- Er kbrii ivat •2i bim >dlch Lhir !rb? Lhir hia> ach� creiÄ Ullis Ler> ichl' c ij au«' da« Erscheint«öchmtlich Z Mai in'/, Sgr. angenommen. OrgandersozialdemokratlschenArbeiterparteiundderinternationalenGewerksgenossenschasten. Xr. 66. Kreitag, 1. August. 1873. sirS ngb dil ng» -rch rief- itelfl aat' atf. vesti IL M ungl Abonnements auf den„Volksstaat" iiir die Monate August und September zu Itf/s Neugroschen >r erden bei allen deutschen Postanstalten, für Sachsen und Herzogth. Sachsen-Altenburg auch für Monat August allem zu S1/». Ngr., für Leipzig für August zu 6 Ngr. bei der Expedition Zeitzerstraße 44. Peterdstraße 18 und bei Colporteur Müller, für die Umgegend von Leipzig bei den Filialcxpeditionen: für Volkmarsdorf, Reudnitz, Reuschönefeld tc. bei O. Stelzer, Reudnitz, Kapcllengasse 11, 2 Tr., für Plagwitz und Linde- «au zc. bei dem Uhrmacher Meinhard in Lindenau, für Eon- newitz:c. bei Teubert, Bornaische Straße 197, für Klein- jschocher und Umgegend bei Fleischer, Nr. 87 daselbst ent- Segengenommen. Parteigenossen! ermüdet nicht, auch fernerhin allerorts nach Kräften zur Weiterverbrcitung des Parteiorgans beizutragen. Die Kedaktion und E-cpedition des„polksstaat". Zur Geschichte der Commune und ihrer Mörder. Zweiter Brief: Auf der Rhede von Melbourne(Australien), den 19. April 1873. An den Chef-Redaktcur. Im Namen unserer sämmtlichen Leidensgenossen bitte ich Sie, �>e nachstehenden Zeilen in Ihr Blatt aufzunehmen; Sie werden uns dadurch einen sehr großen Dienst leisten. Wir verließen Frankreich am 19. Januar ds. IS. und hatten iwc ziemlich günstige Fahrt bis Dakar, einem Hafen des Senegal ltlfrika), von wo wir am 9. Februar wieder in See stachen. Es �aren unser S40; davon 180 im oberen, und 360 im unteren •�etf; auf den Mann kommen kaum 3 Quadratfuß Raum; und untere Deck hat weder Luft noch Licht. Unsere Betten stnd Hängematten, mit je einer einzigen Decke. Unsere Rationen babcn bis jetzt bestanden: ans Speck, eingemachtem(preserveä) Rindfleisch*) und Bohnen, Morgen« und Abends. Und zwar er- halten wir dies Alles ungekocht. Wir haben ein Viertel Pint sttwa ein Viertel Schoppen) Wein, und 12 Unzen(24 Loth) Brod flir alle Mahlzeiten. Das ist der Comfort für politisch Verbannte! Bei solcher Kost wird es Sie nicht Wunder nehmen, wenn ich ckhnen mittheile, daß wir beim Einlaufen in den hiesigen Hafen 400 Mann aus der Krankenliste hatten, von denen 330 mit lem Skorbut behaftet sind. Und wie wurde für diese armen Zanken gesorgt? Die Schiffsapothcke war vollständig leer, und in der Speisekammer befanden sich bloß 100 Eier und ein Zentner Kartoffeln, und wir hatten bloß 20 Hühner an Bord. Trotz dieser ungenügenden und ungesunden Nahrung wurde Uns die Schiffsarbeit, die wir Anfangs, um uns zu zerstreuen, �'llig verrichteten, bald zwangsmäßig auferlegt, bei Strafe, in „schwarze Loch" oder in die Eisen geworfen zu werden. "nsere Wächter machten sich kein Gewissen daraus, uns, wenn es uur irgend ging, um unsere, für die Erhaltung der Gesundheit so uöthige, ohnehin schon kärglicke Wcinration zu betrügen; und hatten, um ihre Betrügereien zu verdecken, sogar die Stirn, uns erdichteter Conspiration zu beschuldigen. Das, Herr Redakteur, ist die Behandlung, welche wir an Bord �ss„Ornc" zu erdulden hatten, wir politischen Gefangenen, �ertheidiger der Menschenrechte und der Freiheit! Diesen Titel haben wir ein Recht uns beizulegen; und was auch die Roya- Wen von Versailles gegen uns sagen mögen, welche die im -lliärz und April 1871 aus den Gefängnissen losgekommenen ge- Uteincn Verbrecher absichtlich unter uns gemischt haben, U>ir werden fortfahren, die würdigen Vertheidiger der Sozialdemokratischen Republik zu sein. Indem Sie diese Kurzen Notizen veröffentlichen und nach London schicken, werden �ie einen Strahl der Wahrheit und des Lichts in Französische Herzen werfen, die noch im Dunkel über uns sind, und Tausenden Uvn unglücklichen Männern einen Freundschaftsdienst erzeigen, die Ihnen zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet fein werden. Empfangen Sie tc. Nachfchnft. Viele ihrer Landsleute sind an Bord unseres «chiffS gekommen, um die Verdecke zu sehen; allein, so viel ich h-eiß, hat man sie nicht in daS weitere Verdeck gelassen, in welchem beinahe dreihundert Skorbutkranke liegen." . Dies die beiden Briefe. Dem letzteren haben wir nichts bcizu- jjjflen; er spricht für sich selbst: die Thatsache, daß über die Hälfte der an Bord des„Lrue" befindlichen Kommunegefangenen sfui Skorbut erkrankt sind, denunzirt so beredt die Unmensch- 'chkeit der Regierung des von der Bourgeoisie und den blauen �epubfi�nern und BourgcoiS-Dcmokraten so tief verehrten Herrn Thiers, daß ein Commentar nur abschwächend wirken könnte. Der erste Brief ist aber ein Aktenstück vom höchsten historischen , Meresse. Ein gewichtigeres ist seit dem Fall der Kommune nicht siber die Kommune veröffentlicht worden. Wir haben schon ziem- viel Darstellungen aus der Feder von Komuncnimitgliedern und Kommunekämpfern, allein all diese Arbeiten sind nur Ausflüsse .•) Wie sich an« dem Folgenden ergibt, war e« gepökeltes Fleisch, "che« dm Skorbut erzeugt. Dieser furchtbaren Krankheit, früher die all« , asf1" Geißel der Schiffsmannschaften, ist nur dadurch vorzubeugen, daß .„"n dem Salzfleisch frische« Gemüse, Eier, ftische« Fleisch, Limonade und ; m genügender Menge verabreicht werden. Wie man au« dem J?lntn"sieht, wurden diese eiufachm«orficht«maßregeln am«ord de« ite! unterlassen. Der Skorbut besteht darin, daß da« Zahnfleisch sich und allmählich fault, und der ganze Körper sich schließlich mit Ichwürm bedeckt. Häufig erfolgt der Tod. des Ler abi°j ii. ssi rass vo� iW Ite'l fni«j A» H Mi ia4| Di» ra'i izft1 llti t«' il�! :iit< M einzelner Individuen; in den meisten Fällcrn nur persönliche Ver- theidigungS- und Rechtfertigungöschriften. Hier dagegen haben wir in kurzen Zügen eine Geschichte und Charakteristik der Kommune, welche nicht das persönliche Werk eines einzelnen Individuums ist, sondern des Collektivwerk einiger hundert Männer, die nach dem Zeugniß, welches der Feind ihnen durch ihre Verur- theilung ausgestellt hat, zur Elite der Kommunehelden gehört haben. Und nicht nur, daß wir hier die Aussage einiger hundert Männer von erprobtem Charakter über Ereignisse haben, in denen sie selber eine hervorragende Rolle gespielt— die Aussage ist auch gemacht unter Umständen, welche ihr eine besondere Glaubwürdigkeit verleihen. Es ist eine Art von L�inx depositiem— Depo- sition von Sterbenden, der juristisch mit Recht erhöhter Werth bei- gelegt wird; die Männer, von welchen das Aktenstück herrührt, haben mit der Welt abgeschlossen; sie haben nichts zu hoffen und nichts zu fürchten; was sie aussagen, kann ihnen weder Vor- theil noch Nachtheil bringen. Mit Einem Wort: es läßt sich kein Aktenstück denken, welches größere Bürgschaften der Wahrheit in sich trüge, alS dieser Brief. Und waS besagt er? Daß die Konnnune mit zwingender Nothwendigkeit aus der Katastrophe deS Kriegs von 1870—71 hervorgegangen ist. Daß die Kommuneerhebung der nothwendigc Protest gegen die StaatSstreichgclüste der Versailler Royalisten-Gesellschaft war. Daß die Kommune einen rein defensiven Charakter hatte: Ver- theidigung der Republik gegen die Agenten der monarchischen Restaurationsfanatiker; Vertheivigung von Paris gegen die Ver schwörer, die es entwaffnen wollten.— Das ist die Wahrheit über die Kommune. ES entspricht.genau der Auffassung, welche wir von Anfang an aus den sonnenklar zu Tag liegenden Thatsachen gewonnen hatten. Das ist die einfache Wahrheit, welche zu verdunkeln, mit einer Lügenwolke zu überziehen, die Reaktionspresse seit über 2 Jahren bemüht ist. Umsonst—„die Wahrheit bohrt sich durch." Säbelivirthschaft. Wer den Annoncentheil des Organs für Schweinsknöchel mit Klößen und Meerrcttig oder des„Dorfanzeigers" oder sonstiger Spießbürger- und Waschweiberblätter durchliest, der findet in neuerer Zeit stets eine Menge von Annoncen, mittelst welcher die sogenannten Militär- oder Krieger-Vereine ihre sehr häuft gen„Festlichkeiten" bekannt machen. Diese Militär- oder Kriegervereine sind erst seit kurzer Zeit so massenhaft„gegründet" worden. Ihre Organisation, sowie die „Gründung" eines eignen Organs(„Kamerad" in Pirna) läßt uns erkennen, daß sie die Confequenzen, die Ergebnisse eines Sy- stems sind, das von oben herab in's Leben gerufen wurde. Die Regierungen unterstützen diese Kriegervereine wo sie können, protegiren sie durch ihre„Sauhirten" in der öffentlichen Meinung und geben bei„Gründungen" solcher Vereine sogar die nöthigen Geldmittel, wenn diese fehlen. Welches Interesse die Regierungen haben, diesen Kriegerver einen auf jede mögliche Weise unter die Arme zu greifen, werden wir gleich sehen. Hauptsächlich, ja so ziemlich allein die sozialdemokratisch Agitation ist es gewesen, welche unter dem Volke einen tiefen Abscheu gegen den Krieg, gegen den Massenmord hervorgeru- sen hat. Das arbeitende Volk zumal hat vor dem sogenann ten„KriegSruhm" gar keinen Respekt mehr und sieht einen „Helden", der zwei Dutzend Franzosen abgeschlachtet, durchaus nicht mehr, wie eS vor 1000 Jahren Sitte war, als eine Zierde der Menschheit an, noch weniger diejenigen„Helden", an dessen Händen das Blut von Tausenden klebt. Die preußischen Junker, welche die Welt als einen Roßstall und die Menschheit als eine Zucht von Rekruten betrachten, wünscht wohl das Volk von ihrer Bornirtheit mit Radikalmitteln heilen zu können, aber es bewun- dert sie nicht mehr, wie zu Zeiten