfcsttag erhoben: zu dem gemeinsamen Feiertag, an welchem die Arbeiter aller Länder sich zu einer Heerschau vereinigen, von den herrschenden Klassen die Rechte der Arbeit fordern und iiber die Grenzpfähle hinweg, der barbarischen National- Vorurteile spottend, einander die Bruderhand reichen und sich geloben sollen, nicht zu rasten und ruhen, bis der Bau der Gleichheit und Freiheit. den im vorigen Jahrhundert das Bürgertum nicht vollenden konnte, und den es, so weit er errichtet war, in diesem Jahrhundert des Kapitalismus geschändet hat, fertig, aus unerschütterlicher Grundlage stolz zum Himmel emporragt. DaS internationale Volk der Arbeit, das sich und der Welt den I. Mai gab, hat damit seinen Willen bekundet, die Freiheit, die Gleichheit und die ewigen Menschenrechte, welche die bürgerliche Revolution auf das Papier schrieb und aus dem Papier stehen lieh, im Staat und in der Gesellschaft zur Wahrheit zu machen. Die Entwicklung� des Bürgertums, das mit der französische» Revolution zur Herrschaft kam, hat eine wirtschaftliche Revolution bedingt, die eine weit grössere Umgestaltung der politischen und socialen Verhältnisse bedeutet, als die große Revolution selbst. Diese wirtschaftliche Revolution hat bewirkt, daß gerade die von der großen Revolution erkämpfte Freiheit es war. welche die uto- pistisch zur Basis der neuen bürgerlichen Welt erklärte Freiheit und Gleichheit sehr bald zu einer Lüge werden ließ. Der Kapitalismus, den die bürgerliche Arbeits- und Gescllschafts- Ordnung mit Naturnotwendigkeit erzeugte, hat im Lauf des scheidenden Jahrhunderts eine schreiendere Ungleichheit unter den Menschen hervor- gebracht, und einen tieferen und breitere» Abgrund gegraben zwischen Ann und Reich, als je unter dem mittelalterlichen Feudalismus de- standen, den die bürgerliche Revolution im Namen der Gleichheit gestürzt halte. Der Gleichheit u n d d e r F r c i h e i t. Die Freiheit prangte nach dem Bastillenstnrm sogar vor der Gleichheit. Ein schönes Wort die Freiheit, aber das trügerischste Wort, weil schillernd in allen Farben, und glänzende Hülle für den verschiedenartigsten Inhalt. Ohne Gleichheit in jedem Fall eine hohle Seifenblase, deren buntes wechselndes Farbenspiel mir ein Kind über die Nichtigkeit täuschen kann. Wo keine Gleichheit. da keine Freiheit. Oder ist's Freiheit, daß der Arme, um zu leben. seine Arbeitskraft und damit sein Ich, Leib und Seele dem Reichen verkaufe» muß. der. weil im Besitz der dem Arbeiter fehlenden Arbeitsinittcl, ohne selber zu arbeite», den Arbeiter durch die Hunger- peitsche zwingt, ihm zu dienen und gegen kärglichen Lohn die Früchte seiner Arbeit abzutreten? Denn darin liegt der Fluch des Kapitalismus. daß er, indem er die Menschen in zwei Klassen zerspaltete, den Arbeiter von den Arbeitsmitteln getrennt hat. Und der Kapitalismus lebt von der Ausbeutung, und muß immer mehr ausbeuten. Wer aber ausbeutet, muß knechten, da der Ausgebeutete, sofern er seines Menschentums bewußt ist. gegen die Ausbeutung sich aufbäumt und seine Menschenwürde, seine Menschenrechte zu wahren sucht. So wächst mit dem Kapitalismus die Ausbeutung, und mit der AuS- bcutnng die Knechtschaft. Seit Jahrzehnten haben wir die Diktatur des Kapitalismus mit Polizcidragonaden, Aus nahmcgesctzen, Anarchistcnzüchtung, Altentatspolitik. Alle auf dem Boden des Kapitalismus stehenden Parteien sind deshalb mehr oder weniger ausgesprochene Anhänger der Klassen diktatur. Rur ein kleiner, jedoch zu politischer Ohnmacht verdammter Teil des Bürgertums hält noch fest an einigen der alten Ideale bürgerlichen FrciheitSgcfiihls. Der Kapitalismus, der alle Arbeitsgebiete sich erobert und seiner Diktatur unterwirft, kennt kein andres Ideal als die politische Herrschaft und die ökonomische Ausbeutung. Jetzt, an der Wende des Jahrhunderts, das seine Entstehung und sein Anfbliihcn sah, ist der Kapitalismus vom Cäsarenivahnsinn erfaßt und opfert seineu AllmachtSgeliisteu jede Rücksicht, jeden An stand, jede Menschlichkeit. Er hat nur e i'n e Triebfeder: daS Interesse. Es ist, als ob er freventlich dein Sinn für das Schöne und Gute Trotz bieten und dem Urteil der Menschen durch Enthüllung seiner wahren Gestalt und seines eigent- lichcn Wesens geflissentlich ins Gesicht schlagen wollte. Niemals in irgend einer Geschichtspcriode ist der Moral und dem Sittcngesetz so frech und so chnisch getrotzt worden. Sogar die Kaiser deS verfallenden RöincrreichS suchten den Schein noch zu wahren, wohin- gegen heute der Kapitalismus entblößt und feigenblattlos sich vor die Welt hinstellt. In früheren Zeiten, wenn er ans Raub ans- ging, hing er sich den ehrwürdige» Mantel der Religion, Humanität und Civilisation um. Nicht mehr heute. Der K'apitalisnius schämt sich nicht mehr. Nackt läuft die„Jntcressenpolitik" auf der Straße herum. Unverhiillt, ohne Maske übt sie das Raubhand- tvcrk. Und wo der Raub nicht ohne Mord sich betreiben läßt, da betreibt sie den Raubmord im großen. Ist daheim nichts zu rauben, nicht genug mehr zu rauben— und wann wäre es dem Kapitalismus genug?— dann wirft die„Jnteressenpolitik" sich auf fremde Länder und nennt sich Kolonialpolitik, oder, wen» sie den Mund voll nimmt, Weltpolitik. � Ihre klassischste Form hat die Kolonialpolitik in Afrika gefunden, in dem schwarzen Erdteil, den man bald den roten wird nenne» müssen,' weil er sich mit dem Blut seiner Bewohner rot färbt. Ge- stohlcneS Land, verheerte Fluren, in Brand geschossene Dörfer, ge- schändete Weiber. Massenmetzeleicn von Männern, Frauen und Kindern, und immer: Raub, Raub, Raub— das ist die Kolonialpolitik, lvie sie in grauenvollem Wetteifer der Bestialität von Engländern. Franzosen. Bclgiern.Dentschen ausgeführt wird. Welche Schmach hat dieseKolonial Politik über unser Deutschland gebracht! Und wer hat die Leist, Peters, Arenberg und wie die Schandbuben alle heißen mögen, zu ihren Verbrechen begeistert, wer hat ihnen den Arm gelenkt? Der Kapitalismus. Nieder mit dem Kapitalismus! Blicken wir nach Südafrika. Auf einer Landfläche, doppelt so groß wie Deutschland. wütet seit dem 8. Oktober des vorigen Jahres— in acht Tagen sind e§ genau 7 Monate— ein Krieg. lvie ein ähnlicher noch nie gewütet hat. Kein Krieg der Eroberungssucht und des Ehrgeizes, kein Krieg zur Förderung der Civilisation. kein Krieg, der begonnen worden ist, um irgend ein vermeintliches oder wirkliches nationales Interesse zu befriedigen— nein, ein ein« facher Raubkrieg, um Gold und Dia mauten zu stehlen, und Aktionäre einer habgierigen Gründer- gesellschast zu bereichern. Jedes höhere, jedes politische Moment fehlt, das sonst auch für die verworfensten EroberungS- kriege geltend gemacht ward. Nicht einmal der berüchtigte O p i u m- krieg läßt sich vergleichen— denn er schoß Bresche in die chinesische Mancr und leistete so unleugbar der Civilisation einen Dienst. Der schmachvolle Boerenkrieg, in de» ein Reich von 400 Millionen gegen zwei winzige Freistaaten mit zusammen nicht 400 Tausend Ein- wohnern gehetzt worden ist, kann dem britischen Reich so wenig Vorteile bringen wie der Civilisation. Der einzige Dienst, den er der Civilisation leisten kann, aber auch gründlich leistet, ist, daß er den Völkern der Erde offenbart und veranschaulicht, was der Kapita- liSmns/ist und mit welchem Los er die Völker bedroht. Dieser unsäglich feige Krieg, in welchem fast auf jeden Einwohner der beiden Boercn-Frcistaatcn ein englischer Soldat entfällt— wie wenn über Deutschland sich eine Armee von 40 bis 50 Millionen Soldaten gewälzt hätte!— in welchem für den Angreifer der Sieg nicht weniger entehrend ist als die Niederlage— er ist das ur- eigenste Werk deS Kapitalismus. Der KapitaliSiNUS ist ein Raubtier; er nährt sich von geraubter Arbeit. Wenn der Arbeiter die Früchte feiner Arbeit erntete, gäbe eS keine Kapitalisten, keinen Kapitalismus. In seiner Jugendzeit verbarg der Kapitalismus diese seine Nanbnatur noch unter dem Flitter der altbiirgcrlich revolutionären Schlagwörter von Freiheit. Humanität, Kultur. DaS ist anders geworden. Der Räuber ist stolz, Räuber zu sein. Und Ehamberlain und R h o d e S sind Nationalhelden bcS bürgerlichen England. Wie in England, so in Deutschland. Ein Konsortium von Kapitalisten entdeckt, daß eS sich auf Kosten deS deutschen Volks um Hunderte von Millionen bereichern kann, wenn sechstausend Millionen Mark für Mordschiffbautcn ins Wasser geworfen werden— eine schamlose Reklame- Agitation wird in Scene gesetzt, und, einen kleinen Bruchteil des BürgcrtnniS ausgenommen, sind alle bürgerlichen Parteien jetzt in einem tollen Gebalge, Feilschen, Schachern um die Flotten- beute. Kein Versuch, den Schein zu wahren. Nur Geld, Geld. Geld! Die Politik ist dem Kapitalismus gemeines Privatgeschäft. DaS ist der Kapitalismus. Und bei dieser völligen Verfaulthcit der bürgerlichen Parteien, die in Deutschland hin- und herpendeln zwischen Zuchthausgcsctz und Flottengesetz, ruht die Sache des Fort- s-britts und der Kultur ausschließlich in den Händen der zum politi- scheu Leben erwachte» Arbeiter. JnDeiitschland. wo dcrKapitaliSmuS ein halbes Jahrhundert später als in England zur Entfaltung und Herrschaft kam, hat er, weil zum Konkurrenzkampf mit überlegenen Gegnern genötigt, brutalere Formen angenomnicn als in andern Ländern, und politische Zustände ge- zeitigt, wie sie. gleich rückständig, in keinem andern Kulturlande vor- Händen sind. Dem deutschen Proletariat ist hierdurch die ehrenvolle Doppelaufgabe erwachsen, zugleich mit der gesellschaftlichen Regeneration, ivelche die g e s ch i ch t l i ch e M i s s i o n des r o l e t a r i a t S ist. auch unser Staatswesen von dem mittelalterlichen Wust zu reinigen und die bürgerliche Frei- h e i t zu begründen— diese geschichtliche Mission des ürgertumS,! die zu erfüllen daS deutsche Bürgertum leider nicht fähig gewesen ist. Das deutsche Proletariat kennt die Pflichten, die diese Doppel- aufgäbe ihm auferlegt— es wird thnn. was es zu thitn hat. lind ani 1. Mai wird es seinen Willen bekunden. Voriges Jahr tvar es das Z u ch t h a u s g e s e tz, gegen das wir uns zu wenden hatten. Heute ist es das Flotten g es etz, das denselben Ursprung, denselben volksfeindlichen Zweck hat. Das Zucht- Hausgesetz ist„verscharrt", allein wer bürgt dafür, daß die Männer des Umsturzes von Oben, der Klaffendiktatur, des Geldsack- Tcrrorismus nicht die Stahlmaschen eines neuen Umsturz- gesetzcs uns hinterrücks über den Kopf werfen? Hatten sie nicht jüngst erst die Frechheit, den Brüsseler Dummcn-Jnngenstreich, der einen königlichen Taugenichts erschreckte, zu einem Knebel- gesetz gegen die deutsche Socialdemokratic verwerten zu wollen?. Nieder mit dem System des Zuchthausgesetzes und des Flotte ngesetzes! Durch das alberne Gerede, der Flottenbau biete den Arbeiten! lohnende Arbeit, wird kein Arbeiter sich täuschen lassen. Wie viel >v irklich lohnende Arbeit wäre mit den sechstausend Millionen zu schaffen, wenn sie zum Besten der Gesanrtheit und zu K u l t u r z w e ck c n verwandt würden, statt zum Schaden und zur Unterdrückung des Volks. Und ist eS nicht ein Schimpf für unsre Arbeiter, daß man ihnen zutraut, sie würden sich durch die Aussicht auf einen Fetzen der Beute bestechen lassen— der Beute, die aus dem Fleisch des arbeiten- den Volks geschnitten wird? Der schimpflichen Zumutung wird die gebührende Antwort werden. Der 1. Mai ist der Tag unsrer Forderungen. Unsrer Forderungen an die heutige Gesellschaft, unsrer Forderungen an die Zukunft. Wir fordern eine ernsthafte Socialrcform, die dem Volk nicht Steine reicht statt des Brots— ehrlichen, echten Arb eiterschutz und den A ch t st u n d e n t a g. Sage man uns nicht, der Achtstundentag sei ohne Ruin der Industrie nicht cinzn- führen? Die hervorragendsten Vertreter der Industrie haben das Gegenteil bezeugt. Wir fordern die socialistische NeugestaltungderGe- s e l l s ch a f t. Nicht auf ein einzelnes Land sich beschränkende, sondern alle Länder umfassende Neugestaltung. Der Kapitalismus ist inter- national; der Socialismus muß international sein. Allein während der Kapitalismus nach dem Grundsatz des:„Teile und herrsche" die Völker gcgeneinanderhetzt und sogar die FriedenSkougresie benutzt, um Kriege vorznbcreitcu, ist für uns Socialdcmokraten jeder Mensch. eiucrlci, in welchem Land er geboren ist, unser Bruder, und wenn er daS gleiche Ziel hat. unser Freund, unser Kampfgenosse. Wie wir die Gleichberechtigung der Geschlechter ivollen, so die Gleichberechtigung der Völker. Wir kenne» nur zwei Völker auf Erden, die nicht durch Rassenunterschiede, sondern durch den Klassenunterschied getrennt sind, welchen der Kapitalismus künstlich geschaffen hat und den der Socialismus aufheben wird. Wir kennen nur die zwei Völker, die zusammen« falle» mit den zwei Klassen der kapitalistischen Entwicklung: das internationale Proletariat, die internationale Bourgeoisie. Der Wcltfeicrtag der Arbeit ist zwar kein Tag des Kampfs, aber ein Tag der Erinnerung an den Kampf, der Vor- b e r e i t u n g zum Kampf— und eine Heerschau der Kämpfer im Klassenkampf zur Abwehr der Angriffe deS Kapita- lisinnS, zur Vernichtung des Kapitalismus und der Klassenherrschaft. Darum ist der 1. Mai unsre» Feinden ein Dorn in: Auge; sie ver- lemnden und verunglimpfen ihn; und die llebcrmiitigstcn bemühen sich, die Arbeiter durch Einschüchterung an seiner Feier zu hindern. Einige faseln auch dieses Jahr von einer„Kraftprobe" und suchen durch albernes Höhnen zu Thorheitcu zu reizen. Wir lächeln verachtungsvoll ob solchen GebahrenS. Wir thnn, was unsre Pflicht und unser Willen ist. Wir fordern nicht heraus, wer uns aber den Weg verlegt, wird beiseite geschoben. Und unsre Losung ist: einer für alle, alle für einen., Das vergangene Jahr hat große Kämpfe für unS gehabt, große Fortschritte. In allen Ländern der Erde hat die Socialdemokratic an Kämpferzahl, an Einfluß, an Macht gewonnen. In weniger als fünf Monaten werden die Abgesandten des internationalen Prole- tariats sich abermals zu den großen Assisen der Arbeit in Paris versammeln— in demselben Paris, der Muttcrstadt der Revolution, die vor III Jahren den Sturm der Bastille sah und vor 11 Jahren die Gründung deS Weltfeiertags der Arbeit. Diese Assisen der Arbeit werden ein Friedenskongreß sein, ein Friedenskongreß, der keine Posse ist, wie der Haager so- genannte Friedenskongreß den der russische KricgSfürst mit seinen Vasallen und seinen Kollegen im Militarismus veranstaltete, und ans dem die englische Regierung geradenwegs in den südafrikanischen Raubkrieg ging. Der Militarismus, der die Völker unterdrückt, sie in ciscrncr Rüstung erstickt und nur eine Art de§ Friedens hat: den bewaffneten Frieden, der fast schlimmer ist als der Krieg— der Militarismus ist ein Ans- wuchs des Kapitalismus—»ur der Socialismus kann ihn überwinden. Der Socialismus ist der Friede. Die Socialdcmokratie die einzige Friedens- Partei! Das sei heute in Flamnlenworten zum Ausdruck, zum Bewußt- sein gebracht. Den Schwestern und Brüdern deS Arbcitervolks aller Länder geloben Ivir heute fest zusammenzustehen in dem gewaltigen Ringen mn das große Endziel: Befreiung der Arbeit aus den Klanen des Kapitalismus, gerechte vernünftige Einrichtung der nationalen und internationalen Arbeit zum Wohle aller— Frei- heit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Friede auf Erden — Erlösung derJ ah r tau sende lang geknechteten und genarrten Menschheit durch den Socio Iis»ins. Die Bruderhand dem Freund! K e i n W a f f e u st i l l st a u d ni i t dem Feind! K a m p f bis zum Sieg und Treue bis zum Tod! Mit diesem Schwur im Mund und Herz feiern wir unsren Maitag. Auf zum Weltfest der Arbeit! An Die AmesMücnttll iniH zrennde nnsres Blatts. Um die Lcfcr dce>„Vorwärts" möglichst iufch über den Verlauf der Viaifeicr zu«»tcrrichtc». veranstalten wir am S. Mar eine RachmittagS- Ausgabe. Wir bitten deshalb uusrc Korrespoudcutcn und Freunde» insbesondere die Per- traucnsleutc» Fcstnrrangenrc und Refcrcutcu» uns so rasch als möglich über den Verlauf der Feier kurz zu unterrichte». Wir bitten besonders um möglichst bestimmte Angaben über die Zahl der Teilnehmer an den einzelne» Vcr- anstaltnugen. Tie Mitteilungen erbitten wir per Postkarte, bei sehr weiten Entfernungen tclcgraphisch. Tie Meldungen mnsscn am 2. Mai morgens in unsrcn Händen sei».> Tic Redaktion deS„Vorwärts". Nolikislszv ArbvrHrszk» .. Berlin, den 30. April. Die zweite Lesung der Kommunalwahl.Vorlagc. Dos preußische A b g e o r d n e t c u h a n s beriet am Dienstag die Novelle zum K o ni m u n a l>v a h l- G c s e tz in zweiter Lesung. In der Debatte ivurdeu neue Monicme nicht mehr vorgebracht, fast alle Redner— einschließlich des Ministers Frhm. v. Rhcin- babcn—» betonten die Notwendigkeit, eine Demokratisierung deS Wahlrechts zn verhüten und suchten darzulegen, wie ihrer Meinung »ach dies Ziel zu erreichen sei. Daß die Ansichten hierüber so weit auseinander gehen, daran sind nicht die bürgerlichen Parteien schuld. Tie Schuld trägt- einzig und allein der Minister, der zwei so cut- llkgcngcsetzte Ziele wie die Stärkung des Mittelstandes und die Schivächnng deS Proletariats bei den Stadtverordnekenwahlen mit einem Schlage erreichen zn können sich einbildet! der Mittel- stand kann unter dem Dreiklgsscnwahlsystcm nur dann größeren Einfluß gewinnen, wenn-zugleich dem Proletariat ein größerer Einfluß zn Teil ivirK Die Beschlüsse der Kommission, die ivir bereits früher mitgeteilt haben, fanden n i ch t- die Znsliniinnng der Regierung. Der Minister Frhr. v. R h e i n h a b c>i erklärte, daß die Regierung dem konservativ- klerikalen Kompromiß(Erfordernis einer Zwcidrittel- Mehrheit zum Erlaß eines Ortsstatntspihre Genehmigung nicht erteilen könne. Ilm der Regierung gefällig zu sein, hatte der Abg. Freiherr v. Zedli tz lfrk.) eine» Antrag vorberei tet, daß bei Perechnnng des durchschnittliche» Steuer- betrags die Wähler,- welche ziir-StaatScinkominenftcuer nicht veranlagt find, und wo die Ansübnug des Wahlrechts an die Entrichtung eines bestiunuten Einkommeusteuer-Gesetzcs geknüpft ist. auch die zu diesem Satze veranlagten Wähler, sowie die Steuer, mit welcher dieselben in die Wählerliste eingetragen sind, außer Betracht zu lassen sind. Mit diesem Antrag.- dessen Spitze deutlich gegen die Social- demokratic gerichtet ist. gelangt die Vorlage gegen die Stimmen der Freisinnigen zur Auiiahme, nächdcin vorher verschiedene Anträge ans Ersatz der Drittelung durch das Shstcm der Zwölftclung abgelehnt waren. Die Regierung wird ihren Widerspruch gegen die Kom- mifsionsbeschlüsse ntinmehr fallen lassen. Von den sonstigen.Acudcrnngcn ist nur noch die Zulassung von AbsnminungSbezirlen innerhalb der einzelnen Wahlbezirke zu er- wähnen. Es fragt sich jedoch, ob dieser Beschluß nicht in der dritten Lesung wieder aufgehoben wird, da die Konservativen gc- schlössen dagegen stimmten und die Nationalliberalen sich nur vor- läufig dafür erklärten, sich ihre endgültige Entscheidung aber bis zur dritten Lesung vorbehalten wollcns Dienstag stchl der Antrag v. Ehncrn(nfltl.) betreffend die Erhöhung der Znwcndnngeii- an die Provinze» auf der Tagesordnung. Ter Ritualmord im Herrenhaus. TaS preußische Herrenhaus beweist seine Existenz- bcrcchtigimg, die � ihm" ffoshafte Nörgler so oft abgesprochen haben. Ernst Wilhelm Kaspar v. Hertzberg, Rittergutsbesitzer, Kreis- und LanpschaftS- Deputierter, Rittmeister a. D., evangelisch, geboren 18IL ans Löttin, wohnhaft daselbst, ein Vertreter des alten und des befestigten Grundbesitzes, der u.a. über Babylon herrscht— nämlich daS Neu-Stcttiner Babel— hat in besagter Adelsbewahranstalt die folgende Interpellation eingebracht: „Welche Schritte gedenkt die königliche Stantsregieriliig zu thu», um weiten-Kreisen der christlichen Bevölkerung die Gewiß- hcit zu verschaffen, daß die in den letzten Jahren vorgclonimcnen nnansgeklärten Morde an christlichen Jünglingen und Jnngsrancii nicht von den Zndr» begangene sogenannte Ritualmordc sind?- v. H c r y b e r g- L o t t i n." Herr v. Hcrtzbcrg Lottin. hat auch geruht, auf seinem bahylonischcn Studierzimmer, eine Begründung höchst- eigenhändig auszuärbcitcii, die also lautet: „Ter bisher nnansgetlärte Mord des Gymnasiasten Winter in Könitz hat die Bevölkcrinfg großer Teile Wcstprcußcns und Hinter- ponnnerns um sonnchr.in berechtigte Aufregung versetzt, als der Befund der Leichenteile ebenso wie die«»gesühnt gebliebenen Morde in Sknrz und.Tanten ans eine besondere Verwertung deS nienschlichr» Visits schließen läßt. Da iiiin in weiten Bolkskrciscn der Glaube vorherrscht, daß die jüdischen Geheim- s dl r i s t c ii die Vrrweizdniig von Christcnblnt für rituelle Zivccke gebieten, außerdem zufällig bei diesen Morden wie auch bei denen in Böhmen und Tisla-Eßlar die ersten Spuren derThätcrschaft. welche indes im La»f der gcrichllichen Verhandlungen immer verwischt wurden, ans jlidtschc Thäter deuteten, so erscheint es allein im Interesse der jüdischen Bevöllcrimg geboten, daß durch eine authentische Uederfetzimg. aller jüdischen Geheinischristcn der Nachweis geführt ivird, daß diese Schriften keinen Anhalt für den Volksglauben bieicn. Dem Interpellanten liegt nickit nur daran, endlich Klarheit über die Motive zu diesem liiysteriösen Mord zu schaffen, sondern er möchte auch-hauptsächlich.die christliche Bevölkerung darüber beruhigen, daß scitciss.ihrer berufenen Vertreter alles geschehen svirb, um eine Verduntelnug deS ThatbestandS zu verhindert�. Die Bevölkerung wirb- durch-diese Gewißheit hoffentlich abgehalten werden, sich durch Provokationen seitens der Inden zu Gctvalt- thätigkeitc» hinreißen zu lassen, die schließlich nur den Inden nütze» und die Aiismerksamkeit der staatliche» Organe von der dieser Erregung zn Elrnnde.licacnden scheußlichen Mordthat abzn- lenken geeignet erscheinen. Ist eS doch durch die Unruhen in imsren Nachbarstädtcxi schon so ivcit gekommen, daß der Herr Minister deS Innern die Hauptanfgabe der Polizci-Organe zunächst in der Nnterdriiekung des überschäumenden Unwillens einer erregte» Bcvölkernng sieht. Möge sicki die christlickie Bevölkernng daher einer eincr so tiefernsten Sache würdigen Znrücthältnng. befleißigen." Damit hat das Herrenhaus endlich seinen wahren Berns gesunden.. Es wird sich fortan ausschließlich derlei Er- örterungen widmen. Die tiefernsten Fragen des Kartenlegens. der weißen Frau, des fliegenden Holländers, der Heil- Wirkungen des Krötensetts und der Stücke vom Henkerstrick, des Tlschrückcns, her: Resauer Phänomene werden mit Hilfe der Regierung einer befriedigenden Lösung entgcgcngeführt werden. DaS siebente Buch MosiS soll in einer billigen Volksausgabe zur Aufklärung der Massen verbreitet werden, und hinsichtlich des bösen Blicks wird eine dauernde Unter- suchiingskommission verlangt. Tie Reihe der Iutcrpellättönen'äber wird mit einer An- gclcgenhcit beginne», die des allgemeinsten Interesses sicher ist. Der Rittergutsbesitzer auf Lottin und Babylon wird, wie Ivir hören, unmittelbar nach der Ritualmord- Interpellation eine andre Blutlegende zur herreuhätlslerischeu Besprechung bringen, indem er die folgende Anfrage stellen wird: „Welche Maßregeln gedenkt die lönigliche Staatsregicrnng zu ergreifen, um weiten Kreisen der plebejischen Bevölkerung die Gewißheit zn verschaffen, daß die Mitglieder des alten Adels n i ch r blaues, sondern rotes Blut haben." In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß der Glaube an die blaue Färbung adligen Bluts vielfach eine starke Abncigimg gegen die Edelsten der Nation veranlaßt habe. Uebrigcns ist bemerkenswert, daß Herr v. Hcrtzberg- Babylon dem neuen Minister des Innern eine bittere Rüge erteilt, weil er die Ausschreitungen gegen die Juden, diese edle Bcthätigung cincS„überschäumenden Unwillens" in erster Linie zu unterdrücken suchte. Warum sollen die Ritualmord- Gläubigen nicht auch ein bißchen die Synagogen zerstören. Nur bei Streiks braucht die„Ordnung" straff aufrecht erhalten zu werden, wo es bekanntlich schon die Grundlagen des Staats stürzt, wenn ein Arbeiter friedlich an einer Straßen- ecke steht.— Auf der Vahn zur Regierungspartei. In der Sitzniig der Bndgctkominission vom 26. d. M. verstieg sich der Abg. Müller- Fulda zu der Bchaiiptniig:„Dos Ceutrnin isi nicht bewillig!! n g s l u st i g e r geworden." Gemeint ist die BewilligiingSlnst in Militär- und Marinc-Änsgabcn. Abg. Müller- Fulda hat mit dieser Bchanptimg die gesehichtiichc Wahrheit kurzer Hand ans den Kopf gestellt. Ein Blick ans das parlamentarische Lcrhallen deS EentrninS lehrt nnzlocideutig das Gegenteil von dem, was der Abg. Müller bchanptcr hat: DaS Te n t r um ist immer bewillig n n g S l u st i g e r geworden. Es lassen sich in der Geschichte deS CentrnmS zwei Perioden deutlich verfolgen. In der ersten Periode war cS als Oppositionspartei radikale' Gegnerin aller Vermehrungen auf militärischem Gebiete. In dieser Periode verhielt eS sich gegen alle Militärfragen so ablehnend wie die Socialdemokratcn und kein Gc- ringerer als Bismarck Hai dieses Verhalten so gedeutet, als ob in der Gefolgschaft des Eentrnms der ganze Freisinn und die Social- demokratic stände. In der bekannten Bismarck-Redc vom 12. Januar 1857 über die Notwendigkeit der HccrcSverstärkungcn führte der Reichskanzler aus: „Aber in allen auswärtigen Fragen, wo die Sicherheit und das Ansehen d c S R c i ch s am meisten interessiert ist, da haben die Socialdcniokratcir nie einen Anlaß gehabt, einen andern Weg zu gehen, als er ihnen vom"Cciitrinn' vorgczeichnct war." In dieser ersten Periode,>» der die E'entrnmSpartci für die Rcichsrcgierung noch die„reine Negation" verkörperte, kam die ab- lehnende Haltung gegenüber Mehrausgaben für Heercszwecke auch deutlich in den W a h l a u s r u f e n der Ceuirumspartci zum Ans- druck. Im Wahlaufruf vom Juni 1876 hieß es: „Die Umkehr zu einer gesunden Wirtschaftspolitik... muß Hand in Hand gehen mit einer Finänzwirtfchaft, iveldie vor allem eine Beschränkung der Reichsansgaben und zwar an erster Stelle beim Heerwesen, ins Angc faßt." lind im Wahlaafmf vom Juni 1881 lesen wir: � „Der nicht minder wichtige Zweck der Steuerreform... kann nur erreicht werden durch eine von uns stets vertretene und hier ausdrücklich auss neue geforderte Finanzwirtschaft, welche vor allem eine Beschränkung der gegen nnsre Stimmen so sehr vermehrten Ausgaben, und zwar an erster Stelle beim Heerwesen, ins Auge faßt." In Konscgueuz der hier vertretenen Anschauung hat denn and, das Ccntrmn in der ersten Periode, die sid, bis zum Jahre 1880 erstreckt, sich gänzlich a b l ch n c n d Militärvorlagen gegenüber verhalten. ES widersetzte sich 1874 und 1880 der Bewilligung einer erhöhten Fricdcnspräsenzstärkc siir. die Dauer von sieben Jahrenl Zlacb 1880 aber fängt die zweite Periode an. Tie BewilligiingSlnst im Cciitriim regt sich und wächst trotz einiger Rückschläge in der Richtung der früheren Halliing. Tie Wendung der Centrumspolitik in diesen Fragen tritt wiederum scharf in den Wahlmisrnfcii hervor. Schon 1884 ist von einer-V e rm i n d e r n n g der Ausgaben für Hccrcszwccke nicht mehr die Rede. Ans der äbschüssigcn Bahn an- gelangt, heißt eS; „Wir wollen des Vaterlands volle Wehrkraft, aber auch die Stcucrkraft des Volks rmd das Bndgctrecht des Reichstags nicht geschädigt sehen und können für jene erste mir bewilligen, was mit den beiden letzten sich vereinigen läßt." Hier wird schon statt der Moll-Tonart der Verminderung die Dnr-Tonart der Bewilligung aiigeschlägcii. Noch dcuttjchcr aber tritt der Standpunkt einer N c gierungSpartei im Wahlaufruf des EenlrnmS vom Jahre 1890 zu Tage, wo gcsagl war: „Wir werden aus allen Gebieten nachdrücklichst ans die größte Sparsamkeit dringen, wenn wir selbstverständlich auch gewillt sind, heute wie immer, für die Ehre, die Würde und die volle Wchrhaftigkcit des Deutschen Reichs einzutreten." Sdion bei der Scptennatsvorlage im Jahre 1887 kommt der veränderte Standpunkt des Ccntrnms zum Ausdruck. Gegen die Lcrmehnmg der Ausgaben selbst wandte, sich: das Centrum nicht mehr, es suchte mit der Regierung nur noch den Konflikt in der Frage der Frislbeinessting. Ausdrücklich rcnommicrtc das Centriim: Wir bewilligen jeden Mann und jeden Groschen, aber mir aus drei, statt sieben Jahre. lind nach den Neuwahlen gab das Ccntrum so- gar diese doch mehr formelle Opposition auch noch ans sind enthielt sich der Abstimmmig, angeblich weil es zwecklos sei, die frühere Ab- stinimimg zn wiederholen, da jetzt die Uebercinstimmung der Regie- rmigen mit der Mehrheit des Reichstags feststehe. Bei der Erhöhung der FriedcnSpräsenzstärkc im Jahre 1800 aber bewilligte nach einigem Zieren das Ccntrum die Vorlage und per- half zinn erste mri ale einer Militärvorlage zum parlamentarischen Siege. Den Wählern gegenüber schützte man sich durch ein paar Resolütionen gegen die Vcrdysdieu Pläne für die künftige Heeres- gcstaltung. Nur 20 Abgeordnete des Ccntrnms stimmten damals mit der linksstehenie» Opposition. Nun will vielleicht das Centrum ans seiner Haltung gegenüber der Militärvorlage vom Jahre 1803 herleiten, daß es nichi bewilligungSlnstigcr geworden sei. Die That- fache, daß hier das Centnun noch einmal entschieden Nein sagte, ist richtig, aber«ine Schwalbe niadit noch keinen Sommer und gegen- über' der Gesamtschwenknng seit 1880 giebt dieser Rückfall in die Zeit der Bewilligungsniilüst dem gouvcrnementalcn Charakter des CentrnmS kein andres Aussehen. War es doch ein Mitglied des CentrnmS, das durch seine Anträge die Militär- Vorlage unter Dach und Fach bradste, legte doch die CentrumSfraktion feierlich dagegen Verwahrung ein. daß ans seiner Haltung aus eine Verwandtschaft seiner Opposition mit derjenigen der mehr links stehenden Parteien geschloffen würde. Gleich bei der nächsten Vorlage zeigte sich auch das Centrmu schon wieder als Retter in der Rot. Es läßi die Militärvorlage 1898 zwar nicht ohne Widerspruch passieren, streicht einige tausend Mann, bewilligt aber deii größeren Teil der Mehrausgaben ohne Bedenken und stellt der Regierung einen Wechsel ans de» Rest der Vorlage für die nächsten Jahre aus. In der historischen Belcnchtnng seiner Haltung zeigt also das Centrnin zweifellos, wie eS aus einer Periode der BewilligungS- unlnst in eine Periode wachsenden VcivillignngSciscrs eingetreten ist. Tie entgegengesetzte Behauptung de? Abg. Müllcr-Fnlda beweist nur. daß das Centnun seine Liebedienerei vor der militaristischen Rc- gierung inöglid)sl vor den Wählern zu vertuschen wünscht.