»Zchnltlich 8 Ma! In Jitif'M. ©efttCaag« Nihme» alle Psstanstalten und Buch- tandlungtn de« In- und Auslandes an. ftilml-expeditivnen fiir dt« L-rei-iglen Staaten: F. A. Sorge, So, 101 Hoboken, K. J. 9. 3. Liinnecker, 98 S. Market atr. com. Hadisoa atr. Chicago, 11L Akannkmentspreis: Nkitr Preußen mcl.Stemrel- fteuer Ll Ggr., für die übrigen Deutschen Staaten 16 Sgr. pro Quartal. ZIl»«»t»-Ztd»iimement» werden bei allen Deutschen Postanstalteo aus den 2. u. 8. Monat u. aus den 3. Mo- nat besonder» angenommen, t»»gr. Sachsen u. Hrzgtd. Sachs.-Altenburg auch auf den 1. Monat it 5', Sgr. angenommen. OrgandersozialdemokratischenArbeiterparteiunddermternationalenGettierksgenosseuschasten. Kr. 72. Areitag, 13 Altgust. 1878. An die Parteigenossen! Da die Abhaltung des Parteikongresies in Nürnberg nicht stattfinden kann, wird derselbe zur bereits festgesetzten Zeit am 23. August und an den folgenden Tagen in Thüringen, und zwar in Eise nach abgehalten werden. Die günstigere geographische Lage dieses Ortes wird es. unstreitig einer gröfiern Anzahl Tele- girten zu erscheine» ermöglichen, die Betheiligung wird eine größere werden als in Nürnberg zu erwarten war und hoffentlich werden die Arbeiten des Congrefies nicht minder ersprießliche für die Weiterentwicklung und Zukunft der Partei sein. Darum, Parteigenofien, rüstet Euch zum Congrcß, sendet Euere Dclegirtcn nach Eisenach. An dem Orte, wo unsere Partei gegründet wurde, wollen wir jetzt, nach vierjährigem Bestehen derselben uns wieder zusammenfinden und weiter bauen an dem Werk unserer Orga nisation zur Ausbreitung unserer Prinzipien und Verwirklichung unseres Programms. Hamburg, den 10. August 1873. Ter Ausschuß: I. A.: Th. Yorck. Daß der Sozialist kein Monarchist sein kann. (Schluß.) Die sozialistische Unterscheidung einer Arbeitsklafie von der übrigen Gesellschaft mißfällt dem Gegner besonders. Er fragt: sind denn wir, die Jndustriefürslen, die Gründer, Kaufleute und Burcauchefs, die Projektcnmacher, Geschäftsführer, Spekulanten und Staatsdiener, sind wir, weil wir vorzüglich mit dem Kops arbeiten, darum keine Arbeiter? Ganz recht, wohlgeborene Herren, das Zugestäudniß soll auch gemacht sein. Auch ihr arbeitet.' Aber wesentlich unterscheidet eure Arbeit sich dadiirch, daß sie auf Aus- bcutung der Volksarbcit gerichtet ist. Diese Ausbeute wollt ihr als schuldigen Tribut für eure intelligente Führung der politischen Oekonomie gebucht wissen. Wir komme» indeß zu der Einsicht, diese kostspielige Intelligenz füglich entbehren zu können. Gegen eure Mitarbeit ist nichts zu sagen. Das steht euch als Mitglie- der der Gesellschaft sogar schön an; nur sollt ihr nicht durch den aUeiliigeu Besitz der ArdeitSinstrumente nebe» der Führerschaft einen Löwenlheil vom gemeiuschastlichen Produkt erpressen. Es sei zuge- standen, daß zahlreiche Gegner der Arbeiterklasse kräftig mitarbeiten, dem Volke die erforderlichen Lebens- und Genußmittcl zu beschaffen. Da sie aber neben ihrer nützlichen Arbeit aus scroiler Speichel- leckerci, oder um ein Bröckchen zu erbeuten, an der Vertheilung des MchrwerthS unter die Zins-, Dividenden- und Prositmacher sich lebhaft mitbetheiligten, so sind wir vollkommen berechtigt, sie dem feindlichen Regiment und nicht der Arbeiterklasse beizuzählen. Ob das Stückchen, waS vom allgeineinen Produkt ausgezahlt wird, größer oder kleiner ist, ändert den Lohncharakter nicht. Selbst die fürstliche Civilliste darf in die Rubrik eines politischen Salairs für die allgemeine Wirthfchaft untergebracht werden. Auch wir, enragirte Gegner der bestehenden Unordnnng, verkennen nicht, daß Ordnung sein muß. Insofern aber unsere StaatSdiener sich dazu hergeben, die der Arbeit zugehöligen Arbeitsprodukte und Instrumente, als da sind: Grund und Boden, Fabriken, Maschinen, Berg- werke zc. gewaltmäßig dem Besitz einer Klasse zu erhalten, die gar dieselben mißbraucht, insofern sind dieselben nicht dem Ar- beiter zuzurechnen, sondern gehören dem Mastbürger und seiner Kreatur. Wollten wir zugeben, daß das Volk zu einer direkten Volkswirthschast unreif sei, daß deshalb Mandatare erheischt sind, denen die Führung der Geschäfte zu überlassen, so wäre damit die Institution einer besitzenden Klasse doch nicht gerechtfertigt, weil »hne Rücksicht auf Befähigung mit dem Besitz sich das wirth- ichaftliche Kommando forterbt, wie die Krone von Gottes Gna- den. Ueberhaupt kann die Unreife des Volks seinen Machthaber» »ur�dann zur Rechtfertigung dienen, wenn sie immer den ur-id fprünglichen Zweck der Herrschaft im Äuge behalten, wenn sie h mit der Tendenz regieren, die Minorennen großhjährig werden zu lassen. Das ist die volkswirthschaftliche Bedeutung des Eigen- chunis: es macht den Besitzer zum industriellen Offizier. Unsere Osfiziere, die ökonouiischen und politischen, sind schlechte Subjekte, wjosern sie der geschichtlichen Bewegung sich widersetzen, die Eni- Wicklung unterdlücken, das Volk nicht erziehen, ihre Stellung kon- nrvire», ihren Beruf als ein permanentes, vom Himmel überkam- wen es Privilegium der Ausbeutung betrachten. Arbeiter ist jeder, der im Organismus der Gesellschaft als Glied funktionirt, gleich- diel, ob er mit dem Kopf oder mit der Hand arbeitet, ob er grobe dder feine Wolle trägt, ob er platt- oder hochdeplsch spricht. Die Arbeitgeber aber und ihre Staatsdiener zählen nicht zu den Ar- Leitern, weil sie Widerpart sind, weil ihre Arbeit nicht demo- watisches Glied, sondern aristokratisches Offizierpatent ist. DaS Kvmmandiren der Arbeit mag eine erforderliche, eine gefellschaft- �ü>e Funktion sein; was aber die Kommandanten in erster Linie Reiben, das„Erwerben" und Ausbeuten, ist nicht erforderlich, ist ?dtigesellsckastliä'. In der sozialen Wirthschast ist die gemeine Ar- sicher viel unentbehrlicher, als die„Intelligenz". Mit Arbeitern Mt die Sache auch ohne Offiziere. Aber mit Mastbürgern ohne Leiter, was würde da geleistet? Mit Recht also nennen wir den Witzlosen gcmeineir Händarbeiter Arbeiter parexelleuok. Obgleich w besitzende Klasse etwas arbeitet, obgleich auch die arbeitende Klasse ?vas besitzt, obgleich da noch viele Mittel und Uebergänge sind, so : 1' doch die sozialistische Unterscheidung zwischen der Arbeitsklasse i dwerseits und der Bourgeoisie und ihren Instrumenten gndrerseits .°Ükvnuuen logisch und korrekt. Die gemeine Arbeitskraft erhebt w" Haupt und erkennt sich als den maßgebenden Faktor der all- Meinen Wirthschast. Sie blickt nicht mit verdrehten Augen zum tMmel auf; sie will dem Nachbar keine Kriegsbeute abjagen, will nicht bürgerlich den expropriirten Nebenmann ins Joch spannen, sondern das Werk der Arbeit in friedlicher Gemeinfckaft ausführen und das Produkt einträchtig genießen. Wer dieser Tendenz wider- steht und widerspricht ist kein Arbeiter, sondern Ausbeuter, ist Feind der Arbcitsklasse, Feind der Menschheit und Kultur. Kommen wir nun, nachdem von der bestehenden Wirthschast Kenntniß genommen ist, auf unser monarchisches Thema zurück. Nehmen wir an, der Potentat habe die Bedeutung, die Bercchti- gung und Wahrheit des Sozialismus erkannt. Nehmen wir an, Sanlus Bismarck wird Paulus. Mit seinem Kürassier- Säbel wirft er den Militärstaat in die Rumpelkammer und leiht sein „Genie" der neuen Idee. Wie für die Dynastie und ihr hoff- fähiges Gefolge bisher, so verwendet die Staatsmacht sich jetzt für die Interessen des arbeitenden Volks. In dieser Situation käme das Heer und die allgemeine Dienstpflicht höchst opportun. Ein- gesackte ftanzösische Milliarden nicht minder. Was fehlt, wird die Omnipoteuz der Polizei und gewaltmäßige Requisition ohne Schwierigkeit beschaffen. Das Waffengerassel verwandelt sich in Hämmern, Pocken und Weben. Linie und Landwehr wird mobil gemacht wider den wahren Erbfeind, wider Mangel, Roth und Sorge. Um der Aufgabe schnell und vollkommen gewachsen zu sein, wird sie darauf beschränkt, dem Volke— zu dem jetzt Kaiser und Kanzler mitzählen— dem Volke daö Unentbehr- liche zu beschaffen: Wohnung, Kleidung und Nahrung. Alles in frugaler Durchschnittsqualität. Wer kann leugnen, daß die, wenn auch nur preußisch organisirte Arbeitskraft im Stande ist, mit den vorhandenen Mitteln die Erfordnisse deö Lebens reich- lich und mit größter Leichtigkeit zu produziren. Allerdings werden dieselben auch von der heutigen Bourgeois- Wirthschast in Fülle erzeugt, aber genießen ist dermalen nur der herrschenden Klasse erlaubt, tvährcnd die Beherrschten sich einen elenden Unterhalt durch überspannte thierische Arbeit erkaufen müssen. Unsere Vor- aussetzung, daß der niächtige Preuß sozialistisch wirthschafte, hat das geändert. Man braucht jetzt nicht erst einen silbernen„Lohn", um auf dem Markt kaufen zu können. Mau lebt nicht vom Gelde, sondern von der allgemeinen Dienstpflicht, welche dem Volke das Recht gibt, mit möglichst wenig Arbeit sich möglichst reich zu ernähren. Das stehende Arbeitsheer der Zukunft darf vierfach größer sein, wie jetzt das stehende Kricgsheer, vergrößert durch Rekrutiruug en masse, wie durch Verlängerung der Dienstzeit, ohne daß solche Militairlast unwillig getragen wird. Nicht nur die Hungerleider«, hündische Dressur und Gamaschendienst wäre abgeschafft, nicht nur„menschenwürdiges" Leben in die Kaserne eingeführt, sondern durch den Dienst auch die Berechtigung zu lebenslänglicher Civilverforgung gewonnen. Die freie Zeit, welche dem Volke in reichem Maße nun übrig bliebe, wäre deni Privat- erwerb zur Beschaffung von Comfort und Luxus offen. Solch« Feierabend-Schacher kann keine ernsten Folgen haben, keine großen Dimensionen annehmen, weil er zur Spielerei verurtheilt ist. In einer Gesellschaft, welche dem Volke die Nothwendigkeiten des Lebens garantirt, ist keine Lohnsklaverei möglich. Ohne uns in die Details zu verlieren, ist doch