Ja Jriyiffl. i»thm» alt nk v»ch- krt Ja« ask CaClttikt« oo. i5fU-CjV«kttt«8ni fix kb . SMisiiiffi etootn: . f. Ceoigi, S» Ml Bsbeken, H. 3, ■:* G. U. SIik«#», 5® fti Karftsl*tr.«ra. W. HttamfafofRia: Mi fmlm tatl.«tem|wb mk>1 Voi., fit kl« ilrlgn VÄBchNI etootto IC%!. PI» Ouortot. PkMwta-JlktoMfMtata M Ol« D»otsch« id« wf kn>. n. ______ t».0Ufk«A.M»« _ t MooknO ooß«»«««, ka»««ochs««. Hizgth. «ochs�MBabRiß ooch af k« 1. tKmot k k'/i«OB Organder sozialdemolratischenArbeiterparteiund der internationalenGewerksgenossenschaften. 112. Sonntag, 16. Wovemver. 1873. Reichstagswahl� Die Reichstagswahl soll, wie verschiedenartig gemeldet wird, 'bereits in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr stattfinden. Was soll diese sich überstürzende Eile bedeuten? Das Mandat des jetzigen Reichstags läuft noch bis Anfang März nächsten Jahres; eine Neuwahl, die Ende Februar stattfände, wäre somit vollständig Zeitig genug. Vor März nächsten Jahres kann aber auch der neue Reichstag nicht zusammentreten, da bis dahin die preußischen, säch� fischen, bairischen ic. Landtage vollauf beschäftigt sind. Warum also diese Hast? ES gibt keinen andern Grund als den: man will den oppositionellen Parteien zur Agitation so we- nig Zeit wie möglich lassen; darum diese Eile. Die preußischen Landtagswahlen haben bereits eine bedeutende Verstär- kung der ultramontanen Partei ergeben und deren Aussichten für die ReichstagSwahlen sind noch günstiger; die Partikularisten in Hannover und Schleswig-Holstein sind ebenfalls für die Reichs- tagswahlen rührig. Hierzu kommt nun der dritte und Hauptfeind: die Sozialdemokratie, der alle Hebel ansetzt, um Siege zu erfechten. Durch einen frühzeitigen Wahttermin und Verlegung desselben in die allerungünstigste Zeit des Jahres glaubt man die„Reichsfeinde" lahm zu legen. So ist der Plan. Wohl paßt auch der Bourgeoisie der Wahltermin nicht, aber die Bourgeoisie bedarf keiner Agitation, sie muß� im Gegentheil dieselbe fürchten, weil sie ihren Einfluß Zerstört;' sie ist also unter allen Umständen auf dem Platze. Anders stehen die Sachen für eine Partei, die auf die Massen wirken und sie in Bewegung setzen muß. Diese glaubt man durch die That- fache, daß ein großer Theil der Industriearbeiter vor Weihnachten stark beschäftigt ist und die Versammlungen nicht besuchen kann, schädigen zu können. Die Absicht ist zu durchsichtig, um nicht erkannt zu werden. Zeigen wir also, daß unsere Feinde sieb täuschen; benutzen wir gerade den Umstand der eigenthümlichen Ansetzung des Wahltermins dazu, um den Wählern die Augen darüber zu öffnen, wie man Arbeiterkandidaten fürchtet unv, um ihre Wahl zu verhüten, vor keinen, Mittel zurückschreckt. Daß der„fromme christliche Staat" sich selbst davor nicht scheut, die„hehre Weche der höchsten Festtage der Christenheit" durch profanen, leidenschaftlichen Wahlkampf zu entweiheii, zollen wir auch nebenbei, als ein kleines Merkmal de«„CulUrkiakuxfeö", nicht vergessen hervorzuheben. Und nun frisch und unermüdlich an's Werk! munist war,'dann eiftiger Fortschrittler, dann eifriger National- liberaler und noch eifrigerer Gründer. Miguel heißt der Mann, und Herr Meyer von der„Revue" hat ihm einen recht ausführ- lichen Steckbrief geschrieben— zum Gebrauch für Herrn LaSker, falls dessen Kurzsichtigkeit einen zu heftigen Charakter haben sollte. Wir lassen— zur Charakteristik des ManneS und der Zeit einige Auszüge aus dem Mcyer'schen Artikel(Bd. 75, Heft 1) folgen: „Warum tritt Herr Miguel aus der Direktion der Disco nto-Gesellschaft? Gewiß ist cS hoch interessant, wenn man von den großen Parteiführern hört, sie wollen diesen oder jenen Schritt thun, der mit der wirthschaftlichen Entwickelung deS Landes im Zusammenhange steht oder sich doch unschwer mit derselben in Zusammenhang bringen läßt. So war es ein bedeutungsvoller Schritt, als vkr Führer der hannöverschcn Nationalliberalen den bescheiden hono- rirten Posten eines Oberbürgermeisters von Osnabrück mit der fürstlichen— nein, mehr als fürstlichen Stellung eines DiSconto- gesellschaftS-Jnhabers vertausch!«. Man konnte schließen, daß, da er Führer der Partei blieb und andere Führer sich ihm gründend anschlössen, das Gründen jetzt eine liberalerseitS anerkannte, nicht blos einträgliche, sondern auch ehrenvolle Beschäftigung gsworden sei. Auffallend war dann Lasker's Feldzug gegen ein paar Gründer- dilettanten, an deren Beispiel nicht viel zu beweisen war. Den GründungSriesen Miguel hätte er herausziehen müssen, denn das Beispiel lag ihm ja auch persönlich nahe. Jetzt heißt es plötzlich, Herr Miguel wolle seinen Geschäfts- inhaberposten bei der DiSconlogefellschaft auS Gesundheitsrücksichten niederlegen. Aber zum Abgeordneten sei er noch gesund genug. Er hat auch eine Rede vor seinen Wählern gehalten. Was be- deutet eS nun, daß Herr Miguel als Bankvirigent zu ungesund ist, aber zum Volksvertreter noch gesund genug? Will die liberale Partei etwa nicht mehr, daß ihre Führer auch große Gründer gleichzeitig sind, und hat Herr Miguel die Aussicht auf weitere Millionen, welche er bei der DiSeoirozesellschaft vielleicht noch gewinnen konnte, geopfert, um weiter Parteiführer bleiben zu können, oder— waren etwa in Zukunft bei der Discontogesellschast keine Millionen mehr zu erwarten und zog sich Herr Miguel nur geschickt vor einem„Krach" auS der contogesellschast in Anspruch genommen und der CourS ihrer Actien auf 300 in die Höhe getrieben. Herr Miguel hat sich also um die Gesellschaft wohl verdient gemacht und konnte dafür seine paar- malhunderttausend Thaler jährlicher Einkünfte mit„gntem Gewissen" einstreichen.(Schluß folgt.) Politische Ueberficht. — In Preußen ist kürzlich die sogenannte Volksvertretung nach dem berüchtigtsten Dreiklassenwahlfystem, das Bismarck selbst 1867 im Reichstag das„elendeste und miserabelste" Wahlsystem nannte, gewählt worden. Diese Wahl hat wiederum gezeigt, wie wenig Bedeutung das eigentliche Volk dabei hat, dann aber auch — und das ist erfreulich— daß daS Volk kein Vergnügen daran findet, sich fernerhin als Stimmvieh der Bourgeoisie gebrauchen zu lassen und darum zum größten Theil vorzog, von den Wahlen fern zu bleiben. Sehr interessant ist nach beiden Richtungen hin das Berliner Wahlresultat, über daS genaue statistische Ziffern vorliegen. ES gab bei der letzten Wahl in Berlin 136 853 sogenannte Urwähler; davon gehörten 5579 zur ersten, 19,402 zur zweiten und 111,872 zur dritten Wählerklasse. Ein Wähler auS der ersten Klasse hatte also genau so viel Stimmrecht wie 20 Wähler auS der dritten oder 3'/- Wähler aus der zweiten Klasse, und ein Wähler der zweiten Klasse so viel Stimmrecht wie 33/« Wähler auS der dritten Ein„Gründer". Bor einigen Wochen— ur mittelbar vor den Wahlen— wurd� an den patenlirtcn Tugcndverzapfer LaSker die Bitte gerichtet, er möge doch über diesen und jenen Candidaten, der nicht ganz von dem Gründergeruch ftei geblieben, Auskunft ertheilen. Darauf antwortete unser Westentaschen-Robespierre in einem offenen Schreibebries, er könne auf das Ansuchen nicht eingehen.„Ich fühle mich auS uiehrfachen Gründen außer Stande, derartige An- fragen zu beantworten. Die heutige Post allein hat mir fünf Briefe dieses Inhalts gebracht; schon daraus ersehen Sie, daß ich eine so umfangrelche Correspondenz in Angelegenheiten, welche die persönliche Ehre betreffen und besonders sorgfältig zu behandeln flnd, beim besten Willen nicht bewältigen könnte.— Nicht jede Betheiligung an den Spekulationen der jüngst abgelaufenen Grün- dungsperiode behaftet mit einem Makel.-- Ich fühle mich weder berufen noch der Last gewachsen, über daS Verhallen einzelner Personen ein ebenso schwieriges wie verantwortliches Urtheil ab- Zugeben.— Ich halte die allgemeinen Wahlen für eine rechtmäßige Gelegenheit, die Mandatbewerder um thatsächliche Aufklärung zu «suchen, wenn ihnen spezialisirte Vorwürfe einer unsoliden Theil- nähme an unsoliden GründungSspekulationen gemacht werden." Genug— Herr LaSker will mit der Sache nichts zu thun haben; er fordert die Wähler auf, den verdächtigen Candidaten„mit fpe- Zialisirten Vorwürfen" zu Leibe zu gehen; weigert sich aber, das 'hm, und mit Ausnahme der übrigen Theilnehmer der famosen Königlichen Commission", von denen aber nicht Einer für Ver- vffentlichung deS betreffenden Materials ist, ihm allein zu Gebot stehende Belastungsmaterial den Wählern zur Verfügung zu stellen und sie so in den Stand zu setzen,„spezialisirte Vorwürfe" zu Machen. DaS ist zwar kein GründungSschwindcl, aber doch auch Schwindel. Genug, Herr Laskcr hat die Consequenzen seiner bekannten Tugend reden begriffen: die Popularität, welche sie ihm eingebracht, steckt er vergnügt m die Tasche, aber seinen Worten gemäß zu hgndeln, das öffentliche Leben von den faulen Gesellen zu reinigen, pfe in Parlamente und Staatsämter sich eingeschlichen haben, daS fallt ihm nicht ein. Er ist wie der englische Arbeiter von den Pfaffen sagte: Sie gleichen den hölzernen Wegweisern, die den rechten Weg zeigen, aber nicht gehen! Und wie tapfer rief Laskcr nicht in einer seiner Reden auS: «An wem ein Makel haftet, der muß unnachsichtlich an den Pranger gestellt