wf 'S- *: n.» tu« «r. rtti tt»t 1». im, &r «' tftl li» -Ich chr. arg l ilr. iu. aß chr- »stet «l ihre arg ort. Erschein! iu Leipsig Mittwoch, Freitag, Sonnwg. Vtstellungen nehmen an all» lten u. Buchhand- gen de» In-».Auslandes. Piial-Expeditionen für die Bereinigten Staaten: F. A. Sorge, Rai 101 Sodokea, 11. J. Wm. LuederS, 409 Mayatr. Chicago, JU. P-ter Haß. •.W. Corner Third and Matoa itr. Phliadalphia. Abonncmcntsprn«: Für Preußen incl. Stempel- steuer 21>/, Sgr., für die übrigen Deutschen Staate» 1« Sgr. pro Quartal. Monate- Zlbonnementi «erden bei allen Deutschen Postanstalten auf den H tm «. 3ftn Monat und auf de» SUn Monat besonders angenommen, imKgr. Sachse» ». Hrzth. Sachs.-Altenburg auch auf den lten Monat d B'/s Sgr. angenommen. OrgandersozialdemokratischenArbeiterparteiundderintcrnattonalenGetverksgenossenschaften. Inserate, die Abhalwng von Partei-, BereinS« und BoltSversammlungen, sowie die Filial-Expeditionen und sonstige Partei-Angelegenheiten betreffend, werden mit 1 Sgr.,— Privat- und VergnügungS- Anzeigen mit 2 Sgr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Nr. 3. Ireitag, 9. Januar. 1874. äj A» die Parteigenoffe«! e»� an- t«> riß Sie nur iger Nur noch wenige Stunden und der Tag der Wahl ist gekommen. Für drei Jahre— eine lange Zeit— hat alsdann der Wahl- kämpf sein Ziel gesunden, haben die Wähler ihr Urtheil gesprochen. Sollen die Wähler stch nicht selbst verurtheilen, so ruft sie am 10. Januar mehr und lebhafter noch als bisher zu ihren Pflichten auf, damit keiner fehle, wenn es gilt, die Finger in die Wunden- L�male des heutigen Staats- und GesellschaflSkörpetS zu legen und sich nach den besten Aerzten für diese Wundenmale umzusehen. Mühe und Lpfer hat unsere Paitei nicht gescheut, um ihr Programm, ihre Bestrebungen einer großen Anzahl von Wählern klar und faßlich darzulegen. Ter 10. Januar soll zeigen, wie weit die Wähler uns verstanden haben und ob wir die Früchte unserer Agitation einzuheimsen verstehen. Parteigenossen! Ihr aus den Reihen deS arbeitenden Volkes, ��di« Ihr wißt, um was eS sich am 10. Januar handelt, die Ihr —' als Pioniere einer beffern Zeit schon so manchmal treu befunden worden, vergißt ganz besonders am Wahltage nicht, was Eure M- Pflicht«heischt. Geht von Fabrik zu Fabrik, von Werk- statt zu Werkstatt, von Gehöft zu Gehöft und ermahnt Eure Brüder, daß sie zur Wahlurne schreiten, um Mann an Mann für diejenigen Candidaten zu stimmen, aus deren Fahne der Grundsatz steht:„Gerechtigkeit für die Arbeit— Gerechtigkeit für daS arbeitende Volk!" Und diese Candidaten nennt Eunn Brüdern mit Nomen— eS find die Candidaten unserer Partei. Vorwärts zum Mahlkampfe!— Umsicht, Muth und Ausdauer sind die drei höchsten Eigenschaften, welche Euch in diesem Kampfe beseelen sollen. Wahrt sie Euch, sie sind die Vorbedingung des öiegcs! �>och die Partei! Hoch die Sozialdemokratie. »amburg, 8. Januar 1874. Der Ausschuß der sozialdcmokrat. Arbeiterpartei. I. A.: H. Benneke, kleine Schäserkampf 34. August Geib, RödingSmarkt IS. brich sde» 0(* trag' Ctff».- � Die Ärisis in de« Bereinigten Staate« W�schernt Fluß in die dortige Arbeiterbewegung bringen zu wollen. 'Ztatt die Hände in den Schooß zu legen und das Elend, welches sie ungerechten gescllschgftlichen Zustände über sie verhängt haben, nit demuthSvoller Ergebenheit hinzunehmen und als etwas Un- vermeidliches über sich ergehen zu lassen, verlangen die amerikani- b. schen Arbeiter vom Staat Abhülfe ihrer Roth, und verlangen die -�"Staatshilse nicht als ein Almosen, sondern als ihr gutes Recht. tud>-,3n einer am 12. d. abgehaltenen Massenversammlung der Ar- 1fen»btiter- Union theilte der Sekretär derselben mit, daß in Newyort gegenwärtig 10,V0V Arbeiter müssig und auf die Unterstützung der 2� Wohlthäligkeitsanstalten angewiesen sind, serner befinden sich außer- halb des Armenhauses 1200 sog. Vagabunden. Elf Gewerke, welche sMsin den bessnen Zeiten 26,800 Arbeiter beschästigen, haben jetzt __ tuur 5950 angestellt. Im Staate Newyork gehen 13te,000 Mit- Wieder von GewerkSgenossenschasten müssig. In den„Tenement"- en �Häusern dieser Stadt wohnen 600,000 Personen. 100,000 Frauen und Mädchen müssen ihr Brod selbst verdienen. Auf diese 132,000 imüssiggehenden Bürger des Staates-seien nahezu eine Million .�Menschen angewiesen.— Zum Schluß wurden folgende Resolu- �tivnen einstimmig angenommen:«Daß die Versammelten in Folge '"�der Krifis, welche dadurch hervorgebracht wurde, daß die Regie- rung die SpekulationSwuth crmuthigte, brodlos geworden sind: ��daß sie in Zeiten der Roth(während des Bürgerkriege») treu zur Regierung gehalten und sür die Union gekämpft haben; daß sie 'alle gewaltsamen Schritte««meiden und nur Arbeit und Brod ». haben wollen, welche sie von der Regierung, die sie unterstützt haben, zu verlangen berechtigt sind;«daß sie daher entschlossen find, sür sich und ihre Familien Obdach und Brod zu beschaffen und die Rechnungen dafür dem StaatSschatzmeister einzureichen, der sie emstweilen bezahlen soll;" daß sie sofort Arbeit und die g Beseitigung des Contract-SystemS verlangen; daß sie das Acht- 1 istunden-ArbeitS-System befürworten, sowie den schleunigen Erlaß , eines Gesetzes, welches Individuen oder Corporationen verbietet, 'iUtt hindernd in die Geld-Circulation einzugreifen und so eine Krisis, tn«fltotc die jetzige, herbeizuführen; daß der von ihnen ernannte Sicher- heits-AuSschuß befugt sein soll, Arbeite, Versammlungen und Eon- flWdentivnen zu berufen und sich mit den verschiedenen Arbeiterorga- eiu�nisationen,«Granzers"*)-c. in Verbindung zu setzen, um ein dn» harmonisches Zusammenwirken zu erzielen; endlich, daß sie in den »Granzers" die besten BuvdeSgenossen gegen die Hydra Monopol � begrüßen." -- Besonders rührig zeigen sich die deutschen Arbeiter' der Ver- einigten Staaten, namentlich in Newyork und Philadelphia. In Newyork haben die Deutsch redenden Arbeiter in den verschiedenen Ward»(Stadtbezirken) Massenversammlungen abgehalten und Be- I schlösse gesaßt, die wir schon in der vorletzteu Nummer deS„VolkS- i staat" mittheilten. In ähnlicher Weise gehen d,e Arbeiter in Philadelphia und in andern Handels- und Jndustriecentren vor, und es untnliegt keinem 1 Zweifel, daß auch die, noch etwaS zurückhaltenden Englisch reden- len Arbeiter in diese Bewegung werden hineingerissen werden. »Die Roth ist eine treffliche Lehr- und Zuchtmeisterin. •) Ein Bond von Pächtern und Bauern gegen das Großkapital. � Herr Meyer von der«Berliner Revue" sieht bereits die ame- rikanifche Republik von dem Anprall der„Granzers" und inter- nationalen Arbeiter über den Hausen geworfen,„denn— Amerika hat keine Armee, oder doch eine so kleine, daß sie solchem Massenanprall nicht gewachsen ist." ES ist recht schön von Herrn Meyer, daß er so offenherzig seinen letzten Gedanken— die bekannte Berliner ultima ratio— ausspricht, allein verrechnet dürfte er sich doch wohl haben. Kein Zweifel: wenn die Arbeiter in Amerika nachdrücklich und in geschlossenen Massen auftreten, kann die Regierung ihnen nicht widerstehen; damit fällt aber nicht die Republik, sondern die Reginung wird nur ihres Klassencharakters entkleidet, und die Republik von den uu- und antirepublikanischen Elemente v, welche sie jetzt besudeln, gereinigt. Also Läuterung und Stärkung der Republik, nicht deren Schwächung oder gar Zerstörung, und Ersetzung durch eine Soldatcnherrschaft-r 1» Bona- parte oder Bismarck, wird die Folge der gelungenen Arbeiter- bewegung sein. Hm Meyer scheint einen unbedingten Glauben an die Panacee (Allheilkraft) des Militarismus zu haben.„Je größer die Armee, desto fester die Regierung." Er vergißt, daß die Geschichte von keiner Regierung mit großen Armeen weiß, die nicht ein schmäh- licheS Ende genommen hätte. Und noch Eins. Woher kommen denn die„großen Armeen"? Die Herren Adeligen und Bourgeois werden doch nicht Soldaten. Das arbeitende Volk ist'S, das für die Herren Adeligen und Bourgeois den Kuhfuß schleppen muß. Kommt die Masse deS arbeitenden Volks zum Be wußtsein ihrer Lage, dann ist auch die Armee nicht mehr zu verlässig, und sie wird den Herren Bourgeois und Adeligen um so gefährlicher, je größer sie ist. Kurz, Herr Meyer, die großen Armeen sind zweischneidige Schwerter; und wir möchten sogar wetten, daß einst die amerikanische Republik, in deren StaatSpapieren unsere Fürsten schon heute ihr Geld anlegen, daS («sehnte, wenn auch vielleicht nicht erreichte) Asyl der letzten Mon- archen Europa'S sein wird. Der Laster- Knüppel*) hat seine Auferstehung gefeiert. Und zwar war es diesmal in Frankfurt am Main, wo Herr LaSker eine Candidatenrede hielt; interpcllirt, was er im Reichstag 1872 gedacht, als er sich zu der Aeußerung verstiegen, die Berliner wohlgesinnten Bürger würden die Sozialdemokraten mit dem Knüppel todtschlagen, antwortete er nach der„Frankfurter Zeitung" also:„Er habe die Worte ge- braucht, als ein Vertreter dieser Richtung mit der Wiederholung der Thaten der Pariser Commune gedroht habe. Ich kann mir nur denken, daß eine kleine Zahl verwegeuer Männer, wie die Cnmmunarden in Paris war, im Stande wäre, Millionen von Menschen unter Furcht und Angst zu halten und ihnen Zerstö- runng, Plünderung und Gesetze aufzulegen,(kostbare Zusammen- stellung. Anm. d. Red. d.„V.") in Feuerbränden und Vernichtung des Eigenthums sich zu sättigen(wir wünschen guten Appetit. Anm. d. Red. d.