soviel klar, daß die großen Bedingungen kommunistischer Wirthschast faktisch vorhanden sind. Die spezielle Ausführung mögen wir der betreffenden Zeit über- lassen. So wenig ein individueller Kops es vermöchte, alle die komplizirten Staats- und Gesellschaftseinrichtungen der heutigen Welt aus sich heranSzudoktern, so wenig ist es irgend einem Pro- jektenmacher gegeben, die Details der sozialistischen Ordnung aus- zuklügeln. Gegenwärtige Eigenthumöverhältiusse sind durch Zuthat von Generationen instituirt worden. So ist die That der Gc- schichte, die Zuthat von Generationen erfordert, um die Einrich- tungen der genossenschaftlichen Arbeit zu kompletiren. Privilegirte Interessenten des gegenwärtigen Haushalts zeigen sich besorgt, daß solche Staatswirthschaft, wie erfahrungsgemäß bisher, so auch in Zukunft immer„faul" sein werde. Weil daö Privatinteresse, fehle die nöthige Sorgsamkeit beim Betriebe. D>ieser Einwand ist un- historisch oder anachronistisch. Er vergißt, daß Fleiß und Spar- samkeit bereits aufgehört haben, maßgebende Momente der Oekonomie zu sein. Die große Industrie der Gegenwart belehrt unö, daß der Arbeitsprozeß mit automatischer Organisation, wie er 1 in den Fabriken betrieben wird, ein Hülfsmittel äst, welches Fleiß und Sparsamkeit als spießbürgerliche Lappalie hinter sick läßt. Wesentlichste Bedingung sozialistischer Wirthschast ist Ergiebig- keit der Arbeit, die nur durch Produktion eu anos erreichbar ist. Bismarck, der neue Betriebs-Direktor wird aus seiner Ackerbau- Division keine Parzellenbauern machen, sondern die Grundstücke „konsolid iren". Expropriation des Grund und Bodens wäre all- gemein. Entschädigung dafür böte das fteie Logis, freie Kost und Montur. Mit Hülfe des Dampfpflugs, landwirthschaftlicher Maschinerie, mit einem wissenschaftlichen, rationellen Gewese, kurz, mit halber Arbeit würde doppelter Ertrag gemacht. Der Reick thum an Produkten ermöglichte das Volk mit wahrer Liberalität zu pflegen; körperlich sowohl wie geiztig. Das Haupthinderniß der Volkserziehung, die herrschende Klasse mit ihrem Interesse an un- wissenden Knechten ist abgeschafft. Guter Wille, Zeit und Mittel popularisircn die Wissenschaft wahrhast, während ihre heutige Popularisirung in unwissenschaftlicher Verflachung besteht. Und die Moral, für welche unmoralische Widersacher der Arbeitsklasse sich so ängstlich besorgt zeigen, findet erst in der kommunistischen Gemeinscvaft ein ersprießliches Klima.-Mit der offiziellen Be- schwichtigung der wesentlichsten Privatinteressen, ist dem Grundübel, ist dem gemeinschädlichen Egoismus oder Eigennutz die Pfahl- wurzel abgescknitten. Wenn einmal Handel und Wandel nicht mehr aus Selbstsucht, sondern auf gemeinschaftliche Arbeit ge- stellt sind, dann erst kann allgeineftie�Liebe eine Wahrheit werden. Also ist unter Anführung preußischer Kamarilla die Volks- wirthschast im Zuge. Wer nun wird Narr genug sein, sich mit der Illusion zu tragen, daß dieser Fuchs mit den Haaren auch den Sinn wechseln könne? Und, wo ist der noch größere, der uncr- meßliche Narr, der glauben mag, daß ein derart im Zuge begrif- fenes Volk an seinem Körper die Pestbeule einer privilegcrten Führerschaft dulden könnte? I. Dietzgen. Politische Uebersicht. — Die„Frankfurter Zeitung", ein Blatt, welches die Interessen der„kleinbürgerlicken Demokratie", vertritt, macht über das Verbot unseres Congresses zu Nürnberg einige zutreffende Bemerkungen, die wir hier zunc Abdruck bringen.„Das Verbot des Nürnberger Congresses der Eisenacher Arbeiterpartei", schreibt das Hauptorgan der„Volkspartei",„ist eine durch die bayerischen Gesetze in keiner Weise zu rechtfertigende Maßregel; in dieser Ueberzeugung kann uns die Mvtivirung nur bestärken, welche die gestern mitgetheilte Verfügung des königlichen Stadtcommissariats Nürnberg dem Verbote giebt. ES sind nicht besondere Sympathien für die von dem Beschlüsse der bayerischen Behörden betroffene Partei, welche uns zu dieser Einsprache veranlassen. Die hef- tigen Angriffe, welche gerade die demokratischen(Es kommt sehr viel darauf an, was man unter„demokratisch" versteht. Wir können z. B. durchaus nichts„demokratisches" daran finden, wenn Blätter die Regierung um Zurückziehung eines urreaktionären Preßgesetzentwurfes bitten und dabei auf ihre„patriotische Haltung" während des Krieges hinweisen. Red. d.„V.") Blätter und insbesondere die„Frankfurter Zeitung" jeden Tag von den Organen der„Eisenacher" erfahren(Und zwar niemals ohste Grund! Red. d.„V."), legen uns in diesen Beziehungen gewiß keine speziellen Verpflichtungen auf. Wir gehen aber davon aus, daß jede politische Partei von der hier'vorliegenden schweren Verletzung des Versammlungsrechts gleichmäßig betroffen wird und daß es die Pflicht eines jeden nicht blos zum Scheine freisinnigen Blattes ist, gegen derartige polizeiliche Gewaltstreicke Verwahrung ein- zulegen, einerlei ob davan Conservative, Liberale, Sozialisten, oder Ultramontane betroffen werden. Untersuchen wir nunmehr, mit welchem Scheine von Recht die Nürnberger Polizei ihre Verfügung zu umkleiden versucht. Sie stützt sich auf die HZ 17 und 19 dcs bayerischen Vereinsgesetzes vom 26. Februar lv50. Der§ 17 dieses Gesetzes lautet:„Poli- tischen Vereinen ist nicht gestattet, mit andern in der Art in Verbindung zu treten, daß entweder die einen den Beschlüssen und Orgauen des andern unterworfen oder mehrere solche Vereine unter einem gemeinsamen Organe zu einem gegliederten Ganzen vereinigt werden." Der§ 19 ertheilt den Polizeibehörden die Besugniß, Vereine, welche dem Art. 17. entgegen handeln, zu schließen. Zunächst ist durch eine Reihe deutscher Gerichte in Sachen des-deutschen NationalvereinS und in verschiedenen anderen Fällen entschieden, daß Vereine, welche wie die sozialdemokratische Arbeiterparlei nur an einem Orte ihren Sitz, an verschiedenen anderen Orten dagegen sogenannte Mitgliedschaften haben, nicht unter den verschiedenen Vereinen zu subsumiren sind, welche unter- einander in Verbindung stehen. Diese Ansicht ist in Deutschland seit einem Jahrzehnt derart zur allgemeinen Praxis geworden, daß man billig erstaunt sein muß, sie gerade von bayerischen Behör- den heute negirt zu sehen. Selbst wenn man jedoch über diesen Punkt anderer Meinung sein sollte, so wäre die bayerische Re- gierung doch nicht berechtigt gewesen, in dieser Weise vorzugehen. Die Nürnberger Polizei hat nämlich nicht das mindeste Recht, auf die in Nürnberg projcctirte Versammlung einen Paragraphen des bayerischen Vereiusrechts anzuwenden. Der Abschnitt 2 des Gesetzes vom 26. Februar 1350, zu dem die KZ 17 und 19 ge- hören, handelt nur von den Vereinen, welche bayerische Staats- angehörige begründen und welche in Bayern domicilirt sind. Beides trifft aber im vorliegenden Falle nicht zu. Der sozial- demokratische Arbeiterverein hat sein Domizil in Sachsen oder Thüringen; er hat nicht die Bedingungen erfüllt, welche in Bayern zur Bildung eines Vereins erforderlich sind; er ist daher auch nicht nach dem bayerischen Bercinsrechte zu behandeln. Läd ein solcher außerhalb Bayerns domilizirter Verein seine Mitglieder nach einem bayerischen Orte zu einer Versammlung ein, so ist eine solche nur nach den Bestimmungen zu behandeln, welche das Ge- setz vom 26. Februar 1859 über die öffentlichen Versammlungen einhält. Diese Bestimmungen(die tzß 1—10 und 20—25 des Gesetzes) geben den Behörden alle nur denkbaren Mittel an die Hand, um die Versammlung, im Falle von Gesetzeövcrlctzungen irgend welcher Art, aufzulösen und die Zuwiderhandelnden strenge zu bestrafen. Eine Besugniß zum vorberigen Verbote einer Ber- sammlung steht der Polizei nur bezüglich derjenigen Versamm- lungen zu, welche unter freiem Himmel abgehalten werden sollen, und ein solcher Fall liegt hier nicht vor. Auf Einen Paragraphen des betreffenden Gesetzes hätte das Nürnberger Stadtcommissariat sich vielleicht berufen können, und es�ist dies von bayerischen Be- Hörden in einem ftüheren ähnlichen Falle einmal geschehen. Wir meinen den§ 1, welcher nur den bayerischen Staatsangehörigen das Recht verleiht, sich friedlich und ohne Waffen ohne besondere Erlaubniß zu versammeln. Allein einmal ist heute noch nicht mit Sicherheit zu behaupten, daß der Congreß auch von Nichtbayern besucht worden wäre; sodann kann die bayerische Regierung überhaupt Angehörige des deutschen Reiches heute nicht mehr als„Aus- läuder" behandeln. Man hat sick daher wohlweislich gehütet, auch auf den§ 1 zu recurriren. Es ist hiernach unbestreitbar, daß das vorherige Verbot des Congresses sowohl auf Grund der an-. gezogenen Gesetzesbestimmungen, als nach bayerischem Recht über- Haupt vollkommen unzulässig mar. Die Nürnberger Behörde hat ohne Zweifel die Schwäche ihrer Argumentation selbst gefühlt. Sie sucht dieselbe daher zu ver- stärken, begeht aber dabei noch gröbere Verstöße gegen das Recht und die einfachste Logik, als diejenigen, welche ihr bisher nachge- wiesen worden sind. Ihre Berufung auf die Ztz 110, lÄ0, 131 und§ 360, Ziffer 11 des Reichsstrafgesetzbuch ist in dem vor- liegenden Falle geradezu unerhört, selbst in unserer an Polizei- Maßregelungen gewöhnten Zeit. Die angezogenen Paragraphen des allgemeinen Strafgesetzes betreffen eine Reihe von Handlungen, welche möglicherweise i» einer öffentlichen Versammlung begangen werden könnten, ß 110 handelt von der Aufforderung zum Un- gehorsam gegen Gesetze und Verordnungen, tz 130 von der Auf- reizung der verschiedenen Bevölkerungsklassen gegen einander,§ 131 von der Verbreitung erdichteter oder entstellter Dhatsachen:c. Das Stärkste aber ist mittelst der Anziehung der ß 360 Ztr. 11 ge- leistet, welcher gegen diejenigen gerichtet ist, welche„ungebührlicher- weise ruhestörenden Lärm erregen oder groben Unfug verüben." Gestützt, auf diesen Paragraphen eine Versammlung zu verbieten, die in drei Wochen stattfinden soll, das dürfte doch in deutschen Landen noch niemals vorgekommen sein. Mit dem gleichen Rechte könnte man jeden Bürger seiner Freiheit berauben, indem man ihm ohne jeden Beweis die Absicht imputirt, irgend ein Verbrechen begehen zu wollen. Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokraten find bis jetzt im deutschen Reiche noch nicht erlassen worden, was die Nürnberger Polizei gethan hat, ist daher eine offenbare Gesetzesverletzung."— Zum Schluß wundert sich die„Frank- furter Zeitung" darüber, daß„gerade Bayern sich zum Polizei- büttel des Reiches mache." Wir wundern uns darüber nicht. Bayern ist ein Bourgeois-, Klassen-, Pfaffen- und Pvlizeistaat so gut wie jeder andere deutsche„Staat" und da ist uns einerlei, wer der Katze die Schelle anhängt. — An die falsche Adresse. Die„Weserzcitung", die, beiläufig bemerkt, ganz außer sich ist, daß der nationale Stiebcr zu Wasser sich nicht derselben allerhöchsten Protektion erfreut wie der Stieber zu Land, sucht die gegenüber der„Vigilante" geübte Sceräuberei dadurch zu rechtfertigen, daß sie sagt, den„Pöbelfürsten" von Car- thagena sei zuzutrauen, daß sie, wenn sich ihnen die Gelegenheit böte, ebenfalls Seeräuberei treiben würden. Das ist. Nürnber- ger Logik; die, auf die Spitze getrieben, dahin führt, daß keine Kinder mehr auf die Welt kommen dürfen, weil bei jedem Kind die Möglichkeit— wir wollen nicht sagen: die Alternative— vorausgesetzt werden muß, daß eS einmal entweder Spitzbube oder Sozialdemokrat wird— je nach der Gesellschaft, in welche es kommt. Abgesehen von dieser Nürnberger Logik hat aber die „Weserzeitung" in ihrem Eifer für den verunglückten Seestieber sich jenes sprichwörtlich unpolitischen Benehmens schuldig gemacht welches darin besteht, aus einem Glashause mit Steinen zu wer fen. Ob die Führer der Bewegung in Carthagena„Pöbelfürsten' sind, wissen wir nicht— wir kennen die Männer nicht genügend um für sie einstehen zu können; das aber wissen wir, daß es„Pö- belfürsteu" gibt, pöbelhaste Pöbelfürsten, vor denen die„Wesev zeitung" und ihre Genossen und Genossinnen in Gesinnungslosig- keit auf dem Bauch gelegen haben und noch liegen. Ob die Führer der Bewegung in Carthagena sähig sind, höhere und niedere Lang fingerei zu treiben, auch das wissen wir natürlich ebenfalls nicht was wir aber wissen, ist, daß es Langfinger der höheren, niederen und niedersten Sorte gibt, vor denen die.Meserzeitung" und ihre Genoffen und Genossinnen in Gesinnungslosigkeit auf dem Bauch gelegen haben und noch liegen. Also in Zukunft etwas vorsichtiger� Ihr Moralisten der„Weserzeituna". Und wenn Ihr Euch ar Liebhabern fremden Eigenthums reiben wollt, dann— bleibt hübsch zu Haus, und wendet Euch an die rechte Adresse!— — Die„höchste Instanz", das dunkle, schreckhafte Gespenst aus Asien, die Cholera, regt ihre schwarzen Schwingen( und wirft unheimliche Schatten über das„civilisirte" Europa. Vor- läufig wüthet sie erst in Deutschland; in Spanien schlachten sich die Menschen vorläufig noch selber ab. Königsberg, Wien, Mün- chen, Dresden und mehr Städte verspüren den tödtlicheu Hauch der asiatischen Pest. Die Cholera allein scheint uns übrigens ein Wesen, das noch Gefühl für wahres Recht in sich trägt und sol- ches ungehindert zur Geltung bringt; nach dem Grundsatz„Gleiches Recht für Alle!" hat sie soeben den allgemeinen Vereinstag der deutschen Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschaften, der in München abgehalten werden sollte, verhindert und verboten, �wie Schultze-Delitzsch in der„Volks-Zeitung" jammert. Die Cho lera denkt aber:„Ist der Congreß der Sozialdemokraten dem Nürnberger Stadtcommissariat nicht recht, so ist mir das Ge� schwafel won Schultze-Delitzsch nicht billig. Vor mir, der Cholera, sind aber Alle gleich".— Ja noch mehr, die Cholera hat sogar eingesehen, daß eine ganze Meuge großer, infamer Spitzbu ben ungestört in der Welt herumlaufen, die sich zum Theil ein bilden,„über dem Gesetz" zu stehen und die alle für vogelftei er- klärt werden sollte», während ganz kleine Spitzbuben, die den Mord und den Diebstahl nur eu äetnil betrieben haben, deßhalb im Gefängnisse sitzen müssen. Alsbald hat sie den ungarischen Be- Hörden Angst gemacht. Diese fürchteten, in den Zuchthäusern, die dicht mit kleinen Spitzbuben angefüllt waren, möchte die tödtliche Pest rasch um sich greisen und sich über alles k. k. Land verbrei- ten. Alsbald wurden drei Gefängnisse entleert und nach dem Grundsatz„Gleiches Recht für Alle!" spazieren die darin enthalten gewesenen kleinen Spitzbuben nun mehr mit den großen freien Spitz buben in Gottes freier Natur herum! Wenn's nur nicht so ge- fährlich wäre. — Die Nachrichten über die Gefangenen von der Pariser Commune, die kürzlich in die Oeffentlichkeiten gedrungen, haben die Regierung der„moralischen Ordnung" in Frankreich veran- laßt, ebenfalls Berichte über die Situation der nach Neucoledonien deportirten Opfer zu geben. So lesen wir im„Figaro", einem der unverschämtesten Lügenblätter der Welt:„Rastoul leitet mit einem gewissen Etienne eine Apotheke in Numea. Regere hatte um die Erlaubniß nachgesucht, sich als Thierarzt in Uro zu etabli- ren; diese uiußte ihm aber abgeschlagen werden, weil er im März einen Fluchtversuch gemacht hatte. Er bebaut jetzt das ihm ange- wiesene Terrain. Assy, der Agitator des Creuzot, ist Werkführer in einer Maschinenbauanstalt zu Numbo, der Hauptstadt der Halb- insel DinoS, aber er kann in Folge einer Wunde, welche er bei seinem Versuch, am Cap der guten Hoffnung von der Danae durch Schwimmen zu entkommen, von seinen Verfolgern em- pfangen hatte, nicht viel arbeiten. Seine Aufführung in dem Deportationsorte wird fals eine tadellose bezeichnet. P aschal Grousset befindet sich auf der Jle des Pins, wo er von der Verwaltung zu keinerlei körperlicher Arbeit verwendet wird. Er wollte Anfangs Medizin studiren, um dann als Arzt wirken zu können, hat das aber wieder aufgegeben und verbringt jetzt die meiste Zeit auf der nichts weniger als reich ausgestatteten Biblio- thek von Uro. Er verkehrt fast nur mit den beiden Brüdern May, deren Geschäftsführung als Militärintendanten der Kom- mune unter dieser Schreckensregierung(?) selbst vielfach verdächtigt wurde. Mourot, der Secretär Rochefort's, und einer der Redakteure des„Mont d'Ordre", hatten daS Glück, von dem Kom Mandanten der Halbinsel Ducos als Secretär angestellt zu wer den. Barrasel, nach dem 11. September Präfect von Mosta- ganam und später Führer der Cavaliers de la Republique, ist Buchhalter auf einem Eisenwerk auf der Jle de Pins, wo sich bereits eine Niederlassung von zweihundert Häusern mit einem Hospital, einer Kirche, Fabriken u. s. w. gebildet hat." Diese Nachrichten stimmen gar schlecht mit dem, was wir vor Kurzem veröffentlicht. Die ftanzösische Bourgeoisie und gar das. fröm melndc von Weibern beherrschte Gesindel, das sich jetzt die„Re gierung" von Frankreich nennt, kommen uns gar nicht so vor, als daß sie es sich angelegen sollten sein lassen, den Gefangenen und dazu noch den am meisten comprommittirten ein so mildes Loos zu bereiten, wie der„Figaro" verkündet. Gerade so feig wie vor dem Feind, so grausam ist die Bourgeoisie mit ihren Scher gen, wenn ihr der Sieg zugefallen. Wir kennen das. Alle bedeutenderen Städte, in denen die spanischen Föde ralisten sich des RuderS bemächtigt hatten, sind eine nach der anderen, mit Ausnahme von Carlagena, das allein sich noch be- hauptct, den Truppen der Regierung erlegen. Daß auch Carta- gena in seiner Vereinzelung nicht auf die Dauer widerstehen kann liegt auf der Hand; und so wäre denn abermals der Beweis ge- liefert, daß das sogenannte föderalistische Prinzip in Zeiten der Revolution, welche die Znsammenfassung der Kräfte erheischen, ein Irrlicht ist, welches Den, der dumm genug ist ihm nachzulaufen, unfehlbar in den Sumpf führt. Wir hoffen: an den spanischen Arbeitern, die zwar bei den jüngsten Aufständen nicht maßgebend betheiligt waren, aber sich doch stark von den föderalistischen Trug- Phrasen hatten beeinflussen lassen, wird die Lehre nicht verloren fein.— Daß in Spanien die konservativen Republikaner gegen die Radikal-Republikaner mehr Energie entwickelt haben, als gegen die reaktionären Carlistcn, ist beiläufig eben so sehr in der Natur der Dinge begründet, wie daß die konservativen Republikaner durch ihr contrerevolutionäres Vorgehen auf Seiten der bewußten Reaktion gedrängt werden. Die Geschichte der französischen Revo lution beweist dies auf das Eklatanteste.— Die in Zürich erscheinende„Tagwacht" ersucht uns, im Jnter- esse ihrer schmalen Kasse, die Parteigenossen darauf aufmerksam zu machen, daß für jeden ungenügend frankirtcn Brief 40 Cts. Strafporto zu zahlen seien, da Zürich glücklicherweise nicht zum „Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte" gehöre. Einfache Briefe kosten nach der Schweiz 2 Sgr. Porto. Mögen die Par- teigenossen das beachten.