des„alten Fritz". Solche Anschauungen im arbeitenden Volk, welche sogar die„Militärs", sobald sie die Uniform ausgezogen, anstecken, kommen natürlich den herrschenden Gewalten äußerst� ungelegen. Dagegen muß etwas geschehen, es muß um jeden Preis verhütet werden, daß der Mordspatriotismus aus dem Volke verschwinde. Und siehe da— die Kriegervereine! Prinzipien haben diese Kriegervereine nicht, brauchen sie auch nicht. Die Motto'S auf ihren Fahnen:„Mit Gott für Kaiser und Reich!" oder„Mit Gott für König und Vaterland!" oder gar:„Mlt Gott für Kaiser, König und Vaterland!" verkündigen ihren„patriotischen" Zweck. A3as die Kriegerv creme sonst bezwecken, ist leicht herauszufinden. ES foll der sogenannte„militärische Geist", der kürzlich in Lausigk wieder einen Triumph gefeiert, in daS alltägliibe Leben im Frieden hinein verpflanzt w:rden; der Feldwebel soll auch m der Familie nicht fehlen und der Korporalstock soll auch beim Wirthshausvergnügen den Ton angeben. Der Mensch soll begreifen lernen, daß er nur für die Uniform und für den Massenmord auf dieser schönen Erde wandelt; er soll begreifen lernen, daß der Feldwebelsgeist die einzig richtige Bildung ist......... Natürlich sind solche Begriffe etwa« schwierig beizubringen; deshalb versüßt man die bitteren Pillen. Ernste Bestrebungen gibt es bei den Kriegervereinen nicht; damit macht man den „Patrioten" das Leben nicht sauer. Dagegen eine Fahnenspie- lerei mit Schärpen und Bändern, wie man sie allenfalls bei vierzehnjährigen Schuljungen verzeihen könnte! Leider sind unsere Michel noch dumm genug und machen solche NarrenSpossen mit. Die Haupffache aber sind und bleiben die großartigen Saufge- läge, die bei den Kriegervereinen c» kurzen Zwischenräumen wie- derkehren. Die Zeiten wie vor 1800 Jahren scheinen wieder- gekommen zusein, wo die„Urgermanen" sich auf die Bärenhaut legten und sich toll und voll soffen. Aber„Urgermanen", deutsche Michel und deutsche Krieger wollen auch manchmal„eine gesunde Rauferei" haben und so sind denn bei den Kriegervereinen die Rohheit, das Flegelthum in die Halme geschossen. In Braun- schweig hat kürzlich der Kriegerverein in einer Wirthschast ein Saufgelage abgehalten und am Schluß desselben Alles kurz und klein geschlagen. Das ist eben der„militärische Geist". „Durchsäßet und geblümct sind die reinen Frauen!" singt Walther von der Vogelweide.„Durchsüßet" und„geblümet" wie sie sind, geben heute diese Frauen, die kein Vergnügen entbchren können und beim Anblick jedes farbigen Lappens in Entzückungs- krämpfe verfallen, eine der besten Stützen der Kriegervereine ab, wo die Flegelhaftigkeit Trumpf ist. Fordert solch ein Kriegerverein auf, durch Beflaggung des Orts seineni Saufgelage die„rechte Weihe" zu geben, so würden die Weiber im Nothfall ihre besten Unterröcke zum Fenster hinaushängen, wenn nichts Anderes da wäre. Und erst beim Tanz! Da darf keine fehlen! Bei der obligaten Schluß-Rauferei natürlich auch nicht! Selbstverständlich sind auch Gastwirthe, Bäcker, Fleischer zc. eiftigste Anhänger und Verbreiter der Kriegervereine.„Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer springt!" Der„Kamerad", das in Pirna erscheinende Wochenblatt der Kriegervereine, leistet natürlich das Menschenmögliche. Bor nicht langer Zeit wurde dort offen ausgesprochen, daß, wer noch kei- nen Feind erschlagen, also noch kein Menschenblut ver- gössen, noch nicht die richtige Mannesweihe erhalten habe!— Gerade so ist es bei den menschenftessenden Kannibalen der Südseeinseln, nur daß man dort, um die„ManneSweihe" zu erhalten, den erschlagenen Feind auch gefressen haben muß! Hoffentlich kommt man bei unS auch noch so weit; die Krieger- vereine sind wenigsten« auf dem besten Wege. Mit Abscheu muß sich ein jeder denkende, ein jeder ehrliche, ein jeder seiner Menschenwürde sich nur ein wenig bewußte Ar- bciter abwenden von dem Treiben der Kriegervereine, daS den Zeiten des finstersten Barbarenthums würdig zur Seite gestellt werden kann. Die Kriegervereine sind direkt gegen die Sozialdemokratie gerichtet, um die Begriffe von Menschen- würde, Menschlichkeit, Massenglück und Brüderlichkeit, welche durch die sozialdemokratische Agitation dem arbeitenden Volke beigebracht und klar gemacht worden, wieder aus seinem Bewußtsein zu verdrängen und an Stelle derselben die Rohheit, den Korporalstock, die Unsläthigkeit und den Mordspa- triotismus wieder einzusetzen. Schmach über den Arbeiter, welcher sich durch einige farbige Lappen und durch die Aussicht auf Saufgelage hinreißen läßt, die Anforderungen der Mensch- lichkeit in den Koth zu werfen und als Mitglied eines mords- patriotischen Kriegervereins den Pfahl in sein eignes und feiner Brüder Fleisch treiben zu Hilfen! Krieg bis zum Aeußersten!(xuerre ü outrauoe!) kündi- gen wir diesen Kriegervereinen an, welche sich die wahnsinnige Ausgabe gestellt haben, unsere Zeit um 2000 Jahre zurückzuver- setzen. Und wir werden es so weit bringen, daß ihnen bei ihren öffentlichen Aufzügen die Straßenjungen nachlaufen und ihnen zu- rufen:„Seht diese Hanswurste!". Politische Uebersicht. „Fortschrittler" und Nationalliberale liegen— aus Langeweile, weil sie nichts Gescheidteres zu thun haben— einander wieder in den Haaren. Blut wird dabei nicht fließen, nicht einmal Haare ausgerupft werden. Die„Fortschrittlcr" behaupten: Fortschrittler und Rationalliberaler sei zweierlei, und die Nationalliberalen behaupten, Forffchrittler und Nationalliberaler sei einerlei.— Das ist der ganze Streit, aber eS wird entsetzlich gepustet, gefaucht, gespuckt— doch, wie gesagt, auch nicht das wenigst tief einge- wurzelte Härchen ist in Gefahr. Der Frankfurter„Laternenmann" singt dazu— und wir stimmen ein—: „Wie Unken und Frösche im moorigen Teich Sich überquaken, so zanken im Reich Zuni Zeitvertreib sich mit scharfem Worte Fortschreiter der alten und jungen Sorte." Und beiläufig vermögen wir auch beim besten Willen die alte und junge Sorte nicht von einander zu unterscheiden.— — Die ewige„Untersuchungskommission", welche gegen Herrn Wagcner von Dummerwitz und daS Eifenbahnconzessions- wesen eingesetzt wurde, ist bekanntlich seinerzeit von der„gutge- sinnten" Presse mit nicht enden wollendem Hurrah begrüßt worden und' am lautesten haben die„Grüiider"-Blätter selber mitgeschrien. Geschehen ist von dieser Kommission Nichts bis dato. Wenn die „Kreuzzeitung" sagt, der Bericht sei jetzt(!) in's Civilkabinet ge- langt und man brauche Zeit, um daS große Aktenstück durchzu- lesen, so meldet dagegen die„Frankfurter Zeitung", daß der Be- richt schon im Monat Mai an das Civilkabinet gelangt sei. Da babt ihr's nun, ihr deutschen Spießbürger mit euren Adressen an Laster und mit eurem Hurrahgeschrei! Nur ein deutsches Spieß- bürgerthum konnte so blödsinnig sein und jubelnd auf der Bier- bank die Zuversicht in die Welt hinausbrüllen, der preußische „Staat" werde seinen Wagener selber abthun, werde eine seiner besten Stützen selber absägen. Das„System Wagener" bleibt und das Börsengaunerthum süllt sich nach wie vor die Taschen, und das arbeitende Volk darbt, bis endlich einmal der„letzte Krach" kommt, von dem der Wiener nur ein ganz kleines sanftes Vorspiel war. Dann wird der Wagener und sein System ver- schwinden und mit ihm der Klassenstaat, dessen Parlament nach Richter's Ausspruch eine Börsenfiliale geworden— aber mit königlich preußischen Untersuchungskommissionen, mit„Rosenöl und Moschus" heilt man das große Uebel nicht. — Der sogenannte„Schah" von Persien, einer der rohe- sten und barbarischsten„Fürsten", hat eine Rundreise durch Eu- ropa gemacht und ist in Folge der Sympathie, welche verschiedene Höfe für seine trefflichen Eigenschaften hegen, natürlich mit großem Pomp aufgenommen worden. Das gute Volk hat den gekrönte» persischen Staats-Faullenzed und Unterthauen-Schweiß-Verschwender angaffen und die Kosten seiner Abfütterung und sonstigen Atzung bezahlen dürfen. Die Presse des„Denkervolkes" hat nicht emsig genug ihre Spalten mit diesem rohen Harems Gesellen füllen können; mit ekelhaftester Servilität wurde jede„Originalität" des „Herrschers aus dem Orient" gewissenhaft aufgezeichnet, die ge- wohnlich darin bestand, die Speisen mit den Fingern aus den Schüsseln zu holen, mit Hosdamen„Galanterien" zu treiben u. s. f. Kein Blatt aber hat darauf aufmerksam gemacht, daß dieser „Schah" derselbe herzlose„Landesvater" ist, der im vorigen Jahre viele Tausende seiner glücklichen„Landeskinder" Hun- gerö sterben ließ und sich selbst gemüthlich aus seinem Thron weiter mästete, ohne nur im Mindesten zur Linderung der Hungersnoth seine Hände zu rühren. Daher auch die Sympathien an verschiedenen Höfen, denn„Monarchen", die solche Leistungen aufzuweisen haben, findet nian nicht alle Tage und die Baracken-Abreißer zu Berlin haben jedenfalls vor den landesväter- lichen Lorbeeren beschämt ihre klassischen Pickelbauben-Häupter gesenkt. Das weibliche Hoszeschmeiß natürlich hat gesunden, daß der„Schah" ein schöner Mann sei.— Wir haben diese Fetirung de« Persers in Petersburg, Berlin, London, ja auch in Paris bei dem„Präsidenten der Republik", dem von Pfaffen und Weiber- Pantoffeln regierten Mac Mahon begreiflich gefunden; daß auch die Regierung der Schweiz dem Harems-Regenten ihre Bücklinge macht und ihn glorifizirte, das ist nur ein würdiges Sei- tenstück zur Auslieferung Ätetschajeffs. Wo Bourgeois die Regie- rung haben, da ist aber Alles feil und der Mann thut nichts zur Sache.