Erscheint in Leipsig Ä�ttwvch, Freitag, Senntag. Bestellungen nehmen an all« Lostanstalten u. Buchhsnd- tungen des Jn-u.AuslaudeS. Filial-Exveditionen für die l6emnigtcn Staaten: F. Ä. Sorg«, vor töl llodok«», t?. J, Wm. LucderS, 409 Mayetr. Chicago, J1L Peter Haß, ®.W. Corner Third and Mate s str. Philadelphia, Abimnementsprei«: Für Preußen incl. Stempel» fteuer 21'/, Sgr., für die x übrigen Deutschen Staaten 16 Sgr. pro Quartal. Monat»- Ab»nnement» werden bei allen Deutschen Postanstalten auf den 2ten u. 3 ten Monat und auf den Lten Monat besonders an» genommen, imKgr. Sachsen u. Hrzth. Sachs.-Altenburg au» auf den l ten Monat & 6". Sgr. angenommen. OrgandersozialdemottatischenArbetterparteiundderinternationalenGeverksgengssenschasten. Zuserat«. die Abhaltung von Partei-, Vereins- und Volksversammlungen, sowie die Filial-Expeditionen und sonstige Partei-Angelegenheiten betreffend, werden mit 1 Sgr.,— Privat- und VcrgnügungS- Anzeigen mit 2 Sgr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Mttwoch, 17. Aecemver. 1873. Parteigenossen. Freunde! Immer näher riickt der Tag der Wahl heran, immer leb- haftcr rüsicn sich unsere Gegner. Wollen wir das energisch angefangene Werk der Wahlbewcgung glücklich zw Ende führen, wollen wir in den vom Eongrcß auSerfehcnen Wahlkreisen siegen, dann gilt es für uns Alle, noch weitere Tpfer zu bringen. Lide unserer Genossen erfüllen jetzt mit Feuereifer ihre Pfiich l als Agitatoren und ihr Wirken verspricht große Erfolge, falls es ohne Rast und ohne Ermatten bis zum Wahltage fort- gesetzt werden kann. Dies zu ermöglichen, liegt an Euch, Parteigenossen und Freunde. Gebt uns die nöthigcn Geldmittel und wir werden mit Euch am Abend des Wahltages Triumphe feiern können. Wer in der Wcihnachiszeit Geschenke macht, der denke an den Wahlsond der Partei. Was er diesem zuwendet, das ist ei» neues Äampsmittel zu Gunsten der Sache des arbeitenden Lolks. Und das arbeitende Volk ist es, welches wir vor allem aufsordcrii. diesen Mahnruf zu beherzige»; besonders Euch, Ge- wcrksgcnvsscn, die Ihr den Grundsätzen unserer Partei zugethan seid, ersuchen wir, die Wahlbewcgung an Euch nicht unthätig vorübergehen zu lassen. Leiträge für oen Wahlsond wolle man senden an den Parlcikaisircr H. Bcnncke, Hamburg, Kl. Schäfcrkamp 34.! Hamburg, 14. Dezember 1873. Mit sozialdcmokratischcin Gruß! Der Ausschuß der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. I. A.: Rud. Praast. August Geib. Parteiffknoffen! Der Wahltag rückt näher und näher, und damit tritt an unS� tne Pflidu Jjevnn, in immer erhöhterem Grade alle unsere Kräfte,! alle zur Verfügung stehenden Mittel anzustrengen, um einen möz-! lichst glänzenden Sieg zu erfechten. Vergegenwärtigen wir uns, daß der Eintritt der Feiertage aus eine Reihe von Tagen unsere Agitation mehr oder weniger lahm legt, daß es also verdoppelter Anstrengungen bedarf, um diesen Ausfall an Zeit zu decken. Bedenken wir, daß, waü jetzt versäumt wird, unwiederbringlich verloren ist, und selbst die bereits aufge- wandten Opfer in Frage stellt. Die Gegner, die bisher consternirt dastanden, über die Thätigkeit, welche die von ihnen so verachtete Arbeiterpartei entfaltet, fangen an sich zn rühren, und den innern Hader der verschiedenen Fraktionen und Fraktiönchcn vergeffend, sich als CoalitionSpartei gegen uns zu organistren, um uns noch in letzter Stunde den Sieg streitig zu machen. Das darf ihnen nicht gelingen. Und wir sind überzeugt, cS wird ihnen nicht gelingen. Aber es ist nothwendig, daß der Kampf, der bisher mit so viel Begeisterung und Opferwilligkeit geführt wurde, noch mit größerem Eifer geführt wird. Denken wir bei der Agitation auch daran, daß der Quartal- Wechsel vor der Thüre steht, daß neue Abonnenten dem Partei- organ zu gewinnen eine Hauptaufgabe der Wahlsgitation sein muß. Empfehlen wir eS in allen Versammlungen, in den Flug- blättern, in der Presse. Nur dann kann der Sieg ein dauernder und für unsere Bestrebungen wirklich nutzenbringender sein, wenn eS gelingt, die im Wahlkampf momentan erregten Massen dauernd an unsere Fahne zu fesseln, sie zu tüchtigen selbstbewußten Partei- genossen heranzubilden, und das di-S wesentlich durch die Partei- organe geschieht, brauchen wir nicht hervorzuheben. Wir bemerken dabei namentlich, daß nach Verordnung der obersten Postbehörde künftig Extra- Kosten erwachsen, wenn nicht das Abonnement kurz nach dem 15. des letzten Quartalmonats aufgegeben wird. Be- achtet dies und veranlaßt die sofortige neue Bestellung! wahrscheinlich durch Versehen, nach London telegraphirt und am Mittwoch von allen Londoner Morgenzeitungen abgedruckt worden. Die Unterstützung betreffend, welche Deutschland im Kampfe gegen den UltramonianiSmuS empfangt, so bezeichnet die obenge- nannte Zeitung„den hier und da ausgedrückten Verdacht als absurd, daß die in diesem Sinne von einigen englischen Hauptzeitungen veröffentlichten Artikel dem Einflüsse zuzuschreiben sind, welchen da» Preßdepartemeni(aha!) des Prinzen(oho!) Bismarck ausübt."" „Das preußische halboffizielle Journal erkennt hier also klar das Bestehen eines„Preßdepartements" an und giebt zu ver- stehen, daß ein Theil wenigstens seiner Thätigkeit der Beein- flussung der englischen Presse gewidmet ist. Mit Bezug auf den Kampf von Kirche gegen Staat war vielleicht keine besondere Bearbeitung nöthig, weil die zugänglich gefundenen Zeitungen schon hinlänglich auf die erwünschte Gangart eingeschult waren, noch wahrscheinlicher, wie die„Norddeutsche Zeitung" zu glauben scheint, weil in diesem besonderen Falle die lleberzeugungen oder die Gefühle der borussificirten(priwsiunimt) Zeitungsschreiber wirklich in Uebereinstimmung mit dem waren, was man von ihnen erwartete. Wenn Zeitungen geneigt sind, sich in Ver- suchung führen zu lassen, so ist es natürlich, daß Versucher er Generalstab, Madai, Stieb« und Flotte— für hier hilft da» ganze G«assel gar nichts. Nur das drollige Staatshündchen „Kladderadatsch" kann vielleicht v»n Wirkung sein. Ich laufe nur, mir daS„Diplomatie Review" zu verschaffen, und wenn nöthig, mache ich Ihnen über den Inhalt deS oben bcregten Artikels eine weitere kleine Mittheilung. Nicht wahr, Sie kennen mich? Also brauche ich auch nicht weiter zu zeichnen. A propos! Der„Staatsmann" Blind bin ich nicht.*) Es fehlt mir die überlieferte Salbung de» specisi- schen süddeutschen Bierbank-RepublikaniSmuS. Nachschrift. Habe bereits„Diplomatie Review" gelesen. D« Artikel verdient weiter keine Beachtung; er ist nichts als eine dumme Reclame für den alten Urquhart, die auf unwahren That- fachen aufgebaut ist. Daß Bucher den Urquhart ausgehorcht hat, mag zugegeben werden. Aber Bucher ist unsreS Wissens nie„zum Tode" verurtheilt worden, wie„Diplomatie Review" sagt; auch haben ihn wohl wenige Leute für einen Demokraten und Repu- blikaner gehalten.**) Der„geniale" Bismarck sagt zwar viele nicht„geniale" Dinge, aber die ihm von„Diplomatie review" in den Mund gelegten Worte„Buch« ist mein anderes Selbst; er hat mein Wesen vervollständigt" sind wohl die Erfindung eines dummen Menschen. Ihr dürft Euch in'S Fäustchen lachen, Ihr scheinen; aber immerhin ist eS Frechheit Seitens eines preußischen„rohen Arbeiter", wenn Ihr leset, was dem„gebildeten" englischen offiziellen Journals, wofür man, zu praktischen Zwecken die! Mastbürger als ErzweiSheit aufgetischt wird.— Auf Wiedersehn! „Norddeutsche Zeitung" halten darf, sich die Hände zu reiben-'—_ üb« die Thatsache, daß einmal wenigstens die englisch- Presse! 0 s«AßfA.