werden. Fort mit Jedem, welcher Partei er angehöre, der seine Ehre nicht reingehalten hat!" Wir cuiren nicht wörtlich, da uns die betr. Rede nicht vorliegt, aber dem Sinne nach. Ach, Freund Lasker hat sich übeizeugt, daß, wenn Jeder„fort" mußte, der mehr oder weniger faul gegründet hat, dann würden Reichstag und Landtag gar sehr gelichtet werden und LaSker seine Reden vor leeren Bänken zu halten haben. � Jndeß Gründer und Gründer ist doch ein Unterschied. Es giebt große und kleine. Unter den großen so große, daß es ganz unmöglich ist, sie nicht zu sehen. Da ist z. ein wahres -tKgmoiuth von einem Gründer, das ehemals ei» eifriger Com- Affaire? DaS wäre allerdings sehr augeueh«; daS Gute so ein halb Dutzend Jahre mitgenossen, einige Hunderttausende angesammelt zu haben und dann, wenn das Schiff aufsitzt, eS verlassen und wieder den großen Politiker wciterspielen! Wersen wir einen Blick auf den CourSzettel. Dieser ist ja der Abglanz der„Meinung", die daS Publikum von einem Institut hat. Vom 4. Oktober 1372 bis 30. August 1373 finden wir da in Monatszwischenräumcn folgende Com se sür Disconto-Commandit: 315, 340'., 350, 336, 279"-, 293, 304'/-, 271"-, 244, 2243/», 201, 2303/,. Am 29. September stehen sie gar nur 180. Sie sind von ihrem höchsten Stand 350 binnen Jahresfrist also um 170pCt. gefallen! Dies ist denn doch über die Maßen auffällig! Sollten wirklich Zweifel in die Reellität, Solidität dcS Geschäfts der Discontogesellschast sich herausgestellt haben? Diese Gesellschaft wurde 1856„zur Beförderung der Erwerbs- thätigkeit", für kleine Leute also, von David Hansemann ge- gründet. Schon 1857 wollte man 10 Millionen Thaler neue Actien mit 16pCt. Agio ausgeben. Es war also auf eine große Agiotage abgesehen. Die Sache mißlang aber. Seit Herrn Miguels Eintritt hat man nicht nur dies Geschäft gemacht, sondern seitdem datirt auch die enorme Gründerthätigkeit dieses Instituts. Im Jahre 1869 bewarb sich die Discontogesellschast um die Conzession einer Hundert-Millionen-Prämienanleihe, bei der ihr, wie man damals nachrechnete, außer den Beneficien, die eS mit sich bringt, wenn man 100 Jahre lang ein Capital von 100 Millionen Thaler zu verwalten hat und diese Kunst versteht, gleich bei der Placirung ein Agio von ca. 10 Millionen Thaler geblieben wäre. Leider scheiterte die Sache am Widerspruch de« Abgeordnetenhauses, in dem sich Herr Miguel, wie eS hicß, für die Sache interessirte, und des Herrenhauses. Plötzlich ward Herr Miguel Geschäftsinhaber. Nun begannen die großen Gründungen." Schon pro-1369 erhielten die damals nur drei Geschäftsinhaber 162,449 Thlr. Tantieme. Macht pro Mann 54,000 Thlr. Herr Miguel verstand aber auch den Rummel. Jeder, der halb- weg» mit der Börse vertraut ist, kennt den enormen Einfluß der Börsenblätter. Eine geschickt angebrachte günstige oder ungünstige Besprechung eincS PapicrS oder cineck� Unternehmens ist für den Erfolg oder Nichterfolg in den meisten Fällen von entscheidender Wichtigkeit. Herr Miguel hat augenscheinlich dieses HülfSmittel für seine„Geschäfte" mit größtem Erfolge angewandt. Von dem Augenblick an, wo er der Discontogesellschast attachirt war, begann die geschickt in Scene gesetzte Minir» und Reclamearbeit für Unter- nehmungcn, welche die Discontogesellschast begünstigte, natürlich nur um riesige Profite einzusacken und die Actien der Gesellschaft in die Höhe zu treiben. Die„Revue" schildert diese Mineurarbeit in der Presse in sehr interessanter Weise. Mangel an Raum ver- bietet uns, dieselbe ausführlicher darzulegen. Zog ein Artikel in dem einen Blatt nicht genügend, weil das Börsenpublikum die Quelle desselben vielleicht erricth und darum aus den Leim nicht gehen wollte, flug» wurde ein anderes„unabhängiges" Blatt in Anspruch genommen und sang aus einer andern Tonart dasselbe Lied. Natürlich veröffentlicht unsere„unabhängige" Presse solche Artikel nicht um„LeibeS" und GotteSwillcn; sür welche Beträge die Spalten der Zeitungen offen sind, ist in den Kreisen der Ein- geweihten der Börse öffentliches Geheimniß. So wurden die Berliner Börsenzeitung, Spenersche Zeitung, Berliner B-nkzeitung, Elberfelder Zeitung, Schlesische Zeitung-c. zu Gunsten der DiS- Sehr lehrreich ist nun, zu beobachten, wie diese verschiedenen Wählerklassen sich genau in demselben Verhältniß an der Wahl betheiligten, wie ihr eigner Einfluß dabei maßgebend war, so daß die eigentliche Bourgeoisie in der ersten Klasse sich am stärksten, die kleine Bourgeoisie in der zweiten Klasse sich geringer, und daS Proletariat der Kopf- und Handarbeit in der dritten Klasse sich am schwächsten dabei betheiligte. Während von der ersten Klasse durchschnittlich 54 Procent der Wahlberechtigten Theil nahmen, betheiligten sich auS der zweiten nur 36 Procent und auS der brüten gar nur 22 Procent; und letztere Zah' wäre noch geringer gewesen, wenn nicht der Harmonie-Apostel Max Hirsch und seine Trabanten den ihnen anhängenden Theil der Berliner Arbeiter an die Wahlurne getrieben hätten. In welcher Weise die eigentliche VolkSmcinung durch dieses Wahlsystem gefälscht wird, davon liefert die Stadt Cöln ein sehr drastisches Beispiel. Dort standen sich Liberale und Ultramontane gegenüber, und erstere siegten— trotzdem diese, nach einer Berechnung der„Cölnischen Volkszeitung", »ur circa 4000 Mann der Abstimmenden auf sich vereinigten, während für die nltramontanen Candidaten sich 7000, also fast die doppelte- Zahl, aussprachen. Wäre die Wahl also nach dem allgemeinen gleichen Stimmrecht gehandhabt worden, würden die Unterlegenen die Sieger gewesen sein. Darnach läßt sich be- messen, daß die Reichstagswahlen vielfach ganz anders als die Land- tagswahlen ausfallen werden; letztere auch nie und nimmer als der Ausdruck der Volksstimmung angesehen werden können, weder in Preußen, noch in Sachsen, noch in einem andern deutschen Staate. Fort also mit dem Humbug der sogenannten VolkSver- tretungen! — Moderne Folter. In der Berliner„Tribüne", die dies- mal ausnahmsweise keinen Klatsch für alte Weiber bringt, lesen wir:„Unter den Bewohnern des Stettiner Gefängnisses befand sich der etwa 22jährige Steindruckerlehrling August Nitschke, der wegen Schlägerei inhaftirt war. Der Gefangene erhielt im Mai d. I. eine Diseiplinar-Arreststrase bei Wasser und Brod wegen Ungehorsams gegen die Aufsichtöbeamteu. Diese Strafe verbüßte der Gefangene in einer Untersuchungszelle deS ZcllengefängnisseS. In seiner Einsamkeit begann er, um sich die Zeit zu vertreiben, zu singen, dies ist jedoch verboten. Der Wärter meldete wieder das Bergehen und die Folge war, daß N. zu seiner noch nicht verbüßten Strafe eine neue erhielt. Eine Zerstreuung aber wollte der Gefangene haben und da Siugen nicht erlaubt war, hob er das Fenster aus, um den blauen Himmel zu sehen. Eine neue Anzeige des Wärters und die Folge wird der Leser errathen. Jetzt wurde der Arrestant so unmuthig, daß er sich an Nichts mehr kehrte; er öffnet- sein Fenster, wenn er Lust hatte, und pfiff sei» Liedchen ruhig weiter. Wegen dieser Widerspenstigkeit erntete er neue Strafen, so au einem Tage 40 Tage bei Wasser und Brod. Im Ganzen befand er sich wohl über drei Monate im Arrest; da wurde er aus demselben entlassen, aber nicht etwa weil er genug gebüßt hatte, sondern weil er so schwach geworden war, daß der Wärter sich veranlaßt sah, über den Zustand des Gefangenen weitere Meldung zu machen. Nunmehr ließ man denselben zum Strafgefängniß abführen, damit er sich wieder erst erhole, bevor er den Rest der Disciplinarstrase verbüßte. Aber da war kein Ei holen mehr möglich, die Arrestspeise war von so schlimmer Wir- kung gewesen, daß der Magen die warmen Speisen nicht mehr annahm und so wurde der Patient nach dem Lazareth gebracht. Die Entkrästung war jedoch bald soweit vorgeschritten, daß er nur durch überlautes Schreien aus einem todtcnähnlichen Schlafe erweckt werden konnte. Am 5. September starb der Unglückliche und zwar nach dem Attest des Anstaltsarztes am„Typhus mit hinzugetretener Lungenentzündung". Andere Leute sind jedoch der Meinung, daß Nilschke dem Hungertyphus erlegen ist. Nach diesem unglücklichen Ausgange wurden die Beamten von einem derartigen Schrecken ergriffen, daß ein anderer Arrestant, der 96 Tage Wasser und Brod durchgemacht hatte, ebenfalls nach dem Lazareth geschafft wurde. Dieser, Namens Holz, ein Berliner Kind, hatte sich bereits eine Augenkrankheit zugezogen und schien man auch seinetwegen zu fürchten; denn eine geraume Zeit hindurch brachte der Anstaltslehrer demselben jeden Tag Wein, den jeden- falls der Geistliche Schultz gespendet hatte." Wir registriren diesen neuen Akt des„civilisirten" Kanniba- lismus, indem wir freilich ein Mittel wissen, das dem armen Steindruckerlehrling geholfen hätte. Er hätte müssen von Adel ein und Spitzen gestohlen haben, dann wäre es ihm wohl nicht o schlecht gegangen. Aber er hatte sich geprügelt und das brachte ihm den Tod. Der„Staat" freilich, wo solche Marteranstalten bestehen, hat nicht das mindeste Anrecht auf den Namen„Cultur- staat"; wir finden es indessen zum Theil begreiflich, daß eine „Cultur", deren Abzeichen die Pickelhaube ist, zu derartigen