— Rnsffschc Pläne. Ncbcr die russischen Bewegungen in C e n t r a I a s i c n wünscht die Regierung Väterchens strenges Geheimnis zu bewahren. Wir sind in der Lage, die folgenden Aktenstücke über die Pflicht des Schweigens zu veröffentlichen: 23. März 1000. 2272. Der Minister deS Innern hat es für notwendig gefiuidcn, ans Grund des ij 140 des Prcßgesctzcs zu verbieten: den Nochdnick der in Nr. 8600 der„Noivojc Wrcinja" crsdiiencnen Notiz über die Abreise eines Mitglieds der beratenden Kommission im Finanzministcrinni, wie auch andrer Beamten deS Ministeriums nach Persicn; ebenfalls soll die Leröffentllchüng irgend welcher Nachrichten in der Presse, die die Abkoinmandierüiiaen der Agenten deS Finanzministeriums nach Persicn oder die Ergebnisie dieser Abkommandierungen betreffen, nickst slattffndcn. Davon setzt in Kenntnis die Hauptverwaltung in Preßangelegcn- heilen, auf Befehl des Herrn Ministers deS Innern, die Herren Rcdactenrc aller nicht nuter Eensur stehenden Zeitungen und Zeit- schriftcn.- 29. März 1000. 2331. Ilm falsckie Dem niigcn seitens der Tagcspresse in den Fragen der äiißeren Politik zu vermeiden, hat der Minister des Acnßeni setzt einen besonderen Beamten eingesetzt in der-Person des Schriftführers desselben Minislerinins. des Staatsrats Rcratoff, der nnmittelbare Anfkläruiigen den Redacteuren der Tagespreise geben wird, falls dieselben authentische Nadirichtcn in cinzeliien lansciidcn politischen Fragen bekommen möchten. Davon setzt in Kenntnis die Hauptverwaltung in Preßnngclcgenhcitcn, auf Befehl dc6 Herrn Ministers des Innern, die Herren Redactenre der nicht unter Ccnsur stehenden Zeitungen und Zeitschriften. (gez.) Stellvertreter des Chefs der Haiiptverwältniig in Preßangelegenheiten. Fürst Schachowskp Man sieht: die Abfichte» der russischen Politik scheuen daS Licht. Deutsches Weich. Kompromisse ohne Ende. Ans der letzten Sitzung deS StaatöministcriunlS verkantet folgendes: Alle preußischen" StaatSsninister. außer dem Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe, dem Minister deS Innern Frhm. v. Rhcinöobcn und dem Justizminister Sd)önstedt und die Staatssekretäre bis auf den Staatssekretär Nicbcrding waren erschienen. Ans der Tagesordnung haben gestanden die F l o t t e n v o r l a g e. das Fleischbeschau- Gesetz und die vom ReichSamt des Innern ausgearbeitete Novelle zum Wcingcsctz. Nach eingehender Erörterung hat daS Staats- Ministerium sicki dafür entschieden, die Veschliisse der Budget- kommission deS Reichstags zur Flottenvorlagc trotz der A b st r i ch c gutzuheisten. Die preußischen Vertreter im Bundesrat werden demnächst ihrcStiMmen dafürabgeben. Voraussichtlich wird als- bald das Plenum des Bundesrats znsammciltretcn, um auch bezüglich der Deckungssrage Stellung zu nehmen und, wie die Budget- kommission verlangt hat. die vom Staatssekretär Freiherr» v. Thiel- mann abgegebene Erklärnng sich a n z u e i g n e n. In der Frage des Fleischbeschau- Gesetzes hat sich die prenßischc StaatSregiernng im großen und ganzen ans den Boden deS K c> m pr o m i s s c S, der zwischen dem Reichs- amt des Jnnem- und hervorragenden Rcichstagsmitgliedern angebahnt worden ist, gestellt. Das Z u st a n d e k o in m c n der Borlage ist demnach als sehr wahrscheinlich anziischrn. Da- tegen haben sich, wie auch bei der Beiprcchnng der Interpellation icinhardt im Reichstage angedeutet worden ist, der vorliegenden Fassuvg der Novelle zum Weingesetz Schwierigkeiten in den Weg ge- stellt, und es sind Cinsprüchc erhoben worden, die nicht von der Hand gewiesen werden können. Diese Borlage dürste also für diese Tagung zurückgestellt bleiben.—_ Die Mai Krähen begleiten, wie immer, das Lcnzfest des VölkerfricdenZ und der kniturbcfrcicudcn Arbeit, mir ihrem mürrischen Gekrächz. Die freisinnige„Vossischc Zeitung", die das Maisest deS honetten Bürgertums erst am Tage des Einzugs Franz Josefs begehen ivird— auch die Parlamenie werden uennntlich an diese in Tage feiern— sieht immer noch in dem proletarischen Feiertag eine unerhörte„Kraftprobe" und eine„Ausreizimg zum Vertragsbruch": „Deshalb muß die ernste Mahimiig an die Arbciterwelt, sid) solcher HcrauSfordcriingen zu enthalten, mir eindringlich wieder- holt werden. Die Arbeiter können ihren Zweck durch Veranstaltniigcn außerhalb der Arbeitszeit volliommcn er- reichen. Durch die eigenmächtige Arbcitsruhe aber verletzen sie daS Recht Dritter und die von ihnen selbst eingegangenen Vcr- träge. Und dagegen wird sich die bürgerliche Gesellschaft zn wehren wissen. Die Verantwortung für die Folgen deS Kampfes fällt auf die zurück, die ihn gefliffenilich heraufbeschworen haben." Hoffentlich werden am Maisest dc§ Freisinns zu Ehren des Kaisers von Oestreich nicht etwa gar Arbeit g e b e r zum„Vertrags- brncki aufgereizt". Das würde das rechtliche Biedcnneicr-Hcrz der „Vossin" nicht überleben. In bänglicher Stimmung beffndct sich die katholische „Germania" anläßlich des I.Mai. Ter Flottenvcrrat des CentrnmS und seine Förderung des Brotwnchcrs erweckt ihr schlinmie Besürchtnngen: „Das Hinarbeiten auf eine praktische Socialreform und die Erfolge der erstarkenden socialdeinokrarischen Bewegung werdest die Arbeiter der Socialdrmokratie zuführen, svcnii nicht die liberalen und konservativen Parteien, ebcsiso wie daS Centrum für eine kräftige Fortführnng der Socialreform und besonders für die Förderung der Arbeiterorganisation eintreten und es so den noch nicht socialdeinokratischett Arbeitern ermöglichen, ihre Stande?- interessen zu vertreten." Wohlwollendes Verständnis für den gewaltigen Gedanken unsrcZ Völler festes zeigt von allen hürgerlid)en Blättern nur die„Volks- Zeitung": «Wahrlich, wir begrüßen in Anbetracht all dieser Verhältnisse immer wieder von neuem die Idee eines allgemeinen Feiertags zur Verlängerung der Atl>citersd)ouzcit. so oft der 1. Mai heran- naht und in den Herzen von Millionen fleißiger Arbeiicr. ihrer Frauen und Kinder die Sehnsucht nach eincr Milderung in der Rsisnntzimg ihrer Arbeitskraft lebendig närd und nach Ausdruck ringt! Denn in dieser Sehnsucht zeigt sich das brennende Verlangen noch eincr menschlicheren Ausgestaltung nnsrer gesamten ftulturverhälmisse, nach einer Hebung der Lebens- formen der breitesten Volkssdiichtcst. Diese Sehnsucht will her- Unterlängen vom Himmel die ewigen Rechte auf Teilnahine an den Errüngenschaften der Kultur! Eine große, schöne, begeisternde Idee ist eS, Millionen von Menschen zusammenzuführen zn dem Kultus dieses KullnrgcdankcnS. Wer sich der ethischen W u dj t dieser Idee verschließt, den bedauern wir. weil seiner Seele das Organ für die richtige Würdigung eines er- habnen socialen Gedankens fehlt. Wie viele prtsssk- sind geräuschvolle Feste wird der Deutsche zu feiern genötigt, die an sittlicher Brdcutsiug weit zurückstehen hinter dem großen Gedaukess cincS onSreicheiiden ArbeiterschiitzeS! Wie viele Arbeiter werden aus Grund ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit gczsvslssgeu, mancherlei Feste dieser Art mit- zufcicrn. von denen ihr Herz nicht voll ist? Will snau den deutschen, will snass allen andren Arbeitern verwehren, sich um einen Festgedauken zu scharen, der eine b e g e i st e r n d c K r a f t von elementarer Gewalt in sich birgt? Gewiß! Hunderttausende von sverteschaffcndcn Arbeitern müssen am 1. Mai im Dienste der Pflickst ausharren, ohne daß für sie die fyciciftiinbc schlügt Sie werden aber darum van den festlichen Gedanken nicht minder erfüllt sein, als die Kameraden, die sich den Tag fern der Werkstatt und der Ivcrktagigcn Hanne- rim-, festlich zu gestalten vermögen. Noch sind die wirlschastUchen Verhältnijic nicht daraus zugeschnitten, das; eine allgemeine Feier des preiSiviirdigen FcsigcdankenS durchführbar wäre. Aber im- benoimnen blcibl'eö jeden, aufrichtigen Kulturfreund, jedem ehr- lichen Freund der ehrlichen Arbeit, auf die erhebende und befreiende Kraft der Idee hinzuweife». ans welcher die Maifeier ihren Ilr- sprung herleitet." Eine einsame freundliche Stimme aus der verödeten büracr- lichen Welt!— Criitrtimswnndel. Auch die Blatter des linken Eentrums- flügels haben gegen daS Flottenkomt'roinix ihrer Partei nicht das g c r i n g st e mehr' einzuwenden. Die„Köln. DolkSztg.", die im letzten Dezember, als die neuen Flotteiningehcnsrlichkcitcn nnge- kündigt wurden, sehr scharf gegen die Wcltpolitik eiferte, ist jetzt sehr ungehalten über de»„Vorlv.", nicil dieser nicht gleich) dein CcntrnmSblatt seiner Tezembernuffassimg zum Verräter gcwordeu ist. Auch die früher lebhaft oppositionelle„Mark. BoltSztg." hat sich in eine erstaunliche Genügsamkeit eingelebt:„unter den obwaltenden Uinsiändcn mutz man", erklärt sie,-„wirklich froh sein, wenn es gelingt, einige Ab- striche zn, nachen nnd wenigstens die schwachen Schultern vor neuer ansterordcntlichcr Belastung' zn bewahren." Als im vorigen Dezember von nnsrcr Seite dieser Umfall des EnilrumS vorausgesagt wurde, entrüstete sich die„Köln. Vollsztg." ob„bcwcisloser Verdächtigungen"! Die„Köln. VvlkSztg." wird ziigestchf», daß sie nunmehr selbst hinreichende Bciveisc erbracht hat. Dasbach verurteilt? Wie a»S Trier telegraphiert wird, ist im Prozeß Dasbach» Haubrich das Urteil dahin gehend: gefällt Haubrich wurde wegen einfacher Beleidigung� zu- 100 M. imb wegen öffentlicher Beleidigung zu 200 M. Geldstrafe und in die GerichtSkostcn verurteilt. In den llrteilSgründen wurde ausgeführt, das Gericht habe die Ucberzeugung gewonncn, daß die' bchanptrtc» Dhafsachcit in, wesentlichen der Wahrheit entspreche»!. Damit ist dieser GcschästSklcn'ale. der es mit dein Gelübde der Armut, bis zn einein, Vermögen von fast einer Million gebracht hat, für immer gerichtet. Wird Herr Dasbach nun weiter den Hciuzc-Kämpf führen gegen „die Erjchütteruug mid Zerslörnng der religiösen und sitllichcii Grundlagen. auf denen unser heutiges GescllfchaftSgebände und Staatswesen beruht". DaS schlechte Gewisse». llusre ansvruchSloscit.Vcmcrkuiigcii über die Emser Depesche, zu der uns eine srauzchiffhc Arnßcruirg und ein bisher mibekimnter Brief Wilhelms I. veraulaßtc. haben weitläufige Entgegnungen hervor- gerufen, die zeigcu.. daß das ichlcchlc Gciviff'cn»nisre„Nationalen" immer noch nicht ruhe» läßt, daß jic darum noch nicht vermögen. ein histmijchrS Ereignis mit einiger Wahr- haftigkeit darzustellen. Die ruckilose Fälschung der Eniscr Depesche wirkt jetzt noch iüsofen, nach, als sie fortgesetzt neue geschichtliche Fälschungen erzeugt. Ig, man ist»och heute so erregt, daß man die bloße Erinncrilug au jene»Fabrikation eines niasfcumördcrischeu Krieges als eine sociakdcmokralischc Vcrichwöruug auffaßt. Wir ivollten, so wird behauptot, durch den Hinweis auf die ciiistigcu ErobcruugStendeuzen.BiSmar�S., die rinhciinlich friedlichen Absichten der gegenwärtig beabsichtigten Pchlachlflottcii-Vcrdoppelnug vor den» Ausland veldächtigeu. Als ob wir f v l ch c r Arguurcute. gegen die Mariuevorlage bedürften I■ An dein langen Geschwätz, daS aus einer Berliner K orrespondenz u. a. in die„Nheinisch-Wesifälische" und in die„Münchencr Allgem. Leitung" übergeströmt ist. interessiert gnS, nur ein Uuistaud: Wie ängstlich man an Bismarcks Memoiren vorbei zn schleichen sucht, die den Beweis für irnsre Äuffasiuug erbringen. Man begnügt sich. nnsre Vthaiiptiing, Bismarck chabe sich in seinen. Memoiren mit unerhörtem ChuiSninS jetbst ztl feiner„llnthat" bekannt, als eine „ d r e i st c L ü g e" zu bczcichiicn. Wir wissen auS langer Erfahrung, daß inan itnnkcr dankt von ein« Lüge dcZ„VornmriS" spricht, wenn wir eine« n a n g c n e h in c Wahrheit ausgesprochen haben, und je unängcnehuicr diese Wahrheit ist, nm so greller wird daS verleumdende Schimpfwort, von der d r e s st e ii Lüge türmt sie sich zur gcinciiicn, niedrigen, schmutzigen, unucrichämtcn Hetzlüge. Versucht mau aber in dsescin Fall auch nur. den Vorwurf einer dreiste» Lüge zu begründen. Vielleicht soll die folgende Fälschung. eine solche Begründung darstellen. Man citicrt iiämlich aus Bis- marckS„Gedanken und Erjuncrungen" den Satz: „Fch machte von der mir durch Abekeu übermittelten könig- lichen Ermächtigung Gebrauch, den Inhalt deö(im Jahr lSOLj von, Grafen Caprivi zuerst mitgeteilten, von Abelen an Bismarck gesandten) Telegramms Zu ueröst'eiitlichc» und reduzierte in Gegenwart meiner beiden Tischgäste siMoltkeS und RoonS) das Telegramm durch Streichungen, ohne e i n W o r t h i u z u z n setze» o d e r z u ä n d c r it." Kein Wort weiter, von Bismarcks eigner cynischcr Darstellimg seiner Depeschensäsichung! Das„ohne ei» Wort hiuziizusetzcn oder zi> ändern" soll bei dem cinsältigxn Leser den Anschein erwecken, als ob Bismarck die Fälschung leugnet, ivahrend er gerade stolz darauf ist, daß er durch bloße Stretchungen— übrigens hat er nebenbei doch auch geändert»ud hiiizngejetzl— den ursprünglichen Simi der Depesche ins Gegenteil verkehrt hat. Noch deutlicher als in den Memoire». hat Bismarck dicsts Meisterstück der Fälschung durch Streichungen.einst in einer llntcrrednng mit M. Horden bekannt („Znkimft" vom■JO; Cttohcv 1802): „Auch würde die Presse ja doch alles entstellen, wa? ich sage. Es ist ja so leicht, ohne Fälschimg, nur durch Weg- lassuiigcn und Striche de» Sinn einer Rede vollkoniuien zu ändern. Ich habe mich selbst einmal in diesem Fache vcr- sticht, als Nedäctenr der' Emser Depesche, mit der die Social- deniokraten seil' zwanzig Jahren krebse» gehen. Der König schickte sie mir mit der Weisung, sie ganz oder nur teilweise zu veröffentlichen und als ich sie niiii durch Striche und Zusammen- zichungen reduziert batte. rief Mottle, der bei mir war, ans: vorhin ivar's eine Ehainabe, jetzt ist'S eine Fanfare." Trotz dieser allbekannte» Thatsachcn wagt cS ein Blatt, wie die „Münchencr Allgemeine Zeitinuz". die den Vorwurf tiefster moralischer Verivahrlosmig als ein„hochanständiges" Blatt entrüstet zurück- weisen würde, die Behauptung, daß Bismarck sich zu seiner Unthat bekannt hat. als eine dreiste Lüge zu schmähen. Den Mut aber, die Sciteu 00—02 des zweiten Bands der Bismarcks che» Memoiren ganz abzudrucken, hat man nicht. Man fälscht und unterschlägt. und nachdem man so verfahren, spricht man von dreisten Lügen der Gegner.—_ Schucid. Der Kaiser hat an den Grafen Waldersee. der fünfzig Jahre im Dienst ist, daS folgende Telegramm gerichtet: „Herzlichen Glückwunsch zu heute! Möge Gott Sie meiner Annec irnd mir noch lange erhalten und Tic Ihren fröhlichen Wage- nnit. Ihr nnermüdkiches Arbeiten und Ihren unverwüstlichen Schneid nieinen Offizieren einunpfcn." LcvtisohuS Flotte. Der Aedaeteur de?„Berk. Tagcbl.". Arthur L e v y s o h n, behauptet die Vaterschaft des llcrikalc!» Floitcir- kompromijseS. Er.fchreivt:. „Wir hatten an dieser Stelle vor acht Tagen die Grund» z n g e eines Kompromisses aiigcdentct, der dein Eentrimr gest'atlc» könnte, sich, init den Anforderungen einverstanden zu er- ilärcn, die das neue Flotteiigesetz an die Opferwilligkcit der Ration stellt. Dieser Kompromiß ist mzwisebeu durch das Volum der Budgetköminission zitr Thatsache geworden." In der That, daß man das nicht gleich gemerkt hat! DaS Kompromiß zeigt täuschend die Züge des Vaters.' Möge der Name LcvhsohnS von den neuen Panzern über alle Meere getragen werden.— Flottcuagitation auf Bahuhosc». Selten ist für eine Re- gicrungsvorlage soviel Reklame gemacht worden wie für den FlottenvcrnichrungS-Eniwurf. Seil einiger Zeit scheint sich auch daS Eisenbahnministerinm in den Dienst der Flottcuagitation gestellt zu haben. Mit dem 1. April sind aus den Bahnhösc» einige Neuernngen eingeführt worden, die vom Publiküin'viel beiaäst Ivcrdcn. In welchem Umfange die Neuerungen durchgeführt wurde». entzieht sich unsrcr Kenntnis. Wir können nur über nnsre Beobachtungen auf den Stadtbahnhöfcn Berlins berichten. Diese haben nun zunächst je 2—3 Papierkörbe und je 2 Spul- »äpfchcn erhalten. Von den letzteren steht eins am einen, daS zweite am andci» Ende des Bahnhofs. Will eine auf dein Bahnsteig befindliche Person anSspiiclen. so»mß.sie erst einen kleinen Spaziergang machen, cbc sie das verborgene Töpichcn findet. Aber das nur nebenbei. Die Eisenbahnvcrwaltung ist nicht nur für die Unterbringung von Sinllcnpapier und des AnsionrsS der Lungen und des Halses besorgt, sie sorgt gleichzeitig auch für die Entwicklung patriotischer Gefühle. Sie bringt aus den Bahnhöfen Plakate an, die die Seemacht Dentjchlands in farbigen Strichen>iud schönem Text illnjlrieren. Auf der Stadtbahpstatiou Tiergarten z. B. kann mau an dein Ticiistramn- Häuschen des Stationsvorstehers seit ei» paar Tagen cincu solche» Bilderbogen betvinidern. Bis jetzt freilich hat er »och wenig Anfsehcst gemacht, so wenig trie die Spllckiiäpfchc» ihren Zweck erreicht haben. Das Pnbliknm hat auf den Bahnhöfe» selbst zn 'venig Zeit, um zn spncken oder zu lesen. Wenn schon das auf der Stadt- bahn verkehrende Publikum ordunngSmäßig spucken und sich ff'ir die Mariiie begeistern soll, so niüjscn Spncknävse und Marincvle.kate. dorthin gebracht ncrdcn, wo sich das Publikum während der BcrkehrSzeit am meisten mit Spuken»ind Lesen beschäftigt. Die Geschäftsleute. die die Stadtbahn als öicklamcmiltel benutzen, haben den richtigen Ort schon längst beranSgcfunden und asfichicren ihre Inserate in den Wagen der Stadtbahn selbst. Dort wird während deS Fahrens gelesen und dort hätten Spucknäpfe für däs fahrende Publiknm mehr hygicilischen Wert wic� aus den offenen Bahnsteigen. Ob auch die Marcniplakate dort mehr nutzen würden, wagen wir täckit zu be- hanpicil, aber wenn die preußische Eisenbahnverwaltniig schon ein- »rnl daS Napjspttcken mid die Mannebegeisternng de», reisenden Publikum beibringen will, so muß sie mehr praktischen Sinn beweise» als sie bei ihren Versuchen ans der Stadtbahn wenigstens bis jetzt gezeigt hat.— Von de? angeblichen Friedcnsiutervcntion DentschlaiidS unterhält die„V. Z." heute abermals ihre Leser. Ilm ihre genaue Kenntnis der Vorgänge zn beweisen, bringt sie diesmal genaue Details über die Znsaminciiknnst de* G r a f c n B ü l o w mit 2r L c y d S. Auch von der Lorgeschichte dieser Zilsommenkunft weiß sie allerhand zu berichten. Bereits bevor Dr. LehdS sich von Brüssel ans mit der telegraphischen Bitte um eine lliitcrredimg an den Staatssekretär v. Bülow gewendet habe, hätten die beiden Präsi» deuten der südafrikanischen Republiken an W i l h e l m II. selbst die Bitte gerichtet, einen ehrenvolle u Friede» mit England zu vermitteln. Es sei dabei eines gute n Wortes" gedacht worden, das Wilhelm l. in Eegenrvart Bismarcks zn Olm Krüger gesprochen habe, als Antwort ans die Anrede Krügers:„Wir Ichnneu im Ler- trauen zu Dir ans, wie zn einem Vater." Dieser Appell auS Gemüt habe denn auch„ans Herz gegrisse»". Die von Dr. LehdS er- bctene Znsammcnliinst babc in dem llcincn bei Lugano belegene» Ort B a v e ii o stnttgcsundcn. Der Inhalt der Iliiterredniig entziehe sich natürlich jeder vor- zeitigen Mitteilung. Die„Vossische Zeitiiug" bemerkt zu diesen Mitteilungen ibreS auffallend gut unter lichteten Gctväkrsiuaims: „Wir glanbeii, daß jeder Verständige es mil vollster Zu» slimiimng begleitet, daß Teutschland bisher mit äußerster Strenge an der Nciitralltnt festgehalten hat. die es seil Beginn des gegenwärtigen Kriegs beobachtet hat. Man würde es aber mit noch größerer Geniigthnnng begrüßen, Ivenn es gelänge, von Berlin auS— ohne irgend welche B c r I e tz n n g des N e« t r a l i t ä t L g e d(i ii k e Ii S— in London die Genciglheit zu einem Friedens s ch l u s s e zu tv c ck c n, dcr für beide Teile annehmbar ist und der vffciil lichen Meiiimig in Europa gerecht wird. Wenn Graf BülowS Reise einen derartigen Erfolg zn zeitigen im stände gewesen wäre, würden ihm die Shnipathic» aller Freunde des Friedens sicher sein." Wir zweifeln nur daran, daß England, für daS in Südafrika sein ganzes Prestige auf dem Spiel steht, freundschaftlichem Zureden allein zugänglich sein wird. Nur Abiiiachimgeii van größerer Tragweite, die England eine ausgiebige Entschädigung für seine Einbuße an militärischem Ansehen bieten würden. könnten cS einem für die Boerciirepiibiikc» ehrenvollen Frieden geneigt mächen. Als Gegner der Nanbpolitik und de? Massciimordö würden auch wir einen FncdcnSschlnß freudig begrüßen, ancki gegen ein ans gesunde» politischen Bezichnilgeii basierendes FrciliidschasiSvcrhältiiiS DentschlaiidS mit England würden wir zuletzt etwas einzuwenden haben; allein gegen alle hinter den Konlisie» geübten Künste imirer Diplomaten hegen wir ein ebenso tiescö wie begründetes Mißtrauen.— In der„Natioiial-Zeitiing" lvird übrigens die Darstellmig der „V. Z." von neuem entschieden dementiert. Das Blatt schreibt: In cinciii hiesigen Blatt wird das Märchen wieder ausgewärmt, wonach der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen AmtS. Graf Bülow, in Baveuo eine Zusammeukuifft mit Dr. Leyds gehabt, haben soll. Trotz dcr romantischen Zuthaten. mit denen der„GewäbrS- mann" deS LlatlcS feine Phantasie ausstattet, muß dieselbe in allen ihren Einzelheiten als Erfindung bezeichnet werden.— Gin Schutzvcrband gegen BoffkottS. In da? Dmininuder Genoiieiischaflsregister ist der Schntzvcxband rheinisch- w e st f ä l i s ch e r Brauereien ciligetragcn worden, der mit einein Kapitale von 20 000 M. begründet worden ist. Die Per- cinigniig erstrebt den Schutz gciiiciiisainer wirtschaftlicher Interessen, vor allem wirksamen Schutz gegen V o hk.o t t S aller Art. Ein derartiger Schutzvcrband ist allerdings sehr zeitgemäß, da die Boykottirimgen harmloser und politisch nichts tvcniger als rötlich gefärbter Wirte, die zudem oft nnr'alS Aiigcftcllle der Brauereien fniigiercii, durch Militärbehörden, Kriegervcreine, patriotische Skat- klubS und andre slaatSrettende Organisalioncii, immer mehr zur öffentliche» Kalamität werden.— Beitrag zur lex Hciiize. Krefeld, die Domäne Bachems, ist nicht allein bekannt als Setdeiistadt, föndern auch dadurch, daß dort noch die Prostitution kaserniert ist. Im Herzen der Stadt, um- geben vo» den Hauptgeschäftsstraßen, sind zwei Straßen von de» Prostituierten bewohnt. Unter den Augen der Polizei und beschützt von ihr, wird dort der Handel mit Mcnscheiifleisch betrieben. Die Polizei stellt ans jeder Straße einen Doppclposten, damit dcr Unfug nicht zu stark getrieben wird. Ist der Verkehr gewöhnlich schon ein starler in den Straßen, weil die meisten Auswärtige« sich daS Ungewöhnliche einmal besehen wollen, so konmit eö erst recht zum Skandal, wenn Festlichkeiten, wozu auswärtige Vereine erichcinen, abgehalten werden. Besonders stark war der Trubel bei Gelegenheit eines Feucrtvehr-VerbandSfesteS und der Katbotiken- V e r s o m in l u n g. an den Tagen, Ivo sich die katholischen Studenten dort ein Rendezvous gaben. Jetzt endlich im Zeichen� der lex Heinze werden Schrille eingeleitet, uiit dem Treiben ein Ende zu machen. Aver n i ch t von dcr Behörde, bewahre, eine A»zahl Bürger wolle» die Hänser laufen, nm auf diese Weise die„Damen" zu ver- treiben. Die Besitzer der Häuser stellcu aber derart unsinnige Forderungen, daß in einer am 20. April ftattgeflindenen Versammlung �cr Beschluß gefaßt wurde, die Regierung zu ersuchei,. dem Verein. welcher von den oben erwähnten Bürgern gegründet ist, da§ Cut« e i g it n ii g s recht zu verleihen, da die Behörde absolut nicht zu bewegen sei, Rcnicdnr zn schaffen.— Flottcnbegcistcrnng. Der„Post".zufolge bekundet sich durch zahlreiche Anfrage» im Reichs- Marineamt eine so starke' pa t r i o- tische, e»n p f a n g s f r c u d i g e B e g e i st e r u t» g am 31 h c i n, daß an maßgebender Stelle beschlössen wurde,' die Torpedo« b o o t- Fl o t t i l l e, wenn dcr Wässerstand eS erlaubt, bis Straß- bürg fahren zn lassen.... Für die Marinebegeisterten wäre e? gut, wenn sie sich von den „blauen Jungen" auch gleich etwas> gründlicher in allerhand schöne Mar iiiegrbräuche. als da z. B. ist die Linicntause. einweihen lassen würden.— 1' 1 Verbrechen und Schulbildung. Die inilängst veröffentlichte preußische Statistik rückfälliger Verbrecher beweist wiederum unan- fechtbar. welcher kausale Zusaminelihaiig zwischen dem MangK an Schnlpildimg und dem Verbrechertiiin.' speziell der trüurigsten Form desselben, dem BenlfSverbrechertum besteht. Von den 18 OSO rückfälligen ZnchlhavSgesangknen llö SSO männ- lichc mid 2210 weibliche) hatten nicht weniger als 1-101 UOOO Mäiiner. 185' Weiter), keine Schulbildung. 8580'(,7228 Männer.>301 Weiber) mangelhafte Schulbildung. 7782(7 122 Männer, 027 Weiber) Volks- schiU'bilduug und nur 187. darunter 7 weibliche Personem höhere Bildung.' Von den rückfälligen mäiiiilicheii Znchthansgcsangenen waren also über 8 Proz.. von den Franen fast 20 Proz. An- alphabetcn. und fast die Hälfte, bei den Franen mehr a!s die Halste, besaßen mir eine inmigelhaffe Schulbildung, während die Zahl der Höhcrgebildcteii verschwindend klein ist. Nach Provinzen gruppiert. erg'iobt sich für den Osten des Staats lOstprcnßcn.'Westprciißcii. Posen iwd Schlesien) eine im- verhältnismäßig höhere Lcrbreckicrziffer. a!S für die westlichen Provinzen. Die günstigsten Berbältnifse weisen Schleswig- Holstein. Hannover. Westfalen. Heffen-Zkassan imd'Hoüeiizollerii ans. Während beispielsweise die Zahl der ans Schlesien gebüriigsii Berufsverbrecher 75,70 Proz. und der au» Posen 80.05 P�o-, lstber ist. als nach der Zähl der in diesen Provinzen geborenen Gcsämlbcvölkeriing an- genommen werden müßte, bleibt Hohenzollcin mit 06,77 Proz.. Hannover mit 21.15 Proz.. Westfalen mit 50,15 und Schleswig- Holstein mit 16,71 Proz. hinter der Zu erwartenden Verbecherziffer zurück.. Für denjenigen, der im Verbrechen sine sociale Erschsmung sieht: babcn diese Feststellmige» der Statistik nichts lleberrafchcnde». Physische Not»nd Mangel an moralischer WiderftaudSkraft sind die Ursachen des Verbrechens. Die inornlffche Kraft, die auch stärkeren Versuchungen widersteht, crivöckst mir anS- einer großen Schulung des Intellekts. Die ostelbischeu Junker, die unausgesetzt bemüht sind. das ohnehin niedrige Niveau der Volksschnkditdimg Noch mehr herab» zndrückcn. tragen, wie die Zahlen der Statistik unwiderleglich be- weisen, für die Existenz des Bernfsv'erllrechertnms. ihr vollgcrüttclt Maß dcr Verantwortung.