« bezüglich deutscher Angelegenheiten den reckten Weg betreten hat, Oer lülstftsssstN ocrgUfbcilcr ohne besondern Druck von Berlin her. Dem Mitglied- des; ist in Wirklichkeit etwas anders, als wie ein Königlich sächsischer B«liner Preßdepartements, weches, in seiner Sucht die Triumphe Gerichtsamtmann sie sich vorstellt. Bei den Verhandlungen über der preußischen Politik zu besingen, solche Dinge offenbart hat, die Aufbesserung der Lehrerzehalte nämlich in der Sächsischen wird sicherlich für seine Indiskretion ans die Fing« geklopft Zweiten Kammer that der zu Stollberg im Erzgebirge angestellte werden. Jedoch das ist nicht unsere Sache. Aber von In- Königlich sächsische Gerichtsamtmann Zumpe den wund«baren teresse für uns und jede anständige englische Zeitung ist es, zu�Ausspruch:„In seiner Hcimath könne ein Lvjähriger Berg» erfahren, welches die Zeitungen sind, die vom Berliner Preß iarbciter jährlich 600 Thaler verdienen!" departement inspirirt werden. Auch wäre es von Belang zu Die Bergarbeiter„in der Heimath" deS Herrn Zumpe, näm-> hören, wie und unter welchen Bedingungen die Zusaufelungen lich in Stollberg und Umgegend— eine Aver des Zwickau« Koh- vor sich gehen. Die Preußen find die modernen Je- lenrevins, zieht sich hinauf nach Lugau, Niederwürschnitz, Oelsuitz sulten und zeigen dieselbe Behenvigkeit in der Art, sich der bis vor Stollb-rg— konnten bei ihrer elenden Lag- die glänzende öffentlichen Meinung zu bemeistern, wie sie einst von den frühe- Schilderung des Hrn. Gerichtsamtinanns nur für bitteren Spott sten Mitglied«» deS Jesuitenorden« bewiesen wurde, als eS od« für eine unverantwortliche Entstellung der Wahrheit halten, ihnen daraus ankam, sich der Erziehung der Kind« zn bemäch- und da sie weder verspottet sein, noch zu ein« sie betreffenden tigen." J gröblichen Unwahrheit stillschweigen und damit zu einer unverzeih- „Rai! Mall Gazette" sieht nichts Originelles in dem Verfahren lichen Täuschung deS Publikums behülflich sein wollten, so wende- ten sie sich an das in Stollberg«scheinende Amtsblatt,„Stell- Preußische Fabrikatio« der„öffentlichen Meinung". Wir erhalten folgende Zuschrift: London, den 1. Dezembn 1873. W«ther Herr Redakteur! Schon lange habe ich Ihnen kein Zeichen mein« Anhänglichkeit gegeben. Nehmen Sie für dies Mal mit d« Ueberfetzung eine» in der heutigen„Uall Mall Gazette" erschienenen Artikel» vorlieb, den ich vielleicht mit einigen Randglossen in die Kreuz und Qu«, in d« Mitte oder am Ende versehen werde. Ich bin nämlich mein« Laune nicht ganz sich«. DaS Wettn ist verteufelt schlecht, d« Nebel dick und ich habe einen echten englischen Katanh. „Fall Mall Gazette" ist die Abendzeitung du Londoner„An ständigkeit", worin da» Blatt der„Times" durchaus ebenbürtig fst- Ein Handelsunternehmen, welches in respectability„macht"! DaS Blatt versucht vom Sondnlingsthum zu leben, vom„bürger- uchen" SonderlingSthum nämlich und schlägt sich damit durch so gut e» eben geht. Heute schreibt cS iu einem Artikel, betitelt: „Das preußische Preßdcpartement und die englische Presse." „Ein etwas dunkler Paragraph der DienstagSnumm« d« „Norddeutschen Zeitung"*) bedarf d« Beleuchtung. Er ist, ') Damit ist wohl das Bismarck'schc Leibblatt, die„Norddeutsche «ugemewe Zeitung", gemeint. deS„Genialen", sondern deutet an, daß daS ganze System ein plumper Abklatsch des ftanzvstschen Unternehmens ist, wie eS in den„geheimen Papiuen deS Kaiseueichs" an's Licht gezogen wurde. „Es ist sehr unwahrscheinlich, daß wir je üb« die Bezie Hungen der preußischen Regierung zur Presse nur annähernd so viel erfahren werden, als wir über die Presse und die ftanzöstsche Regierung wissen. Aber wir dürfen mit Sicherheit annehmen, daß in einem Lande, wo bis zum Exzeß organistrt und die öffentliche Meinung hoch im Werthe gehalten wird, nicht etwa ihrer selbst wegen, sondern wegen des möglichen Einflusses auf die Begebenheiten— daß in keinem solchen Lande Borschriften bestehen für die Behanolungen der heimischen und d« auSlän- difchen Presse. Mit Bezug aus die heimischen Journale giebt es keine Schwierigkeiten. Man war und ist immer schnell fertig in Preußen mit Zeitungen, die der Regierung zu opponiren wagen. Ueder fremde Zeitungen genaue Nachrichten zu erhalten, ist schwer, ab« es ist sicher, daß die diplomatischen und Kon- sularagcnten Preußen» es als Theil ihr« Aufgabe betrachten, sorgsam zu überwachen, was in den Zeitungen über Preußen und Deuffchland gesagt wird, so daß falsche Darstellungen oder Angriffe von der Regierung am zuständigen Orte beantwortet werden können. Die letzte Nummer der„diplomatischen Revue" bringt erbauliche Angaben über gewisse hervorragende Schüler de» Herrn Urquhart, die in preußische Dienste getreten find. Einer au» dies« Gesellschaft wurde, wie uns erzählt wird, vom Prinzen Bismarck kurz vor dem letzten Kriege eigens dazu ver- wendet, englische ZeitungSbesitz« unentgeltlich mit gut geschrie- benen Artikeln über deutsche Politik zn versorgen. Auch werden die Eorrespondenten in gesellschaftlichen Beziehungen bearbeitet; einige von ihnen haben keinen Anstand genommen, ihre eigene Schande öffentlich auszuposaunen. Andere Eorrespondenten sind so eingefleischte Preußen, daß die Redakteure der Zeitungen, für die sie schreiben, cS für paffend halten, sie als„preußische Korrespondenten" öffentlich zu bezeichnen— eine gradstnnige Handlungsweise, die, unglücklicherweise, von der Mehrzahl der Leser nicht richtig gewürdigt wird. Da» Berliner Preßdcpartement wird denken, daß wir sehr wenig wissen, wenn wir weiter nichts zu sagen haben; aber e» ist immerhin etwas, erfahren zu haben, daß„daS Preßdepartement der Administration des Prinzen Bismarck" sich eines anerkannten offiziellen Daseins erfteut, und daß seine Pflichtverrichtungen zum Theil darin bestehen, die wankenden und möglich« Weise verlumpten Organe der Lon- doner Presse gehörig für- die Zwecke deutsch« Politik breit zu schlagen." Warum„Fall Mall Gazette" erst jetzt das Bestehen deS Berlin«„Preßdepartements" betont, geht un» hier nichts an, die Naivetät lockt un» ein Lächeln ab. Für den„rohen" Arbeiter bedarf das Vorstehende weiter keines langen CommentarS. Er wird leicht die Achtung«kennen, mit welcher man hier, trotz der gewichtigen Beziehungen Lothar BucherS, die Berliner Wippchen behandelt. Infanterie, Kavallerie, Artillerie, groß« und kleiner berger Anzeiger", mit dem Verlangen, eine Klarstellung des Sach- Verhalts, nöthigenfalls gegen Entrichrung der JnsertionSkosten, zu veröffentlichen. Allein, nachdem die Expedition erst die Aufnahme gegen Zah- lung zugesagt hatte, wurde die Veröffentlichung auf die lange Bank geschoben, dann hatte es an Raum gefehlt und endlich, nachdem man bei PontiuS und Pilatus mit dem Artikel herumgelaufen war, wurde die Aufnahme verweigert und die Eigenthümerin, Frau Keller, erklärte: Das Inserat enthalte Beleidigungen gegen den Landtag und den Herrn Amtmann und„mit so einem Manne möge man doch nicht in Konflikt gerathen!" Die Bergleute des Stollberger Revieres wendeten sich nun an die„Chemnitzer fteie Presse" mit dem Verlangen, den Artikel auf- zunehmen und der Erfüllung ihres Ansuchens sicher, schreiben sie als Einleitung: „Wir sche«en uns den Teufel um den Amtmann und empfeh- len Euch daher zur weitesten Verbreitung die„Chemnitzer Freie Presse" und den„Volksstaat". Das sind unabhängige Arbeiter- zeitungen, die nicht die Wahrheit scheuen, wohl aber der Lüge den Daumen gehörig auf's Auge drücken. Wer lesen will— und das sollten Alle thun— der gebe sein Geld wenigstens nur sür solche Blätter aus, die der Wahrheit die Ehre geben und Niemand scheuen." Der Aufsatz selbst, welchem der Stollb«ger Anzeiger die Auf- nähme verweigerte und den wir mit einigen wenigen Korrekturen wiedergeben, lautet: „DaS Objekt(die Gehaltsaufbesserungen der Lehrer), welche» Herr GerichtSamtmann Zumpe in fein« Rede behandelte, verdient alle Beachtung, nur scheint uns die Motivirung von ihm schlecht gewählt. Wir sind allerdings auch der Meinung, daß ein Thbil de» Lehrerstandes angesichts der gesteigerten Lebensmittelpreise zu wenig Gehalt bekommt und daß hier der Staat, ohne daß erst viel Re- den gehalten werden, eingreifen muß, wenn sich indeß der He« GerichtSamtmann Zumpe so weit versteigt, sein Amendement damit zu motiviren, daß ein Bergarbeiter von 20 Jahren in seinem Wahlbezirke jährlich 600 Thaler, schreibe sechshundert Thaler derdiene, so kommen wir zu dem Schluß: Entweder kennt der He« GerichtSamtmann Zumve die Bergarbeiter-Verhältnisse in seinem eigenen Wahlbezirke nicht, oder er glaubt damit seinen Wählern, vorzugsweise den mehr Besitzenden,.die den Nothstand unter den Arbeitern mit allerhand Phrasen schön färben wollen, einen Ge- fallen zu thun, indem er doch wohl weiß, daß die Bergarbeiter nicht zu seinen Wählern gehören.