„B."), daß dies nur möglich fei durch die moralische Entsittlichung� die während des langen Belagerungszustandes ein- getreten sei. Das aber hoffe ich, daß jede ehrliche Bürgelschaft und insbesondere die Bürgerschaft von Berlin(wie undankbar diese ist, sie hat bisher bei allen Wahlen Herrn LaSker durchfallen lassen), wenn AehnlicheS versucht werden sollte, den Muth haben werde, solche Menschen mit Knütteln niederznschlagen."(Stürmischer Beifall.) Eine Replik seitens unseres Parteigenossen Sabor auf diese LaSkersche KnÜppeliade wurde durch Schlußrufe der vermittelst Einladezettel zusammengetrommelten Bourgeoisversammlung un- möglich gemacht. So wollen wir denn hier mit Herrn LaSker ein Hühnchen rupfen. Zunächst zeihen wir Herrn LaSker der Lüge und schamlosen Fälschung. Er behauptet, er habe die Drohung mit dem Spieß- bürger-Knüppel gemacht,„als ein Vertreter dieser Richtung mit der Wiederholung der Thaten der Paris« Commune gedroht habe." Bekanntlich ging die Aeußerung LaSker» gegen eine Rede Bebels über den Antrag auf Einführung einer constrtutionellen Verfassung iu Mecklenburg. In jener Rede am 8. Nov. 1871 hatte Bebel nicht mit einem Wort der Commune Erwähnung gethan. LaSker mit sein« angeborenen Frechheit und in Ermangelung von Grün- den, brach also die Gelegenheit vom Zaune, indem er auf Aeuße- rungen Bebels in der vorhergehenden Reichstagssession zurück- griff und seinen knotigen Angriff machte. Dn Vertreter der„In- telligenz" und d«„Bildung", Herr LaSk«, fühlte denn auch damals selbst daS Gemeine seines Angriffs, indem er im offiziellen stenographischen Bericht deS Reichstags die Worte„mit Knüppeln todtschlagen" in die Worte mit„eigner Macht sie niederhalten" änderte, d. h. fälschte. Nach Erscheinen de» offiziellen Berichts in öffentlicher ReichStagSsitznng von Bebel wegen dieser Fälschung zur Rede gestellt, entschuldigte sich Herr LaSker, indem er zu sehr aufgebracht gewesen sei über Bebels Vertheidigung der Schanv- thaten der Paris« Commune. Er gebrauchte also genau denselben Kniff fast mit denselben Worten in der Versammlung in Frank- furt. Im Reichstag wurde ihm aber sofort durch Bebel entgegen- gehalten, daß er die Pariser Commune m jenn Sitzung mit keinem *) Trotzdem wir die neueste Laskersche Cutlunhat schon erwähnt, wollen wir doch noch gern nachstehendem, aus der Fed« eines bewährten Parteimannes geflossenen Artikel Platz machen. Red. d.„Volksstaat". Worte erwähnt, eS also eine leere Ausflucht war, wenn Herr LaSk« damit feine Gemeinheit entschuldigen wollte. Herr LaSker hat demnach in Frankfurt dasselbe Manöver wieder» holt, wo er sicher sein konnte, daß Niemand da war, d« genau mit jenem Vorgang im Reichstag vertraut war, und damit gezeigt, daß die vielgerühmte LaSkersche„Ehrlichkeit" und„Auftichtigkeit" eitel Wind und Heuchelei ist. Auch daS ist bezeichnend, daß, während Herr LaSker im Reichstag vor zwei Jahren den Ausdruck„mit dem Knüppel todtschlagen" in einer Anwandlung von Schamgefühl als eine Uebereilung bezeichnete, er heute die Schamlosigkeit hat, unter Fälschung des ThatbestandeS seine damals„schamvoll" unter- drückte Aeußerung mit Nachdruck zu wiederholen. DaS ist der LaSker, der gleich seinen grundsatzlosen Partei- genossen in Reichstag und Landtag rapid auf der schiefen Ebene abwärts rutscht; daS für den Reichstag feit sieben Jahren bestehende allgemeine Stimmrecht bei d« Forderung, es auch im preußischen Landtag zur Geltung zu bringen, eine„akademische Frage" nennt. Für die Abschließung der Civilehe— er, der Jude— durch christliche Pfaffen eintritt und mit jedem Tage hündischer die Regierung anwedelt. He« LaSker mag sich gratuliren. Seine Knllppeltheorie, sein Verhalten bei dem Hastpflcchtgcsetz, dem allgemeinen Stimmrecht, der Civilehe werden ihm die deutschen Arbeiter inS Conto schreiben, sorge er nur dafür, daß sein Knüppel genügend lang und dick ist, wenn eS an die Abrechnung geht. Das deutsche und spe- ziell daS Berliner Philisterthum möchte sein kindisches Vertrauen in seinen(des Philisterthum«) Muth leicht zu schänden machen, trotz dem„stürmischen Beifall" sein« Frankfurter Glaubens- genossen I Politische Uebcrsicht. — Charakteristisch für unsere Presse ist die absolute Gleichgültigkeit, welche sie mit Bezug auf die bevorstehende Knebelakte an den Tag legt. Guido Weiß sagt darüber in der letzten Nummer seiner„Wage":„Es ist eine seltsame und zunl Nachdenken auffordernde Erscheinung, die gegenwärtig in dn Presse de« deutschen Reiche» sich zeigt. Die ReichStagSwahlen stehen vor der Thür, und man weiß, daß eine der Hauptaufgaben d« nächsten Session ein Reichspreßgesetz sein wird. Seinem wesent- lichen Inhalt nach kennt man es schon und hat sich keiner Täu- schung mehr darüb« hinzugeben, daß daS bisherige Maß von Freiheit, wie es der preußischen und noch mehr der außerpreußi- schen Presse beschieden war, fortan die bedeutendsten Beschränkungen erfahren soll. Wa« wäre nun natürlicher, als daß die Zeitungen sich zusammenthäten und in eigener Sache eine über Pen Partei- streit sich erhebende Einmllthigkeit bewiesen? Daß sie darauf drängten, allen Candidaten, die sich in diesen Tagen um ein Man- dat bewürben, reichsfteundlich oder nicht, müsse eine kleine Zahl bestimmter, unzweideutiger Fragen über ihre Stellung zur Preß- gesetzgebung vorgelegt werden? Und von der Antwort hinge dann da« Fürwort ab, das in der öffentlichen Besprechung dem Einen oder Anderen zugewendet würde? Aber eS regt sich nichts." Warum? Wie ist die« zu«klären?„-- So bleibt denn als Grund d« schweigenden Resignation nur das alte leidige Wort, daß eS ja doch nichts helfe. Daß die Männ«, die man wählen wolle und von Parteiwegen wählen müsse, nicht deS Schlages seien, um un- beugsam zu bestehen auf dem, was sie für gut und recht erkannt; daß Fürst Bismarck nicht der Mann sei« sich mehr abhandeln zu lassen, als er geben wolle; daß der deutsche ConstitutionalismuS nur in Compromissen vorwärts schreite, und daß die öffentliche Meinung— der man freilich zu gleicher Zeit die Wurzeln ad- schneidet— schon siegreich hinauswachsen werde aus den allzu engen Schranken, die man ihr jetzt anlege. Und wa« dergleichen mehr ist. Im Hintergrund steht dann noch, wenn auch unausgesprochen, tröstend der Gedanke, daß ja die Schärfe des neuen Gesetzes sich nicht gegen die«loyale Opposition" wenden werde, sondern nur gegen b�ie staaiS- und gesellschaftsgefährliche Journalistik der Ultramon- tanen und Sozialdemokraten, und da sind wir denn glücklich beim„Culturkampf" und seinen Kriegsartikeln angelangt." So weit die„Wage". Die Auffassung,„daß eS ja doch nichts helfe", ist sicherlich nur in sehr wenigen Fällen maßgebend— höchsten» bei zwei oder drei Zeitungen, die von„liberalen Sondnlingen" redigirt sind, denen e« mit dem„Liberalismus" noch Ernst ist. Bei der ungeheueren Mehrzahl unserer Preßorgane wirkt destim- mend der zuletzt erwähnte Gedanke, der jedoch nicht im Hint«- grund, sondern zweifelsohne, wenn auch verleugnet, im Vordergrund steht. Die naiven Zeiten, wo die Presse gemeinschaftliche Int« essen hatte und, vom politischen Parteistanvpunkt der einzelnen Organe abgesehen, jedem Versuch, die Preßfteiheit zu beschränken, gemeinschaftlichen Wiederstand entgegensetzte, stnd längst„ein üb«- wundener Standpunkt"; die Presse hat sich deS stolzen CorpSgeistS fteiwillig entledigt und ist die Handlangerin der herrschenden Klassen geworden. Was kümmert sie sich noch um„Preßfteiheit"? DaS war eine der jugendlichen Schwärm«eien, oder, wie Heine daS nennt, Jugendeseleien, der sie sich in ihr« realpolittschen Reise jetzt schämt. WaS heißt„Preßfteiheit" heute? Doch mcht« anderes, als das Rechtt der„Reichsfeinde", Staat und Gesellschaft anzugreifen. Und dieses Recht sollte man ihnen lassen? So„un- praktisch" sind die journalistischen Vertreter der henschenden Klassen nicht. Nur her mit dem„Paragraph 20". Anstandshalber verziehen sie etwa» die Miene; allein ihnen ist ja dn Sttick nicht gedreht, und wenn fämmtliche Ultramontane und Sozialdemokraten im(tri im t»rn?itr»trt üi_..1 daran baumeln müßten, sie hätten nur Nutzen und Vergnügen. Und der Reichstag wird den Strick drehen, oder richtiger, den schon gedrehten Strick zur Reichsinstitution machen, wenn nicht die Wahlen des morgigen Tags eine reichsfeindliche Majorität ergeben, oder wenigstens eine rcichsfeindliche Minorität, stark genug, das Spiel der BiSmarckschen Culturkämpfer zu durchkreuzen. — Seit Wochen wirbelt der Artikel über den König Johann von Sachsen— dieser Fürst ist nämlich vor Kurzem gestorben — welchen der„Dresdner Volksbote" der„Frankfurter Zeiwng" entnommen und in 12,00» Exemplaren verbreitet hat, viel Staub auf in der„liberalen" Presse Sachsens, und noch immer will die „sittliche Entrüstung" dieser Sorte Organe der öffentlichen Meinung kein Ende nehmen. Dem gegenüber halten wir eS für angemessen zu erklären, daß wir Wort für Wort den Inhalt jenes Artikels als auf voller Wahrheit beruhend anerkennen und uns des Abdrucks seiner Zeit nur deshalb enthalten haben, weil der„Volksstaat" als all SemeineS Organ der sozialdemokratischen Arbeiter-Partei mit seinem iaume für Artikel sparsam umgehen muß, die fast ausschließlich einen daS sächsische Landesinteresse berührenden Inhalt haben. Aber Angesichts der fortdauernden heuchlerischen Entrüstung, womit die liberale Presse auf jener wahrheitSgetteuen Schilderung der Thätigkeit des verstorbenen Sachsenkönigs herumreitet, ist es wenigstens nothwendig, daran zu erinnern, daß diese selbe Presse noch vor 10 Jahren die gleichen Angriffe auf die Re� «ierungSweise des verstorbenen Königs mit Hellem Jubel egrüßte. So hat z. B., als vor 10 Jahren Röckel'S Buch über Waldheim erschien, dem ein gut Theil der in jenem Artikel deS„Dresdner Volksboten" angeführten Regiernngs- und Charakter- eigenschaften