—•'''. S.'mtlichcS Resultat dcr Wahl in Anrieh. Bei der am 26. 2lpul stattgehabten Zieichsiags-Ersätzivahl" des 2, h.rnuöverschen Wahlkreises wurde Rechtsanwalt Dr. Teniler-Hguchnrg chatl.) mjt 6215 von 12178 abgegcbencii gültigen Stimmen äewählt. Von den Gegenkandidaten erhielten Vnchdruckcreibesitzcr Bruhn-Neiiwcißcusee bei' Berlin tRefonnp.) 1727. Bnchdruckcreibcsijzcr Dr. Allmers- Varel sfrs. Vp.) 2855. Buchdrncker'cibcsitzer Hnz- Bant(Soe.) 1071 Stimme«. 21 nS einer freien Reichsstadt. Are m e n, 27. April. Die Bürgerichast hat die Budgetberatung begonnen. Durch das Eingreifen dcr socialdernokratischeii Fraktion. gestaltete sich die erste Sitzung gleich zu einer überaus lebhaften. Eine Reihe wichtiger Anträge'kündigte Debatten an, ditz' den Liberalen zun, Teil sehr uiibegncm werde» dürften. ES wurde von niisrcr Seite verlangt die Aufhebung der V e r b r a u ch s a b g a b e. einer iiidirekteil Steuer, die iiaiiientlich das Fleisch verteuert. Vor den letzten RcichstagSwohlen brachten die Liberalen einen derartigen Antrag ein, der aber nach den Wahlen kläglich'verkrachte, iveü die Liberalen keine» Ersatz für den SteneräuSfnll zn sinden wußten: sie blieben schließlich bei der Forderung einer bremischen Staats- lotterie hängen, von dcr sie doch wußten, daß der Senat nicht dafür zu habe» sei. Jetzt hat nnsre Partei abermals die Deckung des Ein- nabme-AnSsallS durch progressivere Besteneruiig der Einkommen über 6000 M. gefordert._■ st1 Ein wichtiger Antrag ist der der B e s e i t i g n n g bei bei Ableistung des CtanISbürgereidS erhobenen B ü r g e r e i d g e l d S. Diese Gel ühr— 16,50 M.— unterbindet namentlich die Beteiligung der brcmischrn Arbeiter an den BürgerichailSwahten. Die Debatte dürfte die Frage der Rcsoim des lirciniichcn. Wahlrechts, eines echten Privilegienschntzrechts für daS Großkapital, auis neue aufrollen. Ferner wurde von unsrcr Seite beantragt, daß die Wahldeputationen s ür die Wahlen einheitliche S t i m m z>e t t e l c o n v c r t S ansgcben und daß die Wahl an einem Sonn- oder Fest- tage statlfiiiden solle. Auch die GeldsfickS-Nepublik Bremen besitzt in dieser Hinsicht die bekannten reaktionären Einrichtimgki,. Bei», Titel„Polizeidireltion" brachte»nsre Partei eine ganze Reihe schwerer Klagen gegen den Setigt'vor. Genosse lllmcr brachte in scharfem Tadel die B c s ch r'ä n k u n g von Arbeiter- fcstzüge», denen die innere Stadt regelmäßig versperrt lvird, zur St'rache: desgleichen die Beschränkung der Daner von Arbeitet« tanzfcsilichlcitcii. Bürgerlichen Vcreilien- werden'solche Be- schränknngen nicht aufgehalst. Genosse Eberl schnitt die Ttrcikpostcnfrage an. Dcr seit Wochen wahrende Streik der Kisten- arbcitcr hat gezeigt, daß auch liier das Strejkpostenstehcii polizeilich verfolgt wird. Dcr strcikbetrofsene Unte r it eh»wer Hölscher sang der Polizei ein Loblied, daß sie, die Arbeitswilligen schütze: er enthüllte das Herz des bremischen LiiteniehmertumS, indem er ge- rädezil.«ach einem S t r e i k o r c ch e r fch.u tz.- G esr tz rief. Dieser Herr ist ein Hanptagitator für den ReichstagS-Abgcordnetcn Frese, des Mitglieds der sreisinnigeii Vereinigung. Ebert. nagelte sein Vcr- halten gtündtich fest. Der B ü r g e r m ei st e r. G r ö n i n g empfahl, sich in Fälle», Ivo man sich ungerecht, behandelt glaube, beschtverdc- sührend an die Polizeidirektion, evciilnell an de« Senat zu wenden. Genosse Eberl, erwiderte, das sei geschehen, und.die Polizeidireklion habe Slbhilse zugesagt, aber am nächsten. Täge, sej.oui'S neue, gegen die Posten eingeschriileii. Der Hert. BiirgerNigister schwieg daraus. Tie Vertreter des Baüntcrnehmcrt'mnS fühlten sich sehr im» angenehm berührt, daß weiterhiii seilensrinsreS Geiwssen Wege ncr zur L e r»i i ii d e r ii n g der Ifn s a l Ige fa h r für Bau- a r b e i t e r. namentlich zur Kontrolle über" die Einhaltung der Bestiiiiimmgen der Bau- Ordiiuiig und der ilnfallverhnlniigv- Lorfchrjste». die Anstallu ng von B a u k o ntr o l l e n r en gefordert wurde, die von der Banarbciicrschgft gewählt und vorn Senat als Organe der Baupolizei anerkamil und br- svldet werden sollen. Die llntcrilchmervcrtretcr versuchten sofort, die Schuld an de» Ilnsällen den Arbeitern in die Schrihe zn schieben. Sobald eö zur Beratung des wichiigep Antrags kommt, wird ein reichhaltiges Material die Schuldigen, keimzeichnen.— Stuttgart, 28. April. Ii» w ört t e in b'e rg i ich e n Land- t a g ist gestern die Entscheidung über. die. S t e u e r r e f o rm. das letzte dcr drei Gesetze deS großen gesetzgeberischen, Reformwerks, ge- fallen: die Regierung hat eine Er klär niig verlesen, wonach sie es ablehnt, die Steuerreform noch in diesem Landtag ein- zubringen, da die Sienwahlen zum Landtag schon vor Weihnachten diescö Jahres beendet sein, und schon im November ausgeschrieben»verde» müssen, mithin die Zeit für die Beratung als eine zn kurze erschien, um die Reform noch zu einem gei'etz- geberischcn Abschluß zu bringen. Eine solche Aussprache der Re- gienuig war auf heute erwartet worden, da der Bierstenerentwnrf ans der Tagesordnung stand und man annehmen mußte, daß die Regierung, che sie in die Beratung der Stenerltovellen eintrete, Über daS Schicksal der Ttcnerrcforin Anftläning geben werde. Dcr Führer der Demokraten, K. Hanßmann. trat dieser Vertagung des Reformwerks scharf ciitgegeu und beantragte eine Resoli'ition. welche die Regierung anss neue ersnchtk, die Steuer- entwürfe dein Landtag wieder vorzulegen, indem er der Eisten Kainnicr die Schuld an der. Verzögerimg des Zustandeloiiiinens des Gesetzes znschov und der Regierung vorwarf,.sie nehme ans die Erst» Kammer eine zu weitgehende Züicksicht. Diesen Vorwürfen gegenüber wies Ministerpräsideiit M i t t n a ch t dam»» hin, daß- die Gemeinde« Steuerreform erst noch im Rohen ausgearbeitet sei und das Eentruin durch Herrn Gröber bedeutende Schwierigleiten zu dieser lliefornr «mqekündigt have> so daß an eine Erledigung des Gesetzes in den noch bleibenden 8 Monaten gar nicht zu denken sei. Uebrigcns habe gerade die Volkspartei� die Verzögerung der Reform ver- den Entivurf, in der abgelehnt habe. ES Abschluß der Reform Fassung der Ersten erscheine also an- zuerst die Wähler ihre Zustimmung zu kchuldet, indem sie ftoinmer, zweimal gezeigt. vor dem au befragen.(Die erste Kammer hat ocr Reform an eine Erweiterung ihres Budgetreckits geknüpft, wogegen die Demokraten gestinmit hatteirs H a u tzm ann er widerte, daß, nachdem die erforderliche Zweidrittelmehrheit in der Kammer dafür gewonnen sei, im Budgetrecht nachzugeben, so wäre eine Wiedereinbringung des Entwurfs geboten gewesen und hätte er seinen diesbezüglichen Widerstand aufgegeben. Die Sache hätte ii einem Vierteljahr erledigt werden können. Nachdem sich noch die Ver treter der Nationalliberalen, v. G c ß. und des Centrums, Kiene im Sinne der Regierung ausgesprochen, wurde der Antrag der Volkspartei, die Regierung zur Wiedereinbringung der Ncformvorlag. aufzusordern, mit allen gegen die Stimme» der Vollspartei und des Socialdemokraten Kloß abgelehnt. Damit ist die ganze Reform gesetzgcbung bis nach den Wahlen vertagt. Dieselben finden im Dezember dieses Jahres statt.— � Cine Vermehrung der Schutztruppe für Kamerun wird nicht nur von Herrn Eugen Wolf im„Berliner Tageblatt", sondern auch in der„demokratischen"„F r a n k f u rt e r Z e i t u n g" ge fordert. Eine solche Vermehrung ist nach dem Organ des Herrn Sonneinann notwendig, um das Hinterland zu erschließen bisher habe man sich aus Sparsamkeitsrückstchten auf die K ü st e beschränken müssen. Diese Forderung wird gestellt, trotzdem in dem betreffenden Artikel die Lage der Plantagenwirtschaft als keineswegs glänzend dargestellt wird. Der Tabakbau befindet sich noch in, Stadium des V e r s u ch s. der K a f f c b a u ist als unrentabel wieder aufgegeben worden und lediglich der Cacnobau soll einige Aussichten haben. Die Vermehrung der Schutztruppe wird namentlich deshalb für nötig erklärt, um aus den, Hinterland Arbeitskräfte heran. ziehen zu können. Die früher verwendeten Kue- Neger sind zu an sprnchSvoll geworden, die aus dem Hinterlande von Lagos be- zogene» Arbeitskräfte aber besitzen zu Ivenig W i d e r st a n d's k r a f t gegen das Klima, um längere Zeit verwendet werden zu können. Vor einem Jahr wurde dann ein Arbeitskommisiar eingesetzt, der mit den Häuptlingen im Innern von Kamerun selbst Verträge abzuschließen und die Leute an die Küste zu bringen und an die Plantagen zu verteilen hatte, ein Kulisystcm übrigens, das einer milderen Form der Sklaverei vcrzlveifelt ähnlich sieht. Da die Arbeits kräfte jedoch nicht ausreichen, soll der Weg ins Baliland nicht nur erschlossen— was inzwischen bereits durch neuerliche Operationen der Schutztruppe geschehen sein soll— sondern auch dauernd offen gehalten werden. Das sei aber nur möglich durch Errichtung von Militärstntioncn, wofür die Schutztruppe nicht ausreiche. Trotzdem die Kolonie Kamerun sich seit 1884 so kläglich cnt wickelt hat. befürwortet jetzt sogar ein„demokratisches" Organ die Vermehrung der Schutztruppe I Wer den kolonialen Landmilitaris- mus befürivortet, der darf logischerweise auch dem Wassermilitarismus nicht länger widerstreben.— Ausland. Belgien. Zu de» Kougogrcuclu.„Petit bleu" veröffentlicht einen Brief, welcher von früheren Ansiedlern des Kongostaats herrührt und in welchem diese erklären, daß die A n s ch u l d i g u n g e n gegen Lothaibe und andre höhere Agenten, welche' im Kongo sich befinden, I ä n g st bekannt waren. Sie halten die An- schnldigungen gegen Lothaire für richtig und fordern jeden, dem etwas über die Greuelthatcn bekannt ist, auf. dies zu veröffentlichen. Die Gelvährsleute des„Petit bleu" hätten von ihrer Kenntnis der Dinge nur schon früher Gebranch machen sollen! Hoffentlich gelingt es aber jetzt wenigstens, die Schuldigen zu entlarven und der unnachsichtlichen Bestrafung zu überliefern.— Briifsel, 30. April. Die social de in okratischcn Ab geordneten erklären in ihrem Organ„Parole", daß sie morgen wegen der ernsten parlamentarischen Lage keinem Meeting bei- wohnen können.— Italien. Fortsetzung der Obstruktion. Die„Voß. Ztg." läßt sich aus Rom niclden: Verschiedene Obstruktionisten der Kammer haben erklärt, daß der K a in p f um die G e s ch ä f t s o r d n u n g u n- vorzüglich wieder beginnen werde, falls die Mehrheit nicht Zugeständnisse mache, die nach einigen Blättern schon b e schlössen sind. Dies ist falsch. Regierung und Mehrheit erachten die neue Geschäftsordnung als völlig gesetzlich zu stände gekommen und werden jeden Versuch, ihre'Vcrbindltchkcit an- zufcchtcn, entschieden zurückweisen.— Amerika. Eine amcrikanischc Drohung. Am Freitag voriger Woche hielt der Sekretär des amerikanischen Kriegs a m t s. R o o t, in der Grant�Gcscllschaft in Ncw-Uork cine Rede, in der er mit besondrem Acccnt beteuerte, daß das amerikanische Volk nötigenfalls mit den Waffen in der Hand für die Beachtung der Wo nroe-Doktrin eintreten werde. Diese auffallende Wendung wird jetzt dahin kommentiert, daß die Drohung gegen Deutschland gerichtet gewesen sei. In den amerikanischei, Kreisen sei nämlich die Befürchtung entstanden, daß Deutschland beabsichtige, in Vrasilten Kolonien zu erwerben, eine Meinung, die, ivie ja der„Vorwärts" bereits berichtete, auch in deutschen Ansiedlerkreisen in Brasilien selbst verbreitet ist. Diese Deutung soll auch in Amerika s e I b st der Rede des Kriegs sekretärs gegeben werden, wie folgendes Telegramm der«Voss. Ztg." aus London behauptet: „Nach Washingtoner Drahtnngcn wird des KriegSsekretärs Root Aufsehen erregende Erklärung, die amerikanische Regierung werde bald genötigt sein, die Monroelehre nötigenfalls mit Waffengewalt aufrecht zu erhalten, als versteckte Warnung an Deutschland bc- trachtet, seinen Ehrgeiz in Südamerika zu zähmen und nicht zu ver- suchen, deutsche Kolonien in Brasilien zu gründen. Etwaige Ver- suche Deutschlands, festen Fuß auf amerikanischem Festland zu fassen, müßten schließlich zu einem ernsten Zwist zwischen den Vereinigte» Staaten und Deutschland führen." Mit dem Namen Monroe-Doktrin bezeichnet man be- kanntlich die vom Präsidenten Monroe iin Jahre 1823 erlassene und später bestätigte Erklärung, wonach die Vereinigten Staaten erklären, Einmischung einer europäischen Macht in anieri- konische Verhältnisse, darunter auch etwaige K o l o n i- sations-Ver suche, mit allen Machtmitteln zurückzuweisen. Die Monroe-Doktrin hat allerdings ihre Berechtigung verloren, seitdem die Anierikaner selbst in andern Erdteile» Kolonialpolitik zu treiben begonnen haben. Wenn die„Voss. Ztg." jedoch über die„Nervosität der amerika- nischen Staatsmänner spottet, vergißt sie. daß derartige rednerische Winke mit der gepanzerten Faust auch schon anderwärts beliebt worden sind. Auch die Beteuerung, daß in„maßgebenden Kreisen" die Absicht von kolonialen Erwerbungen nicht bestehe, ist überflüssig. Dafür. daßunsre Weltmaibtpolitiker Brasilien längstals weiteres Experimentier- seid der Welt ins Auge gefaßt haben, liegen Beweise genug vor. Was die„maßgebenden Kreise" heute beabsichtigen, weiß die Vossin vermutlich ebensowenig wie tvir; was sie aber morgen zu thun gedenken, entzieht sich'vollends der Berechnung gewöhnlicher Sterb- l'icher.—_ Gevr�ks-Jeiknng. Eine für Gastwirte bedeutnugSvolle Entscheidung deS KammeraerichtS. Der Gastwirt Weber machte eines Abends um 11 Uhr seine Gäste darauf aufmerksam, daß er wegen Eintritts der Polizeistunde das Lokal schließen müsse. Ein Techniker lud nunmehr die Anwesenden ein, auf seineKosten gemütlich weiter zu zechen und so mit ihm seinen Geburtstag zu feiern. Ein Polizei- beamter, an den sich der Wirt jetzt wandte, erklärte sich nicht für befugt, ihm die Erlaubnis zu iveiterem Aus- schank zu geben. Er meinte jedoch, daß die Gesellschaft unter den obwaltenden Umständen vielleicht als eine gc schlösse nc gelten könne. Weber gestattete dann die Geburtstags feier, die der Techniker so schnell arrangiert hatte. Polizei und Staatsanwaltschaft nahmen aber eine gesetzwidrige Uebcrtretung der Polizeistunde an und daS Landgericht verurteilte später auch Weber wegen Vergehens gegen den 8363 des R.-Str.-B. zu einer Geldstrafe. Das Gericht führte ans, es handle sich hier nicht um eine geschlossene Gesellschaft, weil der Techniker das Lokal nicht vorherbcstellt habe. Der Angeklagte legte Revision ein und betonte, daß ßerBegrif' der geschlossenen Gesellschaft vom Vordcrrichter verkannt worden sei Man hätte es doch hier mit einer geschlossenen Gesellschaft zu thnn, und an eine solche könne auch noch nach dem Eintritt der Polizei- stunde Bier verabreicht werden. Der Oberstaatsanwalt amKammer gericht trat für die Aufrechterhalwng des landgerichtlichen Urteils ein und hob hervor, daß die vorliegende Sache von großer praktischer und rechtlicher Bedeutung sei. Wenn das Kamniergericht anders entschiede wie das Landgericht, dann wäre der Umgehung des Gesetzes Thür und Thor geöffnet und die Polizeistunde überhaupt beseitigt. Das Kammergericht billigte die Auffassung des Ober staatsanwaltS vollständig und verwarf die Revision deS An geschuldigten mit der Begründung, daß in der Entscheidung des Landgerichts ein Rcchtsirrtum nicht zu erkennen wäre. Die Fahrrad-Laterne. Der Radfahrer Stutzer hatte eines Nachts an seinem Rade, das er vor sich hinschob, keine brennende Laterne. Dadurch sollte er die Verordnung des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg vom 28. März 1833 übertreten haben. St. bestritt dic-Z und machte geltend, daß er eine brennende Laterne nur so lange am Rade haben müsse, als er darauf fahre.— Das Schöffengericht verurteilte indessen den An geklagten zu einer Geldstrafe, während das Landgericht als Berufungsinstanz ihm beipflichtete und freisprach. Die Staatsamvaltjchaft legte Revision ein und der Oberstaatsanwalt am Kammergericht schloß sich ihr an, indem er sich ans eine frühere Entscheidung des Revisionsgerichts berief. Der Strafsenat des KammcrgerichtS verwarf dennoch das Rechtsmittel als unbegründet. Der Präsident führte aus, daß der§ 4 der angezogenen Ober Prüsidialordnung nur Transportmittel im Auge habe'und daß ein geschobenes Fahrrad kein Transportnnttel sei. Ein Skandalprozest hat gestern in Hamburg seinen Ab schluß gefunden. Nach mehrtägiger Verhandlung ist, Ivie uns ein Privattclegramm meldet, von der dortigen Strafkammer der am Ort sehr bekannte Rechtsanwalt Hugo May wegen Sitten- verbrechen, die er in 33 Fällen an den seiner Vormundschaft unterstellten Knaben verübt hatte, zu 2ßz Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Vevsamnrlungen. Der Streik der Dachdecker ist beendet. In einer stark be- suchten öffentlichen Versammlung, die am Sonntag abgehalten wurde, berichtete die Lohnkommission, daß sie am Freitag zusammen mit den Meistern getagt hat und daß die Arbeitgeber bei dieser Gelegenheit' folgende Zugeständnisse gemacht haben: Bei Wiederäufnahme der Arbeit' wird der Stundenlohn um 2Vz Pf. erhöht, am 1. Juli erfolgt cine abermalige Er- höhnng um 2Vz Pf., so daß der Lohn vom 1. Juli an (30 Pf. pro Stunde beträgt. Die Feier des 1. Mai wird jedem Arbeiter freigestellt, Maßregelungen wegen der Maifeier finden nicht tatt. Unter diesen Bedingungen wird die Arbeit am Montag, den 30. April, wieder aufgenommen, und hat jeder Arbeiter an seinem bisherigen Arbeitsplatz wieder anzufangen. Aus Anlaß deS Streiks dürfen keine Maßregelungen vorgenommen werden. Die Innung verpflichtet sich für die Einhaltung dieser Abmachungen. Während in der Diskussion' zunächst mehrere Redner die An- nähme der Einigungsbedingunge» empfahlen, traten später einige Redner dafür ein, daß der' Streik so lange fortgesetzt werde, bis die ursprüngliche Forderung der Dachdecker: sofortige Erhöhung des Stundenlohns ans 60 Pf. bewilligt sei. Nachdem die Lohnkommission owie der VerbandSvorsitzende D i e h l- Frankfurt a. M. mitRiicksicht auf die derzeitige Situation für Annahme derVorschlögeder Meister plädiert hatte, beschloß die Versammlung gegen einzelne Stimmen, die Arbeit unter den vorstehenden Bedingungen am Montag wieder aufzunehmen. Weiter wurde beschlossen: Die Kommission bleibt bis nach dem 1. Juli bestehen, und die Kollegen verpflichten sich, wöchentlich 30 Pf. zum Strcikfond zu zahlen. Ein andrer, einstimmig gefaßter Beschluß spricht der Lohnkommission Anerkennung für ihre Thätig- keit aus. Die Banarbcitcr Berlins und Umgegend hielten am Sonn- tag ini Lnisenstädtischen KonzenhauS eine stark besuchte öffentliche Versammlung ab, in der als Thema:„Die Taktik unsrer Lohn- bewcgung und wie gedenken die Kollegen in diesem Frühjahr vor- zugehen? auf der Tagesordnung stand. Der Referent. W. N o a ck, der das Vorgehen der Unternehmer insbesondere bezüglich der Streikklausel beleuchtete und darauf hinwies, daß leider vielfach bei den Abschluß der Verträge der aufgestellte Lohntarif und die festgesetzten Arbeitsbedingungen nicht genügend beachtet werden, plädierte für strenge Äufrechterhaltung der gefaßten Ver- ammluugsbeichlüssc, damit die Errnngcnschastcn der bisherigen Kämpfe nicht wieder verloren gehen. Dem Vortrage folgte eine längere Diskussion, in der wie vom Referenten zum festen Zusammen- chluß in der Organisation, zur regen Agitation und zur allgemeine» Beteiligung an den Sammlungen zum Streikfonds aufgefordert wurde nud in der zahlreiche große Mißstände auf den Bauten solvie die Schäden des BccordshstcinS einer Kritik unterzogen wurden. Schließlich wurde folgende Resolution einstimmig beschlossen:„Die Versammlung protestiert ganz entschieden gegen die Annahme der Streikklausel seitens der Berliner städtischen Bauverwaltung und erwartet von den maßgebenden Körperschaften cine strikte Ablehnung derselben. Die Bauarbeiter verpflichten sich andrerseits, mit allen gesetzlichen Mitteln ihre Forderungen znr Durchführung zu bringen." Einstimmig wurde ferner der Lohnkommisfion nachstehende Rcso- lntion als Material überwiesen:„In Erwägung, daß das Accord- hftem zu unhaltbaren Zuständen führt, ersucht die Versammlung die Kommission. Mittel und Wege zu beraten, daß dieses System in der nächsten Zeit aus Berlin beseitigt wird. Um die Bewegung einheitlich zu gestallen, wird die Kommission ersucht, mit den übrigen Gruppen des Bangewerbs zwecks Abschaffung des Accordsystems in Verbindung zu treten." Der Crntralverband der Handels-, Transport- und Ver- kehrSarbeitcr versammelte seine Mitglieder am letzten Sonntag im Englischen Garte», Alexandcrstraße, um ein Referat über die„Be- dentmig des 1. Mai" zu hören. Trotz des herrlichen Wetters hatte 'ich eine stattliche Anzahl Kollegen mit ihren Familien eingefunden. Genosse HanS Nachtigal, der das Referat übernommen, entledigte ich seiner Aufgabe in einer einftündigcn Rede und zollte die Ver- ämmlung dem Referenten am Schlüsse seiner AnSführnngen leb- hasten Beifall. Nachdem die Resolution der Gelverkschaftsrommission einstimmig angenommen worden, wurde noch darauf hingewiesen, daß die Mitglieder sich soweit es ihnen möglich ist, am Dienstag- mittag in den Arminhallen versammeln. Ein geselliges Bcisamnieii- stin schloß sich der Versammlung an. Der Verein der Tischler Berlins und der Umgegend hatte am 23. April eine Vereiusversammlung anberaumt, in der Dr. Joel einen naturwissenschaftlichen Vortrag hielt. Sodann erstattete die Streikkommission Bericht. Die Einnahme betrug 8373,— M.. an Streikunterstützung wurde ausgezahlt 8103,— M. Der Ueberschuß verbleibt der Streikkasse. Zu dem am 24., 23. und 26. Mai statt- findenden Kongreß wurde Heyden als Delegierter gewählt. Außer- dem wurde zum regen Desuch der Mai-Versammlung in den Borussia-Sälcn vormittags 10 Uhr aufgefordert; vorher Treffpunkt bei O. Franke, Pallisadenstr. 3. Nachmittags Familien-Ausflug nach Stralau. Krauses Lindenpark. Konsumverein Moabit halt jeden 1. und jeden 3. DienStaz im Monat feine Sitzung ab. Da dieser l. Dienstag auf den 1. Mai sollt, findet die Sitzung Mittwoch, den 2. Mai, statt Der Krieg. Der Rückzug der Bocrcn muß nach den neuesten Meldungen als vollständig geglückt au- gesehen werden. Die englische Ümgehungsbeweguiig,'die zu spät und scheinbar nicht mit besonderem Geschick versucht worden war, ist erfolglos gewesen. Die K a v a l l e r i e b r i g a d e n, die die Verfolgung der von W e p e n e r und Dewetsdorp sich zurück- ziehenden Boeren aufgenommen hatten, sind bereits nach Vloem- fontein zurückgekehrt, ohne etwas ausgerichtet zu haben. Die Boeren benutzen auf ihrem Rückzug nicht die Landstraße, um sich leichter den Beobachtungen zu entziehen. Dei Thab'auchu befanden sich am 28. April noch stärkere Boerenabteilungen, die die Hügel besetzt hielten; dieselben bildeten jedoch wohl nur den Nachtrab, da sie keinerlei Bagage mit sich führten. Auch hielt am 23. noch ein kleines Bocrenkommaudo S m i t h f i c l d besetzt. In Bloemfoutein eingetroffenen, angeblich von seilen der Boeren- regierung veröffentlichieii Verlustlisten' zufolge betrug die Stärke der sBoerentruppcn im Dezember v. I. 34 800 Mann, abgesehen von 5000 Anfständischen. Am 23. März 1300 zählten die Boeren- truppen nur noch 26 300 Mann. Die Verluste der Boeren bis zum 13. März stellten sich ans 6300 Gefangene. 8000 Tote und Ver- wnndete.(?) Es ist unaufgeklärt, was' au-Z den andern fehlenden 14000 Mann geworden ist. In den, angeblich amtlichen Bericht der Boeren wird behauptet, diese seien nach ihrer Heimat zurück- gekehrt. Aus Mafcking liegt folgende vom 12. April datierte Depesche vor: Mit dem gestrigen Tage dauert die Bclagcnmg volle sechs Monate. Die Boeren feierten diesen Tag durch eine heftige Beschießung. ES lvurde viel Materialschaden angerichtet, doch ist kein Verlust an Menschenleben zn beklagen. Auch heute setzten die Boeren die Beschießung fort. Dann versuchten sie über die ein- geborenen Vorposten herzufallen, welche daS weidende Vieh bewachten. Tie Eingeborenen warfen aber die angreifenden Boeren zurück, nachdem sie sich bis auf eine Entfernung von 300 Jards genähert hatten. Dem„Daily Telegraph" wird aus Warrenton vom 27. April gemeldet, daß die Bocrcn die Stellung wieder besetzt haben, von der ao am letzten Dienstag vertrieben worden waren. '»»» Der Militarismus sucht sich mit den Lehren des Boeren. k r i e g s abzufinden. Die ungeheure Ueberlegenheit der Boeren- schützen im Feld konnte auch dem verbohrtesten'Gamaschenknopf nicht entgeh». Der englische Kriegsminister erklärte schon zn Anfang dieses Jahres: Di'e Armee muß besser schießen lernen! Und jetzt wird bekannt, daß für die deutsche Armee eine neue Schießordnung herausgekommen ist, welche eine bessere Ausbildung der Soldaten im Schießen bezweckt. Der Hanptwert. so erfahren wir aus dem Reglement, wird auf die Schießausbildung auf erscheinende und verschwindende Ziele und bewegliche Ziele gelegt. Demgemäß sind als neue scheibcuartcn Radfahrcricheiben eingeführt und Ziele aus Ballon- toff, mit Luft gefüllte Ballons, die hauptsächlich zur Darstellung von Kvpfzielcn'verwandt werden sollen. Beim Angriffsgefecht im welligen Gelände wird darauf hingewiesen, daß sich auch feststehende Ziele durch Ausnutzung der Unebenheiten häufig so aufstellen lassen, daß sie der schießenden Abteilung überraschend sichtbar werden. In Stellimg befindliche Artillerie muß möglichst als verdeckt angenommen und durch halbe Batteriescheiben dargestellt werden. Ein besonderes wertvolles Hilfsmittel für die kriegsmäßige SchießanSbildnng sieht die Anleitung in den neuen Ballonzielen, die ans Lnftballonstoff hergestellt und mit Füllschläuchen für die Schieß- Übung aufgeblasen»iid dann als erscheinende und verschwindende Ziele' benutzt iverden." Diese neuen Vorschrifteii bedeliten jedenfalls eiiie Verbessernng. gegenüber dem bisherigen Schlendrian. Allein viel wird nicht erreicht werden. Mit dem Schießen ist es ivie mit dem Turnen und andren körperlichen Fertigkeiten. Sie müssen in der Jugend erworben und während des Heraiiwachsens und nachher beständig und methodisch geübt ivordeu. Wer erst mit 21 Jahren das Schieben lernt, wird eS überhaupt— außergewöhnliche Fälle abgerechnet— niemals zu hoher Tüchtigkeit bringen. Die Anforderungen, die in der Armee bisher gestellt wurden, waren denn auch, weil man den Vcrbältniffen Rechnnng trug, lächer- lick, gering. Jetzt hat nun der Bocrenkrieg aä bominem demonstriert, daß der militaristisch bestgedrillte Soldat ein Stümper ist gegenüber dem freien Mann, der sich von Jugend ans ohne Kasernendienst, im Gebranch der Waffen geübt und seinen Körper gekräftigt und beweglich, gewandt und ausdauernd gemacht hat. Die Herren Militaristen mögen sich drehen und wenden, der Zopf der hängt ihnen hinten, der Zopf, das ist der Militarismus. Sie mögen an dem Zopf herumflcchten so viel sie wollen— der Zopf bleibt Zopf und muß abgestynitten iverden. wenn die Staaten nicht auf ihre volle Wehrhaftigkeit verzichten wollen. Die p o l i t i s ch e und wirtschaftliche Schädlichkeit des Militarismus ist chon lange als Thatsache erkannt; durch den Boerenlrieg und das ist seine epochemachende Bedentnng— ist die militärische Nichtswürdigkeit des Militarismus bewiesen >v o r d e n. An den Völkern ist, die Lehre in die That umzu- setzen.