(Herr Zumpe will, wie eS heißt, Liebknecht gegenüber kandidiren.) Wir, die Verfass« dieses, sind Bergarbeiter und wir wissen, daß einen derartigen Verdienst in ') Wir kennen nur ein Staats waschw et b mit dem Namen Blind. Nu namensoettriger„Staatsmann" ist uns unbekannt. Red. d. V. ***) Leider ist dem nicht so. Es haben nur zu Viele an die„Ehrlich- kell" Lothar Bucher« geglaubt, bis da« Drelgesttrn Wageuer-Buch«- Stieb« am preußischen Repttlienhimmel aufging. Red. d. B. hiesiger Gegend fein einziger Bergarbeiter hat, denn wohlgemerft, wenn ein Bergarbeiter von 20 Jahren— er ist Fördermann oder Lehrhäuer— 600 Thaler verdient, so muß relativ ein Häuer oder Zimmerling noch mehr verdienen. Der Herr GerichtSamt- mann mag sich aber nur einmal auf irgend einem Werke an einem Lohntage selbst überzeuge» und die Lohnzettel studiren, um zu fin- den, wie die Sachen in Wirklichkeit stehen. Nur auf diese Weise kann derselbe aus reiner Quelle schöpfen und erfahren, daß die Bergarbeiter von 20 Jahren ab im Alter aufwärt» noch lange nicht einmal ein DurchschnittS-EinkoAmen von 300 Thlrn. jährlich haben. Es ist dies allerdings auffällig wenig, wenn man sich die hohen Kohlenpreise einerseits, sowie die gefahrvolle und anstrengende Arbeit andererseits, und zwar Sonntags wie Werktags 13— 16 Stunden täglich, vergegenwärtigt. Wie gesagt, wir erkennen, daß ein großer Theil des Lehrer- standeS zu wenig Gehalt hat und infolge dessen mit Nahrungssorgen kämpft, aber sicher nicht weniger als wir Bergarbeiter. Geknechteter giebt eS keinen Stand wie den der Bergarbeiter. Stellen wir hier einmal im Vorbeigehen Vergleiche zwischen dem Bergarbeiter und dem Lehrerstande an. Der Lehrer verrichtet geistige Arbeit, zu seiner Ausbildung ist einiges Kapital erforderlich. Seine Arbeit verrichtet er am hellen Tage, er hat seinen Sonntag/ seine Ferien; er kann einmal eine Reise unternehmen und wenn er krank wird, so bleibt ihm sein gewisses Einkommen. Der Bergmann hingegen verrichtet körperliche Arbeit, ein falscher Tritt und es ist um sein Leben geschehen; er muß bald während der Tages- bald während der Nachtzeit arbeiten, oftmals ganz entkleidet, es trieft der Schweiß dennoch von ihm herunter und mit solchem erhitzten Körper kommt er wieder in Zugluft; er muß Sonntag« wie Wochentags arbeiten und wird im Unterlassungsfalle mit 1 Thlr. und mehr noch be- straft; er ist gebunden auf einen und demselben Werk sein Lebtag zu bleiben, wenn er nicht seinen Antheil an der Werksknappschafts- lasse verlieren will; er muß sich in Folge dessen auch jede Tyrannei seiner Vorgesetzten gefallen lassen und wird er krank, bricht ein Bein u. s. w., so bekommt er täglich— mit Ausnahme der Sonntage— da müssen seine Angehörigen für ihn betteln gehen— ein paar Groschen Krankengeld, So, das ist unsere wahre Lage. Wir schaffen Euch Allen die Kohlen aus der Erde und zwar mit anstrengendem Fleiße und für einen kärglichen Lohn, dafür aber, daß dieselben so theuer sind, können wir nicht, darüber muß man mit den Ausbeutern sprechen. Wir sind aber Menschen, so gut wie andere und sind unstreitig der Gesellschaft so nützlich und unentbehrlich, wie z. B. auch der Lehrerstand, es wird uns aber auch jeder einsichtsvolle Mensch zu- gestehe» müssen, daß wir an Leibesnahrung mehr verbrauchen wie ein Lehrer. Kleidung, Feuerung, Oel, Seife u. s. w. brauchen wir ebenfalls so gut wie ein Lehrer und unsere Familienglieder sollen doch wohl auch nicht einhergehen wie Lumpensammler. Ein Sprückwort sagt:„Das Pferd, das den Hafer verdient, bekommt lich e zu Civilstandsbeamteu ernennen kann. Mit andern Warten also: Die„Civilehe" der preußischen Regierung besteht darin» daß ihn nicht." Wir Menschen sind wohl nun keine Pferde und Hafer ist nicht ui' unser einziges und bestes Nahrungsmittel, aber sinnbild- lich dieses Sprüchwort auf alle Klassen der Gesellschaft angewendet paßt eS ganz gut, denn es ist thatsächlich heutzutage so, daß Die- fenigen, die am Meisten arbeiten, am wenigsten verdienen, und Dieienigen, die nur ein paar Stunden täglich arbeiten und die übrige Zeit bummeln, die verdienen die Tausende. So ist es unter dem Bergarbeiterstand, so ist es auch bei dem Lehrerstand, Obere bekommen zu viel und die Untergebenen zu wenig und wir zweifeln nicht, daß z. B. der Herr GerichtSamtman» Zumpe wohl einen schönen Gehalt haben mag, daß er aber auch Untergebene hat, die für ihre Arbeit mehr Gehalt beanspruchen könnten. Wir haben ferner ein Recht, von Herrn Gerichtsamtmann Zumpe den Nach- weis zu fordern, auf welchem Werke die Bergarbeiter von 20 Jahren jährlich 600 Thaler verdienen können. Gegen einen solchen Fall setzen wir ein Gegentheil von 1000 anderen. Wir wollen aber nicht als Stichblatt liberal und menschen- freundlich sein wollender, Diäten verzehrender Landtagsabgeordneter dienen, hinter deren Menschenfteundlichkeit bei winziger Kritik der Pferdefuß nachweislich ist. Unwahrscheinlich ist es zwar nicht, daß irgend ein schalkhafter Bergwerksofsiziant irgend Jemand einen Bären aufgebunden und dieser Jemand vermöge seiner außerordent- lichen Unwissenheit über Bergarbeiterhältnisse den Bären für baare Münze hingenommen hat; damit nun aber das Publikum etwas mehr Einsicht in die hiesigen Bergarbeiterverhältnisse bekomme, lassen wir zur Beurtheilung jedes denkenden Menschen nur einen Paragraph der„Arbeiter- Ordnung" für die Werke des„Lugau- Niederwürschnitzer Steinkohlenbau-Vereins" folgen:§ 9. Die niedrigsten und höchsten Sätze der Schichtlöhne für die verschiedenen Arbeiterklassen, ihrer Verrichtung nach, sind folgende: Für die Grubenarbeiter bei 12stündiger Arbeitszeit: 1) für Zimmerlinge und Maurer 15— 20 Ngr. 2)» Häuer 15— 18- 3)° Lehrhäuer 14—17- 4)- Förderleute 13— 16- 5)- Anschläger 14—17- 6)- Grubenjungen 10— 12- 7)- Kunstwärter 15—20- Wir bemerken noch, daß der Tagearbeiterlohn per 12stündige Schicht 3 bis 4 Ngr. niedriger gestellt ist. Gedingarbeit aber ist Schinderei. DaS Publikum mag sich nach Einsichtnahme dieser Zahlen ein Urtheil über die Rede dcS Herrn Gerichtsamtmann Zumpe selbst bilden, wir glauben über dieselbe kein Wort mehr verlieren zu müssen. Politische Uebersicht. — Himmlische GenSdarmerie. Das Organ des urpreußi- schen Junker- und MuckerthumS, die„Kreuzzeitung", hat dieser Tage gar keinen Übeln Witz gemacht, als es der preußischen Re- gierung, die einen Gesetzentwurf über die„Civil ehe" eingebracht hat, den Rath gab, künftighin die Trauungen durch den GenSdar- men vornehmen zu lassen. Ist doch in Preußen der Gensdarm einer der maßgebendsten Faktoren und das ganze neue Kaiserreich beruht in seinen Grundlagen wesentlich auf dem Unterofsizier und auf dem GenSdarmen. Uns könnte eS, prinzipiell genommen, sehr gleichgültig sein, was die preußische Regierung unter„Civil- che" versteht, da wir die heutige Ehe, welche ja ihrem Wesen nach nichts Anderes als ein Contrakt zur Anhäufung von Besitz- thum ist, unbedingt verwerfen müssen. Trotzdem ist es interessant, wie die preußische Regierung den Begriff„Civilehe" ausfaßt. Sie behält sich nämlich in dem Gesetzentwurfe vor, die Civilstands- beamten(welche die Trauung vorzunehmen haben) selbst zu bestimmen und bestimmt—„verlangt" können wir ja bei dieser „Volksvertretung" nicht sagen— ausdrücklich, daß sie auch Geist- nur die Pfaffen, welche der Regierung angenehm unv unterthänig sind, Trauunzen vornehmen dürfen, während die anvem, z. B. die„reichsfeinvlichen" ultramontanen Pfaffen, davon ausgeschlossen werde».„Gottes gnädige Fügung" hat es ja so eingerichtet, daß da« frömmelnde protestantische Mnckerthum sich der besonderen Sympathie der preußischen Regierung erfreut. Das ist der neueste„Fortschritt" im„Kulturkampf." Während gerade daS wesentliche Merkmal, da» Kriterium der Civilehe darin besteht, daß die Pfaffen Nichts, gar Nichts mit derselben zu thun haben, giebt die preußische Regierung den Namen Civilehe emem Gesetze, welche» eS dem Willen der Regierung frei- stellt, ob die Pfaffen künftighin mit den Trauungen etwa» zu thun haben sollen oder nicht; unv wer die preußische Regierung nur einigermaßen kennt, der weiß, was das zu bedeuten hat. Säßen Männer im preußischen Landtage, so müßte eine der artige Vorlage, die einen„freisinnigen" Namen trägt und deren reactionäre Tendenz hinter einer äußerst groben und plumpen, dem „Genialen" auf ein Haar ähnlich sehenden Wortverdreh unz versteckt ist, ein durch ganz Europa schallendes homerische« Hohn- gelächter zur Folge haben. Aber diese„Civilehe" ist einer der berühmten schlechten Witze de«„Genialen", und dessen schlechte Witze werden ja bekanntlich von der preußischen„Volksvertretung" durchaus nicht als junkerliche Stall-AphoriSmen, sondern als welt- bedeutende„Gmialitäten" aufgefaßt. Es erscholl kein homerisches Gelächter, sondern„langanhaltender Beifall", als der„Moltke des Culturkampfs", Herr Falck, den„Civilehe"-Gesetzentwurf verlas, dem wir übrigen« dazu gratuliren, daß erzvor der Welt und vor der Geschichte mit diesem Machwerk unzertrennlich verbunden sein wird. Dieselben„Herren" klatschten Beifall, die in jenen Tagen, da Windthorst dem Minister Camphausen die Düfte des ReptilienfondS unter die Nase steigen ließ, stumm und stille dasaßen und die es„geistreich" fanden, daß Camphausen und der Preßturko Aegidi erklärten, sie gäben keine Auskunft»her diese „Verhältnisse". Und dennoch finden wir dies AlleS so natürlich, daß wir uns gar nicht weiter darüber auszulassen brauchen. Die Schauspieler, die gerne beklatscht sind, laden ihre Verehrer zu einem Souper ein und erzielen auf diese Weise„rasenden" Beifall. Soll der Beifall zur „Raserei" emporgeschraubt werden, so wird den gewerbsmäßigen Claqueuren(Leifallklatscherni der Beutel gespickt. Und'warum sollten„Bier und Wurst" oder„Thee mit Butterbrod" beim „Genialen" eine andere Wirkung thun? Bei der„Civilehe" genügt der„langanhaltende Beifall". Bei der bevorstehenden Annahme des Preßgesetzes mit dem Galgen(Z 20) werden wir dann sehen, wie man mittelst gewerbsmäßiger Claqueure den„rasenden" Beifall, die„Raserei" fabrizirt. — lieber die Einigungsämter