> Jdtllft. dl ntk kH Ja««mk ■aKsnkH ca. 8Mal««mkttbcn f» Mt Bettatfka etcctn: >. c«»1«, tn»1 Bcbckcn, 8. X V. N. Claadit, » fl. Merket ctr. m. »Sc �m|«K iacl. Stempel» «are 91®f t., f#i kl« tinjea S«Msqe« etcctn 16 �«. PC» Quartal. fCcactc. JLkcamratata »ecke» M ein»ntsche» ScfotUltn wf kn f. a. i. StMUt c. carf bn S M» aat McvkcH cn|«»mim, tat«ct. Sechs«*. Hr,,ttz. •iäf.-TOnkiwi euch nf k« 1. Moact k S'/,' Organder sozialdemolratischenArveiterparteiund der internationalenGewerksgenossenschasten. !>r. 1V7. Mittwoch, 5. MovemVer. 1873. Abonnements auf den„Volksstaat" str die Monate November und Dezember zu 10'/» Neu- groschen werden bei allen deutschen Postanstalten, sür Sachsen und Herzoglh. Sachsen- Altenburq auch für Monat November allein zu S'/s Ngr., für Leipzig für November ZU(r Ngr. bei der Expedition Zeitzerstraße 44, und bei Eol- pvrteur Müller, für die Umgegend von Leipzig bei den Filial- expeditionen: für Volkmarsdorf, Reudnitz, Neuschönefeld ze. bei O. Stelzer, Reudiilp, Kapellengasse 11, Tr., für Plagwitz und Lindenau ic. bei Frau Hohe, Roßmarkl Nr. 9, in Lindenau, flir Connewitz K. bei Teubert, Bornaische Straße 197, für Kleinzschocher und Umgegend bei Fleischer, Nr. 87 daselbst tulgegengenommen. Parteigenossen! ermüdet nicht, auch fernerhin allerorts nach Kräften zur Weitet Verbreitung des Parteiorgans beizutragen. Die Redaktion und Erpedition des„Dolksltaat Die Bakunisten au der Arbeit. Denkschrift Uber den letzten Aufstand in Spanien von Friedrich Engels. IV. Hören wir nun Uber diese ganze Bewegung den Bericht der »Neuen Madrider Föderation": »In Valencia sollte am zweiten Sonntag des August ein Kon greß stattfinden, um unter Anderm auch die Stellung zu bestinimen, welche die spanische internationale Föderation einzunehmen habe flegenüber den wichtigen polinsche» Ereignissen, welche in Spanien eit dem 11. Februar, dem Tag der Proklamation der Republik, eingetreten waren. Aber der unsinnige(äeseadellaüa, wörtlich: Zerzauste) Kantonalaufstand, der so jämmerlich gescheitert ist, und an dem die Internationalen fast aller insurgirtcn Provinzen sich eifrig betheiligten, hat nicht nur die Thätigkeit deS FödcralrathS lahm gelegt, indem er die Mehrzabl feiner Mitglieder zerstreute, sondern auch die lrkalen Föderationen fast gänzlich deSorganisirt und ihren Mitgliedern, was daS Schlimmste ist. allen den Haß und alle die Verfolgungen zugezogen, die jede schmählich eingeleiiete und gescheiterte Volkse, Hebung im Gefolge hat..... »Als der kantonale Ausstand losbrach, als die Junta?, d. h. Regierungen der Kantone sich konstituirten, da beeilten sich jene Leute(die Bakunisten) die so deftig gegen die politische Gewalt ge schrien, die uns des AutoritariSmus angeklagt, sie beeilten sich in jene Regierungen einzutreten. In bedeutenden Städten wie Se- villa, Cadix, San Lucar de Barrameda, Granada und Valencia saßen viele von den Internationalen, die sich An ti Autoritarier nennen, aus den kantonalen Iuntas, ohne andres Programm als da« der Selbstherrlichkeit der Provinz oder des KantonS. Dies ist amtlich festgestellt durch die von jenen IuntaS veröffentlichten Proklamationen und ander» Dokumente, unter denen die Namen wohlbekannter Internationalen von dieser Sorte figuriren. »Ein so schreiender Wideispruch zwischen der Theorie und der Praxis, zwischen der Propaganda und der That würde wenig zu bedeuten haben, wenn daraus irgend ein Vortheil für unsre Asso- ziation hätte erwachsen können, oder irgend ein Fortschritt der Organisation unsrer Kräfte, irgend eine Annäherung an die Erreichung unsreS Hauptzwecks, die Emanzipation der Arbeiterklasse. Grade das Gegentheil ist geschehen, wie dem nicht anders fein konnte. ES fehlte die Grundbedingung, daS Ihäiige Zusammen- wirken deS spanischen Proletariats, das so leicht zu erzielen war sobald man im Namen der Internationale handelte. Es fehlte die Uebereinstimmung unter den lokalen Föderationen; die Bewegung blieb der individuellen oder lokalen Initianve überlassen, ohne irgend welche Leitung(außer derjenigen, die ihr die geheimnißvolle Allianz etwa aufdrängen konnte, und diese Allianz be- herrscht zu unsrer Schande noch immer die spanische internationale); ohne irgend welches Programm außer dem vnsrer natürlichen Feinde, der bürgerlichen- R>publ>kaner. Und so unterlag die kantonale Bewegung in der schimpflichsten Weise, fast ohne Widerstand; aber in ihrem Untergang riß sie mit sich daS Prestige und die Organisation der Internationalen in Spanien. E« geschieht kein Exceß, kein Verbrechen, keine Gewaltthätigkeit, bie die Republikaner nicht heute den Internatioualeu in die Schuhe schieben; es ist sogar, wie uns vcrsichert wird, in Sevilla vorge- kommen, daß während deS Kampfes die Intransigenten auf ihre Verbündeten, die(bakunistischen) Internationalen geschossen haben. Die Reaktion, unsre Thorherten geschickt benutzend, hetzte die Re- publikaner zur Verfolgung gegen unS und verleumdet unS bei der großen gleichgültigen Masse; was sie zur Zeit Sagasta'S nicht fertig bringen konnte, da« scheint sie erreichen zu sollen: den Namen: »Internationale" bei der großen Masse der spanischen Arbeiter in Verruf zu bringen. »In Barcelona haben sich eine Menge Arbeitersektionen von den Internationalen getrennt, laut protestirend gegen die Leute von der Zeitschrist„La Federacion"(Hauptorgan der Lakunisten) und ihre unerklärliche Haltung. In Ierez, Puerto de Santa M-rta und andern Orten haben die Föderationen beschlossen, sich aufzulösen. In Loja(Provinz Granada) sind die wenigen dort wohnenden Internationalen von der Bevölkerung vertrieben worden. In Madrid, wo man noch der größten Freiheit genießt, giebt die alte(bakunisti che) Föderation nicht das mindeste Lebenszeichen, wahrend die unsrige gezwungen ist. sich unthätig und schweigend zu verhalten, wenn sie sich nicht mit fremder Schuld beladen sehen will. Ja den Städten deS Nordens ve> hindert der täglich er- otttertcr geführte Karltstenkrieg jede Thätigkeit unsrerseits. Endlich in Valencia, wo die Regierung nach fünfzehntägigem Kampfe Sieger bleibt, müssen die Internationalen, die nicht flüchtig ge- worden, sich verbergen und der Föderalrath ist vollständig auf- gelöst." Soweit der Madrider Bericht. Man sieht, daß er mit obiger Gcschichtserzählang vollständig übereinstimmt. Was ist nun daS Resultat unsrer ganzen Untersuchung? 1) Die Bakunisten waren gezwungen, sobald sie einer ernst- haften revolutionären Lage gegenüberstanden, ihr ganze« bisheriges Programm über Bord zu werfen. Zuerst opferten sie die Lehre von der Pflicht der politischen und besonders der Wahl-Enthaltung. Dann folgte die Anarchie, die Abschaffung deS Staats; statt den Staat abzuschaffen, vetsuchten sie vielmehr eine Anzahl neuer, kleiner Staaten herzustellen. Dann ließen sie den Grundsatz fallen, daß die Arbeiter sich an keiner Revolution betbeiligen dürsten, die nicht die sofortige vollständige Emanzipation deS Proletariats zum Zweck habe, und betheiligtea sich an einer eingestandener Maßen rein bürgerlichen Bewegung. Endlich schlugen sie ihrem, kaum erst prollamirtcn Glaubenssatz inS Gesicht: daß die Errichtung einer revolutionären Regierung nur eine neue Prellerei und ein neuer Verrath an der Ai bciierklassc sei— indem sie ganz gemütblich in den Regierungsausschüssen der einzelnen Städte figurnten, und zwar fast überall als ohnmächtige, von den Bourgeois überstimmte und politisch exploitirte Minderzahl. 2) Diese Verläugnung der bisher gepredigten Grundsätze geschah aber in der feigsten, verlogensten Weise und unter dem Druck des bösen Gewissen«, so daß weder die Bakunisten selbst, noch die von ihnen geleiteten Massen mit irgend einem Programm in die Be- wegung eintraten, oder überhaupt wußten, was sie wollten. Was war die natürliche Folge? Daß die Bakunisten entweder jede Be- wegung verhinderten, wie in Barcelona; oder daß sie in verein zelie, planlose und blödsinnige Ausstände hineingetrieben wurden, wie in Alcoy und San Lucar de Barrameda; oder aber, daß die Leitung des Ausstandes den intransigenten Bourgeois zufiel, wie in den allermeisten Aufständen. DaS ultrarevolutiouäre Geschrei der Bakunistcn verwirklichte sich also, sobald es zur That kam, entweder in Abwiegelet, oder in von vornherein aussichtslosen Aufständen, oder in dem Anschluß an eine bürgerliche Partei, die die Arbeiter schmählichst politisch ausbeutete und sie obendrein mit Fußtritten behandelte. 3) Von den großen Prinzipien der Anarchie, der freien Föde- ration unabhängiger Gruppen u. f. w. bleibt Nichts übrig als eine maß- urd sinnlose Zersplitterung der revolutionären Kampf- mittel, die der Negierung erlaubte, mit einer Hand voll Truppen eine Stadt nach der andern fast ohne Widei stand zu unterwerfen. 