—_ Uehke MnchLichkett und Depeschen. Frankfurt a. M.,30. April.ch, füge hinzu- ohne Furcht, durch die Ereignisse widerlegt zu werden, daß. trotz per Krise, welche der SocialiSnius in Frankreich seil einem Jahre durchmacht, die Kommunalwahlcn am 6. Mai zeigen werden, daß unsre Partei kräftiger denn jemals ist. Wir hoffen, die 11. Widcrkehr des Tags der Arbeit durch die Eroberung eines weiteren Hundert Stadthäuser würdig feiern zu können. An, Tage des Feste.s. der Arbeit rufe ich im Namen des Nationalrats der französischen Arbeiterpartei Euch zu; Hoch die d e u t s ch e S o ei al d c m o kr a t i c! Hoch der Internationale Socialismusl Jules Guesde. Brüssel, 27. April. Zum elftenmal begeht jetzt das socialistische Proletariat die Feter des 1. Mai, und cS erscheint angebracht, ciiien Blick nach rück- warts zu werfe», un, den. Weg zu messen, den wir seit dem iutcr- nationalen Kongreß von 1889 durchlaufen haben. Soweit unser kleines Land in Betracht kommt, ist die Bilanz am Ende des Jahrhunderts etwas mehr zufriedenstellcird. Bor zehn Jahren waren nur noch nichts oder fast noch nichts; die belgische Arbeiterpartei hatte kaum begonnen zu existiere». Nur etwa ein halbes Dutzend socialistische Kooperativgenossenschaste» nach dem Muster deS 1880 gegründeten„Booruil"' waren erstanden und um diese hatten sich eine Anzahl IlntcrstiitzungSvereinc und einige wenige Syndikate gruppiert. Was die politische Situation anlangt, so schien durch das CcnsuS- Wahlsystem mit seinen Wählern 42 Fr. 32 Cent, die Alleinherrschaft der Bourgeoisie noch auf lange Jahre hniaus gesichert. Die Arbeiter- klasse von dainalS gab nur durch die Streiks, von denen die erste» zu blutigen Konflikten führten. Zeichen ihres Daseins kund. Die Arbeiterausstände kehrten periodiich wieder, verschärften sich von Jahr zu Jahr, und inimcr lauter ertönte der Ruf: Allgemeines Wahlrecht! Im Jahre 1893 mußte die Regierung der Pression der Straße und dem Gewicht der 200000 im Streik befindlichen Arbeiter nachgeben und das allgemeine Wahlrecht bewilligen, allerdings mit der Verfchlechtermig des Pliiralvotums. Gleichwohl schickten wir schon bei der ersten Wahl im Oktober 1894 zum großen Verdruß der Bourgeoisie 28 socialissische Vertreter in die Kammer, auf die sich 350000 Stimmen vereinigt hatten. Bei den Wahlen von 1396 und 1898 überstieg die Zahl der socialistischeu Wähler 500 000. und di« Wahlen von 1900 würden wahrscheinlich den Sturz der. llcrilole» Regierung gebracht haben, wenn noch nach den, MajoritätSprincip gewählt würde. In der Furcht, die politische Macht zu verlieren, habeiv die Klerikalen mit Hilfe eines halben Dutzend Radikaler das Proportional-Wablsystem zurch Durch« lührung gebracht. Die nächsten Wahlen vom 27. Mai vollziehen sich unter diesem neuen Gesetz. Auch unter dem neuen Wahlgesetz hoffen wir eine weitere Ver- stärkulig imsrer parlamentarischen' Position, ferner werde,» wir eine gewisse Anzahl Liberaler m.das Parlament bekommen, so daß die klerikale Mehrheit nur noch eine ganz geringe sein wird. Möchtig und geeint steht die Arbeiterpartei da, durch nichts zu entzweien, während die gegnerischen Parteien mehr und immer mehr zeripliUerii. Wir ziehen geeint in den Kampf, und„nsre Partei. die Genossenschaften und die Gewerkschaften entwickeln sich fort- gesetzt. - In vielen Jndustric-Ortcii legt heute ein„VolkShauS". sei es ein einfacher, sei cS ein monuinentaler Bau. Zeugnis ab von den, Vorhandensein socialistische,, Geistes, und in ganz Belgien werden wir die Wiederkehr des Festes der. Arbeit würdig begehen, wie es dem belgischen Proletariat geziemt, das in den letzt vergangene» zehn Jahren, dank. seiner Einigleit und seiner Strebsamkeit, seine Macht mehr als verdoppelt hat. Emile P s n d e r v e l d c. Mailand, den 27. April. .".„ Freunde! Die socialistische Partei Italiens geht durch eine sehr stünnisckie Periode hindurch. Bon 1891 bis 1894 hatte sie eine rasch auf- steigende Bewegung; es war bie erste Blüte der Jugend. Unruhen in Sicilien und anderswo gaben den Vorwand für die ersten Massen- Verfolgungen(die Ausnahmegesetze Crispis). Die Partei rgcht sich durch steigende Wahlerfolge, durch welche die Stimmen- zahl versünsfacht. und die Zahl der Deputierten verdoppelt wird. Die Ausnahmegesetze fiele» zum Teil. Das politische Zwangs- domizil. imser inneres Sibirien, ist aber geblieben und heischt fort- während. Opfer. Die Bewegung � war kaum wieder in regelmäßigen Bahnen, als die Ausstäiiie von 1898, chervorgernscn diwch die Regicrungs-Reaktion, Anlaß boten, den Belagerungszustand zu vcrlnuden und eine Aera beispielloser Vcrfolglmgen zu vegiune». Alle bclanutci, Parteimänner wurdsn efugesperrt oder aus dem Laude getrieben...Verurteilungen zu IL bis 15 Jahren Zuchthaus ersolgtcn wegen einfacher Meinungsäußerungen. Tauseude von Genossen bevölkerten die Galeeren, Hunderte wanderten inS Exil. Die Agitation im Volk und unsre Wahlsiege öffneten allmählich die Gefängnisse und Galeeren. Aber die Regierungs-Rcaktion werde dadurch nur etwas schlauer und viel boshafter. Jetzt ist bei uns alles in Frage und in der Schwebe. Die ökonomischen Organisationen suche» sich zu relonstituicren. Aber die politischen Rechte: Vereins- und Versammlungsrecht, Preßfreiheit. werden täglich verletzt und mit Füßen getreten.' Es ist ohne Zweifel ein Plan, dem Voll das Wahlrecht zu nehmen, die Gemeinden, von denen viele socialistische Behörden haben, unter die absolute Bot Mäßigkeit der Regierung zu bringen und das gefesselte Land de», Militarismus, der agrarisch- industriellen Oligarchie, und dem Königtum,. auf das diese sich stützt, zu überliefern.. Zu dicsc», Zweck will man jede Möglichkeit parlamentarischer Obstruktion durch ein Knebel-Reglement ausschließen, das wider- gesetzlich und betrügerisch durch Acclamatioii einer feigen Majorität eingeführt worden ist und die letzte übrig gebliebene Freiheit zu vev nichtci, droht: die Freiheit der Parlamentstribüne. Nach diesen, Schclmenstaatsstreich(am 3. April) schickte man die Kammer nach Hanse. Allein am 15. Mai wird der Kampf wieder aufgenommen, lliimöglich etwas vorauszusagen. Wir werden aufs äußerste Widerstand leisten. Am 3. April hatten wir 15 Sozialisten in der Kammer. Seit Sonntag, wo Mailand einen socialistischen Abgeordneten wählte, haben wir 16. Die äußerste Linke, bestehend ans Socialisten, Rcpublikai,e,ii und Radikalen, ist festgeschlossen; sie zählt 58 Mitglieder bei einer Gesanitmitgliederzahl von 508. Die Socio- listen sind die Seele des Kampfs. Eine gewisse Solidarität hat sich in de» letzten Kammersitznngcn selbst mit den Abgeordneten der linkei, Opposition(150 Mitglieder) herausgebildet. Aber diese, in sich uneinige und von opportunistischen Portefeuille- Träumen geplagte Partei' ist eine sehr zweifelhafte Stütze.,- Was mal, bei uns„das Band" nennt, ist oft nur eine reine Abstraktion, eine Wirklichkeit ist es nur in gewissen Teilen Italiens, wo die politische Erziehling und die ökonomischen Zu- stände weniger zurückgeblieben sind; so in den Städten Ober- und Mittelitakieiis, und in Mittelitalien sogar ein Teil der ländlichen Distrikte(die Emilia). Diese Provinzen sind mit uns. Mailand, die moralische Hauptstadt, ist auch der Mittelpunkt des politischen Widerstands. Die Gemeindeverwaltung ist hier von uns und den übrigen BolkSparteien erobert, bei den„ächsiei, politischen Wahle» werden, wie schon vorigen Sonntag, die Regicrimgsparteien sich nicht mehr hervorwagcil. Aber wir haben auch unsre B e n d e e n. Süditalien ist fast ganz in der Gewalt der Regierung und bildet in der Kammer mit den Bendeern der übrigen Landesteilc eine erdrückende Majorität für jede Regierung, welche es immer sei. Wenn daS Attentat gegen die Rechte der parlamentarischcn Minorität gelingt, so ist es um das R ep r ä s e n t a t i v- S h st.e m in Italien geschehen. Das Parlament, tüustig ohne ernstliche Opposition, da die wirkliche Opposition geknebelt ist, wird nur noch die Verzierung einer heuchlerische» Tyramici sein. Die drei gesctz- gebende» Gewalten: der König, der von, König ernaunle Senat mid die Kammer, bestehend aus einer despotischen Majorität von Abge- ordnete», welche die Regierung durch ihre Präfeilei, und Gendarmen hat wählen lassen, wird nur der dreifache Ausdruck eines einzigen despotischen Willens fein. Die Thätigleit der socialistischen Partei mußte sich— daS begreift man— in letzter Zeit fast ausschließlich auf das politische Terrain beschränken, wo die Gefahr am drohendsten ist, und die ökonomische und organisatorische Thätigleit trat in den Hiutcrgruud. In de» bcvo, stehenden Kämpfen werden unsre Blicke sich oft auf unsre deutschen Genossen richten, deren Klug- heit und Mut in de», Kampf gegen daS Socialistengesetz uns ein so schönes Beispiel gegeben hat. Euer Sieg, deutsche Brüder, wird für uns ein leuchtendes Borbild sein. Wir ivcrdeu Euch nacheifern. Nur hattet Ihr zwei Dinge vor uns voraus: das allgemeine Wahlrecht und ein Volk, das überall lese» und schreiben kann. Doch wir ivcrdc» unsre Schuldigkeit thnu. Mit socialistischen, Gruß Filippo Turati. London, 27. April 1900. AIS Hunter WattS vor mehreren Jahren die Social- demokratische Federation dazu bestimmte, die Organi- sierung der Maidemonstration im Hyde Park in die Hand zu nehmen, da— ich muß gestehen— besürchretc ich ein Fiasko. Es ist gewiß au sich eine vielversprechende Aufgabe, jedes Jahr eine Demonstration zu Gunsten einer gesetzliche» Verkürzung der Arbeits- zeit zu veranstaltq,. Aber ich kenne unsre engliche Arbeiterklasse zu gut, ich mußte Zweifel hegen, ob sich eine genügend große Anzahl Arbeiter fiiidei, würde, die gewillt sei. einen Tagelohn für eine Sache zu opfern, die ihnen zunächst nur' als eine bloße sentimeutalc Demonstration„in die Luft" erscheinen mußte. Jedoch die Bewegung, die damit begann, daß etwa ei,, tausend Socialisten den Marsch von der City, vorbei a» den Klubs von Poll Mall nnd Piccadelly, nach dem Hyde Part machten, hat nach nud»ach die ganze Provinz ergriffen, so daß dieses Jahr»ich, bloß eine große Heerschau im Krystall-Palast stattfinden wird, sondcni in ganz England und Schottland wird die Arbeiterschaft dem Rufe der Socialifte» folgen. Das ist die Rückkehr zu der Maitagfeier des Mittelalters, erfüllt von einer modernen Idee, Der erste Anlauf der englischen Arbeiter, sich der großen Annee des internationalen Proletariats anzuschließen und mit ihm die Güter, die sie erzengen und deren man sie beraubt hat. zu sordern, bedeutet viel mehr bei»uS schwer zu begeisternden Engländern, als auf dem Kontinent. Diese Idee, die der ganzen Maifeier zu Grunde liegt, ist die socialistische Idee; für sie zu demonstriere», ist schon sehr viel. Die Tradc-Unioiiistei,, die überall in der großen Majorität sind, wählen sich n,it Vorliebe socialistische Redner. So hat die Festsetzung des 1. Mai als Tag der Arbeit in England chiel dazu beigetrogen, unsre Bewegung zu kräftige». Die Masie der Arbeiter lern, begreifen, daß sie nur durch internationale Koalition, indem sie sich zum Klassenkampf organisiert, mit Erfolg ihre ökonomische Emaucipation erreichen kann. Der 1. sRai wird ein weiterer Schritt auf diesem Wege nach vorwärts sei». Wenn England das moralische Empfinde» seiner besten Männer verletzt, wenn es durch einen ungerechten und unklugen Krieg die ganze civilisicrte Welt gegen sich aufgebracht hat, so ist es außer- ordentlich wichtig, festzustellen, daß die organisierte arbeitende Klasse an dem falschen Patriotismus und an dem Räuber-Imperialismus, den die Kapitalisteiiklassc als hohe StaatSmaimschaft feiert, leinen Anteil hat. Wenn wir auf die früheren Maitage zurückblicken, so sehen wir klar, daß die Socialdemokratie auf unsrer Insel langsam aber sicher Kortichriltc macht. ES giebt keine andre Partei, der die große Masse des Bolls sich mit Verlraucn auschlicßei, könnte. Tie Liberale» und Radikale» haben den Glauben an sich selbst verlöre», sie sind u„- sähig zu führen und zugleich zu dünlelhaft und uudiscipliiiiert, einer Leitung zu folgen. Es bleibt nur die Socialdemokratie in ihrer Verbrüderung mit dem Proletariat.aller Länder, welches, mit mehr K r a f t, E n t- schlaf fenheit und Begeisterung denn se vorwärts marschiert in England wie auf den, Kontinent, gefestigt durch die Gerechtigkeit seiner Sache und vertrauend auf den nahenden Sieg! H. M. Hyndman. Kopenhagen, April 1800. Am I.-Mai versammeln sich die Arbeiter von ganz Dänemark zur Demonstration behufs Durchfiihrlmg des achtstündigen Arbeits- tags. In Kopenhagen und in den», eisten Provinzialstädtcn werden Prozessionen durch die Straßen arrangiert, worauf Massenversamm- lungen unter freiem Himmel abgehalten werden. Diese Perfamm- linigci, werden- des Abends in unscrii VersammlungShäuscrn und andern größer» Lokalen fortgesetzt. Die Demonstration ist eine Fortsetzung der auf dem Pariser Kongreß 1889 beschlossenen großen Welt- Demonstration. Doch war' die Forderung auf Einführung des Achtstundentags schon früher in Dänemark erhoben worden; unsre Partei hatte bereits im Jahre 1882 einen entsprechenden Antrag an den Reichstag gestellt. Uüsre erste große Demonstration 1890 hatte im wesentlichen denselben Charakter, wie die von lNisren Brüdern im Ausläiidc arrangierten Demonstrationen. Alle Spießbürger erwarteten, daß die Revolution jetzt losbreche» würde. Die Polizei erschien in voller Stärke auf unsern Demonstrationsplätzen und das Militär war in den Kasernen konsigniert sowie mit scharfen Patronen versehen Wörden. Nach der Demonstration wurde eine Masse von Slrbcitcru mit Arbeitslosigkeit bestraft und die Kapitalistenprcssc suchte auf jc.de Art iinsrc Forderung auf eine Herabsetzung der Arbeitszeit lächerlich zu mache». Aber alle? dieses war nur dazu angethan, unsre Partei z» kräftigen. Mit reißender Schnelligkeit hat sich der SocialiSMuS in Dänemark in den letzten zehn Jahren des Jahrhunderts entwickelt. Niemand denkt jetzt mehr daran, unsre Forderung deS achtstündigen Arbeitstages lächerlich zu machen. Bei' den Wahlen 1890 gelang � es uns, 5 Vertreter in den dänischen Reichstag zu sc» den. Vorher hatten wir nur zwei Vertreter. Aber seit 1890 ist unsre Stimmenzahl bei den politischen Wahlen Iveit über das doppelte und die Zahl unsrer Ver- trctcr im Reichstag ans 14 gestiegen. Außerdem haben wir in einem steigeiidein Maße Plätze in den kommunalen Vertretungen über das ganze Land hin erkämpft und besetzen jetzt 355 kominunale Bcrtreterpostcn. Wir haben die Reaktion daran verhindert, sich sowohl in politischer wie in kommunaler Beziehung auszubreitcu und wir haben nusern Stempel sowohl auf eine Reihe politischer wie kommunaler Fortschritte gesetzt. Der Minister des Innern hat unsre Gewerkschaften als legitime Vertretungen der Staatsarbeitcr in ihrem Verhältnis dem Staate gegenüber anerkennen müfsen. Der A cht- Stundentag hat begonnen, hier in Dänemark zur vollendeten Thatfache zu werden. Er ist durchgeführt in den konimnnaleii Gasanstalten und für den großen Stab der kommunalen Heizer. Er ist weiter durchgeführt in den kooperälivcn Unternehmungen»nsrer Partei, den GesiossenschaltS- Bäckereien. Seine Durchführung auch auf andren Gebieten ist jetzt »Nr„och eine Zeiifrage. Auf jeden Fall wird cS nicht lange dauern. daß wir einen Schritt thnn werden zur Verwirklichung unsrer prin» cipirllen Fordernug durch die allgemeine Durchführung und An- crkeinning des„eNnstü n big en Arbeitstags. Unsre gewerkschaftlichrn Organisationen haben einen außerordent- lichen Aufschwung genommen. Im Jahr 1396 hatten wir in unsre» Ge- Werkschaftsverbänden 42 600 Mitglieder, 1898 70 000 und jetzt 1909, ge- legentlich des eben abgehaltenen GewcrkschastskroiigreffeS, zählten unsre Gcwerksckiaftsorgaiiisätionen 90000 Mitgl. Vergleicht man den setzt in Dänemark herrschenden Arbeitslohn mit dem 1872 üblichen, da der SociaiisunlS»ocb in feiner ersten Kindheit war, so kommt, man zu den, Resultat, daß wir den Arbeitern eine Lohnerhöhung von jährlich 40 Millionc» Krone» erkämpft haben.'; ES war diese starke Entwicklung unsrer Organisationen, welche die Kapitalisten durch ihre beispiellose Ricsenaussperrung 1899 nieder- schlage» wollten. Ungefähr 50 000 Arbeiter wurden auf die Straße geworfen und sollten durch den Hunger aus ihren Organisationen !»id unter die Sklavenpeitsche gezwungen werden. 17 Woche» lang hielte» wir diesen Rieseistoiiflilt aus, welcher zur Unter» stlltzuiig der Ausgesperrten eine Summe von 2 814 377: Kronen (ca. 3152100 M.) verschlang. Wir errangen den Sieg und unsre Organisationen gingen gekräftigt anS dem Kampf hervor. Unter der Aussperrung zeitigte die internationale Verbrüderung der Arbeiter eine ihrer schönsten Früchte. Von unser,, Brüder» im Ausland erhielten wir- die kolossale Summe von 678 117 Kronen (--- 759,490 M.), davon ans Deutschland allein 235 750 Kr.(—264 030M.) So weit war das internationale Gefühl gewachsen, daß wir Unter- stütz, mg auch aus Amerika und Südafrika erhielten... Die Mai-Demonstration hat mehr als irgend etwas andres dazu beigetrage», die internationale Solidarität der Arbeiter zu erwecken. Laßt uns wünschen und hoffen, daß dieses auch für die Zukunft der Fall sein mag, bis>vir stark genug sind, daS Kapitaljoch abzn- werfen und auf' den» Bode» der Arbeit eine glückliche socialistische Gesellschaft aufzubauen. Hoch der SocialismnS! Hoch die inten, ätionale Solidarität ber Arbeiter. _ P. Knu dfen. Stockholm. 25. April 1900. Von den Arbeitern Schwedens wird trotz der herben Verluste, von dcuci, sie an der Jahrhundertwende betroffen wurden, der 1. Mai mit froher. Zuversicht als Siegesfeier begangen werden. Das Festzeichcn. das die Arbeiter am Maitag anlegen, wird mit den Porträts von Axel D a n i e l s e n, des Begründers inid geistige» Leiters der ganzen Bewegung Süd-Schwcdcns, u»d von Friedrich Stalys, unsres praltstckien Organisators geschmückt sein, die beide in„och jungen Jahren plötzlich dahingerafft wurden. Gewiß mächtig entfaltetei» sich schon vor zehn Jahren die Volks- dcmonstrntionen bei uns, wo der 1. Mai nach uralter VoltSsitte als Feiertag gilt. Zehntansende von Arbeitern hielten in allen Centrei, der Bewegung Umzüge durch die Straße», der alten, etwas banalen Feier einen'neue», frischen, zukmiftsfrohen Inhalt, gebend. Aber wenn auch die Masse» schon die Feier mitmachten, wie schwach, wie gering an Zahl war damals die wirklich geschulte und oxgani- sierte schwedische Arbeiterpartei, verglichen mit heute I In 1890 waren wir noch mit Ansnahmegesetzei, bedroht, vo» der Gesellschaft und der führenden Presse als eine Horde von Unruhe st i f t e r n angesehen, deren Wühlarbeit der Gesellschaft nur Schaden bringen könne. Jetzt stehen die ist einer Laude sorg a n ifa ti o» zusammengcschlysscucn socialdeuw- kratischcn Fachvcreine— bei uns, wo das allgemeine Wahlrecht noch fehlt, das natürliche Gerippe der Partei, etwa 60000 Mau»— als eine von alle» Seiten anerkannte Macht da, deren Recht, die Sache der Arbeit in Schweden zu vertreten, vo» niemand mehr bestritten werde,, kann. Das Parlament hat sich für die Social- denwkratie geöffnet— noch sehr wenig leider, ober eS wird besser werden!' Unsre Presse hat mächtig an Einfluß und Festigkeit gewonnen- Wir haben Schläge, wie im Jahre 1899 die Angriffe auf unser Ver- «mSrecht, welche imZ früher für lange Jahre Neruichtet haben würden, ohne nennenswerte» Schaden zurückgeschlagen. Wir sind in diesen zehn Jahren zu einer wirklichen Arbeiterpartei Heransgewachsen. Noch fehlt nns viel, sehr viel, das wissen wir; aber wir wissen auch, dag wir auf dein rich- »igen Wege sind, dah wir das gewonnene Terrain niemals mehr verlieren werden und daß jeder neue 1. Mai neue Getvinne für die Sache der Arbeit, welche die der ganzen Menschheit ist, bringen wird. Immer vorwärts ist unsre Losung! H j a l m a r B r a n t i n g. Genf, 26. April. Der wirtschaftliche Aufschwung Rußlands in den letzten 10 Jahren ist mit solch rapider Schnelligkeit vor sich gegangen, wie eS in ähnlicher Weise wohl nur noch in den Vereinigten Staaten von Nord- anicrika geschah. Die Besucher der Pariser Weltausstellung werden sich im russischen Pavillon von der Entwicklung der russischen Industrie ein Bild«lachen köiilien. Von der Lage derer, die all diese Produkte schaffen, erfährt natürlich der Beschauer nichts. Nun, die Lage der russischen Arbeiter ist eine solche, daß sich der Arbeiterschutz in Deutschland. Wer dieses Jahr die Entwicklung ldes deutschen ArbeiterschntzcS seit dem letzten Maifest daran prüfen will, wie weit sie sich nnsrem Achtstundentage und dem. was damit zusammenhängt, genähert habe, der muß. Ivie am Eingang der Danteschcn Hölle, alle Hoffnung fahren lassen, daß ihm ein erfreuliches Zeichen aufstoße. Wer sich am Fortschritt, am langsamen, aber am stetigen und sicheren freuen will, der muß sich zn den deutschen Gewerkschaften wenden und kann dort mit Genngthuung überschauen, welche Gewinne an Arbeitszeit, Lohn und sonstigen Verbesserungen die organisierten Proletarier auch in Preußcn-Dentschland in dem Jahre seit dem 1. Mai 1893 dem Unternehmertum abrangen. Da war Bewegung. da war Leben, da wnrde in freudiger Anstrengung, mit erhebenden Opfern und urwüchsiger Kraft geruiigen und gesiegt und eine Reihe neuer kultureller Vorteile für die Arbeiterklasse der Ausbeutung ab- getrotzt.� Selbst wo die Proletarier einmal unterlagen, war das Schauspiel ihres heldenmütigen Kampfes für den Beobachter ein Trost, daß der gute Kern des Gewollten doch noch keimen und seine Früchte tragen werde. Lendenlahm und aichtisch humpelt daneben die ossicielle- Socialreform desselben Zeitabschnitts daher! Ihr „christlich-socialcr" Charakter verdirbt ihr das Blut, sie geht keinen geraden, klaren Wcjj zur Höhe, sie hinkt und fällt gelegentlich über einen Schritt vorwärts zwei oder mehr zurück, wenn sie überhaupt geht und nicht müde stille steht. Der Unterschied zwischen einer frischen zuIunftSfrohcu Kraft und dein abgelebten Alter! * ♦ Fertiggebracht hat der deutsche Klasicnstaat im vergangenen Jahr an allgemeine», großzügige» Arbeiterschntz-Gcsetzen überhaupt nichts. Die Novelle zur<9 c w e r b e- O r d n u n g hat noch keine Gesetzeskraft erlangt, und ivaS war cö für eine Novelle! Ihr Inhalt war der jämmerlichste und bunteste zugleich von allen fünf Arbeiterschutz-Novellen seit 1869. Ein lächerlich geringes Stück Schutz für die K o n f c k t i o n s a r b e i t e r sLohnbüchcr, Arbeits- zettel, unzureichende Beschränkung der Mitgabe von Arbeit nach Hanse), das wie ein Stänbchen erscheint gegenüber der Riesensumme von Elend in diesem Beruf; ein bischen Polizei- reglement für die A r b e i t s v e r in i t t l e r. und das bedeutendste am ganze» der erst vom Reichstag auf den Druck unsrer Partei hin mit Mühe und Not hineingebrachte späte Neunuhr-Ladenschluß für die kaufmännischen Proletariers. Daß die Regierung offenbar eben dieses eigentlich einzig der Erwähnung werten Laden- schlnsses halber mit ihrer Zustimniung zn den ReichStagSbeschlüssen zögert, gehört vollkommen in dies erhebende Bild hinein. Eigentlich löst sich also anch diese einzige Arbeiterschutzaktion allgemeinerer Natur in drei kleine Gpecialgesetze für besondere Berufe auf, und die Gesamtheit der deutschen Arbeiter ging leer auS. Und so ist die Regierung iin verflossenen Jahre überhaupt verfahren. Ei» paar Pflästerchen meist sehr zweifelhafter Statur auf die aller- schlimmsten Schäden in«in paar gar zu arg durch ihre Mißstände auffallenden Berufe— das was das einfache und bequeme Rezept, nach dem man im ganzen und großen verfuhr. Auch die englische Arbeiterschntz- Gesetzgebtmg ist ja meist eine Specialgesetzgcbnng nach Bernsen, und die Summe ihrer nicht nnbeträchtlichen Leistungen hat sich aus einer großen Zahl von Einzelmaßnahnie» addiert. Aber dort konnte sich etwas summieren, weil im Einzelfall meist auch ordentlich eingegriffen wurde. Die neueste preußische Socialreform dagegen geht der eng- lisch«» Form nach, ohne den Inhalt zu übernehmen. Deshalb darf ja auch der deutsche Normalphilister augenblicklich mit so uiigeheurer Verachtung auf England herabblicken. »» • Das umfassendste der Specialgcsetze, die anch als solche bc- zeichnet sind, ist ans dein letzten Jahre die erst vor kurzem beim Reichstag eingebrachte S e e>» a»» s- O r d» u n g. Die Genossen Molkenbuhr ilnd Schwartz haben die unendlichen Mängel dieses ebenfall« noch unerledigten Gesetzes im Reichstag aufgedeckt und da- bei das Bewußtsein gehabt, sogar— Seeoffiziere und ihre Zustim- mung hinter sich zu tpiffen. In der Kommission sind sie angenblick- lich beschäftigt, eine Beschränkung der Arbeitszeit für die Schiffs- orbeiter wenigstens im Hafen und andre Verbesserungen zu erkämpfen, wahrscheinlich mit geringem Erfolg. Dann hat der Bundesrat vier Arbeiterschutz-vcrordnunge» im letzten Jahre erlassen, die großenteils erst in der Mitte desselben in Kraft traten: Für Thoma«- f ch l a ck e n in ü h l c n, flir Getreidemühlen, für Zinkhütten und gegen Milzbrandvergiftung. Der einzige Satz der ersten Verordnung vom 25. April 1890, der eine wirkliche Besserung der früheren Verhältnisse brachte, war das Aiisenthallsverbot für weibliche»md jugendliche Arbeiter in den Mahlräumen. Alles übrige an dem„Schutz", namentlich der Zchiistniidentaa ist imzu- länglich und ändert fast nichts an den vorhandenen Mißständen in den ThomaSschlackemnühlen. Hatten doch schon Jahre vorher sogar zahlreiche Behörden den Achtstnnd-ntag als unbedingt nötig für diese »nörderischen Betriebe bezeichnet. Die Verordnung für Getreide- mühlen vom 26. April 1899 nimmt Wind-»»d gewisse Wassermühlen von vornherein von dem neueingeführten Schutz ans. Und auch hier ist daS Verbot der Nachtarbeit für jugendlich« unter 16 Jahren die wertvollste Bcstimmnng; für Gehilse» wird nur eine achtstündige Ruhezeit eingeführt, also die Illstllndig« Alisbeninng gutgeheißen. In der Praxis haben die Unternehmer,'auf den Wortlaut der Ver- ordniing fußend(für„Personen, ivelche bei Bedienung der Mahlgänge beschäftigt werden"), auch noch alle Hilfspersone» von den„Wohlthaten" der Berordming ailsznschließe» gesucht. Die am l. Juli 1899 in Kraft getretene Milzbrand-Verordmiiig. zn der unser mmmehr ver- storbencr Freund Oerie! in der Reichitagssitznng vom 2l. März 1990 »och so meisterlich auf Grund der Nünberger Erfahrungen Kritik übte, schlug zur Abwendung der Vergiftnugsgefahr einen so im- praktischen Weg ein. daß die beteiligten Arbeiter unter Führung von Nürnberg sofort anderweit« Schntzvorschläge mache» ninßten. die natürlich bis heut« unberücksichtigt sind. Die Zinkbntten-Verordiiuiig endlich vom 6. Februar 1900 bringt eigentliche Arbeiterschutz- vorschriften wiederum mir für weibliche n»d jugendliche Arbeiter, denen sie gewisse ganz gefährliche Arbeiten verbietet; sonst nur all- gemeine hygienische Selbstverständlichkeiten. Im Oktober 1899 hieß es, die Meiningenscho Regierung habe beim Bundesrat den Antrag auf Erlaß eines rcichsgefetzlichen Verbots der Herstellung von P h o s p h or- Z ün dh o lz e rn gestellt. Ein hervorragender tygicniter hat auf dem Züricher Arbeiterschntz- Kongreß die hatsache, daß diese Fabrikation noch immer erlaubt wird, als eine Schmach für jede« Kulturland bezeichnet. Die Schweiz verstand den westenropäische Arbeiter. selbst der nicht allzusehr verwöhnte preußisch-deutsche, kaum eine rechte Vorstellung zn machen vermag. Unsre Arbeiter haben nicht das Recht, sich zu organisieren, zu verbinden, sie haben nicht das Recht, sich zu versammeln. Das Recht, zudenken, was sie wollen, existiert nicht für sie, noch weniger daS. zu sagen. was sie denken, kurz, sie haben überhaupt keine Rechte. Was sie für den Socialismus oder auch nur im Sinne moderner Arbeiter- bewegung thnn, müssen sie im Geheimen thun. Deshalb sieht man auch au der Oberfläche so wenig von dem, was im Geheimen geschieht. Durch diesen Umstand könnten die Arbeiter des Westens sich ivohl versucht fühlen, an der Existenz einör rnssischeit Arbeiter- bewegung zu zweifeln, sie für eine Fabel zu