hielt Herr Max Hirsch kürzlich zu Berlin einen Vortrag. Es trat ihm bei dieser Gelegen- heit ein Dr. Hilse entgegen, der im Interesse der Berliner Bau- meister wirkt, und brachte gegen die von Max' Hirsch vorgeschla- gene Art von Einigungsämtern so gewichtige Gründe vor, daß wir einen Theil seiner Rede hier zum Abdruck bringen zu müssen glauben. Dr. Hilse sagte: „Der Herr Referent erwähnte der Berliner Bau-, Maurer- und Zimmerstrikes im Mai 1872 und seiner resp. der Gewerkvereine Hülfe bei' dessen B-eudigung. Allerdings ist unter der Mitwirkung der Gewerkvereine ein provisorisches Einigungsamt in's Leben ge- treten gewesen. Daß dasselbe zu keinem definitiven geworden, hat folgende, dem Herrn Referenten gleichfalls aus eigener Wahrneh- mung bekannte Gründe. Im April 1872 waren verschiedene partielle Strikes unter den Maurern und Zimmerern Berlins aus- gebrochen, Seitens der Meisterschaft wurde durch Entlassung ihrer sämmtlichen Gesellen— Maurer wie Zimmerer— geantwortet. Unter Mitwirkung des Dr. Hirsch kam— was hier Namen« des Bundes dankend konstatirt wird— ein provisorisches EinigunzSamt aus Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu Stande, in dessen Schooße beschlossen wurde, daß die Arbeit unter folgenden Bedingungen wieder aufgenommen werden solle. Die Arbeitszeit solle fortan nur noch 10(statt früher 11) Stunden, der Tagelohn 1'/, bis l'U Thlr. betragen. Ferner solle kein Arbeitgeber einen Maurer und Zimmerer in Arbeit nehmen dürfen, der sich nicht zu den Be- dingungen des provisorischen EinigungSainteS bekannt haben würde, was durch Annahme einer vom provisorischen EinigungSamte ihrem Wortlaute nach festgestellte Arbeitskarte geschehen solle. Diese Ar- beitSkarte sollte also das äußerlich erkennbare Zeichen der versöh- nenden Gesinnung der einzustellenden Arbeiter bilden. Nun hat bekanntlich jede Abmachung auch eine negative Wirkung. Die Abmachung, daß der Lohn 1'.— IS Thlr. sei und die Karte die Unterlage des Arbeitsverhältnisses bilden sollte, hatte nun jedenfalls die negative Bedeutung, daß die Arbeitnehmer für die vereinbarte Zeitdauer bis Ende 1872 keinen höheren Lohn als Ib.— 1'/- Thlr. beanspruchen und bei keinem Arbeilgeber Stellung nehmen oder behalten durften, der Arbeitskarten auf seinen Bauplätzen nicht eingeführt hatte. Denn wenn die Arbeitgeberschaft die Gmerk- vereine in der Weise unterstützen sollte, daß die Gegner der Ver- einbarung des EinigungsamteS, die sich zur Anerkennung der Karte und damit des EinigungSamtes nicht verstehen würden, von ihren Plätzen ausgeschlossen würden, so mußte die Meisterschaft ihrerseits doch darauf rechnen können, daß mindestens alle die Arbeitnehmer zu den Bedingungen des EinigungSamtes ausschließlich nur bei ihr arbeiten würden, die diesen Compromiß eingegangen waren — nämlich die Mitglieder der OrtSoereine der Maurer und Zim- merer— und daß diese nicht bei Gegnern des EinigungSamtes unter der Arbeitgeberschaft, welche die Einführung der Karlen ab- gelehnt hatten, arbeiten würden, so bald diese nur einen höheren Lohn, als den vom Einigungsamte festgestellten, zahlten. Hiermit konstatire ich jedoch in Gegenwart deS Anwalts und vieler Ehren- Mitglieder der deutschen Gewcrkvereine, daß die Mitglieder der deutschen Gewerkvereine im Berliner Baugewerbe einem großen Bruchtheile nach nicht allein bei Richtbundesmeistern ohne Arbeits- karte gearbeitet, sondern auch einen höheren Lohn alS 1'/- Thlr. sowohl von Nicbtbundesmeistern, wie von Bundesineistern angenommen, theilweise sogar gefordert haben; ja, daß vereinzelte Ar- beitnehmer— gleichzeitig hervorragende Mitglieder deS OrtSvereinS— mit ihren Arbeitgedern Separat-Abkommen getroffen haben, wonach sie über die in den Arbeitskarten»ormirten Lohnbeträge hinaus heimlich und ohne Wissen der Mitgesellen noch außerordentliche Vergütung zu erhalten hätten. „Ein solcher Fall ist mir namentlich sogar von einem sehr hervorragenden Mitgliede des Berliner OctsvereinS der Maurer bekannt geworden. „Die Erfahrungen in Berlin haben sich auch anderwärts wie- verholt. So schwebt in Hamburg seit länger als zehn Wochen ein Strike der Maurer und Zimmerer. Die Arbeitgeberschaft hat versucht, ein Einigunzsamt ia's Leben zu rufen; sie hat es auch möglich gemacht, daß gegen 700 Maurer und Zimuecer durch Unterschrift sich hereit erklärten, ein EiirizunzSamt zu wählen, dem sie sich uaterwerfea werdea. Es ist auch zur Festsiellu ig von Bedingungen, unter denen die Arbeit wieder aufz:nsmm:n w:rden sollte, innerhalb einer erwählten Kommission von Arbeitgebern uns Arbeitnehmern bei gemeinsamer Berathuug gekommen. Dieses gemeinschaftliche Comitv hatte jedoch die ursprüngliche Forderung ver. Gesellin unerheblich herabgesetzt, damit d«S Wort„Emizung" doch wenigsten» einen Namen habe. Gleichwohl wurve der Kommissions- vorschlug voa den etwa 700 durch Unterschrift gebundenen Geselle» nicht gebilligt. Die Arbeitgebcrschaft maßte sich vielmehr entschließen, auf die Forderung der Arbeitnehmerschaft in vollem Umfange einzugehen, weil die übernommenen Gebäude vor Aubruch der schiebten Jahreszeit nocb unter Dach gebracht werden sollten. Bei solchem Äebahren ist daS Wort„EinigunzSamt" sicher ein Mißbrauch.... „Es ist ferner von Seiten des Herrn Referenten darauf auf- mecksam gemacht worden, daß besonders in E aglanv die Einigungs- ämter sehr segensreich gewirkt hätten. Ich erlaube mir Ihr Augen- merk auf die Geburtsstätte der Eiaigunzsäm:er zu richten, wo im Augenblicke trotz des EinigungSamtes für die Spitzenmacherei ein heftiger Streit zwischen Arbeitzebern und Arbeitnehmern schwebt und die Arbeitnehmer sich mit den Beschlüssen des Einigung«- comitö'S nicht einverstanden erklären, ihnen deshalb auch keine Folge gegeben haben. Dieser Umstand bestimmt mich zu dem Glauben, daß in England die Einizungsämter sich schon über- lebt haben und ihre Jmportation sich also nicht mehr lohnt." j „Nun nehme ich selbst an, daß dem Wunsche des Herrn Re- f-renten gemäß staatlicherleits für solche Emizunzsämter eine Exe- kutive eingerichtet sei. Wie soll dieselbe praktisch aber auSzesübtt werden? Lassen Sie beispielsweise die etwa zehntausend Maurer Berlins sich für ein Einigunzsamt erklären, dagegen achttausend von ihnen, nachdem ihre Vertreter sich mit den Meistern geeinigt haben, ihren Vertretern den Auftrag kündigen und auS Unzufriedenheit mit dem Erzebniß der Einizunzsamtabmachungen Berlin ver- lassen. Wie denken Sie sich gegen diese achttausend Mann eine Exekution praktisch ausgeführt? Sollen sie vielleicht wie die Mite- tärsträflinge, je einen Wächter mit geladener Waffe hinter sich, zur Arbeit getrieben werden?" Diese Verurtheilung der„Einigungsämter", die in Maxens Munde nur eine Variation der bekannten albernen„Harmonielehre" sind, ist schon deshalb beachtenSwerth, weil sie aus dem Mund: eines Mannes kommt, der auf dem Standpunkt der von Max i Hirsch so sehr gehätschelten„Arbeitgeber" steht. Hie Wels! Hie Waibling!— Hie Kapital! Hie Arbeit!> lautet der Kampfruf in der heutigen Klassenbewegung uns daß der jetzt wüthende Klassenkampf kein Kampf um einen Pappenstiel, sondern ein Kampf auf Leben und Tod ist, das werden auch unsere Gegner zugestehen und haben eS'oielsach zugestanden. Den Riß, der durch die heutige Gescllschastsorganisation klafft, können j keine„EinigunzSämter" überkleistern, sondern er wird sich erst z schließen mit dem Zusammensturz der Klassenherrschaft, mir»er s Zertrümmerung deS Götzen Mammon. — Deutsche Justiz. Wir wollen hier nickt von dea zwe�; causes celebres(berühmten, Lärm machenden Prozessen) reden. I die sich soeben abgespielt haben: nicht von dem Prozeß Hessels! gegen Wurmb, der mit der Verurtheilung des Mädchens en-� dete, das den Expolizeipriisidenten von Berlin eines unzüchtigen Angriffs beschuldigt hatte, welche Verurtheilung(zu zweijährlgraa i Gefängniß!) einfach auf Grund der Aussage de» als Ankläger! auftretenden Beschuldigten erfolgte. Auch nicht von dem Prozeß* gegen den oftpreußischen Bauernjungen Schütt, der zu 16jährizem � Zuchthaus verurtheilt worden ist, auf Indizien hin, die nach un- serer festen Ucberzeuzung kaum die Bechängunz der Untersuchungs- Haft gerechtfertigt hätten. Aber— die Böckler'sche Affaire, in der die preußische Justiz und Administration eine so blamable Rolle gespielt, wollte ihr Opfer haben, gerade wie die Moralität des Hrn. von Wurmb eine Reparatur nöthig hatte. Doch wir wollten von bescheideneren Prozessen reden: Nach deur neuen deutschen Strafgesetzbuch, das Temme für das schlechteste aller existirenden i Strafgesetzbücher erklärt hat, kann bei gewissen Vergehen, Diebstabl! in der Familie, leichten Körperverletzungen u. s. w. ein Strafver- fahren nicht eintreten, wenn die geschädigte Person nicht klagt; und muß, wenn dieselbe während des