4) Das Ende vom Lied war nicht nur, daß die gutorganisirte und zahlreiche spanische Internationale— die falsche wie die wahre— in den Sturz der Intransigenten mit verwickelt wurde und heute faktisch aufgelöst ist, sondern auch, daß ihr die Unzahl erdichteter Exzcsie aufgebürdet wird, ohne die der Philister aller Länder sich nun einmal einen Arbeiterausstand nicht denken kann; und daß dadmch die internationale Reorganisation deS spanischen Proletariats vielleicht auf Jahre hinaus unmöglich gemacht ist. b) In Einem Wort, die Bakunisten in Spanien haben uns ein unübcrtreifliches Muster davon geliefert, wie man eine Revo lution nicht machen muß. Zu den Wahlen. An einer Reihe von Orten und zwar namentlich in Sachsen ist sowohl die Mitgliedschaft bei der sozialdemokratischen Arbeiter- Partei wie die Gründung aller der Vereine verboten worden, welche eine ihr ähnliche Tendenz zu haben schienen. Dadurch ist jede Organisation unmöglich gewesen, weiche aber bei der jetzt beginnenden ReichStagSwahlagitation unumgänglich nothwendig ist. ES bleibt nunmehr den bctieffeudcn Orten nur übrig, den einzig ihnen offenstehenden Weg zu ergreifen und sofort Wahlvereine inS Leben zu rufen. tz 17 des Reichswahlgesetzes bietet hierzu die Möglichkeit, ohne daß die Behörden berechtigt sind, solche Vereine oder bezügliche Versammlungen zu verbieten. Dieser Paragraph lautet:»Die Wahlberechtigten haben daS Recht, zum Betrieb der'den Reichstag betreffenden Wahlangclegcnheiten Vereine zu bilden und in gest�lofsenen Räumen unbewaffnet öffentliche Versammlungen zu veranstalten. Die Bestimmungen der LandeSgesetzc über die Anzeige der Versammlungen und Vereine, sowie über die Ucberwachung der- selben, bleiben unberührt." Die Parteigenossen, die also bisher organifasionSloS zu bleiben gezwungen waren, wie da« unseres WissenS�z. B. in Mittwcida, Döbeln, Stötteritz tc. der Fall ist, wollen nunmehr ungesäumt vorgehen, Wahlvereine auf Grund möglichst einfacher Statuten gründen, diese der Behörde einreichen, die vorgeschriebene An- Meldung der Versammlungen vornehmen und dann stisch in die Wahlagitation eintreten. Politische Uebersicht. — Bakunistisches. Wir erwähnten vor einigen Tagen des Treibens eines Pariser Corrrspondenlen der Brüsseler»Interna- tionale". In der letzten Nummer der„Internationale"(Nr. 2S0 vom 26. Okt.) hat dieser Geselle— Durand mit Namen— die Schamlosigkeit, zu schreiben:»Der Bündnißvertrag(paots d'al- liance) deS»Avenir National"(Bündntß der Republtkaner aller Schattirungen mit den Bonapartisten) gewinnt mit jedem Tag mehr Boden unter den Pariser Arbeitern. Rur die forma- listischen Republikaner(Republikaner, denen eS nur auf die Form, nicht auf das Wesen der Republik ankommt) bestehen nach ihrer Gewohnheit und krast ihrer Unfähigkeit aus Verweigerung de» Beitritts, und wie immer ist es die Furcht, daß daS Proletariat aus dem Bündniß Vortheile ziehen könne, was sie hierbei Haupt« sächlich bestimmt." Man weiß nicht, was größer ist: die unver- schämte Verlogenheit oder die Dummheit deS Schreibers. Die Pariser Arbeiter, die am 4. September 1370 von den Bourgeois- republikanern die Absctzung deS ManneS von Eedan erzwangen, die ein halbes Jahr später die Commune gründeten, und über zwei Monate lang in heldischem Kamps gegen die korrupte alte Gesellschaft, gegen den in Versailles vetsammclten Mob*) von Bourgeoisrepublikanern, Orleanisten, Legitimistcn und Bonapar- tisten ihr Leben in die Schanze schlugen, und einen beispiellosen Opfermuth entwickelten, sollen sich jetzt mit einemmal, ihrer rühm- Vellen Vergangenheit, all ihren Prinzipien ins Gesicht schlagend, der Lompenbande des Zweiten Dezembers an oen Hals geworfen haben! Eine niederträchtigere und zugleich stupidere Verleumdung läßt sich nicht denken! Und die formalistischen Republikaner sollen sich nur aus Furcht vor den Vortheilen, welche daS Proletariat daraus ziehen könnte, von dem Bündniß fernhalten?„Vorlheile", die den Arbeitern aus dem Bünvniß mit einer Spitzbubenbande erwachsen sollen, die, so lange sie das StaatSruder in Händen hatte, nie etwas für die Arbeiter that, und jetzt vollständig bau- krout ist! Die Dummheit der Behauptung ist so kolossal, daß man unmöglich an die Aufrichtigkeit d-s Urhebers glauben kann. Derselbe ist übrigens bereits in eklatantester Weise Lügen gestrast worden. Die Aibeiterdelegirten, welede von den bekannten Cor- saire- Fonds aus die Wiener Ausstellung geschickt worden sind, haben es, da der„Corsaire" nach seiner Unterdrückung in den (beiläufig jetzt gleichfalls unterdrückten, und zwar wegen eines Artikels gegen den lahmen Cretin Chambord)„Avenir Na- tional" übergegangen ist, für ihre Pflicht erachtet, durch den Mund von sieben der Ihrigen jede Gemeinschaft mit dem berüchtigten Bündnißvertrag abzulehnen. In Betreff dieses Protestes hat der Correspondent der„Internationale" die Stirne zu erklären:„von hundert Delegirten zur Wiener Ausstellung haben sieben den stu- piken Streich begangen, ins Lager der Formalisten überzulaufen. Wie eS scheint, sind diese unglücklichen Genossen noch mit jakobi- nischen Ideen erfüllt, und kümmern sich nur wenig um die soziale Frage. ES ist deshalb gut, daß sie ihre Desertion angekündigt haben: die Revolution muß den Werth der Männer, welche mit >hr und für sie marschiren, genau kennen." Die„Revolution" des Herrn Durand daS ist der Schmeerbauch Plonplon, alias„der rothe Prinz"; und Schmeerbauch Plonplon wird den„Werth" des Herrn Durand wohl„genau kennen"— auf Heller � und Pfennig. Da wir gerade beim Thema sind, Schmeerbauch Plön- plon erinnert unS an Schmeerbauch Bakunin; von Plonplon zu Bakunin ist nur ein kleiner Schritt; hat Jener seine Krimcam- pagne, die ihm den Namen Cramt plomb(Kugelscheu) eingebracht, so hat dieser seine Lyoneser Campagne, in der er dieselben heroi- scheu Eigenschaften entwickelt hat— und Schmeerbauch(„äußere männliche Eischeinung" sagt der„Neue" Menteur in Beilin) ist Schmeerbauch. Also Schmeerbauch Bakunin hat wieder einiges Geräusch gemacht. Er ist zwar todt und begraben, und hat höchst- eigenhändig— daS heißt vermittelst der zu ihm gehörigen Hände — feine Leichenrede und Grabschrift verfaßt— allein man weiß ja, daß mitunter daS in tobten Körpern sich bildende Gas deutlich vernehmbare, freilich auch sehr übelriechende, Explosionen hervor- bringt— eine Thatsache, die nebenbei bemerkt, zu dem Bampyr- aberglauben den Anlaß gegeben hat. Nun, eine solche Explosion des begrabenen SchmeerbauchS Bakunin haben wir heute zu ver- zeichnen. Er hat an seine getreuen„Jurassen" einen, in der»In- ternationale" abgedruckten, Brief geschickt, in welchem er seinen Austritt aus der„Internationale" anzeigt— als ob ein Cadaver daS nöthig hätte!— und die Internationale für— ein Werkzeug deS PangermanismuS, und mit Bismarck gleiche Zwecke ver- folgend erklärt! O Schmeerbauch Bakunin! Hast Du etwa ver- gessen, daß Du mit der„äußern männlichen Erscheinung" Hasen- kleverS und den sonstigen Hasselmännern, von denen Du wußtest und wiederholt zugestandest, daß sie BiSmarck'sche Agenten — hast Du vergessen, daß Du mit diesen Leutchen zu wieder- holicnmalen gemogelt hast, um die, Bismarck und den Pan- germaniSmus bekämpfende Internationale mit Hülfe der„natio- nalen" allgemeinen deutschen Bismarck-Knüxpel aus dem Felde zu treiben? Doch— der Schmeerbauch Bakunin ist ja todt und begraben; und eS war nur eine Gasexplosion, die wir soeben ge- hört und— gerochen. — Kautschuckmänner.„Die' Wolke sieht fast auS wie ein Kameel".—»Ja sie ist genau wie ein Kamcel"—„Ich glaube, sie ist einem Wiesel ähnlich".—„Sie hat einen Rücken wie ein Wiesel".—»Oder wie ein Wallfisch?"„Einem Wallfisch sehr ähnlich". Der geschmeidige Kautschuckmann PoloniuS würde, wenn Hamlet ihn nicht zufällig vor etlichen hundert Jahren todtgestoche« hätte, unzweifelhaft heute ein Nationalliberaler fein. WaS da» Berliner Preßbureau dem ächten Nationalliberalen vorredet, daS redet er prinzipientreu und überzeugungSfroh mit demselben Hel- denmuth nach, wie weiland PoloniuS dem Dänenprinzen.»Diese» Lamarmorabuch ist eine schmutzige Geschichte, von der man am besten schweigt."»Man muß davon reden, aber das Schlimme darin verschweigen und das Ganze als Intrigue der Reichsfeinde hin- stellen."—»Ja man muß davon reden; es ist eine schändliche Intrigue der ReichSseinde."—„DaS Buch ist uns sehr nützlich; Lamarmora hat uns einen Gefallen damit gelhan. Die Enthül- •) Der englische Ausdruck für PSbel. lungen enthüllen nichts andere», als daß sie Bismarck» Größe vollends darthun und zugleich den edlen und patriotischen Charakter seine» Souveräns(des Kaiser König« Wilhelm) in so rührendem Licht erscheinen lassen/ Also— daS heißt was hier gesperrt ist— wörtlich in der Spe ner'schen und BrockhauS'schen �Allgemeinen" zu lesen! Nächstens wird man uns noch belehren, daß Bismarck selbst die Broschüre bestellt hat!— — Wenn Bismarck, der hinterpommersche Landjunker, sich selbst und„Seine Majestät, den allcrgnädigsten König" unter das„Volk" rechnen konnte, so dürfen wir uns billiger Weise nicht wundern, wenn auch andre Leute diesen Weg beschreiten und sich„Volk" nennen, welche ohne das Beispiel des„genialen Staat* manne«" sicherlich nicht auf solchen„genialen" und wirklich„staatS männischen Gedanken gekommen wären. Wie unS aus zuverläs siger Quelle mitgetheilt wird, hat e« unter den Männern der Börse allerwärts große„Sensation" erregt, daß die preußische Regierung dem Bankerott deS großen Gründers Quistorp nicht mittelst„Staatshilfe" zuvorgekommen ist, daß sie schließlich nach einigen Hebungsversuchen den Karren da stecken ließ, wohin ihn der übermäßige Schwindel geschoben hat. Die Männer der Börse beginnen sich gleichfalls als„Volk" zu fühlen und unterliegen als solches„demokratischen" Anwandlungen, indem sie behaupten, die Forderung der StaatShilfe für die Gründer beruhe auf„demo kratifcher Grundlage". In einer bekannten„großen Seestadt" ist es sogar so weit gekommen, daß ein sogenannter„Börsenulan*) sich zum„Sozialismus" bekehrt und dadurch dem„Volk" der Börse allda nicht geringen Schrecken eingejagt hat. Es geschehen Zeichen und Wunder; wir können aber sehr nüchtern dabei bleiben, wenn wir das„Volk" der Börse einfach übersetzen in cnrpuls, canaille, mob der Börse und somit jenen hochnäsigen Herren, welche daS wirkliche Volk gewöhnlich mit diesen Titeln belegen, die Nase darauf stoßen, wo der eigentliche Pöbel, der wirkliche mob sich vorfindet. Im Uebrigen ist eS nicht so ganz„ohne" mit diesem„Volk" der Börse. Dies„Volk" bekommt