!N B Erscheint wöchentlich 3 Mal in /tipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstaltm und Buch« Handlungen de« In« und Auslande» an. Kilial-Expeditionen für dt» . Bereinigten Staaten: F.». Sorge. So» 101 llodoke», N. J. Ö. A. Löunecker, 98 S. Market str. coro. HadUoB str. Chicago, DL Der Volkskaat Ablinnemenlsprei«: �iir Preußen incl. Stempel� steutr21Sgr.,sürdieübr>gen Deutschen Staaten 16 Sgr. pro Quartal. Monat»- Zlbonmement» werden bei allen Deutschen Postanstalten auf den 2. u. L. Monat u. auf den 3. Monat besonder« angenommen, im Kgr. Sachsen u. Hr;gth. Sachs.-Altenburg auch auf den 1. Monat h 5', Sgr. angenommen. OrgandersozialdemokratlschenArbeiterparteiundderinternattonalenGewerksgenossenschaften. 62. Mittwoch, 33. Juli. 1873. ler. md Sechster Allgemeiner Kongreß der Internationalen Arbeiter-Affociation. In Ausführung des vom fünften allgemeinen Kongreß im Haag gefaßten BeschlusieS, daß der nächste allgemeine Kongreß in der Schweiz stattfinden und der General- Rath den Versammlungsort bestimmen solle,— beruft der General-Rath hiermit den Sechsten Allgemeinen Kongreß der Internationalen Arbeiter-Asso- tiation auf Montag, den 8. September 1873, Vormittags 9 Uhr, »ach Genf in der Schweiz. Gemäß ß 9 Kap. 1 der Verwaltungs- Verordnungen veröffent licht der Gencral-Rath die folgende Tagesordnung des Kongresies: 1) Revision der Statuten. 2) Organisation der Internationalen GewerkSgenossen- fchaften. 3) Organisation der Arbeiter-Klasie auf internationaler Grundlage. 4) Politische Stellung der organiflrtcn Arbeiter. 5) Arbeits- Statistik. Die Abgeordneten sind ersucht, ihre Beglaubigungsschreiben Sonntag den 7. September von 2 bis 6 Uhr Nachmittags der pro- disorischen Kommission� im TVmple Unique zu Genf einzureichen. Alle Föderationen, Sectioncn und Bevollmächtigte sind aufge- fordert, laut§ 14 Kap. 1 der Verwaltungs- Verordnungen schleu »igst ihren genauen Jahresbericht einzusenden. New-York, 1. Juli 1873. Im Namen und Auftrag des General-Raths: F. A. Sorge, Generalsekretär. ioo An die Parteigenoffen allerorts. .. Genossen! Den 24. August und die folgenden 2 oder 3 Tage tie»iirb, wie Euch Allen bekannt, der diesjährige Parteikongreß in iürnbcrg stattfinden. Es handelt sich nun darum, daß die Mit- Glieder der Partei an allen Orten dafür Sorge tragen, sich auf uz» em Congreß vertreten zu lassen. Und zwar wäre es wünschens- ey>»erth, wenn von einem jeden Orte, wo eine Mitgliedschaft existirt, ,tc2 in Delegirter erscheinen würde. Gerade in hiesiger Stadt ist es �»othwendig, daß die Partei auf ihrem Congreß würdig vertreten ist, denn mit gespannter Aufmerksamkeit folgen unsere Gegner uns geil»us Schritt und Tritt und Würden jedenfalls nicht ermangeln, den ilvngreß, wenn er schlecht besucht wäre, in der üblichen Weise zu bekritcln. Schon auö diesem Grunde also, Parteigenossen, ist es dringend geboten, daß Ihr Euere Pflicht thut. Noch mehr aber jbllrften Euch die auf der Tagesordnung des CongresieS stehenden � Punkte bestimmen, zahlreich Euere Vertreter zu senden. Parteige- J--»Dsien! Rüstet Euch zum Congreß! Auf, nach der alten Rons' Mit sozialdemokratischem Gruß Im Austrage: Hans Wörlein, Bergstraße 17. NB. Die Delegirten werden ersucht, sich baldigst anmelden zu ollen, damit zu rechter Zeit für Quartiere gesorgt werden kann. illle Zuschriften sind an obige Adresse zu richten. D. O. Jan Maat. Wie es Plimsoll in England ergangen und ergeht, wissen Unsere Leser. Jetzt will er einmal nach Deutschland kommen und unsere Seehäfen besichtigen, und namentlich sich nach der Lage unserer Matrosen erkundigen, was unseren ehrsamen Schiffsrhedern zilstineswegs angenehm. Aus Hamburg wird darüber der„Weser- ftitung" unterm 28. Juni geschrieben: �„Ter bekannte Agitator für den englischen Sccmannsstand, di« b!r. Plimsoll, gedenkt demnächst nach Hamburg zu kommen, und scst> lwn hier eine Rundreise durch die deutschen Sce-Häsen zu machen. icht luf eine besonders freundliche Aufnahme in Rhederkreisen ben darf Plimsoll trotz(dieses„trotz" ist unbezahlbar! glaubt der ntchnaive Schreiber denn, es sei den Herren Säuffsrhedern ange Juelsin, daß die schmutzigen und verbrecherischen Schliche und Pral ftikeu der„Zunft" ans Licht gezogen, und einmal„die Wahrheit ereijgesagt" wird? Also auf sreuudlicke Aufnahme Seitens der Hrn. -"Rheder darf Plimsoll„trotz") der vielen Wahrheiten, die in seiner �Schrift, aber in erster Linie doch nur sür England(!!!!), enthal- -leMen sind, nicht rechnen. Die Ruchlosigkeit englischer Rheder ist «n nautischen Kreisen allgemein bekannt;(da sind wir bessere Menschen— Gott sei Tank!) eiu Schiff zur Seite zu schassen, d-elcheS nicht mehr tauglich ist, um nur die Versicherungssumme ieinzuheiulseu, unbekümmert, ob die Besatzung verloren geht, hält it lNau dort kaum»och für ein Verbrechen.(Ein schönes Zeugniß, velches der deutsche Bourgeois seineu engltschcn Klässen-Kollegen hlr>a ausstellt!) Einem deutschen Rheder hat man bisher das„ab- sichtliche Wegsetzen", wie mau es in der nautischen Sprache nennt, lag>ie nachweisen können(bloß„nie nachweisen"? Wie heißt doch das elfte Gebot?„Tu sollst Dich nicht erwischen lassen". Und »ufere SchissSrheder sind ja meist gar fromme, gotteSfürchtige !eute!), noch ist jemals eine solche Klage auch nur erhoben wor- ,>en(?). Tie deutsche Agitation in den Seestädte» handelt sich a' vesenrltch um die geringe Heuer, die seit Jahren dieselbe zeblieben, und um die unverantwortlich häufig ungenü- >eude Ausrüstung mit Lebensmitteln. Ersterer Punkt hat uNj tider schon Veranlassung gegeben, daß der deutsche Seemann tin Brod bei�sremden Nationen sucht, weil er dort bes- eh» er bezahlt wird, weil er iumier tüchtiger ist als der englische, ranzösische und nun gar erst als der amerikanische Matrose.(Nur wu den patriotischen LaudSleuten verachtet, wie ein Hund �»«zahlt und behandelt!) Hier bereitet sich auch jetzt schon eine Agi- kW latioil für die Erhöhung der Löhne vor, die übrigens gerin- Her als in Bremen(14 Thlr. gegen IL und 20 Thlr. in Brc- men) sind, und daß diese Gage zu gering, gestehen selbst mehrere Rheder ein(bezahlen aber nicht mehr, die braven Patrioten!). Sagte doch jüngst der Regierungskommissär Dittmar im Reichs- tage auf die Greisswalder Petition, daß die Mariner ftüher ent- lassen werden möchten, ganz richtig:„Die Rheder sollten nun besser bezahlen, dann würden auf deutschen Schiffen auch deutsche Malrosen sein, und man brauche sich nicht mit Finnen und Schweden zu bchelfen." Daß über kurz oder lang (wir fürchten: das letztere) auch für die Rheder das Haft- pflichtgesetz Anwendung finden wird, ist kaum zu bezweifeln(?). Die Statistik ist in dieser Branche(von Unglücksfällen auf den Seeschiffen) noch sehr wenig ausgebildet. Wie mancher deutsche Matrose findet ohne weitere Untersuchung durch schlechte Ausrüstung, faulende Takelage, dl« Aus- dünstungen des Guanos tc. seinen Tod. Man muß in einer Seestadt leben, um täglich die Klagen der im Ganzen ver- schwiegenen Seeleute zu hören! Insofern wird Hr. Plimsoll aller- dings ein ergiebiges Feld vorfinden." So weit der Hamburger Korrespondent der«Weserzeitung". Es ist possierlich, wie er die bittere Wahrheit zu verstecken und zu bemänteln sucht. Aber sie spottet der Bemühungen und drängt sich in ihrer ganzen Häßlichkeit hervor: Schlecht wie der Matrose im Ausland behandelt wird, der deutsche Matrose, der in seiner eigenen Sache sicher da« beste Urtheil hat, findet doch, daß er im Ausland besser be- handelt wird, als im Vaterland! Wenn der Korrespondent meint, wenigstens direkte Verbrechen, wie das„absichtliche Weg- setzen" von Schiffen, seien den deutschen Rhedern nicht nachzu- weisen, so huldigt er damit einer sonderbaren Schwärmerei: wer Schiffe auf die See schickt, die mit Lebensmitteln, mit Räumlich- leiten und sonstigen Vorrichtungen so schlecht versehen sind, daß bei einer längeren Seereise ein Theil der auf dem Schiff befind- lichen Menschen zu Grunde gehen muß— wie dies notorisch z. B. Herr Sloman gcthan hat— ist um kein Haar breit hu- maner und gewissenhafter als wer ein Schiff„wegsetzt". Im Gegentheil, letzteres läßt sich unter Umständen wenigstens ohne Opfer von Menschenleben bewirken. Zum Kapitel der Behandlung deutscher Matrosen auf deut- schen Schiffen gibt nachstehende Notiz in der New-Uorker Ar- beiterzeitung(Nr. 19. Gelegentlich des Abdruckes unseres Ar- tikelö über„Jan Maat") einen sehr lehrreichen, interessanten und sür die Betheiligten auch unmittelbar nützlichen Beitrag. Die „Arbeiterzeitung" schreibt: „Es ist eine allgemein bekannteThatsache, welche sich im Hafen von New beinahe wöchentlich wiederholt, daß Matrosen von deutschen Schiffen nach ihrer Landung auf amerikanischem Boden so schnell als möglich dcsertiren.— Viele derselben werden fteilich wieder eingefangen und in die Hände ihrer Peiniger zu- rückgeliesert, weil amerikanische Beamte sich zu Bütteldiensten kaufen lassen. Warum laufen aber die deutschen Matrosen von ihren Schis- fen, so bald sie nur Gelegenheit haben? Die Antwort ist ganz einfach. Die Matrosen sind eben auch Lohnarbeiter, folglich werden sie von Arbeitsgebern, den Schiffseigenthümern(Rheder) und deren Angestellten, den Schiffskapitänen, Ossizieren und der- gleichen, so schlecht bezahlt als möglich, so schlecht ge nährt als möglich und so viel und so gründlich auSge- schunden als möglich.