Prozesses die Klage zurückzieht,- das Verfahren sofort eingestellt werden. Es ist auf Grund dieser 1 Bestimmung neulich vorgekommen, daß ein brutaler Bummler, der; einen gebrechlichen Mann todtgeschlagen hatte, in Freiheit gesetzt wurde, weil die Geschwornen auf leichte Körperverletzung(!) erkannten, und der Todtgeschlagene natürlich keinen Strafanlrag J stellen konnte. Und die„Norddeutsche allgemeine Zeitung" vom vorigen Sonntag schreibt:„Eine ziemlich sonderbare Episode! brachte der Ehrgeiz unserer Advokaten, unter allen Umständen ihre Klienten von Strafe zu befreien, in eine Verhandlung gegen einen} nichtsnutzigen Conditorgehülfen, Quasigrott, der aus Anstiften und unter Mitwirkung eines noch verderbteren Subject», de« Schlächtergesellen Thiebing, seinem allen Vater dessen ganze Er- sparnisse, 50 Thlr. und einige Goldsachcn, gestohlen hatte. Der Vater hatte den Strafantrag gestellt. Fortwährend unterbrach der Vertheidiger die Verhandlung mit Anspielunzen auf Zurückziehung■ des Strafantrags seitens deS Bater» bis der Vorsitzende sich der- artige Pressionen ernstlich verbat. Die Geschwornen zogen sich l zurück und sprachen beide Angeklagte schuldig ohne mildernde Um- � stände; da meldete sich der Bater, der inzwischen ganz mürbe ge- macht worden war, und erklärte, daß er den Strafantrag zurück- ziehe. Dieser späte Entschluß kam nun allerdings seinem Sohn noch zugute, der Verführer Thiebing aber wurde ohne Gnade zu zwei Jahreü Zuchthaus verurtheilt. Mit Recht aber rügte der Vorsitzende da« immer mehr zunehmende Einreißen der Unsitte, offenbare Verbrecher ü tout prix(um jeden Preis) der Strafe zu entziehen. Der Staat sei nicht dazu da, bloß zum Spaße mühevolle Untersuchungen zu führen und Kosten zu tragen; es wäre wohl angezeigt, in Zukunft bei ähnlichen, ebenso auffälllgen Veranlassunzen wenigstens die Kosten den saumseligen Verwandten aufzuerlegen, oder dieselben von den Bertheidigern tragen zu lassen." So der Berichterstatter de» Bismarck'schen Leibblatts. Wir gestehen, wir würden gerne den Namen des Richters kennen,« der diese sonderbare„Rüge" ertheilt hat. Der Mann hat von seinem Richteramt, von Justiz, Gesetz und Staat höchst originell:. Ansichten. Er scheint vor Allem keine Ahnung davon zu haben, daß der Richter bei Prozessen nicht« anderes zu thun hat, als dem Gesetz gemäß das Urtheil zu finden und Recht zu sprechen. Die„Unsitte", gegen die dieser Berliner Richter eifert, ist die nothwendige Folge des bestehenden Gesetzes. Wollte ver Richter Mißbilligung aussprechen, gut, so mußte er sie über die betreffende Gesetzesbestimmung aussprechen, nicht aber durfte er den Bertheidigern eine„Rüge" ertheilen, weil sie zu Gunsten ihrer Klienten von jener Gesetzesbestimmung Gebrauch gemacht, und, iavtin sie dies thaten, ihre Beriheidigerpflicht erfüllt haben. Hätten sie es unterlassen, so hätten sie ihren Klienten gegenüber sich eine Pflichtversäumniß zu Schulden kommen lassen. Was sind das aber für Rcchtszustände, die aus dieser«ziemlich sonderbaren Episode" hervortreten? Ein Gesetz, da» einen über- wiesenen Verbrecher der gesetzlichen Strafe entzieht, und ein Rich- ter, der einen Advokaten«rügt", weil derselbe seine Pflicht thut, wie das Gesetz es vorschreibt!— Freilich«ist der Staat nicht dazu da, bloß zum Spaß mühevolle Untersuchungen zu führen" u. s. w., allein er ist auch nicht dazu da, Gesetze zu geben, durch welche die Justiz«zum Spaß" wird. Hat«der Staat" in neumodischer Schnellgesetzfabrikation solche Gesetze erlassen, dann muß er auch die Conseg Uenzen tragen— und gefallen den Herren Richtern diese Conseguenzen nicht, gut, so mögen sie sich mit ihren Beschwerden an die Urheber d-S unsinnigen Gesetzes: an Re- gierung und Reichstag wenden. — Dasselbe Kriegsgericht, welches in-Trunon den Verräther Bazaine einstimmig zum Tode und zur«schimpflichen Degrada- tion," bei welcher der Delinquent nach militairischcr„Sitte" einen Fußtritt hintendraus bekommt, verurtheilt hat, ist sofort nach Ver- kündigung des Urtheils zu Mac Mahon gelaufen und hat dort um Gnade für den gebeten, den es soeben als Berräther Frank- reichs dem Tode überliefert hatte. Diese Komödie erklärt denn auch, wie Bazaine, nachdem er das angebliche„Todesurtheil" ver- nommen, heldenmüthig sagen:«Ich schwöre bei Jesus Christus, daß ich Frankreich uicht verrathen habe", also seiner übrigen Schmach «och gleich einen Meineid hinzufügen konnte. Getreu dem alther- gebrachten Grundsatze, daß ein Spitzbube gegen den andern stets„ehUich" fein soll, hat denn auch Mac Mahon den Bazaine zu 20 Jahren Festungshaft„begnadigt" und auch die„schimpflich- Degradation" aufgehoben. Nun gelegentlich eine Amnestie und Bazaine ist wieder ein freier ehrlicher Mann. Der Ausgang dieses Prozesses ist also genau so gekommen, wie wir zu Anfang des Prozesses(Nr. 93 ves„Bolksstaat") vermutheten; der kaiserliche !i.'anflnecht Mac Mahon, der durch eine„Ironie des Schicksals" Präsident der„Republik" geworden, hat seinen Mit- Lanzkuecht Bazaine nicht im Stiche gelassen. Jnoeß der Prozeß Bazaine, wenn er auch mit einer solch erbärmlichen Farce geendet hat, wie sie höchstens die preußischen Kriegsgerichte nach den Niederlagen von Jena(1806) und von Frievland(1807) aufzuweisen haben, ist für uns durchaus nicht von unt-rgeordliet-m Werth«. Di- Aus- schlüsse und Enthüllungen, welche durch diese bandwurmartigeMonftre- Verhandlung zu Stande gekommen, entschädigen uns reichlich für das, was„unenthüllt" geblieben. Der ganze Prozeß hat einen Einblick gewährt in das Getriebe der modernen politisch-a Actionen, und Mancher, der verschiedene„große Männer" nur als„Helden" kannte, dürfte wohl eingesehen haben, daß das moderne„Helden� thum" mit seinen wohlfeilen Erfolgen auf dem bekannten goldbe ladenen Esel reitet, der alle Festungen zu erobern weiß. DaS Buch Lamarmora und der Prozeß Bazaine! Derselbe„große Staatsmann", der 1866 mit ungarischen„Reo olutionären" gegeu Oesterreich conspirirt, hat 1370 den Schooß- Spitzel der Eugenie, den Herrn Regnier zum speziellen Agenten! Welch hüb- scher Vorwurf für den künftigen Geschichtsschreiber Preußens! — Berichtigung. In der letzten Nummer des Wiener „Volkswille"(Nr. 98) kommt in einem Artikel, überschrieben: Zur 1'age der Arbeiterpartei, solgead« Stell« vor:„Der„Bolksstaat", schon früher von dem würdigen Bruder des späteren„Gründers" darum angegangen, ergriff Partei, indem er die Aufnahme einer Schmähschrift Scheu's zuließ und die Antwort darauf verstümmelte. Dann erst wurde ein Schiedsgericht vorgeschlagen, bei welchem die entscheidende Stimme einem Mitglied der Partei in Deutschland, also einem Mann zufallen sollte, der seither unseren Verhältnissen fern gestanden und auf dessen Meinung der„Volksstaat" bereits Einfluß gewonnen hatte. Der Berein..Volksstimme", der in seiner Gesgmmtheit geschmäht worden war, lehnte das Schiedsgericht ab, da die Angelegenheit durch drei Nächte hindurch bcrathcn worden, und die streitenden Theile noch unmittelbar vor der Abstimmung ihre Unterwerfung unter das Votum des Vereins erklärt hatten. Außerdem war die Ansicht bestimmend, daß in keinem Falle eine Wiedervereinigung mit Personen stattfinden könne, deren Wesen mit der Gesundheit des Parteiorganismus unverträglich fei." So der„Volkswille". Wir wollen nicht auf die Frage: Scheu- Oberwinder zurückkommen und begnügen uns, zur thatsäch- lichen Berichtigung zu erklären: 1) der„Volksstaat" nahm durch Veröffentlichung der Scheu'schen Erklärung nicht Partei in dem Streit; 2) der„Volksstaat"„verstümmelte" die Antwort auf die Scheu'ste Erklärung nicht; er milderte nur, im Interesse der Aussöhnung, einige Ausdrücke; und 3) sollte das vorgeschlagene Schiedsgericht einen von beiden Parteien gewählten Obmann haben und war namentlich die von dem„Volkswille" der Partei- lichkeit angeklagte Redaktion des„Bolksstaat" eifrig bemüht, durch Constituirung eines unparteiischen Schiedsgerichts dem traurigen Zwist ein Ende zu machen. Daß nicht die angebliche Parteilichkeit des«Bolksstaat" und des vorzescblagcnen Schiedsgerichts das wahre Motiv zur Ber- werfung des SchiedSgerichtSvorschlagS durch den Berein„Volks- slimine" bildete, erhellt übrigens mit hinlänglicher Deutlichkeit aus dem letzten oben abgedruckten Satz des Artikels im„Volkswille". — An die Redacteure des„Fortschritt" in P forz heim!