Mittwoch, Freitag, Sknntag. KesteLungm nehmen an alle Poftanstalken u. Buchhand- Gingen de? In-«.Auslandes. � F.lial-Expeditionen für die Bereinigten Staaten; F Ä. Serge, It«! 101 UodoKen,!?. J. Win. Lueders, 4W Maystr. Chicago, Jll. Peter Hab, 8. V Corner Third and coattt btr. Philadelphia. in ui. CriLiupie* sieuer 21>/, Sgr., fiir die übrigen Deutschen Staaten IG Sgr. pro Qiiaru». Zllanat«- Abonnement« werden bei allen Deutschen Postanstallen auf den itten u. Z ten Monat und auf den 3k:t Monat besonders an gmmnmen, im ii'gr. Sachsen u. Hrzth. Sachj.- Alienburg auch auf den ite» Monat ü•>' Sgr. angenommen. OrgandersozialdemokratischenArbeiterparteiundderinternattonalenGewerksgenoffenschaften. Inserate, die Abhaltung von Partei-, Vereins- und Volksversammlungen, sowie die Filial-Expeditionen und sonstige Partei-Angelegenheiten betreffend, werden mit I Sgr.,— Privat- und Vergnügung?- Anzeigen mit 2 Sgr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Kr. 120. Jireitag, 5. Aecemöer. 1873. Als Ersatz für das verzögerte Unternehmen bezüglich einer" belletristischen Zeitschrift werden wir unfern Lesern von näck- ster Nummer an ein Äeuilseton bieten. Dasselbe wird mit einer Novell: von A. Otto-Walster, betitelt: beginnen. „Allerhand Proletarier' Ate Wedaktion. Reichstags wähl. — Der„ Reichsanzeiger" publizirt einen kaiserlichen Erlaß. nach welchem die Reichstagswahlen am 10. Januar 1874 statt- finden Zollen. — Für RegenSbura ist Parteigenosse C. Rick(München), für Lechhausen Most �Bayern), für Eisenach Liebknecht aus- gestellt worden. Schmöltn-slktenvurg. Partei- und Gesinnungsgenossen! ES ist hohe Zeit,"daß auch wir anfangen, uns zu organisiren zur bevorstehenden ReichstagSwahl, damit, wenn der Ruf erschallt: ..An die Wahlurne", auch wir gerüstet dastehen. Darum er- 'uchen die Parteigenoffen von Schmölln die Freunde unserer guten Sache in Meuselwitz, Lucka, Eisenberg, Kahla, Roda, Lrla- münde rc. uns ihre Adressen zukommen zu lassen, um uns in dieser Angelegenheit mit ihnen zu verständigen. Wir rufen Euch nochmals zu:„Vereinigt find wir Alles, vereinzelt Nichts!" Ferner können wir noch die erfreuliche Mittheilung machen, daß die von uns aufgestellten Kandidaten bei der diesjährigen Stadt- dcrordnetenwahl mit großer Majorität gewählt worden sind. Alle Briefe:c. wolle mau adressircn an Webermeister Julius Martin in Schmölln, Bergstraße. Birmingham. Hier und da brachen einzelne Unruhen aus, so»n Juli in den Töpfereien von Nord-Staffordshirc; die fürchterlichste Gährung herrschte unter den Arbeitern, bis sie endlich im August in der allgemeinen Jnsurrection der Fabrikdistricte zum Ausbruch kam. Als ich Ende November 1842 nach Manchester kam, standen noch überall eine Menge Arbeitsloser an den Straßenecken, und viele Fabriken standen noch still. In den nächsten Monaten bis Mitte 1843 verloren sich die unfteiwilligen Eckensteher allmälig, und die Fabriken kamen wieder in Betrieb. Was hier für eine Masse von Elend und Noth unter diesen Arbeitslosm während einer solchen Krisis herrscht, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. Die Armensteuer reicht nicht auS— bei weitem nicht; die Wohlthätigkeit der Reichen ist ein Schlag ins Wasser, dessen Wirkung in einem Augenblick verschwunden ist; die Bettelei kann, wo so viele sind, nur Wenigen Helsen. Wenn nicht die kleinen Krämer den Arbeitern zu solchen Zeiten auf Credit verkauften, so lange sie können, so würde jede Krisis aller- dingS Massen von„Ueberflüfstgen" dnrcb HungersnotH wegraffen. So aber, da die gedrückteste Epoche doeb nur kurz ist, ein Jahr, höchstens zwei oder dritthalb Jahre dauert, kommen die meisten doch noch mit dem nackten Leben und schweren Entbehrungen davon. Daß indirect, durch Krankheiten zc., jeder Krisis eine Menge Opfer fallen, ist Thatsache". Handelskrise«. (Schluß.) ..Dieser Ueberflüjsiaeit gibt es nach den Berichttn der Armen- gesetzt onunifläre durchschnitttich anderthalb Millionen in England und Wales; in Schottland läßt sich die Zahl wegen Mangels an Armengesetzen nicht bestimmen, und von Irland werden wir 'pcciell zu sprechen haben. Diese anderthalb Millionen schließen übrigens nur diejenigen ein, die wirklich die Armenverwaltung um Hilfe ansprechen; die große Menge, die sich ohne dies letzte, so sehr gescheute Auskunftsmittel anzuwenden, forthilft, ist darin nicht eingeschlossen; dafür fällt aber auch ein guter Theil der obigen Zahl auf die Ackerbaudistrikte und kommt also hier nicht in Be- tracht. Während einer Krise vermehrt sich diese Zahl natürlich um ein Bedeutendes, und die Roth steigt auf den höchsten Grad. Nehmen wir z. B. die KristS von 1842, die, weil die letzte, auch die heftigste war— denn die Intensität der Krisen wächst mit .eder Wiederholung, und die nächste, die wol 1847 spätestens ein- treten wird, wird allem Anscheine nach noch heftiger und dauernder -ein. Während dieser Krisis stieg die Armensteuer in allen Städten auf einen nie gekannten Höhepunkt. Unter andern mußten in Stockport von jedem Pfund das an HauSmiethe bezahlt wurde, 8 Sh. Armensteuer bezahlt werden, so daß die Steuer allein vierzig pCt. vom Miethbetrage der ganzen Stadt ausmachte; dazu standen ganze Straßen leer, so daß wenigstens 20,000 Einwohner weniger als gewöhnlich da waren und man an die Thllren der leerstehenden Häuser geschrieben fand: Ltookpvrt tötet— Stockport zu vermiethen. In Bolton, wo in gewöhnlichen Jahren der Armensteuer zahlende Miethertrag durchschnittlich 88,000 Pfd. St. betrug, sank er auf 36,000 Pfd. St.; dagegen stieg die Anzahl der zu unterstützenden Armen auf 14,000, also über 20 pCt. der ganzen Einwohnerzahl. In Leeds hatte die Armenverwaltung einen Reservefonds von 10,000 Pfd. St.— dieser, so wie eine Collecte von 7000 Pf. St., wurde schon, ehe die KnsiS ihren Söhepunkt erreichte, vollständig erschöpft. So war es überall. in Bericht, den ein Comilö der Anti-Korngesetzligue im Januar 1843 über den Zustand der Jndustricbezirke im Jahre 1842 erstattete, und der auf ausführlichen Angaben der Fabrikanten be- ruhte, sagt aus, daß die Armensteucr durchschnittlich doppelt so hoch gewesen sei, als 1839, und die Zahl der UnterstützungSbe- dürftigen sich seil jener Zeit verdreifacht, ja versünffacht habe; daß eine Menge Applicanten einer Clasie angehörten, die bis jetzt nie um Unterstützung angehalten hätten-c.; daß die arbeitende Classe über zwei Drittel weniger Lebensmittel zu verfügen habe, als 1834,36; daß dir Konsumtion von Fleisch bedeutend geringer ge weseu sei— an einigen Orten 20 pCt., an andern bis zu 60 pCt.; daß die sonst in den gedrücktesten Perioden noch volle Beschäftigung hatten, ebenfalls viel an Mangel, an Arbeit und Lohnhcrabsetzung gelitten hätten— und daß selbst jetzt im Januar 1843, der Lohn noch fortwährend im Fallen sei. Und daS sind Berichte von Fabrikanten!— Die brotlosen Arbeiter, deren Fa- oriken still standen, deren Brodherren ihnen keine Arbeit geben konnten, standen überall aus den Straßen, bettelten einzeln oder in Haufen,- belagerten sckaarenweise die Chausseen und sprachen die Vorübergehenden um Unterstützung an— sie baten aber nicht kriechend, wie gewöhnliche Bettler, sondern drohend durch ihre Zahl, ihre Geberden und Worte. So sah es in allen Industrie- bezirken anS, von Leicester bis Leeds und von Manchester bis Die Rechtseinheit der Bourgeoisie. Was für einen Lärni gab es doch während der letzten vier Wochen in der nationalliberalen Presse wegen der in einigen mittel- staatlichen Kammern geführten Verhandlungen über Ausdehnung der ReichScompetenz auf daS ganze bürgerlicke Recht! Uneingeweihte mußten glauben, eine hartnäckige particularistische Opposition wolle der Nation ein uuentbehrlickes Stück Einheit schlechterdings vor- enthalten. In Wahrheit verhielt eS sich freilich umgekehrt. Weit entfernt, den Nationalen die Sache selbst stt eilig zu machen, suchten die Particularisten vielmehr ihnen in Hingebung den Rang abzu- laufen. Es war ein Stück Comödie, wie der komische Wettstreit zwischen den Herren von Bock und von Kalb umö Uebcrreichen res Strumpfbandes in„Calale und Liebe". Die Particularisten .beeilten sich, ihre verschiedenen Landesrechte vergrößeren«Einheit" zu Ehren höchst eigenhändig abzuschlachten, und die Nationalen -waren wüthend darüber, daß es ihnen nicht ausschließlich vorbe- 'halten blieb, dieselben mittelst des Reichstags todtzuschlagcn. Darum der ganze Streit! Daß ein Gesetzbuch vor vielen den -Vorzug verdiene,� darüber waren sie alle gleicher Meinung. Was aber in dem Gesetzbuch stehen werde, das kümmerte sie nicht im mindesten. Höchstens die größere oder geringere Bequemlichkeit für die Juristen beim' Nachschlagen, der Umstand, daß sie einerseits alle« in einem Buche beisammen, andererseits die gesuchten Be- stimmungen nicht mehr an der gewohnten Stelle, unter den durch den Gebrauch dem Gedächtniß eingeprägten Titeln und Para- graphen finden würden, kam zur Erwähnung, Dank dem Umstände, daß ja in unfern BerttetungSkörpcrn immer zahlreiche Juristen sitzen, die ihr Haudwerksintcresse zu wahren wissen. Mit der Frage: Was Rechtens sein solle? hat dieses Interesse nichts zu thun und so hat denn auch kein Mensch es der Mühe werth ge- fundcn, an diese Frage und ihre präsumtive Beantwortung durch die gegenwärtig entscheidenden Mächte auch nur zu erinnern. Just wie im öffentlichen Rechte, wo die dominirende Partei, einzig be- dacht darauf, daß ein Prinzip in ganz Deutschland zur Geltung komme, sich gegen die Frage: Was herrschen solle? ob Knecht- schaft oder Freiheit? vollkommen gleichgültig zeigt, so hat sie es auch beim Privatrecht gemacht, und die sogenannten Conservativen, Particularisten zc. haben durch ihre bedingungslose Zustimmung bewiesen, daß sie in diesem Punkte um kein Haar besser find, als die Nationalen. Nur