taut tB/dnt«. Mtnoi cit ■nk V»ch kH Ja« nk SäKnkM ta. >kk«ktti«»t» fit kU ' lUtw Staat«: F, S»k»k«a, H. 1. G. ff. LV»»»«»», ff. Marh« itr. mtb. QU AkmnuauaUptria: WD» ffm|M t»tl.Gt«Mk«k> ftaMr>lff(|t.,ttrki»«i»ig« Süffffw Vt««tn. IC•«>. Im Quartal. Unat,•»»,»««««»» kMck« M«1« D rutsch» ffaDnßa»»« n( k« 8.». 8. fftMM»». nf k« 8.■(•• »at M*«k«r««n|«K(m»t», kB tyt. Dachs« u. Hrzßttz. D«»s..«w»k»., euch<4 k» 1. SinMt i b>/,«H». OrgandersozialdemokrattschenArveiterparteiundderinternationalenGeiverksgenosscnschaften. «r. 11«. Mittwoch, 12. Wovemöer. 1873. Notiz für unsere Abonnenten. Bei Beanstandung der Annahme von Abonnements Seitens der einen oder andern Post- Expedition ersuchen wir aus die am Kopfe des Blattes stehenden Abonnemcntsbedingungcn zu verweisen, und geben hiermit bekannt, daß der..Volksstaat" unter Nr. 3350 in dem großen und unter Nr. 3159 in dem kleinen Zcilungspreiscourant der Post eingetragen steht, wie im sechsten Nachtrag zum ZcitungspreiScourante pro 1873 Abschnitt II das Smonatliche rcsp. 1 monatliche Abonnement auf denselben sich aufgeführt findet. Im Falle der Verweigerung des Abonnements wolle man sich bcschwerei.d an die zustandige Postdirektion wenden. Die Erpedition des„Volksstaat". Reichstagswahl. Wie wir hören, sollen die ReichStagSwahlen noch im De- zember 1873 zwischen Weihnachten und Neujahr vorgenommen werden. Dies Manöver hat zweifellos den Zweck, uns die Zeit für die Wahlagitation zu verkürzen. Um so rühriger und encr- gischcr muß diese jetzt in die Hand genommen werden. Wo noch keine Wahlkomits's gebildet, keine Sammlungen für dtn Wahlfond eröffnet sind, da muß dies schleunigst geschehen. Die es so eilig mit den ReichStagSwahlen haben, müssen erfahren, daß die Arbeiter sich nicht überrumpeln lassen. Parieigeuossen! Es ist die Pflicht Aller wie des Einzelnen, unablässig und mit Anstrengung aller Kräfte dafür zu wirken, daß die Arbeiter ihre Vertretung im Reichstag bekommen. Thue Jeder seine Schuldigkeit! Der Stand der Englischen Resormsrage. ii. Wie schon bemerkt, sind für die Wahlen Land und Stadt von e nanter getrennt— eine Bestimmung, die wir ähnlich z. B. auch in dem Sächsischen Landlagswahlrccht finden. In Deutschland gilt sonst umgekehrt die Reget— namentlich in Preußen hat man es darin zu einer großen Virtuosität gebracht— die Städte mit dem Land zu Wahlbezirken zusammen zu werfen, und zwar derart, daß das städtische Element durch das ländliche entdemokratisirt wird. Jnkeß, wie im Mittelalter alle Wege nach Rom, so führen bei den in den modernen„Kulturläntern" herrschenden Repräsen- tativnS- uud Wahlsystemen alle Wege zur Fälscbung des Volks- willens oder der Volksstimme, oder mit welchen Ramen man das Ding sonst benamsen will. Doch nicht zusiieden mit dieser Trennung von Stadt und Land(Grasschafts- und Borough-Wahlen) hat man amb, wie wir im ersten Artikel gezeigt haben, das Wahlrecht in Stadt und Land an verschiedene Bedingungen geknüpft— eine Ungeheuerlichkeit, die unseres WisienS sich in keinem anderen Lande mehr vorfindet. Während in den städtischen Wahlbezirken wenigstens ein Theil der Arbeiter und das ganze Kleinbürgerthum wahlberechtigt sind, ist in den Grasschaften durch den 20 L. St.-CensuS ein Theil des Klcinbürgerthums und das gesammte arbeitende Volk von dem Wahlrecht ausgeschlossen. Wir können getrost sagen, nicht ein einziger Landarbeiter hat in den drei Königreichen England, Irland und Schottland das Stimmrecht. TaS Brittische Unterhaus zählt K58 Mitglieder. Davon kommen nach der Reformbill von 1832 auf England und Wales 500 (158 jür Grasschaften, 342 sür Städte); auf Schottland 53 (30 sür Grasschaften, 23 für Siädte), und auf Irland 105 (64 für Grasschaften und 41 für Städte). Also im Ganzen 252 Grafschafts- und 406 Borough-Mitglieder. Seit 1832 sind 2 Boroughs mit je 2 Mitgliedern(St. Albans und Sudbury) wegen zu öffentlich betriebener Imberz-(Wahlbestechung, Stimmenhandel)„diseufranchised", da« heißt, deS Rechts der besonderen Vertretung im Unterhause beraubt, und von den dadurch frei- gewordenen 4 Parlamentssitzen 3 an Grasschaften, 1 an das neu- gebildete Borough Birkcnhead vergeben worden, so daß die Städte 3 Mitglieder verloren, die Grasschaften ebenso viele gewonnen haben. Gegenwärtig beträgt folglich die Zahl der Grafschafts- Mitglieder 255, und die der Boroughmitglieder 403. Die Reform- bill von 1837 hat diesen Scandal ganz unberührt gelassen. Dank dem in den Grafschaften bestehenden Census sind die 255 GrasschaftSmitglieder, über ein Drittel des Unterhauses, ausnahmslos Vertreter der besitzenden Klasse, und zwar, da der Landbesitz in den ländlichen Wahlbezirken den Ausschlag giebt, fast ausschließlich Grundbesitzer. Run— wenn die 403 städtischen Vertreter gleichmäßig, �der von nur annähernd gleich starken Wählerschaften, nach der Kopfzahl gewählt würden, dann hätte immerhin der kleinbürger- »che LiheraliSmuS, ja die„bürgerliche Demokratie", der die Mehr- bett der städtischen Wähler unzweifelhaft huldigt, das Uebergcwicht. Ja wenn. ES ist aber nicht der Fall. Sine Vertretung nach der Kopfzahl giebt eS in Großbrittanien nicht. Die VolkSver- tretung hat sich dort„historisch" entwickelt, um den üblichen Kunstausdruck zu gebrauchen; mit andern Worten alle Mißbräuche, alle Widersinnigkeiten, welche der Feudalismus und das König- thum von GotteSgnaden im Lauf der Jahrhunderte zur Knechtung, Ausbeutung und Beschwindlung deS Volks erfunden haben, sind in Geltung geblieben, so weit sie der modernen Klassenherrschaft nützlich erscheinen— ein wesentlicher Vortheil, den die Englische Land- und Geldaristokratie ihren Genossen auf dem Festlande gegenüber hat, wo die französische Revolution von 1789 und die Märzrevolution von 1848 den alten Rechts- und VerfassungSboden unwiderruflich vernichtet, die alten„historischen" Wurzestz auS- gerissen, und jede Wiedereinpflauzung oder doch Neueinwurzelung derselben unmöglich gemacht haben. Während überall auf dem europäischen Continent die„Volks- Vertretung", ihrem revolutionären Ursprung entsprechend auf dem Prinzip der Kopfzahl fußt, und die Wählerschaften demgemäß der Zahl nach annähernd gleich sind, so daß zehn, hundert oder tausend Wähler je einen Abgeordneten wählen, hängt in Großbrittanien das Wahlrecht, ohne jegliche Rücksicht auf die Bevölkerungszahl, an dem Ort. Im Lanfe der„historischen Entwicklung" hat dieses oder jenes Borough für diesen oder jenen der Regierung, einem Minister, einem König, der Maitresse eines Königs-c. geleisteten Dienst daS Privilegium erhalten, ein oder zwei Vertreter ins Unterhaus zu schicken. DaS Borough, welches zur Zeit, da es dieses Privilegium erlangte, vielleicht eine relativ bedeutende Stadt war, mag im Laufe der„historischen Entwicklung" zu einem verrotteten Nest herabgesunken sein— thut nichts, die„historische Entwicklung" erheischt, daß es im Unterhaus vertreten sei. Ein anderer Ort, der im Lauf der„historischen Entwicklung" nicht das Glück hatte, der Regierung, einem Minister, einem König, der Maitresse eines Königs zc. einen Dienst zu leisten, hat keine Vertretung im Unterhaus, obgleich er im Lauf der Entwicklung, die zwar auch eine„historische" ist, aber nicht die richtige vor dem „historischen Recht", vielleicht zehnmal so viel Bedeutung und Ein- wohner erlangt hat, als eins jener privilegirten Boroughs. Die Reformbill von 1832 hat allerdings einige der groteskesten, blöd- sinnigsten Auswüchse der„historischen Entwicklung" gekippt, ein Paar der verrottetstcn der„verrotteten Boroughs"(rotten boroughs) von der Vertretungsliste gestrichen, ein Paar der richtigen„histo- rischen Entwicklung" zum Trotz und Tort großgewordener Städte darauf gesetzt, aber wohlweislich sich gehütet, den Kern der Frage zu berühren. Es galt, den Kreis der glücklichen Hirten und Schcerer der geduldigen Schaafheerde, genannt Volk, etwas zu er weiter»; das Volk sollte nack wie vor geschoren werden; für die nicht sauberen Hirten und Scheerer war das berühmte„Wasch mir den Pelz und mach mich nicht naß" in Kraft. Daß die Reformbill von 1867 in dieser Beziehung nichts ge- ändert� hat, ward schon erwähnt; die„historische Entwicklung" ist ein zu kostbarer Artikel, um leichten Kaufes geopfert zu werden. WaS würten nicht unsere kontinentalen„Staatsmänner" dafür geben! Mit welch' kläglichen AuskunftSmitteln müssen sie in Ermangelung passender„Historisiber Entwicklung" sich jetzt begnügen. Wie tölpelhaft stupid ist zum Exenipel nicht das Klassenwahlgesetz, daS in der Hauptstadt des„Jntelligenzstaats" nach dem„tollen Jahr" von ihnen ausspintisirt worden! Sich offen auf den Markt stellen und dem Volk sagen:«Du sollst daS Wahlrecht haben, Du sollst das allgemeine Wahlrecht haben— was verlangst Du mehr? Nur mußt Du Dir gefallen lassen, daß zwei Drittel Deines Wahlrechts von einer kleiner bevorzugten Minorität in die Tasche gesteckt werden; es ist waHr,*baS Dir bleibende Eine Drittel wird aus diese Weise durch jene zwei Drittel überstimmt, also praktisch werthloS, allein Du hast doch theoretisch daS Wahlrecht; daS demokratische Prinzip. daS Fundamental-Prinzip aller Demokratie ist gerettet— mein Liebchen was willst du noch mehr?" Wie entsetzlich plump! Wie absolut unmöglich, daß selbst ein Sohn des„grrroßen Denkcrvolks" sich mit solchem Leim sangen läßt Dem Volk daS Fell über die Ohren ziehen ist allgemeines Re� gierungsgefchäft; Regierungskunst ist, dem Volke das Fell über die Ohren zu ziehen, ohne daß eS das Volk merkt. Und