— lieber die Borgänge in Spanien entnehmen wir der in Barcelona erscheinenden„solläaritv Rvvolutionumrv" vom IL. Juli (eine andere Nummer liegt uns leider nicht vor) den solgenden Bericht, der allerdings durch spätere Nachrichten theilweise überholt ist, jedoch immerhin zur Kennzeichnung der Situation wesentlich beiträgt:.. „Die revolutionäre Bewegung verbreitet sich wie ein Lauffeuer über die ganze Halbinsel. In San Lucar, Sevilla, Carla- gena, Malaga, Alcoy beherrscht das Volk die Situation. In Barcelona war noch nichts geschehen, aber auf dem öffentlichen Platze war die Revolution in Permanenz. „Die revolutionäre Bewegung ist der Regierung ge- fährlicher erschienen, als der Kampf der Karlisten, und ihr einziges Bestreben ist die Wiederherstellung Dessen gewesen, was alle Regierungen in allen Ländern und zu allen Zeiten für das Höchste gehalten habcn: die bürgerliche Ordnung und die Herr- schaft von Gesetzen, welche die Unterdrückung regeln. „Weil die Truppen dazu gebraucht wurden, auf das Volk zu schießen, ist Cabrinetty geschlagen worden und Savalls(ein Karlistenführer) ist auf dem Marsche gegen das heldenmüthige Puigcerda. Bier Truppencolonnen verfolgen Savalls, und die Bevölkerung hat die Stadt in BertheidignngS- zustand gefetzt. „In Alcoy, dem Mittelpunkt der spanischen Internationalen, sind unsere Freunde 5000 an der Zahl Herren der Situation ge- worden. Belarde ist am Abend des 13. in Alcoy angekommen. Im Augenblick, wo wir diese Zeilen schreiben, sind wir in voll- ständiger Unkenntniß der Einzelnheiten, aber sie werden in unserer nächsten Nummer ihre Stelle finden. „Bon Madrid und Valencia sind Truppen auf dem Marsche gegen Cartagena» und die Kommandanten von Madrid haben der Regierung die unbedingteste Ergebenheit versprochen.� „Aus Malaga marschirte- Carvajal, an der Spitze der revolutionären Stteitkräfte, den Truppen entgegen, welche gegen diese Stadt geschickt worden sind. Man versichert, daß die reaktionären Republikaner hinter ihm die Stadthore geschlossen haben". So die„8oUäar!t6 Revolutionnaire�. Wir wissen bereits, daß in Alcoy seitdem auf die eine oder andere Weise die„Ruhe" wieder hergestellt worden, daß dafür aber der Ausstand an anderen Orten, namentlich in Cartagena ausgebrochen ist und sich bis jetzt behauptet. Die Thatsache, daß die republikanische Regierung Spaniens die Karlisten schont, während sie ihre Hauptmacht gegen die revolutionären Parteien richtet, besteht aber fort. Der oben erwähnte Cabrinetty ist der einzige tüchtige Militär- ches, der bisher gegen die Karlisten verwandt worden, und die Madrider Regierung ließ ihn ffo schmählich im Stich, daß sein kleines Corps nach heldenmllthigem Widerstand von den royalistischen Petroleumbanden aufgerieben wurde, wobei er selber das Leben verlor. Charakteristisch ist noch nachstehender Maueranschlag aus Barcelona, den wir ebenfalls der„Lolillarits Revolntion- naire" entnehmen:" „Arbeiter! Genossen! „Wir machen einen allgemeinen Sttike, um den tiefen Abscheu zu zeigen, welchen wir empfinden, indem wir sehen, wie die Re- gierung das Heer zur Bekämpfung unserer arbeitenden Brüder in anderen Städten verwendet, dabei aber den Krieg gegen die Kar- listen vernachlässigt, was Katastrophen, wie den Tod Cabrinetty'S herbeiführte. „Die Dinge stehn so: wir find allesammt bereit, die Karlisten zu bekämpfen, wir wollen uns aber nicht dazu gebrauchen lassen, die Punkte zu besetzen, wo die regulären Truppen nöthig sind, welche man zum Kampf gegen unsere Brüder entsendet. Wir fürchten Berrath! Wir wollen die wahre föderative Republik! Wir wollen die Vernichtung der Karlisten! „Was wir aber nicht wollen, ist, daß die Truppen, anstatt die Karlisten zu bekämpfen, gegen die Republikaner, unsere Brüder, geschickt werden! Die Arbeiterausschüsse von Barcelona und Um- gegend.» Dieses Plakat bedarf keines CommentarS. Es malt die Situation.— —- Zum Auswand erungö- Schwindel. Das sächsische Mi- nisterium erläßt die Verordnung, daß diejenigen AuswanderungS- agenten, die nicht reichsangehörig sind, aus Sachsen auöge- wiesen werden sollen. Echt sächsisch! Was nützt das Ausweisen der Schwindler, wenn man ihnen gestattet, sich„reichsangehörige" Unteragenten anzuwerben? Wenn Allardt und Davis— vorausgesetzt, daß sie noch nicht„reichsangehörig" sind— von Leipzig nach Schkeuditz— einem per Bahn nur 20 Minuten von Leipzig entfernten preußischen Marktflecken— ziehen und von dort aus „reichsangehörige" Bevollmächtigte durch Sachsen schicken, erreichen sie dasselbe wie ehedem. Und künftighin werden amerikanische Agenten, ehe sie sächsischen Boden betreten, selbstverständlich erst in Preußen Staatsbürger werden, sie werden damit freilich nur die all- und längstbekannte Wahrheit beweisen, daß man um eine sächsische Regierung zu düpiren, nicht für einen Pfennig Witz braucht, zumal wenn man als Amerikaner in der Schule geriebener Preller aufgewachsen ist. Was Herrn Allardt— der seit mehreren Wochen in Leipzig wohnt— speziell anbelangt, so sind wir fest davon überzeugt, daß die Polizei ihn— trotz der Ministerialver- ordnung— vorderhand eben so wenig ausweisen wird, als ihn die Staatsanwaltschaft bis jetzt— unsere wiederholten öffentlichen Denunziation ungeachtet— zur Untersuchung gezogen hat. Beide haben andere Dinge zu thun, die ihnen mehr Spaß machen. Als der Korbmacher und Stadtverordnete Madak Sonntag vor 10 Wochen, Vormittags 11 Uhr, bei der Polizei die irrige Denunziation abgab, Hepnern auf der Straße gesehen zu haben, da erschien bereits um halb 12 Uhr ein Polizist in unserm Büreau— wenn auch vergebens— um den Gedachten zu verhaften. In solchen Fällen hat man's eilig, in andern nicht.— Wir sind beiläufig heute in der Lage, weitere Belege für die Wahrheit unserer Be- hauptungen hinsichtlich der Davis-Allardtschen Schwindelgesellschaft „Munistng Jron Company" und deren Konttakt mit der„Kolonie Saxonia" vorzuführen, insbesondere Zeugnisse darüber, daß jener Vertrag vom 7. Februar rechtswidrig und in bettügerischer Weise seitens Allardt-Davis geschlossen worden ist, indem jene Gesellschaft sich erst am 6. März— also einen Monat später— legal kon- stituirt hat. Mau übersendet uns die„New-Norker Staatszeitung", vom 1. Juli, in welcher unter dem Titel„die Kolonie Saxonia" folgender Brief abgedruckt ist: „Lausing, Michigan, 29. Juni 1873. „Bezüglich des im„Cincinnati Volksfteund" roif auch in der „New-Aorker Staatszeitung" enthaltenen Artikels, die diesem ge- mäß auch in verschiedenen anderen Blättern, z. B. der„Chicago Freien Presse", besprochene Landangelegenheit zwischen der Dresdner Gesellschaft„Saxonia" und der„Munising Jron Company" in Marquette, Michigan, betteffend, bin ich in der Lage, einige darin enthaltenen Angaben zu vervollständigen und zum Theil zu be- richtigen. „Unter'm 22. März ds. Js. sandte mir Herr Konsul Claus- senius in Chicago eine gedruckte Kopie eines Verttages zwischen der Kolonie„Saxonia" in Dresden und der„Munising Jron Company", mich zugleich ersuchend, genaue Auskunft über die de- treffende Compagnie und deren Verhältnisse auSzumitteln, ihm solche mitzutheilen und jene Anfragen nach bestem Wissen zu be- antworten. „Mich sogleich umsehend, die gewünschten Ausschlüsse zu finden und zu geben, sandte ich Herrn Claussenius unter'm 24. und 25. März in zwei längeren Schreiben das Resultat meiner Be- mühungen. (Folgt Bekanntes.) „Das schönste an der ganzen Sache war, daß der gedachte Vertrag, der in den meisten Punkten unklar, unpraktisch und nicht ausführlich genug war und deßhalb zu weitläufigen Verwickelungen zwischen der Compagnie und den Kolonisten hätte führen müssen, niemals gesetzlich gültig war, da sich derselbe vom 7. Februar datirt, die Munising Jron Company jedoch erst am 5. März, also wahrscheinlich erst, nachdem Nachricht von Dresden von dem Abschlüsse des Verttages angelangt war, sich in Cleveland, Ohio, organisirte und als solche am darauffolgenden Tage, den L. März, in den Büchern des Staatssekretärs von Michigan registriren ließ, demnach einen Verttag als Kompagnie eingegangen hatte, ehe sie als solche existirte. „Die von mir in meinen Briefen vom 24. und 25. März er- theilten Auffchlüsse wurden von Herrn Claussenius an das deutsche General-Konsulat in New-�ork übermittelt und von da auS konnten dieselben noch zeitig genug in Dresden eintreffen, d. h. bis Mitte April, der zum Abgange eines TheileS der Kolonisten bestimmten Zeit. Im Mai kamen ungefähr 50 derselben in Dettoit an und vor ungefähr drei Wochen die übrigen Mitglieder der Gesellschaft, auS 600 Personen bestehend, von welchen, der Bemühungen der angesehensten Deuffchen von Detroit und Saginaw und des Gouverneurs von Michigan, der sich sehr ftir diese Angelegenheit interessirte, ungeachtet, blos 50 in Dettoit blieben, die übrigen 550 die Weiterreise nach der oberen Halbinsel anttaten. „Es ist zu hoffen, daß die Gesellschaft„Saxonia" ihren Ver ttag entweder dem Feuer oder den Wellen übergab; als Arbeiter mögen sie der Munising Jron Company willkommen, ja unentbehrlich sein zum Beginn ihres großartig scheinenden Unter- nehmens, und mögen die Mitglieder auch, so lange sie sich nicht durch einen voreiligen Landankauf binden, gebührend behandelt werden; binden sie sich jedoch auf solche Weise, aller Wav nunzen ungeachtet, so mögen sie solches wohl mit der Zeit bereuen und wünschen, gutem Rathe gefolgt zu haben. „Daß Consul Brentano(in Dresden) in dieser Angelegen- heit seine Hand zu einer Schwindelei zu leihen beabsichtigte, möchte wohl in Zweifel gezogen werden. A. I. Baßler, Clerk Auditor Generals Office." Dieser Beamte— der beiläufig auch unfern Angriff auf Herrn Brentano rechtfertigt— enthüllt unS also, daß die sächsische Re- gierung bereits im April von der Sachlage unterrichtet gewesen sein müsse. Daß sie sich vor Ende Mai nicht gerührt hat, wissen unsere Leser aus Nr. 41 und folgenden ds. Bl.; und daß sie an ein ernstliches Einschreiten nie gedacht hat oder denken wird, be- weist die Vergangenheit ebenso wie die Gegenwart. Zum Schluß sei auch noch bemerkt, daß unter dem Baßler'schen Briese in der„New-Yorker Staatszeitung" die Erklärung eines gewissen, an der Munising Jron Company betheiligten„Adolf Rettberg" abgedruckt ist, welche obschon sie das Schwindel- unternehmen zu beschönigen sucht, doch rundweg eingesteht:„Die jetzigen Eigenthümer der Munising Jron Company brachten dieselbe im Monat März ds. Js. käuflich an sich. gegebene Auskunft genüge ihm nicht, er müsse einen Anhalts- punkt haben!