halte», sie könnten geneigt sein, zu glauben, daß der russische Arbeiter von den Ideen des„Umsturzes" ebenso weit entfernt ist, wie etwa der chinesische oder der persische Arbeiter. Doch nein! Tansendmak ueinl Die russische Arbeiter- bewegung ist so wenig eine Fabel, als gerade sie es ist, die der Regierung die»leiste Sorge niacht. Die Polizei NicolauS' II., des „großen Friedensfürsten", mag die Arbeiter mißhandeln, sie mit einem Netz von Spionen umgeben, sie mag die verdächtigen Elemente ans de» großen Jndnstriccentren ausweisen, eS nützt ihr nichts. Die Lücken, die durch jede Razzia in die Reihen der Kämpfenden gerissen werden, werden sofort wieder ausgefüllt durch neue Agitatoren; für jeden Eingesperrten, Verbannten oder Ausgewiesenen erstehen»ciis Kräfte. Wir können aus vollster Ucberzeugnng sagen, daß trotz aller Verfolgnngen unsre Bewegung mit jedem Tage wächst. Freilich sind auch unsre Verluste unzählige. Der Tag des ersten Mai wird neue Erfolge bringen, anch neue Opfer kosten. An diesem Tage werden unsre Kaineraden ihre Energie verdoppeln, um für die Sache des Proleiariats zu wirken. Aver auch die Polizei verdoppelt ihre Schläge, der Reaktion zu dienen. Es ist dies tranng, aber unvermeidlich. Euch, teuren Kampfes g e n o s s c n des Occidents, die Ihr alle unter einer mehr oder ivcniger freiheitlichen Verfassung lebt, rufe ich zu: Vergcßt nicht Eure russischen Brüder, die unter so schweren Verhältnissen kämpfen, die nicht bloß den Kapitalismus, sondern auch den Zarismus, das stärkste Bollwerk der europäischen Reaktion, zu ihrem Feind haben. Der Kämpfer, die trotz aller Schwierigkeiten und Opfer nicht eher ruhen, bis sie den Feind desiegt, ihrer wolle» wir heute gedenken. Hoch die Socialdemokratie! Hoch der 1. Mai! G. Plechanow. Wink mld erließ das Verbot auf den 1. April 1900. Das fromme Deutsche Reich christlicher Socialreform hat heute noch nicht auf den Antrag von Meiningcn reagiert. Ebenso schlummern die Schutz- uorschiäge für das Gastwirtspersonal, welche die Reichs- kommission für Arbeiterstatistit unvollkommen genug dem Reichs- ranzlcr unterbreitete, heute noch in dessen Akte».' Das NichtSthirn ist Trumpf in der reichSdeutschen Socialpolitik geworden. *» * Die LandeSgcsetzgebung der gesegnete» 26 deutschen Bundesstaaten ist im Vergleich zur Reichsgesetzgebnng im verflossenen Jahr beinahe noch gründlicher thätig gewesen. Nahni doch wenigstens Preußen feinen G e>v e r b e- I n f p e k t o r e n die hemmende Dampfkessel- Aufsicht endlich ganz ab. eine Reform, die, nach langen Kämpfen erreicht, ein Dutzend bundesrätlicher Verordmingen von oben geschildertem Schlage aufhebt, und wurde doch'endlich anch hier wie in Bayern, Hessen. Baden und Württemberg der Anfang mit w e i b- l i ch e n A n f s i ch t s b e a m t e n gemacht, freilich meist mit solchen, die sich das Vertrauen ihrer Schutzbefohlene» noch sehr zu erwirken haben. Die Forderung der preußischen Bergarbeiter dagegen, Delegierte aus ihren eignen Reihen als Aufsichtspersonen zn erhalten, wurde vom preußischen Bcrgwerksmiiiister allen Unglücksfällen zum Trotz wieder nicht erfüllt. Dafür will Bayern feine Controleure für Bau arbeiterschntz ans den Reihen der Arbeiter nehmen. Infolge der von der Gcneralkommission der Geiverkschaften Deutsch- laiids und von»nsrer Fraktion im Reichstag unternommenen Ein- ivirkung auf die Reichsinstanzen regten diese endlich auch die Landes- behörden und diese wieder die Ortsbehörden überhaupt zu etwas regerer Thätigkeit für den Bauarbeiterschutz an. Freilich ist es für den Kenner ein unbezahlbares Schauspiel, dabei folgendes zu beobachten. Das Reich und die Bundesstaate» lehne» es ab, allgemein« Banarbeiterschutz-Gesetze zu erlassen, weil die ein- schingigcn Maßnahmen„unter Berücksichtigung der örtlichen Bedürfnisse und in Anpassung an die' nach Klima. Ge- bräuchen usw. verschiedenen Verhältnisse in Stadt und Land" getroffen werden sollen, ivie es in einem Posadowsky- Erlaß vom 30. Juni 1899 heißt. Die Bezirks« und OrtSbehördeu sollen dies besorgen. Und nun komine» diese Bezirks- und Ortsbehörden und schreiben ein paar flüchtige Arbeiterschutzbestimmungen über Buden und Aborte, Coaksfcuer und Fensterverglasung mit' wenigen rühm- lichen Ausnahmen so gründlich vom Ministerialerlaß und früheren Ortsverfügiinge» ab, daß bald von Gumbinnen vis Aachen und von Flensburg bis München dieselbe, wörtlich übereinstimmende städtische Schntzvcrordnuna besteht. Deshalb ist das Reich nicht ein- geschritten, und so berücksichtigt die Burcankrati« dcö Klasscnstaats die„örtlichen Bedürfnisse und Gebräuche" I Die Formel hat sich nur überall beivährt zu einem andren Zweck: die Arbeiter mit ihren gründlicheren Forderungen abzuweisen und die Unternehmer zu schonen. Die iin letzten Jahre in Kiel, Elmshorn, Hamburg, Barmen, Elberfeld. Mühlheiin. Potsdam, Erfurt ec. teils vorbereiteten, teils erlassenen lokalen Bauarbeiterschntz- verordmingen liefer» die Belege für obige Komödie, wobei von den milden Geldstrafen, ivelche den Unternehmern in den meisten dieser Blireaukrateiiarbeiten väterlich angedroht werde», gar kein großes Aufheben gemacht iverden soll. Beinahe Ivie an« einer andern Welt mutet in dieser Umgebnng die Bestimmung ans der im Juli 1899 für das Untcrclsaß erlassenen Bauarbettcrschutz-Verordnuiig an, daß in den Baubuden„Einrichtungen zur Vcrivahrnng der Kleider, zur Körperreinigimg, zum Erwärme» von Speisen, soivie Tische und Stühle" vorhanden sein sollen. Im Unterclsaß ist anch die in Harn- Ving und Dresden nachgeahmte Reiiilichkeitsverordnung für Bäckereien während des verflossenen JahrS ergangen, jene Maß- nähme, die dem RcichSschutz auf diesem Gebiet ein so vollständiges ArniutSzeugmS ausstellt. Aber wenn»vir noch hinzufügen, daß Bayern seine noch »incrledigte B e r g g e s e tz- N o v c l l e bekam, ans der die hochedleu Reichsräte die gesetzliche Achtstnudenschicht soeben wieder herausstrichen, welche die Kanuner hinembeschlosten hatte nnter dem Druck der Argumente unsrer Genossen,»md wenn wir erwähnen, das; im lanfciiden Jahre die A r b e i t S z e i t- B c st i m m u n g e n für Eisenbahner von sämtlichen deutschen StaatSbahn-Verwaltungen infolge dcö früherenl UnglückSjahrs»ach beivährtem dehnbaren preußischen Muster anf dem Vcrivaltiingsivege„revidiert" wnrde»», so habe»»vir anch schon dieses Gebiet landeSgesctzlichcn deutschen ArbeiterschntzeS für das Jahr seit dem letzten Mai»vicder erschöpft. Man braucht keinen ermüdenden Spaziergang zu machen, um die paar Stationen, auf denen sich auch diese Eutivicklung bewegte, zurückzulegeu! » Bleibt ein Kapitel, das wir»nS zun» Schluß aushoben, weil eS die socialpolitische llnfrnchlbarkeit d«S deutschen KlassenstaatS so recht im Licht unsrer Kiiltnrforderuiigei, vom I.Mai zeigt. Unser Frühlingsfest will mit dein Mann auch Weib und Kind, die ganze ProlerarieifaiiiiUe. an verstand und Gemüt fassen»nid dasjenige. waS die kapitalistische Ausbeutmig so oft grausam trennt, wenigstens mit der Blilmeiignirlaiide dcS 1. Mai zn»»«niger, hoffnungsfreudiger Gemeinschaft verbinden, ilnd so leistet der internationale Arbeiter- feiertag ideell an eine»» Tag««»ehr. als im ganze» letzte» Jahre unsere Gesetzgebung nisterioll für das erbarimmgsivNrdigste Geschöpf geleistet hat: für den Schutz des auSgebenteten K i n d e S. Die Kinder- Gchutzbestinniinngen der Geiverbe- Ordnung von 1891 für Fabriken sind so'unziilänglich geblieben, wie sie waren. In Bayer» dürfen ivegeu der kürzeren Sfliulpfllcht nach»vis pox 13 bis Isjährig« Kinder selbst«» Fabriken anSgenutzt werden. In Werkstätten und in der Hauslndr.strte besteht noch gar kein Kinder- schütz. Di« Neichseiiquete pon 1898 über die geiverbliche» Neben- beschäftigimg von Schnllinder» ist bis heute nicht veröffentlicht, ge- schweige dem» zu Gssctzesvorschlägei» verdichtet. In der Reichstags- Sitzung vom 17. Inns 1899 mußte c» erst unser Genosse Singer durch sein Eingreifen verhindern, daß eine mit 6500 Uiiterschristei» meist bürgerlicher Herkunft bedeckte Petition für Kinderschntz- Gesetz- gcbung nicht durch Uebergang zur Tagesordnung, sondern durch Ileberiveisnilg an den Reichskanzler wenigstens als Material„er- lcdigt" wurde. Inzwischen versuchten sich fast wie bei»» Bauarbeiter» schütz einige Ortsbehörden»venigstens a» lokalen verordinnige». Das Elend, welches man bei der Enquete von 1898 kennen gelernt batte, war wohl so groß gewesen, daß«s selbst unsre Städteburean- krate» nicht mehr ganz still mit ansehe» wollton,»nid«iiiig« preußische träsidialerlasse halfen nach. Und dennoch: unter welchen chwierigteiten erst mutzte die so unzulängliche Berliner Schiitzverordiiung iin Lauf langer Monate dcS vorigen JahreS geboren werden, wie zaghaft begrenzte man da das schutzbedürftige Alter anf nenn(Wannsee), dort auf zwölf Jahre(Hannöver), und wie sorgsam schonte man stellenweise den industriellen Profit, indem man lediglich die Beschäftigung von Kindern in Wirtschaften und zum Warenanstragen verbot! Und selbst so beschränkte Schntzbestimmungen haben die bekannten Gerichtsurteile von Jena(für Gera) und Hamburg noch außer Kraft setzen helfen durch juristische Form- und Selbständigkeitsbedenken! Ganz zu geschweige!» davon, daß sogar die Enquete von 1893 an der agrarischen Kinderausbeutung blind vorüberging, und daß es deshalb nicht zu verivnndern war, wenn im vorige»» Jahr die Ver- flignng des ivcimarischen Knltnsmmisteriums bekannt ivnrde, nach der es in der Zeit vom 1. Mai bis 31. Oktober»nährend die Ferien gestattet sein soll, Schulkinder der drei letzten Schuljahre zu gemein- schaftlichen Feldarbeiten bis zu täglich Stunden zu verwende». Heute,>vo wir in» Staatsgewaltigen von Weimar den socialisten-tötendei» Großagrarier Hans Lutze von'Wnrmb kennen, ist uns der innere politische Znsammenhäng dieser einen kleinstaatlichen Maßregel»nit nnsen» innerpolitischen Zuständen überhaupt und ihre symptomatische Bedeutung für dieselben klarer als je. So muß es in» Arbeiter- schütz auch für die bemitleidenswertesten, ärmsten und hilflrzvstei» Wesen, auch für die Kinder, unfehlbar kommen in» Staate mit den» Agrariertim» als„geistiger" Fühnmg und Zuchthausgesetzen als „politischen" Aenßenmgen dieser Führung! Das färbt bis nach Süddentschland ab. Denn alles, waS die ans dem Gebiete des Arbeiterschutzes so»»st doch erheblich weiter vorgeschrittenen süddeutschen Staaten auch hier aufzuweisen haben, ist ein' Beschluß der württcm- bergischen Kammer vom Juni 1899, der die Regierung ersucht, Maßregeln gegen die Schulkinder-Ansbeutiliig zu ergresten, Jn- zivischen blüht in Schwaben und Bayern das tiroler Hütekindec- Wesen so miulter iveiler, wie an der russischen Grenze und in Ostelbien der Hütejungenunfug unter den Auge» der preußischen Behörden. Die Fracht an Arbeiterschntz, die wir in Deutschland aus dem letzten Maijahr in das neue auf dem Staatsschiff mit hinüber nchmen, ist also so erbärmlich leicht, daß schon deshalb die Tiefladelinie als socialpolitiiche Maßregel gar nicht in Betracht kommt. Der Geist unsrer Maifeier wird und muß es bessern! Arbeiterschntz kann nur wirklich gedeihen aus der Volksfreiheit heraus, für die wir am I.Mai wieder mit ganzem Herzen und mit ganzem Gemüt demonstrieren. Und wem»»vir so in Deutschland für den Arbeiterschntz arbeiten müssen, indem wir erst die Vorbedingungen dafür zu schaffen haben, so mag dies andrerseits eine Bürgschaft dafür sein, daß die der- einstige wirkliche Schntzgesetzgebung desto gründlicher und umfassender wird! Q. Arbeiterschutz im Ausland. Zehn Maifeiern zählen wir, seitdein das Proletariat auf dem internotionalen Kongresse zu Paris seine Arbeiterschntzforderunge» formuliert hat. Man beschränkte sich damals auf das. ivas im Rahmen der heutigen Wirtschaftsordnung zu erreichen lväre, ohne freilich damit etivaS von den letzte» Forderungen der Arbeiterklasse aufzugeben. Zehn Jahre, eine lange Zeit im menschlichen Leben, vor allem in dcni_ so kurzbemessenen des Proletariers I Wie viel Sehnen, wie viel Streben, wie viele Käinpfe, Opfer, Entbehrnngen. aber auch Hoffnungen jedes Arbeiters in einem Decenniun»! Hoffnungei» und Enttäuschungen! Die Beschlüsse deS organisierten Proletariats anf dein Weltkongresse zu Paris steigerten die Begeistennig der Proletariermassen, wovon die Maifeier alljährlich Zeugnis ablegt, sie erweckte» aber anch die Erivartnng. daß das geineinsame Wirken für die Forderung des Achtstundentags und für größerei» Schntz aller Arbeiterkatcgorien gegen die industrielle Ausbeutung bald da« schwere Joch, das auf dem Proletariat ruht, etwa« erleichtern werde. Als mit Bcrnfinig auf die Beschlüsse nnsrcS WeltparlamcntS die Vertreter aller Judustricstaaten zur internationalen Arbesterschutz- Äoiifercnz zusammenbemfen wurden, als damit der so oft verspottete Gedanke der intcrnationalcii Arbeiterschntz- Gesetzgebung, der vor allem von der organisierten Arbeiterschaft in Wort und Schrift in Parlainenten und Gewerkschaften vertreten wurde, amtlich anerkannt Ivnrde, steigerten sich die Anfordernngen an die Gosetzgebmig zu Gmisten der Arbeiter. Wieder war eine von der herrschende» Klasse als utopisch vertretene Forderung von den Regierungen formell anerkannt worden. Ein moralischer Erfolg nnziveifelliaft, aber blos ein solcher. Die Konferenz»rat zusammen, zahlreiche Reden, die den ötcdnern selbst»vohlgefallon haben mögen, wurden gehalten, aber das Ergebnis war eine diplomatische Niederlage Deutschlaiids.; kein positiver Fortschritt der Arboiterichutz-Gesetzgebung knüpft sich an die erste»nternationaleArbeiterschntz-Konfereiiz. Den große» Worten folgte» keine Thate«; aber der ständigen Agitation der Arbeitermaffe», den Forderungen der Arbcitervertreter in den Parlamenten konnte» die Regiernngen sich nicht entziehen, diese Anregungen zeigten sich wirkungsvoller als die Thätigkeit der Diplonmte» auf diesem im- bekannten Gebiete, sie waren ernster, denn hinter ihnen standen die sich iniincr besser organistcrenden Arbeitennasscn und nicht bloß Rücksichten mif Wünsche einzelner Personen. So sind die Fort- schritte der Arbciterschntz-Gcsetzgebnng in den letzten zehn Jahren nicht auf die diesem Zivcige der Socialpolitik einige Augenblicke ge- schenkte Protektion, sondern dem klaren und energische» Willen der organisierten Arbeitermasse» zu danke». Die Fortschritte der geiverklchaftlichcn Organisation seit dem letzten Pariser Kongresse sind in den nieistcn Länder» sehr de- deutungsvoll für die Hebung der Lage der Arbeiterklasse geworden. Erhebliche Arbe»tszeit-Berki!rznngeii iuurden in» Lohnkampf durch- gesetzt, so haben die öftre ichischen Textilarbeiter den Zehn- stilndentag errungen. Die noch in aller Erinnerung stehende Kohlen- arbeiterbeiuegung ivird die gesetzliche Einsühning des Neunstnndcntngs für de» östreichische» Bergbau bald zur Folge haben, da sich Re- giernng und bürgerliche Parteien hierzu in feierlicher Weise vor- pflichtet haben und unsre östreichische» Parteigenosse» da« Erinnern an gemachte Versprechungen ausgezeichnet verstehen. Im letzten Deceniltun» kam die vor dem Pariser Kongresse in Kraft getretene Arbetterschntz-Gcsetzgebung OestreichS zur Durchführung, auf neue Zweige der Handarbeit, so auf die großen Stadtbahnbauten in Wien. wurden die Arbeiterschntz-Gesetze ausgedehnt, die Sonntagsruhe wurde verbessert-c. Eine große Reihe von Anregung«« zum Ausbau de» ArbeiterschntzeS liegen vor allem in Form von Initiativ« antragen der socialdemolratischen Fraktion dem Parlament vor Ein sehr bedeutungsvoller Fortschritt ist die Errichtung des kaiserl königb arbeitsstatistischen Amts, das zu den besten Hoffnungen be rcchtigt und aus dessen Arbeiten die östreichische Gewerkschafts kouimisfion direkt und indirekt nicht unerheblichen Eiuflusz hat. Die kleine Schweiz hat den Normal-Arbeitstag aus eine große Anzahl von Kleinbetrieben ausgedehnt, die Zündhvlzchenarbeiter und die Angestellten bei den Transportanstalten gegen allzu große Aus- beutnng und schwere Gesundheitsschädigung geschützt. In Frankreich hat erst die. Thatigkeit Millerands als. Handelsminister zu größeren Fortschritten auf dem Gebiet der Arbeiter schutzgesetzgebung geführt, durch ihn wurde erst die Fabrikinspektion ernstlich in Angriff genommen, vor den Kinder ausbeutenden Klöstern und vor den Riesenfabriken hervorragender Abgeordneter darf nun der Inspektor nicht mehr Kehrt niachen, er muß überall über die Durchführung der Arbeiterschutzbestimmnngen wachen: was das Wichtigste ist. Milleraud hat die Fabrikinfpektoren unter eine Art von Kontrolle der Gewerkschaften gestellt und damit eine genaue Durchführung, der Arbeiterschutzgcsetzgebung angebahnt. Seinem Eifer ist aber auch eine Fortführung der Arbeiterschützgesetzgebimg zu danken, auf ihn ist das neue Arbeiterschutzgesetz zurückzuführen, durch das die Arbeitszeit in Betrieben, die Frauen und Minder- jährige beschäftigen auf 11 Stunde» täglich herabgefetzt wurde. Nach iveiteren zwei Jahren soll in diesen Betrieben die Arbeitszeit auf lOVs Stunden, nach ferneren 2 Jahren auf zehn Stunden verkürzt werden. Im Jahre 1304 würden mehr als 4/5 der französischen Industrie-Arbeiter den Zehnstundentag errungen haben. Eine Reihe weiterer Verbcsserungen des Arbeiterschutzes sind geplant. Zu erwähnen ist auch, daß Frankreich seit einigen Jahren ein Arbeitsamt besitzt, das bedeutende Arbeiten socialftatistischer Natur veröffentlicht hat... In England kam die Wciterführung des Arbeiterschutzes nie mals zur Ruhe. Durch die Gesetze von 1891 und 1835 wurden die hygienischen Verhältnisse gebessert, die Altersgrenze der noch nicht zu industrieller Arbeit zuzulassenden Kinder erhöht, der Wöchnerinnen- schütz verbessert, Specialgesetze für die Arbeiter in den Wäschereien und Docks eingeführt. Das englische Arbeitsamt, hat auch sehr bc deutende Leistungen zur Aufhellung der Lage der Arbeiterklasse und zur Beurteilung der Leistungen der Trades-Unions aufzuweisen. Belgien, früher das klassische'Land'det Schutzloffgkeit der Arbeiter, hat beachtenswerte Anfänge der Arbeiterfchutz- Gesetzgebung und der gesetzlich garantierten �Selbstverwaltung der Arbeitebinteressen aufzuweisen. Gesetze über Lohnzahlungen, Kinderarbeit, Bergwerlsinspektion, Arbeitsräte find da in erster Linie zu nennen Auch Holland hat Fortschritte-mifziilueisen, so bez. der Fabrik- inspektion, der gesundheitlichen Verhältnisse in den Fabriken und die Errichtung von Arbeiterkamniern. In Luxe nt b u r g ist das Truck- systeni durch gesetzliche Bestimmungen bekämpft worden. In Dänemark liegt dem Parlament ein sehr iveitgehender Arbeiterschutz-Gesetzentwurf vor. S ch>v e d e n hat die Fabrikinspektion ausgebaut und die staatlichen und konimünalen Betriebe der Arbeiterschutz-Gesetzgebung unterstellt. Norwegen besitzt nur ein Gesetz zum Schutz der Ktnder gegen industrielle Ausbeutung und ein besseres Bäckerschutzgesetz als Deutschland. Rußland hat für die meisten Fabriken den 12 stündigen Maximalarbeitstag unter dem Druck der großen Streikbewegungen einführen müssen. Rumänien hat wenigstens die Kinder gegen die Ansbeutung in Bergwerken einigermaßen geschützt. Es sind dies nur Ansätze für einen wirksamen Arbeiterschutz, aber Ansätze, die zu größeren Fortschritten berechtigen, da die organisierte Arbeiterschaft in allen diesen Staaten, selbst in Rußland, zu einer immer größeren Macht wird. Der Maitag erneuert überall die Forderungen nach wirksamem Arbeiterschutz, steigert überall den Eifer zur Durchsetzung unserer Wünsche. Möge dieser Maientag recht große Erfolge»nsrer Bewegung im Gefolge haben.—_— n. Dsvkei-XTariividjfcut Vor einem Schwindler» der auf die Mildthätigkcit der Partei- genosseis reist, warnt der Vertrauensmann in Arnstadt in Th. Der Betreffende gicbt in der Regel an/ ein aus Gotha gebürtiger Schrift- setzer zu sein, ivill dem Verbände deutscher Buchdrucker angehören und jetzt a»S Paris kommen. Er. sitcht.das Mitleid, der Partei- genossen dadurch zu erwecken, daß er uorgiebt, durch seine politische und gcweclschafiliche Thätigkeit wiederholt arbeitslos usw. qe- worden« zu sein.* ♦ Alle seine Angaben beruhen jedoch auf Erfindung. DerSchwindler, der Hcmpcl heißen soll, ist durch starkes Hinken leicht erkenntlich.. Totenliste der Partei. In Fürth starb nach längerer Krankheit der Parteigenosse Moritz Kargau im Alter von '16 Jahren. Der Verstorbene nahm"als Demokrat lebhaften ihäfige» Anteil an de» Kämpfen von 1848. Er war auch einer der Wenigen, welche jiach der eingetretenen Reaktion die notivendige �onffquenz eines wirklichen Demokraten zogen. Nachdem die junge Demokratie, die socialdemokratische Arbeiterpartei ans dem Plan erschien, schloß er sich dieser alsbald an und blieb ihr bis zum Tode tren. War Kargau durch seine wirtschaftlichen Verhältnisse auch nicht in der Lage, sich öffentlich an der socialdcmokratischcii Bewegung zu beteiligen, so widmete er doch seine schätzbare Kraft, seine großen littcrarischen Kenntnisse oftmals der Partei. polizeiliches, Gcrichllichea usw. — Die hambnrgische Polizei verbot eine Versammlung, weil in derselben polnisch gesprochen werden sollte und dadurch„die gc- sctzlich vorgeschriebene Nebcrwachung unmöglich gemacht" iverde. Das ist natürlich gar kein gesetzlicher Grund zum Verbot der Ver- sammlnng. Da? hambnrgische Gesetz schreibt keineswegs vor, daß in Versammlungen nur deutsch gesprochen werden dürfe. Wenn die Polizeibehörde nicht über Beamte mit den nötigen Sprachkenntnissen verfügt, so ist das ihr« Schuld und nicht di« der Versammlung«- Veranstalter._ Gvtvvvkpchttfkliltzes...... Verl!»«nd ttnigegrud. Die Annahme der Streikklausel in der Bandepntation nennt die„National-Zeilung" einen Erfolg, der vermutlich die Erwartungen der Bcuuinlernehmer übertroffen'hat. Di, Uitternehmer dürften entgegengesetzter Meinung sein, für sie kann auch nicht einen Augen- blick ein Zweifel, bestanden haben, daß ihre Interesse» nicht geneigte Berücksichtigung j» der städtischen Verwaltung finden. Wo hätte jemals die freisinnige Stadtverwaltung sich gegen die Grundsätze des freien WaltenS kapitalistischer Ansventiing geiuehrt? Hat sie nicht fortgesetzt jede Einschrünkimg kapitalislischcr Willkür bei Ab- schluß ihrer Sübniisfioiien im wohlverstandeiieu Interesse des Unternehmertums abgelehnt? DiesocialdemokratischenAulräge auf Festsetzung der Arbeitszeit' und des Arbeitslohns in Submissionsansschreibmigen wurden beharrlich zurückgewiesen»nd es widerspräche der ganze» Wirt- schaftspolitischen Auffassung des Freisinns, wenn er anders handelt. Sein Grundsatz ist das uneingeschränkte Spiel der freien Kräfte und dieser Manchestertheorte fällt jede verständige Soeialpolittk zum Spfer. Beachtenswert ist die Stellung des Staats zu der Forderung der Unternehmer. Wie die„Nalioiial-Zeitung" mitteilt, hat die Behörde die Einfühning der StreUllansel abgelehnt, aber in jedem Fall geneigte Sierücksichtigung zugesagt. Das entspricht dem bisherigen Verhalten von dieser Seite tmd es ist gar Nlcht an- zunehmen, daß für die Zukunft den Unternehmern � irgendwie Beschwerden daraus erwachsen, wie auch die slädtilche Berwallmig bisher dasselbe Verhalten eingenommen hat. Aber die freisinnige Verwaltung macht wglelch eine tiefe Verbeugung vor deiz Herren>>» Ballgewerbe inch gievi sofort jede Lieferfrist auf, ivcil es die Unteruehnier zur Unterdrückimg der Arbeiter verlangen. Der von deuFmsimiigcii so gehaßte Jnnkerstaat läßt sich wemgstenS freie Hand in seinen Lieferverträgen, der Freisinn liefert sich der Laune der Unternehmer rückhaltlos aus. Wie kann man es anders? von der Interessenvertretung des mobilen Kapitals verlangen. 1 Die Aussperrung ist den Werlstättenarbeitern der Großen Berliner Straßenbahn und den Arbeitern der Firma Siemens u. Halske angedroht, sobald sie am Dienstag feiern. Wären die Arbeiter organistert, dann tvürde dieses Unternehmcrkonsortium den Mund weniger voll nehmen. Deutsches Reich. In Görlitz fordern die Schmiede 16 M. Minimallohn und All schaffung des Kost« und LogiswescitS. Zur Durchsetzung dieser Forderung ist die Arbeit eingestellt. Streikvergehcn. Vor dem Zwickauer Schöffengericht wurde der Bergmann Sterzel zu einer Geldstrafe von 21 M. verurteilt, weil er auf den Plakattafeln die Bekanntmachungen des Bergamts Frei bürg mit einem Plakat der streikenden Arbeiter überklebte. Die Lederarbeiter in Uetersen streiken in zwei Fabriken, welche die Einführung des Zehnstundentags und die Erhöhung der Accordsätze um PS Proz. ablehnten. In Lübeck sauf der Kochschen Werft sind die Maschinenarbeiter ausgesperrt. Der Tuttlinger Schuhmacherstreik. Ergänzend zu unsrem in der vorigen Nummer gebrachten Telegramm wird noch berichtet: Die Emigungsverhandlungen, die von beiden Seiten vor dem dortigen Gew'erbcgericht gepflogen wurden, hatten den Erfolg, daß eine gemeinsame Grundläge für die Beilegung des Streiks gefunden wurde. ES wurde von feiten der Fabrikanten eine Lohn- erhöh ung der Zlvicker und Arbeiterinnen zugesagt, ferner wurde ein ständiges Schiedsgericht eingesetzt, dessen Spruch die Festsetzung der Bedingungen im einzelnen vorbehalten sein soll und dessen Spruch sich beide Teile zu unterwerfen haben. Die Wiederein st ellung der Streikenden ist zugesagt, doch kann dieselbe nicht auf einmal erfolgen. Es dürfen jedoch keine auswärtigen Arbeiter eingestellt werden, ffo lange noch Ausständige auf die Wiedercinstellung warten. Diese Bedingungen wurden in einer Versammlung der Streikenden mit 330 gegen 285 Stimmen a n g e n o m m e n. Ausland. Aus Frankreich.(Eig. Bericht.) Die Anwendung der Arbeiterfchutzresorm Millerands hat eine Reihe von Streiks zur Folge gehabt, die der Aufrechterhaltung bezw. der Erhöhung des alten für IL Stunden gezahlten Lohnes bei dem auf 11 Stunden verkürzten Arbeitstag gelten. In den Groß iv'ä schereien von Bologne sur Seine und Bilancourt(bei Poris) hat der Ausstand der Arbeiter und Arbeiterinnen nach wenigen Tagen mit einem vorteilhaften Ausgleich geendet. Die Ausständigen hatten 20 Proz. Lohnerhöhung für die Männer und 40 Proz. für die Frauen verlangt, um so den Frauen- mit dem Männerlohn auszugleichen. Sie erlangten für das gesamte Personal eine sofortige Erhöhung von 10 Proz., iveitere 5 Proz. in zwei Jahren, wo der Arbeitstag auf lOVs Stunden zu verkürzen, und abermals 5 Proz. in vier Jahren, wo der Arbeitstag auf 10 Stunden zu verkürzen ist. Mit dem Beginn des Zehnstunden- tags im Jahre 1307 werden also die Wäscher und Wäscherilineii einen etwas höheren Lohn beziehen als bei dem bisherigen zwölf- stündigen Arbeitstag. In den B a n m lv o I l s p i n n e r e i e n von Lille, Tour- c o i n g und R o u b a i x dauert der gleiche Lohnkampf seit einer Woche fort. Im allgemeinen, mit einigen Abweichungen in der Richtung eines höheren Lohnzuschlags, fordern die Spinner eine Lohnerhöhimg von ein Zwölftel. Die Unternehmer wollen aber diesen Zuschlag nur den wenig zahlreichen im Stundenlohn arbeitenden Schichten bewilligen, während sie den im Accordlohn Arbeitenden nur einen vierprozentigen Zuschlag anbieten. Der Spinnerstreik' dehnt sich noch immer aus. In Lille streiken die Arbeiter gegenwärtig in 17 Betrieben, in Roubaix in 11 Betrieben. Die Aussichten' sind durchaus günstig infolge des anhaltenden guten Geschäftsgangs._ SociAlos. Kohleuwuchcr. In Dresden sind dieser Tage etwa 200 Ver« treter der Großindustrie des Handelskammerbezirrs zusammen ge- Ivesen, uni über Maßregeln gegen den Lkohlenwucher zu beraten, der von den böhmischen Grubenbäronen geübt wird. Dabei wurden Reden gehalten und Thntsachen zur Sprache gebracht, die einen außerordentlich aufreizenden Charakter tragen. So- wies Herr Biinzenberger, Direktor einer Zollstofffabrik, darauf hin, daß die Verteurung der böhmischen Kohle<» bis 8 mal mehr betrifge, als eine solche etwa durch den Streik gerechtfertigt werden konnte. Die Werksbesitzer geben das auch ohne weiteres zu mit dem lakonischen Bemerken, daß sie ganz einfach die Situation in Bezug ans Angebot und Nachfrage nach Kräften ausnützten. Wenn man jetzt wegen Abschlüssen für das nächste Jahr frage, würde man ver- tröstet, im Anglist oder September noch einmal nachzufragen. Das ist sehr schlau,' weil um diese Zeit durch die Zuckerkonjnnktnr die Nachfrage wieder stark sein und den Preis in die Höhe treiben werde. Aber nicht nur die Preise, sondern auch die Bezugsbedingungen seien ganz unerhört. Mit der Streikklausel werde ein unglaublicher Miß- vtauch getrieben. Ja. man verlange sogar das Recht, bei einer etwaigen Verkürzimg der Arbeitszeit die LiefernngSverträge aufzuheben und neue Preise zu inachen.