hierzu ist die„historische Entwicklung" von unschätzbarem Nutzen, ja geradezu unersetzlich, woher es denn auch kommt, daß es nur in England eine Regierungskunst giebt, auf dem Continent aber nur ein Regierungsgeschäft. ES hat Alles„feine natürlichen Gründe." Träte ein englischer„Staatsmann"— und wäre er noch so„genial"— vor John Bull und sagte ihm:„Lieber John Bull, von heute an hast Du, mit etwelche» Einschränkungen, das Wahlrecht, nach welchem Dein Herz sich so lange gesehnt hat; jeder„wahrgcborne Britte"(trueborn Briton), der halbwegs für „respektabel" passiren kann, soll ein Votum haben; da aber für das Volk ein Stimmzettel ein ebenso gefährliches Spielzeug ist, wie für Kinder Zündhölzchen, so hat die hohe StaatSregicrung in ihrer unfehlbaren Weisheit angeordnet: Das Land ist in 658 Wahlbezirke eingetheilt, von denen jeder ein Unterhausmitglied zu wählen hat; von diesen 658 Wahlbezirken gehören 657 den„oberen Zehntausend",(„Upper tentbousand") p. h. der Elite der Nation, den mit einem silbernen Löffel im Mm,h gebornen Geld- und Landlords; der übrige 658 ste Wahlbezirk gehört den unteren Mil- lionen, dem Pleb», der nicht mit einem silbernen Löffel, wohl aber mit kräftigen Armen auf die Welt gekommen ist, zum Zeichen, daß er für die„oberen Zehntausend" zu arbeiten hat. So kann Niemand sich beklagen: die Rechte Aller sind gewahrt, die Privi- legirten haben was ihnen gebührt, und daö Volk hat Sitz und Stimme im Areopag der Nation!" Wenn der„genialste" Staatsmann so spräche, würde er aus- gelacht und mit faulen Eiern geworfen worden— in England ist daS noch erlaubt. Und doch wäre dies nur die Darlegung des bestehenden Z u stand es. Nicht im Wesentlichen richtig— nur schärfer zugespitzt als eS in Wirklichkeit sich dem Blick darbietet— nicht schwarzgefärbt, bei Leibe nicht, eher schöngefärbt, denn in Wirk- lichkeit hat das englische Volk nicht einen einzigen Sitz im Unterhaus. Und Jahrhunderte lang hat das englische Volk es sich gefallen lassen; mit Ausnahme einiger Perioden der Auftegung ist kein ernstlicher Versuch gemacht worden, diesen widersinnigen Znstand zu ändern; John Bull bildet sich ein, der fteieste Mann unter der Sonne zu sein; die englischen Staatsmänner sind die ersten der Welt; die Philister Englands und aller übrigen Länder schwärmen für die englische Verfassung— und das Alles, weil der reaktionäre Aberwitz„historische Entwicklung" ist! Bismarck wußte, was er sagte, als er den fortschrittlichen Schreihälsen zu- rief:„Geben Sie mir die englische Verfassung und ich gebe Ihnen parlamentarisches Regiment." Sein politischer Hausknecht Bucher, der den englischen Verfassungsschwindel genau kennt, hatte ihn gut instruirt. Ja die„historische Entwicklung!" Der reaktionärste Aberwitz wird durch sie politische Weisheit; der skandalöseste Mißbrauch eine„zeitgeheiligte Einrichtung"(timv bououred institution). Betrachten wir uns diesen reaktionären Aberwitz. Es ist Me- thode darin; und die pfiffigsten Staatsmänner des ContinentS haben kein System erfunden, das so vortrefflich seinen Zweck er- füllte: eine Volksvertretung zu liefern, in der das Volk nicht vertreten ist. Politische Uebersicht. — Denunziatorischer Blödsinn. In einer der letzten Berliner Wählerversammlungen ließ ein gewisser Beutner(ein Individuum dieses Namens war längere Zeitung Redakteur der „Kreuzzeitung") laul Bericht der„Norddeutschen Allgemeinen" Folgendes vom Stapel:„Ebenso nothwendig, wie Maßregeln gegen die Uebergriffe der Hierarchie, der schwarzen Internationale, seien Maßregeln gegen die Sozialdemokratie, die rothe Jnter- nationale, die ja beide in ihrer kulturfeindlichen Tendenz überein- stimmten und bekanntlich(sie) ein Bündniß abgeschlossen hätten. Wir Alle seien Arbeiter(auch das Couponsschneiden ist Arbeit) und auch dem Unternehmer müsse der gebührende Lohn werden(für die „Arbeit" des„Unternehmens"); dem entgegen verlangten die So- zialdemokrateu sür sich allein den ausschließlichen Gewinn(!), wel- wem Ansinnen energisch entgegen getreten werden müsse. Dem Staat liege die Pfllicht ob, der sozialen Frage eine eingehende Aufmerksamkeit zu widmen und auf legislativem Weg(durch„Maß- regeln gegen die Sozialdemokratie"?) ihre Lösung anzubahnen." — Der„Culturkämpfer" Veutner hätte beim besten Willen und mit Aufgebot aller Kräfte keinen glänzenderen Beweis seiner re- aktionären Gesinnung und phänomenalen Unwissenheit liefern köu- nen als er es in diesen drei Sätzen gethan hat. Im ersten Satz Stieber, im zweiten Schulze-Delitzsch, im dritten Kathedersozialist— wahrhaftig, mehr kann man nicht ver- langen.„Maßregeln gegen die Sozialdemokratie"— daS heißt Ausnahmsgesetze, wie gegen die„schwarze Internationale"— Stieb er.„Rothe" und„schwarze Internationale"„bekanntlich" alliirt— Stieber. Zu„kulturfeindlichen Zwecken" alliirt! Nun — da hat der Bursche in gewissem Sinne Recht; die„Cultur" der Herren Bourgeois, welche das„mir und mich" nicht unter- scheiden können, und der elementarsten Bildung ermangeln, wie ein Berliner Correspondent der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" soeben ausgeplaudert hat,— diese„Cultur" beabsichtigen wir „Rothen" allerdings zu„zerstören", und zwar indem wir dafür sorgen wollen, daß wenn auch nicht die„gebildeten" Bourgeois selbst, doch wenigstens-ihre Kinder einen ordentlichen Schul- Unterricht erhalten und etwas Tüchtiges und Nützliches lernen— kurz, der Bourgeois-„Cultur" sind wir entschieden feindlich, also in dieser Beziehung auch„kulturfeindlich". „Wir Alle sind Arbeiter"— Schulze.„Dem Unternehmer muß.der gebührende Lohn werden", aber nicht das Zuchthaus sür„Unternehmer" ä la Quistorp, Wagener, Miguel, beileibe nicht, sondern Alles, was sich dem Arbeiter und dem kaufenden Publikum abpressen und abschwindeln läßt— Schulze.„Die Arbeiter verlangen für sich allein den ausschließlichen Gewinn— Schulze! Schulze, der in seiner bodenlosen Ignoranz bis dato nicht zu kapiren vermocht hat, daß es sich sür die„Sozialdemo- traten" gar nicht um«Gewinn" handelt, sondern um die gesell- schaftlich nothwendige Arbeit aus der einen und die gesellschaftlich nolhwendigen Lebensmittel auf der andern Seite, als„Ertrag" der Arbeit— den Begriff„Lebensmittel" in, weitesten Sinn ge- nommen, d. h. Alles umfassend, waö der Mensch zu einer mensihen- würdigen Existenz braucht. DaS bloße Wort„Gewinn" riecht schon auf 10 Schritte-nach Lotteriespiel, Gründerei, Wagener, Quistorp. „Dem Staat liegt die Pflicht ob, der sozialen Frage eine em- gehende Aufmerksamkeit zn widmen"— halb Stieber, halb K a t h e d e r s o z i a l i st. Die Metamorphose(Verwandlung) vollstreckt sich; die konfiSzirte Polizeiphysiognomie wird uns durch eine Um- drehung des Redners entzogen und die Schöße des Professoren- ftacks werden sichtbar. „Auf legislativem Weg die Lösung der sozialen Frage anbah- nen"— die Metamorphose ist vollbracht, der Kathedersozralrst fertig. Und damit hat dieser neueste„Culturkämpfer" seine Mission erfüllt. Er uiag abtreten,— oder wünscht er etwa, daß w,r ferne Frackschöße mit unfern Fußspitzen examiniren? —«Der Moltke des Kriegs gegen die Ultramon Mit lakonischer, aber um so wirksamerer Aitrze meldet die tauen", so oder ähnlich betitelte das BiSmirck'schc Leiborgan vor!„Frankfurter Zeitung" aus Oesterreich: einigen Tagen Herrn Falck, diese schwarz-weiß-roth gebundene neue Auflage deS schwar�-weiß gebundenen Miihler. ES handelte sich darum, diesen komischen Moltke den wahlmännernden Berliner Weißbier- und Fortschrittsphilistern mundgerecht zu machen; half aber nichts, die Verdienste des neuentdeckten Moltke in Schlafrock und Pantoffeln wurden nicht nach Wunsch der„Norddeutschen" gewürdigt, und der brav: Mann fiel so glänzend durch, daß man fast ein menschliches Rühren empfinden könnte. Nun, die Ehre, welche die Berliner Fortschrittler Herrn Falck vorenthalten haben, wird ihm vielleicht von feinen„Freunden, den Feinden", nämlich den Ultramontanen anzethan und zwar in Anbetracht der allerdings außerordentlichen Verdienste, die er sich um ihre Sache erworben. Man erzählt sich von Washington, er habe einen engli- scheu General, den seine Truppen gefangen genommen, sofort in Freiheit setzen und mit einem Ehrengeleite zu den Engländern zu- rückschicken lasten.