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Wir fordern deshalb dringend auf, daß alle Ar- beiter und Parteigenossen in den einzelnen Orten sofort Wahr- comitees bilden und sich mit dem Ccntralcomitö in Leipzig in Verbindung setzen. Alle Arbeitervereine, Mitgliedschaften und Gemeindevereine, alle Gesinnungsgenoflen werden ersucht, Vertreter zu gemeinschaftlicher Berathung nach Leipzig zu senden, welche Sonnabend, 22. No- vember, Abends ,/»9 Uhr, im Lokale des sozialdemokratischen Arbeiter- Vereins bei Zeidler(Große Windmühlenstraße 7) stattfinden wird. Bon den Orten, wo keine Vertreter gesandt werden können, schicke man genaue Adressen der Vereine oder Parteigenossen an den Unterzeichneten. Bei dieser Berathung wird der AgitationSplan endgültig festgestellt werden. Und nun ohne Säumen an's Werk! Leipzig, den 16. November. Der Vorstand deS sozialdemokratischen Arbeitervereins: W. Fink, Hohestraße 4. WünchenSernsdorf. Am 9. November hielten die Partei genossen von Neustadt, Waida und Münchenbernsdorf eine Kreis Versammlung im vordern 3. Waimarischen Wahlbezirk ab, um einen Kandidaten für die bevorstehende ReichStagSwahl zu bestimmen. Es wurden Herr Wilhelm Liebknecht und Herr Wilhelm Ufert aufgestellt, und nachdem mehrere Redner die Hoffnung auSgesproN en, daß Herr Wilhelm Liebknecht in Sachsen und zwar im 19. Wahl bezirk sicherer gewählt werden würde, ensschied man sich einstimmig für Wilhelm Ufert aus Weimar. � Damit nun die Agitation sowie alle zur Wahl gehörigen Ar- bekten pünktlich besorgt werden, wurde ein Wahlcomiis eingesetzt, welches in Münchenbernsvorf seinen Sitz hat, und sind alle Briese in dieser Angelegenheit an Hartwig Hartmann zu senden. Die Kosten, welche dem Comitö bei einer Agitation, welche sofort be- ginnen wird, erwackisen, sind von den Parteigenossen des 3. vor- deren Wahlkreises selbst zu übernehmen, und ersuchen wir Alle, recht bald Gelder zu sammeln und selbige an Eduard Rudolph einzusenden. In der Hoffnung, daß auch der hintere Kreis bei der jetzigen Wahl seine Schuldigkeit erfüllt, zeichnet Mit sozialdemokratischem Gruß Das Wahlcomits. Ein„Gründer". (Schluß.) Der Artikel der„Revue" lautet nun weiter: „Diese Gründergeschäfte beginnen mit der Gründung der Pro- vinzial-Discontogesellschaft. DaS Capital beträgt 10,00(1,600 Thlr. mit 60 pCt. Einzahlung. Ein triftiger Grund lag nicht vor, da die Drscontogesellschaft gewiß in jeder Stadt willige Agenten fand. Aber die Gründung warf an sich hübscheu Nutzen ab. Die Actien wurden am 22. Ätovcmbcr mit 120 pCt. eingeführt und sücgen noch am selben Tage auf 131 pCt. 20pCt. Agio für die Mutter- bank— 200,000 Thlr. Gewinn; 10— l l pCt. für die ersten„Ver- schieber"*)— 100,000 Thlr. an einem Tage— das ist nicht Übel! Herr Miquel wurde auch hier Verwaltungsrath. Den CourS hatte man ultimo 1872 auf 173'/» hinaufgetrieben; ultimo Oktober 1872 stand er 180; ultimo November 186. Jetzt, am 29. Sep- tember 1873, steht er 105!/». Gegen den höchsten Stand circa 75 pCt. Verlust von 10,000,000 Thlr. macht— 7,300,000 Thlr. Haare, die das Publikum allerdings nur theilweife Hai lassen müssen. Denn das Mmterinstitut hat noch davon aus Lager— und wird sie vorläufig wchl auch behalten. Ferner ließ man im Dezember 4 alte Actien je eine neue ge- bären, so daß nun aus 12— 15 Millionen Thaler Capital wurden. Die 3,000,000 Thlr. Junge brachten 20pCt. Agio in den Reservefonds, macht 6 0,000 Thlr. DaS Resultat diese« Geschäftsjahres war ein enormes. Der Reingewinn betrug 5,345,625 Thlr. Auf 12,000,000 Thlr. thätigeS Capital fast 45pCr.! Starke Reserven absorbirten viel. E« blieben den Cowmanditlisten 24pCt. Dividende. Der Ver- waltungsralh— ca. 14—16 Herren— erhielt 140,452 Thlr.— also Jeder ca. 10,000 Thlr. l Die vier Geschäftsinhaber, darunter Herr Miquel, 702,263 Thlr. Pro Mann, gleiche Theilung vor- ausgesetzt, 175,550 Thlr. Der Cour» betrug ultimo 1871— 225 pCt. Im Jahr 1872 emittirte die DiScontogesellschaft 4'/,»/» Obli ationen der Oberschlesischen Eisenbahn; 5",'» Obligationen dir )allt-Sorau-Gubener Bahn; 4'/»°/« Obligationen der Hannover- Altenbekener und der Berlin-Görlitzir Bahn. Ferner Actien und Obligationen der St. Gotthard-Bahn; 4'/,°'» Bremer Anleihe 4'/,»/» Obligationen der Berlin- Potsdam Magdeburger Bahn; 5°/» Obligationen der Görlitz- Reichenberger Bahn; 5®/» Obligationen der Rechie-Oder- Ufer-Bahn. Ferner Betheiligung be- •) So viel wie„Macher", an deren Spitze natürlich Herr Miquel stand. Emissionen österreichischer Bahnen. Dann bei der 15 Millionen Dollar Goldanleihe von New-Hork zu 93'/- pCt. Und nun kommt eine Reihe wirklicher Gründungen. Also: Zuerst übernahm die DiScontogesellschaft mit Bleickrödcr die StrouSberg'sche Liquidirung. Sie gründete die Rumänische Eisen- bahn Gesellschaft. Bon diesen Papieren soll die Gesellschaft noch Viele» auf Lager haben. Sie übernahmen auch die Hilttenwerke des Dr. Strousberg zu Dortmund und Othfresen nebst dem Kohlenbergwerk„Glückauf- Tiefbau". Hiermit vereinigte sie die„Heinrichshütte" und„Neu- schottlaud" und machte daraus die„Dortmunder Union". In diesen Actien entwickelte sich eine wilde Speculation, die an die Law'schen*) Mississippi-Geschäfte erinnert. Jene Hütten hatten einzeln stets wenig Geld gekostet und eingebracht. Jetzt wurden 11,000,000 Thlr. Actien in die Welt gesetzt und bis ans— 228 pCt. hinaufgetrieben! Am 27. September 1873 standen sie 103'/»; macht gegen den höchsten Stand einen Verlust von 124 pCt. — 13'/» Millionen Thaler. Jetzt hat der Verwaltungsrath— in dem auch Herr Miquel sitzt, beschlossen, 12 pCt. Dividende zu be- zahlen— will aber 5 Millionen Thaler Prioritäten aufnehmen,— die böse Welt behauptet, weil er sonst eben kein Geld zur Dividenzahlung haben würde. Hier steht eine Katastrophe wohl in naher Aussicht.— Kleine Gründungen, z. B. Phönix, Cammorner Bergwerk:c. schließen sich an. Das Hauptgeschäft aber war ein Jungen**) eigener Actien Nr. 3. Zunächst wurde 1,000,000 Thaler fteihändig verkauft uud brachte 1,500,000 Thaler Agio in den Reservefonds. Dann wurden den 16,000,000 Thaler Alten 4,000,000 Thaler Junge Nr. 4 zu 150 pCt. überlassen; macht 2,000,000 Thaler Agio! Das Capital bettägt also jetzt 20.000,000 Thlr vollgezahlt. Die Dividende betrug 27 pCt. Der VcrwaltungSrath erhielt 196,446 Thlr.; ca. 12,000 Thlr. pro Mann. Die vier Geschäfts- inhaber erhielten 932,234 Thlr.; pro Mann 245,000 Thlr. Der CourS vetrug ultimo 187 i— 235 pCt. Die Gesammtreserve be- trug 4,237,904 Thlr., stammt aber ausschließlich auS dem Agio der Emissionen ihrer 10,000,000 Thlr. junger Actien. Die Gesellschaft hat also— auch 1873 hat sie noch gegründet, z. B. Bergwerk G>lsenkirchcn, mit dem ähnlich speculirt ist als mit der Dortmunder Union— nicht nur(tue große Thätigkeit im Emit- tiren von Staats-, Communal- und EisenbahnfondS entwickelt, sondern auch geradezu sehr stark gegründet, und mit diesen Grün düngen ist eine entschieden ungesunde Agiotage(Spekulation auf Schwankungen im Geld- und Papierwerth) getrieben worden. Man glaubt nun, daß besonders diese Neugrüudungen der D. G. viele Sorgen machen, weil sie wahrscheinlich viel depensirt hat, deren hohe Course zu halten. An demselben Experiment ist ja die Jachmannsche Bank fast gescheitert. Man glaubt seiner, daß sie noch viele Actien ihrer Gründungen und namentlich viele Rumänier auf Lager habe. Diese Papiere sind jetzt natürlich unverkäustich. Die 5 Millionen Prioritäten der Dortmunder Union wird sie doch auch übernehmen müssen und keinen Abnehmer vorläufig dafür finden. AuS all diesen Gründen fürchtet man schwere Verluste für die D. G. Man sagt ferner, daß sie, da sie neue eigene Actien nicht mehr mit hohem Ä.sio emittireu kann, neue Gründungen vorläufig unmöglich sino, jcyl ihren Hauptverdienst auS früheren Jahren nicht wieder finden, sondern lediglich aus daS sogenannte reine Bankgeschäft angewiesen sein wird. Wie soll das aber für 20,000,000 Thlr. effectiveS Grundcapital eine Verzinsung schaffen? Nach dem Ultimo-Course von 1872— 235 betrug der Werth deS damals vom Publikum an D. C. angelegten CapitaiS 47 Mil- lionen Thaler. Sollen die nur mit 5pCt. verzinst werden, so macht das schon 2,350,000 Thlr. Mau sagt sich, daß, hätte die Gesellschaft auch keine Verluste, diese Summe in diesem Jahre nimmer verdient werden kann. Aber wenn sie nun noch Verluste hat? Und wenn sie bei Eoncursen, wie sie heut an vielen Orten vorkommen, auch noch verlieren sollte— was erhalten dann die Actionäre oder Commanditäre? Da also die Gesellschaft, die, abweichend von den meisten Banken Berlins in diesem Jahre, keine Semestralbilanz(halbjährige Aufstellung des Geschäftsstandes) veröffentlicht hat, zu Zweifeln über ihre Rentabilität zum Mtndesten Anlaß giebt, so fiel es doppelt auf, daß sich Herr Miquel plötzlich von ihr zurückzog, nachdem er so viel Gelegenheit gehabt, bei ihr viel Geld zu ver dienen. Man erinnerte sich, däß es Munck bei dem Lmden-Bau Verein, Schweder bei der Jachmann'schen Bank ebenso gemacht hatten und daß dann der„Krach" daselbst erfolgt war. So kommt es, daß D. C., die am 31. März noch 304'/, standen, am 29. Sep tember auf 130 gekommen waren. Daß nun Herr Miquel gleichzeitig, während das Institut, dem er sein Vermögen verdankt und das erst nach seinem Eintritt in die Direction angefangen hat zu gründen, im Publikum mit höchstem Mißtrauen betrachtet wird, muthig als Wahlcandidat aufirttt, daS hat in Kreisen, die der Politik näher stehen als der Börse, ein allgemeines Erstaunen