ttWit»»cheutUch 9 Mai ts jtrff»ig. vestellmigeu nehme» all» siftanstalte« und Buch« Handlungen de« In- und Zu« lande» an. AUial-Sxpeditionen für dt« Herewizte» Staaten: S-«- Sorg». W«» 101 Hoboken, N. J. 9. L. LZunecker, Ig S. dlarket«tr. vorn. »»». Ldio»»«, w. Der Vollisstaat Ztbanntmtntsxrkl«: Zür Preußen incl. Stempel» steutr21Ggr.,fürdieübrig«n Deutschen Staaten 16 Sgr. pro Qnanal. Meaat»- Ab»um emnit, »erden bei allen Deutschen Postauftalten auf dm 2. u. >. M»nat u. auf den 8. Monat besonder» angenommen, t« Sgr. Sachsm u. Hr,gth. Gachs.-Zltmburg auch auf de« 1. Menat K f>', Igr. »ugeucuuucn. OrgandersozialdemokratischenArveiterparteiundderinternationalenGewerksgenlisscnschaften. Nr. 79. Sonntag, 31. August 1873. Tie deutsche Rebellion 1819. Baden.(Schluß.) Neckar überschritten hatten,— daß sie, in fast vollständiger Auf-„Ordre" ist ein Nothschrei gegen einen Unterosfizierstrike. Und I lösung, hier so gut wie ungehindert entrinnen konnten, das muß wohlgemerkt, der geschulten Offiziere hat man auch viel zu wenig die Vermuthung bestärken, daß man sie nicht schnell abschlachten für eine allgemeine Mobilmachung, wie die Untersuchung der wo llte. Wir wisien nun, wie es mit der ausgezeichneten Angst der Es leuchtet ein, wie verdienstvoll das Benehmen meines alten Ausständischen vor den monarchischen Truppen im Allgemeinen Freundes, Kriegskameraden und Borgefctzten, des Obersten Johann und den hessischen im Besonderen beschaffen war. Philipp Becker war, der am 21. und 22. Juni in Heidelberg mit Ter„Neue Militärische Blätter-"Spion sagt:„Der Plan des wenigen Freischaaren und Volkswehren, ohne Artillerie, dem An- „damaligen Prinzen von Preußen, durch den Rheinübergang deS griffe der Gröben'schen und Pencker'schen und schließlich auch der „Hirschfeld'schen Corps bei Germersheim die durch das Grö- Hirschfeld'schen Truppen ausgesetzt war, der aber so lauge als nur „den schc Corps an der Ncckarlinie festgehaltene Revolutionsarmee irgend möglich Stand hielt, um den Trümmern der Hauptarmee „abzuschneiden und derselben durch die Reichsarmee unter Peucker den Rückzug zu sichern. Becker sagt in der„Geschichte der iüd- gleichzeitig das Ausweichen in den Schwarzwald bei Sinsheim deutschen Mairevotution":„Hätte Gröben in dieser Nacht(vom „zu verlegen, war meisterhaft ausgedacht. Gelang der Plan, so 21. auf den 21.) seine Masse gegen Heidelberg geworfen, so würde war es in zwei Tagen mit der Revolution zu Ende— man „hätte ihre ganze Armee abgefangen". Die geographischen Schwächen dieses Stabsgeographen des Berliner Offizierblältchens wollen wir nicht streng behandeln; nur andeuten wollen wir, daß nicht bei Sindheim der Schwarzwald beginnt, sondern in der Nähe des etwa 5'/- Meilen entfernten Pforzheim. Vom südlichen Ende des Odenwaldes bis zum nörd- lichen Anfange des Schwarzwaldes erstreckt sich eine Fläche, die von jenem und diesem Gebirge an Höhe bedeutend nachstehenden Hügeln durchzogen wird und auf der man durch nicht einmal kühnes, sondern nur leidlich behendes Manövriren die Rebellen znnt Stehen bringen konnte— was man nicht vollführte er nur bei den Volkswehren Beckers Widerstand gefunden haben". Die Gröben'schen„Massen" waren etwa 15000 Mann, die Becker'schen wohl keine 3000. Becker konnte damals nicht vermu- then, daß man nicht wollte. Hier darf aber nicht übersehen wer-' liegt, war er daher auch, da ihm keine militärisch-politifche Gefahr S* a** V, Vs �\(4%a i S r\ yK\& 1 1 l V f. � i- 1 Ii— �....... � t. V. V..... 1. i-.»t...... w I«V den, daß das Gröben'sche Corps 11 Landwehrbataillone, währenb das Hirschfeld'sche nur 7, wovon 4 Gardelandwehrbataillone, zählte, und Hirschseld durfte nicht stolz sein auf das Benehmen der Landwehr bei Waghäusel. Schon am Tage deS Gefechts hatte einer seiner Tivisionscommandeure, der Generalmajor v. Hanneken, ihm berichtet:„Das zweite Bataillon(Iserlohn) des 17. Land- Wehrregiments war diejenige Truppe, welche sich am wenigsten fest zeigte". Gröben mochte Grund haben, vor seiner eigenen Landwehr Thatsache ist, daß der„meisterhaft auSgedochte" Plan des zu zittern Prinzen von Preußen, obgleich ihm zur Aussührung faktisch 3 Am 12. Juni war in Mainz für alle drei Armcecorps ein oder 4 Mann gegen einen auf einem Räume von wenigen Operationsplan beschlossen worden, der besagte, daß Meilen im Geviert zu Gebote standen, nicht nur nicht dort, son- dern überhaupt nicht gelang. Aber„genial" war die Führung vielleicht dennoch. Der Mangel an Telegraphen, den die„Neuen Militärischen Blätter" hervorheben, war wohl nickt der alleinige Grund des Mißglückens. Die Aufständischen hatten ja eben so wenig eine Feldtclegraphie und gar wenig Kavallerie, woran es den Royalisten nicht fehlte. Der bekannte„Uhlan", der Alles sieht und Alles verdeckt und Alles berichtet, wurde erst später für die Franzosen erfunden. Es könnte wohl sein, daß man die Re- bellen gar nicht so schnell abfangen oder vernichten wollte, denn man hätte ja sonst keine so vollgültigen Ansprücye auf die Jnva- sion und militärische Besetzung Badens gehabt. Bayerische, Wür- tembergische und Oesterreichtsche Truppen standen in der Rhein- Pfalz, Franken, längs des Schwarzwaldes und bei Bregenz in hellen Haufen auf der Lauer. Diese Royalisten tonnten mit den Rang- und Ouartierliste ergiebt. Das sind, wir wissen es, sehr zarte Punkte. Schweifen wir nun wieder 24 Jahre zurück! „Seine Königliche Hoheit der Prinz von Preußen steht mor- gen wahrscheinlich schon bei Wiesloch im Rücken des Feindes" hatte Gröben in dem Corpsbefehlc des 20. Juni seinen Leuten gesagt. Das liest sich, als wenn er sich nicht traute, mit seinen Leuten herzhaft auf die Rebellen loszugehen. Der fromme, brave Gröben, der zwar« von dem sogenannten Befteiungskriege her das eiserne Kreuz mit Gott für König und Vaterland und auch einige russische Orden, die folgerechte morgenläiidische Belohnung euro- päischer Künstler besaß—"dieser Gröben hatte seine Offiziere und Soldaten lediglich angeschwatzt. In seinen späteren Verhandlungen mit der Rebellen-Besatzung von Rastatt, deren Wortlaut mir vor- das Peucker'sche Corps vom 13. bis 21. Juni jedes ernsthaste Gefecht mit einem überlegenen Feinde vermei- den sollte, das zweite preußische Armeecorps(Gröben) den Neckar am 21. Juni zwischen Mannheim, Ladenburg und Heidelberg forcire, DaS erste preußische Armeecorps(Hirschseld) nach der Ueberschreitung des Rheins bei Germersheim, in der Rheincbene gegen den Neckar vorrücke, um entweder den Feind, wenn er noch das linke Ufer desselben hielte, im Rücken anzugreifen, oder ihn aber nach dem Odenwald hinein, dem Neckarcorps in die Hände zu manövriren. Verwirklicht wurden diese Pläne nicht, denn das Peuckerfche Corps mußte sich am 15. und 16. Juni bei Käferthal, Ladenburg, Hirschhorn und Großsachsen mit einem viel schwächeren Feinde in Rebellen nicht gut gemeinsame Sache machen, aber wenn diese sehr ernsthafte Gefechte einlassen, wie oben ausführlich beschrieben oder die Preußen cum Reichstruppen schnell abgethan, so war doch ist; das Gröben'sche forcirte weder am 21. noch am 22. den einige Gefahr vorhanden, daß jene vom Raisonuiren gegen die Preußen zum Hauen auf sie übergingen, oder daß es gar zu Zu einem„ftifchen, fteien, ftommen, fröhlichen" triangulär dpel käme. Die zwischen den bezeichneten Regierungen gcpftogenen Verhandlungen, wie sie in den vor mir liegenden hergehörigen Jahrgängen der„Augsburger Allgemeinen Zeitung", wenn auch nur theilweise zum Abdruck gekommen sind, lesen sich gar sonder- bar urd erregen nicht wenig Verdacht...... Unter dieser Beleuchtung wird das Manövriren des militärisch ebenso gelehrigen wie gelehrten Generals und Doktor Peucker- Cunctator vielleicht leichter verständlich. Ein Mann, der wie Peucker als gemüthlicher Schlesier schon im 2)ork'schcn Corps gegen und ans Seite der Russen gesockten hatte, preußischer Militärcom- uiissar in Frankfurt, dann Reichskriegsminister des Erzherzogs, Rcichsvcrweser gewesen war, diesem die Huldigung versagt hatte und dock wieder das Reichskriegsministerium übernahm— ein solcher Plann war ganz wie geschaffen für die nöchig erachteten boruflischen Kunststuckchen. Als man ihm, wie die„Neuen Mili- tärischeu Blätter" erzählen, Anfangs Juni vorschlug, seine Bun- deStruppen schnell auf Karlsruhe marschiren zu lassen, wo die wackern Bürger tapfer in geheimen Berschwörungen gegen die Rebellenrcaierung„machten",„konnte er nicht überzeugt werden, daß die Kontrerevolution gelingen müsse, ließ auch durchblicken, daß Weisungen von Berlin entgegenständen". Die Preußen Grö- bcns waren nämlich»och nickt zur Stelle, und ging er ohne sie vorwärts, so mußte er sich mit den Bayern, Würtembergcrn und Desterreickern verständigen, um nicht, wie er vorsichtig und gelehrt bemerkte,„in Karlsruhe von der aufständischen Pfalz und dem unsicheren Würtemberg her erdrückt zu werden". Unser Spion war es, der bei Rückkehr von der angeblichen Zollgränzbesichtigung dem Peucker zur Ermuthigung„über die Verhältnisse in Baden einen ausfübriichen Vortrag" hielt. Er war einfältig genug, von dem Peucker die Verpfuschung der genialen Berliner Pläne zu erwarten. Das plötzliche Erscheinen MicroSlawSkis am 20. Juni 1849 bei Neulustheim und der Gang wie Ausgang des Gefechts bei Waghäusel am 21. hatten die Heerführer des 1. preußischen Armee- eorps, trotzdem eS unter den Augen de« Prinzen von Preußen jetzigen Kaisers) focht und der Geograph Major von Roon(spätrer Kriegsminister und Feldmarschall) Chef deS Generalstabs �var, vollständig verblüfft. Diese Annahme drängt sich uuabweis- "ch auf, nicht etwa aus Rebellenschriften, die hierfür gar nicht an- Dogen zu werden brauchen, sondern auS den offizielleu preußischen �krichten, wie sie das Militärwochenblatt für 1849 und 1850 