ein ganz vereinsamt dastehender Pudlicist hat bei Be- Handlung der Frage, mit deren formeller Seite sich Zeitungen und Landtage ausschließlich zu schaffen gemacht haben, auch auf das Materielle, auf den Inhalt des zu schaffenden Reichsrechts eingehen zu müssen geglaubt, und sich— nicht über die zu schaffenden ein- zelnen Bestimmungen, wohl aber über den Geist, in dem daS Ganze werde gehalten sein, in einer Weise geäußert, welche sicher geeignet ist, die Aufmerksamkeit der Sozialisten auf den weiteren Verlauf dieses GcsetzgebungSwerks hinzulenken. Wir glauben des halb den bezüglichen Passus zur Kenntniß unserer Leser bringen zu sollen. Constantin Frantz schreibt in seiner unlängst er- schienenen Broschüre: Die uationalliberale Rcchtscinheit und das Reichsgericht: „Wir befinden uns in einer Uebergangsperiode. In einem Umbildungsprozeß, welcher eben so die realen Zustände und Post- tivcn Institutionen, wie die Denkweise und Ucberzeugungen der Menschen umfaßt, infolge dessen alles heute Entstehende den Cha- rakter deS Provisorischen, Unfertigen und Schwankenden hat, und dabei überall mit inneren Widersprüchen behaftet ist. Eine Gäh- rung also, welche erst vollendet sein muß, ehe wieder zu klaren Verhältnissen zu gelangen ist. Was hieße eS nun aber, unter solchen Umständen ein allumfassendes Gesetzbuch machen zu wollen, worin doch eben nur das Unfertige, Schwankende und Widerspruchs- volle deS heutigen Treibens und Denkens zum Ausdruck kommen könnte, weil wirklich kein Zeitalter sich über sich selbst zu erheben vermag? ES hieße ja nichts anderes, als grade dasjenige Sta- dium, welches der allgemeine GährungSprozeß heute erreicht hat, legislatorisch firiren(feststellen), und so einen künstlichen Stillstand gebieten wollen, indessen die Gährung dennoch fortschreiten, und die ihrem Fortschreiten angcthane Gewalt um so mehr zu Etplo- stonen führen würde. Nein, grade unter solchen Umständen hat man sich vor einer allumfassenden tief eingreifenden Gesetzgebung absichtlich zu hüten, weil man wirklich noch nicht weiß, wohin die Dinge eigentlich wollen, wie andrerseits auch nicht mit Sicherheit zu sagen vermag,. wohin sie geleitet werden sollten. „Es gilt die» insbesondere von den heute im Vordergrund stehenden Eigenthums- und Erwerbsfragen, wobei eS sich um die Grundlagen unserer ganzen GesellschaftSverfassung handelt. Da grade ist nun die Verschiedenheit der Anfichten und Bestrebungen biS zum directen Gegensatz gelangt. Hier der Liberalismus, oder richtiger Individualismus, wonach die EigenthumS- und Erwerbs- Verhältnisse nur nach dem absoluten Rechte deS Individuums zu beurtheilen wären; dort der Sozialismus, der hingegen alles Eigenthum und allen Erwerb als ein nur durch Mitwirkung der ganzen Gesellschaft entstandes und entstehendes Product betrachtet, welches darum auch nicht dem Individuum, sondern.der Gemein- schaft seiner erzeugenden Factoren gehören müsse. Und was be- darf es der Worte, wie entscheidend diese EigenthumS- und Er- iverbSfragen für das ganze Civilrecht sind, so daß eS kaum ein eivitrechtliches Verhältnis? geben wird, dessen Beurtheilung nicht -eben durch diesen Gegensatz der Ansichten mehr oder weniger die Directive(das Verfahren, das einzuhalten ist) empfinge. Welche 'Grundansicht wird denn also für die neue Gesetzgebung maßgebend -werden? „Nun, ein sozialistisches Gesetzbuch haben wir jedenfalls nicht zu erwarten, dafür ist durch unser Parlament, worin so viele ' Manchestermänner und Gründer das große Wort führen, genügend gesorgt. Um so gewisser aber würde die, leider nicht bloß in die- fem Parlamente, sondern in dem ganzen sogenannten gebildeten und dabei wohlhabenden Publikum noch immer weit vorherrschende liberale Auffassung zur Geltung kommen, wie auch die bisher vom Nordbnnde und vom Reiche erlassenen ökonomischen Gesetze schon ganz unverkennbar diese Richtung eingeschlagen haben. Sind es also die liberalen Prinzipien, welche durch daS neue Gesetzbuch für alle Lebensverhältnisse und im ganzen Reiche zur Geltung gebracht werden würden,— hieße das nicht geflissentlich den Kampf herauf- beschwören, weil andererseits die ganze, nicht zu dem sogenannten gebildeten und wohlhabenden Publikum gehörende, große Masse des Volkes von dieser liberalen Weltansicht, welche in ihren prakti- schen Folgen nur zu einem AuSbeutuiigSsystem und zur Ka- pitalistenherrschaft führt, nichts mehr wissen will, und dann unvermeidlich zu gewalssamen Unternehmungen hingedrängt sein würde, wenn gleichwohl das liberale System alle Gesetze durch- drungen hätte? „Man beachte doch nur, was in Frankreich thassächlich vor Augen liegt. Weil nämlich zur Zeit der großen Revolution bei der ganzen geistigen Elite Frankreichs die liberale Ansicht als un- antastbare Wahrheit galt, so ist sie auch für den Code Napoleon maßgebend geworden, worin daher die EigenthumS- und Erwerbs- Verhältnisse nach rein individualistischer Auffassung behandelt sind. So hat eben dieser Code die dortige Bourgeoisieherrschaft begründet, und damit den unversöhnlichen Gegensatz derselben zu dem?vuxle(Volk) geschaffen, der nun in den bestehenden Ge- setzen nichts weiter als Werkzeuge zu seiner Unterdrückung sieht. Man wird diesen inneren- Zusammenhang der Dinge nicht bestrei ten können. Sollte es sich denn jetzt bei uns bestätigen, waS Hegel einmal sagt: daß die Völker niemals etwas auS der Ge- schichte gelernt hätten, und sollten wir also auck bei unS denselben Kampf organisiren? Wahrlich, wenn auch die Gründe, mit welchen vor einem halben Jahrhundert Savigny den Beruf der Zeit zur Gesetzgebung bestritt, nicht alle stichhaltig gewesen sein möchten,— bei der heutigen Divergenz und Verwirrung der Ansichten gilt seine Behauptung mehr als je. „Zwar wird in allen etwas tiefer gebildeten Kreisen die Un- zulänglichkeit der liberalen Ansichten bereits anerkannt. Wenn man aber um deswillen doch andrerseits sich noch lange nicht für den Sozialismus erklären dürste, so erwarte oder wünsche ich zwar das auch nicht, nur wäre ich neugierig zu hören: welche Ansicht jetzt wirklich maßgebend werden soll? Denn damit ist eS wohl nicht abgcthan, daß man die allzu üppigen Schößlinge de» Liberalismus von Staatswegen beschneiden, und dem Liberalismus selbst einige sozialistische Keime inoculiren will, nach Art unserer Kathedersozialisten. Mit prinziplosen Palliativen wird man die heutige Capitalistenherrschaft nicht beseitigen,— an deren langem Fortbestand, da sie mit dem allgemeinen Stimmrecht wie mft der allgemeinen Wehrpflicht im flagrantesten Widerspruch steht, doch kein denkender Mensch mehr glauben wird,— noch andrerseits die große Masse der Gegner dieser Herrschaft befriedigen können. Damit ist also noch kein Standpunkt gewonnen, von wo aus die Gesetzgebung eine sichere Entscheidung treffen könnte. Und eS wird noch Zeit dazu gehören, ehe sich das neue Prinzip herausbildet, welches einstweilen erst als bloße Forderung auftritt." Wie der Leser aus Obigem ersteht, ist Hr. Constantin Frantz ein Gegner der sozialistischen Bestrebungen, und in der That, wir stehen zu diesem„konservativen Sonderling", wie ihn ein sttd deusscher Schriftsteller genannt hat, durchaus nicht in irgend welcher prinzipiellen Verwandtschaft. Aber Constantin Frantz hat auck von seinem Standpunkte aus erkannt, daß die moderne„Eni- Wicklung" eine grundverkehrte ist, und nachdem die Ultramontanen bewiesen, daß sie liberaler sind als die„Liberalen", so dürfen wir uns um so weniger wundern, wenn ein konservativer Schriftsteller die Lage der Dinge besser zu übersehen vermag, als diejenigen, die heute auf der politischen Oberfläche treiben. Die Frage bezüglich dcS zu schaffenden„RcichsrechtS", welche Frantz in den oben cilir- tcn Ausführungen angeregt hat, ist indeß so bedeutend und weit' tragend, daß auch wir uns damit beschäftigen dürfen, ohne Zeit zu verschwenden. Frantz erkennt, daß in der heutigen Gesellschaft die Parole lautet: Hie Liberalismus! Hie Sozialismus! Wenn er den ersten verwirft und den zweiten nicht wünscht, so zeigt dies eben nur, daß er den Messias, der die von ihm(Frany) erkannten Schäden heilen soll, von einer Seite erwartet, von wo er nicht kommen wird. Dort die liberale Bourgeoisie, hier das sozial- demokratische Proletariat! Dies sind die beiden Gegner, die den politischen und sozialen Kampf der Gegenwart kämpfen und auch den der Zukunft ausfechten werden; was zwischen diesen beiden steht, ist von keiner Bedeutung! Politische Uebersicht. — Die Reichstagswahlen haben, wie zu erwarten, die Re- actionSpresse aller Schattirungen in Bewegung gesetzt und von den General-„Sauhirten« in der„Norddeutschen Allgemeinen« und„Wcserzeitung" herab bis zu den kleinen Trompetern in den AmtSblättchen von Schilda und Krähwinkel wird zum Angriff gegen die Sozialdemokratie geblasen. Nun, wir sind gerüstet, eS kann losgehen. Was die ReactionSpresse, heiße sie sich nun fortschrittlich, libe- ral, konservativ oder ultramontan, schon alles über uns gelogen hat, das wissen unsere Leser am besten aus der Zeit, wo unsere Brüder in Paris das rothe Banner der Brüderlichkeit hoch flattern ließen vom Giebel des Stadthauses, und wer noch nicht an die Verlogenheit der Bourgeoispresse glaubt, der kann sich bei nur einigermaßen gutem Willen auch in diesen Tagen überzeugen. Wie Spinola einst sagte:„Zum Kriegführen gehört Geld, Geld und abermals Geld«, so folgt unsere Bourgeois- und Reactions- presse der geheimen Devise:„Wollen wir siegen, dann heißt es: „Gelogen, Welogen, chelogen!