— Kein Wunder, daß sie ihren Pcini- gern zu entrinnen trachten, sobald sie in ein Land komme»,- daß sie in ihrer Unschuld für ein„fteieS" halten, weil cS„Republik der Bereinigten Staaten" heißt. Den kindlich-naivcn Glauben an einen Namen müssen diese armen Leute gewöhnlich durch harte Strafe büßen.— Wir wollen daher unfern deutschen Mitarbeitern zur Warnung kurz folgende Ausklärung geben.— Die Vereinigten Staaten sind ein Land, wo Menschen, welche oft»och schlechter, dümmer und habgieriger sind, als Euere Arbeitsgeber, unbeschränkt regieren.— Wer hier viel Geld hat, kann thun was er will.— Zu seiner Verfügung steht die Verfassung, die Behörden, die Gesetze und die Richter, die Land- und Seemacht, die Polizei, die Pfaffen und die Reli- gion, der Herrgott und der Teufel. Wer nur wenig oder gar kein Geld hat, mag sich vor der übrigen Gesellschaft hüten so gut er kann; im günstigsten Fall muß er ftir sie arbeiten, damit ihm erlaubt wird zu leben. Wenn ihm weiter nichts geschieht, ist er glücklich. Wenn daher deutsche Matrosen von ihren Schiffen desertiren wollen, thun sie gut, so schnell und so weit als möglch in's Land zu gehen, damit sie vor dem Einsangen und Ausliefern sicher sind.— Nur höheren Offizieren, welche auf Kinder armer Auswanderer schändliche Attentate machen, wird wegen solchen und ähnlichen Kleinigkeiten erlaubt, ungestört vor der preußisch-dcntsch-amerikanischen Polizei zu verduften." Nun— wir hoffen» unsere Matrosen werden sich'S merken! Und sich vor Allem merken, daß sie Menschen sind, und Men- schenrechte haben. Politische Uebersicht. — In Frankfurt a. M. haben' die SchwurgerichtSverhand- lungen gegen die beim Bierkrawall Verhafteten nunmehr begonnen. Bei der Zeugenvernehmung hielt der Herr Polizeipräsident Her- genhahu eine längere Rede, worin er ausführte, daß die Polizei nach den eingezogenen Erkundigungen den Ausbruch eines Krawalls nicht befürchtet Habe und deshalb überrascht worden sei. Der „Frauksurter Beobachter" schreibt dazu:„Aber der Herr Polizei- Präsident blieb nicht bei dieser objectiven Darlegung, sondern rich- tete seine Worte vorzugsweise gegen die Kritik, welche die Versah- rungsweise und die Umsicht der Polizei nach dem 21. April in der öffentlichen Meinung erfahren hat. Er brachte, um die Un- gerechtigkeit dieser Kritik in recht grellem Lichte zu' zeigen, die über- raschende Thatsache vor, daß„öffenttich sogar die Behauptung aufgestellt worden sei, die Polizei habe den Bicrkrawall vom 21. April arraugirt"— eine Behauptung, welche durch die Gerichts- Verhandlungen ihre völlige Widerlegung erfahren werde. Der Gerichtspräsident stimmte dem Zeugen hierin bei und erklärte, wie wir aus dem Sitzungsberichte ersehen,„die betreffenden Gerüchte sür eine niederträchtige Lüge".— Im Interesse der Objectivität der Verhandlungen wäre es nun sicherlich geboten gewesen, sofort zu constatiren, wem diese„niederträchtige Lüge" denn eigentlich zur Last fällt? Der Gerichtspräsident sprach von„Gerüchten", der Zeuge aber hatte gesagt, daß die bezügliche Behauptung„öffent- lich" ausgestellt worden sei. Bon wem denn? DieS hätte jeden- falls klargestellt werden müssen, weil sonst die ganze hier berührte Scene keinen Sinn hat und für das Publikum völlig unverständ- lich bleibt. Vielleicht hat sowohl der Zeuge, Herr Hergenhahn, wie der Präsident des Gerichtshofes sich bei diesem Zwischenfall in einem eigenthümlichen Jrrthum befunden. Es besteht allerdings im Publikum der Glaube, daß bei den Excessen, welche im April d. I. in Mannheim und Frankfurt stattfanden, sogenannte„�entg provocateur»" ihre Hand im Spiel gehabt haben;— eine Thatsache, welche durch die Mannheimer Gerichtsverhandlungen, so weit die dortigen Vorgänge in Bettacht komnien, geradezu erwiesen ist. Wir gehen noch weiter, indem wir die Behauptung aufstellen, daß seit Jahren sogenannte„.Aj-outs provocatcurs" in Deutschland ihr infames Wesen treiben und ihren Thätigkeitsttieb— da die Welsen- und Franzosenverschwörungen ic. k. nachgerade lächerlich geworden sind und keine Ausbeute mehr liefern— hauptsächlich unter der sozialistischen Arbeiterbevölkerung zu befrie- digen suchen. Von wem dieses schlimme Gesindel bezahlt wird und wo es seinen Mittelpunkt findet, darüber brauchen wir unsere Ansichten und Vermuthungen gar nicht auszusprechen, da die Spatzen auf den Dächern darüber ein Liedchen singen. Daß die Staats- Polizeibehörden mit diesen schmutzigen Dingen nichts zu thun haben, weiß Jedermann, und es hätte nicht der Berufung des Herrn Po- lizeipräsidenten Hergenhahn auf die Gerichtsverhandlungen bedurft, um die angeblich aufgetauchte Meinung als absurd erscheinen zu lassen, daß die hiesig« Polizei„den Bierkrawall vom 21. April arraugirt habe". Aber ein Anderes ist eS, den geheimen Spuren der Thätigkeit solcher Kumpane zu folgen, wie sie sich in Mann- heim und anderwärts entpuppt haben, und bei den jetzt stattfin- denden SchwurgerichtSverhandlungen möglichst klarzustellen, ob der Bierttawall vom 21. April ein spontanes Produkt der Rohheit oder ein Werk fremder Anstiftung ist? Wir halten dafür, daß diese Frage schon vom rein juristischen Standpunkte auS für die Verhandlung von großer Wichtigkeit ist." Soweit der„Frankfurter Beobachter", das einzige Organ der bürgerlichen Demokratie, welches den Muth hat, der Gevatterschaft Stieber-BiSmarck-Wagener offen in's Gesicht zu sagen, daß dieselbe sich eineS Spitzel-SysteinS bedient, um die sozialdemokratisch gesinnten Arbeiter zu Excessen zu verleiten. Für uns, die wir das schon tausendmal in die Welt hinausgerufen haben, ist dicS nichts Neues. Dieselben„finstern Mächte", die durch einen Schweitzer, einen Tölcke, einen Hasenclever und Hasselmann die Arbei- terbewegung gespalten, dürften keinesfalls ein so enges Gewissen haben, daß sie sich der„Sünde" fürchteten, durch einen kleinen oder großen Krawall die Massen zu provociren, damit die Krupp'- schen astronomischen Instrumente und blauen Bohnen ganz„zu- fällig" in die Lage kommen, dem„dummen Volk" die richtigen Begriffe von Ordnung und Bürgertugeud beizubringen. Und ttotz alledem verlangt man vom Volke Vertrauen; der Proleta- rier, der bei jedem Straßenauflauf nicht wissen kann, ob er zwischen Spitzeln und Polizeispionen steht oder nicht, soll immer noch in seinem„beschränkten Unterthanenverstand" vertrauensvoll nach oben blicken!— Gibt'S leider nicht, Freund Stieber! Dazu ist das Volk nicht dumm genug! — Weiße Sklaven. In Frankfurt ist ein Soldat mit dem Säbclkorb todtgeschlagen worden; in Danzig hat ein Lieutenant seinen Rekruten die Nasenspitzen mit der Cigarre verbrannt; in Lötzen sind Soldaten blutig geschlagen worden; in Thorn mußten zwei aus dem Glied treten und sich gegen- seitig ohrfeigen; in Regensburg hat ein Ausmarfch(„Ge- waltmarsch"?) einen Tobten und gegen 60 Kranke ergeben. „Soldatenleben im Frieden!" Das feige, erbärmliche Lumpenpack der liberalen Presse hat nicht den Muth, für die armen, gemiß- handelten Soldaten einzustehen, während sonst, wenn der Racen- haß zwischen Franzosen und Deutschen geschürt werden soll, das Maul nicht voll genug genommen werden kann von den Helden, die im„heiligen Krieg" so tapser auf die„verlotterten" Franzo- sen geschlagen. Uns freilich können alle diese Vorkommnisse nicht auffällig sein. In einem„Staat", wo schon Kinder ordonnanz- mäßig mit Commisrock und Pickelhaube umherlaufen, wo durch die von den Regierungen subventionirten Rauf- und Sauf-Ver- eine, auch Kriegervereine genannt, der sogenannte„militärische Geist" sogar in's alltägliche Leben verpflanzt werden soll, da darf man sich nicht wundern, wenn auch eiu gut Theil der Rohheit, welche der Massenmord unausbleiblich in die Gemüther pflanzt, mit unterläuft. — Begnadigt. Vor einiger Zeit ging dre Nachricht durch dte Presse, die berüchtigten adligen Spitzendiebinuen in Wiesbaden (von Langsdorfs) seien vom Kaiser-Köuig Wilhelm begnadigt worden. Ein entrüstetes Dementi erfolgte sofort. Jetzt stellt eS sich nun heraus, daß die Nachricht keineswegs unbegründet war. Die ganze Strafe ist fteilich nicht erlassen worden, wohl aber hat die allerhöchste Gnade, wie in Sachsen bei dem Betrüger Pohland, die Zuchthausstrafe in Gefängniß umzuwandeln geruht, was eine sehr wesentliche Strafmilderung. Wir gönnen es beiden Theilen!— Zur Lage in Spanien. Nach den neuesten Nachrichten ist die sixisc bereits ausgebrochen. Ob dies aber„der Anfang des Endes" ist, wie die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung« deS Herrn Bismarck hofft, oder umgekehrt daS Ende des Anfang«, das läßt sich noch nicht voraussehen. Das wichtigste Ereigniß, das uns der Telegraph meldet, ist die siegreiche Volkserhebung in Chartagena, eine der bedeutendsten Hasenstädte SpamenS. ES liegt hier allem Anscheine nach nicht eine improvisirte Explosion vor, sondern eine vorausgeplante wohlüberlegte Bewegung, von der wir deßhalb auch erwarten müsien, daß sie nicht vereinzelt bleiben wird. An der Spitze der„Insurgenten", zu denen ein Theil der im Hafen befindlichen Flottenmannschaften übergegangen ist, steht Contreras, Bruder des Marineministers. Wenn in den Telegrammen gesagt wurde, die„Internationalen" seien die Urheber der Vorgänge von Chartagena, so ist daS eine Ten denzlüge, der ihre denunziatorische Stieber-Äbsicht auf die Stirne geschrieben ist. Es handelt sich offenbar um eine Schilderhebung der extremen Föderalisten, mit denen die„Internationalen" allerdings zusammengehn.