__ — Gegen die„Hofer Zcitnng" ist auf Veranlassung des sächsischen Justizministeriums ein Proceß wegen Beleidigung der sächsischen Geschworenen angestrengt worden. Wir vermuthen, daß dies der Artikel über Pohland aus dem„VolkSstaat" ist, wegen dessen auch gegen uns zur Zeit noch ein Proceß schwebt. Innere Partei-, Verwaltnngs- und Orgauisatians- Angelegenheiten. Es haben ferner für Juni bezahlt: Auerbach, Ronsdors Schweinau, Pforzheim, Netschkau, Hainichen, Mainz, Glauchau, Chemnitz, Hof, Markirch, Leukersdorf, Wechselburg, Halberstadt, Wandsbeck, WittgenSdorf, Frankfurt a. O., Pfersee, �Kamenz, Geestendorf, Waldenburg, Harburg, Mylau, Thalheim, Staßfurt, Dresden, Bamberg, Kaiserslautern. Es sind also immer noch mit ihren Steuern für Juni rück- ständig: Apolda, Amberg, Bensheim, Berka, Burgstädt, Conftanz, Crefeld, Dessau, Düsseldorf, Dülken, Deuben, Eisenach, Elstra, Essen, Frohburg, Frankenberg, Frankenhausen, Freiburg in Schl., Giengen, Gera, Hotha, Geyer, Gr. Mühlingen, Großenhein, Hildesheim, Hersfeld, Harzgerode, Herbede, Hänichen, Kirschhausen, Kreuznach, Kötschenbroba, Lunzenau, Luckenwalde, Lübeck, Mün- cheubernsdorf, Marburg, Mannheim, Metzingen, Müssen St. N., Marienberg, Neubielau, Neviges, Neustadl a. d. Orla, Oberlung- witz, Ohlau, Pössneck, Penig, Plauen, Pirna, Peilau, Quedlinburg, Ronneburg, Rochlitz, St. Aegidien, Saalfeld, Solingen, Schwa- bing, Stadt Remda, Viersen, Wieda, Weida, Wilkau, Weigels- dorf. Wir machen noch besonders daraus aufmerksam, daß die Partei- Beiträge für Juli bis spätestens den IS. August an den Kassirer Herrn H. Benncke. Kleiner Schäferkamm 34, eingesandt sein müssen. Als Vertrauensmänner sind ernannt für Wildenfels: I. Em- merlich; für Crefeld: Naumann; Langenbcck: F. Glöckner; Breitzen: F. Brüningk; Lörrach: Rees; Eisenach: F. Ehrlich. Hamburg, den 8. August 1873. Der Ausschuß. V Ö Ö I. A.: Th. Yorck. Den Parteigenossen zur Kenntnistnahme, daß Louis Scheiter au« Geldern, von der Mitgliedschaft in Witten ausgestoßen, nicht mehr als Parteimitglied zu betrachten ist. Der Panei- Ausschuß. Gewerksgenossenschaftliches. Au die Holzarbeiter Dentschlauds! Gewerksgenossen, Mitarbeiter! Beauftragt von den mitunter- zeichneten Vertrauensmännern der Gewerkschaft der Holzarbeiter erlauben wir uns, Euch zu einem Gewcrkschaftscongreß der Holzarbeiter, der Ende September in Nürnberg tagen soll, hierdurch einzu- laden. Deshalb fordern wir die Mitglieder und Vorstände der nach- benannten Vereine, Gesellen- und Gewerksverbindungen der Tisch- ler(Schreiner) jeder Art, der Stuhlmacher, Pianoforte-Arbeiter, Polirer, Bildhauer, Drechsler, Stellmacher(Wagner), Küper (Böttcher), derBleistiftarbeiter.derLeistenschneider, Kistenmacher, Korb- macher, Glaser, überhaupt die Arbeiter aller fachverwandten Gewerbe, denen dieser Aufruf zugeht, auf, sich unser» Bestrebungen anzu- chließen und den Congreß durch Delegirte zu beschicken. Der Zwack dieses Congresses soll sein: über Mittel und Wege zu berathen, wie eine Aenderung und Besserstellnng der Holzarbei- ter in den benannten Gewerben erreicht werden kann; hauptsäch- lich aber eine einheitliche Organisation für diese Arbeiter herzu- kellen. Die Nothwendigkeit einer solchen einheitlichen Organisation brauchen wir nicht erst nachzuweisen; sie wird von allen Berufsge- »offen anerkannt und ist durch den Hinweis auf die in neuester Zeit vollzogenen Verbindungen der Arbeitsherren und Meister genügend begründet. Gewerksgenossen! Gleichviel, ob ihr i« der Fabrik oder in der Werkstatt beschäftigt seid, tretet zusammen, beruft Versammlungen ein und sorgt dafür, daß kein Ort unvertreten bleibe. Vor Allem aber erwarten wir, daß die noch immer isolirt da- stehenden Fach- und Ortsvereine den Congreß durch Delegirte be- schicken, damit im Interesse aller Arbeiter eine Vereinigung der zur Zeit einander noch fernstehenden Gewerksverbände geschaffen wird. Wir hoffen auf eine rege Betheiligung aller Fachgenossen und rechnen auf die thatkräftigste Unterstützung nicht nur der unS befreundeten Gewerkschaften, sondern auch aller Arbeiter, die gleich unS in der Gewerkschaftsorganisation daS beste Mittel zur Eman- zipirung der arbeitendeu Klassen und deren endlicher Befteiung aus der heutigen Lohnsclaverei erblicken. Mögen darum die Vertreter der Gewerkschaften und Fach- vereine, die Delegirte» der Holzarbeiter— gleichviel welchem Fachgewerbe dieselben angehören— und die es mit der Einigung der Arbeiter ehrlich meinen, zahlreich in Nürnberg erscheinen: sie sind hierdurch nicht nur eingeladen, sondern willkommen geheißen als Mitarbeiter am Werk der Vereinigung, denn vereinigt sind wir Alles, vereinzelt Nichts. Hamburg-Altona, 1. August 1873. Der Ausschuß der Gewerkschaft der Holzarbeiter. Th. Aork, Herm. Somann, _ Hamburg, Erste Vorsetzen 13. Altona, Adolfstraße 32. H. Rinke-Altona. F. Holtmann-Berlin. F. Stöfer-Brannschweig. F. Delling Chemnitz. I. PeterS-Dresden. E. Zimmermann-Düssel- dorf. E. Fritz-Erfurt. F. Metz-Eisenach. E. Zimmermann-Gießen. H. Wabft-Gotha. Sewig-Hannover. A. Otto-Harburg. C. Seifert- Leipzig. I. Germann-Mainz. D. Niemann-Stade. C. Kettel- Weimar. A. Biewig-Wolfenbüttel. E. Wendelmuth-Berka a. Ilm. C. Ludwig-Gablen; bei Chemnitz. G. Groß-Kaiserslautern. F. Stölle-Schw. Hall. A. Nockel-Cöln. P. Wirbelbauer-Wiesba den. W. Gänzel-Mühlhausen in Thür. F. Helmerich-Neustadt d. Orla. L. Böhme-Eisenberg. C. Voigt-Sömmerda. K. Rhein- Landshul i. B. E. Freitag-Breslau. a. Verband für Buchbinder. Leipzig. Im Augenblick ist es hier wieder etwas ruhiger geworden. Ein von„unserm Gustav" in der letzten Prinzipal Versammlung gestellter Autrag, sämmtliche hiesige Mitglieder z« entlassen, ist gefallen. Wir erwarten, daß die Mehrzahl der hie- sigen Prinzipale, wenn der Tarif vorgelegt wird, so vernünftiz 'ein wird, einer zeitgemäßen Regulirung unserer Lohnverhältnisse keine Schwierigkeiten zu bereiten. Kollegen! Lassen wir diese eben gemachte Erfahrung nicht un- benutzt vorübergehen; wir haden gesehen, mit welchen Mitteln ma» von Seiten unserer Gegner kämpft! Versäume man keinen Tag, 'iir den Verband neue Mitglieder zu gewinnen; erfülle Jeder seine Pflichten und wir werden in Zukunft nicht mehr nur eine willen- lose Waare sein, wie das leider bisher der Fall war.— Bis auf weitere Nachricht ist Zuzug von Leipzig fernzuhalten. Neu in den Verband aufgenommene Vereine: Mainz und remen. H. Richter. Stuttgart. Unser Vereins-Lokal befindet sich von jetzt ab Karlsstraße zur„Stadt Straßburg"; auch wird in den nächste» Tagen ein Arbeits-Nachweis daselbst errichtet. G. Naß, Holzstr. 19 b. Internationale Metallarbeitergewerksgcnossenschaft. ßhemnih, 10. Aug. Da von allen Seiten Mitthcilunge» über zwangsweise Einführung von neuen Fabrikordnungen und onstiger Maßregelungen an uns gelangen, sehen wir uns um s» nehr veranlaßt, die Lokal- und Fachvereine darauf aufmerk- 'am zu machen, daß von Seiten unserer Ausbeuter ein festes Zu- ammenhalten stattfindet und es den vollen Anschein hat, da? dieselben mittelst des Fabrikantenbundes die vollständige Unter- drückung der Arbeiter ini Sinne haben. Diesem Vorhaben ka»» erfolgreich entgegengetreten werden nur dann, wenn die Arbeitcss allerorts sich zu einem Ganzen verbinden, und richten wir deshalb f ff an alle fachverwandtcn Lokalvereine das Ersuchen, betreffs vtt Vereinbarung sich an den Unterzeichneten zu wenden. Ueberhaup! werden die Lokal- und Fachvereine darauf aufmerssam gemacht daß der Ausschuß benannter Metallarbeiterzewerksgenossenschap demnächst allen Mitgliedschaften statistische Formulare zur Aus° nllung übersendet, betreffs einer allgemeinen Zusammenstellst»? ber die Nahrungsfrage, Lohn- und Wohnungsverhältnisse, Arbeits' u it, Frauen- und Kinderarbeit jc., welche Statistiken zur allgemeinst' Aufklärung äußerst nothwendig sind, und werden deshalb die st»» Lokalvereine, welche die Zusendung solcher Fragebogen wünsche» die Beantwortung übernehmen wollen, ersucht, ihre Adresse» gleichfalls gelangen zu lassen an den Geschäftsführer Rich. E. I. Wolf, Frauenstraße 6, 2 Treppen Vertretend den Ausschuß der internationalen Metallarbeitergewerks' genoffcnschaft. den Correspondenzen. * Hamburg. DaS Circular der Control-Commission gib' beiden schönen schwarz-weißen Seelen, der �Norddeutsche» Allgemeinen", dem Organ des Herrn von Bismarck u»* dem Organ des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins oder richtiger- dem Organ der heiligen Dreieinigkeit Tölcke Hasenclever-Hasselmann, dem„Jenen Sozialdemokrat" erwünschten Anlaß, ihr Licht leuchten zu lassen vor den Gläubig»» ihrer Heerde. Diese Herren würden lange nicht so viel Aufhebens von dü' fem Schriftstück machen, wenn sie nur ein wenig Mutterivitz hätte» um zu begreisen, daß denn doch am Ende ein ganz anderer Gru»» von welchem sie auch nicht die blasse Ahnung haben, die E» stehungsursache desselben gewesen sein kann. Auch unser Freund, der„Crimmitschauer Bürger- und Bauer» fteund" ereifert sich, nach unserm Dafürhalten, viel zu sehr geg» diese sumpfgebornen Rohrsperlinge, und nur zu dessen Beiuhigu»? oder vielmehr zur Beruhigung der ängstlichen Gcmüther soll h' angeführt werden, daß der ungeheure Kassendefckt auf 1 Th') 14 Sgr. sich reducirt, die in einem Zeitranm von 7 Mona» und bei einer Summa von 1403 Thlr. 9 Sgr. 6 Pf. fehl'» ein Manko, das bei jeder Kassenführung allein durch Umwechs»" deutscher Scheine und Briefmarken entstehen kann. ,, 'So sehr uns auch das einseitige, mit der Wahrheit es nich' genau nehmende Circular der C.-C. verdrossen hat, so sehr erh» ternd haben die Ergüsse, durch welche die„Norddeut!»». r\Y,«-.____...»«..mW W CY)a••« /S �. 1 f W. M* M 4m a tu ICimmm s s Allgemeine" und der„Neue Sozialdemokrat" ihrem gep' n.ci--—»-• �-•---- uth». ten Herzen Luft machen, auf uns gewirkt, und da wir vermstth» daß bei unfern Parteigenossen dies ebensowohl der Fall sein dürft so wollen wir dem Artikel des„Neue u" einen Platz einräum» derselbe lautet: i I-■ I. „In den Reihen der Eisenacher Partei scheint allmälig Auf- klämng über das Treiben ihrer Anführer, der sogenannten„Ehr- lichen", sich zu verbreiten. Das beweist ein Circular, welches die- ser Tage die zu Breslau ihren Sitz habende Kontrolkommission der Eisenacher Partei an die Vertrauensmänner derselben geschickt hat, um in den geschlossenen Mitgliederversammlungen verlesen und besprochen zu werden.