« Und wie wacker sie ihre Devise halten, die edeln Brüder von Reptilienfonds, von Bismarcks und Stiebers Gnaden! Ist doch das„Braunschweiger Tageblatt", das unserm Parteigenossen Bracke bezüglich seines Charakters nicht das Geringste nachsagen, das an Bracke's Ehre nicht den mindesten Makel nachweisen kann, schon soweit gekommen, daß es ihn„Ehren-Bracke" nennt! Es gibt auch eine Ironie, die zweischneidig ist und namentlich kommt sie vor bei Leuten, die das Wort„Ehre" gern in demselben Munde führen, der einst an Bismarcks Tafel gefüttert worden ist. Wir machen die Schreiber des„Brannschweiger Tageblatts« hierauf aufmerksam. Dem ganzen verlogenen Schwärm voran marschirt die„Magde- burgische Zeitung", ein Blatt mit einer schlauen Redaction, so schlau, daß sie bereits ein„geheimes(!) Abkommen" zwischen Sozialdemokraten und Ultramontanen entdeckt hat. Man sollte wirklich meinen, die Magdeburger Tante sei noch so gelehrig, daß sie in ihren alten Tagen sich die Künste der Stieberei glücklich zu eigen macht. Aber leider ist die schöne Zeit„voll Wohlstand und Büraerglück" entschwunden, wo Stieb er Protokolle fälschen und der Lump Hentze als„Zeuge" die preußische Civilisatiou vor der demokratischen„Pest" retten konnte. Auch Lindenberg sitzt als Dieb im Loch, und so muß selbst die Tante Magdebur- gerin eingestehen, daß es„anders" geworden ist; sie wischt sich die frommen, so oft verdrehten Augen mit der Schürze und ruft: „Daß die Sozialdemokratie im künftigen ReicbStag stärker vertreten sein wird, als im letzten, scheint sicher."— Ja, liebe Taute, und du wirst wohl wieder zur Schürze greifen müssen, wenn dir das Wahlresultat an die alten, gehorsamst hängenden Ohren schlägt. Aber ersparen wir unfern Lesern das Gefühl des Ekels, das sich ihnen sicherlich aufdrängen würde, wollten wir all die Nieder- tracht, all die Erbärmlichkeit vorführen, mit welcher unsere Gegner das Treffen zur kommenden Wahl eingeleitet haben. Lachen wir lieber über die Grimassen, welche die alte Reaction schneidet! Mit ungeheurer Heiterkeit wollen wir uns die verblüfften Gesichter Der- jenigen betrachten, die da glaubten, das alte Verdummungsgeschäft, wie es schon seit Jahrtausenden von frommen und nnsrommen Dieben,„ehrlichen" und unehrlichen Leuten, feinen und groben Betrügern, kleinen und großen Staatsmännern so gewinnreich betrieben worden, gehe gemüthlich weiter unter den einlullenden Klängen des„Eiapopeia vom Himmel".—„Bei den Reichstagswahlen haben wir mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen, als bei denen zum Landtage", sagt, sich vor Bauchgrimmen windend, die Mazdeburgerin. DaS klingt allerdings anders als„Eia- popeia!" Möge der Erfolg der gegenwärtigen Agitation sein welcher er «olle, möge die Zahl der Männer, welche sich das arbeitende Volk zn seinen Vertretern im„Reichstag" erwählt, �größer oder kleiner sein— wir werden Gelegenheit erhalten, die Verlogen- heit, die Schlechtigkeit der Gegner an den Pranger zu stellen; wir werden Gelegenheit haben, ihr Verdummungsgeschäft, wo nicht zu legen, so doch zu beeinträchtigen— Dinge, wahrlich nicht unwerth unserer ernsten Arbeit. Darum alle Kräfte an- gespannt! — Die„Kehrseite der Medaille". Wenn die von der Preußcnseuche befallenen Soldschreiber Bismarcks von Berlin, dem Brennpunkt der preußischen Civilisatiou an der Spree reden, so geschieht dies in den überschwänglichsten Ausdrücken, und man möchte dabei fast befürchten, daß es noch Gimpel gebe, die da glauben, die Residenz der Hohenzollern sei das Paradies aus Erden. Herr Gustav Freytag gehört zwar auch zu denjenigen Schrift- stellern, die stark au der Preußenseuche kranken; indeß hat er manche lichte Augenblicke, und in einem solchen mag er in seiner Zeitschrift: „Im neuen Reich" die Schilderung von Berliner Zuständen der Oeffentlichkcit überliefert haben, wie wir sie hier zum Abdruck bringe,:. Wir greifen die bezüglichen Stellen heraus: ,'.An Kellerwohnungen ex, stiren in Berlin nicht etwa einige Dutzend oder ein paar Hunderte, sondern volle 14'/i Tausend mit über KO.stOll Einwohnern, eine bedeutende unterirdische, lust- und lichtarme Stadt mit leider oft auch lichtscheuen Bewohnern. In keiner ebenbürtigen Großstadt sind dieselben so allgemein verbreitet wie in Berlin. Und das Sonderbarste und Ueberraschendste dabei ist, daß gerade die ansehnlichsten, relativ neu angelegten Viertel der Residenz, diejenigen Straßen, wo dje Prachtbauten und Paläste des Capitatö sich gegenseitig an Luxus und Eleganz zu überbieten suchen, auch die meisten Kellerwohnungen, etwa 9"- Prozent aller Wohnungen Berlins, in der FricdrichSstadt dagegen schon über 17 Prozent, in der Friedrich-WilhelmSstadt 13 Prozent. lieber die Hälfte dieser elenden, kaum des Namens einer Meuschenwohnung würdigen�Gewolbe besitzt nur ein heiz- bares Zimmer, nämlich 63 Prozent derselben, einzelne, aber glück- licherweise nur sporadisch vorkommende, sind gar nicht heizbar. Diese finden ftch meist in den alten Stadttheilen. Da« uugün- stigste Berhältniß aber zeigen die Oranienburger und Rosenthaler Vorstadt, die meist von dem eigentlichen Proletariat, von kleinen Handwerkern, Krämern und Tazlöhnern bewohnt«erden, sowie das neue Weichbild und Weberdistrikte. Welche Klassen der Gesellschaft bewohnen nun die eigentlichen Keller, welche ist deren soziale Stellung, welchen Einfluß haben die Kellerwohnungen auf die allgemeine Sittlichkeit der Hauptstadt? Dr. Schwabe stellt in dem städtischen Jahrbuch von 1871 folgende vier Klassen derselben nach der Prozentzahl ihres Contingents zur Einwohnerschaft Berlins auf 34 Prozent kleine Handwerker: Schuster, Klempner, Schlächter, Barbiere u. dgl.; 32 Prozent Tagelöhner, Handarbeiter, Wäscherinnen, Dienstmänner und PortierS; 20 Pro- zent kleine Handelsleute, Trödler und Pfandjuden, bei denen, wie bekannt, Lumpen, altes Eisen, alte und neue Kleider, Bücher und sonstige Utensilien„zu den höchsten Preisen" gekauft und verkauft werden, die aber auch kleine Geld- und Wuchergeschäfte a la Dachauer Bank treiben und sich in ihren unterirdischen Löchern wenig daraus machen, hie und da einmal ihrem verfallenen Klienten moralisch den Hals umzudrehen. Endlich, und daS ist die interessan- teste, in sozialer Hinsicht aber auch verwerflichste Klasse, 14 Prozent Schankwirthe und„Budiker", ein weit umfassender Begriff. Unter diese vierte Kategorie gehören nämlich, als ehren- werth e(!) Ausnahmen, auch mehr oder weniger elegante Restau- rateure, die berüchtigten Berliner„Kaffeeklappen", in denen, laut am Eingange angehefteten Preiscourant,„eine Portion Kaffee 6 Pfennige, eine Tasse Kaffee 1 Sgr." kostet. Der„mythisch" billige Preis von 6 Ps. für die Portion Kaffee entspricht natürlich den Bestandtheilen dieses edlen Getränkes, das, mit Kalkmilch und einer Beimischung von Syrup gekocht, aus Cichorien besteht, auf die etwa ein halbes Loth Kaffee gegossen wird.„Sahne is„ich" und ebensowenig Zucker. Ebenso stereotyp ist die Lectare in der Kafferklappe, bestehend gewöhnlich ans drei Blättern, der Gerichts- zeitung, der alten Held'schen Staatsbürger-Zeitung und dem In- telligenzblatt. Das dort verkehrende Publikum besteht aus Leuten, die entweder schon gänzlich verkommen oder nahe daran sind, in die Sphäre der„problematischen Existenzen" überzutreten, meist unverheirathete Schlafstellen-Bewohner, sogenannte„Schlafburschen", entlassene oder baronisirende Handlungsdiencr und Ladenschwengel, brodlos gewordene Bureauschreiber, unsterbliche Studenten in aller- höchsten Semestern, Künstler von großem Namen aber ohne Be- schäftizung und sonstige dergleichen verkannte Genies; alles Leute, die gegen acht und neun Uhr Morgens ihre äußerst bescheidene Cliambre garnie verlassen und sich dann regelmäßig, namentlich bei rauher Witterung, in der Kaffeeklappe einfinden, wo sie stets gleichdenkende und gleichduldende Seelen treffen, mit denen sie für einen Silbergroschen den'Vormittag im Trockenen und Warmen zubringen, plaudern und planen können, die Gerichtszeitung drei- mal durchstudiren und vor allem das Jntelligenzblatt durchstöbern, ob sich darin vielleicht eine Beschäftigung, ihrer Würde und ihren Kräften angemessen, angeboten findet. Am Abend endlich verkehren daselbst auch einzelne Straßendamen, um gelegentlich gegen die kalte Abendlnft oder gegen die noch unbarmherzigere Polizei Schutz zu suchen. Das düsterste Bild von den traurigen Eigenthümlichkeiten der Kellerwohnungen aber bietet noch immerhin die zahlreichste erste oder zweite Klasse bezüglich der denkbarsten Raumbeschränkung, jene LS Prozent der von Handarbeitern und Tagelöhnern bewohnten Kellerhöhlen mit einem oder zwei oder gar keinem heizbaren Zim- mer. Ein junger Arzt unserer Bekanntschaft wird noch spät gegen Mitternacht zu einer todtkranken Frau gerufen, die in einem Keller in den äußersten Marken der Borstadt wohnt. Im Dunkeln etwa zwanzig Treppenstufen hinunterfteigcnd, im Dunkeln bis an das Ende eines engen feuchten und dumpfen Kellergewölbes umher tappend, gewahrt er auf halb verfaultem Stroh auf dem mit rotyem Ziegelstein gepflasterten feuchtkalten Boden drei halbnackte Kinder im A'ter von drei bis zehn Jahren, in der andern Ecke einen im tiefsten Rausche schnarchenden Menschen von wildem, bärtigem Aussehen, den Vater dieser unseligen Brut, den trunkenen Gatten des mit dem Tode ringenden WeibcS, feines Zeichens ein Maurer— die ganze Scene beleuchtet von dem zuckenden Licht- strahl eines flackernden Talgstumpses. Und dieses finstere, elende Loch war die tägliche und nächtliche Wohnung und Schlafstätte für sechs Menschen, die alle der Aus- zehrung zum Opfer fallen mußten, eine jener zahlreichen übervöl- kcrtcn Wohnunzen, welche sich in Berlin von Jahr zu Jahr in erschreckenden Prozenyahlen mehren, wofür noch immer keine Abhilfe geschieht, weder seitens der Gesellschaft, noch seitens der städtischen Commune." Zustände, welche wahrlich geeignet sein sollten, unsere deutschen Michel vou der Preußenseuche zu heilen. Aber Michel erfährt von diesen Dingen Nichts. Plaudern ihm doch seine Zeitungsschreiber täglich vor von dem„Centralplatze