Unze- heuerlichkeiten führt. Wahrlich, die Folter des Mittelalters kann unmöglich schrecklicher gewesen sein, als die Folter in unserer Zeit des„Culturkampss". Hier wäre das Feld, wo man für die „Cultur" kämpfen könnte; hier ist seit Jahrhunderten kein Schritt vorwärts gemacht worden, und die Kerkereinrichtungen sind nach> gerade so barbarisch, wie zu Zeiten der„eisernen Jungfrau". Apropos, warum führt man diese nicht wieder ein? Sie gäbe doch ein vortreffliches Mittel ab, schweigsame Redacteure zum Geständ- niß zu bringen. Und schließlich ist es für eingesperrte„Hochver- räther" ziemlich dasselbe, ob sie— wie in Pest— von Mäusen und Ratten gefressen oder von der„eisernen Jungfrau" getödtet werden. Die Wahl ist wenigstens ziemlich schwer. —„ES hat sich Alles so herrlich erfüllt, was 1848— 49 erstrebt wurde," lobsingen die Nationalliberalen; natürlich waS„vernünftiger" Weise erstrebt wurde, denn wenn irgendwo in Deutschland sich das Volk wie damals für die Republik erhöbe, würden die Soldaten des„neuen Reichs" ebenso sicher zur Nieder- metzlung der Freiheitskämpfer kommandirt werden, wie damals die Soldaten des alten Preußen, und der jetzige Kaiser von Deutsch- land würde, falls sein körperlicher Zustand es ihm erlaubte, ge- nau dieselbe Rolle spielen, wie damals der Prinz von Preußen. Doch das nur im Vorbeigehen. So weit es sich um das Bürgerthum handelt, hat sich„Alles" in der That„erfüllt", ob „herrlich", das bleibe dahin gestellt. Der Glanz- und Mittelpunkt der 1848er und 49er Bewegung bildete für den liberalen und demokratischen Bürger das deutsche Parlament. Wohlan: der letzte Präsident des Frankfurter Parlaments ist bekanntlich Präsident des Bismarck'schen Reichstags; und wie wir jetzt aus der Berliner „Volkszeitung" ersehen, beabsichtigen die Nationalliberalen den Präsidenten des Stuttgarter Rumpfparlaments, Hrn. Löwe von Calbe, zum Präsidenten des preußischen Abgeordnetenhauses zu wählen. Damit wäre der Uebergang des 1843er und 49er Par- lamentS in den Bismarck'schen Parlamentarismus vollständig. Wir sind begierig, was die Fortschrittspartei zu der ihrem hervor- ragenden Mitglied zugedachten und schon lange von rhm verdien- ten Ehre sagen wird. Wahrscheinlich nichts; denn au fond(im Grund) ist Hr. Löwe in seiner Anbetung des Bismarck'schen Werks nicht feuriger, als der Rest der Fortschrittspartei. Wann wird diese„Partei" von sich selbst und das Publikum Humbug- gendcn Charlatanen endlich sich in's Unvermeidlich: fügen und in die nationalliberale Partei eintreten, in die sie gehört, und von der sie nur durch einige verlogene und heuchlerische Phrasen ge- trennt ist? — JeneS Berliner Altweiberorgan, das sich„Volkszeitung" nennt und mit Vorliebe seinen Schmutzvorrath gegen die Sozial- demokratie verschwendet, hat neuerdings abermals entdeckt, daß die Behauptungen der Sozialdemokraten von dem Elend der Massen eitel Lüge und Uebertreibung sind. Der Fall, den eS zur Fällung eines solchen UrthcilS anführt, beweist allerdings in seiner Verein- zelung gar nichts. Auf Logik und gesunden Menschenverstand kommt es indessen diesem säubern Blatt auch nicht an, wenn es glaubt seinen Zweck zu erreichen. Hören wir also das Blatt selbst. In seiner Nummer vom 8. November erzählt es, daß ein in der Münzgasse in Berlin wohnender Kupferschmiedemeistcr über eine etwa 1600 Thlr. betragende Arbeit Contract abgeschlossen und dabei die Rechnung zu Grunde gelegt hatte, für 2 Tchlr. 15 Gr. bis 2 Thlr. 20 Gr. täglichen Lohn Arbeiter zu bekommen. Sie sagt nun wörtlich: „Trotz aller angewandten Mühe gelang ihm dies jedoch nicht, vielmehr verlangten die Gesellen 3 Thlr. täglich und— Fahrgeld für den Omnibus, weil die Arbeitsstelle etwa 25 Minuten von der Wohnung des Meisters entfernt war. Natürlich hat derselbe unter diesen Umständen den eingegangenen Contract mit ziemlich bedeutendem Verlust lösen müssen und die Arbeit selbst ist einer auswärtigen Fabrik übertragen. Wie viel Tausende von Beamten, Lehrern und Gelehrten würden wohl zufrieden gewesen sein, wenn man ihnen die Aussicht auf einen täglichen Verdienst von 2 Thlr. 20 Gr. gewährte, selbst wenn sie den Weg ohne Fahrgeld für den Omnibus zurücklegen müßten." Angenommen, daß diese Erzählung auf Wahrheit berrcht, waS beweist sie? Einfach nur, daß die Nachftage nach Kupferschmiede- gesellen in Berlin so groß ist, daß dieselben glaubten, günstigere Arbeitsbedingungen erlangen zu können, als dies bei dem Meister in der Münzgasse der Fall war. Die Arbeiter haben also'einfach das von der„Volkszeitung" als„Naturgesetz" verehrte ökonomische Gesetz von Angebot und'Nachfrage in Anwendung gebracht, und ihnen deshalb einen Vorwurf zu machen sollte dem Organ des Herrn Franz Duncker zu allerletzt einfallen. Daß Beamte, Lehrer und Gelehrte sehr häufig die gleiche Tageseinnahme nicht haben, weiß Niemand besser wie wir;„aber," könnten wir da antworten, wenn wir eben so oberflächlich und persid sein wollten, wie die edle„Volkszeitung",„warum werden sie nicht Kupferschmiede- gesellen?" Doch Scherz bei Seite! Die„Volkszeitung" will mit ihrer Notiz beweisen, daß das Arbeitereledd, daS die Sozialdemo- kraten schildern, ein Märchen ist; sie will den Ausnahmefall der momentan günstig gestellten Kupferschmiedegehilfen zur Regel für alle Arbeiter stempeln, und hier liegt des Pudels Kern. Die Ber- liner„Volkszeitung" weiß so gut wie wir, daß es in Berlin viele Tausende von Webern gibt, die froh sind, wenn sie einen Durch- schnittsverdienst von 4 Thlr. per Woche haben; sie weiß, daß es Tausende von Schuhmachern, Schneidern und andern Arbeitern gibt, die einen gleichen oder nur wenig höheren Arbeitsverdienst haben; sie weiß ferner, daß im gegenwärtigen Augenblick bereits Tausende von Arbettern vorhanden sind, die in Folge der wüsten Produktions- weise der Bourgeoisie aufs Sttaßenpftaster geworfen sind, die nichts verdienen, obgleich sie arbeiten möchten, und die dem hereinbrechenden Winter in verzweifelter Stimmung entgegen sehen. Alles dies und noch viel mehr weiß die„Bolkszettung". Und doch diese alberne Notiz und doch ein solcher Hohn dem Arbeiter in's Gesicht geschleu- dert! Vernünftige Arbeiter, die dieses Blatt noch lesen, kann es nicht geben! Der Wiesbadener Spitzen diebstahlprozeß hat sein Nachspiel gehabt. Die dritte Angeklagte, Leonie v. Langsdorfs — welche bisher im Jrrenhause war„ obwohl das ärztliche Zeugniß Nichts vom„Jrstnn" wissen wollte— ist zu 1'/- Jahren Zucht- hau« verurtheilt worden. Ob diese Straf- auch durch kaiserliche Cabinetsordre in Gefängnißhaft verwandelt werden wird, wie bei einer andern der drei Spitzendiebinnen bereit» geschehen ist! MerdingS, wenn Diebinnen— die freilich vom Adel sind— „begnadigt" werden, so ist dies eine Thatsache, die einem anftän- digen Sozialdemokraten schon allein verbieten würde, bei einem Fürsten um„Gnade" zu flehen, abgesehen von allem Männerstolz und vielen andern Dingen, die einem Sozialdemokraten dies un- möglich machen. Wir Sozialdemokraten gehen zwar gern mit „Hochverräthern" um, aber von Dieben halten wir uns sorgsamst fern, namentlich wenn sie von Adel find. Das Pariser Proletariat hing noch bei allen Revolutionen die Diebe an den nächsten Laternenpfahl auf, weshalb ja auch einmal ein gewisser Rothschild aus Paris geflüchtet sein soll; Kaiser und Könige„begnadigen" die Diebe. Das ist eben der Unterschied. — Die letzte„Internationale" bringt wieder eine Cor- respondenz des sauberen Herrn Durand, rr verspricht am Schluß, in seinem nächsten Brief„Erläuterungen"(explications) zu geben, von denen er hofft, daß sie diejenigen seiner Gegner beftiedigen werden, welche die soziale Frage anders als durch das, den Päpsten gewisser Schulen so vertraute Absolute(sie!) zu lösen suchen. Das„Absolute" scheint dem Herrn Durand gleichbedeutend mit Prinzip zu sein. An der Spitze des politischen Theils derselben Nummer der„Internationale" giebt der„belgische BundeSrath" 'olgende, von dem Secretär Ev. Pierron im Namen des Raths unterzeichnete Erklärung ab:„Da uns von mehreren sSeiten Ver- Wahrungen gegen den Gedanken der von dem Journal„Avenir National" in Paris vorgeschlagenen und von unserem Pariser Correspondenten unterstützten„Nationalen Ligue" zugehen, so glauben wir allen Föderationen der Internationalen Arbeiterasso- ziation die Erklärung abgeben zu müssen: die belgische Föderation übernimmt keinerlei Verantwortlichkeit für die von dem Pariser Correspondenten ihres Organs ausgesprochenen Ideen, ebenso wenig wie für die, welche von anderen Correspondenten ausgesprochen werden könnten. Das politische Programm der belgischen Arbeiter läßt sich so zusammenfassen: Enthaltung von jeder Allianz mit den Bourgeoisparteien, welche sich um die Gewalt streiten, gleichviel ob diese Parteien Katholiken, Liberale, Fortschrittlcr oder Republi- kaner sind. Wir glauben uns hiermit im vollsten Einklang mit dem Fundamentalsatz unserer Internationalen Arbeiterassoziation zu befinden, welcher die Befreiung der Arbeiter durch die Arbeiter selbst fordert. Auf der anderen Seite glauben wir aber auch dem Prinzip der Autonomie der Gruppen eS schuldig zu sein, daß wir den Arbeitern der übrigen Länder die Freiheit zuerkennen, wenn sie es der Sache des Proletariats für nützlich halten, sich momentan mit dieser oder jener politischen Partei zu verbinden." Das heißt: wir sind in der Theorie für die„Enthaltung" und in der Praxis für das Bündniß mit jeder beliebigen Partei — Bonapartisten, Bismärckern— wir müssen nur das Bündniß „der Sache des Proletariats für nützlich halten!"