erregt. Sollte die D. G. wirklich geschädigt auS dieser schweren Krisis hervorgehen, so wird cS Herrn Miquel nicht gelingen, seine Fahnen flucht, denn alS solche wurde sie sich charakteristreu, zu rechtserttgen, *) I. Law', berüchtigter Finanzmanv, in zu Anfang de» 18. Jahr» Kunderts m Frantretch lebte und unter ande-n eine Handels-Compagnie aus Acfen zur Eolonisiruug der M-ffifippi-Läoder gründete, dte schmählich zu(Srunde ging. *•)«nsdruck der Börse für eine neue Ausgate von Actien für ein bereits bestehende« Actienunternehmen. ES gehört aber eine seltene Kühnheit dazu, unter solchen Um- ständen den Politiker und Parteiführer munter weiter zu spielen. Man wird wohl kein unbescheidenes Verlangen stellen, wenn mau fordert, daß der ehemalige Geschäftsinhaber der D. G. sich de« PolitiftreibenS enthält— bis die KrisiS an seinem Institut vorüber gezogen ist. Und nun noch hier ein Wort! Wer hat das Wort„Gründer" als ein beschimpfendes in daS polittsche Parteileben übertragen? Herrn Miquel« Parteigenosse, Herr LaSker. Auf wen Hctf er es angewendet? Auf vier Männer, die das Gründen nicht professionell getrieben haben, ja nur einmal gründeten, und zwar, nachdem sie durch Motive, die nicht dem Eigennutz entstammten, zum E-ntritt in die betreffenden Geschäfte bewogen worden waren. Ob sie überhaupt einen pecu- mären Vortheil, ob sie gar einen für Gründer ungewöhnlichen, ob sie endlich einen unerlaubten Vorthcil für sich genommen haben, ist noch heute nicht offenkundig. Es kann sein, es kann aber auch nicht sein. Aber die liberale Presse, Blätter, die notorisch von der Börse, von Gründern nnd Gründungen lebten, haben jene Männer sofort verurtheilt und fahren heute noch fort, sie in den Koch zu ziehen. Wtr stellen da nur daS gewiß bescheidene Verlangen, daß die liberalen Parteiführer— und eS giebt deren außer Herrn Miquel noch mehrere— so lange von der politischen Bühne abtreten, nicht bis sie sich von dem Vorwurf, wenn es einer ist, gereinigt haben, Gründer zu sein, daS können Viele überhaupt nicht/ sondern nur, nicht auch ihre eigenen Gründungen und ihre eigenen Jnsti- tute hineingcrissen zu haben und nun sitzen zu lassen, mit der Ab- ficht, den gemachten Verdienst fern von dem pleite gegangenen Institut in ehrenvoller polittscher Thätigkeit genießen zu wollen. Zu so amerikanischen Anschauungen haben wir es noch nicht ge- bracht und bitten dringend, daß Herr Miquel nicht weitere Wahlreden hält— bis DiSconto- Commandit wieder 300 G. stehen! Stehen sie erst so wieder,— nun, dann mag er thun, wa» er nicht lassen kann! Wtr hören übrigens, daß der Gegencandidat des Herrn Miquel der bekannte Sozialdemokrat Herr Hurlemann(!) sein soll. Die Nationalliberalen tonnten den Sozialdemokraten keinen größeren (Gefallen thun, als ihnen einen solchen Gründer pur exeellence (vorzugsweisen, hier: erster Größe) entgegenzustellen." So wett Herr Metter über Herrn Miquel. Die Zustände sind richtig gezeichnet, und der Mann ist richtig gezeichnet— das Diebsgcfchäft und der Dieb. Und wahrhaftig, Herr Meyer hat Recht, wenn er neben einem Miquel einen Wazener für relativ unschuldig erklärt. Blos die Gründerthätigkeit ins Auge gefaßt, ist Wagener sogar ein Engel,(ein Erzengel) der Unschuld verglichen mit Miquel. Nicht nur hat Wagener die Bcschwindlung des Pu- blikums auch nicht annähernd auf so großezn Fuße gettiebeu,— seine Praxis steht auch mit seiner Theorie bei Weitem nicht in so flagrantem Widerspruch wie bei Herrn Miquel. Herr Miquel ist noch heute seiner Ueberzeugung nach Sozialdemokrat; vor nicht langer Zeit erklärte er einem Jugendfreund, was er als Mitglied des Communistenbundes für wahr gehalten, halte er auch jetzt noch für wahr— aber man müsse mit den Wölfen heulen und Geld machen! Noch im vorigen Sommer sprach Miquel gelegentlich eines Vortrags in einem Berliner BeziikSoerein enischieven sozia- listische, ja kommunistische Ansichten auS. Und dieser Miquel, der emst daS Raubsystem der Bourgeoisie in so glühender Sprache verurtheilt hat, der es noch heute innerlich verurtheilt, ist selbst unter diese„modernen Raubritter" gegangen und hat mit einer cynischen Schamlosigkeit geraubt, wie kaum ein Zweiter. Und dieser elende Apostat, dieser hundertfach potenzirte Wagener ist der Parteigenosse des Tugendfanatikers Lasker, ist Mitsührer der Partei des TugendfanatikerS LaSker, sitzt dicht neben dem Tugendfanatiker LaSker im Landtag und im Reichstag— und der Tugeudfanatiker Lasker, der die Schmeißfliege Wagener nicht schlacken konnte, hat bis jetzt nicht die mindeste Lust bezeigt, das Gründer-Mammuth Mtquel zu zeigen! Wird der Wink mit dem Zaunpfahl fruchten, den Herr Meyer von der Berliner„Revue" dem liberalen Tugeudfanatiker und Musterparlamentler ertheilt hat? Wir bezweifeln cS,— dpch warten wir ab! Wer die Revolutionen„macht". i. „Angekränkelt von den Ideen der Enzyklopädisten*) überlieferte er(Ludwig XVl. von Frankreich) selbst die auf so unterwühltem Grund ruhende königliche Herrschaft der Revolution, welche dekanntlich wie jedesmal von oben begann." So schrieb jüngst anläßlich des Non possuinns- Briefe» der verunglückten Froschdorfer Majestät die„Kleuzzettung"(vom 4. d. Mts.). Als „die Revolution beginnt jedesmal von oben", wird nicht von unten, d. h. nicht von bösen Demagogen, Sozialdemokraten und sonstigen Staat«- und GesellschastSfeindeu„gemacht", wie eS stehender Satz der Herren Staatsanwälte ist, sondern von oben, d. h. von den Regierungen, von den Fürsten. Und da« sagt nicht ein böser Demagog, Sozialdemokrat oder sonstiger Staats- und Gesellschastsseind in irgend einem HochverrathSprozeß, um die Anklage des Hrn. Staatsanwalts zu pariren, nein, das sagt ein tein und zwetfelSohner Anhänger deS Königthums in dem rein und zweifelSohnsten deutschen Organe des KönigthumS, des„starten *) Eine Anzahl franzöfis-ter Pdilosuphen, welche ln der von ihnen oerössentlichten„Encyclopäilio"(daher der Warne) die revolutionären Jke.n de« 18. Jahthuno-rt« zum Ausdruck brachten. Die vornehmsten Enzyklopädisten sind D.derot, D'Älembett, Heloeüu«, Mably, Holbach-c. Kolligthums-, des„KönigthumS von GottcSgnaden". Es ist! Wunsch eS war, sich ihrerseits auf die Monarchie zu stützen— wahr, die„Krenzzeiwng" meint die Sache anders als wir. WaSidaS vertrug sich nicht mit der„Ehre" des Königthum« und der sie sagen will, ist, daß das Königthum die bisherigen Revolutionen Majestät der Krone. Vom 25. Juni 1791, wo der in BarcnneS ab- verschuldet habe, nicht durch Opposition gegen die fortschreitende gefangene König wie ein armer ertappter Sünder— wie ein Entwicklung, sondern durch Conzessionen an dieselbe. Damit„Opferthier" sagen die rovalistischen Schönfärber— in da« so stellt sie die Wahrheit einfach auf de» Kopf. Nchmen wir das schmählich von ihm verrathenc Paris zurückgeführt ward, bis zum Beispiel Ludwigs XVl., an welches die„Kreuzzeitnnz" ihre Be- 10. August 1792, wo da» Boll von Paris die Tuilerien stürmte trachtung anknüpft. Als dieser König auf den Thron kam, war und das Königthum von GnadeSgnadcn wie GlaS Zerbrach, fast das monarchische RegierungSsnstem in Frankreich in jeder Beziehung sich die Thätigkeit Ludwigs XVI. und Derer, die für ihn und bankrout— politisch, moralisch, finanziell. Alle denkenden Be- durch ihn agirten, in die drei Worte zusammen: Dummheit obachter sahen, und sagten zum Theil, eine furchtbare Katastrophe Heuchelei, Verschwörung. voraus, wenn nicht mittelst durchgreifender Reformmaßregeln vo Der 20. Juni 92 war die letzte Warnung gewesen, die das oben den Bedürfnissen des Volks schleunig, noch ehe der sonst Volk dem Königthum ertheilte. Noch hatten dw Girondisten, die unvermeidliche Ausbruch von unten erfolge, in beftiedigender Weise zwar in der Theorie für die Republik schwännten, in der Praxis Rechnung getragen würde. WaS that aber die neue Regierung? aber für die Erhaltung ihrer Redeluft bessere Aussichten eröffnenden Der junge Ludwig XVI. mag, was man so nennt, ganz gute Monarchie wirkten, in der Volksvertretung(seit dem 1. Oktober Borsätze gehabt haben; allein wir kennen ja das Sprichwort: Der 1791 war die„gesetzgebende Versammlung" der„konstituirenden Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Für Lad- Nationalversammlung" gefolgt) die Majorität; noch war, wenn wig XVl. war eS der Weg zur Revolution— nämlich mit guten auch vielleicht nicht mehr das Königthum, doch jedenfalls der König Vorsätzen, die nicht erfüllt wurden. Statt sich zu einer ehrlichen zu retten. Die einfache Thatsache, daß während des«Besuchs der Reformpolitik zu verstehen, statt die nothwendig gewordene Be- Pariser in den Tuilerien(20. Juni) dem König kein Haar ge- seitigung der absoluten Monarchie und der Reste des Feudalismus, krümmt, ja eine gutmüthige, vertrauensvolle Freundlichkeit bezeugt unter Mitwirkung von Verttetern des Volks, durch organische, wurde, genügt zur Widerlegung der albernen und boshaften Polizei planmäßige Gesetzgebung zu bewerkstelligen, machte die Regierung und Royalistenphrasen vom„Blutdurst des Volts". nur Scheinzugeständnisse, experimentirte softem- und prinziplos in den Statt sich die„Warnung" zu Nutz, und gemeinschaftliche Sache Tag hinein, lebte von der Hand in den Mund, und war ernst mit seinem Volk zu machen, fuhr Ludwig XVI. fort, mit dem nur in dem Bestreben, sich durch lügenhafte Vorspiegelungen und Austand gegen fem Volt zu konspiriren. Das monarchisch- Schwindel jeder Art Geld' und Credit zur Fortsetzung der alten reaktionäre Europa rückte gegen Frankreich heran: die staatliche Mißwirthschaft zu verschaffen. Als sie endlich gezwungen war, und nationale Existenz Frankreichs stand auf dem Spiel— es (im Mai 1789) die Reichsstände zu versammeln, hätte sich noch war ein Ringen aus Leben und Tod! Nur die äußerste Anspan immer einer Katastrophe mit Leichtigkeit vorbeugen lassen. Die nung und Conzentrirung aller Kräfte, nur die ungestörte Einheit damaligen Wortführer des Bürgerthums dachten nicht daran die lichteit der Aktion konnte Frankreich den Sieg geben— und die Monarchie umzustoßen: im Gegentheil, sie waren— wenn wir ausführende Gewalt war im Emverständniß mit dem Ausland, Robespierre und wenige Andere, die jedoch noch ganz einflußlos und der König, das Haupt der ausführenden Gewalt lähmte syste- waren, ausnehmen— von einem LoyalitätSfanatismns erfüllt, der matisch die Kraft Frankreichs! Am 25. Juli verließen die Ver- selbst zahmen Demokraten heutzutage ordentlich komisch vorkommen kündeten jenes tollhäuslcrifche RcaktionSmachwerk, das bekannt ist muß; sie hatten das Bewußtsein, die mächtigste Klasse im Staat unter dem Namen des„Braunschweiger Manifestes". Es stellte zu vertteten, und verlangten dem entsprechend Antheil an der Re vas Emverständniß des Auslands mit dem König fest, und be- ~~........'''