ver- �swntljcht. Die Ueberraschung und Ermüdung des 1. Corps haben allerdings das Entkommen der Aufftändischen erleichtert; daß sie �ber in der Nacht vom 21. auf deu 22. und an diesem Tage auf lUvßen Umwegen über Heidelberg im wahren Sinne des Worts den Nasen des 2. preußischen und des Pencker'schen Reicks- �sps, die, jenes am 22. Abends bei Ladenburg, dieses am 21. be' Zwingenberg mindestens mit der Hälfte ihrer Stärke den Neckarübergang, sondern zog erst am 22. und zum Theil in sehr später Abendstunde in die auf dem linken Ufer gelegenen, von sehr kleinen Rebellenabtheilungen besetzten Städte und Ortschaften, nachdem diese geräumt waren. Die Gröben'schen Preußen ließen sich mit ihren Unternehmungen des 21. auf Ladenburg und Hei- delberg in ausfälliger Art abweisen. Vor Heidelberg wurden auch 5 Füsiliere der 9. Kompagnie des 31. Infanterieregiments abge- fangen. Gröben selbst und auch ein Jägerhauptmann von Wer- der, unter dessen Befehl die Jnfanteriekompagnie stand, machen diese Angabe, und dennoch ist in der Beilage Nr. 15 zum„Mi- litärwochenblatte für 1850", welche„die Verlustliste der preußischen Truppen in dem Feldzuge in der Nheinpfalz und Baden 1849" veröffentlicht, dieser Verlust unterdrückt. Joh. Philipp Becker schreibt:„Nur fünf Preußen mit ZUndnadelgewehren wurden auf dem anmuthigen Punkte der Engelswiese gefangen genommen. Michel steckte dieselben in die Flüchtlingslegion, denn es kostete keine Mühe, sie zum Schwur gegen ihren König zu veranlassen." Deutlicher können die Preußen nicht überführt werden, falsche Ver- lustlisten veröffentlicht zu haben. Preußisch pfiffig werden sie viel- leicht zur Vcrtheidigung anführen, daß an Kerlen, wie diese 5 Füsiliere, für sie nichts Verloren war. Auch das Hirschfeld'sche Corps, stets unter den Augen des Prinzen von Preußen(jetzigen Kaisers), führte seinen Antheil an dem veröffentlichten Plane nicht aus. Es rückte nicht nach dem Neckar vor, griff die Rebellen nicht im Rücken an, und manöv- rirte sie nicht in den Odenwald hinein. Die Manöver der Bür- gerkriege entrücken sich leicht den schlauesten Berechnungen der Berliner Generalstabs-Doktoren und Generalfeldmarschälle, und in zukünftigen, wir wollen hoffen zu vermeidenden, aber doch nicht ganz unwahrscheinlichen Bürgerkriegen dürften die Ueberraschungen, von hungrigen Unteroffizieren, proletarischen(catilinarischen) Sub- alternoffizieren und ehrgeizigen Stabsoffizieren bereitet, voraus- sichtlich viel bedeutender werden. Es entziehen sich ja bereits ganze Flotten den Berechnungen strammer Centralisation. Bezeichnend ist die allerneueste„Ordre" des deutschen„Kai- serS" an feine Offiziere, datirt:„Babelsberg, den 21. Juni 1873", die Behandlung der Unteroffiziere betreffend. Wie bekannt, fehlt eS der Armee an Tausenden solcher armen Teufel, da der Geld- verdienst in Civilbeschäftigungen höher als die Unteroffizierslöh- nung. Der Kaiser deutet an, daß die Offiziere die Stellung der Unteroffiziere zu einer„geachteten" machen müssen, was demgemäß die Offiziere bis jetzt nicht zugelassen zu haben scheinen. Er ver- langt„Wohlwollen" und„Rücksicht" für sie und Vermeidung von Härte bei Bestrafungen. Man soll sie nicht„bei Tageszeit auf öffentlichen Straßen abführeu oder als Arrestanten mit Genieinen in Berührung bringen".„DaS Rangverhältniß der Unteroffiziere muß gewahrt und ihr Ehrgefühl geschont werden". Er eröffnet ihnen Stellen„etatsmäßiger Vizefeldwebel und Vizewachtnieister", als welche sie nicht als„Capitaind'armes, Fouriere oder Quar- tiermacher, Corporalschastsführer, Unteroffiziere du jour und Kommandanten Neinerer Wachen" zu verwenden sind. Kurz, die ganze mehr drohte, entsprechend dreist. Der Prinz von Preußen(jetziger Kaiser) stand am 21. nicht bei Wiesloch im Rücken des„Feindes". Er hatte am 21. voll- auf zu thun gehabt, von den Rebellen nicht in den Rhein gewor- fen zu werden. Kaum 4 Meilen waren die vordersten Treffen des Gröben'schen Corps am 21. nnter dem Kommando von Jndivi- duen, wie ein Major v. Weltzien, der wenige Tage später als Kommandant badischer Städte wüthend gegen rebellische Gesin- nungen schriftstellerte, entfernt, nnd sie mußten den Kanonendon- ner von Waghäusel entweder selbst gehört haben oder darüber von badischen reaktionären Zittermicheln unterrichtet worden sein — und dennoch leisteten sie keinen Vorstoß über den Neckar hinaus. Die Offiziere bleibeu heute, wie sie damals waren, trotz des Pri- maner- und des Abiturienteu-Examens und der Berliner„Kriegs- schule" zu verlachende Gegner, wenn die Soldaten, i. e. die städtischen und läudlichen Arbeiter nicht„anbeißen" wollen. In der Nacht vom 18. zum 19. Juni hatten der gotteSfürch- tigen Gröben und der weise Peucker in Weinheim eine Konferenz abgehalten, in deren Folge Peucker dem Gröben ein„Uro lvemoria" einsandte, worin gesagt ist: „Am 21. bewerkstelligt das Gros des Corps(Reickscorps) den Neckarübergang, wo möglich bei Zwingenburg, rückt aus Sinsheim vor, verschließt hierdurch dem Feinde den Rückzug in dieser Flankenrichtung und setzt sich mit dem bei Germcrsheim über den Rhein und auf Wiesloch gehenden preußischen Corps in Ver- bindung." Allerdings hat das Peucker'sckte Corps den Neckar bei Zwingen- berg am Morgen des 21. überschritten, ist aber an diesem Tage nicht bis Sinsheim vorgedrungen, obgleich dieses nur kaum drei Meilen von Zwingenberg entfernt ist. Daher hat es auch den Rebellen den Rückzug nicht verschlossen. Seine Vorhut, aus dem bekannten Bataillon des 38. preußischen Regiments, 6 großher- zoglich hessischen Geschützen, einer großherzoglich hessischen Escadron und dem herzoglich nassauischen Bataillon bestehend, war einem bramarbasirenden, vom Frankfurter Parlament her bekannten In- dividuum, dem preußischen Major und Franktireur von Boddien nachgesandt worden, der sich mit 40 Reitern gewaltsamer Weise auszeichnen wollte. Dieser Boddien und die ganze Vorhut muß- teil in der Nacht vom 22. auf den 23. mit blutigen Köpfen vor einigen rasch gesammelten Trümmern der von Waghäusel her kom- inenden RebeUentruppen rückwärts aus Waibstadt abziehen. Die Rebellen konnten nun ruhig von bannen gehen, und dermaßen ver- dutzt waren die Pcucker'schen Reichstrnppen, trotz der unter ihnen fechtenden Preußen und fteiwilligen royalistischcn Hidalgos wie Boddien, daß sich die Verbindung zwischen ihnen und dem Hirsch- feld'schen preußischen Corps erst 24 Stunden später, am Abende des 23. ergab. Das ganze Operationsfeld, auf dem die Rebellen abgefangen werden konnten, war etwa ein Quadrat von 3 bis 4 Meilen, dessen 3 Seiten, die westliche, nördliche und östliche vollständig, die südliche theilweise von den Royalisten beherrscht wurden. Und dennoch entkamen die Aufständischen, sei es zufällig, sei es plan- mäßig, südwärts. Die preußischen Ccntralisations- Reaktionäre, Hirschfeld, Gröben, Peucker, Roon, Hindersin und wer sonst noch zu der Gesellschaft gehörte, waren also furchtsame Leutchen, oder, was ich lieber annehme, verschmitzte Berliner„geniale" Kumpane, die jedenfalls in dem südwestlichen sonnigeren Zipfel Deutschlands sich's wohl fein lasten und denselben für ihre Zwecke breitschlagen wollten, indem sie sich dabei die Oesterreicher, Bayern und Wür- temberger vom Leibe hielten. Der Arme, der Arbeiter wird aus diesen Zeilen einige Hoff- nung schöpfen. In den deutschen Bauernkriegen wurden die Ade- ligen trotz ihrer Lanzkuechtskllnste gepisackt;� 1848— 1849 wurden die Bärte der adeligen wie der Mittelklaßoffiziere zerzaust. Sie sollen nur nicht verzagt sein! Sie sollen nur stets lernen, grade denken und grade handeln und sie werden Herr werden der Diplo- matengaunerei im Allgemeinen wie der jesuitischen Bismarckerei im Besondern, der„breimäuligen Faselhänse" der Universitäten, wie der mathematischen Berserker der Militärakademien, auf denen sich eine angeblich tiefgelehrtc, in der Praxis scheußliche Prügeleien produzirende Zerstörungswissenschaft breit macht, deren höchste Priester wie z. B. der erzgroße Moltke ihre gedruckten Theorien durch schweigsame Berliner Praxis Lügen strafen müssen.(Siehe „Mordspatrioten" Seite 84.) Möge dieser Aussatz den armen alten Epaulettenknaben bewei- fen, daß sie die Geschichte jeuer Ereignisse von 1849 nicht ver- ballhornen dürfen, daß es noch„Banditen" giebt, die ihnen auf die Finger klopfen und die dafür gesorgt haben, daß von ihnen gesammeltes Material auch späteren Geschlechtern zu unparteiischer Beurtheilung bleue, indem es ihnen die Möglichkeit giebt to look at this picture and to look at that*). Man hat neulich einen meiner in Ihren Spalten erschienenen Aufsätze an das schwarze Brett der Leipziger Universität genagelt; so möge man diesen an das schwarze Brett der Kadettenhäuser, Unteroffizierschulen und Kciegsakedemien festigen; dann haben die jungen und alten Säbelsckwenker Anregung, sich tapfer zu bemühen, an die Wahrheit zu gelangen. Weder Professoren noch General- feldmarschälle haben ein Patent auf ihren ausschließlichen Besitz. London im August 1873. Ein alter„Rebell". •) Das eine Gemälde zu betrachten, aber auch da? andere. Zur Naturgeschichte der deutsche» Preffe. In ihrem„Wochenbericht" vom vorigen Sonntag widmet die Bertiner„Volkszeitung" dem letzten deutschen„Journalisten- tag" folgende Tirade(S. Nr. 197): „Unter den Wanderversanimlungen— welche„als Pioniere deutscheu Geists auf allen Gebieten der(Wein-) Cultur und(Bier-) Wissenschaft zu betrachten sind"— nimmt seit fast einem Jahr- zehnt der deutsche Journalistentag eine Heroorragende Stelle ein. Auch der achte deutsche Journalistentaz, der im Beginn der abge- laufenen Woche in Hamburg versammelt war, hat für die Strö- mung des öffentlichen Geistes in Deutschland und in dem stamm- verwandten Oestreich, dessen recht eigentliche