deutscher(d. i. preußischer) Wahrhaftigkeit", erzählen sie ihm doch täglich von dem Thurm, der den Reichskriegsschatz enthält und bis obenauf mit gemünztem Gold angefüllt ist, von den Orden, die es täglich auf die Brust- lätze guter Patrioten regnet, von den großen Paraden, wo es nach Uniformen riecht, von den droschkenfahrenden Arbeitern, von den Steinträgern, die bei fünf Thalern täglichen Verdienst den Champagner zum Frühstück aus Weißbiergläsern trinken und so einen Rehrückeu im Handumdrehen verzehren, von den bösen Sattler- gesellen, die ihre Fahrt in's Arbeitslokal bezahlt haben wollen, vom großen„Culturkampf" und vom guten Reichstag, der daß „Bewilligen"— obfchon'S der Bismarck eigentlich nicht braucht— doch so trefflich versteht, daß das Pavschquantnm schon an allen Nähten geplatzt ist in Folge allzugroßer Angeschwollenheit. Mein Liebchen, waS willst Du noch mehr? WaS Wunder, wenn so ein guter Michel da denkt, in Berlin sei daS Himmelreich auf Erden wirklich hergestellt, und die verruchten Sozialdemokraten verflucht, die mit solch paradiesischen Zuständen unzufticden sind und gar keine„Vernunft" annehmen wollen? Hoffentlich wird der Frevtag'sche Auffatz Manchem einen Strich durch seine paradiesische Rechnung machen und wird vielleicht Mancher uns nun Recht geben, wenn wir hier wiederholen: die Medaille, welche auf der Vorderseite die Pickelhaube, die „schönen Cavalleriegefechte" und den„Culturkampf« trägt, muß nochwendigerweise aus ihrer Kehrseite daS furcht- barste Massenelend, die infamste Prostitution und die schrecklichste Verwilderung aufweisen. Die moderne„Entwick- lung« aber führt dahin, wo diese Kehrseite fichtbar werden wird und wo sie keine Pickelhaube, keine„schönen Cavalleriegefechte« und kein„Culturkampf" mehr werden verhüllen, den Blicken der Welt entziehen. Man wird dann keine Baracken mehr abzureißen brauchen, damit sie die Augen„hoher" Herren nicht beleidigen und Hr. Polizeipräsident von Madai bekommt dann vielleicht noch Gelegenheit, zu sehen und zu lernen, vou wannen die Prostitution kommt und wohin sie wieder.geht. Es wird dann in anderen Händen liegen, zu entscheiden) ob die Kehrseite der preußischen Medaille eine Beleidigung für die Menschheit ist oder nicht! — Preußische Musterwirthschaft. Weftphälische Handelskammern haben sich an daS preußische Handelsministerium zewen- det mit dem Ersuchen, dasselbe möge die Tarifsätze der Eisenbahnen für Kartoffelsendungen herabsetzen. DaS Handelsministerium hat dieses Ersuchen abschlägig beschieden, da„ein Nothstand nicht zu befürchten sei". Wie eS scheint, haben die Handelskammern beabsichtigt, durch eine Ermäßigung der Fahrtarife auch eine Ermäßigung der Kar toffelprcise zu erwirken und somit der arbeitenden Klasse eine Erleichterung zu verschaffen, da diese sich ja zum weitaus größten Theil von Kartoffeln nährt. Damit haben sie freilich weit neben das Ziel geschossen. Es ist Thatsache, daß die Herabsetzung des Frachttarifs fast ohne Ausnahme nicht den Consumenrea zugute kommt, sondern jenen Lieferanten und Spekulanten, welche sich als„Zwischenhändler" so unverschämt zwischen Producenten und Consumenten drängen und so die Arbeiterklasse doppelt betrügen und bestehlen. Die Arbeiterklasse muß sonach von dem Ertrag ihrer Arbeit den„Profit" für den„Unternehmer" und den„Ver käufer" abgeben und'ist doppelt übel dran. Aber nicht etwa au« solchen Befürchtungen hat das preußische Handelsministerium das Ansuchen der Handelskammern in Westfalen abgelehnt, es hat als Grund seiner Ablehnung nicht geltend gemacht, daß ja auch be, ermäßigten Tarifsätzen die Kartoffeln für die Bevölkerung gerade so theuer bleiben, wie vorher, und nur die Zwischenhändler mehr Prosit haben. Wie mau in Preußen maßgebenden OrteS in ssl- chen Dingen denkt, daS dürfte am Besten eine beachtenswerthe l Notiz zeigen, welche der„Frankfurter Zeitung" aus Süddeutsch I land zugeht. Es heißt da: „Der Abg. E. Richter hat in seiner Rede über das preußische Staatsbudget auch die finanziellen Ertragsverhälrnisse von Stein kohlengruben und Eisenbahnen erwähnt. Dieser Gegenstand hat noch eine weitere, sehr beachtenswerthe Seite. Allgemein und längst drang man darauf, und zwar mit großem Erfolge, daß die I Bahnverwaltungen ihre Tarifsätze für KohlentranSport auf ein Minimum herabsetzten. Natürlich wurde damit bezweckt, jenes 1 unentbehrliche Brennmaterial den Consumenten um so wohl- 1 feiler zu verschaffen. Ja früherer Zeit boten sich auch die Gruben- s und Eisenbahnverwattungen gemeinsam die Hand, um durch billige Preise einen möglichst ausgedehnten Absatz zu erzielen. Ander« in den letzten Jahren. Die Bergwerksvenvaltung(und wir reden speziell von der Saarbrücker) benutzte die wohlseilen Eisenbahn- fruchten, um den Preis der Kohlen mehr und mehr in die Höhe zu schrauben. Die Niedern Frachtsätze sind nicht mehr dem Pu- blikum, sondern einzig und allein dem preußischen Fiscus zugute gekommen. Der Preis der Saarkohlen ist binnen zwec Jahren durchschnittlich um hundert Prozent erhöht worden. Es ist uns dieser Tage eine Denkschrift zu Gesicht gekommen, welche nicht nur erörtert, daß der sog. Pfennigtarif die gesteigerten Selbstkosten nicht mehr deckt(die pfälzischen Bahnen allein haben in Folge der Kohlenpreissteigerung eine Mehrausgabe von ea. 300,000 fl. jährlich), sondern worin auch vollkommen glaubhaft nachgewiesen ist, daß die billigen Fahrtaxen lediglich als Anreizung zu immer weiteren Preissteigerungen dienten, und daß rechtz-itige Frachtpreiserhöhungen die rasch auf einander gefolgten Preisauf- schlage der Kohlen um den Betrag dieser Erhöhungen ermäßig� gehalten hätten. Es wäre im Interesse de? kohlenbedürftigen Pu- blikums zu wünschen, daß der preußische Landtag daS hier ange- deutete Berhältniß näher in's Auge faßte.— Nachschrift. Soeben erfahre ich, daß man in Saarbrücken die Kohlenpreise neuer-, dingS wieder erhöht hat!" Da hätten wir also den Standpunkt, den die preußische Re- gierung solchen Fragen gegenüber einnimmt. Handelt eS sich darum, die Tarifsätze zu ermäßigen im Interesse der Consumenten, so lehnt sie es ab, und es ist ihr gleichgiltig, ob die Ermäßigung den Zwischenhändlern oder den Consumenten zugute kommen würde; wo sie aber, wie bei den Saarkohlengruben, die Stellung des Unternehmers und Zwischenhändlers zugleich einnimmt, da besinnt sie sich gar nicht, die Tarifsätze zu ermäßigen, damit sie die Kohlenpreise in die Höhe schrauben kann. Die erhöhten Preise aber drücken den Kleinbürger und den Arbeiter. So wird die Arbeiterklasse zur milchenden Kuh für den Staat und für die Bourgeoisie, was die beiden Letzteren nicht hindert, daS kärgliche Bündel Heu, das dieser milchenden Kuh noch bewilligt wird, stetS höher zu hängen und spärlicher zu bedenken. — Im Max Hirsch'schen„Gewerkverein« finden wir eine Notiz bezüglich der oberlausitzer Gewerbevereinc, wonach die Generalversammlung derselben nachstehende fünf„Thesen", die dem Ge- Hirn deS Oberlehrers Packe inZittau entsprungen, angenommen hat: „1. Der oberlausitzer Central-Gewerbeverein hält die Grund- sätze der Sozialdemokratie für verwerflich und hat des- halb dafür Sorge zu tragen, daß allen im Bezirk auftretendei'. sozialistischen Agitatoren Opponenten entgegenlreten. 2. Die soziale Frage ist wesentlich mit BildungSftage. Dem- gemäß haben alle Vcrbandsvcreine: a. Arbeiterbildungs- und Gewerkvereine inS Leben zu rufen; wo das nicht möglich, haben sie in regelmäßiger Wieder- kehr öffentliche Versammlungen abzuhalten, in denen Fragen zu erörtern sind, welche die Interessen der Arbeiter be- rühren; d. die durck daS neue Schulgesetz geschaffenen Forbildungs- schulen kräftig zn unterstützen und dafür Sorge zu tragen,, v daß in diesen Schulen unter allen Umständen Unterricht über die wichtigsten Grundsätze der Volkswirthschastslehre ertheilt werde; c. Fortbildungsschulen für erwachsene Mädchen zu errichten in Orten mit Großindustrie namentlich ist in diesen Schulen auch Unterricht in weiblichen Handarbeiten zu ertheilen und sind die Schülerinnen im Kindergarten zu! beschäftigen. 3. Zur Erhaltung des Friedens zwischen d en betreffenden t Faktoren der Produktion sind Einigungsämter, resp. Schiedsgerichte! zu errichten. 4. Im Interesse der gedeihlichen Weitcrentwickliing und Sicher- f ftellung der wirthschaftlichen Lage der Arbeiter haben die Gewerbe-; vereine dafür zu agitiren, a. daß alle Arbeitgeber ihre Arbeiter in einer Unfallver-I sicherungSgenossenschaft versichern; d. daß die Arbeiter Kranken- und Begräbnißkassen beitreten;! c. daß die Arbeiter in Wittwen- und Jnvalidenkassen treten;! ä. daß daS Genossenschaftswesen, namentlich in der Form der» Konsum- und Vorschußvereinc gedeihe. S. Die Gcwerdevereine haben lebensfähige Produktiv-Genossm- schaffen zu errichten, resp. bestehende zu unterstützen." Max Hirsch schließt sich natürlich diesen„Thesen" verständniß; innig an. Wir haben vier nur unsere aufrichtige Freude auszudrücken,! daß sich in Sachsen endlich einmal Leute finden, die sich uns mit j offnem Bistr gegenüberstellen wollen. Auf den Inhalt der„Thesen" J lasse» wir uns hier weiter nicht ein; das dürfte Sache öffentlicher Erörterungen werden und wollen wir gelegentlich dem Herrn Pache in Zittau einen Besuch abstatten.'Cr mag dann öffentlich seine Palliativmittel mit den Bestrebungen der Sozialdemokratie vergleichen. Die Agitation— gerade jetzt bei den ReichStagSwahlen— wird von unfern Gegnern so feige und heimtückisch betrieben, daß wir den Gegner, welcher sich uns offen gegenüberstellen will, ge- radezu als einen weißen Raben betrachten müssen. Wir könnten „liberale" ReichStagskandidatcn namhaft machen, die zu feig sind, uns in öffentlichen Berfammlungen gegenüber zu treten und dcß- balb mittelst ihrer Gevatter- und Schwägerschafteu bei den einzelnen