— In Barcelona wächst die Gäh- rung; das Volk verlangt stürmisch Waffen zur Bekämpfung der Carlisten.— Ein Tumult in Alcop, der von den reaktionären Lügenfabrikanten zu einer zweiten Ausgabe der Pariser Kommune ausgepufft ward— leider sind die Spanier noch nicht so weit, sonst wäre jetzt dort die prächtigste Gelegenheit!— ist ohne Kampk durch Einzug eines Truppendetachements für den Moment beew digt worden. In der Hauptstadt Madrid selbst, die übrigens politisch niemals den Ausschlag gegeben hat, steigt die Auftegung fortwährend, und ist das revolutionäre Volk für alle Fälle ge- rüstet. Kurz— überall Vorzeichen und Zeichen entscheidenster Aktion.— Nicht klar sind die Nachrichten über da« Thun und Treiben der Regierung. Nach einem Madrider Telegramm vom 14. d. hätte Pi y Margall mit der„Rechten", d. h. den(him- mel)- blauen Republikanern, deren„Führer" der Reden redende R-deheld Castelar ist, gebrochen, und suchte eine Regierung mit der Linken, d. h. den extremen Föderalisten, zu bilden, welche nach dem Beschluß zur Suspension der Verfasiungsgarantien sich von den Sitzungen der Cortes zurückzogen und von denen Meh- rere sich schon in die Provinzen begeben hatten, um die Fahne des Aufstandcs zu entrollen.. � Bestätigt sich diese Nachricht, so könnte Spanien vielleicht die Republik erhalten bleiben. Pi y Margall hat die Berechtigung der sozialen Frage zugestanden; er hat unleugbar Verstand und Thatkraft— er braucht nur ehrlich zu sein, und die Arbeiter, in welchen die republikanische Regierung bisher ihre Hauptge- fahr erblickt hat, werden die festeste Stütze der Republik sein. Nur ehrlich! Denn„Honeatx is the best poliezr«— das mögen die Herren Demokraten Spaniens und anderer Län- der sich hinter die Ohren schreiben: Ehrlichkeit ist die beste Politik— port und hier. Die Arbeiter sind bis letzt nur fol- chen Republikanern hindernd in den Weg getreten, von denen sie verrathcn worden waren. Sie haben stets eher zu viel als zu wenig Geduld bewiesen,— in Spanien, wie anders wo. Pi y Margall scheint es mißlungen zu sein, sich von der Rech- ten zu emanzipiren. Bestätigt sich dies, so wird die Regierung alle Macht, die sie noch hat, gegen die revolutionäre Aktionspartei richten— statt gegen die Carlisten, die in den letzten Tagen be- deutende Fortschritte gemacht haben. Daß die Republik dann g* legentlich zusammengeblasen wird, wie ein Kartenhaus, ist selbst verständlich.— Nach den neuesten Depeschen ist Pi y Margall vom Ministe� rium zurückgetreten und ist dasselbe aus Mitgliedern der Rechten neu gebildet worden. nicht: abhängig— alles in Ordnung:— kurz wir waren der Die Justizia hat bekanntlich eine Binde vor den Augen, was den Verehrern der ftaglichen Göttin zufolge bedeuten soll, daß Justizia ohne Ansehen der Person urtheile. Nach Andern hat die Binde eine andere Bedeutung: Jedenfalls sind wir durch das Urtheil, welches vor Kurzem den verantwortlichen Redakteur dieses Blattes betroffen hat(S.„Volksstaat" Nr. 54), sehr lebhaft an die Binde erinnert worden. Den Anlaß zu dem Protest lieferte die nachstehende Notiz in unserer politischen Uebersicht der Nr. 529 des„Volksstaat": „Zur Sächsischen Justizpslege. Dem Herrn Boland, der in dem bekannten neulichen Skandalprozeß wegen grober Be- trügereien und Schwindeleien vom Schwurgericht in Dresden zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt ward, ist vom Sächsischen AppellationSgericht die Zuchthaus- in einfache Gefängnißstrafe umgewandelt worden, was eine bedeutende Strafermäßigung. Herr Boland ist ein naher Verwandter des bei Hof sehr in Gunst stehenden katholischen Bischofs Vorwerk. Es fällt uns natürlich nicht ein, zu behaupten, diesem Umstand ver- danke Hr. Boland seine sehr milde Behandlung Seiten« des ober- stcn LandcsgerichtShofs, aber so viel steht fest, wenn man die einem gemeinen Verbrecher— gemein in jeder Bedeutung des Wortes— wie dem Herrn Boland zu Theil gewordene sehr milde Behandlung des obersten Gerichtshof« mit der gegen uns Sozial- dcmokraten geübten richterlichen Praxis vergleicht, so führt der Vergleich zu keinen günstigen Schlüssen für die Sächsische Justiz. Derselbe Gerichtshof,— daran sei hier erinnert— der dem Schwindler und Betrüger Boland die Zuchthausstrafe in Ge- fängnißstrafe verwandelte, weigerte sich vorigen Sommer, die Bebel vom Schöffengericht wegen angeblicher MajestätSbelcidigung zugesprochenen 9 Monate Gefängniß in Festungshaft umzuwan- deln. Hätte Bebel einen bei Hof in Gunst stehenden Verwandten, gleich Hrn. Boland, so würde daS selbstverständlich auf den Ent- scheid des Appellationsgerichts keinen Einfluß gehabt haben. Un- sere Richter sind ja unabhängig." Durch diese Notiz sollte daS königliche OberappellationSgericht in Dresden„verläumderisch beleidigt" sein, und lautete darauf, die Anklage. Die„verläumderische Beleidigung" wurde in dem Schluß- satz gesucht:„Hätte Bebel einen bei Hof in Gunst stehenden Ver- wandten gleich Herrn Boland*) so würde das selbstverständlich auf den Entschluß des Appellationsgerichts keinen Einfluß gehabt haben; unsere Richter sind ja unabhängig." Also„verläumderische Be- leidigung", daß wir erklärt, das AppellationSgericht s« nicht korrupt, und, unsere Richter seien nicht abhängig! Obstupuimus stetenintque comae.— Erstarrt standen wir da, und die Haare streubten sich uns zu Berg! Wir trauten, als wir die Anklage verleumderischen Beleidigung" angeklagt, weil wir gesagt, daS OberappellationSgericht sei„keinen korrupten Einflllffen unterworfen, und die Richter flien unabhängig. Wir gestehen, wir ließen uns kein graues Haar wachsen: wir konnten uns die Sache nicht anders erklären, als der Herr Staatsanwalt habe sich verlesen(„keinen" für„einen" und„unabhängig" für„abhängig«), wie dies ja mit- unter Jedem passirt— errare est humanum. Natürlich würde baß Gericht den Lesefehler des Herrn Staatsanwalts bemerken; sechs, oder gar zehn Augen sehen mehr als 2. Wir hielten es deßhalb auch gar nicht für nöthig, zu dem Ver haiidlungStermin zu erscheinen.——„Hundert Thaler Geld strafe" ist viel Strafe für unser Berttauen in sächsische Richter. „Von Rechtswegen". Hundert Thaler ist etwas viel, doch eine Lehre ist sprichwörtlich nie zu theuer erkauft. Wir sind verurtheilt worden, weil der inttiminirte Passus „trotz seiner negativen Form offenbar eine verleumderische Beleidigung enthält."— Obstupuimus— die Haare stehen uns zu Berg und der Verstand steht uns still angesichts solcher Leistungen der Göttin Justizia. „Trotz der negativen Form.« Die„negative Form" wird als» zugegeben; es wird damit zugegeben, daß eine positive „verläumderische Beleidigung" nicht vorliegt. Mit anderen Wor- ten: eS wird zugegeben, daß der Passus nichts positiv Straf- bares enthält, llnh dennoch 100 Thlr. Geldbuße! Warum? „Trotz der negativen Form" ist der Passus verläumderisch, belei- digend. Woher wissen das die Herren Richter? In der Form liegt nichts Berläumderisches und nichts Beleidigendes; überhaupt nicht in dem Wortlaut, der gerade das Gegentheil von Verläumderisch und Beleidigend ist. Die Herren Richter wer- den zwar sagen:'„ja, der Sinn der Worte ist ein verläumderisch- beleidigender"; aber wer giebt den Herren Richtern das Recht, den Worten einen anderen Sinn unterzuschieben, als, ihrem eigenen Zugeständnisse nach, dieselben nach„Form" und striktem Wortlaut haben? Daß wir Redattion des„Volks- staat" sind? Daß der„Volksstaat" ein staatsgefährliches, übelge- sinnteS,„reichSfeindlicheS" Blatt ist? Das mag ein ausreichender Grund für die„Gute Ouelle« oder„Schatz's famose Ge- schwornenkneipe sein, aber eS ist kein ausreichender Grund für den Gerichtssaal— oder sollte eS wenigstens nicht sein. Sehen die Herren Richter nicht ein, daß sie nach dieser Logik jede beliebige Aeußerung über jede beliebige Person oder Einrichtung für„verläumderisch und beleidigend" erklären können? Und zwar ganz»ach Belieben? Merken sie nicht, daß sie das Be- lieben, die Willkühr, an Stelle der gesetzlichen Begründung und Gerechtigkeit gesetzt haben? Zum Schluß noch eine Frage an die Herren Richter: Vor einem halben Jahr wurden wir verurtheilt, weil wir gesagt, der König von Preußen habe sein den schlesischen Webern gegebenes Wort gehalten. Kurz vorher war Bebel verurtheilt worden, weil er gesagt haben sollte, dersclbige König habe sein Wort nicht gehalten. Jetzt werden wir verurtheilt, weil wir gesagt, das sächsische OberappellationSgericht sei nicht von korrupten Mo� tiven beeinflußt worden. Hätten wir gesagt, es wäre von kor rupten Motiven beeinflußt worden, so hätte man uns erst recht verurtheilt. Wie kommen wir auS dieser Zwickmühle heraus? Wie sollen wir, um deS Himmelswillen, unS ausdrücken, um nicht verurtheilt zu werden? Jedenfalls aber hegen wir den auf- richtigen und ttäftigen Wunsch, sie möge ein klein wenig dün- ner sein, die Binde, welche die ehrsame Göttin Justizia vor den Augen hat. vollscbmiereii; der Müller bringt's in 33 Zeilen fertig und zwar Kost leres Vol °°ll> f4re Hera kakti darf Dur lenni Rit soll las llkÜI ute »es er, übe iese »och M Merlin, 16. Juli.