deS verstorbenen Königs entnommen sind, die liberale Presse Sachsens diese Broschüre allgemein gelobt und empfohlen. Ja, wir könnten„Führer" der liberalen Partei namhaft machen, deren Anstrengungen und Bemühungen cS zu verdanken war, daß Röckel'S Schrift in einer billigen Volksausgabe erschien und in vielen Hunderten von Exemplaren zum billigsten Preis in den Arbeitervereinen Sachsens empfohlen und vertrieben wurde. Ein Theil derselben charakter- und gewissenlosen Menschen, welche heute in heuchlerischer Verehrung vor dem Verstorbenen aus dem Bauche liegen und in hündisch-schmeichelnden Nekrologen ihrer Canaillengesinnung Ausdruck geben, war es auch, die 1S66 gegen denselben König Hoch- und Landesverrath spann und erst durch einen im Friedensvertrag zwischen Preußen und Sachsen aufgenommene Klausel vor' den bezüglichen Paragraphen des sächsischen Strafgesetzbuches gerettet werden konnten. Es ist nothwendig, an solche Thatsachen zu erinnern, Menschen gegenüber, die in den niederträchtigsten Denunziationen und Hetzereien gegen solche Männer sich ergehen, die heute in politischer Hinsicht nur denselben Standpunkt vertreten, den sie, die Denun- zianten, Jahrzehnte lang selbst einnahmen. Nicht genug aber, daß dieses charakterlose„liberale" Gesindel unisono nach Verfolgung jener angeblich„bübischen" Angriffe schreit und mit seinem Verfolgungsgeheul die Justiz deS Landes zu be- einflussen sucht, der alte Röckel selbst, läßt sich, siech und alters- schwach geworden, herbei, seine eignen in jener erwähnten Broschüre niedergelegten Ansichten gewissermaßen zu widerrufen. Es war nämlich öffentlich der Verdacht ausgesprochen worden, daß Röckel selbst der Verfasser jenes so viel Aufsehen erregenden Artikels sei. Dagegen trat nun zunächst in patriotischem Eifer ein in Leipzig wohnender Sohn von ihm auf und, obgleich die„Frank- surter Zeitung", welche zuerst jene Artikel brachte, bereits die kategorische Erklärung abgab, daß Röckel dsd Verfasserschaft vollständig fernstehe, hat Letzterer sich noch bemüßigt gefunden, dies gleichfalls brieflich an feinen Sohn zu schreiben, der sich dann be- eilte, den bezüglichen Passus aus seines VaterS Brief zu ver- öffentlichen. Diese Stelle lautet:„Verbreite es nur recht, daß ich jenem Artikel ganz fremd bin. Ich werde doch einen Tobten mcht beschimpfen, gegen den ich mich bei Lebzeiten gänzlich passiv verhalten habe. Zudem hatte ich stets die Ueberzeugung, daß König Johann immer bestrebt gewesen, nach bestem Wissen recht zu thun. Man muß ihn mit allem Rechte einen gewissenhaften Fürsten nennen. Du siehst also, daß ich eher genergt bin, ihm eine Lobrede zu halten, wenn auch ich mich seiner nicht gerade zu loben hatte." Dieser Brief Röckel'S hat uns eigenthümlich berührt. Mit Ausnahme der letzten Zeile des Schlußsatzes steht jede Zeile im direktesten Widerspruch mit seinen Auslassungen in seinem Buch:„Sachsens Erhebung und das Zuchthaus zu Waldheim". Röckel hätte besser gechan, seinem eignen guten Andenken in der Bevölkerung Sachsens zu Liebe, dieses sein puter peccavi zu unterlassen. Er hat augenscheinlich den Artikel, um den c» sich handelt, gar nicht gelesen, sonst könnte er ihn nicht„beschimpfend" nennen, va er, wie schon bemerkt, nur von historschen That- fachen handelte, für die sein eignes Buch die Hauptquelle war. Auch sticht Röckel'S Urtheil von heute über den Charakter de« todten Königs grell ab von dem, welches er 1SK4 über den lebenden König fällte. Erinnert er sich dessen nicht mehr, dann empfehlen wir ihm die bezügliche» Stellen seiner eignen Schrift aus Seite 6 und 6 IBS— 162, 166 und 170 nachzulesen und er wird finden, daß er sich weder König Johann gegenüber„gänzlich passiv verhalten" »och geneigt war,„ihn mit allem Rechte einen gewissenhaften Fürsten zu nennen." Röckel hat allerdings auch die stärkste Ver- urtheilung über Herrn v. Beust in seinem Buche ausgesprochen und eS dennoch vermocht, wenige Jahre uaeb seiner Entlassung au« 13 zährigem Zuchthaus unter dem Regim des Herrn v. Beust sich mit dem in Oestreich wieder zu Ehren gekommenen Minister eiuzulassen und auszusöhnen. Der ehemalige königliiche Musik- director hat sich eben in ihm nicht verleugnet. Trotz alledem em- pfehlen wir allen Denjenigen, welchen die Artikel über König Johann nicht zugänglich gewesen sind und die sich Aufklärung über ein Regierungssystem in Sachsen verschaffen wollen, welche« in de» Verfolgungen gegen die Sozialdemokratie heute von Neuem auflebe» zu wollen scheint, seine Schrift„Sachsens Erhebung und daS Zuchthau« zu Walvheim" zum Studium. Sie ist durch die Expedition de«„Bolksstaat" zum Preis von 10 Ngr. zu beziehen »od eignet sich namentlich zu Borlesungen und Vorträgen in den Zusammenkünften und V-rfammlungen der Parteigenossen. Auch wird sie Manchem über manche« Licht geben, über da« er bis heute bedenklich den Kopf geschüttelt. kung. Für Diejenigen, welche die Gewohnheiten de« Kaiser« kennen, ist e«— so bemerkt daS„Deutsche Wochenblatt"— ein unzweifel Haftes Zeichen dieser Besserung, daß derselbe am NeujahrStaze wieder die militärische Kleidung angelegt hat, nachdem er während seiner Krankheit im Hause bürgerliche Tracht getragen hatte." Herr Virchow wird vielleicht wissenschaftliche Forschungen über den Zusammenhang anstellen, der zwischen Gesundheit nnd zweierlei Tuch, und zwischen Krankheit und einerlei Tuch besteht. Vielleicht wird der Uniformrock in die deutsche ReichSpharmakopoe�) aufgenommen. Ob das deutsche Volk ei als ein Zeichen der Gesund- hcit betrachtet, daß der Kaiser sich nur in der Uniform wohl fühlt, lassen wir dahingestellt. — Megy todt! Der„Newyork-Herald" berichtet, daß Megy, daS bekanate Commnnemitglied, am 12. Dezember in Hoboken bei Newyork todt gefunden worden sei, und zwar unter Umstän- den, die auf Selbstmord deuten. Wenn der Bericht de»„Herald" wahr ist, scheint der Unglückliche, der sich fortwährend von Agenten der Bersailler Mordbande verfolgt glaubte, in den letzten Monaten seines Lebens irrsinnig gewesen zu sein. Wir erwarten genauere Mittheilungen von unseren Newyorker Freunden. Megy war 45 Jahre alt; er kämpfte in der Junischlacht 1343 mit und wurde schwer verwundet; nach dem Staatsstreich des 2. Dezember 1351 half er eine Barrikade vertheidigen und entging mit knapper Roth Cayenne; 1363 erschoß er einen bonapartistischen Polizeiagenten, der ihn widerrechtlich verhaften wollte; 1870 kämpfte er im Flou- renS'schen Corps, und stand bis zum Fall der Commune stetS in den vordersten Reihen. Er entwischte in Frauentleidern nach England, von wo er sich nach Amerika begab. Mögen ihm und den Andern bald die Rächer erstehen! — In Spanien nehmen die Dinge genau den Verlauf, den wir von Ansang an vorausgesagt: durch Bekämpfung der weiter- gehenden Fraktionen der Demokratie hat der Musterrepublikaner Castelar die Macht der Demokratie gebrochen und der monarchischen Rcaction den Weg gebahnt. Nach den letzten Berichten hebt Serrano nebst andern royalistischen Generalen schon siech da« Haupt. Natürlich— dem Thiers folgt der Mac Mahon. �JÄ♦) Sammlung der Arzneivorschriften. — Interessant für Aerzte und Naturforscher ist fol- gende Notiz, die wir in der Berliner„Voltszeitung" vom 4. d. finden:„Der Kaiser(der beiläufig seit 3 Wochen krank ist und schon zu verschiedeneu Malen todtgesagt wurde, hat sich in den letzten Tagen sehr viel besser befunden, als je feit einer Erkram Arbeiter-Schuhgesetz. Im„Botschafter", dem Organ der Cigarren- und Tabakarbeiler, finden wir nachstehenden Entwurf eines Arbeiterschutzgesetzes, welchen die Verwaltung des Tabakarbeiterverein« den Arbeiter-Abgeordneten im Reichstage empfiehlt: 1. Für alle Personen, welche in Accord, Wochenlohn, Tagelohn, Stücklohn oder für Gehalt in Fabriken, Werkstätten, gewerb- lichen Anstalten oder Bauten beschäftigt sind, ist eine tägliche Arbeitsschicht(NormalarbeitStag) gesetzlich festzustellen. Kürzere Arbeitsschichten, als die gesetzlich festgestellten, sind der sieien Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeit- nehmer unterstellt. Die OrtSpolizei-Behörde ist befugt, eine Verlängerung der gesetzlichen Arbeitsschichten um höchsten» zwei Stunden täglich und auf höchsten» drei Wochen mit Bewilligung der Arbeiter zu gestatten, wenn Naturereignisse oder Unglücksfälle den regelmäßigen Geschäftsbetrieb unterbrochen und ein vermehrtes Arbeitsbedürfniß herbeigeführt haben. 2. Die Arbeitsschicht bettägt: a) Für männliche Personen, welche daS 13. Lebensjahr zu rückgelegt haben, täglich 10 Arbeitsstunden. b) Für weibliche Personen jeden Alters und für jugendliche männliche Personen, bi« zu vollendetem 18. Lebensjahre, täglich 8 Arbeitsstunden. (Eine Arbeitsstunde ist gleich einem vierundzwanzigstel Tag.) 3. Wöchnerinnen dürfen während der ersten 28 Tage nach ihrer Entbindung in Fabriken, Werkstätten, gewerblichen Anstalten oder auf Bauten nicht beschäfttgt werden und darf eine Kün- digung oder Entlassung während dieser Zeit nicht stattfinden. 4. Kinder, welche das 15. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, dürfen in Fabriken, Werkstätten, gewerblichen Anstalten oder auf Bauten nicht beschäftigt werden. 5. Für Minderjährige, bis zu vollendetem 18. Lebensjahre, sind die Fortbildung«- und Berufsschulen obligatorisch. 6. SonntagSarbeit ist verboten. Die OrtSpolizei-Behörde ist befugt, dieselbe auSnahmS- weife zu gestatten, wenn Naturereignisse oder Unglücksfälle den regelmäßigen Geschäftsbetrieb in der Fabrik oder Werk- statt unterbrochen haben oder die SonntagSarbeit sich zur Verhütung von Unglücksfällen, sowie im Interesse deS Staats oder der Gemeinde als unumgänglich nothwendig erweist. Personen, welche das 13. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, dürfen de« Sonntags in Fabriken, Wertstätten, ge- werblichen Anstalten und auf Bauten nicht beschäftigt werden. Geschäfte, welche gifthaltige Stoffe verarbeiten, dürfen, soweit eS irgend möglich ist, nur in Fabriken oder Werkstätten betrieben werden. Diese Fabriken oder Werkstätten sind der regelmäßigen Kontrolle der SanitätSpolizei sowie der eventuellen Untersuchung der ReichS-ArbeitS-Jnspectoren zu unterstellen. fll. Zuwiderhandlungen gegen obige Bestimmungen sind an Arbeit- geber und Arbeitnehmer mit Freiheitsstrafen zu ahnden, welche niemals in Geldstrafen verwandelt werden dürfen. Zuwieerhand- lung gegen die Bestimmung, betreffend die Beschäftigung der Kinder unter 15 Jahren, sind an Arbeitgeber und Eltern oder deren Stellvertreter mit Fireiheitsfirafen zu ahnden. IV. Abänderung de« Haftpflichtgesetze» dahin, daß die Haftpflicht der Unternehmer bei Unglücksfällen in Fabriken, Werkstätten, ge- werblichen Anlagen, Bergwerten, Salinen und Bauten nicht von der Schuldbeweisftthrung der von dem Unglück Betroffenen ab- hängig gemacht werde. V. Zur Aufficht über die Ausführung der Arbeiter-Schutzzesetze sind für den Umfang de« deutschen Reiche« Staatsbeamte mit dem Titel ReichS-ArbeitS-Jnspectoren anzustellen. Diesen RcichS-Arbeit«- Inspektoren kommen, soweit e» sich um die Auaführung der Ar- beiter-Schutzgesetze handelt, alle amtlichen Befugnisse der Polizei- Behörde zu. Insbesondere haben sie da» Recht, zu jeder Zeit Revision der gewerblichen Anstalten vorzunehmen, so lange dieselben nicht dauernd außer Betrieb gestellt sind. Die Reich» ArdeitS-Juspektoreu sind auf Lebenszeit zu ernennen und dürsin nur durch richterliche» Eckenntaiß ihre» Posteu« tn hoben werden. Vi Der ArbeitS-Kontraktbruch ist auch ferner, wie jede anbei Nichteinhaltung von Privatübereiukommen, dem Prioatrecht un> nicht dem Criminalrecht zu unterstellen. VII. Uneutgelttiche Rechtspflege, mindestens in allen Angelegenheiten welche Arbeits- und Lohnverhältnissc betreffen. vm. Einrichtung einer Abtheiluaz für Arbeiterstattstik im statistische! Bureau de« deutschen Reichs. IX. Zur Aufstellung von Normativ-Bestimmungen über Arbeitel Kranken- und Sterbekassen ist eine Kommission vom Reichstag zu ernennen, zu der Delezirte der verschiedenen G.'w-rkoereine de Arbeiter heranzuziehen sind. X. Die Verein«- und Versammlungsgesetz: finden auf Koalition» und gewerkschaftliche Unterstützung»-Vereine keine Anwendung. Xl. Aufhebung der industriellen Beschäffiauuz der Strafgefaugeaeiy soweit dieselbe über den eigenen Bedarf der Strafanstalten hin aus geht. 9« Ott tts Be W M ¥\] Z" dabo de, Er NU! bei „re »ni die "s sta Leu ver Dil - naö Gewerksgenossenschaftliches. Lick -die bau Gewerkschaft der Holzarbeiter. Erfurt, 1. Januar. Da Herr Zierfaß in Mainz trotz alle»£a Mahnen das Ma- uscript zu dem Protokoll de? Nürnberger Con-H� gresseS noch nicht eingeschickt hrt, so ersuchen wir denselben hier- durch nochmals, dasselbe entweder fertig an den Ausschuß, o wr dii�r dazu gehörigen Schriftstücke, Telegramme u. s. w. an den zweite»� Schriftführer Herrn Joh. Rudolph, Gotchardtstraßc 29 hier, zk™" senden. Solche grenzenlose Nachlässigkeit kann doch wahrlich dal?1*1! Interesse der Gewerkschaft nicht fördern, man wäre beinahe dazifl?' berichtigt, etwas Anderes dahinter zu vermuthen. � Die Controllcommiffion. Wilh. Kummer, Vors. schw die Allgemeiner Böttcher-(Küper-) Verein. Nerkin, 2. Januar. Da in diesem Monat gedruckte Abrech-gesc! nungen den verschiedenen Mitgliedschaften ubersandt werden, södic! ersuche ich, Gelder, Name und Wohnung der Bevollmächtigten unkeinv Beitragsammler, welche Reisennterstützung zahlen, recht pünktlich aögesel mich zu senden. Ferner ersuche ich Herrn M-ejisch(Breslau), Wstmi derselbe doch Vereinssachen verlangt und empfangen, die Breslaueiimm Collegen ihren Pflichten bi» jetzt aber nicht nachgekommen sind uu einei dieselbem dem Anscheine nach sehr unentschlossen sind, dem Verein tag beizutteten, die Sachen wieder retour zu senden, weil wir(vechin Vorstand) sie anderweitig verwenden werden. Ebenfalls theile iKig. den Mitgliedschaften mit, daß, wenn jede Stadt, welche VereinStretu fachen erhalten hat, ihre Pflichten erfüllte, unser junge Verein a nitro! 19 Mitgliedschaften bestehen würde. Unsere Mitgliedschaft Birn sitze» bäum stellt binnen Kurzem eine Lohnforderung von 20—25 ProEkst« zent, deßhalb ist der Zuzug von dort fernzuhalten. Von verschiesiicht denen Mitgliedschaften wird eine Kranken- UnterstützungSkasst« v gewünscht. Ich fordere deshalb Diejenigen, welche dafür und daEntt gegen sind, aus, mich davon in Kenntniß zu setzen; sobald die Majorität für dieselbe ist, werden die Berliner Mitglieder sich zur s Gründung vorbereiten. ioir F. Gragert, Kassirer, Fchrbellinerstr. 44. m C lluse -Web Correspondenzen- fidat Z sthre Leipzig. 7. Januar. Am vergangenen Sonntag und gestersdoch waren Voltsversammlungen in Eythra und Zwenkau. In Eythrrtesuc sprachen Seifert, Ullrich rc. AI« Gegner hatten sich der KaufmaneKm Sparig aus Reudnitz und Cantor Dünnebier aus Zwenkau eiu-tehei gefunden. Der Erfolg war für die Candidatur Jacoby'« ei�nd durchschlagender, und war eS dem großproyigen Gebaren deS HerrBhon Sparig mit zu danken, daß die Versammlung einen so günftigevawn Verlans nahm. In Zwenkau, wo Nauert und Trost rcferirten)>ese! hatten die Anhänger Birnbaums«inen angetrunkenen Menschen 3 engagirt, der sich die Aufgabe gestellt zu haben schien, als Clowtt'fteu die allgemeine Aufmerksamkeit auf siä> zu zieh»; das gelang ihwsölhi denn auch so vollständig, daß er schließlich kopfüber zum Saalesie i hinausgeworfen wurde. Wenn die Stimmung der Versammlunz>err, al« Ausdruck der Stimmung Zwenkau? zu betrachten ist, dansegrü dürfte auch dort Jacoby mit Majorität gewählt werden. Leipzig, 2. Januar. E« ist wohl noch frisch in JedermanaS�lt Gedächtniß, wie im vorigen Sommer die ganze liberale Pressend namentlich in Deutschland, sich abmühte, den damals in Europaer x reisenden Schah von Persien vor allem Volk lächerlich zu machen. Ö Ja, die ganze noble Bourgeoisie kannte kaum ein größere» Ver-chig< gnügen, als sich die Kneipabende dadurch zu kürzen, daß sie fichwer die über diesen Despoten von ihren Blättern gebrachten Albern-äder Helten zu tausendmalen wiederholte. Und doch ist der Schah nichtber so albern, als man hier dem Publikum weiß machen wollte und V verdiente wohl, manchem seiner Vettern als nachzuahmende« Bei-' vo spül aufgestellt zu werden. Hören wir nur. Als vor einige»»»«! Jahren in Perften eine HungerSnoth ausbrach, sandte der Schahhnei seinen tüchtigsten und beliebtesten Staatsmann Mirza Hitssow'üffr Khan, der in Europa seine Studien gemacht hatte, mit einerrnro bedeutenden Summe au» dem Staatsschatz nach Astrachan, umftte dort Lebensmittel für da« hungernde Volk aufzukaufen. Mit blaueukrte Bohnen den Hunger zu stillen, kennt man ja in Persien noch nichtlder Der schlaue europäistrte Staatsmann machte seine Einkäufe; abcrLe da auch er an Hunger litt, an Geldhunger, wie mancher andereüe' große Staatsmann, so suchte er denselben auf Kosten der armewchä Hungerleider zu stillen. Bald nach seiner Rückkehr wurde jedoch'vg auf Befehl de» Schah eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet,«"? woraus sich ergab, daß Mirza?)ussuf von dem ihn anvertrauteo'ami Gelde gegen 50,000 Thaler in seinen eignen Magen, d. i. seine»ck Taschen hatte hinabrutschen lassen. Und um diesen großen StaatS-ttge! mann zur Untersuchung zu ziehen, bedurfte e» ebensowenig eines'MS LaSkerchenS zum Schlagen der großen Lärmtrommel, als eine« nachlade der Commandopfeife tamenden Gerichtshofes, wie die» ja hier unvj Zo da in dem civilisirten Europa heute noch vorkommen soll. Nein er wurde al» gemeiner Dieb entlarvt und— auf geschickte WnsLg über die Grenze spedirt, meint ihr? oder gar penstonirt?— a"*" Befehl de« Sckah— hingerichtet. Erkennen wir hieraus uft ganz deutlich, wie wett da? persische Volk in der Cultur noch hinter unS zurück steht, und wie e« unter solch abscheulicher Re l I" ll» gierung wohl noch Jahrhunderte braucht, um beglückt wie wir qu»rufen zu können:»Die kleinen Diebe hängt man, die großen Vißt man laufen?" Und wie roh und unzebildet würden solche Barbaren erst unsre Gründer und sonstige BolkSschinder behandeln! Tie sollte eS dem armen StrouSberg und Genossen, die doch nur Millionen ersparten, dort gegangen sein! ES ist doch wahr, der Schah von Persien ist recht albern: in Europa klopft er Prin enl zesssnnen auf die entblößten Schnlter«— und noch dazu vor Zuschauern, und in der Heimath hängt er die großen Diebe. Gäbe das nicht ein schönes Bild für die Gartenlaube? Mökha, S. Januar. Hier hielt gestern Herr Professor Birn- bäum eine Wählerversammlung ab. Als er merkte, daß Sozial- demokraten anwesend seien, begann er gegen dieselben loszuziehen. :eri Er vertheidigte sich unter Anderem gegen den Borwurf, daß er ag„Gründereien" treibe und meinte in edler Einfalt, er habe sich oq nur„aus Patriotismus" an den Bischweiler Tuchfabriken betheiligt. Nachdem der Herr Professor zugestanden, daß er damit „reingefallen", meinte er, das Geschäft sei solid, denn der Staatsanwatt habe nichts SchwindelhasteS daran entdecken können. Also die„Geschäfte", bei denen sich Prof. Birnbaum betheiligt, müssen erst vom Staatsanwalt untersucht werden, um zu con- statiren, daß sie nicht gerade Schwindel sind. Daß Leute, die sich an solchen„Geschäften" bitheiligen, nicht zu Volks- Vertretern taugen, zeigte treffend Ramm in seiner Erwiderung. Die Versammlung dcmonstrirte fortwährend gegen Birnbaum und — nachdem dieser von Ramm in allen Punkten widerlegt, im wahren Lichte gezeigt und seine Verleumdungen zurückgewiesen waren, schloß .die Versammlung. Die Herren„Macher" und Freunde Birn- baums waren außer sich vor Aerger über die günstige Stimmung, welche unter der hiesigen Bevölkerung für Johann Jacoby herrscht. �„Nun, sie werden sich hoffentlich noch mehr zu ärgern haben und �.Herr Birnbaum dazu. ■lit, Geißing, 30. Dezember. Am 28, Dezember fand auch hier hj,nach längerer Zeit einmal wieder eine Volksversammlung statt, die .