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DaS bisherige Resultat war nicht zufrieden- stellend; umfomehr ist es Eure Pflicht, diesen letzten und günstig- steu Monat tüchtig auszunützen. „Die Parlamentarische Thätiakeit des deutschen Reichs- wie soll aber die irdische Autorität, der Respekt und die Furcht tags und der Landtage und die Tozialdemokratie." ftor bpm fsato™R'n,'n ßfr*'n'rhnH'n Unter diesem Titel ist im Verlage der GenossenschaftSbuch druckerei zu Leipzig eine Broschüre erschienen, die wir allen Ter Monat Dezember ist der Wahlmonat, die Agitation ist Parteigenossen, allen Wählern, überhaupt Jedem, der sich für im vollen Fluß; vergesst dabei nicht Eures Hauptparteiorgans, politisches und parlamentarisches Leben interessirt, aufs Wärmste Wir brauchen Euch nicht zu sagen, welche Wichtigkeit seine Per- empfehlen. Auf 64 Seiten schildert der Verfasser, was der breitung grade in dieser Periode hat, wo rasches, organisirtes und planmäßiges Handeln Alles entscheidet. Thut also Eure Pflicht. AgitationSexcmplare sind von der Expedition zu beziehen. Lu den Reichstagswahlen. In den nächsten Tagen werden die Wahllisten zur öffentlichen Einsichtnahme allerwärts aufgelegt; erfahrungsgemäß sind dieselben häufig sehr lückenhaft und namentlich sind es Arbeiter, deren Namen in denselben fehlen. Wer die kurze Tauer der Auslage der Wahl- liste zur Einsicht nicht benutzt, geht, wenn sein Name darin fehlt, des Wahlrechts verlustig, keine spätere Beschwerde nützt ihm etwas. Man organisire also allerwärts sofort die Masscndurchsicht der Listen, indem die Wähler einer Werkstatt, einer Fabrik, eines Hauses oder mehrerer Häuser sich vereinigen und Einen aus ihrer Mitte mit der alphabetisch geordneten Namensliste der Uebrigen zur Durchsicht abordnen. Insbesondere müssen all- Wahlcomite's. sobald dre össentliche' führ-.s,'1-bhaft"urtterstntz" vo.V'deü7 WiVeVwMen" eimS deutsche Reichstag ist, waS er gethan und was die Arbeiterklasse von ihm zu erwarten hat. Die Uuhaltbarkeit der jetzigen Zu- stände ist in schlagendster Weise nachgewiesen und die ungesunde Flnanzwirthschaft im„Reiche" vortrefflich charakterisirt. Die Un- zulässigkeit des Haftpflichtgesetzes, die wunderbare Verwendung der den Franzosen abgejagten Kriegsentschädigung, die Mißhandlungen der Sorialdemokratcn im Lande der Gottesfurcht und frommen Sitte, Alles ist in ausführlicher Weise berücksichtigt und verleiht der Broschüre einen unschätzbaren Werth für die Agitation, namentlich für die bevorstehende Wahlagitation. Wir lassen hier einen Abschnitt auS der Broschüre über den famosen„Cultur- kämpf" folgen, den zur Zeit der Junker Bismarck angeblich gegen die Pfaffen führt. „Die Thalsache der gewaltsamen Einigung Kleindeutschlands zum„Reich" hat alle Gegner wider eS in den Kampf gerufen. Tie Thatsache, daß es ein„Reich" mit„protestantischer" Spitze sei, wie seine Freunde bornirt und unklug ausposaunten, mußte den unter der Decke sortglimmenden religiösen Zwiespalt wieder wach rufen und in geschlossener Linie die ultramontane Opposition Auslegung der Wahllisten angekündigt wird, unverzüglich öffent liche Ausforderungen an die Wähler ihrer Bezirke, sei es durch die Lokalblätter, sei eS durch Plakate, richten, worin diese in dem hier angedeuteten Sinne zu genauer Einsichtnahme aufgefordert werden. großen Theils der außerpreußischen Bevölkerung gegen das hohen zollernsche Preußen. So kam es, daß Staat und Kirche, die sonst so brüderlich sich unterstützen, wenn es das Volk zu knechten, zu verdummen und auszubeuten gilt, sich gegenseitig in die Haare Ueberhaupt können nicht oft genug, den Wählern praktffche ter- itfet auf d r� Winke für ihr Verhalten vor und bei der Wahl, wie wir diese■ 7--» v..,, bereits m Nr. III veröffentlicht haben, gegeben werden. Tie Scheu vor der Wahlhandlung, welche Viele noch besitzen, weil sie glauben, bei ihren Arbeitgebern, Vorgesetzten oder Höhergcstellten sich mißliebig zu machen, muß überwunden werden. Seite von den Trägern der alten Traditionen der katholischen Kirche, auf der andern Seite von der reaktionären Staatsgewalt und der liberalen Bourgeoisie geführt wird, ist nicht ein Kampf für Bildung, Cultur und Civilisation, wie vielfach behauptet wird, '■„ S q, r.... sondern einfach ein Kamps um die größere Macht und die mlÄja* für dre �„rschast über die Massen. Tie kathol.scki- Geistlichkeit sieht «aZNvzbrettuug ch»«M»«rSWe zu wnken und d«mgcm-v sich p-m abiol»t.«iick.«uit-rri Ii. Wenn wir von Revolutionen sprechen, die„gemacht" werden, verstehen wir naturlich darunter die Revolutionen im staatSan- «ältlichen Sinne, die gewaltsamen, meist blutigen, gewöhnlich sehr blutigen Staatsumwälzungen, von denen uns die Geschichte so viele Beispiele gibt. Wir verstehen nicht darunter die Revo- lutionen im kulturhistorischen Sinn, das heißt die nach bestimmten Gesetzen sich vollziehenden Veränderungen der politischen und so- zialen Zustände— Veränderungen, die in ununterbrochener Reihen- folge vor sich gehen, so daß es eigentlich ungenau ist, von Revo- luttonen im Plural(der Mehrzahl) zu reden, da die ganze Ent- aus dem sehr einfachen Grunde, weil die Wissenschaft sich über daS Niveau des Gewöhnlichen, Alltäglichen, Jedem schon Bekann- ten zu erheben hat, und sie folglich auch mit der gewöhnlichen Sprache nicht auskommen kann. Die Wissenschaft muß sich darum ihre eigene Sprache schaffen, zu der sie sich freilich das Material aus der gewöhnlichen Sprache herausholt, jedoch nur um eS über den gewöhnlichen Sprachgebrauch zu erheben. Und im vorliegen- den Fall findet nicht einmal eine Abweichung von dem gewöhn- lichen Sprachgebrauch statt. In der ganzen modernen fran- zösischen Literatur wird das Wort Revolution neben der konkretenlBedeutung einer bestimmten gewaltsamen Umwälzung auch in dieser abstrakten Bedeutung des allgemeinen Entwicklungsprozesse- angewandt. Und e- wird doch wohl Niemand in Abrede stellen, daß unsere(deutsche) politische Sprache, wie unsere politischen Gedanken und Systeme (der Mordspatriotismus mag vor Wuth platzen!) wesentlich den Franzosen entlehnt sind. Für den Sprachgebrauch in Frankreich wollen wir hier ein schlagende» Beispiel anführen— schlagend besonder« für die Herren Staatsanwälte. Der Mann m Frank- reich, welcher am wenigsten im Geruch sozialistischer Gesinnungen sein wird, weil er am Meisten gethan hat, um seinen Haß gegen den Sozialismus zu beweisen— ist nebenbei auch Verfasser einer Geschichte der französischen Revolution. Der Mann heißt Thiers — gewiß ein unverdächtiger Zeuge nach dem Herzen soztalisten- fresserischer Richter und Staatsanwälte. Wohlan, im ersten Band seiner beiläufig vor mehr als 40 Jahren vollendeten Revolution»- qesch'ichte(zum mindesten nennt er e» Geschichte), sagt Herr Thitt« anläßlich der Debatten vor Zusammentritt der französischen Reichsstände(Generalstände, bitats g�neraux)(S. 19 der Brock- haus'schen Ausgabe von 1846):„Bei gewissen Zusammenkünften (der alten Generalstände) und über gewisse Punkte hatte man nach Köpfen gestimmt; manchmal hatte man nach Provinzen und nicht nach Ständen berathen und beschlossen; oft waren die Ab- qeordneten des dritten Standes denen des Adels und der Gnst- ichkeit zusammengenommen an Zahl gleich.� Wie nun auf diese alten Gebräuche zurückgreifen? Hatten die Gewalten de« Staats sich nicht in einer ununterbrochenen Revolution befunden?