(Telegraphische Depesche.) Arbeiter, gedenkt der strikenden Weber Berlins! Die dortigen Fabrikanten nehmen drohende Stellung! Der Bundesvorstand. Wider den„Sprechsaal". „Unter freundlicher Mitwirkung von Aug. Klimke redigirt von Fr. Jac. Müller" kommt jede Woche einmal in Coburg der„Sprechsaal",„Organ für die Porzellan-, GlaS- und Thon- waaren-Jndustrie", zur Welt. Wir haben bisher dieses Blättchen, daS von etwa 1000— 1500 Arbeitern gelesen wird, nicht sonder- lich in's Auge gefaßt, da eS mit Originalartikeln äußerst dürftig versehen war und seine Spalten zumeist aus verwandten Organen peiste. Wir lasen von Reise- und Krankenunterstützungen und bemerkten, daß die Hirsch-Dunckersche„Harmonie" stark in dem Blatte spucke, wie denn auch Bourgeois- und Arbeiterannoncen „harmonisch« zusammen stehen. Damit war's gut! Plötzlich jedoch scheint in den Fr. Jac. Müller und den reundlich mitwirkenden Klimke ein unsauberer Geist gefahren zu ein! Der Müller und der freundlich mitwirkende Klimke— o Wunder! *) Eigentlich schreibt sich der betr. Biedermann Pohland, was wir hiermit berichtigen. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" behauptet in ihrem denunziatorische» Eifer, wir hätten diesen Jrrthum„absichtlich« be- gangen.„Absichtlich«— in welcher Absicht, lieber Herr Kollege? Biel- leicht können Sie un» mit einem möglichen oder unmöglichen Motiv aus- warten. Wir finden kein».— ttiegen es satt, fremde Artikel abzudrucken— sie wollen selbst welche schreiben! Weltbewegendes Ereigniß! Und was schreiben sie, der Müller und der freundlich mitwirkende Klimke? „Arbeit und Schwindel!" Dies Thema klügeln sie heraus — und—„daS ist noch nicht dagewesen!"— bemerkt reundlich mitwirkend Herr Klimke. Geduld, mein Herr, auch Sie haben ihren Ben Akiba. „Unsere Zeit hat so viel Neues, Unerhörtes zu Tage geför dert, daß Einer darüber fast den Kopf verlieren könnte. Deutt nur an die Unfehlbarkeit des Papstes, die an die heidnische Götterlehre erinnert, oder an den Sttick des kleinen Grafen Stol- berg, an dem der große Bismarck hängen soll, oder auch an die wunderbare Freundschaft der Ulttamontanen und Sozialdemotta- ten, die ungefähr so zusammenpassen, wie die Katze und die Maus. Die Katze fraß schließlich die Maus, als die Freund- schaft zu Ende war. Mögen sich die Sozialdemokraten dies zur Lehre nehmen, denn sie könnten füglich zuerst verspeist werden, wenn die schwarze Bande obenauf kommt." So unrecht hat nun dieser Herr Müller nicht, denn trotz der freundlichen Mitwirkung von Herrn Klimke verliert er hier, wie er oben gesagt, vollständig den Kopf. Nachdem er dieses wichtige Denkmöbel aufgegeben, erscheint ihm die„Freundschaft der Ulttamontanen und Sozialdemottaten" wunderbar. Geschwind bolen Sie Ihren Kopf wieder, Herr Müller, es könnte Jemand lachen, und das ist für kopflose Gesellen sehr unangenehm. Wir danken für den guten Rath, uns nicht von den Schwarzen fressen lassen zu sollen und dringen, während Herr Müller, hoffentlich unter freundlicher Mitwirkung von Klimke, seinen Kopf sucht, weiter in das grause Labyrinth seines Gedankenganges ein. „Doch ich plaudere stets von anderen Dingen", sagt noch kopflos Herr Müller. Er geht deßhalb, indem er das Geberden- spiel eines Gelehrten nachzuahmen sucht, auf den„Schwindel" ein und schildert in 33 Zeilen den ganzen„Schwindel" der -n >icht n Rit «d lich eile ir llle md. ach wn - och ar xifs lnse mit„gelehrtem" Anstrich! Ja, das ist ein Manu!"(Vbila an homme!) Der Kopf scheint nun bald gefunden zu sein; aber auf- gesetzt hat ihn„unser Müller" noch nicht wieder. Jetzt holt er tief Athem und bläst folgenden gepreßten Stoß- seufzer, natürlich aus„Humanität", in die weite Welt hinaus: „Und was dachtet ihr wohl, ihr Männer der Arbeit, wenn ihr dieses tolle Treiben aus der Ferne ansähet? Ihr, die ihr von Jugend auf nichts Anderes gelernt, als daß der Mensch arbeiten muß, um sich ehrlich zu ernähren. Wie war euch zu Much«, wenn ihr hörtet oder in den Zeitungen laset, daß Mancher in Zeit von acht Tagen ohne alle Arbeit wirklich Hunderttausende gewonnen hatte und in glänzender Equipage daherführ und Cham- pagner-DinerS gab, während ihr bei der angestrengtesten Arbeit kaum die tägliche Nothdurft für Weib und Kind � erschwingen konntet?. Regte sich da. nicht bisweilen der Un- iuf« mulh in eueren Herzen? Blicktet ihr nicht vielleicht mit Neid auf verd die reichen ParvenuS, auf die vornehmen Tagediebe, denen die de» irdischen Glücksgüter wie der goldene Regen der Dance im Schlaf �en auf den Kops gefallen war? Wäret ihr nicht in Versuchung, tue wenn ihr Abends müde und matt von der Arbeit nach»ng Hause zurückkehrtet und mit einfacher Kost eueren Hun- üse! ger stillen mußtet, voll Erbitterung gegen alle Reichen älti die Härte und Ungerechtigkeit des Schicksals anzu- � en klagen?« Welch zarte Gefühle er auf Lager hat, der Herr Müller! Ja, er meint es wirklich gut mit den Arbeitern, er kennt ihr Elend und fühlt es mit ihnen, er weiß, daß es die vornehmen Ta- gediebe sind, die dem Arbeiter sein trauriges Laos aus Erden bereiteten. Ein braver Mann! Dank der freundlichen Mitwirkung des Herrn Klimke scheint der abhanden gekommene Kopf wieder gefunden zu sein. Aber o weh! Herr Müller verliert den Kopf sofort wieder. Nachdem er den nagelneuen Satz aufgestellt:„Arbeit und Schwin- 5th del sind Gegensätze!"— Ben Akiba!— kommt er darauf zu sprechen, daß Arbeil und Kapital zusammengehören,— Ben Akiba!— macht die für einen Müller nicht sonderbare Bemer- kung, daß der Kapitalist die bewegende Kraft sei, der Arbeiter der Maschine gleiche und stimmt dann, wahrscheinlich um die für ihn etwas schroffen„vornehmen Tagediebe" wieder gut zu mache«, folgenden Hochgesang an: „Der Grund, warum zwischen beiden Theilen eine lauge Reihe von Jahren hindurch keine rechte Einigkeit herrschte, warum na- mentlich die Arbeiter das Kapital anfeindeten und in ihm ihren natürlichen Gegner erblickten, lag unstreitig in der harten und ungerechten Behandlung, welche die Arbeiter in ftüherer Zeit von Seiten einzelner Fabrikherren erdulden mußten. Diese Thal- fache ist nicht zu leugnen. Die Kapitalisten wollten aus dem Ka- pital, das sie in Fabriken und industriellen Unternehmungen an- gelegt hatten, die möglichst hohen Zinsen herausschlagen und beu- teten demzufolge in einseitigem, aber falsch verstandenem Interesse die Arbeitskraft der armen schutzlosen Arbeiter, ohne sich um deren Wohl oder Wehe im Mindesten zu kümmern, aus unverantwort- liche Weise aus; sie behandelten dieselben wie eine Cittone, die mau auspreßt und fortwirft, wenn sie keinen Sast mehr hat. Das ist heutigen Tages nicht mehr der Fall, es hat sich geändert, die Kapitalisten haben als gebildet« und ein- sichtsvolle Männer ihren Jrrthum erkannt und die rich- tigen Wege eingeschlagen, welche �ie Solidarität der mate-°rbe riellen Interessen ihnen vorschreibt. Ja, der Spieß hat sich jetzt»ssc beinahe umgedreht, die Lage der Arbeiter ist in Folge verschiedener lit zusammenwirkender Umstände, auf die ich nicht weiter eingehen"n will, eine äußerst günstige geworden, und Viele unter ihnen sind heutige« TageS besser daran, al« ihre Brod- Herren, die mit Sorgen nnd Schwierigkeiten aller Art zu kämpfen haben. Aber die frühere Zeit hat in den Herzen der Arbeiter einen Stachel zurückgelassen, der nicht so leicht her- auszuziehen ist, und, nicht an logisches Denken gewöhnt, werfen sie noch immer die Schuld des Einzelnen auf das Ganze und ver- wechseln den Kapitalisten mit dem Kapital. Wenn daher die Maulheldeu der Sozialdemokraten, die sich„Volksbeglücker" nen- nen, die Parole ausgeben:„Krieg dem Kapital!« so fällt der ge- dankenlose Haufe im Chor ein:„Ja, nieder mit dem Kapital!" „Allmählig wird dieses thörichte Feldzefchrei wohl verstummen, die Arbeiter werden ebenso, wie die Fabrikherren, nach und nach zu besserer Einsicht gelangen und sich von den Führern der So- zialdemottaten, die aus egoistischen Beweggründen die Hetz- jagd fortsetzen, nicht länger am Narrenseil nachschleppen lassen. Sie werden erkennen, daß Arbeit und Kapital zusammengehören, wie zwei Brüder und Freunde, und daß das Kapital, wenn es küd bisweilen in den Händen übel wollender Männer gemißbraucht Rzi worden, daran ebenso unschuldig ist, wie das Messer des Mörders, daS einen Menschen erstochen hat." Anner, armer Müller! Der Kopf ist spurlos verschwunden! Wie ttesfend schildert er das heutige Verhältniß zwischen Fabrik- Herren und Arbeitern, wie scharf hebt er die Hilflosigkeit des Ar- beiters hervor, der wie eine ausgepreßte Zitrone weggeworfen wird, und das AlleS verlegt er in eine frühere Zeit. Ins Mittel- alter wohl, Herr Müller? Die„vornehmen Tagediebe" wer- den mit einem Mal„gebildete einsichtsvolle Männer", die überhaupt nur zum Wohl der Arbeiter ihre modernen Zuchthäuser errichtet haben. Und sie sind noch schlimmer dran, als ihre Ar- beiter! Während die Arbeiter Droschken fahren und Champagner trinken, muß der Fabrikant in einer Dachkammer ttockneS Brod essen, nicht wahr, Herr Müller? Ach diese gutherzigen Leute, diese Fabrikanten, die nur existiren und produziren, damit ihre Arbeiter ein luxuriöses Leben führen können, sich selbst aber mit dem be- kannten„Entbehrungslohn" begnügen! Herr Müller redet auch von„logischem Denken", da« den Ar- bessern fehle,„welche das Kapital mit den Kapitalisten verwech- eln«.„Wenn daher«, sagt er,„die Maulhelden der Sozial-De- mottatie"— wir schenken dem kopflosen Müller seine Schimpfereien —„die Parole ausgeben:„Krieg dem Kapital!", so fällt der gedankenlose Haufe— hört, ihr Arbeiter!