„Gefangen, zählt er für nichts; in Freiheit, gegen uns kämpfend, zählt er uns für ein Armeekorps," soll Washington gesagt haben. Wenn nicht wahr, jedenfalls gut er- funden. Und gewiß, daß die Ultramontanen alle Ursache haben, dem Moltke des„Culturkampfs" für feine„geniale Kriegführung dankbar zu sein. Bei den soeben beendeten Landtazswahlen haben sie sehr bedeutende Erfolge errungen. Die Zahlen lasten sich noch nicht genau übersehen, aber sooiel steht fest: die ultramontane Fraktion ist im neuen Landtag wesentlich stärker als sie im vorigen Jahr war; und wenn man bedenkt, daß das für die LandtazSwahlen gültige Dreiklastenwahlgesetz den Schwerpunkt in die naturgemäß „liberalen" besitzenden Klassen verlegt, so sind diese Erfolge freilich geeignet, die preußische Regierung und deren nationalliberalen und sonstigen Chorus mit ziemlich ernsthaften Befürchtunzen für die nächsten ReichstzgSwahlen zu erfüllen, welche nach einem, für die Ultramontanen ungleich günstigeren Wahlgesetz vorgenommen wer den. Nun— Undank ist zwar der Welt Lohn; aber für so boden los undankbar Hilten wir doch die Ultramontanen nicht, daß sie versäumen könnten, die eklatanten Verdienste des„Moltke" Falck in eklatanter Weise zu belohnen. Warum z. B. ihn nicht zum Ehrenmitglied des Piusvereins ernennen? Es wäre daS eine kleine „Revanche" für die boshaftseinsollenden Ehrenmitglicdschafts-Er Nennungen der„Gesellschaft Ulk in Haspe", welche Gesellschaft beiläufig, wie das enfnnt terrible„Gartenlaube" verralhen hat, gar keine Gesellschaft ist, sondern ein einziges Individuum— ein verunglückter Witzmacher, dessen Name uns entfallen ist, und dessen „Witze" von dem„Kladderadatsch" zurückgewiesen wurden(ob gleich dieser es doch wahrhaftig nicht sehr genau nimmt!), weshalb der verunglückte Witzmacher, falls er seine„Witze" nicht bei sich behalten wollte, ans andere Mittel und Wege, sich derselben zu entledigen, bedacht sein mußte. Nun— er erfand die„Gesell schaft", und mit Hülfe dieser„Gesellschaft" und der Reklame� welche die geistreiche Denkervolköpreste dafür machte, rettete unser Bummler zwar nicht„die Gesellschaft", aber doch seine„Witze". — Der preußische Schulmeister, der„Siezer von Sadowa", steht mit seinem Elend nicht allein. In Sachsen hängt den Lehrern der Brodkorb auch hoch genug und sie fangen an zu fühlen, daß man mit schönen Worten wohl dem deutschen Michel den„DentervolkS"- Schädel verdrehen, nicht aber leere Mägen füllen und kalte Stuben heizen kann. Die„Dresdner Presse", ein hochbiSmärckisches Blatt, schreibt anläßlich der Thatsache, daß in jüngster Zeit so viele Beamten„Aufbesserung" erhalten haben, die Lehrer aber wieder wie gewöhnlich leer ausgegangen sind: „Erregt, ja erbittert ist fast die ganze Lehrerschaft, daß sie abermals zu Gunsten Anderer zurücktreten und sich mit schönen Hoffnungen und Vertröstungen auf das Jenseits abspeisen lassen soll. Es ist traurig, aber unter den obwaltenden Umständen.fr klärlich, wenn man selbst von besonnenen Männern des Lehrer standeS die Worte hören muß:„Man drängt uns mit Ge� walt in das Lager der Sozial-Demokratie!" oder:„Als Proletarier können wir im Bunde mit den Sozialdemo kraten nur gewinnen." Wir finden diese Thatsache absolut nicht„traurig". Traurig ist es höchstens, daß die Reptilienfondsstipendiaten so schwer begreifen wollen, daß die Lehrer sich auch als Menschen fühlen, daß sie ebenso gut menschenwürdige und genügende Nahrung, Kleidung und Wohnung nöthig haben, wie die Schuhputzer Bis marcks, und daß sie den gesteigerten Preisen aller Lebensbedürfnisse gegenüber mit vorsündfluthlichen Gehalten nicht auskommen können. Die Thatsache aber, daß das Lehrer-, also Beamtcnproletariat seine Klassenlage erkennt und sich zu der Sozialdemokratie hingezogen fühlt, das ist für uns sehr erfreulich. Jeder Proletarier, verrichte er nun Hand- oder geistige Arbeit, der sich als Mensch im vollen Sinne dieses Wortes fühlt, der sieht ein, daß wer aus dem La- byrinrh des Klassenelends sich herausfinden will, sich der Sozial- demokratie anschließen muß. Und das wird geschehen, ich nun die „Schulzeitung" schöne Phrasen macht, oder die„Dresdner Presse" auf die Sozialdemokraten schimpft. Damit wird keine Butter auf das trockne Brod des Lehrers gestrichen; ein knurrender Magen fegt unbarmherzig alle jene Trugschlüsse fort vom„süßen" Hungern „für'S Vaterland", und wer in einer kalten Stube frieren muß, dem wird die Aussicht auf Abrahams Schooß einen verdammt schlechten Trost gewähren. Wir können den Herren vom Reptilien- fondS nicht helfen; wir haben ihnen schon oft gesagt, daß die Ver- Hältnisse mächtiger sind als die Menschen und wer doch glaubt, daß ein Bismarck oder sonst ein„genialer Staatsmann" hungrige Mägen mit schönen Worten befriedigen und so das Rad der Ge- schichte nach rückwärts drehen könne, der muß sich eben schrecklich enttäuscht finden, wenn er sieht, daß die Inhaber der unbefriedigten Mägen sich in die Reihen der Sozialdemokraten stellen, welch' letztere sie zwar nicht sofort befriedigen, aber ihnen den Weg zeigen können, den man beschreiten muß, um die heutigen unwürdigen Zustände durch andere, bessere zu ersetzen. Das mag ungefähr die „Dresdner Presse" gefühlt haben, als sie folgenden Jammerschrei ausstieß: „Während die Arbeit des GenSdarmen, der den Auswurf der menschlichen Gesellschaft zu überwachen und den Ausbrüchen der rohen Gewalt zu steuern hat, auf S00 bis 750 Thlr. geschätzt wird, taxirt man die des Lehrers, der den Beruf hat, unsere Kinder zu tüchtigen Gliedern der menschlichen Gesellschaft und des Staates zu erziehen, auf durchschnittlich 300 Thlr." Der arme Gensdarm, eine der Hauptstützen in dem Staate und der Gesellschaft, wo der Lehrer hungern muß, soll nun auch noch den Prügelknaben für Reptilienfondsstipendiaten machen, die eine Anwandlung Moral zu predigen befallen hat! Das System, welches die„Dresdner Presse" vertheidigt, hat ja den GenSdarmen nothwendiger als den Lehrer; der Gensdarm ist ein Symbol der modernen Afterkultur. Und— abgesehen davon— wir kennen Leute, die gar nichts thun und doch unendlich höher„geschätzt" werden als der Gensdarm und als der Lehrer. Darüber wundern sich die BiSmärcker der„DreSdn-r Presse" fteilich nicht! „An der Gömörer Bahn sind Arbeiterunruhen ausgebrochen, weil die Subunternehmer oder, wie diese behaupteten, weil die ungarische Regierung den Arbeitern die Löhne nicht bezahlt. Noch he die Arbeiter, 400 Mann stark, sich zusammenrotteten, hatte der Generalunternehmer, Hermann Bachstein, sich natürlich aus dem Staube gemacht. Der Stuhlrichter ließ die hungernden Arbeiter durch Militär auseinanderjagen." Vierzig Millionen für die Hallunken und Diebe der Börse, ein Pump von hundert Millionen für denselben edlen Zweck in Aus- ficht, und für die Arbeiter— statt ihres sauer verdienten Hunde lohn»— Säbel, Kanonen, Pulver und Blei. Ob der durchgt' brannte„Generalunterunternehmer" und Lump durch Gottes gnä dige Fügung wohl auch unter Diejenigen eingereiht werden wird, die bestimmt sind, mit den von Bismarck zu pumpenden 100 Millio nen den Diebstahl an der Börse im Großen wieder in Flor zu bringen und neu zu organisiren? Die Fähigkeit zu diesem edlen Handwerk hat er gezeigt. Mit Militär treibt man in Oesterreich hungernde Arbeiter, die ihren vertragsmäßigen, nur zu sehr zu beanspruchenden Lohn fordern, auseinander, und überhebt einen Spitzbuben seiner verfluchten Pflicht und Schuldigkeit in demselben Augenblick, wo ein„gottgesalbter" Franz Joseph vor dem söge nannten ReichSrathe verspricht, dafür sorgen zu wollen,„daß die ökonomische Thätizkeit vor nachhaltigen Störunzen bewahrt werde". Wir wollen zwar nicht den Herrn Monarchen persönlich dafür verantwortlich machen, wenn in seinem„Staate" Zustände vor handen sind, die seine Worte im R-ichsrathe zu einer unverant- wortlichen Blasphemie gestalten; wir nehmen an, daß der Mann, dessen Schädel bei dem bekannten Präger Attentat durch einen schweren Axthieb nur unbedeutend verletzt werden konnte, sich seine Thronreden von Geheimschreibern und Ministern entwerfen läßt und sie dann abliest. Aber die Komödie ist infam, die da gespielt wird, wo der„Monarch" einem BourgeoiSparlament vor- plaudern muß, der„Staat" sei„von den Ideen des Rechts und der Freiheit getragen", in demselben Moment, wo hungernden, beschwindelten Arbeitern mit Säbel und Bajonnet klar gemacht wird, daß sie deshalb zu hungern haben, damit der Beschwindlcr ungestört seinen Raub davon schleppen kann! Und daS Bourgeois Parlament hat dem Monarchen aus vollem Halse Beifall gezollt, dasselbe Parlament, das jetzt aus Grund der bekannten Wahl reform gewählt ist und das m seiner Zusammensetzung den unumstößlichen Beweis liefert, daß jene sogenannte Wahlreform für die arbeitende Klasse gerade so viel zu bedeuten hat, als die für den österreichischen Arbeiter so ungemein bedeutsame Frage, ob Kaiser Franz Joseph seine Cwilliste in Wien oder in Schönbrunn verzehren will. Vielleicht öffnet die jetzige Zusammensetzung des Reichsrathes auch Manchen die Augen, welche bei Einführung der „Wahlreform" dieselbe für einen„Fortschritt" erklärten und in ihr einen„Schutz gegen staatsfeindliche Elemente" erblickten.„Auf der Rechten," schreibt ein Wiener Blatt,„war daS geistliche Gewand nahezu in der Majorität." WaS nicht Pfaff in diesem Parlament, heißt Bourgeois, Großgrundbesitzer oder„Herr von", mit Ausnahme einiger weniger Kleinbauern. WaS es bedeutet, wenn in einem solchen Parlament von„Recht" und„Freiheit", von„Verhütung ökonomischer Störungen" gesprochen wird, das wissen die Leser des„Volks ftaat". Der schmähliche Gewaltakt an der Gömörer Bahn wird im Reichsrathe, wenn er bis dahin ge- langen sollte, schlimmsten Falls als ein zwar trauriges Vorkommniß, aber doch als eine patriotische und gesellschaftsrettende That ge würdigt werden. So viel der Segen und der Fortschritt der Wahlreform! — Da der Froschdorfer Prinzipienreiter den Satz: daß die Bourbonen nichts gelernt und nichts vergessen haben, für seine Person Lügen gestraft und mit Rücksicht auf die Geschichte Frank reichS den sehr klugen Entschluß gefaßt hat, die in dem Versailler Jntriguenstück ihm zugedachte Rolle nicht übernehmen zu wollen, 'o mußte das Stück rasch umgeschrieben und eine neue Scene ein- gefügt werden.