Erscheint in Leipzig Mitt»»ch,Frkitag,Sl>m>lag. v�stelluAgm nehmen an alle Mastanstalten u. Buchhand« Wisten des In-«.Auslandes. ETeal-Txpeditionen für die Leteinigten Staaten: F.«.Sorge. Bei 101 Hoboken, N. J. 8m. Luedert, «06 Hayitr. Chieayo, JI1, Peter Haß, B. W. Corner Third aad ■tr. Philadelphia. JlbernientpRisprets: Kür Preußen incl. Stemvel» steuer Llr/i Sgr., für die übrigen Deutschen Swaien Iß Sgr. pro Quartal. Nl-nate-KdennemenI» werden bei allen Deutschen Poftansialien aus den itlen n. Zten Monat und auf de» üten Monat besonders au« genommen, im Kgr. Sachsen *• Hrzth. Sachs.-Alteuburg auch auf den 1 ten Monat i ö'/t Sgr. angenommen. OrgandersozialdemolraNscheuArbetterMrteiundderwternationalenGejverksgenossenschasten. Zoserate, die Abhaltung von Partei-, LereinS- und Bollsverfammlungen, sowie die Filial-Expeditionen und sonstige Partei-Angelegenheiten betreffend, werden mit 1 Sgr.,— Privat- und Vergnügung«- Anzergen mit 2 Sgr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Mr. 8. Mittwoch, 21. Zanuar. 1874. Reichstagswahl. Es find uns nachfolgende Resultate gemeldet worden: Waldheim-Döbeln(10. sächs. Wahlkr.): Oehmichen 7965, Walsier 3300 Stimmen. Lennep-Mettmaun: Teckrw 11,017, Stroffer S570, Hörig 2370, Henning(Soz.-demokr. Arb.-Part.) 629. Solingen: Joh. Jacoty 1892, Klöppel 5566, Schorlemmev 3919, Luchtenberg(A. d. A,b.-V.) 1803. Meiningen-Sorneberg: LaSker 8993, Most 786. Marburg: Dr. Giimm 2958, Fenner 2958, Ulloth 2717, Schneider(Soz.-dem. Arb.-Part.) 1292. Zwickau-Crimmitschau(18. fächs. Wahlkr.), amtl. Resultat: ! Motteler 8941, Streit 7531 Stimmen. Luckenwalde: Ehrhardt(soz.-dem. Arb.-Part.) 1641, Die- trichS 5395, Watzdorf 5203. Fulda: Herrlein 833, Müller 438, Bebel 12 Stimmen. Eßlingen(5. württ. Wahlkr.): Oberstaatsanwalt Lenz 10,312, Hvfbaurath Temmler(Schwerin) 3860 Stimmen. «k Augsburg: Most 1609, Jörg 13,969, Fischer 6293, Lut- ardt 186. Aichach-Lechhausen: Most 307, Dr. Schmidt(ultr.) 15,228, TauphönS 2058. Heidelberg: Dr. Blum 11,011, Fischer 3996, Most 64. Mainz: Joh. Jacoly 1343, Görz 7365, Moufang 6114, OechSncr 1217. Forst(Lausitz): Jacoby 153. Großenhain(7. süchs. Wahlkr.): Wolf(soz.-dem. Arb.-Part.) i L79, Stuhr(A. d. Arb.-V.) 1073, Richter 6628. Breslau(westl. Wahlkr.)': Ziegler 6061, Reichenfpergcr 1132, Bäthge(Allg. d. Arb.-V.) 769, Joh. Jacoby 1043. Wie Eigenthum entsteht. Eine historische Erinnerung*). TaS Land— durch Arbeit befruchtet, der Quell aller Lebens- ( mittel, alles Reichthuwö— ist dkm englischen Volke geraubt und zum Monopol einer glücklichen Minoriiät gemacht worden. Ge- raubt, nicht figürlich, sondern in WirNichkeit, erst durch einen bei- spiellosen Akt roher brutaler Gewalt, und wa« durch diesen dem Volk nicht entrissen wurde, seitdem fortwahrend durch hinterlistigen Betrug. Vor 800 Jahren, 1066, segelte Wilhelm, Herzog der Nor- mandie, spater durch seinen gelungenen Raubzug Wilhelm der Eroberer genannt, in Wahrheit Wilhelm der Räuber, über den Canal nach England, auf dessen Krone er Anspruch zu haben be- ihauptete. Bei HaflingS stieg er ans Land mit seiner Armee, d. h. mit 20,000„Gvrgelabschneidern", Jndufirierittern, catilinarischen Existenzen aller Art, verkommenem, arbeitsscheuen, meist dem Adel angehörigen Lumpenpack, daS nichts zu verlieren und alle» zu ge- Winnen hatte. Die Gier nach Beule gab diesen Banditen den «Heldenmuth- des HeuschreckenfchwarmeS, der, unbekümmert um die Lücken, welche die abwehrende Hand de« Menschen ihm schlägt, sich auf die Saaten stürzt. Das Gesindel siegte, die Räuber wurden zu Helden, der Räuberharptmann zum ruhmbedeckten Er> oberer, und unter dem schimmernden Deckmantel de«„ErfvlgS' konnte das Geschäft der Ausplünderung England« nun vollzogen »erden. Kraft de« �EroberungsrechtS" wurde da« Land den bisherigen Besitzern genommen und unter die glücklichen Banditen vertheilt. Da« Toomtdah-Book—„das Buch de« jüngsten Gerichts", wie e« von den geplünderten Angelsachsen genannt wurde,„weil Keiner verschont wurde, wie am Tage de» jüngsten Gerichts" die große Catastrirung EnglardS, welche aus„Wilhelm de« «roterer«" Befehl vorgenommen wurde, und bichmit dem heutigen sich erhalten hat, liefert Schwarz auf Weiß den aktenmäßigen Beweis für den an dem englischen Volke unter dem Namen„Er- vberung" verübten großartigen Raub, und ist ohne Zweifel das °"chtigste aller geschichtlichen Dokumente zur Fepsttvuug de» Satzes: baß Raub und Eroberung nur quantitativ, nicht qualitativ ver- , chredene Ausdrücke sind, und daß Herrschaft gleichbedeutend mit ilusplünderung. Au« der Art uud Weise, wie der Landraub in England be- �kstemgt wurde, erklärt sich da« lebhafte Bewußtsein de« eng- »schen Volke», daß ihm das Land geraubt worden, und da« Auf- «uchen der Landsrage bei jeder Volksbewegung in England. , h Raubakt en gros des Jahre« 1066 bekam später sein �«achspiel in einer ununterbrochenen Reihe von Raubakten eu IfctaU und zwar von Räubereien, begangen an dem Gemeinwesen 1 is' m 0,n �olfe Eollectivwesen, nicht an einzelnen Individuen. vre Normannen hatten, als sie die angelsächsischen Eigenthüwer «Posiedirten, doch Bedenken gehabt, dieselbe Operation an den Niwernden vorzunihrnen, wenigstens nur in beschränktem Maße jwd m AuSnahwesallen, und so kam eS, daß das altgermaursche G-merndeeigenihum zum großen Theil die Katastrophe der nor- »annrschen Eroberung überlebie. Zumeist war dies Gemeinde- �rnd ursprünglich von vergleichungSweise geringer Gute und zu üerland nicht geeignet, allein die Fortschritte der Bodencaltur btw die Mittel, zur Befferung urtergeordueten Lande«, während veichzertig der steigeude Preis des Grur.deigerlhums dem Ge- *) Auszug au« dem demnäckst im Verlag der Leipziger VolkSstaat- . buchpavtiung ersdeiuindtu„Porirag üter dl« Laudjrag,». ") An 4010! S.„Julernariruat Naald", vcm 31. Mai 1673. D.I. meindeland einen erhöhten, stets zunehmenden Werth lieh, und ihm immer hungrigere Blicke der Landlords zuzog. Im Jahre 1710, zu Ansang der modernen bürgerlichen Periode, waren eS endlich die Herren LandlordS müde, dem heißgeliebten Gemeindeland gegenüber die Rolle des Ritter« Toggenburg zu spielen; den hungrigen Blicken folgten die hungrigen Hände mit hungrigen Langfingern daran. Das Parlament, damals wie jetzt, die Vertretung der besitzenden Clafie nnd das Instrument zur f ertretung und AuSpressung de« Volkes, votirte eine„Akte zur inschließung von Gemeindeland", mit anderen Worten zur Eon Verleitung von Gemeindeland in die Privatgrundstücke der benach' karten LandlordS. Seit 1710 sind zahlreiche„Akte" dieser Art von dem Parlament angenommen worden, und das Resultat ist: vom Jahre 1710 bi« zum Jahr 1845 wmden den englischen Ge- meinden, dim englischen Volke ohne jedwede Entschädigung acht Millionen Acker Gemeindeland von den diebischen LandlordS ge- stöhlen; und vom Jahre 1845 bi« in die neueste Zeit eine halbe Million— ein Beweis, daß der Landhunger der LandlordS noch nicht gestillt ist nud auch nicht eher gestillt sein wird, als bis der letzte Acker des BolkSlandeS von den hungrigen Langfingern um- spannt worden ist.— ES müßte denn, ehe daS Raubwerk vol- lendet ist, ein Rückschlag eintreten und den hungrigen LandlordS aus die hungrigen Langfinger geklopft werden. Ist Aussicht dazu vorhanden? Wann wird daS englische Volk den Stiel umdrehen und nach- dem ihm die Herren Grundbesitzer acht Jahrhunderte lang durch ihr Beispiel gezeigt haben, daß für daS Grundeigenthum die ge- «ähnlichen EigenthumSbezriffe nicht gelten, und daß e« dem ge- hört, welcher eS nimmt;— wann wird da» englische Volk einfach Gerechtigkeit üben, wann Denen nehmen, die genommen haben, un? Denen zurückgeben, die beraubt worden sind? Man braucht kein Prophet zu sein, um mit mathematischer Ge- wißheit vorherzusagen: Die Zeit ist nicht fern. AuS dem soeben Gesagten wird Jedem klar geworden sein, warum die Landsrage in England eine so große Rolle spielt. Brennend ist sie überall, aber nirgend« brennt sie so aus den Nagel wie in England. Beiläufig würde eS gar keine Revolution der Gesetze sein, wenn der englische Staat da« ganze Grundeigenthum in seinen Besitz nähme, denn gesetzlich ist der englische Staat Eigenthüwer des ganzen Grund und Bodens*). Ich erwähnte zu Anfang meines Vortrag« der mittelalterlit-feudalen Anschauung, nach welcher der Souverain einziger Grundeigenlhümer war, und der Grund und Boden von ihm leihweise, als Lehen(daher der Name Lehensystem), abgelassen wird. In England hat diese Anschauung bis heute gesetzliche Geltung. Der Souverain ist einziger Grund- eigenthümer, und wenn, wa« ja über kurz oder lang unauSbleib- lich, die Monarchie durch die Republik ersetzt wird, so handelt der neue Souverain, da« Volk, durchaus in Gemäßheit der be- stehenden Gesetze und der herrschenden Rechtsanschauung, wenn er da« gesawmte Grundeigenthum den bisherigen Inhabern ent- zieht und wieder unmittelbar in seinen Besitz nimmt. E» ist die« eine einfache Rückkehr in den gesetzlichen Zustand, formell, eine Restauration, wenn auch faktisch eine Revolution. ') Fischet in seiner„Berfaffuug England«" schreibt S. 46, Note 2 (zweite Ausgabe):„Eigentlich sreie« Grundeigeuthum(Allod) besitzt nach der englischen Rlchtsanschanuug Niemand. Alle« Land gehört dem König (Souverain) ,und wird von ihm zu Lehn auSgethau. Der Engländer kann daher nur ein Lehn(fee, fendum, tief) besitzen. Da» Wort tee bedeutet nach Epalmien da» Stecht,„welche» der Vasall oder Jnnehaber von Grund und Boden hat," dasselbe zu gebrauchen und die Nutzungen desselten sür sich und seine Erben zu ziehen, wofür er dem Oberherr» die schuldigen Dienste zu leisten hat." klstato bezeichnet im Allgemeinen die StaurSrechte(Siandesrechte), welch« ei» Individuum befitzt. In Be- ziehung aus«in Nutzungsrecht bezeichnet er die Bedingungen und Um- stände, in welchen sich Jemand zu dem Nutzungsrechte befindet. An „Eutate in fee simple"«der„fec simple", ein nur durch die lüder Hoheit de» König»(Souverän») eingtschränkl»» Nutzungsrecht an einem Grundstücke. Faktisch ist demnach ei»„fee simple" ein nach gemeinem Recht»er«, bliche«, veräußerliche«, sreie» Grundstück, über welche« der Inhaber ein nur durch die Landeigesetze beschränkte« Versüg»ng«recht hat. Sind keine Erben eine» fee simple vorhanden, so sällt e««!