Dollmetscher dw Ver- treter der„sechsten Großmacht" sind, ehrende Zeugnisse beigebracht. War doch zur Leitung seiner Verhandlungen ein Mann berufen, Herr Vecchioni aus München, der durch sein Auftreten in der Spitzeder'schen Angelegenheit den Beweis gegeben hatte, daß, ab- gesehen von den natürlichen(!) Ausartungen, wie sie überall vor- handen sind, die deutsche Presse vor allen anderen(!!) Ehrlichkeit und Unabhängigkeit der Gesinnung(Prrrü) zur Geltung bringen will. Bei allen Vertretern derselben(Vertretern der„Geltung"? oder der„Gesinnung"? oder der„Unabhängigkeit"? oder der „Ehrlichkeit"? oder„der anderen"?) ohne Unterschied der Partei- steUung(!) sprach sich der bewußte Witte(Hip! Hip!) und das ernste Streben(Hurrah!) aus, daß die freie Meinungsäußerung im ganzen deutschen Vaterland von allen Schranken und Fesseln befreit werden müsse, welche der Unverstand oder die Kurzsichtig- keit der Regierungen ihr noch immer auferlegen(die„freie Meinungsäußerung"„befreit" werden! Wohl von der Freiheit? O heiliger Bernstein!). In dem starken norddeutschen Gemeinde- wesen(die Republik Hamburg ist gemeint), welches den Journa- listen heuer eine so glänzende Aufnahme gewährte, sind diese Schranken längst gefallen." Wir müssen uns erst etwas aus- schweifen, ehe wir weiter zu schreiben vermögen. Der jüngste unserer Druckerjungen mag unterdessen die grammatikalischen und stilistischen Schnitzer dieses überwältigenden, niederschmetternden Ergusses roth anstreichen.——(Pause— der Druckerjunge kommt mit dem corpus delicti zurück— es wimmelt von rothen Strichen, und könnte nun, mit dem— allerdings etwas schmutzig — weißen Rand und den schwarzen Lettern recht gut als natio- naler Sieges- und Ruhmlappen bei der„Sedanfeier" figuriren, die das deutsche Bedientenvolk(mit und ohne Livree) nächste Woche zu verüben beabsichtigt. Nachdem wir kurz auf'gewiffe der„Volkszeitung" eigenthümliche Genialitäten aufmerksam gewacht(Bezug- nähme auf den Spitzederprozeß, als Beweis für die— Reinheit der deutschen Presse; die Vertreter der„sechsten Großmacht", d. h. in diesem speziellen Falle der Wiener„„Presse"", gründer- licher und gründlichst schwindlerischer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, so weit sie eine hat, als„recht eigentliche Doll- metscher des stammverwandten Oestreich u. f. w.), nun ein Wort über besagten Journalistentag. Thaten desselben: 1) Ein Antrag auf Streichung des Münchener Blatts„Stadt- staubaas", welches sich etwas zu unverschämt hat spitzedern und nachher zu plump hat erwischen lassen, abgelehnt, weil das Prä- judiz ein zu bedenkliches wäre! Und sehr mit Recht abgelehnt; denn wollte man jedes Blatr streichen, das in der einen oder andern Form sich spitzedern läßt, wo bliebe der„Journalistgntag"? Es gäbe dann höchstens einen„Journalistentag" der Gestrichenen! - 2) Ein Antrag, es für eine Ehrenpflicht der Journalistik zu erklären, Schmutzannoncen zurückzuweisen nur nach lebhaftem Widerspruch angenommen und nachdem alle Redner, mit Aus- nähme eines Einzigen, erklärt, daß der Antrag absolut keine praktische Tragweite habe. Das die Thaten des„achten Journalistentagö"— d. h. die geschäftlichen. Von den außergeschäftlichen Leistungen wissen die Hamburger Auslernkeller:c. zu erzählen. Durch ein neckisches Spiel des Zufalls veröffentlichte der„Ge- werkverein", bekanntlich eine Art Sonntagsbeiblatt der„Volks- zeitung" an demselben Tag, wo die„Volkszeitung« jenen Lobge- sang auf die tugendhafte deutsche Presse in die Luft bließ, emen Aufsatz, in welchem die deutsche Presse als eine„feile" gebrand- markt wird... m• Und um die„Preßfreiheit" zu illustriren, welche die Partei der„Volkszeitung" den politischen Gegnern gewähren will, ver- öffentlichte, ebenfalls unter demselben Datum die gesinnungSver- wandte„Concordia" nachstehenden Hülferuf an Stieber(enthalten in einer Correspondenz„vom Mittetrheiu"): „Etwas ist es, was auch den Einsender dieses heute noch stets in Zorn und Austegung versetzt. Es ist dies die höhnische Frech- heit, mit welcher gewisse Führer der sozialdemokratischen Partei, sobald sie mit einer größeren Oeffentlichkeit und namentlich sobald sie mit den Gerichten in Berührung kommen, den revolutionären Charakter— und zwar revolutionär ganz in dem gewöhnlichen, nicht nur in dem mystischen(!) Sinn, den man diesem Wort hat unterlegen wollen— ihrer Bestrebungen abzuleugnen, dabei aber in Wort und Schrift so unverholen wie nur möglich es prokla- miren, daß Jeder ein Narr sei, der von etwas Anderem als dem gewaltsamen Umstürze Heil erwarte. Das wird dann nachher als eine bloße an bestimmte Eventualitäten geknüpfte, und somit rein „historische" oder„wissenschaftliche" Ansicht ausgelegt!— Erst kürzlich waren wir in der Lage, es mit anhören zu müssen, wie unter harmlosester(!) Assistenz der Polizei ein sozialdemokratischer Redner von dem allgemeinen Umsturz sprach; und jede Nummer, namentlich des„Volksstaat", wimmelt von Darstellungen(!), denen wir des sonderbaren, halb grotesken(!) Gesellen Herr werden, der �Landhäuser untergebracht, um dem angedrohten Bombardement sich da unter uns gedrängt hat. Alles Andere ist zwecklos, auszuweichen; sie kommen des Morgens in die Stadt, besorgen ihre (Dunkel ist der Rede Sinn.) Aber(Aha!) diese unaufhörlichen Geschäfte und verlassen sie Abends wieder, Keiner von ihnen ist Provokationen, diese steten Prophezeihungen des Umsturzes, und die Aufforderungen(Heiliger Stieber!) in demselben mitzuwirken, und sich zu dieser Mitwirkung vorzubereiten(„Vorbereitung zum Hochverrath" ä la Hofmann)— sind auf die Dauer nicht zu ertragen. Denen muß ein Ende gemacht werden. Und die ver- theidigende Berufung auf den bloß theoretischen Charakter dessen, was man erstrebe, muß als das bezeichnet werden, was sie ist: als eine den guten Glauben verhöhnende, dabei feige Heuchelei! (Schrumm!) Möge diese Partei immerhin da sein; auch sie hat die Vermuthung(sie!) einer inneren Nothwendigkeit für sich, und mit Gewaltmitteln, wir müssen es wiederholen, ist sie nicht auS- zurotten. Aber es ist die höchste Zeit, daß die Duldung die- ser fortwährenden Angriffe durch Wort und Schrift aufhöre. Ein Staat und eine Gesellschaft, welche sich gegen solche Angriffe nicht zu schützen wissen, geben sich selbst ans." So die„Concordia", die neulich schon einen größeren Artikel in ähnlichem Sinn, wenn auch mit noch etwas verhüllterer denun- ziatorischer Spitze, vom Stapel gelassen hatte. Wir glauben, daß auch nicht das reaktionärste deutsche Blatt in so zynischer Weise zum Einschreiten der Polizei und zu Gewaltmaßregeln gegen die Sozialdemokratie aufgefordert hat. Und die„Concordia" ist ein Organ des„Kaihedersozialismus", gleich der Berliner„Volks- zeitung." Und das Widerlichste an dieser Expektoration ist, daß der Herr Verfasser fortwährend betheuert, Gewaltmaßregeln seien nutzlos, die soziale Bewegung sei„nicht mit Spießen und Stangen todtzuschlagen", die soziale Frage sei ein„Culturkampf", eine „Culturfrage, die nur mit Mitteln der Cultur zu lösen" sei. Und die Praxis dieser schönen„liberalen" Theorie: Stie- her als Culturkämpfer, und neue Hochverrathsprozesse als Culturkampf.— Klassischer kann die Heuchelei, die Unehrlichkeit deS heutigen Liberalismus, der durch seine Praxis stets die Theorie niedertölckt, nicht bekundet werden, als durch diese Denuuziationsepistel des Concordia-Correspondenten„vom Mittelrhein."— Politische Uebersicht. Gleiche Ursachen gleiche Wirkungen. Noch klingt uns die Klagerede Eulenbergs über die Auswanderung aus dem heiligen belästigt worden und sich auch nicht davor zu fürchten. Jeder hat eine Jahresquote seiner Steuern vorausbezahlen müssen, aber sie haben richtige Quittungen dafür bekommen. Nur einige Häuser, bekannt wegen besonders antirepublikanischer Gesinnungen, sind mit Kontribution von Kohlen, Mehl und sonstigen Bedürfnissen belegt worden, aber wie konnte die Regierung anders handeln? Vom Rathhause weht die rothe Fahne, die Läden sind alle offen. Die Bauern kommen wie gewöhnlich zu Markte. WaS dem Correspon- deuten geradezu unglaublich scheint, ist, daß, wie ihm versichert wurde, noch die Hälfte der gewöhnlichen Großhandelsgeschäfte ge- macht werden. So sieht eö nach dem Berichte eines Correspondenten der „Times" in Cartagena aus. Die Junta von Valencia hat unterm 30. Juli eine Prokla- mation erlassen, welche gegen die Verleumdungen protestirt und die Grundsätze, von welchen die Junta geleitet wird, mittheilt. Die Proklamation lautet: „Bürger! Angesichts der schwierigen Umstände, die wir durch- schreiten, ist es unsere Pflicht, Euch die Bestrebungen mitzutbeilen, welche wir hegen, sowobl im eignen Namen, wie in dem der Ver- treter, die eine große Anzahl von internationalen Arbeitern dieses Cantons an uns abgeordnet haben. Wir trachten nach der Ver- wirklichung deS Cantons, ein Werk, welches von einigen Politikern angefangen, und von denselben in den Augenbliken der größten Gefahr im Stich gelassen wurde. Wir müssen weiter kundgeben, daß wir gegen alle Verleumdungen protestiren; denn obwohl unser Bestreben auf die volle radicale Emanzipation der Arbeiterklasse gerichtet ist, erkennen wir heute die Nothwendigkeit an, allein diese Bewegung zu unterstützen, weil sie uns zu der spanischen Föderation führen wird, in der wir stei unsere Emanzipationsideen entwickeln können. Während der gegenwärtigen Umstände des bewaffneten Kampfes vertheidigen wir die demokratisch-föderale Republik mit allen ihren logischen Consequenzen, nichts mehr, nichts weniger. Vertheidiger des valencianischen Cantons! sagt, daß sie lügen, Alle, welche Eucb sagen, wir wollen brandstiften und zerstören! Es lebe der Valencianische Canton! Es lebe die Autonomie des Muni- cipiums! Gruß und föderaler Canton!" Uebcr