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Wer unter Arbeitern gelebt hat, weiß, wie wahr daS hier Gesagte ist. Wäre eS anders, würden die heutigen Zustände bestehen können? Wenn etwas Hoffnung giebt, die Arbeiter aus ihrer Lethargie und ihrem Stumpf stnn aufrütteln zu können, dann sind es Zahlen, in denen ihnen das Maß ihrer AuSpresiung in unwiderleglicher Weise vor Augen gehalten wird. In diesen Tagen kam unS die GeschästSbilanz der Chemnitzer Werkzeugfabrik vor Augen, die vormals unferm guten Freunde, dem Herrn Commerzicnraih I. Zimmermann gehörte. Dieser hat sie vor S Jahren zu einer«Gründung" verkauft für 2 Millionen Thaler und wurde selbst als leitender Direktor von den Herren Gründern, eingesetzt. Die genannte Fabrik hat in dem einzigen Jahr, vom 1. Juli 1872 bis zum 3V. Juni 1873, einen Netto- Gewinn von 358,997 Thlr. 12 Ngr. S Pf. gemacht. Diese Beute ist in fol- gender Weise vertheilt worden: Tantieme an den Direktor Herrn Simmermann 26,924 Thlr. 23 Gr., 15 Prozent Dividende an die nichtSthucndcn Aktionäre 300,000 Thlr., Reservefond 17,949 Thlr., Tantieme an den Aufsichtsrath 10,706 Thlr., Saldo auf's neue Geschäftsjahr 3,416 Thlr. Wir wissen nicht genau, wieviel Arbeiter die Chemnitzer Werk- heugfabrik beschäftigt; nehmen wir dieselbe zu 1500 an, so würde Zeder Arbeiter, wenn der Arbeitsertrag ihm statt den Drohnen der Gesellschaft zu Gute käme, 240 Thlr. pro Jahr durchschnittlich mehr verdient haben. Es würde also ein Arbeiter der Fabrik, der jetzt durchschnittlich 250 Thlr. Lohn erhalten hat, 490 Thlr. erhalten haben. Die Albeiter würden aber bei einem solchen Ge- schäft, bei dem sie selbst interessirt sind, viel spaisamer mit dem nachgiebige Majorität zum Kleinbeigeben gezwungen wurde. Die oben angeführten Zahlen tragen vielleicht dazu bei, den Arbeitern dort wie anderwärts zu zeigen, wie sie die Geprellten sind und ihre Forderungen recht gut bewilligt werden können, ohne daß Unternehmer, Direktoren und Aktionaire zur Häring- und Kar toffelkost zu greifen brauchen. Aber von selbst fliegen die gebrw tenen Tauben nickt in den Mund und kein Pfennig Lohn mehr in den Beutel. Organisation allein kann die Arbeiter retten begreifen sie daS nicht, dann sind sie verloren. Material, dem Wertzeug ic. umgegangen sein, e« würde ihnen auch nicht einfallen, einen Direktor an die Spitze zu stellen, der für ein Minimum von täglicher Arbeit, neben 26,924 Thlr. Tantieme, vornweg 10,000 Thlr. fixen Gehalt bezieht. Was so ein Bour geoismagen verdauen kann, davon legt unS Herr Commeizienrath Zimmermann ein sprechendes Zeugniß ab. Rechnen wir cii mal. Herr Zimmermann hat als«Direktor" sicher ein sehr bequemes Leben, seine wiikliche tägliche Arbeit nimmt vielleicht den zehnten Theil der Zeit in Anspiuch, welche ein Arbeiter in der unter seiner Leitung stehenden Fabrik abhaspeln muß. Vergleichen wir also einmal die Lage des Herrn DirekiorS mit einem feiner Arbeiter. terr Zimmeimann erhält a) 10,000 Thlr. Gehalt, b) 26,924 Thlr. antiöme als Direktor, v) die 15 Prozent Dividende von minde- stens 400,000 Thlr. Aktien, welche ihm, wenn wir nickt ganz irren, bei Verkauf seiner Fabrik zugeschrieben wurden, die 60,000 Thlr. betragen, ä) die Zinsen von 1,600,000 Thlr. Resl-Kaufjumme seiner Fabrik, von denen wir annehmen, daß er sie sicher und solid statt in Aktien in 5prozcntigin StaatSpapieren angelegt hat, diese Zinsen betragen 80,000 Thlr., v) dem sonstigen sehr erheblichen Bermögen deS Herrn Zimmermann, daS wir aber nicht im Betrage kennen und außer Frage lassen wollen. Die fämmtlichen hier auf- geführten Summen ergeben den kolossalen Bettag von 176,924 Thlr. jährlicher Einkünfte, oder nahe an 560 Thlr. täglich. Ein Arbeiter der Chemnitzer Werkzeugfabrik, der täglich sich 11 Stunden abschindet, und wenn er alt und stumpf gewoiden ist, wie eine ausgepreßte Cittone bei Seite geworfen wird, verdient durchschnittlich pro Woche vielleicht 5 Thlr., jährlich also 260 Thlr., d. h. das ganze Jahr nur die größere Hälfte von dem, was Herr Zimmermann an einem einzigen Tag einnimmt, und wohlgcmerkt, ohne nenncnSwerthe Arbeit. Der„Entbehrungslohn" des Herrn Zimmermann umfaßt also die ganze JahreSein- nähme von 720 Arbeitern der unter seiner Leitung stehenden Fabrik, und wenn wir einen Vergleich mit dem Lohn unserer Weber bevöikerung ziehen wollen, daS Jahreseinkommen von 1500 Weberfamilien, also einer Weberbevölkerung von circa 7500 Köpfen. Bei einer so«gerechten" und über«alles Lob erhabenen" Ver- theilung der Arbeitserttägnisse des arbeitenden Volks ist nur die SchasSgeduld des letzteren zu bewundern, mit der eS sich daS Fell Über die Ohren ziehen läßt. Als vor 2 Jahre» die Chemnitzer Metallarbeiter einen Sttike machten, weil die Fabrikanten eine nur zu gerechtfertigte Lohner- höhung und eine Verkürzung der Arbeitszeit auf l0 Stunden nicht bewilligen wollten, war es Herr Zimmeimann mit dem großen Magen, der sich dem am eiftigsten widersetzte und unter Anderm damals die Erklärung abgegeben haben soll:«bei so unverschämten Forderungen der Arbeiter finde er eS für angemessener, sich vom Geschäft zurückzuziehen und eS an eine Aktrengesellschast zu ver- kaufen." Einen Theil dieser Drohung hat Herr Zimmermann verwirklicht, und wie die obigen Zahlen beweisen, sehr zu seinem Bortdeil, so daß wir annehmen dürfen, Herr Zimmermann würde auch ohne Strike diesen„Rückzug" angetreten und die Tantrdmen Und Dividendeneinsackerci vorgezogen haben. Die Chemnitzer Mutallarbeiter sind damals von ihren Forde- Zungen abgestanden und eben nicht sehr heroisch zu Kreuze ge- n�chen, wobei wir nicht verschweigen wollen, daß eine erhebliche Minorität den Kampf zum äußersten führen wollte, aber durch die Politische Uebersicht. — Moderne Folter. Wie die«Germania" mittheilt, ist der Faktor der„Deutschen Reichszeitung" nach sechzehnwöchent licher Haft endlich mit dem Schluß der Untersuchung in Sachen des inkriminirtcn Artikels, betreffs dessen das Gericht Siegert's Zeugenaussage erzwingen wollte, in Freiheit gesetzt worden. Ob Siegert die gewünschte Aussage schließlich noch gemacht, oder ob er sie bis zul-tzt verweigert hat, wissen wir noch nicht. Der «Frankfurter Zeitung" wurde anläßlich dieses Falls(noch ehe Siegert's Freilassung bekannt war) unterm 18. Oktober aus Darm stadt geschrieben: „Der Faktor der in Bonn erscheinenden„Deutschen Reichs zeitung", Franz Sieger, befindet sich nach neueren Mitlheilungen öffentlicher Blätter noch immer, also seit dem 9. Juli l. Js., in ZwaugShaft, weil er sich weigerte, den Ve, fasser eines inkriminirten Artikels zu nennen. Die allgemeine Pflicht, vor Gericht Zeugniß abzulegen und auf Erfordern zu beeidigen, ist als eine für das Strafverfahren unentbehrliche, in allen Gesetzgebungen anerkannt, wenn sie auch bezüglich der Folgen einer dcsfallsigen Renitenz variiren. Ter Entwurf der deutschen Strafprozeß Oidnung droht hieriür Zwangshaft bis zu 6 Monaten, sowie Geldstrafen biS zum Gesammtbetrag von 600 Mark an; ähnlich die Strafprozeßordnung vom 25. Juni 1867, welche in den 1866 mit Preußen vereinigten neuen LandeStheilen gilt. Ja die in einigen altprcußifchen Pnv vinzcn noch giltige Criminalordnung vom 11. Dezember 1805 kennt hierfür Geld- und Gefäi-guißstrafen ganz allgemein, ohne alle Limitirung. In Rheinpreußen gilt die französische Straf- Prozeßordnung von 1308(Coclo fl'i-imtruotion criminelle); die! Lohn amtlichen Motive zu dem Entwürfe der deutschen Strafprozeß ordnung stellen es in Folge der Unbestimmiheit des Gesetzes in dieser Beziehung jedoch als streiiig hin, ob nach französischem Rechte gegen einen zwar vor dem Richter erschienenen, aber das Zeugniß verweigernden Zeugen eine Haft vci hängt werden könne. Das betreffende UlitersuchungSgerichl in Bonn hat die Conirooerfe in bejahendem Sinne ausgefpiochen. Mit Rücksicht auf die mögliche verschiedene Jnterpietation deS Gesetzes wäre jedoch die Aushebung der jetzt drei ein halb monatlichen Haft Siegert's angezeigt. Im Allgemeinen läßt sich ein Zwang zur Zeugnißablage nicht umgehen, wenn nicht das Resultat einer jeden Strafuntersuchung von vorn herein in Frage gestellt werden soll. Aus demselben Grund läßt sich eine Beschränkung dieser Zeugnißpflicht auf die Fälle, in welchen die Untersuchung bereits gegen eine bestimmte Person gerichtet ist, legislatorisch nicht rechtfertigen. Mit Recht heben die allegirten Motive zur deutschen Strafprozeßordnung hervor, daß man zur Ausstellung einer solchen mit der Aufgabe der SlraftechtSpflege unvereinbaren Forderung wahrscheinlich gar nicht gelangt sein würde, wenn nicht die besondere Natur der Fälle, in denen von Redakteuren oder Herausgebern einer Zeitschiist die Benennung des Versaffer« eines für strafbar erachteten Preßerzeugnisses unter An- Wendung deS Zeugnißzwan�es gefordert woiden, dahin geführt hätte, der an sich lediglich juristischen Frage eine polltische Bei- Mischung zu geben und so ihre objektive Beuriheilung zu beein- trächtigen. Zutreffend sei auf dem fünften deutschen Junstentage bei den Verhandlungen über den Zeugnißzwang mit Bezug hierauf gesagt worden:„Die speziellen Berhältnisse der Presse verlangen fieilich noch etwas MehiereS. Will man dies Bedürsniß bcfrie- digen, so möge man besondere Anträge für die Verhältnisse der Presse einbringen. Man möge sich aber hüten, Dinge, welche für die Ausrechthaltung der freien Presse nöthig sind, als allgemeine Bedürfnisse zu bezeichnen." In dem Entwurf s-lbst