„Wir können keinen Chambord haben! Gut, so wählen wir Mac Mahon! Der Säbel muß ja doch regieren, ob 'ich daS Ding legitime oder konstitutionelle Monarchie, Kaiserreich oder Republik nennt! Also den Säbel direkt! Den brutalen, stupiden, dreinhauenden Säbel, ohne alle und jegliche Verzierung. Vielleicht kommt später eine gemüthlichere Zeit, wo wir einigen monarchischen Zierrath anbringen können. Für jetzt aber heißt die Devise: Säbel saus phrase! Es lebe Mac Mahon— auf 10 Jahre! DaS Weitere wird sich finden!, Nun, es wird sich finden. Ein Vorth'eil ist'S jedenfalls, daß die Situation sich mehr und mehr vereinfacht; die denkeroolklichen Patrioten aber, die mitleidig auf Frankreich herabsehen und Gott danken, daß solche Vorkommnisse in Deutschland nicht möglich sind, 'ei bemerkt, daß diese Vorkommnisse ein Beweis avanzirter Zu lände sind, ein Beweis, daß die reaktionären Elemente, welche das Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte so„stramm" halten, in Frankreich keine Kraft und keine Wurzel mehr haben.— Auch Eure Stunde schlägt!" — W r machten neulich schon darauf aufmerksam, daß die Führer der englischen Gewerkschaften, nachdem sie, durch die zu laut gegen das Ministerium Gladstone sprechenden That- 'achen gedrängt, eine Zeitlang zum Schein die Radikalen und Unabhängigen gespielt haben, jetzt wieder unter der Hand das alte ehrlose Bedientenverhältniß herzustellen versuchen. Den Mittler richtiger Lockvogel(jibt Hr. John Bright ab, der eigens zu die em Zweck wieder ins Ministerium gezogen wurde, und neulich in Birmingham eine„große Rede« zur Befchwindlung denkunfähizer Arbeiter und Kleinbürger geredet hat. Bright ist, so weit man englische Personen und Dinge mit deutschen vergleichen kann, ein ähnliches Gewächs, wie unsere„Achtundvierziger". Nur mit dem Unterschied, daß er sein„48" 10 oder 11 Jahre später hatte, wo er, im Vollgenuß seines in der Agitation zur Abschaffung der Korngesetze erworbenen RuhmS, das Land als politischer Re- ormer durchzog, und die herrschenden politischen Mißstände Eng- landS, namentlich den skandalösen Humbug der sogenannten Volks- Vertretung, und die Cliquenwirthschaft der Regierung und deS Unterhauses, in unbarmherziger Weise geißelte, so daß mancher ganz erfahrene Demokrat sich wirklich einbildete, der Quäker und Großfabrikant Bright sei trotz feines freihändlerischen Fanatismus ein revolutionärer Demokrat geworden. Nun— die Jahre ver- gingen. Hr. Bright erkrankte an Gehirnerweichung und mußte, wie man glaubte, für immer, vom politischen Schauplatz zurück- treten. Er genas aber wieder und wurde von Hrn. Gladstone, der sich aufs politische„Geschäft" versteht,„eingefanzen". In seiner letzten Birminghamer Rede wiederholte er eine beträchtliche Zahl seiner alten Reformphrasen, hütete sich jedoch wohlweislich, die heikle Frage zn berühren, wie ein solch demokratischer Mann es mit seiner jähre vereinigen könne, in einem so reaktionären Ministerium zu sitzen; und verneinte eS vor Allem, irgend welche Versprechungen zu geben! Trotzdem werden die d-mokratisten Phrasen, mit denen Hr. Bright das Publikum eingeseift hat, von dem„Beehive"(s. dessen letzte Nummer) mit einer Leichtgläubig- keit, die man unmöglich für ächt halten kann, für baare Münze genommen, und auf Grund dieser Bright'schen Phrasen Vertrauen in daS Ministerium Gladstmc gepredigt. Die schamlosen Versal- gungen der Arbeiter durch dieses Ministerium, sein schamloses Verfahren in allen die Arbeiter betreffenden Fragen, seine grau- same Politik gegen die gefangenen Fenier, die nun ins achte Jahr im Kerker schmachten müssen— all diese Thatsachen sind nichts! Die Phrasen des Hrn. Bright wiegen schwerer als diese That- fachen. DaS Ministerium Gladstone ist ein„liberales" Ministe- rium, ist ein„arbeiterfteundlicheS" Ministerium— Hr. Bright sagt eS. Und weil Hr. Bright es sagt, muß es wahr sein, sagen die Herren Potter und sonstigen Führer der englischen Gewerk- vereine! Wie lange werden die englischen Arbeiter sich noch von diesen Gesellen humbuggen lassen? — In Nr. 129 deS„Neuen" wird unsere in Nr. 99 des„Volks- staat" angeführte Thatsache, daß Hasenklever bei Ausbruch deS Krieges im Juli 1870 neben der Kriegsanleihe„auch für die vom norddeutschen Reichstag an den König von Preußen gerichtete servile Adresse gestimmt hat", als„infame Lüge dieser nichts- nutzigen Lügengesellschaft" erklärt und dazu die weitere Bemerkung gemacht:„Ist die Dummheit oder die Frechheit der Volksstaat- Literaten mehr zu bewundern bei solchen offenkundigen Lügen? Dies ist die einzige Frage, die wir an unsere Leser richten." Wir bekennen, daß unS allerdings eine größere Frechheit, wie sie der„Neue Sozialdemokrat" mit dieser Behauptung wieder be- gangen hat, noch nicht vorgekommen ist. Wie er die von uns � behauptete Thatsache: Hasenklever habe bei Ausbruch des Krieges: für die 100-Millionenanleihe gestimmt, in der frechsten Weise da-, durch abzuleugnen suchte, daß er seine Abstimmung bei der zweiten; Kriegsanleihe im November 1870 unterschob, genau so macht er eS jetzt mit der Abstimmung über die Adresse. Die Abstimmung,> auf die sich der„Neue", auf den stenographischen Bericht gestützt, bezieht, ist die Adresse, welche der norddeutsche Reichs- tag im December 1370 an den König von Preußen in seiner neuen Eigenschaft als deutscher Kaiser richtete. Die Adresse, auf die der„Bolksstaat" in Nr. 99 sich bezog, ist, � wie der dort angeführte klare Wortlaut zeigt, die Adresse, welche! der norddeutsche Reichstag bei Ausbruch des Krieges am 20. oder 21. Juli 1370 an den König von Preußen beschloß. lieber dies- Adresse ist nicht namentlich abgestimmt worden und j ür diese Adresse haben Hasenklever wie Schweitzer ge- stimmt.'. j Wir halten also unsere in Nr. 99 gemachte Behauptung in vollem Umfange aufrecht und überlassen es getrost der deulschen Arbeiterwelt, über eine so bodenlose Frechheit und Verlogenheit, wie der„Neue" sie in seiner Nr.>29 zur Schau trägt, ihr Ur- � theil zu fällen. Beiläufig bemerkt, wagt der„Neue" mit keinem Wort die � übrigen in unserer Nr. 99 angeführten Thatsachen zu bestreiten, f — Der Gruß Most'S an die Parteigenossen in Nr. 96 des „VolkSstaat" hat uns eine neue Untersuchung eingebracht. Das Justizministerium hat gegen den Artckel Privatanklage erhobeu. Berichtigung. Wie unS mitgetheilt wird, steht Herr Karl Bruhn mit der Redaktion des„Hamburger Sozialdemokrat" in keiner Verbindung. Unsere betreffende Notiz in voriger Nummer ist daher in diesem Punkt zu berichtigen. Natürlich ändert die» nichts an der Thatsache, daß die Redaktion des genannten Blattes sich mit fremden, von ihr sonst angefeindeten Federn geschmückt hat. Die Stellung des Herrn Bruhn zu Karl H-inzen und dessen „Pionier" haben wir richtig gekennzeichnet. Znnere Partei-, Berwaltungs-«ad Organisatioas- Aagelegeaheitea. An die Parteigenossen! Nachstehende, neu angemeldete Vertrauensmänner pnd bestäugt worden:. l Aalen i. W.: Fciedr. D-nninger. Cassel: I Gernhardt. Leukersdorf: Hermann Eckhardt. Magdeburg: Otto Köhler. N-ukirck-n: B. Anton Grnnect. Soest: H. Steinkemper. Staßfnrt: W. Fischer. W-ißenburg a. S.: Moritz Otto. Zugleich erinnern wir hier an A 7 der Geschäftsordnung, wonach die Beiträge für Oktober spätestens am 15. November an den Parteikassirer H. Benneke, kleiner Schäferkamp 3t, Ham- bürg, eingesandt sein müssen, widrigenfalls Mahnung der säu- mige» Orte im„VolkSstaat" erfolgt. Vertrauensmänner, welche noch Verwendung für Listen zum Parteiwahlfond haben, wollen solches baldigst an Geib berich- ten. Hamburg, 8. November 1373. �■■ Der Ausschuß. 3 A: R. Praast. Aug. G-ib, RödingSmarkt 12. Mit Gruß! Gewerksgeuossenschaftliches. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Arnstadt. Den 2. November fand hier ein- außerordentliche Gewerkschafts-Versammlung statt, in welcher Herr KrauthauS einen Vortrag über die G-werkschaftsb-wegunz hielt. Die Ver- ammlung war ziemlich zahlreich besucht, sie wäre aber vielleicht noch stärker besucht worden, hätte nicht die Redaktion des hiesigen Blattes uns wieder einen Streich gespielt und statt den 2. den 22. November annoncirt. Der Vortrag des Herrn Krauthaus war nach allen Seiten hin als ein gelungener zu bettachten. Außerdem hat es uns noch gefreut, daß eine Anzahl Erfurter Parteigenossen unS mit ihrer Anwesenheit beehrten; mögen sie bald wieder kommen, denn solche« gegenseitiges Zusammentteffen ist nur dazu angethan, das Vereinsleben zu heben. Wenn, wie wir geglaubt, unser Verein auch nicht einen großen Zuwachs an Mit- gliedern bekommen hat, denn es haben sich blos zwei nach der Aufforderung des Herrn KrauthauS bereit erklärt, demselben bei« zutreten, so lassen wir doch nicht den Muth sinken und hoffen, daß derselbe mit der Zeit erstarken wird, um andern Bereinen ebenbürtig zur Seite stehen zu können. Friedrich Schaller, Schriftführer. ül h- in b- SD Zu d< 90 (u de ge fei 8« ii- «u «i, Verein für Sattler und Berufscollegen. Aerki«. Wir machen sämmtlichen Mitgliedschaften hierdurch bekannt, daß die der Prüfungskommission übersandten Congreß- Protokolle eingeschickt worden sind, und werden dieselben sofort dem Druck übergeben. Alle Vertrauensmänner werden aufgefor- dert, sobald wie möglich den Vorstand zu benachrichtigen, wie viel Protokolle sie brauchen. Außerdem machen wir bekannt, daß in Offcnbach ein unent- geltlicheS ArbeitSnachweisebureau bei Adolf Heiland, Geleitstr. 