—-'"" drohte Frankreich, falls die Nation sich nicht unter das Joch de« GotreSznadenthums beuge und auf alle Errungenschaften der letzten 3 Jahre verzichte, mit Verwüstung durch Feuer und Schwert. Am 28. Juli 1792 wurde das Manifest in Paris bekannt. Entweder beging Frankreich politischen Selbstmord, oder es mußte zunächst den innern Feind zu Boden schlagen, der eS wehrlos machte gegen den äußeren. Entweder Volt oder König— Beide konnten nicht mehr neben einander bestehen. Frankreich war in der Position einer belagerten Festung, deren Commandant mit gierung. Wenn Ludwig XVI. und seine Rathgeber die Situation begriffen hätten, wäre es eine Kleinigkeit gewesen, mit den Reichs- ständen sich abzufinden. Eine Verfassung, wie die jetzt in Preußen gültige, der doch sogar die„Krcuzzeitung" keinen revolutionären Charakter zuschreiben wird, hätte für längere Zeit genügt. Was that aber die Regierung, d. h. die Camarilla, welche den geisteS schwachen König beherrschte? Sie reizte die Reichsstände durch kindische Chikancn und Provokationen und zerrte die bürgerlichen V-rttetep an den Haaren zu dem revolutionären Schritt, daß sie sicb zur'Nationalversammlung erklärten. Jndcß auch mit den Belagerern unter einer Decke steckt. Das erste Erforderniß der'Nationalversammlung wäre no» leicht zu reden gewesen. Sie ver Vertheidigung ist: den falschen Commandanten entfernen. fürchtete eine Volkserhebung mindestens ebenso sehr, wie die Re- Das französische Volt that, was es thun mußte, zu thun ver gierung sie fürchtete. Die„revolutionären" Bourgeois von 1789 pflichtet war. bis 1794 waren von gleichem Stoff wie unsere modernen Las Es entledigte sich des landeSverrätherischen König» und zer- kerchens, und, hatten sie eine revolutionäre Rolle zu spielen, trümmerte die Monarchie. nun, so waren sie Revolutionäre wider Willen; ihr sehnlichster Am 21. Januar 1793 stieg Ludwig XVI. auf die Guillotine Wunsch war, sich mit der Regierung auf guten Fuß zu stellen,— wenn je Einer politischer Verbrechen schuldig war, so war eS und gemeinschaftlich mit ihr die„Demagogie", welche in Paris und anderen großen Städten ihr Haupt erhob, d. h. das hungernde Proletariat und die, zum Theil gleichfalls hungernden Ideologen, zu Boden zu schmettern. Und die Regierung? Statt ihren„natür lieben Bundesgenossen" die Hand zu bieten, konspirirte sie gegen dieselben, und zog heimlich Truppen herbei, um die Nationalver- sammlung zu sprengen. Die Nationalversammlung hätte sich das auch lammfromm gefallen lassen, das Pariser Volk aber war nicht so geduldig und stürmte die Bastille(am 14. Juli 1789). Der Staatsstreich des Volks war dem Staatsstreich der Regierung zuvorgekommen, es ist aber schwer zu entscheiden, wer Uber den Baüillensturm mehr erschrak: die Camarilla oder die National- Versammlung. Das Volk hatte sich vertheidigt— es dachte nicht an einen Angriff auf das Königthum. Ein Bischen Verstand und ein Bischen Ehrlichkeit konnten die Monarchie auch jetzt noch retten. Wohlan, Ludwig XVI. führte ein sentimentales Rührstück mit seinen„geliebten Parisern" auf» sckwor für die neue Ordnung der Dinge zu schwärmen und— bereitete einen neuen Staats- zeitig mit der Nachricht, daß Hr. W agener," seiner langen Zu streich gegen Paris und die Nationalversammlung vor! Der rückgezogenhcit müde, sich wieder nach Berlin begeben hat, wenn Staatsstreich mißlang wiederum; das Pariser Volk marscknrte am auch nicht in sein altes Amt, doch auf seinen alten Posten, er- 5. Oktober(1789) nach Versailles, wo der Hof und die National- fahren wir durch die Thronrede, mit welcher der preußische Land Versammlung residirten; und an dem nächsten Tag mußte Lud- tag eröffnet wurde, daß„der Bericht der SpezialuntersuchungS- wig XVI. mitsammt seinem Hof sich nach Paris geleiten lassen, kommisston für das EisenbahnkonzessionSwesen, welche von Seiner wo ihn sein souveräne» Volk höchst eigenäugig bewachen und Majestät unter Mitwirkung der beiden Häufer des Landtags nie Ludwig XVL; wenn je ein Verbrecher seine Strafe verdient hat, o hat Ludwig XVI, sie verdient. Gewiß— seine Erziehung, eine Umgebung, die Verhältnisse, in welche er sich gestellt fand, erklären sein Handeln, lassen es natürlich erscheinen— allein das läßt sich von zedem Verbrecher sagen. Genug— aus dem kurzen geschichtlichen Abriß, den wir hier gegeben, erhellt, daß die große französischeRevolutiou, die Revolution pur exedleuce allerdings„von oben gemacht" war, jedoch nicht, wie die„Kreuzzeitunz" meint, durch Conzessionen der Mon- archie, sondern im Gegentheil durch störrigeS, unverständiges, unehrliches Ankämpfen gegen den naturgemäßen und naturnothwendigen Entwicklungsprozeß des Staats und der Gesellschaft. — Das Mäu Politische Uebersicht. en, welche» der Berg geboren. Gleich überwacben wollte und wohin bald daraus die Nationalver sammlung nachfolgte. War die Regierung weiser geworden? Das Volk traute mit rührender Naivetät den schönen Versprechungen des Königs; der Nationalversammlung sckwitzte die Loyalirät aus allen Poren— dock die Regierung verharrte bei ihrer alten Taktik: öffentlich liberal zu thun, und insgeheim den Staatsstreich vor- zubereiten. Nur daß sie jetzt listiger zu Werke ging, die Bestechung eifriger kultivirte und sich nicht mehr ausschließlich auf die reattionären Elemente im Innern, sondern vorwiegend auf das Ausland stützte, mit anderen Worten zum„Hochvcrrath" gegen die von ihr öffentlich anerkannten Zustände den Landes- verrath fügte. Die Nationalversammlung wußte das, obschon sie die dokumentarischen Beweise nicht hatte, die erst später ans dergesetzt ward", dem Landtag„unverweilt vorgelegt werden" soll. Wir sind begierijj— nicht auf den Inhalt dcS Berichts, denn wir sind ja bereits offiziös unterrichtet, daß der Bericht nichts enthalten wird, d. h. nicht das, waS er enthalten würde, wenn besag'e„SpezialuntersuchungSkommissson" zu dem Zweck nieder- gesetzt worden wäre, die in der höhereu Beamtenwelt und in der Volksvertretung befindlichen Langfinger an die Oeffentlichkeit und zur Strafe zu ziehen; und wir wissen ja, wie leicht es ist, die war nicht todtzuschweigenden Thatsachen in einem Wust von Re- denSarten und Allgemeinheiten zu verstecken und abzuschwächen, daß sie gar keine Wirkung hervorbringen— nein, aber worauf wir begierig sind, das ist, was unser WestentaschenrobeSpierre zu diesem parlamentarischen Begräbniß seiner famosen Tugendanstren Licht kamen. Trotzdem that sie ihr Möglichstes, um die sinkende gungen sagen wird. Freund Miquel ist ihm vielleicht behülflich Autorität des Königthums zu stärken, und einer Explosion vorzu- beim Ausstudiren einer obligaten Ellenrede. beugen, welche sie für ihr eigenes Interesse fürchtete. Selbst nach �— Während Herr Löwe, das„staatSmännischc" Haupt der der Flucht des Königs, die dessen hoch- und landeSverrätherisches Fortschrittspartei, von den Nationalliberalen in richtiger Würdigung Gebahren bloslegte, gab die Nationalversammlung sich die äußerste seiner politischen Gesinnung resp. Gesinnungslosigkeit zum Simson Mühe, das monarchische Prestige wieder herzustellen, und die Per- des preußischen Landtags ausersehen wird, veröffentlicht Herr son Ludwigs XVI. von den ihr anklebenden Makeln zu säubern. Virchow, da» wissenschaftlich und geistig bedeutendste Mit- Zu diesem Zweck wurden von der Majorität der Nationalver- glied der Fortschrittspartei, in der„Bossischen Zeitung" einen sammlung, die Dank oberflächlicher und lügenhafter Geschicht- Protest gegen die haarsträubende Anschuldigung, daß er in seiner sckreibung in dem Ruf revolutionärer Gesinnung steht, allerhand letzten Wahlrede sich„lau" bewiesen habe mit Rücksicht auf den sinnreiche Kniffe und Pfiffe auSgeheckt, die von einer des deutschen„Culturkampf"; er sei allerdings der Ansicht, daß, so lange nicht Reichstags würdigen Servilität und Loyalität zeugten. Die Herren die Civilehe eingeführt iznd die kirchlichen Privilegien aufgehoben Bourgeois rechneten ganz richtig, daß durch den Sturz der Mon- seien,„die einseitige Verfolgung de» von der StaatSregierung be- archie Kräfte entfesselt würden, die der bürgerlichen Ordnung tretenen Wegs allerdings nur zu einer Verschärfung und nutzlosen kaum minder gefährlich, als der feudalen. Sie wollten deshalb Verbitterung des Kampfe« führen muß," daß er, Virchow, aber um jeden Preis die Monarchie retten, bemühten sich, sie zu retten trotzdem(d. h. obgleich die Regierung den Kampf in einer ihm bis zur letzten Minute, und ungeachtet der Brutalität, mit der schädlich und verkehrt dünkenden Weise führt) der Regierung in ihre helfende Hand zu wiederholten Malen von dem König, der allen gerechten Dingen(von denen er soeben gesagt, daß sie nicht Königin und dem adeligen Hofzeschmeiß zurückgestoßen ward. Das existiren) seine Unterstützung nicht versagen werde." So ist sie. Ssa%> PC Art AttTfl" U vm!