ÖrtSvorständen„im Süllen" für sich wirken. So, hoffen sie, wird sich«„schon machen". Die Arbeiter werden indeß begreifen, daß solche Gesellen, die nicht den Muth haben, vor dem Boll- zu sprechen, nicht fähig sind, für des Volkes Interessen gegenüber einer„starken" Regierung einzutreten. Die Arbeiter werden solche Leute einfach nicht wählen. Daß Herr Pache und die seinen„Thesen" zustimmten, nicht zu dieser Art von Maulwürfen gehören wollen, ist uns sehr erfreu- lich und wir werden die uns gebotene Gelegenheit nicht unbenutzt verstreichen lassen- — Die Ultramontanen in der badischen Kammer haben das Beispiel ibrer Berliner GlaubenSbrüder nachgeahmt und einen Antrag auf allgemeine gleiche und direkte Wahlen für den badi- schen Landtag gestellt. Verschiedene Blätter glauben, daß der Antrag durchgehen wird. Mag dem sein, wie ihm wolle; es wäre damit nur bewiesen, daß die badischen Ultramoutanen ebenso . liberal als die badischen„Liberalen" und daß der badische„Fort- schritt" mit den Ultramontanen gleichen Schritt hält, während der preußische hinter ihnen drein hinkt., — Den Durchfallcandidaten für den 17. sächsischen Wahlbezirk will, wie es heißt, gegen Bebel Hr. Penzig in Meerane abgeben; es ist das derselbe Herr, der kürzlich im sächsischen Landtag die � auch von uns milgetheilten berüchtigten Aeußerungen über die Lehrer mackite. Die sozialdemokratische Partei im 17. Bezirk ist Hrn. Penzig für sein Marchriuin sehr dankbar; es verlautete schon, die Gegner würden uns dlesmal den Bezirk ohne Kamps über- lassen und das wäre uns leid gewesen, denn nur ein im Kampf erfochtener Sieg hat Werth. Wir hoffen und wünschen also, daß sich die Gegner für Hrn. Penzig tücbtig ins Zeug legen und un- fern Genossen im 17. Bezirk den Sieg nicht allzu leicht machen. — Für letzten Sonnabend, Sonntag und Montag annoncirten unsere Parteiblättcr in Sachsen nicht weniger als 33 VolkSoer- fammlungen, ungerechnet die Vereins-, Partei- und Comit6sitzungen, die meist für denselben Zweck— die Reichstagswahlen— dienten. Bei solcher Rührigkeit werden eine Anzahl Siege nicht ausbleiben. Bildung durch die Behauptung kennzeichnet«,„iu der Entwicklung der preußischen Verhältnisse existire keine Analogie(nichts Ent- sprechendes) mit dem, was man in Frankreich die Bourgeoisie nenne!" d. h. es gebe in Preußen keine Bourgeoisie. Bloß Duncker von der Fortschrittspartei meldete sich für den Antrag zum Wort, kam aber nicht zum Sprechen. Genug: 271 Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses, darunter sämmtlichc Nationalliberale und die meisten Fortschrittler haben am 26. November gegen das allgemeine Wahlrecht gestimmt. Das Volk wird sich dieS ins Gedächtniß schreibe», und bei den nächsten Reichstagswahlen der siegreichen Majorität zeigen, daß eS nichts vergessen. Wo Einer jener 271 sich in einer VolkSversamm- lung präsentirt, um die Stimmen seiner Mitbürger wirbt, da treibe man ihn aus der Arena mit dem Ruf: Erinnere Dich des 26. November! bei Schünemann. Ferner sin» in der Bildung begriffen: Eiben- stock(Sachsen), Schwäbisch Gmünd(Süddeutschland), and find bereits Bücher und Statuten dorthin versandt und bringe» wir im Namen des Verein» den neueingetretenen Genossenschaften den herzlichsten Brudergruß. Die Collegen in den kleinen Städten gehen denen in den größtsen Städten mit gutem Beispiel voran, diese mögen sich bald tummeln, sonst bleiben sie weit hinten. Mtt Brudergruß und Handschlag! Für den Ausfchnß: F. Mumme, Geschäftsführer. Correspondenzen. parlamentarischer„Sieg". „Mit der Majorität von 271 gegen 96 Stimmen hat gestern das Haus der Abgeordneten in namentlicher Abstimmung be- s«blossen, den Antrag Windthorst auf Reform des preußischen Wahlsystems in zweiter Berathung erst nach Ablauf von : sechs Monaten in Bettacht ziehen. Damit ist der Inhalt des Antrags weder gebilligt noch mißbilligt(I), dagegen hat die weit- überwiegende Mehrheil des Hauses dauiil vor dein Lande- erklärt, daß die Arbeit, welche ihm seitens der Centtumspartei zugemuthet worden(!), nicht zu den dringenden(!) Anfgaben der eben begin- nenden Legislative gehört, daß sachliche Gründe nicht im Wege steyen, auch späterhin auf den so eifrig angeregten Gegenstand zurückzukommen, und daß abzuwarten sei, ob derselbe vielleicht(!) nach einem halben Jahre den Charakter einer mehr akademischen Frage abgestreift(!) und praktischen Werth erlangt haben werde." Mit diesen Worten kündigt die„Norddeutsche allgemeine Zei- tung" vom 28. Nov. die am 26. Nov. erfolgte„Niederlage" der Centtumspartei und deren„damit zur vollendeten Thatsache" ge- wordene Jsolirung" an. Bemerkenswerth ist, daß in dieser An- kündiguuz des Bismarck'schen Leiborgaus zum Theil wörtlich die Phrasen vorkommen, deren sich LaSker in seiner(natürlich„großen", mindestens vier ZeitungSspalteu großen) Rede für Erdrosselung des Windthorslffchen Antrags bedient hatte. Es ist dies ein neuer Beleg dafür, wie recht Windthorst hatte, die Nationalliberalen als „ministerielle" Partei zu kennzeichnen. Zu bemerken ist ferner, daß das Mittelchen, unbequeme Anttäge, die man nicht direkt zu verwerfen wagt,„mit guter Manier" loS zu werden, welches im englischen Musterparlament seit anderthalb Jahrhunderten, wo nicht schon länger, im Gebrauch ist, darin besteht, den betteffendenAntrag auf 6 Monate zu vertagen. DaS englische Unterhaus ist nämlich niemals so lange beisammen. Dieses Mittelchen hat d«*r Berliner Landtag vom Londoner Unterhaus geborgt, ist also bei Beseitigung des Windthorst'schen Antrags gewissermaßen durchaus parlamentarisch korrekt zu Wege geganzen. Charakteristisch ist freilich für den . preußischen Parlamentarismus, daß die einzige Waffe, die er bisher dem Arsenal des englischen Parlamentarismus entliehen hat, eine Keule ist, um— den Liberalismus todtzuschlagen. Ja, todt- zuschlagen, in zwiefachem Sinn. Als Waffe gegen einen liberalen Antrag, was der Windthorst'sche unzweifelhaft, selbst nach dem Ge- ständniß der„liberalen" Garotter war, und als Waffe gegen den Liberalismus im Allgemeinen, d. h. die ganze sogenannte liberale Partei. Letzteres, ww sich von selbst versteht, unfreiwillig. Durch sein Votum vom 26. November hat das preußische Abgeordnetenhaus den Liberalismus todtgeschlagcn. Beiläufig, der beste Dienst, den es uns leisten konnte. Die„große" Rede LaSkerS war eine traurige Sammlung von Gemeinplätzen, Trugschlüssen und Ausflüchten. Mit keinem Satz berührte er den Kern der Sache; er faselte stundenlang vom „Culwrkampf" und allen möglichen und unmöglichen Dingen— und schlich um die Frage selbst wie die Katze um den heißen Brei. Nun— diesen Brei werden die Herren bei den Wahlen zum Reichstag doch auszuessen haben. Windthorst hatte in seiner Re- plik Recht, als er den Nationalliberalen zurief:„Sie haben diese Couliffe(das Geflunker vom Culturkampf) nur aufgeschlagen, um dahinter zu verschwinden.-- Aber es wird mein eifrigstes Bestreben sein, die Schuldigen hinter diesen Coulissen her- vorzuholen." Wenn Windthorst weiter bemerkte:„Mein Motiv bei Stellung dieses Antrags war allerdings u. A. auch, dem Land zu zeigen, wo die liberale Partei hier sich eigentlich befindet," so ist das allerdings auch eine kleine„politisch- Heuchelei", insofern Hr. Windthorst sich und seiner Partei das Epitheton„liberal" vindizirt. Erwähnt sei noch, daß die Fortschrittspartei ihrer Mehrheit nach gegen den Windthorst'schen Anttag stimmte, daß Birchow Gewerksgenossenschaftliches. Gewerkschaft der Schuhmacher. chotha, 23. November. Am 1. Dezeuiber treten alle Diejenigen, welche vom 1. September an in die Krankenkasse steuerten, in ihre Rechte ein. Die Betheiligung an derselb-n ist im allgemeinen befriedigend, ja an manchen Orten wider Erwarten eine starke und können wir mit Genugthuunz auf das was die letzte General- Versammlung geschaffen blicken. Wir wünschen ausdrücklich, daß die Gewerkszenossen soviel als nur möglich den sie bevormundenden städtischen oder in den Händen der Meister und Fabrikanten be- findlichen Krankenkassen den Rücken kehren. Machen wir uns frei von jeder Bevormundung und jedem Einfluß, der unsre männliche Ehre untergräbt und lernen wir mehr und mehr den praktischen Werth der Selbstverwaltung kennen. Unsere Krankenkasse ist ein Institut, wo Niemand wegen seiner Gesinnung hinauSgemaßregelt wird, oder bei Geschäftsstockungen, wie dieS bei den Fabrik-Kranken- lassen der Fall ist, seiner Ansprüche an die Krankenkasse verlustig� geht; oder wenn er einem Werksührer mißliebig geworden ist, fort-! verschiedenen Parteien gejagt und dadurch um seine Krankewsteuer geprellt wird. Obgleich"' nun der Erfolg uusrer Krankenkasse ein guter ist, so müssen wir doch die Collegen allerorts darauf aufmerksam machen, daß für die Krankenkasse unermüdlich azilirt werden muß. Collegen aller- ortS, tretet ein in die Krankenkasse, ttetet ein in die Gewerkschaft, wenn Ihr vor Vergewaltigung in jeder Art geschützt sein wollt. Lange genug sind wir das Aschenbrödel der Gesellschaft gewesen, lange genug haben wir ein Leben voller Elend und Noth verbracht, zeigen wir endlich einmal in uusrem eignen Interesse, daß wir die Zeit, in der wir leben, begriffen haben, treien wir auf als selbst- ssändige Männer und alle Bevormundung wird und muß fallen. Wir ersuchen die Beamten der Krankenkasse, nachdem schon mehrere eS gethan, um Einsendung des Eintrittsgeldes sowie um die- fällige erste Rate des letzten Ouartals, damit wir zum 1. Januar über die Krankenkasse abrechnen können. Es wird und muß streng nach dem Statut gehandelt werden. Wie die Krankenkasse, so'wachst die Gewerkschaft in gleichem Maaße. In Meißen hat sich eine Mitgliedschaft durch unsre Dresdener Collegen gebildet, Bevollm. ist Karl Sroyde, bei Herrn Triebet, Lorenzgasse 121. In Frank- furt a. M. hat sich gleichfalls eine Mitgliedschaft constituirl, Bev. ist Jacob Gimbel, Bendergassel, 3 Tr.: Beilragsammler Joseph Rilling, Töngesgasse 34, Hinterhaus 2 Tr.; Controlleur Heinr. Schwörer. Die auf Reisen gehenden Kollegen werden ersucht soweit sie Frankfurt a. M. berühren, sich au obige Freunde zu wenden. Der dort dominirende„Allgemeine" sucht natürlich, wie uns berichtet wird, auch diese junge Schöpfung zu vernichten und man zeigt nicht wenig Lust, Orgien aufzuführen, wie sie den Hassel- männern eigen sind., Schuhmacher Deutschlands, wendet Euch ab von Leuten, die nicht genug daran haben, daß sie zur Schande der Arbeiterbewegung und zur Freude der Gegner das arbeitende Volk gegeneinander hetzen und sich zerfleischen lassen. Dieselben wollen diese Tölckiadeu auch auf unsre Branche übertragen und den Schuhmachern dadurch gleichfalls daS Brandmal der Schande aufdrücken. Doch was kümmert daS alles jene Leute, wenn sie nur ihren Zweck erreichen. Schuhmacher, laßt Euch nicht zu Dingen gebrauchen, die unsre Acbtung untergraben. Warum beantwortet der Bev. in Braunschweig die zwei an ihn gerichteten Briefe nicht? Wir verlangen Auskunft, wie eS mit Helmstedt steht. ES ist Pflicht, daß das, was man angefangen hat, auch vollendet. Wir ersuchen sämmtliche Partei- und Ge- werksgenossen, wo sicb die Gelegenheit bietet, für unsre Gewerk schaft zu wirken, mit uns in Korrespondenz zu treten.