« eschcat(bonum vacam— erledigtes Gut) der Krone anHeim; richtiger: an die Krone zurück. Da« kee«imple ist da««nabhäogigste Laudeigen- thum; die übrigen Forme» de« Grundeigenthum» tragen deix Eharakter de« blo« leihweise» Besitze« noch weit deutlicher an der Stirn. Politische Uebersicht. — Ter preußische Landtag berieth dieserTage das Gefängniß- w esen, wobei der kleine LaSker mit dem große» Schwatzinstrument nachstehende Rede losließ: „Abg. LaSker: Auf allen Gebieten der Gesetzgebung sind wir nahezu in revolutionären Zuständen und m einem U-bergangS- stadivm ganz ohne unsere Schuld. Mit allen Reformen können wir nicht gleichzeitig fertig werde» und mufien deshalb uns mit der bruchstückweise» Resorm begnügen. Ein Strafgesetz ohne Ge- fängnißgesetz wird sehr viele Uebelstände mit sich bringe». Eine Selbstbeköstigung würde sehr viel schaden; denn in gewissen Volks- klasien würde dann das Gefängniß eher lockend(?) als ab- schreckend(?) wirken. Gegen die herrschenden Zustände kann keine Verwaltungspraxis, sondern nur ein Gesängnißgesetz helfen. Tie Theorie der AnirogSvergeben enihält sehr richtige Gedanken, die aber ohne eine Prozeßordnung nicht zur Ausführung kommen können. Wenn ein Verbrechen zu mrlde beurrherlt wird, so liegt die Schuld am Straftichter, nicht am Strafgesetzbuch; das Prinzip deffelben ist die Aushebung der Minima; die Richter aber der alten Schule find gewohnt, immer das Minimalstrafmaß anzu- wenden, wenn das VerbrechenZnicht zu große Frechheit an sich trägt. Wenn eine Rotte von Menschen sich zusammenthut, um da» fteie Verein«- und Versammlungsrecht zu verkümmern, einen Redner in der Versammlung von der Tribüne stößt, daß er im Fallen da« Bein bricht, so wird da» z. B. mit 50 Thalern Geldbuße bestraft. DaS heißt zum Verbrechen provoziren, und der Richter wird mit» schuldig. Diese Milde ist nicht die Meinung de« Gesetzes, sondern der Richter, die sich durch irgend welche Nebenumstände dazu ver- führen ließen.(Sehr wahr!) Die Strafe wirkt nicht', wenn sie nieht auf daS Vergehen wie der Donner auf den Blitz folsit. Jeder muß fühlen, daß er unter dem Gesetz steht und nicht rn Opposition gegen dasselbe tteten darf, theils nach rasfinirten Defi- uitionen, noch au« Brutalität. Die Auflehnung gegen da« Gesetz darf nicht herrschen. Früher wurde die Polizei vielfach mit politi- scheu Dingen befaßt und stand in geringem Ansehen; jetzt, wo wir uns immer mehr gegen polizeiliche Chikanen durch Gesetz« zu schützen suchen, muß überall die Autorität de« Gesetzes festgehalten werden. Jeder Einzelne muß sich seiner Ohnmacht vor dem Gesetze voll bewußt sein(Bewegung im Centrum) und sich unter die Macht deS Staate« beugen; nur dann können wir ftiedlich neben einander leben. Nur eine schnelle Strafe bringt genügende Wirkung hervor; bei einem Strike in Magdeburg wurden einige Arbeiter, die ihre Genoffen zur Arbeitseinstellung zwingen wollten, sofort verhastet und binnen 4 Tagen mit 4— 5 Monaten Ge- jängniß bestraft. Derartige Versuche haben sich seitdem nicht wiederholt. Die Strafe hat hauptsächlich die Bedeutung, jedem Einzelnen die Maeht des Staates zu zeigen. Ein gewisse« Ver- hältniß muß allerdings auch zwischen Vergehen und Strafe Herr- schen. Eine Revision des Strafgesetzbuchs kann nicht in jedem Jahre vorgenommen werden; da eine solche aber bald erfolgen muß, wäre es wünschenswerth, wenn zu gleicher Zeit ein Gefängnißgefetz und eine Kriminalprozeßordnung vorgelegt würde. Borläufig können wir nur einen Appell an die Richter ergehen lassen, sieh bei Beurlheilung der Verbrechen besonder«, die gegenwärtig in er- schreckender Weise zunehmen, nicht zu sehr von einer milden Praxi«, sondern mehr vom Geiste de« Strafgesetzbuche« leiten zu lassen.(Lebhafter Beifall.)" Wir wollen allerdings einem LaSker nicht zumuthen, daß er sich auf jenen Standpunkt der Menschlichkeit erhebt, von welchem au« Vergehen und Verbrechen nur als die nothwendigen Folgen der fehlerhasten Organisation der heutigen Gesellschaft erscheinen� Das vermag Bismarcks Carricatur, die ja„aus Opportunität«- gründen" gegen das allgeueeine gleiche Wahlrecht gesprochen und gestimmt hat, entschieden nicht. Indessen führen wir obige Redt nur als einen Ausdruck de« gegenwärtig im„Reiche" sich allgemein breit machenden BarbariSmuS an. Während man eine Menge von Staatsanwälten und Advokaten öffentlich vor Gericht sich beklagen hört, daß die Richter eine zu milde Praxis anwendeten, während der Staatsanwalt Tefsendorf, der sich bei alle» Menschenftcunden einen Übeln Namen erworben» den Polizeipräfi- denken Madai um die Vollmacht angeht, eine Art Belagcrungs- zustand über Berlii» verhängen zu dürfen, vertheidrgt LaSker dieselbe Barbarei im Parlament. Der„Geist de» Strafgesetz- buch«" soll herrschen und als Musterexempel führt LaSker die in Magdeburg verübten Gewaltthaten an. Nun, wir sehen dieser „Entwicklung" einstweilen ruhig zu. Wenn erst der„Geist de« Strafgesetzbuch«" über un« Men so nahe schwebt, wie eS LaSker will, wenn da« Gefängniß mit LaSker'schen Foltern al« letzte» Heilmittel für die Gebrechen der Gesellschaft approbirl wird, dann mögen unsere deutschen Barbaren eS verantworten, wenn da» deussche Volk auch feine Bastille zerstört! — Wir schrieben in letzter Nummer, daß daS allgemeine ah Ire cht dedroht fei. Der' für da« BiSmarck'fchc System un- günstige Ausfall der RejchStagSwahl hat die in den oberen Rc- gionen herrschende Abneigung gegen dieses„demokratische Grund- recht" natürlich nicht vermindert. Der Correspondent der„TemeS", de« bedeutendsten englischen BourgeoiSblatteS, welcher den BlS- märckifchen und RegierungSkreisen nahe steht, so nahe, daß er zu- weilen einen Blick m'S„Allerheiligste" thun darf, schreibt au ge- nannte« Blatt: „Immer mehr greift in der liberalen Partei die Uebeneugung Platz, daß daS allgemeine Stimmrecht nach Art des in Preußen üblichen Wahlsystem« resormirt werden muß. Diese« letztere System reducirt den politischen Einfluß der niederen Volksklassen auf daS Niveau, welches sie in gesellschaftlicher Beziehung ein- nehmen und macht e« doch Jedem möglich, ein Botnm auszuüben, indem e« da« Stimmrecht zwischen den oberen, mittleren und niederen Klassen verlheilt. Diese Ueberzeugung der liberalen Partei wird noch durch die Erwägung gestärkt, daß selbst, wenn e« billig wäre, einer Klasse ein absolute«(y Uebergewicht bei den Wahlen zu verleihen, diejenige Klasse, welche jetzt dieses Privilegium unter der Herrschaft de« allgemeinen und geheimen Stimmrecht« sikn'kßt, am wenigsten befähigt sei, dasselbe auszuüben. Die unteren Volks- Nassen Deutschlands, insbesondere der katholischen Gegenden, sind noch nicht genügend unterrichtet, die Tragweite ihrer politischen Thätigkeit an der Wahlurne richtig zu schätzen und die'�och- wendigkeit einzusehen, ihr Votum ihrer Lage und Stellung im_ Alltagsleben anzupassen. Es ist eine bekannte Thatsache, daß die unteren Volksklassen, obgleich sie den Priestern an die Wahlurne folgen, doch nirgends die geringste Absicht zeigen, dem Belipiele ihrer geistlichen Führer zu folgen und den Gesetzen den Gehorsam zu v-rsagen. Für den Augenblick kann dieser Gegensatz zwischen dem Votum und der Handlnnzsweise der niederen Bolksklassen nur ven Kirchenstceit vergrößern. Die Priester werden durch daS Aa- wachsen der Zrhl der ultramontanen BaltSoertreter ecmuthigt, während Parlament und Regierung, sich stützend auf eine starte liberale Majorität, zu neuen ZwangSmaßcegeln getrieben werden, die nothwendige Folge der Vermehrung der ultramontanen Abzc- ordneten. Die liberale Presse der katholischen Bezirke hat die Priester ernstlich davor gewarnt, daß sie mit zuviel Eifer die Wahl- ordre ihrer Bischöse ausführen, aber Niemand scheint zu erwarten, daß man auf die Warnung hören wird. Man erwartet aber, daß die große Majorität der gebildeten Katholiken für die Liberalen stimmen werde, wie bei den letzten Landtagswahlen in Preußen.