« V<••»rt V«»«* Köuigthum wollte nicht gerettet fem von der„bürgerlichen Canaille". Lügen, Heucheln, Conspiriren, Bestechung, Meineid, Hochverrath, Landesverrath— das war mit der„Ehre" des KönigthumS und der Majestät der Krone verträglich; aber Wort halten, die be- schworue Verfassung beobachten, sich ohne schuftig- Hintergedanken auf die Mehrheit der Nationalversammlung stützen, deren höchster diese„Fortschrittspartei", wie die Braut in dem Heineschen Gedichts-- ,.DaS war ein Locken und ein Werben! Wohl seufzte die Braut:„Ach Gott! Ach Gott!" Sie war wchmüthig bis zum Sterben, Doch endlich stieg sie hinab in den Pott." Ach, wäre sie nur wenigstens richtig hineingestiegen, wir meinen die Fortschrittspartei»— aber statt hübsch drin zu bleiben, fällt'S ihr dann und wann ein, wieder herauSzuklettern, über die häßlichen Düfte im„Pott" die Nase zu rümpfen, auch die Nase zu rümpfen über die schlechtriechenden Nationalliberalen, welche sich trotz dieser häßlichen Düfte wohl fühlen in dem„Pott". Da« hält indeß niemal« sehr lange vor, und niit unfehlbarer Regelmäßigkeit schließt jede derartige Tugeud-Episode gleich dem passiven„Widerstand" der„Braut": „Sie ist wehmüthig bi« zum Sterben» Doch endlich steigt stc hinab in den Pott." Klappen wir den Deckel zu! Apropos— die„Rheinische Zeitung" freut sich, daß Fürst Bismarck wieder an die Spitze des preußischen Ministerium» ge- treten, weil man nun im Landtag— wegen des Reptilienfond» mterpelliren könne, der unter seiner(Bismarcks) spezieller Verwal- tung stehe. Komische Käutze das! Diese interpellationslustigen Fortschrittlcr hatten Fürst Bismarck, wenn auch nicht im Landtag, doch im Reichstag wiederholt vor sich, keiner aber getraute sich, einige ängstliche Anspielungen abgerechnet, das heikle Thema zu erwähnen. ES wird sich auch hierfür Keiner zu mucksen wagen. Sie mögen noch so häßlich sein, die Düfte in dem„Pott", — Beiläufig bemerkt, Wagener soll wieder in Berlin und in voller Beschäftigung sein die brave Fortschrittspartei — ist wehmüthig bis zum Sterben, Doch endlich steigt sie hinab in den Pott! — Der österreichische Reichstag und die Arbeiter. In der„Gleichheit"(Wiener Neustadt) lesen wir: „Während wir dies schreiben, wird die erste Session des direct gewählten ReichSratheS eröffnet. Zum ersten Male erscheinen die Vertreter der besitzenden Klasse im ReichSrathe, ohne vorher durch den Filtrirapparat der Landtage hindurchgegangen zu sein; zum ersten Male soll sich die von allen liberalen Blättern so hochbc- jubelte„Wahlreform" praktisch bewähren. Wir haben bereits erklärt und es bestimmt ausgesprochen, daß wir von dem„neuen" ReichSrathe nicht den mindesten Schritt im Interesse der Arbeiter mehr erwarten, als vom alten, und auch logischer Weise nicht verlangen können. Trotzdem aber müssen wir gestehen, daß wir den Verhandlungen des neugewählten Parlament« mit Interesse entgegensehen, eineStheilS weil das Aneinanderplatzen der nun in ihren ausgeprägtesten Verttetern repräsentirten Parteien an und für sich schon ein„Schauspiel für Götter" sein wird, dann aber, weil in dem neuen Parlamente einige Männer sitzen, die, wenn auch keine Sozialisten, so dock zu wiederholten Malen für einzelne Forderungen des arbeitenden Volkes eingetreten sind und wir deshalb hoffen, daß sie auch diesmal ihre Stimme erheben werden, wenigstens da, wo eS gilt, die politische Rechtlosigkeit de« Proletariats constatiren zu können. ES sind dies vor Allem die Wiener Abgeordneten Steudel, Kronawetter, Umlaust, DitteS, Schrank und der seinerzeit unter den Arbeitern sehr beliebte I)r. Roser. Tempora mutnntur et no» rnutamur iu illiu(die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen).— Der Beispiele, daß Reichsraths- oder andere Abgeordneten im Laufe der Zeiten ihre früher aufgestellten Grundsätze vergessen haben, zählen wir in unserem Oesterreich mehr als zu viel und es erscheint un« daher nicht zwecklos, dann und wann das Gedächtniß dieser Herren auf» zuftischen. Und da kommt uns ein alter Sitzungsbericht des nieder- 1 österreichischen Landtags vom 12. October 1tt69 zu Gesicht, in> welchem wir eine Rede des gegenwärtigen Reichsrath« Steudel> inden, die an Wahrheit und Offenheit nichts zu wünschen übrig! läßt und die auch den übrigen Landtagsmitgliedern gewaltig»« Kelljucken verursachte. Die Red« lautet:„Wenn Sie leugnen, daß auch Diejenigen, welche nur geringere oder gar keine directen Steuern zahlen, ein Interesse und ein Recht haben, Vertreter in das Abgeordnetenhaus zu senden, so würden Sie zugestehen, daß: der Reichsrath nur dazn vorhanden ist, die Interessen der wenigen Tausende zu vertteten, die heute ein Wahlrecht haben, und dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn die Millionen, die kein Wahl» recht besitzen, sich als rechtlos ansehen und dahin streben, den Um- tur; aller bestehenden Verhältnisse herbeizuführen. Wäre eS im Interesse der Befestigung verfassungsmäßiger Zu' 'tände in Oesterreich nicht besser, wenn die Wortführer der Sozial- Demokratie im Stande wären, in den Sälen der Vertretung�. körper ihre Grundsätze zu vertreten, anstatt daß man, indem man ihrer Partei kein Wahlrecht zugesteht, sie zwingt, ihre Hoffnungen und die ihrer Genossen einzig und allein auf eine allgemeine europäische Umwälzung, auf jene Zeit zu setzen, in der die Mazzini« aller Völker Europas sich die Hände reichen werden? Eine jede Wahlreform in Oesterreich ist zwecklos, wenn sie nicht das allgemeine gleiche und dirccte Wahl- recht mit sich bringt. E« sind nur wenige privilegirte Klassen der Bevölkerung, welchen der ConstituttonaliSmuS bisher zu Gute gekommen ist. Sie dürften sich daher nicht wundern, wenn die Masse des Volke« einer ähnlichen Epoche, wie wir sie unter deni Ministerium Belcred' erlebten, höchst gleickgiiltig zusehen würde. Ja, ich sage es offen � und unumwunden: Eine Auflösung des ReichSrathes behuf» einer gänzlichen Umgestaltung desselben würde von der Bevölkerung ud Freude begrüßt werden! Warum? Weil eS dem jetzigen Reich«' rathe an wahrhaft volksthümlichen Männern beinahe vollständig fehlt. Alle Achtung vor den wenigen Vertretern wahrhaft dem" kratischer Prinzipien im Abgeordnetenhause. Aber, meine Herren, Sie können es dem Volke nicht verdenken, wenn eS für die jah1' reichen VerwaltungSräthe, Eisenbahudirectoren, Concessionäre von Bauken und sonstigen Gesellschaften im Abgeordnetenhanse de» ReichSratheS sehr wenig Symphatien besitzt. Soll daS Abgeord' netcnhaus wirklich eine volkstümliche Institution werden, dan müssen Sie darauf dringen, daß auch die Masse des Volke«, d> heute noch kein Wahlrecht hat, durch Erweiterung des Wahlrechte' in die Lage gesetzt wird, Repräsentanten in daS Abgeordnetenhou zu schicken." J DaS ist klar und deutlich und eS wäre zu wünschen, daß a»» int Reichsparlamente ähnliche Worte/gesprochcn würden, wenn die Erfolglosigkeit derselben sicher vorauszusehen ist. Zu Nutz und Frommen de« ReichSrathSabgeordneteo ro Wiener-Neustadt, des Herrn Dr. Wedl, theile» wir noch die in de selben Sitzung gesprochenen Worte de« damaligen LandtagSabgf ordneten SchUcher aus Wiener-Reustadt mit, welcher ebenfall« u>" Entschiedenheit gegen die Bevorzugung einzelner Klassen vor d Masse de« Volkes aufttat.„Da« Volk", sagt er,„verlangt ein Reform an Haupt und Gliedern. Man hat in diesem Sam wiederholt an das österreichisch« Volk appellirt, und ich sag-- Ji' man frage das österreichisch« Volk, aber nickt iu jener Besckränku� m welcher mt ,etzt al« diejenigen versammelt sind, die Anw®' geben können, sondem eS werde mit der Beruiehrung der Abge»'' neten jauch die Ausdehnung de« Wahlrechtes in Verbindung S bracht. Man redet hier immer nur von den wahlberechtigten Gruppen der Großgrundbesitzer, der Handel«- und Gewerbekammern, der Städte und Landgemeinden, aber ich glaube, wenn wir die Gruppen befriedigen, die vor den Thoren der Vertretungshäuser de« Reiche« auf da« allgemeine Stimmrecht harren, so werden wir für die Anhänglichkeit der Bevölkerung an die Verfassung viel mehr beitragen, al« wenn wir über da« bisherige Gruppen-Wahl- fhstem herumstreiten. Ich stelle daher folgenden Antrag: Die drrecten Wahlen haben durch die Bevölkerung überhaupt, nach den Grundsätzen de« allgemeinen Stimmrechte« und mrt geheimer Ab- stimmung stattzufinden." Möge sich Herr Dr. Wedl an der Gesinnung seine« Vorgängers ein beherzigenSwerthe« Beispiel nehmen, dann werden am Schlusie der Seffion die Arbeiter vielleicht doch kommen und werden sagen: »Wir haben Dich zwar nicht gewählt, Du hast un« aber doch ver treten und wir danken Dir dafür!"