hat jedoch ein solcher, die AuSnahmeverhältnisse der Presse berücksichtigender be sonderer Artikel keine Aufnahme gefunden und hofft man, daß bei den Verhandlungen im Reichstag ein dahin bezüglicher Antrag eingebracht wird." Indem wir uns vorbehalten, gelegentlich auf die Frag« des ZeugenzwangS zurückzukommen, sei heute �nur bemerkt, daß wir dem Verfasser der obigen Korrespondenz keineswegs beistimmen können wenn er sagt,„im Astgemeinen lasse sich ein Zwang zur Zeugniß- ablage nicht umgehen, wenn nicht das Resultat einer Strafunter- suchung von vornherein in Frage gestellt werden solle." Meint der Herr Korrespondent damit, daß das Gericht die Befugniß haben müsse, Jeden als Zeugen vorzufordern und zur Abgabe einer Zeugenaussage anzuhalten, so spricht er einen Satz aus, der hier nicht in Frage kommt. Meint er dagegen, wie aus dem Zusammenhange zu schließen ist, das Gericht müsse daS Recht haben, Jedermann zu einer bestimmten Zeugenaussage, zu einer Zeugenaussage im Sinn und nach dem Wunsch des Ge- richtS zu zwingen, dann proklamirt er eine juristische Monstrosität. Siegert hat die Zeugenaussage nicht verwei gert; er hat sich bloS geweigert, so auszusagen, wie das Gericht eS wollte. Und daß er deshalb auf unbestimmte Zeit seiner Freiheit beraubt wurde, konstatirt die Un geheuerlichkeit des Verfahrens, dessen Opfer er gewor- den. Der Korrespondent, offenbar über die Konsequenzen seiner Aufstellung erschreckend, wünscht Ausnahmebestimmungen zum Schutz der Presse. Was aber den mit der Presse in Verbindung stehenden Personen recht ist, ist dem übrigen Publikum billig. Wir wollen keine Ausnahmebestimmungen für die Presse, sowenig wie Ausnahmebestimmungen gegen die Presse. Recht! Gleiches Recht für Alle! ist unsere Losung.— —„Harmonie". Der gute Max Hirsch hat stets das Un- glück, daß er auf der zweiten Seite seines Blattes gründlich wider- legt, was er auf der ersten von„Harmonie" gesagt. Sehr un- harmonisch klingt, was er in seinem letzten Blatt auS Plauen schreibt: „Plauen. Wie niedrig die Arbeitslöhne bei der Weberei und den verwandten Berufszweigen im ganzen Sachsenlande sind, ist ja weltbekannt; man wird daher e> messen können, in welcher Lage sich die hiesigen Arbeiter befinden, die sich größtenthcilS von We- berei und Siickerei ernähren. Seit längerer Zeit gehen diese Ge- ichäfte schwach, seit drei Monaten aber ganz schlecht. ES wird sehr wenig gearbeitet, die Arbeiiszeit ist bedeutend abgekürzt; und nun kommen gar noch die Bankerotte dazu. In der veraangenen Woche zeigten die Herren Spindler und QuaaS ihre Insolvenz an, die bisher gegen 50 LongSsticker und 200 Aibeitsmädchen, Stepper u. dergl. beschäfiigten, von denen viele ihren letzten Lohn nicht einmal erhielten. Es war gebräuchlich, daß die Arbeiter sich noch Arbeit mit nach Hause nahmen, um nach Feierabend noch etwas zu verdienen. Manche halbe und ganze Nacht ist dabei ge- opfert worden, um sich etwas zu erübrigen. Viele ließen ihren Ueberverdienst in langsam angesammelten Beträgen von 10, 12, 15 Thlrn. als Guthaben im Geschäft stehen. Ob dieselben von chrem Gftde aus der Concursmasse etwas herausbekommen, ist sehr fraglich, und da möglicherweise noch mehr Bankerotte eintre- tn können, so ist bei der geringen Nachfrage sehr zu zweifeln, ob diese Arbeiter bald wieder Beschäftigung finden. Aber noch ein anderer Uebelstand tritt in sehr bedauerlicher Weise zu Tage. So lange daS Geschäft flott ging, wurden viele Kinder zwi- schen 6— 14 Jahren in den Stickereifabriken beschäftigt, womit die Eltern eine Erleichterung im Haushalte erzielen wollten, j>tzt bei schlechtem Geschäftsgange müssen die Leute froh sein, wenn die Kinder noch Arbeit bekommen und ein paar Groschen verdie- nen; dadurch weiden diese aber zur selbstgeichaffenen Ruthe ihrer Eltern, da dadurch die Arbeitskräfte bedeutend vermehrt, und der n gedrückt wird." Ja, nun liegen die Arbeiter und Arbeiterinnen auf der Sttaße und ihre kärglichen Nothpfennige sind verloren! Wo steckt denn da die„Harmonie"? Wir verweisen übrigens ganz besonders darauf, daß auch der Freund der heutigen ProduktronSwerse, Max Hirsch, zugesteht, daß in Plauen Kinder von sechs bis vierzehn Jahren verwendet werden. Diese Kinderarbeit und Kinderquä- lerei ist also nicht eine Erfindung der Sozialdemokraten, wie einige norddeutsche Blätter zur Abwechslung kürzlich behaupteten; sondern daß der langsame Kindermord besteht, wird sogar von einem Haimonieapostel constatirt. Daß die Eltern zu diesem lang- samen Kmdermord ihre Zustimmung geben, ist traurig, aber eine nalurnothwendige Folge der heutigen Produktion. Wer die Wahl hat, zu verhungern oder seine Kinder schon mit sechs Jahren dem Moloch der modernen Industrie und Manufaktur in den Rachen zu werfen, der wird stets daS Letztere thun, in der fast immer eitlen Hoffnung, dem unersättlichen Ungeheuer seine Opfer wieder entreißen zu können. Schon die Thatsache allein, daß die Men- che» in solch unwürdige und barbarische Zwangslagen hinein ge- rieben werden können, beweist die Unhaltdarkeit der heutigen Zu- tände. So lange Kinder von sechs Jahren ihren unreifen Körper hergeben müssen, um die Habsucht der Fabrikanten zu befriedigen und zugleich die Löhne ihrer Eltern herabzudrücken, so lange ist eben unsere ganze sogenannte„Cultur" eine Astercultur, so lange haben unsere herrschenden Klassen kein Recht, auf den Be- griff„Civilisation" Anspruch»u machen. Die„Civilisation" Bo- naparte'S, an deren Spitze scrue Marschälle, seine TurkoS und andere Excellenzen marschirten, war nicht schlimmer, alS die«Ci- vllisation" der sächsischen Fabrikanten, deren Produktionsweise schon echsjährigen Krndern Blut, Kraft und Leben auS dem Leibe saugt. Davon freilich hat Max Hirsch kein Sterbenswörtchen gesagt! — Der„Frankfurter Zeitung" schreibt man:„Nürn- berg. DaS hiesige Bezirksgericht hatte dieser Tage eine inter- essante Klage wegen Ehrenbeleidigung zu vc> handeln. Ein Fabri» Unt, in dessen Etabllssement eine Arbeitseinstellung erfolgt war, hatte einem der strikenden Arbeiter gegenüber sich deS Ausdrucks „Aufwiegler" bedient und den betteffenden Arbeiter auch in dem ihm ausgestellten Arbeitszeugnisse als„Aufwiegler" bezeichnet. Von Seiten des Arbeiters wurde nun gegen den Fabrikanten Klage wegen Ehrenbeleidigung gestellt. Nachdem die Klage vom Stadtgericht abgewiesen worden war, erfolgte infolge eingelegter Beschwerde auch in 2. Instanz Abweisung. Der Gerichtshof ließ sich von der Ansicht leiten, daß die AuSdr ücke„Aufwiegler",„Auf- reizer" als ein Tadel, nicht als eine Beleidigung zu betrachten eren." Man wird gut thun, sich die Sache zu merken. ES treten ja oft Verhä.tnisse ein, wo e« sich die Herren Fabrikanten äußerst angelegen sein lassen, ihre MitauSbeuter und Mttkapitalisten gegen die Arbeiter„aufzuwiegeln". Man wird dies dann wenigstens in Nürnberg offen ausspiechen dürft», ohne dem Sttafgesetzbuche zu verfallen. — Zu Wien ist Anfang dieses Jahres der Fachverern der Schneider auf Ve fügung des hochweisen Mrnistcrs des Innern, Särmerling, aufgelöst worden, weil er die Te idenz hatte, strikende Schneider zu unterstützen. DaS Reichsgericht hat diese Auflösung rückgängig gemacht und zwar einzig auS juristischen Motiven, durchaus nicht, weil e« in dem Uebergriff des Ministers von Schmerling eine Verletzung der politischen und sozialen Rechte österreichischer„Unterthanen" erblickte. Wir können daher nicht in den Jubel mit einstimmen, der in verschiedenen Blättern erhoben wird, indem man die Aufhebung de« Verbots des Fachvereins der Schneider als eine Verurtheilung der österreichischen Polizeiwillkür betrachtet. Die Entscheidung des Reichsgerichts hat nicht eine princivielle, sondern nur eine formelle Bedeutung. Hätte der Minister Schmerling die Sache nicht so plump angefangen und einen weniger dummen und albernen Vorwand zum„mora- lischen" Deckmantel für seine unmoralische Maßregel gebraucht, so hätte das Reichsgericht gewiß nichts einzuwenden gehabt. Hätte er z. B. den Fachverein der Schneider für„staatsgefährlich" erklärt und das rothe Gespenst dazu in schreienden Farben an die Wand gemalt, so wäre das Reichsgericht in« Bockshorn gekrochen. Durch den Schein von Liberalismus, den si-h die Bertteter und Aufrechterhalter der herrschenden Klassen zuweilen geben, möge sich Niemand irremachen lassen: die Interessen der Bourgeoisgesellschaft erfordern, daß jede Organisation der Arbeiter verhindert wird! — Die holländischen Cigarrenarbeiter striken fort. Die Wortbrüchigkeit der Fabrikanten hat sie zum hartnäckigsten Widerstand angefeuert. Von 1600 Arbeitern, die ausgesperrt wurden, weil sie sich nicht entschließen konnten, Wortbrüchigkeit, Gemeinheit und Habsucht als„Humanität" und„Ehrenhaftigkeit" anzusehen, haben 600 die Arbeit wieder aufgenommen und zwar da, wo die Bedingungen, welche den Ausschluß veranlaßt, nicht gestellt wurden; gegen 100 haben sich andern Beschäftigungen zu- gewandt, Verschiedene tragen den„Rock des Königs", SO sind in England von dem dortigen Gewerkoerein der Cigarrenarbeiter untergebracht worden, ebenso sollen SO in Deutschland Unterkunft finden. Die Uebrigen führen den Kampf gegen das Großkapital mit bewundernswürdiger Tapferkeit weiter. Die Unterstützungen sind reichlich geflossen; 18,000 Thlr. sind allein von den englischen Cigarrenarbcirern aufgebracht worden. Uebcrall wird jetzt gesam- melt, und wie wir aus dem„Botschafter" eisehen, ist neuerdings der Antrag