— Die geladenen Personen sind vor dem Unter- suchungsrichter erschienen, ttotzdem sie die Vorladungen erst am Morgen desselben Tages erhielten; sie sind auch Nachmittag? nochmals erschienen und haben sich nicht beschwert— es ist gar heiß in diesen Julitazen— aber sie haben herzlich gelacht über die Naivetät eines„routinirten" Staatsanwalts, der dem„Volksstaat Dutzende von Prozessen an den Hals gehängt, den Hoch verrathsprozeß eingeleitet und sonstige staatsrettende Thatea genug verrichtet hat, und nun von den Redakteuren des„Volks- staat" die kleine Gefälligkeit verlangt, ihm zu einem gegen d'as von ihnen redigirte Blatt eingeleiteten Krimi- nalprozesse Anhaltspunkte zu geben! Wenn Sie Alexander der„Große" wären, Herr Staatsanwalt, und Sie stellten unS eine„Gnade" frei, so würden wir, gleich Diogenes, nur vertan- gen,— daß Sie uns auS der Sonne gingen! Seit Anfang dieses Monats erscheint in Lüttich(Belgien) ein neues sozialistisches Blatt— rArni du peuple—(der„Volksfteund). Möge es seinem Namen Ehre machen!(„l'Ami du peuple" war bekanntlich der Titel des Marat'schen Journals.) 3. 4. — Staatsanwaltliche Naivetät. In der politischen Ueber- sicht der Nr. 57 des„Volksstaat", wo„Einer, der dabei gewe- sen", über die badische Revolution von 1849 und die Erschießung des alten Böning im Festungsgraben von Rastatt schreibt, hat Staatsanwalt Hoffmann noch kurz vor den Gerichtsferien und trotz der herrschenden afrikanischen Hitze, eine sogenannte„Maje- stätsbeleidigung", angeblich verübt am hohenzollern'schen Hel- denkaiser, entdeckt und deßhalb noch hurtig die Kriminalun- tersuchung eingeleitet. Die Vernehmung des verantwortlichen Redakteurs Casper beftiedigte den Staatsanwalt so wenig, daß er nicht nur die Redakteure BloS und Seiffert, sondern auch den Expedienten(!) Fink und den Fattor der Druckerei(!), Ramm, zum Verhör zitiren ließ. Nachdem diese fünf Personen verhört, war der Herr Staatsanwalt gerade so weit als zuvor und ließ deßhalb die RedaktionSmitglieder Nachmittags noch- mals vor den Untersuchungsrichter zitiren, mit dem Bedeuten, die Innere Partei-, Berwaltungs- nnd Organisatians Angelegenheiten. Anträge zum partei-Kongreß. Die Parteimitglieder zu Stollberg in Sachsen beanttazen, der Kongreß wolle beschließen: Alle Broschüren und Schriften, welche der„Volksstaat' in Verlag nimmt oder den Parteigenossen zur Verbrei tung anempfiehlt, müssen in gleichmäßigem Format her ausgegeben werden. Die St ad er Mitglieder beanttagen: Der Partei-Kongreß wolle beschließen: Daß das Partei' Programm, zergliedert und erläutert, als AgitaliouS- Broschüre herausgegeben werde. Die Berliner Mitglieder beanttagen: 1. Der Partei-Sekretär muß seine ganze Thätigkeit der Partei widmen und darf keine anderen Aemter beklei den; dafür ist die Partei verpflichtet, ihm seine mate- rielle Existenz durch ein entsprechendes Gehalt zu sichern. 2. Die Parteimitglieder eines jeden Ortes sind verpflichtet, ihre Parteiversammlungen allvierteljährig mindestens ein- mal im„Volksstaat" zu inseriren; die Mitglieder der- jenigen Orte, an denen mehr als 50 Exemplare des „Volksstaat" gelesen werden, sind gehalten, dieS mim besten« dreimal im Quartal zu thun. Der Partei-Kongreß wird fernerhin möglichst in Mitte!- deutschland abgehalten. Statt der bisher üblichen Abstempelung der Karten bei Zahlung der Beittäge dieselben durch Aufkleben vo» Marken zu quittiren. Die Breslau er Mitglieder beanttagen: 1. Dem§ XVI der Organisation folgende Fassung aeben:„Der Sitz deS Ausschusses kann, wenn Letztere« feinen Pssichteu nachgekommen, wieder gewählt werden, doch darf sich derselbe nie länger als zwei aufeinander- folgende Jahre an ein und demselben Orte befinden, ds gegen muß der Sitz der Konttol-Kommission jährltt wechseln." 2. Satt des ß XIII und des ersten Satzes des§ XV dtt Organisation, zu setzen:„§ XIII. Die Partei konsti' tuirt eine Konttol- Kommission von 11 Mitgliedern, deren Aufgabe es ist: Alle vom Ausschuß unberücksich' tigt gelassenen Beschwerden endgültig zu entscheiden, vierteljährlich mindestens einmal Geschäftsbücher, Atten und Kasse des Ausschusses zu revidiren. Sie hat auß<£ dem das Recht, gegen alle die Gesammtpartei verpsW tetende Beschlüsse des Ausschusses Einspruch zu erheben. Die Mitglieder in Luckenwalde beanttagen: 1. Der Kongreß wolle beschließen:„Weder Geld noch tatoren für den unter jetzigem Wahlprogramm in Brau"' schweig aufzustellenden Kandidaten von der Partei aus r bewilligen." � 2. Siehe Hamburger Antrag 3 in Nr. 65, die beflettir sche Zeitschrift betreffend. Die Mitglieder in WandSbeck beanttagen: � 1. Der Partei- Äongreß wolle berathen, in welcher Wen eine regere Agitation inS Werk gesetzt werden kö»� und die erforderlichen Mittel bewilligen und deßhalb . 2. beschließen, daß für die Zukunft eine Ermäßigung � Parteisteuer unter 1 Sgr. pro Monat nicht mehr S1 stattet sein möge. Ferner stellen die Mitglieder in Co»stanz den Anttaz:. Eine Mitgliedschaft kann nur nach ihrer Vernehmung gemeinschaftlicher Berathung des Ausschusses u« nachfolgender gemeinschaftlicher Entscheidung der ttol- Kommission als aufgelöst erklärt werden. � Appell der Betreffenden in den Kongreß bleibt ih"� unbedingt mit dem Rechte vorbehalten, daß der Vertt ter der betreffenden Mitgliedschaft auf demselben bis i endgültigen Entscheidung in allen Fragen eine berache" Stimme hat. Auf jeden Fall sind die Interessen c Partei nach jeder Hinsicht zu wahren..„ Die Mitglieder zu Constanz und die alte Mitgliedschaft> Fürth stellen den Anttag:.5 „Der Kongreß möge erklären, daß der Erlaß in N-. des„Volksstaat", betr. Auflösung der alten Fütt?. Mitgliedschaft als annullirt zu betrachten sei taIP Allem, was darauf gefolgt ist." Die Parteimitglieder in Cöln beantragen, der Kongreß beschließen: � 1. Den§ VI der Organisation folgendermaßen u:''' t ändern:„Außerordentliche Kongresse, Konferenzen eine Parteizusammenkunst finden statt, wenn der» schftß oder die Konttol-Kommission mit absoluter jorität dieS beschließt, oder wenn ein Sechstel r licher Mitglieder darauf anträgt.(Siehe überya� § VIII.) Auch hat der Ausschuß,:c.". � Im§X«t dem Satze:„Sämmtliche AuSschußmttgl" � müssen ihren Wohnsitz nehmen", das Wort neh?*» „haben" umzuändern._ Folgenden§ in die Organtt"� auszunehmen:„In den verschiedenen Landestheil-« � � - oder BeiirkSaaitationS-Conlil-■, gre tini ster e> toej der grö Züg >vo! senl Di, bat Uns 2. sich Landes-, Kreis bilden, welche den Zweck Haben solken, alle siw" a«> tationskrafte für die Partei zu verwerthen. � M fhmmung der betreffenden Comilö's darf der kerne Agitatoren in diese LandeStheile senden." ls; S6. 39. jtac che t-n des sin, H ian »ie! »eis «rts *ßi -st Heu t s dtt tfe Zu 5» irel i», er- da- lit dS! >stl- 'Xb '4 e#i fte» Z-' «/ u»' ! z« ijH' ufl5 u»° W X# jiie» -trf d >n� : S" lS HKJ jii#1 tÖj' < >vtk r < !«?' !?er .i- ti»" .bt" i ls iä1' I. Kräcker in Breslau beantragt: 1) Um die zu Reichstagsabgeordneten gewählten Parteigc- nossen in den Stand zu setzen, den Verhandlungen des Reichstages so viel als möglich beiwohnen zu können, beschließt der Kongreß: s) Jedes Mitglied der sozial-demokratischen Arbeiter-Partei zahlt pro Monat außer den gewöhnlichen Steuern 1 Gr. Diäten steuer. d) Der Ausschuß darf keine Mitgliedschaft von dieser Steuer dispensiren. o) Derselbe ist verpflichtet, diese Steuer besonders und regel- recht zu buchen. d) Derselbe ist verpflichtet, diese Steuer, soweit die Abge- ordneten nicht darauf verzichten, wie folgt zu vertheilen: 1) Jeder Abgeordnete erhält vom Orte seines Wohn- sitzes aus gerechnet, soweit derselbe die Eisenbahn be- nutzen kann, das Fahrgeld für die dritte Wagenklasse, eventuell das Postfahrgcld bis zur nächsten Eisenbahn station, für Hin- und Rückreise nach Berlin für jede Session des Reichstages. 2) Allmonatlich wird diese Steuer der Kopfzahl nach an die Abgeordneten gleich- mäßig, nach Maßgabe ihrer Anwesenheit zum Reichs- tage den Tagen nach gerechnet, vertheilt. e) Die Abrechnungsformulare der Mitgliedschaften müssen eine Rubrik für diese Steuer enthalten. k) Die Erhebung dieser Steuer beginnt mit Monat Sep- tember d. I. 2) Der Kongreß ernennt bei seinem Zusammentritt sofort eine Kommission, die den Zweck hat, dem Kongreß eine Vorlage zu machen, über die Einrichtungen der Buch- führung der Mitgliedschaften, des Ausschusses und der Kontrol'Kommission. Diese Kommission hat ihre Ar- beilen so zu beschleunigen, daß der Kongreß vor seinem Schluß im Stande ist, das Resultat der Arbeitm der Kommission zum Beschluß zu erheben. Die Mitglieder in Limbach beantragen: Paragraph 7 der Geschäftsordnung dahin abzuändern: Pflicht— abzuliefern: Ist die Ablieferung der Steuer bis zum angegebenen Termin nicht erfolgt, dann hat der Parteiausschuß die säumigen Orte im Partei-Organ zu veröffentlichen und zur Zahlung aufzufordern. Die Mitgliedschaft zu Frankfurt a. M. beantragt, der Kon- greß möge beschließen: 1) Daß der Ausschnß der Partei alljährlich, wenn nicht außerordentliche Verhältnisse maßgebend sind, an einen anderen Ort verlegt wird, und ein Mitglied des Aus- schusseS, welches ein Jahr im Amte war, für das nächste Jahr nicht wieder wählbar ist. 2) Daß nur solche Mitglieder und Delegirte zum Kongreß Zutritt haben sollen, welche ihren Beitragspflichten bis zum letzten Monat vor dem Kongreß Genüge geleistet haben. 