— So viel für heute. Die Affaire Durand wird mözlichenveise zu einer Krise innerhalb der belgischen?lrbeiterorganlsation führen; jedenfalls werden wir noch Gelegenheit haben, aus dieselbe zurückzukommen. — Der brave Ar 4 hat richtig mit den Behörden in Canada einen Vertrag zur Lieferung von— zunächst hundert—„ausgesuchten" Landarbeitern mit Familien abgeschlossen. Für einen Versuch zur Lösung der Landarbeiterftaze etwas bescheiden. Jndeß doch unzweifelhaft ein gutes Geschäft— für Herrn Arch, den Arbeiterapostel, dessen Trommel recht lustig von dem biedern „Beehive" gerührt wird. — Das System der sogenannten„Geiseln", d. h. der Fest- nähme von Personen einer feindlichen Partei, welche mit Leib und Leben dafür zu haften oder zu büßen haben, was diese feindliche Partei thut, war zwar schon im grauen Alterthum in der Mode, ist aber unterdessen so ziemlich veraltet. Erst der„glorreichen" Kriegführung der Preußen im letzten Kriege war eS vorbehalten, dieses System wieder modern zu machen. Allerdings hat auch die Pariser Commune Geiseln- genominen, aber nur, weil die Versailler Ordnungsbanditen die unmens�lichsten Greuclthaten an den ge- fangenen Parisern verübten. Dieses.Geiselsystem hat in Frankreich zu einer großen polizeilichen Komödie, die nach dem unvergleichlichen Muster unserer deutschen Stiebereien ausgespielt wurde, Anlaß ge- geben. Ob dabei, wie beim Cölnischen Communistenprozeß, gefälschte Protokolle und Briefe figurirten, oder ob Subjekte a la Hentze und Lindenberg«.ls„Zeugen" auftraten', wissen wir nicht. W.r wissen nur, daß die„Staatsverbrecher", welche in der Polizei- komödie die Rolle des„schuldigen TheilS" spielen mußten, aus vier Personen bestanden und zwar aus vier Einwohnern von Autun, wo auch der Prozeß stattfand. Diese vier Personen wa- ren zwei Redakteure, ein Apotheker und ein Stadtrath. Nach dem durch die Polizei herbeigeschafften„Belastungsmaterial" sollen diese vier Leute beabsichtigt haben, in Frankreich die Commune wieder- herzustellen, und sollen mit diesem Plan auch drei Mitglieder der Nationalversammlung, Barodet— bekannt von der letzten Nachwahl her— Boisset und Lacretelle, bekannt gewesen sein. Es wurde sogar eine Liste(pass' auf, Stieberl) vorgelegt, worauf die Geiseln verzeichnet standen, welche die„Verschwörer" fest- nehmen wollten. Diese„Liste" scheint uns historisch verwandt zu sein mit Stieber's falschen Protokollen beim Cölnischen Commu- nistenprozeß, schon ihrer Absurdität wegen. Die Geiselliste ent- hielt drei Personen: einen Notar, einen Pfaffen und— die Nichte des Marschalls Mac Mahon, also eine Mac Mahonne. WaS doch die französischen Stieber für verwegene Kerle sind! Ob der preußische Stieber wohl wagen würde, eine Prinzessin von Preußen, eine Nichte des Heldengreises, auf eine solche Liste zu setzen! Französische Blätter erzählen den Hergang der Sache wie folgt: „Am 6. November war gegen den Pharmaceuten, den Munizipal- rath und die beiden Journalisten vor dem correctionellen Gerichts- Hofe die Verhandlung angesetzt. Die Anklage gegen die drei De- putirten hatte man fallen lassen. Jndeß sagte über Boisset ein Zeuge aus, daß am letztverfloffenen 27. September zu Epinal vor dem Hotel, wo er lozirte, eine Menge Volks sich angesammelt und gerufen hätte:„ES lebe Boisset! ES lebe die Republik!"— worauf Boisset eine Anrede an die Menge gehalten und darin gesagt hätte: „Freilich werden wir die Republik auftecht erhalten, wir werden sse proklamiren, aber Ihr müßt Euch ruhig verhalten und auS- einander gehn!" „Bei der gerichtlichen Verhandlung waren zwei der' Angeklagten nicht erschienen. Sie scheinen, bemerkt dazu der„Rappel", der nämlichen Ansicht gewesen zu sein» wie jener Magistrat, welcher sagte, daß er sofort die Flucht ergreifen würde, wenn man ihn anklagte, die Thürme von Notte-Dame(des berühmten Pariser DomeS) gestohlen zu haben. Der Pharmaceut und einer der Journalisten hatten eS also für gut befunden, zwischen sich und die Gerechtigkeit ihres Vaterlandes die LandeSgrenze zu setzen. Die beiden andern Angeklagten waren erschienen. Der eine von ihnen, NamenS Guinot, ist der Munizipalrath. Der andere, Lazarus Duverne, war Redakteur deS„Morvan", als dieses Blatt noch cxistirte; allein der„Morvan" mußte daS erleben, was die repu- blikanischeu Journale unter der Herrschaft der Faust-Präftkten zu erleben pflegen: er wurde hinweggeräumt. „Die Advokaten der beiden anwesenden Angeklagten verlangten den Aufschub der Sache, in Anbetracht, daß— weil die Vorladung innerhalb der engstgezozenen Grenzen des Gesetzes geschehen war— ihnen nicht die nöthige Zeit geblieben war, um sich die zur B.-r- theidigung erforderlichen Beweisstücke und Aufschlüsse zu verschaffen. Hiergegen wandte der Staatsanwalt ein, daß„daran gelegen sein müßte, die durch diesen Prozeß hervorgerufene Aufregung nicht zu verlängern". Natürlich schloffen sich, obschon wenig Auftegunz war, die feilen Schergen, welche Richter heißen, der Ansicht der Staatsanwaltschaft an. Darauf erklärten die beiden Angeschuldig- ten, daß sie wie Nichterschienene gerichtet sein wollten. Demgemäß behandelte sie das Gericht wie Solche, welche der Vorladung nicht Gehorsam geleistet hätten, und verfuhr gegen die beiden Andern, welche flüchtig waren, in oontumaelam. Alle vier Angeklagte wurden verurtheilt: Duverne und Guinot zu vierjährigem Gesang- niß, Josscrand zu drei Jahren und Baudot zu zwei Jahren. Alle vier wurden ihrer bürgerlichen und politischen Ehrenrechte beraubt und zwar Duverne, Josserand und Baudot auf fünf Jahre, Guinot auf zehn Jahre. Diese Vcrurtheilungen fußten auf folgenden An- klagepunkten: 1. Betheiligung an einer geheimen Gesellschaft; 2. Mitgliedschaft der Internationale und Propagandirung für den genannten Berein; 3. Aufbewahrung von KricgSwaffen und Kriegs- munition. Der Punkt bezüglich der Geiseln war fallen gelassen worden." Diese erbärmliche Komödie beweist, wozu eine Regierung, deren Hauptperson ein bonapartistischer Landsknecht, fähig ist, und wie weit die Corruption um sich greift bei Leuten, die einer solchen Regierung dienstbar sind. Ja einem„Staat", an dessen Spitze ein Mac Mahon steht, der zuerst von seiner„besseren Hälfte", odann von Pfaffen und dann erst noch von politifchen Abenteu- rern aller Arten regiert wird, ist eS freilich möglich, daß die Schürze einer seiner Nichten nicht weniger politische Bedeutung in sich be-! greift, als daS„Lilicnbanner" des Idioten Chambord. — Die amerikanische Jusel Euba, welche zu den Antillen gehört und 1492 von Columbus entdeckt wurde, ist natürlich bisher von den spanischen Regierungen als Provinz betrachtet— nur ein Jahr, 1762 bis 1763, war sie in der Gncalt der Engländer— und dementsprechend in Abhängigkeit gehalten worden. Die Be- völkerung von Euba fand dies nicht für nothwendig und begann im Jahre 1863 den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien. Der Kumps wüthet unentschieden fort und die Insel, welche von höch- stens anderthalb Millionen bewohnt ist, kann sich felbstverständlich nur mit Mühe der spanischen Uebermacht erwehren. Wenn Jsabella, Prim und Amadeus gegen die cubanifchen„Insurgenten" einen barbarischen Kampf führten, so lag dies in der Natur der Dinge; daß aber auch Herr Castelar, der„große Republikaner" und Schönschwätzer, diesen Kampf mit den gleichen grausamen Mitteln weiter führt, ist für uns wohl sehr begreiflich, aber auch ein weiterer Beweis, daß es Leuten wie Castelar, die bisher den Mund stets von„Prinzipien" so voll nahmen, diese„Prinzipien" nach Bedürfniß befolgen oder' nicht und sse, wenn nöthig, mit derselben Gemüthsruhe bei Seite werfen, mit der man sonst ein Hemde zu wechseln pflegt. In diesen Tagen kaperten die Schiffe der spam- fchen(also Castelar's) Regierung ein Jusurgentenschiff, genannt „Birginius", daS schon öfters die Blokade durchbrochen hatte, ver- urtheilten die„Rädelsführer" summarisch zum Tode und schlach- teten fit ab. Diese Mordthat geschah am Morgen deS 11. Na- vembcr. Wir lesen darüber in verschiedenen Blättern:„Diese Eile rief nun aber in den Vereinigten Staaten einen Sturm der Entrüstuug hervor und selbst in offiziellen Kreisen glaubte man, die Sache könne zu ernsten Verwicklungen mit Spanien führen. Diese Befürchtungen sind jedoch grundlos gewesen, denn die Re- gierung Castelar's hat durch den amerikanischen Gesandten in Madrid, General Sicktes, dem Staatssekretär Fish� ihr lebhaf- testes Bedauern über die Vorgänge in Euba aussprechen lasien- Die Depesche, welche anordnete, die Exekution gegen den General Ryan und die übrige Mannschaft des Flibustier-FahrzeugeS„Vir- giniuS" aufzuschieben, sei zu spät in Euba eingetroffen. Die spanische Regierung erklärt, in gutem Glauben gehandelt zu haben. Staatssekretär Fish sucht zetzt das Urtheil gegen die übrigen Gefangenen so'langc aufzuschieben, bis die Legalität der Gefangen- nähme festgestellt ist." Auf welcher Seite iu diesem Kampfe wohl die„Legalität" sein mag? Gewöhnlich ist sie am allerwenigsten bei denen, die sie zumeist im Munde führen. Was der Glaube" und daS„lebhafteste Bedauern" Castelar's bedeuten, wirr nachdrücklichst erklärt durch die Thatsache, daß der spanische Ober- befehlShaber in Euba achtzig in einem Gefechte gefangen ürnom- mene Insurgenten hat ohne alles weitere erschießen lassen. Hoffentlich handeln doch die spanischen Generale in Euba nach den Jnstruk- tionen ihrer Regierung. Der„Demokrat" Castelar, dessen Trnppeü die gefangenen Cubaner niedermetzeln, ist auf dem besten Wege, ein„genialer Staatsmann" zu werden! — Am 30. November findet zu Hof ein Congreß der ober fränkischen Weber statt, wo für den oberftänkischen VNve Gauverband, den die Behörden als„politischen Verein" erklare., eine neue Organisation geschaffen werden soll. Correjpondenzen. Aorna.