gestellt worden, SOO Thlr. aus den Mitteln des beut- scheu Cigarrenaibeiter-VerdandeS für die Strikenden in Holland zu bewilligen. Der Kampf der holländischen Cigarrenarbeiter ge- reicht dem gesammten arbeitenden Volk zur Ehre; nicht nur zeugt die Ausdauer, mit welcher die Ausgeschlossenen alle Entbehrungen ertragen, von jenem Mulhe, den nur die Prinzipienklarheit ein- flößen kann; die werlthätige Theilnahme der G>weiksgenossen der andern Länder ist ein eminenter Beweis, daß der Gedanke von der internationalen Zusammengehörigkeit des Proletariats in die Massen eingedrungen ist. Und dieser Gedanke wird das Proletariat zum Siege führen! — Die Galgensrist des Jammerdings, genannt Französische Republik, ist wieder einmal auf unbestimmte Zeit verlängert worden und zwar charakteristischerweise durch die Hascnherzigkeit des angestammten Monarchen, der als Mensch gerade ein solches Jammerding ist, wie die französische Republik als Staat. Er hat plötzlich die Entdeckung gemarkt, daß„seine Person nichts, sein Prinzip Alles sei;" daß sein Prinzip darin bestehe, jeden Pakt mit der Revolution, also jede Anerkennung der Volkssouveränität, der dreifarbigen Fahne rc. zurückzuweisen; und daß er heute(durch Anerkennung der Revolution) geschwächt, morgen ohnmächtig sein würde. Und so weiter. Aus der gotieSgnadlichcn Kronprälen- dentensprache in die gewöhnliche Sprache übersetzt, heißt daS:„Ich möchte gern, aber es geht halt nicht! DaS Schicksal Maximilians ist mir in meine Glieder gefahren; den Franzosen ist nicht zu trauen— nachdem sie seit der verflixten Revolution zwei Könige davon gejagt haben, ohne denselben ein Haar zu krümmen, werden sie beim dritten wohl kaum so rücksichtslos sein; jedenfalls will ich'S nicht darauf ankommen lassen. Lieber in Frofchdorf frosch- artiges Sumpfleben führen, als in Paris auf die Guillotine steigen oder gar zum Laternenschmuck dienen. Ich empfehle mich Ihnen, meine Herren!" Der gute Mann hat Recht. Die bösen Fran- Zöschen, welche bereits vor hundert Jahren den famosen Diderot'- scheu VerS trillerten:*) „Et rna rnain ourdirait lea entrailles du pretre, Au ddfaut de cordon pour dtrangler les rois." (Und in Ermangelung von Stricken würde meine Hand die Ge- därme der Pfaffen zusammendrehen, um die Könige damit zu er- drosseln)— die bösen Französchen, welche zu diesen bösen Versen im Jahre 1793 einen so bösen praktischen Kommentar lieferten, sind freilich ein sehr unzuverlässiges Material für daS von den Versailler Royalisten ersehnte Pfaffenkönigthum; und daS Frosch- dorfer Wunderkind(Wunderkind, weil eS bei seiner Geburt nicht mit natürlichen, oder mit zu natürlichen, jedenfalls nicht mit le- gitimen Dingen zugegangen ist) hat unzweifelhaft einen Beweis von Weltklugheit abgelegt, indem es für die gefährliche Edre dankte, sich zu dem beabsichtigten experiineutum in corpore vili**) herzugeben. Genug— die„Fusion" ist in'« Wasser gefallen, die Kon- fusion dauert aber fort, und die Republik vegitirt weiter als Republik— von Chambord'S Gnaden. — Dem englischen Revolutions Humbug Bradlaugh(gleich anderen RevolutionS-HumbugS Schützling des„Neuen Sozial- Demokrat") widmet die New-Uorker„Arbeiterzeitung"(der Schwindler treibt sich nämlich feit einiger Zeit in Amerika herum, da er in England so ziemlich abgewirthschaftet hat) folgenden Steckbiief, dessen Inhalt wir nur bestätigen können: „ES gereicht der Arbeiterklasse und besonders der Internationalen Arbeitcr-Assoziation zur besonderen Ehre, daß dieser würdige Ver- treter des bürgerlichen politischen LumpenthumS ein wüthender Feind derselben ist. Die Pariser Kommuneflüchtlinge in London haben diesen Herren gebührend daduich gewürdigt, daß sie zu einer Zeit, wo sie selbst große Roth litten, den Erlös eines VorttagS, den derselbe zum Besten der Kommuneflüchtlinge hielt, zmückwiesen! „Dieser lumpige Geck, welcher im Solde deS englischen Bour- geoiSministeriums den Republikaner und gelegentlich auch den „Arbeiters! eund" spielt, logirt gegenwärtig im S. Ave. Hotel in New Hork, dem Hauptquartier der politischen Demimonde, der Börsenspieler, Hochstabler und whole-sale Spitzbuben*) aller Nationen.— Zum Gaudium für Gelichter seines Gleichen und zum Besten seines Geldbeutels wird er einige Vorstellungen in der Schwatzkunst gegen gute Bezahlung in irgend einem modischen Lokal geben. Zur Charakteristik dieses politischen BuschNepperS geben wir einige Stellen Uber feine letzte Thätigkeit in England aus einem Londoner Blatt: „London, ig. Januar 1873. Die Konferenz von Republikanern am 1. und 2. Dezember war vom bisten Erfolg gekrönt, trotz der Anstrengung von zwei oder drei Freunden des Herrn Bradlaugh, das Werk der Telegirten zu vereiteln—(Privalbriefe *) Der Gedanke ist später vielfach variirt worden; in obiger und, wie wir glauden, erster Fassuna ist er von dem berühmten Philosophen Diderot. '*) Versuch am eignen verächtlichen Leibe. ') Spitzbuinn vu ßro», im©tosten, die man gewöhnlich laufen läßt, indessen die llemen Sp.tzdubcn gehangen werden. wurden geschrieben, Postkarten wurden versandt, um die Klubs zu warnen, daß Unheil geschehen würde)— aber die Blätter berich- teten über die Konferenz; die„TimeS" widmete ihr eine ganze Spalte, Zeitungen von England, Irland und Frankreich brachten günstige Berichte.— Der einzige feindselig auftretende Klub war der„llall of Science Club"(Mr. Bradlaugh'» Klub).— Nun zeigte sich Herr Bradlaugh in einer neuen Rolle,— er wurde Angeber für die Regierung, erfand freundlichst die Lüge, daß die „Brüderschaft"(broterbood nennt sich die republikanifche Partei Englands) eine„hochverrätherische" Verschwörung sei, daß man mit der Anwendung von Gewalt gedroht(welches Verbrechen) u. s. w. — Jede Antwort auf diese Angriffe wurde von dem„Verthcidiger der freien Meinungsäußerung"(„National Reformer", Herrn Bradlaugh» Blatt) zurückgewiesen." „Am 11. Mai fand eine Konferenz von Anhängern der Bradlaugh'schen Fraktion der republikanischen Partei England» in Birmingham statt, die an Lahmheit und Zahmheit Alles� übertraf, was republikanische Bourgeois bis jetzt geleistet haben. Sic wollte nichts zu thun haben mit dem Republikanismus anderer Länder; sie konnte nur mit großer Mühe zur Anerkennung deS unentgelt- lichen Volksschulunterrichts gebracht werden; sie legt in der Republik die souveraine Macht(souvereign power) in die erwählten Deputirten; sie erklärt feierlich,„daß die Ziele der Liga auS- schließlich(purely) durch„gesetzliche und moralische" Mittel geför- dert werden sollen" zc. und in einer darauf folgenden VolkSver- sammlung erklärte einer der Redner öffentlich:„Wenn die Republik morgen zu haben wäre, würde er sie nicht annehmen." Die letzten Winter eingetretene Spaltung unter den englischen Republikanern beruht hauptsächlich darauf, daß Herr Bradlaugh und seine kleinbürgerlichen Anhänger jede Berührung der sozialen Frage ängstlich vermeiden, die Arbeiterbewegung ignoriren und „nur mit gesetzlichen und moralischen Mitteln" an'S Ziel gelangen wollen. In seinem ersten Vorttag über die republikanische Ordnung hat sich Herr Bradlaugh als politischer Abenteurer und Handlanger der Bourgeoisie selbst entlarvt.— Der Gipfelpunkt seiner Rede war eine Lobhudelei auf den spanischen Thiei s, Castelar, welcker im Begriff ist, seine Republik dem Schürzen-Marschall Serrano u. Co. auszuliefern. Dies sind die Ideale, in deren Fußtapfen dieser große Mann treten will.— Da ist die Versicherung, daß seine Bewegung nichts mit CommuniSmus und der Internationalen zu thun hat, über flüssig! Vor solchen Freunden«erden sich die englischen Arbeiter schon zu bewahren wissen! Herr Bradlaugh hat in seiner Vorlesung über Irland die Un- terjochung und Beraubung des irischen BolteS durch England zwar verdammt, kann sich aber dennoch nicht entschließen, die Trennung von England, daS heißt die Befreiung Irlands, daS Selbstbestim- mungs Recht des irischen Volkes anzuerkennen. Und der läßt sich Republikaner schimpfen! Herr Bradlaugh hat an einem irischen Arbeiter, unserm Parteigenossen Blissert, einen Gegner gefunden, über dessen Aufireten ein englisches Blatt also berichtet:„Ein junger irischer Schneider sprach mit vielem gesunden Verstand und Gefühl und fand vielen Beifall" u. s. w." Da wir gerade bei Schützlingen des„Neuen" sind, so sei hier erwähnt, daß dieses musterhaft redigirte Blatt in einer seiner letzten Nummern die Lebensbeschreibungen der Herren Odger, Arch und Prior biingt, und dabei die drei genannten als Parteigenossen, als Vertreter deS sozialistischen englischen Proletariats vorführt. Bon Odger mag dies allenfalls gelten; allein die reaktionären und bor- nirten Gewerkvereinlcr Arch und Prior(betr. des Ersteren haben wir neulich Thatsachen veröffentlicht, die auck an seiner Ehr- lichkeit zweifeln lassen) für Sozialdemokraten auszugeben, verräth eine solch bodenlose Unwissenheit, daß wir wirklich annehmen müssen, die Herren Hasselmann und Hasenklever lefen nicht nur kein Englisches Blatt— waS bei ihrer Unkenntniß der englischen Sp ache einigermaßen zu entschuldigen wäre—, fordern auch keine Berichte deutscher Zeitungen über England. Sogar aus dem „Gewerkverein" des Herrn Max Hirsch könnten die Herren in dieser Beziehung etwas lernen. Den Lesern des„Neuen", die auch den „Volksstaat" lesen, sei hiermit gesagt, daß die Herren Arch und Prior genau auf dem Standpunkt deS Berliner„Gewerkvereins" stehn, und gerade so gute Sozialdemokraten sind, wie die Herren Landgraf, Polle und sonstige Adjutanten des Herrn Dr. Max Hirscb. Obendrein— das müssen wir noch bemerken— sind die betreff. Lebensbeschreibungen aus der Mcyer'schen„Revue" abgeschrieben, ohne die der„Neue" überhaupt nicht existiren könnte. Der„Neue" sagt zwar, er habe die Biographien„berichtigt"— das ist jedoch Wind. UnS liegen diese Biographien, sammt denen der meisten übrigen englischen Gewerkvereinssührer im Original des„Beehive" vor, der auch nicht versäumt hat, die PortraitS seiner Helden beizufügen. Was der„Beehive" ist, wird der„Neue" doch wohl wissen— der englische„Gewerkverein". Wünscht der„Neue", um sich mit eigenen Augen von dem Bock zu überzeugen, den er geschossen hat, unser Exemplar des„Beehive" zur Einsicht, so steht eS ihm zur Verfügung.