~ -beipzig, 2. Dezember. Der hier erscheinende„Correspondeut des Centtalvereins der deutschen Hutmacher" enthält in seiner Nummer vom 1. Dezember einen Auftuf an alle Hutmacher �Deutschlands, in welchem in warmen Worten zur Betheiligung an den ReichStagSwahlen aufgefordert wird. Die männlich-offene Sprache dieses AnsrusS, die keinen Zweifel zuläßt, auf welche Seite sich die Hutmacher zu stellen haben, steht in erfteulichem Gegensatz zu der nichtswürdigen Zumuthung der Leiter der Hirsch- Duncker'schen Gewerkoereine an die Mitglieder der Gewerkvereine, diese sollten ihre Stimme notorischen Arbeiterfeinden, wie einem Ludwig Wolf, geben. Der Aufrui lautet: „Es wird Bielen unserer Collegen bekannt, vielen auch nickt bekannt sein, daß in der ersten Woche des Januar 1874 die Neuwahl des deutschen Reichstags stattfiuden soll. „Der Reichstag soll also neue Volksvertreter in sich aufnehmen und zwar deshalb, weil die Mandate der bisherigen Volksvertreter erloschen. DaS deutsche Parlament ist der einzige Ort, wo dce Clässe der Arbeiter seine Rechte wahrhaft, seine Interessen politisch wie ökonomisch und daS mit Nachdruck zur Geltung dringen kann. Jede Classe, die verschiedenen politischen Parteien:c. werden darnach streben, Vertreter ihrer Interesse» mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln in den deutschen Reichstag zu wählen. Die verschiedenen Parteien— als da sind die sogenannten Fortschrittler, Liberale, Conservative, Klerikale ic.— werden nimxet das Interesse der Arbeiter vertteten; Beweise hierfür haben wir in Masse in der vorigen Sitzungsperiode des Reichstag« deutlich erlebt. Man hat sogar schon die sogenannte Gewerbe-Ordnungsnovellc in petto: ein Gesetz, welche? bestimmt, daß„conttactbrüchige" Ar- beiler mit Gefängniß bis zu 6 Monaten bestraft werden. ES tonnte dieS auch nicht anders kommen, da die Arbeirer nur wenige Vertteter hatten, welche uatürlicd stets von der Majorität des Hauses zum Schweigen gebracht wurden. „Aber, Collegen, das muß anders werden! Ihr habt vielleicht zum vorigen Reichstag auch gewählt, aber aus Unkenntniß oder blindem Vertrauen Eure Stimme« vielleicht einem„großen Herrn" gegeben, welcher wohl seine Umgebung, seinen Glanz kennt, aber nie und nimmermehr daS Elend der arbeitenden Classe. Und wena derselbe es auch kennen sollte, er verlritt nur sein Interesse, was kümmert ihn die sogenannte blinde Masse; Er ist zufrieden und findet es ganz natürlich, wenn eben dies« für ihn stimmt. Benutzt die Waffe, Collegen, die Euch die Gegner in die Hand gedrückt, benutzt daS allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht! Jeder Arbeiter, sobald er das a5. Lebensjahr zurückgelegt, hat das Recht zu wählen. Wählt Männer in das Parlament, die Arbeiter sind und Eure Interessen genügend vertteten können; gebt Eure Stimme nur Denen, die von einem Arbeiter-Wahlcomite als Candidaten ausgestellt find. Damit aber auch ein Jeder das Wahlrecht aus üben kann, wird man wohl thun, wenn man sich überzeugt, ob man in der Wahlliste auch verzeichnet ist, was von jeder einzeln e Behörde öffentlich bekannt gemacht wird. „Hutmacher, Collegen! auch uns braucht man, auch wir haben daS Interesse, was die gesammte Arbeiterwelt hat; auch wir dürfen nicht zurückbleiben. Oder will man etwa behaupten, daß, wenn ein Gesetz gemacht wird, welches alle Vereine oder alle Gesellen- Verbindungen untersagt, oder wenn ein Gesey gemacht wird, daS den Gesellen alle Rechte benimmt und sie direkt ihren Arbeitgebern unterwirft, dies im Interesse unseres Vereins ist?-- Ja, Collegen, hier ist des Pudels Kern! Hier ist daS Fundament zur Hebung unserer ganzen Arbeiterbewegung! Nur gesetzmäßig, auf Grund des deutschen Reichs-Wahlgesetzes und vermöge unserer ungeheuren, kolossalen Majorität(v. h. die der gesammten Ar- beiter) soll dieses Wahlrecht richtig in unserem Interesse gehanv habt werden, und wir verlangen, waS man uns bis dato vor- enthielt. „Hutniacher, Collegen! diese Reickstagswahl kommt nur alle drei Jahre vor. Bedenkt also, was in diesen drei Jahren AlleS Gewerkschaft der Metallarbeiter. Leipzig. In der am 30. November stattgehabten Sitzung der Conttollkommission wurde Envesunierzeichneter zum ersten Vor- sitzenden gewählt. Die Conttollkommission besteht jetzt aus folgenden Personen: Emil Kolbe, Oskar Stephani, Friedrich Löbel, August Engelmann, Carl Kutscherreirer. DieS zur allgemeinen Kenntniß. Emil Kolbe, 1. Vors., Antonstr. 19, 3 Tr. WWWWWWWWWDWWUW I W gegründeten Mitgliedschaften ersuchen wir, den Mitgliedern mit Rath und That zur Seite zu stehen, wie wir ein Gleickes ver- geschehen kann, wenn wir nicht Männer wählen, welche unsere sprechen. Man unterschätze nicht die Gewerkschaften. Interessen vertreten; unsere Vereine, überhaupt unsere gesammten Mit Brudergruß Für die Verwaltung: W. Bock. Interessen können furchtbar geschädigt werden. Lasset Euch nicht ! bethören durch schöne Worte, oder wenn man Euch einen Vertteter in Gestalt eines Wahlzettels in die Hand drückt. Nehmt den Zettel zwar getrost, aber steckt den andern bereit gehaltenen Zettel mit dem wahren Vertteter Eurer Interessen in die Wahlurne. List gegen List. „Auf also, Collegen? rüttelt Euch auf, damit man uns nicht nachsagen kann:„Ihr habt Eure Pflicht nicht erfüllt, wozu Euch Euer Interesse und der Staat berufen als deutsche Staatsbürger." Leipzig. Im„Delitzscker Kreisblatt" lesen wir Folgende?: „Der Landwirth Oltomar Reichardt aus Brehna, 27 Jahr alt und unbestraft, hatte sick wegen fahrlässiger Tödtung eines Menschen und Ueberttetung der Regierungsverordnung vom 5. April 1862 zu verantworten. In der Letzteren ist vorgeschrieben, daß bei Dreschmaschinen, sobald sie in Bewegung gesetzt werden, zur Verhütung von Unglücksfällen bestimmte Sicherungsmaßregeln zu tteffen sind, insbesondere Ueberdeckung der TranSmissionswellen u. s. w. Reickardt war dieser Verordnung nicht nachgekommen. Die von ihm als Arbeiterin angenommene Wwe. Kuhnert war in Folge hiervon am 26. Septbr. von der TranSmisssonSwelle erfaßt und getödtet worden. Der Angeklagte erklärte sich für nichtschuldig, mdem er anführte, die Kuhnert habe ihrer eigenen Unvorsichtigkeit ihren Tod zu danken. Der Gerichtshof hatte eine andere Ansicht und verurtheilte ihn nach der Anklage zu 14 Tagen Gefängniß und 10 Thlr. Geldstrafe event. 5 Tagen Haft."— Daß in der heutigen Ausbeutergesellschaft der Tod eines Menschen, besonders eines Arbeiters, nicht hoch angeschlagen wird, ist allgemein bekannt, und der Landwirth Reichardt hätte wirklich sein Bergehen gesühnt, wenn im vorliegenden Falle die Rezierungs- Verordnung vom 5. April 1362 in Bettacht käuie. Wir find aber der Anficht, daß Reichardt, nachdem festgestellt ist, daß die Kuhnert bei Bedienung der Dreschmaschine durch Reichardt's Verschulden den Tod erlitte» hat, nach den Bestimmungen deS HastpflichtgesetzeS abzuurtheilen ist. § 3 des Haftpflichtgesetzes lautet:„Der Schadenersatz ist zu leisten: 1) im Falle der Tödtung durch Ersatz der Kosten einer versuchte» Heilung und der Beerdigung, sowie de« BermögennachtheilS, Gewerkschaft der Holzarbeiter. Araunschweig. 