Valencia lesen wir in dem Londoner Blatt„Echo" d. d. Madrid, den 11. August:„Ich muß, gegenüber anderweitigen Zündnadelreick in den Ohren, und schon tönt von England der Mittheilungen erklären, daß die Nachricht, die Insurgenten hätten nämliche Nolhschrei zu uns: die Werbesergeanten machen so schlechte die Bank geplündert, vollkommen auS der Luft gegriffen, und von Geschäfte, daß die CadreS deS stehenden Heeres nickt etatmäßig ausgefüllt werden können! England hat bekanntlich ein Werbe- Heer; die allgemeine Dienstpflicht existirt nicht, Soldat wird nur, wer Lust hat, oder in keiner andern Beschäftigung Unterkommen findet. Bisher war unter der Jugend des Landproletariats die dem Bankoirekior selbst öffentlich für eine Verläumdung erklärt worden ist. Weit entfernt, die Bank zu plündern, haben die In- surgeuten Schildwachen vor dieselbe gestellt, welche erst entfernt wurden, als die Insurgenten die Stadt räumen müßten. Auch nicht der geringste Akt von Räuberei oder Plünderung Lust dazu ziemlich allgemein. Neben dem elenden Lohn des Acker- wurde im Lauf der IS Tage, während deren die Stadt in den bauarbeitcrs fällt die Löhnung des Englischen Soldaten— 10 j Händen der Rebellen war, begangen, obgleich in dieser Zeit die ßSrpfrftpn h«*n n.tm tnÄ«nV itttV» OV�rtkrtmiit�rt Vu»r v\<»vl."»ifem itrtVs Groschen den Tag— sckon ganz respektabel ins Gewicht, und demokratische Skrupel gegen die„buntröckige Sklaverei" hatten, gleich andern Cultnr-Kunstprodukten, ihren Weg noch nicht in die unter-Neuseeländische Hütte deS Englischen LandtagelöhnerS gefunden. Auf einmal ist es aber von Grund aus anders geworden. Mit einer Schnelligkeit und unwiderstehlichen Kraft, welche die An- Hänger des Alten mit Schrecken erfüllt, sind die demokratischen und sozialen Ideen, welche bisher nur unter dem städtischen Proletariat verbreitet waren, in die ländliche Bevölkerung eingedrungen, AlleS sortreißend, Mann, Frau Kind. Am Borabend der Bauernkriege muß es ähnlich gewesen sein. Noch ist es nicht vollständig klar in den Köpfen; noch haben die Landarbeiter keine, den Grundbe- sitz selbst und die heutigen Eigenthumsverhältnisse au der Wurzel angreifende Forderungen aufgestellt— aber es sind nichts desto- weniger sozialistische und demokratische Ideen, die in die Köpfe eingezogen sind und durch keinen Landlord mehr„exmittirt" werden können.„Wir haben gelebt, wie das Vieh und wir wollen wie Menschen leben!" In diesen einfachen Worten eines eng- tischen Tagelöhners liegt das Programm der Bewegung, die, lawinenartig anwachsend, trotz der Abwesenheit eines revolutionären Plans bei den jetzigen Führern, aller menschlichen Voraussicht nach den Sturz des Landmonopols in Englrnd herbeiführen wird. Einst- weilen äußert sich die Bewegung in einer zweifachen Aktion: Ein- tritt der Einen in die Gewerkschaft der Landarbeiter. Auswandrung der Andern. Die Gewerkchaft zählt schon weit über hunderttausend Mitglieder, und die Auswanderung nimmt immer kolossalere Proportionen an. Arch, das Haupt der Ge- werkschaft, ist soeben nach Amerika abgereist, um Anordnungen für eine geregelte Massenauswanderung zu treffen. Landarbeiter sind drüben gesucht; namentlich englische, welche die Landessprache sprechen. Mit demselben Aufwand von Arbeit, welcher ihm in England eine Hundeexistenz ohne Aussicht auf Besserung verschafft, erringt sich der Landarbeiter drüben in Amerika in wenig Jahren eine unabhängige Lebensstellung. Also fort in die„Neue Welt!" Der Landlord und die Pächter mögen sehn, wie sie mit ihren Paläste und Wohnungen der Reichen verlassen standen, und sammt Allem, was darin, der Gnade der Jntransigeiiten preisgegeben waren. Ich,(der Correspondent deS„Echo" war nämlich die ganze Zeit über in Valencia), sah 3 Tage hintereinander eine Uhr nebst Kette, eine Lorgnette und einen Koffer auf dem Marktplatz öffentlich ausge- stellt mit einem Zettel dabei, worauf geschrieben stand:„Niemand darf diese Gegenstände anrühren, bis der Eigenthllmer kommt und sie reklamirt." Eine Abtheilung hungriger Volkswehren kommen eines Abends in unser Hotel, und verlangten etwas zu essen, be- merkend, da alle Läden geschlossen sein, hätten sie den ganzen Tag noch keinen Bissen zu essen gehabt. Der Hotelbesitzer, offenbar von Furcht ergriffen brachte Brod, einige rohe Zwiebeln�) und grünes Gemüse, erklärend, Zwiebeln das sei alles was er noch habe. Sie fragten nach dem Preis, und wir antworteten schnell für den Eigen- thümer, sie hätten nichts zu bezahlen; unser einziger Wunsch war, die ungebetenen Gäste möglichst rasch los zu werden. Sie er- widerten aufgebracht, sie wollten nichts geschenkt haben, und würden lieher alles stehen lgssen, als es unbezahlt genießen. Erst nach längerem Hin- und Herreden verstanden sie sich zur Annahme, unter der ausdrücklichen Bedingung, daß wir ihnen erforderlichen Falls bezeugen würden, sie seien nicht mit der Absicht gekommen, ihr Mahl gewaltsam zu holen, und hätten dasselbe nur auf unseren dringenden Wunsch ohne Bezahlung angenommen." Dies der Bericht eines Augenzeugen, der zu den„Rebellen" in nicht der entferntesten Beziehung steht, und seiner politischen Stellung nack, ihnen eher feindlich gesinnt ist, als freundlich. Es ist die alte Geschichte: überall und zu allen Zeiten, wo daS Volt momentan in den Besitz der Gewalt kam, war seine erste Sorge, die Gemeinschaft mit denjenigen zurückzuweisen, welche ebenfalls Krieg führen gegen die bestehende Ordnung der Dinge, jedoch nicht offen, nicht revolutionär, sondern schleichend, feig durch den Dieb- stahl im Kleinen. Das haben wir bei hundert Gelegenheiten in der„großen" ftanzösischen Revolution gesehn, das haben wir in der Julirevolution gesehen, in der Februarrevolution, in den deutschen Märzkämpfen, in der Junischlacht, während der Commune, Ackern fertig werden; die Regierung mag sehn, wo sie Rekruten— und jetzt sehen wir es wieder in Spanien. Ob der Proletarier her bekommt! Was fort wandern kann, wandert fort, und läßt vor dem Prinzip des bürgerlichen Eigenthums noch eine heilige hinter sich das Elend und— die Revolution! Die schaamlosen Lügen, die über die jüngsten Vorgänge Scheu empfindet oder ob er das bürgerliche Eigenthum für„Dieb- stahl" hält— gleichviel; er würde es als eine Ehrlosigkeit, als in Spanien planmäßig verbreitet wurden, werden eine nach der! eine Herabwürdigung seiner selbst und seiner Sache betrachten, sich andern aufgedeckt und entlarvt. Was die Vorgänge in Alcoy in konkreten Fällen an dem bürgerlichen Eigenthum zu vergreifen; und die Theilnahme der Sozialisten an der Bewegung angeht so haben wir bereits die nöthegen Beweisstücke veröffentlicht. Jetzt wird uns nun auch Aufklärung über die Vorkommnisse in Carla- gena, Sevilla, Valencia, und den übrigen Mittelpunkten des In- transigentenaufstands. Was ist nichr alles über die Vorgänge in Cartagena gefabelt und gelogen worden! Die Bourgeois und Philister glaubten schon, man morde in Cartagena den ganzen Tag und jeder Reiche sei der Gefahr ausgesetzt, auf offener Straße ausgeraubt zu werden. Da bringt die„Times", das leitende Blatt der englischen Bour- geoisie aus Cartagena eine Correspondenz, die zwar viele Schim- pfereien, aber auch das Geständniß enthält, daß man in dieser Stadt in aller Ruhe leben könne. Der Korrespondent der„Times" ist überrascht, in dem Haupt- quartirc der neuesten föderativen Regierung so wenig von Revo- Im„Dresdner Volksbote" veröffentlicht ein uns völlig unbe- lution zu sehen.„In Madrid hieß es: Cartagena sei der be-ikanntes Comitö ein Programm und eine lange Liste von Candi- selbst der rücksichtsloseste Communist will nicht, daß der an dem arbeitenden Volk begangene Diebstahl durch den Diebstahl gesühnt werde; sein Streben ist, die heutige Gesellschaft mit ihrer Pro- duktionsform umzustürzen,— aber das Stehlen überläßt er, so lange er ihm das Handwerk nicht legen kann, den vornehmen und gemeinen Lanzfingern der heutigen Gesellschaft, die natürlich für solche Enthaltsamkeit kein Verständniß haben, und' dem Prole- tariat darum alle Spitzbübereien und Niederträchtigkeiten andichten, die sie selber an seiner Stelle begangen hätten.— *) In Spanien bilden die Zwiebeln, welche dort doppelt und dreimal so groß werden wie bei uns, ein wichtiges Nahrungsmittel, besonders der ärmeren Klassen. Sozialdemokratie ist eine Zeiterscheinung, die sich nicht mit Spleßen und Stangen todtschlagen, die sich nicht aus dem Land jagen überhaupt nicht mit äußerlichen Mitteln unterdrücken läßt. Est------------------ 1......■ l.... J..... Culturkampf, eine Culturfrage(also doch!) lassen sich nur mit. die Preußen den Herrn Gulvez nicht herausgäben; sonst herrscht Mitteln der Culwr lösen.(Ein„Kampf», der sich„lösen" läßt!);! hier die vollständigste Ruhe und hat. geherrscht, seit sich die neue im aleichen Verhältnisse, wie unsere Hoffnungen aus einen günstigen Regierung proclamirt bat." Zwar sind mehrere Bourgeois ge- � ew pr v. l_ a w—.- L-2 a. f v a.71 ä. av* eit* smfolac die soziale Revolution überall eine schlechthin berechtigte ständige Schauplatz von Ausständen und Krawallen, gerade so wie Paten für die bei der �nächsten sächsischen Landtagswahl in Frage und eine in allen Ländern solidarische ist. Dem(den„Darstel-> man hier sagte, in Madrid schlage man sich auf den Straßen. Es kommenden Bezirke Wir beaeanen in di-l-n- Pift? dem Namen lungen?) muß, wie uns scheint, ein Ende gemacht werden. Die hat nur einmal den Anschein eines Krawalles hier gegeben, das war, ~- � in.----- vi. nx als der„Friedrich Karl" den Deputirten Galvez vcrhasret hatte. Da- w"...«..",--________________,„. mals rotteten sich einige Cartagenenser vor dem Hause des deutschen...... I überhaupt nicht mit äußerlichen Mitteln unterdrücken läßt. Ein Consuls zusammen und drohten dasselbe zu„petrolisiren"(?), wenn Zustimmung zu den Programm beftagt wurde. Gegen einen -■-■"-—'"■ q>..... ix— m..