(Auch eine Lösung der sozialen Frage.) 9" Nr. 38 der„Allgemeinen deutschen Lchrcrzeitung" preisjägert irgeno ein geistiger Hermaphrodit über„Schule und Sozialismus". mancher Lehrer neben diesem Blatte, auch den„Bolksssaat" liest- so dürste eS am Platze sein, einmal jenen Unsinn einer l0sta demokratischen Beleuchtung zu»nterwersen. Auch die iibrig Sozialisten dürfte diese neue„Lösung" der sozialen Frage i teressiren. ,, s»t Jener— Kohl, an dem der Verfasser so viel Tinte verschwenv hat, zeugt von einer großen Unkenntniß deS Sozialismus u zeichnet sich durch gemeine Schimpfereien aus, so daß man v Verfasser Glauben schenkt, wenn ör sagt:„Anstand und gute St lernt man nicht in den vier schmutzig-weißen Wänden eines � minarS." Er darf sich deshalb nicht wundern, wenn wir ihn au � nicht mit Glacehandfchuhen angreifen, denn„auf einen grooe Klotz gehört ein grober Keil". Geben wir jene Arbeit— wenn man eS so nennen dar; durch, so stoßen wir Schritt für Schritt auf den kolossalsten Bt ssnn. Nachdem Verfasser am Anfange den Sozialismus mit beliebten Ausdrücken„Krankheit" und„Seuche" bezeichnet' preisjägert er weiter:„Geräuschlos und in der Stille wurden werden die willkommenen Glaubenssätze über Uderts, ega' fraternits gepredigt und eingesogen." Gleich hier verräth im' grenzenlose Ignoranz des Verfassers. Hat dieser denn nie die Plakate au den Straßenecken gelesen, in welchen zur Theilnahmc an dieser oder jener öffentlichen Volksversammlung aufgefordert wurde? Verfasser fragt nun, warum die Sozial-Demokratie so riesenhaft Boden gewinnen konnte, und giebt dafUr folgende Gründe an: »Verfehlte LandeSgesetze, geistiger und körperlicher Druck, zu un- gleiche Bertheilung des Besitzes, überwiegender Einfluß deS Capi- talS, unkluge Neberhebung deS Arbeitgebers neben unsinniger Pracht und Verschwendung, schrankenlose Freiheit für Genossenschafts- bildung(Aha! da guckt der Pferdefuß heraus!) Halb- oder Ber- bildung deS Arbeiters u. s. w." Nun, ich dächte, die»Lösung« der chozialen Frage wäre d a sehr einfach; man verbessere nur die LandeSgesetzc, hebe den geistigen und körperlichen Druck auf, beseitige die ungleiche Bertheilung des Besitzes, den überwiegenden Einfluß deS CapitalS, die unkluge Ueberhebung des Arbeitgebers, die un- sinnige Pracht, vermehre die»schrankenlose« Freiheit für Genossen- schastsbildung, sorge für gute Schulen, um auch dem Arbeiter eine bessere Bildung beizubringen. Doch von alledem will der Ver- fasser nichts wissen, und da er das Thema Schule und Sozialismus »bearbeitet«, so ahnt uns schon, welche»Lösung« er meint. Zunächst überrascht uns Verfasser mit der Erklärung, daß die Schule ihr ganz ansehnlich Theil Schuld an der Verbreitung des Sozialismus trägt. Wahrscheinlich wird er uns auch noch er- Zählen, daß die Schulmeister Sozialdemokraten sind. Ja, wahr- hastig! Nachdem er die pekuniäre Lage der Schulmeister dargestellt «nd das Mährchen von den Berliner Stcinträgern erzählt hat, spricht er folgende gewichtige Worte aus:„Die meisten Lehrer müssen mit ihrer Lage unzufrieden sein und sind unzufrieden, folglich(!) saufgepaßt!)-- Sozialisten." Welche niederschmetternde Logik! Wie manchem ehrsamen Schulmeister mag vor Schreck die Brille von der Nase gerutscht sein. Verfasser gbcr verräth wieder, daß er nicht den emscrntcsten Begriff vom Wesen des Sozialismus hat. Erholen wir uns erst ein wenig von dem Schlage, den uns Verfasser mit der Keule seiner Logik versetzt hat und hören dann noch einige Phantasten seines erhitzten Gehirns an.„Mit diesen Leuten"(nämlich mit den Sozialdemokraten) ruft er,„mit diesen Leuten durch Dick und Dünn laufen, kann nur ein Dummkopf oder ein Schurke." Verfasser kann uns mit diesen Worten nur ein mitleidiges Lächeln abgewinnen. Zeigt er doch seine Genia- lität in dem albernen philisterhaften Vorwurf:„Ein weitere« specifisches Kennzeichen des Sozialismus ist die Negirung jeglicher Autorität." Mit welchem„gebildeten«'Schulmeister wir es übri- gens zu thun haben, läßt sich daraus erkennen, daß er bedauert, den Stock in der Schule so wenig angewendet zu sehen; habe doch in einem Militärstaate die Schule doppelt die Pflicht, durch an- gemessene Zucht und Strenge(!!) den Schüler für den Eintritt in spätere Verhältnisse vorzubereiten. Die Strenge(sollte aber besser heißen„Grausamkeit«), welche in dem von ihm selbst erzählten Beispiele zum Borschein kommt, scheint ihm gar nicht übel zu ge- fallen. Er erzählt:„In derselben Compaznic, mit welcher Ver- fasser am Kampfe gegen Frankreich Theil nahm, stand auch ein anderer College. Demselben wurden wegen eines geringen Ver- gehenö auf dem Marsche sieben Tage strengen Arrest durch An- binden verbüßen zudictirt. Nach einem 8—10 stündigen Marsche wurde derselbe regelmäßig noch 3 Stunden aufrecht an einen Baum oder an den eisernen Träger Dorfschulstube angebunden.« Ver- fasser hätte uns keinen bessern Dienst erzeigen können, als daß er diesen entsetzlichen Borgang erzählt. Wir sind bei der„Lö ung« angelangt, wenigstens bei eiuem damit die Punkte derselben.„Straffe Disziplin in der Schule, Kinder frühzeitig zu Machinen werden, um abgestumpft zu sein für jede GeisteSregung und damit sie sich um so besser zu allem Möglichen gebrauchen lassen,« daS ist des Pudels Kern, das ist die beste Lösung der sozialen Frage!— Um aber diese straffe Disziplin handhaben zu können, muß man auch die Lehrer für sich haben, und so gelangt der Verfasser zum andern Punkte, nämlich Zu dem, daß man die Lehrer besser bezahlen müsse;„denn" meint er,„weß Brod ich ess', dcß Lied ich sing." Ein schönes Zeugniß, welches sich der Verfasser ausstellt! Doch er nennt ja die Lehrer die»PariaS« unter den Gebildeten. Verfasser meint also, man müsse den Lehrer gut bezahlen, dann werde er nicht unzufrieden fein, dann werde er sich nicht dem Sozialismus hinneigen, dann werde er nach der Pfeife„hoher und höchster Herrschaften" tanzen, Lann werde er gern die jugendlichen Köpfe härten gegew sozial- demokratische Ideen, und dann, dann— ist die soziale Frage gelöst;„denn," ruft Verfasser am Schlüsse pathetisch aus,„wer die Schule hat, der hat das Boll, der hat das Heer, der hat du Welt!" Sckrumm! Verfasser hat jedenfalls mit großer Freude seine Feder ausgespritzt, als er seinen Unsinn auf daS Papier geschmiert hatte; aber wir können ihm versichern, daß er die soziale Frage doch nicht gelöst hat. Es ist nicht jeder Lehrcr fo charakterlos, daß er das Lied dessen singt, dcß Brod er ißt; Verfasser dieses will auch Lehrer werden, ist aber durchaus nicht gesonnen, auch bei der besten Besoldung nicht, nach der Pfeife»hoher Herren' Aus"den Scklußworten jener Preisjagd läßt sich aber erkennen, daß der Verfasser einer von den Schulmeiflcrn ist, dw ihre Ve- deutung viel zu sehr überschätzen; den« ein Lehrer sieht seine» Einfluß nur auf die Schulkinder beschränkt, sein Einfluß Hort auf, wenn die Zöglinge die Schule verlassen, Sonntags- und Fort- bildungsschulen helfen wenig, und wenn die Zelt der ko�crtichen und geistigen Reife eintritt, dann tritt auch eine bepcre Urtheil kraft ein, die allen schulmeisterlichen Anstrengungen spottet. Jener Preisjäger hat weiter nichts erreicht— und wenn er den Preis erhalten haben sollte— als daß er sich als einen grünen Jungen dapgeftecht hat, der über ein« Sache reden wollte, von der "nichts versteht. Ja, ja, ntein lieber Schulmeister, die soz.a e Irage ist nicht so leicbt zu lösen, als grüne Jungens manchmal denken mögen! 7�. Dresden. 10. November.