(Les pouvoirs de l'etat n'avaient-ils pas ete uans une revolution continuelle?) Die königliche Autorität, anfangs souverän(?), dann besiegt und ihrer Macht beraubt, von Neuem mit Hülse de« Volks sich erhebend und alle Gewalten wieder an sich reißend, bot das Schauspiel eines beständigen Kampfes, eines stets wechselnden Besitzes dar. Man sagte dem CleruS: wenn die alte Zeit maßgebend sei, so bilde er keinen Stand: dem Adel: nur die Jnbaber von Leben könnten dann gewählt werden, und französischen Verfassung sagt, gilt von der. Geschichte aller anderen Volkspartei den Antrag gestellt, die schwäbische Regierung" solle Länder, von der Geschichte überhaupt. Geschichte aller Cultur- aufgefordert werden, beim Bundesrat auf die Gewährung von voller ohne Ausnahme ist„Eine lange Revolution". Völker ohne Diäten für die Reichstagsabgeordneten zu dringen Damals Revolution haben keine Geschichte, sind kein Volk. Die Welt- blieb der große Papierkorb des Bundesrates, in welchen auch geschichte ist die Revolution in Permanenz. Und jeder Versuch, schon der durch Schulze-Delitzfch veranlaßt- Beschluß des Reichs- diesen permanenten, ununterbrochenen, nach unabänderlichen Ge- tags betreffs Gewährung von Diäten gewandert ist, verschont; setzen, ich vollziehenden gesellschaftlich-staatlichen Erneuerungsprozeß, diesmal wird er Füllsel' erhalten, denn' die schwäbische Kammer welchen Sprachgebrauch und Wlffenschast als Revolution im wei- hat den gleichen Antrag, mieden der Volkspartei, den sie verwarf, teren Sinne bezeichnen, gewaltsam zu hemmen und zu stören, führt nunmehr genehmigt und zwar, weil er von nationalliberaler Seite _..mit Nothwendlgkeit zu emer gewaltsamen Reaktion aus dem In- gestellt worden ist. Wie man sich in Berlin in's Fäustchen lachen Schon dies vorstehende Citat wird Jedem beweisen, dag die neren des Staats- und Gesellichaftskörpers, und diese Reaktion wird über die Naivetät schwäbischer HinterwaldS-Parlamentler die Broschüre sich vortrefflich zur Agitation eignet. Der Verfasser hat ist die Revolution im engeren Sinne, die Revolution der Staats- noch so wenig politische Erfahrung haben, daß sie aus dem Schicksal indessen, um seine Arbeit noch zweckmäßiger zu inachen, derselben anwälte. Kurz, waS die Herren Staatsanwälte unter Revolutionen des Schulze'schen Antrags auf Gewährung von Diäten nicht einen Anhang beigegeben, der Winke für die Agitation Auszüge verstehen, sind nur kleine Zwischenfälle in der allgemeinen Revo- einmal errathen können, welches Schicksal ihres eignen Beschlüsse» aus den Vereins- und Versammlungsgesetzen, dem Strafgesetzbuch, lution. An dem Beispiele Frankreichs haben wir gesehen, wie solche harrt! Und Schulze ist eine„Größe", die mit 40 000 Tdalern dem Reichswahlgesetz, der Wahlgesetzverordnung, sowie eine Liste Revolutionen„gemacht" werden. WaS von dieser Revolution, von der deutschen„Nation" abgedankt worden ist, und an solch der bei„Gründungen" betheiligten Mitglieder deS Reichstags der Revolution par excellence gilt, das gilt von allen Revo- einem Schulze schluckt der bundesräthliche Papierkorb doch sicherlich enthält. Die Broschüre ist somit geradezu unentbehrlich für lutionen. Privatpersonen, und wären sie noch so reich und mäch- schwerer als an den Nationalliberalen deS schwäbischen Landtages die Wahlagitation; sie zeigt alle Mittel, welche wir für uns und tig, haben nicht die nöthige Gewalt zu einer gewaltsamen Störung— Moderne Folter. Zu der in Nr. 112 geschilderten Bc- wider die Gegner benutzen müssen und verbreitet Klarheit über des allgemeinen Entwicklungsprozesses. Diese Gewalt haben nur Handlung des im Gefängniß zu Stettin todtgequälten Steindrucker- die Verhältnisse, mit welchen zu rechnen wir gezwungeu sind. die Regierungen, und die„Kreuzzeitung" hat darum vollkom- lehrlingS August Nitsche wird unS noch weiter geschrieben: Wir müssen also jedem Parteigenossen, jedem Arbeiter, jedem men recht, wenn sie sagt, Revolutionen würden„jedesmal von„So haarsträubend diese Erzählung ist, sowenig unwahrscheim Wähler die Broschüre dringend empfehlen. Wer sie noch nicht oben" begonnen. Nicht bloß begonnen, sondern„gemacht" von ach klingt sie; es ist nicht« darin, was nicht mit der in Deutsche hat, der schaffe sie sich an und zwar sofort,»och vor der Wahl, A bis Z. Unter guten Regierungen, d. h. Regierungen, die das land und namentlich auch in Preußen herrschenden„Gefängniß- damit er dieselbe noch zweckmäßig benutzen kann. Der Prei« Gesammtmteresse und die Gesamuttmteressen der den Staat bilden- ordnung"(!) im vollsten Einklang stünde Unser ganzes Ge- (3 Sgr.) ist ja ein so geringer, daß ihn Jedermann aufbringen den Individuen vertreten, sind Revolutionen einfach unmöglich; fängnißwesen ist eben ein„Schandfleck der Civilisation", und kann, und für diese 3 Groschen hat man dann für immer das Revolutionen können nur, und müssen sich ereignen unter Regie- eines„CulturkampsS" wohl Werth. Nach der in der Berliner reichhaltigste Material. rungen, welche entweder in den geschichtlichen Entwicklungsprozeß Stadtvoigtei, als im Centrum und Brennpunkt der intelligen; Die Gegner verwenden Tausende von Thalern auf die Wahl- ungeschickt hineinpfuschen, oder nur die Interessen eines Theils der staatlichen Intelligenz giltigen, in allen Zellen aufgehängten„Haus agitatton, wir, die wir vorzugsweise mit geistigen Waffen kämpfen, Staatsbürger, einer Klasse, eines Standes vertreten, und die In- ordnung" können über jeden Gefangenen— Untersuchung«- müssen eben daran wenden, so viel wir können und um dies der teressen des Restes, der meistens die große Mehrheit ist, vernach- gefangene ausdrücklich eingeschlossen!— der den Beamten und Arbeiterklasse möglichst zu erleichtern, ist die Broschüre geschrieben, lässige», schädigen; den Interessen der Bevorzugten opfern. Eine Aussehern nicht„unbedingten Gehorsam" leistet, und irgendwie Darum besinne sich Niemand. Die Zeit dazu ist jetzt um, die gute, verständige Regierung leitet den Strom der wogenden Volks- sich gegen die„Hausordnung" vergeht, d. h. z. B. an ein Fen Zeit de» Handelns ist erschienen. Also die Broschüre angeschafft kraft über das ganze Land, indem sie ein, alle Gebiete und Bezirke ster herantritt, laut spricht, sich weigert, einen Mit und nach ihren Anweisungen gehandelt, ihr Material klug ver- umfassendes, die Fluthen gleichmäßig vertheilendes Schleußen- und gefangenen zu denunziren(!!), folgende Strafen verhängt Bewässerungssystem organisirt; eine schlechte, unverständige Regie- werden: rung sucht den Strom zuzudämmen, was unvermeidlich heftige..i) Entziehung der warmen Kost(für jede? einzelne Ber- Ueberschwemmungen zur Folge hat, und schließlich doch nicht hin- gehe»(s) auf eine Zeit von 1 bis 14 Tagen, die(soll sich dert, daß sich die Wassermassen den Weg wieder öffnen, den ihre auf Entziehung, nicht Zeit beziehen; die preußische Polizei steht natürliche Schwere ihnen gebieterisch anweist. Mitunter machen tiber per Grammatik wie weiland der deutsche Kaiser) durch Ent olche Pfuschcrregierungen noch im letzten Moment, wenn sie die zi-hung des Tageslichts verschärft werden kann; u. s. w. Unwiderstehlichkeit der Elementarkräfte zu ahnen anfangen, ein Loch„z) Anlegung der Zwangsjacke, resp. Einsperrung in m den Damm, um dem Strom einen haruttosen Abfluß zu ge- Zwangsstuhl bis auf 8 Tage.(S. Ladendorfs Prozeß.) statten. Das hat aber bloß die Wirkung, daß der Damm, mit„g) Anschließung an die Kramme(!). allem was drauf und dran ist, etwas rascher hinweggespült wird,.,4) Einschließung in die sogenannten Jsolirlokale. als es sonst der Fall gewesen wäre..,5) Fesselung(!). Summa Summarum: Nur die Regierungen haben die..g) Ftörperkiche Züchtigung(!!)