eine ganz be sondere Bedeutung, wenn man erwägt, daß einundvierzig Männer aus diesem„Volk" im deutschen Reichstag sitzen, mit andern Worten, daß 41 Mitglieder des Reichstages hervorragend bei Gründungen und Börsenspekulationen betheiligt sind. Hat doch der fortschrittliche Abgeordnet- Eugen Richter offen gesagt, daß der Sitzungssaal des Reichstags auf dem Dönhoffsplatze zu Berlin nur eine Filiale der Börse sei! Dies„neue Reich liefert überhaupt ganz absonderliche Arten von„Volk". Einmal das„Volk der Denker", dessen höchste Denkkraft sich zur Zeit in den patriotischen Ergüssen der„Sauhirten" concentrirt; weiter das„Volk in Waffen", daS nach der Theorie eines schlachten kundigen preußischen Junkers mit„Spitzbuben in Waffen" identisch ist; weiter das„Volk", der Börse vom Wagener bis zum Börsenulan; sodann das BiSmarckffche„Volk", nach Bismarck ein umfassender Begriff, der die hohen und höchsten Herrschaften, sowie auch den Stieber und was drum und dran hängt, in sich ein schließt. Wir brauchen kaum zu sagen, daß wir nur ein„Volk' kennen, daS arbeitende Volk, von welchem merkwürdiger oder vielmehr begreiflicher Weise die heute im Reiche umlausenden Be- griffe gar nichts wissen wollen. Laplenti sat**)! — Zur Naturgeschichte der Presse. Der„Börsencourier" schreibt:„Wir haben neulich im Handelstheile unserer Zeitung gemeldet, daß sich für die„Spenersche Zeitung" zwei Käufer ge- funlen haben. Wir können heute mittheilen, daß der eine dieser Offerenten die Regierung war und daß der Ankauf auS den Gel- dern des sogenannten Reptilienfonds bereits geschehen ist. Wir halten diese Nachricht schon jetzt gegenüber dem höchst wahrslbein- lichen Dementi der„Spenerschen Zeitung" aufrecht. Auf die Höhe des gezahlten Kaufpreises kommen wir nächstens zurück." So das Beiliner Blatt, dessen Mittheilung keinen Widerspruch gefunden hat und darum als thatfächlich begründet gelten kann, wie sie denn von vorn herein innerlich wahrscheinlich war. Die preußische Regierung hat das Wort des alten Napoleon:„Vier Zeitungen sind so gut wie eine Armee von 100,000 Mann", sich zu eigen gemacht, und will nicht blos das größte stehende Sol- datenheer, sondern auch die größte stehende Prcß-Armee haben. ES genügt ihr nicht, daß mit einem oder zwei Dutzend Ausnahmen die gesammte deutsche Presse den Winken des Berliner Preßbureaus folgt und dessen Fabrikate verbreitet, sie will, um gegen etwaige Unabhängigkeiiszelüste bei veränderter Zeilströmung gesichert zu sein, eine Presse, die ihr leibeigen ist, die ihr als Eigenthum gehört, deren Redakteure sie nach Belieben ein- und absetzt, mit denen sie umspringen kann, wie ein Offisicr mit seinen Soldaten. Die Zahl der Blätter, welche direktes Eigenthum der preußischen Regierung sind, beläuft sich schon auf einige Dutzend, und bald wird eS keine bedeutendere Stadt mehr geben, in welcher nicht ein Ableger des Reptilienfonds seinen Duft verbreitet.— ApropoS, nachdem Herr Bleichröder soeben in sehr schlechtem Deutsch jede Mithülfe an dem Kauf der„Neuen Freien Presse" zurückgewiesen, wird die Nachricht in positivster Form bestätigt. Daß die„Neue Freie" an die preußische Regierung verkauft rst, unterliegt nicht dem leisesten Zweifel. —„Ein klanglos Schrillen, ein Schrei von Erz „Entquoll dem metallenen Munde"— so klimpert Frd. Freiligrath auf seiner abgegriffenen Leyer in jenem Gedichte, daS erzählt, wie im„herrlichen Kampfe" bei Mar« la- Tour dem Trompeter de» Kürassierregiments Schmettau eine Ku- gel durch sein Instrument fuhr. Wer sich für diesen Trompeter, der durch die Freiligrath'sche Dichtung allbekannt und ein Lieb- lingsgegenstand des spießbürgerlichen MordSpatriotiSmus auf der Bierbank geworden, interesstrt, der nehme die Nummer 43 der „Gartenlaube" zur Hand, allwo zu lesen ist: „Der Trompeter von MarS-la� Tour, vom Kronprinzen Friedrich Wilhelm selbst(wirklich!) mit dem eisernen Kreuze geschmückt, von Ferdinand Freiligrath besungen, von allen Zeitungen und Kriegs- berichten gefeiert als einer der Helden des kühnen TodeSritteS am 16. August, hat, wie seine Trompete damals, doch auch, und zwar für das Leben,„„Etwa» wezgekriegt"". Im November von- gen Jahres wurde er brustkrank und nach dreivierteljährlich ärzt- licher Behandlung als Kriegsinvalid entlassen und zwar mit acht Thalern Pension. Von dem Versuche, sich durch Abschreiben in einem Gerichte Etwa» zu verdienen, mußte er schon nach acht Tagen abstehen, weil sein Zustand sich dadurch verschlimmerte. Da- durch ist ihm die Aussicht auf Versorgung in einem Bureau ver- schlössen. Verdienen muß er EtwaS, wenn er bei seiner Pen- sion nicht mit seiner Familie verhungern will, und da er gut schreibt, rechnet und auch zeichnet, so hofft er, durch die Gartenlaube zu einem für ihn passenden Dienste gelangen zu kön- neu. Vielleicht würde er als Aufseher in einem Geschäft oder einer Anstalt sehr gut zu verwenden sein. Er ist der Mann, der ') Man bezeichnet damit jene Börsenmakler, welche ihre Schwindel- geschälte im Galopp abmachen. •*; Für dea denkenden Menschen ist die« genug I seinem Dienste Ehre bringt, denn nur mit Stolz würde man sagen können:„„Auf diesem Posten steht der Trompeter von MarS-la Tour!"" Da» lautet noch garstiger als der„Schrei von Erz", wenn e« gleich kein„klangloses Schrillen" ist. Acht Thaler Pension für den Trompeter von Gravelotte, dem die französischen Kugeln vor der Nase durch die Trompete gefahren, vier Millionen Ex tra-Dotation für jene Herren Prinzen und Generäle, die mit dem Fernrohr das Gefecht„geleitet"— da» ist die höchste Poesie und die tiefste Prosa an einem Stück! Ja, wenn so ein tapferer Trom veter mit jenem Stückchen Eisen, das ihm eine Hoheit an die Brust geheftet, seinen Kindern den Hunger stillen und s«nc Stube wärmen könnte! Aber die„Gartenlaube" ist barmherzig; sie appel lirt an den„Patriotismus". Der Exdemokrat Keil dürste an sich selbst erlebt haben, daß der„Patriotismus" jener Klasse, welche „Geschäfte" und„Anstalten" besitzt, ein Patriotismus deS Geldsacks ist und daß sehr Viele den Trompeter von MarS-la-Tours be- wundern, sehr wenige oder Niemand aber ihm EtwaS bezahlen werden. Brustkranke Leute lassen sich nicht gut ausschinden und ausbeuten. Häite doch Herr Keil gleich die Sammlung für eine Drehorgel eröffnet, das wäre angemessener g Wesen und hätte besser zu dem„Geist der Zeit" gepaßt, wie ihn die„Gartenlaube" sich vorstellt! Und hier ein Wort am rechten Ort! Es gibt in der deutschen Presse und auch im bürgerlichen und„adligen" Stand eine Menge von„barmherzigen Samaritern", welche in allen Unglücksfällen oder Mißständen, sei es Ueberschwemmung der Ostseeküsten oder ein hungernder Invalide, eine Einäscherung von Dorf und Stadt oder ein kranker Schullchrcr, mit einer Armen- silndermiene vor das Publikum treten und in den jämmerlichsten Ausdrücken um milde Gaben flehen. Durch das Gebettel dieser traurigen Gesellen fühlt sich der Staat, welcher in den meisten Unglücksfällen unbedingt und ohne Umschweife verpflichtet ist, Ab- Hilfe zu schaffen, sobald er nur einen Funken von Anspruch auf den Namen„Staat" haben will, dieser seiner Verpflichtung über- hoben, während dann andrerseits einige Mucker, großprotzige Bourgeois und andere Individuen dieser Art in den Sammellisten als„Wohllhäter der leidenden Menschheit" glänzen können. Dieses Treiben ist um so verwerflicher, als auch der heutige„Staat", wenn in solchen Fällen allseitig und einstimmig Hülfe von ihm gefordert würde, sie nicht verweigern könnte. Jene„barmher zigen Samariter" sind also keine„Wohlthäter der leidenden Mensche heit", sondern sie leisten dem heutigen„Staat", indem sie an Stelle gerechter Forderungen die unmännlichste Bettelei stellen, in seinen egoistischen und reaktionären Bestrebungen den größt- möglichen Vorschub. — Moderne Folter. Wir lesen in preußischen Blättern: „Louise Kittmann, Tochter eines Klempnermeisters aus Bischofs- werda, 17 Jahre alt, war bei einem Fräulein Kabelitz in Grau- denz in Dienst getreten. Dieses Fräulein Kabelitz bewahrte in einem Spinde, zu dem die Kittmann Zutritt hatte, Geld in einem Beutel auf, worin sich Ende September außer Silbercourant auch ein Hundertthalerschein befand. Am 30. September vermißte Fräulein Kabelitz diesen Schein, und obgleich sie dazu nicht den geringsten Anhalt hatte, richtete sich ihr Verdacht sofort auf das Dienstmädchen, daß sie bei der Polizeibehörde als Diebin denun- zirte. Das Mädchen wurde daraus hin auf das Polizeibureau gebracht und es ward ihr hier eine Behandlung zu Theil, die ich nicht weiter näher bezeichnen mag, ihr schließlich auch angedroht, sie gefesselt nach dem Criminalgefängnisse zu transporttren, wenn sie nicht gestehe.— Um serneren Mißhandlungen zu entgehen und— wie das Mädchen sich später ausdrückte—,„um als Bürgertochter ihrem Vater nicht die Schande zu machen"— räumte sie endlich ein, den Hundertthaler- 'chein fortgenommen zu haben; sie wollte ihn erst ihrer Schwester, dann aber, ihre Aussage ändernd, einem andern Mädchen zur Absendung an ihren Vater gegeben haben.— Das Geständniß war nun da, wenn auch erpreßt.— Da nunmehr alle Bedenken gehoben, erfolgte die Ablieferung der Delinquentin an das Graudenzer Gericht.