41, errichtet ist. Die Reiseunterstützung wird ausgezahlt bei H. Witzig, Hintergasse 17. Der Arbeitsnachweis in Stuttgart befindet sich «arlstraße 16,„Gasthaus zur deutschen Fahne". Die Reiseunter- sttttzung wird ausgezahlt bei C. Stortz, Gymnasiumstraße 47. Der Vertrauensmann in Karlsruhe wohnt jetzt Zähringerstraße 72. Straßer, Vorsitzender, Marienstraße 7, Hof rechts 2 Treppen. Hffeuvach. Der Mitgliedschaft Berlin für 10 Thaler zur Deckung der Congreßtostcn unfern herzlichen Dank. Im Auftrage sämmtlicher Mitglieder: Kretz, Vertrauensmann. Gewerkschaft der Schuhmacher. Der Bevollmächtigte für Eßlingen heißt Georg Deuble und wohnt Apothekergasse Nr. 3, bei Herrn Hun«. W. Bock. Correspoudenzen. Zlresden. lieber den Strike der Töpfer. Als wir am 30. Septbr. den Strike begannen, hatten wir die Absicht, die U;* gleichheit unserS bestehenden Lohntarifs aufzuheben, und jedem Col- legen, der hier sein Brod verdienen will, und desien Leistung- fähigkeit den normalen hiesigen Anforderunzen entspricht, seine Existenz, auch mit Familie zu gewährleisten. Zum Ucberfluß haben wir bei unserer schriftlichen Vorstellung unsere Arbeitgeber, die in einem Bund coalirt sind und sich solidarisch verpflichtet haben, nur nach Uebereinkunft die Lohnerhöhung zu bewilligen, eine Vor- brauchsberechnung aufgestellt, die auf den bescheidensten Anforde- rungen beruhte. Schon dadurch, daß wir fast einstimmig den Strike beschlossen, ist bewiesen, daß alle unsere Collegen von der Nothwendigkeit durchdrungen waren, den Kampf aufzunehmen, an- dcrerseitS ist auch bewiesen, daß unsere Arbeitgeber nicht einzeln auf unsere Vorschläge eingehen wollten. Wären alle Collegen, die an dem Beschluß deS StrikeS theilgenommen, treu bei der Fahne ge- blieben, so mußte der Strike schnell beendigt sein. Aber eS ist auch bei uns wie überall: ist der Mensch erst einmal nerv- und markloS, dann wird er auch geist- und charakterlos. Gerade die- jenigen unter uns, die bis jetzt am besten situirt waren, die also noch Kraft hatten, führen den Kampf durch für ihre leidenden Brüder. Es wird nochmals versucht werden, mit den Meistern in Unter- Handlung zu treten. Scheitert auch dieser Versuch, dann mag kommen was da will; wir hoffen auf unsre Freunde und geben nicht nach. Vor Zuzug wird gewarnt. Das Comit6 der Töpfer. Dresden, 1. November. Der„Dresdner Volksbote« bringt über ein Agitationsscharmützel unseres Parteigenossen Auer fol- genden lesenswerthen Bericht: „Volksversammlungen mit Hindernissen sind eS, über die der ! Schreiber dieses jetzt zu berichten hat. Nachdem das Dresdner Agltationscomitö sich mit mehreren Parteigenossen in der Lausitz i in Verbindung gesetzt hatte, zu dem Zwecke, die etwas zurückge- bliebene Agitation in jener von Arbeitern so dicht bevölkerten Ge- | gend wiever regsamer zu betreiben, begab sich Auer am verflossenen Sonnabend nach Kamenz, um dort in einer Partei-Versammlung, die sehr gut besucht war, über das Thema:„Die göttliche Welt- vrdnung« zu refcriren; die Versammlung war sehr animirt und zeigte es sich aufs Neue, daß allen Bemühungen der Bourgeoisie Zum Trotze, dort wo die Arbeiter einmal die Lehren des Sozialis- mus vernommen haben, sie daran auch festhalten. Die Versamm- lung verlief ohne Störung. Nicht so friedlich sollte eS in der in Königsbrück für den nächsten Tag, also Sonntag, den 27. Oktbr., Abends 6 Uhr angemeldeten Volksversammlung hergehen.— j Schon vor ungefähr 8 Wochen hatte dortselbst eine VolkSversamm- lung, in der Walster rcferirte, stattgefunden und schon damals kostete es Mühe, die Versammlung vor der Auflösung durch die hohe Polizei zu bewahren; dieses Mal aber sollte und mußte, so ging daS Gerede unter den Spießbürgern, der drohenden, petro- leumschwangeren Agitation ein„Bis hierher und nicht weiter" ent- gegengerufen werden. Um diesen Zweck aber auch sicher erreichen Zu können und jede Opposition, die sich dagegen erheben könnte, von vornherein niederzuschlagen, wurde die ganze verfügbare Poli- Zn auf die Beine gebracht und erschienen, um ja jedes staatSge- Wrliche Wort sofort notiren zu können, 3(sage drei) mit dem Gänsekiel bewaffnete StaatSretter in Gestalt zweier Assessoren und ilnes Referendars, zugleich waren aber auch die sämmtlichen Ver- > lretcr der„höheren Stände« anwesend, um Zeuge des grausigen Spiels zu fein und sich daran zu ergötzen, wie der sozialdemo- kratische Wolf in die Falle sächsischer Gerechtigkeit fällt. Die Ver- sammlung, die um halb sieben Uhr begann, war äußerst zahlreich besucht und begann der Kampf sofort bei Beginn derselben, indem ber Stimmsührer der„honnctten Gesellschaft", Herr Schuldirektor Schubert, gar zu gerne Borsitzender gewesen wäre, die Majorität ber Versammlung aber hartnäckig darauf bestand, daß Parteige- nossc Mendt aus Kamenz den Borsitz führe, was nach zweimaliger Abstimmung, in der sich jedesmal die unbestreitbare Majorität flir Mendt ausspracht endlich auch geschah. Jetzt trat eine kleine Muthlosigkeit bei unfern Gegnern ein, doch ein Blick auf die uberwachende Polizei gab ihnen neuen Muth und wahrhaftig sie hatten sich nicht getäuscht, denn, kaum hatte das Referat begonnen, in welchem die„Rechte und Pflichten des deutschen Volkes« besprochen werden sollten, so warf sich Herr Assessor Mäusel oder Meusel dazwischen und forderte den Vorsitzenden auf, den Redner zur Ordnung zu rufen und zwar deswegen, weil derselbe erklärte, daß die in den deutschen Landesverfassungen dem deutschen Volke garantirten Rechte, als da sind Preß-, Vereins- und Versamm- lungsfreiheit, unabhängige Gerichtsbarkeit, Redefreiheit, Freiheit der Wissenschaft und so weiter durch die betreffenden AusführungS- gesetzt zu Nichte gemacht sind und eS mehr oder minder von der uuslegekunst der betreffenden Richter abhängt, waS der Deutsche 1«» Recht nennen darf oder nicht, besonders aber fei es Bismarck gelungen, dem deutschen Michel die Zipfelhaube übers Ohr zu w �' f0 baß man heute von Rechten und Freiheiten spreche, wo �hr oder minder nur Willkür herrsche. Der Redner habe Staats- lurichtungen verächtlich gemacht, erklärte der Herr Assessor, er müsse zur Ordnung gerufen werden. Welche StaatSeinrichtung verächtlich gemacht worden sei, ob der„deutsche Michel oder seine Zipfelhaube", oder ob der Herr Assessor wohl gar Junker Bismarck, derzeit Fürst Bismarck, für eine-StaatSeinrichtung ansieht, wissen wir nicht. Ebenso wenig aber wußte eS Mendt und da der Herr Assessor es zu sagen unterließ, so stellte Obengenannter die Frage, waS für eine Staatseinrichtung verächtlich gemacht worden sei? Doch das war zu viel und mit einem„Die Versammlung ist auf- gelöst« war das Drama für den Sonntag zu Ende geführt. Un- geheurer Jubel von Seiten der anwesenden Bourgeoisie folgt die- fem Machtworte, allseitiges Frohlocken in den Reihen der„an- ständigen Leute.« Da! wie der Blitz aus heitrem Himmel, fährt die Nachricht mitten unter sie, morgen Abend ist abermals Volks- Versammlung und der Referent derselbe. Die Tagesordnung aber, „die Religion der Sozialdemokratie", das war zu viel für die edlen Spicßbürzer-Herzen, umsonst haben sie also ihrer Freude den unmäßigsten Ausdruck verliehen, also zwei Volksversammlungen waren angemeldet, an zwei aufeinander folgenden Tagen. Der Montag Abend kam und das Lokal, ein ziemlich großer Saal, war möglichst stärker wie das erste Mal besetzt. Pietschmann wurde zum Vorsitzenden gewählt und der Referent begann seinen Vortrag. Derselbe begann damit, daß er erklärte, die Sozialisten sprächen im Gegensatze zu Christus:„mein Reich ist von dieser Welt", sie hätten es aufgegeben sich darüber den Kopf zu zer- brechen, wie es im Jenseits aussehe, ihr Streben sei darnach ge- richtet, es sich auf Erden so wohnlich als möglich einzurichten und alle Menschen möglichst glücklich zu machen, er könne also nicht von einer Religion, die sich mit Ueberirdischem befaßt, erzählen, unsere Religion ist irdischer Natur, unsere Glaubenssätze sind eben unser Programm.— H-li! hieß eS aber hier mit einem Male, ich kann nicht dulden, daß der Redner von dem Programm der sozialdemokratischen Arbeiterpartei spricht, erklärte der den Lesern schon bekannte staatsrettende Assessor, das gehört nicht zur Tages- ordnung. Nun ich spreche von unfern Grundsätzen und den uns beseelenden Ideen, erklärte der Referent, und daS ist unsere Reli- gion, die Religion der Sozialdemokratie. DaS geht an, in diesem Sinne gestatte ich dem Redner zu sprechen, erklärte hierauf der „Ueberwachende". Der Redner fuhr nun fort, die Grundsätze der Demokratie näher zu beleuchten, und es ging eine geraume Weile ohne Unterbrechung fort, bis der Referent auf den Unterschied, der zwischen Menschen und Menschen bei der Vertheilung der pa litischen Rechte gemacht wird, hinwies und als Beispiel daS Wahl recht zum sächsischen Landtag anführte, nach welchem erst der mit einem Thaler Besteuerte wahlfähig, erst der Zehnthaler-Mann fähig sei, Abgeordneter zu werden. DaS war nach der Auffassung des Herrn Assessors wieder eine Herabwürdigung und Verhöhnung von Staatseinrichtungen, nach der Auffassung des Herrn Assessors also dürfen Staatsgesetze nicht öffentlich erwähnt werden, denn dieselben sinken dadurch in der Achtung der Staatsangehörigen; nun so ganz Unrecht mag der Herr Assessor nicht haben, denn manches Gesetz enthält Bestimmungen, die, wenn dem Volte ins rechte Licht gestellt, auf dasselbe einen gar eigenthümlichen Eindruck machen müssen. Nachdem der Redner nun den unvermeidlichen Ordnungsruf zum zweiten Male weg hatte, gelang eS ihm endlich, sein Referat zu Ende_ zu bringen.