* Somit: Klassenwahlsystem! Der„Liberalismus* wird Zweifels- ohne durch Annahme eines Klassenwahlgesetzes auf Befehl Bis- marck'S dem durch Trampeln mit den Kürassierstiefeln Rachdruck gegeben werden wird, beweisen, daß Wiudthorst Recht gehabt hat, als er behauptete, daß der UltramontaniSmuS dem„Fortschritt" voraus sei. ob sie schuldig oder nicht, daß sei daS Wesen und Treiben-der-ArbeitSaachweiSbureau in Leipzig besindea, da» in dieser S.'ilen — Herr Biedermann berichtet schmunzelnd anS Thüringen in seiner„Deutschen Allgemeinen Zeitung": „Die sozialdemokratischen Agitationen haben in den letzten Jahren auch hier und sogar bei der Landbevölkerung so an AuS- dehnung»nd Tiefe gewonnen, daß die Regierungen nicht mehr ruhige Zuschauer bleiben werden. Schon im Laufe dieser Woche wird dem für den 16. Januar einberufenen SonderShausener Landtag ein Gesetz wider denMißbrauch deS VerfammlungS- rechts vorgelegt werden. Die Motive zu demselben sprechen eS offen aus, daß die Agitationen der Sozialdemokraten,„die der bestehenden Ordnung in der menschlichen Gesellschaft und im Staate feindselige Grundsätze" verbreiten, der Regierung die Pflicht auferlegen, den drohenden Gefahren zu begegnen. Der Gesetz- entwurf entspricht dem preußischen Gesetz vom 11. März 1850 wider den Mißbrauch des Vereins- und Versammlungsrechts." Also in die kleinen harmlosen Raubstäätchen soll ein GenSdarmen- und Polizistendonnerwetter hineinschlagen! Daß das Gesetz„dem preußischen Gesetz vom 11. März 1860 entspricht," deutet mit nicht zu unterschätzender Verständlichkeit an, woher die Fußangel« für die Versammlungsfreiheit, die man den Arbeitern legen will, bezogen oder auch vielleicht octrohirt worden sind. Stiebcr in allen Gassen! Im Uebrigen wird ein solches Gesetz die Sachlage nicht viel ändern. Wurde doch auch der Congreß der sozialdemokrati- scheu Arbeiterpartei zu Eise nach im August vorigen Jahres, trotzdem im Großherzogthum Weimar kein Vereins- und Ber- sammlungsgesetz existirt, auf auswärtige Reklamation durch zwei Mann Polizei überwacht! — DaS Organ der Pariser Polizei, daS„Journal de Paris", ärgert sich darüber, daß die Straßburger Arbeiter Bebel als Candidaten für den Reichstag aufgestellt haben.„Wie", ruft dies edle Blatt auS,„die französischen Arbeiter von Straßburz hätten in ihrer Mitte keinen Sozialisten gefunden, der sie auf den Bänken des deutschen Parlamentes vertreten könnte! Sie hätten die Can- didatur dem Preußen(prussiou) Bebel antragen müssen! Das ist eine Infamie, das ist die traurige Frucht der Lehren der Internationale. Wo diese Gesellschaft gewaltet hat, da giebt eS kein VaterlandSgefühl mehr." Wie ein Polizeiorgau bedauern kann, daß sich in Straß- bürg kein für den Reichstag passender Sozialist befindet, ist «nS unerfindlich. Wenn aber, wie ein Berliner„Sauhirt" ver- sichert, die Herren„Denker" im deutschen Reiche glauben, Bebel fühle sich durch den Ausdruck„Preuße" gekränkt, so befinden sie sich im Jrrthum. Bebel sind die Phrasen der Pariser Polizei- spitzet gerade so gleichgiltig, wie die Albernheittn der Berliner „Sauhirten". Er könnte höchsten» Vergleicht darüber anstellen, ob die Berliner oder die Pariser Presse am„verkommensten" ist. Gewerksgenossenschaftliches. Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter-Gewerksgenossen schast. Die Adresse des derzeitigen(2.) Vorsitzenden ist Aug. Fr. C ol- ditz, Tuchmacher, Fabrikftraße 612 in Crimmitschau. Correjpondenzen. Leipzig. In unserer letzten Nummer war fälschlich angegeben, daß der Stadtrath von Taucha Birnbaum'sche Stimmzettel mit seinem amtlichen Stemprl versehen hätte. Es wurden nur weiße Zettel ausgegeben, die den Stempel des Stadraths trugen, auf welche aber der Name des Candidaten noch zu schreiben war. Von diesen Zetteln hieß es, sie seien die allein giltigen. /uuzena«. Montag, den 6. Januar luden die hiesigen Na- tionalliberalen durch Karten ihre Befteundeten zu einer Wahlver- sammlung ein, welche natürlich im Geheimen tagen sollte. Aber die verruchten Sozialdemokraten hatten eS erfahren, und waren zahlreicher erschienen, als jene selbst. Herr Lindig, Prokurist der hiesigen mechanisch!» Weberei, brachte etwas zu Tage, was eine Ansprach« heißen sollte, in welcher er sagte, daß unter gewissen Umständen eine Partei einen Pflock zurückstecken müsse und so hätten sie sich mit den Conservativen vereinigt zur Aufstellung eines ReichStagScandidaten, und sei ihre Wahl auf den Amtshaupt- mann von Könneritz in Chemnitz gefallen, daß alle Wähler nur für diesen zu stimmen hätten und alle Stimmzettel, welche einen anderen Namen trügen, ungiltig seien. Er nannte die vereinigten Parteien die Ordnungspartei, während er eine andere Partei, welche sich geltend zu machen suchte, die Umsturzpartei nannte. Parteigenosse Hupfer legte klar, daß, wenn bloS für einen Candidaten gestimmt werden sollte, man nur für den Candidaten Wilh. Fink in Leipzig zu stimmen habe, da derselbe bereits feit Wochen öffentlich aufgestellt sei; daß wir nickt nöthig hätten, in geheimer Versammlung zu tagen, sondern unsre Angelegenheiten in öffentlichen Volksversammlungen besprächen und er verlangte zu wissen, waS Herr Lindig unter der Umstarzpartei verstehe. Herr Lindig wußte sich nicht anders aus dieser Schlinge zu ziehen, als daß im„Braunschweiger Volksfreund" von Seiten der deutschen Sozialdemokratie bedauert worden sei, daß die Commune von Paris den ihnen in die Hände gefallenen Gegnern nicht die Köpfe abgeschnitten. Hupfer erwiderte, daß allerdings kein einziger Mord- fall von Seiten der Commune vorliege, daß aber, nachdem dieselbe gestürzt war und die sogenannte Ordnungspartei ans Ruder kam, die Menschenschlächterei begonnen habe, daß Hunderte von Weibern, Kindern und Greisen hingeschlachtet wurden, ohne zu untersuchen, OcdnunzSpartei. Herr Lind ig mit seinem Anhang hatten nichts Eiligeres zu thun, als das Weite zu suchen, währenddem ihnen Hapfer noch in die Ohren raunte, daß die Sozialdemokratie, wenn auch mit schweren Kämpfen, doch noch zum Sieze gelaazen wird. So endigte diese Versammlung zu unserem Vortheil. 8. Wenig. Der Tag de» 9. Januar« war für die Sozialdemo- kcatie ein Pstnzsttaz: eS wurden der Seelen viele zum Eoanzelium der sozialen Lehre bekehret; der Tag war-in AufirftehullzStaz: auS der Verworrenheit der Gefühle und Empfindunzen trat bei vielen Männern das Wissen von der Rechtmäßigkeit und Roth- wendigkeit der Sozialdemokratie hervor, llm 9 Uhr Abend» riefen sich die wackera Streiter Penig» für Befreiung de» Proletariat« Sieg! Sieg! zu. Geschlagen, lämmeclich geschlagen, zerstoben die Herren der National-Liberalität! Die niederschmetternde Logik in den Ueberwcisungen FinkS von der Erbärmlichkeit der national- liberalen Partei bereitete derselben ein Grausen. Unser Fink hatte schon einmal seine Stimme in Penig schlagen lassen. Die Zuhörerschaft war damals nicht so stark. Trotzdem fürchteten die Nationalliberalen bei der Wahl eine Niederlage, da auch die Conservativen einen eigenen ReichStagScandidaten auf- stellten: Könneritz auS Chemnitz; sie erwählten also zu ihrem Candidaten Siegel, Advokat:c. oc. Kein Sozialdemokrat wußte etwas von einer von den Nationalliberalen beabsichtigten Wahl- Versammlung. Unser Fink nahm am 9. gegen Abend seine» Flug auS Leipzig nach Rochlitz; dort wollte er mit Könneritz in einer Wahlversammlung ein Wörtlein reden! In NarZdorf erfuhr er, daß auch in unserem Penig Wahlversammlung sein sollte. Schnell ist die Reiseroute geändert! Bald sind die Arbeiter verständigt; ein Händedruck, ein Blick, ein Wort, man weiß seine Schuldigkeit. Und die Versammlung beginnt. Die Räume sind gefüllt. Man steht alle Parteien. Auf allen Gesichtern ist Erregung zu lesen, Bestürzung auf denen der N»tionalliberalen ob unser» Dasein», freudige Zuversicht auf den unsrigen. Der„Einberufer der Ver- sammlung", wie sich der Herr Häberlein von hier nannte, bestieg die Rednerbühne. Dieser Häberlein ist ein sogenannter„Maikäfer", nahm auch Waldheim längere Zeit als sein Domicil. Jetzt ist er ein wüthendcr Soziallstenfcesser— au» Unwissenheit; denn er kennt alles andere mehr als da« Wesen der Sozialdemokratie. Häberlein betonte, daß die Liberalen, sollte heißen Nationallibe- ralen, die Versammlung veranstaltet und da» und da» und da? beschlossen hätten; wer nach ihrem aufgestellten Candidaten Siegel sprechen wollte, hätte 16 Miniten Zeit. Da unterbrach ihn Börner aus Wechselburg, ein wackerer Kämpe für unsere Joeen, der denselben große Opfer gebracht hat; er verlangte Bureauwahl. Häberlein, ein Ignorant in dem Reichswahlgesetz, wollte Börner zum Schweigen bringen. Der Kampf zwischen beiden Männern dauerte gegen eine viertel Stunde. Die Sozialdemokraten bekamen Vertrauen, schloffen sich an einander an; die Stimmung der Nationalliberalcn, die daS unverständige Vorgehen Häbecleins in ihrem eignen Interesse nicht billigen konnten, war eine gedrückte. Fink und Siegel, die zwei Gegner, sprachen, um den Streit zu schlichten. Siegel schlaumeierte, er appellirte an da» gute Herz, an die„Gastfreundschaft" der Peniger, die ihn, den„Gast", doch ein paar Worte ruhig aussprechen lassen sollten, warum wolle mau