„Um den Gegnern nicht Stoff zu unliebsamen Angriffen zu geben, muß selbstverständlich außerhalb der Partei die strengste Verschwiegenheit über den Inhalt unbe- dingt beobachtet werden," heißt es in der üblichen geheimnißkrä- werischen Weise im Circular. Und in der That, was die Bres- lauer Kontrolkommission über die Wirthschaft der leitenden Ver- einsbehörde, des Hamburger Ausschusses und seines Sekretärs Hork, speziell über die Kassenwirthschaft, enthüllt, ist so stark, daß nur der gänzliche Mangel einer festen Organisation in der Eisenacher Par- tei es erklärlich machen kann, daß deren Mitglieder Jahre lang eine solche Eliquenwirthschaft duldeten. Daher bemerkt ausdrück- lich die Kontrolkommission, daß sie die Hoffnung hege, ernste, vor- urtheilsfreie Männer in den Parteigenossen zu finden, die vor Zu- sammentritt des nächsten Kongresses sich mit der ernsten Frage der Organisation beschäftigen würden.— Von der Kontrolkommission wird dann nachgewiesen, daß der Ausschuß zu Hamburg, welchem die Verwaltung und Leitung obliege, seine Schuldigkeit nicht ge- than, daß insbesondere die Hauptperson desselben, der Sekretär Jorck, seine Pflichten nicht erfüllt habe. Wörtlich heißt es darüber: „Die Unkrnntniß des Parteisekretärs über die Parteilage ging > so weil, daß er auf eine Anfrage der Kontrolkommission nicht einmal im Stande war, die Namen der Orte anzugeben, wo früher eine Zeit lang Mitgliedschaften bestanden. „Wie sehr die mangelhafte Geschäftsführung des Partei- sekretärs sich ans das Einzelne erstreckte, hat die Kontrolkom- Mission auch daraus ersehen, daß, wie daß Protokollbuch des Ausschusses beweist, mehrere Briefe oder Anfragen der Kontrol- kommission vom Sekretär dem Ausschuß gar nicht vorgelegt zu sein scheinen. „Wie die Geschäftsführung war auch die Kassenführung des Ausschusses eine durchaus mangelhafte. Die Führung der Bü- cher zeigte nicht die Genauigkeit und Ordnung, die sie unbedingt haben muß. Zum Beweise dient, daß bei der von der Kon- trolkommission vorgenommenen Revision Folgendes zu bemerken war: Neben einer Reihe von Rechenfehlern waren im Kassen- buch oder in der gedruckten Abrechnung gar nicht oder nicht in vollem Betrage aufgeführt: II Posten. Ohne genügende Beläge waren 13 Posten. Unter falschem Datum gebucht 2 Posten. Nicht genügend spezifizirt 19 Posten. „Als den bedeutendsten Fehler des Ausschusses muß die Kon- trolkommission die Art und Weise ansehen, wie derselbe seine Hauptaufgabe, der Leitung der Agitation, nachgekommen ist. „Der Ausschuß war seiner Ausgabe weder völlig bewußt, noch gewachsen. An den verschiedensten Orten tauchten Agita- toren auf und verschwanden eben so plötzlich, als sie gekommen, ohne für gewöhnlich eine dauernde Spur, d. h. eine Mitglied- schaft zu hinterlassen. Wir haben vom Sekretär verlangt, uns regelmäßige Agitationsberichte einzusenden, wir haben den Aus- schuß auf die Planlosigkeit seiner Agitation aufmerksam gemacht, wir haben Brief auf Brief mit dem Beschluß an den Ausschuß geschickt. Der Ausschuß kümmerte sich nicht darum. Gewöhnt, in der Kontrolkommission nur eine Formalität zu erblicken, suchte er ihre unbequeme Thätigkeit durch Jgnorirung oder nichtssagende Antworten lahm zu legen."" „Eine solche Wirthschaft herrscht in der Leitung der Eisenacher , Partei. Trotzdem sie an außerordentlich wenig Orten zahlende ' Mitglieder hat, wie aus der Veröffentlichung der Mitgliedschaften im„Volksstaat" hervorgeht, werden nicht weniger als elf Posten aufgeführt, bei denen Defekte der eingesandten Gelder vorgekom- men sind; mit den Ausgaben steht es aber noch viel kläglicher, dort sind die Belege massenhaft nicht vorhanden oder ungenügend. Auch weshalb durch das Geld, welches zu„Agitationen" verwandt wurde, keine Vergrößerung der Eisenacher Partei erzielt worden ist, liegt auf der Hand. Die Agitationsreisen wurden fast aus- Nahmslos unternommen, um den Allg. deutschen Arb.-Verein zu untergraben, der Erfolg derselben war daher lediglich der, daß an einzelnen Orten die Arveiterbewegung lahm gelegt wurde, die Agi- tatoren in den weitaus meisten Fällen aber mit Schimpf und Schande abziehen mußte». „Mit einem Worte, die Kontrolkommission enthüllt eine„ehr- liche" Wirthschaft des Ausschusses, im bekannten Sinne des Wor- ies: Defekte der Gelder und Verhetzung der Arbeiter, als einziges Resultat. „Ueber das sogenannte Parteiorgan, den„Bolksstaat", wird Überhaupt gar nicht gegenüber der Partei abgerechnet. .»Ob die Eisenacher Partei stark genug sein wird, sich durch chren nächsten Kongreß von der Vormundschaft der„ehrlichen" Anführer zu emanzipiren?— Wir würden das mit Freuden be- firüßen, weil eö der Vorbote einer redlichen Vereinigung der deut- che» Arbeiter in einer festen, praktischen Organisation sein würde; aber wir bezweifeln es, daß die so mangelhafte undemokratischc Geschäftsordnung der statutenmäßigen Kongresse den ehrenhaften Elementen der Eisenacher Partei es ermöglichen wird, durchzu- dringen. „Es wird auf den Kongressen nämlich von den Delegirten nicht Uach den vertretenen Stimmen, sondern nach Köpfen abgestimmt, l° daß die Delegirten der dem Kongreßort nächstgelegenen Orte, selbst wenn jeder nur ein Dutzend Stimmen vertritt, die Delegir- ten der fernen Orte, welche der Reisekosten halber nur in geringerer Zahl kommen, mit Leichtigkeit niederstimmen. Aber gerade jene Delegirten der ersten Art lassen sich durch eine wohlorganisirte Elique, welche im Besitz der Aemter ist, leicht gängeln. Freilich Ware eS dem Herrn Jork schlimm ergangen, wenn der nächste Kongreß der Eisenacher Partei in Nürnberg, wie festgesetzt war, stattgefunden hätte, denn er hat sich dort durch sein Komplottiren wit dem Schwindler Memminger völlig verhaßt gemacht. Aber Wan weiß sich zu helfen— umsonst hat sich Herr sljork nicht seit vorigem Herbst mit Herrn von Schweitzer verbunden.— Es ist "US bislang noch nicht aufgeklärten Beweggründen der Kongreß für Nürnberg polizeilich verboten worden, und Herr York benutzt diesen Umstand sofort, um den Kongreß nach einer Gegend ein- �berufen— Thüringen—, wo er durch seinen Einfluß den Kon- lffeß bequem majorisiren kann. .„Wir warten ruhig ab, wie sich die Dinge in der Eisenacher Partei gestalten, sind aber überzeugt, daß, wenn in ihr die Clique „Ehrlichen" nochmals triumphirt, allen Redlichen doch die Augen aufgehen werden." Wir bezweifeln sehr, daß die Controlcommission mit ihrem Errcular, und der„Neue" sowie die„Norddeutsche Allge- weine" mit ihren Artikeln viel Glück haben werden. WaS wir ver Controlcommission vorläufig zu sagen haben, wird den Ver-* "auensmännern bereit» zu Händen sein, und geht die Sauhirte» der„Norddeutschen Allgemeinen" eben so wenig als die des„Neuen Sozialdemokrat" etwas an. Die Letztern insbesondere wollen doch endlich einmal sich gesagt sein lassen, daß sie wohl dann und wann als Clowns uns Spaß machen können, im Uebrigen aber, wie es echten Sauhirten geziemt, sich um den Schweinestall im Allgemeinen deuffchen Arbeiterverein kümmern sollten. Die sozialdemokratische Arbeiterpartei kann keine Sauhirten brauchen. Leipzig. Das Circular der Centralcommission wird natürlich auch von dem„Neuen" in seiner Art ausgebeutet. Wir verdenken ihm das nicht, denn warum soll er nicht versuchen, seinem Tod- feind Eins auszuwischen wo die Gelegenheit sich bietet? Aber man kann doch verlangen, daß der„Neue" das nicht gar zu dumm und ungeschickt thut. In einem Augenblick wo die Begründung des Congreßverbots der Nürnberger Polizei die Runde durch die gesammtc Presse macht, hat der„Neue" die Keckheit, seinen Mit- gliedern vorzulügen:„Der Congreß sei aus bislang noch nicht be- kannten Beweggründen verboten worden, und Herr York benutzte diesen Umstand sofort, um den Congreß nach einer"Gegend ein- zuberufen— Thüringen, wo er durch seinen Einfluß den Eon- greß bequem majorisiren kann." Mit andern Worten: York steckt hinter dem Congreßverbot. Der„Neue" muß ein großes Maß von Dummheit bei seinen Anhängern voraussetzen, daß er solchen Blödsinn ihnen vorzusetzen wagen darf. Wir glauben recht gern, daß es ihn freut, daß unsere Partei auf alle mögliche Weise verfolgt wird, während er so frei und ungeschoren mit seinem Anhang— trotz des von seinen Leuten angezettelten Bierkrawalls in Frankfurt a. M.— tagen konnte. Unsere Partei erfreut sich allerdings nicht der Protektion hoher und höchster Persönlichkeiten und da müssen wir uns die Verfol- gungen schon gefallen lassen. Aber der„Neue" sieht in seiner kindlichen Naivetät auch be- reits den Zeitpunkt herangekommen, wo die social-demokratische Arbeiter. Partei aus dem Leime geht und die„ehrlichen" Elemente — das Wort im Sinne des„Neuen" genommen— sich ihm au die Brust werfen würden. Armer beklagenswerther„Neuer"! Deine und Deiner Patrone offne und geheime Hoffnungen werden nicht erfüllt werden. Die persönliches Differenzen wird der Eon- greß zu schlichten wissen und die Partei wird nur gestärkt aus diesen kleinen inneren Kämpfen hervorgehen. Merk' Dir das hübsch lieber„Neuer" und echauffire Dich weiter nicht. Die„Nordd. Allg. Ztg." hatte gelegentlich der Besprechung des Circulairs der Controlcommission auch ihren Freund, den Herrn von Schweitzer etwas unsanft gefaßt. Herr von Schweitzer ließ ihr darauf eine Berichtigung zukommen und das Bismarck'sche Blatt trat denn auch sofort den Rückzug an, indem es erklärte: „die Unregelmäßigkeiten sind ein Faktum; daß sie Herrn von Schweitzer persönlich zur Last fallen, ist von uns nirgend be- hauptet worden." So wäre also Herr von Schweitzer glücklich weiß gewaschen; warum greift aber auch die„Nordd. Allg. Ztg." gute Freunde so ungeschickt an. Aerkin. Wie nothwendig die internationale Organisation der Arbeiterklasse ist, dafür sprechen mehr als Bände einige Thatsachen, die in diesen Tagen vorgefallen sind. Hier hatten 500 Maurerge- hülfen eine Lohnerhöhung verlangt und die Arbeit eingestellt. Nächsten Tages