— Herr Direktor Hoesch-Heidenau führte a», daß die Regierung zwei Vertreter während der Kohlermot »ach dem Rhein gesandt habe, daß aber auch diese nichts gegen das Syndikat auszurichten im stände getvesen seien. Unter der Streik klausel leide die ganze Industrie, sie sei beim böhmischen Streik i» der rigorosesten Weise gehandbabt worden. Die Kohlenionsumenten seien direlt belogen worden. Man habe ihnen die Erhöhung der Arbeitslöhne als eine Thatsache. als daran noch gar nicht zu denken lvar, wie sich nachdem herausgestellt hat, hingestellt. Durch diese- Darstellungen ans gewiß unverdächtigem Munde wird erst die ganze Brutalität ins' rechte Licht gesetzt, die die böhmischen Kohlenkapitalisten gegen die armen Grubensklavcn ans- üben.' Sie lveicheii geknechtet' und iii härtester Frohn' gehalten für einen Hungerlohn. Als sie die Qual nicht länger zu' tragen per- machten und sich gegen ihre Bedrücker auflehnte», da riefen oiese die Staatsgewalt zu Hilfe an und diese Hilfe ward ihnen dann im reichsten Maße zu teil. Die hungernden Sklaven mußten wieder i» die Grube zurückkehren» mit fast leeren-Händen.. Die sogenannte Lohnerhöhung Ivird für die meiste» eine leere Redensart bleiben. Die Unternehmer aber erklären kühl, sie nützten die Situation aus, uni soviel zjlsapimenzprätzbern als irgend möglich. um zu den Millionen neue Millionen hinzuzuraffcn. Für den Arbeiter Säbel und Flinte und Zuchthaus, wenn er einen Groschen täglich mehr verlangt: der Unternehmer— nützt die Situation aus. Das konstatieren Unternehmer von den b ö h m i s ch e n Gruben« baronen. Ist es bei den sächsischen anders? Ist es nicht vielmehr allgemein so bei allen Unternehmern und bei allen Arbeitern? Aincrikanisches Schulwesen. In den amerikanischen Gemein- schulen(oowwon sedoots) waren nach einer Mitteilung der„Sta- Wischen Korrespondenz� im Jahre 1870/71 7 561 582 Schüler, die von 220 225 Lehrern unterrichtet wurden, so daß auf einen Lehrer 34,3 Schüler entfielen. Die Zahlen steigerten sich in regelmäßigem Wachstum so. daß 1836/97 14 652 432 Schüler und 408 333 Lehrer vorhanden waren. Die Zahl der Lehrer ist nicht ganz in demselben Verhältnis gestiegen, wie die der Schüler, denn die Vergleichung der beiden letzten Zahlen«giebt 36 Schüler auf einen Lehrer. Unter den Lehrern ist das weibliche Element sehr stark vertreten. Schon 1870/71 waren öS Proz. der Lehrkräfte weiblichen Geschlechts nnd dieser Anteil stieg bis ans 67.4 Proz. im Jahre 1836/37. Die Ausgaben für die genannten Schulen betrugen 1,75 Dollar per Kopf der Bevölkerung und 15,20 Dollar per Schüler im Jahre 1870/71 nnd stiegen ans 2,62 Dollar per Kopf der Bevöltmmg'■ 18,57 Dollar per Schüler im Jahr 1838/07. Ein Brückeneinsturz Folgen hat sich am Sonntag auf der Pariser mit grausigen Folgen hat sich Weltausstellung ereignet. Vom Marsfeld führte über die Avenue de Suffren hinweg eine hölzerne, mit Gips bekleidete Fußgängerbrücke zum Htm- nielskugel-Panorama, das dort, groß und rund und mit bunten Figuren bemalt, sich erhebt. Der' Globus gehört einer Privatgesell- schaft, er ist noch nicht eröffnet, Generalkommissar Picard hatte Soiintagmorgen die Brücke inspiziert und erklärte, er verbiete ihre Benutzung, da sie ihm nicht � sicher genug erschien. Die Brücke war am Sonntag auch gesperrt; unbeareiflicherweise hatte man jedoch nicht die Passage der unterhalb der Brücke über den Quai dQrsay hinüberführenden Brücke ver- boten. Sonntagnachmittag um vier Uhr fünf Minuten brach plötzlich die Brücke zusamiiien. Niemand befand sich auf ihr, aber sehr zahlreiche Paffanten befanden sich gerade unter ihr. Ein furchtbares Geschrei ertönte; man sah zuerst nur eine Staubwolke und sah die Menge, die sich dicht bei der Brücke befunden hatte, er- schreckt auseinanderstieben. Dann eilte man von allen Seiten herbei, und es entstand ein Moment der furchtbarsten Verwirrung. Bald be- merkte man unter den Trümmern Tote u n d V e r lv u n d e t e. Man hob zuerst ein totes kleines Mädchen auf, das nicht gleich rekognosciert werden konnte. Vier Tote und vierzig Ver- wundete wurden innerhalb der ersten zehn Minuten zwischen den Trümmern aufgelesen. Die Brücke war mit Cement gedeckt; die Schwere dieser Cement- last hatte die Katastrophe verursacht. Die Feuerwehr ans der nahen Trocaderostation war sehr schnell zur Stelle. Die meisten der Verwundeten wurden ins Hospital gebracht. Bald erschienen Polizeipräfekt Lepine, Seinepräfekt de Selbes nnd General- kommissar Picard. Letzterer erklärte, er lehne alle Verantwortung ab. Um halb sieben Uhr waren sieben Tote aufgefunden, darunter befindet sicki ein Ungar, Namens Nebonr, 43 Jahre alt, ferner die Pariserin Madame Samuel und ein Herr Slamard. Etwa vierzig Arbeiter ivaren abends noch beschäftigt, die Trümmer der einge- stürzten Brücke zu entfernen. Die Abendblätter, die auf den Boulevards den. Eamelots aus den Händen gerissen wnrdcn, erklären iibereiifftimmend, daß die Katastrophe nicht erstaunlich sei; das einzige Erstaunliche soll sein, daß auf dem Ausstellungs- platz, wo die Menge zwischen Gerüsten und eilig gezimmerten oder gemauerten Baracken herumklettert, nicht schon mehr und noch größere Katastrophen sich ereignet haben. Die Konzerte, die abends in der Aus- stellung stattfinden sollten, wurden abbestellt. Präsident Loubet entsandte einen Ordonnanzoffizier. Die Ausstellung war des prächtigen Wetters ivegeu außerordentlich zahlreich besucht. Die Brücke war nicht von der Ausstelliingsleitiing, sondern von der Panoramagesellschaft hergestellt. Als sie einstürzte, waren nicht niehr als acht' Arbeiter an derselben thätig. Wie es vorerst den Anschein hat, dürfte die Schuld an dem Unglück den Unternehmern zufallen, die die Stützbalken zu früh entfernen ließen. Von den bei dem Unfall in der Ausstellung verletzten Personen sind während der Nacht zwei im Krankenhanse gestorben; der Zustand mehrerer andrer giebt zu ernsten Besorgnisjen Anlaß. Gestern um 2 Uhr früh hatte man die Gewißheit, daß sich unter den Trümmern der eingestürzten Fußgängerbrücke keine Opfer mehr befinden. Nach den letzten Meldungen beträgt die Zahl der Toten neun und die der schwer Verwundeten ebenfalls neun.— Dem„Figaro" zufolge wurden zwei Tage vor der Kata- strophe deutliche Senkungen wahrgenommen. Der Erbauer der Brücke ordnete darauf Stützungsarbeiten an, die, wie es scheint. nicht ausgeführt wurden. Eine amtliche Mitteilung besagt: Die Fußgängerbrücke, welche gestern in der Ausstellung eingestürzt ist. befand sich außerhalb des Gebiets der Ausstellung und war von dieser durch eine Einfriedi- gimg getrennt. Ihre' Errichtung hatte kraft der Ermächtigung des städtischen Wegeamts zu geschehen. Sie diente dazu, das Marsfeld mit dem Himmelskugel- Panorama zeitweilig zu verbinden, einer Schaustellung, die auf einem der Westbahn gehörigen Grundstück für die Dauer mehrerer Jahre errichtet worden ist. Die Verwaltung der Ausstellung hatte unter diesen Umständen über den Bau einer außerhalb der Grenzen ihres Amtsbereichs gelegenen Brücke keine Aufsicht auszuüben. Die notwendige Feststellung über dieselbe hatte vorschriftsmäßig erst in dem Augenblick zu erfolgen, wo der KonzessionSinhaber um die Genehmigung nachgesucht haben würde, sein Unternehmen für den Verkehr der AnSstellungSbesucher zu öffnen.________ Briefkasten der Redaktion. «. B Plettenberg. Ihr Bericht ist nicht gebracht worden, weil bei dein herrschenden Stoffandrang nicht jede Mitteilung dieser Art im redaltio- ncllen Teil Ausnahme finden tan» Ihr andrer Wunsch wird erfüllt werden. F. IÜS. Die Flagge von Transvaal zeigt einen grünen Streifen am Stock und dahinter drei Qnerfelder in roter, weißer und blauer Farbe. Menzel. Der erste»nd sünste Kreis fretsimug vertreten: Langerhans und Zwick. Gipp. Wenden Sic sich an die GewerkschaftSkommisston. — H. H. ISN«. Da die Betreffende zum Ilnterhalt der drei von ihr nicht geborenen Kinder nicht verpflichtet ist, thut sie gut, unter Darlegung des Sachverhalts sich an das Vormiindschastsgericht mit dem Antrag zuwenden, für diese Kinder Sorge zu tragen, da die zur Fürsorge verpstichtete Ge- meiiide die Abnahme der Kinder abgelehnt hat. Sie kann sich überdies an dm Landrat mit dem Antrag wenden, die Gemeinde zur Uebernabme der Kinder in Gemeiudcpflege anzuhalten.— Gerhard P. 1. Es genügt eine Zeichnung. 2. Iii den meisten Fälle» ja.— B. F. Lk. Ohne Einsicht in die Statuten ist die BeanNvortnng unmöglich. Sollten Statuten nicht vorhanden sein, so ist der Vater im Unrecht.— W. M. 355. Ist richtig. — X, N. 95. Es war dt« Verhandlungs-, Beweis- und Vergletchsgedühr ini ersten Fall»ach einem Objekt von 143, im zweiten nach einem solchen von 55 zu berechnen. Offenbar liegt nur ein Versehen vor.— H. R. 100. Abschrift des Testaments erhalten Sie auf Ihren Antrag vom Gericht. Ueberdies wird ja die Schwägerin ea Ihnen vorlegen müssen. Hat das Testament den Vater nicktt berücksichtigt, so kann dieser es anfechten.— M. M. Wegen des Verschweigens kann der Ehemann innerhalb 6 Wochen nach Kenntnis aus Nichtigkeit der Ehe klage». Der Ersolg der Klage ist ein zweifelhafter.— Kauincheusang mit Frettchen. Darin ist mit dem 1. Januar keine Aenderung eingetreten.— Y. 100. Sie müssen zahlen. A. D. Ja.— Pietsch. 1. Falls pichtö andres vereinbart ist: 6 Wochen zum Ersten des Quartals. 2. Bis zum I. Juli. 3. Das Gewerbegericht ist zuständig.— C. Kurth. Aber! Weder hat der Mann das Recht, gegen den Willen seiner grau deren Priese zu öffnen, noch umgekehrt die Fran das OeffUungSrecht bezüglich der Briese des Ehemanns. ES kann sowohl der Mann wie die Ehefrau wegen unbesugter Brlesöffnung bestraft werden. Indessen wird ein verständiges Gericht in der Regel auf Freisprechung in solchen Fällen erkennen, weil es den Einwand des betreffenden Ehegatte» für durchgreifend hält, er habe geglaubt zur Oeffnung berechtigt zu sein, well er annahm, sein Ehegatte sei damit einverstanden oder weil er an- nahm, der Bries beziehe sich auch auf«ihn Interessierendes.— M. Ä. 104. Eine Klage der Kinder der verstorbene» Geschwister hätte keine Aussicht aus Erfolg.- Hermann K.. Charlottenburg. Das kommt aus den Richter an. — M. B. 80. Ihre Ansicht traf bis zum 1. Januar 00 zu, seitdem nicht mehr. Seit dem 1. Januar 00 beträgt die Warlezeit für Altersrenten 1200 BettragSwochcn. Die Abkürzung der Wartezeit ist seit dem 1. Januar 00 ebenfalls erleichtert. Die Abkürzung erfolgt nur dann, tvenn der Ansprnchsberechtigte während der dem Inkrafttreten des Gesetzes im- mittelbar vorangegangenen 3 Jahre berufsmäßig, wenn auch nicht ununtcr- brachen, eine versicherungspflichtige Beschäftigung gehabt hatte. Der Nach- weis hierfür ist seit dem 1. Januar 00 für alle Fälle erlassen, in denen innerhalb der ersten 5 Jahre, nachdem die Versichermigöpfltcht in Kraft ge- treten war, eine die Bersicheningspflicht begründende Boschästignug für die Dauer von mindestens 200 Wochen bestanden hat.- Lousiherstraste. Ja. - Nlnmrnthnl- Köpenick. 1. bis 3. Ja.- M. G. Die Höhe der Erbschaftssteuer in Preußen richtet sich nach dem Vertvandtichastsgrad. Sie beträgt 0 bis« Proz. der Masse. Sie müßten zur Beantwortung Ihres Falls also angeben, in welche,» Venvandtschaftsverhältnis Sie zum Erb- lasier standen.-?l. 777. Auf die Uhr haben Sie vollen Anspruch. der trübere Bräutigam kann sie nicht mehr zurückfordern.- ff. B. Die Berechnung ist zutreffend.- P. K. t. Die Unterstützung Berlins würde aufhören, die Höhe der Unterstützung des Bororts«intreten. 2. Erst wenn zwei Jahre ohne Empfang von Armeminterstütziin., verflossen sind. »«»«t W« SU Unterstützende ihren bisherigen Untcrstützungswohnsttz. Wilh. H. Der Ansatz ist berechtigt. Die Gebühr ist sür Erhebung und ....., Ablicserung der Gelder.- G. R. Leider ist die Steuerbehörde im Recht. »Nd- R. N. 74. Nichts.- G. G. 30. 1. Die Stempelgebühr beträgt ' 50 Pfennig, mehr haben Sie nicht zu zahlen. 2. Nein.- M. N. Ja. Beranlwortiicher Rebacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Warenhaus A. WERTHEIM Berlin, Leipzigerstr. 132133. Eosenthalerstr. 27 29 und 54. Oranienstr. 53 54. Mk. «F aCkett-KOStlime, luouo. Jackett mit Vfty«nTiTinyiir.g: f;; 13,—___ ' öOÄt• l�OSllXlXXO, zweireihig gosclilossen 13�73 Mk. KkOStÜLlIl� mit kurzen Jäckchen aus Homespun, mit weisser Stepperei..III 28,73 Mk. Panama�KOStÜme, Rock und Jacke gefüttert, blau und schwarz.; 33,—— Mk. C'lXOVlOt�JBLOStlXm© mit Stepperei, Atlas-Hinsatz in Säumchen gesteppt I 31,—"Mk- E tamine�Kosttime, un�TressengarSitui61,1 8eifeil8toff' mit.Revers 4bl.50 Mk. AlpaCCa�KOStÜme mit Revers unck cröme?resse-Sarnitur... I r. i l 27,- Mk. Alpacca-Kostümröcke, �«0�7,75, ��a?chawÄewSSJt 13,30 Mk Kammgarn� J acketts, schwarz Revers mit Seidenstickerei.. I. IO5—' Mk. T�lXOll."«FaOlilGiilS mit verdeckter leiste, schwarz, weiss gesteppt. I 2« 1�,— Mk. Tuch-JT aCjblGHS, mode, zweireihig, mit Sammetkragen........... 13 33 Mk. �DlllXlUPag©IX mit Spitzen-V olant und Tressenversohnürung* 3,73» 14X, Mk. T<1 1 Hgyageil mit Tuchapplikation mit Perlverzierung............ 13,73 Mk. madO�OapOS schwarz mit Applikation........ 21,—— Mk. IZaviBTto Staubmäntel....,,.: Ä 33«. 3,33 Mk. Gemustert. Pepkal, 2,13, �I�Än1 3,—, 4 R�hen 3,75 Mk. Eln��rb» Batist mit gepaspelt. Falten...... 3,33 Mk., mit Rüschen 3,23 Mk. jZepbyP? gestreift und kariert..................... 3.- u. 5,25 Mk. Karierter Wollstoff mit Säumchen u. Blende.. � 23 Gräften 5,75 Mk. �A�lpSieOa mit Falten, gemustert................ 3,, einfarbig 3�73 Mk. Remseid. Taffet, rd 13,25, farbig 13,23 Mk Relu�eidener Vorderteil mlt sänmchen, gefüttert ZYAk. Mk Mk. Alpaeea-ulupons, Volant mit Soutache 2,85, mit Säumohen 4," Alpacca� J upons S�dS¥onf?We 3-, mit Einsatz u. plissierten Volants 7?- Leinen�jupons mit Volant, garniert.,. 1,35, mit Einsatz und Spitze 3,75 Mk. Kinderkleider, gemustert. Madapolam, hell u. dunkel, Kragen mit Pllssö passend f. d. Alter von ca 1—2 3 4 5 6— 7 8 9 10 11_ 12— 13 Jahren 2.25 2.50 2,75 3,— 3.25 3.75 4,25 4,75 5.25 Mk. it. wo. i7. imtim«. 2. Keilllge Vommunales. Der Wahlausschuß der Stadtverordneten hat In seiner aestriaen Sitzung nach Vernehmung der Zeugen einstimmig be- schlössen, der Stadverordneten-Versammlung vorzuschlagen, die Wahl G l o ck e s für gültig zu erklären. Es stellte sich heraus, daß durch- aus der Wahlinstruktion entsprechend um 8 Uhr die an der Wahl- stelle Befindlichen aufgefordert sind, das Wahllokal zu betreten, und daß dann das Wahllokal selbst geschlossen wurde. Berliner Partei-Augelegenheiten. Rummelsburg-Ttralau. Die Maifeier der hiesigen Genossen findet Dienstag, den 1. Mai, von nachmittags 4 Uhr an in der Victoria- Brauerei zu Stralau statt. Dieselbe besteht aus einem Vokal- und Jnstrumentalkonzert, Tanz und Festrede, gehalten vom Genossin Dr. Freudenberg. Vornnttags 10 Uhr findet in demselben Lokal eine Versammlung der Gewerkschaften statt. Grünau. Die Parteigenossen iverden ersucht, sich heute sowohl an der Vonnittags in A d l e r s h o f bei Schmauser stattfindende» Versammlung zahlreich zu beteiligen als auch der in diesem Lokal abends vor sich gehenden gemütliche» Unterhaltung beizuwohnen. Der Vcrtraucnsmau». Oberschöncweide. Bei der heute abend 7 Uhr im Lokal von Haferland stattfindenden Maifeier referiert Genosse Flatow über die Bedeutung des Tages. Nach der Feier gemütliches Beisammen- fcin. Der Vertrauensmann. Köpenick. Die öffentliche Versammlung am 1. Mai findet für alle Branchen am Dicnötagvormittag um V Uhr im.Kaiserhof", Grünstraße, statt. Baumschulcnwcg. Die Maifeier wird im Lokal des Herrn Ackermann abgehalten und besteht aus einer Festvcrsammluiig, in welcher abends 7'/z Uhr der Parteigenosse Pastor Paul G ö h r e über„Die Bedeutung der Arbeiter-Maifcicr" referieren wird. Nach der Versammlung findet gemütliches Beisainmensei» statt. Da ei» Entree nicht erhoben wird, so erwartet recht zahlreichen Besuch Der Vertrauensmann. Den Genoffen von Friedrichöfelde und Umgegend nochmals zur Nachricht, daß die Maiversammlung vormittag» OV- Uhr bei Bube stattfindet. Referent Reichstags- Abgeordneter Stadthagcn Nachmittags ebendaselbst Maifeier. Der Vertrauensmann. Uokalrs. Ein siebzigjähriger Parteigenosse. Der Vertrauensmann im sechsten Wahlkreise teilt uns mit Einer der wenigen im Proletarierheer, denen es vergönnt ist, das „biblische Alter" zu erreichen, ist der jetzige Cigarreufabrirant Genosse Joseph H u f a m in der Grttnthalcrstraße 9. der morgen, am 2. Mai. seinen siebzigsten Geburtstag begeht. Der „kleine Seppe!", wie die älteren Parteigenossen auf dem Gesund- brunnen mit Vorliebe den Alten nennen, wurde 1830 z» Trier als der Sohn eines dortige» Bataillonsschneiders gc- boren. Als er drei Jahre alt ivar, verlor er bereits seinen Vater und siedelte dann mit der Mutter nach Koblenz über. Hier begann für den kleinen Joseph bald eine traurige Zeit. Er mußte frühzeitig mithelfen, den LebenSiiiitcrhalt für seine orei Geschwister zu verdienen, und diese Anstrengung in früher Jugendzeit mag lvescntlich die Ursache gewesen sein,' daß er in der körperlichen Entwicklung zurückblicb. Nachdem Joseph Husain drei .Jahre als Arbcitsbnrsche bei einem Kaufmann thätia gewesen ivar, entschloß er sich, Cigarren macher zu werden. Im Jahre 1803 kam er nach Berlin und nahm hier an de» Geiverkslbaltskämpfen, die seine Kollegen schon in den sechziger Jahren führten, lebhaften Anteil. Unter dem Socialistengcsetz und noch bis zur letzte» RcichStagSwahl war Husam beim Flugblattverteilcn und andern Parteiarbeiten stets zur Stelle. Auch ictzl noch versäumt unser Freund keinen/Zahlabend und sprickit oft mitjugcndlicherBcgcisternng von seine» damalige» Freunden Hasenclever. Fritzscke, Hasselnian». Tölke usw. Noch heute ist Husam ivacker in seinem Beruf thätig, in ivelchcm er von seiner braven Frau fleißig unterstützt wird. Alle Parteiaenosfen. die den Seppcl kennen, wünschen ihm mit uns zu feinem Gcbnrls- tag ein herzliches Glückauf und Vorwärts I Ein Rückgang im Droschkcnbrstande ist im abgelaufenen ersten Vierteljahre zu verzeichnen. Während am 31. Dezember 1899 noch vorhanden waren 0427 Droschken I. Klasse(von diesen öSS5 mit Fahrpreisanzeiger). 1634 Droschken II. Klasse und 153 Gepäck- droschkcn, in Summa 8114 Droschken, belicf sich am 31. März 1900 die Zahl der Droschkcn I. Klasse nur noch auf 0465 svon diesen 5013 mit Fahrpreisanzeiger), der Droschken II. Klasse auf 1493 und der der Gcpäckdroschtcn auf 163, die Gesamtzahl der Droschke» somit auf 8101. Ter Rückgang beziffert sich somit auf 73 Droschkcn, von denen 31 auf Droschkcn 1. Klasse l29 mit Fahr- preiSanzcigcr) und 42 auf Droschke» zweiter Klasse entfallen. Der Bestand des übrigen öffentlichen Fuhrwerks hat keine Veränderung erfahren. Es waren am 31. März d. I. vorhanden: 011 Omnibusse der verschiedenen OmnibuL-Gcsellschaften und 2505 Pferdebahn- und elektrische Wagen der verschiedenen Straßcnbahn-Gesellschaften. Nur die Zahl der Torwagen hat sich von 211 auf 210 vermindert. Die Gesamtzahl der öffentliche» Fuhrwerke betrug zu dem gedachten Zeitpunkt 11427. Eine Deputation der WareuhanSangestcUte» wurde am Sonntagvormittag vom F i n a n z n> i» i st e r empfangen, um ihm ihre Einivendnngen gegen die WarcnhanSstcuer vorzulegen. Herr v. Miguel erividcrte auf die Ausführungen der Deputation in längerer Rede, daß er durchaus davon überzeugt sei, die WarcnhanSsleuer werde eine wesentliche Besserung in der Lage des Kleinhandels nicht herbeiführen. Er hoffe jedoch, daß durch einen vorläufigen Stillstand in der Entwicklung der Warenhäuser dem Kleinhandel Zeit gelassen werden könne, sich in den veränderten Verhältnissen zurccht zu finden; er empfahl den Kleinhändlern als wirksamstcS Mittel die Selbsthilfe in Form von Genossenschaften u. dergl. Er erklärte ferner, daß dem Princip einer Bcstenernug nach dem Umsatz auch seitens der Regierung Bedenken entgegenständcn und daß diese Form nur danim gewählt ivordcn sei, weil der auf andren Grundlagen beruhende frühere Gesetzentwurf wegen des allseitigen Widerstände», de» er gefunden, keine Aussicht auf Abnahme gehabt habe. Er betonte, daß die Folgen der WarenhauSslencr noch nicht vorher zu sehen seien und daß dieselbe gewissermaßen als Versmfc zu betrachte» wäre, welcher die Kommunen zu einer Reform der Gewerbesteuer veranlasse» dürste. Obgleich er der Ansicht Ausdruck gab, daß eine Herabsetzung der Gehälter der Angestellten nicht zu befürchten wäre. da die Arbeitsbedingungen von' allgemeinen Faktoren bestimmt würden, so müsse er doch zugebe», daß eine direkte Schädigung d e r A» g e st e l l t e ii da eintreten wird, wo dieselben in Form von Prämien und Tantiemen an dem Reingetvinn bezw. Umsatz be- teiligt seien. I» welchem Umfang diese Schädigung das Personal treffen würde, wurde von der Deputation dadurch festgestellt, daß sie ausführte, daß in einem hiesigen Warcnhause allein für diesen Zweck über 200 000 M. jährlich zur Vertheilung kämen, und daß daran die Mehrheit aller Angestellten beteiligt wäre.— Der Zinanzminister erklärte schlteßlich, daß bei dem jetzigen Stand der Verhandlungen an eine Zurücknahme des Gesetzes nicht mehr zu denken sei, e» wäre ihm ober doch von des, Amiirls" Interesse gewesen. durch die Deputation über die Lage der Auge- stellten in den Warenhäusern Näheres zu erfahren.— Nachdem die Audienz über eine Stunde gedauert, überreichte die Deputation dem Finanzminister eine Denkschrift, in der sie die vorgetragenen Be- denken gegen die Warenhaussteuer niedergelegt hatte. Der in der letzten Nummer dcö„Vorwärts" erwähnte Hauptmann Kanncnberg. der sich in Untersuchungshaft hier in Berlin befindet, ist der eine der beiden Kolonialoffiziere, wegen deren Bebel in der Sitzung des Reichstags am 13. Februar den Kolonial- direktor v. Buchka interpellierte, ohne genügende Auskunft zu er- halten. Hauptmann Kanne nberg war St'ationschef in Ostafrika und soll, nach unsren Informationen, als er nachts durch das Schreien eines Negerkindes gestört wurde, aus dem Hause gesprungen sein und sowohl das Kind wie die Mutter erschossen haben. Der ziveite der Kolonialoffiziere, die hier in Untersuchung sich befinden, ist der Hauptmann Wegener, der in Westafrika stationiert war. Auch ihm sollen Gewaltthättgkeiten gegen Eingeborene zur Last gelegt werden. Will das Kolonialamt sich nicht näher darüber auslassen? Organisation und Arbeiterschaft. Unser Artikel vom Sonntag enthält in einem Punkte fehlerhafte Angaben. Soweit der vierte Wahlkreis in Betracht kommt, ist das angegebene Zahlenverhältnis nämlich unrichtig. ES sind in diesem Kreis politisch organisiert 4393 Parteigenossen und zwar im Verein für den Osten 2243, im Verein für den Südosten 2150. Das Verhältnis der or- ganifierten Genoffen zu den socialdemokratischen Wählern sowie zu den Wahlberechtigten im allgemeinen ist also 1:10:23: die Organi- tion steht mithin in ähnlicher Stärke da wie im sechsten Wahl- kreis. Ter durchschnittliche Jahreöarbeitöverdieust laud- und forstwirtschaftlicher Arbeiter für den Stadtkreis Berlin ist vom Polizeipräsidenten von Berlin in Abändeiung seiner Bekanntmachung vom 22. März 1888, in Gemäßheit der Bestimmungen des K 0 Abs.'6 des Rcichsgesetzesvom 5. Mai 1380 und der Anweisung zur Aus- führung desselben vom 4. Juni 1887 Ziffer 11 nach Anhörung der Gemeindebehörde wie folgt festgesetzt worden: 1. für männliche Arbeiter über 10 Jahre auf 900 M.: 2. für weibliche Arbeiter über 10 Jahre auf 000 M.i 3. für männliche Arbeiter unter 10 Jahren auf 390 M.z für weibliche Arbeiter unter 10 Jahren auf 300 M. Dem Rade eine Gasse. Der Stadtverordnete Hugo Sachs hatte bei der städtische» Parkdeputation den Antrag gestellt, den Weg seitlich der Ringbahn im Treptower Park, welcher für den Wagen- verkehr eröffnet ist, auch für den Radfahrverlehr zu eröffnen. Die Parkdeputation hat diesen Antrag abgelehnt. Herr S. hat daher Veranlassnng genommen, beim Plenum des Magistrats Beschwerde zn führen. In Radfahrkreise» ist man auf den Beschluß des Magistrats gespannt. „Nette Anösichtcn" für die VerkchrSverhältniffe in den Pfingstfciertageu bot der gestrige Sonntag, an welchem die inangel- haften Zustände im Eisenbahn- und Straßenbahnbetricbe wieder voll zur Geltung kamen. Ueberfüllte Eisenbahnabteile gehörten zur Tagesordnung und auf den Vorortsstreckcn Friedrichshagen und Johannisthal sowie Grunewald und auf der Wannseebahn spielten sich, trotzdem der Verkehr keineswegs ei» so überaus bedeutender ivar, die sattsam bekannten Gedrängescenen ab. Aehnlich ivarcn auch die Zustände im Straßeubalmvcrkchr, woselbst sich um ein Plätzchen förmliche Kämpfe abspielten. Bei der Untergrundbahn war der Andrang so stark, daß zur Aufrcchterhaltnng der Ordnimg an der Kopsstation am Schlcsischcn Bahnhof nicht weniger als vier Schutz- leutc erforderlich waren. Geradezu bestürmt wurden auch die Wage» der Omnibus- und Straßcnbahnlmien, die nach dem Brandenburger Thor resp. dem Tiergarten fuhren. Sabbatschänduug. An der Legung der Kabel», welche am 0. Mai zur Illumination des sog. NationaldenknialS vor dem Schloß dienen sollen, wurde Sonntag den ganzen Tag gearbeitet. Folgende Todesanzeige ist in diesen Tagen veröffentlicht worden: Infolge einer am 20. März er. stattgehabten Exmittierung befand sich eine in der Rosenstr. 7 wohnhaft gewesene Fannlie in der traurigen Lage— da in der kurz bemessenen Zeit von 8 Uhr abends an kein andres Obdach und auch kein Möbclftihriverk auf- zutreiben war, sich mit vier Kindern um 1 Uhr nachts bei h e f- tigcnr Schneetreiben nach Wcißensce transportieren laffen zn niüssen. Zwei der Kinder— kaum dcni Sänglingsaltcr entwachsen — erlagen trotz ihrer kräftigen, körperlichen Beschaffenheit der ihnen zngeinntetrn barbarischen Behandlung und haben sich nnn ein Heim aufgesucht, wo kein Gesetz sie zwingt, sich einer so nienicheiiimwürdigen Weise zu unterwerfen. DieS bringen die trauernden Elten: und Geschwister zur Kenntnis der Anwohner. Die Beerdigung findet Sonntag, den 29. April, vormittag» 10 Uhr, von der Königstr. 