denn erst so viel Zeit mit der Wahl eines Vorstehers-c. verlieren und so fort. Aber Siegel verrechnete sich. Wie eine geschlossene Phalanx hielten wir zusammen:„eS wird nachdem Gesetz vorge- gangen, es wird ein Vorsitzender gewählt!" Und Freund Börner auS Wichselburg ward Vorsttzender. Großer Gott! Die Gesichter der Nationalliberalen! Man denke sich aber auch: sie berufen die Versammlung ein, und die Sozialdemokraten, gegen die die Ver- sammlung gerichtet sein soll, bekommen in ihr das Heft in die Hände. Siegel sprach; was er sprach war Kohl! selbst seine Anhänger waren nicht mit ihm zufrieden(er hat in Penig nur 27 Stimmen erhalten). Jetzt ließ auch Fink sich hören. Ja, da ging einem das Herz auf; das war der richtige„Reitzuschlaz" auS voller Kehle. Er nahm die Nationalliberalen in die Arbeit und gerbte sie denn auch vorzüglich, meisterhaft moralisch durch; an dem Felle der Nationalliberalen blieb auch nicht ein einzige«„gutes* Haar. Siegel wimmerte nachher etwas von der Mildthätigkeit der Nationalliberalen gegen die Arbeiter; alle Errungenschaften der Arbeiter seien ein Geschenk der Nationalliberalen. Fink verwies .ihm solche Impertinenz und Entstellung der Thaffachen so kräftig, daß eS dem Siegel, wie eS schien, kalt über den Rücken gelaufen sein muß, denn er zog schnell seinen Schafpelz an. Ich dachte dabei an die Wölfe, die in Schafpelzen andere Menschen bethören. Fink hat unserer Sache viele Herzen erobert! Die Niederlage der Nationalliberalen war schmählig. Fink Erhielt des andern Tages über 440 Stimmen. DaS ist für Penig schon viel, denn der Boden war früher noch nicht recht bearbeitet worden. Wir wünschen bloS, die Weisen unsers Fink recht jbald wieder ertönen zu hören. Wir aber sind inne geworden, waS eS heißt: Seid einig! Wir werden stets daran denken, durch Einigkeit wird uns Alles werden! Die Parteigenossen. Pwicka«. WaS die Verhältnisse der Schneider am hiesigen Orte anbetrifft, so find dieselben im Allgemeinen sehr schlechte zu nennen. Die Ursache mag wohl darin zu suchen sein, daß sich erst im März vergangenen Jahres eine Mitglicvschaft der sozial- demokratischen Partei hier gebildet hat, und souach alle Aufklärung rhlte. DaS Spießbürgerthum dagegen hatte recht freien Spiel- räum. Auch bis jetzt übt die Partei noch keinen sonderlichen Einfluß auS auf die Bevölkerung im Großen und Ganzen. D:r Schneiderverein datirt auch erst vom 1. November,«. I. und so ehlte auch hier die Agitatton. Wenn wir mit allen Kräften jetzt gemeinschaftlich arbeiten, kann es uns nicht fehlen, einen Einfluß auf die hiesige Bevölkerung auszuüben. Der Verein zählt gegen- wärtig ca. 33 zahlende Mitglieder, welche, wie die Liste nachweist, nach und nach eingetreten sind. Das Lohnverhältniß zerfallt un- gefähr in folgende drei Klassen. Erste Klasse: Für schwarze Arbeit 3 Thlr. 26 Ngr. bis 4 Thlr.; Stoffarbeit 3 Thlr. 10 Ngr. bis 3 Thlr. 16 Ngr.; Hosen und W:sten 26—27 Ngr. auch 1 Thlr. Zweite Klasse: Für schwarze Arbeit 3 Thlr. bi« 3 Thlr. 10 Ngr.; Stoffarbeit 2 Thlr., 2 Thlr. 10 Ngr. bis 2 Thlr. 26 Ngr.; Hosen und Westen 17'/-— 22'/- Ngr. Dritte Klasse: Für schwarze Arbeit 2 Thlr. bis 2 Thlr. 16 Ngr.; Stoffarbeit 1 Ihlr., schreibe einen Thaler, 16—20 Ngr.; Hosen und Westen 12'/-— 13 Ngr. Mit solch einem Hunzerlohn muß der Arbeiter hier zufrieden sein. Aber warum thut ihr nichts, um eure Lage zu verbessern, könnte man uns entgegenhalten. Ja, wenn die Konkurrenz unter den Arbeitern selber nicht bestünde und wenn wir namentlich organisirt wären, dann ließe sich schon etwas machen. So lange das aber nicht ist, werden wir die willenlosen Opfer der bestehenden Ver- hältnisse bleiben. Es ist Thatsache, daß einzelne Arbeitgeber häufig nach Leipzig reisen, um Arbeiter zu engagiren. Dort machen sie den Arbeitern weiß, sie zahlten die Leipziger Preise und die Lebens- beditrfnisse sseien auch billiger als in Leipzig. Es soll sich ein fäugerei sehr gute Gsschäfte mrchen soll. Nrtüelich haben die Arbeitgeber den Arbeitern etwa» vorgemacht, und wir könnien wsh an zehn Collegen»'naen. die, bitter enttäuscht, Z vickau sofort wieder verließen. Der Preis der LebenSbedürfaiss: nsrmirt sich folgendermaßen: DaS Pfund Rindflnch kostet 7 Gr. 6 Pf., Schweinefleisch 3 Gr.» Kalbfleisch 6 Gr., das Pfund Bcod 1 Gr. 5 Pf., daZ Pfund Butter 16 Gr., der Scheffel Kartoffeln 2 Thlr., das halbe Liter Lagerbier 17 Pf., das Einfache 9 Pf., der Scheffel Kehlen 20 Gr. Die Mihlzeit McktazSessen 3 Gr. 6 Pf., welche» aber kaum zu genießen ist, dann 6— Z Gr. und da ist nicht viel dazu. Und obendrein haben die Bäcker ihre Waaren wiederum um ei» Bedeutendes vectheuert, ohne dabei der Gesellen zu ge- denken. Auch der MiethSzinS ist gestiegea, bei ming-lnden und schlichten Wohnungen. Ist e» da mö stich zu bestehen bei einem DucchschnittSoerdienst von 3 Tylr. bis 3 Thlr. 10 Gr.? Aber was braucht der Arbeiter zu leben, eS genügt, wenn er arbeitet, arbeitet, so lange bis er zu Grunde geht. Da» Leben, da? gute Leben ist Sache der Besitzenden, diese werden den Ertrag unserer Arbeit schon zu verwenden wissen. Sie haben ja Kinder, die eine „anständige" Erziehung erhalten müssen. Und wozu ist der Wein, das Wild und Geflügel da, doch nur, damit der Besitzende nicht zu kurz komme. Wir haben auch Kmder. doch die können in die Acmenschulc gehen, dort wird ihnen da» für die Unterdrückten und Armen bestimmte Maaß von Bckdunz eingetrichtert und dort lernen sie auch nicht denken. Der Arm: darf nichts wissen, darf nicht denken, das könnte den Besitzenden gefährlich werden. Das, College«, sind die Verhältnisse, in denen wir un» be- finden, und sie werden sich nicht eher günstiger gestalten, so laag« wir vereinzelt gegen sie ankämpfen. Darum auf, Collegen, bildet allerort« GewerkSgeaoffensch ästen, denn vereinzelt sind wir nicht», vereinigt alle».„Wir haben nicht» zu vecliereu als uns« Ketten, aber eine Welt z» gewinnen." Noch EmS: Leset all: den„BolkSstrat"; er darf in keiner Werkstatt fehlen. Wenn der Arbeiter eine Pflicht zu erfüllen hat, so ist es die, daß er die Organe lese, die mit aller Eutschiedenheit eintreten für sein Wohl und Wehe. Mck Brudergruß und Handschlag Die Schneivergehilfen zu Z vickau. Friedrich Heerklotz, z. Z. Beoollmächtigter. Limbach, 15. Januar. Die Wahlschlacht ist b-euv-t uno hat unsere Kcaftanstrengung auch den Erfolg de» Sieges zu verzeichnen. Unser Candidat Julius Vahlteich erhielt im Ganzen 7179 Stim- men, wogegen Dr. Gensel mit 6744 Stimmen in der Minorität blieb. Di- beiden angeführten Zahlen bewüsen, mit wstchec Energie unv Kraftaufwand von beiden Seiten gekämpft worven ist. Bei der ReichStagswahl im Jahre 1367 waren im Ganzen ca. 6600 Stimmen abgegeben, wohingegen es bei der RnchStagSwahl 1371 bei drei Candidaten auf 9731 Stimmen gebracht wurde unv dies- mal sind auf zwei Candidaten sogar 13,923 Stimmm abgegeben worden. Wie anderwärt« so auch hier gab man sich alle erdenk- liche Mühe, uns den in Aussicht stehenden Sieg zu vereiteln. Er- wähnt zu werden verdient, daß die Anhänger des Herrn Gensel stets nur Wihlversammlunzen hinter verschlossenen Thücea, d. h. unter Ausschluß der Arbeiter, abhielten. Vom Comitö beauftragt,' � ging Unterzeichneter zu den drei Wahlvorstehern de« hiesizen OrteS, um zu ermöglichen, daß vom Arbeiter-Wahlcomitö 1, bez. 2 Mann, n zum Wahlausschuß zugezogen werden möchten. Bei den Herren* Matth-S und Ackermann wurde mir auch zuvorkommend Zusage* gethan, wohingegen Herr L. Lobet als Wahlvorsteher sagte: Rein, ich habe die betreffenden AuSschußpersonen schon ernannt, da hätten G; Sie müssen eher kommen(es war 6. Jan.). Nach längerer AuS«» einandersetzung entließ er mich mich dem Bemerken, er werde sich'» � � überlegen. Er hat aber Niemand von uns zugezogen. Daß trotz- � 1C dem daS betr. Wahllokal von uns besetzt wurde, ist natürlich.— f Bis zum letzten Augenblicke gaben die Gegner die Hoffnung noch nicht'auf, uns geschlagen zu sehen, eS dauert- aber nicht lange, S wältigen Resultate an unS eingingen, wurden wir fff 'A w< e ab fbt P- w> 40 de, nachdem die auswärtigen zu der Hoffnung des SiegeS berechtigt. Je mehr bei un» die Siegesgewißheit stieg, desto niederzeschlazeuer wurden die Gegner, welche auch die Resultate auf telegraphischem Wege sich verschafft� hatten. Da nun der Sieg auf unserer Seite, so hat man auch'n nicht derartigen Lärm gemacht, als wie es geschehen fein würde, � wenn wir unterlagen. Man suchte durch Todtschweigea der Re« sultate von Seite der Gegner sich den Anschein zu geben, al» wen«"I man nicht wüßte, auf welcher Seite der Sieg sei. DaS Ergebniß der Wahl veranlaßt mich, an alle Arbeiter die Mahnung zu richten, daß fle nicht glauben dürfen, damit fei nu» Alles gethan, eS muß vielmehr Jeder, welcher mit uns einver- standen, sich der sozialdemokratischen Arbeiterpartei anschließen unv die Arbeiterblätter, ganz besonder» dem in Leipzig{erscheinenden „BolkSstaat" in jeder Hütte und in jeder Werkstatt Eingang zu verschaffen suchen, denn nur dadurch, daß wir Alle für Einen und Einer für Alle einstehen, können wir früher zum Ziele gelangen. An die Parteigenossen, bez. Comitö's des 16. sächs. Wahlkreise» richte ich schließlich die Aufforderung, recht bald etwaige Ansprüche an daS Central-Wahlcomitö, sowie auch noch verfügbare Geld»«.. zur Deckung der Kosten an den Unterzeichneten gelangen zu lassen, damit schnellstens ein- summarische Zasammenstellunz bez. Abrech- rechnang erfolgen kann. Mit sozialdemokratischem Gruß Carl Schumann. Dresden, 26. Dezember. An alle Töpfer Deutschland», Oestreich» und der Schweiz. In Erwägung, daß wir strikende Töpfer Dresden» Alles aufgeboten haben, um ein Normal-Ber- hältniß zwischen Arbeitzeber und Arbeitnehmer durch volle zwölf Cr Wochen herbeizuführen, waS der beifolgende Brief der Arbeitgebers beweist, indem wir denselben sofort durch Neuwahl deS Comitö»,!