." Das heißt Stockprügel! Mittel, Revolutionen zu verhüten, und Revolutionen szu Alles ä äisoretiqn(nach Gutbesinden deS Gefängnißbeamten). machen". Wo sind die Herren„Culturkämpfer"? Jede Revolution ist, abgesehen von sonstigen schlimmen Con-_„Bürgschaften des Friedens«. Wenn zwei Könige equenzen daS vernichtendste ArmuthSzeugniß für die Regierung, oder Kaiser sich besuchen, sich küssen und zusammen tafeln, gleich- unter welcher sie ausbricht, durch welche sie veranlaßt wird, und viel ob ihre Völler sich gegenseitig tüchtig durchgeprügelt haben, Wicklung des Menschengeschlechts nur Eine fortlaufende Revolution welche für sie nach jeder Richtung verantworlich ist(auch ohne oder nicht, so pflegt dies die deutsche Presse eine„Bürgschaft des ist. In der That, man kann mit vollem Recht sagen: Geschichte MiNlsterverantwortlichkeltSgesetz). Jede Regientng, unter der eine Friedens« zu nennen. Wir haben schon wiederholt ausgeführt, daß ist Revolution. Geschichte und Revolution sind identisch. Man Revolution stattfindet, ist um deswillen eine schlechte Re- wir solchen„Bürgschaften" wenig Werth beilegen können und zwar hat zwar behauptet— und im vergangenen Jahr schloß sich ein gierung. einmal deswegen, weil mit solchen„Bürgschaften" schon sehr trau» aus London datirender wiseaere(Allerweltswisser) der„Frankfurter Genug. Wir Sozialdemokraten„machen" keine Revolutionen; rige Erfahrungen gemacht worden sind; zum Andern, weil es Zeitung" dieser spießbürgerlich-staatSanwaltlichen Auffassung an— wir studiren den revolutionären Entwicklungsprozeß von Staat durchaus nicht in der Macht Einzelner liegt, sie mögen Kronen eS fei rein willkührlich feiten« der deutschen Sozialdemokraten, daß und Gesellschaft, der auch ohne daß wir gewaltsam eingreifen, mit tragen oder nicht, einen derartigen Einfluß auf die politische Ent- sie das Wort Revolution in dieser Bedeutung gebrauchten, die schwindelnder Schnelligkeit.. vor sich geht, und wir webe» im U-bri- Wickelung auszuüben, daß man das Wort„Bürgschaft de» Frie- mit dem gewöhnlichen Sprachgebrauch nicht übereinstimme, und es gen nach Kräften mit am sausenden Webstuhl der Zeit; Revolu-''-'— werde dadurch nur Verwirrung erzeugt. Das sind aber haltlose tionen zu„machen", das überlassen wir den Regierungen, Einwürfe. Auf den gewöhnlichen Sprachgebrauch kommt es bei Kaisern, Königen',„genialen Staatsmännern", Staatsanwälten, wissenschaftlichen Definitionen überhaupt nicht an, und das Stiebern, RUdern und wie das Bismarck'sche„Volk" all heißen mag. Aller Segen kommt von oben, Heißt'S in der Bibel. Politische Uebersicht. — Im dunklen Schooße des BundesratheS regt es sich. nämlich die Vollständigkeit und hassen alles Halbe. In derselben schwäbischen Kammer hat im vorigen Jahr die dens" in seinem vollen Sinne gebrauchen kann. Wir sind im Gegentheil der Ueberzeugung, daß bei den bestehenden politischen Verhältnissen gar keine„Bürgschaft" gegeben werden kann, denn dieselben sind derart auf die Spitze getrieben, daß aus den klein- ten Verwickelungen eine allgemeine Balgerei entstehen kann. Wenn eine große Anzahl„patriotischer" Narren und BierhauSpolitiker an eine künftige FriedenSaera glaubt, weil Bismarck in Frankfurt beim Friedensschluß gesagt hat:„So lange ich lebe, giebt eS keinen Krieg mehr!", so können wir dieS zwar bedauern, aber nicht helfen, wenn diese Herren eines Tage» grausam enttäuscht«erden. Deifo die Der Geist des BiSmarck-Schellingschen Reich Spreßg es ctzeS und riesigen stehenden Heere in ganz Europa mit ihren Kanonen, deS tz 20 geht dort um. Die Ausschüsse de« BundeSrathes, welche Flinten, Säbeln und ordenshungrigen Junkern, die vielen Kriegs mit der Preßgesetz-Vorlage beschäftigt waren, sind aufgefordert schiffe und Festungen sind doch sicherlich nicht zu irgend einem Harm- worden, ihre Arbeit wieder aufzunehmen.� So� erzählt daS„Deutsche losen,„friedlichen" Zweck da, sondern einfach um— des Kriege- Wochenblatt", dessen Redakteur, I)r. Kayßler, wenn wir uns recht erinnern, als Berichterstatter beim„Einzug" in Paris in Gefahr war, aufgehängt zu werden, während ihn kürzlich Kaiser Wilhelm bei Anwesenheit deS Czaren von allen Redacteuren der Regierungspresse allein zur„Hoftafel" zog. Unsere Leser werden jetzt wissen, zu welcher Kategorie von„Patrioten" sie diesen Mann zu rechnen haben, und wir thun ihm nicht zu viel Ehre an, wenn wir schließen: Wenn er eS sagt, daß das Preßgesetz wieder aus getischt wird, dann muß e« wahr sein. Den Versuch, der Welt- geschichte einen Maßstab für die„Cultur" des Jahres 1374 in Gestalt de»§ 20 zu liefern, wird also unser„Genialer" doch machen und Schilling der Sohn ist auf dem Wege, eine«Be- rühmtheit" zu werden, wenngleich etwas anderer An, wie Schelling der Vater. Wir werden noch Wunderdinge erleben mit diesem Preßgesetzentwurf. Wird er angenommen, so kommt jenes alte Weib zu Ehren, welches dieser Tage von der Zuhörertribüne im preußischen Landtage eme Petition an einer Schnur herabgelassen und dieselbe auf diesem ungewöhnlichen Wege der gnädigen Be- achtung de«„hohen Hause«" empfohlen hat. Wenn das Preßzesetz kommt, werden wir eine Menge politischer alter Weiber, zum Theil mit großen Bärten versehen, diesem Beispiele folgen und von der Tribüne der öffentlichen Meinung Bettelpetitionen herab- lassen sehen, damit der„Lenker unserer Geschicke"— bei dessen Nennung liberalcrseits wir oft nicht wissen, ob Gott oder Bismarck gemeint ist— Gnade üben und die braven Rcdacteure, die doch so wacker auf die„verkommenen" Franzosen geschimpft, nicht einer so„strammen Disziplin" unterwerfen möge. Wer will es uns verargen, wenn wir uns auf ein solch erhebende« Schauspiel freuen? — Schwabenstreiche. In der schwäbischen Kammer wurde dieser Tage ein Gesetzentwurf über die Hundesteuer verhandelt. Dem Berichterstatter passirte dabei das Malheur, daß er die Ver- treter des schwäbischen Volkes:„Meine Hunde!" anredete, wäh- rend ein anderer BolkSbeglücker das Institut der Maulkörbe nicht warm genug empfehlen konnte. Wir erwähnen diese Dinge willen. Macht unS nur keine Flausen, ihr Herren„Patrioten", von„ausgedehnter Wehrkraft" und„Erhaltung des Friedens durch ein starkes Heer"— wir wissen schon, woran wir sind. Hättet ihr gesunden Menschenverstand, so müßte euch gruselig werden, wenn ihr eure eigenen Blätter leset. � Zum Beispiel: Der militä- rische Berichterstatter der„Schlesischen Presse" schreibt am Schlüsse eines längeren Berichtes über die sehr günstig ausgefallenen Schieß- versuche mit den neuen Geschützen, welche am 20. v. M. vor dem Kaiser stattgefunden haben, daß seit etwa einem Monat die Um- formung des Artilleriematerial» mit dem größtmöglichsten Eifer betrieben wird;„man ist in maßgebenden Kreisen entschlossen, in diesem Winter die Neubeschaffungen so weit zu fördern, um nö- thigenfallS im nächsten Frühjahr die gefammte Feldartillerie mit Geschützen neuer Construklion ausrüsten zu können. Auch ist anläßlich jenes Schießversuchs der allerhöchste Befehl ergangen, sämmtliche reitende Batterien mit de» neuen Geschützen auszurüsten und in Folge dessen die Ordre nach Essen gelangt, die hierzu nöthige Zahl— 380 Geschütze(für 45 Batterien und 16 Ersatzbatterien)— schleunigst anzufertigen." Ist dies vielleicht nicht deutlich genug? Zu welchem Zweck hat es wohl die preu- ßische Regierung mit den neuen Geschützen so eilig? Natürlich nur zum Zweck de«„Frieden«", da ja Kanonen und reitende Batterien höchst„friedliche" Instrumente sind. Da«„Nöthigenfall« im näch» sten Frühjahr" dürfte doch klar beweisen, daß auch die preußische Regierung nicht weiß, ob wir im nächsten Frühjahr Krieg oder Frieden haben werden. Und doch„Bürgschaften des Frieden«"? — In der letzten Nummer de«„Volksstaat" wiesen wir an der brutalen Austreibung unseres Parteigenossen Moje aus der Schweiz nach, daß die Bourgeoisrepublik nur eine Carrikatur des demo- kratischen Gedanken«— auch in politischer Hinsicht— ist. Wir wollen zur Ergänzung heute ein eklatantes Betspiel vorführen, daß auch in ökonomischer Beziehung— und zwar ganz besonders nach dieser Richtung hin— dte Bourgeoisrepublik nicht nur eine Carrikatur deS demokratischen Gedankens, sondern auch nickt weniger als die andern bestehenden StaatSforme« der Tummelplatz roher - Leidenschaften, niedrigster Ausbeutungswuth und tollster Klassen- tyrannei ist. Zur Evidenz beweift dies ein kurzer Satz aus einem Bourgeoisblatt, welches„Der Papierhandel" heißt und bei diesem lumpigten„Geschäft" die Interessen der Papiersabrikanten zu wah- ren berufen ist. Es thut dies nämlich mit folgenden Worten: „Die strenge Geschäftszeit ist da, Weihnachten steht vor der Thür, was ist also natürlicher, als daß die Herren Arbeiter zum Dank, daß man sie den Sommer über gefüttert hat, die Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunden herab und dafür getreu der internationalen Logik, die Löhne hinauffchrauben wollen." Der Wackere, der diesen unbezahlbaren Satz ausgeklügelt hat, ist ein gewisser Herr Kraft in Brugg, also ein„fteier Schweizer". So weit hat es Herr Herl in Worms doch nicht gebracht. Herr Hehl hat wenigstens nur in die Welt hinausttompeten lassen, daß die Hungerlöhne„feiner" Arbeiter ausreichend, hoch, ja muster- giltig seien; aber die Frechheit des schweizer-republikanischen Bour- geoiS,„seinen" Arbeitern zu sagen, daß sie von ihm„gefüttert" würden, hat er doch nicht beseileu. Die Herren Bourgeois leisten in der Presse an jesuitischer Uebersetzungskuust Erstaunliches: statt „Diebstahl" sagen sie„Ünternehmergewinn"; statt„Sozialdemo- krat" sagen sie„Theiler"; statt„Ausbeutung" sagen sie„blühende Industrie" und statt„von den Arbeitern gefüttert werden" sagen sie„die Arbeiter füttern", verkehren also im letzten Fall einfach das Passivum in das Activum. Jnteressircn würde es uns, zu sehen, wie es in dem Gehirn eines Bourgeois aussieht, der im Glauben lebt, die Arbeiter würden von den Arbeitgeber„gefüttert" und eS würde unschätzbar sein, zu erfahren, welche Vorstellungen sich solch eine Leuchte der Volksschinder von den ökonomischen Ver- hälwissen oder gar von den Gesetzen, welche dieselben beherrschen, macht. Solchen Gesellen wie dem Hernr Kraft gegenüber befolgen wir allerdings eine„internationale Logik", die sich kurz allenfalls in dem Satze ausdrücken läßt, daß ein gewisses langohriges „Dtnker"-Thier vom Lautenschlagcn gewöhnlich Nichts zu verstehen pflegt. Mit dieser Logik„gefüttert" wollen wir ihn springen lassen. Hoffentlich„füttern" ihn auch„seine" Arbeiter damit und ver- wandeln auf diese Weise ebenfalls das Passivum in das Activum! — lieber den Geldschwindel schreibt das„Fürther de- rnokratische Wochenblatt": „Allenthalben hört man über den Mangel an kleinen Münzen, sowie über den Geldschwindel im Allgemeinen klagen. Neues Geld ist noch nicht da und daö alte wird nach und nach diskredidirt, somit muß an und für sich eine jheillose Kalamität entstehen. Kaum war der Rummel mit den holländischen Gulden vorbei, so folgte schon der mit den österreichischen, welcher bis heute noch sein Ende nicht erreicht hat. Gegenwärtig sind die öfter. Viertelgulden und Sechser an der Reihe, ebenso erfahren die französischen Silber- münzen, anerkanntermaßen die besten in Europa, eine Herabsetzung ihres Nennwerthes. Es versteht sich allerdings von selbst, daß jeder Staat das Recht hat, fremde oder veraltete Münzen abzu- schaffen; aber er hat dann auch die Pflicht, dafür zu sorgen, daß durch eine derartige Maßregel das Volk, und namentlich der be- sitzlose Theil desselben nicht zu Schaden komme. Allein wer ist denn an den jetzigen Geldwirren außer den Alles beschwindelnden Gründern anverS schuld, als gerade der Staat? Durch den „glorreichen" Krieg von 1366 wnrde eine kolossale Masse von österreichischen Silbergulden nach Preußen gebracht; anstatt die- selben umzuprägen, ließ man sie einfach circuliren und jetzt sollen sie mit aller Gewalt außer Cours gesetzt werden. Hätte man bei Zeiten für eine hinlängliche Summe neuen Geldes gesorgt und eine bestimmte Zeit festgesetzt, zu welcher die„verschlagenen" Münz- sorten noch zum vollen Werth eingezogen werden, so wäre der ganze Geldschwindel, wie er jetzt getrieben wird, vermieden worden. Mit dem französischen Gelde verhält es sich ähnlich wie mit dem österreichischen. Man hätte die Einziehung und Umprägung aller dieser Münzen ganz gut ohne Schaden für den Staat bewerk- sielligen können, da ja bekanntlich die neuen Sorten, mit denen die deutschen Michel stets an das ihnen abgepreßte Mark erinnert werden sollen, bedeutend weniger Werth haben, als die alten, die man auszumerzen sich anschickt. Welche Gaunerei gegenwärtig mit dem entwertheten Gelde getrieben wird, geht aus folgendem Fall hervor. In Mainz werden die österr. Sechser(6 Kreuzer südd. etwa l3 4 Silbergroschen) noch zum vollen Werthe genommen. Nun fahren täglich verschiedene ehrliche Spitzbuben, welche von der Prellerei ihrer Mitmenschen leben, nach Frankfurt und den benach- karten bayerischen Städten, wo diese Sechser 3, 4 bis 5 Kreuzer kosten, kaufen große Massen zusammen und bringen sie dann in Mainz zum vollen Werth an den Mann. Das nennt man heut- zutage„GcschäftSmacherei". Die Melkkuh für diese Schwindel- künste muß natürlich nur der Arbeiter und Kleinbürger abgeben." ES ist sogar vorgekommen, wollen wir hier hinzufügen, baß den Soldaten ihre kärgliche Löhnung in Geld ausgezahlt worden ist, das gerade in Verruf gekommen war. Wo es sich um„Ge- winn" handelt, da wetteifern der Staat und die herrschenden Klassen Miteinander, und unter den heutigen Verhältnissen wird der Marx'sche Aussprucb stets richtig bleiben:„Geld ist Dreck, aber Dreck ist nicht Geld." Das Geld für die herrschenden Klassen, die Bourgeoisie und die Börsengauner, den Dreck für das Prole- tariat— das ist auch eine Maxime der heutigen Gesellschaft! — Der Prozeß Bazaine schleppt sich langsam fort und wird zum juristischen Bandwunn, waS indeß durchaus nicht hindert, daß der Angeklagte, Herr„Achilles" Bazaine, sich als einer jener „ehrlichen Leute" herausstellt, die zum mindesten den Namen Schuft verdienen. Dieser Tage sind die Gemeinderäthc von Metz vernommen worden und ihre Aussagen sind zu charakteristisch, als daß wir sie nicht ausführlicher wiedergeben sollten. Wir benutzen dabei eine bündige Zusammenstellung des„Frankfurter Beobachter", wo eS heißt „Der Kaufmann und Gemeinderath von Metz, Bedin, erhebt gegen die unerhörte Vernachlässigung der wichtigen ErnährungS- frage seine Stimme. Man habe nicht nur die Lebensmittel verschleudert, sondern auch gar nichts gethan, um die massenhaft in der Umgegend besindlichen, ja nicht einmal die im Bereich der FestungSkanonen lagernden Vorräthe in die Stadt zu schaffen. Zeuge gibt die detaillirtefie» Angaben, wonach die Festung min- Kestens bis Ende November gehaltm werden konnte. Bei einer Durchschnittsration von S00 Gramm täglich mußten die 150,000 Mann der Armee bis zum 27. November Lebensmittel besitzen; und doch habe General CoffiuiereS schon am 13. November ge- meldet, daß sich in den Magazinen der Stadt keine Vorräthe mehr befänden. Wo war der Rest hingekommen? Bei jedem Appell erhielten die Truppen Lebensmittel auf mehrere Tage, die sie so- fort ausbrauchten. Außerdem wurden auch die Pferde mit Ge- kreide gefüttert, was schon mit Rücksicht ans den Gehalt an Nah- rungSstofs unpraktisch ist. So ging eine Quantität Proviant verloren, welche zur Ernährung für einen ganzen Monat gereicht hätte, und zwar zu einer Zeit, wo die Rettung Frankreichs viel von wenigen Kilometern im Bereiche der Metzer Forts liegen, eine wolle; eS ist ganz einerlei, auS welchen Gründen der Prozeß Ba Aufnahme vorgenommen. Nichts sei geschehen, um die 35,000 Centn er Getteide, welche sie liefern konnten, einzubringen; man wartete, bis sie gegen Ende September von den Preußen unter den Kanonen von Metz verbrannt wurden.— Ferner wurde das Schloß Mercy den Deutschen überlassen, was nach dem einstim- migen llrtheile kompetenter Persönlichkeiten ein ungeheurer strate- gischer Fehler war. Die Sache ist dermaßen unerklärlich, daß man es nicht wagt, bis in die Tiefen dieser mysteriösen Angelegen- heit zu dringen, in welcher die Politik gewiß eine bedeutende Rolle spielen mußte. Hr. Bedin schließt seine Aussage mit folgenden bedeutsamen Worten:„In Metz betrachtet man alles Geschehene als eine pure Komödie." Der General Coffinieres, fährt der Zeuge auf die weitere Befragung fort, habe gar nichts gethan, um die Stadt mit Lebensmitteln zu verschen. Metz und Umgegend seien außerordentlich frucbtbar, und eS sei unmöglich, dort den Hungertod zu sterben. Was geschehen ist, bildet ein unerhörtes Verbrechen! Wenn Bazaine... Der Präsident unterbricht hier den Zeugen und fordert ihn auf, seine Gefühle im Zaume zu halten. Bedin, in großer Erregung, erwidert, daß es den Metzer Bürgern fast unmöglich sei, über diese Dinge eine maßvolle Sprache zu führen.„Wir kommen außer uns; ich weiß, daß eS Unrecht ist; aber ich kann mir nicht helfen." Vom Regierungscommissär inter- pellirt, bemerkt er zum Schlüsse:„Man hat gar nichts gethan, man ließ die Soldaten den Hungertod sterben, obfchon es ein Leichtes war, für ausreichende Ernährung zu sorgen. Die Bevöl- kerung bewies die größte Hingebung; aber wir mußten alles dies geschehen lassen, weil es der Festungscommandant so wollte... Lachaud Pere verzichtet auf die Anftage des Präsidenten darauf, Fragen an den von einer sehr erklärlichen Aufregung hingerissenen Zeugen zu richten.„Es gibt", sagt der Advocat,„eben Schmer- zen, die man ehren muß!" Der nun folgende Zeuge, Gemeinde- rath Magnin, bestätigt die obigen Angaben ihrem vollen Inhalte nach. Seine Schritte bei General CoffiniereS, um für Herbeischaffung von Lebensmitteln zu wirken, feien erfolglos gewesen. Seine dringende Bitte, eine Proclamation in diesem Sinne an die Bevölkerung zu erlassen, sei zurückgewiesen,„weil die Einwoh- ner dadurch in Schrecken gesetzt würden."(!!) Man habe in Metz 4000 Wagen und 16,000 Pferde gehabt, mit denen man in sechs Tagen aus der Umgegend Getreide und Nahrungsmittel hätte her- beischaffen können, hinlänglich, um die Armee und die Festung für ein ganzes Jahr zu verproviantiren!! Magazine für die Aufbewahrung seien mehr als genügend vorhanden gewesen. Zeuge kommt nun auf die Bestände an Tuch und Schuhwerk für die Armee zu sprechen. Die Soldaten litten schrecklich von der Kälte; es fehlte ihnen an den nothwendigsten Bekleidungsstücken. Und doch waren, wie aus einem vor dem Metzer Handelsgerichte ge- führten Civilprozesse hervorgeht, eine ungeheure Menge Tuch von einer deutschen Gesellschaft damals zu 6'/- Francs angekauft wor- den. In Moulins-les-Metz waren nicht weniger als 242,000 Meter Tuch und 25,000 Paar Schuhe vorhanden. Unglaublich, aber offiziell konstatirt! Zeuge erwähnt hieraus die von CoffiniereS, um den opferwilligen Gemeinderath einzuschüchtern, geflissentlich betonten Schrccknissc)eines Bombardements! Ein Bürger, Raymond, welcher dem General darüber Vorstellungen machte, und ihm den Muth und die Standhaftigkeit der Einwohner entgegenhielt, em- pfing von dem Commandanten die ungeheuerliche Antwort:„Ei sieh' da, Sie haben also patriotische Gesinnungen, Sic!" Diese Mittheilung erregt im Saale furchtbare Sensation. Raynard, fährt der Zeuge fort, war über diese schamlose Verhöhnung völlig niedergeschmettert. Er erkannte nun, was die vom Marschall Bazaine ausgegebene Parole war. Zeuge hat auch die Pläne ge- sehen, �.welche auf Veranlassung des Marschalls von den feindlichen Angriffswerken entworfen wurden und zur Einschüchterung der Be- völterung dienen sollten. Diese Werke waren nun, wie von der internationalen Eommission für Verwundete konstatirt worden ist, höchst unbedeutend. Die gefürchteten Batterien auf St. Barbe, von denen der Generalstab so viel zu erzählen wußte, haben nie- mals existirt.— Der nächste Zeuge, Bianson, gibt ganz die näm- lichen Aufschlüsse und erzählt, wie die patriotischen Bestrebungen der Gemeinderäthc einen undankbaren Boden bei denen gefunden, welchen die Vertheidigung deS Vaterlandes anvertraut war. Die ganze Bevölkerung von Metz und Umgegend war mit Freuden be- reit, Gut und Blut, Leben und Eigenthum für die Rettung Frank- reichs einzusetzen. Aber diese Hingebung wurde nicht benutzt!! „Wenn wir unglücklich sind," schließt der Zeuge in tiefster Er- regung,„so lassen wir uns nicht zur Ungerechtigkeit hinreißen. Indem wir unsere Kinder lehren, gewisse Namen zu verfluchen, so glauben wir damit die heldenmüthige Mctzer Armee zu ehren! Hätte diese eine andere Führung gehabt, so wäre nimmer über das arme Metz die Schmach gekommen, unter welche es sich heute beu- gen muß!" Unter d»ln gewaltigen Eindrucke dieser und der vor- angegangenen Dcpositionen mußte der Präsident die Sitzung für 20 Minuten suSpendiren. Die dann weiter vor die Schranken tretenden Zeugen vermögen keine wesentlichen neuen Momente vor- zubringen.— Bei Beginn der heutigen Verhandlung werden zu- erst einige Entlastungszeugen vernommen, deren Erklärungen ohne alle Bedeutung sind. Von den übrigen zum Theil sehr belasten- den Aussagen wollen wir nur die charakteristische Mittheilung des Zeugen Eduard Meyer anführen. Derselbe war zu jener Zeit Rcdacteur des„Jndependant de la Moselle" in Metz. Die Cen- sur, erzählte er, wurde erst im September eingeführt. Gegen Ende dieses MonatS wurden ihm alle Artikel gestrichen, welche gegen Preußen gerichtet waren und Noten zugestellt, welche für Metz be' unruhigcnde Nachrichten enthielten. Er nahm die erste Mitthev lung im guten Glauben auf, warf aber die weiteren in Folge der auffallenden Unthätigkeit der Armee in den Papierkorb. Er wußte, daß das übrige Frankreich die Vertheidigung bis aufs Aeußerste wollte. Indessen Alles, wa» er hierüber, sowie gegen eine Capi- tulation bringen wollte, wurde gestrichen. Eines TageS habe er einen Offizier geftagt, warum dieses geschehe, woraus ihm dieser geantwortet:„Was wollen Sie, daß wir thun, die Truppen halten nicht mehr Stand: wir können keine neuen Ausfälle machen!" Da er daraus ersehen, daß man mit den Preußen unterhandle, habe er die Geschichte mehrerer Festungen veröffentlicht, welche dem Feinde entschloffene« Widerstand geleistet, und auch die Artikel des Militärstrafgesetzbuchs abgedruckt, welche die Commandanten, die mit dem Feinde unterhandeln, mit dem Tode bestrafen... So, mit Uebergehung der unwichtigeren Punkte, das Ergebniß der Ver- Handlungen vom 14. und 15. Nov., in denen Bazaine und die Helden seines Generalstabs wie noch nie zuvor am Pranger ge- standen haben." Bei der bekannten und wirklich großartigen Verlogenheit un- serer denkervolklichen Presse werden zwar auch diese niederschmet- ternden Anklagen nicht ausreichen und sie wird fortfahren, ihre blauen Dünste steigen zu lassen, d. h. sie wird nach wie vor he- leicht von einigen Tagen mehr oder weniger abhing. Er, Zeuge, haupten, der Prozeß Bazaine sei nur ein Machwerk, bestimmt die habe persönlich in den fünf Cantonen, welche in einer Enffcrnung'„Gloire" der ftanzösischen Nation zu retten. Sei dem, wie es zaine in Scene gesetzt worden ist; aus seinem Verlaufe hat sich aber ergeben, daß der Marschall Bazaine in der That ein Ver- räther war und daß die glorreichen Siege von Metz eine sehr wohlfeile Errungenschaft sind. Und wenn die Franzosen, gestützt auf den Prozeß Bazaine, sagen, daß sie durch Verrath an's Messer geliefert worden seien, so haben sie gar nicht so sehr Unrecht. Und warum hat man in Berlin sich geweigert, preußische Offiziere im Prozeß Bazaine als Zeugen aufmarschiren zu lassen? Wer sich so wie die herrschenden preußischen Staatsmänner mit großen Er- folgen und siegreichen Schlachten brüsten will, der muß auch be- kennen, mit welchen Mitteln diese Siege und Erfolge errungen worden sind; sonst erscheint die Sache bedenklich. Oder was soll man von Jemanden halten, der nicht offen hervorzutreten wagt, wo seine Thaten und Handlungen im hellen Licht der Oeffentlich- keit erscheinen sollen? In der That, es wird immer schöner mit diesen„genialen Staatsmännern" und„glorreichen Kriegshelden" in Preußen. Kaum hat das Buch von Lamarmora die„Staats- kunst" Bismarcks durch Beweise aus seinem eignen Munde, von seiner eignen Hand, zum Tode verurtheilt, so kommt der Prozeß Bazaine und weist nach, ausf welch wohlfeilem Wege die„Helden- thaten" von Metz vollbracht worden sind. Die 50,000 Dcusschen, welche nach vcn 3 Schlachttagen von Metz vom 16—18. Oktober todt oder verwundet die zu annektirende Erde bedeckten, würden sie heute, falls sie noch in lebensvoller Rüstigkeit wären, noch ein- mal mit demselhen Eifer in's Feuer gehen, nachdem offenkundig, daß die„militärischen Triumphe" viel billiger zu haben ge- wesen sind? Wir glauben kaum! Es ist, wie Heine sagt:„die Thränen und die Seufzer, die kamen Hintennach!" So mögen die dcusschen MordSpattioten dem futschgegangenen„Schlachtenruhm" nunmehr nachweinen und nachseuszcn;und es will uns bedünken, daß man von nun an ganz andere Dinge wie Zündnadel und„stramme DiSciplin" als„wunderthätig" besingen muß. � — Statt daß der„Neue" die in Nr. 110 ihm unsererseits vorgehaltenen Thatsachen, die er vorher zu leugnen beliebte, ant- wortete, zieht er vor, in seiner Nummer vom 14. d. Mts. zu erklären, jeden Angriff gegen die„Eisenacher Bolkspartei" während des Wahlkampfcs einzustellen. Wahrscheinlich hofft er mit dieser Erklärung Gimpel in unfern Reihen zu finden, die auf den Leim gehen und seine Candidaten bei der Wahl unterstützen. Allein darin irrt er sich. Ob die Hasselmann und Hasenklever oder irgend ein paar Fortschrittler im Reichstage sitzen, ist für die sozialdemo- kratische Sache gleichgültig. Und für ein Blatt und seine Leiter, das heuchlerisch die brutalen Angriffe braunschweigischer Bauern auf einen unserer Parteigenossen bedauert, in seiner Nummer vor- her aber erst über eine gegen unsere Parteigenossen in Berlin ver- übte Sprengung berichtet, währenddem man fast in jeder Nummer deS„Volksstaat" von Prllgelscenen, die seine Anhänger veranstal- teten, lesen kann, haben wir nur die tiefste Verachtung. Unsere Parteigenossen werden unbeirrt durch das FriedenSgeflöte des„Neuen" am letzten Congreßbeschluß festhalten, überall selbst- ständig Candidaten aufstellen und bei engeren Wahlen sich einfach der Abstimmung enthalten. — Wie weit die Verbohrtheit der Jünger deS Harmonie- apostels Hirsch geht, darüber belehrt uns die neueste Nummer des „GewerkvereinS". Dort berichtet ein Herr A. Heinrich aus Burg über einen Vorfall,„der einen doppelten Erfolg unserer Vereint- gung konstatirt". Die Thatsache ist folgende: Vor Kurzem erstickte ein Mitglied deS dortigen OrtSvereinS der Fabrik- und Hand- arbeiter beim Reinigen eines Apparats in einer Fettfabrik. Der Arbeitgeber erklärte sich bereit, der Wittwe desselben 200 Thlr. Entschädigung zu zahlen; nach vielen Bemühungen eines andern Mitgliedes genannten Ortsvereins ist eS gelungen, diese 200 Thlr. auf 500 Thlr. hinaufzuschrauben, da man dem Arbeitgeber die Schuld nachwies; andernfalls werde die Frau durch den Verein in die Lage gesetzt, diese Angelegenheit gerichtlich zu verfolgen, da bei solchen Fällen das Haftpflichtgesetz in Kraft tritt. Wir behaupten nun, daß die Wittwe auf Grund einer richter- lichen Verurtheilung eine ungleich höhere Entschädigung würde erhalten haben, wie sie der Fabrikant freiwillig leistete, und daß der Fabrik- und Handarbeiterverein zu Burg korrekter handelte und das Interesse der Wittwe besser wahrte, wenn er der letzteren auf gerichtlichem Wege zu ihrem Rechte verhalf. Aber die Sucht, alles auf dem Wege der„freien Vereinbarung" zwischen Arbeit- geber und Arbeiter zu erlangen, macht sich bei diesen Harmonie- jüngern auch da gellend, wo die StaatSgesctze in höherem Grade ihr Interesse wahren. — Parteigenosse Brätter in Gera, früher Redakteur deS „Geraer VolkSfteund", ist wegen angeblicher Beleidigung eines Fabrikanten, sowie deS Justizamts, begangen in genanntem Blatte, zu sechs Wochen Gefängniß verurtheilt worden. — Wegen Abdrucks eine« Gedichts:„Erwache!" ist die„Süd- deutsche Volksstimme" in Mainz konfiszirt worden. — Der aus der„Frankfurter Zeitung" abgedruckte Artikel: „Die eigentlichen Schuldigen hinter den Coulissen" hat zur Folge gehabt, daß Gras Eulenburg, der sich al« preußischer Minister deS Innern an seiner amtlichen Ehre beleidigt fühlt, einen Straf- anttag gegen den„VolkSstaat" gestellt hat. Nachdem BloS erklärt, daß er die Verantwortlichkeit für den Artikel übernehme, ist gegen ihn die Untersuchung eingeleitet worden. BloS hat darauf bean- tragt, daß unsere gefangenen Parteigenossen Liebknecht und Bebel in dem Prozesse als Zeugen vernommen werden. — Damit wir nicht aus dem„Takt" kommen, hat auch der Commandant der Festung Weichsclmünde hei Danzig, Herr Overdyk, wegen zweier Artikel, die Festungshaft in Preußen be- ttefftnd(Nr. S6 und 98 des„Volksstaat"), gegen uns Anklage er- hoben. Wir haben heuer ein gutes Jahr. Gewerksgenossenschastliches. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Kannover. Den Mitgliedern bringe ich hiermit zur Kenntniß, daß da« Amt des Bevollmächtigten an August Lohmeyer, wohn- hast Roßmühle Nr. 8, überttagen ist. Fr. Sewing, Schriftführer. Vernn für Sattler und Berufscollegen. Mainz. Den College« diene zur Nachricht, daß wir am hiesigen Orte ein Arbeits-Vermittelungs-Bureau für unsere Branche errichtet haben, und zwar im Brauhaus zum Silberberg, Liebfrauen- platz. Wir ersuchen alle durch Mainz reisenden College«, sich direkt dorthin zu wenden. Die Reiseunterstützung für Vereinsmitglieder wird von Alex Hammel und K. Seidenberger ausgezahlt in der Eisenbahn- wagenfabrik der Gebrüder Gestell. H. Meister, Vertrauensmann. Correspondenzen. Löbau, 16. November. Der hiesige Consumverein ist mit de Gründung eines ArbeiterbildungSvereinS beschäftigt und zwar in der Weise, daß vorläufig bis auf Weiteres alle 14 Tage, Sonnabend Abend im Wettiner Hof, Vorträge gehalten werden; an den übrigen Sonnabenden sollen auf Wunsch Unterrichtsstunden oder Borlesungen aus Volksbildungsschriften stattfinden und erst dann, wenn diese Abende gehörig fteguentirt, soll mit der definitiven Gründung eines ArbeiterbildungSvereinS vorgegangen werden. Einige kurze Auszüge aus dem ersten Vortrag werde« genügen, um zu zeigen, was die Herren unter Volksbildung verstehen. Ddr Redner sprach über Volksbildung und meinte unker vielem Anderen; wobei er nicht vergaß das Petroleum zu erwähnen: Rurs wenn das Volk gehörig gebildet, könne z. B. die Präsenszeit beim Militär verkürzt und schließlich in Volksbewaffnung umgewandelt werden. Nur die schlechte Volksbildung sei Schuld, daß die com munistischen Ideen solche Verbreitung gefunden. Hauptsächlich seien es zwei Abwege, auf die eine schlechte Volksbildung führe: der ultramontane und der communistische. Nun, die Herren ver- breiten nach ihrer und wir nach unserer Art Volksbildung. Wollen sehen, wer's am Weitesten bringt. Konneöerg, 8. November. Für heute Abend war vom hie- sigen Arbeiterverein, im SchießhauSsaale eine öffentliche BolkSver- sammlung anberaumt, in welcher Herr W. B o ck aus Gotha als Referent auftrat. Die ftühcren Besuche der Herren Demmler (Juni) und Eckstein(August), welche in treffender Wpise die gegen- wältigen Verhältniffe der Arbeiter zu schildern wußten, hatten zur Folge, daß auch heute Abend nicht nur die Arbeiter, 7— 600, sondern auch Arbeitgeber in gehöriger Anzahl vertreten waren, Letztere nun wohl nur aus reiner Neugierde, denn wie überall, ist auch hier die Bourgeoisie keinenfalls vorurtheilsfrei. Um 9 Uhr kam Herr Bock erst mit dem Zuge hier an und eilte direkt von der Bahn ins Versammlungslrcal; ohne sich nur einige Ruhe zu gönnen, ging er sofort zur Behandlung der Tagesordnung über: 1)„Die soziale Frage", welche auch in verständlicher Weise erläutert wurde und den ungetheiltesten Beifall von Seiten der Arbeiter erntete. Ohne erhebliche Pause referirte Herr Bock hierauf über den zweiten Punkt:„Vertretung der Arbeiter im Reichstage", wobei er nicht unterließ, die„Tüchtigkeit" des Abgeordneten Las- ker, welcher im zweiten Meinirger Wahlkreis gewählt worden war, zu schildern. Bock verwarf die Kandidatur Lasker's und forderte die Arbeiter auf, endlich thatkräftig zu handeln bei der bevor stehenden Reichstagswahl, zum Schluß ersuchte er etwaige An- wesende, überhaupt alle Vertreter anderer Parteien, welche aus seine beiden Vorträge etwas zu erwidern hätten, sich ebenfalls öffentlich auszusprechen. Zu unserem Bedauern zeigten sich keine Gegner, obwohl fast die ganze Arbeitgeberschaft, sowie höchste Staats- und Gemeindebehörden anwesend waren. Ilebcrhaupt wurden die beiden Referate des Herrn Bock, außer durch häufige Beifallsbezeugungen, nur einmal unterbrochen und zwar von einem anwesenden Staatsdiener, welcher seinen LaSkersympathien durch ein„Lasker hoch!" Luft machte, was jedoch unbeachtet blieb Mitgliedern, so daß Sonneberg gegenwärtig circa 130 Partes genoffen zählt, denen jedoch(wir bitten die Herren Agitatoren dies zu berücksichtigen) das Vcrständniß für unsere Sache noch größtentheilS fehlt.— Außer für Sonneberg war ebenfalls Arbeiterversammlung auf Sonntag für Judenbach und Umgegend anberaumt, es mußte also Herr Bock trotz seines Sträubens uns gerecht werden und hier bleiben; dies zur Entschuldigung für sein Nichterscheinen bei der Gothaer Schuhmachergewerkschaftsversammlung. Sonntag, den 9. November, Nachmittags 3 Uhr, wurde die Versammlung in Judenbach eröffnet, die Arbeiter von dort und Umgezeud wareu so zahlreich vertreten, daß sie der ziemlich große Saal nicht zu fasten vermochte. Trotz der Anwesenheit von Pickelhauben be handelte Herr Bock die„Ärbeiterftage" in einer Weise, die ihm alle Ehre machte und die die Anwesenden zur völligen Begeisterung hinriß. Er schilderte die gegenwärtigen sozialen Produktions-Ver- Hältnisse schonungslos. Um das Unverständniß über die Be- strebungen unserer Partei und namentlich den Vorwurf, daß wir „allgemeine Theilung" wollten, zu beseitigen, wies der Redner auf unsre und auf die Ziele der Gegner hin und kam, wie in Sonvebcrg, auch hier auf die Reichstagswahl zu sprechen, wobei er ebenfalls zur Wahl von wahren Volksvertretern aber nicht a la Lasker aufforderte. Schließlich erklärte er Alle, welche nicht hier, sondern erst nach dem er Judenbach verlassen hätte, unter den Landbewohnern andere Ansichten zu verbreiten suchen würden, öffentlich für feige Ver- läumder und ersuchte alle Anwesenden, an dem eben Gehörten festzuhalten, und treu beizustehen einer Partei, die nur auf dem Wege der Wahrheit ihre Rechte verlange. Auch diese 1'/--stündige Rede wurde nur durch Beifallsrufe unterbrochen. Später forderten die Parteigenossen Friedrich Bernhardt und Heinrich Greiner zur Einzcichnung in die aufgelegten Listen sowie zum Abonnement auf den„Volksstaat" auf, welchen letzteren zu empfehlen schon Herr Bock nicht unterlassen hatte. Infolge dessen fanden auch vorläufig 20 Einzeichnungcn statt. Somit können wir in Juden- bach von heute an eine neue Mitgliedschaft begrüßen. Auf dem Rückwege nach Sonneberg hatte Herr Bock Gelegenheit, die Hegen unsere Partei ausgesprengten Verläumdungen auf seine ihm eigene kräftige Weise zu widerlegen. Indem wir Bock für seinen Be- such unser« besten Dank aussprechen und andere Agitatoren bitten, uns auf ihren Reisen zu besuchen, werden die Vertrauensmänner des zweiten Meininger Wahlkreises ersucht, mit Unterzeichnetem bezüglich der bevorstehenden Reichstagswahlen in Verbindung zu treten. Parteigenossen! Pflanzt überall unsere Fahne, die Fahne der Gerechtigkeit uud Wahrheit auf; auch der Landbewohner schmachtet nach Freiheit und wird sich mit Begeisterung um diese Fahne schaaren. Seid einig, furchtlos uud stark, dann ist uns der Sieg gewiß. Mit sozialdemokratischem Gruß Christian Greiner, Vertrauensmann. Schwab. Hmünd, 16. November. Aus Heidenheim läßt sich «in süddeutsches Winkelblättchen, welches in Aftersozialismus macht, WW berichten:„Der Referent der Volksversammluug vom 2. November habe Jesus von Nazareth als den ersten Sozialdemokraten hinge- stellt, und sei dann auf daS neue deutsche Reich übergegangen". DaS ist eine ganz erbärmliche Lüge. Referent schilderte die Ent- stehung des Sozialismus von Grund auS, kam auch auf die zrie- chischen und römischen Gesetzgeber vor Jesu Zeiten, dann auf das Wirken von Jesu von Nazareth selbst und auf seine Verfolgung durch die damals herrschenden Klassen und sagte, dies sei jetzt noch so, jede neue gerechte Idee werde von der herrschenden Klasse ver- folgt. Von da ging Redner, aber nicht wie der Herr Sudel- schreiber aus Heidenheim schreibt, auf das neue deutsche Reich über, sondern schilderte alle auf die gesellschaftliche Entwickelung ein- wirkenden Umstände bis zur ersten ftanzösischen Revolution und die sich seit jener Zeit immer mehr und mehr entfaltende Macht der Bourgeoisie, des sogenannten dritten Standes, welcher aber bei seinem ersten Auftreten schon den sogenannten vierten Stand öder daS Proletariat in seinen Falten barg. Alsdann schilderte Redner die heutigen gesellschaftlichen Zustände und kam dann auch auf das neue deutsche Reich zu sprechen; daß der Referent die „Sauhirten" geißelte, überhaupt der heutigen corrumpirten und corrumpirenden Presse stark zu Leibe ging, das will dem Herrn Sudelschreiber von Heidenheim nicht hinuntej, was beweist, daß er wahrscheinlich in zärtlichen Verhältnissen zu den göttlichen „Sauhirten" steht. Was das übrige dumme Zeug anbelangt, welches der Herr Sudelschreiber schreibt, so ist es um den kostbaren Raum des„VolkSstaat" schade, wollte man noch etwas hin- zufügen. Nur so viel möge gesagt sein: sollte der Referent wieder nach Heidenheim kommen(welches bald geschieht), dann möge der Herr Sudelschreiber seine Berichte wahrheitsgetreu abfassen und nicht lügest. Ueber besagten Herrn nebst Consorten können wir eine herrliche Blumenlese ihrer öffentlichen und geheimen Sünden darbieten und soll dieses in nächster Volksversammlung in Heiden- heim geschehen. Mannheim. Der„Süddeutschen Volksstimme" wird von hier geschrieben: „Am Allerstelentag erregte das Grab eines Proletariers ans dem hiesigen Friedhofe ein gewaltiges Aufsehen. Dasselbe war nämlich umstanden von einer Frau uud fünf kleinen Kindern, welche mit wehmüthiger Stimme riefen:„Wo ist unser Vater? Wer wird uns nun Brod geben?" Wer die Gruppe sah, wurde zu Thränen gerührt. Fragen wir nun aber, unter welchen Umständen der beweinte Arbeiter sein Leben verlor, so werden