30. November. Die hiesige Mitgliedschaft wählte am Freitag den 28. d. Mts. zum Bevollmächtigten den Stellmacher W. Holla, wohnhaft. Weberstraße 11. Der Bevollmächtigte. Allgemeiner deutscher Schneiderverein. Araunschweig, 28. November. Betteffs der Statuten des Kranken-UnterstützungsbundeS ist eS nöthig, daß die Urabstimmung schleunig vollzogen wird. Die Bevollmächtigten werden ersucht, das Resultat der Urabstimmung bis zum 8. Dezember an August Wend, Kleivermacher für Herren in Berlin, Alte Schönhauser- sttaße Nr. 11, 3 Treppen, einzusenden; später eingesendete werden keine Berücksichtigung finden. Ferner mache ick darauf aufmerksam, daß nack Beschluß der Generalversammlung zu Gotha alljährlich ein statistischer Bericht an den Ausschuß einzusenden ist. Die Be- vollmächtigten müssen sich daher in dem One, wo sie sich befinden, und soweit sie Kunde einziehen können, Mühe geben, einen Be- richt über die Löhne, die für die Arbeit gezahlt werden, sowie über die Preise der Lebensmittel, bis zu Ende dieses Jahres an den derzeitigen Ausschuß einsenden. Die Adresse des Bevollmächtigten in Helmstedt ist: H. AhlerS, Ostendorf bei Fischer, die deS KasfirerS: Paul Senf,<,Schuhsttaße oder Berminderung der ErwcrbSoufähigkeit erlitten hat. Zar der Getödtete zur Zeit seines Tode« vermöge Gesetze«»er- pflichtet, einem Anderen Unterhalt zu gewähren,. so kann dieser in soweit Ersatz fordern, als ihm in Folge deS Todesfalles der Unter halt entzogen worden ist; 2) im Fall einer Körperverletzung durch Ersatz der HeiluugSkosten und des Vermögennachtheils, welchen der Verletzte durch eine in Folge der Verletzung eingetretene zeitweise oder dauernde Erwerbsunfähigkeit odtr Verminderung der Er- werbsfähigkeit erleidet." Avis für die Parteigenoffen in Delitzsch ES handelt sich jetzt darum, zu ermitteln, ob die Kuhnert Kinder oder sonstige Angehörige hinterlassen hat, die in ihr der Er nährerin beraubt sind. Äst das der Fall, dann ist an den Land- wirth Rcichardt eine Forderung wegen Schadenersatz zu stellen und im Weigerungsfalle Klage gegen ihn anzustrengen. Die Aus- beuter sollen und müssen erfahren, daß sie nicht freventlich das Leben eines Arbeiters aufs Spiel setzen dürfen. Burgstädt, 2. Dezember. In der am vergangenen Sonntag im„Bellevue" abgehaltenen Volksversammlung referirte der Kan- didat der Arbeiterpartei Julius Vahlteich aus Chemnitz unter allgemeinem Beifall über das Thun und Treiben der verschiedenen Fraktionen in der Volksvertretung. Unsere Gegner, zu denen auch unser Stadtoberhaupt zählt, glänzten durch Abwesenheit. Als Gegenkandidat ist von den Liberalen der Handelskammersekretär Dr. Gensel aus Leipzig aufgestellt. Die Wahlen werden lehren, wer Sieger bleibt, ob wir, die wir offen und frei für unsere An- sichten auftreten, oder jene, die im Geheimen feig und hinterlistig wählen. Arbeiter des 15. sächsischen Wahlkreises, unsere Parole ist:„Alle für Einen, Einer für Alle!" Am 10. Januar alle zur Wahlurne. Der von dem Wahlcomite erwählte Gesammworstand: Karl Vogel, Vorsteher; August Sippel, Protokollant; August Eagclmann, Kassircr; Gustav Fischer, stellv. Vorstand und Schriftf. ausw. Correspondevzen. Hieicheuvach i."g?., 1. Dezember. Vergangenen Sonntag hatten wir eine Volksversammlung von durchschlagendem Erfolg. Es hatte sich Herr Kayser aus Mainz als Redner anmelden lassen. Herr Kayser unterzog in seinem Vortrag zunächst das Haftpflichtgesetz und Militärstrafgesetz einer scharfen Kritik. Bei dem ersteren erklärte er, daß dasselbe aus dem Reichstag für die Ardeiter schlechter hervorgegangen sei, als die Regierungsvorlagen, und dies hauptsächlich durch die Haltung der liberalen Partei, zu welcher Dr. Georgi auch gehöre. Er besprach dann die alljähr- liche Thätigkeit des Reichstags, serner die RcgierungSthätigkeit, weiter die Thätigkeit der einzelnen Mitglieder und dann die in Aussicht stehenden Gesetze. Bei den ersten Punkten beleuchtete er daS Wirken der liberalen Partei in einer Weise, daß auch dem blödesten Auge sichtbar wurde, waS die Herren geschaffen, und jedesmal, wenn der Redner einen recht dunkeln Punkt an'S Licht zog, hieß es gewöhnlich: Und zu dieser Partei gehörte Herr Dr. Georgi. Heiterkeit erregte es, als Kayser meinte, der Unterschied zwischen den Liberalen und den Fortschrittlern sei blos der, daß erfiere auf dem Bauche vor Bismarck kriechen, während die letzteren aus den Knieen rutschen. Wie gewöhnlich, war auch diesmal die Nachfeier in einer be- freundeten Restauration, und als dort betont wurde, wie auch terr Dr. Georgi gegen die Freilassung Bebels in dem letzten eichstag gestimmt habe, äußerte ein Anwesender, daß sich damit alle Diejenigen, welche gegen die Freilassung gestimmt, selber in'S Gesicht geschlagen hätten, weil sie doch Deutsche wären und durch diesen Beschkuß ein Stück Deutschland(Bebels Wahlkreis) zeitweilig aus Deutschland ausgeschlossen hätten, und daß dieser Beschluß nicht eigentlich Bebel geschädigt habe, sondern dessen Wahlkreis und zwar nur deshalb, weil etliche Menschen eine andre Ansicht von Recht hatten als 11,0000. Hotha. Am 1. Dezember wurden die Tischler, 14 an der Zahl, der Möbelfabrik von Hoffmeister und Co. von ihrem Prin- zipcll durch den Werkftihrer mit einer Fabrikordnunz und Verkür- zung des Lohnes von 6 Thlr. auf 5 Thlr., laut Bekanntmachung am 8. Dez. 1873 in Kraft tretend, beehrt. Es wurde beschlossen, Beides zurückzuweisen, mit welchem Beschlüsse sich die am 1. Dez. stattgefundene Versammlung sämmtlicher Gewerkschaften cinverstan- den erklärte, und folgende Resolution einstimmig annahm: »Die heutige Versammlung sämmtlicher Gewerkschaften Gothas erklärt sich mit dem Entschluß der Arbeiter der Möbelfabrik von Hossmeffter und Co., die in Aussicht gestellte Fabrikordnunz und Lohnverflirzung zurückzuweisen, einverstanden." Arbeiter! GewerkSgenosscn allerwärts! Wir hoffen, auch Ihr werdet diesem Entschlüsse Eure Anerkennung nicht versagen. Suchet allen Zuzug der Tischler von hier fern zu halten, da vielleicht in Kürze eine Lohnherabsetzung im Allgemeinen in Aussicht ist. Wir bemerken noch, daß die Resseunterstützung der Mitglieder bei dem Kassirer Johann Bengart, Dammweg Ztr. 6, von Mittags 12 bis 1 Uhr, Abends von 7 Uhr ab ausbezahlt wird. Mit sozialdemokratischem Gruß! Der Vorstand. Hiseuach, 29. November. Gestern fand hier eine Volksver- jammlung statt mit der Tagesordnung:„Die Reichstagswahlen und welches Interesse hat das arbeitende Volk daran." Referent H. Giffey aus Berlin wies in eingehender Weise nach, daß man dem arbeitenden Volk von verschiedenen Seiten bisher manche Versprechungen gemacht, aber auf deren Erfüllung hätte man es bis jetzt noch warten lassen. Redner erörterte hierauf, welches nächste Ziel die Arbeiter ins Auge zu fassen hätten, und empfiehlt die in uuserm Programm unter 3 aufgestellten Forderungen. Um nicht wieder die Betrogenen zu sein, fahrt Redner fort, müssen sich die Arbeiter bei der bevorstehenden ReichstagSwahl als selbstständige Partei zeigen und mit aller Kraft für einen Arbeiter- Candidaten eiutretcu; Referent empfiehlt den von den hiesigen Arbeiteru auf- gestellten Candidaten W. Liebknecht. Redner betonte noch, daß daS Verfahren in dem heutigen Klassenstaat ein höchst unzerechtes fei, indem der Staat wohl von den Söhnen des Volkes verlange »Gut und Leben zu opfern," aber die Ansprüche des Volkes entweder schnöde zurückweise oder mit zweierlei Maaß messe. So habe man z. B. die gemeinen Invaliden vom„heiligen" Kriege wie Bettler abgespeist, den adligen Offizieren aber fette Pensionen gewähn. Und dieses ungerechte Verfahren werde mit Bewilligung des RiichStageS geübt. Redner unterwarf alsdann noch die Heu- tige Presse einer scharfen Kritik und forderte zum Schluß die Gegner aus, ihn zu widerlegen, was natürlich»icht geschah. Den Äuwesenvcn legte Referent alsdann an'S Herz, sich in die Listen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei einzeichnen zu lassen, welches werden. 12 Mann thaten. Nach Beendigung deS Vortrages sprach noch'kommen sollten, unS zu besuchen. Mit sozialdemokrattschem Gruß BarowSky. Arauuschweig, 28. November. Hier ist die Wahlbewegung im ganzen Lande im vollsten Gange. Seit 2 Monaten werden von unS Versammlungen abgehalten, und zwar mit durchschlagendem Erfolg. Die Landbevölkerung, welche bei unS eine bedeutende Rolle spielt, zeigt sich als aufgeweckt und sehr energisch. ES werden von verschiedenen ländlichen Wahlcomit«S Anstrengungen gemacht, die ihres Gleichen suchen. Eine große Anzahl von Wahl- comitös in allen Gegenden deS Herzogthums ist gebildet. DaS arbeitende Volk beweist, waS hingebende Liebe zu leisten vermag. Am vergangenen Sonntage waren von hier allein 30 Mann zu Fuß nach dem 4 Stunden entfernten Sophienthal gegangen bei dem abscheulichsten Unwetter, daS sich denken läßt, so daß die Schaar nur truppweise, sehr mitgenommen und zu sehr später Stunde das Ziel erreichte. Sophienthal liegt in der Nähe von Meerdorf, in welchem Orte die Wuth einiger an daS„Theilen" glaubender Bauern vor einigen Wochen unserem Bracke gelind, unfern Tanz dagegen sehr empfindlich zugesetzt hatte. Die Ver- sammlung in Sophienthal war für uns ein großer Triumph. Ucberhaupt steht die Bewegung hier ausgezeichnet. Eine Haupt sorge war bisher die Anlegung eines guten Adreßbuches für alle Orte, was von der größten Wichtigkeit und von ausschlaggebender Bedeutung ist, wir mächen alle Parteigenossen darauf aufmerksam! Als Candidat ist von uns in allen drei Wahlkreisen unser Bracke ausgestellt; im Kreise Braunschweig-Blankenburg ist er der offizielle Parteicandidat. Ihm steht gegenüber im Kreise Gendersheim Holzmindcn der bisherige Abgeordnete, Hüttenbesitzer Koch, der sogar gegen die Diäten stimmte! Im Kreise Wolfcnbüttel-Helm- stadt wird der von Wolfenbüttel protegirte Kultusminister Falk wohl definitiv aufgestellt werden. Echt bezeichnend für diese Nw tionalmiserabcln: einen Träger der Regierung als Volksvertreter herbeizuwünschen! Im Kreise Braunschweig-Blankenburg streitet man sich liberalerseitö noch zwischen dem Commerzienrath Schöttler, der von der Regierung und den Gründern, und dem Advokat Abelen, der von der TageblattS-Fraction protegirt wird; letztere ist bekanntlich für die Annexion an Preußen. Unsere Arbeit wird noch eine sehr große sein, aber die allent halben sich zeigende Begeisterung und Ausdauer werden diese Arbeit ermöglichen. Was nicht durch Versammlungen geleistet werden kann, suchen wir durch Flugblätter zu erreichen, von denen zwei bereits erlassen sind. Hierbei kommt uns die Volksfreund Druckerei sehr zu statten, sowie ferner unser Adreßbuch. Die Wuth unserer Gegner ist groß, wird ihnen aber nichts nützen, denn sie verlieren dabei oft ihr ruhiges Blut und werden dann von unserem Volksfteund furchtbar abgemuckt. Eines WahlopferS, das wir bereits zu beklagen haben, sei hier noch gedacht. Es ist begreiflich, daß unsere Gegner das Mögliche aufbieten, um unS zu schaden, so durch abspenstigmachen von Lo- kalcn. So sollte einst eine Versammlung in Salzdahlum sein, die aber in solcher Weise verhindert wurde. Der Maurer Pieper aus Broitzem