— An Leib und Seele gebrochen und an derGe- rechtigkeit Gottes verzweifelnd, hatte die Aermste bereits einige Tage in jenen Räumen zugebracht, als sich mit einem Schlage die ganze Sachlage änderte. Die Angeklagte wurde nämlich unter der Eröffnung, daß sich ihre Unschuld herausgestellt, aus dem Gesängniß entlassen. Wie dieselbe später erfuhr, hat die Denunciantin den Hundertthalerschein selbst aus dem Beutel herausgenommen und ihn aus Besorgniß in einem Uhrgehäuse aufbewahrt, diese für das Mädchen so unheilbringende Verbergung aber vergessen". Wir möchten nun wissen, worin und in wiefern sich ein solches Verfahren sowohl von dem der weltberücbtigten Inquisition oder auch der„hochnothpeinlichen HalsgerichtSordnung", jenes unter der glorreichen Regierung der frommen Maria Theresia ins Leben gerufenen„juristischen" Monstrums, unterscheidet! Wir finden näm- lach gar keinen Unterschied hieraus. Zweierlei aber vermissen wir ganz besonders: Wir lesen weder etwaS davon, daß dem armen Mädchen für die unschnldigenveise ausgestandene kannibalische Quälerei irgend eine Genugthuung— eine wirkliche Ent- 'chädigung für die Qualen der höchsten Angst kann eS ja nicht geben— zu Theil geworden sei, noch hören wir etwas davon, daß jene Helden der Polizei und jene Inquisitoren deS„Rechts", die dem Mädchen eine„nicht näher zu bezeichnende" Behandlung zu Theil werden ließen und welche die Schuld tragen, daß die Aermste„an Leib und Seele gebrochen" ist, für die verübten Greuelthaten zur Verantwortung gezogen worden sind. Doch halt — wir erinnern uns an ein Erkenntniß eines Breslauer Gerichtes, worin gesagt war, daß, wenn ein Beamter bei Ausübung seiner amtlichen Pflicht sich eines Verbrechens oder Vergehens schuldig mache, dann aber nachweisen könne, daß er die» V-rbrechen be- gangen in der Ueberzeugung, seine amtliche Pflicht damit zu erfüllen, eine Bestrafung wegen Amtsmißbrauchs nicht zulässig sei. Wir haben schon damals erklärt, daß demnach die Herren Beamten "ich derselben Rücksichten erfreuen, wie die Narren und die Ver- rückten und so wird man auch in Graudenz, wenn je Schritte gethan werden sollten, annehmen, die Herren Beamten seien der Ueberzeugung gewesen, sie erfüllten ihre Pflicht, indem sie ein armes unschuldiges Mädchen„auf nicht näher zu bezeichnende Weise" traklirten und ihr ein Geständniß abpreßten. Und wenn dies Alles noch nichts hilft, so ist ja zu guter Letzt immer noch Jener da, der Alle» auf seine breiten Schultern nimmt, wie ja auch der fromme Berichterstatter daS Opfer moderner Justiz „an der Gerechtigkeit GotteS" verzweifeln läßt. Die unge- heure Blasphemie, die in diesen wenigen Worten liegt und einen Menschen an der„Gerechtigkeit GotteS" verzweifeln läßt, weil von„göttlichen Ebenbildern", d. h. preußischen Polizisten und Bureaukiaten die unerhörtesten Gcwaltthaten verübt werden, illustrirt so recht zutreffend und unbeschreiblich wirksam die Albern- heit und Verlogenheit der Phrase vom heutigen„Rechtsstaat". In Frankreich der„Avenir National" unterdrückt wegen eines Artikels:„Nieder mit Chambord!" und Tag« darauf ein von de« Eigenthümer deS Avenir neugegründete» Blatt: La rille|de Paria (die Stadt Paris) ebenfalls unterdrückt, weil e«„offenbar nur die Fortsetzung" des Blattes sei, das sich deS Verbrechen» schuldig ga- macht, unter der„Republik" auf die Monarchie ein Pereat auS- zubringen! Das kennzeichnet die Lage. Inzwischen fahren die gesammten„Republikaner" fort, die Stimmen der königSlustige» Beisailler Krautjunker zu addiren und wieder zu addiren, und freuen sich kindisch, wenn das Exempel der„Republik" günstig ausfällt. Mögen die Leutchen da« Rechnen sein lasten. Wie die Februar- republik im Juni 1848, so wurde die Sept-mberrepublik in der blutigen Maiwoche" des Jahres 1871 todtgeschlagen. Ob der verfaulte Cadaver einen Tag früher oder später begraben wird, lebendig wird er nicht mehr. Und die„Füsilirten" werden nicht für einen Cadaver kämpfen. Solche Wunder geschehen auch in der Zeit der Salette-Jungfrau nicht. — In Spanien haben die„Insurgenten" von Cartazena in jüngster Zeit bedeutende Erfolge davon getragen. ES ist ihnen � gelungen, die Blokadc zu sprengen und die Flotte des Herr« Castelar unter die schützenden Kanonen der Engländer(nach Gi- braltar) zu treiben. Die„Insurgenten" sind nun unbestrittene Herren zur See, was ihnen den dreifachen Vortheil giebt, daß sie' sich nach Bedarf verproviantiren können, daß sie die übrigen Küsten- städte beherrschen oder bedrohen, und daß der spanische Seehandel ihnen auf Gnade und Ungnade überliefert ist. Unter solchen Um- ständen hat Herr Castelar sehr wenig Aussichten, der„Jnsurrek- l tion" Herr zu werden; wohl aber haben die„Insurgenten" sehr' begründete Aussichten, Herrn Castelar zur Raison zu bringen. Trotz seiner großmäuligen Proklamationen und verlogenen Sieges- büllelinS machen die Karlisten im Norden Spaniens beständige Fortschritte, und geben--der Madrider RegierungSarmie mehr als< genügende Beschäftigung; an die Abordnung größerer Truppen-> massen gegen Carihagena ist also nicht zu denken, und die spanische I Bourgeoisie, welche bisher für Herrn Castelar schwärmte, wird eS! bald müde sein, sich ihre Handelsschiffe von den Insurgenten, die I nach englischen Berichten schon für 800,000 Psd. Sterling(über � 5,300,000 Thaler!) Prisen gemacbt haben, wegkapern zu lassen. In Geldsachen hört die Gemüthlichkeit ans. Nach den neuesten Berichten ist die Flotte der Insurgenten nach Barcelona abge- segelt. Bestätigt sich dies, so könnten die spanischen Dinge leicht zu einer Krisis kommen. Barcelona, daS wichtigste und Volk- � reichste Jndustriecentrum und die revolutionäre Hauptstadt Spaniens, wax bekanntlich im Sommer auf dem Sprung, sich der Jntran- I sigenten-Erhebung anzuschließen, und wurde nur durch das ebenso I stupide als feige Gebahren der baknniftischen Anarchie-Esel davon j abgehalten. Eischeint nun die Flotte der„Insurgenten" vor der Stadt, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß das Proletariat dem! kontrerevolutionären Treiben der bakunistischen RevolutionSschwätzcr I einen Riegel vorschiebt und sich dem Aufstande anschließt. Ge- schieht dieS, so wäre die Regierung deS Herrn Castelar unzweifel- l Haft lahm gelegt; sie würde entweder vor dem unwiderstehlich an- schwellenden VolkS-Aufstand die Segel zu streichen, oder sich mit � ihm auf Unterhandlungen einzulassen haben; in beiden Fallen I wäre dem spanischen Proletariat die im Sommer versäumte Ge- t legenheit wiedergegeben. Es hängt jcht Alles davon ab, ob die! Schützlinge und Freunde pxx am gleichen Strang ziehenden Ber« 1 liner Hasselmänner noch stark genug sind, das Spiel der Regierung j zu spielen, oder nicht..— — Herr Leopold Sonnemann ist von der Anklage, welche ihm der Artikel„Die eigentlichen Schuldigen hinter den Coulissen" eingebracht hat— über die Verhandlung haben wir in der vor- letzien Nummer unseres Blattes berichtet— freigesprochen worden. DaS Erkenntniß der Strafkammer sowie der ganze Pro- zeß sind für uns von ungemeiner Bedeutung, denn die in dem Artikel aufgeführten Thatsachen sind ausdrücklich als richtig anerkannt. Also ist auch die Thatsache als richtig anerkannt, daß der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein durch seine Leiter mit der preußischen Regierung in Verbindung steht! Die großmäuligen Schreier vom„Neuen" sind damit so gründlich blamirt und an den Pranger gestellt, daß sie, wenn die von ihnen tcrrorisirten Massen nicht so sehr mit Bhndheit geschlagen und fanatisirt wären, gar nicht mehr öffemlich austreten könnten. Auch hat der„Neue" großprahlcrisch ausgesprochen, Sonnemann würde nicht den Muth haben, den Artikel voll und ganz zu vertreten. Sonnemann hat aber die Verantwortlichkeit nicht von sich ge- wiesen, sondern in jeder Beziehung dieselbe auf sich genommen. Nun, auch der„Volksstaat" wird mit dem„Neuen" ein Hühnchen rupfen und wird hoffentlich auch in Leipzig der Beweis geliefert werden, daß die Herren von der Sorte Hasenclever, Hasselmann, Tölcke u. s. w. nichts weiter als ganz gewöhnliche Agenten der preußischen Negierung sind! — Das letzte Heft der„Briefe deutscher Bettelpatrioten an Louis Bonaparte, von Bernhard Becker(Braunschweig, bei W. Bracke jr.) ist nunmehr erschienen. Der Verfasser hat dem letzten Heft noch eine alphabetisch geordnete Liste der einzelnen Bettelpatrioten beigegeben, waS wesentlich dazu beiträgt, den Werth � des Werkes zu erhöhen. Zur Festungshaft i« Preußen. Mit dem Artikel, den wir unterm 10. Oktober unter dieser Ueberschrift brachten, hatten wir in ein Wespennest gestochen. Am Montag den 20. Oktober scheint er zur Kenntniß der Komma«- dantur in Weichselmünde gekommen zu sein. Große Aufregung rief er daselbst hervor. Die strengste Bewachung, der strengste Verschluß; bei dem Besuche der nächsten Verwandten war der Polizei-Untcroffizier anwesend; während der Freistunden hatten die Gefangenen unmittelbar-neben sich oder hinter sich ihren offizielle« Wächter. Unsre Gesetzgeber sind Meister in der Kunst, Messer ohne Heft zu schmieden, denen nur die Klinge fehlt. Wir haben so eine Ministervcrantwortlichkcit bekommen, eS fehlt nur da» Heft, nämlich der berechtigte Kläger, und die Klinge, der berechtigte Richter. Wie beim Minister, so geht eS uns aber auch beim geringste« Polizeibeamten und Nachtwächter, wenn dieser auch noch rüder als rüde wäre. Wir hoben im vorigen Artikel stbon den Mangel einer gesetzlichen Regelung der Festungshaft hervor. EtwaS der Art scheint nun doch eingetroffen zu sein. Unterm 2. Juli d. I- ist nämlich ein Strasvollstreckungs-Reglement für daS Militär er- lassen, in welchem sich auch ein Kapitel über die Civil-Festungs- gefangenen befindet. An demselben Tage, an welchem der erwähn� Volksstaatsartikel erschien, ging der Kommandantur zu Weichsel' münde dieses Reglement zu. Danach fällt denn allerdings der Unterschied zwischen Civil- und Militär-FestungSgefangenen fort. [ D» Zahl der Freistundeu ist auf fünf pro Tag normirt. DaS Zimmer der Gefangenen soll nicht verschlossen werden; die Ge- fugenen gehen in den Freistunden innerhalb deS ihnen angewiesenen FestungStheileS ohne Aufsicht einher, sie dürfen während der Frei- stunden Besuche empfangen u. f. w. Nur einen bösen Haken hat die Sache. Wer garantirt den Gefangenen die Befolgung dieser Lorschriften? wer schützt sie gegen falsche Auslegung? Da sagt ein Paragraph geradezu:„Die Korrespondenz ist im Allgemeinen frei.