3) Bei der nächsten Reichstagswahl nur solchen Kandidaten des Allgemeinen deutschen Arbeiter-BereinS unsere Stim- inen zu geben, welcke ganz entschieden für Einigung bei- der sozial-demokratifcheu Fraktionen eintteten. An die Vorstände der resp. Gewerkvereine! . Wir halten es für unsere Pflicht, die gewerkschaftlichen Ver- Einigungen, gleichviel welche Geschäftszweige sie umfassen oder wel- cher politischen Richtung sie auch angehören, in ihren Kämpfen kegen Bedrückung und gewissenlose Ausbeutung dadurch zu unter- stützen, daß wir ihnen den„Botschafter" zu Warnungen vor Zu- jug bei Arbeitseinstellungen oder Ausschließungen zur unentgeltlichen Verfügung stellen. Da der„Botschafter" zu den zahlreichst- und �eitestverbreiteten Arbeiterorganen zählt und die Leser desselben in °er eiftigsten Förderung auch der allgemeinen Arbeiterintercssen ihre Ssößte Genugthuung finden, so eignet sich dieses Blatt ganz vor- �iflich zu derartigen Bekanntmachungen. Die Herren Vorstände sollen uns darum einttetenden Falls per Postkarte von sie betref- stnden Arbeitseinstellungen resp. Ausschließungen unter der Adresse 6. W. Fritzschc, Berlin, Monbijouplatz 12, in Kenntniß setzen. geehrten Redaktionen sämmtlicher Arbeiterzeitungen bitten wir, °urch Abdruck des Vorstehenden uns Gelegenheit zu verschaffen, ""s« Pflicht im reichlichsten Maße erfüllen zu können. Die Redaktion des„Botschafters", Drgan für die Mitglieder des Deutschen Tabakarbeiter-Vereins. Gewerksgenoffenschaftliches. Gewerkschaft der Holzarbeiter. , Altona, 25. Juli. An die Hauptkasse eingegangen II. Quartal Stade 36 Thlr. 13 Sgr— Chemnitz 31. 6. 1., Gotha 28. 6., Wolfenbüttel 11. 18. 8., Hannover 1. 2. 6., Mainz °9- 11. 1., Dresden 27. 28. 6., Eisenach 20. 28. 6., Altona 22. •— Weimar 7. 18.—., Gießen 4. 17. 1., Magdeburg 4.—. > Erfurt 100. 12. 4., Berka 5. 16.—. Die Abrechnung wird Nächstens im Circular erfolgen. Insbesondere mache ich die Ort- chasten resp. Bevollmächtigte und Kassirer, die bisher ihren Pflich- s* gegen die Hauptkasse noch nicht nachgekommen sind, auf§ 5 " Statuts aufmerksam. H. Somavn, Kassirer, Adolphstr. 32. , NB. Sollten sich etwa in obige Veröffentlichung Irrthümer '�geschlichen haben, so bitte ich die betreffenden Kassirer sofort zu �tlarniren. . Leipzig. 20. Juli. In der hier abgehaltenen Generalver- wnmlung legte der hiesige Bevollmächtigte O. Stelzer sein Amt �der. ES wurde au dessen Stelle C. Seifert gewählt. Zuge- �ste Mitglieder, welche hier Reisegeld erheben wollen, können, Wer tm Mittagsstunden, dasselbe zu jeder Tageszeit erhalten: �lndmühlenstr 48, II. DaS Verfammlungs- und Verkehrslokal n schräg gegenüber in Nr. 7 der Windmühlenstr. Der wieder gewählt- Kassirer, H. Winter, wohnt Floßplatz 19, II. f. cr. Kassirer der Kraukenkasse, W. Gehrhardt, wohnt West- maße"•-— 41, i. H. IV. C. Seifert, gr. Windmühlenstr. 48, III Internationale Metallarbeitergewerksgenossenschast. - Chemnitz, 20. Juli. Nachdem laut Beschluß der Generalver- Mmlung Chemnitz wieder als Vorort bestimmt ist, erfolgte am »ttwoch den 25. Juni statutengemäß die Neuwahl des Ausschusses t, � constituirte sich derselbe am 7. ds. MtS. wie folgt. Zur 'ttung der Geschäfte wurde der Unterzeichnete, als dessen Stell- .tttreter C. G- Schubert, als Hauptkassirer Carl Herman He- flu», er» innere Rochlitzcr Straße 30, 3 Treppen, gewählt. zunächst wurde noch beschlossen, daß alle Einläuft von nun an an die Adresse des unterzeichneten Geschäftsführers zu richten seien. Zugleich diene zur allgemeinen Kenntniß, daß, nach Beschluß der Generalversammlung, sich der Ausschuß mit allen bestehenden Fach- und sonstigen Vereinen, welche nach§ 3 der Gewerkschasts- statuten als in das Fach einschlagend zu bettachten sind(der§ 3 zählt folgende Gewerbe auf: Schlosser, Schmiede, Maschinenbauer, Kesselschmiede, Metalldreher, Eisenschiffsbauer, Windenmacher, Former, Feilenhauer, Nagelschmiede, Waffenschmiede, Büchsenma- cher, Gas- und Wasserrohrleger, Gürtler, Bronceure, Gelb- und Glockengießer, Zinn- und Zinkgießer, Kupferschmiede, Ketten schmiede, Blechschmiede und Klempner, Mechaniker und Optiker, Jnstrumentenmacher aller Art, Graveure, Kupferstecher, Ciseleure, Modellirer, Uhrmacher, Nadler, Gold- und Silberarbeiter, Draht- weder, Siebmacher und Stahlsederarbeiter, sowie fachverwandte Gewerbe jeglicher Stellung), in Verbindung zu setzen habe, da eine gegenseitige Vereinigung zur Erzielung von Resultaten unbedingt nothwendig ist und durch das Zusammengehen Aller der Sieg für unsere Sache nur um so leichter und schneller erfolgt. Es ergeht deshalb hiermit die Aufforderung an alle fachverwandten Vereine, welche sich mit uns in Verbindung setzen wollen, ihre Zuschriften gleichfalls an des Unterzeichneten Adresse gelangen zu lassen, von wo zede Aufklärung bereitwilligst erfolgt. Zugleich ersuchen wir noch die Verttauensmänner der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, da, wo noch keine Mitgliedschaften unserer Gewerksgenossenschaft vorhanden sind, uns nach Kräften zur Seite zu stehen und allen sallsige Adressen uns mitzutheilen. Metallarbeiter! Aufgewacht! Habt Ihr nicht gehört von jenem famosen Fabrikantenbunde, dessen Oberhaupt, der vielbetitelte Johann Zimmermann in Chemnitz, es sich mit großem Eifer an- gelegen sein läßt, es mittelst Petitionen an den deutschen Reichstag, sowie sonstiger Verfügungen es dahin zu bringen, daß aus den deutschen Arbeitern eine folgsame Sklavenheerde werde, die geduldig am Hungertuche nagt? Aufgewacht, Arbeiter! Wollt Ihr warten, bis Euch das bis- chen Selbstgefühl, welches Ihr noch besitzt, vollständig geraubt ist, bis Ihr, durch die eiserne Nothwendigkeit gezwungen, einen Kampf um's Dasein ohne alle Organisation aufnehmen müßt, um dann erst recht darnieder geworfen zu werden? Hier heißt es nicht, es kommt von selbst! Ja, um Eure vollständige Unterdrückung hau- delt es sich, wenn Ihr nicht einttetet in den Kampf der Arbeit gegen das Kapital. Da nun einem längst gefühlten Bedürfnisse durch Feststellung neuer Statuten abgeholfen ist und dieselben baldigst den Mitglied- schaftcn zugesendet werden, sieht sich der Ausschuß veranlaßt, nun- mehr zur regsten Thätigkeit aufzufordern. Es sind hauptsächlich die bestehenden Ortsvereine in die Verbindung hereinzuziehen,.da ja auch unsere Gegner längst eingesehen haben, daß sie mit ihren örtlichen Verbindungen nichts erreichen nnd sich deshalb im weitesten Maßstabe verbunden haben. Die Leiter der Ortsvereine werden gewiß längst Gelegenheit gehabt haben einzusehen, daß sich ohne eine große internattonale Verbindung gegenüber dem verei- nigten Kapital und der Ausbeutungssucht nichts Großartiges erreichen läßt. Stteben wir mit vereinten Kräften eine vollstän- dige Vereinigung an, damit die nächste Generalversammlung einen schlagenden Beweis unserer Thätigkeit liefere und wir mit Stolz auf das zurückgelegte Geschäftsjahr blicken können. Der neuge- wählte Ausschuß hat es sich zur Aufgabe gestellt, mit allen Kräften Zur Hebung unserer Gewerksgenossenschaft einzutteten und erwartet er gleichfalls von den Bevollmächtigten und allen Freunden unserer Sache jede Unterstützung. Gewerksgenossen! Hohe Zeit ist es, daß Ihr Eure Blicke um Euch richtet und Eure Lage einer gründlichen Untersuchung unterzieht, um zu urtheilen, welche Stellung Ihr in der menschli- chen Gesellschaft einnehmt; vergleicht die Vergangenheit mit der Gegenwart, und schließt daraus für die Zukunft. Seht Ihr nicht allerwärts die Unterdrückung der Arbeit? Sie, die Arbeit, die Alles erzeugt und erhält, ist das bloße Werkzeug zur Füllung der bodenlosen Taschen von GründungSschwindlern und Aktionären, welche Tausende in wenigen Stunden vergeuden. Während Ihr in ungesunden Fabrik- und Wohnuugsräumen Eure Gesundheit zum Opfer bringt, sitzen jene in den Äädern, umgeben von Mai- trcssen, und erholen sich von den Sttapazen des Nichtsthuns. Das muß ander« werden. Ihr seid es Eurer Selbsterhaltuug, Eurer Familie, der gesammten Menschheit schuldig; jedes Zurück bleiben ist Verrath und Feigheit. Wozu besitzt der Mensch geistige Fähigkeiten? Arbeiter! Die Organisation ist da, um den lieber- griffen der Kapitalherrschaft ein Halt zuzurufen. Aber gegenüber der Zahl der Leidenden sind es doch nur Wenige, die der Organisation angehören. Tretet ein in die Lücken, schließet Euch an denen, welche bereits in dem Kampf vorangegangen, denn sobald die Betheiligung eine allgemeine, ist auch schon der Sieg erfochten. Zugleich fordern wir auf, für die Verbreitung des„Volksstaat" in unfern Mitgliedschaften die größte Thätigkeit zu entwickeln, um nicht bloS zahlende, sondern solche Mitglieder zu besitzen, welche durch und durch die Entwicklung unserer Verhältnisse kennen und dadurch erst zu tüchtigen Mitgliedern gestempelt werden. Ferner fordern wir allseitig auf, über etwaige Gewaltmaßrcgeln seitens unserer Gegner unS sogleich Mittheilung zu machen, daß wir unsere Mitglieder vor dem Einttitt in die Arbeitshäuser dieser Tyrannen warnen können. Also nochmals, Metallarbeiter allerorts! Erkennt Eure Pflicht. Tretet ein in den Kampf, weichet nicht furchtsam zurück, zaudert nicht, denn jede Minute ist Verlust. Zeigt, daß Ihr noch Energie und ManneSwürde besitzt! In der sichern Boraussetzung einer starken Betheiligung sehen wir baldigen Zuschriften entgegen. Der Ausschuß der intern. Metallarbeitergewerksgenossenschast. Richard C. I. Wolf, Geschäftsführer, Frauenstr. 