—„im Chor ein: Ja, nieder mit dem Kapital!" Herr Müller, der von„logischem Denken" spricht, ist in dieser Sache hinter dem letzten Arbeiter zurück. Alle Arbeiter wissen, daß Kapital im oben angegebenen Falle nichts Anderes bedeutet als Kapitalismus� Der kopflose Herr Müller aber, der da glaubt, die Sozialdemokraten woll- ten das Kapital„vernichten", dokumentirt fein„logisches Denken« mit folgendem Satz:„Kapital, wenn es gemißbraucht worden, ist daran eben so unschuldig, wie das Messer des Mörders am Morde".— Ben Akiba!— Also weiß Herr Müller wirklich nicht, daß unter„Kapital" im obigen Fall der Kapitalismus verstanden ist. Und dieser Abc-Schütze will uns„kritisiren"! »de ir v! an in« wr n äse w) tchl au au vri 'er di st- ra IN! äö did dt !ei ell el >hl Arbeiter, die ihr den„Sprechsaal" lest, erkennt ihr nun, welche Kost Euch geboten wird? Euere Pflicht ist es und in Euerem In- iaesse liegt es, gegen eine solche Redaktionsftihrung, welche die Volksverdummung, die Berdummung der Arbeiter im »ollen Sinne'des Wortes anstrebt, zu protestiren. Wo solche Nichtswisser, die nicht fähig sind, einen lesenswerthen Artikel zn treiben, an der Spitze eines Blattes stehen, da kann nichts Gutes herauskommen, trotz aller„freundlichen Mitwirkung". Die Re- Aktion eines ArbeitcrblatteS, das wirklich ein solches sein soll, �arf nicht vor den Bourgeois kriechen und den Arbeitern blauen Dunst über ihre„glücklicbe Lage" vormachen. Das mögt Ihr er- kennen und Euch zu Herzen nehmen! Gewerksffenossenschaftliches. Allgemeiner deutscher Schneiderverein. Zlürnverg, 18. Juli. Collegen! Die Zeit rückt heran, wo »llfs Neue in den Bau unserer Organisation ein Stein eingefügt Verden soll. Die Generalversammlung steht vor der Thür, Man- des ist im vergangenen Geschäftsjahr geschaffen worden, und die f Generalversammlung soll, wird und muß Neues schaffen; ein lwes Feld der Agitation soll und wird durch Generalversamm- ungSbeschluß eröffnet werden. Die Agitation muß energischer, Äseitiger betrieben werden. Biete Mitgliedschaften stehen, im Ber- ältniß zu der dort anwesenden Arbeiterzahl, noch auf sehr schwa- en Füßen, und hier ist es Hauptaufgabe der Generalversammlung, stittel und Wege zu finden, welche zu besseren Resultaten führen. ollcgen bedenkt, daß nicht blos unser Wohl oder Wehe, sondern as unserer Frauen und Kinder, unserer Nachkommen, das der Mnftigen Generationen davon abhängt. Nur durch eine feste, ute Organisation des Proletariats ist es möglich, der Herrschast Es werden den Kasstrern in der nächsten Zeit Abrechnungs- chiulare zugesandt werden, die dann bloS auszufüllen sind. In timar zahlt Reiseunterstützung: Ernst Heidrich beim Hosschuh- �cher Woche am Bornberg. Landshut als Mitgliedschaft ange- tldet. Mannheim in Aussicht. Abrechnung über eingegangene Uder erfolgt am Schluß jeden Monats. Kollegen allerorts! »ht Euch. Mit Brudergruß. Für den Verwaltungsrath: W. Bock. NB. Die Mitgliedschaften, die noch im Rückstände mit Bei- ägen sind, werden gebeten, Abrechnung einzusenden. Wie stehtS lt Wiesbaden? Comspondenzen. Merlin. Collegen Deutschland's! Wir Alle haben das gleiche Interesse, uns in ganz Deutschland zu vereinigen und im Ganzen kräftig zu wirken. Um den Bestrebungen unsrer Arbeitgeber, welche dahin zielen, uns schon erworbene Freiheiten wieder zu nehmen, kräftig entgegen zu treten, bitten wir alle schon bestehenden Ver- eine, unS ihre Adressen und Statuten einzusenden und überall, wo noch keine Vereine bestehen, solche zu begründen und sich uns anzuschließen, wozu wir Euch mit allen Mitteln gern unterstützen wollen. Collegen Deutschlands! Seid zur Stelle.„Einigkeit macht stark." Denn nur im großen Ganzen können wir unsren Arbeit- gebern mit unsrer gerechten Sache entgegen treten. Sämmtliche Adressen und Anfragen sind einzusenden an Herrn Schulz in Berlin, Mariannenstraße 19,.4 Treppen. Mit collegialischcm Gruß und Handschlag Der Vorstand des Vereins der Berliner Klempner. Alle arbeilerfreundlicken Blätter werden ersucht, diesen Auftuf in ihre Spalten auszunehmen. Kamvurg. Die in Nr. 60 des„Volksstaat" abgedruckte Er- klärung unseres Parteifreundes Herrn Baurath Demmler bildet noch immer ein stehendes Thema in Arbeiterkreisen. Man fteut sich über die Lektion, die der alte Sozialist den Meistern ertheilt hat. Wenn übrigens gesagt wurde, es sei fraglich, ob der„Corre- spondent" die„Erklärung" abdrucken würde, so muß dies dahin beiihtigt werden, daß das„Amtsblatt" dieS sofort gethan hat, und wenn der„Neue Sozialdemokrat" darüber schreibt, daß daS Blatt bissige Bemerkungen dazu gemacht, so müssen wir doch konstatiren, daß dies nicht wahr, und daß die Herren vom„Neuen" am aller- wenigsten das Recht haben, über diese sogenannten„bissigen Be- merkungen" sich aufzuhalten, weil sie selbst denselben Baurath Demmler als Mitglied der Internationalen und„Eisenacher Ehrlichen" mit Johann Zacoby und andern„Halbsozialisten und Bourgeoisdemokraten" in fanatischer Weise mit bissigen Bemerkungen traktirt und als Verräther an der Arbeitersache Die- sen so wie jeden Andern erklärt, der nicht an die alleinseligmachende Organisation des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vereins glaubt, oder die Unfehlbarkeit der Berliner Robespierres und der Sckreiber ä in Marat bezweifelt, mit einem Worte, wer der Knüppel-Theorie der Dreieinigkeit von der Dresdenerstraße 6S nicht huldigt. Noch wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß auch andere Harn- burger Blätter, sogar die„Reform", die Erklärung gebracht haben, nachdem der„Correspondent" den Anfang gemacht halte. Nur die Hamburger Nachrichten" verweigerten unter den albernsten Aus- flüchten selbst dann noch de» wörtlichen Abdruck, sogar als bezahlte Annonce, als Herr Baurath Demmler dem Wunsche der Redaktion des„liberalen" Blattes soweit nachgekommen war, und sich schriftlich verpflichtet hatte, für Alles die Verantwortung zu über- nehmen. Da Herr Demmler auf die ihm von der hochgelahrten und wohlweisen Nachrichten-Redaktion zugemutyete Beschneidung seiner Erklärung ablehnend antwortete, dieselbe also nicht abgedruckt wurde, sind die 10 Thaler, die das Inserat gekostet hätte, den ausgesperrten Maurern und Zimmerern zu Gute gekommen. Auch die namenlosen Gelehrten des hiesigen„Fremden-Blattes", die ein nierkwürdigeS Talent haben, dem Hamburger Spießbürger- thum vor den„Lassalleanern" gruselig zu machen, witterten mit dem Instinkt gewisser Thiere sofort das„gefundene Fressen", wel- ches durch die Veröffentlichung der Erklärung den nach Neuigkeit herumlungernden„Preßpiraten" geworden war. „Wie kann unser Amtsblatt es wagen, die Erklärung eines Herrn Hofbaurath Demmler an hervorragender Stelle abzudrucken, ohne dieselbe zu widerlegen, das hieße ja dem Manne zustimmen und den Gesellen Reckt geben. Dazu ist doch das„Amtsblatt" nicht da, wenn es noch gleich uns, den größten Capacitäten auf allen noch nicht entdeckten wissenschaftlichen Gebieten, auf die Ar- beiter geschimpft hätte, dann könnte man sich noch beruhigen. Wer ist denn dieser Demmler, wer kennt ihn? Was will er weiter, als Reklame für sich machen?" Glückliche unwissende Leute, diese Gelehrten vom„Fremdenblatt". Wenn ihnen der„Correspon- dent" anräth, erst lesen zu lernen, so müssen wir denselben empfeh- len, sich bei den Maurer- und Zimmergesellen zu erkundigen, wer der„ein Herr Demmler" ist. Und um doch Etwas zur Bereicherung ihrer Kenntnisse beizutragen, wollen wir hinzufügen, daß von einer Reklame schon deshalb nicht die Rede sein kann,«eil Herr Hof- baurath Demmler selbst in seiner Erklärung von ftühcrer architek- tonischer Bauthätigkeit spricht. Es bleibt also schon dabei, waS der„Correspondent" sagt, die Gelehrten vom„Fr.-Bl." sollen erst richtig lesen lernen, ehe sie um Dinge sich kümmern, von wel chen sie absolut nichts verstehen. Kamvurg, 17. Juli. Zur Beachtung. Wir zeigen hierdurch an, daß der Strike der Schiffszimmerer von der norddeutschen Werft in Kiel als aufgehoben betrachtet werden kann, insofern die Leute auf der königlich-kaiserlichen Werft und anderswo Be- schäftigung annahmen. Wir ersuchen aber allen Zuzug von der norddeutschen Werft fern zu halten. Abrechnung folgt. Der Ausschuß des Allg. deutschen Schiffszimmerervereins: G. Rümpel. Loburg. Das am 6. ds. Mts. vom herrlichsten Wetter be- günstigte allgemeine Arbeiterfest verlief zur Zuftiedenheit Aller. Herr W-Bock aus Gotha hielt die Festrede und Abends einen ernsten Vortrag. Beide Thema,„Reich und Arm",„Klassenherr- schaft und die Arbeiterbewegung" befriedigten allgemein. Redner wies nach, daß die Arbeiterbewegung keine künstlich gemachte, son- der» durch Elend und Roth der Arbeiter und durch die Korruption der heutigen Gesellschaft bedingte sei. Auch trug der Festredner einige Gedichte unter allgemeinem Beifall vor; kurz, die Stimmung war eine ernst gehobene, und wir könnten das Fest als ein gc- lungeneS bezeichnen, wenn eine Massentheilnahme stattgefunden hätte. So waren aber nur circa S00 Personen anwesend. Jeden- falls haben die geschickt im Umlauf gesetzten Gerüchte und Ver- leumdungen unserer Gegner ibrc Schuldigkeit gethan. Ein neuer Beweis, wie man dem Arbeiter jeden Lebensgenuß verbittert. Nun gut, die Arbeiter in Coburg werden sich's merken. Von ftemden Parteigenossen waren nur von Sonneberg 14 Mann erschienen, die übrigen Orte hatten uns auch im Stiche gelassen, was wir lebhast bedauern müssen. Kof, 16. Juli. Zum hiesigen Weber-Sttike. Es wird immer schlechter; es langt