�leider ausnahmsweise sehr schwach besucht war; der Grund hiervon dürfte nur darin zu suchen sein, daß auf Befehl der hiesigen Be- �zhbrde ein Entree von 2'/, Gr. mußte erhoben werden. Und damit �.„ja in keiner Weise dieser Befehl konnte umgangen werden, wurde die Casse polizeilich überwacht. Wie dieses Gebahren mit dem Vereins- und Versammlungsgesetz übereinstimmt, läßt sich wohl schwer erklären; es scheint aber imm-rhin eine Erfindung zu sein, die an sich selbst beachtenSwerth ist und verschiedene Nachahmungen werden nicht lange auf sich warten lassen.§ 17 deS ReichSwahl- e«-gesetzeS sagt ausdrücklich, daß Versammlungen, welche Bezug auf södie ReichStagSwahl haben, ungehindert stattfinden können, also von uuheinem Entree ist da nichts erwähnt, folglich ist dieses auch nicht I ahgesetzlich. Aber wie ist dem abzuhelfen? Wiedersetzlichteiten werden eng bestraft! Und eine polizeiliche Anordnung tadeln? DieS ist imerhin auch etwas Gewagtes; es ist wohl auch gar nicht nöthig, inen Tadel auszusprechen, eS muß unbedingt der nächste Reichs- »g sich angelegen sein lassen, Anordnungen zu treffen, das später- in derartige Borkommnisse zu den Unmöglichkeiten gehören.(Rich- g. Aber es muß amtlich konstatirt werden, daß eine GesetzeSüber- etung vorliegt, deshalb ist zunächst Beschwerde zu führen. D. R.) autorotzdem wurde die schwach besuchte Versammlung von dem Bor- sirnfttzenden deS Lokalcomit6S Karl Beker eröffnet und Herr Louis ProEksteiu aus Waldheim referirtc in einer Weise, welche durchaus chiepichtS zu wünschen übrig ließ. Unsere prinzipiellen Gegner hatten kasstS vorgezogen, nicht zu erscheinen, wahrscheinlich wegen deS leidigen daLrtreeS. DaS Lokalcomits der Arbeiterpartei des 10. Wahlkreises die& M. zur ßoöurg, 3. Januar. Am 28., 29. und 30. Dezember hielten vir die ersten Wählerversammlungen ab und zwar am 23. Dezbr. t. n Coburg, am 29. in Neustadt a. H. und am 30. in Rodach. lluser Freund Bock, welchen wir dem nationalliberalen Dr. Max — illeber(Berlin) gegenübergestellt haben, tritt kräftig für seine Can- «idatur ein. Wie überall, so hat man auch hier die alten abgedroschenen bhrasen und Hetzereien auS der Rumpelkammer hervorgeholt. terudoch diese Mittel wollen nicht mehr reckt ziehen, die sehr stark thr-ktsuchten Versammlungen fielen zu unfern Gunsten auS. Nur in !am»em Städtchen Rodach hatten wir eine kleine Feuerprobe zu be- eia-tehen, eine kleine Schaar von ca. 30 Mann Bourgeois, Beamte ei»nd Barone hatten sich, wie wir auf dem Heimweg erfahren haben, erri�bon 2 Tage vorher gegen uns verschworen, womöglich die Ver- ige»ammlung zu sprengen, da aber solche« nicht gelang, so störten sie ckenMelbe auf eine ganz gemeine Weise. che« Das Bureau fiel in ihre Hände, weil der große Theil der owi�leinbllrgcr, Bauern und Arbeiter, von dieser Sache uickt die ihEtölhige Kenntniß hatten. Wir waren bloS drei Mann und konnten aalaß:n den parlamentarischen Takt einhielt, suchte aber bei fichinem Auftreten die anwesenden Krieger gegen uns zu hetzen, eru nderntheil» den Referenten Bock lächerlich zu machen, was ihm nchtber nicht gelang. und Bürgermeister Götz suckte ebenfalls die Menge zu reizen, indem Sei> vor die Tribüne sprang, eine fast drohende Haltung gegen Bock ige»nnahm uud schrie: Was reden Sie denn da eigentlich, es nützt chah�hnen ja dock nicht». Sie sehen ja doch, daß die Leute nicht« so wessen wollen; er meinte die sogenannten Gebildete». Ein Herr ioer�aron von Stossmaier meldete sich zum Wort u«d meinte, er umftte eigenllick etwas neues hören wollen, denn er gehöre keiner luensartei au. Wir konnten aber ans seiner kurzen Red« nichts ächtZdereS herauSfindeu, als daß der„Herr" gewünscht hätte, Bock »bcrLe ungesetzlich vorgehen, oder wollte vielleicht der Mann auch drreüc Misstonspredigt hören. Ein Herr Krause hatte eine solche me�thässigkcit an den Tag gelegt, daß er durch seine eigene Stö- »ochwg gar nickt gemerkt hatte, daß Bock trotz Schreiens uud Lär- 'itehtns dieser sogenannten Gebildeten die Hauptpunkte seines Pro- ilteo'ammS erledigt hatte, er fragte zum Schluß, wa« denn eigentlich eioe°ck vertreten wolle. Ferner hatten diese Herren sogar Kinder atS-�gebxacht, welche mit den Füßen trampeln mußten. Da aber ineS Mälig die Haltung der Versammlung eine für unS günstigere nachssde, indem von hinten eine Masse rief: rnbig aussprechen lassen! uuv Zogen es die Herren vor, sich baldigst zu verziehen, und der leiaKtfitzendc Bachmaun, einer der Gehässigsten, schloß die Bersamm- zeistfg ohne den Referenten Bock, der das Wort verlangt hatte, um !» Angriff abzuwehren, daS Wort zu ercheilen. Doch nun len fick die»Gebildeten" furchtbar getäuscht, d« sie gerade das aow�eutheil vou dein bewirkt hatten, was sie bewirken wollten, Re-fem die Leute massenweise zu uns kamen und sich mit dem was Bock gesagt, vollständig einverstanden erklärten. Sie gaben uns da» Versprechen, bei der Wahl kräftig für die Candidatur Bock'S eintreten zu wollen, wogegen wir da« Versprechen abgaben, noch eine zweite Versammlung daselbst abhalten zu wollen. Wir hoffen, daß Rodach größtentheil« für uns gewonnen wird, für die nächsten Tage haben wir noch mehrere Hauptorte zu besuchen und werden dann da» Nähere kurz berichten. Mit sozialdemokratischem Gruß Friedrich Göpfert. Kauuover, 4. Januar. Hierdurch bringen wir znr Kenntniß, daß im hiesigen und hannoverschen Wahlkreise Parteigenosse August Bebel als Candidat zum deutschen Reichstage aufgestellt ist. Jedoch wird man fragen, warum so spät? da bereits schon am 10. die Wahlen stattfinden? Wenn überhaupt in dieser Weise ein Ber- schulden uns treffen sollte, so ist es nicht allein unsere Schuld, sondern die Prüfung des Herrn Richter, welcher hier von Seiten de? Allgemeinen deutschen Arbeitervereins als Candidat aufgestellt ist, machte uns viel zu schaffen. Nachdem wir aber vollständig klar wurden, daß wir unmöglich einem Herrn Richter unsere Stimme geben können, wurde schleunigst Parteigenosse Bebel unsererseits aufgestellt. Die Gründe, warum wir einen Richter nicht wählen können, sind folgende: Als der Cigarrenmacherbund 12000 Mitglieder zählte, hatte Herr Richter nichts Eiligeres zu thun» als derartig aufzutreten, daß die Zahl d»r Mitglieder auf 1300 zurückging. Auch war derselbe nie für eine Vereinigung, sondern nur für Zersplitterung. Auch ging derselbe Herr mit dem berüchtigten Dr. Schweitzer durch Dick und Dünn und vertheidigte ihn bis zur letzten Minute. Einem solchen Herrn unsre Stimm: zu geben, wäre Verrath an der Acbeitersache. Aber einen andern M-irrn finden wir in den Drechslermeister August Bebel, welcher sich be- reits im deutschen ReichSlaz bewährte als ein Mann, welcher eS verstand, die Interessen de« gesammtcn Volk« zu vertreten. Er allein war eS, welcher gegen die K iezZanleihe 1870 stimmte im Interesse der Menschlichkeit. Auch trat er für die Gleichheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit denrtiz ein, daß er für diese Thätigkeit zu 2 Jahren Festung verurtheilt ist. Männer der Arbeit! Einem solchen Manne unsere Stimme zu geben ist Pflicht eines Jeden. Und darum Mäaer der Arbeit, tretet am 10. Januar an die Wahlurne und wählt nur den Drechslermeister August Bebel, welcher für seine Liebe zur Mensch- heit in HubertuSburz gefangen sitzt. Mit Gruß F. Schaäre. Faura, 23. Dezember. Am 21. Dezember vereinigten sich viele Gleichgesinnte, um ein Wahlcomitö zu bilden, aber nach ein- stündiger Debatte wurde eine Mitgliedschaft gegründet, welche zur Zeit 13 Mitglieder zählt, in welcher zum Vertrauensmann ein- stimmig Herrmann Unger, Strumpfwirker, gewählt wurde. Hof- fenttich gelingt e» uns, die Organisation in Bälde zu verstärken, da ein reger Geist und Eifer allseitig für unsere gute Sache herrscht. Zugleich hielten wir den 25. Dezember eine stark besuchte Volks- Versammlung ab, in welcher unser aufgestellter ReichStagSkandizat JailuS Vahlteich in einer zweistündigen Rede, die gegenwärtigen staatlichen Verhältnisse einer vernichtenden Kritik unterzog, uud durch donnernden Beifall der ungefähr 300 Anwesenden unter- Krochen wurde. U-berhaupt versteht eS Vahlteich, den Baden zu bearbeiten, und seine Ernte wird eine gesegnete sein, denn noch nie habe ich gehört, daß eS nur ein Gegner gewagt hält-, gegen unS auszutreten, wo Vahlteich spricht. Nun, das Volk wird dem aufklärenden Menschenfreunde in Bälde dankbar sein, indem er von allen Denkenden und Fceiseinwollenden gewählt wird. Wir werden Alle daS unsrige thun, damit ein vollständiger Sieg erlangt wird. Gruß und Handschlag allen Parteigenossen Daniel Jersbek, Schriftführer der Versammlung. Zötesiaden, 28. Dezember. Auf gestern Abend hatte da» Eentralwahlcomitv eine Wählerversammlung in Biebrich im Wuth'» schcn Lokale anberaumt, welch« auch zahlreich chesucht war. Schon vor Eröffnung der Versammlung gestikulirten einige angetrunkene Bier-Coryphäen in allen Tonarten der LaSker'schen Knüppeltheorie: Die Theiler müssen hinausgeworfen