— -- Damals waren e« blo« Steudel und Schilcher, welche für obigen Antrag eintraten. Heute werden e« vielleicht zwei- oder dreimal so viel sein, welche auch dem Arbeiter werden ein Recht zugestehen wollen. Uud die übrigen 300 aus den ReichsrathSsitzens? Die werden in ihrem Nichts durchbohrenden! Gefühle unruhig auf denselben herumrutschen, werden vielleicht einige wohlfeile Phrasen zum Besten geben und natürlich alle« niedcrstimmen, wa« nicht im Interesse der Klasse ist, welche sie gewählt— der besitzenden. — Die BourgeoiSrepublit. Zu Luzern in der Schweiz fand dieser Tage eine Arbeiterversammlung statt mit der TageS- ordnung:„Die Tendenzen des katholischen Gesellenvereins und die sozialdemokratische Arbeiterbewegung." Parteigenosse Bruno Moje führte den Vorsitz. Nachdem Dietz referirt, entspann sich eine Debatte, in welcher den zahlreich anwesenden Mitgliedern des katholischen Gesellenvcrein« gehörig heimgeleuchtet und der Beweis geliefert wurde, daß die katholischen Gesellcnvercine Nichts weiter als Machwerk und Werkzeug römischer Pfaffen sind. Was darauf erfolgte, erzählt der Vorsitzende Moje in der„Tagwacht" wie folgt: „Am Montag den 3. November erhielt ich die mündliche Vorladung, mich am Dienstag Morgen um 10 Uhr auf dem Polizei- departcmeut eiuzufindeu. Ich leistete dieser Aufforderung Folge. Zu meinem Erstaunen vernahm ich vom Herrn Reg.-Rath Bell, daß Vortrag und Diskussion vom Sonntag eine berechnete Auf- reizung der Arbeiter zum Umstürze der gegenwärtig politisch-kirch- lichen Verhältnisse de« Canton« Luzern uud eine Gotteslästerung enthalte. Ich wurde nun aufgefordert, über die Verhandlungen genauen Bericht zu erstatten. Genau wurden meine Aussagen protokollirt und ich für diesmal entlassen mit der Bemerkung, mich wieder zu stellen, sobald eine Vorladung an mich ergehen würde. Mittlerweile hatte man auch schon auf den Dietz gefahndet, den- selben jedoch nicht gefunden. Durch meine Mittheilungen über das stattgehabte Verhör und durch einen andern Umstand, der den Aufenthalt von Dietz im Canton Luzern nicht sehr rathsam er- scheinen ließ, ließ sich derselbe bereden, sich schleunigst zu entfernen. Am Mittwoch Morgen erhielt ich wieder eine Citation vor das Polizeidepartement.' Hier fungirte nun der Oberschreiber Mayer. Man legte mir jetzt zur Last: 1) Internationaler, 2) Com- munist, 3) Atheist und 4) Revolutionär zu sein. Inzwischen hatte die hochl. Polizei auch noch in Erfahrung gebracht, daß ich meine Aufenthaltskarte nach Ablauf von K Monaten nicht verlängert, sondern einen Monat darüber hatte verstreichen lassen und nock> einige Monate Auflage der hiesigen Krankenkasse schuldete. In Folge solch grober Vergehen, hieß e« nun, hätte ich mein Auf- enthaltsrecht im Canton Luzern verscherzt und bei Vermeidung polizeilicher Escortirung binnen 24 Stunden Stadt und Canton Luzern zu verlassen. In meinem Wanderbuch prangen jetzt die denkwürdigen Worte: Inhaber hat seit dem 30. März Ik- 3 hier gearbeitet und ist heute au« dem Canton Luzern polizeiliu. weggewiesen worden, wegen Nichtbeachtung der hierorts für fremde Arbeiter best henden Polizei- Vorschriften und Veranstaltung von Gesellenversammlungen zu auf- reizenden und wühlerischen Zwecken. Da« Polizeidepartement, am ü. November 1873.» Hier kommt der bekannte„Kantönlizopf" wieder zum Vorschein, der schon 1849 die deuffchen Flüchtlinge nach allen Windrichtungen umhergehetzt hat. Zugleich ist die Ausweisung Moje'« ein Ge- »valtakt, wie er gröber und infamer unter dem Säbelregiment eine« Bonapartc oder sonst eine« politischen Ungethüm« nicht leicht verübt werden konnte. Die BourgeoiSrepublik handelt gerade so brutal gegen den Arbeiter, wie der absolutistische Militärstaat und der einzigste Unterschied dabei ist, daß in der- ersteren eben mehr Phrasen von„Freiheit" gemacht werden, al« in dem letzteren. Die „Mufierrepublik", deren Heerhaufen die stolzen Herzöge von Oester- reich und Karl den Kühnen von Burgund schlugen, fürchtet sich heute vor dem bloßen Nauen„CommunismuS" und„Jnternatio- nale" und treibt deren ketzerische Träger auf Befehl römischer Pfaffen mit i»em Polizeiknllppel zum Lande hinaus. Ein weiterer Beweis, daß e« keinen Cowpromiß zwischen der Arbeiterklasse und den herrschenden Klassen geben kann, daß sie die Unterdrückung de« Arbeiter« auch unter republikanischer Form anstrebten. Der Republikanismus der Bourgeoisie ist Heuchelei und ihre„Republiken" sind nicht« andere«, al« verzerrte Carricatoren de« demokratischen Gedanken«! — Ein philanthropischer Humbug. Graf ShafteSbury — früher Lord Ashlev und unter dieser Bezeichnung in die Zehn- stundenbewegung verwickelt— ist der Hauptvertretcr jener schein- heiligen, handwerksmäßig in Arbeiterfreundlichkeit und Philanthropie machenden Mcnschensorte, welche in England sehr stark vertreten ist und auch auf dem Continent Ableger hat. Dank seinem un- ermüdlichen Flesß im Trommelschlagen hat dieser Lord ShafteSbury e« zuwege gebracht, daß er für einen Wohlthäter der leidenden Menschheit, wie die Welt noch keinen gesehen hat, gilt, ohne daß jedoch die leidende Menschheit, mit ganz vereinzelten, durchaus nicht in« Gewicht fallenden Ausnahmen, bi« dato die geringste Erleichterung verspürte. E« wird sich vielleicht einmal, wenn da« Feuilleton des „Volksstaat" eingerichtet ist, Gelegenheit zu einer detaillirten Schil- derung diese« für die englischen Zustände so charakteristischen Erz- humbug« bieten, für heute nur Folgende«: in den letzten Tagen figurirte der Name de« Grafen ShafteSbury wieder sehr viel in den englischen, wie auch in festländischen Zeitungen, und zwar au« zwiefachem Anlaß. Zunächst prangte der edle Lord am 3. d. M. bei einer Festlichkeit zur Eröffnung der von ihm in einer der süd- lichen Vorstädte von London(MandSworth) errichteten„Arbeiter- kolouie". Diese„Arbeiterkolonie" oder„Arbeiterstadt" ist auf «uem Grundstück de« frommen Herrn errichtet, da« nebenbei— für«iuen so frommen Herrn natürlich eine ganz gleichgiltige Sache — durch diese„Arbeiterstadt" bedeutend an Werth gewinnen wird; sie soll, wenn vollendet, 1200 Häuser enthalten, von denen 3ö0 bereit« fertig sind; dabei breite, mit Bäumen bepflanzte Straßen, einen kleinen Park, eigene Schulen, Bäder, eine Bibliothek, dagegen keine Wirthshäuser, weil der Genuß geistiger Getränke nur reichen Leuten zukommt, bei armen Leuten aber sündhaft ist. Die Schulen werden in„strengreligiösem" Geiste(?) geleitet werden und die Bibliothek, wie sich bei der muckerischen Richtung de« Grafen von selbst versteht, desgleichen. Der Wohlthäter von Profession, der offenbar das Kapitel der Bibel mit der Borschrift, daß die linke Hand nicht erfahren dürfe, wa« die Rechte gegeben habe, zu über- schlagen pflegt, ließ sich bei Einweihung seine« Werke« von zusam- mengetrommclten Musterarbcitern beweihräuchern.— Das war Nr. 1, Nr. 2 bildet das Gegenstück. In einem irgendwo zu Ende des vorigen Monat« gehaltenen Vortrag hatte Graf Shafte«- bury die Stirn, die Arbeiter als Klasse der Trunksucht zu beschul- digen, unter Zugrundelegung einer bestimmten Thaffache. ES wird ihm bewiesen, daß die von ihm angeführte Thatsache falsch ist, und er aufgefordert, seine Anklage demgemäß zurückzuziehen. Die« verweigerte aber der philanthropische Graf, der sich nur zur Strafe dafür im„Beehive" unter die Nase muß reiben lassen, daß es eine Shaftesbum'sche„ftomme Sitte" ist, Dinge zu sagen, die nicht wahr sind, und wenn de« Jrrthums überführt, den Wider- ruf zu verweigern; kurz, es mit der Wahrheit nicht genau zu neh- men, und erforderlichen Fall« in de« Worte« verwegenster Bedeu- tung zu lügen. Ob Graf ShasteSburv al« Lügner bedeutender ist oder als Philanthrop und„Arbeiterfreund"— da« überlassen wir Andern zu untersuchen; wollen bloß noch bemerken, daß der Mythus, er habe als Lord Ashley wesentlich zum Sieg der Zehn- stundenbill beigettagen, eine— Mvthe ist, die sich zum Theil auf eine Shastcsbury'sche Lüge zurückführen läßt. — Religiöser Wahnsinn.„Aber die Stunde schlägt bald, wo unter dem Feldgeschrei: Jesus und Lassalle! Euere(der Pharisäer und Schriftgelehrten, Wechsler und Trödler, Preß- banditcn:c.) Schanzen gestürmt und Ihr vor der siegenden Macht der Idee(verkörpert in Laskcr's Knüppel) der Wahrheit zertreten im Staub Euch wälzt!" Also wörtlich, ohne das in Klammern geschlossene, zu lesen in einem von ähnlichen Kapuzinerphrasen strotzenden Mucker-Artikel« betitelt: Aus Golgathagund Satory (Nr. 131) des Berliner„Neue Sozialdemokrat" und zwar zur Feier seiner, nun auch in zweiter Znstanz vor dem Kamnierzericht erfolgten Freisprechung wegen eines in gleichem Stil geschriebenen Vergleichs zwischen den zwei großen Juden: Jesus von Nazareth und Lassalle von Breslau. Der Freisprechung wird möglicherweise ein Orden folgen. Denn das ist die Waare, welche die preußische Regieruug in ihrem„Culturkampf" braucht. Mit der ihm eigenen Naivetät sagt der„Neue" gelegentlich:„Wichtig ist der Prozeß übrigens für die weitesten Kreise; dem Muckerthum ist durch das fteisprechende Urtheil ein derber Hieb versetzt und die Sozia- listenfreffer werden allerorts einsehen müssen, daß uns doch nicht so leicht beizukommen ist(I), wenn man nicht das bestehende Recht, welches allerdings sehr dehnbar ist(so?), vollständig auf den Kops stellen, oder Ausnahmegesetze gegen- einzelne Personen(!) fabriziren will." Nun, Ausnahmegesetze gegen die„einzelnen Personen", d. h. gegen Hasen- und Hasselmarat, oder Tölcke werden nidjt kommen— deß darf der„Neue" versichert sein, und mag ruhig schlafen im Schatten der tölckischeu„Idee". Wohl aber vielleicht, wie schon bemerkt, ein rother Adlerorden; denn diese Abschaffung der Muckerei durch Gründung einer neuen Muckerei, die mindestens ebenso muckerisch und verdummend ist, wie die muckerischste und verdummenste alte Muckerei ist für den Staat des„Schulmeister« von Sadowa" von höchstem kulturkämpferischen Nutzen und schon einer greifbaren, im Knopfloch sichtbaren Anerkennung Werth. Martienßen. Hildesheim: Carl Kaiser. Mülsen St. Nicla«: V. E. Wolf. RonSdorf: Carl Thierbach. Hamburg, den 16. November 1873. Mit sozialdem. Gruß Der AuSfchuß. Ä.