— Nun aber begann die Zeit der Rosen für die Herren Bourgeois. Zuerst kam ein Kamin- kehrer dran, welcher der Versauimlung die Mittheilung machte, daß sein Geselle besser daran Jei und mehr verdiene, wie er, der Meister, zugleich stellte der Herr die Frage an den Referenten, was denn die Arbeiter gegenüber den Arbeitgebern für Pflichten hätten jc. AlS Hauptredner der Gegner ging der schon erwähnte Herr-Achuldirektor Schubert ins�geug, der aber trotz seiner schul- meisterlichen Gescheidtheit nicht mehr zu sagen wußte, als wie, daß ihm jedesmal ein Stich ins Herz gehe, wenn er von einer Volks- Versammlung höre, und daß die Sozialisten dem Arbeiter den Frieden aus dem Herzen reißen, den Niemand wiedergeben könne und, daß es für Königsbrück gar keine soziale Frage gebe, denn da lebe Alles in größter Eintracht, Liebe und Zufriedenheit. Besonders erbittert zeigte sich der Herr Lehrer über den einen AuS- spruch des Referenten, daß eS Grundsatz der Sozialdemokratie sei, nicht nach Glauben, sondern nach Wissen zu handeln. Der Re- ferent, der nun das Schlußwort nahm, gab dem guten Kamin- kehrmcister den Rath, mit seinem Gesellen einen Tausch einzu- gehen und selbst die Essen zu kehren, wodurch sofort seiner Roth abgeholfen sei, und stürmisches Gelächter der Versammelten be- zeugte, wie sehr man von der Lächerlichkeit jener Behauptung überzeugt war; dann sich gegen die Ausführungen des Schul- direktorS wendend, tadelte Redner die denunziatorische Art und Weise, mit der der Herr Lehrer von Aufreizung der Arbeiter seitens der Sozialdemokraten gesprochen habe zc., dann stellt Redner die Frage auf: ob der Schuldirektor glaube, daß Königsbrück mit einer chinesischen Mauer umgeben sei, daß er davon spreche dieser Ort werde von der sozialen Frage nicht berührt. Redner zeigte dann, wie Allerorts und Ueberall in allen Kulturstaaten dieselben Erscheinungen zu Tage treten, wie der Kleinbürger und Bauern- stand ebenso sehr in Mitleidenschaft gezogen sei, wie der Arbeiter, der Proletarier in den Jnduslriebezirken, und daß es ganz falsch sei, seinem mit Riesenschritten nahenden Unglück dadurch aus dem Weg gehen zu wollen, daß man die Augen schließe, oder die Hände müssig in den Schooß lege. Darauf erklärte Redner, wie er dazu komme zu behaupten, das Wissen dem Glauben vorzuziehen. Er weist daraus hin,-daß zu allen Zeiten und bei allen Völkern die Vorstellung über das höchste Wesen,„Gott" genannt, sich nach den Bildungsgrade deS Volkes gerichtet hätte, je höher die Kultur und die Bildung eines Volkes steige, desto ideeller werde die Vor- stellung von der Gottheit. Heute sei die wahre Wissenschaft sich darüber einig, daß nicht Gott die Menschen, wohl aber die Menschen sich Götter machen. Jetzt war eS aber vorbei, wie von einer Schwungfeder geschnellt, flog der Herr Lehrer in die Höhe und mit Händen und Füßen zappelnd, verlangte er das Wort, ob- wohl der Referent noch nicht geendet. Und nun, nachdem das Wort ihm gestattet, begann er, der Lehrer des Volkes, eine Je� remiade darüber, daß der Referent sich erlaubte, so ketzerische Aw sichten auszusprechen.„Der Referent habe Gott geschmäht," so rief mit weit ausgebreiteten Armen der sich nun wie wahnstnnig geberdende Volksschullehrer, er darf nicht mehr weiter reden. Wie man etwas schmähen kann, an dessen Existenz man nicht glaubt, dieses uns klar zu machen hat der jjute Mann vergessen. Doch brachte die eines Polizeispitzels würdige Denunziation ihre Wir kung hervor, denn der überwachende Beamte erklärte die Versamm lung für aufgelöst. Der Zweck, den wir verfolgten, war indeß erreicht, eine ganze Reihe von Arbeitern erklärten sich bereit in die Reihen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei einzutreten und selbst eine Anzahl ansässiger Bürger gaben ihre Sympathie mit»nsern Grundsätzen zu erkennen. Hoffen wir, daß der gestreute Saamen gute Früchte tragen möge und dem Herrn Lehrer bald wieder Ge- legenheit gegeben werde, sich gegenüber einem Arbeiter im Rede- kämpf zu blamiren." Verlin, 7. Nov. Schon in einer früheren Nummer des „BolkSstaat" sprach Freund Baumann die Ansicht auS, eS mangele unserer Partei hier am Orte an agitatorischen Kräften. In Nr. 108 deS„Volksstaat« fühlt sich Freund C. D. nun veranlaßt, diese Behauptung zu wiederholen. Dem gegenüber hatte ich es für geboten, diesem grundirrigen und sogar schädlichen Nothschrei mit aller Energie entgegen zu treten. Irrig nenne ich diesen Nothschrei, weil wir in Berlin ca. 4 bis 5 Redner haben, die wir dreist zu den besseren unserer Partei rechnen können, und wir außerdem über 20 Parteigenossen in Berlin haben, die theil» be» reitS referirt, theilS sehr gut im Stande sind, Referate zu über-- nehmen. Diese Leute halten sich aber alle zurück, das Agitire» den„ersten Kräften« überlassend. Hierin werden sie durch Jam- mern und Wehklagen nur bestärkt, und deshalb muß ich dies für schädlich erklären. ES ist vielmehr Pflicht, durch Anspannung aller uns zu Gebote stehenden Kräfte die bisher unbenutzten Ta- lente zu entwickeln und so für die Gesammtpartei Agitatoren zu schaffen und nicht solche zu entziehen. So sehr die aufopfernde Thätigkeit Auer's und Kayser'S unserer Partei genützt hat, so ist doch gerade sie Schuld daran, daß viele Andere die Hände in den Schooß legten. Charakteristisch für den Nothschrei ist noch, daß Baumann unbestreitbar einer unserer besten Redner ist; C. D. (Anonymus, wir kennen Dich!) sehr gut ein solcher sein könnte, wenn er nur wollte. Als Beweis, daß Berlin viele latente(verborgene) Kräfte be- sitzt, diene nur daS Wirken unseres Freundes Körner im Rhein» land, dem hiermit ein kräftiger Händedruck gewidmet sei. Ed. Bernstein. Sonneöerg, 5. November. Wie an verschiedenen Orten wurde auch hier der alte abgedroschene„Auftuf an alle Krieger" zum Abdruck in hiesigem Lokalblatt gebracht. Der hiesige Vertrauens- mann, wohl wissend, daß der Sonneberger Arbeiter mit seinem Unverständniß für unsere Partei leicht empfänglich für derartige Hetzereien ist(obgleich die Verhältnisse der hiesigen Fabrikarbeiter so ziemlich„unterm Hund" sind), beauftragte mich, eine Erwi- derung aufzusetzen, was ich auch möglichst kurz that. Der hiesige Landrath Ziller fand jedoch ein Vergnügen darin, die einmal auf- merksam gemachten Krieger noch mehr aufzustacheln, und schickte der Redaktion genannten Blattes einige Auszüge aus dem„Volks- staat" ein. welche unsere Partei tompromittlren mußten, aus dem einfachen Grunde, weil ihnen die im„Volksstaat" vorangehende» Thatsachen weggelassen waren. Um uns nun nicht ganz und gar über den Haufen werfen zu lassen, bekomme ich vom Vertrauens- mann(Greiner) nochmals den Auftrag zu einer Erwiderung, welche auch eingesandt wurde. AlS einziger Setzer deS Lokalblattes refp. Verfasser des„Eingesandt" konnte es nicht fehlen, daß ich der Behandlung, welche diesem Artikel von dem Redakteur MyliuS— einem einfältigen Bourgeois— zu Theil wurde, einige Aufmerk- samkeit schenkte, wobei ich die Erfahrung machte, daß der Redakteur den Artikel vor dem Abdruck dem Herrn Landrath Ziller zur Durchsicht übersandte und schließlich gar nicht zum Abdruck kom- men ließ. Ich konnte mir Dies, wenn ich nicht als Feiger da» stehen sollte, nicht gefallen lassen, und benachrichtigte den Ver- trauenSmann vom ganzen Hergang der Sache. Dieser stellt de« indiscreten Redakteur zur Rede und erzielt weiter Nichts, als— daß ich arbeitslos wurde. Das ist für einen Familienvater eine sehr mißliche Sache; indeß, Opfer müssen gebracht werden, und auch ich war gern bereit, kür die Partei einzugehen, zumal ich glaubte, daß meine Arbeitslosigkeit die hiesigen Parteigenossen be- weaen würde, mir in einer der hiesigen Fabriten eine anden Be» schäftiguüg zu verschaff..� Aber weit gefehlt. Anstatt mich ,u empfehlen, wurde ich aus reiner Anerkennung diüünztrt, und bm in Folge dessen, trotz aller Bemühungen, fert 14 Tagen arbeits- loS. Wo die Arbeiter selber ihre Genossen an'S Messer liefern, da sieht es freilich noch sehr trostlos aus. Joh. Br. Langenbirk«». Wie im„Rechtsstaate" Preußen den Arbei» tern Gerechtigkeit widerfährt, davon sei hier ein Stückchen nach dem„Dresdner Volksbote" wiedererzählt. Mitte Oktober hatten wir aus dem„Volksstaat" erfahren, daß Walster aus Dresden nach Breslau kommen würde, um dort bei einem Feste die Festrede zu halten. Wir wandten uns an den Ausschuß der Partei, um zu erwirken, daß Walster auch hier für un- sere Grundsätze wirke. Gelegenheit dazu sollte ihm ein Fest geben, da« wir zu begehen gedachten, und wir fteuten uns um so mehr auf dasselbe, da auch Oehme aus Breslau seine Mitwirkung zu- gesagt hatte. DaS Programm welches unser Vertrauensmann August Kühn mit den Freunden gemeinschaftlich entworfen, bestand in einem Festzuge, in Concert und Festrede; sowie schließlich in einem Tanz- vergnügen. Und sollte nun wohl ein Riensch eine Ahnung haben, daß die, die von des Arbeiters Schweiß ihren Wohlstand oder Reich- thum herleiten, durch ihre Polizei, denn sie sind die Herren, dieses Programm in Bezug auf alle drei Punkte zu maßregeln und zu beeinträchtigen, die Stirn haben würden? Und dennoch ist es geschehen in einer Weise, die den„Rechts- staat" Preußen ins richtigste Licht zu stellen vermag. Der Festzug mußte gestattet werden, denn es war auch nicht das geringste polizeiliche Bedenken aufzutreiben, waS in einem auf 3 Stunden langgestreckten Dorfe auch nur einigermaßen plausible Handhabe dazu geboten hätte, zumal die Dächer, weil Stroh theu» rer als Stein dort, um so weniger feuergefährlich erscheinen konnten, als der Zug ohne Fackeln bei Hellem lichtem Tage stattfand und die Arbeiter dort im Freien jedenfalls nicht so viel Petroleum auSathmen, um die Häuser damit in Brand zu stecken. Und wenn man nun bedenkt, wie der Bourgeoisie in den volkreichsten Städten Festzüge mit Tausenden vdn Theilnehmern schrankenlos gestattet wurden, wie den Studenten z. B. auch ihre Fackelzüge durch die Straßen der Stadt unbedenklich freistanden, so wird man sich auch ein Urthcil bilden von der Ungenirtheit, mit welcher man dem Festzuge folgende in einem erschrecklichen Deutsch abgefaßte Be- dingungen stellte: 1. Die Aufstellung d-S Auszuges wird nur nachgegeben(wie reizend! die von uns bezahlte Polizei giebt uns nach!) auf dem sogenannten Hinteren Dorfwege aufwärts von dem Gastwirth Pohl'schen Gasthofe im Bezirk Mittel-Bielau. 