� jiit welchem die Arbeitgeber verhandeln wollten, nachgekommen 7?' sind, so haben die Arbeitgeber uns dennoch als Kinder betrachtet;!.. trotzdem daß da» neugewähltc Comitö zweimal de« Vorstand derS� Arbeitzeber interpellirt hatte, wegen der Verhandlungen und e» die Herrn binnen vier Wochen nicht im Stande waren, wa» wieder der Brief bezeugt, so sehen wir un» veranlaßt, durch Zeitverhalt« nisse gedrängt, unseren Strike zu vertagen und nächste» Jahr wieder aufzunehmen, um allen Collegen, welch: unsere gerechte Sache mit so großer Aufopferung unterstützt haben, gerecht zu werden. Wir bitten aber dringend, jeden Zuzug von hier fern zu halten, damit der ArbeitSmarkt geschwächt bis zu unserem Siege bleibt. Abrechnung folgt bald. Gleichzeitig erlauben wir uns anzuzeigen, daß unser Nacht« quartier für Fremde, sowie unentgeltlicher Arbeitsnachweis ia„. Dresden sich große Brüdergasse 12, in M-iß-n L-ipzigerstr. 161�? bei Herrn Ran befindet. Das Comitö. F. Schmeißer, Vorsitzender. J" DaS an das Comitö der Töpfergehilfen gerichtete Schreibe»�" der Arbeitgeber lautet: L � „Ihre Zuschrift vom 10. November haben wir nicht mehs" i erwartet, nachdem der Vorstand unseres Verein» von Ende l", Hell lal on h\ >tc sie: «Ii tembtr d. 3. so entschied«» abgewiesen und der Beginn deS StriteJ öffentlich angezeigt worden ist. Sie werden nun nicht in Abrede stellen können, daß durch die erlaffcne Publikation eine Situation geschaffen worden ist, die eS unserem Berein nachgerade unmöglich macht, mit dem derzeitigen Comitö der Gehilfen irgend welche Unterhandlungen anknüpfen zu können. Trotz alledem beschloß die Haupwersammluug vom 18. d. M. einstimmig Ihnen zu erklären: daß wir gern bereit seien, denjenigen Gehilfe", welche den Strike für beendet und die Mißverhältnisse einiger Sätze deS seither in Giltigkeit gewesenen und auf Gleichberechtigung geschaffenen Lohntarifs abgeändert zu sehen wünschen, die Hand zu bieten, um da- durch ein beiderseitig befriedigendes Verhältniß zn schaffen, indem wir gesonnen sind, sofort eine Commission zu ernennen, die mit einer dergl. au» Ihrer Mitte gemeinsam jene Aufgabe zur AuS- führuug zu bringen hat. Jedoch unter folgenden Bedingungen: 1) Daß die Gehilfen-Commission nur au» solchen Mitgliedern besteht, welche dem jetzigen Strike-Comitö nicht angehören. 2) Daß der Strike Ihrerseits sofort öffentlich in allen Blättern, in welchen die Publikation erfolgt ist, für beendet erklärt wird und die uns bedrohlichen Ausrufe um Unterstützung der strikenden Töpfcrgehilfen für Deutschland zc. widerrufen werden. 3) Daß die neuzewählte Gehilsen-Commission autorisirt wird, mit den Arbeitgebern eine Garantiebasis zu schaffen, die eS fernerhin unmöglich macht, Ge- Hilfen, die mit Vorschüssen durchbrennen und solche, die den Ar- beitgebern und daS Publikum durch notorisch unverantwortlich schlechte und leichtfertige Arbeit in Schaden bringen, zum Schaden- ersatz verbindlich zu machen, oder aus legalem Wege zu verfolgen. Wir hoffen, daß Sie das, was Sie in Ihrem werthen Schreiben vom 10. d. M. anstreben, mit ernstem Willen verfolgen, um da- durch da» alte freundliche auf Humanität gegründete Verhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder dauerhast herzu- stellen. Wir hoffen ferner noch, daß Sie unsere zwar ernste aber gut gemeinte Propofltionen mit gleichem Ernste prüfen und würdigen und so dem unhaltbaren gespannten Verhältnisse ein Ende machen, in welchem Sinne wir Ihre öffentlich zu thuenden Schritte erwarten und solchen entgegenseh-n. Der Verein der Arbeitgeber und Thonwaaren-Brauche in Dresden und Umgegend. Friedr. Eisenach, d. Z. Sitrifts. I. Müller, d. Z. Vors.» Nerlin, 14. Januar. Während in der Provinz fast überall der Wahlkampf unter lebhafter Bcthciligung aller Wahlberechtigten vor sich ging, verlief in der„Kaiserstadt de» Reichs der Gottes- furcht und stammen Sitte" dieser bedeutungsvolle Tag, Dank einer Überwiegenden Klatsch- und Geträtsch-Presse, beinahe unbeachtet. Nur die rege Agitation der Sozialdemokratie zwang die inter- esstrtcn Kreise(Fortschrittler) zu einigen Lebensäußerungen hinter verschlossenen Thüren. Da wurde denn auch kräftig der Unter- schied zwischen Fortschritt und Nationblliberalismus klargelegte Allerdings» es that Roth, besteht doch der Wahlaustuf der Fort- schrittSpartei nur aus der Aufforderung:„Wählt feste liberale Männer"(DaS„feste" gehört zu„Wählt", da sonst sinnlos.), und der Warnung:„Wählt keine Konservativen, keine Ultramontanen, keine Sozialdemokraten". Sonst keine Silbe von den einstigen Phrasen, so daß der Aufruf auch für die nationalliberale Partei zu verwenden war, auch z. B. im Kreise Teltow verwendet worden ist. Spaßhaft ist auch folgendes Flugblatt, welches Abends vor der Wahl im 3. Berliner Wahlkreise vertheilt wurde. Der einzige Kandidat der nationalliberalen Partei für den 3. Wahlkreis ist: Freiherr von Haverbeck auf Nikolsburg. Doch was thut das, war doch in Frankfurt a. M. LaSker der einzige Kandidat der Fortschrittspartei! Bergleiche man nun mit oiefcr Thatsache die heuchlerische Entrüstung der Volkszeitung, als die Nationalliberalen im ersten Berliner Wahlkreis einen der ihrigen, Ehrenpräsident Simson„einschmuggeln" wollten. Die große Anzahl der Wahl- lokale(ca. 400) und der Umstand, daß der Wahltag ein Werktag war, zwang uns, unsere Thätigkeit auf zwei Wahlkreise, den 4. uud 6. zu beschränken. Dem arerkennenswerthen Bemühen unserer Gesinnungsgenossen, welche durchweg ohne Unterbrechung 8 Stunden die betreffenden Lokale besetzt hielten, gelang eS, in beiden Kreisen ca. 1500 Stimmen für unfern Kandidaten zu erzielen, ein Re- sultat, das nicht unbedeutend ist, wenn man bedenkt, daß uns in Berlin an einer erfolgreichen Agitation zwei große Gegner, erstens � eine zahlreiche durchaus conumpirte Presse und der Mangel eines eigenen Lokalblattes, zweitens die fortgesetzten Sprengungen seitens der Hasenklev:r'schen Partei verhindern. WaS die letztere anbelangt, so hatte dieselbe eine musterhafte in«'�iahlorganisation in Szene gesetzt. Für sämmtliche Wahlkreise £rt,'waren CentralbüreauS eingerichtet. Diese wieder in BezirkScolonnen ajf getheilt, so daß eine stete Correspondenz unterhalten werden konnte. >e» �hr«d der Wahlzeit wanderten Patrouillen von Lokal zu Lokal ablösend und revidirend. Der Erfolg war dementsprechend. Am .x,v �deutend sten im 6. Wahlkreis, wo zum Entsetzen der liberalen en. P�tei eine Stichwahl zwischen Schulze und Hasenklever stattfinden se» �uß. Es erhielten hier Stimmen: Sibulze-Delitzsch(fortschrittlich) ��4028, Hasenklever(Lasialleaner) 2523, Joh. Iacoby(Sozial- z��nnokrai) 838, Ed. Krämer(„deutscher freier" Mann) 506, geist- eu, Rath Müller(klerikal) 183, Moltke(konservativ) 168, zcr � splittert und ungültig 39— 8035. Absolute Majorität 4468.— Wir werden uns zur Stichwahl vorläufig passiv verhalten, da wir Schulze unsere Stimme nicht geben können, Herrn Hasenklever z�ber nicht unbedingt geben wollen. Liegt demselben aber daran lve�ire Stimmen zu erhalten, nun so ist das Mindeste, daß er -r-jW in seinem Orggn als Sozialdemokraten anerkennt und uus ijffPJr die Dauer seines Präsidiums vor ferneren Störungen unserer zxr �leiversammlungen seitens seiner Anhänger garantirt. Doch daS Ä»,jP persönliche Ansicht des Schreibers dieser Zeilen und erst eine geschlossene Mitgliederversammlung zu ergänzen. Ist et-ks doch schwer zu glauben, daß man jenerscit» auf die bekannten en �ch�rze, wie Eindringen in geschlossene Versammlungen, eS�°rherbesetzeu de» gemietheten Lokals, Verhauen Einzelner vcr- verdien wird. Da erscheint z. B. zur Wahl ein fliegendes Witz- tt'lL 1: rothc Laterne"(Laterne, wie Rochefort fein geist- chrfiiJ�ndeS Organ nannte, genügt nicht, es muß die„rothe" sein). httn 5--anonyme Mitarbeiter" figuriren in geistreicher Zusammen- «irllung: der Musterknabe Max Hirsch und der Unfehlbare, Joseph 'rrtiw.ilöhpten und Wilh. Bracke in Braunschweig, Quistorp und eg«U�ülssade»-Karl k. ic. Warum, fragte ich mich, gerade W. Wracke herausgegriffen? Ersteut sich doch sonst eher Liebknecht der ht�eundschast jener Herren! In diesem„Witzblatt" fällt noch fol- iak°"de Stelle auf:„Den Eisenacher Ehrlichen juckt das Fell! Sie Sir.'