«.: R. Praast. Aug. Geib, RödingSmarkt 12. Juuere Partei-, BerwaltangS-«ad OrgaaisationS- Angelesteuheiten. An die Parteigenossen! In kürzerer Frist, als bisher erwartet wurde, rückt der Tag der ReichstagSwahl heran. Wir werden nicht überrascht, unsere Vorbereitungen sind gettoffen und auf Grund der Partei-Or- ganisation ist unser AgitationSplan zur Wahl klar und bündig vorgezeichnct. Auf drei Punkte machen ww die Parteigenossen heute nochmals aufmerksam: 1) Da, wo eS noch nicht geschehen sein sollte, sofort zur Bil- dung eine« Wahlcomites zu schreiten� Befinden sich mehrere Mit- gliedschaften in einem und demselben Wahlkreise, so muß eine« der gewählten Comitös al« Central-Wahlcomitö constituirt werden. Ausgabe des Central-Wahlcomtv ist eS, die Gesammt-Wahlbewegung deS Kreises zu organisircn und zu leiten, die Berufung von Ver- sammlungen anzuordne», Wahlausrufc und Wahlzettel für den Partei- Candidaten drucken und durch die OrtswahlcomitöS verbreiten zu lassen, sowie die Verbindung mit dem Partei-Ausschuß zu pflegen. Die Central-Wahlcomites sind verpflichtet, sofern sie dies noch nicht gethan haben, ihre Adresse umgehend dem Partei-AuSschuß zuzusenden. 2) Die Candidaten unserer Partei sind bekannt, nur von einigen Mitgliedschaften fehlen noch die nölhigen Angaben. Sollten dem einen oder andern Orte Vorschläge vom Ausschuß erwünscht sein, so werden solche aus Anfrage schnellstens ertheilt werden. 3) Die Listen zum Wahlfond sind in jeder Versammlung, sowie bei jeder passenden Gelegenheit in Erinnerung zu bringen. Da« gesammelte Geld wollen die Vertrauensmänner, sobald der Bettag einen Thaler übersteigt, möglichst von Woche zu Woche an den Parteikassircr K. Bcuneke, kleiner Schäferkamp 34, Ham- bürg, einsenden. Alle Parteigenossen, ohne Ausnahm«, sind ver- pflichtet, bei den Wahlen aus der Zuschauerrolle herauszutreten, für die Candidaten der Partei offen einzutteten und dem Wahl- fond nack Vermögen ihre Beittäge zuzuwenden. Handeln sämmt- liche Parteigenossen in dieser Weise, dann können wir einer Reche von Wahlsiegen gewiß sein. Die Filral- Expediteure, die Vertrauensmänner und Wahl- comitö« mögen neben allen sonst zur Förderung der Wahlbe- wegung dienlichen Schritten ihr Augenmerk auch auf die weiteste Verbrettung der kürzlich erschienenen Schrift:„Die parlamentarische Thätigkeit des Reichstags und der Landtage und die Sozial- demokratie" richten. Diese Schrift, von einem bewährten, mit dem Thun und Lassen des Reichstags wohlbekannten Parteigenossen verfaßt, ist nicht nur für die Parteigenossen, sonder» für den ge- sammten Arbeiterstand von hohem Interesse. Die in ihr ent- haltenen Winke zur Wahlagitation müssen jedem Agitator, jedem VerttauenSmann und jedem Mitgliede eines Wahlcomitös Gegen- stand eifrigen Studiums sein. Die Schrift ist von der Expedition de«„Volksstaat", Leipzig, Zcitzerstraße 44, zu beziehen, Preis einzeln 3 Gr., per Dutzend 24 Gr. Schließlich machen wir noch bekanut, daß folgende neue Orte angemeldet sind: Heidenheim i. W., VerttauenSmann I. Kcnt- ner, Äudenbach i. S.-M.: G. Höhn. Ferner sind folgende VerttauenSmänner neu angemeldet und bestätigt worden: Halberstadt: Fr. Martini. Harburg: P. Gewerksgenossenschastliches. Gewerkschaft der Schuhmacher. chatha. Von den beiden Altgesellen der Schuhmacher in Mühlhausen eingeladen, an einem Tanzvergnügen Theil zu nehme», glaubte ich dieser Einladung um so eher folgen zu müssen, al» ich darauf aufmerksam gemacht wurde, bei dieser Gelegenheit Propa- Sanda für nnsere Gewerkschaft machen zu können, da fast au«- hließlich die Ledigen zugegen wären, welche sich bi« jetzt in un- verzeihlicher Weise von der Gewerkschaft fernhielten. Da ich nicht angemeldet war, sprach ich nur einige Worte; die Ledigen an ihre Pflichten erinnernd, ttug ich noch ein Gedicht vor. Noch währen» dem ich sprach, stieß Meister Vogler, der an 30 Gesellen beschäftigt und denselben 6 Flaschen Wein zum Besten gegeben, mit diesen an, um die Aufmerksamkeit abzulenken. Der Kasstrer unsrer Ge- werkschaft darüber empört, machte nun gleich mir seinem Herze» ebenfalls Lust. Herr Vogler stachelte nun seine Leute an gegen die wenigen Gewerkschaftsmitglieder, denn es waren deren nur die beiden Altgesellen und der Kasflrcr, die tüchttgsten Mitglieder unsrer Gewerkschaft in Mühlhausen. Der Ball dauerte bis gegen 4 Uhr, als wir dann noch in eine Stube gingen, drang Vogler mit 10 seiner Gesellen, einige den Hausschlüssel in der Faust, in dieselbe ein und zwar zuerst auf den Kassirer, der ihnen aber nebst den beiden Altgesellen unerschrocken entgegenttat. Zu einer blutigen Keilerei, wie Herr Vogler e« vielleicht wünschte, um seine, wie er meinte, von dem Kassirer in großen Zweifel gestellte Ehre zu rächen, kam es nicht. Vogler'S Weib rässonnirte, ich sei nur gekommen um mir die Taschen mit dem Geld der Arbeiter zu füllen; doch so voll wie sie oder ihr Gemahl sie sich gefüllt haben, so daß sie ihr Söhnchen Kaufmann haben lernen lassen können, fo voll habe ich sie noch nicht gefüllt. Da« Schmachvollste ist nur das, daß Kollegen, wenn man sie so nennen darf, für einen Schluck Wein, den sie als Gnadenbrocken von ihrem Meister be- kommen und den sie erst hundertfach ihm verdient haben, an ihren eignen Kollegen zum Verräther werden, an Männern, die fest entschloffen sind, ihre gerechte Sache zu vertheidigen, wovon auch diese„Gesellen" bald den„thatsächlichen" Beweis erhalten hätten. Die Mitglieder der Gewerkschaft in Mühlhausen sind lauter tüch- tige Leute, die sich das Leben versucht und die die Gewerkschaft auch aufrecht erhalten werden zum Trotz dieser Vögel in Mühl- Hausen. Die auswärtigen Kollegen bitten wir, wenn Mühlhäuser zureisen, diesen diese Thatsachen vorzuhalten. Neu angemeldet: In Weimar ist Bevollmächtigter L. Mathey, Belvederer Allee, Grundmann's Haus, Oberweimar. Wiesbaden und Ueberllngen bei Konstanz i. B. Wir bitten die Konstanzer, bei der weiteren Constituirung denselben behülflich zu sein. Parteigenossen Rosen- Hein unseren Dank. Ich war am 8. November in Sonneberg al« Referent, am 9. in Zudenbach. In Sonneberg waren 1000— 1100 Menschen anwesend, in Judenbach, ein große« Dorf, 200 Mann ungefähr. Die Begeisterung für unsere Sache in diesem Wahlkreis ist groß; wenn der Ausschuß diesen Krei« in Angriff nehme, kann ich sagen, ohne mich Illusionen hinzugeben, daß wir einen Kandidaten durch- bringen, die« wäre um so wichtiger für unsere Partei, al« die» der Wahlkreis Lasker'S ist. Ich habe LaSker in das gehörige Licht gestellt. Er besitzt nicht die geringsten Sympathien unter den industriellen Arbeitern und diese bilde« die überwiegende Majorität. W.Bock. Allgemeiner deutscher Schneiderverein. München, 11. November. Den College» allerorts wird durch Ausschreibung von Seiten de« Ausschusses bekannt sein, daß wir seit dem 1. November dem Allgemeinen deutschen Schneiderverein angehören, wa« uns zur Pflicht macht, den Collegen einigermaßen über die hiesige Lage Austlärung zu geben. Wie in allen größeren Städten Deutschlands und außer Deutsch- land, so macht sich auch hier das KonfektionS-Unwescn immer mehr und mehr breit. Seit kurzer Zeit sind hier zu den vielen beste- henden wieder neue Konfektionsgeschäfte hinzugekommen, so daß wir deren bereits zwanzig zählen. Wo soll nun gegenüber der schwindelhaften, planlosen, nur auf Gewinn angelegten Ueber- produktiv» der Arbeiter bleiben? Die Märkte an allen größeren und kleineren Plätzen sind derart überfüllt, daß in nicht all zu serner Zeit eine allgemeine KrisiS unausbleiblich ist. Und bricht die KrisiS au«, dann sind wir erst recht verloren, wenn wir nicht bei Zeiten uns vorbereiten, derselben entgegenzutreten. Wir, die vereinigten College» Münchens, haben uns schon viele Mühe ae- geben, auch die KonfektionSarbeitcr in unsr« Reihen zu ziehen, aber bisher ohne nennenSwerthen Erfolg. Die Leute arbeiten lieber 14— IS Stunden täglich und bedenken dabei nicht, daß sie sich hierdurch die Ketten immer fester anschmieden. Es ist daher Pflicht eine« jeden Collegen, mit aller Kraft dahin zu wirken, daß die Konfektionsarbeiter sich unsrer Organisation anschließen. Die Col- legen München« werden e« an der nöthigen Agitation nicht fehle» lassen, die Organisation groß und stark zu machen. Der Geist unter den vereinigten Collegen ist gut. Durch die Krisi« in Wien haben wir einen ungeheuren Zulauf an Arbeitskräften. Wir rathen daher den College» Österreich«, München zu meiden, da die Löhne ohnedies sehr niedrig sind und durch da« Angebot von Arbeitskräften nur noch mehr hcrabgedrückt werden. Weiter bitten wir alle nach München reisenden College« im Auge zu behalten, daß sich da« Vereinslokal Hildegardstr. 