„Die Stellung der Produktiv- associationen zu den GewerkSgenossenschaften«, so lautete die Tages- ordnung der großen Volksversammlung, welche am Sonnabend m S? �"tralhalle stattfand. Auer, welcher die Aufgabe hatte, dtt- wet�roV»"legen, begann damit, zu erklären, daß die allge- fÄ ,m Volke längst erkannt worden sei und man ver- IS äut Abwehr derselben versucht habe. Die Ar- veiter Lyons seien einst mit dem Rufe:„Arbeitend leben oder kämpfend sterben!» in den Kampf gezogen und ihnen sei durch Pulver und Blei geholfen worden, die sckl-sisch-n Weber dagegen Litt," �bettelnd an den König von Preußen gewendet, der ihnen Leu. versprochen, und auch ihnen sei— geHolsen worden. ln� � � Redner mit dem Namen„Humanisten' bezeichnet, ™ dann die Wohlthätigkeit und die christliche Liebe zu Hilfe «.vj*"' wieder Andere Sparsamkeit empfohlen, aber alle diese ,, haben sich als nutzlos erwiesen. Hierauf, fuhr der Redner ' fand die sozialistische Lehre Eingang im Volke, auf Grund derselben hat man zur Abwehr der Nclh die Gewerksgenossen- schaften und Productiv- Associationen gegründet. Die letzteren haben den großen Vorthcil, daß sie die republikanische Form in der Industrie einführen, während jetzt in der modernen Produktion, wo der einzelne Fabrikant unumschränkter Gebieter sei, das abso- lute Monarchenthum herrsche. Aber die Productiv-Associationen haben auch ihre Nachtheile. Sie erziehen Arbeiter mit Bourgeois- gesinnungen und beeinträchtigen dadurch das Bewußtsein der all- gemeinen Solidarität, welches allein die Arbeiter zum Siege führen könne. Auch seien diese Institutionen schon deßhalb— selbst wenn Staatshilfe einträte— nicht als Mittel zur vollständigen Lösung der sozialen Frage anzusehen, weil sie die heutige ProductionSweise bedingen. Die GewerkSgenossenschaften dagegen halten uuverrückt ihr»jiel, die gänzliche Befreiung der Arbeiter vom ökonomischen Joche und Errichtung des sozialistischen Staates, im Auge und sind daher den Productiv-Associationen entschieden vorzuziehen. An die Mitglieder der Letzleren richtet der Referent zum Schluß die Mahnung, sich nicht vom allgemeinen Kampfgebiet zurückpu ziehen, sondern treu unter dem Banner der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit mit zu kämpfen, bis das Ziel erreicht ist. Dieses Referat wurde von der dichtgedrängten Schaar der Zuhörer mit stürmischem Beifall aufgenommen. Mehrere Redner, zum Theil Borstände von Productiv-Associationen, meldeten sich nun zum Wort und bekräftigten die Ausführunzen des Referenten. Hierauf erlebten wir daS seltene Schauspiel, einen Vertreter der Bourgeoisie offen und ehrlich in die Schranken treten zu sehen, um seine An- schauungen gegenüber den eben erläuterten Tendenzen geltend zu machen. Es war Herr Kaufmann Cohn, welcher zunächst seine Verwunderung darüber aussprach, daß eine innere Angelegenheit, wie es die heute behandelte Frage doch sei, vor eine öffentliche Volksversammlung gebracht werde. Dann auf die Sache selbst eingehend, meinte er, die Arbeiterbewegung habe doch den prak- tischen Zweck, die Lage der Arbeiter zu verbessern, daher, wie schon Lassalle durch seinen Vorschlag auf Staatshilfe constatirt habe, sei die genossenschaftliche Arbeit zu befürworten; Lassalle'S Verlangen habe man nicht acceptirt, denn der Staat habe keine Mittel dazu, einzelnen Gesellschaftsklassen aufzuhelfen; es bliebe deshalb nur die Gründung von Productivzenossenschaften durch Selbsthilfe übrig. Was das Kapital betreffe, so gebe es zweierlei Kapital, dasjenige, welches mit der Arbeit gemeinsam wirke, Häuser baue k., und das Schwindelkapital. Dieses letztere nur fei zu verdammen; als Illustration hierfür führte Redner an, daß im Boigtlande ca. 100 arme Weber durch ein Fallissement brodloS geworden seien, worauf er sich in einer Definition des Wortes„Sozialist" erging und die Mitglieder der Productiv-Assoziationen in Schutz nahm. Auer ergriff nun wieder das Wort, sprach nach einigen kurzen Be- merkungen Herrn Cohn seinen Dank dafür aus, daß er sich auf das Gebiet der öffentlichen Discussion begeben habe, dann in längerer Rede auf die Worte des Vorredners eingehend, bohrte er mit schlagender Logik und vernichtender Schärfe alle Aufstel- lungen desselben in den Grund.— Er bestritt, daß die Tages- ordnung eine innere Angelegenheit behandle; 90 Procent des Vol- keS seien Arbeiter, eine Frage wie die heutige, welche diese 96 Procent berühre, sei keine„innere" Angelegenheit mehr. Wenn diese 96 Procent StaatShilfe fordern, so sei dies nur Selbsthilfe im weitesten Sinne des Wortes, denn das Volk sei eben der Staat; wenn man in Spandau die Millionen vergräbt, um zu neuen Kriegen fliffsigeS Geld zu besitzen, so könne der Staat freilich zu nützlichen Zwecken keine Mittel haben. Der Unterschied, den Herr Cohn zwischen Kapital mache, bestehe nur darin, daß die Bour- geoisie den Kapitalisten hochverehrt, dessen Schwinveleien ihm glücken, während Derjenige, dessen Spekulntionen fehlschlagen, weil er noch nicht geübt genug in der Gaunerei war, als Betrüger ge- brandmarkt wird. Nicht ein einzelner Zufall, sondern das ganze Productionssystem sei daran Schuld, daß die 100 Weber im Voigtlande brodloS geworden; diese Weber hätten lange und viel zu thun, um nur ihre eigenen Bedürfnisse herzustellen; da man aber der Masse des Volks die gehörige Consumtion unmöglich mache, müssen naturgemäß auch in der Production Stockungeu eintreten.— Ein weiterer Redner meldete sich nicht und die Ver- sammlung wurde gegen 12 Uhr geschlossen.(Dresdner Volksbote.) Stolkverg, 11. November. Am Sonntag, den 9. November, Vormittag 11 Uhr, fand hier im Gasthof zum weißen Roß eine BczirkSversammlung für den 19. Wahlkreis statt, in welcher auch Schneeberg, Neustädte! und Haslau gut vertreten waren. Als Bor- und Centralort wurde Stollberg gewählt und der von Carl Demmler aus Geher aufgestellte Operationsplan zur bevorstehenden ReichStagswahl einstimmig angenommen. Nachmittag 3 Uhr fand Parteiversammlung statt, in welcher daS Central-Wahlcomitv sowie daS Local-Wahlcomit6 für Stollbcrg gewählt wurden. Partei- genossen allerorts im 19. Wahlkreis, an Euch ergeht nun die dringende Aufforderung, möglichst schnell Local-Wahlcomitss zu bilden und die Adressen an unS bis längstens Ende dieses Monats einzuschicken; cS ist keine Zeit zu verlieren, da der Wahltag uns immer näher rückt. Wir fordern und erwarten, daß Ihr mit voller Einergie eintretet gleich uns für die gute und gerechte Sache. ES ist Ehrensache und doppelte Pflicht, die unS obliegt, einmal schulden wir eS unserem für uns eingekerkerten Freund, daS andere Mal uns selbst. Aber siegreich können wir auS diesem Kampf nur hervorgehen, wenn ein Zeder seine Schuldigkeit voll und ganz thut. Rütteln wir die Schläfrigen auf und spornen wir die Saumseligen zur energischeren Handlung an, daß wir einen Mann ins Parlament schicken können, der sich und uns Ehre macht da- durch, daß er unsre Interessen im vollsten Maße verttitt. Wir sagen nochmals, verliert keine Zeit; auch unsere Gegner rüsten sich bereits. Auch möge man alle Wahlumtriebe, wie solche häufig vorzukommen pflegen, zu unsrer Kenntniß gelangen lassen, wir werden Euch dann die nöthigen Weisungen über Euer Verhalten zugehen lassen. Mit sozialdemokratischem Gruß Das Central Wahtcomits für den 19. Wahlkreis. Alle Briefe-c. sind zu richten an den 1. Vorsitzenden des Central-WahlcomitöS Fr. Oesterreich, Schloßgasse in Stollbcrg. Wildenfels, 3. November. Vergangenen Freitag, zum Re- formationsfeste, fand wieder in Wildenfels eine öffentliche Volks- Versammlung statt, iu welcher Herr Stolle aus Crimmitschau über „ReichStazSwahl und Zweck der GewerkSgenossenschaften« referirte. Leider war wenig Raum, da die Versammlung in der Hand- werkSstube des Meisterhaufes stattfinden mußte, weil in unserm belebten Städtchen kein Saal zu bekommen ist, denn von den vier Volksversammlungen, die seit dem 15. Juni dieses Jahres hier stattfanden, sind drei aufgelöst worden. Die erste fand am 16 Juni im„Beier'schen Gasthofe« statt; in derselben wollt- Nhle aus Chemnitz ersten« über„Arbeiterbewegung" und zweitens über die Presse reserircn; doch als er den ersten Punkt der Tagesordnung theilweise erörtert hatte, erhob sich der überwachende Assessor Seiler und sagte zum Vorsitzenden, er solle dem Referenten das Wort entziehen, da er aufreizend gesprochen hätte; der Vorsitzende that es. und Uhle war sofort ruhig. Schubert aus Kirch- berg und Engelhardt aus Zwickau vollendeten nun chie Erörte- rung de« ersten Punktes. Als Uhle über den zweiten Punkt,„die Presse«, reserircn wollte, erhob sich der Beamte abermals und be- merkte, er habe ihm schon das Wort entzogen; Uhle sprach noch einige Worte und im Namen des Gesetz:« wurde nun die Ver- sammlung aufgelöst. Die zweite fand am 26. selbigen Monats statt; in ihr referirte Dr. Otto-Walstcr au« Dresden über„Kapital und Arbeit"; als er seinen Vortrag beendigt hatte, sprach noch Dotzauer Einige» Uber berühmte Männer, z. B. über den Erfinder der Dampfkrast, über den Erfinder der Buchdruckerkunst, und über noch viele Andere, und erzählte, welchen Ausgang ihre Wirksamkeit gehabt hätte. Als- dann machte er noch einige kurze Bemerküngen über den„Staat"; da erhob sich der anwesende Referendar, Herr von Peschwitz, und richtete folgende Worte an den Vorsitzenden:„Wenn Sie dem Redner das Wort nicht entziehen, muß ich eS ihm entziehe«". Dr. Otto-Walster wollte den Vortrag Dotzauer's zu Ende führen; als ihm aber ebenfalls nach wenig Minuten das Wort entzogen wurde und Walster Bemerkungen daran knüpfte, wurde die Ber- sammlung wiederum in Gesetzes Namen aufgelöst. Die dritte fand am 5. October d. I. in dem Schanklocale des Schießhauses statt, weil die Wirthe in Wildenfels alle von den Gegnern der Sozialdemokratie so weit gebracht waren, ihren Saal nicht mehr zu