— — Wir sind eS der Brüsseler„Internationale" schuldig, mitzu- theilen, daß sie. in ihrer letzten Nummer(vom 2. d.) keine Kor- respondenz des Plonplon-schwärmcnden Herrn Durand, dagegen einen Brief deS in Genf lebenden KommuneflüchtiingS Claris bringt, worin dieser auf's Nachdrücklichste jenen sauberen Patron abfertigt. Wir sind sonst nicht mit ClariS einverstanden, der stark in BakuniSmuS gemacht hat und noch macht, also, wie besagter Durand gleich Richard und Blanc nur als konsequenter Ba- kunist handelt, allein wir müssen eS doch anerkennen, daß er vor den Konsequenzen seiner Doktrin erschrickt und an der Pforte des VerrathS und der Infamie umkehrt. Von der„Internationale" aber hoffen wir, daß sie sich in Zukunft den Herrn Durand und ähnlicht S Gelichter vom Leib halten wird. Dem ClariS'schen Brief entnehmen wir nachstehende Stelle:„Nicht nur als französischer Bürger, sondern auch als Sozialist und Mitglied der(Lakunistische Fälschung) Internationalen Arbeiterassoziation, muß ich gegen die von Ihrem Korrespondenten gepredigte Idee protestiren.-- Wenn dieselbe sich verwirklichte, so würde ihr Triumph uns zu dem schmachvollsten der Compromisse führen. Dem„Ävenir Na- tional" und dessen Redakteur, der uns unter der Kommune den Koth ins Gesicht warf, steht eS frei, für eine exzentrische(auffallende) Idee die große Trommel zu rühren; aber daß Sozialisten, daß Mitglieder unserer Assoziation in einen Pakt mit den He, kern des Volks willigen sollten, in einen Pakt mit Denjenigen, die 20 Jahre lang auf dem Körper des mißhandelten Flaukrelchs hcrumgetram- — die für den Nothsckrei der Arbeiter von Aubin und Ricamarie nur Chassepotkugeln als Antwort gehabt haben— das ist in der That unbegreiflich. Nein, daS ftanzösische Proletariat kann nickt in die„Nationale Ligue" des Herrn PortaliS eintreten! Nein, die Brüder der Erschossenen vom Juni 1848 und vom Mai 1871 dürfen, können nicht ein Bündniß eingehen mit Plonplon und anderen„Freunden der Revolution" de« gleichen Schlag«! Und ist da» Proletariat denn so schwach, so ohnmächtig, daß e« seine Sache nicht selber, nicht allein verfechten könnte, daß e« zu einer so jammervollen Allianz genöthigt wäre? Und zugegeben, daß e» in diesem Augenblick machtlos ist, glaubt man, daß die Bonapartisten und andere Asterrevolutionäre an seiner Befreiung arbeite» würden? Die Männer de» Kaiserreich» haben unS durch die That bewiesen, waS sie unter„Revolution" verstehen. Heute ein Handstreich gegen die Monarchie, morgen ein Staatsstreich gegen die Republik und übermorgen? Frankreich in Blut gebadet, die Arbeiter niedergemetzelt, da« ganze Land in Schmutz gewälzt, die Corruption zum System erhoben— Ruin, Sklaverei, Schande!"— Soweit der Auszug. Nun,„Ruin, Sklaverei und Schande" sind nicht Dinge von„übermorgen"; wir dächten, sie wären schon sehr von„heute". Doch darum wollen wir mit dem Brieffchreiber nicht rechten. — Zu dem freisprechenden Erkenntniß in dem Prozesse Sou- nemann haben wir noch zu bemerken: Daß das Gericht ausdrücklich zugeben muß,„der Thatbe« stand einer erdichteten oder entstellten Thatfache fei hier nicht zu befinden", ist von einer zermalmenden Wucht; Alle», wa» in dem Artikel steht, das ganze gegen den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein gerichtete Anklagematerial ist damrt für richtig, für thatsächlich begründet erklärt. Blos die Frage, in wessen Auf- trag der„Allgemeine Deutsche" resp. dessen Leiter die Krawalle in Scene gesetzt habe, ist durch das Eikenntniß offen gelassen. Nun— wir werden zur Beantwortung dieser Frage beitragen. Höchst sonderbar ist die Argumentation deS Erkenntnisses, die preußische Regierung scheine deshalb nicht gemeint zu sein, weil in dem incriminirten Artikel der Mannheimer Bierkrawall mit dem Frankfurter auf Eine Linie gestellt worden und Mannheim doch nicht unter der Botmäßigkeit der preußischen Regierung sei. Als ob die preußische Regierung auf daS übrige Deutschland keinen Einfluß ausüben könne, und als ob der Allgemeine deutsche Arbeiterverein nicht in Berlin seinen„Sitz" habe und von dort auS dirigirt werde! Und als ob die Mannheimer Untersozial- i demagogen nicht eben so gut wie andere dressirt wären! — Im ersten Braunschweiger Wahlbezirk, wo Parteigenosse Bracke als ReichStagSkandidat aufgestellt ist, wird die Agitation aufs schwunghafteste bereits betrieben. Unsere Braunschweiger Parteigenossen, Bracke voran, haben schon eine ganze Reihe von Versammlungen abgehalten und mit solchem Erfolg, daß die Wahl Bracke'S schon jetzt als gesichert erscheint. Es thut noth, daß uu- sere Parteigenossen sich hieran ein Muster nehmen und sich tüchtig zu rühren anfangen. Von selbst fallen unS die Siege nicht in den Schooß und die Agitation bis auf die letzten Wochen vor der Wahl zu verschieben, ist falsch; da können die Bezirke unter dem Andrang der Arbeit und der Ueberanstrengung aller Kräfte nicht mehr genügend bearbeitet werden. In allen Versammlungen muß � zum Abonnement auf den„Volksstaat� aufgefordert und an Orten, � wo noch keine Mitgliedschaften bestehen, zur Gründung derselben � verschritten werden. Am 1. November ist auf Hubertusburg ein neuer Insasse ein- getroffen, Zimmerpolier Braunschweig aus Leipzig, der eS einer patriotischen Denunziation deS Schneidermeisters Rosenthal in der Sternwartenstraße zu verdanken hat, daß er wegen MajestätS- beleidigunz zu einem Monat Festungshaft verurtheilt wurde. — Genosse Pichl in Kopenhagen, s. Z. als Dclegirter auf � dem Congreß der internationalen Arbeiter- Assoziation im Haag! anwesend, ist wegen' eines Aufrufs im„Socialisten" und unter Bezugnahme auf den Paragraphen des Strafgesetzbuches, betreffend Drohungen gegen den König, verhaftet worden. Diese Gewalt- i Maßregel dürfte den dänischen Arbeitern wohl am besten zeigen, wie es mit dem„Rechtsgefühl" des Königs steht, an welches sie appellirt haben, um„Gnade" für die verurtheilten Hochverräther zu erlangen. Sie werden einsehen, daß Monarchie und Sozia-' lismus unvereinbare Gegensätze sind. Innere Partei-, VerwaltungS- und OrgauisationS- Angelegenheiten. An die Parteigenossen! Wir theilen mit, daß zu Bayreuth sich eine Mitgliedschaft gk'' bildet hat. VerttauenSmann ist Tischler Carl Wendel. Nachstehende, neu angemeldete Vertrauensmänner sind bestätigt worden: Barmen: Heinr. Langendorf. Constanz: O. Rosen- Hain. Frohburg: Robert Kästner. Gelenau: F. A. Reuter. KöthenSdorf: F. A. Möbcrt. Ncundorf: Heinr. AlSleben. Neustadt a. d. O.: F. L. Helmrich. Niederplanitz: D. Hoch. Rochlitz: Herm. Gausche. Witten: F. Tottleben. Die Parteigenossen machen wir darauf aufmerksam, daß die| AuSschußsitzungen regelmäßig jeden Donnerstag Abend statt- � finden. Nur in dringlichen Fällen werden zwei Sitzungen wöchcnt- lich abgehalten. Wir bitten, dies zu beachten und wichtige Mit" theilungen möglichst im Laufe jeder Woche bis Donnerstag an unS gelangen zu lassen. Hamburg, 3. Novbr. 1373. Mit Gruß! Der Ausschuß: I. A.: H. Benneke. Aug. Geib, RödingSmarkt 12. Gewerksgenossenschaftliches. Gewerkschaft der Schuhmacher. Krfurt. Bei der in letzter Generalversammlung stattgefundencv Vorstanlswahl wurden gewählt: Zum Bevollmächtigten: Aug»! Wenige, Engengasse 5; zum Stellvertreter: Friedrich Burkart, Haupikassirer: Mäver; Beckassirer sind Möller und Hc'�' mann; Krankentassen-Revisoren sind Erler und Scheidt,»t- Schriftführer fungirt G. Götze, Augustinerstraße 14. Holst«. Abrechnung. Kassenbestand vom Monat Septemve 166 Thlr. 7 Gr. Einnahme: Würzburg 16 Gr. für Protokolle- Mannheim desgleichen 1 Thlr. Königfce Desgleichen 22 Gr.? Pf' Eßlingen desgleichen 4 Gr. Gotha 1 Thlr. 28 Gr. � �!' Sckweinfurt 1 Thlr. 18 Gr. Müylhausen 3 Thlr. 10 Gr. 5 pi- Wolsenbüttel 1 Thlr. 19 Gr. Ludwigshafen 10 Gr. Mannh-'» 20 Gr.(Bitten von Mannheim und Ludwigshafen daS t, ! schreibegeld einzusenden.) Constanz 1 Thlr. 11 Gr. Wiirzburg S Thlr. IS Gr. S Pf. Chemnitz 3 Thlr. Weimar 2 Thlr. i 10 Gr. Braunschweig 9 Thlr. 22 Gr. 5 Pf. Dresden 7 Thlr. 1 26 Gr. 5 Pf. Nürnberg 7 Thlr. 9 Gr. 5 Pf. RegenSburg 5 Thlr. Summa der Einnahme mit Kassenbestand 218 Thlr. 10 Gr. 7 Pf. Ausgabe: 35 Thlr. an die Genossenschaftsbuch- > druckerei in Leipzig für Druck der Statuten. 2 Thlr. für Agitation. 10 Thlr. Gehalt für den Vorsitzenden. 