12, sowie auch der unentgeltliche Arbeitsnachweis dortselbst befindet. Alle arbeitcrfteundlichen Blätter werden ersucht, Letztere« auf- zunehmen. Joh. Graßmann, Bevollmächtigter. Gewerkschaft der Holtarbeiter. Kamßnrg, 13. November. Neue Ortsstempel haben bi« jetzt erhalten: Altona, Augsburg, Berlin, Brannschweig, Cöln, Chemnitz, Dresden, Erfurt, Effenach, Gieffen, Gotha, Gablcnz, Harburg, Mamburg, Leipzig, Landshut, Mainz, Mühlhausen, Nürnberg, itadc, Sömmerda, Sch«. Hall, Weimar und Wolfenbüttel. Abrechnungen für das dritte Quartal fehlen noch von: Arnstadt, Berka, Cilln, Eisenach, Heidelberg, Kaiserslautern, Leipzig, Neu- stadt a. d. Orla, Stade und Wiesbaden. Wir ersuchen um schlen- uigste Einsendung. i Gleichzeitig bitten wir recht sehr um Retoursendttng alles nicht verwendbaren Materials yon den Orten, wo vor der Hand nicht Ausficht auf Gründung einer Mitgliedschaft ist. So z. B. liegt seit gkr«W»«r Zeit Material in Bürgel bn Zena, in Crefeld und M. Gladbach.— Arnstadt, Berta, Heidelberg, Kaisers- l-a»t«r«, Aeustadt a. d. Orla. und Wiesbaden bitten wir um baldige Antwort auf letzte Zuschrift. Der Ausschuß. Ä. A.: Theodor Dorck. Dtt Kasfirer de» Allgemeinen deutschen Maurer- und Stein- hauervereinS ersucht uns um Abdruck des folgenden Aufruf« aus dein«Neuen Sozialdemokrat'': Di« Section der Steinarbeiter von Valencia an ihre Brüder desselben GewerkeS in Deutschland. Geliebte Parteigenossen. Unsere Sektion ist eine von denen, welch« am meisten Propaganda gemacht hat durch die Kämpfe, welche fie gegen daf ausbeutende Kapckal führte und in welchen sie immer triumphirte. In dem letzten dieser Kämpfe, welcher noch uicht beendet ist, haben die Sectionen Spaniens wegen der zahl- reichen Arbeitseinstellungen, die sie durchgemacht haben und nock> führen, uns nicht die Unterstützung gewähren können,, deren wir bedurften. Wir hatten un« daher, um un« nicht zu unterwerfen. an einige Geschäftsleute um Darlehen gewandt, da wir hofften. daß, wenn die Sectionen dieses Lande» wieder in gutem Stande wären, wir die gemachten Schulden würden bezahlen können. Aber unglücklicher Weife haben jetzt, obgleich nicht viele ArbeitSeinstel- lungen stattfinden, die Reaction de« Bürgerkrieges, die Dictatur und die Verfolgungen, denen wir von Seiten der Regierung ausgesetzt sind, eine furchtbare KrisiS heraufbeschworen, so daß wir die gemachten Schulden nicht bezahlen können, und alle Tage die Gläu viger m unfern Häusern sehen, die uns mahnen, weil die verab redet« Frist abgelaufen ist. Die Bourgeois, welche dies sehen. beschimpfen unS, maßregeln un» höhnisch und überhäufen uns mit tausend Beleidigungen, indem sie uns wie Spitzbuben behandeln Parteigenossen, die» ist unsere Lage. Wir vertrauen auf die all gemeine Solidarität unserer Vereine; obgleich wir wissen, daß Ihr in übler Lage seid, wissen wir doch auch, daß Ihr Arbeiter uns Arbeitern ein Opfer bringen werdet, indem Ihr uns einige Unterstützung schickt, um uns aus der KrisiS zu befreien, welche damit enden würde, uns zu Grunde zu richten. Brüder, im Namen der Rechte der Arbeit bitten wir Euch, daß Ihr unS soweit Unter- stützung gewährt, als dies Euch möglich ist, um die drückendste Roth beseitigen zu können. Wir fahren fort, Alle», waS in un- fcren Kräften steht, zu thun. Viele unserer Arbeiter befinden sich aber in so schrecklichem Elend, daß sie fürchten, zum großen Theil auswandern zu müssen.— Empfanget, geliebte Parteigenossen, brüderlichen Gruß von Euren Brüdern, die Euch Heil und soziale Befreiung wünschen. Im Auftrage und im Namen der Section Der General-Sekretär Cagetano Marti. Valencia, 28. Oktober. Eorrespondenzen. Leipzig. In unserer«großen Seestadt" passiren wundersame Dinge. Hier giebt's bekanntlich einen Schillerverein, dessen hervorragende» Mitglied einst Robert Bluu» gewesen. Dieser Schillervereiu ist nun dem Scepter des großen Herrn Rudolph Gottschall anheimgefallen und es sollte uns wundern, wenn er darin nicht jenen berühmten Nachtstuhl aufgestellt hätte, auf welchem er einst, angethan mit klassischen Gewändern, thronte, als er sein eigene» Jubiläum feierte und welches Möbel den„Thron der Poesie" darstellen sollte. Auf dem„Thron der Poesie" kann natürlich Niemand anders sitzen als der„Gott der Poesie", und wenn dieser„Gott" auch nicht den Titel„Erzengel", sondern den ziemlich irdisch und prosaisch klingenden Titel„Hofrath" führt, so haben sich doch andere Götter über ihn erbarmt und dem Studien- genossen LassalleS nicht nur die Knopflöcher, sondern den ganzen Brustlatz mit einer Unzahl von Orden behängt. In diesem Schmuck beging denn auch der„Gott der Poesie" die Feier von Schillers Geburtstag im Schillerverein und vielleicht sind die vielen Orden des„Gottes" Gottschall daran Schuld gewesen, daß ein im Schillerverein ausgebrachtes Hoch auf Robert Blum so wenig An klang fand. Zur selben Zeit hat im Schützenhause ein großer WurstschmauS stattgrtunren, bei welchem eine stark„vaterlän lisch«" Poesie entwickelt worden ist. Der bekannte Hamburger Schlächtermeister, der bei Proklamirung de«„Deutschen Reichs" sich verzeihlicherweise dessen Herrlichkeit nicht anders als durch Anfertigung einer gigantischen, sieben Fuß langen— also gerade so laug wie Manteuffel— Wurst zu versinnlichen wußte und dieser Riesenwurst die herrlichen Verse mitgab: „Wie diese Wurst unter den Würsten, Ist Kaiser Wilhelm unter den Fürsten!" scheint da« leuchtende Borbild der Leipziger Wurstschmauser gewesen zu sein, denn da« Tafellied zum Wurstschmaus schildert in folgenden herrlichen Piken den„Culturkampf": „Wenn sich widerhaarig auch die schwarzen Herren Gefetz und Rechten zu gehorchen sperren, Möge Kraft und Strenge sürder es gelingen, Sie zum Gehorsam doch zurück zu bringen. Straft sie nur an Geld, Das regiert die Welt! Und ist kein« im HauS Pfändet dreist sie au»! Sollte dieses Mittel nicht genügend nützen, So laßt sie hinter Schloß und Riegel sitzen!" „Schrieb der alle Pius auch dem deutschen Kaiser: Der Papst sei frömmer, klüger und auch weiser; Wer getauft hieniedcn sei auf dieser Erden, Bon dem müß' auch dem Papst sein Theilchen werden. Doch die Antwort war Einfach sonnenklar: Christus ist mein Heil— Du hast feinen Theil! Etwa» aber muß ich Dir denn doch noch schreiben: Du kannst mir, alter Freund, gewogen bleiben!" „Würdig, kaiserlich, in lapidarem Style Vertheidigte der Kaiser die Gefühle Seines Volks;— da» Theueiste, das Allergrößte— Die Gewissen von dem Bann' er löste! WaS gesagt er hat, Werde nun zur That: Jever Glaube sei Immer, ewig frei! Tiefen Dankes voll laßt Gla» an Glas erklingen: Sin feurig Hoch dem Kaiser auszubringen!"(Tusch!) Die„Gefühle" de»„DenkewolkS" beim Wurstschmause hat als» der Kaiser gegen den Papst vertheidigt und die Gewissen Appetit?) von dem„Bann" gelöst! Wir werden unS keine Mühe geben, ihm dies Verdienst, das der Wurstpoet ihm zuschreibt, zu rauben. Im Vertrauen wird uns mitgetheilt, daß der Verfasser obigen Wurftliedes der„Gott der Poesie", Herr Rudolf Gott- schall selber sei. Nun, waS Geist, Stil und poetische Anschauung der„Dichtung" anbetrifft, so hätten wir durchaus keinen Grund, an dieser Angabe zu zweifeln. Stutzig macht uns nur, daß von Orden nicht darin die Rede ist. Gottschall hätte diese sicherlich nicht vergessen und so müssen wir bezüglich seiner Autorschaft»och Bestätigung abwarten. ÜebrigenS haben schon viele große Poeten um kleine Würste gesungen; warum soll nicht auch einmal eine große Wurst, ein ganzer WurstschmauS von einem kleinen Poeten besungen werden. Dringend empfehlen wir da« gewurstete poetische Meisterstück der„Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung Hätte Herr DiakonuS Binkau, der kürzlich über„Kaiser und Papst" einen Vortrag hielt, obige herrlichen Verse citirt, so hätte sicherlich die patriotische Stimmung seiner Zuhörer den Höhepunkt dcS Dusels erreicht. Apropos, die„Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung" gestattet bei ihren Vorträgen keine Diskussion und zwar, wie Herr Stadtverordneter Gerhold mittheilte, den.Leipziger Sozialdemokraten kürzlich in öffentlicher Versammlung interpellirten deshalb, weil die Vorträge„zu wissenschaftlich" seien. Themata wie „Kaiser und Papst" oder:„die Zustände der Arbeitsräume" sind nicht so wissenschaftlich, daß sie sich einer freien Diskussion ent ziehen, ja letztere« Thema ist, glauben wir, den Arbeitern zugäng licher als den vortragenden Professoren. Die Gesellschaft für Ver breitung von Volksbildung hat nicht den Muth, ihre Vorttäge diskutiren zu lassen und solche Leute thun allerdings besser, wenn sie sich mit Wurstschmäusen befassen, als mit der„Bildung" de« Volts. Leipzig. Triumphirend berichtet das hiesige„Tageblatt", daß der Hirsch Dunckersche OrtSverein der Tischler„in gesunder und kräftiger Entwickelung begriffen ist". Die nach Hunderten zählende Gewerkschaft der Holzarbeiter wird sich über diese„gesunde und kräftige Entwickelung" ihres Rivalen nicht sonderlich zu grämen haben, denn so viel wir wissen, kann es der OrtSverein der Tisch- ler seit Jahr und Tag nicht über 1 Dutzend Mitglieder bringen In dem betteffenden Bericht heißt eS dann weiter, daß der OrtS- verein der Tischler kürzlich einen Vortrag deS Dr. Zacharias über das„eherne Lohngesetz" entgegengenommen habe, und daß Dr Zacharias bei dieser Gelegenheit die zablreich anwesenden Sozial- demokraten gänzlich widerlegt habe. Das ist einfach unwahr. Nickt nur, daß der Vortrag die Anwesenden über das Wesen des Lohngesetzes völlig im Unklaren ließ, so war auch aus der De- batte— die, nebenbei gesagt, nur mit Widerstreben gestattet wurde,— ersichtlich, daß Herr Dr. Zacharias sich mit ökonomischen Studien sehr wenig befaßt hatte. Ueberhaupt kommt das Siegesbulletin des Berichterstatter« de«„Leipziger Tageblatt" etwas sehr post kestum, und wir wollen daher gnädiglichst die Fälschung der Wahr heit aus Rechnung der Gedächtnißschwäche deS Berichterstatters setzen. Leipzig. Der Sttike der Buchbinder dauert fort. Die Zahl der Strike»den ist durch Abreise und weitere Annahme des Tarifs sehr reducüt; der Sieg gewiß. Zuzug ist in diesem Jahre streng fern zu halten, da die Prinzipale beabsichtigen, nach Weihnachten die Bewilligung der Forderungen zurückzuziehen. Die Perbands- leitung der Buchbinder ersucht daher dringend, so lange den Zu zog fern zu halten, bis derselbe in der„Buchbinderzeituug" freigegeben wird. Kertin. Soeben geht unS, schreibt der„Dresdner Volksbote" vom 13. November, von einem Berliner Parteigenossen die ver- bürgte Nachricht zu, daß die dort am letzten Sonntag Vormittag tattfinden sollende öffentliche Versammlung unserer Parteigenossen von der Knüppelgarde Tölkes wieder einmal gesprengt wurde. Vater Tölke sühite selbst die Sprengcolonuc. Nachdem die Herren Hasselmänncr mit ihren Rohheiten und Flegeleien in den Berliner Urwählerversammlungen nicht durchdringen konnten, sondern, wie wir letzthin berichteten, einfach an die Luft gesetzt wurden, werfen ie sich jetzt wieder aus unsere Parteigenossen und suchen mit aller Gewalt deren Versammlungen zu verhindern und die Entwickelung unserer Partei zu hintertteiben, daß ihnen dieses bis jetzt nicht gelungen, im Gegentheil die Mitgliederzahl unserer Partei stets wächst, was schon das im Lause eine« Jahres von 130 aus 400 Abonnenten gestiegene Abonnement deS„VolkSstaateS" beweist, ist ein ehrendes Zeichen für die Tüchtigkeit und Fähigkeit der Ber- liner Parteigenossen. Für unS aber ftägt es sich, waS denn diesem rohen Treiben der Herren Tölke- Hasselmänner gegenüber zu thun ei; wir sind der Ansicht, daß eS gar nichts schaden könnte, wenn den Herren dort, wo sie in der verscbwindenden Minorität sind, der Daumen richtig auf» Auge gedrückt würde, denn freundliche und nachsichtige Behandlung stärkt diese sanatisirte Knüppel- Garde nur in ihrem Wahne, daß sie erstens die llufehlbaren und zweitens die Alleinseligmachenden sind. Wir gestehen auftichtig, daß wir verflucht weiäg Lust haben, einer Sorte Menschen, deren einziges Ziel und Streben es ist, jede Vereinigung von Arbeitern, wo nicht das A. und Z. Tölke heißt, mit allen Mitteln der Rohheit und deS Unverstandes zu hintertreiben, zu großen und weiten Spielraum zu lassen. Sage man un« nicht, daß unter den Mit' gliedern des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins ein großer Theil gegen diese Rohheiten, die in Berlin und andcrSwo aufgeführt werden, ist, wenn diese besseren Elemente wirklich dafür sind, daß ssriede zwischen beiden Fraktionen werde, so mögen sie ihren Ein- luß gellend machen in ihrem Verein und darnach wirken, daß diese, die ganze Arbeiterbewegung schändenden Tölkiaden einmal aufhören. So lange das nicht geschieht, gilt für unS die Parole, den Daumen auf's Auge und das Knie auf die Brust. DieS den Herren Tölke-Hasselmann-Hafenclever-Anbetern zur Dar nachachtung. (Während Tölk« offen den Knüppel über den Häuptern unserer Berliner Genossen schwingt, erklären die Jesuiten deS„Neuen", jede Polemik gegen den„BolkSstaat" während der Wahl einstellen zu wollen. Lasse sich da Niemand irre machen! Auf dem Papier den„Frieden" previgen und in öffentlicher Versammlung die Herrschaft der Fäuste zu proklamiren ist nur Leuten möglich, die vom Schlage TöikeS sind. Wir kennen diese Art, und wissen wohl, daß daS ganze„Einstellen der Polemik" Nichts bezweck:, alS daß der„BolkSstaat" zu den während der Wahlzeit zu verübenden Tölkiaden und Flegeleien schweigen soll. Nun wir weiden ja sehen! Redaction de«„BolkSstaat".) Solingen Schr. 1 Thlr. Hlsi Hikdesheim Schr. M/r. 1 Ilf. Sehr. Thlr. 1 25 5. Trtmnn Berlin Schr. Thlr. K 14. förzheim Schr. 3 Thlr.«dntt Jüterbogk Schr. 6 Gr. chr. Gr. 12 5. Sihstr Bresben Schr. Thlr. 2 12. T. u. Oj. Kabe« berg Ann. Thlr. 2 12. Ephstn Leipzig-chr. Thlr. 1 11. Mzttr Nord-f Hausen Schr. 5 Gr. Zettl Wetma» Schr. Gr. 13 2. Shrd Leipzig Ahr. Gr. 2 5. Dtte Gwßjfchechtt Schr. 5 Gr. Sick»« Maastricht Schr. 4 Gr. Hss Erfurt Ab. 4 Ott. Thlr. 5 21. Art hier Schr. 2 Gr. Brnr Wechselbuxg Ann.$#«■, 1]£,«gl B«Ä« Schr, 4 Gr. Rick Altona Schr. Thlr 1 24, Ann. 1 Gr. B. Hörn Bertraüeusmaiin Aber» selb; Da wir Ihre genaue Adresse nicht wußten, wollen Sie die poste restaut« gesandten Schriften b'n dortiger Post abholen. Bug. Lng t» Bockenheim: Wofür find die gesandten 17 Gr. 5 Pf.? Brief erhielten wir 61« jetzt»och riiitt. Rnk Altona: 3h cht g. Die übrigen 4Gr. haben wir f. Annonce im Lktvber»errechnet. Anzeigen Altona Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend» den 22. Rovbr., Abend» halb S Uhr, Ver- fammtung, große Bergstraße 139. Der Bevollm. Sozial.demokratischer«rdriterveret». «ittwoch, den 19. Slovbr., Abend, S Uhr. bei Zeidler, gr. Windmühleastraße 7: Geschlossene Mitgliederversammlung. T.-O.: 1) Rechenschaftsbericht des ftügmn Kasfirer». 2) Rechenschaftsbericht de« Agitattouscomit«'». 3) Verschiedene Vereinsangelegen- hellen.— Da» Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Zutritt nur gegea Vorzeigung der Mitgliedskarte. Präsenzliste liegt auf. Freitag, den 21. d»., findet wegen des Bußtage» keine Lereinsver- sammlung statt, dafür Abend« 8 Uhr gemüthlicht Zasammenkuuft bei Zeidler. Der Borstand. Hamdarg ÄlV" den 22. November, in F e h r m a u n'» Clublokal, Pferdemarkt 43: Goncert und Wall. Entr« 3 Schllg.— Damen frei. Da« Tomtt«. Karten find bei Herrn Eckhardt, Schoppenstahl 22, sowie bei dem Borstaudt de» Berein» zu haben.(3b') hnifl Bon der Gewerkschaft der Schuhmacher in Ver- ffl-UllUlIf btndung mit der sozial- demokrattschen Arbeiterpartei findet Sonntag, den 23. November, im Gasthau«„Zum Schwanen" eine musikalisch-deklamatorische Abendunterhaltung mit Tau, statt. Festrede gehalten von H. Kaiser au» Mainz. Freunde unserer Sacht find willkommen.— Ansang präzise 7 Uhr, Da« Somit«. {SLiniittAYi Sozialdemokratischer Arbeiterverein. WlUllglll l Jeden Dounerttag, Abend« 8 Uhr, Bersammlunz in der Restauration„Zur deutschen Fahne", Carlsstraße 18, l Treppe. Die Mitglieder werden ersucht, regelmäßig und pünktlich zu erscheine» und fleißig Gäste einzuführen. Der Vorstand. Hochwichtig lur Herren-Schneider. Dm Lehr-Jnstitut für Herrenschneider in Radeberg bei Dresden, beginnt seinen Cnrsus Anfang Januar 1874. Unterricht im Haassnehmen und. Zusehneiden nach der rühmlichst bekannten Methode des Herrn F. A. Mayer, verbunden mit Bncb- fübrung, Correspondenz ttc. tsehncke& Mayer, Prospekte gratis.(b'aS.) In unserem Verlage erscheint und ist durch un« zu veziepen: Freimaurer und Sozialdemokrat". Der Verfasser dieser Broschüre bespricht iu kurzen krästigeu Worte» den Freimaurer- Bmid, unterzieht dessen Orgaui ation und da» Leben in den Logen einer wahrheitsgetreuen Kritik unv stellt den Vergleich zwischen den Tendenzen der Freimaurer und Sozial- Demokraten. Pret» 6 Silbergrvschen. 3c] Administration de« sozial-politischen Volk« blatte« in Klagenfurt. ist zu beziehen: Von der Buchhandlung de«„Volksstaab Becker, Joh. Phil., Wie und Wann?....... Geschichte der süddeutschen Mai-Revolution... -- Vorbote Soz.-pol. Monatschrtfl.(6 Jahrgänge, 18>>6 1871)............. 3, 27.- 2.— Soeben ist im Berlage der Genossenschastsbuchdruckerei erschienen und durch die Buchhandlung des„BolkSstaat" zu beziehen: Die parlamentarische Thätigteit des Deutschen Deichstuges und der Mndtuge und die Sozial-Demokratie. Nebst einem Anhange, enthallend: 1) Winke für die Agitation, 2) die wichtigsten Bestimmungen der deutschen Vereins- und BersanimlungS' gesetzt, 3) des Reichswahlgesekes, 4) der Reichswahlgesetz- Verordnung, 5) des deutschen Strafgesetzbuches, 6) Programm der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, 7) Liste der be,„Gründungen" hervorragend betheiligten Reichstags» und Bundesrathsmitglieder__ 2 u fi 2 d s- g Soeben ist tm Berlage ocr GenosienschafiSduchdruckerci et' schienen und durch die Expedition des„BolkSstaat" zu beziehen: Der Volksstaat-Aalender für 1874. u ke ft al sc <= P b. st Zl- bl Inhalt: Kalendarium. Biographischer Kalender. Die Schlacht! um den Birkenbaum. Eine Parabel von St. Simon. � Roth- Französische Arbeiter. Robert Owen, ein Charakterbild. Der Pauker von Niklashausen; historische Ekzählung von Robertl Schweichel. Preis pro Stück ohne Stempel 3 Ngr. 5 Pfg., Preis pr»! Stück mit Stempel 4 Ngr. Bei Abnahme von 12 Stück und' darüber i 3 Ngr. exclusive Stempel. Bei Baarzahlung außerhalb Sachsen 24 Stck. 2 Thlr- für Sachsen incl. Stempel 2 Thlr. 12 Gr.! An unS unbekannte Besteller wird nur nach vorherige Einsendung deS Bettage« in bäar oder Rrichsbriefmarken ov-e gegen Poftvorfchuß versandt.____ J U: Vi Ol E 91 zr w w di u: P st si to tv vi k Dia Briefkasten der Redaktion. I. Sch. in Ossenbach: Nicht» erhatten. der Expedition. Fachverem der Holzarbeller Graz Ab. 4. Qu. Tblr. 1 Jü. Krst hier Schr. 4 Gr. Fischer hier Sqr. Thlr. 1 2 b. Allg. deutsch. Schneidervcr. hier Ann. 6 Gr. Lll Ssccase Schr. 12 Gr. Sism hier Schr. Gr. 8 b. Silzr Reudnitz Ad. 2 Qu. 8 Thlr. Oehlr Leutersdorf Schr. b Gr. Schrl Schwb. Hall Schr. Thlr. 2 6. Fldr Genossenschafts- Buchdruckerei in cSeiwis empfiehlt sich zur Ausführung aller ins Druckfach einschlagenden Arbeiten, und bittet namentlich die verehrt. Kasse»' Ii W vi V K ti g« und Gewerkschafts- Verwaltungen um geneigte Berücksichtigung. Sie wird Alles aufbieten, um die erhaltenen Auftrag zur Zufriedenheit ihrer werthen Kunden zu erledigen. S< Leipzig: Beraniw. Redakieur: E««per.(Redaktion und GxrevltidSl Zeitzerfir. 44.) Druck und Verlag der GenoffenschastSbuchdruckeret.