32 aus statt. Wie uns weiter mitgeteilt wird, war die Exmittierung vom Verwalter des ftaglichen Hauses, Herm Professor Dr. Hermann, wegen rückständiger 8 Mark Miete pränumerando pro 1. März vcr- anlaßt worden. Ein Mitbesitzer dcS Hauses, in dein die Jnichrift prangt:„Gott niit uns", ist nach Ausweis des Berliner Adreßbuchs der D o in ft i f t S- K a n d i d a t P. Hermann. Einen Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahn- und einem Sprengwagen gab es gestern, Montagnachmittag um 4 Uhr. in der Berlinerstraße zu Charlottenburg. Ein neuer, in Hamburg gebauter Sprengwagen, der besonders für die Promenaden benutzt wird, bog in der Nähe des LuisenplatzeS von der Promenade der Berliner- straße auf den Fahrdamin ein. Dabei faßte ihn ein elektrischer Wagen der Linie Slrnßenbahnhof— Lützowplatz von hinten und traf ihn so heftig, daß die Pferde stürzten und der Kutscher Misch in weitem Bogen vom Bock flog. Der Kutscher zog sich schwere Kops- Verletzungen zu und mußte nach der nächsten Unfallstation gebracht werden. Der Sprcngwageu wurde erheblich beschädigt. Augen- zeugen sind der Ansicht, daß dem Führer des elektrischen Wagens die Schuld an dem Unfall treffe. Zur Mcdcnwaldtschen Mordsache wird gemeldet: Am Sonntag haben sich bei der Kriminalpolizei zwei junge Leute gemeldet, die einen Verdacht nach einer andren Richtung lenken. Sic bekunden, daß sie an dem kritischen Tage abends in: Halbdunkel vor dem Hause, in welchem Fräulein Medenwaldt ermordet wurde, einen ehemaligen Schulkameraden, der mittlertveile mehrfach bestraft ist, gesehen haben. Dieser junge Mann trug ein Packet unter dem Ann und war sehr aufgeregt. Sie sprachen ihn an und fragten, wie es ihm gehe. Er zeigte aber gar keine Lust, sich mit ihnen zu unter- halten, antwortete kurz, er komme von der Arbeit und habe sein Arbeitszeug bei sich, und ging sehr schnell tveg. Ob diese Mitteilung für die Untersuchung einen Wert hat. steht noch dahin. Der am Sonnabend aus der Haft entlassene Georg Gluth wurde gestern morgen nochmals vernommen. Die Akten wurden von der Staatsanwaltschaft der Kriminalpolizei wieder zugestellt, da Kriminalkommissar Dr. Groß Frau Gluth über den Aufenthalt ihres SohnS Willy am Mordtage heute eingehend vernahm. Sic wieder- holte heute ihre frühere Darstellung. Die Akten werden sofort wieder der Staatsanwaltschaft übergeben, damit sich diese über den von dem Verteidiger gestellten Antrag ans Haftentlassung auch des Willy Gluth schlüssig machen kann.' Sollte die Staatsanwaltfchast das EntlastniigSmaterial nicht snr ausreichend halte», so wird auf Beschwerde der Verteidigung die Strafkammer noch heute zusammen- treten, im: über den Antrag ans Haftentlassung Beschluß zulassen. Fcuerbericht. Am Sonntag hatte die Wehr ein Dutzend Alarmierungen zu verzeichnen, von denen vier auf Wohnungsbrände zurückzuführen waren, und zwar nach R ü d e r s d o r f e r st r'a ß e 35, F r u ch t st r g ß e 8, Z i m m e r st r a ß e 24 und Kastanien- Dieiisteg, 1. Di 1000. Allee 24. Fußboden und Balkenlage hatten Memelerstraße47 und Stallschreiber st raße 24 Feuer gefangen, S ch w e d t e r- st r a ß e war jedenfalls aus Mutwillen ein Haufen Bettstroh an einem Zaun angezündet, während gleichzeitig S ch ö n h a n s e r- A l l e e 48» und Kürassier st raße 0 Verpackungsmaterial in Flammen auf- ging. Oderberger st ratze 21 mußte in einer Klempnerwerkstatt ein Schadenfeuer abgelöscht werden. Längere Zeit hatte die Wehr D a l l d o r f e r st r a'ß e 20 zu thun, wo eine Holzbude mit Inhalt eingeäschert wurde._ Aus de» Nnchbarorie». Die Einweihung dcS Grabdenkmals für Moritz v. Egidy fand Sonntagnachmittag 3. Uhr auf dem alten Kirchhof in Potsdam unter zahlreicher Beteiligung von Freunden und An- hängern des Verstorbenen statt. Prof. Wilhelm Förster hielt die Gedenkrede. Borfigwalde. Obgleich sich die Kolonie der Gemeinde Tegel gegenüber zu großen Opfern entschlossen hatte, für den Fall, daß die Straßen an der dortigen Kanalisation angeschlossen würden, hat die Tegeler Gemeindevertretung das Anerbieten mit 9 gegen 0 Stimmen abgelehnt. Infolgedessen wird der Ort gedrängt, eine eigne Gemeinde zu' griinden und' ein eignes Wasserwerk und Kanalisation nach dem Klärsystem Röckner-Rothe anzulegen. Reinickendorf. Das Gewerbegericht, das zum I.Mai hier errichtet iverden sollte, wird noch für etliche Zeit ein frommer Wunsch bleiben, da der Bezirksausschuß dem erforderlichen Ortsstatnt die Zustimmung versagt hat. Der Gebührentarif, der dem des Berliner Gewcrbegericht gleichlantete, war nämlich nach Meinung der Behörde zn hoch angefetzt. Es bleibt abzuivarten, was nunmehr die Gemeinde thun wird. Der ziveite Sammelbriinnen auf der Klärstation, zu welchem nur die Fundamenticrungsarbeiteii in Aussicht genommen waren, muß nach dem Gutachten der Sachverständigen schon jetzt vollständig fertig gestellt iverden, da zu befürchten ist, daß die Um- fassungSiiiauer» durch den Triebsand nicht unerheblich leiden.Z Ein Drama auS der Kascrue. Aus Werder wird be- richtet: Am Sonnabend wurde hier der Füsilier Schneider vom Jnfanterie-Regiinent Nr. 35, der am 11. März d. I. aus seiner Garnison desertiert ist, beerdigt. Schneider hatte sich bei seiner Desertion nach Werder begeben, wo er früher in der Brgnerei thätig gewesen war, und hier seinem Leben durch Ertränken ein Ende ge- macht. Vor einigen Tagen wurde seine Leiche, die noch die volle Uniform nebst Koppel und Seitengewehr trug, aufgefunden. Der Beerdigung, die auf dem Werderschen Kirchhof stattfand, wohnten ein Unteroffizier und drei Mann des 35. Regiments bei. Ju Köpenick sind drei Burschen, der Bäcker Friedrich Degmeicr. der Arbeiter Johann Fitzncr und der Schlächter Friedrich Rupp gus' Berlin verhaftet worden, nachdem sie bei Wilhclminenhof an der Obersprce ein Boot gestohlen und auf der Fahrt von Schöncweide nach Hasselwerder Einbrüche und andre Diebstähle verübt hatten. Et» Rohrpostamt erhält demnächst auch der südliche Teil von Charlottcnbnrg. Das RcichSpostamt hat die Errichtung schon' genehmigt und die' Mittel in den Etat eingestellt. Das neue Rohr- 'postaint erhält seine Räume im Postamt IV in der Kantstr. 50. Gerirszts--Bettung. Die Rcklame und das preußische Preßgesctz. Gegen di, 9 und 10 deS alten preußischen Preßgesetzcs, welche noch rechts- wirksam sind, sollten sich drei Leute in Hannover dadurch vergangen haben, daß sie ohne polizeiliche Erlaubnis R e kl am cp l a k a t e in den Straßen stumm n m h e r t r n g e». Die Beschuldigten wurden jedoch in erster und zweiter Instanz freigesprochen. DaS Landgericht in Hannover führte ans. daß der§10 zwar ans das Ausrufen, Verteilen, Verkaufen und Anheften von Druckschriften, also auch von Pla- katen anzuwenden sei. nicht aber auf das U m h e r t ra g e n von solchen. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein und machte folgendes geltend: Der tz 9 des preußischen Preßgeictze« gestatte überhaupt nur das öffentliche Anschlagen, Anheften oder Ausstelle!, solcher Anschlagezcttel und Plakate, welche enthalten: Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Versammlungen, über öffentliche Ver- gnüanngen, über gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen, über Verkäusc oder andre Nachrichten für den gewerbliSei- Verkehr. lind nach ß 10 dürfe niemand ohne vorherige polizeilich» Erlaubnis ans öffentlichen Wegen, Straßen, Plätze» oder an andren öffentlichen Orten Druckschriften oder andere Schriften oder Bild- werke ausrufen, verteilen, anhefte», verkaufen oder anschlagen, tti.» zweifelhaft sei der K 10 eine Ergänzung zu§ 9. Soweit§ o anSnahmöweise das Anheften und Ausstellen bestimmter Plakat ge- statte, solle nach§10 auf jeden Fall vorher die polizeilich» Erlaubnis eingeholt werden. Der Zweck dcS§ 10 sei. de» Polizei die Feststellung darüber zu ermöglichen, ob im gegebenen Falle die Voraussetzungen deS§ 9 vorlägen. Dieser Zweck könnte nur erreicht werden, wenn sämtliche Arten von AuS- stcllungcn, Anhefluugcn getroffen würden. Die Worte dcS§ 9: ,... inid in sonstiger Weise öffentlich ausgestellt werden," seien hier niaßgcbend. Im Gegensatz zur SiaatSanwaltschaft in Hannover hielt der Oberstaatsanwalt am Kaunu.craericht eine ausdehnende Interpretation nicht siir zulässig. Er bedauerte cS indessen. daß die§§ 9 und 10 hier nicht angewendet werden könnten. Der Strafscnar des Knmmergerichtö verwarf die Revision der Staats- anwallschaft mit folgender Begründung: DaS stille Ilmhertragen von Rctlamctasclii lasse sich ohne Zwang nicht unter den§ 10 bringen. Wenn man auch unter„anheften" jede Befestigung verstehe. so setze es doch voraus. daß der angeheftete Gegenstand mit dem Träger in mechanische Verbindung komme. ES sei dahin zu stellen, ob eö verboten sei, ohne polizeiliche Erlaubnis Plakate umherzutragen, welche etwa an einem Tier, eincm Wagen oder einem Meiifchcn befestigt seien. Es fehle hier die Fest- stcllimg. daß die Plakate sReklametafcln) an den Angeklagten irgendwie mechanisch befestigt waren. Das Bedauern dcS Oberstaatsanwalts finde der Senat nicht richtig. Wenn auch das beliebige Umhertragen von Plakaten ic. durch den§ 10 deS preiißischen Prcßgcsctzes nicht getroffen werde, so stehe doch noch in Frage, ob es nicht ans andre Weise verboten werden könne. E s d ii rfte verboten werden können ans Grund von Vorschriften der Straßen Polizei. Ein solches Verbot Iväre dann gefetzlich gerechtfertigt, wenn es sich mit Störungen des öffentlichen Verkehrs begründen ließe. Die kleine 1» Hcinze in der Gewerbe-Ordnung. Der Natmheilknndige Lothar Volkmar, der zugleich Rechtsanwalt ist. hat wiederholt eine Broschüre des vr. med. 31 o 1 ch drucken lassen, die im Sinne der von ihm vertretenen Anfchaunnge» den ehelichen Verkehr während der Schivangerschast ans gesmidhcitlichen und sittlichen Gründen bekämpft und ibn nur zum Zweck der Kon- zcption für statthaft erklärt. Eine Gesniimngsverwandte Volkmars. die ehemalige Lehrerin Frau K o n st a n z e Planer, wollte die Schrift im Wege der Kolportage vertreiben; der Polizeipräsident nntcrsagte ihr dies jedoch, indem er sich auf den§ 50 der Gewerbe- Ordnung berief. Danach sind vom Feilbieten i m U m h e r- ziehen u. a. ousgeschloffeii: Druckschriften, andre Schriften oder Bildwerke, insofsrn sie in sittlicher oder religiöser Beziehung Aergernis zu geben geeignet sind. giechtSauwalt L. Volkmar erhob für Frau Planer die Klage bei Bezirksausschuß und machte geltend, daß vom Polizeipräsidenten die Tendenz der Schrift vollständig verkannt worden sei. Der Bezirksausschuß wies aber die Klage ab. Ans der Begründung dc-Z Urteils ist hervorzuheben: Die Anwendung dc§ K SS der Gewerbe-'Ordnung setze nicht voraus. daß es sich um direkt unzüchtige Schritte« im Sinne des§ 184 des Reichs- Straf- gcsctzbuchs handele.§ öS suche vielmehr weitergehend zu ver- hindern, datz durch de« Stratzenhandel eine Schädigung des sittlichen Gefühls hcrbcigcsührt lverde. Nun müsse ja zugegeben iv c r d e n. daß die Schrift des Dr. Rosch nicht die Absicht verfolge einer Lockerung der Sittlichkeit Vorschub zu leisten, sondern daß sie eine ernste wissenschaftliche lieber- zeug u n g z u m St n s dr u ck zu bringen b c st r e b t s c i. Judessen die Enttvicklnng des Gruiidgcdaiikcus sei geeignet,„schwere Kränkung denen zu bereiten, die in sittlicher Beziehung auf dem Boden der heutigen Gesellschaft stehen. Es sei gar nicht ausgeschlossen, das; ciunial ein andrer Zustand herbeigeführt werde, heute aber erscheine vielen noch als fromme Pflicht, was in dem Buch verworfen werde. Sluch sei die Verpflanzung der Agitation ans die Straße zu verwerfen. Wenn auch im abwehrendem Sinne, so werde doch in der Schrift von gcschlccht Hchen. Dingen so gesprochen, daß eine Einwirkung auf die Phantasie namentlich jugendlicher Personen leicht möglich sei. Von ihrer Zu- lajiuug zum Handel im ltinherzichcn köniie darum nicht die 3lcdc sein. Rechtsanwalt Volkmar legte Revision ein. In der Verhandlung vor dem 3. Senat des O b c r- V e r w a l t u u g s g c r i ch t s machte er geltend, daß die Schrift geradezu eine sittliche Tcndeii habe und im Interesse der Volksgcsundheit verfaßt sei. Ter Senat verwarf die Revision als niibegiiliidet, weil lvcdcr wesentliche Vorschriften des Verfahrens, noch andre gesetzliche Vorschriften ver- letzt wäre». Ter Vörsitzendc betonte, daß das Gericht als RevisionS instauz sich auf eine weitergehende Beurteilung nicht habe einlassen können. Bemerken wolle er noch, daß es nicht auf die Person ankomme, die den Handel betreibe. Die Frage der Sicherheit des Publikums ans den, Bahn- Hof Slngennnndc wurde durch eine Anklage wegen Beleidigung be- rührt, die gestern den Rcdactenr Joh. Müller und den Schrift- siellcr I. Frankel vor die dritte Strafkammer des Landgerichts l führte. Im August vorigen Jahrs ereignete sich auf dem' Bahnhof Angermiinde ein bedauerlicher Unfall. Daselbst waren von einem einfahrenden Güterzuge zehn Wagen abgehängt worden und das Rangierpersoiial beschäftigte sich damit, 28 andre Wagen aneinander zu rangieren. Obgleich jene 10 Wagen auf dem Gcleis stehen geblieben waren, gab der dieiistthncnde Stationsbeamte doch einem andern herannahenden Zuge das Einfahrtssignal und letzterer fuhr auf die zehn-Wagen auf. Auf dem Bahnhofe in Angermiinde besteht die Einrichtung, daß von einer dazu bcstiinmteii Bude dem Stationsbeamtcn angezeigt wird, wenn das Gcleis frei ist. Für den Unfall wurde der Weichcustell?b Weise verantwortlich gemacht und auch zu 20 M. Geldstrafe verurteilt, weil daS Gericht zu Prenzlau der Ansicht war, daß das Unglück nicht geschehen wäre, wenn Weise— der nach ausgedehntem Dienst Hunger und D u r st ver- spürte— nicht vorübergehend in seine Bude gegangen wäre. Weise wurde;iii' Prenzlau durch den Schrift- siellcr F r ä n k e I, als Shiidikus des Vereins der Loko- molivführer, verteidigt und dieser veröffentlichte über die Lyrhandluug in der vom'Angeklagten Müller redigierten ..Deutschen Eisciibahnzeitimg, Zeitimg für die Lokomotivführer" einen Bericht, durch welchen sich der ökegicrnngs- und Banral B a s s c I beleidigt fühlte. Ter Gerichtshof nahm zwar an, daß die Darstellung. welche die Slugeklagtcii von der Verhandlung gegeben hatten, sich nicht genau mit dem thatjächlichcn Vorgang deckten und daß deshalb eine Beleidigung nach§ 186 St.-G.-B vorliege. Doch wurde den Slugcklagten der Schutz des§ 193 des Straf-GcsctzbnchS zugebilligt. und auf F r e i j p r e ch u n g eikannt.'' � Dein Gastwirt ßlny, Kuritr. Ä2 «um. I. Mai ein douiiemdes Hoch im ganzen Mai. Seine Gäste. Ei» Nachspiel zum Sternberg-Prozeß. Die Anklage gegen Slnguste, genannt Aute Wender, die im Stcrnbcrg-Prozeß bald nach ihrer Slnkmift aus Amerika an Gerichtsstclle verhaftet wurde, ist jetzt erhoben worden. Sic ist erfolgt wegen Beihilfe zn demselben Sittlichkeirsverbrccheu. dcrctwcgeu Stcrnberg bereits verurteilt tvorden ist. Die Masseuse Slute Wender ist die einzige von den im Stcrnberg-Prozcß der Begünstigung beschuldigten Persönlichkeiten� die sich noch in Haft befindet. Die Freundin der Ante Wender, die Massense Fischer, nach der das Verfahren ursprünglich benannt war, weilt in Amerika; der gegen sie erlassene Steckbrief bleibt nach wie vor in Kraft.- Vevtmsitzkes- Ein geheimnisvolles Bcrbrcchrn ivird aus L ü n e b u r g berichtet. Kürzlich fand man unweit der Scharncbccker Chanisec ans Lüner Gebiet am EisenbahngeleiL den abgefahrenen Kops eines Menschen, sodann nicht weit davon den übrigen Körper. Llbseits von der Unfallstelle fand man ei» Dainenjackctt und einen Damenhnt mit ivcißem Band. Die weibliche Leiche war sehr gut gekleidet und läßt ans eine Person aus der besseren Gesellschaft schließen, zumal bei der Leiche auch ein weißes Taschentuch, gezeichnet„E. v. B." mit einer Krone darüber, gefunden wurde. Man glaubte zunächst an einen Selbstmord, bei genauer Unter- snchnng des Körpers jedoch fand man in der Brust der Leiche einige tiefe Messerstiche, auch deutete der Fund und die übrige Verfassung der Toten darauf hin, daß vielleicht ein Kampf mit ihrem Mörder stattgefunden habe; es ist anzunehmen, daß dieser, um ein Verbrechen zn verschleiern, sein Opfer auf die Schienen gelegt hatte. Wieder eine Bootkatastrophr. Slus Breslau meldet nian: Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern an der Fußgänger- drücke bei Wolfswinkel. Drei junge Leute, die in einem kleinen Kahn eine VerguüguiigSfahrt machten, wechselten während der Fahrt ihre Plätze. Der Kahn kenterte und alle drei er- tränke n. Ein von Uebcrschwemmnngcn begleiteter Orkan richtete in Texas einen Schaden von 3 vis 5 Millionen Dollars an. Etwa l2 Personen sind in Waco ertrunken. Der Eisenbahnverkehr ist viel- ach unterbrochen. Durch cincu Hcstige» Wirbelsturm wurden in Cärtagena iProviuz Hnclvaf 12 H ä n s c r z e r st ö r t und etwa(30 beschädigt. Der Materialschaden ist bedeutend. Ein pestverdächtiger Krankheitsfall ist linker den Pikgcni in Dschcddah fSIrabicn) vorgekoinnien. Ein Mißverstaudniö. Bon einer ländlichen Kindkaufe im Lande Hadeln wird den„H. Sl. n. folgender Vorfall als verbürgt erzählt. Der Pastor hat die kleine Schwester des vierjährigen Jan getauft und Inn hat von einer Ecke ans nahe der Slnbenthür diesen Vorgang aufmerksam beobachtet. Nach seiner unwirrschen Miene zu urteilen, scheint ihm aber dabei nicht alles recht gewesen zn sein. (je verbeißt aber seinen Acrger in einem nicht zu klein geratenen „SträhinK" Bottc, koken. WciiigstcvS vorläufig, beim bald darauf macht er doch seinem von Acrger bedrängten Herzen Luft. Und das geschieht, als der Pastor sieii dein vierjährigen Blondköpfe nähert und mit einigen frenndlichen Worten wie liebkosend seine Hand über den blonden Scheitel gleiten läßt. Unwillig wirft Jan seinen Kopf zurück, dabei mit vor Erregung bebender Stimme in die Worte aus- brechend:„Tu büst jo'n ölen Swinegel, sprüttst min lütljc Schwester, de Di nicks dahn hält, mit Water!"— Minkltzrcise bau Berlin am 28. April lSVE nach Elinittliiugen deS kgl. Polizeipräsidimns. Weizen, gut D.-Ctr. Nüttel �„ gering Roggen, gut mittel gering Gerste, gut „. Nüttel., gering Haser, gut mittel„ gering Richtstroh„ H-n Erbsen Speisebohnen Linse» 14,90 14.40 1s, 90 5,00 8.30 10.- 45,— 70- 14,50 14,- 18,50 5,— 5,50 25,— 25,- 30,- KartoffeIii,ncue,D-Etr. Riudsscisch, Kenle 1 lex- do. Bauch Schwciiicsieisch„ Kalbfleisch„ Hammelfleisch Butter Gier Karpfen Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Ztück lüg per Schock Produkteumorkt vom 30. April Heute war nur effekiive Ware gut gefragt bei unverändert knappem Angebot. Russische Rozgenofferten waren reichlicher vorbanden, doch stellen sich die Preise noch immer verhält- iiismäßig hoch. Das LieferungSgefchäft verkehrte in matter-Tendenz auf fruchtbringendes Wetter, schwaches Slordamerika, wo die Ernteaussichten günstig dargestellt werden, und Maircalisationeii vom diesigen Platze.— Weizen gab'anfänglich 1 bis 1,25 M. nach, konnte sich aber späterhin leicht erholen. Roggen war 0,50 bis 0,75 M. billiger zu haben. Das Geschäft zeigte einige Lebhaftigkeit, namentlich effektives Getreide wurde am Früh- markte rege imigeiel-t. Hafer und Mais lagen ziemlich behauptet, Rüböl bei einigem Handel leicht anziehend. Spiritus. Am ispiritusmarlte notierten 70er loco unverändert 49,70 M.— Weizen per 1000 Kilo märkischer 151,00 M. srci Schlei,'che Bahn, Oderbrncher— M, Havelländer M. ab Speicher. Norinat- gcwicht von 755 Gr 150,00—150,50—150,00 M. Abnahme im Mai, do. 154.50—154,75—154.50 Abnahme im Juli. do. 158,00—157,50 Abnahme im September mit 2 M. Mehr- oder Mindcrwert. Tendenz: matt.— Roggen per 1000 Kilo Märkischer 140— 148,50 M. ab Bahn, Oderbrncher 000,0') M. ad Bah», Warthe schwimmender 000,00 M.,?!etze schwimmender 148,75 M. frachtfrei Berlin. Rormalgewicht, 712 Gr. 149,00— 148,25 Abnahme im Mai, do. 147,00—146.50 Abnahme im Juli, do. 144,25—143,75 Abnahme im Sep- tember mit 1,50 M. Mehr- oder Miuderwert. Matter.— Haser: loeo ver 1000 Kilo, feiner pommcrscher 141—149, mittel 136—140, mecklenburgischer seiner 142—150, mittel 136—141, wistpreiitzucher, —, weslpreußiicher mit Geruch,—, voicuer—, mittel 136 bis 139, schlcsischer—, mittel 135—139, westprem'üscher feiner—,' mittel CÄO— 000 ab Babn. Märkischer mit Geruch— ,— frei Wagen.'Rormalgewicht 450. Gramm 133,50—133,25 ans Abnahme im Mai, do. 133,50—133,25 im Juli.- Mehl: Weizenmehl: Ar. 00: 19,00-21,50 M. Tendenz still.— Roggen Niehl Nr. 0 und 1 19,10—20,45 M., Abnahm« iui Mai 00,00.'Abnahme im Juli 00,00, Abnahme im September 00,00— Tendenz still.— Mais: Amerik. mixcd loco 123—124 frei Wagen, da. schwimmend 119,00 frachtfrei Berlin.— Rüböl für 100 Kilogr. mit Faß, Abnahme im Mai 56.50—56,<50—'56,53 M. Abnahme im Oktober 56,50—56,70 M. cndcnz fester.__ ZVIUe»»».,«Übersicht vom 29, Zlpril 1900, morgciiB 8 Ufte. Prognose für Dienstag, de» I. Mai 1900. teils wolkig mit etwas Regen und mäßigen westlichen Wetter Teils heiter, Winden: Temperatur wenig verändert Verdsiui l!ei' im Vei'golliei'gemi'be beseligftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Todes- Anzeige. Am Soiutabend, den 28. d. M., verschied im 41. Lebensjahre unser Kollege Car>8 Nolle an der Proletarierkrankheii.> . TieKolleg en wcideu.ihm ein ehrendes Andenken bewahren. . Tie Beerdigung.findet Dienstag, den 1. Mai, nachmittags 5 llftr, von der Leichenhalle des'«uferkehungs- Kirchhofs in Weißenfee, Lichtenberger- sttaße, ans statt. - Um. zahlreiche VeteiLgiiiig bittet. v«« Voi-et-uicl der Filiale Berlin, Todes Anzeige. Am 28. licrfchicd uusdr treues Mit- glied, der Bergolder 798h Tie Beerdigung findet am l. Mai, nachm. 5i'., Uhr, von der Leiche» hglle dtzS'AuserslehuNgs-Kirchhofs aus statt. Im Auftrag: Ter Borftand des Olcsaiigvereins Esmeratda. Datttfagnttg« Für die mir von allen Seiten be- wiefene Teilnahme bei der Beerdizung meines Mannes, spivie für die Sammlung, die das Perfomil der Firma Levin u. Kallmann peranstaltet bat, sowie de» Herren EbefS imd deul Personal der Firmen'Nietzsche». Hocker, K. Ehrmann u. Co. uuo allen apdern Wohlthätern jage ich hierdurch meinen herzlichsten Dank.' 787b Frau Wwe. Zncher. Tnttksagttng. Fillr die vielen Beweise herzlicher Teilnähme bei de: Beerdigung meineS unvergeßlichen Gatten und»nffcs BäicrS, insbesondere für die trost- reichen Worte des Herrn Th. Metzner, sowie auch dem Geiangvereip„Süd- West", dem Verband der Handels-Hilsü- arbeiter, den Kollegen der' Firma 21. Haüdorf u, Eo. iBelleMiaueestr.), dem Wahlvcrein des Ul. Kreises und Herrn E. Gölte nebst Slamuigästcii sage» wir unser» iwnKsten Dank. Vtarie Rogrosiki nebst Kindern. Iarao?iK»iii«Ioi'«ii n. Illriincn- Iiiineklnop: van ff40K4L'- X«. 2. yiaviunncimtr.\o. 2. MdmmigS-Aränze, Anirlanden, Ball- sträußche», Boiignets:c. werden sehr geschmackvoll und preiswert geliefert Buchhandlung Borlvärts, Berlin 8�., ____ Benthstraße 2.__ Soeben ist erschienen: Aeltstra»«na Aeltpolitili. Eine weltpolitische Studie von fran? fflehring. Preis 25 Pfg. Porto 5 Psg. Wir emptcfilen diese Broschüre beilenS; sie liefert den Arbeitern das zur iScurtheilung der heutigen Frage der Well- poliltk des AeicheS und der Flottenvorlage erforderliche historische Thaisachcnniaterial durch die llare, genieinversiändiiche Darlegung der dtstortlchen u»d soziolpolittschen Zusammenhänge früherer WeltinachiS-Räusche, und legt llar, warum der heuttgi krachende Kapitalismus nur noch et» Mittel zur Verlängerung feine: Herrschaft sieht: Krieg«nd Schutziölt» und welche Stellung dl.m gegenüber die Arbettcr zu nehmen haben. Orts-Krankenkasse für die i» den Geschäftsbetrieben der Anwälte. Notare u. Gerichtsvollzieher, der Kraiikcntaiic», Berufsgenossen- schatten«. Berfichcrungsaiistalten vrfchäst. Personen zu Berlin. Zu der am vlenetag. ckon 8. Flai, abends S Uhr, bei Dräsel, Neue Frledrlchstr. 35, stattfilidendeii WA oi-dcntliciien"-äBß General• Versammlung werden hiermit die stir das Jahr 1900 gewählten Herren Vertreter crgebeust eingeladen. Tages- Ordnung: Geschäftsbericht des Vorstands, Berichierstattmig der Rcviioreir und Abnahme der JahrcSrech- nuiig pro 1899. Bericht der Siebencr-Komuiission iidcrdicJahrcarechmiiigpro 1898. Wahl eines Vorsiandsmiiglieds aus der Abteilung der Arbeit gcbcr an Stelle des ausge- schicdcnc» Rechtsanwalts Dr. Rothe. 1. 3. Beschwerden über die Geschäfts- oder Kassenführung. zu deren Er- lcdigung die Eiiisictit der Äassenrcgister ersorderlicki ist, können nur beantwortet werden, wenn dieielbeil bis zum 6. Mai er. im Kafsenlolal schnftlich angemeldet worden sind. Berlin, den 30.'April lSOO. 45K7Lj Der Borsiand. JnliuS Cohn, Raiimcrstr. 53, rskrräcker prima deutsche Fabrikate ss t�e) Ä!. auf Teilzahlung. W. L. Adomeit, Lotbringrerstrasse 63, I. C ' KUcbcrei Wrangelstr 9. Kraut, tr 19. Falckenfteinftr. 28. Lausitierstr. 2- i! W. Brot 3» Psg. 2 H. Albrccht"« Wer Aoff Hot fertige Anzug 20 M.. feinste Znthalc». iaiibere Arbeit, zwei Anproben. 4547L" !!! vhne Konkurrenz!!! !!! Mtllostr Sil!!! 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Friedrich- WilhrlinftädtischeS. Melier auf der Pariser Welt- Ausstellung. Ansang 8 Uhr. Metropol. Lpeciülitätcnvoritellitnst.' Tic verkehrte Ätlt. Alisan« 8 Uhr. Apollo. Sveeialilstlen- Borstcllnng. Im Reiche des Indra. Ansana 8 Uhr Aetchshallc». Ztcilincr Sauger. Ansqng 8 Uhr. Passage. Panoptiklim. Tpeeiali- lätrn-Borstcllmig. tlrania. Iiinalidciistr. 57/0». Täglich abcndS von S-lO Uhr: Sternpiaile. Tniibcnstras-c 48/4!». Abende 8 Uhr iini Tycatcriaal):„Bon den Alpen zum Belnv" 4Val«leina,'«t»>. 75. Mehrere Tounabendc im April und Mai noch zu vergebe».-llTöL* Rcslaniant Jägerliäusclicn in Santwinkcl empnehlt sur Vereine und Gewerk- schalten. 71öh 4Vitl». 8eli»rnann. 0 Uhr li iih bis 10 ülu abend: Nur uoeli kurze Zeit: Kisteumocher Togo-Neger Vorstellungen stündlich. Passage-Theater: Vorstellung vou 7— lO'/s Uhr. Heute. den l. Mai. vorm. 40 Uhr. bei Stecher!, AndreaSstr. 21. IIa i- V crsamml ung. Mittwoch. den». Mai, abends 8>/. Uhr. im Eltglifchcn Garten. Alcrondcrslr. 3' c. Große öffentliche Versnmmlnng. TageS-OrdNZl'n.g: 1. Tic Matzregelungen ons Anlag der Maiseicr und unicre iJtellung' nähme hierzu. 2. DiSku'sion.- Alle Kollegen iNiissen diese Bersammlmigen dcsu»en. SITt Der(»iiibernser. CASTANS«« PAN0PTICÜ1 Fricdrlchattr. 105. Grösste Sehenswürdigkeit der Residenz! M aii f Mf. Roberts, der nCII. eiste Zaubcrkünstl. und Illusionisi der Welt! Mn ii f Die Bückeburger, - U• humoristisches Sänger- und Konzert-Ensemblo. Wo amüsiert man sich grossariig? Hasenheide 21 und Jahnstr. 8 in Sthncgclsbcrjcs FcAtMiilcn, Inb: Max Schindler.— Telephon: Amt IV Nr. 1132.—|iiy Heute: Oirossor Itall. als Spcrialität: Pfa»itk»che»--Rege». verbunden mit Sehlangen- u. Apfelshien-Regen u. diversen Uaberraschungen. Täglich: Tpecialitätc« VorstcUnng. Enlree frei. Emv-cdte den geehrten Gcmcrlschastcn. Vereinen, Fabriken ec. meine Säle, 300 und 1200 Personen saficiid linit Bühne» zu Bersammlniigen und Festlichkeiten jeder Art. I44S4L' Tag es-Ordnung: 1. Tie Rechte und Pssidslen der Schiedsgerichts- Beisiher Und der Bei- " der unteren Berwallungsbehörd?. 2. Bericht Nlicr den Besuch der Lilligen-HiNstätte a»t GraSowse«. 8. VerschiedeucS. tÄäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. »«»? FAvstanik. Kinder u. Militärohne Charcc IST" 35 Pf.-�8 Behrenstr. 5ö/57, Tirektion R. Si Dienstag, den t Mai 1900 Zum ersten male: AM" John8 Restaurant Olior-Seliönewcide, Wilhclinlnenhosstr. Nr. 18. Eulp fehle allen Frenildcn, Genossen nnd Vereinen bei AiiSflügeu mein Lokal. 2 VereinSzintincr, gr. Garte» direkt im Walde mit Gingaug vom Walde, Kegelbahn, Kaffee küche. Fernipr. 2?r, V4. Gr. Weiiie»0 Pf., Seidel 10 Pf. 4-16UU Otto.lohn. Berlins und Umgegend. Mittwoch, den». Mai. abends 8>'.. Uhr. bei Paaloi-. Jnfelstr. 10 Versammlung"WZ Tages- Ordnung:- 1. Sialulenberatllng. 2. Siellungnahuie ziun Kongreß der Bertranens mönner Centrolisation. 3. Verschiedenes.— Gäste wnllainmen._ 782b Große AuSstätilliigs-Operette. Lorher: ggsvoÜZi�lligneiiebl'illgntk s�.i'LsielZisÜMkn-fi'ligi'Wm Anseng Uhr. Rauchen überall gestattet. Partei-Tpedit'wuen (WaUncr-Theater». Tienöt.ag. abendsT Uhr: � Xiod«. Schwank in 3 Ausg.. nach Harrn und (r A. Panlton von Opl. Ltumrnlhal Hieraus.: k»Oi'llI?iioi' 4l«?ni-oii. Lustspiel"in 2 Atifz. v. uarlo Goldom. Mittwoch, oben d s 8 Uil>r: Ulanhvtli. Donnerstag, abends 8 Uhr: �_ Itrawd, Thalia-Theater. Tel. AnitIVa 6440. Dresdenerstr. 72/73. 'Bunt 1 his 0. Mai inkl. gelchlchsen wegen Burbcrcitung der Landeville- Posse: Wie mai» Mäuner fcfsclt. n.oittlers.tag. tO. Mai, zum criiemnal: Gastspiel Annie Oierekens, SfSF* Rciitanrant..ParknehlöMselicn.•'�2® Grosses Äonzert bei freiem Giitrcc. Familie» fimue» Kaffee fochr» früher Fncn-Palaot, Bnrgstr. OieiiHtaj:.«Icn l. Mai: Herren reine Wolle, vom Mahschneider gc- arbeitet, streng reell, iein Handel» Fertige Hosen. 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Plombieren n. Zahn- ziehen. Bequeme Teilzahlungen. Zahn- reinigen, fiberraschender Erfolg. 4441L» Georg Jacoby, Kommandantenstr. 61, I Sprcchst. B. 8-S Uhr, a. Sonnt. Änzüge und Paletots von 30 lstl. an, liefert elegant sitzend[43828* Reinhold Werner, Gr. Frankfarterstr. 70. Kl. Andreasstr. 12. 383 434 58 521 664 767 78 824 903(10 OOO) 114012 133 a�.4Öo7 13331 � S37 846 941 118139 55 340 lMO] 571 inS�M�,.