2 Thlr. 14 Gr. 6 Pf. > Verlag für Porto-c. 5 Gr. 6 Pf. Porto für Geldsendungen ! des Kafsirers. Summa 49 Thlr. 20 Gr. i Bilanz: Einnahme 218 Thlr. 10 Gr. 7 Pf. Ausgabe 49 20„—„ bleibt Bestand 168 Thlr. 20 Gr. 7 Pf. Der Bevollmächtigte in Apolda heißt nicht �Läußer, sondern Läeßcr. Für die Verwaltung: W. Bock. Allgemeiner deutscher Schneiderverein. Nürnberg, 2. November. Mit Staunen und Verwunderung ' haben wir in Nr. 104 des„VolfSstaat" die Ausführungen der Braunschweiger Mitglieder in Betreff des Krankenkassen- Statuts 1 gelesen. Die von Braunschwcig aus gestellten Abänderungsvor- 1 schlage sind geeignet den ganzen Krankenunterstützungs Bund illu- ' sorisch zu machen. Doch wollen wir ohne weitere Umschweife auf die einzelnen Punkte näher eingehen. In§ 1 soll das Wort '»unverschuldeten" wegfallen. Dies können wir unter keinen Um- ständen billigen. Der KrankenunterstüyungS-Bund soll dazu ge- schaffen werden, um wirklich Kranken hilfreich zur Seite stehen zu • können. Sobald aber das Wort„unverschuldeten" wezfällt, ist ' dem Schwindel Thür und Thor geöffnet. Wer mit dem Kranken- 1 kassenwesen einigermaßen vertraut ist, weiß, welche Ansprüche ge- 1 macht werden; und nun besonders bei unserem Geschäft ist eS ja l so leicht und so naheliegend, krank zu werden, insbesondere wenn � die„stille" Zeit eintritt, und ein ziemlich hohes Krankengeld ge- | zahlt wird, so daß wir bald mehr Kranke als Gesunde haben � würden! Oder glauben vielleicht unsere Braunschweiger Collegen, ' daß es keine derartigen Arbeiter gibt, die sich schnell eine gering- fllgige Krankheit zuziehen würden, bei der sie in aller Gemüths- � ruhe 3 bis 4 Wochen, womöglich noch länger zubringen, das ( 1 Krankengeld einstecken und die gute Zeit abwarten könnten? Wir , wissen aus Erfahrung, daß es derartige Elemente gibt; und wir c müssen uns im Voraus dagegen verwahren, daß man einem Jeden, , der sich durch groben Leichtsinn oder Lüderlichkeit eine Krankheit l zuzieht, daS Krankengeld an den Kopf wirst. Der zu tz 2 gestellte Abänderungsvorschlag kann ebenfalls nicht , gut geheißen werden; die von anderen Kcankenvereinen gesammelten , statist scheu Notizen genügen, um unS nachzuweisen, daß solche c Mitglieder, welche erst mit SO oder noch mehr Jahren aufge- , nommen werden, der Kasse am meisten zur Last fallen. Die zu t§ 3 und 4 gestellten Abänderungsvorschläge würden jedoch, wenn i angenommen, dem Krankenunterstützungs- Bund vollends den Boden unter den Füßen wegziehen. ES soll hiernach 1) das Einschreibe- � i geld von 5 Sgr. wegsallen, und 2) die Krankenunterstützung sofort ausgezahlt werden. Als Motiv wird geltend gemacht, daß ja jedes Mitglied schon von vornherein Gewerkschaftsmitglied sein müßte, und es deshalb unthunlich sei, Einschreibegebühren zu » j erheben. BiS jetzt ist unS keine ähnliche Vereinigung bekannt, wo r die Aufnahme gratis ist, wo soll denn daS Geld herkommen zu r Verwaltungsbüchern, Stempeln, Briefporto und sonstigen diversen » � Ausgaben? Von den wöchentlichen Einlagen? DaS ist eine reine i Unmöglichk'it, wir würden nie einen Grundstock, einen Reserve- ' sond zu Stande bringen, wenn so gewirthschaftet würde. Und - nun vollends das Krankengeld sofort ausbezahlen, sobald ein Mit- � 1 glied pünktlich seine Einlagen entrichtet hat! Haben denn unsere ' Braunschweiger Collegen nicht gerechnet? Nach den Vorschlägen im Statut würden bei 500 Mitgliedern und bei einer Steuer von ... 1 Gr. 6 Ps. wöchentlich pro Kopf pro Woche 25 Thlr. eingehen; l sobald nun 5'/- Prozent erkranken würden, so geht schon die ganze ' Einnahme auf; wie nun, wenn 2—3 Prozent krank würden, oder ! uoch mehr und das könnte uns gleich die erste Woche passircn, dann wären wir schon bei der Gründung bankerott. Das wäre uoch mehr als Qusstorpisch. Doch wollen wir noch einen anderen Fall in das Auge fassen. Es würde sich Jemand, der circa 4 Monate bei der Gewerkschaft ist, in den Krankenunterstützungs- " Bund aufnehmen lassen, weil er den KrankheitSkeim schon in sich suhlte, nach Verlauf von 4 Wochen würde dieses Mitglied krank, ' die Krankheit könnte 20, 24 oder auch 26 Wochen dauern, so be- käme dann das Mitglied 90 bis 100 Thlr. für 6 Sgr. Einlage, und wer zwingt dann dasselbe, bei dem„Bund" zu bleiben, es „ könnte sich nach der Genesung streich:n lassen, und wir hätten das ' Nachsehen. Es ist sogar im Gegensatz von der hiesigen Mitglied- schaft beschlossen worden, die wöchentlichen Beiträge auf Sgr. * zu erhöhen, das Krankengeld jedoch nach Verlauf von 13 Wochen Zur Hälfte, nach Verlauf von 26 Wochen erst voll zu gewähren Wollen wir eine Krankenkasse, die Bestand haben soll, so muß eine solide, dauerhafte Grundlage geschaffen werden, und diese ?' Grundlage wird nur beschafft, wenn die Vorschläge der hiesigen ' Mitgliedschaft angenommen werden. l. Mag man uns nun für zu ängstlich, oder für reaktionär ' halten, wir wissen, daß es bei anderer Einrichtung als der von f'! uns vorgeschlagenen unmöglich ist, etwaS Gedeihliche» zu schaffen. Wir haben hier schon seit Jahren einen Kranken-Verein der ' Schneider, der bei 200 bis 250 Mitgliedern beständig 6—7 Kranke Zu unterstützm hat, und wie hier im Kleinen, so würde sich auch dasselbe Berhältniß bei uns im Großen ergeben. Hierbei wollen wir noch anführen, daß es hier am Ort Krankenkassen gibt(wir Müssen noch bemerken, daß eS kaum eine zweite Stadt gibt, in der das Krankenkassenwesen so ausgedehnt und vervollkommt ist als hier) wo die Mitglieder das erste viertel Jahr 4— 4V» Sgr., nach � Verlauf desselben 2—2'/» Sgr. wöchentliche Einlagen zu entrichten ! haben, und erst nach einem Jahre einen Theil, nach Ver- lauf von VU bis 2'/, Jahren, erst das volle Krankengeld, von 2'/, bis 3'/, Thlr. erhalten. Es ist also jeden- falls besser, im Anfange die Zügel etwas straffer anzuziehen, und ■a dann, wenn der Ei folg ein günstiger, den Mitgliedern ander- ist weitige Erleichterungen zu gewähren, als daS ganze Unternehmen t;' von vornherein in Frage stellen. t. Bei§ 5 wurde hier beschlossen, nicht 3 oder 2 Monate zu ls setzen, sondern nur 1 Monat; es ist dies lange genug. Wem es Ernst ist mit der Kasse, der kann im Verlauf eines Monats seine er Beiträge entrichten. Dem zu§ 8 von Braunschweig gestellten Ie.t Abänderungsvorschlag können wir nur beipflichten, und sind die ;f. � Motive ganz praktischer Natur. Einzelne andere geringfügige Punkte. sf. hei welchen hierorts eine Acänderung beantragt wird, werden wir tf. la bei der Urabstimmung noch zu diskutiren haben. Beiläufig sei « j �uierkt, daß die Urabstimmung hier bereits erfolgt ist, und daS i- Resultat an Mendt in Berlin eingeschickt wurde. Mögen sich die Mitglieder da» oben Gesagte genau überlegen und sich keinen Illusionen hingeben, denn die beste Reue kommt zu spät. In Betreff des Verbandsstatutes müssen wir bekannt geben, daß wir bis jetzt noch keinen Bescheid von der Behörde erhalten haben, mithin die Ver- sendung zur Urabstimmung noch nicht erfolgen konnte. Sobald die Genehmigung erfolgt, werden wir alle» nöthige sofort besorgen. Mit Gruß und Handschlag I. Baumann. ßhemnih, 3. Novbr. Berichtigung. In der Abrechnung pro 3. Quartal(s.„V." Nr. 104) ist bei der„Ausgabe" der Betrag von 2 Thlr. für 200 Stück Abrechnungs-Formulare ganz weggelassen! Es muß also heißen: Für 20o Stück Abrechnungs- Formulare 2 Thlr., für Inserate in der„Ch. fr. Presse", Ausschußsitzungen betreffend, vom 1. Januar an 1 Thlr. u. s. f. Ferner muß es weiter unten heißen: an G. Mittenberger in Gießen den 3. Theil der Delegationkosten zur Generalversammlung (nach Abzug des 4. Theiles der Lokalkasse an die Hauptkasse 1 Thlr. 10 Gr.) 3 Thlr. 3 Gr. 4 Pf., an denselben für verleg- tes Geld, Mandat nach Lüttich betreffend, 1 Thlr. 6 Gr., nicht wie in Nr. 104 d. Bl. zu lesen, 16 Gr.»c. Die Gesammt- summa der Ausgaben beläuft sich also auf 85 Thlr. 3 Gr. 7 Pf. Bleibt Kasscnbestand Zweihundert neun und achtzig Thlr. 12 Gr. 5 Pf. Weiter wurde bei der Abrechnung weggelassen, daß noch ein Bestand von 15 Thlr. 11 Gr. 5 Pf. von den Stader Strike- Geldern vorhanden ist; diese» zur gefälligen Notiznahme. Mit sozialdemokratischem Gruß Herm. Weck, Bernsbachstraße Nr. 23, III. Verband für Buchbinder. Iranksurt a. W., 1. November. Da die Herren Prinzipale keine definitive Antwort abgegeben, vielmehr in mehreren Offizinen die dem Verbände angchörigen Kollegen entlassen haben, so haben wir heute die Arbeit niedergelegt. Kollegen, haltet den Zuzug fern. Unterstützungen sind zu senden an C. Klein, Meier's Buch- biuderei, Triersche Gasse 4. Für die Kommission: A. Müller. Alle arbeiterfteundlichen Blätter werden ersucht, Vorstehendes zum Abdruck zu bringen. Allgemeiner Böttchtr-(Küper)-Verein. Werttn, 23. Oktober. Der Strike der Dresdener Mitglied- schaft ist beendet; öffentliche Abrechnung wird erfolgen. Gleich- zeitig machen wir die Mitgliedschaften darauf aufmerksam, daß für Berlin ein unentgeldliches Arbeitsnachweis- Bureau, Landsberger- straße Nr. 15 errichtet worden ist. Die reisenden Mitglieder, welche Reisegeld zu beanspruchen haben, wollen sich an den Bev. H. Segger, kl. Frankfurterstraße Nr. 7, wenden. Außerdim er- suchen wir die Bevollmächtigten um zahlreiche Verbreitung der Vereins-Organe, damit die Mitgliever klar werden, an welche Partei sie sich zur bevorstehenden Reichstagswahl zu halten haben. Für den Ausschuß: A. Hinzl, Schriftführer. Correjpondeuzen. Leipzig. Bekanntlich hat die Berliner Correspondenz in der Beilage der Nr. 24 von diesem Jahre Herrn Max Hirsch Anlaß zu einer Klage wegen Beleidigung gegeben. Der Correspondent nannte Herrn Max Hirsch einen elenden Verläumder und Ehrab- schneider, weil er in öffentlicher Versammlung getagt, Bebel stehe mit den Welsen und Ultramontanen in Verb ndang. Nun weiß jeder Mensch, daß die sozialdemokratische Aibdtecpartei das Paktiren mit reaktionären Parteien grundsätzlich verwirft, urd am allerwenigsten würde sie es dulden, daß eines ihrer hervorragendsten Mitglieder diesem Grundsatz entgegenhandelte. Wir wollen es daher den Lesern des„Volksstaat" überlassen zu beurlheilen, in- wieweit der Berliner Correspondent Recht hatte, als er Herrn Max Harsch einen elenden Verläumder und Ehrabschneider hieß. Hinzu- gefügt sei nur noch, daß Herr Max Hirsch in seiner Klagebe- gründung einer solchen Nachrede den Charakter einer Verläumvung absprach, da sie nichts Beleidigendes enthalte. Dieser Ausspruch ist charakteristisch für Max Hirsch und seine Partei und bestätigt nur, waS wir stets gesagt: Fortschrittler, Natioualliberale, Conser- vative, Ultramontane u. s. w. Alles ein reaktionärer Urbrci.