-...ixi l.—<-— fii- Punkt des letzteren dürfte er sogar sehr entschieden Einspruch erheben, denn wenn in demselben gesagt wird:„man stehe auf dem Boden der durch die christliche Sittlichkeit vollendeten Humanität", so müssen wir bekennen, daß es für uns weder eine specifisch Wir begegnen in dieser Liste dem Namen unseres Parteigenossen Bebel nicht weniger als fünf Mal, obgleich er, wie uns auf Anfrage bei ihm versichert wurde, weder um die Bereitwilligkeit sich als Candidat aufstellen zu lassen noch um seine und sittlichen Aufschwung des deutschen Volks sich erfüllen, werden flohen, doch viele Geschäftsleute haben ihre Familien nur in nahe christliche Sittlichkeit giefct, noch daß wir wissen, was es bedeuten soll:„auf dem Bodeu der durch die christliche Sittlichkeit vol- sendeten Humanität" zu stehen. Das Ganze ist eine blühende Phrase ohne Sinn. Im Namen und Austrag Bebel's erklären wir, daß er jede, ohne seine ausdrückliche Zustimmung ausge stillte(Kandidatur seiner Person zurückweist. Von Hubertusburg dringt zu uns die Kunde, daß unsere Ge- sangenen Parteigenossen Liebknecht, Bebel und Daschnec in kürzester Zeit nach der Festung Königstein übersiedeln werden, da dort die bisher mangelnden Gefangenenräume jetzt vollendet sind. Gewerksgenossenschaftliches. Allgemeiner deutscher Schneidcrverein. Mürnöerg. Das beabsichtigte Stiftungsfest, welches in Ver- einigung mit der internationalen Schuhmacher-Gewerkschaft am 24. August im Cafe Reutersbrunnen anberaumt war, wurde uns polizeilich verboten. Die Beweggründe, die den hochlöblichen Ma- gistrat und das königl. Stadtkommissariat veranlaßten, diesen Akt auszuüben, überlasse ich hier zur Beurtheilung, indem ich den Sachverhalt wahrheitsgetreu berichte. Der Beschluß der betreffenden Behörde lautet wörtlich:„Die Abhaltung des von dem allgemei- nen deutschen Schueiderverein und der internationalen Schuhma- cher-Gewerkschaft in dem öffentlichen Wirthschaftsgarten des Cafe Reutersbrunnen am 24. d. Mts. beabsichtigten Stiftungsfestes wird hiermit verboten, nachdem der Magistrat der Stadt Nürnberg als Ortspolizeibehördc unter Berufung auf die eine strafrechtliche Untersuchung nach Paragraph 95 des R.-St.-G.-B. wegen Belei- dizung des Kaisers veranlassenden Vorgänge(bei dem am 3. d. Mts. am gleichen Platze und von einer auf gleicher Grundlage vrganisirten Gewerksgenossenschaft veranstalteten Stiftungsfeste) fich gegen Ertheilung der Bewilligung ausgesprochen hat, und zwar um so mehr, als jene Feier zur Genüge au den Tag legte, daß das Ziel derartiger Feste in der That nicht aus gesellige Unterhaltung gerichtet ist, sondern mittelst derselben vorwiegend politische Zwecke verfolgt werden und keine Gewähr geboten erscheint, daß bei dieser unter freiem Himmel abzuhaltenden allgemeinen Versammlung die öffentliche Ordnung und Sicherheit nicht gestört werde. Art. 3 des Gesetzes vom 26. Februar 1850, die Ver- sammlungen und Vereine betr. u. höchst. Ministerialent- schließung vom 17. November 1872 Ut. B., Ziff. 2 das Stadtkommissariat zu Nürnberg betr.< Der königliche Commissär der Stadt. Beurlaubt: Bezelll Gleichzeitig mit Abschrift dieses Beschlusses obiger Behörde, die Eröffnung, daß hiegegen Berufung an die kgl. Regierung von Mittelftanken, Kammer des Innern, ergriffen werdei' kann." Daß wir Berufung ergreifen werden, ist so gewiß, als zwei Wal eins zwei ist; nur ist unser Fest,'welches auf ganz friedlichem Fuße, auf nur gewerkschaftlichen Angelegenheiten arrangirt war, vereitelt und die Deckung der hierbei erwacksenen Kosten uns selbst auf den Hals gebürdet. Wir haben seit Bestehen unseres Vereins in Bezug auf Politik uns weder einer Rüge noch einer Strafe von Seite einer Behörde schuldig gemacht und finden deßhalb diese Maßregelung von Seite einer Behörde geradezu für unerklärlich. Trotzdem es publik wurde, daß unser Fest verboten ist, waren die Garten-Lokalitäten am RenterSbrunnen, massenhaft von Arbeitern und Bürgern angefüllt, um doch wenigstens bei dem annoncirten Konzert sich einige Stunden zu amüsiren. Da jedoch der Wirth bedeutete, daß ihm auch die Abhaltung eines Konzerts für diesen Tag von Seite der Behörde verboten ist, so zog die Musik ein- fach ab, um auf eigene Faust, in einem andern Lokal ein Concert Zu geben und dem, wie voraussichtlich, auch die größte Masse der Anwesenden nachfolgte. So verlief ungefähr der Tag, den wir vns in trauter Umgebung von Freunden und Bekannten so Herr- uch ausmalten; doch was geschehen ist vorbei, jes falle aber Nie- wand ein, daß uns dergleichen von unfern Bestrebungen abschrecken wird, im Gcgentheil mögen Maßregelung oder Chikane über unS verhängt werden wie sie wollen, es werden dergleichen Akte uns uur noch mehr kräftigen und anspornen. Darum, Collegen! rufe ich Euch zu: schaart Euch fest zusam- wen! Organisirt Euch! Wir haben keinen andern Ausweg, wenn wir mit den gegenwärtigen Verhältnissen gleichen Schritt halten wollen, unsere Sache ist eine gerechte, unser Kampf ein heiliger! Unsere Forderungen keine übertriebenen, unser ganzes Streben be- wht einfach auf der Erringung eines Menschenwürdigen Daseins, 'wer menschenwürdigen Existenz, um als Arbeiter mit Frau und -sind anständig leben zu können; bis wir aber soweit kommen, sind manche Hemmnisse zu beseitigen, und deßhalb ist es Pflicht jedes Einzelnen, dies zu beherzigen und in die Reihen der kämpfen- den Brüder einzutreten, und den Kampfplatz nicht eher zu ver- wssen, bis wir zuverläßlich constatiren können, wir haben erreicht was wir wollten, nämlich: den vollen Ertrag unserer Arbeit! Mit collegialischen Gruß Joseph Rensing, GeierSberg 16, 3. Vorurtheil fallen müssen, daß die Buchbinder nicht fähig wären, in die Gestaltung ihrer Lage ein Wort mit hinein zu reden. Für den Ausschuß: H. Richter. Einnahme: Von Stuttgart gingen ein an freiwilligen Steuern: 3 Thlr.; für Protokolle und Steuern Thlr. 10 20. Dresden: freiwillige Steuer 5 Thlr. Hannover: freiwillige Steuer 10 Thlr.; an Stenern für Juni und Juli 8 Thlr. jFrankfurt: freiwillige Steuer Thlr. 4 8 6, an Steuern und Protokolle Thlr. 6 22. Leipzig: freiwillige Steuer 10 Thlr.; an Steuern und Protokolle Thlr. 16 16 5. Cöln: fteiwillige Steuern Thlr. 5 20. Berlin: für Protokolle Thlr. 1 20. Hamburg: für Protokolle 24 Sgr. Lübeck: Steuern und Protokolle 15 Sgr. München: für Steuern und Protokolle: Thlr. 4 14 8. Summa der Einnahmen: Thlr. 92 10 9. Ausgaben: Für Drucksachen: Thlr. 45 25. Für Copir-Uten- silien und Contobücher: Thlr. 8 23. Buchbinderarbeiten: Thlr. 9 5. Für Porto und Schreibutensilien: Thlr. 4 16. An Unterstützung: 5 Thlr. Summa der Ausgaben: Thlr. 73 9. Summa der Einnahmen wie oben 92 10 9. „„ Ausgaben„„ 73 9—. Kassenbestand 19 1 Bilanz: Außenstände für Protokoll: 40 20—. Kassenbestand: 19 1 9. 9. Summa 59 21 9. Collegen! Vom 1. Oktober ab erscheint Euer Organ: die „Allgemeine Buchbinde�eitung" zum Preise von 6 Sgr. pro Quartal monatlich zweimal. Wir erwarten, daß nicht nur Jeder es für seine Pflicht erkennt, bei diesem billigen Preis zu abonniren, sondern wir erwarten auch, daß Ihr das Organ durch Einsendung von Correspondenzen, Notizen u. f. w. unterstützen werdet. Die „Allgemeine Buchbinderzeitung" darf in keiner Werkstätte fehlen. Ferner wollen die Vorstände der Vereine Filialexpeditionen über- nehmen, damit uns die Verwaltung erleichtert wird, und abonnirt man gegen Pränumerando-Zahlung des Betrages bei H. Richter, Leipzig, Sternwartenstraße 23. fclB. Die Expeditionen nachstehender Organe werden freund- lichst gebeten, die im Annoncentheil befindliche Einlavung abzu- drucken und Unterzeichnetem Nota zu senden:„Chemnitzer freie Presse",„Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund",„DreSde- ner Volksbotc",„Braunschweiger Volksfteund",„Fürther Demo- kratisches Wochenblatt",„Wiener VolkSwille",„Gleichheit". Gewerkschaft der Holzarbeiter. Khcmuih, 25. Aug. In der Sitzung vom 18. August wurden �wählt zum Bevollmächtigten: Adolph Beck, Färberstraße Nr. 8, zum Stellvertreter Friedrich Delling, zum Kassirer Hertel. Allgemeiner Böttcher-(Küper-) Verein. Dresden. 26. August. Nachdem der Kongreß in Berlin vom � 2. und 3. Juni ds. JrS. Dresden zum Sitz der Controll-Com- Wisston ernannt, wurden in der Generalversammlung hiesiger Bött- Zergehülfen vom 19. Juli nachstehende Personen in die Controll- Kommission gewählt: 1) August Reise, 2) Wilhelm Petters, Julius Goltzfche, 4) Gustav Hiob, 5) Wilhelm Winkelwann. In der konstituirenden Sitzung der Controllcommission ?w 9. Augxrst wurde Unterzeichneter als Correspondent gewählt, wid sind Briefe nur zu senden an Friedrich Wilhelm PetterS, Rosenweg 66. 4. E. Verband für Buchbinder. Leipzig. Wir geben unten die Kassenabrechnung für den Mo- "at Juni und behalten uns die Berichtigung von Jrrthümlichkeiten ?