�n sich dadurch zu helfen, daß sie in ihrem Austuf Hasenklever . j'd die Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins l.toahen) hoffend, daß man ihnen dafür den Buckel striegeln jeStz)• Den Leuten kann geholfen werden. Anw. des Setzers." as Nngt nicht gerade aussichtsvoll und versöhnungslustig. Wie �fahren habe, befindet sich Herr Gustav Lyser jetzt iu Berlin cf?at sich beim Allgemeinen deutschen Arbeiterverein zum Eiu- t c tr e r t tf t e d a t at n. r- äl se ei >0 '1 S- en ck- r- fet h- zt- -s, l«, en ig- in, :ea rS- 'ft3 och ge. orr die -er, T de, fte die tritt gemeldet. Run, vielleicht ist Herrn Hasselmann em Licht über die Verwendbarkeit des H.'rrn aufgegangen. Wie heißt eS doch in dem Volkslied! Ja der„Laterne" brennt daS Licht, TheureS Liebchen k. eb Aerli». 14. Januar. In der heutigen Nummer 11 der„Volks- zeitunz" finden wir im Feuilleton einen nicht uninteressanten Ar tikel der„TimeS" über die„Krönung des KönizS von Siam" An der Krönung selbst findet man nichts sonderlich bemerkens wertheS, sie bleibt sich wohl überall gleich, denn selbst die bewußten 101 Kanonenschüsse haben dort nicht gefehlt. Aber etwas anderes erscheint beachtenSwerth und das ist eine Proklamation, welche der neuzekrönte König erlassen hat, in der er das Kriechen und Nieder- werfen vor Höhergestellten für abgeschafft erklärt. ES herrschte nämlich in Siam der Gebrauch, daß selbst die vornehmsten Edel- leutc nur auf ihren Knieen dem Könige nahen dürfen, wobei sie noch die Hände gefaltet halten müssen; ebenso muß jeder Edel- manu vor einem im Ranze höher Stehenden sich gcberven. Ja der Proklamation erklärt nun der König, daß er durchaus über- zeugt sei, kein Land könne gedeihen, wo solcher Knechtsinn und Menschenanbetung existire, und erwünschte die Menschen mehr auf gleichem Fuße zu sehen, so daß der ärmste Unterthan im Reiche die Sicherheit haben sollte, gleiches Recht wie der Reiche zu genießen!— Ein Land könne nicht gedeihen, wo solcher Kuechtstnn und Menschenanbetung herrsche! Um wieviel 100 Prozent aufgeklärter, kann man da wol stagcn, ist dieser siamesische König vor einem nationalservilen Professor des preußisch-deutschen Denkervolkes, der die Unterweisung im Knechtstnn und in KönizSanbetung als seine Hauptaufgabe, und als eine Lebensbedingung überhaupt, betrachtet. Wie wird sich dieser König wundern, wenn er auf seiner Reise durch Europa auch nach dem Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte kommen sollte und hier, im sogenannten„Culturstaate", Eunuchen findet,„Nationalliberale" benamset, welche da» was er in seinem als barbarisch verschrienen Staate abgeschafft, in ihrer Hundedemuth zu kultiviren bemüht sind! Und nun gar gleiches Recht der Armen mit den Rächen! Wie werden sich da die Na- tional-Servilen an die Brust schlagen und ihrem Herrgott danken, daß er sie in einem civilisirten Staate hat geboren werden lassen und nicht in einem solch' barbarischen wie dieses Siam, in welchem selbst der König die Vorbereitung zu Hochoerrath protezirt. Da sind die deutschen Majestäten doch ganz andere Leute!— Hlowaweß, 14. Januar. Ich begab mich am Sonnabend zur Wahl; nachdem ich gewählt hatte, entfernte ich mich wieder, jedoch nach einiger Zeit begab ich mich wieder nach dem Wahllokal, um diesen Akt eine Weile mit anzusehen. Kaum hätte ich mich in eine Ecke des Sophas, auf dem sich schon ein Herr befand, gesetzt, als ich vom Wahltisch her gefragt wurde, waS ich wolle, ich antwor tete, daß ich hier bleiben wolle, da es ja dem Wähler freistehe, dem Wahlakt beizuwohnen, die Wahlhandlung öffentlich sei u. s.w. Darauf wurde mir geantwortet, daS ginge mich gar nichts an, und ich solle nur machen, daß ich hinauskomme. Da ich mich ganz ruhig verhalten hatte, überhaupt in keiner Beziehung den Herren Veranlassung gegeben, gegen mich in dieser Weise zu verfahren, griff ich in die Tasche und machte die Herren ans die beiden Para- graphen 9 und 13 deS Reglements deS Reichswahlgesetzes auf- merksam. Aber man antwortete, sie wüßten schon, waS darin stände, ich hätte ihnen gar nichts zu sagen, und ich solle mich entfernen. Daß ich mich nicht in einen Wortwechsel mit den Herren einlassen konnte, verstand sich von selbst, und ich antwortete daher noch, daß, wenn sie(die Herren) wirklich glaubten, im Rechte zu sein, waS ich aber nicht glaube, so wolle ich doch das Lokal verlassen, aber mit Pro- teft, und daS Nähere würde sich finden. Darauf erfolgte abermals Widerspruch mit der Bemerkung,„waS meinen Sie denn, wenn nun alle Wähler hier bleiben wollten." Ich konnte den Herren hierauf weiter keine Antwort geben, als daß ich dafür nicht könne, daß nicht alle Wähler hier wären, aber ich. ein Wähler, sei nun gerade hier. ES erfolgte nun weder vom Wahltisch, noch von mir ein Wort mehr, und nach vielleicht einer halben Biertelstunde ver- ließ ich das Lokal. Was nun kam, davon hatte ich mir aber kein Wort träumen lassen. Ich begab mich nach einiger Zeit mit einem Bekannten wieder nach dem Wahllokal, in dem Glauben, da man mich in den letzten Minuten unbehelligt gelassen, sei AlleS in Ord- nung. Aber der Mensch denkt und die Polizei steckte mich heraus. Kaum befand ich mich wieder allein drin, als der Wahlvorsteher und der Polizei- CommissariuS auf mich zukamen mit den barschen Worten: wollen Sie nun machen, daß Sie hinauskommen? und ehe ich nur einige Worte zu meiner Rechtfertigung hervorbringen konnte und mich zur Thür wendete, hatte schon einer der beiden letzteren Herren letztere geöffnet, und ich wurde noch von dem Polizei- Eommissair waS man so nennt hinausgeschoben. Soweit dieses. Jedoch die Hauptfache kommt erst. Um 6 Uhr begab sich eine Anzahl Wähler(ich unter ihnen) nach dem Wahllokal, um das Resultat zu hören. Wie wir an die Thüre kommen, ist dieselbe von innen verschlossen, und wir hören nur, wie drinnen Namen verlesen werden. ES wurde zwar geöffnet, und die anwesenden Wähler auch gefragt, ob sie das Resultat hören wollten, wa» auch verlangt wurde. Schließlich theile ich noch mit, daß sich wieder Niemand als die zur Wahlhandlung gehörenden Herren und der Herr Polizei-Commissar im Lokal befanden. Jeder denkende Mensch mag sich nun ein Urtheil über diese Art von steien und öffentlichen Wahlen bilden; ich denke mir das beste. Mit sozialdemokratischem Gruß Wilhelm Reinheekel, Kreuzstraße 5, Mitglied der Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter. Wührhause«, 14. Januar. Erst heute können wir das Resultat der Wahl bekannt geben, da'man uns verbot, bei der Stimm- auSzählung zugegen zu sein. Unser Kandidat erhielt 193 Stimmen, gewiß eine sehr geringe Zahl wenn man aber erwägt, daß hier nur eine Volksversammlung abgehalten wurde, so ist diese« Er- gebniß doch nicht so ganz schlecht. Um die Mittagszeit merkten die Konservativen, daß für unfern Kandidaten eine große Anzahl von Stimmen abgegeben wurden, sofort ließen sie ausklingeln, daß doch ja alle guten Bürger ihr Wahlrecht ausüben sollten; Polizei- und Flurdiener, sowie Privatpersonen wurden zur Stimmzettel- vertheilung aufgeboten, kurz, alles wurde gethan, um den Sieg nicht uns erringen zu lassen. Fabrikarbeiter wurden zur Wahl getrieben mit dem Befehl, den Schuster(Bock in Gotha) nicht zu wählen. Ein Fabrikant soll die Stimmen für Friedenthal für 4 Cigarren zu kaufen versucht haben, und so könnte noch vieles augeführt werden zur Kennzeichnung der Agitation unfrer Gegner. Friedeuthal erhielt denn auch über 3000 Stimmen. Aber das soll uns nicht abhalten, jetzt erst recht gegen die Repräsentanten der Besitzenden, die Liberall n und Konservativen anzukämpfen; eine lebeuSfähige Partei, wie die unsrige, wird durch kleine Miß- erfolge, wie dieses Wahlergebniß, immer zu neuen Anstrengungen angestachelt. Unerwähnt will ich nicht lassen, daß ein Polizei- diener versuchte, mich vom Wahllokal zu vertreiben unter Androhung der Arretur. Ich verwies den gnten Mann auf da» Gesetz und darauf, daß auch er Stimmzettel auSgeboten habe, de«„Vertreter des Gesetzes" schien einzuleuchten, daß er da nichts machen könne und ich�— blieb. Mit sozialdemokratischem Gruß H. Heißner, Bev. der Schahmachergewerkschaft. Aarmen-Kröerfeld, 2. Jan. Die Vorträge des Hrn. Hassel- manu gleichen denjenizea des Herrn Schweitzer genau auf ei« Haar. Herr Hassclmann ist nur weniger geistreich als sein Bor- gäager hier im Wupperthall In jeder Volksversammlung hört man lange Borträge stet» ganz ähnlichen Inhalts voll Angriffen auf die liberale Bourgeoisie, voll Schonung gegen den Cäsa- riSmuS. Ja der ersten Volksversammlung in Elberfeld tadelte nach Be- endiguag der Rede HasselmmnS Werth von Barmen da» zwei- deutige Auftreten der Agitatoren des Allz. Arb.