Versammlungen herzugeben. Als nun der Wirth des SchicßhauseS seinen Tanz-Salon hergeben wollte, welcher zwar blos aus Brettern gebaut ist,(in dem aber trotzdem vorigen Mou- tag Schützenball abgehalten wurde,) so bekam derselbe sammt dem Einberufer ein versiegeltes Schreiben vom Gericht, in welchem stand, daß die Abhaltung einer öffentlichen Versammlung in der Tanzbude des Schießhauses wegen ihrer leichten Construction und F-uergesährlichkeit nicht gestattet werden könnte. So fand nun dieselbe im Schanklocale des Schießhauses statt. Uhle aus Chemnitz wollte erstens über die Polizeiliche Handhabung des Vereins- und Versammlungsgesetzes in Sachsen, und zweitens über den deutschen Reichstag und die nächsten Wahlen referiren. Als er noch einleitend sprach und eine Beschwerde-Schrist von der Landesoers ammlnng zu Chemnitz auS dem„Volksstaat" Nr. 29 von 1872 vorlas und fast fertig damit war, erhob sich der an- wesende Referendar Dr. Meier mit der Erklärung, er müsse ihm das Wort entziehen. Uhle anwortete: Obgleich der betreffende Ueberwachende keinen Grund zu seinem Verfahren habe, füge er sich darein. Dr. Meier sprach hierauf: Ich habe Ihnen das Wort entzogen, und Sie haben mir nicht Folge geleistet, ich erkläre des- �halb die Versammlung für aufgelöst. Die vierte Versammlung fand, wie schon erwähnt, in der Handwerksstube des Meisterhauses statt; H. Stolle auS Crimmitschau referirte über die ReichStagswahl und den Zweck der GewerkSgenossenschaften. Die Versammlung verlief ohne alle Stö- rung. Stolle schilderte die Lage in Wildenfels; wir müßten uns in einem so kleinen Zimmer versammeln, weil die Gegner es so weit gebracht hätten. Er wies hierauf durch die Geschichte der ersten Christen, durch die der Reformation, und durch andere Bei- spiele nach, daß alles Verbieten von Versammlungen, alle Auf lösunzen derselben, alle Maßregelungen und Chicanen Nichts helfen würden, den freien Gedanken, das Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit, welches in der Natur begründet liegt, zu unterdrücken, es verstünden denn die Gegner, das Weltall in ein Nichts aufzu lösen. Diese Versammlung wird ganz bestimmt ihre guten Früchte tragen, wenigstens wird dem Arbeiter die Ueberzeugung beigebracht sein, daß alles Gerede von unseren Bestrebungen in gegnerischen Blättern nichts als Lüge ist.(Cr. B. u. Bfr.) Kköerfekd. Wie sehr der„Allgemeine deutsche Arbeiter-Verein« hiersclbst im Argen liegt, zeigt klar und deutlich folgende« Beispiel. Der Doppelgänger HarmS' hatte auf den 1. dieses Monats eine Arbeiter-Versammlung einberufen, in welcker ein gewisser Herr' Gutekunst referiren sollte. Die Versammlung, welche aber nur 14— schreibe vierzehn— Mann stark war, konnte nicht abge- halten werden und so wurde dieselbe vertagt bis auf den 8. dieses Monats. Diesmal war dieselbe durch zwei Annoncen, eine im „Neuen" und die andere im täglichen Anzeiger bekannt gemacht. Das Vaterland war diesmal gerettet, denn es waren 36— 40 Mann anwesend. Auf der Tagesordnung stand:„Der Rcichthum der Erde und das Proletariat", worüber Herr Gutekunst referirte. Hier kann man mit Recht sagen:„wenn das geschieht am grünen Holz, was soll am dürren werden?" Der Vortrag entbehrte von Anfang bis zu Ende einer jeden wissenschaftlichen Grundlage. Wir möchten darum Herrn Gutekunst einen guten Rath ertheilen, nämlich den, sich wissenschaftliches Material anzuschaffen. Zum Bei- spiel Marx's„Kapital". Aber studiren ist lästig und nachplappern sehr leicht.— D«„Allgemeine deutsche Arbeiter-Verein« stand seiner Zeit Hierselbst in voller Blüthe, aber solche Trabanten, wie Klein und Fnck, welche den Schwindel eu gros betreiben, haben den Verein so in Mißkredit gebracht, daß ein jeder denkende Ar- beitcr sich von ihnen fernhält. Wir werden zu gelegener Zeit über letztgenannte Personen ein Material veröffentlichen, welches jene Herren vollständig charakterisirt. Arankfurt a. M., den 10. November. College»! Der Strike dauert fort. Wir bitten Euch, den Zuzug fern zu halten, um so mehr, da wir hören, daß an verschiedenen Orten ausgesprengt wird, der Strike sei hier beendet. Die Prinzipale haben in ihrer letzten Versammlung beschlossen, nicht nur nicht nachzugeben, son- dern auch keine Verbandsmitglieder mehr in Arbeit zu nehmen. Am verflossenen Freitig Mittag wurden 4 College«, welche einen den, Verbände Angehörigen, welcher bei Jffland, ohne daß derselbe unsere Forderungen genehmigt, weiter arbeitete, zur Rechenschaft ziehen wollten, auf offener Straße verhaftet. Da man ihnen na- türlicher Weise nichts anhaben konnte, jedoch wieder freigegeben. Man hätte Seitens der Polizei wirklich keinen größeren Aufwand machen können» wenn hier ein Einbruch oder«in sonstiges gröberes Vergehen zu befürchten gewesen wäre, denn 10 Polizeibeamte (wenig genommen), darunter 2 Commissäre, pattoullirten in der Straße. Uud doch galt e» nicht« anderes als einige hungernde, harmlose Arbeiter zu verhaften. Trotz der Vorstellungen unserer- seit« arbeitet der betreffende Buchbindergehilfe, dessen Name später veröffentlicht werden wird, weiter und hat sogar, obschon wir ihm bis jetzt in keiner Weise zu nahe getreten sind, von seiner Werk- flätte auS die Begleitung zweier Schutzleute in Anspruch genommen. College«! Ihr seht, der Kampf nimmt immer ernstere Dimensionen an. Wir stehen fest, aber unterstützt uns in diesem Kampfe, wenn wir mit unseren Forderungen durchdringen sollen. Wir werden, wenn Ihr einmal in dieselbe Lage kommt, auch unsere Schuldig keit thun. Mit collegialischem Gruß Für die Commission der Buchbinder: A. Müller. Unterstützungen sende man an E. Klein, Buchbinderei Fleier, Triersche Gasse 4. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden ersucht, Vorflehendes zum Abdruck zu bringen. Da nicht'an alle« Orten Vereine unseres Faches bestehen, so ersuch: ich die Parteigenossen, unsere Collegen daselbst so lange vor Zuzug zu warnen, bis die Beendigung unseres StrikeS angezeigt ist. D. O. Nürttllerg, 6. November. Fachgeuosien! Auf unser Circular vom Monat September, haben sich noch folgende Städte zur Theil- nähme an dem am 29. November in Wiirzburg im Saale des „Bayerischen Kaffeehauses" stattfindenden allgemeinen Congreß der Lithographen und Steindrucker angemeldet: München, Fürth, Wien, Frankfurt a. M., Mannheim, Ludwigshafen, Leipzig, Stettin, Hannover, Lübeck, Barmen, Bremen, Graz, WUrzburg, Nürnberg und Stuttgart. Zur Orientiruog über Ausfüllung der Mandate diene Fol- gendes zur Notiz: Auf dem Mandat ist die Zahl der Collegen anzugeben, welche dem betreffenden OrtSvcrein angehören, oder welche in der beschlußfassenden Versammlung anwesend waren. Unterzeichnet müsse» sein: Der Vorsitzende und der Schriftführer eines Vereins, bei dem Mandate einer freien Versammlung, der Vorsitzende und zwei Zeugen. Diejenigen Collegen, welche keinen eigenen Delegirten senden können, mögen ihre Mandate bis zum 29. November an Herrn Zimmermann, Kathrinengasse Nr. 10 in Würzburg einsenden. Ebenso ersuchen wir alle Ortsvereine, welche Delcgirte senden, ihre Anmeldung so schnell wie möglich an obige Adresse gelangen zu lassen. Die Comitemitglieder werden die Delegirten am Bahnhof erwarten, erkenntlich an rothen Schleifen. Folgende Anträge sind bis zum heutigen Tage eingelaufen: Ortsverein Nürnberg: 1) Anlegung einer allgemeinen Kranken-, Sterbe- und Inva- lidenkasse. 2) Vertretung geschäftlicher Interessen durch die Gesammtheit. 3) Regelung de« Lehrlingswesens, im Sinne der Fortbildung unseres Berufs und Bekämpfung der Rückbildung. 4) Ausschluß sämmtlicher Fabrikanten als Mitglieder unseres Bundes, wegen deren schon bestehender Vereinigung. S) Der Congreß möge die Organisation der Buchdruckergehilfen mit nur wenigen Abänderungen für unser Fach passend, an- nehmen. Amendement von Meyer, Nürnberg, zu§ 4 der Nürnberger Fachgenosscn: Arbeitgeber, welche dem Verband schon als Gehilfen angehörten, können demselben auch ferner angehören, so lange sie nicht mehr als ö Gehilfen beschäftigen, oder durch arbeiterfeind- liches Benehmen zu ihrem Ausschluß Veranlassung geben. Antrag der Mannheimer und LudwigShafener Fachgenossen: Anreihung an Punkt 1) der Nürnberger Fachgenossen, Anlegung einer ViaticumSkasse. Anträge der Barmer Fachgenosscn: 1) ViaticumSkassen nicht zu errichten. 2) Jeder Local-Verein verwaltet seine Kassenange- legenheiten selbstständig, verpflegt resp. unterstützt seine Mitglieder nach Maßgabe seines Statuts; außerdem ist jeder Zweigverein verpflichtet, eine festgesetzte Taxe für jedes seiner Mitglieder viertel- oder halbjährlich an die Haupikasse abzuliefern, außerdem können auch einzelnstehende Collegen dem Bund beitreten, ohne einem Zweigverein anzugehören, sofern sie für diesen Fall die vorge- schriebenen Bedingungen erfüllen. 3) Ter Jnvalidenfond wird vom Bundespiäsidenten und Hauptkassirer, sowie deren Stellver- treter verwaltet. 4) DaS Kapital für den Jnvalidenfond wird gebildet aus der Hälfte des zu zahlenden Beitrags, welcher pro Mitglied an die Hauptkasse eingeliefert wird. S) Aus Geschenken, welche ausdrücklich für den Jnvalidenfond bestimmt sind. 6) Die Kassa bleibt zwei Jahre nach dem erst gezahlten Beitrag geschlossen, umhin dürfen während dieser Zeitdauer keinerlei Unterstützungen aus dem Jnvalidenfond gewährt werden. 