°r. Wenn wir in Betracht ziehen, daß im Monat Juni der Ver- gegründet wurde und daß dabei größere Ausgaben unver- Midlich wurden, so müssen wir doch sagen, wenn wir das Resul- f* des ersten Monats ansehen, daß wir auf dem Wege sind, eine rganisation zu schaffen, welch- auf die Dauer allen Anfeindungen 'verstehen wird. Thut man in Zukunft noch in größerem Maße we Schuldigkeit der Verbandskasse gegenüber, so wird bald das Correspondenzen. Leipzig, 27. August. Der Ukas„unseres" Rüder, betreffend den Besuch des Eisenacher Congresses, hat in verschiedenen aus- wältigen Blättern eine passende Würdigung gefunden. Zu Nutz und Frommen unserer verehrten Leipziger Liberalen drucken wir die, Meinungsäußerung der„Chemnitzer Nachrichten" ab, des ein- zigen liberalen Blattes in Sachsen, dessen Redaktion im Andenken an ihre Vergangenheit zeitweilig noch so viel Schamgefühl besitzt, j um die Uber alles Blaß gehende Verfolgungssuchl„liberaler" Be- Hörden gegen die Sozialdemokratie einem Tadel zu unterziehen. Die„Deutsche Allg. Zeitung", das Blatt der„liberalen" Finna Biedermann-Brockhaus mit dem Motto:„Wahrheit und Recht, Freiheit� und Gesetz", ist weniger zartbesaitet, es druckt alle Maß- regelungen ohne eine Bemerkung ab und ertheilt dadurch stillschwei- gend ihnen seine Billigung. Das andere Hauptblatt der National- liberalen in Leipzig, das„Tageblatt", schämt sich sogar nicht, mit Entschiedenheit für die tollsten Maßregeln einzutreten. Dafür ist es auch Amtsblatt des Raths der Stadt Leipzig, und somit bringt es sein Amt mit sich, auch die ihm Seitens des Polizeibureaus zugehenden Artikel gehorsam zu apportiren. Es kommt hinzu, daß das Blatt, das so feige vor der Drohung der Regierung: es seines amtlichen Charakters zu berauben, zu Kreuze kroch— es drohten ihm dadurch einige Tausend Thaler Einnahme flöten zu gehen, und wenn es sich um den Geldbeutel handelt, dann hole der Teufel die Prinzipien—, sich natürlich dafür durch An- griffe gegen die Sozialdemokratie schadlos halten muß. Die„Chemnitzer Nachrichten" schreiben: „Wenn man einen derartigen Erlaß— in Rußland würde. man ihn Ukas nennen— liest, so fragt man sich, ob Leipzig in einem konstitutionellen Staate liegt, ob Sachsen ein Rechtsstaat sei oder ein Staat, in welchem die Verwaltungsbehörden absolute! Herrschaft ausüben. Nicht-Sachsen ist es vollständig unbegreiflich, wie ein Polizeidirektor die Theilnahme an diesem Congreß ver- bieten kann. Der Leipziger Stadtrath thut sich zuweilen etwas auf seine Freisinnigkeit zu Gute.� Nun, offen gestanden, diese Freisinnigkeit kann nicht besser illustrirt werden, als durch dieses Verbot des Herrn Dr. Rüder. Da ist doch Herr v. Beust, der Vielgeschmähte, ein Ausbund von Freisinnigkeit gegen diesen liberalen Stadtrath von Leipzig gewesen. Herr v. Beust gestattete die Abhaltung der Generalversammlung des Nationalvxreins 1866 in Leipzig. Mit demselben Rechte hätte er jedem Leipziger Ein- wvhner vier Wochen Haft androhen können, der dem Nationalver- ein beigewohnt hätte, wie dies jetzt Herr Dr. Rüder bezüglich des sozialistischen Congresses in Eisenach thut. Die Sache ist die: der Leipziger Stadtrath hat wohl die Prinzipien der wahren Frei- heit nie begriffen, sonst würde er wissen, daß man das Recht, welches man für sich in Anspruch nimmt, auch seinem Gegner zu- gestehen muß. In dieser Beziehung darf eine Partei nie parteiisch werden! Welchen Lärm erhob man in Leipzig iu der Amts- und Tageblattftage? Wir meinen, daß der Stadtrath von Leipzig, der durch seinen Polizeimeister die Betheiligung an dem Eisenacker Congreß mit vier Wochen Sttafe bedrohen läßt, sich nun nicht mehr über das Vorgehen des Ministers in dieser Frage beschweren darf. Herr Polizeimeister Dr. Rüder hat nach Kräften dazu bei- gettagen, den ohnehin durch frühere Vorgänge(Hepner's Auswei- sung k.) sehr im Niedergang begriffenen Ruf von der Leipziger Toleranz gegen Anders Denkende zu mindern; dieser Akt wird dazu beittagen, Leipzig einen Ruf zu erwerben, um den die kleinste Dorfgemeinde das große Leipzig nicht beneiden wird. Wenn übri- gens solche Zustände, so merkwürdige, partikularistische Bestimmun- gen in Sachsen existiren, daß ein Polizeimeister von Leipzig einen derartigen Ukas erlassen kann, so darf man sich nicht darüber wundern, daß Sachsen das beste Versuchsfeld für die Operationen der internationalen Sozialdemokratie ist. Derartige Dinge, der- artige dem Prinzip- wahrer Freiheit geradezu entgegenlaufende Maßregeln schwächen nicht die Partei, gegen die man sie anwendet, sondern sie stärken sie. Wir befürchten, daß Leipzig diesen Ukas seines Polizcimeisters theuer büßen wird— bei der Reichstagswahl. Wenn dann die sozialdemokratische Partei Herrn Bebel als Abgeordneten für den Reichstag durchbringt, dann mag sie sich dafür bei dem Stadtrathe und Polizeimsister von Leipzig bedanken." Wir rechnen allerdings auch stark bei der nächsten Wahl auf die agitatorische Thätigkeit„unseres" Rüder und haben die ernste Absicht, ihn im Falle eines Sieges in Leipzig zum Ehrenmitglied- der sozialdemokrattschen Arbeiterpartei vorzuschlagen. Dem Ver- dienst- seine Krone. Dem„Nürnberger Correspondent", ein conservativ-liberaleS Blatt, schreibt man aus Dresden: „Große Heiterkeit, die jedoch bei längerer Betrachtung einer gerechten Entrüstung Platz macht, erregt ein Verbot des Leipziger Polizeipräsidenten Dr. Rüder an die Einwohnerschaft Leipzigs, worin auf die Theilnahme an dem sozialdemokratischen Congreß zu Eisenach eine Haftstrafe von vier Wochen gesetzt wird. DaS heißt denn doch die Polizeiwillkür auf das Unsinnigste ausdehnen. Schreiber Dieses gehört der Sozialdemokratie nicht an, steht glück- licherweise auch nicht unter der Disziplinargewalt des national- liberalen Polizeipräsidenten Rüder; aber gegen ein solches Verbot in's Blaue hinein an eine ganze Einwohnerschaft empört sich jeder Nerv. Es ist ein frivoler Eingriff in das Staatsbürgerrecht, die Theilnahme an einem Congresse von vornherein mit Strafe zu bedrohen, wenn dieser Congreß in einem deutschen Bundes- staate abgehalten werden soll und seine Theilnehmer an und für sich deul allgemeinen Reichsstrafzesetzbuch unterliegen.— Ueber- haupt kann man den Kampf, den Reichs- und Laudesbehörden gegen die Sozialdemokratie in Leipzig führen, als einen besonders geschickten kaum bezeichnen." Die gleiche Ansickt theilen auch Andere, und wir haben schon in Privatkreisen die Ansicht ventiliren hören, ob es sich in Bezug auf Herrn Rüder nicht der städtischen Behörde empfehlen ließe, den anscheinend bedenklichen Gesundheitszustand desselben einer ärztlichen Prüfung zu unterziehen: Denn wenn auch der Eifer, womit er die Sozialisteutödlung— leider bisher mit dem ent- gegenzesetzten Erfolg— betreibt, alle Anerkennung verdient, so darf doch dieser Eifer für die Stadt, die er vertritt, nicht zu einer Blamage in der ganzen civilisirten Welt ausarten. Leipzig, 28. August. ES ist unsere Aufgabe sonst nicht, über lokale Exzesse zu berichten, selbst dann nicht, wenn derlei Exzesse für die ordnungsstiftende Polizei einen solch üblen Ausgang nehmen, daß Militär reguirirt werden muß. Haben wir doch über Exzesse uns vernehmen zu lassen, bei denen die Existenz ganzer Na- tionen ins Spiel kommt. Für dieses Mal müssen wir aber eine Ausnahme von der Regel machen, da in den Berichten einiger hiesiger Lokalblätter über die Vorkommnisse ein Passus vorkommt, der nicht undeutlich die Absicht zu erkennen giebt, die Schuld an dem Skandal auf die Leipziger Sozialdemokraten abzuwälzen. Zur Orientirung unsrer Leser diene Folgeudes: Am Freitag, den 22. d. M. wurde in dem von Bordellen wimmelnden Pleißen- gäßchen ei» Soldat nicht unerheblich verwundet. Wüthend darüber, demolirten am Sonnabend eine größere Anzahl Kameraden des Verletzten eines der Bordelle, und zwar, wie erzählt wird, ein an der Verwundung des Soldaten unbetheiligtes. Mochte nun diese Heldenthat die Kampfeslust einiger Raufbolde in Civil augestachelt haben, kurz, an den folgenden Abenden wiederholten sich die Ex- zesse, und, wie die„Leipziger Nachrichten" und die„Leipziger Zei- tung" behaupten, die Exzedeuten drangen mit dem Rufe„Es lebe Lassalle! Es lebe Bebel!" in einige Bordelle ein. Ist eS nun wahr, daß diese Hochs ausgebracht sind, dann behaupten wir, daß von schurkischer Seite hierzu Leute geworben sind. Sind die Hochs aber nicht ausgebracht worden, dann erklären wir die Behauptung für eine Infamie. Wir behaupten ferner, daß sich unter den Hunderten von Verhafteten auch nickt ein Sozialdemokrat befindet, dem die Betheiligung an den Exzessen wird nachgewieseu werden können. Aber diese Zeilenschmierer haben ja die Aufgabe, ihren Lesern möglichst viele und interessante Neuigkeiten aufzutischen, und da kliugt es doch schon anders, wenn der ueuigkeitsdurstige Spießbürger erfährt, es sei bei dem Skandal„Hoch Lassalle, Hoch Bebel" geschrien worden. r Leipzig. Also auch Leipzig hat seinen Krawall gehabt— keinen Bierkrawall, die Bierkrawalle überlassen wir den Süd- deutschen; auch keinen sozialdemokratischen Krawall, dafür sorgt Rüder, und sozialdemokratische Krawalle sind schon so häufig in Szene gesetzt worden, daß sie für ein so„gebildetes" Publikum, wie das Pleißatheniensifche" keine Anziehungskraft haben. Das „gebildete" Pleißathen mußte etwas ganz Apartes haben, einen Krawall wie er noch nicht dagewesen, einen Krawall, der den Culturzustand des nationalliberalen Stadtparadieses ebenso getreu bezeichnete, wie die Bierkramalle den Bayerischen.— Leipzig hat seinen Bordellkrawall gehabt! Schauplatz: die von den sittlichen Musterbehörden der sitt- lichen Musterstadt organisirten und patentirten Bordelle und die Straße, in welcher sich dieselben befinden. Schauspieler und Schauspielerinnen: die bewaffneten Hüter des Gesetzes, Soldaten und Polizeidiener aufeinander loS- keilend, liederliche Dirnen, Kupplerinnen und sonstige Zierden der besten der Welten schimpfend, zeternd. Fürwahr, ein Schauspiel für Götter und Sozialdemokraten, dieser Leipziger Bordellkrawall, der mehrere Tage lang dauerte, und den Ruhm der Rüderstadt womöglich noch duftender gemacht hat, als er vorher schon war. Leipzig.