« Da steht nun aber ein Nachsatz, daß der Kommandant berechtigt, ja verpflichtet ist, die Korrespondenz einzuschränken, wenn Nachtheile zu befürchten sind. Ein Lieutenant schickt einmal seinen Burschen aus, Streichhölzer zu holen; er solle aber probiren, ob sie gut sind. Der Bursche bringt die Streichhölzer, aber keinS brennt. Der Offizier schnauzt den Burschen an. Ja, sagt dieser, ich habe sie alle im Laden probirt und da brannten sie alle gut. Der Kommandant von Weichselmünde sagt:„Wenn ich nicht jeden eiozelnen Brief lese, kann ich auch nicht wissen, ob er nicht ge- jährlich ist.« Und so ist die Korrespondenz nicht„im Allgemeinen frei,« sondern wird im Allgemeinen kontrolirt Ja noch weiter! Auf Grund deS oben angeführten Paragraphen werden auch„ge- fährliche« Zeitungen den Gefangenen vorenthalten. Wie es mit ber Beschwerde an daS General-Kommando ist, haben wir bereits im vorigen Artikel erwähnt. Als der Kommandant von Weichsel- münde, Oberstlicutnant Overdyk, den FestungSgefangenen Wester- bürg und KokoSky in Gegenwart des Feldwebels und Polizei- -Unteroffiziers die betreffenden Instruktionen nebst Erklärung vortrugt erllärte denn auch KokoSky nach einigem Diüput:„Sie hätten sich und uns die Mühe sparen können; Sie handeln, wie es Ihnen nach Ihrem„pflichtgemäßen Ermessen« gut dünkt, und da wären uns bei Ihrer Interpretation die Instruktionen vollständig über Jedenfalls war seit der neuen Instruktion eine gewisse Erleich ' terung eingetreten; man hatte wenigstens nickt immer die Wache um Beine. Dadurch, daß der Unterschied zwischen den Gefangenen, i je nachdem sie Civil- oder Militärpersonen sind, fortfällt, wird unch ein besseres Verständniß für die Behandlung der Gefangenen fleweckt. Für die Gefangenen von We-chselmunde obwalteten nur besonders zwei böse Umstände, die vor allem darin ihren Grund hatten, daß bei Antritt ihrer Haft das Reglement von 1826 in i Geltung war. Nun hatte Kokosky wegen Borenthaltung der Zei- tungen beim General-Kommando Beschwerde geführt. Dieses wies die Beschwerde unter Hinweis des Reglements vom Juli 1873, ' wonach die Ueberwachung der Korrespondenz in daS„pflichtgemäße ' Gemessen« der Kommandantur gestellt wäre, zurück. Als nun nachträglich dieses Reglement in Weichselmünde eingeführt wurde, hatte der Kommandant also schon im Voraus ein Präjudiz für bie Auslegung des obe» erwähnten Paragraphen von der„im Allgemeinen freien" Korrespondenz. Der zweite mißliche Unstand ist der unterm Druck des alten Reglements entstandene Kampf, > bter nun weiter geführt wird. Diesem Drucke hatte der vorige i Artikel seinen Ursprung zu danken. Wie bereits gesagt, kam derselbe am 20. Oktober zur Kenntniß ! beS Kommandanten. Dieser schloß nun, daß die Mittheilungen ckon Einem Gefangenen herrührten. ES war nun eine eigne Zu muthunz, von diesen eine Erklärung zu verlangen, ob sie Mit theilungen nach außen gemacht hätten. Wer diese Frage verneinte, hätte damit zugleich eine Beschuldigung gegen den Mitgefangenen erhoben. Lange schwebte die Entscheidung iu der Angelegenheit. Einer muß es doch gewesen sein, also fassen wir Beide, das war oer salomonische Spruch, und damit fiel denn der schmetternde Blitz am Mittwoch den 29. October Nachmittags, auf die Häupter der beiden Gefangenen, und zwar in Form achttägiger Entziehung der Freistunden und Besuche. Wenn nur wenigstens die Gefan« genen das Vergnügen gehabt hatten, das„vorpuz delicti," den betreffenden Artikel im„Volksstaat" zn lesen! Aber auch dieses Vergnügen blieb ihnen bisher versagt. In der Strafoerfügung steht nur eine Kritik des Artikels, indem daselbst behauptet wird, daß er„unwahre und entstellte« Thatsachen enthalten. Nun, diese Behauptung des Herrn Kommandanten weisen wir entschieden Zurück; wir stehen für die Wahrheit des vorigen Artikels in allen Stücken ein und die Rücksicht auf die Gefangenen ließ uns Uber Manche«, was wir sonst noch mitthcilen könnten, schweigen. mit 150 Thaler Kapital-Einlage ihren Leuten eine Krankenkasse Sie lant Coupon da« Geld nur vorgeschossen hatte», während *4- sv C>«At«(Ta«___?..___ n CV 7.__-....-1- ff_______ l..c» i_____ rvi I..„, gegründet haben als Ersatz für unsere VereinS UuterstützungSkasse; auch sollen verschiedene Dotationen an Leute gezahlt worden sein, die während de» Kampfes der Polizei auf den Bahnhöfe» behülf- lich waren. Solche Kreaturen gibt e« natürlich überall und sind diese leicht erkennbar! Sollten Kräfte für die uns befreundeten Arbeitgeber in Leip- zig sowohl wie Hamburg nothwendig sein, wa» nicht lange mehr dauern wird, da der Pferdefuß bei den Gegnern schon erheblich sichtbar wird, so werden wir das z. Z. berichten, und werden wir gern bereit fein, die geeigneten Kräfie obigen Herren zuzuführen. DaS Sammeln der UnterstützungSgelder für ausgesperrte College» ist bis auf Weiteres einzustellen. Die fpecielle Abrechnung für die ausgesperrten Leipziger Colle- gen erfolgt nach geschehener Rechnungslegung. Mit Gruß und Handschlag A. Zabel, Vorsitzender. NB. Auch mache ich die Mittheilung, daß das Steinmetz-Ge- schäft von Einsidcl zu Leipzig gegen mich eine Klage wegen Auf- reizung zu Haß und Verachtung anläßlich des von mir am 27. Juli im„VolkSftaat« veröffentlichten Artikels angestrengt hat. Termin ist der 26. November. Auch begehrt obiges Geschäft die nur kleine(!?) Buße von 500 Thlrn. Zum Bevollmächtigten ist ernassnt für Nienburg a. d. W C. Lachmann. D. O. SÄT Correspondenzen Gewerksgenossenschaftliches. Verein der deutschen Steinmetzen. Nerki«, 23. Okt. Sämmtlichen Collegen zur Kenntniß, daß ltber die eingesandten Unterstützungs-Gelder die specialisirte Ab- rechnung der seit März d. I. vom ArbeitSauSschluß berührten Mitgliedschaften, Witigendorf, Schkeuditz, Loderstebcn, Hamburg, UraftSdorf, Eilsdorf in 2 Exemplaren an jede Mitgliedschaft vcr- sandt ist. Im Falle deS NichteintrefsenS betreffender Abrechnungen bitte ich, mich sofort zu benachrichtigen. Die Einnahme beträgt von den Mitgliedschaften deS Vereins, einschließlich der von Berlin nach Leipzig gesandten 450 Thr. 4,195 Thlr. 3 Sgr. 7 Psg. Außerordentliche Beiträge gingen ein: von den Gewerkschaften zu Hamburg 77„ 6„ 6„ von den Collegen aus Wien 70„—„—„ vom Allg. d. Maurer- und Stein- hauervercin durch Hrn. Grottkau 50„—„—„ von Zeitz erhalten 2„—___„—» Summa der Einnahme 4,394„ 10„ 1„ Die Ausgabe beträgt nach den aus- gesandten konstituirendcn Abrech- »Hingen besagter Mitgliedschaften 4,356„ 18„ 1„ Bleibt Bestand 61„ 27„—„ Wir sagen somit allen Denen, die uns in diesem so langen und schweren Kampfe so opferfreudig unterstützten, den wärmsten Dank, und werden auch wir stet« auf dem Posten sein da wo es gilt des Arbeiter« Rechte zu vertheidigen. WaS den seit dem 12. Juli in Leipzig von dem Verein der Inhaber von Steinmetz-Geschäften in Scene gesetzten AvbeitS-Aus schluß anbelangt, so sei erwähnt, daß dem Bevollmächtigten E Fischer, nachdem derselbe zum zweiten Mal die Herren schriftlich ersuchte, die bekannte Resolution, Ablieferung der Karte rcsp. Sta- tutenbuch betreffend, doch'zurückzuziehen, die Weisung zuging, daß ein Jeder willkommen sei, der sich ersterer Bedingung(Ausscheiden aus dem Verein) untcnvirft. Ferner ist eS den Herren nur durch »hr fortwährendes persönliches Agitiren, sowie ihren honigsüßen, glatten Worten gelungen, 70 Mann Heranzuziehen, worunter auch Nnige ehemalige BercinSmitgliedcr; von diesen sind zwei Drittel, die man sonst bei Friedenszeiten wohl nickt eingestellt hätte. ES »st demzufolge von unS der Kampf eingestellt. Selbstredend ist cS Pflicht jedes Steinmetz- Gesellen, unter desagten Umstände» Leipzig ebenso wie Hamburg nicht zu be- rühren. Auch sei erwähnt, daß die besagten Herren in Leipzig Leipzig. In Nr. 4 der„Allgemeinen Buchbinder- zeitung" lesen wir: „Zu wiedeiholten Malen haben die Buchbinder Versuche ge- macht, durch geschlossenes Borgehe)t ihre Lage zu verbessern; daß es bisher nie gelungen, lag theilS au dem Mangel ruhiger und übersichtlicher Leitung; theits an der' Masse derjenigen Kollegen, welche zwar ihre traurige Lage begriffen, aber nie den Muth halten, wie Männer für ihre Interessen einzutreten, momentan Opfer zu bringen, ohne welche noch nie �etwaS Dauerndes geschaffen wurde. Gegenwärtig sehen wir die neue Bewegung der Buchbinder — nackdem in Hannover und May»; durch festes Standhalten derselben Bedeutendes errungen wurde)»—: die Leipziger Buchbinder- gehilfen im Kampfe um einen Tarif, Hn welchem für die größeren, besserzahlenden Ojfizinen eine LohnerMhung von nur 10 Prozent nothwendig wird. Doch nicht über j>en Kampf selbst— da der Streit um wirthschaftliche Interessen-uur durch Kampf beigelegt, resp. entschieden wird—, sondern über die Act und Weise des Kampfes und besonders wie derselbe von Seiten des Leipziger Buch- bindereibesitzcr-VecbandeS aufgenommen wurde und fortgeführt wird, wollen wir uns einige Betrachtungen«rlauben. Die erste Frage ist: Sind die Buchbinver berechtigt, eine Lohn- erhöhung, einen Tgrif zu verlangen? Die Frage ist sehr bald beantwortet. Sehen wir unS den größten Theil der Offizinen an, in welchen zunächst nicht« mehr als genügende Ventilation fehlt! Und gerade bei der Buchbinderei wäre von Seiten der SanitätS- polizei darauf zu sehen, daß diesem Äebelstande abgeholfen werde. Sehen wir unS die blassen, abgemagerten Gesichter des größten TheilS der Buchbindergehilfen an und forschen wir nur einigermaßen nach den Ursachen, so finden wir, daß die gegenwärtigen Lohnver- hältnisse den Arbeiter zwingen, seine Gesundheit, sein ganzes Leben in einer kurzen Reihe von Jahren zu opfern! Die Statistiken liefern den Beweis, daß die Schwindsucht eine Buchbinder- kcaukheit ist. Trotzdem und lrotzalledem sehen wir die Leipziger Buchbinderei-Besitzer in einer Art Front machen gegen den Tarif — welcher, nach der Ansicht jedeS richtigen Geschäftsmannes ein Bedürfniß ist, nur eine„Regelung" der Löhne Herbeiführen soll und eine bedeutende Entwickeluug de» Gewerbes nach sich ziehen kann— die gewiß nicht zu billigen ist." DaS einzusehen wäre von den HH.