— Zur Ehrenrettung des Herrn Max Hirsch sei noch bemerkt, daß Seiffert, der Verklagte, mit 10 Thlr. Ordnungsstrafe belegt wurde, da er an Eidcsstatt erhärtet, die Correspondenz gar nicht zu Gesicht bekommen zu haben. Markranstädt, 3. November. Gestern Abend wurde hier im „Thüringer Hof" eine gut besuchte Volksversammlung abgehalten. Zum ersten Vorsitzenden wurde Blos(Leipzig), zum zweiten Engelhardt(Markranstädt) gewählt. Nauert(Leipzig) ref rirte über den Reichstag und die Reichstagswahlen. An der Debatte beiheiligten sich der Vorsitzende und Stackelberg(Leipzig). Die Versammlung war vom besten Geiste erfüllt und nahm ein- stimmig Johann Jacoby als Candibaten für den Reichstag an. Die Mittheilung, daß die Bourgeois von Markranstädt beab- sichtigt hatten, die Leipziger zu prügeln, rief allgemeine Entrüstung unter den Arbeitern hervor. Die Bourgeois, die zahlreich in der Versammlung waren, wagten dnen auch nicht zu entgegnen, son- dern gaben nur durch Grunzen und Gebrumm ihre Anwesenheit kund. ES ist hier ein so guter Boden für die Arbeiterbewegung als man nur wünschen kann und wird in einer demnächst abzu- haltenden Volksversammlung auch eine Organisation geschaffen werden. Hreiz i. V. Am 26. Oktober hielten wir in der Turnhalle eine öffentliche Mitgliederversammlung ab, in welcher Hr. Franz aus Glauchau, Vorsitzender deS Deutschen WeberbundeS über den Deutschen Weberbund und die Innungen der Zukunft referirie. Die Betheiligung ver eingeladenen Genossen aus Reichenbach, Mylau und Netzschkau erfreute uns sehr; auch der Allg. deutsche Arbeiterverein, aus einigen zwanzig Mitgliedern bestehend, war er- schienen. Der Vortrag deS Herrn Franz wurde allseitig mit Bei- fall aufgenommen. Man glaubte, auf diesen Vonrag würde Nie- mand zu entgegnen haben, aber doch wagte es einer von den „Neuen" mit Namen KleehanS, Hrn. Franz entgegen zu treten. Natürlich hatten eS die„Neuen" nur darauf abgesehen, unfern Verein zu schädigen und die Versammlung aus der Ordnung zu bringen. Kleehans sprach von den Prinzipien Lassalle's, bezeichnete diese als die richtigen und sprach noch Vieles über den Allgem. deutschen Arbeiterverein, als wenn derselbe die Arbeiter inS ewige Glück führte. Herr Franz ergriff hierauf wieder daS Wort und erklärte, daß ihn die Tagesoidnung hindere, sich auf Spezialdebatten einzulassen, sonst wollte er mit Herrn Kleehans schon fertig werden; wäre es eine Volksversammlung, so könnte mau auch von Weiterem sprechen. Da aber die hiesige Regierung nicht gestatte, Volksversammlungen abzuhalten, so müsse man nur vom'gewerblichen Standpunkte au«- gehen, um beisammen sein zu können. KleehanS ergriff nochmal« das Wort; aber nach kurzem Sprechen trat er ab und ein gewisser Schneider trat für ihn ein. Diesem entgegneten Müller au« Reichenbach und Flamm in trefflicher Weise. Zum Schluß wendete sich Herr Franz nochmals'in gediegener Rede gegen die„Neuen", so daß dieselben vor Wuth und Aerger unser Lokal verließen. Wir haben bi» jetzt noch keinen Angriff aus diese Leute gemacht, da wir aber beständig gereizt werden und Versuche, unS auseinander zu treiben, nicht aushören, so müssen wir nunmehr energisch auftreten und diese gemeinschädlichen Men- schen zur Ruhe bringen. Uns auf Weiteres einzulassen und mehr ähnliche Fälle von diesen Leuten mitzuthcilen, halten wir für über- flüssig, indem der„Volksstaat" schon oft genug solche Streiche mitgetheilt hat. Der Weberverein. Herm. Hofmann, Vorsitzender. Herm. Müller, Schriftf. Neundorf, 3. November. Das AzitationS-Comits, welche« am 2. November hier neugewählt ist, besteht aus folgenden Partei- genossen: Friedrich Bayer, Vorsitzender, Franz Frommann, Kassirer und Gottlicb Röder, Schriftführer. Es wäre doch sehr wünschenswerth, daß sich alle im Herzogthum Anhalt und Regierungsbezirk Magdeburg wohnenden Parteigenossen dem Agi- tationS-Comits anschlössen und einen Beitrag von wöchentlich 6 Pf. an den Hauptkassirer Fr. Helmund, Schulzenplatz Nr. 2, 2 Tr., in Staßfurt ablieferten. Mit Gruß G. Röder. Nerkin.(Einiges Uber unsere Partei-Stellung sowie über die deS Allgemeinen deutschen Arbeitervereins.) Nachdem die Führer des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins zur Ueberzeugung ge- kommen, daß die SprengungSverfuche an der Energie unserer Parteigenossen scheiterten, gaben sie dieS Manöver auf. Sie konnten aber nicht unterlassen, uns hin und wieder einen Skandal- macher aufzuhalsen. Zum Beweise der Taktlosigkeit dieser Führer Einiges: Ein Färber, Namens Lesser, welcher sich in Süddeutsch- land durch sein rohes Auftreten in unseren Mitgliedschaften aus- zeichnete, kam diesen Sommer in eine unserer Versammlungen, schrie und tobte wie ein Rasender und forderte, da Hasselmann beleidigt sein sollte, die Arbeiter auf, das Lokal zu verlassen Als er verlacht wurde, schrie er: so hört denn die Schmach mit an. Acht Tage später bat er wieder um Einlaß, setzte sich still in eine Ecke und wollte sich als Parteimitglied ausnehmen lassen. Er wurde natürlich tüchtig heimgeschickt. Dieser Mann war Dele- girier in Frankfurt und stimmte gegen Vereinigung. Anläßlich der Wahlen zum Landtage fand vor Kurzem eine Wählerver- sammlung im Rathhaussaalc statt. In dieser ließen Kapell und Hasenklever sich als Candidaten neben Krämer ausstellen. Kapell beantragte zur definitiven Feststellung der Candidaten eine Volks- Versammlung einzuberufen. Nun hatte aber der Radikal-Resorm- verein eine allgemeine Uhrwählerversammlung einberufen aus dem Grunde, wie Krämer sagte, um Unparteiische heranzuziehen, denn in Volksversammlungen erscheinen nur Allgemeine Deutsche und Freunde dieser. In dieser Versammlung verlas nun Kapell den Protest Hasenklever's, in welchem dieser es ablehnt als Candidat auszutreten. Kapell schloß sich dem Protest an. Welche Ueber- Windung mag den Leutchen der Schritt gekostet haben, aber sie mochten wohl eingesehen haben, daß es so für ihre Pläne besser sei. Nach Verlesung dieses Protestes wurde die Versammlung ge- schloffen, da es keine Voltsversammlung sei.— Klinkhardt, gegenwärtig beschäftigt im Redaktionsbureau deS„Neuen" und welcher diesen Sommer mit der Glocke in der Hand, gefolgt von seinen Mannen, unsere Versammlung stürmte, kam letzten Sonntag mit mehreren seiner Parteigenossen ruhig in unsere Versammlung und belheiligten sich diese Herren, bestimmt zur Freude aller unserer Mitglieder, in aller Ordnung an der Debatte. Klinkhardt meinte, er sei gekommen, um sich mit uns zu verständigen; der SozialiS- mus sei untheilbar, eine Partei könne nur im Rechte sein. Nun, er wird sich überzeugt haben, daß wir zur Verständigung noch immer die Hand reichen. Klinkhardt wurde eingeladen und ver- sprach häufiger in unseren Versammlungen zu erscheinen. Ein großer Theil von Arbeitern gehört uns geistig an; Alles ist be- geistert für Bebel, ob Ortsvcrcinler oder Radikalreformer, Alle« spricht mit Achtung von ihm und mit Entrüstung über die Ab- lehnung dessen von Freilassung. Aber vom Sozialismus wollen sie nichts wissen, sie kennen eben nur den Knüttel Tölcke. Unsere Auf- gäbe ist es, diese Leute aufzuklären. Auch Mitglieder des„Allge- meinen deutschen Arbeiter- Vereins" würden in bedeutender Zahl auf unserer Seite stehen, hörten sie unsere Prinzipien entwickeln. In den Volksversammlungen haben die Führer VeS„Allgemeinen deutschen Arbeiter-VereinS" eine besondere Force darin, auf ver- leumderischer Weise unsere Partei anzugreifen, dann werden wir zur Vertheidigung aufgefordert und uns längere Redezeit bewilligt. Da Niemand auftritt, meinte ein Vorsitzender auf Königshöhe, er könne uns nicht bei den Haaren heraufziehen. UnS fehlt eS in Berlin an Agitatoren. Drei unserer besten haben unS während der letzten drei Monate verlassen; wir stehen fast entblößt da. Sollte es nicht möglich sein, auch unS durch einen Agitator zu unterstützen, eS würde bestimmt mehr nützen wie immer Redner nach Mainz, Nürnberg, Chemnitz, Dresden rc. zu senden. Berlin bearbeitet seine ganze Umgebung auf eigene Kosten, ohne Redner läßt sich aber nichts machen. C. D. ZSarmen. Unter„Handels- und Börsennachrichten" stellt in der„Barmer Zeitung" ein Bourgeois über die Möglichkeit einer Krise folgende Betrachtungen an: „Adam Müller prophezeit im Octoberhcfle der Zeitschrist de» landwirthschafllichen Vereins das Herannahen einer Production«- krise, eine Gefahr, die auch uns nicht gerade unwahrscheinlich dünkt und jedenfalls im Auge behalten werden will. Seit der Beendigung des deutsch- ftanzöstschen Krieges, meint der vorsichtige Landwirth, hat sich die deutsche Industrie, gestützt�durch das gehobene Ansehen und die errungene Macht des deutschen Reiches und angeregt durch die rascheren Handelsverbindungen mit