werden, Lampen, B immler, Mordbrennerbande":c. je. Schon bei der Bureauwahl wurde eine halbe Stunde lang stürmisch debatlirt, bis nach dreimaligem Abstimmen da» Bureau in die Hände der Bildungsfresser fiel. Der Vorsitzende, ein Herr Kröke, machte nnn dem Centralcomitö Vorwürfe und wie dasselbe sich untersangen könnte, in Biebrich eine Versammlung abzuhalten, wo kein Mensch von diesem Comits etwas wüßte ec. ic. Nachdem demselben von Schweis, Stetten, Barbhen nnd Hirsch gehörig heimgeleuchtet wurde, erhielt dann Hirsch das Wort zu der Tagesordnung. Derselbe referirte in auS- jährlicher Weise über das Entstehen und die Thätigkeit deS letzten Reichstages und ging dann zur Auslegung des Parteiprogramms über. Während seines sachlich gehaltenen Vortrags wurde er von den Harmonie Aposteln durch Brüllen unierbrochen, während die Arbeiter lcdesmal stürmische Hochs ausbrachten. Herr Hirsch ließ sich durch diese Störungen nicht aus seiner GemüthSruhe bringen, l sondern bedankte sich noch bei den Siörern, daß sie ihm Zeit) ließen, sich während dieser Zwisckenscenen allemal wieder zu erholen und kam dann auck nach l'-stündigem Referat glücklich ans Ende. Seine Kaltblütigkeit versetzte selbst die Gegner in Erstaunen. Nach dem Vortrag ging eS zur Diskussion über und hatten� sich 12 Gegen-Redner eingeschrieben, denen aber einem nach dem andern gründlich von unserm Candidaten heimgeleuchtet wurde. Da die Gegner die Majorität in der Versammlung hatten, kramten sie ihre ganze Weisheit aus und empfahlen nun die Spar- und Consumveremc, und was die Hauptsache war, auch den Spar- apostel Schulzc-Delitzsch als Candidaten, der Manu sei ibnen be- kannt und da« wären mit Lasker und Consorten die richtigen Männer-c.-c. Ein Herr Eckhof oder Eckhold, früher Agitator für den Allgemeinen Deutschen Arbeiteiverein, jetzt eifriger Spar und Gewerksvereinler, pries die preußische Heercseinrichtung, der Staat müßte noch mehr Soldaten halten, daS Volk könnt« die Steuern bezahlen; wenn wir das Militär verminderten, hätten wir in den ersten 8 Tagen die Commune in Deutschland k. k Ein Herr Wolf brachte nun seine Weisheit zu Tage, pries den LaSter- scheu Knüppel, meinte, oie Arbeiter hätten ja auch Lohnerhöhung bekommen und könnten also jetzt auch mehr Steuern bezahlen, und wäre c« ganz weise, wenn die Regierung anstatt 225 Thaler pro Sotdat nun 270 Thalec verlange; ferner glaubte derselbe einen Trumpf auszuspielen, indem er meinte, Herr Hirsch hat nnS die Sünden der Börsenmänner und Gründer vor die Augen geführt, ich will Ihnen aber sagen, daß die Arbeiter ihre Arbeitgeber be- stehlen, die stehlen ihren Herren den ArbeitSlobn auS der Tasche, mehr, alS die Gründer daS Volk bestehlen. Dieser Bildung«- lümmel glaubte Wunder wa« er gesagt hatte und als Hirsch sich auck diesem gegenüber zum Wort meldete, erNärte er, er müßte die Persammlung schließen, weil er keinen Hausschlüssel mit hätte; aber die Versammlung tagte weiter und Herr Hirsch konnte auch diese beiden Helden noch abttnmpfen. Nachdem Hirsch geendet, erhob sich ein furchtbarer Lärm, und der Vorsitzende schloß die Versammlung. Die Vertreter der»Bildung" stürmte» auf unS ein, voran in voller Wach Herr Brauereibefitzer Wach,«elcher eine Hinterthüre öffnete und seine Bcaukaechte hereintrieb, um un« zu packen und hinauszuschmeißen. Dieselben maßten die Sache aber falsch verstanden haben, denn sie fuhren zwischen einen Kaänel der BildungSlÜmmel, worauf dann Herr Wach unfern Candidaten anpacken wollte, wa« aber durch den Schutzmann verhindert wurde. Einige handfeste Biebricher Bürger verhinderten neue AuZschreitun- gen und brachten uns dann sicher au» Biebrich hinaus. Die BildungSvereinler hatten unS und Hirsch den Tod au diesem Tage zugeschworen; eine schöne BildungSbande! Wir kommen aber wieder und«erden dann Auge um Auge, Zahn um Zah» vergelten. Wir ersuchen alle Arbeiterorzan« um Abdruck, damit dieser Akt unter den Arbeitern verbreitet wird. DaS Ceatral-Comits für den BolkScandidaten. Mannheim, 30. Dezember. Hier scheint die Wahlbewegung interessant werden zu wollen, indem von Tag zu Tag neue Can didaten, fast möchte man sagen auS der Ecse gestampft«erden. Die nationalliberale Partei einigte sich in dem Haupthchn F. Scibio, der reich genug, da« Volk unentgeltlich vertreten will. Die Blauen (denn es giebt hier gegenwärtig drei verschiedene blaue Fractionen) haben, wie verlautet, den Herrn v. Feder aufgestellt, natürlich hinter Schloß und Riegel. Der Allgemeine deutsche Arbeiterverein hat schon seit mehreren Wachen daS hiesize arbeitende Volt mit der Candidatur des Ausbeuters Schäfer hier beglückc. Wie bekannt, haben wir Bebel aufgestellt und haben wir sicher Hoffnung, eine bedeutende Minorität al» Lohn unserer auZdaueru- ven Agitation zu erhalten. Mit noch einem fünften und zwar von klerikaler Seite aufzustelleaden Candidaten sollen wir beehrt werden. Die Nationalliberalen haben die Befürchtung, daß e« zu einer Stichwahl kommen könne, weShblb ich namentlich unsere jungen Weinheimer Parteigenossen auffordere, kräftig zu azitiren, damit unS in Weinheim und Umgebung der Sieg gesichert wird. Deshalb nochmal», agitirt fleißig für Bebel. Fr. I. Ehrhardt. Mahthnnsea, 28. Der. Am 1. W-ihnachtSfeiertag berief der Bevollmächtigte der Schuhmacher-Gewerkschaft eine VolkSversamm lung in den Räumen deS Oseum ein. Die Tagesordnung war die»soziale Frage und die Reichstags« ahl". DaS Referat hatte Herr W. Bock aus Gotha übernommen. Es gelang demselben die Zuhörer, mit Ausnahme des FärbermeisterS Sommer, unter großen Beifall für die Jseea per Sozialdemokratie zu begeistern. Den zweiten Punkt behandelte derselbe zur vollen Zufriedenheit der Anwesenden. Obengenannter„Färber" fühlte sich nun be- rufen, die Versammlung, die einen unzweideutig rothen Anstrich erhalten hatte, blau zu färben. Er ist ein„Färber" im wahren Sinne des Worte». In sozialer Beziehung machte er Propaganda für Schulze-Delitzsch, im Politischen sei er liberal und bei der Reichstagswahl trat er für den coaservativen Dr. Friedenthal ein. Unter nicht eadenwollendem Beifall wird: vom Referenten die llnechtheit seiner politischen Färberei nachgewiesen. Die Versamm- lung erklärte sich einstimmig für die Kandidatur Bock«. Es wurde zur Wahl eine» WahlcomitöZ geschritten, um für die Wahl Bock» thätig zu sein. Erringen wir auch diesmal noch keinen Sieg, so wollen wir doch zeigen, daß eS in der Stadt Thomas Münzec» Männer giebt, deren Herz für R:cht und Freiheit schlägt. Alle Wahlfähigen de» WahlkrnseZ Mühlhausen werden aufgefordert, nur für den Kandidaten W. Bock, Schuhmacher aus Gotha zu stimmen und sich vorher mit unterzeichnetem C»mit6 in Verbin- dung zu setzen. Mit Gruß Schuhmacher H. Heißner, Unter Nußbaum. Schnhm. H. Pölitz, Unter Nußbaum 953: Tischler K. KohlhauS, Knttelgassc. Tischler Ch. Genzel, St. P-tri. Tischler Winterstcin, Kilian- straße 555. Tischler Misch, St. Nicolai. Slraßburg. 1. Januar. Die ReichStagSwahlen stehen vor der Thür, die„Cultioirunz" der R-ichSland: durch DeuffchlaudS Machthaber soll sich zeigen. Die hiesige» Zeitungen verstehen sich prächtig, gewiß für nicht schlechte Bezahlung, auf da« Allarm- schlagen über die Wahlbewegung. In Slraßburg selbst bekümmern sich nur Wenige darum, außer den Beamten sorgt Niemand trotz allen Lärm! für die Wahl. Leider sind die Prinzipien der So- zialistea hier noch nicht bekannt genug, die elsässischen Zeitungen schweigen die Bewegung gänzlich todt. Unser gewiß gerechter Haß gegen die preußisch-deutsche Regierung ist nicht löschbar, jedoch da« deutsche Volk ist ün« gleich lieb wie da« franzölsche. Im neue» Jahre gilt eS sich zu orggnisiren und Psticht der Sozialdemokra- tischen Arbeiterpartei ist es, baldigst die Anregung hierzu zu geben; eine große Anzahl Mitkämpfer werden sich sowohl in Straßburg wie in Mühlhausen den Bataillone» der Arbeiterpariei anschließen. Glück auf zur Wahlschlacht. Sozialdemokraten, wir beneiden Euck um Eure Kampfe! Im Auftrage: Eh. S. Cflene Astwort an Herrn Fischer Schuldirettor(?) in Treuen. Da e» Ihnen nicht glaubhaft gewesen zu sein scheint, daß ich nach Schluß meiner Rede und nach gelungener Widerlegung der drei Leute, die inclusive eine» Cantor Müller doch auch Etwa» sagen wollten, Abends �.3 Uhr nicht zum Spaß in offenem Wa- gen nach Lengefeld gefahren bin» sondern deshalb, weil in Lenge- feld zn dieser Zeit Versammlung anberaumt war, so muß ich leider Ihrem widerstrebenden Willen, mir aufs Wort zu glauben, mit der schriftlichen Versicherung antworten, daß leider nur au« diesem Grunde nach fast sstüudiger Anwesenheit ich der Versammlung in Treuen nicht bis zu Ende beiwohnen tonnte. Bon Leuten, wie Sie, sollte man freilich niemals erwarten, daß ein ManneS-Wort zur Bekräftigung her Wahrheit gUt; da» beweist mir die edle Dreistigkeit, mit welcher Sie in Nr. 1 de» Treuener„Stadtrath-BlatteS" an mich schreiben:„Da e» Ihnen nickt möglich gewesen»« sei« scheint" und:„Zn meine« Leidwesen verschwanden Sie so plötzlich"— womit Sie natürlich den Lesern de« Blatte» glauben machen wollten, ich habe mich vor einer„Auseinandersetzung mit Ihnen, im Interesse der Wahrljeit" wie Sie zu sagen belieben— gefürchtet, und darq« schleunigst mich gedrückt. Ich gehöre natürlich nach Ihrer Meinung zu Denen, die eine» solchen Hundemuth haben, und sich vor der Weisheit von Leute« Ihres Schlag» drücken. Denn ob Sie un« auch zehnmal versichern, Sie gehörten der nasioaal-liberalen Partei nicht an, so besagt das einfach gar nicht», denn ob nationalmiserabel, oder reichsparteilich oder konservativ— alle dies« verschiedenen Benennungen lassen sich ia dem einen Wort: reactionär ausgezeichnet zusammen fassen. E« darf uns deshalb auch nicht wundern, wenn Sie„du Prinzipien de» sozialdemokratischen Standpunktes" nicht billigen.