6, 2 Treppen. Allgemeiner deutscher Schneiderverein. ßhcnlnih, 23. Juli. Abrechnung des II. Quartals 1873. Einnahme: Bestand vom I. Quartal 190 Thlr. 20 Sgr. 7 Pf., LandShut i. B. 4. 17.—., Gotha 5. 16. 5., Pforzheim 2. 16.—., Braunschweig 18. 26. 5., Großenhain 1. 16. 5., Bayreuth 3. 15. —., Gießen 1. 2. 8., Stade 4. 29. 9., Leipzig 5.—. 4., Nürn- bcrg 40. 4. 5., Augsburg 3. 12. 8., Chemnitz 2. 12. 6. Summa 284 Thlr. 1 Sgr. 2 Pf. Ausgabe für Porto und Abonnement des„Volksstaat" 3. 13.—. Bestand für nächstes Quartal 280. 13 2. ' Bestand der eingegangenen Gelder für Stade 26 Thlr. 12 Sgr. 5 Pf. Für das franke Mitglied Zeisler in Nürnberg von Stade 3. 6. 6., von Großenhain 1.—.—• Summa 30 Thlr. 18 Sgr. 1 Pf. Ausgabe: 5 Thlr. nach Berlin zur Agitation; 10. 6. 6. für das(ranke Mitglied Zeisler in Nürnberg. Bleibt Bestand 15 Thlr. 11 Sgr. 5 Pf. Für dieses Quartal sind bis jetzt ihrer Pflicht nicht nachge- kommen Frankfurt a. O. und Pirna. Wegen Agitationsaufwand für dieses Quartal Berlin suspendirt. Regensburg in Folge durch Aussperrung erlittener Kassenverluste für dieses Quartal suspendirt. Elberfeld und Barmen neu constituirt. Trotzdem ich schon zu wiederholten Malen bekannt gemacht habe, daß Gelder nur an den Kassirer Friedrich Fischer, Augustusburgersttaß 54 b, zu senden sind, sind fast alle Gelder dennoch an mich eingesandt worden. Ich bitte daher, da ich das Geld jedes Mal erst von der Post abholen muß, mich nicht mehr zu belästigen. Statutengemäß sind ja auch alle Gelder an den Kassirer zu senden. Für den Ausschuß: G. Schöfsel, Zimmerstr. 16, II. Verband für Buchbinder. -Leipzig, 30. Juli. Soeben erfahren wir, daß der hiesige Prinzipalverband eine Aussperrung sämmtlicher hiesiger Verbands- Mitglieder beabsichtigt. Also auf eine Sprengung des hiesigen Vereins ist es abgesehen. Die Verbandsmitgliedcr überall wollen sich auf dieser gefaßt machen; wir sind gerüstet. H. Richter. Correspoudenzen. Kleinzschocher bei Leipzig, 20. Juli. Da bei den in Aussicht stehenden Landtagswahlen die liberale Partei schon vor einigen Wochen anfing sich zu rühren, um über die Aufstellung eines Can- didaten sich zu verständigen, der, um mit dem„Lindenau-Plagwitzer Wochenblatt" zu reden,„die Rechte des Volkes wacker vertheidigen helfe", da dem engern Vaterlaude durch Aufstellung von Grund- sätzen eine Zukunft drohe, die nicht wünschenswerth sei, und da man damals Herrn Sparig, Kaufmann, Feuerwehr-Kommandant und Vizepräsident der Narrengcsellschaft Carneval in Leipzig, als Caudidateu aufstellte, so fand sich der demokratische Arbeiterverein zu Kleinzschocher veranlaßt, eine Volksversammlung zur Besprechung über die Landtagswahlcn einzuberufen. Der Referent Herr Trost sprach zunächst über den Landtag und seinen Zweck, und wies nach, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen für den Arbeiter und Kleinbürger durch die Landtage kein Heil erwachse; über die poli- tische Thätigkeit des Herrn Sparig sei ihm gar nichts bekannt, er, Redner, könne sich also auch in eine Kritik über denselben nicht einlassen. Nur so viel müsse konstatirt werden, daß ein sogenann- ter liberaler Abgeordneter nie im Interesse des Arbeiters im Land- tag wirken könne, denn Bourgeois- und Arbeiterinteressen stünden einander strikte entgegen. Da sich aber ein geeigneter Candidat mit den nöthigen Eigenschaften, d. h. mit 10 Thaler diretter Staatssteuer nicht finden würde, so sei eS zweckmäßiger, von einer Wahl abzusehen, die Wähler aber müßten überall über den Ban- kerott unseres heutigen Parlamentarismus aufgeklärt und zu diesem Zweck im 24. Wahltteis Versammlungen abgehalten werden, die Protest gegen die Censuswahlen erheben. Anknüpfend an die Aus- führungen des Referenten sprach Hadlich aus Leipzig in demselben Sinne, und citirte Franklins Aeußerung über die Censuswablen: „die geistige Bildung und Intelligenz sei es nicht, welche den Can- didaten zum Abgeordneten mache sondern die Menge seiner Pferde, Kühe, Schaft und Esel seien maaßgebend, und mithin wären diese Thiere die eigentlichen Wähler." Allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht für Landtag, Reichstag und Gemeindevertretung müsse die Parole des Arbeiters sein. Nachdem noch mehrere Redner in demselben Sinne gesprochen und ein Gegner trotz mehrmaliger Aufforderung sich nicht meldete, wurde folgende Resolution ein- stimmig angenommen:„Die heutige Volksversammlung erklärt, da die Landtage in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung nur die Interessen der besitzenden Klassen vertreten, es auch der Mehrheit des Volkes in Folge der Censuswahlen unmöglich gemacht ist, einen geeigneten Vertreter zu wählen, sich bei der bevorstehenden Laudtagswahl nicht zu betheiligen." Der zweite Punkt der TageS- Ordnung betras locale Angelegenheiten. Das Local war trotz de» Regenwetters ziemlich gefüllt und war der Geist der Versammlung ein guter. cheityain, 25. Juli. An die Partei- und Gesinnungsgenossen im 14. sächs. Wahltreis. Das unterzeichnete Comitö ersucht hier- mit alle Partei- und Gesinnungsgenossen im 14. sächs. Wahlkreis, Sonntag, den 3. August, in Krasselt's Gasthof bei Bahnhof NarS- dorf zu einer Besprechung über die Rcichstagswahlen zu erscheinen. ES ist diesmal um so nothwendiger, daß aus jedem Orte Partei- oder Gesinnungsgenossen erscheinen, da der bei der Landesversamm- lung vorgeschlagene Reichstagskandidat Allen bekannt gemacht wer- den und die Agitation für denselben beginnen soll. Die Arbeiter müssen in der Zeit anS ihrer Vertrauensseligkeit geweckt, von der Nothwendigkeit, einen Arbeiter zum Vertteter zu haben, überzeugt werden, damit sie mnthig und unerschütterlich in den Wahlkampf eintteten. Die Genossen in den Städten Colditz, Lausigk, Borna und Pegau fordern wir hiermit nochmals ausdrücklich auf, zu die- fer Besprechung zu erscheinen. Sollte ihnen dies unmöglich sein, so ist es ihnen doch möglich, uns ihre Adressen zuzuschicken. Die Agitation muß überall zu gleicher Zeit beginnen und mit gleicher Energie geführt werden, und das ist nur möglich, wenn alle Orte miteinander verbunden sind. Mit sozialdemokratischem Gruß Das Wahlcomitö: G. Stahl, Schuhmacher. Wieda.[ Der Arbeitertag ist unter starker Betheiligung glän- zend verlaufen! Die Referate von Luber und Lyser wurden mit großem Beifall aufgenommen. Für die nächste ReichstagSwahl ist Bracke in Aussicht genommen« Magdeburg, 20. Juli. In der letzten Nummer dcS„Ge- werkvcrein" lese ich einen von vielen Unwahrheiten strotzenden Bericht über die am Montag, den 14. dS. MtS. hier abgehaltene Versammlung der Cigarrenarbeiter, behufs Gründung einer Mit- gliedschaft des deutschen Tabakarbeitervereins, zu der Wolf und Denert aus Braunschweig anwesend waren. Der Bericht im „Gewerkverein" nöthigt mich, den Verlans der Versammlung wahr- heitsgctten zu schildern. Die Versammlung, welche von Denert und Wolf durch zwei andern Kollegen hier einberufen war, wurde uns erst am Montag Nachmittag bekannt gemacht per Cirkular, also nicht schon vorher durch alle Zeitungen, wie die Herren Richter und Höne im„Gewerkverein" berichten. Infolge dieser zu späten Bekanntmachung war die Versammlung auch sehr s-bwach besucht.(Kaum 40 Mann waren von über 200 Cigarrenarbcitern, die es hier gibt, bei der Eröffnung anwesend. Die hiesigen Gewerk- Vereinsmitglieder hatten am selben Abend eine Versammlung, um sich zur Sprengung unserer Versammlung vorzubereiten oder doch wenigstens zu zeigen, welche Macht sie haben. Sie führten wirk- lich 20 Mann ins Feld, denen es auch glücklich gelang, über 17 Mann die Majorität zu erringen. Welch großer Sieg! Den Sozialisten wird es bange sein, jemals wieder hier in Magdeburg aufzutteten. In das Büreau wurden gewählt: Richter, OrtSfekrerär «ußer Dienst zum 1. Vorsitzenden, Steinbrecht zum 2. Vorsitzenden »nd Höhne zum Schriftführer. Nach der Eröffnung hotte Richter den bereitgehaltenen Antrag hervor, welcher auch angenommen wurde »nd wonach die Referenten nur eine halbe Stunde sprechen durften. Nachdem nun Wolf über den ersten Punft,„der Vlothoer©tritt", gesprochen hatte, sprach Richter über die alleinseligmachende Spar- und Harmonielehre und suchte Propaganda zu machen für ihre Produktiv-Genoffenschaft. Daß es nicht an Widerlegungen unserer- seitS fehlte, braucht nicht erwähnt zu werden, und so brachte er eine Resolution vor, nach der das soziale Elend nur durch Ge- uossenschaften zu heben sei, welche auf Selbsthülfe beruhten. Von unserer Seite lief eine dagegen ein, doch wurden beide merk- würdigerweise abgelehnt. Nachdem nun Denert über den deutschen Tabakarbeiterveretn gesprochen hatte, war es uns nicht mehr mög- lich das Wort zu erhalten indem die beiden Vorsitzenden immer zur Berichtigung sprachen, und so die Redner, die eingezeichnet waren, nicht zum Wort kamen. Es war klar, die Versammlung sollte resultatslos auseinandergehen. Um den Harmonicjüngern das Feld aber nicht so ohue Weiteres zu räumen, verlangte ich das Wort zur