2. Die von hier nach Peterswaldau führende(nebenbei bemerkt, höchst wenig frcguentirte) Straße darf bei dieser Aufstellung unter keinen Umständen berührt werden. 3. Zu mehrerwähnter Aufstellung wird nur die Zeit von Zehn Minuten frei gelassen(daß so-ine Behörde überhaupt daS Wort „frei" noch gebraucht) und von präcise drei Uhr ab, nach der ev. von dem überwachenden Polizeisergeanten Bieneck dem Unternehmer Kühn vorzuzeigende Uhr.(Eine Polizeiuhr geht natürlich stets richtig, recht oder rechts.).. �. 4. Der Aufzug hat sich ohne jeglichen anderweitigen Aufent- halt demnächst,(soll heißen nach Ablauf der Zeit) auf der Straße von Peterswaldau in den hiesigen Ort(könnte eS nicht auch heißen i euf dem hiesigen Ort nach PeterSwaldau» doch nein, diese Straße darf ja nicht berührt werden) und weiter auf der Hauptstraße letzteren(Chaufs6)(soll wohl heißen:, de« Ort«?) bis in den Gasthof zum goldenen Schwerdt zu begeben, woselbst Unverzügliche Auf lösung de« Aufzuges einzutreten hat. 5. Der Letztere hat bis dahin begegnender Wagenfahrt(die nicht ist) und Viehtriebe(Sonntags Nachmittags um Z Uhr!) rechtzeitig und unter sofortigem Einstellen der Musik(gebietet das einmal den herrlichen KriegSheer-Commandeuren!) auszuweichen. 6. Für die strenge Befolgung dieser Bedingungen, sowie für jeglichen Nachtheil und Schaden aus Unterlassung derselben bleibt, bei gleichzeitiger Zurücknahme vorliegender Erlaubniß, zunächst Herr Kühn verantwortlich. Langcnbielau, 10. Ott. 1S73. Die Polizei-Behörde. KieSling. Muß nicht einer denken, wenn er solche haufenweise der ttein- lichsten Borschriften liest, eS wäre Sonntags in Langcnbielau und Sjar auf den Hinteren Wege ein Wagenverkehr der gefährlichsten rt, eine Verkehrsstörung ohne Gleichen zu erwarten und ein Ausweichen unmöglich? War auf diese Weise dem Festzuge Alles vorgeschrieben worden, was verhinderte, daß die Mastbürger allzulange und allzunahc den unangenehmen Anblick ihrer ausgebeuteten Arbeiter genießen muß- ten, so mußten auch dem Feste im Saale die nöthigen SicherheitS maßregeln zu theil werden. Die polizeiliche Verfügung hierüber lautet wie folgt: »Daß Sie mittels Eingabe vom 8/10. d. M. die Abhaltung eines allgemeinen Arbeiterfestes zum 12. Oktober c. in den Lora- litäten zum goldenen Schwerdt von 4 Uhr Nachmittags ab, an- gezeigt haben, wird hiermit bescheinigt. Was dagegen den dort gleichzeitig angezeigten zwischen 7—8 Uhr Abends beginnenden(soll heißen beginnen sollenden) und gegen 3 Uhr Nachts endenden(soll heißen enden sollenden) Ball anbetrifft, so darf derselbe, in Erwägung, daß Sie damit eine Tanzbelustigung beabsichtigzn,(wört- lich), unter Befolgung der Verfügung des königlichen Landraths- amtS zu Reichenbach,(welches, nebenbei bemerkt, auch die merk- würdige Eigenthümlichkeit hat, manchmal zu verreisen), vom 16. August c. welche die gänzliche Versagung öffentlicher Tanzmusiken anordnet, um so weniger diesseits gestattet werden, als Sic iu Ihren, heute zum Aushange gebrachten Zetteln zu Betheiligung an dem Balle, d. i. an öffentlichen Tanzvergnügen(schauderhaft!) öffentlich auffordern. Schließlich werden Sie im Verfolge des Ihnen heute einge- händigten Bescheides vom 10. duj. nochmals besonders bedeutet, daß nur die Aufstellung des Aufzuges auf dem Hinteren, ebenfalls öffentlichen Dorfwege, nicht aber die Ansammlung der einzelnen Theilnehmer an denselben dort erlaubt ist. Wird diesem Verbote zuwidergehandelt, so haben Sie den Ihnen bereits angekündigten Widerruf der Genehmigung zu qu. Aufzuge ohne Weiteres zu ge- wältigen. Langenbielau, 11. Ort. 1873. Die Polizei-Behörde. Kiesling. Betreffende landräthliche Verfügung war acht Wochen vorher wegen bedenklicher Annäherung von Cholerafällen erlassen, aber sieben Wochen lang, wie der Langenbielauer Polizei vorgehalten wurde, nicht befolgt worden, erst als die Arbeiter kamen und nach- dem die Gefahr der Cholera als beseitigt angesehen werden konnte, wurden sie von cher gerechten Langenbielauer Polizei hervorgesucht. „Ja, wir haben schon deshalb Nasen bekommen", war die ein- zige naive Antwort der Polizei, als wir ihr dieses ganz ungleich- artige Verhalten vorhielten. Und an dem Tage, an welchem den Arbeitern das Tanzen verboten war, wurde im selben Orte in 4— 5 verschiedenen Lokalen Tanzmusik gehalten! Wozu brauchen die Arbeiter ein Tanzvergnügen? haben sie nicht das Vergnügen zu arbeiten und dadurch den Reichthum ihrer Ausbeuter vermehren zu dürfen? Daß man nun außerdem dem Veranstalter bemerklich machte, das Fest würde aufgelöst werden, wenn die Walster'sche Rede auf politisches Gebiet überginge, war eine verhältnißmäßig so gering- fügige Maßregel, daß man vie Worte darüber sparen kann. Aber da« Fest war trotz alledem, und obwohl man die th-ure Musik ohne Tanz bezahlen mußte, von einer ftöhlichen Stimmung be- herrscht; obwohl ferner Speisen und Getränke ebenso übermäßig theuer als miserabel beschaffen waren, hielten doch alle treulich im engen Räume aus und erfteuten sich an den musikalischen und de- ktamatorischeu Vorträgen, bis gegen 9 Uhr ein Umzug im Lokal beschloffen wurde, damit das Blut nach langem Sitzen in Circu- lation versetzt würde. Da trat der Wirth, der mit einem wahren Cynismus das Geld der Armen eingenommen und ihnen statt Korn scheußlichen Kartoffelfusel, statt Bayrisch ein saures Lager- bier, sowie ein ohne Zucker kaum trinkbares Einfaches gegeben, trat dieser Wirth vor den sich aufstellenden Zug und bedauerte, den Zug nicht gestatten zu können. Welch' naturgetreues kleines Bild vom großen Leben! die Ausbeuter geben den Ausgebeuteten auch noch Gesetze! Das Beispiel steckt an. Natürlich war nun endlich die Geduld der Leute zu Ende. Kühn forderte die Leute auf, dem Wirthe die Meinung zu nehmen, als wäre man da, um dessen saures Bier zu trinken und lud diejenigen, die noch ein Weilchen zusammenbleiben wollten, ein, ins Vcreinslokal zu kommen. So» nun haben unsere Leser einen Begriff, mtt welchen unsäg- lichen Schwierigkeiten die Arbeiter zu schaffen haben, wenn sie auch nur ein bescheidenes Vergnügen genießen wollen, nun wird unseren Lesern ein klares Bild aufgehen, was es mit einem Klassenstaat, einer Bourgeoispolizei für eine Bcwandtniß hat. Kann man sich nun noch wundern, wenn bei solcher Wirthschaft hier und da Exzesse entstehen und wenn bei gewissen Gelegenheiten ein tiefer Haß gegen gewisse Leute oft mit erschreckenden Zeichen zu Tage tritt? Weißenburg a. S.(Bayern), 4. November. Mit Vergnügen können wir mittheilen, daß sich endlich auch in hiesiger Stadt eine Parteimitgliedschaft gebildet hat. Vor noch kurzer Zeit dachte wohl noch keiner der hiesigen Fabrikanten und wie sie alle heißen mögen, daran, daß die für sie so schreckliche Sozialdemokratie Ein- gang finden werde. Wir glaubten dies allerdings auch, da hier die Abhängigkeit der Arbeiter von den Fabrikanten so groß ist, daß sich Niemand leicht einen Begriff davon machen kann. Vcr- heirathete Arbeiter existiren hier, die sich täglich mit 45 kr. s. W. durschlagen müssen. Unsere Herren Fabrikanten sind natürlich sehr reich und dabei recht geizig; zu mordspattiotischen Festen wird kein Geld gescheut, dafür aber für jede Minute Versäumniß dem Arbeiter Abzug gemacht. Während der Arbeitszeit werden die Arbeiter auch gehörig bewacht, und sind sogar m einer Fabrik, welche schlechtwegS„Zuchthaus" genannt wird, 6 Auffeher aufge- stellt, wovon einer derselben die Aufgabe hat, die Arbeiter während der Abortszeit zu beobachten. Derselbe steht nämlich, nach der Uhr sehend, au dem Abort Woche, und schreibt jeden Besucher auf, um im Falle des Längerweilens, demselben eine Rüge zu ertheilen. Dieses, ein kleiner Einblick in die Arbciter-Lerhältnisse dahier. Doch zur Sache. Bon einigen Arbeitern, natürlich Fremde, und Mitgliedern der Partei(Schwarz, Tuchmacher, und Größ- ler, Drahtglätter) wurde auf Sonntag, den 2. November eine Volksversammlung anberaumt, welche von mehr als 500 Personen besucht war. Schwarz eröffnete die Versammlung, und wurde als 1. Vorsitzender Herr Wörlein, als 2. Herr Größler und als Schriftführer Herr Otto gewählt. Hierauf bestieg Herr Grillen- berger den Rednerplatz und schilderte in zweistündiger Rede die Verhältnisse der Arbeiter von den ältesten Zeiten bis heut zu Tage. Darnach erklärte er die 10 Paragraphen resp. Forderungen der Partei und Uberließ dann seine» Platz allenfaüsigen Gegnern. Der erste war ein gewisser Herr Schneider, der in Phrasen der Versammlung die Vortheile der Schulze-Delitzschen Partei und ihrer Consum- Vereine anpries, doch sehr kalt aufgenommen wurde. Herr Grillenberger erklärte hieraus, daß die Schulze- Delitzsch! Partei wenig oder gar nichts bezweckt habe und die Fortschritte der Arbeiter nur der Sozialdemokratie zu verdanken wären. Es traten dann noch verschiedene Redner theilö für theilS gegen unsere Partei ans. Auch Grillenberger nahm noch einmal das Wort, um etliche Einwendungen der Gegner zu widerlegen. Sodann lud Herr Wörlein die Versammelten zum Eintritt in unsere Partei ein, worauf sich an die 40 Mann in die Listen einzeichnen ließen. Wir sind überzeugt, daß wir noch mehr Zuwachs bekommen werden und daß auch den Parteiblättern„Volksstaat" und„Fürther demottatisches Wochenblatt" neue Leser gewonnen sind. Der Vertrauensmann M. Otto. lMs Allen Parteigenossen hiermit zur Kenntnis «V»UHUizi.liU daß uuser Local, in dem wir jeden Sonntag Abeut gemüthliche Zusammenkunft haten, in der„weißen Taube", T. 1 9 fies befindet. Daselbst befindet fich aach der Verkehr sämmtlicher Gewerb schasten. Der VertranenSmann. In unserem Berlage erscheint und ist durch uns zu beziehen: „Freimaurer und Sozialdemokrat". Der Verfasser dieser Broschüre bespricht iu kurzen kräftigen Worte« den Freimaurer- Bond, unterzieht derw Organisation und das Leben to den Logen e.ner wahrheitsgetreuen tkritik und stellt den Lergleich zwischen den Tendenzen der Freimaurer und Sozial-Demokraten. Preis 6 Silbergrofchen. 