jedoch stellten sich wieder gegen 300 der Strikenden unter den alten Bedingungen ein. Die Maurermeister hielten darauf eine Versammlung ab und beschlossen, die ca. 200 Aus- stehenden namhaft zu machen und Keinen derselben wieder in Ar- beit zu nehmen. Triumphirend melden sie, daß täglich so viel Gehülfen von Außerhalb eintreffen, daß der Ausfall leicht gedeckt werde, ja dieser sei allein gedeckt durch die Ankunft von 2S!0 Jtali enern. Wären solche Vorgänge möglich bei richtiger internationaler Organisation der Arbeiter? Es sei aber hierbei bemerkt, daß sich der Mangel einer tüchtigen gewerkschaftlichen Organisation inner- halb der deutschen Arbeiterklasse ebenfalls herausstellt. Die Leiter der Berliner Gewerkschaftsbewegung, fast alle Anhänger des „Neuen", haben meist nur in Berlin organisirt und im übrigen Deutschland die Spaltung und Verhetzung der Arbeiter auf die höchste Spitze treiben helfen. Diese Verhetzung mußte zunächst und hauptsächlich der Gewerkschaftsbewegung jzum Schaden gereichen wie das oft ausgesprochen ist, und das zeigt sich jetzt. Von Berlin aus wurde auch im Stile n la Memminger die Internationale Arbeiter-Association angegriffen und verdächtigt, und die nationale Organisation als das A und O aller Weis- heit gepriesen, und doch ist es gerade Berlin, sdas die Nothwen- digkeit internationaler Organisation bereits mehremal uck horni- nern demonstrirt bekam. Wie oben bemerkt, trafen einige hundert Italiener ein, um die Löhne zu drücken; kürzlich ließ eine belgische Gesellschaft, welche Berliner Straßen asphaltirte, belgische Arbeiter kommen, welche den Berlinern das Brod wegnehmen. Wer nicht hören will, muß fühlen; nur sind es auch hier wieder die Verhetzten, welche die Kosten zahlen, die Hetzer bleiben in der Pfründe. Noch ein weiterer Schritt zur internationalen Unterdrückung der Arbeiter ist in diesen Tagen geschehen. Die großen Schneider- meister haben gelegentlich der Weltausstellung in Wien einen Eon- greß abgehalten und einen internationalen Arbeitgeberbund ge- stiftet. So unterdrückt das Kapital die Arbeit auf internationalem Wege immer mehr; Schufte und Wichte aber rathen den Arbeitern ab, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Langenbickau, 8. August.(Allgemeiner Bericht.) Im Ver- lauf des letzten Monats haben Versammlungen stattgefunden in Peilau zwei, in Neudorf(Kreis Neurode) eine und in Stein- seifersdorf eine. Besonders günstig war die Versammlung in Neudorf, wo ich in fast zweistündiger Rede vor einem sehr zahl- reichen Publikum die Prinzipien der Sozialdemokratie klar legte und die Vorwürfe und Beschuldigungen der Gegner in ihrem wahren Lichte zeigte. Die Staatsgewalt war durch den Bürger- meister von Silberberg, 2 Gensd'armen und einen Polizisten re- präsentirt. Der Bürgermeister erklärte auf meine desfall>lge An- frage, daß die Gensd'armen nur als Gäste anwesend seien. Ob- schon sehr viele Gegner anwesend waren, hatte doch keiner den Muth, und doch soll es, wie ich dies später erfuhr, beabsichtigt ge- wesen sein, mir irgendwie entgegen zu treten. Nur dem Wirthe hat man Vorwürfe gemacht, daß er uns das Lokal gegeben. Es ist allerdings das Bequemste für die Bourgeoisie, uns dadurch mundtodt zu machen, daß man uns das Abhalten von Ver- sammlungen unmöglich macht. Die von uns nachgewiesenen Wahr- heiten kann man eben nicht widerlegen, und da ist es freilich besser, uns so viel als möglich an dem Aussprechen derselben zu ver- hindern. Mehrere Arbeiter schlössen sich der Partei an, auch versprachen dieselben auf den„Volksstaat" abonniren zu wollen. Die Versammlung in Steinseifersdorf, welche gleichmäßig von uns wie vom Allgemeinen deutschen Arbeiterverein besucht war, hätte in ihren Folgen sehr segensreich werden können, wenn es nämlich hier wie überall den Mitgliedern des Allgemeinen deut- schen Arbeitervereins mit der Vereinigung aller Arbeiter erst wäre. Es wurde nämlich, wie schon ftüher gemeldet, beschlossen, uns über das Vorgehen bei den Wahlen vorher zu verständigen. In dem Augenblick, wo dies beschlossen wurde, wußten jedoch die Mit- glieder des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, wie sich jetzt ge- zeigt, daß sie selbstständig vorgehen würden, und ein gemeinschaft- liches Vorgehen bei ihnen nur so zu verstehen war, daß wir ohne alle Frage und Widerrede einfach ihre Kandidaten anzunehmen hätten. Herr August Kappell aus Berlin macht denn nun auch be- reits seit acht Tagen seine Rundreise im Wahlkreis und stellt sich als Kandidat vor. Am Montag sprach derselbe in Kohlendorf b. Neurode. Auf der Tagesordnung stand:„Die soziale Frage und die Mittel zu deren Lösung." Herr Kappell hielt einen einstündigen Vortrag, berührte jedoch die staatlichen Verhältnisse mit keiner Silbe, was mich um so mehr beftemdete, als ich bereits bei den vorigen Reichstagswahlen in Bremen eine Wahlrede von Tölcke hörte, in welcher ebenfalls von einer Kritik der doch gewiß unS nicht befriedigenden staatlichen Einrichtungen nicht die leiseste Spur zu finden war. Ich machte Kappell ebenso wie drei Jahre ftüher Tölcke auf diesen Mangel aufmerksam und frug um das Warum, weil ich damals wie jetzt nicht an ein unabsichtliches Vergessen glauben konnte. Die Antwort, die Tölcke mir gab, resp. geben ließ, war die, daß ich von 100 fanatischen Anhängern des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins mit roher Gewalt von der Rednerbühne und auS dem Saale entfernt wurde, wobei ich noch verschiedene Körperver- letzungen erhielt, wofür die zunächst Betheiligten mit den Strafge- setzen Bekanntschaft machten. In Kohlendorf ging es etwas glimpflicher ab. Kappell erklärte auf meine Anftage, nachdem ich jedoch vorher die mir nöthig scheinenden Auseinandersetzungen über Militärwesen, Erziehung und die Wahlgesetzgebung gemacht„es wäre bedeutend wichtiger, an- statt die Regierung anzugreifen, resp. den Militäretat, die Civil- liste und dergleichen zu kritisiren, alle Kraft zunächst aus die Be- kämpsung der Bourgeoisie zu verwenden, denn", sagte Herr Kappell wörtlich,„ob 100,000 oder 1 Million nene Mausergewehre ange- schafft werden, daß ist nicht von Bedeutung, erst die Ausbeutung der Kapitalmacht brechen, dann zu den Kleinigkeiten, zu welchen", nach Kappell,„Militäretat und dergleichen gehören." Herr Kappell wird verzeihen, daß ich andrer Ansicht bin, indem ich es für nothwendig halte, gegen beides gleichmäßig vorzugehn. Ich konnte mich bei den Ausführungen Kappell's auch beim besten Willen des Gedankens an den Regierungssozialismus Schweitzer's nicht envehren./ Mittwoch, 6. August kam Kappell hier an, nachdem es ihm gelungen war für 5 Thaler einen Saal zu bekommen. Um 8 Uhr war der nicht ganz kleine Saal gefüllt, in das Büreau wurden einstimmig der Unterzeichnete als 1. und Wald als 2. Vorsitzender gewählt, Jahn und Weiß waren Schriftführer. Ich wurde durch Versammlungsbeschluß beauftragt, bevor Kappell das Wort erhielt, eine Auseinandersetzung über die Ursachen der bestehenden Zer» splittcrung innerhalb der deutschen Arbeiterwelt zu geben; nachdem dies geschehen, beschloß die Versammlung, Herrn Kappell überhaupt nicht erst sprechen zu lassen; ich st-llte jedoch, da eine starke Mino- rität dagegen gewesen war, den Vermittlungsantrag, Herrn Kappell dennoch, jedoch mit beschränkter Zeit sprechen zu lassen; die Ver- sammlung gewährte ihm denn auch eine halbe Stunde, und jetzt mußten wir erleben, daß derselbe August Kappell, der auf der letzten Generalversammlung des Allgemeinen deuffchen Arbeiterver- eins erklärt hat, er würde, wenn mit den Ehrlichen eine Ver- einigung zu Stande käme, sofort zurücktreten, weil dann die ganze Bewegung ruinirt sei, die Arbeiterjaufforderte, doch nur ja wenigstens bei den Wahlen hübsch einig zu sein, d. h. doch nur ja alle ihm die Stimmen zu geben. Es würde, nach Kappell, ein europäischer Skandal sein, wenn sich hier zwei Arbeiterkandidaten gegenüber- ständen. Die Versammlung beschloß jedoch, selbst auf diese Gefahr hin, mit allen gegen 5 Stimmen wie folgt: „Die am 6. August in Laugenbielau tagende Volksver- sammlung beschließt: in Erwägung, daß Herr August Kappell aus Berlin, welcher sich hier als Kandidat der Arbeiterpartei für die Kreise Reichenbach und Neurode zu den bevorstehenden Reichstagswahlen gerirt, nicht das Vertrauen der hiesigen Arbeiter besitzt, weil er�urch seine Haltung auf der diesjährigen General- Versammlung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins. wesent- lich dazu beigetragen hat, daß die Zersplitterung innerhalb der deutschen Arbeiterpartei womöglich verewigt werde; in fernerer Erwägung, daß es den Anschein hat, als bettachte Herr Kappell und sein Anhang sich als Vormund der hiesigen Arbeiter, be- schließt die Versammlung die Kandidatur des Herrn Kappell zurück zu weisen und bei der Wahl selbstständig vorzugehn." Ferner wurde der Antrag: „Die hier anwesenden Arbeiter beschließen, da die Prinzipien der sozialdemokratitischen Arpeiterpartei nur dann verwirklicht werden können, wenn die Arbeiter sich massenhaft betheiligen, so ist es Pflicht jedes Arbeiters, der Partei beizutteten." Wir haben den ersten Beschluß gefaßt auf eigne Verantwortung hin, weil etwas geschehen mußte; der Kongreß wird entgültig über die Haltung der hiesigen Mitglieder bei der Wahl zu entscheiden haben. Wir haben eben nur gethan, was die Mitglieder des All- gemeinen deutschen Arbeitervereins laut Beschluß der Generalver- sammlung thun müssen. Bereits 5 Minuten vor 11 Uhr erklärten die überwachenden Beamten die Versammlung für geschlossen, weil die Polizeistunde heranrückte, ich protestirte und fügte mich nicht, weil ich der An- ficht bin, daß Versammlungen an keine Polizeistunde gebunden sind. Gegen halb 12 Uhr wurde die Versammlung geschlossen, e» fanden noch zahlreiche Aufnahmen von Mitgliedern statt. Ueber- Haupt wird die Betheiligung an unsrer Bewegung wieder recht leb- hat. Unsere Versammlungen finden jetzt wieder regelmäßig jeden Sonnabend bei Goldbachs statt. Gestern wurde Parteigenosse Wald, der beiläufig in den nächsten Tagen auf drei Monate Staatswohnuug in Reichenbach bezichen muß, weil er seinen Landesherrn beleidigt, wiederum in erster In- stanz zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt, weil auf den Plakaten, durch welche er zu dem am 2. Juli dS. IS. stattgefundenen Arbeiterfeste aufgefordert hat, gesagt war, präcise 2 Uhr Festzug, trotzdem der Festzug von der Polizei verboten war. Trotzdem nun der Festzug nicht stattgefunden, und obschon dafür gesagt worden war, daß auch nicht ein einziger Mensch an dem bestimmten VersammlungS- ort war, wurde Wald dennoch verurtheilt. Die Richter erblickten darin, daß der Festzug zu Ehren eines wegen Majestätsbeleidigung bestraften und jetzt entlassenen Sträflings habe stattfinden sollen, und dies ein offenbarer Hohn auf die Staatsgesetze sei, einen schweren BelastungSgrund. Seit wann ist eine beabsichtigte aber nicht ausgeführte Hand- lung strafbar? Was man doch im„Rechts- und Intelligenzstaat», nicht alles lernen kann! Kühn Kamöurg.