Geschäftsordnung. Mit vieler Mühe und nachdem ich mich fast heiser geschrieen, gelang eS mir endlich zu Worte zu kommen und zu erklären, daß ich es unter meiner Würde hielte, noch länger einer so parteiisch geführten Versammlung beizuwohnen; ich forderte alle Gleichdenkenden auf, mit mir das Lokal zu ver- lassen, worauf sich ein Beifallssturm erhob, und die Versammlung war aufgelöst. Dieses der wahrheitsgetreue Sachverhalt. Auf den Bericht im„Gewcrkverein" selbst und die einzelnen Unwahrheiten will ich nicht näher eingehen, da ich mit Herrn Richter nichts weiter zu thun haben will. Ein Mann, der uns in einer Ver- sammlung der Polizei denunzirte, indem er sagte: die Leute wollen ja nur Revolution und wollen die Monarchie stürzen, verdient nur ein mitleidiges Lächeln. Die Arbeiter Magdeburgs werden sich das aber merken und recht viel Cigarren von diesen Leuten kaufen. Denn sie sind jetzt geschützt vor den Irrlehren der Sozialdemokratie, es darf sich Keiner mehr gelüsten lassen, hier aufzutreten. Otto Köhler. Ich ersuche die Redaktionen deS„ Botschafter" so wie des „Gewerkvcreins" hiervon Notiz zu nehmen. D. O. Aeumdorf bei Staßfurt. Bericht über die Agitation im letzten halben Jahre. Nachdem die Magdeburger, die Halberstädter und die hiesigen Mitglieder ihren Anschluß erklärt, liefen an frei- willigen Beiträgen ein: Von Magdeburg 2 Thlr. 10 Gr., von hier 6 Thlr., von Halberstadt leider bis dato kein Heller. Ob's bei den dortigen Mitgliedern an klarem Verständniß oder regem Interesse für diese wichtige Sache gefehlt, können wir nicht ent- scheiden, nur entschieden mißbilligen müssen wir ein solches Ver- halten. Zur Agitation übergehend, richten wir entschieden zuerst unser Augenmerk auf das von organisirten industriellen Zwing- bürgen umgebene Staßfurt. Seit einiger Zeit machten etliche Agi- tatoren vom Allgemeinen Deutschen diesem Kernpunkt unermüdlich ihre Aufwartung, bis es uns gelang, durch Unterstützung des wackern Bremer und Naters diese Stellung fest einzunehmen und zu behaupten. Aus Braunschweig langte einige Zeit darauf Kokosky hier an, und hielt Vorttäge in Neundorf, in Staßfurt und Halber- stadt; das Resultat war die Aufnahme einer Anzahl von Mit- gliedern; außerdem ging er zur Ausbreitung der Partei nach San- derSleben und Hartzgerode. Einige Wochen später langte Fischer von Spandau hier an, hielt zur Befestigung alter Stellungen Vor- träge in Neundorf, Staßfurt und Magdeburg(Festrede), Halber- stadt und Quedlinburg. Zur Ausbreitung resp. Bildung neuer Mitgliedschaften sprach Fischer in Mühlingen, Hartzgerode und Osterwick am Harz. Das Resultat war die Bildung zweier neuen Mitgliedschaften und die Aufnahme einer größeren Anzahl von Mitgliedern.— Die Pfingstsciertage langte Uorck hier an, hielt in ver- schiedeuen Orten Vorträge und gründete in 2 Orten neue Mitglied- schaften. Parteigenossen von hier und Umgegend, wir wenden uns vertrauensvoll an Euch und fordern als Centralcomit6 des Re- gierungsbezirks Magdeburg entschiedenes Eintreten zur Ausbreitung unsrcr Idee, besonders pünktliches Einsenden von freiwilligen Beiträgen an die hiesige Agitattonskasse, damit nicht wie bisher zwei Mitgliedschaften allein alle Opfer zu bringen haben und wir nicht gezwungen sind, immer und immer wieder die Parteikassc, die ja schon viel zu leisten hat, in Anspruch zu nehmen. ES darf nicht geschehen, daß wir aus Mangel an Mitteln die Agitation gänzlich einstellen müssen. Beruft, wo Gelegenheit sich bietet, Versamm- luugen ein, und berichtet frühzeitig hierher; Freund Fischer ist gern bereit, da ihm Zeit genug zur Verfügung steht, seine Kraft der Sache zu widmen; die Wahlen zum Reichstag rücken heran, darum Hand ans Werk, und nicht gesäumt, wenn's zu handeln gilt. Alle Gelder sind an Bergmann Frommann, alle Briese an Maurer Gottlieb Röder einzusenden. Das Centtalagitationscomit6 für den Bezirk Magdeburg und Anhalt. Theodor Wölfer, Bergmann, Vorsitzender. Gottlieb Röder, Maurer, Schriftführer. Franz Frommann, Bergmann, Kassirer. NB. Wie steht's in Dessau? Besteht die Mitgliedschaft oder ist sie entschlafen? Antwort, Vater Polling! Augsburg, 12. Juli. Ein Akt der Polizeiwillkür. Sonntag den ö. Juli, von Nachmittag halb 2 Uhr au, fand hier im Gast- haus zum Kohlergarten ein von den Mitgliedern der hiesigen Fach- vereine veranstalteteS Gartenfest statt, bei welchem der ebenfalls aus Forchheim anwesende Gesinnungsgenosse Grillenberger eine kleine Ansprache halten wollte, was ihm polizeilich aber verboten wurde. Wundern kann man sich über derartige Polizeiwillkür nicht mehr, denn sie ist ja an der Tagesordnung; nur so dreist, wie es hier geschehen, tritt sie nicht überall zu Tage. Man höre: Nach zwei Uhr fanden sich zwei Spähemänner in Dienstmützen (sonst in Civil) ein, ohne sich eine Einlaßkarte zu lösen. Der Vorsitzende des Comite's, Hr. Hirth, interpellirte dieselben des- halb, und während er noch mit dem einen sprach, entfernte sich der andere und löste zwei Einlaßkarlen, welche ihnen sodann, wie jedem andern Gast, abgenommen wurden. Herr Hirth interpellirte die Herren weiter, ob sie als Gäste oder als Polizei hier wären. Dieselben erklärten, zum Feste commandirt zu sein, worauf wir ihnen erklärten, daß hierzu ihr Commandant, Hr. Polizeiofficiant Tischer, kein Recht habe und daß wir uns deshalb beschweren würden. Als nun später, wie schon erwähnt, Hr. Grillenberger eine kurze Ansprache an die Anwesenden halten wollte, verbot dies einer der anwesenden Spähemänner. Die Auftegung der Anwe- senden war ungeheuer; der Ruf:„Sprechen lassen" wollte kein Ende nehmen. Nun betrat Endres die Tribüne und erklärte den Anwesenden, daß die beiden Spähemänner sich ihre Einlaßkarten gelöst hätten wie jeder andere Gast, und mithin müssen sie auch von unö als Gäste behandelt werden; dieselben hätten uns nichts zu bewilligen und nichts zu verbieten, wir würden uns wegen dieses Aktes der Polizeiwillkür beschweren. Redner fordert die An- wesenden noch auf, sich durch diesen unliebsamen Zwischenfall nicht weiter stören zu lassen. Das Fest verlief dann auch, abgesehen von dieser Störung, in der schönsten Weise; ebenso die Abends arrangirte Tanzunlerhaltuug. Wir haben eine Beschwerdeschrift beim hiesigen Magistrat eingereicht wegen des ungesetzlichen Vor- gehens der Polizeiorgane. DaS Resultat der Beschwerde werden wir bekannt geben. Es geht das Gerücht, daß zu Kindtaufen, Hochzeiten k. bei Sozialdemokraten für die Folge Polizei commandirt wird, um etwaige Reden zu verhindern. Das fteie??? einige?? deutsche Zucht— Reich soll leben— hoch! Königsberg, 29. Juli. In der am 14 dS. Mts. abgehaltenen Versammlung deS hiesigen Ortsvereins- Verbandes wurde in be- kannter Weise von Einzelnen gegen die Sozialdemokratie zu Felde gezogen. Unter Anderen hatte einer der„Herren vom Tisch" (Klempner Blunk) die Frechheit, zu sagen:„Der sozialistische Apostel Eckstein hätte die Büchse ins Korn geworfen, hätte sich gedrückt, weil hier für ihn nichts zu machen wäre. Diese Verleumdung be- wog Konditor Pomenski, ein Parteigenosse, daS Wort zu ver- langen, was er auch erhielt. Vielleicht hielt man ihu für ein Ver- bandsmitglied, oder man war durch Schaden(vide Zweidrittel- Minorität des Vorsitzenden Tiedemann gegen Eckstein) llug geworden. — P. erwiderte, es wäre ein Leichtes, Verleumdungen auszusprechen, und Steine zu werfen auf Personen, welche nicht anwesend wären. Eckstein hätte keineswegs die Büchse in das Korn geworfen, hätte das hiesige günstige Feld zur Zustiedenheit seiner Partei bearbeitet, 60 neue Mitglieder wären in die Partei eingetteten, und nur wegen seiner Pstichten als Ehemann und Gemeindevertreter hätte er Königsberg verlassen.„Solches zur Steuer der Wahrheit" schloß P. unter allgemeinen Zustimmungsbezeugungen der Mitglieder. Natürlich wußten die Herrn daraus Nichts zu erwidern. Die fast allgemeine Entrüstung bei den Ortsvereinsmitgliedern über mehrere Lügenberichte des Vorstandes in dem„Gewerkverein" über Eckstein's Austreten bewiesen, daß Etwa« faul im Staate Hirsch-Duncker. In derselben Verbandsversammlung wurde constatirt, daß in den größeren Fabrikgeschästen(Orgler u. Hirsch) sämmtliche Arbeiter sozialdemokratisch gesonnen sind und erklärte Kamiusky, Schneider, daß er den kürzeren Weg der Sozialdemokratie auch für den besseren und praktischeren halte.—... 