überseeischen Ländern, groß- artig entwickelt. Neue Fabriken sind allerorten entstanden, ältere Anlagen allenthalben erweitert worden. Durch die KriegSjahre, sowie durch das Darniederliegen der(freilich rasch wieder sich em- porraffenden und oft leichtfertig unterschätzten) Industrie Frankreich«, waren die Vorräthe erschöpft und der Bedarf an Manufaktur- waaren bedeutend gestiegen. Die Entwicklung der Industrie war auf steigenden Bedarf berechnet, die Nachfrage mußte aber flauer werden, sobald die erregenden Ursachen aufdörten zu wirken und der Bedarf für den Augenblick gedeckt war. Schon jetzt klagt man z. B. über mangelnden Absatz in der Eisenindustiie. Einzelne Fabriken haben bereits ihr AibeitSpersonal wesentlich vermindert und andere Einschränkungen de« B.triebs werden als Folge der finanziellen Verlegenheiten nicht auf sich warten lassen; endlich stehen wir vor einem Jahre mit hohen Lebensmittelpreisen." Wie aus Obigem ersichtlich, hat der Bourgeoisskribent wohl «in Berstandniß für die gefährdeten Bourgeois- Interessen; des in Mitleidenfchaft gezogenen Arbeiters nwähut er dagegen nur so nebenher. ES ist auch nicht zu verlangen, daß ein Ausbeuter sich um den Auszubeutenden in andrer Weise bekümmere, alS wie er noch mehr aus ihm herauSpreffen kann. Daß aber die Gesellschaft durch die Gewinnsucht eines kleines BruchtheilS derselben nicht ewig in ihrer Existenz gefährdet werden kann, das scheint auch unserm BourgeoiSftnbenUn einzuleuchten. Und in der That, eS hängt nur von dem Verstiindniß, welches die Arbeiter für ihre Interessen haben und von dem Willen derselben ab, wie lange sie„unbe- dingten Gehorsam" leisten wollen, um der Ausbeuterei daS Hand- werk zu legen. Aieldfekd. Unsere Stadt, das Eldorado eines vorzüglich in Linnen machenden Spießbürge, thums, erfreut sich auch außer dem leidigen Sozialismus noch eines ArbeiierbildungSvereinS, welcher freilich unter dem Einfluß der sozialistischen Propaganda nur noch «in Schatten von dem ist, was er einst war. Ein Häuflein unverbesserlicher Spießbürger ist krampfhaft be- müht, die letzten Trümmer desselben vor dem alles zersetzenden Geist der Sozialdemokratie zu schützen, aber mit welchem Erfolge ist daraus zu ersehen, daß eS kürzlich einem enragirten Sozial- demokraten gelang, mit 9 Stimmen in den Vorstand des Ver- einchenS gewählt zu werden. Darob furchtbares Entsetzen der alten Spießer! Sie lieferten den alten Vorstandsmitgliedern eine Schlacht und brachten eS auch dahin, daß dieselben abtraten, um noch weit unfähigeren den Platz einzuräumen. Der nunmehrige Vorsitzende, der alte Korporal Knebel(er führt seinen Namen in der That und ist eifrig bestrebt, ihn zu Ehreu zu bringen) hat sammt seinen Kampfgenossen ge- schworen, nicht eher zu ruhen, bis der letzte Sozialist aus dem Verein ausgemerzt ist. Die im Verein befindlichen Sozialisten sehen mit größter Seeleuruhe dem vcrzweiflungSvollen Ringen des alten Korporals und seiner Kampfgenossen zu, sich an deren Rathlosigkeit ergötzend, welche schon die schönsten Böcke zur Welt gebracht hat. So machte neulich, alS es sich darum handelte, welche Unterhaltung oder Be lehrung dem Verein geboten werden sollte, ein altes Mitglied, der jetzige Vorsitzende, den Vo, schlag, man möge Spiele aufführen. AuS dieser Verlegenheit sind die guten Leute nun vor 14 Tagen durch einen Lindwurm befteit. Derselbe ist Sprecher der Vereine für Volksbildung und hat in seinem sozialen Vortrage größeren Blörsinn zur Welt gebracht, als er schwer ist. Die Sozialisten aber bleiben trotzvem im Verein und warten darauf bis das Pulver ausgegangen ist, und dann?— An Pulververschwendung fehlt eS nicht, jedes mißliebige Wort, welches außerhalb res Vereins über dessen Leitung gesprochen wird, giebt Veranlassung zu schriftlichen Rügeerlheilungen und wiederholt— zur Ausstoßung.— Tritt der gegenwärtige Vorstand nicht bald freiwillig ab, so ist der baldige Bankerott unvermeidlich— oder der Verein resp. dessen Leiter lenken in daS Fahrwasser der Neuzeil! Welch anderes Bild bietet dagegen der AlbeiterbildungSverein im benachbarten Brackwede! Dort sind die Ivcen der Neuzeit will kommen aufgenommen worden. Die Mitglieder gehören fa>l sämmb stand:„Die Bürgermeisterwahl"— kaum betrat ich, einem abge- hetzten Thicre gleich, außer Athem daS Lokal, so rief FcgerS: Scheil aus Breslau hat das Wort. Ich hatte kaum Zeit mich einige Minuten zu erholen, so mußte ich, ohne der Etiquette Rech- nung zu tragen, die Tribüne besteigen.— Informirt war ich von der Sache durch die Parteifreunde, und entledigte mich meiner Aufgabe vor dem versammelten Proletariern und Bürgern zur allgemeinen Zuftiedenheit. Nach dem Bericht des Protokolls erscheint eS, als ob ich mich zum Wort geweldet hätte, dies ist nicht der Fall und beruht auf einer falschen DarstellungSweise.— Ob mein Erscheinen ungern gesehen worden, weiß ich nicht! Aber daß weiß ich, daß meine äußerliche Erscheinung wohl mit hundert Proletariern in der Ber- sammlung identisch war; und unter den obwaltenden Verhältnissen bei schlechter Witterung mitten im Winter auch natürlich erscheinen mußle. Jeder Agitator, welcher sich schon in ähnlicher Lage be- funden, wird dieS bestätigen müssen. Mit sozialdemokratischem Gruß ÄuliuS Scheil. Berichtigungen. Auf Seite 3, Sp. 1 in Nr. 104 de»„Bolksstaat" muß e« heißen: gegenüver den Berliner Leitern de» Mg. d. Arb.-B., nicht„hiesigen" Leitern zc. Am Schluß der politischen Uebersicht in Nr. 106 muß e» statt„Hyäne" Hydra de« Kapital» heißen.— Briefkasten der Redaction. E. I. in S.: Ter Eommunistenprozeß fand im Jahre 1852 statt. Eine Schrift darüber hat Karl Marx herausgegeben. Uebngen« wird Ihnen„Herr Bolgt" von Marx nach dieser R.chtunz bedeutende AadaltSpunkte geben. Stahl in G-ithaw: Der Brief ist den Betreffenden mitgelyeilt, eine Entscheidung indessen noch nicht aetreffen. Sobald dies gestehen, erhalten Sie weitere Nachricht. E. in F.: Erhalten. Besten Dank. Wird auch benutzt werden. M. S. in O.:„LahurZtg." e> hallen. Flehnert in Breslau: Brief demnächst in der bekannten An- gelegenheit. H. in Regensburg: Ihr Schreiben ist der Vorortsverwalmng jN Braunschweig üoersandt. der Expedition. Von Fachverein der Kleidermacher Bruck 4. Qu. Thlr. 1 4, Sie haben noch 8 Gr. zu entrichten, dann ist bi« z. 31. Dez. Alle» beglichen. Lzr. Nnfiy Wien Schrst. Thlr. 2 IL 6, Ab. Gr. 25 5, z. Begleichung Ihres Schrft.- Conto« sind noch Gr. 17 7 nbthtg da« Ab. ist ris 3l. Dez. bez., H. Bdg Berlin Ann. Thlr. 1 18, Dyg. Sieg« bmg Schrft. Thlr. 4, Hchstn Pösneck Schrft. Tblr. 1° 8 8, Dr. Vgt hier 3. Oa. Gr. 17 5, Schrft. 7 Gr., O. Stlzr Reudnitz Thlr. 1 12, Lmsn Mainz Schrft. Thlr. 7 A, Arb.-Partei Eöln Ann. Tblr. 2 12, Fachver. d. Schiemer das. Ann. Thlr. l, O. HIdvrnd Magdeburg Schrft. Thlr. 2 5, Wndlr hier Ab. Noo. Gr. 5 5, Byr Halle Schrft. 21 Gr., Nkcchnr hier Schrft. Thlr. 1 6, Ehst. Berlin Schrst. 8 Gr., Albrt Bern Schrft. Gr. 28 5, Dnl Friedcrsdorf Schrft. 13 Gr., W. Lhm Rochlitz Schrst. Thlr. 1 L, Vt Geithein Schrft. Thlr. 2 12, Schrfr Neudörfel b. Zwickau Schrft. Thlr. 2 14, Hrmm hier Ab. Noo. Gr. 5 5, H. Snf Gera Syrft. 3 Thlr., H. Schr« Sllchtela 4. Qu. 8 Thlr., H. Ohm Breslau Schrft. Thlr. 14 29, Ann. Ii) Gr., Stvgl bier Schrft. 7 Gr., Tmnn Landshut Schrft. Gr. 3 4, May Sonneberq Schrst. 5 Gr., Schd Düffeldorf Schift. Thlr. 1 10 5, A. Tbl Wien Schrft. Gr. 10 L, Kylr hier Schrft. 3 Gr., Lft Stuttgart Schrst. 12 Gr., Fnk jun. hier Schrft. 4 Gr., Mllr Miilsen Donnerstag, den 6. Novbr., Abend« 8 Uhr: Oeffeutliche Bersammlimg fimmtltcher hier bestehenden Gewerkschaften und Fa-hvereiite in Zeidleö Salon, Windmühlenstraße 7.— T.-O.: Der Sirike der Buchbinder mi da» Verhalten de«„Tageblatt»" in dieser Sache. Der hier abgehaltt» Handwerke rtag. Die Arbeiter Leipzig» find eingeladen. Die Gewerkschaftsvorstäude. �UnjCUfttt®onnta8 y' �09tmbct®0n Nachmittag» 3 U| Arbeiterfest in der Herbstfchen Schankwirthschaft, verbunden mit Eoncert, Deklamatio» Festrede und Ball, wozu wir alle Freunde und Patteigenossen einladen. * Da« Festcomit«. NB. Unser Vertrauensmann heißt nicht F. Strouve wie irrthümlil im„Volksstaat" stand, sondern E. Streune. Thouderg«. llmgegeild Abend» halb 9 Uhr bei Günther.— Bortrag. Fragekasten. Der Vorstand. Freunden und Bekannten zeige ich hiermit an, daß meme geliebt Frau am 3. ds». Mts. von einen gesunden, kräftigen Jungen glöcklü entbunden wurde. Albrecht Fink, jr. Soeben ist im Vertage ocr Gcilossenjchaslsbuchdruckerci er> schienen und durch die Expedition dcS„Volksstaat" zu beziehen Der Voiksstaat-Aalmder für 1874. Inhalt: Kalendarium. Biographischer Kalender. Die Schlacht um den Birlcnbaum. Eine Parabel von St. Simon. Roth Französische Arbeiter. Robert Owen, ein Charakterbild. Der Pauker von Niklashausen; historische Erzählung von Robert Schweichel. Preis pro Stück ohne Stempel 3 Ngr. 5 Pfg., Preis pro Stück mit Stempel 4 Ngr. Bei Abnahme von 12 Stück und darüber h 3 Ngr. exclusive Stempel. Bei Baarzahlung außerhalb Sachsen 24 Stck. 2 Thlr. sür Sachsen incl. Stempel 2 Thlr. 12 Gr. SV* An uns unbekannte Besteller wird nur nach vorherigt Einsendung des Betrages in baar oder Reichsbriefmarken od« gegen Postvorschuß versandt. lich dem Äibeiterstande an. Der Spießbürgerhochmuih, gestützt St- Micheln Schrft. 