„Prinzipalen" zu viel ver- langt. Der unbezähmbare Trieb nach Bereicherung, welcher unfern „Geschäftsleuten" innewohnt, macht sie gegen alle Einwendungen deö gesunden Menschenverstandes und der Menschlichkeit taub und blind, eine Thatsache, welche nicht zum Wenigsten die UnHaltbarkeit der heutigen Zustände bewirkt. Whänih, 28. Oktbr. Die Volksversammlung, welche für ver- angeneu Sonntag angemelvet war, hatte eine große Zahl von ändleuten aus dem Ort und aü« der Umgegend herbeigezogen. DaS GerichtSamt Moritzburg aber, welches jedenfalls aus der löb- lichen Ansicht, daß daS am Abend stattfindende Tanzvergnügen vor 8 Tagen die Volksversammlung am Nachmittag beeinträchtigen könnte, dem Wirthe bei 10 Thaler Strafe verboten hatte, am Nachmittage Volksversammlung und am Abend Tanzvergnügen abzuhalten, hatte sich diesmal veranlaßt gefühlt, die Volksversamm lung deshalb nicht zu genehmigen, weil es, daS Gerichtsamt näm lich, zum allgemeinen Bcdguern seiner bisherigen Angehörigen, in der Auslösung begriffen sei, und deshalb, am Sonntag, keinen Beamten entbehren könnte, der mit der nothwendigcn Ueberwachung betraut werden müßte. In Folge dessen konnte auch nur eine ge fellige Zusammenkunft übrig bleiben, in welcher einige der An wesendcn unter großer Aufmerksamkeit der Ucbriaen sich über Welt, Leben und Zeitverhältnissc aussprachen, so besonders Walster, Petrich und Petzold, und wo man sich darüber mit den Am wesenden einig fühlte, daß zur Durchsetzung der natürlichen Menschen rechte die ReichstagSwahlen dazu benützt werden müßten, eine» wirklichen VolkSmann, hier speciell den jetzt noch gefangenen Lieb- knecht zu wählen, und nicht wieder einen Mann, wie den General- staatSanwalt Dr. Schwarze, der wegen Maßregelung der ander« denkenden Staatsbürger, insbesondere der wirklichen BolkSkandidaten, der Sozialdemokraten, als Vertreter und Mitglied der Staats- regicrung in erster Linie mit verantwortlich zu machen ist. �(Dr. Volksb.) Aerkin. An die Schreiner-Union zu Mainz. Betreffs Ihrer Anfrage auf dem Kongreß zu Nürnberg erlaube ich mir Folgendes zu entgegnen: Aus Ihre Anfrage in Nr. 15 des„Bolksstaat" über den Verbleib der 50 Gulden, welche unS am 23. November vorigen JahreS zur Unterstützung des Berliner Böttcher-Strikes von der Mainzer Schreiner-Union geschickt worden, und die in der Abrechnung nicht mit eingereiht gewesen sind, verweise ich Sie auf die Beitage des„Volksstaat" Nr. 19, in welcher wir die Er- klärung abgegeben haben, daß das Geld vorhanden ist, und zu welchem Zweck eS verbraucht worden ist. Da wir von Ihnen weiter keine Nachfrage erhielten, glaubten wir, daß Sie zufrieden- gestellt waren. Ferner werden Sic wohl wissen, daß c« nach einem Strike ohne Maßregelungen selten abgeht, und von solchen sind auch wir nicht verschont geblieben. Gleich nach dem Strike batten wir 40 Mann 4 Wochen lang zu unterstützen, und Sie werden daher wohl zugeben, daß zu deren Unterstützung mehr als daS erübrigte Geld erforderlich war. Ueberhaupt erstaunten wir, daßsschafsung wir aus Ihren Briefen und au« dem„Volksstaat« nur auf eine bedingungslose Unterstützung schließen konnten. Sollten Sie ein- mal zu einem Strke gezwungen sein, dann können Sie sicher darauf rechnen, daß wir Sie wohl unterstützen, aber nicht auf Borschuß unterstützen werden. Im Auftrage des Vorstandes: R. Gintzcl. ßrfurt. Angesichts der nahenden ReichstagSwahlen machten sich Sonntag, den 19. Oktober, mehrere Mitglieder der sozial- demokratischen Arbeiterpartei auf, um einige nächstliegende Dörfer zu besuchen und die Landbewohner möglichst in die Arbeiterbe- wcgung mit hereinzuziehen, sie aber besonders auf die Wichtigkeit dieser Wahlen aufmerksam zu machen. Dieser erste Versuch gelang vollkommen, denn schon bereits acht Tage später, den 26. Oktbr., hielten wir eine Volksversammlung in dem eine Stunde von hier entfernten Dorfe GiSbersleben ab. Zu dieser Versammlung hatten sich die Erfurter Parteigenossen zahlreich eingefunden. Die Be- wohner de« Dorfes selber waren nur schwach vertreten, waS seinen Grund darin habe» mochte, daß der Einberufer die Erlaubniß erst den Tag vorher, Nachmittags, erhielt und die Versammlung daher nur ungenügend bekannt gemacht werden konnte. In das Bureau wurden gewählt Parteigenosse Kühn als Vorsitzender und Unter- zeichneter als Schriftführer. Das Referat hatte Parteigenosse Jmhof übernommen. Derselbe schilderte in einstündiger zündender Rede die Ziele der Sozialdemokratie, wobei er besonders auf der Lage der ländlichen Arbeiter fußte. Unser Wahlspruch sei: Gleiche» Recht und gleiche Pflichten. Jndeß heute gäbe es in der Gesell- schaft zwei Klassen, die Arbeitende, und die, welche von dem Schweiße des Arbeiters zehre. Eine Aenderung dieser Zustände müsse geschehen, und dazu müsse die gesammte Arbeiterweit, wozu auch der ländliche Proletarier gehöre, die Hand bieten, und darum sei es jetzt von der größten Wichtigkeit, bei der bevorstehenden Reichs- tagöwahl einem Manne die Stimme zu geben, der die Lage des AibeiterS kenne und welcher wisse, wie es in dessen Hütte aussehe. Der ländliche Arbeiter müsse mit dem industriellen Hand in Hand gehen, denn die beiderseitigen Interessen seien solidarisch; der Druck des Kapitals sei derselbe; auch der ländliche Arbeiter habe mit- zukämpfe» für die Befreiung deS Arbeiterstandes. Nachdem noch der Vorsitzende und Parteigenosse KrauthauS sich in demselben Sinne ausgesprochen, wurde die erste aus dem Laude abgehaltene Versammlung geschlossen. Die anwesenden Landleute, meistentheils Arbeiter, hörten den Rednern mit gespannter Aufmerksamkeit zu und man sah eS ihnen an, daß ihnen aus den Herzen gesprochen war. Bei unfern Weggänge wurde allgemein der Wunsch laut, bald wieder eine solche Versammlung abzuhalten. Zum Schluß wurde noch der Anti-Syllabus verlheilt. So wäre denn der erste Schritt gethan und die Agitation unter der Landbevölkerung ei öffnet. Wir werden alles mögliche aufbieten, um das„Gift" der Sozialdemokratie auch auf das Land zu tragen um bei den nächstens stattfindenden ReichstagSwahlen wenn auch keinen Sieg so doch eine achtunggebietende Slim- menzahl auf unseren Kandidaten zu vereinigen. Jetzt tritt die Pflicht an Diejenigen heran, welche bereits die Ziele der Sozial- demokcatie als die richtigen erkannt haben, der Partei neue Mit- glieder, und somit neue Kämpfer zuzuführen. Mit SchönheitS- pflästerchen löst man die soziale Frage nicht, hier kann nur eine vurchzreifende radikale Reform helfen. Die Verhältnisse werden immer drückender, sie werden sich unter den heutigen gesellschaft- lichen Zuständen nie zum Bessern wenden. Also Parteigenossen treu und fest zur Fahne gehalten. Hermann Götze. grfurt, 28. Ottoder. An die Parteigenoßen Thüringens! Unter dem heutigen Datum haben wir, nachdem die Parteigenossen zn Weimar das AgitationScomitö aufgelöst, dasselbe gebildet. Zu- gleich bitten wir die Vertrauensmänner und Bevollmächtigten Thü- ringenS, unS in Kenntniß von den etwa abzuhaltenden Versamm- lungen sowie der nöthigsten Agitation zu setzen, und ersuchen wir auch die Agitatoren sowie sonstige Rednerkräste, unS ihre Adresse zukommen zu lassen. Gewählt wurden: H. Jmhof, Vorsitzender, I. Rudolph, Schrift- führer, beide Gotthardlstraße 29; F. Fritz, Kas sirer, Neuegass- 5; W. Hesse, C. Th. Kühn als Beisitzer. Parteigenossen! Wir haben eine Arbeit unternommen, die um so schwerer für uns ist, als wir von ganz anderen Verhältnissen umgeben sind, als eS bei dem bisherigen AgilationScomitö der Fall war; aber um so leichter wird uns die Arbeit werden, wenn Ihr, Parteigenossen Thüringens, Euch Eurer Pflicht bewußt seid, die zu erfüllen ist dem Agitationscomils gegenüber. Ebenso werden auch wir alles ausbieten was in unfern Kräften steht, um den Anforderungen der Parteigenossen Rechnung zu tragen. Gehen wir daher gemeinschaftlich ans Werk und bedenken wir, daß die Reichstagswahlen vor der Thür stehen, wo sich von selbst die Nothwendizkeit der Agitation für jeden Einzelnen ergibt. Jedoch, mögen sich besonders die Parteigenossen in Thüringen am Herzen gelegen sein lassen, nicht bloS zu agitiren für augenblickliche Vortheilc, nein, sondern sie haben ihr Augenmerk auch auf die Organisation der Partei und deren innere Kräftigung zu richten, damit die Prinzipien der Sozialdemokratie in dem Herzen eine« jeden Arbeiters, Bürgers und Bauern Wurzel schlagen. Denn gesetzt auch den Fall, unsere Reihen zählten nach Tausenden', WaS würden sie uns nutzen, wenn sie unklar in den Ideen, sich nur von momentaner Begeisterung fortreißen lassen? Dagegen werden 100 Mann, von der Idee durchdrungen, weit mehr zu leisten im Stande sein, als diese Tausende. Treten wir daher mit neuem Muth und mit neuer Kraft in den Kampf Mann für Mann, und wir können dann eher aus Erfolg rechnen. Mit sozialdemo- kratischem Gruß Das thüringer Agitationscomitö: H. Jmhof, Vorsitzender, I. Rudolph, Schriftführer. cholha. Nachdem eine frühere Versammlung in dem dreicin- halb Stunden von hier entlegenen Marktflecken Friedrichswerth mißglückt, fuhren wir am Sonntag den 19. Oktober, 6 Parteige- Nossen an der Zahl, abermals nach besagtem Ort. Dem Gemeinde- Diener, der in unserem Auftrage die Versammlung auSschellte, wurde von dem Pastor und Landtagsabgeordneten Trimpelmann daS Ausschellen auf offener Straße untersagt. Auf unser Befragen, mit welchem Recht er dies verbiete, erklärte er: Die Schelle sei Gemeinde-„Eigenthum" und dürfe ohne Beschluß des Gemeinde- Vorstandes nicht zu anderen Zwecken benutzt werden. Wir erklärten für Abnutzung der Schelle zahlen zu wollen und machten ihn darauf aufmerksam, daß er doch den Wunsch geäußert, daß wir nur koni- men möchten und da wir nun gekommen, suche er aus diese Weise die Versammlung zu hintertreiben. DaS Ausschellen ging weiter. Die Versammlung war außer dem Pastor, einem Gensdarm und einem Assessor mit den Akten unterm Ann, so ziemlich besucht. Ich sprach über die ReichStagswahl und für die Kandidatur unse- res Abgeordneten, erklärte, daß unsere Kandidaten für folgende Grundsätze im Reichtag eintreten würden: Für das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht im Staat und den Gemeinden, Ab- der indirekten Steuern, Einführung des obligatorischen Schulunterrichts, Abschaffung des stechenden Heeres u. f. w. Nach- dem ich noch den heutigen Reichetag in seiner wahren Gestalt gezeigt, trat nach mir der Pastor Tr. auf und sprach also:(wohl wissend, daß die Anwesenden mit meinen AuSsthrnngcn einver standen): Er könne stch nach meinen Ausführungen der Bersamm lung als Kandidat vorschlagen, eS sei vollständig richtig, was ich gesagt. Viel würde an den Arbeitern gesündigt u. f. w. Er ac ceptire mit Ausnahme der Abschaffung de» stehenden Heere» sämmt lilbe», wa» ich gesagt. Der Pastor erging sich nun in einer Lob' Hudelei deS Kasernenthums, so daß einige natürlich Bcsserfituirte mit dem Zeichen auf der Brust sich eine» Hurrah» nicht erwehren konnten. Ich machte dem Pastor klar, daß e» un» keineSwcg» wundere, wenn ein Liberaler oder Junker dem Mo»d»patrioti»muS huldige, daß eS ihm al» Priester, der nur die Religion der Liebe predigen und in jedem Menschen nur den Menschen, nicht aber einen Erbfeind erkennen dürfe, schlecht anstehe, in MordSpatrio- tiSmS zu madien. Hierauf erwiderte er:„Krieg fei von Anfang der Welt gewesen und werde fort und fort bestehen". Bravo! Herr Pastor Tr. An Ihnen ist ein neuer Kulturkämpfer entdeckt worden. In einer Pause äußerte der Herr Pastor �u mir, daß er für die ganzen Prinzipien der Sozialdemokratie einstehen würde, wenn wir nicht zu sehr da» religiöse Gefühl in den Hindergrund drängten. Ich erwiderte ihm, daß wir darin keinen Trost wehr fänden, indem die Wissenschaft längst darüber im Reinen sei, daß das Weltall nicht durch den Willen eines Wesen» geschaffen, vielmehr allmälig entstanden sei. Schließlich erklärte er noch, daß der Krieg nur durch die Sünde und nicht, wie ich meinte, durch Habsucht und Ländergier entstehe, nahm sodann seine sieben Sachen und ging heim. ES gelang un» noch, eine Mitgliedschaft der Hand- und Fabrikarbeiter zu gründen und wir mußten versprechen, recht bald wieder zu kommen, um bei der weiteren Constituirung behülf- lich zu sein. Der Herr Pastor Tr. hat e» aber vorgezogen, von der Kanzel herab, wo man ihm nicht widersprechen kann, einen Vortrag über die„falschen Propheten" der Neuzeit zu halten. Auf wen obige Bezeichnung am besten paßt, will ich dahin gestellt sein lassen. W. Bock. Nraunschweig. Die am 28. Oktober im hiesigen„Odeon" abgehaltene Metallarbciter-Vcrsammlung war zahlreich besucht. In eivstündiger Rede referirte Luber über die Gewerkschaftsbewegung und zeigte an verschiedenen treffenden Beispielen, daß die Arbeiter ihre unmenschliche Lage nur dann verbessern können, wenn sie der Gewerkschaftsbewegung sich anschließen und organisirt die heutigen Zustände bekämpfen. Redner beleuchtet nach allen Richtungen die Noihlage der arbeitenden Klasse, welche nur eine Folge der Heu- tigen ungerechten Zustände sei; deßhalb müßten sich die verschie- denen Arbeiterkorporationen organisiren und die Schaffung besserer Zustände anstreben. Redner schließt, indem er den Versammelten zuruft:„Die Metallarbeiter haben in erster L>nie mit ihrem Schweiße den in den Händen der besitzenden Klasse befindlichen Nationalreichthum geschaffen, die Metallarbeiter sind eS, welche die Waffen für die herrschende Klasse geschmiedet haben, die Metall- arbeiler müssen auch die Ersten sein im gerechten Kampfe für die Befreinng der Arbeiterklasse!"— Nachdem noch die Herren Müller, Weißwange u. A. die Versammelten zum Zusammenhalten ermun- tert hatten, erfolgten zahlreiche BeitrittS-Erklärungen zur Gewerk- schaft und wurde sodann die Versammlung mit einem Hoch auf die Gewerkschaftsbewegung geschlossen.(Br. Volksfr.) Ztuisüurg, 27. October. Am verflossenen Samstag, den 2K. Ociober hatle der Bevollmächtigte des Allgemeinen deutschen Arbeiier-Vereins, Brinkmann, eine Versammlung aus die Schützen bürg einberufen mit der Tagesordnung: l) die ReichStagSwahl; 2) die Menschenrechte, worüber Herr Hafenklever und Ehren Hörig referiren sollten. Wir waren nalürlich auch zur Stelle, mit uns Genosse Ries auS Cöln. Als das Bureau gewählt war, nahm RieS das Wort zur Geschäftsordnung, um den Antrag einzubringen, daß jedem Referenten nur eine halbe Stunde Redezeit zu gestatten fei, damit jeder Redner zum Worte komme. Aber was geschah da! Ein Haufe dressirter Schulknaben erhoben sofort ein so furcht- bares Geheul, daß Herr Ries sich genöthigt fand, den Borsitzenden zu ersuchen, den Knaben Stille zu gebieten, oder sie herausbringen zu lassen. Herr Hasenklever bei utzte dieses nun, um der Versamm- lung glauben zu macbcn, Herr Ries sei ein Pclizeispion und jetzt wurde der Lärm noch schlimmer. Herr RieS ließ sich jedoch nicht irre machen und sprach weiter. DaS behagte dem Herrn Polizei- Inspektor so wenig, daß der internationale RieS sprechen sollte, wie Herrn Hasenklever, denn der Polizei Inspektor trat auf die Tribüne und gebot Ries dieselbe zu verlassen. Da wurde freilich jedem denkenden Me, schen die Sachlage völlig klar. Nach diesem Intermezzo sprach Hasenklever über den Reichstag und dessen Thätigkeit, wobei er zwar die Bourgeoisie gebührend mitnahm, die Regierungspartei aber und besonders den Herrn Bismarck sehr zärtlich anfaßte. Sonst brachte Redner nichts besonderes vor. Nach Hasenklever nahm nun wieder Parteigenosse RieS daS Wort, um den Reichstag in das rechte Licht zu stellen. Man möge sich nun die Bornirtheit der dressirten Marionetten des Allgemeinen deutschen Arbeiter Vereins denken, denn als Ries in seiner Rede sagte, der König von Preußen, oder richtiger„Sr. Majestät", wie Herr Hasenklever sagte, bekomme jährlich 4 Millionen Apanage und für die Schule würden jährlich in Preußen nur 2 Millionen verausgabt, schrie die sanatisirte Masse ins Blaue hinein:„E« ist gelogen, eS ist gelogen!" Hasenklever bestätigte indeß die Aussagen des Herrn R>eS, während der Herr Dreeebach der Versammlung zu rief:„Meine Herren, lassen Sie den Redner doch seinen Unsinn aussprechen." Wenn Herr RieS dann wieder über den König von Preußen sprechen wollte, war der Teufel loS, daS irrgewordene Volk schrie wieder:„Es ist gelogen!" DaS war ein Durcheinander, daß kein Vernünftiger mehr etwa» ausrichten konnte und wir ent- schlössen uns zu gehen. Einige vom Allgemeinen deutschen Arbeiter- Verein jedoch ermuihigt durch da» Auftreten de» Herrn Polizei- Inspektors, versuchten nun Streit zu provociren, indem sie an un» herankamen und un» mit Schimpfwörtern, wie Spitzbuben. Banditen, Lumpen ic. tractirten. Um nun der Polizei keinen Grund zum Einschreiten zu geben, worauf e» die vom Allgemeinen deutschen Arbeiter-Berern abgesehen hatten, verließen wir, ohne zu antworten den Saal und glaubten nun ruhig nach Hause gehen zn können, aber was ist geschehen? Der Vertrauensmann, der zuletzk den Saal verließ, wurde von einem Haufen unter Anführung des benannten Brinkmann angefallen und versetzte man ihm fünf Messerstiche auf den Kopf. Solche Leute wollen sich nun Sozialdemokraten nennen; Leute, die angeblich die heutigen ungerechten Zustände kiitistren wollen, Leute, die jede mögliche Freiheit haben wollen, gönnen andern dieselbe Freiheit nicht. Wie verträgt sich da» mit der Demokratie? Da» wollen wir den redlich Denkenden zur Be- urtheilung übergeben. Hasenklcver'S Kandidatur ist hier pfutfch. Wir weiden den Arbeitern de» KieiscS Duisburg siyon Herrn Hasenklever und seine Gesellen in» rechte Licht stellen und ihnen sagen, wo sie hin gehören. Herrn Hasenklever'» Kandidatur hat in Folge dieser Brutalitäten hier sehr schlechte Aussichten, denn eS wird keinem ordentlichen Arbeiter einfallen, einem Manne feine Stimme zu geben, der sich eine Leibgarde geschaffen hat ähnlich den Dezembristen de« dritten vonaparte. Math. Gestern war hier eine VolkS-Bersammlung einberufen durch die Herren deS Allgemeinen deutschen Arbeiterverein» Hasen clever, Tölcke und Hörig. Trotz de» schlechten Wetters war die Versammlung von hier und aus der Umgegend ziemlich gut bc sucht, wie denn auch hier die Arbeiter mit der Zeit einsehen, daß eS Zeit ist, sich zusammen zu thun, um'vereint dem Bourgeois- thum entgegenzutreten. Nur schade, daß die Agitation in hiesiger Gegend durch obengenannte Menschen betrieben und für unsere Partei hier nur wenig agitirt wird, trotzdem der Boden sehr gut für un» ist. Was un» aber sehr frappirte, waren einige Gedanken dieser Herren, die sie in bewußter oder unbewußter Naivetät vom Stapel ließen. Z. B. durch da» Wahlrecht sei die Sozialdemo- kratie herzustellen. Ein so absuder Gedanke, daß man ihn nur bei dem bekannten Schwadroneur Tölcke suchen sollte. Wir wollen hoffen, daß auch hier den Arbeitern die Augen aufgehn, damit sie einsehn lernen, daß sie durch den alleinseligmachenden Vor- schlag LassalleS nie aus einen grünen Zweig kommen, und nur ihr Ziel vereint mit un» erreichen werden. Mit sozial- demokratischem Gruß A. Syhr. R. Haifig, Buchbinder. Augsburg, 27. Oktober. Samstag den 25. Oktober fand hier in den„Drei Königen" eine stark besuchte Volksversammlung statt, in welcher unser wohlbekannter Landsmann und Parteigenosse Most von hier in Folge seiner Ausweisung auS dem„freien" Sachsenlande über das Thema„Die heutige Produktionsweise" referirte. Die Kopf an Kopf gedrängte Arbeiterschaft folgte dem Redner mit gespanntester und begeistertster Aufmerksamkeit. Als Most in seiner Ausführung bewies, daß das heutige System der Produktion an und für sich den bittersten Haß der Arbeitenden und Nichtarbeitenden zur Folge haben müsse, ermannte sich der überwachende Polizei-KommrssariuS und— löste die Versammlung auf. Der in Gefahr befindliche Staat ward wieder gerettet und die Zuhörer von„jäher That"— glücklicher Weise abgehalten.