nicht mehr zu! �Dies war hier ebenfalls der Schrei, welcher unter der Arbeiterniasse zu vernehmen war. Dieser Schrei war es auch, welcher die Arbeiter in der hiesigen mechanischen Weberei veranlasste, bei ihrem Obermeister um eine Lohnerhöhung zu bitten. Die Antwort war, man habe bisher immer den Lohn ohne Aufforderung so geregelt, daß die Arbeiter auskommen könnten, und man werde dies auch ferner befolgen. In gut deutsch über- setzt, lautet diese Antwort: wir geben nicht mehr. Nun sind unter den Arbeitern Einige, die sehr wohl wissen, daß eine Lohnerhöhung, so lange sie hier arbeiten, und es gibt deren, die ihre 15 bis 16 Jahre in dieser Fabrik verbracht, nicht stattgefunden hat. Im Gegentheil ist für gewisse Artikel abgezogen worden. Artikel, wo- für man etwas mehr gab, sind beseitigt, oder schwerer gemacht worden, so daß das Zugelegte immer wieder für den Arbeter verloren ging. Kurz, die Arbeiter waren dadurch nicht zufrieden gestellt; man berief nochmals eine Bcrsammluug ein, in welcher beschlossen wurde, an daS Direktorium sich wenden zu wollen. Man einigte sich nach längerer Debatte dahin, LS Proc. Lohn- erhöhung und llstündige Arbeitszeit zu verlangen, sprach auch zu- gleich den Wunsch aus, das Direktorium möge nach zwei Tagen eine bestimmte Antwort durch Anschlag in den Fabriksälen abgeben. Allein, dem Obermeister Wann er war dies zu viel; er konnte eS nämlich nicht begreifen, daß seine Arbeiter aus einmal so böswillig werden und seine abgegebene Erklärung bezweifeln konnten. Er ließ daher 6 der ältesten Arbeiter kommen und verlangte von ihnen zu wissen, wer eigentlich der AufHetzer sei, doch er mußte sie un- verrichteter Sache wieder entlassen, gab ihnen jedoch die nochmalige Erklärung mit, daß sie(die Direktion) gegenwärtig nicht im Stande sei, etwas zulegen zu können. Zum Beweis dessen zeigte Wanner den Arbeitern mehrere Bücher und bemerkte noch, daß gegenwärtig die Geschäfte schlecht gingen. Ferner sprach er den Wunsch aus, nicht wieder solche„Buben" als Deputirte zu ihm zu schicken. Die 6 Mann kehrten also mit diesen Bescheid wieder an ihre Arbeit zurück. Die Arbeiter, insgesammt neugierig auf das Resultat der Verhandlungen, gingen gruppenweise an die Deputirten heran, wo ihnen natürlich nur eine verneinende Antwort aus ihre Eingabe zu Theil wurde. Auf dieses hin legten sämmtliche 420 Ar- beiter die Arbeit sofort nieder. Dies brachte den Obermeister Wanncr nur noch mehr in Harnisch, so daß derselbe die ent- ehrendsten Worte gegen die Arbeiter ausstieß. Ein Saalmeister schlug sich mit seinem Bruder, welcher fortarbeiten sollte; der Kutscher des einen Direktors postirte sick mit der Peiffche in der Hand vor die Thür des Fabrikgebäudes; ob es nur aus Neugier oder aus anderer Absicht geschah, soll hier uuuntersucht bleiben; daß das Alles jedoch angethan war, die Arbeiter nur noch mehr auf- zuregen, kann wohl Niemand bestreiten. In einem Wirthschafts- lokal wählte man eine Deputation von 15 Mann, welche sofort niit der Direktion nochmals in Unterhandlungen treten sollte. Die- selbe kam jedoch nur zu Obermeister Wanner, welcher sich be- klagte, daß seine Arbeiter auf einmal so ungehorsam würden u. s. w. und er könne jetzt nichts machen. Mit dieser Erklärung kehrte die Deputation wieder zurück. Auf dieses hin wurde der Strike in Permanenz erklärt. Lieuig, welchen man aus seiner Wohnuug herbeiholen ließ, ertheilte der Versammlung Rathschläge, um in ge- ordneter Weise aushalten zu können. Man wählte ein definitives Strikekoniitö, eine Ordnungsmannschaft— kurz, man regelte die Sache auf das Beste, so daß bis zu Ende des Sttites, welcher nun bereits 3 Wochen dauert, und so zu sagen über Nacht gekom- men, denn Niemand dachte daran, daß hier einmal so etwas vor- fallen könne, keinerlei Störungen vorgefallen sind.— Es habe» im Lause des Striks verschiedene Verhandlungen zwischen dem Comits und der Direktion stattgefunden, wovon auch eine geeignet war, den Strike unter günstigen Bedingungen zu beendigen. Die Verhandlung nahm folgenden Verlans: Herr Obermeister Wanner ließ brieflich das Strike- Cornite zu sich bitten, und erklärte diesem, bei den jetzigen gedrückten Geschäftsverhältnissen sei es unmöglich, mehr Lohn geben zu können, er gab jedoch sein Ehrenwort, in 4 Wochen, wenn lohnende Aufträge einliefen, den Arbeitslohn aufbessern zu wollen. Ferner gab er die Erklärung ab, daß er ein Schriftstück besitze, worin das Direktorium ebenfalls erklärte, in vier Wochen den Lohn erhöhen zu wollen. Dies Schriftstück gebe er jedoch erst dann heraus, wenn die Arbeiter unter diesen Bedingungen sofort an die Arbeit gingen. Nachdem Wanner ebenfalls auf Ehrenwort erklärte, keinen Arbeiter maßregeln zu wollen, begab sich die Deputation wieder zurück in die Versammlung, welche beschloß, sofort anzufangen, wenn die in Aussicht gestellte Lohnerhöhung schriftlich zugesichert würde und man schickte gleich einige Mann nach dem betreffenden Schriftstück. Obermeister Wann er gab es auch sofort heraus. Boller Freude über dieses Resultat begaben sich die Abgesandten wieder auf den Weg nach dem Versammlungs- lokal; unterwegs noch wurden sie aber wieder zum Obermeister zurückgerufen und mußten dort das Schriftstück wieder abgeben, wofür ihnen ein anderes eingehändigt wurde, indem die Zurück- nähme des Versprechens angezeigt wurde. Was die Herren zu diesem Wortbruch veranlaßt, war der Umstand, daß mehrere Ar- beiter sich bei Obermeister Wann er zur Arbeit ausschreiben ließen, trotzdem doch beschlossen war, daß alle insgesammt auf das Ver- sprechen des Direktoriums hin wieder anfangen wollten zu arbeiten. Allein, das Direktorium hatte schlecht spekulirt. Denn daS Brechen des Ehrenworts und ConttakteS rief unter den Arbeitern einen allgemeinenen Sturm des Unwillens hervor. Und man beschloß weiter zu striken. Doch sollte dies nicht lange dauern. Die Unter- stützungen, so reichlich sie auch einliefen, reichten nicht aus, um der dringendsten Roth abzuhelfen, so daß nach und nach inuner mehr wankelmüthig wurden; zuletzt kam ein Arbeiter auf die Idee — vielleicht war er auch heaustragt— diejenigen, welche arbeiten wollen, aufzuschreiben(der Arbeiter heißt Küffner), und richtig, eine Anzahl Gimpel gingen auf die Leimruthe. Dies Alles ließ den bis dahin Feststehenden keine andere Wahl, als die Arbeit wieder aufzunehmen. Gestern, den 15., wurde nochmals eine Versammlung einberufen, in der von 420 Arbeitern etwa 200 anwesend waren. Nimmt man an, daß 20 abgereist und etwa 40 bei den hiesigen Bürgern beschäftigt waren, so blieb immer noch eine große Zahl, welche sich schon angemeldet hatte, und selbst unter den 200 war die Hälfte wankelmüthig. Die Versammlung wählte eine Deputation von 3 Mann, welche sich mit einem, vom Comitö verfaßten Schriftstück zum Direktorium begab; da dasselbe nicht zu sprechen, nahm der Obermeister Wanner das Schreiben in Empfang und gab nun seine frühere Ehrenerklärung all, in 4 Wochen mehr Lohn geben zu wollen, sowie keinen Arbeiter zu maßregeln. Leider hätte dann keiner anfangen dürfen, denn es brauckt Niemand mehr daran zu zweifeln, er hat es in der That gebrochen. Als heute früh der Arbeiter H. Heller zu arbeiten an- fing, wurde ihm erklärt, daß er keine Arbeit mehr bekomme. Nun, dieser braucht sich kein graueö Haar darüber wachsen zu lassen, indem er erstens guter Arbeiter und zweitens feit langer Zeit Ge- nosse der Gewerkschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter ist. Den Arbeitern jedoch, welche noch an Humanität solcher Herren glaubten, die noch mit dem Gedanken sich schmeicheln, der liebe Gott und unsere Direktoren sorgen schon für uns, wird wohl nun gründlich der Staar gestochen fem. Wie nun also Einzelne durch ihren Egoismus, sowie die Roth gezwungen worden waren, die Herren wieder aufzusuchen, so war dies jedoch nur eine Folge des jahrelang betriebenen Systems, wonach man z. B. fast jeden Arbeiter zwang, einem Vergnügungsverein beizutreten, sowie den letzten Kreuzer abnahm uni nur der Welt gegenüber sagen zu kön- neu, man habe eine Sparkasse eingerichtet uud so und soviel Tau- send Gulden darin, und so und soviel Tausend Gulden im Geschäft stecken, welches man ja nicht zu verzinsen brauchte. Ist es»ich Endlich, den Arbeitern, die nun nach einem halben Jahr ihr abgedrungenes Geld wieder herausverlangten, keinen Kreuzer Zinsen zu bezahlen? Ist das nicht Wucher in empörendster Weise? Da war z. B. am Tage der Arbeitseinstellung kein Kreuzer vorhanden, um auch nur ein GlaS Bier sich zu kaufen— und dennoch eine Kvaikane! Welrf»? ftrnnip! Wurde nickt friiber alte» mefrfie einem Sparkasie! Welche Ironie! Wurde nicht früher allen, welche einem in der Fabrik beliebten Verein nicht angehören wollten, mit Kündigung gedroht? Durfte Jemand überhaupt einer politischen Partei angehören, der Gewerksgenossenschaft? Durch diesen Strike ist so manches an den Tag gekommen, was man stüher für Gold ansah, jetzt hat sichs als leerer Schein entpuppt. Da hat nian z. B. in der Fabrik einen Buchhalter, Namens Kraust, der nebenbei einen Schnittwaarenhandel betreibt; derselbe wollte am Tage der Abholung des rückständigen Lohnes, sowie der Sparkasse. welche die Arbeiter inSgcsammt heraus verlangt hatten, so mir nichts, dir nichts 1400 st. Abzüge machen. Fortuna hatte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht und er erhielt nur soviel, wie er an jedem