wir erst recht unangenehm berührt, denn wir haben cS hier mit einem Opfer der Bourgeoisbrutalität zu thun. Ter Verstorbene war mit seinem Arbeitgeber, dem Bauunternehmer Bauer, wegen rück- ständigem Lohn in Unterhandlung getreten und wollte den Bau- platz verlassen, weil er nicht mehr länger schamlos ausgebeutet werden wollte. Die Thüre Bauers war verschlossen, weshalb der Arbeiter, mit dem drei seiner Collegen, die ähnliche Unterhand- lungen zu pflegen hatten, erschienen waren, die Treppen wieder hinabstieg. Da plötzlich stürzte sich Bauer, mit einem spitzen Eisen bewaffnet, aus die nichts Arges ahnenden Männer und traktirte sie derart mit Schlägen, daß der Eine an den erhaltenen Wunden verstarb, während die drei anderen das Bett hüten müssen. Der Verbrecher befindet sich nun zwar in Haft, allein sür die unglückliche Familie des so feige Ermordeten sorgt Niemand." DaS ist die„beste der Welten"! Wien. Am 2. November tagte hier der sechste Telegirtentag der österreichisch- ungarischen Buchdrucker und Schriftgießer. Her- vörzuhebeu ist folgende Erklärung: „Die Pester Dclegirtcu, ebenso die Teligirten aus Agram, Debreczin und Szegedin geben Namens ihrer ungarischen Collegen die Erklärung ab, daß sie sowohl die Wiener, wie die übrigen Provinzcollegen gegenüber den feindlichen Agitationen des deut'ch- österreichischen Buckdruckerprinzipalvereins auf's Kräftigste unter- stützpn und zu schützen suchen werden;— setzen jedoch den Wunsch Simpson von Georgenburg, Hasselbach aus Magdeburg, Unruh-Bomst, von Stauffenberge, Schorlemer, daS sind nur Zwerge; WilckenS aus dem Herrenhaus Lacht die kleinen Gründer aus! Dies sind vierzig grab' und neun, Doch es sollen mehr noch sein! Brieflasten der Redaction. Arbeiter« Zeitung in New-Jork: Wir haben die letzten Nummern Eure? Blattes nicht erhalten. Schickt Dasselbe direkt an die Redaction des„Volksstaat". Von dem Artikel der„Freien Presse" in Brooklyn habm wir keine Notiz genommen. S. S. in Frankfurt: Den„Kaiser Wilhelm III." haben wir bereits entthront. Die andere Notiz soll berücksichtigt werden. Besten Dank. C. Z. in Pforzheim: Wir werden Herrn Dennig gelegenilich der Liste von solchen ReichSloten einverleiben, die bei„Geschäften" betheiligt sind.�DF. A. in Berlin: Brief an Sie folgt per Packet. Br. in Gera: Erbaltm. der Expedition. G. Hnrchs Toln Ad. 3. Qu. Thlr. 2 25, Schr. Thlr. 9 13. Kfr Hildesheim Schr. 2 Thlr. Mllr hier Schr. Thlr. 2 15. Mllr Gesan Schr. 8 Gr. Sdl Pausa Schr. Thlr. 13 5. Eons Dresden Schr. Thlr. 2 24. Mllr St. Micheln Thlr. 4 16. Ehrlch hier Schr. 21 Gr. Wlf Plauen Schr. 2 Thlr. Schmn Limbach Schr. 5 Thlr. Dr. Rß Selsingen Schr. Gr. 21 5. Wldstck Stade Ab. 4. Qu. Thlr. 1? 16, Schr. Thlr. 2 15. Holzarbeitergewerkschaft Stade Ann. 10 Gr. Arbeiterpartei daselbst Ann. 4 Gr. Fnk jr. hier Ana 6 Gr. I. EndrS Augsburg Schr. 20 Thlr. F. Wgnr Braunschweig Schr. Thlr Iii. Prßr Lindenau Schr. 3 Gr. Mchl Weilburg Schr. 9 Gr. Lst Eolporteur hier Schr. Thlr. 1 6. Arb.-Partei Elberfeld Ann. 5 Gr. L. Mjlotfch Neusalz Ungarn Ab. 3. Qu. Thlr. 1 21. Grnr Sonneberg Schr. 24 Gr. R. Mllr. Reichendach Ab. 3. Qu. Thlr. 20 25. Esntrt Würzen Schr. Gr. 28 5. Lsslmnn Pest Ab. Nov. u. Dez. 17 Gr. E. K. in Cassel: 14 Abonnenten, Ann. 4 Gr. Zum Reichstagswahlfoud. einen Ungenannten in Frankfurt a. M. 5 Thlr. Hbch. Genoffenschaftsbuchdruckcrei. Antheilscheine bez. Antbeilquittunzen erhielten ferner: In Ronsdorf: E. W. 2, A. Hgn. 3,>in Stötteritz: E. P. 10, in Erfurt: I. R. 2, E. F. 1, F. R. 1 Thlr. Ha blich.' Anzeigen zc. im klllltl*lT Während der Wahlbeweznng wird von der. Vit l y hiesigen Gesinnungsgenossen anstatt Flugschriften� ein Wochenblatt, „Der Volksvertreter", Organ sür die sozialdemokratischen Wahler des Wahlkreises Augsburgs herausgegeben. Dasselbe erscheint Freitag Abend, ist bei I. Endres� mittlerer Lech C 361, zu haben und kostet ä Exemplar 1 Kr. Wir ersuchen die Parteigenossen und Arbeiter von Augsburg und Umgebung um die weiteste Verbreitung desselben. Die Herausgeber. Samstag,-den 22. November: öffentliche I„Partei- Versammlung" in der Schützenhalle.— Das Rädere im„BolkSvertreier". Augsburg Arbeitszeit zu erreichen trachten. Ueber eine betreffs des Vereins- und Versammlungsrechts an den Reichstag zn erlaffende Petition wurde zur Tagesordnung übergegangen unter folgender Motivirung: „Da die Arbeiter bisher noch kein Wahlrecht haben, mithin im ReichSrathe nicht vertreten sind, so halten die anwesenden De- legirten eine Petition für zwecklos und gehen über den Antrag einer solchen in Betreff des Vereins- und Versammlungsgesetzes zur Tagesordnung über." Befchloffen wurde noch, einen ösi-rreichischenjind� einen ungarischen Gehilfenverein sür Buchdrucker und Schriftgießer zu gründen auf Grundlage der Statuten des deulsch-österreichischen Buchdruckervereins. Aößnitz im sächs. Erzgebirge. Bender am 11. November stattgehabten Ergänzungswahl von 4 Stadtverordneten und 5 Bürger-Ausschußmitgliedern hat die sozialdemokratische Arbeiter- Partei einen glänzenden Sieg davon getragen. Es wurden von den von ihr vorgeschlagenen Candidaten gewählt 3 Stadtverordnete, sowie der erste Ersatzmann und 3 Bürgerausschußmitglieder. Gewerksckaft der Manufalturarbeitcr. Vs-lllls Sonnabend, den 23. November, Abend? 8 Uhr: Versammlung bei Mowi«, Weberstratze 24a.— Vortrag de» Herrn Alt über den letzten Weberstrik. Alle Mann aus den Plag. E. Ficker, Vertrauensmann. Ärdenerverem Geselligkeit. ■Oityllltl Sonntag, den 22. d. M., von Abend« 7 Uhr ab: Gesellige Zusammenkunft mit Damen, im Saale des Hotel'S„Zur Nova", Grünebaumbriicke, 1 Treppe links Die Mitglieder werden um recht zahlreiche Bctheiligung ersucht. Gäste haben Zutritt._ Der Voeftanh. it it Sotzatdemokratlsche Arbeiterpartei. ■OlttflllU Montag, den 24. d. M., Abends 8 Uhr: Versammlung im Gasthause„Zum Vater Rhein", Huben- und Ledmgrubeustraffenccke. T.-O.:„Die RcichStagswahl". Vortrag, Diskussion und Fragen- beautworiung. Die Milzlieder werden aufgefordert, vollzählig und pünktlich am Platze zu sein und soviel al« möglich, Freunde und Bekannte mitzubringen. Nur durch Mitglieder eingeführte Gäste haben Zutritt. Der Vertrauensmann. Sozialdemokratische Arbeiterpartei. VMUll jtlU Die Mitglieder von Elberfeld und Barmen Werden ersucht, Sonntag, den 23.'November, Nachmittag« 5 Uhr, bei Herrn Kasper, Haspelerbrücke, zu erscheinen. Der Vertrauensmann. Soz.-dem. Arbeiterverein. Montag, d. 24. Nov., Abends 8 Uhr: Versammlung bei Hansch, Schaueuburgerstr. 14.— Tagesordnung: Bericht der Commisfion über das Vorgehen zur Reichstagswahl in Hamburg. Die Mitgliedskarten sind varzuzeigcu. Gründer— Volksvertreter. Merke Dir, mein liebes Kind, Wer die ärgsten Gründer sind, Die zugleich im Wortgefecht Kämpfen für des Geldsacks Recht. Dr. Miqnel führt den Reih'n, Ihm folgt Herr von Eckardstein, � „Unfern Braun" nur nicht vergeßt, Fürst von PutbnS, Herr Ujest, Graf Renard; der Ratibor Drängt sich ganz besonders jvor. Diesem schließen dann sich an: Münster, Lehndors und Maltzahn, Heyse, HanSmann, Handjery, Hasenclever, Holtz, Grand-Ry. Benningsen, Bernuth, Bonin, j Kardorff gleiche Stränge ziehn. Mit ElSner, Ehfoldt, Friedenthal, Herr von Unruh hat viel Qual. Polen schreiben sich mit i Bninski und Graf Kwilecki, Czartorysti und Lhskowfki, Potworowski und Chlapowski! Romberg, Rönne, Wedell nenn' ich, Onkel Speners Wehrenpfennig, Bamberger, AdikcS, Ambronn, Rittberg, Carolath, Prinz Biron, Patow, Hammacher und Buhl Sitzen all in diesem Pfuhl! ftrtitthitVit Gewerkschaft der Holzarbeiter. �/UlUlIUlk) Sonnabend, den 22. Novbr., Abends 9 Uhr: Versammlung im Lokale des Herrn Hansch, Schauenburzerstraße 14. �__«. Meudt. Ä