— Am Sonntag Vormittag wurde eine Versammlung der Metall- arbciter und Nachmittags in Lechhausen eine Arbeiterversammlung abgehalten, in welch' beiden Most ebenfalls referirte. In klaren Worten schilderte er die Lage der Arbeiter— geißelte besonders den Egoismus, der überall gegenwärtig triumphire und mahnte die Arbeiter, die gegenwärtige Zeit nicht durch fluthätigkeit zu vergeuden, während sich ein sozialer Umwälzungsprozeß trotz Polizei und Militarismus vollziehe, der nur zum Heile des arbeitenden Volkes führen könne und durch dessen einmüihiges Eingreifen mit aller Macht beschleunigt werden müßte.(Ztgst.) ghtingen. Endlich gewinnt die Gewerkschaftsbewegung Ein- gang bei den betheiligtcn Kreisen. Organisirt sind an unserem Orte die Tuchmacher, Handschuhmacher, Golrarbeiter, Buchbinder, Schuhmacher und in jüngster Zeit hat sich dec Fachverein der Spengler und verwandter Zweige m-t 72 Mann konstituirt und durch die Anregung N°rck'S, der auf seiner Durchreise vom Holz- arbeiter-Congreß einen Vortrag hielt, ist die Gründung einer Holz- arbeitergewerkschaft mit vorläufig 34 Einzeichnungen erfolgt. An- thcilscheine sind kürzlich zur Genosscnschaftsdruckerei 11 unterge- bracht worden; unsere Freunde in Schw. Hall werden hierdurch ersehen, daß wir Eßlinger nicht schlafen. Allerdings muß noch man- che» besser werden; die 18 t rt ArbeiterbildangSvereiu. Sonntag: 1—3 Uhr Zeichnen. Montag: Gesang, Turnen, Stenographie, Rechnen. Dienstag: Deutsche, englische und ftanzöficht Sprache; Schönschreiben. Mittwoch: Diskussion oder Bor- trag. Donnerstag: Gesang, Stenographie, Turnen, franz. Sprach«. Freitag: Buchführung, engl. Sprache, Wechselkunde. Sonnabend: Bortrag oder Diskussion.______[toi] 4V t II 1 1 kt Internationale Metallarbeitergewerkschaft. TV i) Sonnabend, den 8. November, findet da, erste Stiftungsfest im Saale dt, Pantheon hier statt, bestehend au, Conrert, Festrede und Ball. Anfang Abends 8 Uhr.— Programms für Herren 2'/, Ngr. und für Damen 1'/, Ngr. find von Montag, den 20. d. Mts. an bei Herrn Arnhold, Reudnitzerstr. 10, im Arbeiterbildungsverein und an der Sasse zu haben. ES ladet hierzu alle Gewerkschaften, Arbeitervereine und alle Freunde und Gönner der Arbeiter von hier und auswärt, freundlichst ein. Der Ueberfchuß kommt zur KrankenunterstützungSkasse. DaS Festcomits.(') [2»1 Briefkasten der Redaction. Dr. E. I. in Speyer: Brief ist besorgt. Die be- stellten Schriften gehen, sobald beisammen, an Sie ab. Die Schrift von H. ist etwa« schwierig auszutreiben. Meyer m Bremen: Wie wir nach- träglich erfahren, hat Herr Kirchmann seinen bekannten Vortrag:„Der EommuniSmu» in der Natur" im Drnck ertcheincn lassen. der Expedition. G. HnrchS Eoln: Ab. 3. Qu. 3 Thlr., G. Krktr das. Schift. 5 Tblr., E. Bpp London: Ab. 4. Qu. Thlr. 1 5 Schrft. 25 Gr., H. Sick Hull: Ab. 4. Qu. Thlr. 2 6. R. Echlr Leipzig: Schef., Tblr. 2 1, Hrn Elberfeld: Ann. 6 Gr., Prßr Lindenau: Schrst. 6 Gr., Ghlr Leipzig: Ab. 4. Qu. 6 Gr., Schl Brackwede: Schrft. Thlr. 4 4, O. Wltr Coln: Schrft. Thlr. 3 3 5, F. WIf NowaweS: Schrft. Tolr. 2. G. Hrwgh Baden Baden: Schrft. 20 Gr., N. Mllr Reichendach: Schrst. Thlr. 2, I Mllr Leipzig: Schrst. Thlr. 6 20, Ertz Braubach: Schrst. 4 Gr., Bermel Hos: Schrft. Gr. 3 1, Slbrhrn Eßlingen: Ab. October Thlr. 9 25 5, Ab. 3. Qu. Thlr 2 215, E. Ihn Marburg: Schrft. 3 Gr., A. Zbl. Berlin: Schrft. 3 Gr., F. A. Erg Hobocken: Ab. 3. Qu. Thlr. 125, Stcklbrg dier: Schrft. Gr. 24 5, Ab. 6 Gr., H mp HildeSheim: Ann. 18 Gr., Fachvercin der Tischler München: Schrft. 1 18 8, Trtmn Berlin: Ab. Oclbr. Tblr. 21 17 2. Schrft. Thlr. 4 24, R. KIk Berlrn: Ab. Ocibr. Thlr. 7 15, Dr. Rschr Zittau: Schrst. 4 Gr., H. Schbrt hier: Schrft. 4 Gr., H. Hmmr hier: Schrst. 4 Gr., O. Rshn Constauz: Schr. Thlr. 3 10 5, M. Schtr Dresden: Ab. 3. Qu. Thlr. 20, W. Mhlr. Nowatoe« Ann. 5 Gr., Th. Sn Königsberg: Schrst. Thlr. 13 2, E. Mhl Goderanfiein: Schr. Thlr. 3, BAtcherverein Berlin: Ann. 22 Gr., «. Rdtt Königsberg: Ab. 3. Qu. Thlr. 2 15. Ann. 4 Gr.«rb.- Partei Berlin: Ann. Thlr. 1 18, O. Hmmr hier: Ab. Novbr. 6 Gr Nach Würtemberg: Die Sprößlinge vom Großen Urach find auf H. angekommen; die Gefangenen erwiedern den Petroleumgruß._ Wii11thahl*rf Sozial.demokratischer«rbeitervereia. •iÖU.UUPtltU Die Versammlungen finden von jetzt ab, regelmäßig jeden Mittwoch Abend halb 9 Uhr, präcise, im Lokale der„Harmonie" statt. Ich ersuche die Parteigenossen die Versammlungen zahlreicher zu be- suchen, als wie die, bisher geschehen. Julius Kölln. Meine Adresse ist: FriedrichSstr. 14. III. B r e, l a u. 2a]_ Ad. Hepner. Gewerkschaftsverwaltiingen. Gewerkschaft der Holzarbeiter: Borsitzender Th. Uorck, Hamburg, Erste Vorsetzen Nr. 13, Kassirer H. Somann, Altona, Adolphstr. Nr. 32. Gewerkschaft der Maurer und Zimmerer: Vorsitzender Heinr. Ricke, Braunschweig, Schöppenstedterstr. Nr. 50, Kassirer Wilh. Weißensee, Braunschwejg, Kupsertwiete Nr. 8. Gewerkschaft der Schneider: Vorsitzender H. Schöffel, Lbemnitz, Znumerstr. 16. Gewerkschaft der Schuhmacher: Vorsitzender W. Bock, Gotba, Berg 37, Kassirer A. Köllein, Gotha, Hützelsgasse 16. Internationale MeiallarbeilergewertSgenossenschaft: Vorsitzender Rich. C. I. Wolf, Chemnitz, Lindenstraße 8, Kassirer Carl Herm. Hickethier, Chemnitz, innere Rochlitzerstr. 30, 3. Etage.(ml) Genossenschaftsbuchdruckerei. Antheilscheine bez. Antheilquittungen erhielten serner: In Eßlingen: ». Magl. 1, W. Mrlck. I, W. Dhl. 1, W. Myr. 1, F. Krchm. 1, G. «hl. 1, G. Hon. 1, W. Ln«. 1, G. WllmrShr. I, F. SlbrH. I, in Stade: A. Wgnr. 1 Thlr._ Hadlich Soeben ist im Verlage der GeiiossenschaflSbuchdruckerei er- schienen und durch die Expedition des„VolkSstaat" zu beziehen: Oer VolKsstnat-KiUcildcr für 1874. Inhalt: Kalendarium. Biographischer Kalender. Die Schlacht um den Birkcnbaum. Eine Parabel von St. Simon. Roth. Französische Arbeiter. Robert Owen, ein Charakterbild. Der Pauker von Niklashausen; historische Erzählung von Robert Schweichel. Preis pro Stück ohne Stempel 3 Ngr. 5 Pfg., Preis pro Stück mit Steiupcl 4 Ngr. Bei Abnahme von 12 Stück und darüber 9 3 Ngr. exclusive Stempel. Bei Baarzahlniig außerhalb Sachsen 24 Stck. 2 Thlr. für Sachsen incl. Stempel 2 Tblr. 12 Gr. flAT" An uns unbekannte Besteller wird nur nach vorherige Einsendung des Betrages in baar oder Reichsbriefmarken oder gegen Postvorschuß versandt. Soeben ist im Verlage der Genossenschaftsbuchdruckerei erschienen und durch die Buchhandlung des„Volksstaat" zu beziehen: Die Thatrit des deuische» Reichstages und der Landtage. Nebst einem Anhange, enthaltend: 1) Winke für die Agitation, 2) die wichtigsten Bestimmungen der deutschen Vereins- und VersammlungS« gesetze, 3) des Reichswahlgesetzes, 4) der Reichswahlgesetz. Verordnung, 5) des deutschen Sirasgesetzbuches, 6) Programm der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, 7) Liste der bei„Gründungen" hervorragend belheiligten Reichstags- und Bundesrathsmitglieder. Preis pr. Stück 3 Sgr.(10'/, Kr. südd.), im Dutzend pr. Stück 2 Sgr. 5 Pf.(9 Kr. südd.), gegen baar oder Postvorschuß im Dutzend pr. Stück 2 Sgr.(7 Kr. südd.) [4b] Die Buchhandlung de-„Dolküftaat�. ReichstasiSwahlfond. verlin: Ponat'sche Eigarrenfabrik 2. Samml. d. Windtborst 1 Thlr. 4 Gr. 5 Ps. Parteivers, in der Elisabethstr. 2 Thlr. 19 Gr. 9 Ps. Mehrere Parteigenossen bei Rolfs 9 Gr._ H. Babing. Sremerhaveil Soz.-dem. Arbeiterpartei. Die gewöhnlichen öffentlichen versamm langen flndm von jetzt ab jeden Montag, Abend» halb 8 Uhr, im Saale de« Herrn Freudenrhal, Marktstraße 6(trüber Gerhardt'« Hotel> statt. ES werden daselbst Borträge, sowie Borlesungen au« den Werken der bedeutendsten Nationalöconomen gebalten und sind dazu eing'laden alle, welche irgend welche, Interesse an der heutigen soz. Bewegung zu besitzen vermeinen. Der Bettrauen« manu.[2b Die 10. Lieferung deS Leipziger Hochserrathsprosses. Preis per Exemplar 2 Sgr. 5 Pf. Da von den früheren versandlen Lieferungen mehrfache Retour- nirungen stattfanden, so machen wir hiermit bekannt, daß von Lief. 10 nur an jene«estelier versau»! wir», die ihren Bedarf uns neuerding» bekannt geben, oder dies in den letzten 4 Wochen gethan haben. �3a) Die Buchhandlung des„Volksstaat". � Leipzig: Berantw. Redakteur: CaSper.(Redaktion und Expeditto» Zettzerstr. 44.) Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei.