Erscheint in Leipng Mittwoch, Freitag, Soiintag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten m Buchhandlungen des In-».Auslandes. Filial-Expcditionen für die Bereinigten Staaten: F. Ä. Sorge, Boi 101 Hoboken, N. J. Wm. Lueders, 409 Maystr. Chicago, Jll. Peter Haß, 8. W. Corner Third and coatea str. Philadelphia. Der Volkskaat AuoiiücmciiiBpifis: Für Preußen incl. Stempel« steuer ül>,., Sgr., für die übrigen Teurschen Staaten 16 Sgr. pro Quartal. Monats- Ali oniiements werden bei allen Deutschen Postanftalten auf den Uten u. 6 ten Monat und auf den Zten Monat besonders an- genommen, im Kgr. Sachsen u-Hrzth. Sachj.-Altenbin'g auch auf den 1 teu Monat a 5", Sgr. angenommen. OrgandersozialdemokratischenArbeiterparteiundderinternationalenGetverksgenoffenschastcn Inserate, die Abhaltung von Partei-, Vereins- und Volksversammlungen, sowie die Filial-Sxpcditionen und sonstige Partei-Zlngclcgenheiten betreffend, werden mit 1 Sgr.,— Privat- und Vcrgnügungs- Anzeigen mit 2 Sgr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Nr. 117. Jireitag, 28. Hlovemver. 1873. In memoriam! Zum Gedächtniss! Ferre— Eossei— Bourgeois. Der 28. November 1871. Zur Crinneruuz an die Todtcn, zur Mahnung an die Lebenden drucken wir aus dem„Bolksstaat" vom 6. Dezember 1871 unverändert nachstehenden Bericht ab: I.Tie Rackr-Lrairn der Lersailler LrdrUNfShrlden.Icr zu:..Ich bin gleich zu Ihrer Verfügung, wir haben Zeit, lassen unserer Märtyrer abgedruckt; der eine ist von Rossel an sein° ' n'! Sie mied erst ankleiden!" und mit unerschütterlicher Ruhe brannte Familie: Tie Kcmmunemitglieder Kommandant Rossel, Finanzdele- girter Ferrs und Sergeant Bourgeois sind am 23. November .in Satory bei Paris, der Advokat Gaston Crcmicux am daraus I ivlgenden Tage in Marseille den Henkern zum Opfer gefallen. Ällc Bier starben den Tod von Heiden und getreu der Heber- zeugnng der sie gelebt haben.— Rossel und Ferie, erzählt der„Gaulvis", mußten das Schicksal, welches ihrer harrte, schon auS einer Förmlichkeit ahnen, die in dem Gefängniß unvermeidlich ist. Vorgestern r erlangte der Grefficr i Gerichtssekretär) von ihnen ihren genauen Civilstand; daraus mußten sie erkennen, daß eS sich um ihren Todtcnschein handelte. Auch traf Rossel sogleich seine Vorkehrungen. Dann < übergab er dem Geistlichen Hrn. Passa ein Exemplar feines Werk- chdus:„Die Vcrtheidigung von Metz und der Kampf auf's Aeußerste" mit der Widmung:„Hrn. Theodore Passa, Geistlichen des reformirten Bekenntnisses, alS Zeichen der Dankbarkeit und Freundschaft. L. Rossel." Wozu er noch folgenden Vers auS Hob(Cap. 4, V. 3) beifügte:„Siehe, du hast Viele unterwiesen und müde Hände gestärket." LouiS illathaniel Rossel war 27 Jahre alt; er stammt aus den Cevennen; fein Bater gehört der Armee an, feine Mutter ist eine Schottin, RamenS Campbell. Er hat zwei Schwestern; die ältere, 20 Jahre alt, ist ihm auffallend ähnlich; die jüngere zählt erst Zwölf Jahre und heißt Sarah. Am Freitag sah er in Gegenwart des GesängnißdirektorS und des Pastors die Seinen zum letzten Male; eS war eine herzzerreißende Scene. Der Bernrtheilte schloß Mutter und Schwestern an seine Brust; dann rief er, sich von! ihnen loßrcißend:„Nehmt sie! Nehmt sie! A», ich habe nur zwei Schwellepn!" Er verbarg sein Angesicht und seine Thränen, als der Vater ihn segnete:„Gott sei mit dir und behüte dich!" Ja wohl, Vater, antwortete Rossel. Gott sei mit uns und mit Euch! ..Wir werden morgen wiederkcmmen..." Morgen? fragte Rossel bedeutungsvoll ergriffen. In den letzten Tagen las Rossel das Buch über Richelieu von AouillcS, Karl XU. von Gustav Albersfeld, die Schriften von Calvin und Corneille, seinen Lieblingen, die Geschichte des dreißig- !iäh>igen Krieges von Sckillcr(in deutscher Sprache), die Gedichte dou Tennvson(gleichfalls im Original) und endlich-in altes Ge- bitbuch aus den Cevennen- Kriegen; außerdem beschäftigte er sich Mit einer vergleichenden Studie über die Arnicen der heutigen Zeit und jene auS der Zeit des Marschall Villars. Gern erging er sich noch in philosophischen und politischen Gesprächen mit seinem Äercheidigcr Albert Ioly/ wobei er die größte Seelenruhe und hciteikeit de« Geistes an den Tag legte. FerrS verkehrte zwar mit dem Abbö Folley, jedoch nur als Laien, jeden geistlichen Zuspruch wies er zurück. Sein eben- falls gefangen gehaltener Bruder ist in Geisteskrankheit verfallen. Auch fein Vater befindet sich auf den Pontons; seine Schwester war ebenfalls eine Zeit lang verhaftet und seine Mutter ist aus Verzweiflung im Irrsinn gestorben. Tie Schwester 'sparte sich von ihrer Handarbeit wöchentlich 20 Francs »b, um sie ihrem Bruder zu überbringen. Außer Rossel und Ferrv sollte die Exekution gegen Bour- toeejs vollzogen werden. Letzterer war ein Sergeant vom 45. Linien-Regiment, welchen das zweite Kriegsgericht wegen Desertion muh Theilnabme an dem Aufstand zum Tode verurtheilt hatte. Cr erfuhr zuerst, daß die Stunde des Todes geschlagen hätte; denn er befand sich nicht, wie Rossel und Ferrs, in dem Iustizgefängniß, sondern in den ChantierS, von wo man ihn schon um 4 Uhr ab- holte, um ihn mit seinen beiden Leidensgenossen zu vereinigen. Cr war sehr ruhig und verlangte nur eine Cigarrc für den Weg. Rossel schlief noch fest, als sein Bertheidiger Albert Joly in �ie Zelle trat, um ihm die verhängnißvolle Eröffnung zu machen. Hr. Joly mußte ihn zweimal beim Namen rufen.„Ach, Sie sind es?» sagte Rossel endlich, indem er seinen Advokaten erkannte. ..Also ist eS aus heute Früh?"„Leider ja!" antwortete Hr. Joly. „Weil eS denn fein muß!" rief Rossel mit entschlossenem Blick pnd fester Stimme. Er bat den Gefängniß-Direktor, noch einige Augenblicke allein sein zu dürfen; da ihm aber dieser bedeutete, daß eS ihm nicht mehr gestattet werden könnte, griff Rossel rasch nach seinen Sachen und kleidete sich an; sein Anzug bestand aus einem grauen Rock und Beinkleid, über welchen er einen dunNen Paletot zog. Da er bemerkte, daß Joly seiner Rührung nicht Herr werden konnte, warf er sich diesem mit den Worten in die Arme:„Verzeihen Sie mir mein Freund, Ihnen eine so traurige Sacke anvertraut zu haben, und beten Sce für mich!" Dann hatte er eine längere Unterredung mit dem protestantischen � l c u ■Ftriö sprang, als man ihm dieselbe Mittheilnng machte, rasch von seinem Lager; dem gleichzeitig eintretenden Abb� Folley rief Sie mich erst ankleiden!" und mit unerschütterlicher Ruhe brannte er sich eine Cigarre an und widmete sich seiner Toilette so auf- merksam und minutiös, daß darüber mehr als eine halbe Stunde verging. Dabei plauderte er mit feinen Wärtern, schenkte ihnen die Cigarrcn, die er, wie er sagte, nicht mehr würde rauchen können. Um den Geistlichen schien er sich nicht weiter zu beküm- mern; alle Versuche desselben, ihm den Trost der Kirche zn sp enden, wurden ignorirt.— Bourgeois endlich, den man nach einer besonderen Zelle gebracht hatte, verlangte zu essen, trank und rauckte. Familie: „Adieu! 28. November 1871. 5'- Uhr Morgens. Mein vielgeliebter Vater! Meine vielgeliebte Mutter! Meine theure Bella! Meine theure Sarah! „Adieu, adieu, meine Vielgeliebten, oder vielmehr auf Wieder- sehn! Ich danke Euch für all die Liebe, die Ihr mir bis zum letzten Augenblick erwiesen habt. Ich bitte Euch um Verzeihung, daß ich Euck nicht mehr und stärker geliebt Hab- und Euch ss viel Mühsal bereitet. Ich bin fest und guten MuthS. Ich umarm Um 6 Uhr nahm eine Schwadron Kürassiere und eine Brigade GcnSdarmen vor dem Gefängnißthor Stellung; drei Ambulance- Euch, ich umarme Euch von ganzem Herzen. wagen fuhren unter Escorte vor und bald öffneten sich die Pforten Euer Kind des Hauses. Zuerst trat Rossel festen ScbrittcSj heraus; er Rossel." hatte zu seiner Linken den Geistlichen und zu seiner Rechten einen!„er: a\ren® r HKirfLn' � � �'ff 7 � ten.'J?*? GenSdarmen, der seinen Arm an einer kurzen Kette gdfdsselt � reUfföS—: 3 �~ �-l war namltch v« U...W»«.u. u.. iiut«. iuiji.. avtni. ö 1 1 1. 1 j n i hielt. Er trug einen niedrigen Hut von schwarzem Sammet und° ein Lorgnon im Auge. Dann folgte Bourgeois in Begleitung des Abbs Folley, das Käppi auf dem Haupte und die Cigarre im Munde, endlich Ferr6, mit feiner kleinen Gestalt zwischen zwei GenSdarmen beinahe verschwindend. Die drei Wagen setzten sich in Bewegung und fuhren im Galopp nach der Ebene von Satorp, wo starke Truppenmassen unter dem Befehl des Obersten Merlin in einem ungeheueren Viereck aufgestellt waren. Um 7'/» Uhr gab der Oberst Merlin ein Zeichen. Die Trommeln wurden gerührt und der düstere Zug bewegte sich heran. Die Berurtheilten stiegen! mit festem Stritt aus dem Wagen und gingen mit ihrer Beglei- � tung in der Richtung deS Platzes, wo die drei ExekutionS-PclotonS „Mein lieber Herr Passa! „Ich beauftrage Sie, wenn einst die Partei, zu der ick gehalten habe, zur Macht gelangt und ihre Gegner mit Rache bedrohen sollte, von diesem Briefe Gebrauch zu machen, um ihnen*) zu sagen, daß ich in meiner letzten Stunde Diejenigen, welche die Ehre haben, die Freiheit zu vertheidigen, inständigst bitte, die Opfer nicht zu rächen. ES würde das der Freiheit und unser, die wir für sie gestorben sind, unwürdig sein. Ihr ergebener Freund L. Rossel. 28. Nov. 5'/» Morgens." Der letzte Brief Ferre's an seine Schwester lautet: aufgestellt waren; für Rossel sowohl als für Bourgeois waren die!„Meine geliebte Schwester! In einem Äugenblick werde ich Piquets aus ihren eigenen Regimentern(!) gebildet worden. sterben; mein letzter Gedanke ist an Dich! Suche zu erwirken, Eine lautlose Stille herrschte über dem ganzen weiten Plateau, daß man Dir meine Leiche hcrausgiebt, und Du wirst sie dann so als den Dreien daS Urtheil verlesen wurce. Jetzt giebt Rossel z» bestatten lassen, daß einige Freunde mich aus den Friedhof geleiten einer neuen Verzögerung Anlaß. Er verlangt zuerst, daS Feuer können. Ist sterbe treu meinen materialistischen Ueberjeugungeli, selbst zu befehlen, was man ihm versagt; dann wünscht er einen wie ich gelebt habe. Ich beklage Euch Alle, die Ihr zurückbleibt; ihm befreundeten Kommandanten zu sehen, der zugegen wäre und—°~:jt t-4-:c£4-----•-"• dem er noch einmal die Hand drücken wolle. Man macht ihn darauf aufmerksam, daß er damit nur unnütz die Todesqual seiner cfährten verlängere; er scheint dies einzusehen, denn er wirst rasch Hut und Ueberziehcr ab und läßt sich die Augen verbinden. Der Commandant de Crenitz entfernt sich von ihm, die Unter- offiziere des Pelotons senken ihre Degen und die Truppe feuert. Rossel fällt, wie vom Blitze getroffen, in seiner ganzen Länge auf waS mich betrifft, so hat mein Leiden' ein Ende und ich bin nicht zu beklagen. Ich küsse Dich ein letztes Mal. Th. Ferr6."' Ferner schrieb er an den KriegSministed: „Herr Minister! In einem Äugenblick werde ich todt sein; es liegt also kein Gnind vor, meinen alten Vater auf den Po»- tonS und meinen Bruder, welcher geisteskrank ist, in der Gefangen- schast zurückzuhalten. Ich bitte Sie daher, Beide meiner Schwester zu übergeben, welche allein Sorge für sie tragen kann. Ich grüße WW Th. An verschiedenen Orten— lesen wir im„Radical"— unt den Rücken; der Armee-Chirurg tritt heran und constatirt, daß er � eine Le che ist.. Der Sergeant Bourgeois hatte drei Kugeln in den Arm, eine An verschiedenen Orten— lesen wir im„Radical" in den Kopf und andere in den Leib erhalten; man mußte ihm hauptsächlich in den Vierteln Popmcourt und Charonnc waren den Gnadenschuß geben. Der mit dieser peinlichen Handlung be- mehrere große Werkstätten am Nachmittag des 23. geschlossen. A:S aufttagte Sergeant war so verwirrt, daß er zweimal ansetzen mußte, bie Arbeiter jener Häuser die Gewißheit von der am Morzeu um dem Veruriheilten ins Ohr zu feuern. stattgehabten dreifachen Hinrichtung erhielten, ersuchten sie ihre Ferr6, der sich die Augen nicht verbinden lassen wollte, siel Arbeitgeber um die Erlaubniß, diesen Tag zu Hause in Ruhe ver- nicht sofort, er blieb drei Sekunden lang aufrecht stehen und man bringen zu können. �Der� größte Theil der Arbeitgeber schloß sich mußte auch ihm�den Gnadenschuß geben. Sämmtliche Truppen dcfilirten jetzt an den Leichen vorüber; sie sollten an diesem war- nenden Beispiele sehen, wohin„Berrath" und„Disziplinlosigkeit" führen. Rosscl'S sowohl als Fcrrö'S sterbliche Reste wurden von ihren Angehörigen reklamirt, so daß nur Bourgeois auf dem Fried- Hofe Saint-LouiS seine letzte Ruhestätte fand.— Herr Seinguerlet, der den Kommunalsten bekanntlich nichts weniger als zugeneigt ist und natürlich ein Gegner Ferrv's war, schreibt doch in der„Frankfurter Zeitung":„ES scheint, daß Ferre'S Haltung bei der Hinrichtung, wie er dastand, die eine Hand in der Hosentasche, die andere an die brennende Cigarrc gelegt, den Truppen am meisten imponirt hat." Von den letzten Worten, die Rossel an seinen Frennd und Bertheidiger Joly richtete, verdienen einige der Vergessenheit ent- zogen zu werden:„Ich sterbe, sagte er, für die bürgerlichen Rechte des Soldaten. Frankreich ist jetzt eine Republik, aber merkt wohl und sagt eS Euren Freunden, wenn Ihr nicht vorher die Armee zerstört, wird diese Armee die Republik zertrümmern. Seit dem Staatsstreich ward die Armee zu einem Prätorianerheer umgc- von Herzen diesem Gesuche an.— Der Vater Rossel's erfuhr, wie die„Constitution" erzählt, die entsetzliche Neuigkeit von.einem Milchmann, der ihm in Versailles die tägliche Provision ins Haus zu bringen pflegt. Er eilt zu Herrn Passa, dessen Dienstmädchen ihm sagt, daß ihr Herr noch schlafe. Getröstet kehrt er nach Hause zurück; da tritt Herr Passa bei ihm ein und verkündet ihm tief erschüttert:„Ihr Sohn ist nicht mehr!"— Die Schandprcssc— napientlich der„Figaro"— konnte eS nicht unterlassen, die Märtyrer, deren Tod selbst von ihren an ständigen Gegnern mit Schmerz gesehen wurde, zu beschimpfen. So meldete daS genannte Blatt, zwei Hunde, die auf den Hügeln umherirrten, hätten sich auf den umsinkenden FerrS, wie auf ein ihnen verfallenes Wild, gestürzt und mit Gewalt verjagt werden müssen.— Ein Augenzeuge berichtet aber im„Radical", daß die beiden Jagdhunde eines der Hinrichtung von ferne beiwohnenden Herrn sich von diesem losgerissen hätten, als der Gnadenschuß aus Ferre loszefeucrt wurde, und, ihrem Instinkt folgend, nach der Richtung des Schusses gelaufen wären; die Hunde seien aber von bildet, die Partei des CäsariSmuS, die von derselben Zeit datirt, den Soldaten schon auS der Ferne durch Kolbenschläge zurück- ist auch heute noch trotz deS Widerwillens gegen den Exkaiser getrieben worden.. mächtig. Der Bund Beider wird die Republik zerstören, wenn DieS dre Details, soweit sie u»S vorliegen. Wir sind stolt Ihr».cht zeitig dafür sorgt, eine frcinationale Armee z» schassen." auf unsere Märtyrer. Wir sind stolz auf unsere Sache, die solche Als man ihm mittheiltc. daß Ferro gleickzeitig mit ihm den Tod Märtyrer hat. Am Tage deS Gerichts, wenn die besiegten Mörder erleide» sollte, sagteer:„Sonderbares Zusammeutr-ffeu!"(Rossel"" Namen ihre« Schlachtopfers R°s,el um Gnade flehn, wir: ivurde nämlich s. Z. in Anklagezustand versetzt in Folge eines Boll wlffen, was es sich selbst, waö es den Mördern und Berichts, den Ferr6 und Naoul Rigault an die.Kommune er- waS es den Ermordeten schuldig ist." statteten, weil Rossel gegen die Mitglieder der Commune ein Com-.) Nämlich der Partei; diese llngenauigkeit. welche sich im Original plott entworfen haben sollte.)_ befindet, erllärt sich zur Genüge ans den Umständen. Die Henker Im Pariser„Radical" finden wir mehrere AbschiedS-Briefe halten Eile. 4 Reichstagkwahl. In der letzten Sitzung des LundtazSwahl-AusschusseS wurde beschlossen, den Parteigenossen und Wählern deS 20. sächsischen Wahlkreises Zschopau, Gelenau-c. den Parteigenossen Wilhelm Liebknecht, derzeit auf Hubertusburg, als Kandidat für die ReichstagSwahl vorzuschlagen, und glauben wir damit den Wünschen der Wähler deS genannten Wahlkreises entgegengekommen zu sein, und giebt sich der LandeSwahl-Ausschuß der Hoffnung hin, daß die Parteigenossen und Freunde deS 20. Wahlkreises ihre Pflicht thun werden. Da von verschiedenen Seiten Anfragen betreffs der einzelnen Kandidaten und ihrer Wahlkreise an unS gelangt sind, so geben wir hiermit das Verzeichniß sämmtlicher Kandidaten und ihrer Wahlkreise, soweit dieselben von der Chemnitzer Landesversammlung, dem Parteikongreß in Eisenach und in Folge Rücktritt einzelner durch den LandeSwahl-AuSschuß in Borschlag gebracht sind. Wahlkreis: Kandidat: I. Zittau August Bebel, Hubertusburg. II. Lübau Wilhelm Liebknecht, HubertuSburg. III. Bautzen-Camenz Theodor Daschner, WermSdorf. IV. Neustadt- Dresden Wilhelm Liedknecht, HubertuSburg. V. Altstadt-Dresden I. Jakoby, Königsberg. VI. Dipvldiswalder-Plauen- scher Grund LouiS Eckstein, Waldheim. VII. BteißeN' Großenhain Richard Wolf, Chemnitz. VIII. Pirna-Stolpen Wilhelm Ufert, Weimar. IX. Freiberg- Oederan- Hai- nichen� August Geib, Hamburg. X. Waltheim-Döbeln A. Otto Walster, Dresden. XI. Würzen- Grimma August Bebel, HubertuSburg. XII. Stadt Leipzig August Bebel, HubertuSburg. XIII. Landbezirk Leipzig Johann Jakoby, Königsberg. XIV. Rochlitz Colditz Wilhelm Fink, Leipzig. XV. BUttweida-Fankenberg � Julius Bahlteich, Chemnitz. XVI. Stadt Chemnitz� Johann Most, Mainz. XVII. Glauchau-Meerane* August Bebel, HubertuSburg. XVIIl. Zwickau� JuliuS Motteler, Crimmitschau. XIX. Stollberg- Schneeberg � Wilhelm Liebknecht, Hubertusburg. XX. Zschopau Wilhelm Liebknecht, HubertuSburg. XXI. Annaberg Li. Engelhardt, Zwickau. XXII. Reichenbach i. B.* Theodor Uorck, Hamburg. XXlII. Plauen Hermann Albert, Glauchau. Die mit Sternchen gedruckten Wahlbezirke sind vom letzten Parteikongreß als offiziell festgestellt worden. An die Parteigenossen allerorts stellen wir das Ersuchen, so thatkräftig als möglich einzugreifen, zugleich aber vor Allem, was auf die Wahl und unsere" Agitation Bezug hat, Nachricht unter der untenstehenden Adresse anher gelangen zu lassen. Mit Gruß I. Auer, 1. Vorsitzender. A. Otto Walster, 1. Schriftführer. Briefe oder Sonstiges auf die Wahlen Bezügliches adressire man an A. Otto Walster oder I. Auer,„Dresdener Volksbote", große Brüdergasse 12, 2. In Einbeck ist Parteigenosse Dr. Kirchner als Kandidat für den Reichstag aufgestellt worden. Lindenau. Mittwoch, den 19. November fand hier eine schwach besuchte Volksversammlung statt, in welcher Nauert (Leipzig) über die ReichStagSwahlen und den Reichstag einen Vor- trag hielt. Ter Vortrag wurde gut aufgenommen und der schwache Besuch, der nur eine Folge der ungenügenden Bekanntmachung der Versammlung war, dürfte sich das nächste Mal in sehr zahl- reichen verwandeln. In ZSannbeim ist unser Parteigenosse Adolf Sabor in Frankfurt a. M. als ReichstagSkan.didat aufgestellt worden. chcrthain, 24.'November. 14. sächsischer Wahlkreis. Sonn- tag, den 16. ds. MtS. waren Parteigenossen aus Penig, Luvzenau, Wechselburg, Rochlitz, Geithain und Frohburg in NarSdorf bei- sammen, um über die Kandidatensrage zu berathen. Wir einigten unS dahin, den Parteigenossen Ramm in Leipzig in erster Lmie und Parteigenossen Ruvner in Chemnitz in zweiter Linie die Kandidatur anzutragen. Sollte Ersterer die Annahme verweigern, so erklärte sich Rübner bereit, die Kandidatur anzunehmen. Ramm hat die Annahme verweigert, mithin wäre Rübner als Kandidat zu proklamiren gewesen. Da aber Rübner wegen schwerer Er- krankung zurückzutreten gezwungen ist, ist unsere Wahl auf Fink in Leipzig gefallen, und hat sich dieser zur Annahme der Kandidatur bereit erklärt. Für Fink muß nun jeder Parteigenosse mit aller Kraft agitiren. Parteigenossen! Unsere Aussichten sind gut. Sind wir an Zahl auch schwach, so stehen doch eine starke Zahl Gesinnungsgenossen hinter unS, und eine kleine' kühne Schaar schlägt oft eine große. Rur frisch ans Werk. Wo noch kein Wahlcomits besteht, muß sofort ein solches gewählt werden. Jeder Ort muß einen oder mehrere Beitragsammler wählen, die jeden Arbeiter zur Unter- stützung auffordern, denn haben wir eine gefüllte Kasse, so ist uns der Sieg gewiß. Für daS Centralccmitö: G. Stahl. Politische Uckrsicht. — Die Komödie des„Culturkampfs" wird immer hei- terer. Während die„liberalen" Wasserkünstler sich lustig im Ocean der BiSmärckerei tummelten, haben die heimtückischen Ultramon- tanen ihnen die ganze am Ufer liegende Garderobe, ein Stück nach dem anderen, entwendet, und auch nicht das niindeste Fetzchen zu- rückgelaffen zur Bedeckung der Blöße. Da plätschern nun die ent- setzten„Culturkämpfer" rathloS herum und wissen nicht, wie sie anständig aufs Trockene kommen sollen, indeß die schändlichen Kleiderdiebe sich in daS gestohlene Gut eingehüllt haben, lachend ob des gelungenen Streichs! Ja, wie in aller Welt sollen die „liberalen Wasserkünstler" aufs Trockne kommen? Wie wieder in ihre alten Kleider? Da laufen sie(die alten„liberalen" Kleider) durch das Land auf ultramontanen Rücken, um ultramontane Bäuchclchen, an ultramontanen Beinen! Es ist schier zum Ver- zweifeln! Der„liberale" FlauSrock:„allgemeines Wahlrecht", der schon so trefflich« Dienste geleistet hat in den Wortkämpfen für daS neue Reich— er wärmt jetzt die kleine Gestalt des mephisto- phelisch grinsenden Windthorst; der hübsche Sonntagsfrack: Abschaffung deS ZeitungS- und Kalenderstempels, ist den Weg deS „liberalen" FlauSrockS oder FlausenrockS gegangen. Ter prächtige, noch so gut wie neue, weil noch nie gebrauchte Utberrock nebst Weste und Hose vom nämlichen Zeug:„Trennung des Staats von der Kirche",„Ministerverantwortlichkeit",„Unterrichtssreiheit" — hat daS nämliche tragiscke Schicksal gehabt;— kurzum, die unglücklichen„Liberalen" sind von ihrem perfiven Gegner voll- ständig ausgeplündert worden, und die Ultramontanen spreitzen sich nach Herzenslust in der„liberalen" Uniform, die sie für den parlanientarischeu„Culturkampf" angezogen haben. Sind das „Jesuiten"! Ein Bischen„politische Heuchelei", nun ja, die ist wohl erlaubt. Aber solch grausame, solch unverantwortliche Kriegs- lift— das geht übers Bohnenlied! Sollen diese Jesuiten doch sogar den JcsuitiSmus soweit treiben, daß sie Anträge auf— fallt nicht in Ohnmacht ihr„Liberalen"!— auf Steuererleichterung; Verminderung der Militärlast, einzubringen beab- sichtigen! DaS grenzt freilich schon an Hochverrath und— vielleicht hilft Stieber. Denn LaSkcr kann hier nicht mehr helfen. Wie groß die Verlegenheit der„Culturkämpfer" ist, erhellt am besten aus der Haltung der kulturkämpferijchen Zeitungen. Das Leiborgan deS Obergenerals im„Culturkampf", deS Fürsten Bis- marck, dem„Moltke"-Falck unterthänigst zu gehorchen hat, die „Norddeutsche allgemeine Zeitunjj", jammert darüber,„daß die antinationalc Partei alle Hebel in Bewegung zu setzen gedenkt, um die Situation zu ihren Gunsten auszubeuten, der Regierung Schwierigkeiten zu bereiten, und, fall« es nicht gelingen sollte, die Volksvertretung und die Regierung(wie höflich, die Bolksvertre- tung vor die Regierung zu stellen!) in einen Conflict(o Schrecken!) hineinzutreiben, so doch wenigstens die Aufregung und die Gährung in den Massen zu steigern, und durch solche Manöver das Wohlergehen Preußens und Deutschlands nach Kräften zu schädigen." Schrumm! Wenn das nicht gut für die Wanzen ist, dann wissen wir nicht was besser ist. Conflict! Schreckliches Wort, das jedem„reichsfteundlichen" reichSunterthänigsten Volksvertreter eine GanShaut bereitet! Und„Wohlergehen Preußens und Deutsch- lands nach Kräften schädigen",— hu! ist daS nicht eine gruselige Aussicht für ein patriotisches Gemüth! „Ersichtlich", fährt die„Norddeutsche" fort, nachdem sie diese erschrecklichen Gespenster beschworen hat,„ersichtlich verfolgen die von dem Abgeordneten Windthorst-Meppen im Namen der ultra- montanen Fraction eingebrachten Anträge und Interpellationen die eben angedeuteten Ziele. Unserer Ansicht nach ist der Plan deS Hrn. Windthorst und seiner Gesinnungsgenossen zu durch- sichtig, als daß irgend ein besonnener, sein Vaterland liebender Mann um der liberalen Phrasen(!) willen, durch die Hr. Windt- Horst zu ködern sucht, sich auf das schlüpftige Terrain verleiten lassen sollte, welches nur zur Anbahnung eines ConflictS auserlesen ist. Die übereinstimmende Haltung der gesammten national-gesinn- ten Presse gestattet darüber kaum(bloß kaum? liebe„Norddeutsche"?) einen Zweifel, daß Hr. Windthorst im Hause selbst mit seinem Plan Fiasko machen wird: Die ultramontane Partei ist zu be- kannt und durchschaut, als daß die Besonnenheit(!) hoffen könnte, aus dieser Hand eine Gabe der Freiheit und des Glücks zu er- halten. DaS alte Sprüchwort ist auf allen Lippen(der mit„Be- sonnenheit" ausgestatteten„Culturkämpfer"): Wenn Zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe." Bravo, du Norddeutsche Culturkämpferin! Wenn Stieber- Wagener- Bismarck und Windthorst dasselbe thun, ist eS nicht das- selbe. Nur auS Stieber-Wagener-Bismarcks Hand kann„eine Gabe der Freiheit und des GlückS" kommen! Ebenso amüsant sind die Auslassungen der„Elberfelder Zei- tung", der von der„Norddeutschen" das Zeugniß ausgestellt wird, sie sei„bekanntlich eins der bedeutendsten nationalliberalen Blät- ter". Das Elberfclder Orakel läßt sich also vernehmen:„Die natioualliberale Mehrheit des Hause« ist, soviel man hört, durch- aus entschlossen, aus sachlichen Gründen zur Zeit eine Anwen- dung deS directcn Wahlrechts bei den LandtagSwahlen abzu- lehnen, und wird es ihr schon deshalb sehr leicht(!) werden, in dieser Frage mit den gemäßigt(und nicht gemäßigt) konservativen Fractioneu deS Hauses und der Regierung(Fractionen der Regie- rung! Für diesen Sprachschnitzer— denn daS Elberfelder Blatt wollte sagen: und mit der Regierung— kann der Chef des! Reptiliensonds sich bedanken) im Einvernehmen zu bleiben. Die ultramontanerseitS gehoffte Disharmonie aller dieser Factoren(die Nationalliberalen„Factoren" neben der Regierung? O heilige Einfalt!) wird daher anläßlich dieses ErisapfelS kaum(auch bloß „kaum"?) zu Tage treten.(Aber doch vorhanden sein— im Dunkeln, liebe Elberselderin?) Vielleicht erleben eS die Ultramon- tanen sogar, daß die gemäßigteren Elemente der Fortschrittspartei sich aus OpportunitätSrücksichten(!) diesmal(bloS diesmal?) von dem radikalen(daß Gott sich erbarm'!) Prinzip abwenden, und mit der Majorität gegen den Antrag(d. h. gegen ihr eigenes Prin- zip!) stimmen." Als ob den„Ultramontanen" ein Schabernack gespielt wäre, wenn ihre Gegner sich in der von den Ultramontanen ge- stellten Falle fingen! Am spaßhaftesten aber ist„Tnkel Spener", der nachzuweisen sucht, die Ultramontanen seien inkonsequent mit ihren Anträgen, geriethen dadurch in Widerspruch mit ihren eigenen Prinzipien, in Conflict mit dem Papst.„Während Pius IX. in der Encyklika die Meinung als„Wahnsinn" bezeichnet, daß die Gewissens- und Cultusfteiheit ein jedem Menschen eigenthllmlicheS Recht sei, und daß die Bürger vollständige Freiheit haben müßten, ihre Gedanken durch Wort und Schrift zu offenbaren, stellt der klerikale Hr. Bernards einen Autrag, durch welchen der Preßfrciheit, jener„Frei- heit deS Verderbens" zu Hülfe gekommen und der Druck der Stempelsteuer von der Presse genommen werden soll. Während Pio IX. im SyllabuS den Jrrthum verdammt, als bestehe die Autorität„im numerischen Gewicht und in der Summe der ma- teriellen Kraft", und es einen Zustand der Finsterniß und der Unvernunft nennt, daß der durch die sog. öffentliche Meinung oder in anderer Weise geosfenbarte VolkSwille daS höchste Gesetz bilde, beantragt Hr. Windthorst das allgemeine directe Wahlrecht, daS „numerische" Kopfwahlrecht an Stelle der Bevorzugung des Be- sitzeS(von Ochsen, Eseln, Schafen ,c., also deS Ochsen-, Esel- rznd Schaf-WahlrechtS an Stelle deS menschlichen„Kopfwahl- rechtS"! Welches Verbrechen!), und der Bildung(bewiesen durch den Besitz von Ochsen, Eseln, Schafen-e.!), welche in dem preu- ßischen Dreiklassenwahlsystem trotz all seiner Mängel immer noch enthalten ist." Genug. Nachbarin,.Euer Fläschchen! Wir sind einer Ohn- macht nah! Dieser unfreiwillige Humor ist von niederschmetternder Wirkung. Do riäieuls tue! Das Lächerliche tödtet, sagen die „verkommenen" Franzosen— wenn auch in etwas anderem Sinn. Hab Erbarmen mit uns, Onkel Spener! Vergegenwärtige Dir doch die Situation! Die Ultramontanen sind nicht„liberal". Das steht fest wie die Sonne. Indem sie„liberale" Anträge stellen, versetzen sie sich in Widerspruch mit ihren eigentlichen Prin- zipien. Das steht ebenfalls fest wie die Sonne. Weshalb aber Dich darüber erbosen, Onkelchen Spener? Warum die Schäker i nicht beim Wort nehmen? Warum ihnen nicht den gestohlenem „liberalen" Strick um den Hals werfen? Wenn es Dir Ernst ist mit dem„Liberalismus", wie kannst Du unzehalten werden, wein er Dir so unverhofft aus dem Präsentirteller dargeboten wird» Greif doch zu! Over ist es ein größerer Widerspruch mit de« ultramontanen Prinzipien, liberale Maßregeln vorzuschlagen,! als mit liberalen Prinzipien, liberale Maßregeln zu verwerfen? Lieb Onkelchen, um Antwort wird gebeten. — LaSker hat geholfen. In der„Deutschen allgemeinen Zeitung" vom 23. d. lesen wir d. d. Berlin, den 21. November: „Die Nationalliberalen haben gestern einstimmig die Ableh- nuna des Antrags(Windthorst'» auf Einführung des allgemeine» Wahlrechts) beschlossen, und zwar nach einem längeren und mit großem Interesse verfolgten Vortrage Lasters über die gesammte innere Situation. Der Antrag Windthorst's wurde nach drei Seiten hin charakterisirt: als Angriff gegen die Regierung(Huhu!), als provozirendes Wahlmanöver(Hu!) und als Versuch, Spaltunz in die liberale Partei zu bringen(Huhu!). Der Redner wie« nacb, wie die Liberalen mit sich selbst(!) in Widerspruch gerathe» würden, wenn sie zu rechter Zeit(!) nicht für das Prinzip des- allgemeinen Wahlrechts eintreten würden, wie aber die jetzig! Session mit ihren gewichtigen Aufgaben für die innere Oraanisa- tion gar nicht dazu angethan sei, an solche staatsrechtliche Frage» heranzutreten. Man möge daher seitens der Fraction iu ein� materielle(!) Beurtheilung der Frage zur Zeit gar nicht eintreten sondern den Antrag sofort durch Tagesordnung beseitigen DieS wird auch der muthmaßliche Ausgang der Debatte am Mitt-j woch sein." Unzweifelhaft. Aber ebenso unzweifelhaft, daß Hrf Lasker seiner bedrängten Partei in einer Weise geholfen hat, die! ihm Windthorst'S Dankbarkeit auf ewige Zeiten sichern wird. Wal wollte Windthorst mit seinem Antrag? Die Unehrlichkeit de* LiberaliSMuS an den Tag bringen, der Welt offenbaren, daß die politischen Hanswurste, die auf Bismarck« Befehl in Culturkamv!' machen, nichts anderes sind als die bedientenhaften Crea uren ihret reactionären Herrn und Meisters. Und diese relluetio ad adzutt dum des kulturkämpfcnden Liberalismus hat Freund Lasker durt seine obigen Ausführungen mit einer Gründlichkeit bewerkstelligst daß Windthorst gar nicht nöthig hat, ein Wort beizufügen. E» braucht nur auf die LaSkcr'schen Erklärungen hinzuzeigen, die keine« CommentarS bedürfen. Will er aber reden, nun, so hat er e« leicht:„Ihr„liberal"? Ja, das schwatzt von Liberalismus, uatl verwirft eine liberale Maßregel von fundamentaler Wichtigkeit. bloß weil der sie befürwortende Antrag einen Angriff auf die Re- gierung enthält. War größere Servilität je erhört? Das schwätz! von Liberalismus, und verwirft den Liberalismus, weil er ei» „Wahlmanöver" sei! Aber was schadet das denn? Sucht ni« jede Partei sich vor den Wahlen im schönsten Licht zu zeigen? Warum diese Angst vor einem„liberalen" Wahlmanöver? Jhk „Liberalen" habt wohl Sehnsucht nach reactionären Wahl' manövern? DaS schwatzt von Liberalismus und venvirft de« Liberalismus, weil er Spaltung in die liberale Partei bringe! Wer, unglücklicher Lasker, hat Dich dieses Wort gelehrt? Em u« bestritten liberaler Antrag soll Spaltung bringen in die„libßi rale" Partei! Kann man die liberale Partei vernichtender ken« zeichnen? Und das faselt von Liberalismus, und erdreistet sich den Ultramontanen gegenüber die Fahne der modernen Cultur z> schwingen! Fort in die Bismarck'sche Lakaienstube!" — Skandal! Wir lesen in preußischen Blättern: „Bekanntlich sind in dem pommerschen Wablbezirke Stolpfl Lauenberg-Bürow die bisherigen Vertreter von Denzin und vo« Gottberg nicht wiedergewählt, vielmehr sind die von der regierung«! freundlichen Partei als Kandidaten aufgestellten StaatSministel Deldrück und Achenbach als Sieger aus der Wahlurne hervorg«? gangen. Gegen die Gültigkeit dieser Wahl ist jetzt von den G« stnnungsgenossen der Herren von Denzin und von Gottberg bei« Abzeordneteithause ein Protest eingegangen, welcher demnächst au� zur Verhandlung kommen wird. In dem Protest wird u. A. b« hauptet, daß von der Regierung zu Köslin ganz außerordentlich Anstrengungen gemacht worden sind, um die Wahl der bisherige« Abgeordneten zu verhindern, und daß durch in's Werk gesetzt! Wahlagitationen ein sehr erheblicher Druck auf die Abstimmuq ausgeübt worden sei. Der Regierungspräsident von Kainptz Haff den Stolper Kreis bereist und im Hause eineS Gutsbesitzers, wetz chen er Behufs Wahlbesprechung besucht, in Gegenwart verschi« dener Gutsbesitzer offen und im offiziellen Tone erklärt, daß da! StaatSministerium die Wahl der Herren von Denzin und vo« Gottberg, und namentlich des letzteren— derselbe ist bekanntlm wegen seiner Unwillfährigkeit, die Kreisordnung nach den Inten tionen der Staatsregierung auszuführen, als Landrath zur DiSpa sition gestellt— als eine feindliche Demonstration und Kriegsei klärung ansehen müsse, und daß der Stolper Kreis sich wohl üb« legen möge, ob er so etwas thun wolle; denn bei etwaigem a! den Kreis heranttetenden Geldbedarf würde derselbe auf irgew eine Subvention Seitens der Staatsregierung allsdann nicht« rechnen haben. Eine ähnliche Aeußerung habe der Präsident v« Kamptz dem Landrath a. D. von Gotlberg selbst gegenüber gl than, um ihn im Interesse seines frühere» Kreises zu einem Ve» zichte auf seine Kandidatur zu bewegen. Diese im amtlichen Toi gemachten Aeußerungen hätten im Wahlkreise eine große Oeffein lichkcit erlangt und nicht verfehlt, auf die Abstimmung erhebliff einzuwirken." DaS ist stark. Solcher groben Wahlbeeinflussunzen macht ma sich also in Preußen schuldig, trotzdem man hinter dem urrea tionären Dreiklassenwahlsystem verschanzt ist, welches Bismarck selb ein schlechte« Machwerk genannt hat. Und im Landtag hat d Abgeordnete Berger(Witten) mitgetheilt, daß ein Herr vi Hymmen in seiner Eigenschaft als Landrath und Wah kommissar gegen die Wahl Eugen Richters agitirt habe, ws Richter ein Gegner der Abschaffung der Grund- und Gebäud steuer sei. Wahrlich, wer zu solchen Mitteln greisen muß, u den„Culturkampf" durchzufechten, und doch 83 Schwarze in di Landtag bekommt, der muß keinen festen Grund unter den Flißi haben. Nebenbei bemerkt sind wir nicht begierig wie andere Blättt ob die preußische Regierung die unverschämten Wahlbeeinfluss „absetzen" wird. Sie wird es nicht thun, schon deshalb nick weil sie das größte Interesse daran hat.Jdaß solche Dinge geschehe und weiter besagt ja der Protest im Abgeordnetenhause ganz den lich, daß die Wahlbeeinflussungen in Pommern auf Anordmtt der Regierung geschehen sind. Also haben nur getreue Knech ihre Pflicht gethan! — An wie viel Götter glaubt Fürst Bismarck? I der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom vorigen Fr« tag spielte der bekannte Kathollkenführer Mallinckrodt auf d im Lamarmora'schea Buch dem deutschen Reichskanzler in dl Mund gelegte Aeußerung an,„daß auch der allmächtige Gott ml unter feine Launen habe". Der Abgeordnete Braun(„unse« Braun)„korrigirte" das Citat, indem er den Ausspruch des Fürst« ! dahin angab:.„De Dien des batailles a quelguekois ses ci jprices". Zu deutsch: der Gott der Schlachten hat manchmal sei« �Launen. Dazu bemerkt das Bismarcksche Leiborgan:„Der Untfl fcbteb ist einleuchtend." Darnach ist der Gott der Schlachten ein anderer Gott, als de�. gewöhnliche Gott. Sintemalen nun der gewöhnliche Gott allmächtig und allgegenwärtig ist, und keine an- dcrn Götter neben sich duldet, sind wir zu der Annahme genöthizt, daß Fürst Bismarck nicht an den gewöhnlichen Gott glaubt, der nur Einer sein kann, sondern an verschiedene Götter. Und in den zehn Geboten im lutherischen Katechismus heißt es doch:„Tu sollst keine anderen Götter neben mir haben." Es wäre verdienstlich, wenn die„Norddeutsche" uns die verschiedenen Götter Bis- marcks aufzählte. Zu dem Gott der Schlachten bekommen wir dann vielleicht einen Gott des Grllnderthums, einen Gott der Polizei, einen Gott des Reptilienfonds, einen Gott des Annecti- vens, einen Gott der politischen Heuchelei, einen Gott— doch möge sich Jeder die Liste selber vervollständigen. — Moderve Folter. Nach Freilassung deS Factors Sie- gert(der bekanntlich wegen verweigerten Z-ugeneidS längere Zeit in Haft gehalten wurde) meldete die„Kölner Zeitung", die Frei- lassung sei aus ausdrücklichen Wunsch deS„altkatholischen" Bischofs Reinkens erfolgt, von dem der bezügliche Prozeß angestrengt worden ist. Gegenüber dieser Mittheilung, die von vornherein einer Reklame für Hrn. Reinkens sehr ähnlich sah, schreibt die «Deutsche Reichszeitunz", zu deren Druckerperfonal Factor Siegert gehört:„Die Entlassung ist bloS deswegen verordnet worden, weil die Haft eines die Aussage verweigernden Zeugen nur bis zum Schluß der Untersuchung statthaft ist; der Schluß der Untersuchung war aber mit der erfolgten Verweisung der Beschuldigten vor das Zuchtpolizeizericht eingetteteu." Also wenn die Untersuchung, was sehr leicht möglich gewesen wäre, noch länger gedauert hätte, wäre Siegert auch noch länger in Haft gehalten worden. Da nun Untersuchunzen in Deutschland auf Jahre hinaus in die Länge gezogen werden können, ist es demnach ins Ermessen der Richter gestellt, jeden beliebigen Staatsbürger, der die Zeugenaussage ver- weigert, auf Jahre seiner Freiheit zu berauben. Und daß sich die auf juristischem Gebiet unbeschränkt herrschende Bureaukratie aus der„öffentlichen Meinung" nichts macht, dafür haben wir Beweise genug. Dieser Zwang greift weit mehr in die indivi- duellen Freiheiten ein, als die sogenannte Ohrenbeichte, d. h. der Zwang, einem Pfaffen mitzutheilen, welche„Sünden" man begangen hat. Diese Unterlassung der Ohrenbeichte wurde und wird nur mit Verweigerung'der„Absolution", d. h.„Vergebung" der Sünden, bestraft; die Verweigerung de« Zeugnisses kann mit be- liebiger Haft geahndet werden. Der ganz- mittelalterliche Psaffen- spuk mit Inquisition, eiserner Jungfrau, Daumschrauben und son- stigen lieblichen Dingen, steht ganz auf der gleichen„Culturstufe" mit dem modernen System der Folter und der Vergewaltigung im neuen Reich. Es giebt bei unS Verhältnisse, bei welchen man nicht nach dem Jahrhundert zu ftagen braucht, in welchem man lebt, und bei so einem ächten preußischen Bureaukraten ist auch schwer zu unterscheiden, ob er auS dem 14. oder 19. Jahrhundert stammt. _ In der zweiten sächsischen Kammer wurde dieser Tage darüber verhandelt, ob die L-hrergehalte aufzubessern seien oder nicht. Man sollte eS nicht glauben, aber eS ist doch so— eS fanden sich mehrere vvrsündftuthliche Abgeordnete, welche es un- verhohlen auSspracben, daß eine Aufbesserung der Lehrerzehalte gar nicht am Platze sei. Da trat ein Abgeordneter auf— Penzig ist der Name diese?„humanen" Manne«— der da entdeckte, daß alle Klagen über schlechte Bezahlung der Lehrer übertrieben seien, wenigstens die jungen Lehrer hätten ein besseres Auskommen, als die Studirten, die Kaufleute u. s. ro. Die Handarbeiter hätten aber keine Stellvertreter in der Krankheit, keine Alterszulagen, keine Pensionskassen. Die Vortheile des Lehrerberufes solle man nicht vergessen. Die Lehrer seien eben so gut wie andere Stände bezahlt, kein anderer Stand habe so viel Erholungen und Ferien; „die Lehrer heirathen aber zu zeitig, während andere junge Leute bis zum 28. und 30. Jahre warten müssen. Möchten doch die Lehrer»n der Eheschließung Vorsicht und Entsagung üben" Mit einer solchen krassen Unwissenheit über staatliche und gesellschaftliche Verhältnisse zu sprechen würde sich der letzte Arbeiter schämen, und wenn ein Schuljunge in solcher Weise wie Herr Penzig der Natur Gesetze vorschreiben wollte, würde ihm der Lehrer„Vorsicht" und„Entsagung" empfehlen. Warum hat der Herr Penzig nicht beanttagt, daß ein Gerichtshof für Ehe- Verhinderung eingesetzt werde? Die Menschen sind schlecht, nicht wahr Herr Penzig, aus der Eheschließung entspringen Men- s-ben; sonach ist die Eheschließung der Urquell alle« Schlechten. Nicht wahr, das ist Ihre Logik, Herr Penzig?— Damit eine derartige Weisheit zu Tage gefördert wird, muß das Volk diesen „Berttetern", deren Werth auf 10 Thaler direkte Steuern abge- schätzt ist, täglich so und so viel Thaler Diäten bezahlen. Und diese Herren„Volksvertteter" haben zu den Ausführungen des Herrn Penzig nicht etwa bedenklich die Köpfe geschüttelt oder ihn in den Arm gekniffen, um sich zu überzeugen, daß er nicht etwa im Traume spreche, sondern sie haben ihm Beifall geklatscht. Und der Herr Penzig hat den Beifall auch angenommen. Wir meinen, das Licht, das den sächsischen Lehrern hier aufgesteckt worden, dürfte sogar die Finsterniß jener harten Schädel durch- dringen, auS welchen jene Unkenrufe in der„Allgemeinen deutschen Lehrerzeitung" herstammen. Sogar die Träger dieser Denker- schädel müssen begreifen, daß nicht unser- Agitation es ist, welche die Lehrer zur Sozialdemokratie hindrängt, sondern ihre traurigen Verhältnisse, welche dadurch hervorgerufen werden, daß diejenigen, welche den„StaatS-Brodkorb in Händen haben, denselben stetS höher hängen, entgegen allen Anforderungen unserer Zeit. Und insofern können wir dem Abgeordneten Penzig sogar dankbar sein. Und noch einS: der famose Satz des Herrn Penzig:„Kein anderer Stand hat so viel Erholungen wie die Lehrer" wird doch nicht darauf hinauslaufen, daß etwa andere„Stände", Landstände viel- leicht, sich gegenüber den Lehrern zurückgesetzt fühlen und eine Lohnerhöhung verlangen sollten? Da könnten wir Ihnen nicht Helsen, Herr Penzig; die Leute sollen„in der Eheschließung Vor- ficht und Entsagung üben"! — Der parlamentarische FroschmäuSlerkrieg in Versailles hat vorläufig seinen Abschluß damit erhalten, daß der Jammer- Held Mac Mahon, als Politiker so groß wie als Militär, auf 7 Jahre lang mit der„Dictawr" betraut worden ist Wie lang diese 7 Jahre dauern werden, bleibt abzuwarten. So lange die Katze fort ist, tanzen die Mäuse auf dem Tische herum, und die Katze, da» Volk, liegt irr Frankreich noch blutend am Boden, und läßt sich nicht absehen, wann die Wunden geheilt sein werden. Apropos, ein Pariser Telegramm faselte von militärischen Sicher- heitsmaßregeln gegen die Arbeiter. Die Ueberlebenden der Commune haben wohl Lust, für den..Heldengreis" Thiers zu den Waffen zu greifen, der vor dritthalb Jahren 40,000 ihrer Brüder abschlachten ließ? si bete!(So dumm sind sie nicht!) — Ein Pariser Reptilienblatt,„le Frangais"(der Franzose) schreibt über eine angeblich-„Verschwörung" zu Lyon: „An der Spitze der Verschwörung, deren Zweige sich nicht �nur >nach St. Etienne und Genf, sondern bis nach Barcelona aus- �dehnten, steht ein ehemaliger Arbeiter, Namens Camet, eines der hervorragendsten und thäiigsten Mitglieder der Internationale. Camet hatte schon in Barcelona ein französisches Blatt unter dem Titel:«I-a Solidaritö revolutionuaire" herausgegeben und in Lyon, Saint-Elienne und Genf ein ausschließlich aus Arbeitern be- stehendes„revolutionäres ActionS-Comitö" gegründet, welches im gegebenen Augenblick die Volksmassen anführen und unter dem Rufe:„Es lebe die Commune von Lyon!" einen Aufstand her- beiführen sollte. Das Programm dieses Comitö's verurtheilt das individuelle Eigenthum und jede andere StaatSform als die „Anarchie"; es will an die Stelle der Gesetze und des Richter- standes ein Volkstribunal, an Stelle der Steuern eine Taxe sauf das bewegliche und unbewegliche Vermögen legen, die Kirchengüter consisciren und die stehende Armee abschaffen." Das Ganze ist offenbar ein Polizeimärchen, das mit einem Schwall bakunistischer Phrasen verziert ist. Die„Interna- tionale", von welcher hier die Rede ist, kann nur die bakunistische „Alliance" sein, in deren Interesse auch die„Lolidarite revo- iutionnaire" redigirt worden ist. Die Phrasen„Anarchie" und „Abschaffung jeder Staatsform" bestätigen dies in wirkungsvoller Weise. Es ist indeß eine Thatsache, daß diese ungeheuerlichen Phrasen der Bakunislen keinen andern Zweck haben, als den Phi- listern ein gelindes„Gruseln" zu verursachen, dann aber auch hinter denselben die Scheu vor jeder revolutionären Handlung zu verstecken, die in Spanien so evident zu Tage getreten ist. Die französischen Stieber wissen jedenfalls sehr wohl, daß die ba- kunisrischen Großmäuler der bestehenden„Ordnung" nicht gefähr- lich sind und um so trefflicher läßt sich deshalb obige Schauer- und Polizeilegende benutzen, um dem„guten Bürger" das rothe Gespenst an die Wand zu malen. Es ist wieder ein Leichenduft vom tobten Bakunin. — Thiers in Guano. Mit dieser Ueberschrift veröffentlichen Berliner Blätter folgende Notiz:„In der letzten Sitzung der an- thropologischen Gesellschaft in Berlin zeigte Professor Virchow die photozraphische Abbildung zweier auf den bekannten Guano- inseln neuerdings ausgegrabenen hölzernen Götzenbilder, welche kurioser Weise genau den Gesichtstypus eines großen Staatsmanns der Gegenwart, Thiers', darstellen. Die Gesellschaft konnte sich einer ziemlichen Heiterkeit darüber nicht erwehren, zumal da die Herstellung der Götzenbilder in eine vorgeschichtliche Zeit zurück- versetzt werden muß." Das ist wirklich ein interessanter Fund, namentlich für die Anhänger der PrädestinationSlehre(Lehre von der Vorherbestimmuug), die dadurch eine bedeutende Stütze erlangt. Man möge nur die Ausgrabungen auf den Guanoinfcln fortsetzen, vielleicht findet man in dem Koth noch andere Bilder von„großen Staatsmännern" der Gegenwart. — In Spanien hat sich das von den bürgerlichen Demo- kraten erwartete Wunder nicht ereignet: Castelars Zunge hat weder die Carlisten noch die Jntransigenlen hinwezzeleckt. Die Actien der letzteren sind im Gegentheil wieder im Steigen und scheinen ernstlicde Versuche gemacht zu werden, die Bewegung nach Cata- lonien zu tragen und ihr Barcelona als Mittelpunkt anzuweisen. FigueraS scheint in die Sache verwickelt. Sollte der Versuch gelingen, so kann Hr. Castelar sofort seine Koffer packen, und die amerikanische Zeitungskorrespondenz, der er nach seinem EinKitt ins Ministerium so tragikomische Thränen nachweinte, wieder auf- nehmen. Was die Carlisten angeht, so wurden sie neulich zum so und so vielsten Male„vernichtet" befinden sich dabei aber so wohl, daß sie den Spieß umdrehen, und ihrerseits die Castelar- schen„vernichten" konnten— natürlich auf dem Papier. Der Wetitamxf im Lügeubulletinschreiben ist der einzige Kampf, der von den Carlisten und Castelar'schen ernsthaft, mit„blutigem Ernst" bettieben wird, und es entwickelu dabei beide Theile ein solches Talent, daß es unmöglich zu entscheiden ist, welcher die Palme verdient. Vielleicht beschleunigt der Conflict mit den Bereinigten Staaten die in Spanien unvermeidliche Krise. Lange kann's in der bis- herigen Weise nicht mehr fortgehen. Innere Partei-, Berwaltungs-»nd Organisations- Angelegenheiten. Nachbenannte Orte sind neu angemeldet und in die Partei- Organisation eingereiht worden: Griesheim bei Darmstadt, Ver- trauensmann Jakob Stelz; Unter-Weissig(Sachsen), Vertrauens- mann K.H. Fichtner; Treuenbrietzen, BerttauenSmann August Köbler. Für Geyer ist Wilhelm Morgenstern, für Apolda H-rm. Mangner als Vertrauensmann neu angemeldet und bestätigt worden. �. Heute wurde an die Verttauensmänner em auf die Aglta- tionS nummer bezügliches Circulär versandt. Demselben waren neue Abrechnungsformulare, in welchen eine Rubrik für den Parteiwahlfond enthalten ist, beigefügt. Um rechtzeitige Ein- sendung der Parteisteuern und sonstigen Parteigelder für Monat November wird dringend ersucht. Die Restanten von Octo- der und September werden in einigen Tagen im„VolkSftaat" durch Nennung der Ort- laut tz 7 der Geschäftsordnung an ihre Pflichten erinnert werden. Hamburg, den 24. November 1873. Der Ausschuß. I. A.: R. Praast. Aug. Geib, RödingSmarkt 12. meiner Meinung dies nicht VerbesserungS- sondern Verschlechterungs- Vorschläge sind, und man in dem halben Jahr, bis wohin unge- fähr die Generalversammlung nock hinausliegt, Erfahrungen machen wird, welche, auf thaffächlicher Basis beruhend, als Grundlage zu etwa nöthigen Abänderungen benutzt werden können und müssen. ES handelt sich nach mein-x Auffassung einfach darum:„annehme« oder ablehnen," dazwischen giebt es nichts. Statuten-AbänderungS- Vorschläge im„BolkSstaat" zur Besprechung bringen, führt unS einfach in das, seiner Zeit von Herrn v. Schweitzer beliebte Fahr- wasser, abgesehen davon, daß der„Volksstaat" zu noch wichtigere« Sachen benutzt werden muß als zu Besprechungen über Statuten- abänderungen, auch beim besten Willen eine vollständige Klar- legung der verschiedenen Ansichten auf diesem Wege absolut un- möglich ist. Zur Sache selbst habe ich darauf aufmerksam zu machen, daß, wenn man das Wort„unverschuldete" streicht, man dadurch der Zügellosigkeit Thür und Thor öffnet, denn wie oft kommen die unsinnigsten Wetten namentlich mit Essen, Trinken, Kraftproben-c. in den Werkstellen vor, und in Folge dessen tage- ja wochenlanges Krankenlager; außerdem giebt es auch Zank- und Skeitsüchtize, welche leicht durch ihr Verschulden in Schlägerei gerathen; Neu- gierige, die bei Einzügen gekrönter Häupter, Paraden, Fackelzügen:c. sich unsinniger Weise ins Gedränge begeben und dort leicht Schaden nehmen können u. s. w. Zweitens: Läßt man den BeiKitt zur Krankenkasse für jedes Alter bis 6 Monat nach Constituirung der Kasse frei, so warten Viele mit ihrem Beikitt, um erst zu sehen, wie die Kasse reüssirt und treten erst im letzten Augenblick der Gewerkschaft sowohl als der Kasse bei, verzögern dadurch die Eon- stituirung der Kasse, während sie andernfalls sofort beitreten würden. Drittens: Ohne Eintrittsgeld Mitglieder aufnehmen und dieselben sofort zur Erhebung von Krankengeld berechtigen, ist geradezu ein Nonsens, denn denken wir uns den Fall: heut tritt die Kranken- lasse in's Leben, Niemand hat einen Pfennig Beitrag oder Ein- trittSzcld bezahlt, eS werden aber in derselben Woche 10 Mitglieder krank, wir müssen also 40 Thlr. zahlen, woher nun nehmen ohne zu stehlen? Außerdem kosten Bücher, Stempel, Statuten u. s. w. auch Geld, ein Reservefond soll auch geschaffen werden; wovon? Viertens: Es ist leicht möglich, daß z. B. ein verheiratheter Kollege in der schlechten Zeit 10 bis 12 Wochen wenig oder gar nichts zu thun hat, das Wenige, was er noch nach dem Pfandhaus zu tragen hat, reicht nicht einmal zur nothdürftigen Ernährung der Familie; eS erscheint also sehr hart, denselben mit zwei Monat Restbeikag zu strecchen; dies wäre gerade ein Punft, der gründlich auf der Generalversammlung zu besprechen wäre, und will ich deshalb keine weitere Bemerkungen dazu machen. Fünftens glaube ich, daß ein Patient im Krankenhaus- auch kleine Bedürfnisse zu bestreiten hat, z. B. die Beschaffung von Schnupftabak, Zucker, Butter u. f. w., Artikel, die wohl selten oder nie in einem Krankenhause den Patienten seitens der dortigen Verwaltung geliefert werden; auch erscheint es mir fraglich, ob unsere Krankenkassen-Verwaltung be- rechtigt ist, Vormund für daS im Krankenhause befindliche Mitglied zu spielen, resp. die Revier- und Hospital-Kranken mit zweierlei Maß zu messen. Indem ich mich im Großen und Ganzen den Ansichten der Nürnberger Kollegen anschließe, ersuche ich die Mitglieder unserer GewerkSgenossenschaft, sich meinen Vorschlag reiflich zu überlegen, da es besser ist, wir versprechen weniger und leisten mehr, als wir versprechen viel und leisten wenig; die Hauptsache ist: controlliren wir mit aller Strenge ohne Ansehen der Person, dean bei einer Kassenv:rwaltung die Humanität auf die Spitze treiben, heißt die Kasse ruiniren; streng aber gerecht sei unser Wahlspruch. Ich verzichte auf weitere Auslassungen unv Anführung bier vorgekommener Fälle und bemerke nur, daß bei der hiesigen großen Schneidergesellen-Krankenkasse durch strenges Controlliren mindestens jährlich 300 Thlr. der Kasse erhalten worden sind, trotzdem da» Krankengeld damals pro Woche nur Iffi Thlr. betrug. Handhaben wir die Controlle streng, dann, aber nur dann, werden wir die sich etwa einschleichenden faulen Elemente, Simulanten u. f. w. bald wieder beseitigen, und die Kasse lebensfähig und allen gerechten Ansprüchen Genüge leistend, erhalten. In der Hoffnung, daß die große Mehrzahl der Mitglieder meinem Vorschlag zustimmen und daSs Statut en blov annehmen wird, zeichne mit sozialdemokratischem Brudcrgruß und Handschlag A. Reim an n, alte Jacobstraße Nr. 6. Verein für Sattler und Berufsgenossen. Stuttgart. Die Herberge für Sattler und Berufsgenossin befindet sich CarlSstraße Nr. 16 Gasthaus zur deutschen Fahne. Jeden Abend ist ein Ausschuß-Mitglied anwesend, um die zuge- reisten College» über den Stand der Arbeit zu unterrichten. Je- den Samstag Abend Versammlung im Vereinslokal Restauration zur Stadt Gaildorf(Ecke der Sophien- und Gerberstraße). Storz, Berkaucnsmann. Gewerksgeuossenschaftliches. Allgemeiner deutscher Schneidervcrein. Aerkin, 20. November. Die von den Braunscbweiger und Gothaer Kollegen vorgeschlagenen Abänderungen resp. Ergänzungen zu unserem Krankenkassen- Statut veranlassen mich, meine persönliche Meinung, und ich glaube auch die der Berliner Mitgliedschaft, und vorzüglich der Kommission, welche das Statut entworfen, hiermit auszusprechen. Zuerst erlaube ich mir zu bemerken, daß grade genannte Kommission auS Kollegen bestand, welch- jahrelang sowohl die große Schneidergesellen-Krankenkasse zu B-rlm verwaltet als auch im Ausschuß der qu. Kasse gesessen haben und noch darin sitzen; daß daher wohl eine genaue Kenntniß des Kranken- Kassen- wesens den Betreffenden nicht abzusprechen ist, indem Mängel und Uebelstände bei einer Mitgliederzahl von circa 4000 so mannig- faltiger Art sich herausstellen, wie die« bei einer kleinen Kasse nur selten vorkommt. Ich halte es für daS zweckmäßigste» wenn das Statut en bloc angenommen würde, ohne erst vorher Ber- besserungsvorschläge nochmals zu debattiren und darüber abstimmen zu lassen,(was, beiläufig bemerkt, eine Anomalie wäre) da nach Korrespondenzen. Leipzig. Wir erhalten folgende Zuschrift: An die Rcdaction deS„Volksstaat". Betreffs des im Leipziger„Tageblatt", Nachkag, datirt 7. Oktbr., enthaltenen Schriftstücks erklärt Sectio« I der Internationalen Arbeiter-Assoziation zu New-Uork hiermit: 1) Es giebt in New-9)ork kein„internationales Vigilanz- Comitv", und beneiden wir auch Leipzig nicht um da» feinize in der Person deS p. p. Rüder. 2)„In Rivington-Street, New York" befindet sich kein SitzunzS- lokal unserer Organisation, auch keine Niederlage von PeKoleum, soweit unS bekannt. 3) DaS beregtc Schriftstück„An Rüder, Polizeidirector in Leipzig" rührt in keiner Weife von Section I der Internationalen Arbeiter-Assoziation zu New-Uork und geht nicht von derselben auS; die unterzeichneten Namen sind, soweit sie korrekt, ohne jede Berechtigung und Auftrag benutzt; im Interesse deS internatio- nalen Schwarzbuches aber machen wir den p. v. Rüder darauf aufmerksam, daß die erwähnten Namen, soweit sie Mitglieder dieser Section vorstellen sollen, sämmtlich ungenau und entstellt sind. 4) Unter der„Presse der ganzen civilisirten Welt" hat unsere Assoziation eine nette Anzahl von Organen, deren sich diese Sectio« zu ihren Kundgebungen bedient, ohne sich deshalb an ein Bourgeois- blatt, wie die„Brooklyn Freie Presse" wenden zu müssen. New-Hork, 3. November 1873. Section I der Internationalen Arbeiter-Assoziation zu New-Uork. Im Auftrage derselben: C. Babing, Vorsitzender der Versammlung, A. Henninger, korresp. Secr., G. Speyer, Protokoll. Secr., A. Straß er, Schatzmeister. �»«s dcr sächsischen Abertausitz.(Nach einer Corresxoudcnz der„Fr. Zeitung", das sächsische Mecklenburg.) Kamenz, 21. Ncv. Heute bin ich in der Lage, den Lesern des„Vclksstaat" ein Pröb- chen von Dem zu liefern, was man hier gegen die Sozialdemo- kraten zu Wege bringt. Ein saubexer Anonymus begiebt sich auf da» leicht einzunehmende Terrain der„Tr. N." vulgo Tr.„Stadtklatsch", und nachdem er mehrere Purzelbäume in der sozialen Frage geschlagen(von der er— beiläufig bemerkt— so viel zu verstehen scheint, als wie Ochsen vom Seil'anzen), bringt er folgende Schmiererei fertig: „Wie tiefe Schädigungen das Umsichgreifen des Sozialdemo- kratismus unter der an sich ja braven und achtungswerthen Ar- beiterbevölkerung auch unseres engeren Vaterlandes hervorgebracht, haben Tausende bemerkt und mit Bedauern verfolgt. Unlust zur Arbeit, Haß gegen AlleS was Besitz hat, Partcifpaltungen unter sich selbst, sind die Früchte» die ihren bitteren Geschmack bis in die Familien der bethörten Leute tragen. Da ist es denn nicht gering zu achten, wenn bier und da auch aus dem Kreise der Ar- beitcr heraus, dem gefäyrlichcn Gaste kräftig die Thlire gewiesen wird und ein Mann, wie der Tuchmacher-Altgcselle Wilhelm König in Kamenz, durch Wort und That in besicrer Erkenntniß Hunderte oder Tausende seiner Kameraden auf dem vernünftigen und ehren- vollen Wege zu erhalten vermag. Als etwa vor IahrcSfnst auch in der dortigen Gegend die Sozialdemokraten ihre Lehren zw predigen begannen und ein stuchttragendes Feld zu bauen ver-! suchten, da trat er mit schlichten aber kräftigen Worten auf und! er fand Gehör bei der Arbeiterbevölkerung. Die Folge ist, daß! der„BolkSstaat":c. nur äußerst wenig in dortiger Gegend gelesen! wird, daß ein gutes Verhältniß zwischen Arbeitgebern und-Nehmern ungestört geblieben ist, und daß die Arbeiter ihrem Berufe nicht! verdrosicn, sondern mit Lust und Liebe nachgehen. Der wackere Altgeselle der Kamenzcr Tuchknappen muß aber auch mit Biederkeit am guten Alten halten, denn schon 22 Jahre ist er ununter- brechen in der Tuchweberei des bekannten Tuchfabrikanten Wilhelm Noßki? beschäftigt." WaS man im vorstehenden Artikel am meisten bewundern möchte, ist die bodenlose Frechheit, mit welcher der saubere Anony- mus zu lügen versteht. Also, der Tuchmacher-Altzeselle Wilh. König in Kamenz ist ein Mann, welcher Hunderte oder Tausende seiner Kameraden auf vernünftigem, ehrenvollem Wege zu erhalten vermag?— Mag dahin gestellt sein, waS Sie, Anonymus, sich unter„vernünftig" und„ehrenvoll" denken, aber wenn Sie unfern früheren Alt- Siesellcn, von dem Sie so viel Wesen machen, nur einigermaßen enntcn, konnten Sie doch fast unmöglich mit der Dreistigkeit lügen, wie Sie eS gcihan haben. König ist ganz bestimmt ein braver Arbeiter, war aber einer derjenigen Altgesellen, die sich ihrer Funktion am wenigsten gewachsen zeigten; da« kann nun König durchaus nicht zum Vorwurf gemacht werden, denn jeder machtS eben so gut, als erS vermag. Auffällig ist jedoch, daß gerade König von uuserm Anonymus unter feine unsauberen Fittige ge ncmmen wird. Da nun unser Anonymus bei der Person Königs längere Zeit verweilt, sehe ich mich gegen meinen Willen genöthigt, ein Gleiches zu thun. König trat voriges Jahr selbst der sozialdemokratischen Ar- beiter-Partei bei, kam später seinen Pflichten als Parteigenosie nicht mehr nach, weil, wie er sagte, nicht Alle mitmachten, und die Sache so ihm zu lange dauere; aber wicherholt hat König'in Arbeiterkreisen seine Uebereinstimmung mit den Grundsätzen der Sozialdemokratie ausgesprochen; wenn nun König nicht immer konsequent bleibt, so zeigt das eben von schwankendem Charakter, was denen um so weniger auffällt, welche König näher kennen, zu welch Letzteren Schreiber diese« sich rechnet. Nun ein Hauptpunkt. In Kamenz sind im Ganzen kaum ein paar Hundert Tuchmackergesellen und von einem besonderen Ein- fluß Königs auf dieselben ist mir nie Etwas bekannt geworden.— Fragen Sie selbst die Kamenzcr Tuchmachergesellen, vielleicht in einer Versammlung, da können Sie reinen Wein eingeschenkt be- kommen.— Doch das werden Sie sauberer Patron wohl bleiben laffen.— Wie nun gerade König„Hurder'e", ja„Tarsende" — warum nicht gleich Hunderttausende?— seiner Kameraden ans vernünftigem, ehrenvollem Wege erhalten soll, ist nicht ersichtlich; ist auch, Anonymus paffen Sie auf, wenn nicht durch Gottes! gnädige Fügung ein ganz großes Wunder passirt, rein unmöglich. — Nun zum guten Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und -Nehmern.— Davon wissen gerade die Kamenzer Tuchmachergdsellen ver- schieden« Lieder zu singen; Proben davon gelegentlich.— Heute nur das: In neuester Zeit sind die hiesigen Tuchmachergesellen sämmtlich, also auch König mit, an ihre Arbeitgeber mit einem Gesuch um Lohnausbesserung eingekommen und haben bis jetzt nicht einmal eine schriftliche Antwort bekommen. Wenn man bedenkt, daß der durchschnittliche Lohn der hiesigen Tuchmacher- gesellen nicht mehr als wöchentlich 2. Thlr. 2ö Gr. beträgt bei einer annähernd bestimmten durchschnittlichen Arbeitszeit von 12 Stunden täglich, so kann man sich, denke ich mir, ein unge- sähreS Bild machen von dem-.Ahto" Einvernehmeu zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Wenn die Arbeiter unzufrieden sind, ist das ihre Sache, Anonymus, verstanden?— Die Unzufriedenheit ist aber erklärlich, Anonymus, sintemalen viele Arbeiter trotz aller Arbeit und Schinderei, durch die Verhältnisse gezwungen, ein Leben führen müssen schlechter als reicher Leute Hunde. Und diese Arbeiter zu fühlenden und denkenden Nkenschen zu machen ist die Ausgabe der Sozialdemokratie.— Seien Sie überhaupt nicht so voreilig, anonymer Zeilenschmiercr, von wegen der Er- folge der Sozialdemokratie in hiesiger Gegend. Aufklärung ist die Losung. Vor der Austlärung in Arbeiterkreisen scheint aber das Gelichter Ihres Schlages höllischen Respekt zu haben; nun es mag'sein; aber Sie wissen vielleicht am besten, warum man sich so entsetzliche Mühe giebt, uns große Versammlungen unmöglich zu machen, und auch sonst kein Mittel verschmäht, auch nicht jesuitische, Anonymus, um die Aufklärung, welche allein die Arbeiter auf ver- nünstige, ehrenvolle Wege zu leiten vermag, zu hintertreiben. Wenn die Arbeiter gehörig über die Absichten des Gelichters Ihres Schlages aufgeklärt sind, werden sie schon vernünftige, ehren- volle Wege finden und der Presse den Rücken kehren, welche die Arbeiter systematisch mit Schmutz bewirst.— Nu» für Austlärung soll gesorgt werden; ein tkebrigeS besorgen die Verhältnisse, aus welche Sie, wenn ich nicht ganz irre, gerade so viel Einfluß haben als ich.— Ihrer Passion, Bocksprüuge auf sozialistischem Gebiet zu machen, mögen Sie vorläufig noch nachgehen, denn„jedes Thierchen hat fei» Plaisirchen". Doch wäre es wünschenswerth, daß Sie in Zukunft ohne den verbergenden Schild erbärmlicher Gift spritzender Feiglinge, der Anonymität, auf dem Kampfplay erscheinen. Mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag I. K. Mendt. lill. Tie geehrten Redaktionen derjenigen Parteiblätter, welche sich mit dem Citat beschäftigt haben, werden gebeten, von Vor- stehendem Notiz zu nehmen. D. O.! Aerkin. Seitdem Napoleon vom Throne gestürzt ist und die Franzosen von der„an der Spitze der Civilisation marschirenden" zur„verkommenen" Nation dezradirt sind, wallfahrtet der inter- nationale Bettelorden begeisterter Journalisten nicht mehr nach Paris, sondern nach Berlin, um einem anderen Genialen die Schuhsohlen zu lecken. So bringt die„Nordd. Allgemeine Ztg." „Ideen Civinini's über Deutschland" an der Spitze des Blattes. „Wenn die Waffen Preußens den großen Gedanken der deutschen Einheit materiell verwirklicht haben, so ist dem die Vorarbeit einer intellectuellcn Thätigkeit vorauSgegangon, welche mit Leibniz begann und bis zu unseren Tagen fortgeführt wurde." Leibrnz würde vor Scham über das Compliment dieses Keatz- füßlers erröthen. Wie wenig bieser für seine Zeit so bedeutende Gelehrte, der 1716 zu Hannover starb, mit dem Machwerk der Bismarck, Molike und Stieber zu schaffen hat, geht aus seinen „Neuen Versuchen über den menschlichen Verstand" hervor. Da heißt es:„Die Besten von denen, die sich zu der jetzt herrschenden Lehre bekennen, haben kein anderes Prinzip als das, was sie„Ehre" nennen. Das einzige Merkmal aber eines anständigen Mannes und eines„Mannes von Ehre" bei ihnen ist— daß er sich keine Niedrigkeit, was sie nämlicki darunter verstehen, zu Schulden kommen läßt. Wenn jed-ch Einer um der Machtvcrgrößernng willen oder aus bloßer Laune eine Sündfluth von Blut vergießt, wenn er Alles über den Haufen stürzt und das Unterste zu obcrst kehrt, so rechnet man dies für nichts, ja ein Herostral*) unter den Alten gilt ihnen als Held. Wenn man sich noch von dieser exid emischen Geisteskrankheit bessert, so wird man vielleicht diesen Uebeln vorbeugen können; doch wenn die Krankheit immer weiter um sich greift, so wird die Vorsehung die Menschen durch die Revolution selbst, welche daraus entstehen muß, bessern." Scheint es doch, als wären diese Worte heute erst und nicht schon 1701 geschrieben. Jener Herr Civinini, der die Leibniz'sche Wissenschaft zum „Grundstein" des preußischen SäbelregimcntS und Leibniz zum „Vorarbeiter" des„CulturkampfS" erniedrigen will, scheint mir ein TypuS jener Sorte von schamlosen Bettlern und Schmeichlern zu sein, denen die Geschichte nur dazu dient, um sie zu fälschen und aus dem gefälschten Material die„Berechtigung" des herrschenden Systems herzuleiten. Wir kennen diese Burschen! chcra. Das Ergebniß des Prozesses gegen unseren Partei- genossen Brätter, den Redakteur des nun eingegangenen„Geraer VolkSfteund", hat der„Volksstaat" bereits erwähnt. Brätter ver- theidigte sich vor dem Krcisgericht persönlich und zwar, wie die amtliche„Geraer Zeitung" sagt,„mit Gewandtheit und in geläufiger Sprache", wie das„Norddeutsche Wochenblatt" berichtet,„sehr ge- wandt"; mit welchem Erfolge, werden wir bald sehen. Zum Be- weise seiner Behauptung über die Brutalität und Inhumanität in der Morand'fchen Fabrik, heißt es in dem Wartcnburg'schen Or- gan, führte er u. A. an, daß ein Mädchen, welches fünf Minuten lang auf dem Appartement gewesen war, um 10 Sgr. gestraft wurde; als das Mädchen sich hierauf auf dem Comptoir beschwert hat, wurde sie von einem Stuhlmeister blutig geschlagen(!). Em anderes Mädchen, das zwei bis drei Thlr. Lohn wöchentlich hat, jährlich also eirca 130 Thlr. verdient, wurde in einem Jahre mit zusammen 2S Thlr. Strafe(Stück- und OrdnnngSstrase) belegt. Die Fabrikordnung, welche die Pflichten, wir wissen nicht, ob auch Rechte der Arbeiter enthält, wird in der Fabrik Morand u. Co. den Arbeitern nicht, wie man zu erwarten berechtigt ist, in die Hände gegeben. Dieselbe ist vielmehr einem Buch eingeheftet, in welches die Arbeiter nach Durchlcsung der Ordnung ihren Namen eintragen müssen. Außerdem hängt die Fabrikordnung, welche in dem Artikel eine Scharteke genannt wird, in einigen Exemplaren in den Websälen auS. In dem zahlreich versammelten Publikum, welches die Znhörertribüne bis auf den letzten Platz füllte, machte diese von Herrn Rob. Ferber selbst(!) mitgethciltc Thatsachc einen sehr starken Eindruck. Man fragte sich, ob in einer so großen Fadrck nicht auch die wenigen Thlr. aufgewendet werden könnten, die nöthig sind, um jedem eintretenden Arbeiter ein Exemplar der Fabrikordnung in die Hände und mit nach Hause zu geben. Be- züglich der Verwendung der Strafgelder zu andere» Zwecken, als zur Krankenkasse, verwahrte sich der Angeklagte dagegen, die Herren Ferber verleumderisch beleidigt zu haben. Es habe in dem Artikel, den er nicht selbst geschrieben, den er aber vertrete, nur der Zweifel der Arbeiter an der Verwendung ausgedrückt werden sollen. Die StaatSanwaltsckaft betonte in ihrem Plaidoyer hauptsächlich daS Beleidigende der Bezeichnung„Fabrikbaron",„Fabrikpascha", sowie auch den AuSdruck„Hungerlohn", welchen die Fabrikherrcn den Arbeitern gewähren. Der Angeklagte bestritt, daß darin eine Beleidigung liege.