„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen." So hätte jeder denkende Leser ausrufen können, welcher das Referat der Leipziger Bäckerinnung vom 22. August in Nr. 235 des „Leipziger Tageblatt" gelesen hat. Wiewohl mich die Sache persönlich eigentlich gar nichts an- geht, so sehe ich mich doch gezwungen, der Oeffentlichkeit gegenüber etwas näher auf die Sache einzugehen. Wenn ich gegenwärtig hier auch nicht in Arbeit stehe, so habe ich doch Jahre lang hier gearbeitet, und bin nur auf wiederholte? Drängen meiner Kollegen zur Annahme ihrer Verttetung zu be- wegen gewesen. Obgleich ich die gegen mich von der Leipziger Bäckerinnung getroffene Maßregel durchaus gutheiße, so beschleicht mich doch ein eigenes Gefühl, wenn, wie es bewiesen und durch den Schlußsatz jen:S Referats zu erkennen ist, die Absicht vorliegt, sämmtliche Mitglieder deS Comitö's nach und nach zu entlassen, damit zum Verhandeln Keiner mehr übrig ist. Erstens ist es Keinem in den Sinn gekommen zu striken, fon- dern nur berechtigte Forderungen, durch den Bericht entstellt, auf fteundschaftlichem Wege zu erreichen. Ob nun, wie mir meine Kollegen erzählt, Herr Obermeister Böhme blos deshalb eine Generalversammlung annoncirte, um als reuiger Sünder seine früher persönlich gemachten schmeichelhaf- ten Aussprüche einem Mitglied- gegenüber zu widerrufen oder ob er Abbitte leisten wollte, vermag ich nicht zu entscheiden. Dieses, soweit den Sachverhalt betreffend, als einzige Antwort. Friedrich Lindner, Bäckerzesell a. D. Thonberg. In der am Montag stattgehabten Versammluug deö hiesigen Arbeitervereins wurde u. A. beschlossen:„Weil der sächsische Landtag auS Censuswahlen hervorgeht und es deshalb dem Arbeiterstand unmöglich gemacht ist, Kandidaten seiner Rich- mng durchzubringen, so werden die Mitglieder sich bei der Wahl eines Abgeordneten zum sächsischen Landtage nicht betheiligen. jSochlitz, 24. August. Die hiesigen Mitglieder der interna- dionalen GewerkSgenossenschaft der Schuhmacher beantragen mit Genehmigung de« Verwaltungsraths, daß sämmtliche Gewerbtrei- bende sich unserer Schuhmachcrgewerkschaft anschließen können, so- bald der eintretende Gewerbtreibende die Schuhmachergewerkschafts- Statuten anerkennt und 2) sich die Majorität der Mitglieder des betreffenden Ortes für den Eintretenden(Nichtschuhmacher) erklä- ren. Diesen Anhang werden wir gerichtlich genehmigen lassen und bei nächster Generalversammlung dessen Aufnahme in's Statut be- antragen, wodurch der Zutritt in die Gewerkschaft sowie zur Kran- kenkasse sicher massenhaft zu erwarten ist. Wir bitten in 4 Wochen bis längstens den 1. Oktober durch den„Volksstaat" um Nach- richt. Bemerkung. Wie haben sich Kleinstädter zu verhalten betreffs eines Vereinsarztes, tz 2 des Centralstatuts im Protokoll der letzten Generalversammlung. Schuhmacher Bruno Flach, Bevollmächtigter. Wallgasse 407. "Döknek. Eine Menge kleiner Winkelorgane, deren Leserkreis sich kaum aus ein paar Stunden ausdehnt, scheinen es sich ganz besonders zur Aufgabe gemacht zu haben, gegen die Sozialdemo- kratic zu eifern und dieselbe auf alle mögliche Weise zu verläum- den und zu verdächtigen. Da es aber den meisten der Herausgeber dieser Blätter mangelt, selbst einen Artikel abzufassen, worin sie ihre Wuth aussprechen könnten, so müssen sie sich damit begnügen, ihre Blätter mit den Hetz- und Schimpfartikeln anderer geistes- verwandter Organe zu füllen. Ein solches Blatt erscheint auch in hiesiger Stadt, dreimal wöchentlich, unter dem Titel:„Pößnecker Wochenblatt, Zeitung und Anzeiger", herausgegeben von Fr. Gerold. Letzterer scheint sich nun auch ganz besonders dazu berufen zu glauben, die Sozial- demokratie zu schädigen, da er stets alle möglichen Ouatschaufsätze anderer Zeitungen in seinem Blatte wiedergibt und dieselben noch durch besondere Bemerkungen auszuschmücken sucht. Diese Woche bekam ich nun durch Zufall die Nr. 96 oben genannten Blattes in die Hand und das Erste, was mir in die Augen fiel, war das Verbot des Leipziger Polizeidirektors Rüder an der Theilnahme des Eisenacher Congresses. Tiesem Verbot war die dumme Bemerkung beigefügt:„Was wird Weimar thun?" Dagegen nun, daß der betr. Redakteur das Verbot eilig in sein Blatt aufgenommen hat, wird Niemand etwas einzuwenden haben, denn das Vergnügen, sich lächerlich zu machen, gönnen wir einem Jeden gern. Allein die in Form einer Frage gestellte Be- mcrkung enthält eine offenbare Aufforderung, Weimar möge wo- möglich den Congreß auch verbieten oder demselben doch in irgend einer Weise hindernd in den Weg Keten. Nun, der Congreß hat getagt und Herr Gerold hat ein Blatt mehr für die Käselieferanten produzirt. Wenn Herr Gerold so sehr das Bedürfniß fühlt, sich mit der Sozialdemokratie zu raufen, dann möge er doch einmal eigene Geistesprodukte liefern; die Kunst, anderen Blättern nachzuschmieren, imponirt nicht. Burgstädt. Was für Arbeiter es mitunter noch gibt, davon hier eine Probe. Ein hiesiger Weberfaktor ist in pekuniärer Hin- ficht sehr gut gestellt, ja sogar wohlhabend zu nennen; trotzdem können es eine Anzahl seiner Arbeiter nicht über sich gewinnen, selbigen materiell zu unterstützen. Es hat da z. B. der eine Fische, der andere Einleggurken, der dritte Stachelbeeren, der vierte einen Oleanderstock, der fünfte vor längerer Zeit eine fette Gans und wer weiß was alles noch gebracht. ES wird da bei manchem Leser der Gedanke auftauchen, daß es da immer noch hübschen Verdienst geben niuß. Zur Beruhigung kann ich mittheilen, daß ein guter Arbeiter, welcher die besten Artikel fertigt, höchstens 4— 4'/- Thlr., bei schlechteren Artikeln höchstens 3 Thlr. die Woche verdient; man muß aber ferner noch in Bettacht ziehen, daß es bei der Weberei öfters Pausen gibt, so daß der Durchschnittslohn nicht volle 3 Thlr. beträgt. Und, um diesen kärglichen Lohn zu erhaschen, noch Geschenke machen? Dazu gehört wahrhaftig eine Selbsterniedrigung, wie sie nur bei solchen Schmarotzerpflanzen zu finden ist. Während die einen für Verbesserung ihrer Lage arbei- ten, gibt es aus der andern Seite eine Menge speichelleckender und denunzirender Individuen, die Alles, nur keine männliche Ehre besitzen. chetenau. Der„Hamburger Sozialdemottat" behandelte kürz- tich die Frage:„Was und wer ist das Volk?" Hier ein Beitrag zur Lösung dieses Räthsels: Nach der Logik der hiesigen Schützen- brüder gehört ein Sozialist„nicht zum Volk". Es fand näm- lich in der Zeit vom 3— 5. August das sogenannte Vogelschießen statt, zu welchem öffentlich und mündlich als zu einem wahren Volksfest eingeladen wurde, da glaubte ein hiesiger Bürger, welchen die Göttin Fortuna vor einiger Zeit mit einigen tausend Thalern beschenkte, ebenfalls sich ein Vergnügen zu macken und sich ein Billet lösen zu sollen, aber, o weh, es existirt ein Beschluß unter diesen Schützenbrüdern, einen Sozialisten nicht mitmachen zu lassen. Immer blamirt euch fort, ihr agitirt nur für uns. chetena». Der hiesige„Arbeiter-Fortbildungßverein" feierte Sonntag, den 10. August sein Stiftungsfest, woselbst Herr Lyser aus Chemnitz die Festrede halten sollte, die aber der Herr Gerichts- amtmann Hedenus in Ehrenftiedersdorf verboten hat. Bekannt- lich kann hier keine Versammlung stattfinden, weil von maßgebender Seite die Wirthe insttuirt sind, keinen Saal hierzu her- zugeben.— Soll heißen, die Sozialdemokratie ist todt. O, welche Selbsttäuschung, solche kleinliche Chikancn werden mit Lächeln ent- gegengenommen. Maßregelungen überhaupt sind die beste Agitation. Irankkurt a. HL., 25. Aug.s Einige Mainzer und Wies- badener Parteigenossen sind wegen Sammels in einer Versamm- lung zur Bestreitung der Tageskosten von der Wiesbadener Be- Hörde zu theilweise bedeutenden Geldstrafen verurthcilt worden. Bor 1 Jahr habe ich in diesem Blatte ans eine damals erlassene Verordnung der kgl. Regierung zu Wiesbaden hingewiesen, wonach das„unbefugte Collectiren" verboten wurde. Dergleichen mußten sich die Parteigenossen, die es angeht, merken, damit sie nicht un- nöthigerweise Geld zu bezahlen haben. UebrigenS sei doch hier als Kuriosum Folgendes erwähnt: Als kürzlich in einer Versamm- lung der Mitglieder der socialdemokratischen Arbeiterpartei hier- vrts Jemand bei einigen Bekannten umhergehend, diese aus einer Dose Tabak nehmen ließ, fuhr sogleich der ßruffichtführende Polizeibeamte— selbstverständlich nur hohem Weisungen folgend— i dazwischen, in der Meinung, eS werde zur Bestreitung der TagcSkosten gesammelt. In den Versammlungen, die der genügend bekannte Herr! Frohme hier im Auftrage der Herren Hasenclaver und Comp, zu Berlin arrangirt, darf dagegen ohne jeden Anstand gesammelt werden. Während semer unser Parteigenosse Jmhof in Thüringen wegen des Vertheilens von„VolkSstaats"-Nummirn, für die nack Belieben Entschädigung gegeben ward, verurtheilt wurde, weil er ohne Gewerbeschein �Drucksachen„verkauft" habe, darf das an Im- Hof geahndete Verfahren hier ohne jeden Anstand in den Frohm'- scheu Versammlungen statthaben; ein Flugblatt über„Löb. Sonne- mann und sein Schandblatt Frankf.AZtg."(— so mit Schimpfen sucht man compromittircnde Beweise zu entttäften—) wird aus- getheilt und Geldentschädigung dafür angenommen, ohne daß da ein Polizeihahn danach kräht. Warum solche Unterschiede gemacht werden, darüber wird ohne Zweifel der Alles wissende kgl. Ge- Heimrath Stieber in Berlin gut Auskunft geben können. Mainz, 24. August. Nachträgliche Qnitting. Ein Posten von zehn Gulden, der als zweite Sendung zur Unterstützung des hiesigen Schuhmacherstrikes von Nürnberg eingegangen war, ist seinerzeit in der Quittung irrthümlich fortgelassen worden. Mit Dank sei hier also der Empfang der zehn Gulden nachttäglich be- stätigt. I. Kilb. Berichtigung. In Nr. 77, Eorrespondenz aus Frankfurt a. M.:„Zum Katheder- sozialismus" muß es heißen: Herr Schulze sagt, der beste Hebel, den EinigungSämtern Eingang zu verschaffen, sei die sozialdemokratische Agi- tation, da diese am besten sich eigne, die Gedankenlosigkeit der meisten Arbeitgeber(nicht Arbeiter) zu brechen. Das spricht Herr Schulze, um die Fabrikanten weidlich zu schrecken u. s. w.