-VereinS gegenüber der Staatsgewalt. Er erklärte, daß nur die prinziplosea Reden der Herren Schweitzer, Hasenclever, Hasselmann schuld daran seien, daß ihre Anhänger auch prinziploS seien. So könne man hier er- leben, daß d« Arbeiter für genannte Herren, welche doch Sozial- demokraten sein sollen, stimmten und dennoch bei den Landwehr- festen hinter der preußischen Fahne herzögen. Die bekannte For- deruug Lassalle'S:„100 Millionen StaatShülfe", über welche die Herren nie hinausgingen, möge s. Z. praktisch und zeitgemäß ge- wesen sein, un die Agitation inS Volk zu werfen. Heute, nach- dem ein langes Stück Geschichte, namentlich die Commune-Echebung in Paris hinter uns läge, sei diese Forderung halb und unklar. ES verstände sich ganz von selbst, daß, wenn zu geeigneter Zeit der Sozialismus sich der Staatsgewalt in den europäischen Cul- turftaaten bemächtigt haben werde, die Arbeit überall organisirt würde in der Weise, daß Jeder den vollen Ertrag seiner Arbeit genösse. Lassalle habe nie den internationalen Charakter de» So- zialiSmuS berührt; die Arbeiterfrage sei aber entschieden inter- national. Wer daran zweifle, der müsse doch durch die Unter- drücknnz der Pariser Commune belehrt worden sein, zu welchem Zweck die deutschen Armeen hülfceiche Hand geleistet hätten. Die Erwiderung des Herrn Hasselmann war sehr schwach. Er meinte, er sei doch im„Sozialdemokrat" radikal genug. Unter allgemeiner Organisatton der Arbeit könne sich jeder Bourgeois denken, wa» er wolle, und man müsse entschieden ein UebergangS- stadium haben. Er gebrauche nicht gern da» Wort„international", da deutsche Arbeiter besser Deutsch verstünden. Hasselmann hat während der Wahlagitation hier stark mit den Ulttamontanen geliebäugelt, um Stimmen zu bekommen. Es passirte ihm dabei, daß er viel von schwarzer und rother Inter- nationale sprach, und die Eisenacher Partei in der gemeinsten Weise „als vou der Bourgeoisie bestochen", angriff. Iacoby sei auch nur von Inda» und Genossen aufgestellt, um die Arbeiter zu zer- splittern. E« hält sehr schwer, in den Versammlungen hier zum Wort zu kommen, da die Taktik der Haffelmänner ist, endlose Reden zu halten. Hasselmann kommt immer zu Wort, seine Gegner haben Mühe, einmal daS Wort zu erlangen. Werth ist dies indeß doch wieder gelungen. Er bemerkte Hrn. Hasselmann, daß zu dem un- klaren Gerede in früheren Versammlungen nun noch die sanfte Behandlung der Ultramontanen käme, um Stimmen zu gewinnen. Wenn wir auch keine Ausnahmegesetze wünschten, so seien doch die Pfaffen unsere größten Feinde, denn durch ihre Lehre vom Jen- seits seien sie schuld an der Lammgeduld der Menschheit im Dies- seits. Seine Ausführunaeu feien überhaupt zuweilen komisch. Ja Elberfeld sage er, er gebrauche das Wort„international" nicht, und hier in Barmen gebrauche er eS«in Dutzend mal iu einer Rede. In Elberfeld behaupte er, unter„allgemeiner Organisation im sozialistischen Staate" könne sich jeder Bourgeois denken, wa» er wolle, und in seinem Wahlprozramm sei diese Organisatton als die Hauptforderung der Arbeiterpartei aufgestellt! Im Uebri- gen habe sich Herr v. Schweitzer, welcher gerade auch immer vom Judas gesprochen, al» solcher sich entpuppt, und da er die sozial- demokratischen Prinzipien in seinen Reden gerade so verletze, wie Hr. Schweitzer, so könne man eS doch den ehrlichen Sozialisten nicht verdenken, wenn sie einen andern Candidaten aufstellten. In der engeren Wahl würde man für ihn stimmen, weil er Arbeiter- candidat sei. Die Entgegnung des Hrn. Hasselmann war nur persönlich. Erwähnenswerth ist noch ein Verfahren deS Präsidenten. Als Werth nämlich daS Wort hatte, nachdem Hr. Hasselmann über die Eisenacher geschimpft, meinte der Präsident beim Auftuf des Na» mens, Werth sei lange Zeit Mitglied der Eisenacher Partei, um die Versammlung im Voraus gegen den Redner einzunehmen, was sich W. als unparlamcntansch energisch verbat. St. Zohann-Saarvrücken. Nachstehend einige« über den Ausfall der Wahlen. Im Wahlbezirk Saarbrücken kommt der Candidat der Nationalliberale«, Oberbergrath Bluhme in Bonn, in engere Wahl mit dem Candidaten der Ultramontanen Advokat Muth hier. Der Candidat der Conservativen, Oberberghaupt- mann Krug von Nidde in Berlin, der ehemalige Vertreter des hiesigen Kreises, hat nur 800 Stimmen erhalten. Im Wahlbezirk Ottweiler- St.- Wendel- Meffenheim hat der Candidat der Ultramontanen Graf Droste-Bischerriug, Erbdroste im Fürstenthum Münster in Darfeld, mit großer Majorität gesiegt über den conservativen Fabrikbesitzer Stumm in Neukirchen, Kreis Ottweiler, und über den bisherigen Vertreter de» Bezirks der Na- tionalliberaleu Landgerichtsrath Selle von hier. Im Wahlkreis Saarlouis- Merzig-Saarburg hat bei einer Betheiligung von 50 Prozent der Wahlberechtigten der ultramontane Kandidat 7000 Stimmen und der preußische CultuSminister Falck ca. 900— 1000, Stimmen erhalten. In Trier, Coblenz, Bonn, Aachen, Cöln, Düsseldorf, überhaupt in der ganzen Rheinprovinz scheinen nur Ultramoutane gewählt zu sein. Mit sozialdemokratischem Gruß W. Paul. Kaiserskauteni.(Renegatenthum.) Unsere Stadt konnte stolz sein auf den Namen, den sie sich als Hort der Demokratie der Pfalz im demokratischen Deutschland erworben und bis zu den jüngsten ReichStagswahlen auch zu erhalten gewußt hat. Von Kaiserslautern au» wurde die große Pfälzer Bewegung 1843 ein- geleitet, die Revolution organisirt, in Kaiserslautern wurde die provisorische Regierung der Pfalz eingesetzt, und nach der Unter- drückung dieser Volkserhebung durch die Preußen war es wiederum Kaiserslautern, in welchem der Freiheitsfunken von 43 unter der reaktionären Asche der 50er Jahre fortglühte, und als nach dem österreichisch-italienisch-ftanzösischen Kriege 1859 das Volk wieder mehr aufathmen durste, war Kaiserslautern allen anderen pfälzi- scheu Gemeinden voran in der Gründung politischer Vereine. Der erste Verein dieser Art war der im März 1361 gegründete Turn- verein; derselbe konstituirte sich zwar nicht offiziell al» politischer Verein, wurde aber alsbald durch Machtgebot der Regierung al« solcher erklärt und aufgelöst. Um diese Zeit war auch ein Manu tn M Kaiserslautern eingezogen, der kein Fremdling in der Stadt und dem die Herzen aller ehrlichen Demokraten warm entgegen- schlugen: cS war Philipp Schmidt, der 1L5V wegen hervor- ragender Betheiligung an der 48er Revolution zum Tode verur- theilt— zu zwanzigjähriger Festungshaft begnadigt und nach zehn- jähriger Haft amnestirl wurde. Er wurde mit Liebe empfange», seine demokratischen Freunde in Kaiserslautern und auswärts reich- ten ihm mit Freuden die Mittel, sich eine Existenz gründen zn können und der damalige Stadtrath unter dem Bürgermeister Hack ließ ihm das BürgereinzugSgeld, welches damals sehr hoch war, nach. Schmidt gründete mit diesen FreundeSgaben ein kaust männischeS Geschäft und war— wozu die Gönnerschaft seiner politischen Freunde wohl das ihre beittug— in wenigen Iahren ein gemachter Mann. In die politische Arena trat Schmidt zum erstenmale wieder, als im Jahre 1868 gegenüber dem immer mehr sich breit machenden Nationalliberalismus die Deowkratie der Pfas sich durch Gründung der Volkspartei zu organisiren suchte. Zur großen Ueberraschung seiner seitherige» Parteigenoffen machte hier Schmidt Front gegen die Aufnahme der sozialen Frage in das Programm der Volkspartei' er motivirte seine Opposition damit, daß in der Pfalz keine soziale Frage bestünde!! Schmidt war Egoist geworden! Die lange Haft hatte sein Herz vertrocknet und er, der sein Emporkommen selbst nur den Unterstützungen seiner Mitmenschen v« dankte, hatte kein Gefühl mehr für das Elend der großen Mehrzahl in der menschlichen Gesellschaft. Der Egoismus war auch der Boden, auf dem er sich von nun an die Wege ebnete, um schließlich in das nationalliberale Fahrwasser überzw segeln. Die soziale Frage wurde trotz Schmidt in das Programm des Volksvereins aufgenommen; dies machte demselben so zu schaffen, daß er schon nach wenigen Wochen auSttat. Doch gab er sich immer noch als Demokrat aus und wirkte bei den vcrschie- denen Wahlen der letzten Jahre immer zu Gunsten der dcmokrm tischen Partei. Vermittelst seiner Schimpfereien auf die Sozial' demokraten, die Ultramontanen und— die Nationalliberalen verstand er eS vorttefflich, die sogenannten ruhigen Bürger(Philister, Bourgeois, blaue Demokraten) zu einer Mittelpartei zu vereinigen, welche ihn ohne eigentliche Organisation als ihren Führer betrach tete und sich von ihm an den Wahltagen ins demokratische Lager führen ließ, um des andern TageS wieder den Philister zu spielen. Der Mann, der laut der pfälzischen Anklageakte vom 3. Juli 13S0, Seite 10 in der Versammlung vom 1. Mai 1848, welche die Ein sctzung einer provisorischen Regierung in Kaiserslautern beschloß, in einer im höchsten Grade revoluttonären Rede die Erllärung abgab:„Er werde sein Leben für sie(die provis. Regierung) einsetzen und sich selbst als Mörder der Fürsten her geben, der Mann, der zum Märtyrer der Freiheit geworden wap derselbe Mann ist bis zum Leithammel der Gedankenlosen— zum Leithammel der Bourgeosie herunterkommen. Die jüngsten Reichs tagSwahlen boten endlich Schmidt Gelegenheit, seine Schäflein die nahonalliberale Heerde zu führen, und sie folgten willig Alle den Schäferhund mußte der schwarze Popanz abgeben, den ja auch Schmidts neuer großer Meister so geschickt als Knochen unter die Hunde zu werfen verstand, daß er ruhig uud unbclästigt da« Fleisch verzehren kann. Schmidt hat mit seiner ganzen Schaar den natio nalliberalcn Dr. Zinn aus dem preußischen Jrrenhause Neustadt' EberSwalde gewählt und durch diese Ueberläuferei die erste Wahl Niederlage der demokratischen Partei in der Stadt Kaiserslautern herbeigeführt. Wie man überall munkeln hört, trägt er sich mit der Hoffnung, bei der nächstjährigen Stadtrathswahl den derzeitigen Bürgermeister zu stürzen, um selbst Bürgermeister zu werden; ebenso beabsichtigt er, bei den nächsten LandtagSwaHlen als Abzeordneten- candidaten sich aufstellen zu lassen. Bewahrheitet sich dies, dann wäre eS wiederum ein Beweis mehr, daß nur der Egoismus feine Schritte lenkt. Die Demokratie hat an ihm einen talentvollen Redner und Agitator verloren. Die Fahnenflucht Schmidts mit seiner Mittelpartei hat Übrigem» das Gute, daß die Demokraten einsehen gelernt haben, daß ein Liebäugeln mit der Bourgeoisie nie und nimmermehr am Platze ist, selbst wenn eS auch einmal momentan von Bortheil sein sollte, und daß eS dringend noch wendig ist, offen Farbe zu bekennen und sich in allen Punkten streng an die Sozialdemokratie anzuschließen. Hoch die Sozial. demokratie! "Nfyrzheim, 13. Januar. Dr. Jakoby hat in unser«» dem S. badischen Wahlbezirke Pforzheim- Durlach- Ettlingen- Gernsbach 16SS Stimmen erhalten. 