Zahltag zu erhalten hatte. Was mag außer dem noch der Schneider, Schuhmacher, Metzger, Bäcker u. s. w für Forderungen haben? Und dabei doch eine Sparkasse— freilich nicht für die Arbeiter-— nein, für die Bourgeois, für die faulen Bäuche und-- lieber Leser, paß auf-- ohne Zinsen bezahlen zu müssen. Freilich hier wars die beste Strike-Kasse! Noch eine Episode müssen wir erwähnen, die wahrhaft schrecken erregend ist. Die letzte Deputation überreichte ein Schriftstück, in welchem folgende Stelle vorkam:„wir legen vier Wochen Elend zu den Füßen unserer Herren und werden nach Verlauf dieser Zeit wiederkehren mit derselben Bitte", auch diese Stelle wurde beanstandet und von den Arbeitern gestrichen. Die Arbeiter fingen also so zu sagen bedingungslos wieder ihre Arbeit an. Wie dem nun auch sei, durch diesen fast aus der Luft ge- komuienen Strike hat der Arbeiter sich von der Humanität seiner Herren überzeugen und ihre Menschenliebe kennen zu lernen Ge legenheit gehabt und mancher, der bisher den Kreisen der Arbeiter bewegung fern gestanden, wird sich enger und enger an die große Masse anschließen. Darum, Arbeiter, tretet alle den Genossen schaften bei— organisirt Euch! Jakob Jena. blB. Etwaige Unterstützungen für unser thätigcs Mitglied H. Heller wolle man senden an H. Heller, Hof, Lorenzsteig Derselbe ist verheirathet und im Besitz einer zahlreichen Familie dabei im vorgerückten Lebensalter stehend, so daß es ihm nicht so leicht ist, den Wanderstab zu ergreifen. Würzvnrg. Am 23. Juni, Abends 8 Uhr, hielten wir eine Arbeiterversammlung ab. Tagesordnung: Ziele der Arbeiterbe wegung, Referent: Herr Demmler aus Geier. Die Versammlung war von circa 300— 400 Arbeitern besucht. Klar und deutlich in chronologischer Reihenfolge bis ins kleinste Detail eingehend er- örterte uns Hr. Demmler in fast zweistündiger Rede die Ent- Wickelung der Großindustrie darauf hinweisend, daß im Ent- wickelungsgange der menschlichen Kultur Alles und Jedes bis zu einer gewissen Zeit nur nützen, dann aber, sich gleichsam überlebend, nur noch zum Unheil der Menschen epistiren könne. Wie z. B. das Privatkapital. Redner wies durch schlagende Beispiele nach, wie die Entstehung und Vervielfältigung der Maschinen die Lage der Arbeiter eher verschlimmert als verbessert habe, dagegen den Großindustriellen den Geldsack füllte. Er wies auf die Unzu länglichkeit der Schulze-Delitz'schen Spar- und Konsumvereine hin und bewies, daß die Strikes die Folge der heutigen Gesellschafts- Verhältnisse wären. Er ging dann auf das politssche Gebiet über und beleuchtete in trefflicher Weise unsere heutige Gesetzgebung, die nur zu wünschen übrig läßt, daß sie bald anders werde; er er- mahnte schließlich alle Arbeiter sich brüderlich zu vereinigen und politisch zu bilden, die Arbeiter sollten mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln für ihre gerechte Sache wirken, damit dereinst die Enkel wenn sie an den Gräbern der Voreltern stehen, sich mit Stolz ihrer erinnern könnten. Nachdem Herr Demmler geendet, bestieg Vertrauensmann Weckeffer die Tribüne und forderte zu Gewerkschaftsvcrbindungen und zum Eintritt in die»fozialdemo- kratische Arbeiterpartei aus und schloß dann der erste Vorsitzende Herr Zink kurz vor 12 Uhr die Versammlung. Hoch die Sozial demokratie. K. M. Deppisch. Aus Suddeutschkand. Etwas über unsere Zeitungs- schreibe?. Daß die meisten Zeitungen und Journale von den Regierungen und dem Kapital abhängen und im Interesse dieser, nicht aber des Volkes schreiben, ist längst bekanut. Selten jedoch ist es, daß ein Journalist selbst dies eingesteht. Einen solchen weißen Raben können wir heut den Lesern vorzeigen. Herr H. Marr, einer der ersten norddeutschen Journalisten, von dem noch jüngst mehrere Aussätze in den ultta-national- liberalen„Grcuzboten" veröffentlicht wurden, sagt Folgendes: „Rund heraus gesagt, wir(die gewöhnlichen Zeitungsschreiber) wir heucheln, wir lügen, wir stehlen, aus Trägheit, Eitelkeit und Gewinnsucht. Wir sind um kein Haar besser als eine Ge- sellschaft von Pfaffen und machen eS mit der Feder gerade wie diese mit ihren Krummstäben. Hätte man es vor 25 Jahren ge- wagt, der Journalistik Ansinnen zu stellen wie sie ihr heut gestellt werden?... Die Käuflichkeit wird offen angekündigt... Wie? und wir sollten noch ein Recht haben uns in die Brust zu werfen? Nein. Wir sind in den Augen aller Nichtdummen Geschäftsleute geworden." Volksvertreter, nicht wahr? Und wer wählt denn diese Vertreter? das Volk, nicht wahr?— Haben nicht alle Luxemburger, welche 30 Franken Steuern bezahlen, das Recht zn wählen? Und die Andern, die keine 30 Franken bezahlen? Ja die, die gehören nicht zum Volke, das ist der Plebs, die haben ja nichts zu verlieren, was brauchen die sich denn um die Gesetze zu kümmern. Uebrigenö sind sie ja doch immer gleich vor dem Gesetze— der Stenern sie brauchen ja nur ihren Theil, 2 oder 3 Prozent vom Gewinn zu entrichten,� gerade wie die Wähler. Und dann sieht ja auch unsere Verfassung einen WahlcensuS vor. Aber besteht denn nicht ein Artikel 1781 des CivilgesetzbucheS, der also lautet:„Dem Dienstherrn wird auf seine Versichennig geglaubt: 1) In Ansehung des Betrages des Lohnes. 2) der Bezahlung für das verflossene Jahr. 3) der für daS laufende Jahr geleisteten Abschlagszahlungen. Also wenn der Dienstherr zum Arbeiter sagt: Ich bin dir nichts schuldig, dann ist der Arbeiter bezahlt, eS ist ihm verboten, sein Recht vor Gericht zu beweisen. Wie stimmt denn dieses mit dem Berfassungrecht, der Gleichheit aller Luxemburger vor dem Gesetze? Ja, man kann doch gewiß den Arbeitern nicht Glauben beimessen, da kämen die Meister schlecht weg. Dies ust die Logik unserer Mastbürger. Aber, heißt eS dann, die Luxemburger Arbeiter haben sich nicht zu beklagen. Wenn sie auch kein Wahlrecht haben, was liegt ihnen daran, es ist vortheilhafter für sie zu arbeiten und Geld zu verdienen, als einen ganzen Tag wegen der Wahl zu versäumen, waS ihnen und ihren Familien doch kein Brod in'S HauS schaffen würde. Und wenn den Arbeitern auch bei Gericht kein Glauben geschenkt wird, so kommen solche Fälle so selten vor, daß e« nicht der Mühe lohnt, darüber zu diskutiren. Wieder recht logisch: Es ist natürlich, daß der Arbeiter lieber seinen Lohn ver- liert, alS noch Prozeßkosten daran zu hängen, die, wie er zum Voraus weiß, ihm nichts nutzen können. Aber das Versammlungs- (Koalitions-)Rccht, wie siehts denn damit aus, und mit der so viel gepriesenen Preßsteiheit? Diese Rechte bestehen doch für die Armen wie für die Reichen.— In dieser Hinsicht allein ist ja Luxemburg ein wahres Eldorado. Recht naiv.— Allerdings haben die Arbeiter das Recht sich zu versammeln— zu religiösen Zwecken. Besteht ja die sogenannte versoffene Rosenkranzgesellschast, wo gerne alle braven, stommen Arbeiter Aufnahme finden und nebenbei acht religiöse und moralische Instruktion, alleS gratis erhalten. Und ist eS nicht ganz natürlich, daß Versammlungen und Koalitionen zu andern— staatsgefährlichen, unmoralischen— Zwecken verboten werden müssen. Deßhalb war es auch ganz in der Ordnung, als unsere Buch drucker-Arbeiter, alS dieselben Strike machen wollten, vom Herrn Staats-Prokurator gerichtlich verfolgt und zu Geld- und Gcfäng- nißstrase verurtheilt wurden. Daraus folgt, daß unsere Verfassung, "o gut wie alle gewöhnlichen Gesetze, eine wächserne Nase hat. Es bleibt uns aber noch immer die durch unsere Verfassung zarantirte Preßsteiheit! In dieser Hinsicht ist gewiß genügend ge- orgt für das Wohl unserer Arbeiter durch unsere 5 oder 6 Mast- bürger-Zcitungen. Daß keine ordnungswidrige, antisoziale, oder irreligiöse Zei- hingen geduldet werden dürfen, dafür sorgt unser Herr Staats- minister, indem er trotz Konstitution und Gesetz den öffentlichen Verkauf solcher Zeitungen untersagt und unsere Gerichte trotz Verfassung und Gesetz den Redakteur einsperren. UebrigenS sorgt unser Preßgesctz dafür, daß ehrliche Mastbllrger nicht etwa beschimpft und verläumdet werden; daS heißt in andern Worten, daß deren Spitzbübereien nicht aufgedeckt werden, indem es bestimmt(Art. 7), daß der Urheber der Beschuldigung zu einer Bertheidiaung keinen andern Beweis beibringen kann, als einen solchen, welcher auS einem Urtheile oder einem sonstigen authentischen Actenstllcke hervorgeht. Wohin würden wir auch gelangen, sagen unsere naiven Mast- bürger, wenn jeder Lump die Handlungen unserer hohen und höchsten Staatsbürger kritisiren dürfte und sich der Strafe entziehen l önnte, indem er den Beweis der Wahrheit seiner Beschuldigungen bringen würde.— Wer könnte da noch ruhig schlafen?! Mit der Gewissens- und Rcligionssteiheit steht es wo möglich noch schlechter, als mit den andern durch die Verfassung garan- tirten Freiheiten. Man gehe nur z. B. in die Spitäler, wo die armen Kranken so lange gequält werden, bis sie die sogenannten religiösen Psiichten erfüllen. Und wer wollte wohl behaupten, daß diese Gewissenssteiheit für unsere Schullehrer, Professoren und andere Staatsbeamte besteht? Gewiß kein vernünftiger Mensch. Bei uns ist die römisch-katholische und apostolische Religion zur Staats- religion geworden. Hatte ich nun nicht recht, zu sagen, daß nicht Etwas, sondern Vieles, ja Alles faul ist im Staate Luxemburg. Und versteht ihr nun, ihr Luxemburger Proletarier, weßhalb nur von wohlhabenden Staatsbürgern gewählte Vertreter die Gesetze machen dürfen? Möge dieses Geständniß den fortschrittlichen und sonstigen Hegen Marr's wohl bekommen, vor Allem aber den sauberem Kollegen| Blättlein, die jetzt zahlreich wie Unkraut in Süddeutschland auf sprießen und heimlich— vom Berliner Reptilienfonds ge tränkt werden! Aus L«ze«Inrg. Es wundert mich sehr, daß sie nie Kor respondenzen aus Luxemburg, dem„gelobten Lande der Bourgeois, der Pfaffen und der Gründer" bringen.