— Abrechnung des Kieler Strikes der Schiffs zimmerleute auf der Norddeutschen Werft Einnahme vom 13. April bis zum 27. Mai 1873 von sämmt- ichen Mitgliedschaften, die zum Allg. deutschen Schiffszimmerer Verein gehören: Hamburger Mitgliedschaft Thlr. 140 S— Reiherstieg durch P. Prahl 49 12— Bremerhaven durch H. Bohlfs SV-- Altona durch F. Sütel 42 12— Lübeck durch I. Riech u. I. Drath 24 6— Apenrade durch N. Nielsen 22 12— Nienstädten durch I. Pein 22 3— Finchenwärder durch B. Böttcher 22-- Harburg durch H. Witt 18 15— Este durch I. Wipper 6-- Cuxhaven durch Aug. Behnch 6-- Einnahme Thlr. 403 9— Die Kieler Mitgliedschaft erhielt als Unterstützung aus der Vorortskaffe: 9. April 1673 17. 25.„ 1. Mai„ 9.„ 30. Juni„ Kieler Beitrag Thlr. 86 50 50 86 52 15 Summa Thlr. 339 51 (Dieser Beitrag ist der Vorortskasse in Rechnung gestellt.) Ueberhaupt Summa Thlr. 390 W. Sohns, Kassirer des Allgemeinen deutschen SchiffSzimmerer-Vereins. Hffenvach, 12. August.(Telegraphische Depesche.) Bei Pard eller ist unvorhergesehener Schuhmacherstrike ausgebrochen. Zuzug fernhalten, Unterstützung nöthig. Bericht folgt. Schaefer. Augsburg, 11.'Aug. Samstag, den 9. Aug., fand hier im Gasthaas zum Kohlengarten unter dem Vorsitz unseres Parteige- nosien I. Endres eine allgemeine Gewerkschaftsversammlung statt, in welcher Gesinnungsgenosse Auer aus Berlin über den Schutz des Arbeiters in den Gewerkschaften und Fachvcreinen re- ferirtc. Die Versammlung war von Angehörigen aller Geschäfts- branchen gut besucht und entledigte sich der Referent, Herr Auer, seiner Aufgabe auf eine glänzende Weise, was von den Anwesen- den durch stüruiischcs minutenlanges Bravorufen bekundet wurde. In die Listen der verschiedenen Gewerkschaften und Fachvereine fanden mehrere Einzeichnungen statt. Bei dieser Gelegenheit können wir nicht unterlassen, den resp. Vorständen und Vertrauensmän- nern der verschiedenen Gewerkschaften und Fachvereine den Rath zu geben, bei derartigen Versammlungen selbst mehr unter ihren Geschäftscollegen zu agitiren und sich mit Material zu versehen, damit auch der Zweck erreicht wird, der beabsichtigt ist. Der Vor- sitzende wurde bei dieser Versammlung wiederum ausgefordert, dem Referenten einen Ordnungsruf zu ertheilen, den sich derselbe auch sehr zu Herzen nahm. Ich habe Ihnen kürzlich die Mittheilnng gemacht, daß Freund Grillenberger bei einem Gartenfeste von einem als Gast anwe- senden Polizeisoldaten untersagt wurde, eine Ansprache an die Festgäste zu halten. Nun waren Sonniag der 3. und Montag der 4. August für die Stadt Augsburg zwei„Festtage". Sonn- tag, den 3. August, Einweihung der Fahne des Veteranen- oder Kriegervereins und Montag, den 4. August,„Einzugsfeierlichkeit der aus Frankreich heimgekehrten Truppen der hiesigen Garnison. An beiden Tagen verübte nun ein politischer Wühlhuber und Agitator der nationalliberalen Partei, NamenS Fischer, Reden, die so recht die Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetze illustrir- ten. Genannter Fischer ist nämlich auch Reichstagsabgeordneter, der sich bei uns als sogenannter Fortschrittler wählen ließ, im Reichstag gehört er zur sogenannten deutschen Reichs- alin Schleppträgerpartei Bismarcks. Soviel zur Charakterisirung dieses Cha- mäleons. Die Arbeiter Augsburg werden sichS bis zur nächsten Reichs- tagswahl aufs Kerbholz schreiben, daß der Arbeiter Grillenberger durch die Organe Fischers gehindert wurde(ungesetzlich gehindert wurde) zu seinen Freunden zu sprechen, während der Reichswedler Fischer bei allen beliebigen Gelagen ungehindert schwafeln kann. An den Arbeitern liegt es, bei Gemeinde-, Landtags- nnd Reichs- tagswahlen, solche gesinnungslose Leute unmöglich zu machen. Die kommenden Wahlen werden dem bekannten Stadtfischcr ein an- deres Bild liefern, trotz aller Verfolgung. Aamverg. 7. August. Sonntag, den 3. August, hatten wir hier eine Volksversammlung, in welcher H. Auer aus Berlin re- serirte. Tagesordnung war: die Gewerkschaften und deren Nutzen für die Arbeiter auf politischem wie sozialem Gebiete. Die Ver- sammlung war gut besucht, und beleuchtete Herr Auer in einer beinahe zweistündigen Rede die heutigen politischen wie sozialen Mißstände und unterzog dann die Maßregelungen der Sozialdemo- kratie einer sehr scharfen Kritik. Reicher Beifall wurde von allen Seiten gezollt und ließen sich Mehrere in die Partei einzeichnen. Mit sozialdemokratischem Gruß: August Mamme, Vertrauensmann. Htöing, 7. August. Den Kollegen«llcrortö diene hiermit zur Nachricht, daß unsere Forderung von 25 Proc. Lohnerhöhung von den Meistern bewilligt worden ist. Der Strike� ist hierdurch be- endet. Das Comits der ftrikenden Schuhmacher. So möge also das Schriftstück mit einigen Bemerkungen zur Richtigstellung thatsächlicher Unwahrheiten hier unverändert Platz finden: Erklärung. In Nr. 41 deS„Volksstaat" erlaubte sich der ehemalige Mit- redakteur des„Volksstaat", Hepner, die bodenlose Gemeinheit, zu behaupten, Memminger habe den bekannte» Freimaurerprozeß blos singirt, um durchbrennen zu können, da er sich durch die Affairen „Kiefer"„Ehreuberger":c. in Nürnberg unmöglich gemacht habe. Durch die Schwurgerichtsverhandlung wurde allerdings Herr Hepner eines Andern belehrt. Allein es gibt eben Menschen, die sich aus angeborener Sucht zur Rechthaberei und durch persönliche Beein- ftussung absolut nicht belehren lassen. Herr Hepner, für den die Moobsche Schaudbroschöre und die Beckendahl'schen„Aktenstücke zum Evangelium geworden zu sein scheinen,-) sucht nun, um Memminger einö anhängen zu können, eine alte abgedroschene, ebenso dumme als infame Räubergeschichte hervor, für die er neues „Material" erhalten haben will und damit glaubt er jedenfalls einen Kernschuß ins Schwarze gemacht zu haben, während dieser Roman für die Nürnberger„Gläubigen" längst abgethan ist. Da sich aber Herr Hepner auch durch angebliche')„Prügeldrohbriefe" nicht abhalten lassen will, die Korruption des„Demokratischen Wochenblattes" an den Pranger zu stellen, so möchten wir ihn doch bitten, erst einmal die Geschichte der Nürnberger Parteibewegung zu studiren, ehe er über das tolle, knotige Bramarbasiren des Blattes herfällt. Wie weit haben es die alten„Jnternatio- nalen" in Nürnberg seit 1866 gebracht? Wie viele Mitglieder zählte die Partei bis 1870? Wer hat die Mitgliederzahl der Partei im Laufe eines Jahres fast verzehnfacht? Wer hat dafür gesorgt, daß die Parteisteuern regelmäßig und pünktlich abgeführt werden? Memminger und seine jungen unerfahrenen Re- kruten", wie Herr Beckendahl sich ausdrückt, waren eS, die der alten VereinSspiclerei gründlich ein Ende machten! Wenn nun im Wochenblatt" eben das Menschenmaterial so genommen wurde, wie es war und nicht wie es sein sollte, wenn unsere Agitations- weise eine wesentlich andere war, als die einzelner Gelehrten�) deS „VolkSstaat", so mögen sich dadurch vielleicht Einzelne zurückgesetzt gefühlt haben, aber die Partei wurde eben.gehoben, und vielleicht mehr gehoben, als durch die kieselharten Rccensionsartikel des Herrn Hepner') im„Volksstaat". Was daS nicht fiir ein Geschrei ist über die Flucht Memmingerö! Warum hat man denn seiner Zeit bei Franz kein solches Geschrei gemacht, der doch noch weniger*) abzusitzen hatte als Memminger, und der in der bayerischen Be- wegung eine weit größere Roll: spielte? Darüber, ob Memmingcr bei seinem Hiersein eine mehr oder weniger größere Strafe erhalten hätte, lassen die„fanatischen Gläubigen" in Nürnberg Herrn Hepner ruhig phantasiren; er hat seine Gelehrsamkeit bez. Kennt- nisse der bayerischen Rechtsverhältnisse bereits bei seiner Kritik über den Vertrieb der Freimaurerbroschüre geäußert;") aber wir kennen unsere Pappenheimer. Beiläufig gesagt, wurde diese„ephemere Viertelbogcnschreiberei":c. wie Herr Hepner, die Broschüre jetzt nennt, früher einmal im„Volksstaat" gar nicht ungünstig rccensirt.