(.Herr Hischerl man sagt mir, Sie seien Schuldirekior; vor dem blühenden Unsinn, der in den„Prinzipien des Standpunkts" zn Tage tritt, graut mir; warum auch tteiben Sie nicht lieber Stylllbung und deutsche Sprache, statt in VolkSversamm- lungen zu gehen?). Doch eS bleibt dabei, nach Ihrer Meinung„find die Prinzi- ien de» sozialdemokratischen Standpunktes staatsgefährlich und somit die Wirksamkeit eine« sozialdemokratische» Abgeordneten sllr da« Wohl der Staatsbürger schädigend." Sie wollten ohne Zweifel sagen, daß die Prinzipien der Sozial- demokratie staatSgefährlich seien, da ein Standpunkt doch nicht Prinzipien haben kann,(nicht wahr, Herr Schuldirektor Fischer, so war e« gemeint?) und da antworte ich denn: Ja wohl! für einen Raubstaat und AuSbeuter-Staat find diese Prinzipien höchst staatSgefährlich, und für daS Wohl der Sorte von Auch-Staats- bürgern, die man mit dem Worte Ausbeuter, Gründer, Arbeiter- schinderund Börsenjobber bezeichnet, ist die Thätigkeit eines nationalliberalen Abgeordneten freilich nicht so schädigend, als eS die Thätigkeit eines sozialdemokratischen ReichStagSmitgliedeS sein würde. Freilich, für den Staat überhaupt und für da« Wohl der Arbeiter und Handwerker kann da« sozialdemokratische Prinzip ja auch gar nicht schädlich sein; den Beweis, daß dies doch der Fall, ist Herr Fischer wohlweislich schuldig geblieben. Daß Sie den Much haben zu schreiben:„in hoher Weise ent- tauscht dadurch" u. s. w., nachdem ich Ihnen und Ihresgleichen bereits in Treuen den Staar gestochen, warum wir Sozialdemo- kraten nicht wie die nationalliberalen Schwätzer alle Wochen ein, andere« Programm aufstellen, um kein« zu halten, in jeder Ver- sammlung da« Volk durch„neue Gesichtspunkte" täuschen durch neuerfundene Phrasen belügen und betrügen, ist so charatte- ristisch, daß ich eigentlich nicht begreife, warum ich nicht allwissend bin, ich hätte Ihnen zu Gefallen dann wenigstens gewußt, was „gewisse" Herrn(warum denn„gewisse Herrn"?) von mir schon gesagt, und hätte die nationalliberale Partei in anderer Weise gekennzeichnet, und, darauf können Sie sich verlassen, zu kurz wären Ihre nationalmiserabeln Freunde, die BiSmarck'schen Jasager ebenso wenig gekommen, als die« so der Fall ist. Doch es war so besser, und ob Sie mich für einen Nachbeter der„gewissen Herren" halten, ist mir höchst gleichgültig. Aber, Herr Fischer, wie um'S Himmel« Willen kommen Sie dazu, sich so zu blamiren und durch S begänfefußte Citate au» meiner Rede beweisen zu wollen, daß „nicht durch die Macht der Wahrheit", sondern durch„derglei- che» Mittel" ich den zweifellosen Erfolg in Treuen errungen hätte? Wem, Herr Fischer! ich frage, wem wollen Sie das weiß machen? Schämen Sie sich denn nicht als Pädagoge, den Leuten solche Dummheiten aufbinden zu wollen? Fast drei Stunden lang habe ich gesprochen und au« dieser langen Rede bringen Sie mit Ach und Krach 9 Sätze heraus, die Sie für dialettische Kunstgriffe halten, und wollen nun be- haupten, diesen„Kunstgriffen" verdankte ich den Erfolg. Herr Fischer, mir bangt um Ihren Verstand, wenn Sie noch oft in Volksversammlungen gehen. Wie e« mit ihrer Wahrheitsliebe be- schaffen ist, beweist folgender Satz Ihres offenen Brief-s: »r„Zunächst muß ich bemerken, daß es absichtliche Täuschung des ArbeiterstandeS ist, wenn Sie kein Wort davon sagen, daß auch die meisten andern politischen Parteien die wesenllichcn Puntte Ihres Programms vertteten, daß e« also durchaus nicht eine« Sozialdemokraten bedarf, um das herbeiführen zu Hessen, was Sie angeblich allein anstreben." Herr Fischer! Großer Pädagoge, nennen Sie uns doch gefälligst die meisten der andern politischen Parteien, die die Wesentriche« unseres Programms vertrete«. Ich glaube, Sie sind eben erst vom Himmel heruntergefallen, denn sonst konnten Sie solchen Unsinn mcht �u Tage fördern. Doch weiter zu Punkt I. Wie genral Sie da plötzlich wieder geworden sind; welcher Geistesblitz von Ihnen, zu entdecken, daß Derjenige, welcher das Wahlrecht erhält, auch wählbar sein müsse. Welche göttlicke Weisheit Sie uns da enthüllen, wenn Sie heraus- düsteln, daß bei einem Wahlrecht, welche« alle Staatsbürger vom 20. Lebensjahre an ausüben können, auch alle gewählten Vertreter und die Regierungen aus Zwanzigjährigen bestehen müßten! Herr Fischer! solcher Weisheit gegenüber war Solon ein Stümper. Doch weiter zu Puukt II. Hier wiederhole ich nur, was ich bereit« in der Versammlung selbst gesagt: Keine neue Vermehrung deS stehenden Heeres um 33,000 Manu, ebenso wenig eine Er- höhung deS Militäretats, der sich auf nahezu 133 Millionen steigern würde, wenn die Mehrforderung pro Soldat von 225 auf 300 Thaler durchginge, wie dies der Bundesrath wünscht. Dagegen zunächst Einführung der einjährigen Dienstzeit und dann Umwand- lung deS stehenden Heeres in eine Volkswehr. Und daS, Herr Fischer, ist mein voller Ernst, trotz deS„VaterlandSverrätbcr", den Sie in echt denunziatorischr Weife mir an den Kops warfen. Um den„MordSpatnotiSmuS" der Bourgeoisie, der aus GeschästS- gründen Kriege und stehende Heere braucht, und um den„Pro- zentpatriotiSmuS" derselben Leute, die zur deutschen Kriegsan- leihe ttotz 12 Proz. Provision und 6 Proz. Zinsen kein Geld hatten, dagegen die französische Staatsanleihe doppelt und dreifach überzeichneten, und die, Herr Fischer, Ihre Ideale sind, beneide ich Sie in der That nicht, noch weniger um den leichten Sinn, mit welchem Sie selbst jedem Kinde in der Wiege einen neuen Steuer- Zuschlag von 1 Thlr., jeder Familie von 5 Köpfen einen solchen von fünf Thalern pro Jahr aushelfen würden, um nur ja mehr Soldaten zu haben. III. Wahrhaft komisch aber werden Sie, Herr Fischer, in Ihren Argumentationen gegen Puntt 7 unserS Programm«: Unent- geltliche Rechtspflege. Wollte man nach dem Sprüchwort urtheilen„Wa« ich selber thu', trau ich Andern zu," so müßten Sie ein recht zänttscher, gallsüchttger und prozkßsUcktiger Bürger sein, der nur auf die passende Gelegenheit wartet, seine Nachbarn zu chikaniren. Anders würden Sie doch wohl eine bessere Meinung von Ihren Mitmenschen haben, als daß dieselben nur durch die Furcht vor den„Kosten" von leichtfertigen Prozessen abgehalten werden könnten. Wie schlecht kennen Sie doch die Menschen, und wenn dem so wäre, wie Sie schreiben, was Gott fei Dank nicht der Fall ist, wer trüge die Schuld? Antwort Herr Fischer! Doch die schlechte Erziehung, die schlechten Lehrer, Sie nicht ausgeschlossen, mein weriher Herr Schuldirector. Und wenn Sie nun gar daS Iovglevrfiückchen«erüben, und um den alt- deutschen RechtSgrundsatz„daß Jeder nur von Seinesgleichen, von Leuten seiner Klasse, seines Stande« gerichtet wer- den solle," den ich als Argument für G-schworne und gegen Schöffengerichte so nebenher angeführt hatte, lächerlich zu machen, sagend„dann müßten die Spitzbuben die Spitzbuben richten", so vermag ich ob solcher Spitzbuben-Logik nur die Hände über dem Kopse zusammen zu schlagen. Ein wahres Glück, daß meine Kinder nicht ihre Schüler sind. Doch die meisten Kops- und Beutelschmerzen llbeint Ihnen IV., Puntt 9 gemacht zu haben, und scheint die Forderung einer progressiven direkten Einkommen- und VeimögenSsteuer gar nicht nach Ihrem Geschmack zu sein. Insbesondere fürchten Sie, mit zu den 10 Prozent zu gehören, die dann alle StaatSlasten allein würden tragen müssen. Obschon ich nun in meiner Rede den Satz von 400 Thaler als steuerfreies Einkommen nur beispielsweise angeführt hatte, so will ich doch Ihnen zu Gefallen nunmehr positiv auesprechen, daß ich verlange, daß jedes Einkommen unter 400 Thaler steuerfrei fein solle. Und nun Herr Schuldirector Fischer merken Sie auf, damit Sie nicht wieder mir die Worte im Munde verdrehen. Ich habe nicht gesagt, daß die 92 Prozent der Bevölkerung Arbeiter seien, von denen Jeder nur 200 Thaler oder überhaupt 200 Thaler Einkommen hätte, sondern ich habe gesagt, 90—92 Prozent der Bevölkerung gehören zu den nichtbesitzendcn Klassen und nur 3 bi« 10 Prozent gehörten zu den Reichen. Bielleicht interessirt eS Sie, zu erfahren, wie das Einkommen sich vertheilt, und da eS in andern Ländern, speziell in Sachsen nicht besser ist als in Preußen, so gebe ich die mir über das Volkseinkommen in Preußen zu Ge- böte stehenden Notizen zum Besten. In Preußen gab eS 1872 8,900,000 selbständige Personen, die ein eignes Einkommen hatten; von diesen beziehen 7,251,927 Per- sonen oder 81,°'/,»« Prozent ein dürftiges Einkommen, durchschnittlich circa 190 Thaler, im Ganzen 1,396,900,000 Thlr. 1,197,399 Per- sonen, oder 13,"/,«, Prozent haben ein mäßiges Einkommen von durchschnittlich 420 Thlr., im Ganzen 504,100,000 Thlr. 291,436 Personen oder 3aVioo Prozent haben[ein hohes Einkommen von durchschnittlich 880 Thlr., im Ganzen 256,400,000 Thlr. 159,236 Personen oder 1,"/,«> Prozent haben ein Einkommen von durch- schnittlich 3000 Thlr., im Ganzen 476,400,000 Thlr. Die 200 reichsten Leute haben ein Einkommen von 25 Millionen. Rechnen wir also die Hälfte der zweiten Klasse, mit 420 Thlr. Durchschnitts-Einkommen, zu Denen, die über 400 Thlr. Einkommen haben, so erhalten wir 6,72 Proz. mit 252,050,000 Thaler Einkommen 3,77„„ 256,400.000„„ 1,80„ ,. 476,400,000„„ langte Buch bereit»»ergriffen. Loui» Schtz Lanssaue die Ann. betriff! Ihren Abschied und steht in Nr. 69. L. F Groitsch Ihrer Einladung zu folgen war unmöglich, da der Arbeiterkandidat de« Wahlkreise« am selben Tage anderwärt« Versammlung abhielt. Havenirh Berlin die Ano. f. Okt. u. Nov. betrugen 22 Gr., und find bezahlt, die Ann. f. Sept. mit 9 Gr. ist hingegen noch im Rest. Anzeigen zc. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, d. 10. Januar, Abend« 8 Uhr, Versammlung bei Herrn Derosche, Köpnikerstraße 145. Tagesordnung: Kassenbericht. Wir bringen hierdurch zur Kenntniß, daß Herr G. Lemke, al« Bevokl mächügter gewählt worden ist. Lemke, Simionstraße 25, 4 Treppen. Berti» Metallarbcilergewerksgeuosscuschast. Sonnabend, d. 10. Januar, Abend« halb 9 Uhr, Monat»- Versammlung, Auguststraße Nr. 80, bei Macke. Kassen- und Revisionsbericht.— Ausnahme neuer Mitglieder.— Der „Voltsstaat" liegt au«. Der Bevollm. Sozialdemokratische Arbeiterpartei. �/UUUvVvl' Jeden Sonnabend, Abends 8 Uhr, regelmäßig Ver. sammlung, wozu Freunde Zutritt haben. Der BertrauenSm. Sozialdemokratischer Arbeiter-Berein. Freitag, d. 9. Januar, Abend» 8 Uhr, öffentliche Ben Leipzig sammlung. Pünltliche» und zahlreiche« Erscheinen der Mitglieder wird erwartet Tagesordnung, die Reichstagtwahleo._ Der Borstand. oder 12'/« Proz. mit 984,850,000 Thaler Einkommen. Herr Fischer! sollte Ihnen nun nicht bald eine Ahnung aus- dämmern, daß es recht gut möglich ist, daß die 10 Prozent, die ich als die Besitzenden und Reichen bezeichnet habe, durch die pro- gressive Einkommensteuer die Steuerfteiheit der 90 Proz. ermög- lichen können? Erinnern Sie sich serner, daß ich sagte, durch Uebernahme aller Eisenbahnen und Bauken kann der«Staat unge- heure Summen, durch die heut einzelne Kapitalisten nur immer reicher gemacht werden, aufnehmen und zu Steuerermäßigungen ver- wenden; und ich schätze diese Summen auf mindestens 100 Mil- lionen Thaler pro Jahr. Nicht wahr, Herr Fischer, es sängt an Licht in ihrem Kopfe zu werden? Aber ferner: zwar nicht Sie, Herr Fischer, aber ich, als So- zialdemokrat, verlange Abschaffung der Militärlasten, zunächst durch nur einjährige Dienstzeit. Meinen Sie nicht auch, daß damit schon kolossalle Summen, die ich auf ca. 30 Millionen Thaler veran- schlage, würden erspart werden? Und was sagen Sie zu folgen- dem Argument? Ist es etwa nicht nur recht und billig, wenn die 10 Proz., die die Reichen und Besitzenden ausmachen, denen alle Vortheile des Staates heut in weit überwiegendem Maße zu Gute kommen und in deren Interesse ausschließlich daS stehende Heer, welches jetzt schon jährlich zweiundneunzig Millionen, achtmalhun- derttausend Thaler kostet, da ist, wenn diese 10 Proz. auch die Lasten zur Erhaltung ihres Staates, die Kosten zur Erhaltung ihres Heeres allein zahlen? Leider zahlen diese Leute aber überhaupt die Steuer so wie so nicht aus ihrer Tasche, sondern sie schinden dieselbe aus den armen Arbeitern, Handwerkern und Landleuten heraus. Nicht wahr, Herr Fischer, darin geben Sie mir doch recht? Sie sehen nun auch wohl ein, daß der Faustschlag, den ich durch die geforderte Steuerbefteiung den von mir vertretenen Klassen ins Gesicht versetzt haben soll, nur in Ihrer erhitzten Phan- tasie zu suchen und zu finden ist, denn Sie, gottvoller Logiker, merken gar nicht, welch' schrecklichen Faustschlag Sie damit Denen versetzen, die heut schon sehr wohlhabende und reiche Leute gewisser Stände auch von den Communal-Abgaben befreit haben, nachdem dieselben Staatssteuern schon lange nicht zahlen. Ich hatte nicht geglaubt, daß Ihre„gelehrten" Jnterpretatiouen Siejur Behauptung solcher Albernheiten verleiten würden. Wissen Sie denn gar nicht, daß die Offiziere, Geistliche und andere Staatsbeamte zur Erhaltung deS Ganzen so gar nichts an Steuern beitragen, und doch keine„Lumpe" sind, wie Sie diejenigen Classen zu nennen belieben, für welche ich Steuerfteiheit fordere. Herr Fischer, nehmen Sie sich in Acht! Ehrgefühl der Leute, die Sie als„Lumpe" schwer mit Ihnen ins Gericht gehen. Ich wäre nun mit Ihnen fertig, und Sie dürfen sich gewiß nicht bettagen, daß die Antwort zu kurz, oder nicht bündig aus- gefallen wäre; im Gegeniheil, obschon nur ein Tischlergeselle, wie ein eingebildeter Narr in Treuen höhnisch mich genannt hat, befleißige ich mich doch flets, mein bischen gesunden Menschenver- stand so anzuwenden, als es nothwendig ist: Im Dienste der anSgebeuteten und bedrückten Klaffen, im Dienste der Freiheit. An die Arbeiter Leipzigs und der Umgegend. sviivabevd, d. 10. Januar, ist der Tax, an welchem c» gilt, in deal A 12. u. 13. Wahlkreis unsere Arbeitervertreler durchzudringen, wa» abei nur möglich ist, wenn wir mit vollster Energie eintteteu. Da« Central- wahlkomitö hat bi« jetzt seine Schuldigkeit gethan, aber neue Kräfte sind nothwendig, wenn der Sieg vollends errungen werden soll, und oeShath fordern wir Euch, Ihr Arbeiter(auch die nicht wahlberechtigten) aus, uu« am Wahltage zu unterstützen und Behuf« einheitlicher Vertheilung da Kräfte Freilag, d. 9. Januar Abends 8 Uhr bei Jabin, Tmnerstr. Nr. 3, zu einer Besprechung zu erscheinen. Im Austrage de« Ceutralwahlcomitö'«: O. Stelzer, Vors. Sonnabend, den 10. Januar 1874, Abends halb 8 Uhr, Peichstagswahffest in Glauchau im Eheaterlocal. Bestehend iu großem Eoncert vom gesammten Stabtmusikchor, uu- ter persönlicher Leitung de» Herrn Eapellmeisters Schmidt, Festreden. Ansprache von verschiedenen Rednern, sowie Maffengesang und Ver-€ lesung ter eingehenden Depeschen au« relschiedeneu Wahlbezirken. tz Entree ü Person 2 Gr. gegen Verabreichung de« Programm» nebst � Festttederu. Da» Wahllomite.|#] -- 1 x, fei Achtung! Leipzig- Die noch am 10. Januar Abend» belannt werdende Wahlresullate namenllich der sächs. Wahlkreise bitten wir, per Telcgrap zu senden, Riiterfiraße 43, Arbeiterbildungs-Berein. Da« Wahlrejultat de» 12. u. 13. sächs. Wahlkreise« geben wir pt Draht nach Dresden, Erimmitschau, Chemnitz, Braunschweig, Mar Nürnberg u. München de» Redakt. der dortigen Partn-BläUer bekam Warmmgl 1»* Ii füi «gra«. Nachdem der Schriftsetzer, Gabriel Grüohut, gewesensdä Schnftsührcr de« Gewerbe-Arbeiterverein« in Agram, wegen den UnzN de, kömmlichleiten, die er sich zum Nachtheile de» Verein« zu Schulde« un kommen ließ, aus dem Verein ausgeschlossen und gegen ihn die getichisaj, licht Untersuchung eingeleitet worden ist, er sich aher iu Agram nich. � mehr befindet, erachtet der gefertigte Ausschuß e» al« sewe Pflicht, fämmit' liche Arbeitervereine de» In- und Auslandes vor dem zu allen Schwiw' deleien fähigen Individuum dringend zu warum und ersucht alle Arbeiten 2 iläiter um ftcundltche Ausnahme dieser Warnung. 8» Agram, 2. Januar 1874. bei Der Ausschuß de« Gewerbe-Arbeiterverein« in Agram, sei Ei« Regenschirm ist bei uu« stehen geblieben. Expedition des„Bolksstaat". gel Am 1. entbundm. Leipzig, 1 Verspätet. Januar a. c. wurde meine Frau von einem gesunde» JungSR; Januar 1874. Ernst«udobph Echuelder. T aS erwachende' bezeichnen, dürfte � Reicheubach i. V., den 5. Januar. Th. Horck. Reichstagswahlfond. v. Ditdich Reudnitz gef. Gr. 18 4. Uebersch. d. Bers. in Zwmkau 20 Gr. Uebersch. d. Bers. in Brandt» Thlr. 1 3. D. B hier von Pianofortarteitern Thlr. 1 22 6. F. d. 12. Wahlkreis, v. Arbeitern einer Jnfirumenimfabrik Thlr. 2 2._ Fond f. pol. Gemaßregelte. Scaiclub d. Rothen hier Gr. 17 5. Brieflasten der Redaktion: W. Wirth» in Berlin: Wir konnten wegm Stoff- andrang« da« Eingesandte leider nicht bringen, in nächster Nummer wird e« erscheinen. C. M in Dre«den: Nachricht, wenn wir Zeit habe». I. Kr in München: Brief folgt. A. W in Frankenhausen: Briese folgen, sobald un» die Wahlagitation irgend welche Zeit läßt. T. F. L in Stollberg: Wir müssen da« Bewußte leider nochmal« aus die nächste Stummer verschiebm. Unsere HubertuSburger Freunde bitten, fie nach der Wahlschlacht nur in Ausnahmefällen mit Telegrbmmen zu bedenken, da dieftlbm, in Folge der mangelnden direkten Verbindung, meist nicht ftüher anlangen al« gewöhnliche Briese, und überdies, da Extraboten genommen werden müssen, den Empfängern bedeutende Kostm verursachm. Am praktischsten ist die Mttheilung durch Eorrespondenzkarten.— der Expedition Ljub. B. M?°il»c Nmsatz die sehlmdm Nr. 5, 10, 12, 22, 24 find bei un« nicht mehr»orhanden, ebmso ist da«»er- Laffallc's Schriften. t In neuer Auflag e erschienen bei I. Röthiug, Leipzig»törnerstraße l-'Tic F. Laffalle'S„Fichtes Politisches Bermächwist" Di ü Stück l'/- Gr.(50 Stück 1 Thlr. 20 Gr., Z. L'assalle's„Uerfassumzswcfe»"„Utas nun*" und„Macht und Recht" (in einem Heft zusamen, a Stück 3 Gr., 25 Stück 2 Thlr.) Um geneigte Bestellung ersucht Z. Röthtng la sa >ve T- -sie: Ta .N ichi erst Anzeige. Bon der Schrift Die parlamentarische Thätigkeit des Reichstag« ist eine Z. Aussage in 3000(Simpfarcn erschienen. Wir ersuchen dringend, v»u diesem wichtigen AgitationSmittjjr den rechten Gebrauch zu mache«, d. h. für die weiteste BerbreitlU�e desselben Sorge zu tragen.€t Gegen Einsendung deS Betrag« liefern wir 30 Stück f-8> 1 Thlr. unftantirt.— Wer nicht selbstthätig in die Agitation ei � zugreifen vermag, möge durch Bertheitung diese« Schriftchen« dssls Seine zur Erreichung des Partei-Zweckes beitragen. pil Die Expedition des„Bolksstaat". pr An die Filialerpeditionen, x de! seit bai Ii Bon der Brochure„Leipziger Hochverrathsprozeh" sind alle ühft)j zähligen Expl. der Lieferung 1—10(besonders von Lieferung 4) sofi� zu retournireu. Zugleich bringen wir zur Kenntniß, daß alle Schriften, welche n> ba«r bezahlt wurden und wofür augenblicklich keine Verwendung ist, 15. Januar an uns ftanco rückgesandt werden müssen. Le'pzig: Lerantw. Redakteur: M.Preißer.(Redaktton u. Sxpedtt Zettzerstr. 44) Druck und Verlag der SenossenschaftSbuchdrnckeret.