®..99,4.», 0382 422 81 883 117017 276 93 95 110065 W«0 33 524 efT?303 54 638 729 43 934 37 43 94 ,81Ä(U5 bK 677 93 753[1000] 813 22 97 955 M WJ.M, �.2053 154 74 l300] 219[1000] 367 439 124M0 91�� z»8«!. �{S,83 252 512 700 12 70 901 120045 rnnom 125444 72 503[3006] 49 705 127014 f™ in oÄ.40?,.69 78 519 92 839 829 l500] 900 24 84 188«« na oon oi. �?J 96"«M 460 534 40 780[1000] 13 s W?. 149 299 34« 507 41 614 47 804 8 002 12»1U .„S?9! 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[Ohne Gewähr.) 98 231 561[3000] 911 60 1178 83 252 58 97 473 589 709 [1000] 67 851 901 67 2079 196 224 77 447 97 599 634 48 784 975 3071 290 794 920 99 4232 628 42 913 80 S005 103 298 796 804 914 60«321 48 429 68[1000] 724 58 63 89 931 34 7132 203 338 761 77 867 97 921 8143 399 412 96 578 613 747 880 86 »111 14 28 230 75 615 708 39 10098 733 79 81 842 59 11104 71 77 219 66 98[500] 333 447 660[500] 61 67 72 62 795 922 80 1 2902 184 233 314 85 605 II 24 713 845(1000) 99 13132 239 91 688 810 21 14008[500] 23 37 149 226[500] 334 41 495 539 59 62 81 761 858 999 1 5011 243 427 83 91 609 77 975 14J029 47 83 194 225 513 70 645 62 84 747 977 1 7164 499 563 702 14 23 969 18168 99 618 725 810 1Ö250[300] 67 532 719 909 66 81 20090 205(1000) 690 791 843 21243 60 302 17 491 611 (560) 44 65 739 998 22042 157 69 274 361 526 620 920 23169 288[300] 303 446 77 510 692 93-) 24089 201 304 476[500] 92 566 99 677 95 743 44 912 22[1900] 3 5055 167 311 485 666 Sil 984 26104 781 847 2 7344 503 721 78 857 72 922 3 8055 214 361 «6 583 811(300) 915 SO021 216 66 70 343 49 97 459 519 82 €26[300] 49 77 995 3O011 463 507 8 698 830 996 3 1 020[500] 33 155 69 S1 625[1000] 602[8000] 89 96 801[300] 991 33198 396 402 12 52 791[300] 876 986 3 3002 69 132 37 63 455[1000] 78 635 43 773 87 34113 58 217 337 585 700 915 33150 93 233[500] 425 907 36148 49 213 3» 339 89 410[300] 737 43 923 3 7051 99 312 84 525 61[3000] 631 50 86 761 970 3 8082 286 584 707 12 48 95 3 0041 356 420 567 96 707[1000] 27 953 93 98 40034 45 166 221 37 466 85 573 789 91[8000] 807 41019 62 69[1000] 273 308 93 567 81 818 911 42 42055 840 934 4 3018 291 340 75 662 76 744 897 974 78 44134 53 56 546[1000] 649 83 45006 30 285[3000] 398 738 46204 13 578 685 97 806 920 46 47058 61 166[500] 478[600] 517 79 653 58 97 762 811 81 48045 83 431 70 77« 841 983 4 9417 534[1000] 615 50077 274 98 407 11[307] 510 51 719 92 992 93 51107 379 (900) 62093 157 94 2(8 81[3000] 335 650 700 819 6 3216 59 «58 730 64029[300] 46 78 233 430 013 40 61 826 98 987 56095 169 280 319 674 97 707 56028 131 84 262[1000] 338 561 743 851 941 67144 334 58 581 638 834 56 96 58116 335[1000] 420 28 647 763 839 993 95 BO079[500] 151 90 240 4ö 97 432 639 81 601 719 61>156 98 249 307 596 655 72« 89 825 49«1114 23 (SO OOO] 79 256 73 375 441 516 68 681 709 915 6 2020 61 271 423 77 553 673 714 42 54 851 89«3006 35[300] 66 83 128 47[1000] 75[5000] 239 68 317 61 78 436 48 502 643 737 856 «4037 128 467 92 697 729 31[3000] 71 82 826 947«5183 99 234 649 659 79 721[1000] 81 828 43 940 54«0084 98 178 257 59 485 631 702 19 817 24 76«7031 50 168 262[600] 413 61 679 648 86 835 92 938«8068 86[500] 110 14 26-) 425[300] 838 69231 509 61 649 70206 75 335 413(300) 588 722 841 91 981 95 71246 352 417 39 589 681 72096 102[1000] 14 367 476 723 60 858 914 67 92 73271 333 59 79 546 714 934 7 4317 451 99 578 713 815 [3000] 955 7 6030 63 157 303[300] 24[1000] 66 544[300] 49 605 10 89 879 958[3000] 70173 20« 375 489 567 611 54 818 48 77001 485 790 826 7S049 176 79 504 82 634 799 7 9012 287 96 [500] 546[BOOO] 656 78 84 85[1000] 736[300] 45 826 960[500] «0034 138 276 98 395[1000] 641 730 867[300] 81035 57 70 173 211 18 83«35 758 79 91 82011[3000] 203 76 379 91 478 512 668 778 86 853 83178 82 208 16 27 444 650 715 19 26 27 803 29 41 75 8 4063 94 176 212 44 465 95 676 91 841 85150 [300] 244 554 679 88147 201 490[1000] 93 747 85 87143 83 263 463 514 36 1300] 67[300] 630 722 85 896 940 8 8230 507 13 15 40 796 875 957[300] 70 8 9247 588 96 638 703 4 51 828 70 959 »0171 454 91 625 90 880»1050 923 50»2057 200 24 44 583 657 69(300) 745 58»»043 III 72 75 282 425 47 96 588 «77 700 27 820 901 04038 248«1 53 641[1000] 752 858 946 »5201[300] S[300] 381 459[1000] 583 692[500] 93 761 (100 OOO] 807 70 91 919)30 58 93 113 221[500] 78 515 631 760»7018 706 856 922»8062[1000] 370[1000] 739 819 56 947»»037 148 61 209 81 407«38 81 793 901 lOOOll 332 79 87 546 81(1000) 636(300] 886 101164 13001 248 308 682[3000] 756[500] 70 978 102357 435 728 103143 271 73 401 21 52 76 557 67 698 868 104120 29 539 613 45 57 790 856 957 105080 862 419 50[1000] 533 39 631 705 97 800[300] 17[500] 36 911 37 100073 85 91 161 92 97 255 399 457 573 714 48 1OT017 57 65 68 98 110 63 72 204 51 91 546[300] 875 943 108919 96 150 89 390 490 579 714 824 29 44 100006 659 737 74 110070[10001 131 277 427 99 598 703 67 77 884 111062 277 835[500] 112206 93 579 867 95 11S138 83 279[300] 436 969 725 821 67 81 918 72 114026 171 516[500] 655 711 827 9C6 16 115200 505 604 85 93 792 978[1000] 11«034 134 58 326[1000] 34(1000) 480 537 719 50 829 953 117052(1000) 58 107 246[1000] 441 93 566 80 688 824 86 923 86[500] 118164 267 305(3000) 702 932 119223 36 310 406 511 602 75 903 12O01S 329[300] 53 68 531 674 121 043 55 797 809 919 73 1 22160 70 304 410 73 612 27 57�i0S 41 97 980 1214361 63 408 96 637 45 708 838 48 980 1 24043(3000) 65 97[3000] 120 [1000] 30 346 536 645[3000] 739 811 38 909 135010 58[300]; 63 110 86 42 26 t 433 70 575 706 33 809 971 93 1 20334[300] 449 598 787 98 1 37020 424 68 797 988 1 28128 513( 3000) 14 721 74 93[500] 910 1 29025 83 357 4,55 61 588 710 848 921 24 130057 72 111 40« 604 781 131160 301 57 82 475 89 692 740 43 45 66 77 969 132901 39 386 316[300] 442 60 546 1300) 786 919 133(196[500] 468 511 84 627 31 759 919 41 134000 [500] 45 54 596 835 135071 108 13 31 61 261 90 311 74 78 400 617 89 957 13«329 468 526 628 74 748 831 902 28 1 37069 159 64 202[500] 10 20 410 84 864 138007 19 105 67 272 318 97 489[300] 602 83 94 801 41 139167 253 653 91 140024 79 273 354 455 81[300] 706 141206 528 92 797 809 14 2277 391 487 618 775 821 55 906 35 1 43028 160 635 84 771 817 956[300] 1440O6 43 51[300] 85 156 533 635 71) 762 145260 349 534 705 860 932 43 57 140068 72(1000) 165 315[1000] 72 97 523[1000] 642 13000) 997 14T0I6 237 53 355 412 690[300] 754 893[500] 14 8002 5 18 152 241 338 683 821[500] 917 90 1 49371 408 33 70 556 663[3000] 924 160017 38 53 148 502 676 776 813 15 1075[1000] 153 210 71 87 342 423 21 610 45 152272 536[1000] 51 81 747(1000) 68 970 1 53024 231 334 403[300] 59 508 52 68«98 852 13 4073 98 273[500] 380 440 908 14 74 99 1 66074 78 173 79 97 654 62 741 80 816 76 J3O092 100 14 52 243 95 325 561 675 77 871 84 1 57053 299 424 514 676 825 939 1 58268 87 361 493 919 12 15S193 292 323[3000] 403 559 650 79[300] 718 42 100248 308 418 42 80 98 503 40 86 870 950 1 01 018 79 [1900] 123 39 207(500) 408 531 93 635 723 31 58 833 986 102038 02 409 10 646[1000] 72 928 1 08447 537(300) 621 54 806 104113 78[500] 251 62 373 478 93 520 616[1600] 898 905[300] 8 84 1Ü5063 104 239[300] 343 59 403 548 765 835 930[300] 100006 1.53 201[300] 3 306 890 956(300) 64 83 107523 74 752 85 849 74(300] 88 10S010 145 297 99 455 787 1 09263 79 315 731 48 810 939 42 170017[300] 114 358 64 474 543 68 734 98 819 171147 274 567[500] 683(1000) 772 826 93[300] 920 86[1000] 172149 815 54 711 833 984 1 73014 74 108 369 445 531(60OJ 675 754 970 1 74139 92 243[3000] 468 717 1 75402[500] 571 643 74 726[1000] 32 820 75 170086(.3000) 133 283 463 574 87 801 [1000] 12 20 1 77066 88 10,5 218 417 520 44[3000] 52 76 623 [500] 46 834[300] 90« 178058[3000] 199 287 319 M9 81 724 901 179030 44 102 86 90 287 494 562 614[300] 818 42 932 49 180152 75 401 503«12 733 806 29 41 181061 89 145[1000] 55 99 388 402 92 536 768 800 1 82180 291 408 505 43 82 737 «03[3000] 18 23 51 903 183077 281 M6[1000] 84[5, ,01»] 94[5000] 630 744 920 33 184008 275 305 552 789 94 986 185022 23 100 339 479 548 88 630 29 720 49 18O013 308 58 401 604 85 784 965 187044 103[300] 252 67 336 53 623[300] 65 901 188271 444 53 533[500] 611 88 898[1000] 936 18V0I1 21 414 617 53 793 97 844 88 939 l»O055 222 87 656 1»1037 246 99 480 95 503 728 53 813 945 182008 40[300] 124 90 279 452[300] 96 568 683 826 925 103051 108 57 70 200 33[300] 307 417 24 559 60 770 945 85 95 194000 272 469 70 600 66 SO[1000] 914 l»510e[3000] 75 319 63 753 1B«051 142 77 319 80 428 33 556 764 107136 [1000] 301 423 570 91 92 674 700 79 811 108101 37[500] 288 78 350 607 22 923 1 99056 74 78 112 207 20 48 314 457 634 (3000) 733 79 85 944 81 200020 31 355 59 562 874 97« 201208 72 84 458(SOO) 705 48[300] 989 202122 67 332 33 541 58 936 54 67 76 84 2 03114 91[500] 268 450 507 859 78 939 2 04111 23 54 215 435 81 609 611 713 850 926 51 20 5083 148 72 222 30 474 574 612 742 200229 43 358 559 75 7« 766 875 207016[300] 194 97[1000] 303 42 97 552 89 602[3-0] 64 807 979[1000] 208025 430 43 aoofeo 35 150 7» 212 351 521[3000] 563 748 2 1 9076 88 98 362 523 72 835 942 71 211054[1000]«6 [500] 105 54[500] 89 387[300] 609 34 910 43[3000] 2,2004 80 201 37 54 76 4M 81 651(.500] 795 835 56 21.3001 38 119 262 345 81 413 614 741 911 2 1 4051 69 102 55 95 213 338[300] 412.501 606 823 73 74 978 2 15021[300] 48 91 180 226 37 314 46[300] 468 12 29 556 901 210053 162 333[500] 467 660 790 M 96 904 88 2 17011 211[1000] 309 81 568[1000] 71 707 46 862 902 1.3 39 96 2 1 8015 57 92 13000] 97 165 337 86 450 SOS 692"96 994 2 1 0934 157 78[300] 290 870 619 737 85 920 90 220063 91 123 231 50 544 56 824 85 927 221037[SOO] 363 508 31 704 84 48 833 921 26 2 2 2010 250 578«1 745 888 930 61[3000] 221,059 211 356 473[300] 618 80 785 2 2 4 404 608 [1000] 24 826[1000] 914 225370 606 oiewiuurade verblieben! 1 Gewina|U 600 000 Mt., 2 JU«uouoo Mi., 2 zu 150 000 Mt.. 1 JU IOOOOO Mt, 1 zu 78 000 Mt. 2 zu 60 000 Mt,- zu 40000 Mt, 5 zu«0000««.. 22 zu 15000 Mt,«7 zu 10 000 Mt. 70 ,» 5000 Mt, H3 zu «000 Mt. 1075 zu 1000 Mt. 1280 ,u SOO Mt »»erichttguilgru! 3 11 der Lille vorn SO. 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Der Arbeitsnachweis des Verbands der an HolzbearbeitungS- Maschinen beschästigten Arbeiter Berlins und Umgegend befindet sich nach wie vor nur Kl. Andreasstr. 15 bei Rudolj Schmidt. Fernsprecher, Amt 7a. 8084. 8218] Der Vorstand. Verantwortticher Redacieur t Paul John in Berlin. Für den Jnieratettteil verantwortlüh: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing tu Verliu. % mm 3. KeilU des JiMätls" Kerlim UcksM*m<■ w I» Aus dev FrauenveVrguttg. Arbeiteriiinrn Berlins wahret Eure Rechte! Die Bestimmungen der Gewerbc-Ordnung. die zum Schutze der Aibeilerimien und jugendlichen Arbeiter erlösten sind, werden viel- fach seitens der Unternehmer nicht beachtet und die Rechte bcr Arbeiterinne» werden oft gekürzt. Das Gesetz bestimmt: Tie Arbeitszeit dauert für Arbeiterinnen über 16 Jahre 11 Stunden täglich, mit einstündiger Mittagspause; an Vorabenden von Sonn- und Festtagen mir 16 Stunden, und es muß die Arbeits- statte an diesen Tagen bis spätestens, SVa Uhr verlassen sein, Jugendliche Arbeiter von 14�16 Jahren dürfen täglich nur 16 Stunden init einstündiger Mittagspause sowie je VeftfinMger Frühstücks- und Vesperpansc beschäftigt werden. . Kiindigllngen und Entlassungen. Gründe für' sofortiges Ver- lassen der Arbeit sind z. B.: Unsittliche Angriffe der Unternehmer oder ihrer Vertreter, Thätlichkeiten, grobe Beleidigungen, im- regelmäßige itohnzahluiig, bei Accordarbeit nicht ansreichendc Be- schäftigung usw. Die Kündigungsfrist ist eine 14 tägige: sie kann durch gegen- festige Vereinbarung ausgeschlossen werden. Wenn Kiindigungs- fristen bestehen, miiisen sie für beide Teile gleich sein. Ausstellung von Zeugnissen. Die Arbeiterin hat das Recht, er» Zeugnis über Art und Dauer ihtcr Beschäftigung zu verlangen; besondere Merkinale, welche die Schädigung der Arbeiterin zur Folge haben tonnen, sind ungesetzlich und find zurückzuweisen. Strafgelder. Bestimmungen über Lohnabzüge in Form von Strafgeldern müssen in der Fabrikordnmlg, die sichtbar aushängen muß, bekannt gegeben sein. Die Bcrhängung jeder Strafe mutz der Arbeiterin ohne Verzug mitgeteilt werden. Hygienische und Schutzmastregeln. Arbeitsräume, Betriebs- Vorrichtungen, Maschinen und Gerätschaften sind so einzurichten und zu unterhalten, datz die Arbeiterinnen gegen Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt sind. ES ist fiir genügend Licht, reine gute Luft, Beseitigung vow Staub und Abfällen zu sorgen; ebenso.sind Schutzvorrichtungen an Maschinen anzubringen,. In Anlagen, deren Betrieb es init sich bringt, datz die Arbeiterinnen sich umkleiden.und nach der Arbeit reinigen, müssen ausreichende, für beide Geschlechter getrennte Ankleide- und Waschräume vorhanden sein. Bedürfnis- nnstalten müssen in genügender Zahl vorhanden und so eingerichtet sein, datz Sitte und Anstand incht verletzt werden.' Arbeiterinnen, achtet darauf, datz diese zu Eurem Schutze er- lassenen gesetzlichen Bcstiminuiigcn durchgeführt und nincgchaltcn werden. Wohl hat man dem Drängen der Arbeiterschaft auf Anstellimg weiblicher Gewerbe-Inspektoren insoweit Rechnung getragen, daß man für Berlin eine ivcibliche Assistentin anstellte. Damit allein sind unsre Forderungen jedoch nicht erfüllt. Auch dürfen wir nns nicht der Hoffnung hingebe», datz durch diese Anstellung die Aufnahine von Beschwerden in einer solchen Weise vor sich gehen wird, wie es notwendig wäre. Wir weisen darum von neuem darauf hin, daß nachstehende Personen bereit sind, um es den Arbeiterinnen zu ermöglichen, ohne Nachteile für ihre Existenz ans Beseitigung der Mitzstände in den Arbeitsstätten hinzuwirken, wahrheitsgetreue Beschwerden entgegenzunehmen und für schlcmngste Abhilfe Sorge zu trage». Die N a m e u d e r B e s ch w e r d e f ü h r e r werden streng geheim gehalten! Frl. Baader. Stransbergerstr. 28, v. IV. Frau Bauschte, Rosiockerstr. 47, Seitcnfl. II. Frau Dr. Wehl. Lothringcrstr. 67. Frau I n n g, Gräfestr. 6, 2. Hof l. Frau Lutz, Waterloo- Ilser g, im Laden. Frau Mesch, Lhchcnerstr. 3, linker Ausg. IV. Frau T i e tz, Blumenstr. 63, l rechts. Frau Schneider, Hochstestr. 26 l. Frau Sprung, Engcl-Ufer 4», 2. Hof Qu. II. Für Charlottcnburg: Fron Wille, Osnabrückerslr. 27. I. Ä. Körst e», Gcwerkschaflsbiireau, im Gcwcrtschaftshanse, Engel-llfcr IS, I., Zimmer 8. Vorm. 0—1 und nachm. 6—8 Uhr. Sociale Mvchkspflegv. Ein cmpfehlcnswcvtcr Sehrherr. Ter Barbierhcrr G. Schniidt in der E h r i st i n e n st r a tz e Nr. 1 war von zwei Gehilfen beim Gcivcrbegericht verklagt worden. Der Kläger B. beanspruchte autzer 3,87 M. rückständigen Lohn noch eine Lohncntschädigung für zwei Tage, weil er ohne vorherige Kündigung entlassen ivorden ist. Hiergegen wandte der Beklagte in der Verhaiidlmig vor der Kammer' Vl ein. datz die plötzliche Entlastnug. des B. berechtigt fei. B. habe seinen Lehrling zum.Verlassen der Lehre zu verführen gesucht. Der vierzehn- jährige Lehrling. ein antzcrgcwöhnlich tleincS Kerlchen, bestätigte diese Behanptnng kleinlaut mit den Worten: B. sagte. ich solle aus der Lehre gehen, weil ich schlecht behandelt würde. Infolge dieser Aussage empfahl der Vorsitzende Dr. Krause nach er- folgtcr Beratung dem Beklagten, B. vergleichsweise mir den rück- ständigen Lohn zu zahlen. Augenscheinlich hielt man einen Entlassmigs- grnnd fiir vorliegend. Der Vergleich scheiterte. B. erhielt nunmehr auf seine Bitte das Wolt zu einer ausführlichen Rechtfertigung der ihm vorgeworfenen..Verfführung" des Lehrlings. Der Junge i'ei in unerhörter Weise vom Meister behandelt worden. Weil der Kleine zum Aufwischen deS Ladens nur einen Eimer Wasser verbraucht habe, hätte Schmidt gleich mit d e n F ü tz e n n a ch i h m g c st o tz c n lind ihn csc schlagen. Ein andermal habe ihn Schmidt an den Ohren hoch' gehoben, ihm so den Kopf gedreht und ihn dann von sich geworfen, datz er lang hingefallen' sei. Zum Kläger habe der Beklagte darauf gesagt, es wäre ihm wohl unangenehm, wenn der Lehrling in seiner' Gegenwart etwas abbekomme." Der Kläger hat den Jungen einmal gefragt, ob cr den» seinem Vater von dieser Behandlung etwas sage. Die Antivort sei gewesen:„Nein, denn sonst kriege ich vom Vater noch clwas zu." Der Kläger 'ist dann selber zu dem Vater gegangen und hat ihn unterrichtet. Der Lehrling konnte zu den Darlegungen des Klägers aus Bc- fragen des Vorsitzenden nur immer erklären:„Ja, das ist die Wahr- heil— ja, daS ist richtig." Die Stinminng bciin Gericht waiidclie sich sofort z» Guusten' des Klägers. Gewcrbcrichtcr Dr. Krause äußerte empört zum Beklagten Schmidt: Na. da bekommen wir. ja ein gailz nettes Bilo von der Art, wie Sic Lehrlinge behandeln. Die Sache liegt ja ganz anders, wie es zuerst schien! Nachdem der Gerichtshof noch einmal beraten hatte, riet Dr. Krause dem Beklagte», an B. nicht nur den rückständige» Loh», sondern auch wegen der' Entlassung eine entsprechende L o h n e» t s ch ä d i g ü n g zu zahlen. Ein Vergleich kam indessen nicht zu stände.— Da die ziveitc, mit der des Klägers B. verbundene Sache noch nicht spruch- reif>oar, wurde die Ilrtcilsfällung in beiden Sachen vertagt. Gegenseitiges EinverstiüidmS. Ein Druckereibesitzer mußle sein Personal verriliger», weil ihm eine wöchentlich wiederkehrende Arbeit entzogen worden war. Am Freitag der fraglichen Woche sagte er zu dem Arbeiter G.. cr miitzte am Sonnabend die Stellung ausgeben. G. erwiderte nichts und nahm am Sonnabend ohne Widerspruch das Kassenbuch und die Jiivalidcnkartc iit Empfang. ebenso ein selbst erbetenes Zeugnis. Am Montagurorgcn erschien er dann jedoch wieder in der Druckerei und machte' geltend, datz er Anspruch auf die vicrzchntägige Küudigungsfrist habe. Er wurde jedoch nicht weiter beschäftigt, worauf er beim Gewerbe- gericht auf Gewährimg einer Ldhncntschädiguug klagte. Die Kammer- VIII unter dem Vorsitz des Dr. Meier ivies die Klage mit folgender Begründung zurück: Der Beklagte hätte an sich den 'Arbeiter kündige» müssen, bevor cr ihn cntlietz. Der Kläger sei aber seines guten Rechts durch stillschweigende Handlungen verlustig gegangen. Wenn cr von seinem Reckt hätte Gebrauch machen wollcn.'dänn hätte er nicht am Freitag, vor allem aber>licht am Sonnabend schweigen dürfen, als ihm die Eiltlassung angedroht Wurde. Statt zu protestiere», habe cr am Sonnabend sogar ein Jengnis verlangt. Somit sei anzunehmen, datz das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einverständnis am Wochenschlusse gelöst worden sei.' Ein formales Recht, die Jniiehaltmig der Kündigungsfrist z» verlangen, hätte G. deshalb am Montag nicht mehr gehabt. Dienstag, den 1. Mai 1900, - u. Instrumental-Konzert � ausgeführt von Civil-Berufsmusikern und Gesangvereinen des Arbeiter-Sängerbunds. Feslrede.— Tarnerische Aufführungen.— Ernste und heilere Vorträge.— Lebende Bilder.— Kinderbelusligungen.— Tanz. I. Wahlkreis. I V. Wahlkreis. Feenpalast, Knrgstr. SS, Ging. Wolfgangstvaße. ausxskübrt. von- cker„Iz-poxraplUlri.".- keNreÜS, gehalten vom Reiehstags- Abgeordneten Wilh. Liebknecht- Anfang 5 Ubr. Entree 25 Pf. Tanz 30 Pf. II. Wahlkreis. Kockbranerei, Fidirinftrajze 3—3. Festrede, 81/2 Uhr, gehalten vom Reichst.:Abg. Richard Fischer. In; tl einen Saal: Tanz. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 P£. nach. Kaffeeküche 3—6 Uhr.— Maifest-Zeitung gratis. Anfang 4 Uhr._ Entree 25 Pf, III. Wahlkreis. ftenc Welt, Hnseicheide 108. Festrede, 8� Uhr, gehalten vom Reichstags- Abg. VeUgang Heine. Bei eintretender Punkelh'eit i Grosses Fencrwcrlt. Tm grossen Saale: Tanz. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Maifest-Zeitung am Eingang gratis. Schweizer Garten, am Kottigsthor. — Herren, die am Tanz teilnehmen,, zahlen, 30 Pi", nach. Programm an der Kasse.— Anfang 4 Uhr. Entree 20 Pf. Anfang 4 Uhr. Entree 25 Ff. IV. Wahlkreis. Brauerei Friedrichshain, am Königsthor. Kellers Festsäie, Koppenstr. 29. Sanssouci, Kottbuserstr. 4 a. Joels Victoria-Carlen, Köpnicker Landstr. 2f-24, Treptow. Ludwigs Parkrestaurant, Köpnicker Landstr. 25-26, Treptow. Anfang 4 Uhr. Entree 25 Pf. Die Kaffee-Küche wird um z Uhr nachmittags geöffnet. VI. Wahlkreis. Ahrens Brauerei, Turmstrasse 25-26. Peters Gesellschaftsbaus, Alt-Moabit 80-81. Feldscbiösscheu, MOIIerstr. 142. Norddeutsche Brauerei, Gbausseestr. 58. Ballschmieders Lokal, Badstr. 16. SvinemUnder Gesellschaftsbaus, Swinemunderstr. 42. Berliner Praler, Kastanien-Allee 7-9. Publmanns Vaudeville-Theater, Schönhauser Allee 148. Konzerf. Gesangs- theatralische Aufführungen. Festrede. Lebende Bilder. Anlang 3 Uhr. Bei Eintritt der Dunkelheit: Fackelpolonaise. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Die Kaffeeküohe ist nachmittags geöffnet. Parteigenossen und Genossinnen! Um auch den wirtschaftlich schlecht Gestellten Gelegenheit zu geben, sich an der Maifeier zu"beteiligen, haben wir von der Erhebung eines festen Entrees Abstand genommen. Wir ersuchen die Genossen und Genossinnen, sich möglichst zahlreich an der Maifeier zu beteiligen, um dieselbe zu einem wahren Volkstest zu gestalten, und wenn es irgend möglich üst, den Tag durch Arbeitsrune zu feiern. Da wir alles aufgeboten haben, bitten wir um zahlreichen Besuch. Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. Die Komitees des VI. Wahlkreises. Oeffenffiche Versammlungen (kr ßciwrkscbattcn Berlins u. Umgegend unt Wprmittetg des 1. Mm. Sömkltche N-vfom,»tlungo»r finde»» mit Htlfsnebeiksvn und Fenne» stnkt. Die Tagesordnung in sämtlichen Versammlungen lautet: Die Wedeutung des 1. Mai. RßkIpidlllinCl-TndllQtrip«örnppes-Veesammlung: Arminhallen, Uv&lClllUliyo 1UUU9I11C. Komuiandaiitcustraftc 20, vormittags 9'/z Uhr. Referent: Piiftor LLKns. Eine vorherige Znsammenlnnft der cinzelneu Branchen findet nicht statt; alle Beteiligten: Maß- »nid Koirfektionsbranche, Mäntelnnheriinlen, Biigler, Stcpper. Musen« und Trikottaillen-Arbeiterinnen. Textilarbeiter. Wäschebranchc, Posamentierer, Hutinacher, Färber, Kürschner nsw. gehen direkt in die Grnppen-Bcrsalninlung._ Handels-, Transport- und Verkehrs-Gewerbe. Arminhallen, Koinmaiidanteiistrahe 20, mittag» 12 Uhr. Referent: Rechtsanwalt Victor FränkS. . HandlmigSgchilfc» und Gehilfinnen, Bureau-Angestellte, tiaufleute, HandclshilfSarbeiter, GcichäftS», Arbeits- und Droschkenkutscher kommen in den„Arminhallen" zusammen. Gruppe»»- Versammlung:«SUV Wol», Hasenhcidc 106-114, UU16 111UU»I11C. vormittags 10 Uhr. Referent: Reichstags-Abg. Kloss ans Stuttgart. Z u s a m>» e ii k» n f t d e r« t u z e l n e» Gewerbe: Drechsler....... bei Möhriug, Admiralstrafie 18 e, vormittags 9 Ilhr. Musikiiistriimcnteumachcr. bei Möhriug, Admiralstrage 18 o, vormittags 9 Uhr.. Biirstemnnher..... bei Mörschel, Jlldenstraszc 9S, vormittags 9 Ilhr. Böttcher....... bei Wille, AndreaSstrahe 26. Baiianschläaer..... bei BuSke, Grenadierstrabc 88. Einsetzer....... bei Herzberg, Alte Iakobstr. 75, Äorbmacher...... bei Stramm, Ritterstrahe 123. Stellmacher...... bei Schiller, Nosenthalcritr. 57, vormittags 9 Uhr. vormittags 0 Uhr. vormitwgS 8 Uhr. vormittags 8 Uhr. vormittags 8 Uhr. Tischler, Parkcttbodcmnachcr, Bürsten- u. Pinsclmachcr gehen nach der„Neuen Welt 8 chnh waren-Indnstrie. Referent; SVIarkwaldt. Die Kollegen der einzelnen Fabriken versammeln sich um 9 nhr vormittags in ihren Verkehrs- lokalen und gehen alsdann geschlossen in die Grnppcn-Vcrsammliiug. Nach Schlnsi der Persaiiiiuluug: Auöflug nach Gtralm», Alte Taverue. Hahmngs- und Genussmittel-Gewerhe. Grnppeu-Bersammlinig bei Brochnow(früher Rieft), Weberstr. 17, vormittag» 10 Uhr. Referent: Otto Sillier. Zusammenkunft der einzelnen Gewerbe: Barbiere....... vormittags 9 Uhr bei Schiller, Roscnthalerstr. 57. Konditoren..........„ Musiker......„•„„„„„„ Bäcker........„„„„ Drescher, Linienstr. 218. Brauer und Hilfsarbeiter.„.. Preuh, Nene Friedrichsir. 20. GastwirtSgehilsen.....„„„ Mörschel, Jüdenstr. 35. Tabakarbciter, Müller, Gärtner. Schlächter gehen direkt in die Gruppeiivcrsammlung. ßreniklsrUp« ßpwcrhp Gruppeu-Bersammlung: Bockbrauerei(Neiner Saal), (MajllUVwrUVS UCWCiUc. am Tempelhofer Berg, vormittags 10 Uhr. Referent: Friedederg. Alle dazu gehörigen Branchen, Buchdrucker. Buchdrnckerci-HilfSarbeiter und Arbeiterinnen. Schriftgieher. Stcreotypeure, Lithographen und Steindrucker,.rylographen, Formstechcr und Tapetendrucker kommen in der Grnppcn-Versannnlung zusammen. Metallarbeiter ��pp'U'���ammlm»g�Fecnpalast�Eckc�rg- u. Wolfgaugstrns»-, Referent: Reichstngs-Abg. kicksrd Fisckor. Sämtliche Metallarbeiter gehen direkt in die Gruppen-Bersannttlung. nur die Kupferschmiede kommen vorher um 9 Uhr bei Feind, Wcinstr. 11, zusammen. r adoidlParUsitlinn Gruppen- versamtMwng: Marieubad, Gesundbrunnen. llvUvt UvctrUvNlllKy. Badstr. 3S-Z6, vormittag« 10 Uhr. Referent: Friodrick Schlegel. Lohgerber, Wcihgcrbcr, Lederzurichter. Lcderfärber, Hmidschiihmachcr gehen direkt in die Gruppen» Versammlung. Kesondere Uersammllmgen vormittags: Luebbinder.Hnebbinderei �rbeLierjnnen,I.edergalanterle' 8tsinarbe!ter, Steinmeken, Marmor- nnd Granitarbeiter. KöuigShof, Biilowstrahe, vormittags 10 Uhr. Referent: Sditsohke. Pntaer. ficllerS grosser Saal, Koppenstrassv 20, vormittags 10 Uhr. Referent: Qrempe. Ua1lit7nilf701« Fe»»ersteins Sokal, Slltc Jakobstr.(Garteusaal), vorm. 10 Uhr. »«»llLpUI�vr. Referent: Schumann. Töpfer u. Dachdecker.®"""fW""s"",SnSS,,Ä,n',l tl,,°Sct®"')' Referent: M. Schütte. TrinAni nwait Brunncnstrasw 188 bei Riimann, vormittags präcisc 0 Uhr. lapeZierer. Referent: Leo Schmidt. Tresspunkl früh 8 Uhr Bcnihstrahe 21.— Nach der Versammlung: ZluSflng nach PichclSwcrdcr. Vergolder. Zimmerer. Hauarbeiter. Alhambra, Wallnertheatcrstrahe IS, vormittag» 10 Uhr. Referent: Bruno Pörsch. Martens Lokal, Friebrichstrahe 2S«, vormittags 10 Uhr. Referent: Bohert Schmidt. filicm, großer Saal, HascnHeide Rr. 12— IS, vor»nittagS 10 Uhr. Referent: Sustsv Link. Graveure nnd Ciselenre. 45- Referent: E. Brückner. Arbeiter n. verw. Bernfsgenossen. Referent: Georg Schmidt. Glaser, Glasschleifer, Porzellan-]««..e»�. i«. vormittags 10 uyr. Maler, Porzellansrbeiter./ Referent:-Fb. flflet-ner. Die Glaser tressen sich um 9 Uhr bei Stramm, Nitterstraße 123. Holz-, Stein- und Gipsbildhaner und Modelleure. SnisenstädtischcS KonzerthauS, ZUtc Jakobstrahe 27, vormittag» 10 Uhr. Referent: Redaetenr Ströhel. Minvav Verl. Bock-Brauerei, DempelHofer Berg(großer Saal), vormittag» 10 Uhr. MÄUrvr. Referent: Kollege Silherschrnidt. Coltlai* Englischer Garten, Alexaudcrstraße 27«(unterer Saal), vormittag» 10 Uhr. ÄciNIvr. Referent: Kollege G. Assmann. Hf olov« n I anlrioror Feuerstein, Alte Jakobstr. 75(unterer Saal), vorm. 10 Uhr. JUaier U. LaCKierer. Referent: Töpfer Lothar. Qfoineotaai« Brnnncnstrahc 188 bei Nümann, dieiuseizer. vormittag» lov» Uhr. Rammer. B-rgftraßc Nr. 12, mittags 12 Uhr Referent: A. Knoll. Stnccatenre n. Gipsgiesser. filYflnrf Versammlmlg aller Gewerkschaften Rixdorfs I. vormittags 10 Uhr im„Apollo- Theater", Hermannstraße. Referent: Frita Zubeil. I rilorchnf Versmmluitg derKolzarbtiter, Metallarbtiter, Mavm, BuchbiM, »»IVPdHVI. Ltderarbeiter vsw. vormittags 0 Uhr in SchmanserS Lokal, BiSniarckstraße. Referent: Frlt« G«m|molk. Stralau Rlimmplshlirn aller ScmerWaltei üli diall, UUlllillCldUllt u, vormittags 10 Uhr in der Victoria-Brai M? w H G M M i«— Entree 10 Wf. PHarlriphchprn tn*tv,,Iau' e:"tree 10 r riCUI ICUdUCl g. Referent: Matthes. WPKQPIICPP Versammlnng aller Gewerkschaften mm Clddvlldvv. vormittags 10 Uhr im Schloß Weißensce. Referent: Waldeok IWanasse. Braueret ®ie Gewereschaften resp. die Einberufer der Grnppen-Bersalnmlungen haben ihre Bersauimlungen selbst anz«,»eld«n.«ei den vorherigen gnsammenkünfte» bedarf es keiner Anmeldung. Gleichzeitig»verde» die Bureails der Versammlungen beauftragt, über die Anzahl der B-rsammlungsbesucher dem Gewerkschafts- Vttreatt» Gewerkschastshans, Cllgel-ftfer 15, I, Zimmer 8, Telephon Amt 7. 373S. sofort nach Schlnß der Persammlnng Kenntnis zu geben. Der Ausschuß der Derliurr Gewcrlischafts-Kommilstou. ' � Vetalitlvoriiichcr Rcdaclcur: Paul John in Berlin. Für den Lnsnattnieil verantwortlich:»h. Glocke in Ycilin. Druck und Berlag von Max Babing in Berlin.