*) UebrigenS braucht Herr Hepner über die Selbstverherrlichung Memmingcrs den Mund nicht zu voll zu nehmen; denn Niemand chreibt mehr über sich und seine Prozesse als Herr Hepner, und zwar über Prozesse, die größtentheilS durch persönliche Angriffe provozirt wurden.') WaS die Desertion Memmingerö aus dem internationalen Lager und sein Stellen außer der Partei betrifft, so ist darauf blos zu entgegnen, daß Meinminger nicht das Prinzip, sondern einfach die mangelhafte Organisation der Internationale kritisirt. Die unterfertigte Kommission ist mit dem betreffenden Artikel nicht einverstanden, glaubte im Interesse der„freien Meinungsäußerung", auf das die Herren vom„Volksstaat" so sehr pochen, die Auf- nähme desselben nicht verweigern zu dürfen. Ueber alles Uebrige Geschreibsel lachen wir.") Antrag auf Ausschluß MemirniigerS, Korruption des Wochenblattes, sodann der Wink mit dem Zaun- psahl gegen den Ausschuß, um die organisirte Opposition gegen denselben noch zu verstärken, daS Alles macht uns nur Spaß. Man muß eben jedem Narren seine Kappe lassen. Herr Hain in Zürich wird an geeigneter Stelle erklären, ob er Memminger für sich schreiben läßt oder nicht. Der Kongreß wird das Uebrige thuu.'") Nürnberg, 10. August. Die Redaktionskommission des„Fürther demokratischen Wochenblattes." Karl Grillenberger. Hans Woerlein. August Muth a. D. Äoh. Schern». Franz Mährlein. AuS Alledem können wir eigentlich nicht ersehen, wie die Re- daktionSkommission des„Fürther demokratischen Wochenblattes" Ver- anlassung nehmen konnte, mit einer Erklärung hervorzutreten und zwar gerade mit einer solchen; die eigentliche Veranlassung des Hepner'schen Artikels, Memmingerö Auslassungen gegen die Jnter- nationale kommt ganz aus dem Spiel, und der einzige Ausdruck Hepner's,.von dem sich die Redaktionskommission getroffen fühlen konnte, die„Korruption" deS„Demokratischen Wochenblattes," ist in obiger Erklärung gar nickt weitpr berührt. Die Redaktion des„Voltsstaat". ')'Dies ist eine eben so wunderbare Behauptung, wie die von „persönlicker Beeinflussung". Wir kennen Hepner besser. ■')„Angebliche"? Die Prügeldrohbriefe sind in der That vor- Händen; dieselben werden auf dem Parteikongreß zum Vorschein kommen. *) Der„einzelne Gelehrte" agitirt gar nicht. ') Glücklicherweise sind die Nürnberger Kritiker nicht die einzigen in der Welt. *) Franz war allerdings nur zu 4 Monaten verurtheilt; indeß vergessen die Herren, daß gegen ihn ein HochverrathSprozeß eingeleilet war, der nach' seiner Flucht eingestellt wurde. °) Wir wüßten nicht. ) DaS ist nicht wahr. Es wurde gerügt, daß darin keine bedingungen, und sollte das Abonn. dann uoch verweigert werden, dis schweren Sie sich bei der zuständigen Hauptzcitungspostdirektiou. Fond für pol. Geinastregclte. Vom sozialdemokratischen Arbeiterverein durch Skauert 2 Thlr. Lc> intern at. Metallarbeitcr-Gewerkickast Leipzig Thlr. 1. 12. 5. Berichtigung. Auf S. 4 der Nr. 70(Artikel: Hr. Memmingcr) muß cS„voraus gesetzt selbst, daß sie ein paar Hundert Gulden"ungeschäftlich(ms ungeschriftlich) zu verleihen haben" heißen. Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Ii II II Hl-}) Sonntag, den 16. Anznst, in der„Schützenhalle"; Mitgliederversammlung.— Tagesordnung:„Der diesjährige Partei« kongrcß." Anträge zu demselben. Die Mtgliedcr werden um zahlreiche« Erscheinen ersucht, ebenso\C pünktliches Zahlen der Beiträge, indem sich nur die zahlenden Mitglieds aus dem Congresse vertreten lassen können. Beiträge zu den Delegirte»' kosten nimmt der Vertrauensmann, Herr Jclle. entgegen. _ Im Austrag: Endres. Die Mitglieder und Parteifreunde von Barmen ver «Olli Uli II sammeln sich regelmäßig jeden Samstag Abend 8 Uss bei Wirth Kämper in der Neustadt. Rob. Hülsiep, Bertrauensm., [2a] Unterdörnerstraße Nr. 69, Hinterbaus. üKpHttt Sozial-veinolralische Arbeiterpartei. v 4 1 III P ezirltsversammlti Ilgen. Montag, den 18. August, Abends 8 Uhr: Landwehrstraße 11 bei Meister: Die Vorgänge in Spanien. Ludwitz Local, Admiralstraße 11, Eingang vom Hof: Vortrag des Herrn Milke. Verschiedene«. Dienstag, den 19. August, Abends 8 Uhr: Brettschneider'S Locol, Gartcnstr. 13 14: Vortrag des Herrn Bernstein. Verschiedenes. Um[zahlreiche Betheiligung und uiii rege Agitation für ZuführuN von Gästen ersucht Das AgitationS-Eomits Serlin Allgemeincr deutscher Sattlervcrcin. Sonnabend, den 17. d. M., Abends halb 9 Uhr, bl Gratweil, ob. kl. Saal, Kommandantcnstraße: Generalversammlung. Tagesordnung:„Die Krisis in den Geschäften." Ref.: Fritzsch� Der Congreß zu Offenbach. Da dieser Abend unbedingt einer der schönsten werden wird, indev zum Schluß ein gemüthliches Beisammensein staltsindct, auch unser Vel« einslied und mehrere Arbeiterlieder mit Klavierbegleitung vorgctrag� werden, so bittet um zahlreichen Besuch. Freunde und Gäste willkommen. Der Borstand. Affaire Mcmminger. Aus Nürnberg geht uns eine Erklärung der Redaktions-.. D �„lVV Ö, WD kommission des„Fürther demokratischen Wochenblattes" zu. Wir Aktenstücke, sondern nur sehr viele Gedichtszitate enthalten seien. haben uns für den Abdruck derselben entschieden, emesthetls im J Mx meinen, wenn die Redaktionskommission des„Fürther Interesse der Unpartelltchke.t, andernthetlS um den �rte.gen°ssen[ demokratischen Wochenblattes- Andern„persönliche Angriffe" vor- an emer Sttlprobe zu zeigen, wriche Bluthen der zur Zeit-n/Nurn—-{ Le fie in einem Glashause und werfe mit Steinen. berg herrschende Geist treibt. Der herausfordernde Bon, in wel-'' � ruiten tiefC flan.e Affaire viel zu traurig um zu chem von uns der Abdruck des Schriftstücks gefordert wird, hat backen" uns nicht nur nicht imponirt, sondern gerade den entgegengesetzten/' Z Das dächten wir auch. Und d-ßhalb wäre es uns sehr lieb. ��rvorgebracht; auch weisen wir.aufs End �n Ruhe gehalten würde. schledenste die Beschuldigung zurück, m dem Streite zwischen Mook-—- 2———--- ÄÄ&ÄÄ StfTZ Äm-V w». in«... BTJSSSl? fiSS�.r t S �: i'x. Flierl, daß Alles in Händen des � Sie zu vertreten haben, was Sie geschrieben haben. Ausschusses ist; sind sie nicht zufrieden, so ulögen sie sich an den ber Expedition: I. Endres in Nürnberg: Wenn eine Postanstalt Ausschuß wenden und nicht uns stets diese Vorwürfe machen, auf wieder einmal ein Abonnement nicht amiehmen will, verweisen Sic die welche zu antworten uns nachgerade zu langweilig wird. betr. Herren auf die am Kopse des„Bolksstaat" befindlichen Abonnements- Sozialdemokratische Arbeiterpartei. �ii9lllll Montag, den 18. d.M., Abends punkt 8 Uhr: öffentliche Versammlung im Saale des Gasthauses„zum Vater Rhein", Huben- und Lehmgrube«« straßeneckc(früher Zirkclhof).— Tagesordnung:„Der Kampf u« Macht, Reichthum und Glück." Res.: PH. Wiemcr. Um recht zahlrei» Betheiligung von Mitgliedern und Gästen bittet der Vertrauens mann Internationale MetaLarbeitergewelkSgeuoffenschall V-lJIIUUllj Den Bevollmächtigten und Gcwerksgcnoffen diene h>� mit zur Nachricht, daß die Adresse de« unter, cichneten Gefchäflsführe« nunmehr Lindenstraßc Skr. 8, 1 Treppe, zu richten ist, die des Hauff kassirers Carl Hermann Hickethier, Innere Rochlitzerfir. Skr. 30, 3 Tr. Richard Wolf. „alt- förfttff Sozialdemokratische Arbeiterpartei. \S4|ll4l Sonnabend, den 16. August, Versammlung im Schwan". Die Versammlungen der Partei finden regelmäßig Som> abend« statt. Der Bectrauensmanu. W. BohreS, Allcrheiligenstr. Nr. 2. XB. Um votgekommenen Jrrthümcrn vorzubeugen, mache ich a« obige Adresse aufmerksam._ D. C. �rrtitrrrr t Großes L>erl>lüdernngssest, /J/ K K Iviilj!♦ öf* Sonntag, den 17. August, im Saas zum schwarzen Roß. Bestehend aus Vorträgen, Concert und Ball. Festrede hält Herr Schauer aus Dresden. Alle Arbeiter und auswä« tigcn Parteigenossen werden mit Familiengliedern freundlichst cingelade« Das Comitv. ArtittAitVe} Sozialdemokratische Arbeiterpartei. �11 IUI» III Versammlung am Montag, den 18. August, Abeutl 9 Uhr, präcise, bei Hansch, Schauenbnrgerstr. 14. Tagesordnung: 1) Abrechnung des Festcomits's. 2) Anträge zu� Eongreß.— Die Mitgliedskartcu sind vorzuzeigen._ itathlirt internationale Metallarbeirerschaft Montag, den 18. Aug., Sitzung bei Arnbold, Reudnitzf" ftraßc.— Tagesordnung: Gewerkschaftliche«.— Aufnahme neuer 3K-'' glicder. Cfothitir Allgemeine Versammlung der Töpser. Dienstag, den 19. August, Abends 8 Uhr, Nckolaistr. 5>i Restauration von Schäfer. Tagesordnung: 1) Bericht des Delcgirten über den Congreß. 2) Wahl des Vorstandes. Der Bev. 0 Sonntag, den 17. August, Arbeiterjest, im Satff i�/ilil-lllll der Garküche, bestehend in Concert, Festrede, gesprochck von Herrn Vahlteich an« Chemnitz; Deklamation»»d Ball. Entree 2>/„ Ngr. DaS Festcomitö. Reichenbach, Filiale betreffend. Die Leser de«„VolkSstaat" wolle« bis Ende d. M. den AbonncmenlSbetrag an Unterzeichneten berichtige' 16 Sgr. pro Quartal, 2 Sgr. für Austragen._ R. Müller. Sonntag, den 17. August, stachmitlags 3 Uhr: JlÜliJlllj Volksversammlung in den Lokalitäten des Herrn Schankwirth Engert, bei günstiger SSittP rnng im Garten. Tagesordnung: Die Arbeiterbewegung und deren Ziele. Freunde von nah und fern, zeigt, daß auch in Rochlitz die Arbeit- am Platze sind trotz aller Verfolgung! D. V. Die hiesigen Schnbmachergehilfcn zeigen hick �»Il)lv4'lllsll44 mit an, daß das ArbeitSburean sich gegenwär- im Gasthaus zum Schwane befindet. Der Einbring-Gchülfe M. Siraw ist gegenwärtig bei Christian Keller, Judengaffe Nr. 154. Georg Kiesel, Bevollmächtigter. feiilUhertt Zur Beachtung. «wlvUUt-lB Hiermit diene allen Parteigenossen, die mit mir koo respondiren, zur Nachricht, daß meine Adresse von jetzt an Chemnitzer straße 24 ist. Die Filialexpedition des„Bolksstaat". Ä. Otto Neubert. Aufforderung. Alle Diejenigen, welche vor dem 1. April Exemplare von mir e- hielten und bis heute noch nicht lczahlt haben, werden gebeten, bis d. MtS. den Betrag zn senden, widrigenfalls Namhaflmachung erfolgt muß. Dresden, 12. August'_ G. Zilger. Die Sozialdemokraten von Reudnitz, Schöncfeld und Umgeg-' werden hiermit Sonntag, den 17. August, Nachmittags 4 Uhr, zu eilw Besprechung in der grünen Scbänke in Reudnitz eingeladen. O. H. 2 Frilcnhaucrgchilsru können sogleich in Arbeit treten bei C. EiSucr, Feilenhauer, Homburg a. d. Rossel(Loihnngen). Reiseverglltung.____ ve ioztg.»titnui. et ci an tut E. laasper. � Siedallton wuo �xproi»' Zefeerstr. iil, Der.! ca» Verlag h« Geitvsseufchaslsbnchdruckerei.