ging nun zwei Mal in jene Gegend, erlangte zuletzt das Local in Ahlum, wo dann die Versammlung auch abgehalten wurde, war aber unterwegs in einen Graben gerathen und voll- ständig durchnäßt. In dicsem Zustande fuhr er von Wolfenbüttel nach Braunschweig, stattete hier dem Wahlcomitö Bericht ab und ging dann nach Broitzem. Zwei Tage später wurde er krank und nach wenigen Tagen war er eine Leiche. Die unterwegs sich zu- gezogene Erkältung hatte ihm den Tod gebracht. Ehre seinem Andenken! Er wurde dadurch noch im Tode geehrt, daß viele Hunderte von Parteigenossen unter dem Wallen der rothen Fahnen ihn zu Grabe geleiteten! Tanz, der in Mecrdorf schändlich mißhandelt wurde, ist sehr schnell wieder hergestellt worden Wir setzen hier Alles d'ran, um den Sieg zu erreichen. Süchteln, 27. November/(Zur Reickistagswahl.) Verflossenen Sonntag den 28. November fand Hierselbst die vom Ausschuß bestimmte Delegirten-Conferenz für den Kreis Kempen, verbunden mit einer Volksversammlung, behufs endgültiger Wahl eines Can- didaten zur bevorstehenden ReichstagSwahl unter starker Bechei- ligung statt. Vertteten waren die Orte: Grefraih, Dülken, St. Tönis, Vorst und Süchteln. Ferner waren auf Anordnung des Ausschusses erschienen: Karl Henning aus RonSdorf als Vertreter des Ausschusses. G. Schumacher aus Cöln als Vertteter des rheinischen AgitationscomitöS, Obermann(Crefeld), Sauren(Glad- bach) und Eschen aus Borschemich(Kreis Erktcnz). Als Vor- sitzender wurde Herm. SchrörS auS Süchteln, als Schriftführer F. Wolters auS Grefrath ernannt. Unterzeichneter hält es nicht für nothwendig, die einzelnen De- hatten hier näher mitzutheilcn. DaS Resultat der Conserenz war, daß G. Schumacher aus Cöln einstimmig als Candidat für den Kreis Kempen gewählt wurde und daß derselbe die auf ihn ge- fallene Wahl schließlich annahm. Süchteln wurde als On deS Central-WahlagitationS- Comitö ernannt. Bezüglich der Agitation wurde beschlossen, der geogra- phischen Lage und her Gleichheit der Industrie halber dieselbe mit dem Kreise Crefeld gcmeinschastlick zu betreiben. Die VolkSver- sammlung war zahlreick besucht. AuS allen Ortschaften der Um- gcgend waren, trotz des schlechten WetterS, die Arbeiter in Massen erschienen. Zum ersten Vorfitzenden wurde Obermann(Crcfeld), zum zweiten Unterzeichneter und zum Schriftführer F. Wolter« (Grefrath) ernannt. Unter großem Beifall entwickelten die Herren Schuhmacher, Hen- ninz und Obermann die Grundsätze der Sozialdemokratie und forderten die Anwesenden auf, in den großen Culturkampf einzu- treten. Die Begeisterung war groß und die Versammlung swird zur Befestigung unserer Sache viel beigetragen haben. - Weitere Berichte über die Wahlagitation werden folgen. Mit Gruß Herm. SchrörS, Vertrauensmann, Hochstr. 26. Damberg, 28. November.(Agitationsbericht.) Kurz nach- einander hatten wir hier zwei Volksversammlungen unter starker Betheiligung. In der ersten Versammlung, die am 10. d. Mts. abgehalten wurde, referirte Karl Grillend erger auS Nürnberg über die Thätigkeit deS deutschen Reichstages zur allgemeinen Zu- ftiedenheit. In der zweiten Versammlung, die am 23. d. MtS. stattfand, sprach Max Kayser auS Mainz über Volksbildung und die ReichStagSwahlen, ebenfalls unter allseitiger Zustimmung. Die Kandidawt Dr. I. Jacobv'S wurde acceptirt und dessen Erklärung, die Wahl annehmen zu wollen, mit Beifall begrüßt. Und nun wollen wir mit allen Mitteln agitircn, die uns zu Gebote stehen; wir ersuchen aber dringend, alle Agitatoren, die in unsere Nähe der Redaktion. B. in Rochlitz: Dem Aufruf motzten wir erst dem Eentralwahlcomit« in Geithain vorlegen. K. in Zürich: Wünschen Sie, daß wir eine AuSemandersetzung der von Ihnen gestellten Frage im „Bolksstaat" bringen, oder daß wir sie brieflich erörtern? der Expedition. B. A. G. Hamburg Schr. Thlr. 19 8. Wkps Hannover Ag.-Rr. 20 Gr. Arn Trieb Schr. Gr. 4 5. Mllr Marburg 15 Gr. Zwg Finsterwalde Schr.? Gr. Sch Wien Ab. De*. 10 Gr. Fach», d. Holzarb. Salzburg Ab. 4. Qu. Thlr. 1 21. Hck Römerstadt Schr. 7 Gr., Ab. 4. Qu. Thlr. 1 14. I Mri Schmölln Ag.-Nr. 2 Thlr. A. Gr. Neukirchen Ag.-Nr. 1 Thlr. Schbrt Kirchberg Ag.-Nr. 10 Gr. Zmmr Laufigk Schr. Thlr. 1 6. Hr. K. Einbeck Schr. 6 Gr. Mllr hier Schr. Thlr. 2 15. Kstnr Frohburg Ag.-Nr. 20 Gr., Schr. Thlr. 1 13 5. Mtllarbgewerksch. Werdau Ann. 5 Gr. R. Klnk Berlin Ab. Nov. Thlr. 7 19 5. W. Zpt Breslau Ab. 4. Qu. 10 Thlr., Ag.-Nr. 20 Gr. Wltr Greffrath Ag.-Nr. 20 Gr., Schr. Thlr. 111. Mß Anclam Schr. 1 Thlr. Mrtg Eoldiy Schr. Gr. 10 5. Schndr Mannbeim Schr.! Thlr. 1 26 5. Fschr Wittgensdorf Schr. Thlr. 1 28 5. Elsn Eschwciler � Schr. Gr. 11 6. Stckorck Nowawes Schr. 1 Thlr. Br. Lößnitz Schr. 24 Gr. Dppsch Zell Schr. Thlr. 1 15. Wlz Friedberg Schr. Gr. 15 5.! Effr Burscheid Schr. Gr. 26 3. Bff Seesen Schr. Thlr. 1 6. Gnthr Großenhain Schr. 21 Gr. Stcnogr. d. Arb,- Bild.- Ver. Leivzig Ann. 8 Gr. Tttln Witten Ag.-Nr. Thlr. 1 20. Sthl Geithain Schr. 24 Gr. Msr Stuttgart Schr. 10 Gr. Nmpk Königsberg Schr. Thlr. 4 18. F. i Dir. Dresden Schr. Thlr. 1 25 5. SchnhlS Deuben Schr. 20 Gr. W. Smirss Flundern Schr. Thlr. 6 18 3. Arb.-Bild.-Ver. Leipzig Ann.; Thlr 1 1. Ackrm Gößnitz Ag.-Nr. 10 Gr. Schrmn Basel Ag.-Nr. 10 Gr. W. Mrgstr Geyer Ag.-Nr. 10 Gr. Schl Bielefeld: Wird recherchirt. A. Sch. Wim das betr. Ab. nach Genf kostet 15 Gr. bei 1 mal. wöchentl. Versendung. E. Rlnd Kirchheimbolanden Ihr Abonn. kostet 18 Gr._ Genofsenschaftsbuchdruckerei. Antheilscheine bez. Antheilquütungm erhielten ferner: In Hannover:' R. E. 1, F. W. 1, B. L. 1, W. W. 2, R. T. 2. in Eßlingen: G. H. 4, m Meerane: E. P. 1, in Töln a. Rh.: I. H. 10, A. U. 1, W.! P. 1, in Leipzig: E. B. 100 Thlr._ H a d l i ch. Zum Reichstagswahlfond. V. R. S. in Leipzig 15 Gr., gesammelt in einer hiesigen Instrumenten- fabrik 22 Gr., vom Skalclub.der Rothen 10 Gr._ Fink. Anzeigen:c. Berlin Sozialdemokratische Arbeuerpariei. Sonntag, den 7. Dezember, Vormittag« 10 Uhr: Partei- � Versammlung bei Happold, Prinzenstraße 72. Näher,« durch die Sonn- abmds-Placate.— Die Parteigenossen haben zahlreich und pünktlich;ul erscheinen! Heinsch, Vertrauensmann. Berlin Metallarbeitergewerksgenosseuschast. Sonnabend, den 6. Dezember e., Abends balb 9 Uhr: Monatsvcrsammlung bei Macke, Auguststraße 80.— I) Kassen- und Revisionsbericht. 2) Bortrag: Was ist Lohnarbeit? Gcwcrksgenossm agitirt und bringt Jeder neue Mitglieder mit. Der Bevollmächtigte. Berlin Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 6. Dez., Abend« 8 Uhr: Versammlung im Lokale de« Herr» Derosche, Köpnikerstraße 143. Aufnahme nmer Mitglieder. Sonnabends den 13. Dezember: Generalversammlung.— Wahl des, Vorstände«.— Die Mitglieder werden auf§ 25 aufmerksam gemacht. D. B. I sWf» Die Parteimitglieder von Barm« und Elberfeld find VlUHll-ll ans Sonntag, den 7. Dezember, Nachmittag« 5 Uhr,! bei Wirth Engelbert, Wupperftraße, w Barmen,«ingeladen. H. Langendors. Breslau Arbeiterverein Geselligkeit. Sonntag, den 7. ds«. Mts., von Abend« 7 Uhr ab: chesellige Zusammenkunft mit Z)amen im Saale de« Hotel«„Zar Nova", Grünebaumbrücke, 1 Treppe link«. Die Mitglieder mit ihren Familien werden um recht zahlreiche Bi<� theiligung ersucht.— Gäste haben Zutritt._ Der Borstand, j Til't»crlpil Arbeits-& Wohnungsnach weis von C.J.K van« l'J l iMlt il � Arbeitcrbildungsvcrein, Falmstrasse 20. Ii«. AittttftitVrt Fachverein der Klempner und Gasfitter. Sonntag, den 7. d. M., Vormittag« 11 Uhr: Geschlaffene Mitgliederversammlung bei Eckhardt, Schoppenstahl 22. T.-O.: Dringende Vereinsangelegenheitm. Der Vorstand. NB. Jede« Mitglied muß erscheinen. Internationale Metallarbeitergewertsgenossenschafl. �IIUUUUU Jeden r~ _ Montag, Abend« 8 Uhr, Versammlung bei Hrn. Kellermann, Kreuzstraße 10. Neue Mitglieder werden stet« ausgenommen. Wohnung de« Bevollmächtigten: __ F. W e y k o p s, Klazesmarkt 15-,. CiitUi* n(S-i Sozialdemokralischer Arbeiterverein. �/UUl- II» w» Sonnabend, den 6. Dezember, Versammlung i»| hintern Lokal de« Herrn Schmidt(Brockenbou«). Tagesordnung Der Reichstag und da« Griinderthum. Referent: H. Beyer. Frnmde der Arbeitersache sind willkommen. M a u r u t t s ch a t. Partei- und Hejinmmgsgenojsen v. 10. Wahlbezirk!! Sonntag, den ,. d. M., Nachmittag 3 Uhr, findet im Gasthos zw Gersdors b. Hartha eine Besprechung hinsichtlich der Reichstagswahl statt. Bereine, Eorporationen u. s. w. find durch Delegirte zu vertreten. F. M. 2a] Ahitations-Comitö Chemnitz. Diejeiiigen Gesmilungsgenossen, welche in der Umgebung voi»I Cheninitz Volksversammlungen abzuhalten wünschen und dazu Hilfe von! da bedürfen, wollen bis längstens den vorhergehenden Donnerstag die diesbezüglichen Mittheilungen an Robert Reichert, Lindenstr. 5, gelangen lassen, da sonst nicht mit Gewißheit auf Unterstützung gerechnet werden kann. Der Borstand. (Donnerstags findet regelmäßig Sitzung statt.)_ sin2c Soeben ist im tderiage der Genossenschastsbttchdruckerei er' ckicnen und durch die Expedition des„Bolksslaat" zu beziehen Der Doiksflaat-Kalender für 1874. H. Jmhof auS Erfurt; dies» wicS ebenfalls auf die Mißstände im heutigen Staat hm und ermunterte zum festen Zusammenstchn: er erörterte alSdauu uoch einige Punkte unsrer Organisation. Wir! A. Mamme, BerlrauenSmann. Preis pro Stück ohne Stempel 3 Ngr. 5 Pfg., Preis pro Stück mit Stempel 4 Ngr. Bei Abnahme von 12 Stück un! darüber ü 3 Ngr. exclusivc Stempel. Bei Baarzahluiig außerhalb Sachsen 24 Stck. 2 Thlr für Sachsen incl. Stempel 2 Thlr. 12 Gr. gC An un» unbekannte Besteller wird nur nach vorherige Einsendung de« Betrages in baar oder Reichsbriefmarken oder! gegen Postvorschuß versandt. r haben aus einen glänzender. Sieg bei den nächsten Reichstags- Leipzig: Berautw. Redakteur: R. Seifsert.(Redaktion u. Expeditt» Zeitzerstr. 44.) Druck und Verlag der Genoffenschastsbuchdruckern.