3as Administration des sozial-politifchen BolkSblatteS in Klagenfurt. gung. In der politischen Ilebersicht von Nr. 193 muß es im zweiten Absatz der zweiten Seite heißen: wenden sie(die Franzosen) beim dritten wohl kaum so rücksichtsvoll(statt rücksichtsl o S) sein. Fond für pol. Gemaßregelte. B. d. Turnern de« ArbeiterbildungSvereinS in Leipzig 2 Thlr. B. M. S. hier 1 Thlr., zum Reichstagswahlfond 1 Thlr., zur Agitation 15 Gr., f. d. strikendeu Buchbindern hier 1 Thlr. Berlin: Zur Wahl Dr. I. Jacoby's, Schiller'sche Wgarrenfabrik, durch Holznagel 29 Gr., Parteiversamml. v. 4. Nov. 19 Gr., Ertrag einer Scatpartie durch Ascher Thlr. 1 17 5._ W. Babing. Genossenschaftsbuchdrnckerei. Antheilscheine bez. Antheilguittungen erhielten ferner: In Eßlingen: H. K. 1, in Solingen: F. M. 1, L. K. 2, H. Sp. 5, C. B. 2, in Hamburg: I. W. 5, I. E. fl. W. 3, in WandSbeck: E. M. 2, in Leipzig: M. S. 19 Thlr._ Chr. Hadlich. Reichstagswahlfond. C. M. Dresden 28 Gr. Briefkasten der Redaction. Hassel-Marat in Berlin: Also in Frankfurt nicht genug gehabt? Noch mehr? Sollst Deinen Willen haben und noch etwa« drüber. Ein„Spmdeldürrer" vom„Schwindsüchtigen". A. S. in Frankfurt: Erhalten. Besten Dank. Demnächst Brief. der Expedition. Gewerkschaft d. Töpfer hier Ann. 28 Gr. Stlzr Reudnitz Schr. 21 Gr. Tis Bamberg Schr. 3 Gr. Schndr Zaukerode Schr. 8 Gr. Orbg Gießen Schr. Thlr. 3 10. Fhrmnn Bischofswerda Schr. 2 Thlr. Hrnrn Hausen b. Frankfurt Schr. 29 Gr. A. Fr«. Berlin Ab. 3. Qu. Thlr. 5 12 5. H. Hsch das. Ab. 3. Qu. 6 Thlr. G. Stn Pr. Ey lau Ab. 4. Qu. Thlr. 1 5. Trtmnn Berlin Schr. Thlr. 5 6. I. Enrd Nürnberg Schr. Thlr. 5 5 1. Hrmn hier Schr. 4 Kr. W. Zpk Breslau Ab. 4. Qu. 29 Thlr. Red. b.„Javouoft" Kragujatz Ab. 4. Qu. 29 Gr. C. Mhl Dresden Schr. Thlr. 1 2. Bchhm hier Schr. Gr. 6 6. Dr. Jcbsshn Berlin Schr. 3 Gr. H. H« Wyl-Mastricht Schr. Thlr. 17 5. M. Schicht! Dresden Ab. 3. Qu. Thlr. 14 5. P. Schwg Darmstadt Schr. Thlr. 3 lt. P. Drzn Berlin Schr. Thlr. 1 5. Schndr Marburg Schr. 9 Gr. Klfd Pest Schr. 17 Gr. W. Erl St. Johann Schr. 4 Thlr. Alftf Zürich Ab. 4. Qu. 1 Thlr. Honth Berlin Ann. 9 Gr. Nrt hier Schrst Gr. 19 5. W. Dblr Schwb.-Gmünd Ab. 3. Qu. Thlc. 4 16. A. Lauterkorn Baireuth d. Abonnenten v. dort sind ent- weder unter Bamberg oder Regensburg mit aufgeführt v. dort aus werden die Bestellungen bei hiesiger Post gemacht.__ Äilgslmrg Sozialdemokratische Arbeiterpartei. � Sonntag, den 16. Noobr., Vormittag» 19 Uhr, Versammlung in der Schützenhalle.— Tagesordnung: Die ReichstogSwahl. Parteiangelegenheiten. G. S t o l l b e r g. Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Die Mitgliederversammlungen finden von nun an vorläufig bis zur Generalversammlung regelmäßig jeden Donnerstag, Abend« 8 Uhr statt. Die Mitglieder werden ersucht auch an diesen Abenden zahlreich zu erscheinen._'_ Der Ausschuß. Thtrtßllltnt Schuhmacherverein. Samstag, den 15. November, Stistnngssest mit Ball. Festrede, Deklamation sc.— Alle Arbeiterkorporationen sind hierzu frntndlichst eingeladen. Eintritt ä Person 15�Kr.______ ♦ Sonnabend, den 15. Novbr., Abend« 8 Uhr Königshöht, OllllU Greifswalderstr. 8; Zweitrß allgemeines Arbeiterfest Toneert. Gesangvorträge. Prolog. Deklamation. Festrede gehalten von Aul. V a h l t c i ch aus Chemnitz. Alle Parteigenossen müssen für zahlreiche Betheiligung sorgen. BilletS find in allen Versammlungen zu haben. Sntrs 2>;, Silbergrofchen. Parteigenossen der Umgegend find sreeundlichst eingeladen. 3as_ Das Festcomite. Unterzeichneter fordert Franz lieber, Schneider, zur Zeit nach Pforz- heim abgereist, aus, seinen derzeitigen Ausenthalt bekannt zu geben, widrigen- falls Unterzeichneter sich veranlaßt sehen würde, Unangenehme« in den Parteiorganen zu veröffentlichen. I. Ed er, Theatergasse 57, Landihut. Dresden Arbeits-& Wohnungsnachweis von C. J. Evans, im ArbeitCTbildnngsverein, Palmstrasse 20.[3a httit Sozial-demokratischer Arbeiterverein. Freitag, den 14. Novbr., Abend» 3 Uhr bei Zeidler, gr. Windmühlenstraße 7.— Tagesordnung: Vortrag über Dr. Joh. Jakoby von Hadlich. Soz.-pol. Wochenbericht. Referent: S t a ck e l d e r g. Gäste willkommen. Der Borstand. Mittwoch, den 12. ds«. M., Abends Punkt 8 Uhr: Vorstandssitzung bei Winkler, kl. Windmühlenstraße 11. Ntchterscheiuende Mitglieder zahlen 2 Gr. 5 Pf. Strafe. _ W. Fink. Wßhfitlt Soz.-dem. Arbeiterverein. Bon jetzt an wird alle 14 Tage Versammlung abgehalten und zwar Sonnabend 8 Uhr im Schießhause, an den Zwischen-Sonn- abenden ist gemüthliche Zusammenkunft der Mitglieder. XL. Der sozialdemokratische Gesang- Verein„Liederhain" hält den 16. d. M. sein Stiftungsfest ab, wozu Gesinnungsgenossen von Nah und Fern freundlichst eingeladen werden. Friedrich Fischer. Beginn des Feste» Nachmittag» halb 4 Uhr im Schießhaussaale zu Mylau. Soeben erschien im Berlage von Franz Kirchheim in Mainz und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Etwas mehr Licht. Enthüllungen über die politischen und militärischen Ereignisse des Jahre« 1866. Bon General A. Lamarmora. Au« dem Italienischen. Gr. 8». 22 Bogen. Geh. 1 Thlr. 19 Silbergrofchen. Gegen Einsendung in Briefmarken oder per Posteinzahlung voa 1 Thlr. 13 Sgr. wird da» Werk franco unter Kreuzbanv von jeder Buchhandlung zugesandt. Soeben ist im Berlage der Genossenschaftsbuchdruckerei erschienet» und durch die Buchhandlung des„Volksstaat" zu beziehen: Die parlamentarische Thätigkeit des Deutschen HeichZtuges und der Kndtnge und die Sozial-Demokratie. Nebst einem Anhange, enthaltend: 1) Winke für die Agitafton, 2) die wichtigsten Bestimmungen der deutschen Vereins- und Bersammlungs» gesetze, 3) des Reichswahlgesetzes, 4) der Reichswahlgesetz-Verordnung, 5) des deutschen Strafgesetzbuches, 6) Programm der sozialdemokratische!« Arbeiterpartei, 7) Liste der bei„Gründungen" hervorragend betheiligte« Reichstags- und Bundesrathsmitglieder. Preis pr. Stück 3 Sgr.(19'/, Kr. südd.), im Dutzend pr. Stück 2 Sgr, 5 Pf.(9 Kr. südd.), gegen baar oder Postvorschuß im Dutzend pr. Stück 2 Sgr.(7 Kr. südd.) [4c]_ Die Buchhandlung des„Uolksstaaftft «soeben ist im Verlage der GenossenschaftSbuchdruckerei er» schienen und durch die Expedition des„Volksstaat" zu beziehen Der DolKsjtnat-Äalender für 1874. Inhalt: Kalendarium. Biographischer Kalender. Die Schlacht um den Birkenbaum. Eine Parabel von St. Simon. Roth Französische Arbeiter. Robert Owen, ein Charakterbild. Der Pauker von NitlaShausen; historische Erzählung von Roberl Schweichel. Preis pro Stück ohne Stempel 3 Ngr. 5 Pfg., Preis pro Stück mit Stempel 4 Ngr. Bei Abnahme von 12 Stück und darüber ü 3 Ngr. exelusive Stempel. Bei Baarzahlung außerhalb Sachsen 24 Stck. 2 Thlr für Sachsen incl. Stempel 2 Thlr. 12 Gr. gflT An uns unbekannte Besteller wird nur nach vorherige Einsendung des Betrages in baar oder Reichsbriefmarken oder gegen Postvorschuß versandt. Im Berlage der Genossenschaftsbuchdruckerel in Leipzig ist erschienet und durch die Expedition des„Vojlsstaat" zu beziehen: önllililistell an der Arbeit. Denkschrift über den letzten Aufstand iu Spaniev von Friedrich Engels. Preis 1'/, Silb ergrofichen._____ Durch Ankauf de« Riste« der Auslage find wir in den Stand gesetzt' den Preis de« Buche» Uational- ökonoillische Raketen von Bernhard Becker von 15 Ngr. auf 6>«0. pro Exemplar zu ermäßigen. Bei Entnahme von 12 Stück gegen baar 5 Ngr. da« Exemplar. Ferner ist durch un« zu beziehen: IA4.inimck de la Democratie socialiste et l'associatiofl internationale de travailleurs. Preis pro Exemplar 20 Ngr. (6b) Die Buchhandlung des„Uolksstaat". Neu angekommen und durch die Buchhandlung de«„Volksstaat" Z'' beziehen: Am Webstuhl der Zeit. Lieferung 10 und 11 Preis pro Lieferung 2 Groschen.__ Warte, Kapital, Lieferung 2 und 3 wird rückgekauft von der »3b] Buchhandlung des„Volksstaat", Leipzig, Z-itzerstr. 44- Die Filialen, welche noch überzählige Exemplare von:...„ C Marx Kritik der pol. Oekonomie, Eisenacher Congreßprotokolle 1869, Lief. 4 u. 5 de« Leipziger HochverrathSprozeffeS auf Lager h-r-'' werden ersucht, dieselben an un« sofort zurückzusenden._____ � Die FMalerpeditioiien werden ersucht die übrigen Exemplare von Nr. 81 und W des„Volksstaat" 1873 an uns einzusenden. Zugleich werden die säumigen Filialexpeditionen a» ihre Zahlnngspsiicht erinnert. zh) Die Expedition des„Volksstaat Leipzig: Berantw. Redakteur: EaSper.(Redaktion und Zeitzersir. 44.) Druck und Berlag der SenoflenschaftSbuchdruckeret.