7) Alle von dem vor- benannten Tage ab eintretenden Jnvaliden-Unterflützungen werden nur von den Zinsen des hierfür vorgeflhenen Kapitals geleistet, das hierzu sehlende wird durch gleichmäßige Vertheilung auf sämmt- liche VerbandsMitglicder aufgebracht, und zwar so lange, bis das Fondscapital 3000 Thlr. übersteigt; auch tritt die vorbenannte gleichmäßige Besteuerung wieder in Kraft, sobald der Fond auf 300 Thlr. redueirt ist. Fachgenossen! Ter Tag an dem unser Congreß stattfinden soll, rückt näher und näher. Sorgen Sie allerwärts dafür, daß der- selbe zahlreich beschickt werde und sorgen Sie namentlich dafür, daß Delegirte erscheinen, denen� es Ernst ist mit dem Wohl der arbeitenden Menschen. Alles, was etwa noch einzusenden ist, möge man an Zimmermann in Würzburg übermitteln. Auf zum Corrgreß! Mit Gruß und Handschlag Für das Crmits: Christian Meyer, 1. Borsitzender, Jacob Swadosch, 1. Schristf. Flewyork, 17. Oktober. Man schreibt von hier dem„Cor- respondent für Buchdrucker": Als ich die traute Heimat verließ, ward ich sowohl von Ein- zelncn wie auch von größeren Collegenkreisen aufgefordert, über meine Reise und über meine hier gemachten Erlebnisse im„Corr." zu berichten. Indem ich dieser Ausforderung hiermit eutspreche, bedaure ich unendlich, dies nicht fteudigen Herzens thun zu können. Meine Reise war, wie mein ganzes Leben, vom Glück sehr wenig begünstigt. Schon in Hannover schr leidend, steigerte sich das Unwohlsein in Bremen ungemein, und daß�ich auf dem Schiffe keine Genesung finden konnte, liegt auf der Hand. Von der ebenso reichen als seinen Cajütenkost konnte ich daher leider nur sehr wenig Gebrauch machen. Dazu kam nock>, daß wir auf der Reise sehr viel Kälte, Sturm und Regen, indeß wenig Sonnenschein hatten bis zur zweiten Woche, in welcher letzterer bis zum vorletzten Tag der Fahrt die Oberherrschaft behauptete. Aber an diesem vorletzten Tage, fast angesichts NcwyorkS, wurden wir noch einmal von allen Schrecknissen eines SecsturmS heimgesucht. Allein auch dieser ging vorüber und wir landeten, unserer 800 Passagiere, alle gesund auf dem freien Boden der oceanischen Republik, welche sich schon jetzt bereit macht, am 4. Juli 1876 ihr lOOjähriges Bestehen zu seiern. DaS Wort„frei" halte man nicht für vollen Ernst, sondern weit mehr für bittern Spott. Denn— und hiermit gehe ich zu meinen hie- sigen Buchdruckcrerlebnissen über— nirgend« wird mit der Freiheit und Würde des Einzelnen so erbärmlich verfahren, als gerade hier in der Republik, in welcher die Kapitalisten die schamlosesten Gewalthaber sind. Ich hielt immer den Mahnruf des„Volks- faat" für stark übertrieben, allein die wenigen Wochen meine« iestgen Aufenthalts genügten vollständig, um alles über Amerika im„Volksstaat" den Arbeitern Gesagte zur Warnung vor der Auswanderung nach Amerika vollkommen zu bestätigen. Zur De- tailmalerei fehlt mir zwar nicht die Zeit, wohl aber die Stim- mung, denn Conditio» in deutschem Sinne kennt man hier gar nicht. Vorerst hat man als„Grünhorn" froh zu fein, als„Aus- Helfer" zu figuriren. Ein solcher war ich auch, bis nach 10 Tagen mein„Vormann"(Factor) mich Morgens fragte:„Haben Sie viel abgelegt?"— Ja!—„Nun, dann setzen Sie Ihren Kasten leer, nachher ist's alle!" Dieser Vormann(Grünbaum) ist ein Zögling der Breirenstein'schen Schule in Frankfurt a/M.(Firma: H. L. Brönuer), also ein Landsmann! Dies kleine Bild mag— angesichts meiner kolossalen Verbitterung— für jetzt genügen, um die deutschen Collegen zu veranlassen, sich's wohl dreimal zu über- legen, ehe sie einmal hier ihr Heil suchen. Ich stehe nicht an, zu behaupten, daß beim jetzigen Normaltarif mit den Localzuschlägen, sobald derselbe vollinhaltlich giktig ist, die Collegen sich in jeder Beziehung— auch moralisch— in Deutschland besser stehen, als im gelobten Freiheitslande.— Schließend erweitere ich die vom Sccretär der Newyorker Typographia hauptsächlich gegen Fr. Rauch- fuß hier gerichtete Warnung dahin:„Bleibet im Lande und nähret euch bleilich!" Höchstens mögen sich solche junge Collegen hier- her verirren, welchen die mehrjährige Kasernenluft vom Arzt ver- boten ward. Diese können sich mit den Buchdruckerstrapazen nach hiesigem Gebrauch, z. B. Samstags 13— 20 Stunden(ohne Entschädigung), eher vertraut machen. An den anderen Tagen wird hier übrigens im Berechnen durchschnittlich nur 12 Stunden ge- arbeitet, wobei noch zu bemerken, daß man Mittagszeit hier gar nicht kennt. Gott grüß' die Kunst und helfe ihr auf auch in Amerika! Ich aber grüße alle tüchtigen Collegen in Deutschland mit dem Zurufe: Auf baldiges Wiedersehen! Berichtigung. Zm letzten Absatz der politischen Rundschau von Nr. 110(zweitletzte Zeile der 2. Spalie, S. 2) muß es heißen: vermied statt: verneinte) es vor Allem sc.— Fond für pol. Gemaßregelte. B. Internat. Metallarb.-Gewerksch. hier 12 Gr., v. B. Dirustein 15 Gr. H. Dll. Zum Reichstagswahlfond. /. Kr. südd.); im Dutzend pr. Slück gebunden 3 Sgr.( 0>/., Kr. südd.); brach. 2>/- Sgr.(9 Kr. südd.); gegen baar oder Postvorschuß im Dutzend' gebunden vr. Stück- 2'/- Sgr.(9 Kr. südd.); brach. 2 Sgr.(7 Kr. südd) . � ißF" Pr- Kreuzband betragt der Preis pr. gebundenes Exemplar 4'/,«gr., pr. brach. Exemplar 4 Sgr. [Idj_ Die Puchhandlung des„Volksstaat''. Soeben ist im Verlage der Genossenschaftöbnchdruckerci er- schienen und durch die Expedition des„Volksstaat" zu beziehen: Der Volksstaat-Aalender für 1874. Inhalt: Kalendarium. Biographischer Kalender. Die Schlacht um den Birlenbaum. Eine Parabel von St. Simon. Roth. Französische Arbeiter. Robert Owen, ein Charakterbild. Der Pauker von Niklashause»; historische Erzählung von Robert Schwcichel. Preis pro Stück ohne Stempel 3 Ngr. 5 Pfg., Preis pr» Stück mit Stempel 4 Ngr. Bei Abnahme von 12 Stück und darüber 5 3 Ngr. exclusive Stempel. Bei Baarzahlung außerhalb Sachsen 24 Stck. 2 Thlr. für Sachsen incl. Stempel 2 Thlr. 12 Gr. ÄV An uns unbekannte Besteller wird nur nach vorherige Einsendung des Betrages in baar oder Reichsbriefmarken oder gegen Postvorschuß versandt. Gewirrschaft der Schuhmacher. Znr Notiz! Meine Wohnung befindet sich von heute au Körnerfiraße Nr. 15, Vordergebände II., links. Julius Kirsten, Vorsitzender des Aussichtsrath's. ArbeitcrbilduugSvercm. Sonntag: 1—3 Uhr Zeichnen. Montag: Gesang. Turnen, Stenographie, Rechnen. Dienstag: Deutsche, englische und französtche Sprache; Schönschreiben. Mittwoch: Diskussion oder Vor- trag. Donnerstag: Gesaug, Stenographie, Turnen, franz. Sprache. Freitag: Buchführung, engl. Sprache, Wechselkunde. Sonnabend» Vortrag oder Diskussion. lwls Arbeiterbildnngsverein. feUUUlMI« Deutsche Sektion der Internationalen Arbeiterassoziation. Unser Lokal bestndet sich jetzt: 81 Lins Post Nemnan Street Oxford Street W. C.— Es finden abwechselnd Vorträge über soziale und politische Fragen statt.— Im Namen des Vereins: der Sekretär.— Meine Adresse ist: F. Leßner, 2 Fitzroy Str. Eitzroy Sq._ kUnt f Bereinigte Tischler. WCW'f/Ul l Jeden Dienstag, Abend« 3 Uhr, Versammlung in Deutonea, Assembly Rooms, 158— 160 Avenue. Arbeiisnachweisungsbnreau bei I o h n Frank 149, Eiridge Street,(ml) Die Mngliedcr der soz.-dem. Arbeiterpartei ver- sammeln sich jeden Montag, Abend« 8 Uhr, im Hamburger Tunnel. Der Vertrauensmann. Wilkau Vorläufige Anzeige. Die hiesigen Parteigenossen beabsichtigen in einigen Wochen ein Arbeiterfest abzuhalten. Näheres wird später bekannt gegeben._ P» Nochmalige Äassordernng. Meine Schuldner wollen mich binnen 44 Tage bezahlen, widrigenfalls die Namhaftmachung aller erfolgt. Dresden. H- Z> l g e r. Die Genossenschafts- Buchdruckerei _ II in Leipzig empfiehlt sich zur Ausführung aller ins Druckfach einschlagenden Arbeiten, und bittet namentlich die verehrl. Kassen- und Gewerkschafts-Verwaltungen um geneigte Berücksichtigung. Sie wird Alles aufbieten, um die erhaltenen Aufträge zur Zufriedenheit ihrer werthen Kunden zu erledigen. Zur allgemeine» Kenntniß bringen wir, daß Inserat« für die nächste Nummer nur bestimmte Aufnahme finden, wenn das betr. Manufcript einen Tag vorher also Wontag, Mittwoch oder Ireitag mit der letzten Bor» mittagSpost(11 Uhr) in unseren Händen ist. Inserate bitten wir an unS zu adrefsiren. Die Expedition des„Volksstaat". Notiz für unsere Abonnenten. Bei Beanstandung der Annahme von Abonnements Seitens der einen oder andern Post- Expeditton ersuchen wir auf die am Kopfe des Blattes stehenden Abonnementsbedingungen zn verweisen, und geben hiermit bekannt, daß der„Volksstaat" unter Nr. 3350 in dem großen und unter Nr. 3159 in dem kleinen ZeitungSpreiscourant der Post eingetragen steht, wie im sechsten Nachtrag zum Zeitungspreiscourante pro 1873 Abschnitt II das 2inonatliche resp. i monatliche Abonnement auf denselben sich aufgeführt findet. Im Falle der Verweigerung des Abonnements wolle man sich beschwerend an die zuständige Postdirektion wenden. Die Expedition des„Volksstaat". Leipzig: Berantw. Redakteur: Casper.(Redaktion und Expedition Zeitzerstr. 44.) Druck und Verlag der GenossenschastSbuchdruckerei.