____ Fond für pol. Gcmaßrcgclte. Von S. Leipzig 5 Gr., T. Görlitz 3 Thlr., W. München 20 Gr. Genossenschaftsbuchdruckerei. Antheilscheine bez. Antheilquitwngen erhielten ferner: in Hannover: C. K. Thlr. 1. F. W. 1, R. S. 1, A. F. 1, SB. W. 1, A. Ä. 1, B. L. 1; in Breslau: E. Isaak für den Fachverein der Zimmergesellcn 50; in Frankfurt a. M.: L. G. 1, Ph. U. 1. Hadlich._ Briefkasten der Redaktion. Z. in I.: Amimannshof. der Expedition. E. Wldk Stade: Schr. 25 Gr. Khn jLangen- bielau: Ann. 16 Gr. H. Gnmm Pforzheim: 3. Qu. 24 Thlr., Schr 16 Thlr. W. Rub Berlin: Schr. Thlr. 1. 6. Wttrs Buch hau dl. Neustadt a. d. H. 22 Gr. 5 Pf. Mttl Buchhandlg. Bromberg: 2 Gr. 5 Pf. I. End Augsburg: 3. Qu. 20 Thlr. Th. Klb Frankfurt: 3. Qu. 6 Thlr., Schr. 2 Thlr., Ann. 2 Gr.; Arb.-Partei 2 Thlr. 1 Gr.; Bierbrauerver.: Ann. 12 Gr. zsBnchbinderverein: Ann. 6 Gr. H. Wrln Nürnberg: Pho togr. 1 Thlr., Arb.> Partei München: Ann. 5 Gr. Leipjig Der Berkehr und Arbeitsnachweis der Schuhmacher be- findet sich Münzgaffe 3, bei Herrn Schreiber. Internationale Mctallarbeitcrgcwcrkschast. Die Adresse des jetzigen Bevollmächtigten ist: Emil Kolbe (Schlosser), wohnhast Lntonstraße 19, 3 Treppen. Leipzig [36»] Allgemeiner Deutscher Schncidervercin. Dienstag, den 2. Scptbr., Abend« 8 Uhr: Versammlung im Vereinslokal, Gewandgäßchen Nr. 4.— Tagesordnung: Vereinsangelegenheiten; Verschiedenes.— Das Erscheinen Aller ist Pflicht. Aufnahme neuer Mitglieder.— Gäste willkommen. Der Bev. Leipzig& Aingeg. der Dienstag, den 2. September, Abends 8 Uhr: Oeffcntliche Versamm- kung bei Zeidler, Windmühlenstraße 7.— Tagesordnung: Die Gewerk- schastsbewegung im Allgemeinen. Ter Bevollm. Kenschöneftld Montag, den 1. Sepcbr., Abends 8 Uhr: Volksversammlung im„Bergschlößchen".— Tagesordnung: Die bevorstehenden Reichstags- wählen und der neue Preßgcsctzeniwurs Ref.: Ramm. Da« Somite. Buchbinderocrein. Sonntag, den 14. Scptbr. Nachmittags feiert der Ztuttgart hiesige Buchbinderverein sein Stiftungsfest im Kolb'schcn Gartensaale, bestehend in Musik, Gesang und Deklamation.» Wozu alle Eollegen und Freunde einladet D. V. XU. Der Arbeitsnachweis für Buchbinder und verwandte Geschäfts- zweige, befindet sich im Gasthau«„Zur Stadt Straßbyrg", Earlstr. 24. D. O. �ÜlrtNkll'b'N Gesinnungsgenossen, welche sich an der am Montag den 1. Septbr. in NcuschöneselS stattfindenden Volks Versammlung letheiligen wollen, werden ersucht, sich am gedachten Tage Abends Punkt 8 Uhr im„Gasthaus zum Thonberg" einzufinden. Berlin Allgemeiner Böttcher-(Küper-) Verein. Dienstag, den 2. September, Abends 8 Uhr; Geschlossene Mitgliederversammlung im Hcise'schen Lokal, Landsbergcrstraßc 15.— Tagesordnung: Innere Angelegenheiten.— Die Ouittungsbücher find vorzuzeigen. Der Bevollmächtigte. Sozial-demolralische Arbeiterpartei. 'OlillH Veftrltsversammlunge». Montag, den 1. Scprember, Abends 8 Uhr: Lubwitz Loeal,«dmiralstr- �e 11, Eingang vom Hos: Vortrag des Herrn Schramm: Ueoer Nationalökonomie. Fragekasten. Mittwoch, den 3. September, Abends 8 Uhr: „Die Arbeiterpartei und die Feier de« 2. September", Vortrag des Herrn Metzner. Die Bezirksversammlung in der Lanlwehrstraße 11. fällt au«. Die Parteigenossen dieses Bezirkes werden ersucht, in der Versammlung zahl- reich zu erscheinen. Ztur durch Mitglieder eingeführte Gäste haben Zutritt. Das Agilations-Eomitö. Tie Veerinbarung sämmllicher hier bestehender �IjciUlUtz Gewerkschaften. Da die Vereinbarung sämmtlichcr hier bestehender Gewcrksgenrssen- schasten, als: intern. MctallarbeitergewerkSgcnossenschaft, intern. Ge- werkSgenosscnschast der Maurer und Zimmerer, intern. Gewerkschaft der Schuhmacher, Gewerksgenossenschast der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter, Gewerkschaft der Holzarbeiter, allg. deutschen Schneidervereins, sowie des Fachvereins der Former, von Seiten der Mitglieder sämmtlicher Gewerkschaften einstimmige Annahme gesunden hat, diene hiermit den auswärtigen Mitgliedern dieser Genossenschaften zur Nachricht, daß als Ccntrallokal Buhlers Restauration(Garküche) in der kleinen Brüdergasse bestimmt wurde und daß an den Abenden Montag, Mittwoch und Sonnabend die Gewerkschaftsversammlungen stattfinden, daß das von den vereinigten Gewerkschaften errichtete Lese- timmer vorläufig Montag, Mittwoch und Sonnabend Abend« und Sonn- tags von früh an geöffnet ist, Arbeitsnachweisbureau, Nachther- berge, Auszahlung der betreffenden Reiseunterstützung daselbst stattfindet, sowie jede sonstige Auskunft ertheilt wird. Indem wir unsere auswärtigen Gewerksgenossen hiermit nochmal« darauf aufmerksam machen, bei ihrer Hierherreise obiges Lokal als Ab- steigequartier zu benutzen, sei noch erwähnt, daß die Bevollmächtigten in ihren Versammlungen Vorstehendes zeitweise ihren Mitgliedern zur Kennt- niß bringen mögen. Rich. L. 3- Wolf, Bevollmächtigter.[36] ATlmiMitifc 3>tter«ati,»»lt Melallarvellergewerisgenofseoschaft. I? ijUUUlJ� Die Ausschnßfitzungm finden regelmäßig jeden Montag Abends 8 Ubr in Thümlcrö Restauration, Heerengasse, statt. [ml] Richard S. I. Wolf, Geschäftsführer, Lindenstr. 8, 1 Tr. Vorläufige Anzeige. Der 9 wöchentliche Strike dauert immer noch unerbittlich fort. Zuzug ist also streng fernzuhalten. Das Arbeitsnachweisungsbureau ist Hankenstr. Nr. 22, Tischlerherberge, Bremen. Der Redakteur-(»esucli. Für eine in einer größeren Stadt Süddeutschlands zu gründende, täglich erscheinende, polinsche Zeitung(entschieden demokratischer Richtung) wird ein tüchtiger Redakteur gesucht; GesinnungStüchtigkeit und genaue Kenntniß der sozialen Bewegung ist Hautbedingung. Gesuche beliebe man unter Cliiffro C. F. Mr. 433 post restantc Stuttgart einzusenden. Herrn Adam, Berlin. Wo bleiben die geliehenen Bücher? Bitte um sofortige Zusendung. [2a] Max Käufer, Mainz, Brand 2, II. Tr. Anfrage. Wann und Wo wird das bestimmte Arbeiter- Verbrüderungsfest im 14. Sachs. Wahlkreise abgehalten? In Frohburg oder Geithain? Nächsten Monat möchte es geschehen und 14 Tage zuvor annoneirt. Mehrere Mitglieder des 14. Sachs. Wahlkreise«. Apoillltmeilts- Einladiillg. Auf die „Allgemeine Puchbinderzeitung" Organ des Verbandes für Buchbinder und verwandte Geschäftszweige, Das Blatt erscheint im Verlage von Unterzeichneten vom 1. Okt.». e- ab monatlich 2 mal zum Preise von 6 Sgr. durch die Post bezogen, excl. Stempelsteuer in Preußen. Annoncen finden die weiteste Verbreitung. Leipzig, den 31. August. H. Richter, Sternwartenstr. 23. Durch die Buchhandlung des„VolkSstaat" ist zu beziehen: per Lallalle'sche porlchlag. Ein Wort an den 4. Congreß der sozial- demokratischen Arbeiterpartei. Bon W. Bracke)r. Preis pro Exemplar 5 Gr. Kamp! und Arbeit. Separataddruck aus dem„Felleisen". Preis pr» Exemplar 6 Pfg. Avis für Alcoy, Rom und Bologna. Aleoy. Der Sekretair des Aeußcrn für die Spanische Föderal- kommisfion: Franz Thomas, Maurer. Rom. Der Sekretair des Jntcrizationatienalen Vereins der Ar- beider(Italien. Bundesgenossenschaft): Dominica Facchini, Maurer. Bologna. Andreas Costa, für die Commission der Maurer und Handlanger.. Die oben Genannten werden ersucht, ihre genaue Adresse sobald wie-< si- ßUnUthUU � t ,» x-u. o ui. Die oben Genannten werden ersucht, ihre genaue Adresse sobald wie t M möglich an Unterzeichnetem gelangen zu lassen, um eine Korrespondenz an, beabsichtigt der unterzeichnete Verein sein diesjähriges Sliftu gsfcst abzuhalten und solches zu einem Arbeiter- V erbrüderungsfest zu gestalten, wozu alle Arbeiter und Arbeiterfteunde sowie Briidervereine von nah und fern schon jetzt freundlichst einladet Der Volksvercin zu Glauchau. Programm in den nächsten Nummern de« Parteiorgan».__ <-t.t ttt filtert Allgemeiner Deutschet Arbeiterverein. �llUlUUTf) Donnerstag, den 4. September, Abends halb 9 Uhr: Geffentt. Versammlung der hiesigen Mitglieder im Lokale des Herrn Thomsen(„Orpheum"), Neustädter Neufiraße 25. Tegesordnung: Die Broschüre Tölckc's. Referent: I. Lüder«. Der Bevollmächtigte: C. A. Bräuer. Der Arbeits- Nachweis siir Buchbinder u. verwandte �tUltÜllTg Geschäftszweige befindet sich bei H. Bachmann, gr. Burstah Nr. 26. Der Vorstand. Sozialvemokrattsche Arbeirerpanei. �UUvlIUl-g Versammlung am Montag, dm 1. September, Abends 9 Uhr präcise, bei Hansch, Schauenburgcrstr. 14. Tagesordnung: Bericht über den Parteicongreß.— Die Mitglieds- karten sind vorzuzeigen. anzuknüpfen. [3c] Mit soz.-dem. Gruß F. Ernst Kuof, Maurer, Palmstr. 55 bei Lindner Dresdm(Königr. Sachsen.)_ Bis Mitte September erscheint im Verlage der Buchhand lung des„Volksstaat": Der Voiksstaat-Kalknder für 1874. Inhalt: Kalendarium. Biographischer Kalender. Tie Schto am Birlcnbaum. Eine Parabel von St. Simon. Roth. Franziisischc Arbeiter. Robert Owen, ein Charakterbild. Der Pauker von Niklashausen; historische Erzählung von Robert Schweichel. u. s. w. u. s. w. Um die Auslage bemessen zu können, wird gebeten, die Bc< stcllungcn hieraus rechtzeitig zu machen. Sonntag, den 31. August: Letzte« diesjähriges �aMoUrg Summcrvcrguügcn mit Ball des Hamburg-Altonaer Steppcr- und Vorrichtcr-Vereins, in Bellevue «LM. NLJ.TB, WStSüti&»-wd«- 0.°-", ,in.n T.» Zur allgemeinen Kenntniß bringen wir, daß Inserat« für die nächste Nummer nur bestimm� Die Genossen der Sozial- Demottatischcn Arbeiterpartei werden be- sonders eingeladen. C. Köhler, Vorsitzender. Gewerkschaft der Schutzmachcr. Jeden Montag Abend« 8 Uhr Mitgliederversammlung Leipzig bei Herrn Schreiber, Münzgaffc 3. -IVtmirr s»lrruatu>aale Retallarbeitergewerkschast. Avlt-Allj Montag, den I. Sertbr. Abends 3 Uhr, bei Anibold, Reudnitzerstr.— Tagesordnung: Die Reorganisation der Krankenkasse. also Wontag, Mittwoch oder Ireitag Mittags in unsere« Händen ist. Inserate bitten wir an uns zu adressiren. Tie Erpeditiou des„Volksstaat". Der ü S«iv»i�: Verentt». Ä. Casder.(Redaftion und Txdedttts- 44). Dvv-ö ferr fr bj ii b k.