3 Thlr., Tbr. Wieda Schrst. Thlr. 2 29 5. Btinr auf seine Dummheit, existirt dort nicht, uno die meisten und S�erg Schrft. Thlr. 1 14 5,_ Rtzmi.n Nürnberg Schrst. Thlr. 1i2, intelligentesten Vereinsmilglieder sind schon seit Monaten unserer Partei beigetreten. An Lehrmitteln fehlt eS auch nicht, und ein freier humaner Geist fördert den wahren Fortschritt mehr und mehr. Lechhausen, 2. Nov. Die Anwesenheit unseres vor Kurzem auS der Haft entlassenen Parteigenossen Most in Augsburg wurde von uns benutzt, auch in Lechhausen unter die Arbeilermassen wie- der einmal einen zündenden Funken zu werfen, und beriefen wir hierzu auf Sonnlag, den 26. Oktober, eine Volksversammlung ein mit der Tagesordnung:„Der Sozialismus und seine Gegner." Parteigenosse Most hatte das Referat übein ommen. In das Bureau wurden gewählt: Ioh. Braun als erster, Alb. Lichten- steiger als zweiter Vorsitzender und Unterzeichneter als Schiist- sührer. Es wurde diese Tagesordnung vom Referenten Most in so klarer und verstäudlicher Weise erörtert, daß sogar Solche, welche unserer Sache immer entgegen waren, die Berech- tigung unserer Forderungen, die Nothwendigkeit der Organisation und die Nichtigkeit der Angriffe unserer Gegner einzusehen an- fangen. Zum Schlüsse erließ Redner noch eine Aufforderung an die Arbeiter Lechhausens, dem Arbeiterverein„Vorwä-tS" beizu- treten, mitzuwirken an dem Culturkampse und nicht gleichgiltig zu- zuschauen, wie Andere all ihre Kräfte aufopf-rn für die Befreiung der Menschheit.— Nach Most sprachen noch die Parteigenossen Bogner, Braun und Unterzeichneter in demselben Sinne; rich- teten dann noch einmal die Aufforderung an die hiesigen Arbeiter, dem Arbeiterverein„Vorwärts" beizutreten, woraus sich auch elf Mann einzeichnen ließen. Tie Versammlung war gut besucht, wenn auch nicht im Verhältniß zu der hiesigen Arberterbevölkerung. Wenn man jevoch bedenkt, daß um dieselbe Zeit eine Versamm- lung deS schwarzen Casino'S stattfand, wo über die ungeheuer wichtige Angelegenheit deS Briefwechsels zwischen den beiden Un- fthlbaren gesprochen wurde, und weiter bedenkt, daß sich hier noch viele Arbeiter im Schlepptau dieser Sippe befinden, so können wir mit dem Resultat dieser Versammlung zufrieden fein. Es ist nur zu bedauern, daß wir in unfern Hoffnungen, die wir aus daS Hierbleiben unser« Freundes Most setzten, getäuscht wurden, und möchten wir bei dieser Gelegenheit dem Ausschuß den dringenden Wunsch anS Herz legen, unsere Gegend nicht so stiefmütterlich zu behandeln und womöglich nach Augsburg eine agitatorische Kraft zu verlegen. Mit sozialdemokratischem Gruß Val. Fink. RR. DaS„Fürther demokratische Wochenblatt" wird ersucht, diesen Artikel ebenfalls aufzunehmen. Berichtiguug des Congretz-Protokolls. Während meiner zweiten Anwesenheit in M.- Gladbach am II. und 12. Januar d. I. fuhr ich in Begleitung Sauren'S sowie mehrerer anderer ehemaliger Mitgli der des Lassalle'schen Allge meinen deutschen Arbciter-VereinS, Sonntag, den 12. Januar d. I., Vormittag 11 Uhr nach Viersen. An demselben Tage fanden 2 Volksversammlungen statt. Die erste Nachmittags 3 Uhr in dem eine Stunde von Viersen ent- fernten Orte Süchteln, die zweite Abend« in Viersen. Es wurde verabredet, daß ich in beiden austreten sollte. In Süchteln reserirte ich als erster Redner über daS„Parteiprogramm". Nächsldem erhielt Schuhmacher aus Cöln daS Wort über„die Arbeilerftage". Es war schon etwa« schr spät geworden als ich den Rückweg nach Viersen unter Sturm und Regen antrat. In Begleitung mehrerer Parteigenossen kam ich in Viersen zu Fuß an. Die Versammlung, welche dort außerordentlich zahlreich be- sucht war, hatte schon längere Zeit getagt, und ein paar Pausen gemacht. FegerS aus Viersen führte den Vorsitz. Auf der Tagesordnung Ä. Grmnn Lödau Schrft. 10 Gr., E. Ktir« Erbach Schrft. Thlr. 1 3, M. Lslr Marburg Schrft. Tblr. 1 10, W. Gthr Großenhain Schrft. Thlr. 7 15,»ib.-Berein Thonberg Ann. 18 Gr., Alferieff Zürich d. ' kostet Gr. 27 5. Anzeigen 2e. U i» V N Manufaktmarbeitergewerkschast Sonnabend, den 8. November, Abend» 8 Uhr: Versamm« lung bei Hausmann, Elisabethstr. 17.— Bortrag von Bruchmüller. Diskussion. Muin sür Mann hat zu erscheinen; jeder hat einen Gast mitzubringen und nicht erst um 10 Uhr. E. Ficker, Vertiauensmann. Jinernaiionale Meiallardeilergewerksgenossenschafl. VtllllN Sonnabend, den 8. November c., Abrnd» halb 9 Uhr: Monatsversammlung bei Macke.— Kassen- und Revisivnsbericht. Krankenunte, stlltzungsverein. Beschlußfassung ü-er Erhöhung der«rankcnunterstützunz. Pünktliches»nd zahlreiches Erscheinen ist Pflicht.— Neue Mitglieder werden ausgenommen._ Der Bevollmächügie. hUrti-ittt Sonntag, den 9. November Bormittag» 10 Uhr: Ol Ii III Partrioersammlung bei Gratweil, oberer Saal, Commantantenftraße 77—79. 1) Die jetzige Geschäftskrists Ansang oder Ende? 2) Stellung der Kleinbürger zur sozialen Frage. Ref.: Baumaun. Freunde und Gesinnungsgenossen sind willkommen. Parte genossen seil aus dem Platze. Nähcrc« die Plakate. Billet» zum Arbeitersest sind in allen Versammlungen zu haben. Der Vertrauensmann. Breslau Soz.-dem. Arbeiterpattei. Montag, den 10. d. M., Abend« 8 Uhr: Oeffentliche Versammlung in H a a s e's Tanzsalo»„Zur Stadt Metz", verlängerte Langestraße, gegenüber der Biehweidcnkaserne.— T.-O.:„Die Arbeiterbewegung und ihre G-gner". Vortrag von H. Oebmc. Die Parteigenossen, namentlich die in der Nikolaivorstadt wohnenden, werden aufg-fvrdert, vollzählich und pünktlich am Platze zu sein und sür zahlreiche Einführung von Gästen Sorge zu tragen. Der Vertrauensmann. «JvrtSfrti» Arbeiterverein Geselligkeit. OllvltlU Sonntag, den 9. d. M, Ahend» von 6 Uhr ab: Gesellige Zusammeukuuft mit Damen im Saal» de« Hotel'«„Zur Nova", Grünebaumbrück«, 1 Treppe link». Die Mitglieder werden um zahlreiche Betheiligung ersucht. Eingeführte Gäste haben Ziuritt. Der Vorstand. Art»tt hie Vit Soz.-dem Arbeiterverein. �Iiuiuury Montag, den 10. Nov., Abend» 9 Uhr: Versammlung bei Hansch, Schauenburgerstc. 14.— Togesorvnung: Abrechnung. Die Wahlen.— Die Mitgliedskarten find vormz.igen. Art»»»ftttVrt Montag, den 0. November, Abend« halb i» Ubr: �?IllUtIUlty Versammlung der Stepper und Borrichter in Eber- hahn'S Elublokal, Zeughausmarkt 31. Tagesordnung: Die Stellung de» Kleingewerbe« gegenüber dem Großbetrieb. R-serent: Herr Köster. E« ist nothwendig, daß besonder» die vodenarbeiter in dieser Versammlung erscheinen____ T. Köhler, Vorsttzender. 41 V 1 1| t f(1 Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 8. Nov. Abend« 8 Uhr, Versammlung Windmühlenstraße 7.— Sozialer Wochenbericht von Beier. Diskussion Zahlreiches Erscheinen nöthig._________ D. B. JVhlllrt Gewcikschast der Töpfer. TV Dienstag, den 11. Novbr., Abend» 8 Uhr, bei Schäfer (früher Götz) Nikolaistraße Nr. 51. Tagesordnung: Wahl de» Borstandes und Gründung einer allgemeinen Krankenkasse. D. B. Soeben ist im Verlage der Genossenschaftsbuchdruckerei erschiene» und durch die Buchhandlung des„Bolksstaat" zu beziehen: Die Thaten des deiltschen Reichstages und der Landtage. Nebst einem Anhange,, enthaltend: 1) Winke für die Agitation, 2) die wichtigsten Bestimmungen der deutschen Vereins- und Versammlung»-' gesetze, 3) des Reichswahlgesetzes, 4) der Reichswahlgesetz-Verordnung, 5) des deutschen Strafgesetzbuches, 6) Programm der sozialdemokratischei> Arbeiterpartei, 7) Liste der bei„Gründungen" hervorragend betheiligte» Reichstags- und Bundesrathsmitglieder. Preis pr. Stück 3 Sgr.(10'/, Kr. südd.), im Dutzend pr. Stück 2 Sgr 5 Pf.(9 Kr. südd.), gegen baar oder Postvorschuß im Dutzend pr. Stück 2 Sgr.(7 Kr. südd.) [4c] Die Buchhandlung des„Dolksstaat�. Die 10. Lieserung des Leipsiger Hochverrathsprosses. Preis per Exemplar 2 Sgr. 5 Pf. Da von den früheren versandten Lieferungen mehrfache Retour- nirungen stattfanden, so machen wir hiermit bekannt, daß von Lief. l0 nur an jene Besteller Versand! wird, die ihren Bedarf uns neuerding» bekannt geben, oder dies in den letzten 4 Wochen gethan haben. 3c)_ Die Buchhandlung des„Volksstaat". Für Mainzer Protokolle haben noch zu zahlen: Altona, Bremen, Celle, Chemnitz, Darmstadt, Eisenach, Elstra, Effen, Forst, Fürth(Goetz), Geestendors, Halberstadt, Müisei> (Wolft, Münden(Drücke und Stemmer), München, NenbielaU» Nürnberg(Seischab), Offenbach(Müßig), Tübingen. Die Vertrauensmänner vorstehender Olte werden daran er- innert, für möglichst sofortige Einsendung der restanten Beträgt zu sorgen. Die Höhe der einzelnen restanten Beträge ist au« der Abrechnung über die Rechnungsperiode vom 1. Seplbr. 1872 bi» 31. März 1873 zu ersehen. Der Parteikasfirer: H. Benneke, Hamburg, kleiner Schäserkamp 34. tj Neu angekommen und durch die Buchhandlung de»„Boltsstaat" Z» beziehen: Am Webstuhl der Zeit. Lieferung 10 und 11 Preis pro Lieferung 2 Groschen. Warir, Kapital, Lieferung 2 und 3 wird rückgekauft von der sw3bj Buchhandlung des„Bolksstaat", Leipzig, Z-itzerstr. 44. Zur allgemeinen Kenntulß bringen wir, daß Inserate für die nächste Nummer nur bestimmst Aufnahme finden, wenn daS betr. Manuscript einen Tag vorher also Montag. Mittwoch oder Areitag mit der letzten Bor mittagSpost(11 Uhr) in unseren Händen ist. Inserate bitten wir an un« zu adrefsiren. Die tzspeditio« des„Bolksstaat". Die Filiolerpeditionen werden ersucht die übrigen Exemplare von Nr. 81 und 86 des„VollSstaat" 18?Z an uns einzusenden. Zugleich werden d e säumigen Filialexpeditionen a» ihre" Zahlnngspflicht erinnert. 3b. Die Ervedition des„Voltsst al Leipzig: Vnanlw. Revaltenr- Easper. zRevatuoll unv Expevuio» Zeitzerstr. 44.) Druck und«erlag der Senossenschaftsduchdruckern.