*) Ja Nr. 33 Ihres Mucker- und Winkelblattes behaupten Sie, daß der„Bolksstaat" im Laufe des letzten SommerS Johann Jacoby„etwas vornehm" einen«Halbfocialdem o- krate'n" genannt habe. Wir erklären Sie für miserable, infame Lügner und Verläumder, so lange Sie uns nicht beweisen, daß wir dieS gethan. Die Redaktion des„Volksstaat." ') Obwohl wir früher erklärt, daß wir un« mit diesem, von über ßeschnavpten Schulmeistern beklexteu Papier nicht beschästigeu wollen, so glauben wir doch dem Wunsche von Psorzbeimer Patteigenossen nach geben und obige Lüge an die Oessentlichleit ziehen zu müssen. Folgende Vertrauensmänner find neu angemeldet und bestätigt worden: Gera: Karl Bcätter; Neudörfel: F-iedr. Kircheis. Zugleich machen wir bekannt, daß Oswald Jurk in Forst (Lausitz) wegen organisationS- und prinzipienwürdizen B-rhaltenZ, indem er die Förster Arbeiter durch ein Z:itungS-Eiagesandt für einen nationalliberalen Candidaten zu gewinnen suchte, unter Zu- stimmung der Forster Mitglieder auS der Partei ausgeschlossen worden ist. Hamburg, 14. Dezember 1373. Der Ausschuß: I. A.: August Geib, RödingSmarkt 12. H. Benneke, Kassirer, kl. Schäferkamp 34. Juuere Partei-, BerwaltuugS- und OrganisationS- Angelegenheiten. An die Parteigenossen! Nachbenannte Orte sind neu angemeldet und in die Partei- Organisation eingereiht worden: Correspondenzen. /«ipzig, 15. Dezember. Trotzdem der hohe7„Rath der Stadt Leipzig" bekannt gemacht hat, daß in diesen Tagen, vom 8. bis 16. Dezember die Wählerlisten ausliegen sollten, ist eS That- sache, daß Ende voriger Woche einer Menge von Wählern, welche sich überzeugen wollten, ob ihr Name eingetragen sei, Wähler- listen nicht vorgelegt werden konnten, weil solche noch nicht fertig waren. Man legte den Leuten einfach die von Haus zu HauS geschickten Bogen vor, auf welchen sie sich selbst eingezeichnet hatten. Die richtige Uebectraguag in die Wählerlisten ist also nicht mehr zu controliren. UnS erscheint dieS zum Mindesten sehr eizenthümlich und wir möchten wissen, was das Heer von Schreibern, welche der hohe Rath besoldet, eigentlich zu thun hat, wenn die Wählerlisten nicht einmal zur rechten Zeit fertig gestellt werden können. Wir nehmen einstweilen Akt von dieser Amtsführung der Herren vom hohen Rathe der Stadt Leipzig. Leipzig, 15. Dez. In Liebertwolkwitz fand gestern eine Volksversammlung statt, wo Hadlich und Stelzer mit bestem Erfolg für Johann Jacob» wirkten; desgleichen in Gautsch, wo Ramm, Seifert und Bios den Arbeitern klarlegten, wen sie zu wählen haben. Chemnitz.(Zur Nacheiferung.) Die„Chemn. fr. Presse" schreibt: Während die Wahlagitation in den Wahlkreisen Mitt- weida-Frankenberg und Chemnitz Stadt und Land schon seit vielen Monaten in Gang und eine mustergiltig orzanisitte Verbindung der Wahlcomitv's unter einander hergestellt ist, derart, daß die Wahl jeden Tag losgehen könnte, ist neuerdings die Agitation in dem Wahlkreis Freiberz-Hainichen-Oederan energisch in Angriff genommen worden und der Candidat Geib hat soeben eine Rund- reise beendet, die vom besten Erfolg begleitet war.— Die Gegner entwickelten bisher im 15. Wahlkreise keine Thätizkeit, im 16. und 9. Wahlkreise haben sie es noch nicht einmal zur Aufstellung eines Candidaten gebracht und es scheint in dieser Beziehung ihre Ber- legenheit groß zu sein. Es hat den Anschein, als wenn Liberale und Conservative überall, wo ein Sozialdemokrat Aussicht auf Erfolg hat, einmüthig mit einander gehen werden und das ist sicherlich insofern von Nutzen, als dadurch die richtige Scheidung der Interessen sich vollzieht. Der Sozialdemokratie gegenüber sind die Angehörigen aller andern Parteien eine reaktionäre Masse.— lieber die sehr zahlreichen Versammlungen, welche abgehalten wer- den, können wir nicht speziell berichten, es gilt für alle, daß die Gegner nur in höchst seltenen Fällen herauszutreten wagen, was an sich schon beweist, daß die Stimmung des Volkes eine der So- zialdemokratie überaus günstige ist. Dem ist auch wirklich so und wir können hinzufügen: Die Haltung der engeren Parteigenossen ist eine über alles Lob erhabene. Am vergangenen Sonntag waren im 15. und 16. Wahlkreise mindestens 250 Mann auf den Beinen, um Wahlaufrufe zu vertheilen; sind Versammlungen auf Dörfern anberaumt, welche 1—2 Stunden von den Hauptorten entfernt liegen, so finden sich immer 20—30 aus den Centralorten, um den Referenten zu begleiten und den weniger vorgeschrittenen Arbeitern durch ihr Erscheinen Muth und Vertrauen einzuflößen, das Wetter übt dabei keinen Einfluß aus. Mit nicht minderem Lob ist der Agitatoren zu gedenken, sie halten öfters Tag für Tag einen Vor______ W,„ trag und am«onntag deren zwei; durch diesen allseitigen regen Arbeiter, welche bei ihren früheren Fabrikanten Schulden hinter Volksversammlungen kommen sie bloß bis an die Thüre.) So w«r es auch in Zwönitz, wo ca. 100 Arbeiter anwesend waren; außer- dem auch ca. 20 Bourgeois. Unter Letzteren befand sich auch Einer, der früher häufig als Oppositionsredner aufgetreten ist, sich aber in der Mitte des Vortrags aus dem Staube machte. War da< Resultat auch gering, so ist doch der Anfang gemacht und noch 2 Versammlungen vor der Wahl könnten uns die Mehrzahl der Stimmen zuführen.— Besser steht unsere Sache im Stollberger Bezirk, und unter den Kohlcnarbeitern von Würschnitz, Lugau und Oelsnitz. Leider war auch die zu Niederwürschnitz am Sonntag den 7. Dezember Nachm. 3 Uhr einberufene Versammlung wider unser Erwarten nur spärlich besucht. Thema wie in Zwönitz. Referent wiederum unser Freund Nauert. Der Grund zum schlechten Be- such liegt hier darin, daß den Herren Offizianten vor Weihnachten viel daran gelegen ist, so viel wie möglich Kohlen zu Tage zu fördern, damit das Weihnachtsgeschenk, welches gewöhnlich gemacht wird, wenn die Dividende der Herren Actionäre recht hoch ist, reichlich ausfalle. Viele kommen Nachmittags aus dem Schacht sind müde, die Uebrigen fahren ein und können die Versammlung ebenfalls nicht besuchen. Unser Agitationsfeld wird nach den Feier- tagen dorthin verlegt werden müssen und werden wir durch etliche Versammlungen zu einem für unsere Sache jedenfalls günstige« Resultat gelangen. Schmölln. In der Sonntag, den 7. Dezember Abend» 8 Uh r abgehaltenen Volksoersammlung referirte Motteler au» Ccim- mitschau über die Reichstagswahl. Die Versammlung war star k besucht, das Bureau bildeten Schellenberg als erster, Marti u als zweiter Vorsitzender und Unterzeichneter als Schriftführer. Das Referat wurde auf keine Weise gestört und legte Referent die Folgen der Klassenherrschaft in ausführlicher Weise aus; er bewies dabei, wie die jetzigen ReichstazSabgeordneten nicht mehr fähig wären, als solche zu gelten und wie dem nur abzuhelfen sei, wenn Man- ncr gewählt würden, die mit Kraft und Energie die Recht- des Volkes zu jeder Zeit vertreten. Hierauf wurde der Versammlung für den Wahlkreis Altenburg als Reichstagsabgeordneter empfohlen: Hofbaurath Temmler aus Schwerin. Die Wähler wurden auf- gefordert, am Wahltage alle an der Wahlurne zu erscheinen und auf keine Weise sich von der Wahl abhalten zu lassen. Die Auf- forderung, der Partei beizutreten, ergab, daß sich 13 Mann in die Mitgliederliste gezeichnet haben. Die Versammlung wurde ge- schlössen mit dem Gesang des ProletarierliedeS:„Es tönt ein Ruf von Land zu Land". Wähler unsers Wahlkreises, an Euch ist eS, zu wirken und zu agitiren, damit wir am Wahltage einen ebren- vollen Sieg erkämpfen; wir unsrerseits werden bemüht fein, alle» aufzubieten, um zu siegen. Mit sozialdemokratischem Gruß H. Pitzschler. Iranllenhaus«», 5. Dezember. Schon seit langer Zeit ist ei« allgemeiner Bericht von hier nicht mehr an die Oeffentlichkeit ge- kommen und doch hat seit dieser Z:it manche„Sklavennatur" von Arbeiter den Fuß und die Knute de? gestrengen Sklavenhalters gefühlt. Aber auch mancher Arbeiter hat gezeigt, daß er weiß, daß er Mensch ist, mancher Arbeiter hat gekämpft und gesiegt. Gesiegt? wird man fragen? Ja gcsiegt! Es war ein moralischer Kampf, wo der Arbeiter zeigen mußte, was Moral ist— und waS sie sein maß. Die Arbeiter sind sehr oft, wenn auch nicht in öffentlichen Versammlungen, so doch sehr oft privatim mit ge- meinen Schimpfreden belegt und besudelt worden und welche» von beiden mehr zu verdammen ist, ist wohl nicht nöthig hier weiter auszuführen. So sind z. B. die hiesigen Knopfarbeiter vor ihrer letzten öffentlichen Versammlung mit Eigenschaftswörter« belegt worden, wie man sie nie aus dem Munde eines Arbeiters gegen den Arbeitgeber hören wird. Als die Knopffabrikanten nämlich von der Michaelismesse zurückgekehrt waren, erlaubten sich einige Arbeiter, die sehr gute Arbeiter waren, deshalb aber nicht so viel verdienten bei ihrer guten Arbeit als andere bei ihrer schlechten, den Fabrikanten anzugehen, etwas Zulage zu machen; der Fabrikant sagt weder ja noch nein, beruft eine Fabrikanten- Versammlung ein und die Herren bilden unter sich einen Verband mit der Verabredung, kein Fabrikant darf bei einer hohen Conventionalstrafe einen Arbeiter ohne Erlaubnißbescheinigung s eines vorigen Fabrikanten in Arbeit nehmen. Nun erklärten zwar die F abrikanten, diese Bescheinigung beziehe sich nur auf diejenige« lassen hätten. Wie hinfällig eine solche Aeußerung ist, war de« Arbeitern sofort klar und sie erklärten in einer öffentlichen Ber- sammlung, vom 1. November ab der Gewerkschaft der Holzarbeiter beizutreten, welche« auch geschehen ist. Nun wütheten und tobten Eifer der engeren Parteigenossen wird die Masse mit sortgerissen und daS Steigen der Wahlaufregung ist deutlich zu beobachten.