1 Durch Eckstein sind die sozialdemostatische Prinzipien unter unfern Arbeitern allgemein verbreitet worden; wenn auch unsere Parteiversammlungen jetzt nicht so stark besucht sind, so hängt das auch von andern Umständen ab, und werderu wir jetzt mit Be- zirköversammlungen vorgehen. Letzten Sonntag fand unter guter Betheiligung des Publikums das Sommerfest des Arbeitervereins statt, welches unter Conzert, Gesang und Reden heiter und anregend verlief. Map Herbig betonte in einem Rückblick der sozialdemokratischen Standpunkt des Vereins; Ender verbreitete sich über die gegenwärtig politisch- reattionäre Lage und betonte, daß in solch dunkler Zeit der Arbeiter denken und seine Gedanken mit Seinesgleichen austauschen müsse. In der Jetztzeit hätten die Arbeiter überhaupt nur die eine Auf- gäbe, sich eng aneinander zu schließen, um gerüstet darzustehn gegen die Feinde der öffentlichen Wohlfahrt. A. Radtke. Aewark(New-Jersey), 23. Juni. Am 13. Juni 1872 wurde hier nach mancherlei vergeblichen stüheren Versuchen der erste Arbeiterverein gegründet, welcher sich die Aufgabe stellte, für die sozialistischen Ideen der Neuzeit Propaganda zu machen, trotzdem Newark eine Stadt von 130,000 Einwohner und in industrieller Beziehung einer der ersten Plätze in den Vereinigten Staaten ist, hatte der Verein im Anfang mit bedeutenden Schwierigkeiten zu kämpfen, namentlich war es der JndifferentiswuS der Arbeiter, der dem fruchtbringenden Wirken des Vereins entgegenttat. Doch durch den Eifer einzelner Mitglieder wurden die ersten Schwierigkeiten überwunden. Oeffentliche fteie Vorttäge, allgemeiner Arbeiterver- sammlungen sowie die jede Woche stattfindenden öffentlichen Ver- einssitzungen schafften uns im Laufe deS Jahres einen gediegenen Stamm innerhalb des Vereins. Bald machte sich das Bedürsniß nach einem bestimmten Pro- gramm, welches unserer Agitation zur Grundlage dienen könne, fühlbar. Mit Rücksicht aus die Arbeiterverhältnisse NewarkS nahmen wir im April daS Eisenacher Programmm der sozialdemottatischen Arbeiterpartei an, natürlich mit einigen unwesentlichen Abänderungen, welche uns unter den hiesigen staatlichen Verhältnissen nothwendig schienen. Mit dem Generalrath der Internationalen Arbeiter-Assoziation stehen wir in schriftlichem wie persönlichen Verkehr und ist unser Aufgehen in besagte Assoziation nur eine Frage der Zeit. Trotz- dem unsere Zahl noch immer klein ist, haben wir dennoch guten Muth und wirken rüstig weiter, namentlich haben wir unsere Thättgkeit auf die schon bestehen Trabes unionS(Gewerkvereine) verlegt, um auch dort unfern Ideen Eingang zu verschaffen. Am 6. Juni hatten wir mit denselben das erste Konferenzmeeting, bei welchem 7 Arbeitcrorgänisationen vertteten waren; die VerHand- lungen wurden in englischer und deutscher Sprache geführt, und waren alle Anwesenden mit den von uns gemachten Vorschlägen einverstanden. Eine allgemeine Arbeiter-Massenversammlung wird diesen vorberathenden Sitzungen folgen. Am Sonntag, den 15. Juni feierten wir in einfacher, würdiger Weise unser erstes Stiftungs- fest, bei welcher Gelegenheit wir uns gegenseitig gelobten, muthig und unverdrossen unser Ziel zu verfolgen; die lleberzeugung des endlichen Sieges unserer gerechten Sache wird uns die Arbeit er- leichtern. Sollten von unfern deutschen Gesinnungsgenossen der Eine oder Andere etwa nach Newark verschlagen werden, so finden sie in unserm Lokale, Bürgerhalle, 48 Williamstr. gastftcundliche Aufnahme sowie unentgeltliche Auskunft über Arbeit und dergl. Mit sozialdemokratischem Gruße: Für den Arbeiterschutzvcrein zu Newark: Albert Gabriel. NB. Derselbe grüßt seine Freunde im ArbeiterbildungSvereiu zu Dresden vom Jahrgang 69._ Fond für pol. Gemaßregelte. Bon Wust Breitenfeld 6 Gr. Anzeigen zc. Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Montag, den 4. August, Abends halb 9 Uhr: Mit- gliederversammlung in der„Schützcnhalle".— Tages- Ordnung: Der Parteikongreß; sozialpolitische Rundschau. Das Erscheinen aller Mitglieder ist nothwendig. _ Im Auftrag: R. Hirth. �(*1*1 ttt'liian adonmrl oom 1. Juli ad auf den„Bolksstaat" VJilllU monatlich V1/., Sgr. frei ins Hans, bei den Herren Traut- mann, Engelnferstraße Kd, 4 Tr.; Friese, Schwedterstraße 28, Hof pari.; Metzner, Linienstraße 79; öeinsch, Lindenstraße 11, Hos 4 Tr. bei Ewcst! A.Dauer, Koppenstr. 38; Gchvoide, stettinerstr. 43, Hof Part. sjNs Sozial-demottatische Arbeiterpartei. 'OviilU pesirbsoersammlungen. Montag, den 4. August, Abends 8 Uhr: Landwehrstrape 11 bei Meister: Bortrag des Herrn B r u ch m ü l l e r. Budwitz Loeal, Udmiralstraße 11, Eingang vom Hof: Bonrag de« Herrn Baumann. Dienstag, den 5. August, Abend« 8 Uhr: Lrettschneider'S Loeal, Gartenstr. 13 14: Das Maschinenwesen und die heutige Gesellschaft. Um zahlreiche Betbeiligung und um Zuführung von Gästen bittet Das Agitations-Eomitö. Donnerstag, den 7. August,'findet eine gcschloflenc Mitgliedervtrsamm> lung statt. Der Vertrauensmann. /|r!I j jj Sonntag, den 3. August, Abends 8 Uhr: VLUlu Lcffcutlichc Parttiversammlunlj im Lokale des Herrn Carl Breuer, Eigelstein 25.— Tagesordnung: 1) Da« Programm und die Organisation der sozialdemokratischen Arbeiter« Partei; 2) der Vorschlag Schecks auf dem Rheinischen Arbeitertaze zll Creseld über Abschaffung der Kontrolkommisfion. Alle Arbeiter und Parteigenossen Cölns sind hierzu dringend ein- geladen._ I. A.: Der Vertrauensmann. ftitltthlll-rt Klempner- unv GaSfittrrgehülsen wird zu jeder Tageszeit Arbeit nachgewiesen bei Herr« Eckhardt, Schoppenstahl Nr. 22, woselbst auch jede beliebige Auskunst über Werkstätten, Arbeitsverhältnisse zc. enheilt wird. Desgleichen find daselbst die Lohnlisten einzusehen. Der Vorstand sZas_ de« Fachverein« der Klemvner und Glasfitter. Hannover Sozialdemokratische Arbeiter- Partei. Sonnabend, den 2. August, Abends 8 Uhr, ge- schlossene Mitgliederversammlung im Lokale de« Herrn Bartling, Knochenhauerstraße 59. Tagesordnung: Delegirtenwahl und sonstige Berathung. Jeden Mittwoch und Sonnabend Versammlung in obigem Lokale, Mittwoch Leseabend, Sonnabend Bortrag und Diskussion. Der BertrauenSmann. ifottlltit Internationale Metallarieiterschast. B Nächsten Montag, den 4. August: Sitzung bei Arnhold, Reudnitzerstraße.— Tagesordnung: 1) Kassenbericht; 2) Fortsetzung de« Borttag«. Gleichzeitig Aufnahme neuer Mitglieder. ijVttUtlT Allssein. Mitssl ltderversammlilnss TV ü der hier bestehenden Gewerkschaften und Fach- Vereine Dienstag, den 5. August, Abend«, bei Zeidler, Windmühlenstraße 7. Tagesordnung: Die Gewerkschaften und die Nothwendigkeit der Aus- breitun g derselben._ Da« Comitä. «emerkschast der Holzarbeiter. ��t�B Sonnabend, den 2. August, Abend« 8 Uhr: Bersamnn lung bei Zeidler, gr. Windmühlenstraße 7.— Tagesordnung: Die Agi' tation in der Gewerkschaft. Res.: Peters aus Dresden. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Bev. ifottlltft ArbeiterbilduagSderein. Sonntag: 1— 3 Uhr Zeichnen. Montag: Gesang« Turnen, Stenographie, Rechnen. Dienstag: Deutsche, englische und ftanz'öfiche Sprache; Schönschreiben. Mittwoch: Diskussion oder Bor- trag. Donnerstag: Gesang, Stenographie, Turnen, ftanz. Sprach'- Freitag: Buchsühning, engl. Sprache, Wechsellunde. Sonnabend: Vortrag oder Diskussion. swls � dsfttVltt CirtiV Sonntag, den 3. August, �lyWV* AmU große Arbeiterversammlung. Arbeiter Hall«, seid auf dem Posten! Das Agitationscomite. Speyer Parteigenosse L. Weiß wird freundlichst ersucht, sein' Adresse nach hier gelangen zu lassen.___ Berichtigung. In Nr. 64, Quittung über 25 Thlr. f. d. str. Weber Berlin, muß es heißen: M. St. Jacob statt Mülsen St. Nickla«, ferner: von Mülsen St. Mcheln 6 Thlr. 20 Gr.. von Stangendors 1 Thlr. 10 Gr. Wir bitten künftig direkt zu senden, genaue Adr. Nr. 57 d.„L." Briefkastt« der Expedition. Gg. Hß Franks, a. M.: 6 Gr. für Juli erh., e« macht aber incl. Porto 8 Gr. 5 Pf. Hugo Schm s. F. B. M. A. Jägern- dorf: s. 2 Monate 3 Thlr.: Sie haben 9 Gr. gut. Jak. Kschnr Pest: Habe Ihnen mit den gew. Sendungen unter bekannter Adr. schon 3mal Rechnung gesandt. Gnzl Montignv: Schr. 20 Gr. H. Albt Glauchau: 2. Qu. 55 Thlr. 2 Gr. Satttlerver. Berlin: Ann. 1 Thlr. 5 Gr. S. Rchl Düsseldorf: 2. Qu. 5 Thlr. 8 Gr.«.«dl«lagenftrt: 3. Qu. 3 Thlr. 22 Gr. H. Gn Pforzheim: 2. Qu. Thlr. 6. 17. 6. I. Schft Mainz: 2. Qu. 12 Thlr. Für den Reichstagswahl-Fond. Bon Wolf Nowaweß 2 Thlr. Aufforderung. An die Württemberg. Parteimitglieder. Dieselben werden freund' lichst ersucht, ihre Steuer für die Beschickung de« Congresse«(nicht unl" 6 Kreuzer pro Kopf) an den Kassirer de« württemb. ilgitationscomitsf Herrn Joseph Schäzberger, wohnhast bei Thorbäck Hägele, hier cinzuse«' den. Ebenso werden die Parteigenossen au» Ulm, Bibrach, Mezinge», Reutlingen ersucht, ihre Adressen an un» gelangen zu lassen. Ebcos' machen wir die Parteimitglieder in Aalen und Wasseralfingen aus di' am 3. August in Hall abzuhaltende Arbeiterrersammlung(siehe Av' noncentheil) aufmerksam. Endlich legen wir den württemb. Parteig'' »offen dringend an« Herz, für möglichst vielseitige Verbreitung unsere« Organ«, der„Volksstaat" Sorge zu tragen. Ferner bitten wir, da« demnächst in Stuttgart täglich erscheinende Arbeiterblatt, die„Voll«' zeitnng" durch Abonnement sowohl, wie durch Zeichnung der Antheil scheine zu unterstützen. Gmünd, 28. Juli 1873. Da« AgitationScomitä. Sonntag, den 3. August: Allgemeines Urbeiterfest im Garten und Saal de« Herrn Hecht, bestehend" in Jnstrumentalconcerl« Festrede, deklamatorischen Vorträgen und Ball. Ansang Nachmittag halb 4 Uhr. Enttö für Herren 6 Sgr. Arbeiter, Arbeiterfteunde und besonders Parteigenossen von Nah um Fern werden zu recht zahlreicher Betheiligung eingeladen. Bei ankommenden Zügen werden von Mittag ab Comitemitglied'b an rothen Schleifen im Knopfloch kenntlich, zum Empfange auf dej* Bahnhofe anwesend sein.__ Das Festco mit 4.[2jj Den College» in der Fischer'schen Zuckerwaarensabrik in Apols� sagen ihren Dank sür da» mannhafte Eintreten für die Interessen uns"� bedauernswerthe» Lage. _ Mehrere Conditorgehilfen in Königsberg in Pr.__ � Gestern starb unser jüngstes Söbnchen Ernst. Königsberg in Pr., 29. Juli 1873. C. Namczynowsky und Frau. Berichtigung. »Meine Adresse ist: Rosenthalgasse Nr. 5, vierte Etage, nicht zw"'' Etage._____ Fr. Nauert. Auffvrderuug. Alle Diejenigen, welche Liederbücher oder andere Drucksachen von u«� bezogen haben, werden hiermit aufgefordert, Zahlung sofort an un» zusenden. Nicht verkaufte Liederbücher erbitten wir uns gleichzeitig zurück, da anderweite Berwenduug für dieselben haben. [3fe] Die Expeditio» der„Chemnitzer Freieu Presse" Le tpztg: Perantw. Redatteur E. Casper.(Reoattton and Expev" Zeitzerstr. 44). Druck und Serluz o«r Genossenschaftsbuchdruckerii.