„Fabrikbaron" sei ebensowenig beleidigend, wie z. B. der Ausdruck„Börsenfürst", den man Herrn von Bleich- röder gebe. Wie man in dem Wort„Hungerlohn eine Ve- leidigung sehen könnte, sei auch nicht crsichtlick. Denn wenn Je- mand wöchentlich nur 3 Thlr. verdiene, so sei das in Zeiten, in denen das Pfund Brot 16 Pf. koste, allerdings nur hinreichend, um den Hunger zu stillen. Die Staatsanwaltschaft beantragte für die sämmtlichen Ver- gehen zwei Monate Gcsängniß. Der Gerichtshof sprach den An- geklagten bezüglich der Anklage der verleumderischen Behauptung frei, verurtheilte ihn aber wegen Beleidigung der Firma Morand n. Comp., sowie wegen Beleidigung de« Justizamtes 1. zu einer Gcfängnißstrafe von zusammen sechs Wochen. Der Angeklagte wird gegen das Urtheil appelliren. Konstanz.„Wenn Schröder fort ist, geht die Bewegung in Constanz zu Grunde", so calculirten unsere Spießbürger, die eben nicht begreifen, daß sich die Arbeiter von allem Personenkultus frei zu machen verstehen. Leider sind wir nicht in der Lage, diesen Bierphilistcrn ihre Freude zu gönnen. Das fortwährende Steigen der Abonnentcnzahl unserer sozialdemokratischen Blätter, daS kräftige Eniporblühcn der Sckuhmacher- und Schneidergewerkschaft hier und in der Umgegend(Ueberlingen) ist der beste Beweis, daß alles Schimpfen und Verläumden der hiesigen national servilen„Con- stanzerin" die Arbeiter nicht von ihrem Bestreben, sich zu organi- siren, abzuhalten vermag. Unser Haupt-Partciorgan, der„Volks- staat", zählt 40 Abonnenten gegen einen im gleichen Quartal vo- rigen Jahres, und die Zahl könnte mehr als verdoppelt werden, wenn'sich die älteren Arbeiter der Verbreitung svcs Blattes sowie unserer Prinzipien mehr als bisher annchnien würden, anstatt es immer den jüngeren Arbeitern zu überlassen; denn sie müssen nicht glauben, daß sie schon genug gethan haben, wenn sie ihre Parteistcuern regelmäßig bezahlen, wie sich schon Einige haben ver- lauten laßen, denn die Arbeitsverhältnisse sind jetzt gewiß so ernst, daß damit noch lange nicht genug geleistet wird; vielmehr muß Herostraws, ein cbrzeizjzer Schwärmer, der seinen Ramm durch die Verbrennung de« beriidmun Tianenlemxels zu Ephesus zu verewigen suchte. ein Jeder Hand an'S Werk legen. Mögen sich Jene ein Beispiel an anderen Städten nehmen, wo ja auch vcrheirathete Männer in den vordersten Reihen der Kämpfer für unsere natürlichen Rechte stehen. Auch für eine regere Betheiligung an den Ver- sammlungen müßten die Parteigenossen besorgt sein. Jeder ein! Agitator, und unsere Gegner werden bald fühlen, daß sich die Sozialdemokraten eben nicht ohne Weitere« in'S Bockshorn jagen' lassen. Der endliche Sieg kann nicht mehr zu fern sein, wenn ein Jeder auf seinem Posten steht und seine Schuldigkeit thut,l wie es Männern, die entschlossen ihre Rechte zu verlangen haben, geziemt. Also immer vorwärts zu neuen Erfolgen. Beim Be-i ginn des Jahrs 1874 müssen wir in Constanz mindestens nahe an 60 Abonnenten haben. Mit sozialdemokratischem Gruß: C. Rosenhain. /tkagensurk(Oestreich). Alle Unterstützungen für die striken- den Schuhinacder sind zu senden an den Schriftführer der ersten Produktivgenossensibast Auering, SchulhauSgasse Nr. 185.> Bnezkaften der Rebaction. L. in Bannen: Wir erhielten Ihr Schreiben erst Mittwoch Morgen«. Die gieiguete Schrift dürfte wohl„Lahlteicht-Partei- kämpf der Sozialisten" sein. Brief folgt. T. F. in Pforzheim: Ihre Weisung wird befolgt. M. S.: Erhalten. BuudeScomits in Genf: Ja nächster Nummer. W. H. in Hüffe: Ihre Einsendung wird berücksichtigt. Nur müssen wir noch einige Tage damit warten. Anonymus in Alten- bürg: Unaufuehmbar. Fr. Ur. in Pforzheim: Unentgeltlich. F. in Heidelberg: Wird aufgenommen; fernere Eorrespondenzen sind un« er- wünscht. der Expedition. Klst Kassel Ann. 4 Gr. Mn-S Dortmund Schr. 10 Gr. Snf Gera Schr. 6 Thlr. Endr« Nürnberg Schr. 5 Thlr. Klsttl Heidelberg Schr. Thlr. 3 12 8. Engl Berlin Schr. 11 Gr. A. Hnsch Berlin Schr. Thlr. 3 10/ Mllr Marburg 12 Gr. Pch Zittau Schr. 11 Gr. Wnklr Oederan Schr. 10 Gr. Gntr Verden Schr. Gr. 27 5. Stcklbg Leipzig Ab. 25 Gr. Wnklr Arnstadt Schr. 20 Gr. Wkps Hannooer Ab. 3. Qu. Thlr. 13 18, Schr. 1 Thlr. Lgndrf Bremen Schr. Tblr. 3 23 5. TSzlwz hier Schr. Thlr. 2 13, Ab. 4. Qu. 16 Gr. Maurer und Zimmerergewertschaft hier Ann.>2 Gr. Vtrtn Schmölla Schr. Thlr. 1 5. St. Ugrnc AltgradiSka Ab. 4. Qu. Thlr. 1 4. Ehrhdt Berlin Schr. 12 Gr. Schmdr Beerfelden Lb. Oct. Nov. 11 Gr. Grmbch Simtach Schr. 10 Gr. G. Stnmm Neundorf Schr. 24 Gr. Much Zittau Schr. 5 Thlr. Bttchr hier Ab. Octbr. 27 Gr. Schr. 15 Gr. Hdlch hier Ab. 4. Qu. Thlr. 1 10, Schr. 1 Thlr. I. Jonscher New- glork die Ann, kosten 22 Gr._ Berichtigung Am Schlaff des Artikel« über Hrn. Miguel(„Ein Gründer" in Skr. 113) muß e« feigen(seihen) heißen, statt zeigen.(Mücken feigen Elephanttn verschlucken). Zum Reichstagswahlfond. B. Bilm, hier Thlr. 2 5 5, v. Polster Geringswalde Thlr. 1 15, v. L. P. hier 1 Thlr. v. Ctg hier 10 Gr._ Quittung über die von fremden Parteigenossen für Ferd. Dreisel au« Mcerane) derzeit in Lcivzig, Siadtkrankenhau«, eingegangenen Gelder: Bon B. I— y Berlin 2 Thlr., v. H. u. G. durch Geib in Hamburg 1 Tblr. 15 Gr.. durch W. Bohre« Erfurt 4 Thlr. 16 Gr., d. 2. E. Schneider Münchenbernsdorf 25 Gr., d. Conrad Bogt Witten 4 Thlr- 15 Gr. 5 Pf., d. Carl Göbbert Ronneburg 1 Thlr. 25 Gr., von Arbeitern gesammelt und au« der Krankenkasse 15 Gr., v. Robert Kräswer Froh« bürg 12 Gr., vom Volksverein u. Plüscharbeitern 25 Gr., vom A.-Ä Leipzig 1 Thlr., von der Webersection zu Ronneburg durch A. Haferbie«, Meerane 15 Gr.. Sa. 18 Thlr. 13 Gr. 5 Pf. Ich sage hierdurch allen den freundlichen Gebern im Namen Dreisel« resp. dessen Familie herzlichen Dank. E. Pettermann, Bertrauen«mann. Meerane, den 28. November 1873.__ - ♦Ii*«♦litt Gewerlschaft der Manufalturarbeiter. Ol-llUl Sonnabend, den 29. Novbr., Versammlung bei Miiwi«, Weberstraße 24 a.— Bortrag de« Herrn Bernstein. Um rege Betbeiligung bittet Der Vertrauensmann, i rC n( 1} Die Adresse für da« AgitauooS'Comitk und Filialexpcditioiü ist v»m 1. Dezember ab: Gustav Heinrich«, großer Griechen-j markt 52 Ii. Di« Abrisse de« VertraueuSmanne« ist von heute ab? Friedrich Klüssendorf, Blindgasse 33._| fC-t f»e«vfe»( h Die Partelmitglieoer von Elberfeld und Barmen! werden Sonntag, den 30. November, Nachmittag«! 5 Uhr, bei Wirth Engelbert in Barmen, Wüpperstraße, eingeladen. Der Bertrauensmann.\ C\nui Iii t Vit Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 23. Novbr., Aden-« 9 Uhr: Ver- sammlung bei Hansch, Schaaenburgerstraße parterre. Zahlreiche« Erscheinnl ist nothwendig._____ 1 Cvmtt rthett* Internationale Metallarbeitergew erksgenoffenschast. �llUUUUvl Montag, den 1. Dezember: Generalversammlung im Gasthause„Zum braunen Hirsch", im Linden.— Tagesordnung Z Krankenkaffenangelegenheit. Da« pünktliche Erscheinen aller Mitglieder ist erforderlich. Der Bev.| 0<*i hr»rt Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 29. November, Abend« 8 Uhr: Ber-! sammlung Wiudmühlenstraße 7.— Sozialer Wochenbericht vo» Techamf Fragekasten.____.________j. Freitag, den 28. ds«. Abend« 8 Uhr: Große Volksversammlung im Gasthause„Zur Insel Helgoland".— T.-O.: Die ReichStagStvahlen und der bisherige Bertreter de« 13. Wahlkreise«. Zahlreiche Betheiligung aller Wähler de» 13. Wablkreift« wird er-! wartet._ Da« Comitö. (cSlhiitiltitit Die Genossen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei wPIUlllilU versammeln sich jeden Montag, Abend» 8 Uhr, im Hamburger Tunnel. Der Berttaneu«mann._ 2Z.sächsischerWaßlkreis!� Die Parteigenossen in den Städten werden ersucht für die Einberufung von Versammlungen auf dem Lande Sorge zu tragen, sowie etwaige gegnerische Bersammlungen anher zu melden. Wahlaufrufe und Stimm-j zettel komnien nach Publikation de« Wahltermm» zum versandt. Da« Central« Comitv. Plagwitz Pili>>>„,, Einladung»um Aeieitertell IVUmill der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Sonntag, der 30. Novbr., im Meblhorn'schen Gastbose. verbunden mit«oncert, Festrede, ernsten u. komischen Borträgen und Festball. Ansang Nachmittag 4 Uhr. Die Partei- und G,finvung«gen°ssen von Nah und Fern werden mit ihren Damen zahlreich erwartet._____ Da« FestcomitS. M.NciMa»s-W»hlircjs. (Umgebuiiq von Leipzig.) Behuf« Constituirung eines Central. Wablcomlts'« und Aufstellung de« Candidateu werden die Borstände der Arbeiter-, Lokal- und Gemeinde Vereine und sonstigen Bereinigungen de» Kreise« wie die Wähler über Haupt aus Sonntag, den 30. Nov., Nachmittag« 3 Uhr zu einer Be- sprechung nach Leipzig, Feidler'« Restauration, gr. Wiudmühlenstraße 7 hierdurch eingeladen.'_ Da» orov. Wab,- Convt--. Leipzig: Beraurw. Redakteur: R. Seifsert.(Redaktion u. Exreditio» Zeitzerstr. 44.) Druck und Verlag der Gen-ssenschastsbuchdruckerei. fc