— Die Gegner haben sich bisher nur in drei Versammlungen hören lassen, zu Brand und Frauenstein gegen Geib und zu Limbach gegen Auer, in allen Fällen hatte diese Intervention die günstizste aber die Fabrikanten gegen die Arbeiter; daS kümmerte natürlich Wirkung auf die Massen, es war indessen dieses Auftreten von die Arbeiter sehr wenig, sie haben sich vereinigt und damit basta. Gegnern nicht etwa eine Folge planmäßigen Widerstandes, sondern— Daß nun aber der Haß der Fabrikanten ohne alle Grenze« es beruhte auf der zufälligen Anwesenheit von Leuten, die entweder ist, ist wohl leicht zu denken; so hatte sich unter Anderen so ein von dem Wesen der Sozialdemokratie oder von den lokalen Ver-„Schreibe- alles- für-Geld" bewogen gefunden, in einem Winkel- hältnisscn keine K-nntniß hatten.— Die Polizeiorgane haben sich blatt,„Der Deutsche", herausgegeben zu Sondershausen, zu erklären, hiSher noch keine Uebergriffe erlaubt, nur in Berthelsdorf bei Hai- die Knopfarbeiter wüßten nicht waS sie wollten, sie verdiente« Andreas Hancke. 200 Thlr., wenn sie zwei Söhne hätten 600 Thlr., er nannte die Lehrer bei 200 refp. 314 Thlr. Gehalt Hungerleider— gegen die Knopfarbeiter:c. ,c. Die Knopfarbeiter fanden sich aber gar uicht bemüßigt, den Skribifap zu widerlegen, sondern sie wüsche« ihm den unlogischen Kopf mit seinem eignen corrupten Fabrikat. Wiederum große Sensation unter den Fabrikanten, und wiederum ganz ruhiges Vorgehen der Arbeiter. Was hat man nicht alles versucht, um die Arbeiter zu besudeln und in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen, aber bis jetzt ist durch das correkte Vorgehen derselben das gerade Gegcntheil von dem geschehen, waS man beabsichtigte. Und so wird eS wohl auch bleiben, wenn die Arbeiter fort und fort so streng geschloffen vorgehen wie es bis jetzt geschehen. Borstehendes ist nur ein Bei- spiel von viele», daS aber gerade in die Augen fällt. Aber Viele», ach wie unendlich Vieles wird im Stillen abgeschlachtet, wovon die Oeffentlichkeit gar nichts hört noch steht; die Z eit wird ab« auch kommen, wo endlich jeder Arbeiter einsehen muß, welche Rechte er zu wahren hat, um auf daS Wort Mensch Anspruch machen zu können. l5ise»ach, 10 Dezember. In der am 6. d. M. stattgehabte« Parteiversammlung wurde am hiesigen Orte ein Wahlkomits au» 5 Personen gewählt, welches die Aufgabe sich jetzt gestellt hat, die Agitation im hiesigen Wahlkreis mit aller Energie zu betreiben. Es hat bereits seine Thätizkeit begonnen und bearbeitet die Land- bevolkerung mit aller Kraft. Die Stimmung ist gut, und eS wird unsererseits nichts gescheut, fortzuarbeiten an dem großen Werk. Die Aussichten bei den Wahlen scheinen für uns günstig, da cher große Theil der Landbevölkerung zum Klassenbewußtfein zu komme« scheint. Parteigenossen des Eisenacher Wahlkreises! An Euch tritt aber jetzt die Pflicht heran, uns in unserer Aufgabe zu unterstützen mit allen Euch zu Gebote stehenden Mitteln, kem Opfer darf Euch scbon am ganzen Körper zittern, wenn sie nur eine in zweierlei �zu groß erscheinen, wenn Ihr Euer eigenes Interesse wahre« wollt. Tuch gewickelte Stütze des Staats zu sehen bekommen.(In der'Ihr werdet wissen, daß unsere Gegner sich schon längst rüsten, um nichen versuchte der anwesende Vertreter der Behörde eine Ein schüchterung der Versammlung, nachdem der Herr Amtmann vorher sich schon allerlei Mühe gegeben hatte, die Versammlung zu ver- hindern. Es war dies ein sehr vergebliches Bemühen und Vahl- teich machte dem Herrn Ueberwacher den Standpunkt, welcher er einzunehmen habe, ganz ausreichend klar.— Als einen Beweis für den Eifer, mit welchem die Arbeiter die Wahlangelegenheit auffassen, wollen wir noch mittheilen, daß, nachdem wir gestern Abend die auch heute wieder im Jnferatentheil unseres Blattes be- findliche Aufforderung erlassen hatten, heute Bormittag schon meh- rere Hundert der verlangten Zettel mit Angabe von Namen, Woh- nung und Alter der Wähler eingegangen sind. Stollöerg. Daß im 19. sächs. Wahlkreise zur bevorstehenden ReichstazSwahl noch tüchtige Arbeit erforderlich ist, bewies uns wiederum eine zu Zwönitz am Sonnabend den 6. Dezember ab- gehaltene Volksversammlung, in der Nauert aus Leipzig über den deutschen Reichstag und die bevorstehenden Reichstagswahlen refe- rirte. Zwönitz ist ein Städtchen von ca. 2600 Einwohnern, hatte bei der letzten Reichstagswahl 293 Stimmen für Minckwitz, 55 Stimmen für Liebknecht abgegeben, im Mordspatriotismus und Victoriaschicßen allerdings noch viel mehr geleistet. Schon deswegen war es für uns von Wichtigkeit, Bresche zu schießen. Die arbei- tende Bevölkerung besteht meistens aus Webern, die einen Durch- 'chnittshungerlohn von 3 Thlr. beziehen, d. h. der gute Arbeiter. Die Arbeitszeit ist mindestens 16—13 Stunden. Man sieht die Leute sehr häusig bis spät in die Nacht arbeiten. Der Lebensun terhalt besteht aus Kartoffeln und Brot und ist eben so theuer als in größeren Städten. So kostet das Pfund Brot 14 Pf., der Dresdner Scheffel Kartoffeln 2— 2'/, Thlr. Infolge der schlechten Lebensweise und übermäßig langen Arbeitszeit ist es denn Zkein wenn die Leute hier physisch und geistig abgestumpft sind uuS uiur.tiok: zu, daß sie uur vc-.iäuvldcn ihreu berichl, daß er aöerdiiizS für die Ardeüer nichlS ieautragt habe, schmutzigen Blättern, um unS so jeden Schritt zur Wahl'lzu er- weil w eine solche gar nicht kenne. Sauken meinte, ohne Bis- schweren. Da uns nun weiter keine Presse zu Gebote steht, als marck wären die Abgeordneten gar nichts,„eine Heerde ohne einen der„Volksstaat", wir aber den Raum desselben zur Verthddigung, Hirten," man müsse Bismarck durch eine starke Opposition stützen! nicht zu viel beanspruchen können, so fordert Euch der Unterzeich � Alles Fehlgeschlagene wurde auf die Schultern der Conservativen riete auf, uns in diesem Kampfe treu zur Seite zu stehen und unser gewälzt und die Reden mit„Wenn's" gespickt. Der dritte Abge- Sieg wird desto sicherer sein. Die Parteigenossen von Ruhla, ordnete, unser stüherer Oberbürgermeister Kieschke, hatte sein Berka a. W., Gerstungen, werden ersucht, ihre Adressen schleunigst an uns gelangen zu lassen. Also frisch anS Werk, der Sieg ist unser, wenn Ihr nur wollt. Mit socialdewokratischem Gruß Fr. Giffey, Vorsitzender, bei Herrn I. Grarbrecht im Ackerhof. Staßfurt. In den letzten 14 Tagen fanden in unserm Reichs- tagSwahlkreife Calbe-AscherSleben Versammlungen statt: Am Sonn- tag, den 23. November in Schönebeck;, da selbige aufgelöst wurde. fand, nachdem in Staßsurt am Sonnabend, den 29. November eine Volksversammlung und am Sonntag, den 30. Ncvember ein noch den Opfern seiner Klasse das Eigenthum auspressend. Mandat dazu benutzt, eine Gründerstelle zu erlangen, die ihm mehr einbrachte, als sein Oberbürgermcisteramt. WaS wunder, daß der Mann„der realen Interessen" letzteres Amt zu Gunsten der„Gründung" aufgab und unsere Steuerzahler in der Patsche der von ihm verpfuschten Wasserleitung ließ. Und was für eine Gründung war eS, die einen Mann wie Kieschke verlockte. Er, an der Spitze eines ConsortiumS kaufte unter falscher Vorspiege- lung des Zweck. s einen Häusercomplex auf, den er darauf zur Herausschlagung hoher Miethen an Prostituirte vermiethete, so Allgemeines Arbeitcrfcst, wo Wiemer die Festrede gehalten, statt- gefunden, am Montag, den 1. Dezember wieder eine große von über 3000 Menschen besuchte Volksversammlung in der Tonhalle Unsere Bourgeoisie ist sehr gut vertreten! Mittwoib. den 3. d., hatten wir die Freude, Eckstein zu be- grüßen. Cr bewirkte TagS darauf in seinem Prozesse— er war unter großem Beifall statt. Dieselbe wurde diesmal nicht wieder in erster Instanz wegen öffentlicher Beleidigung des RedacteurS ausgelöst, und nachdem Bremer(Magdeburg) über:„Was wir de Grahl zu 4 Wochen Haft verurtheilt, in contumaciam und wollen!" und Unterzeichneter über:„Die ReichstagSwahlen" in ohne Zeugen— Einsetzung eines neuen Termins zur Vernehmung längeren Ausführungen reserirt und alle 4 Opponenten aus dem seiner Zeugen. Felde geschlagen, wurde Metzner(Berlin) zum Kandidaten mit Abends hatten wir Volksversammlung im Schützenhause, in allen gegen eine Stimme(die eines Allgemeinen Deutschen aus der Eckstein über die bevorstehende ReickStagSwahl referirte. Calbe) proklamirt. Außerdem bildete sich eine SO Mann starke GrößtenthcilS war die Bourgeoisie vertreten, Arbeiter weniger, da Mitgliedschaft. Am Freitag, den S. ds. MtS. fand eine von der öffentliche Anklebcr die