*) Ist doch auch Etwas, was sage ich, Alles faul in unserm gesegneten Neutralieu. Wenn diese Zeilen einem unserer Bourgeois, einem unserer Mastbürger, wie Sie dieselben so trefflich bezeichnen, unter die Augen kommen würden, so würde er die Hände über dem Kopfe zusammenschlagen und ausrufen:„Welche Frechheit! Wo ist denn ein Staat, der liberalere Institutionen besitzt als unser Großherzogthum; wo findet man eine freisinnigere Verfassung? Erkennt dieselbe nicht die Gleichheit aller Luxemburger vor dem Gesetze? Preßsteiheit! Ver- sammlungssreiheit! Gewissens- und Rcligionssteiheit! Aber so sind diese Demokraten, diese Sozialisten, diese Kommunisten, diese Petroleure, die Freiheit die sie haben wollen, das ist die Freiheit zu stehlen und zu rauben, unser mit saurem Schweiße erworbenes Gut zu theilen, um dasselbe in Müssiagang, in Saus und Braus zu verprassen." Ja, ihr Mastbürger, Recht habt ihr, diese Demo- krateu sind wirklich schlechte, verkommene Menschen, die nie zustiedcn gestellt werden können. Erkennt ja unsere Verfassung: Gleichheit Aller vor dem Gesetze. Und wer macht denn diese Gesetze? die Gcnossenschaftsbuchdruckerei. Antbeilscheine bez. Antheilquittungen erhielten serner: In StStt H. Pl; 1, E. Ptzl t, in Leipzig Frau A. Mllr 1, in Stuttgart Th. Krsch Dr. A. Mlbbrg 5,(S. Kr. 1, M. Mcbl 1, W. Bckr 2, F. Mr u. Comp. R. Tfl I, A. Knz 1 Tblr. H a d l i ch. Ititßhltf rt Samstag, den 2«. Juli: �VUlpWUlJ Versammlung des soz.-dem. Vereins in der Schützenhalle. Das Erscheinen sämmtlicher Mitglieder ist nothwendig. 1 Sonntag, den 27. Juli, Bormittags 10 Uhr „Parteiversammlung" in der Schützenhalle.— Tagesordnung: Der diesjährige Patteikongrch Anträge zu demselben. Delegirtenwahl. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist da« Erscheinen aller Mit- glieder nothwendig. Im Austrag: K. Hirth. Jniernationale Metallarbeitrrgewertsgenossruschast. xJvllUI Jedm Sonnabend, Abends halb 9 Uhr: Zusam i enkuust bei Macke, Auguststraße 80. Der„BolkSstaat" liegt au«. Mitglieder werden aufgenommen. Der Bevollmächtigte� Berlin 5". c i abonnirt vom 1. Juli ab auf dm„Bolksstaaf monatlich 7'/z Sgr. stei in« Hau», bei den Herren Trai mann, Engeloferstraße 6b, 4 Tr.; Friese, Schwcdterstraße 28, Hof pari.; Mehner, Linimstraße 79; Heinsch, Liudenstraßc 11, Hof 4 Tr. bei Ewest! Reyher, Koppenstr. 26; Schwoide, Stcttinerstr. 43, Hof Part. Mj Allgemeiner deutscher Sattlerdercia. Sonnabend, den 26. Juli, 1873; Lrstes Stiftungsfest in Porst's Salon, Rüdersdorfenstrasze 45. Anfang 8 Uhr. Entre?>/, Sgr. incl. Damen. Billet«» 6 Sgr. find vorher bei Herrn Rolf«, Krausen straße 11 undtlnr in den Eigarrenlädm: Mongbijouplatz 12 und Jnselstraße 10 zu haben(inj Mitglieder und Parteigenossen werden eingeladen. Dn» Berlm ve Mi »ie Der hiesige Volksverein feiert Sonntag, deu 27. d«., seil�a, Zweites Stiftungsfest,»» verbunden mit Borträgen und Festrede, gehalten von Freund Lhser aus*hi Chemnitz. Anfang 4 Uhr. die Die Parteigenossen von Nah und Fern find hierzu freundlichst ein- to geladen. Das Comitö. hss 'c >< tt tfoi hilft Sozial-demokratischer Arbeiterverein. Freitag, den 25. Juli, Abends 8 Uhr, bei Zeidler, grD», Windmühlenstr. 7.— Tagesordnung: 1) Der Charakter der 1848t � Revolution. Ref.: Nauert. 2) Sozialpolitischer Wochenbericht. Ref. Misselwitz. Gäste willkommen. Der Borstand. Leipzig Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 26. Juli, Abend» 8 Uhr bei Zeidler, gr�iri Windmühlcnstraße 7. ffo Fortsetzung der Generalversammlung. sie Tages- Ordnung: � 1) Neuwahl von 3 Beisitzern und 3 Revisoren! Nn 2) Verschiedene«.— Da« Erscheinen aller Mitglieder wird erwartet. sLaf D. B. Sonntag, den 3. August: �inipn Mgemeines Arbeiterfest im Garten und Saal de» Herrn Hecht, bestehend in Jnstrumentalconcei Festrede, deklamatorischen Botträgen und Ball. Anfang Nachmittaz�vi halb 4 Uhr. Entre für Herren 6 Sgr. Arbeiter, Arbeitersteunde und besonders Patteigenoffm von Nah undst,� Zern werden zu recht zahlreicher Betheiligung eingeladen. Bei ankommenden Zügen werden von Mittag ab Comitömitglieder» an rothen Schleifen im Knopfloch kenntlich, zum Empfange auf denC-. Da« Feste»mit«," Bahnhofe anwesend sein. *) Wir haben bisher keine erhalten; jetzt dürfen wir wohl hoffen, daß diesem Uebclstande durch Sie abgeholfen wird. Red. d.„Bvlksst." Berichtigungen. In Nr. 53 ist unter Internationale Gewerkschaft der Schuhmacher im Absatz Leipzig zu lesen statt Ausschuß: Aufsichtsrath. In der politischen Ueberficht der vorletzten Nummer muß es im er- ien Absatz der dritten Seite heißen:„mit dem Wanderer in die„Gute Quelle" abfinden"(statt: in der„Guten Quelle"). Ferner muß e« in der Mainzer Correspondenz derselben Nummer heißen 1848 statt 1868— H. Bamberger machte 1868 bereits seine possierlichen Sprünge im Bis- marck'schen„Käfig", wie er selber im Zollparlamcnt die„Schöpfung" nannte.— Im Abonnentenstandverzeichniß für[2. Quart, muß es bei Limbach 14 statt 4 heißen, bei Ofsenbach a/M. fehlt die Zahl 6. Briefkasten der Redaktion. Th. B. in Stuttgart: Ihr Bericht traf zu spät ein. K. M. D. in Würzburg: Deu zweiten Theil Ihre« Bericht» haben wir streichen müssen. ES ist ja ganz selbstverständlich, daß„unverbesserliche Trunkenbolde, arbeitsscheue und Iii- vliche Menschen" in unfern Reihen nicht« zu suchen haben, wozu das also noch öffentlich konstatiren? G. R. in Hamburg: Bekanntmachungen von allgemeinem Interesse werden im „Volksstaat" stet« unentgeltlich ausgenommen. Fr. Frnzl in Stollberg: Wir haben da» Schreiben des verunglückten Bergarbeiters R. Kautzsch nebst dem Ihrigen Herrn Rechtsanwalt Frehtag zugestellt. der Expedition. Rdtk Königsberg: dem Abonnentenstaud ersehen Sie in jedem Qu. aus der Zusammenstellung im Volkst., für 3. Qu. kann er erst am Schlüsse desselben festgestellt werden. A. Prbst Buckau Rittinghausen 5. Heft ist augenblicklich vergriffen, Fichte« Philosophie nicht aus Lager, das übrig Verlangte erhalten Sie. A. Pchlr Hannover: 19 Gr. f. Schr. erhalten, die betr. Nr. senden wir Ihnen mit den Schr. G.Hnrchs Cöln: Nr. 53 vergriffen. L. Wß Markirch: Vom Lpz. Hochver. Pro;. können Sie auch jede einzelne Lief, haben. E. Rm hat für Schr. noch zu zahlen: Thlr 6 2, 4. Bis Nr. 60 haben wir an Adresse Rmsbrg das Blatt gesandt, v. 61 an Brwld. Arb.-Ver. Thonberg Ann. 4 Gr. Fr. Bbl hier 2. Qu. Thlr. 6 25. Prl Berlin Schr. 24 Gr. P. St. Mainz f. B.' St. 11 Gr. A. Lnckr Chicago 2. Qu. 50 Thlr. H. Hesse Erfutt 2. Qu. 15 Thlr. W. Bck Gotha 5 Gr. Adv. Frtg Plauen Schr. Thlr. 1 10. C. Flschr Kleinzschocher 2. Qu. Thlr 5 1. Section der Tischler hier Ann. 15 Gr. Gew. der Holzarbeiter hier Ann. Thlr. 2 10. ! Deutscher Berein Aarau 3. Qu. Thlr. 19 7. Stade Freitag, den 25. Juli, Abend« halb 9 Uhr: Aarteiverfammlung bei C. Tietjen«, zum Gutenberg, wozu die Parteigenossen zu recht zahl- reicher Betheiligung einladet: E. Wildstacke, Bettrauensmann.]2« Durch die Buchhandlung des„Bolksstaat" ist zu beziehen: Arn Webstuhl der Jett, W tot Roman, Heft 5 und 6 i 2 Sgr. R a ft's Liederbuch, gebunden ä 4 Sgr. tar t»! den ar Dikjcnigen GesinnuiigSgciiosstn von Leipzig und Umgegend, welche Unterstützung bei Einbcrusung und Abhaltung von Volks- versamnilungen bedürfen, wollen sich gefälligst an daS unterzeichnete Comits wenden. Es können aber nur Solche, welche sich vorher gemeldet, Berücksichtigung finden. Briefe sind an die Expedition dcS„Bolksstaat" oder an Z Unterzeichneten zu senden. Hjei Die Sitzungen de« Comits's finden jeden Mittwoch, Abendseite 8 Uhr, im Locale des ArbcilerbilduiigövcreinS statt. Im Auftrage des AgitationS-Eomite'S zu Leipzig: F. Nauert, Schriftführer, _ Rofenthalgaffe Nr. 5, zweite Etage. Todesanzeige.'"'i Allen Freunden und Parteigenossen habe ich die schmerzliche MtttHei�B lung zu machen, daß meine liebe Frau, ßsi' E. Theresia, geb. Zill, rf am 2. Juli früh 4 Uhr nach 18monatl. schwerem Leiden im 42. Lebens- alter gestorben ist. Der Verlust ist für mich um so schwerer, als ich ivfid meiner Frau nicht nur eine treue LebenSgefähttin, soudern auch eine tüch-bni tige Parteigenossin verloren habe. lest Waldenburg in S. I. A. Taubert, Tischlermstr._ M rst An die Parteigeuoffen und Correspondenten! Wir bitten dringend, alle gzriefe, welche für Redaktion oder� Expedition bestimmt sind, doch nicht an einzelne Personen, ss sondern einfach direkt an die Redaktion oder Expedition zu adressiren, andernfalls wir für Verzögerung und sonstige Unzu-� träglichkeiten, namentlich bei recommandirten Briefen, nicht ein-� ftoltor» frlttttor».ftJ stehen können Die Redaktion und Expedition des„Bolksstaat". iit° I Kitiaten, 'tu welche binnen 8 Tagen mit Bezahlung des Abonne-� ments für 2. Quartal noch im Nnckstande sind,?, erhalte« fernere Zusendungen nicht mehr.* Leipzig, den 15. Juli 1873. � Die Expedition des„Bolksstaat".•ffi W. Fink, Chr. Hadlich. ch Leipzig: Verautw. Rebakteur E. Ca»per.(Redaktion und Expedtti»* sse Zeitzerstr. 44). Druck und Verlag der SeuosseuichastSbochdinckerei. »d