betr. Plakate� in den Arbeitervierteln €00 Mann besuchte Volksversammlung in Sülze statt; hier drohte der Bürgermeister, als vou der Invalidem Pension gesprocken wurde, die Versammlung aufzulösen; nachdem ihm aber das Vereinsgesetz anzukleben Unterlasten hatte! Zum Vorsitzenden wurde Max Herbig ohne Widerspruch ernannt. Eckstein beleuchtete die Thätig- keit der Fortschrittspartei im Reichstage und Landtage und die durch Wiemer erläutert, wurde er andern Sinnes; besonders" soll �Verwendung der Milliarden. Die Rede wurde nur durch Bei- ein Herr Stadtrath(Zimmermeifter) den Herrn Polizei-Anwalt fallSrufe unterbrochen. Nachdem noch Mehrere das Wort zu Gun� so in Hitze gebracht haben. Ein Holzhändler traklirte hingegen sten unserer Partei genommen, wurden die Gegner, die doch zum seine Arbeitsbienen tüchtig mit Bier. Es könnte ihm aber leicht größten Thcile hier vorhandeu waren, zur Vertheidigung der An- ergehen, wie den Schönebeckern Braucreibesitzern mit ihren Gc- griffe aus sie aufgefordert, aber Niemand hatte den Muth dazu, seilen, die keine Luft daran fanden uns hinauszuhauen, nachdem obgleich Mehrere aus dem Wahlcomitö der Forlscbrittspartei zu- das Kommando ertönt war. Auch hier wurde Mctzner einstimmig gegen waren als Kandidat der sozialdemokratischen Arbeiterpartei proklamirt. ES bildete sich gleich falls eine Mitgliedschaft. Vorläufig versieht der Schönebecker Vertrauensmann Bauunternehmer Maurer Hanke auch hier das gleiche Amt. Sonnabend, den 6. ds. MtS. fand in Börnike eine Volksversammlung, wo ich über die Reichstags- wähl und unser Programm sprach, ebenfalls statt; auch hier wurde uuser Metzner proklamirt und eine Mitgliedschaft gebildet. Mon- rag» den 8. ds. MtS. gingen wir S Mann von hier nach Bicre; nachdem ich über die Arbeiterbewegung und die Reichgtagswahlen referirte, bildete sich auch hier eine SO Mann zählende Mitglied- schaft und wurde Metzner von circa SOO Versammelten als Kandidat der Arbeiterpartei proklamirt. In Königau, Quedlinburg, Magdeburg, wo Wiemer gesprochen, ist auch Metzner als Arbeiter- Candidat proklamirt. Wir hoffen trotz Hurlemann'S Candidatur Mehner durchzubringen. Im Auftrage des Central-WahlcomiteS: W. Fischer. «Lemdshut. 10. Dezember. Von dem hiesigen Wahl-Comit6 wurde auf Montag, den S. dS. MtS. Nachmittags 3 Uhr eine Volksversammlung mit der Tagesordnung: 1) die Reichstags? wählen und ihre Bedeutung für das arbeitende Volk, 2) der letzte Reichstag und seine Thätigkeit, anberaumt. Trotz des Herr- lichen WintertageS, trotzdem in den Nedenlokalitätcn dem edlen Tanzvergnügen gehuldigt wurde, und in den unteren Räumen des Hotels die Musik des 4. JägerbataivonS sich prcduzirte, füllte der große Saal sich ungemein schnell. Nach der Wahl des Bureaus, tu welchem Untcrzeiebreter erster, Vertrauensmann Lipxert zweiter Vorsitzender und Parteigenosse Schönauer Schriftführer war, erhielt der Referent, Parteigenosse Rick aus München das Wort und behandelte die Tagesordnung mit solcher Genauigkeit und Schärfe, daß ungetheiller Beifall von der ganzen Versammlung seinem Vortrag gezollt wurde. Nachdem noch zum Schlüsse von dem Vorsitzenden deS WahlcymitSs, Parteigenossen Wallner, der Referent Rick als Kandidat für LandShut vorgeschlagen und von der über 300 Mann zählenden Versammlung angenommen wurde, erklärte Rick sich bereit, die Kandidatur anzunehmen. Ncch muß ich erwähnen, daß sowohl der Referent als auch ich die Gegner aufforderten, zu sprechen, allein diese Herrn ziehen es vor, aus den Bierbänken vor einem ihnen gleichgesinnten Auditorium Uber uns und unser Prinzip zu schimpfen und unS in jeder Weise zu verdächtigen, was jedenfalls nicht zu den Tugenden eines ManneS gezählt weiden kann. Mit sozialdemokratischem Gruß Heinrich Wünschheiw. Keidelverg, 1. Dezember. Auch von hier wollen wir wieder einmal über den Parteistand etwas berichten, obwohl es am hie- stgcn Platze schwer ist, eine kräftige Mitgliedschaft zu erhalten, indem Heidelberg ein wahrer Taubei schlag ist und zwar aus dem Grunde, weil in allen Nachbarslädien die Löhne der Arbeiter höher sind, und deshalb jeder Denkende sich nicht lange hier aushält, denn von den schönen Bergen kann der Arbeiter nicht leben. Ein Maurer verdient hier z. B. im Sommer im Turckschnitt kaum 1 fl. 30 kr., und die Lebensmittel haben einen Höhepunkt erreicht, wie er kaum in einer andern Stadt zu finden fein dürfte. Ferner ist es uns auch ziemlich schwer gemacht worden durch die hiesige Preffe, die uns unter dem Beifall des Spießbürgerthumö unauf- hörlich zu beschmutzen versucht. Auch die Polizei ist eifrig bemüht, nnsre Versammlungen aus dem Lande zu hintertreiben durch Bcein- fivffung der Wirlhe. Nur der Arbeiterbildungsverein steht in Gunst, diesem werden das Museum und die Freimaurerloge zur Verfügung gestellt zu Vorträgen, Festlichkeiten-c.; dafür ist dieser Verein aber auch lammftowm, treibt keine Politik und liefert oben- drein noch prächtiges Stimmvieh. Wenn für jetzt auch keine große Aussicht auf Erfolg vo, Händen ist, so soll uns das doch nicht abhalten, kräftig weiler zu arbeiten. In der letzten Mitgliedervcr- fawmlung wurde beschlossen, für Most zu stimmen, nur um zu sehen, wie stark wir hier am Orte sind. Die Gelder für die Wahlagitation gehen zur Hälfte nach Mainz, zur Hälfte an den Parteiausschuß. Agitatoren, die in unsre Nähe kommen, bitten wir recht dringend, uns nicht zu übersehen, da eS uns an agitatorischen Kräften fehlt. Mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag I. Königsberg in?r.. 9. Dezember. Bei der kürzlich hier stattgehabten Wahl zum preußischen Abgeordnetenhause hatten wir die Parole den Arbeitern erthcilt, sich der Wahl zu enthalten. ES haben sich auch bei der Wahl nur höchstens ca. S pCt. jämmtlicher Berechtigter betheiligt. In einigen Districten hatte sich zur dritten Abtheilvng auch nitt ein Urwähler eingefunden. Eine Zusammen- siellong der Wahlzahlen hat man noch nicht für nöthig befunden, aufzumachen. Die drei von der vereinigten„liberalen" Partei aufgestellten Candidatcn schreckten aber auch selbst gortschrittler von der Wahl ab. Bender erklärte in seinem RecheuschaftS Hamburg über die RcichstagSwahlen.'Ijorck erläuterte zunächst die Frage, ob die jetzt im Lande herrschende Partei wohl schon etwas für die Arbeiterpartei gethau habe, und ob R. v. Ben- nigsen(der jetzige Candidat für den 19. hannöversche» Wahlkreis) würdig sei, bei der bevorstehenden Wahl die Stimmen der Ar- beiter zu erhalten:c. Der letzte Reichstag sei 1871 unter dem Eindruck der gewonnenen Schlachten gewählt, und die von diesem mit Dampfgeschwindigkeit gemachten Gesetze, das liege klar, wären zum Gotterbarmen. Besonders cynifch trat die Parteilichkeit für die begüterten Klassen bei dem Haftpflichtgefetz zu Tage. Freilich fei von einer gesetzgebenden Körperschaft, die aus 11 Fürsten und Prinzen, 34 Grafen, 105 Baronen und sonstigen Adligen und 100 hochgestellten Beamten zusammengesetzt sei, nichts anderes zu er- warten gewesen. Es fei auch gar nicht zu verwundern, wenn diese Leute dem einzigen jetzt in HubertuSburg sitzenden Arbeitervcrtreter mit Hohngelächter antworteten, sobald dieser die Interessen der Arbeiter zur Sprache brachte. Der Redner kritisirte dann noch das InvalidenpensionSgefetz, das Militärstrafgesetz u. a. m. unter allgemeinem Beifall. Horck wurde nach Schluß seines Vortrages von dem Vorsitzenden Kaht zum ReichstagSkandidaten deS 19. han- növerfchen Wahlkreises proklamirt und diese Kandidatur von der Versammlung einstimmig gutgeheißen.— In beiden Versamm- lungen wurden die Anwesenden aufgefordert, unausgesetzt für den Arbciterkandidatcn Horck zu agitircn und wenn der Wahltag erschienen sei, Mann für Mann mit dem Stimmzettel: Th.(ftorck aus Hamburg an die Wahlurne zu treten, daß dieser mit großer Majorität aus der Wahlurne hervorgehe. Glückauf zur Wahl. Mit sozialdemokratischem Gruß Job. Säly, Schriftführer. Lerichtigung. Am Schluß der Abrechnung von Hannover in Nr. 123 muß es statt Thlr. 867 heißen: Tblr. 767. Zglr Waldenburg Ag.-Nr. 10 Gr. Hrm Elberfeld Schr. Thlr. 1 18. Zgnrckr OberhauSlau Ag.-Nr. Thlr. 3 10. Gutr Verden Schr. Thlr. l 7 S. Schbrt Meerane Schr. Thlr. 1 23. Fr. Mrtn Halberstadt Ag.- Nr. 10 Gr. Wldink Münster Schr. Thlr. 1 iS 7. Bchhm hier Schr. Gr. IS 7. Krsch Stuttgart Schr. 3 Thlr. Wndlr hier Ab. Gr. 5 S.' M. Mannheim Ab. November Thlr. 7 15. Llr. Berein Augsburg Ann. 5 Gr. Arb.. Partei daselbst 25 Gr. A. Brnr Wechselburg Ihr S. Saldo betrögt mit der Ag.-Nr. Thl-. 2 16 9. F. Lßnr London f. Schr. Thlr. 1 6, Ab. Thlr. 3 24, beglichen bis Ende Dezember. Fond für pol. Gcmaßregelte. V. Krsch hier 1 Thlr., v. Hugr 5 Gr., v. Pltzr Gr. 2 5, Wldrul Münster Thlr. 1 14 3. Zum Reichetagswahlfond. B. Stlbrg hier 1 Thlr., Gewertschait der Manusakturarbeiler Nowawe« 1 Thlr.