10 Stimmen sielen auf ihn in dem be aachbarten würtembergischcn Orte Wurmbera, welche» zum Wahl kreis Leouberg gehört, in welchem von der Partei Niemand aufge stellt war, also 160S Stimmen. Es ist nothwendig zu bemerken daß wir wenigstens 400— SOO Stimmen mehr erhalten hätten, wen» unsere Gegner nicht Dinge gettieben hätten, welche nicht mehr unter die Rubrik Wahlbeemflussungen gehören» sondern Ge- waltthaten genannt werden müssen. So dursten unsere Partei genoffen in den größten Orten des Durchlacher Amtes, wie in der Stadt Durlach selbst, weder Wahlauftufe noch Stimmzettel für unsern Candidaten vertheilen.— In Durlach, Weingarten, Berg- Hausen, KönigSbach und Wilserdingen wurden unsere Beauftragten unter Polizeibedeckung auf die Bürgermeisterämter geführt uud ihnen bedeutet, sie hättm bei Vermeidung de» EingesperrtwerdenS sofort den Ort zu verlassen. In Weingarten, Durlach, Berghausen postirte sich die Polizei außerhalb deS OrtS, um ihnen den Ein- tritt zu verwehren. Der mit der Vertheilung in Wilferdingen Be- auftragte wurde etwa 2 Stunden eingesperrt. Der Bürgermeister von Bilfingen konfiszirte»nserm Delegirten den ganzen Pack und rxrtheilt« ihn unter seine Bekannten, ebenfalls mit Einsperren drohend. Dep Bürgermeister von KönigSbach konfiszirte ebenfalls Stimmzettel und Wahlaufrufe, und als sich unser Genosse des andern, Tag» behuf« der von ihm geforderten Legitimation mit feinem Wanderbuch« dahin begab, behiett er auch dieses zurück, dem Eigenthümer bedeutend, er solle sich so rasch wie möglich au» der Stadt entfernen. Die Stimmzettel haben wir bis heute fo wenig als da» Wanderbuch erhalten. Am Wahltage selbst packte ein„reichStteueS" Comitömitglied einen etwa 34jährigen Arbeiter auf der RathhauSstiege an der Gurgel und wollte denselben über die Stiege hinunterwerfen, indem er ihm zurief:„LauSbüble, wir wollen erst sehen, ob du auch wähle» darfst." GenSdarmen übte» die gröbsten Wahlumtriebe, indem sie den Leuten auf den Straßen sagten, Jacoby dürfe nicht gewählt werden und ihnen Zettel für den„Liberalen" Friedrich in die Hand drückten. Solche und Lhuliche Dinge kamen massenhaft in unscnn Wahlkreis vor und wenn cö nach Recht geht, kann diese Wahl unmöglich für giltig erklärt weiden.— Wie überall, hat auch hier die Bolkspartei eS für nöthig gefunden, neben Jacoby einen eigenen Kandidaten aufzustellen, sie hat sich jedoch blamirt, ihr Candidat, der überdies die Candidatur gar nicht annahm, erhielt keine 80 Stimmen. Für uns ist dies insvsern von Werth, als es uns beweist, daß Alle, die für Jacoby stimmten, dessen sozialfftischen Standpunkt vollständig theilen. BemerkcnSwerih ist auch, daß in den Landorten um Pforzheim die Arbeiter sich viel wackerer hielten, als die in der Stadt, so gab z. B. die Gemeinde Hamburg 85 Stimmen für Jakoby und nur 5 für Friedrich ab, ähnlich, wenn auch nicht in solchem Maß Huchenfeld, Büchenbronn, Dietlingen und Brötzingen, während in der Stadt Dr. Jacoby nur ein starkes Viertel der abgegebenen Stimmen erhielt. Die Ursache liegt ohne Zweifel in unsern noch vielfach kleinbürgerlichen Verhältnissen. Im Ganzen kann unsere Partei sehr zuftieden sein, besonders wenn man be- denkt, daß vor 3 Jahren eine sozialdemokratische Candidatur noch eine Unmöglichkeit gewesen wäre. Mit Gruß— h. Konstanz, 12. Januar. Am 4. Januar hielten wir hier eine Volksversammlung ab, zu der Parteigenosse Schröder das Referat übernommen hatte. Referent machte den Anwesenden klar, daß der abgedankte Reichstag für die arbeitenden Klassen nichts gethan habe, daß daher andere Vertteter gewählt werden müßten, wolle das arbeitende Volk anders nicht ganz herabgedrückt fein. Zu diesem Zweck wurde Liebknecht vorgeschlagen. ES wurde Liebknecht als Kandidat aufgestellt, um uns an der Wahl betheiligen zu können, denn für einen Liberalen oder Ulttamontanen zu stimmen, darf uns kein Mensch zumuthen.— Schröder erläuterte dann das heuttge Staatswesen und zeigte der Versammlung, daß in diesem für den Arbeiter nichts zu hoffen sei. Ferner besprach er unser Programm und zeigte dann, daß die unteren Beamten sehr schlecht, dagegen die höhereu zu hoch besoldet würden. Der deutsche Kaiser z. B. erhalte doppelt so viel Gehalt als wie die gesammten Volks- schullehrer Preußens. Schröder schloß nach anderthalbstündiger Rede mit der Aufforderung an die Arbeiter, sich der sozialdemo- kratischen Arbeiterpartei anzuschließen. Hierauf meldeten sich einige Gegner zum Wort, die aber nur über hiesige Verhältnisse redeten. Nachdem diesen tteffend geantwortet, wurden Agitations-Nummern des„Volksstaat" vertheilt und für den Reichstagwahlfond gesam- melt. Nach nochmaliger Aufforderung des Vorsitzenden Stark, unserer Partei beizutreten, ließen sich 13 Mann einschreiben. Am 5. Januar hielten wir wieder eine VolkSversamuelung ab, welche schwach besucht war und was darin zu suchen ist, daß die hiesigen Arbeiter sich meistens noch im Schlepptau des Geldsacks befinden. ES wurden die lügenhaften Berichte der hiesigen liberalen Zeitung ins gehörige Licht gestellt und der Redakteur demselben als Lügner gekennzeichnet. Dann wurden die Arbeiter aufgefordert, sich rege an der Wahl zu betheiligen und für Liebknecht zu stimmen. Wenn auch bei der Wahl Liebknecht nur 14 Stimmen erhielt, so wollen wir doch muthig weiter schreiten, cS war der Anfang und der mag dazu dienen, die hiesigen zaghaften Arbeiter zu ermuthigen, sich nicht von ihren Arbeitgebern ins Bockshorn jagen zu lassen, sondern frei uud offen aufzutreten. - Tie Schriftführer der Versammlungen. trag. Donnerstag: Gesang, Stenographie, Turnen, stanz. Sprache Freitag: Buchsührnng, engl. Sprache, Wechselkunde. Sonnabend Bortrag oder DiSkusston. sw.) �<�1. tfflk] IVtUttiT 5as allgemeine Hewerkschafts- Wintervergnügen findet am 31. Januar in der Tonhall« statt. Freunde und Berufsgenvffen find dazu eingeladen. Da« Fest-Tounie ifoihlirt Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, d. 24. Januar, Abend« 8'/, Uhr: General» Versammlung. T.-O.: Bierteljährliche Rechnungs-Ablage, Ergänzungswahl der Au«- schußmitglieder, Abänderung de« 8 26 befreff« der Monate. Nichterschienene Mitglieder haben nach 8 26 2 Gr. 5 Pf. Ordnung»« strafe zu entrichten.___ D. B. i Leipzig Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Freitag, den 23. Januar, Abends 8 Uhr bei Ja bin» Turnerstraße Nr. 2.— T.-O.: Soz.-pol. Wochenbericht. Ref.: Martin. Fragckasten. Alle, welche für die am'27. df«. im 13. Wahlkreise stattfindende S Stichwahl thälig sei» wollen, werden gebeten, zahlreich zu erscheine». _ Der Borstand. Orttthrttt ArbeiterbildungSverein. vUUUilU* Deutsche Sektion der Internationalen Arbeiterassoziation. Unser Lokal befindet sich jetzt:«1 LIus Post Newman Street Oxford Street W. C.— E« finden abwechselnd Vorträge über soziale und politische Fragen statt.— Im Namen de« Verein«: der Sekretär.— Meine Adresse ist: F. Leßner, 2 Fitrro> Str. Fitzroy Sq._ P a ftfptll.Olnrf Bereinigte Tischler. VlvU)-£|Ul I Jeden Dienstag, Abend« 8 Uhr, Versammlung in 'reutonea, Assernbly Booms, 158—160 Avenue. ArbeitSnachweisungSbureau bei John Frank 149, BIridxe Street,(ml II Briefkasten der Redaction. A. S. in Franksurt: Erhalten. Besten Dank. E. S. in Jspring tu- Die eingesandten Actenstücke enthalten nicht einen Schatten von Material für den Eoulifienprozeß. der Expedition. Del. Lst Prag Ab. 5 Thlr. A. Schlz Frankfurt Schr. 17 Gr. I. Mllr hier Ab. 21 Thlr.«rb.- Bild.- Berein Steher Ad. 1. Qu. 17 Gr. A. Trtmnn Berlin Schr. 23 Thlr., Ann. 20 Gr. Schltz Hamburg Ab. u. Schr. 50 Thlr. Sozialdem.«Arbv. hier Ann. 26 Gr. Metallarb.- Gew. hier Ann. 11 Gr. Bttchr hier Ab. Nov. 27 Gr. Grhrdt hier Ab. 1. Qu. Gr. 17 5, C. Mnd Osnabrück Schr. 2 Thlr. Brkhrdt Stuttgart Schr. Thlr. 4 5, Ag.-Nr. 20 Gr. Tbrt Tonne Witz Schr. 4 Gr., Ab. Thlr. 7 7 5. Rchtr Dölitz Ab. Gr. 12 5. Hrn Thonberg Ab. 4. Qu. Thlr. 10 10 5, Schr. 5 Gr. Eppst hier Schr. Thlr. 1 5. Uhle Themnitz Ann. 14 Gr., Schr. Gr. 3 8. Bchhm hier Schr. 15 Gr. Fach», d. Eisen- u. Metallarb. Graz Ab. 1. Qn. Thlr. 1 4. Hdck hier Ab. 1. Qu. Gr. 1? 5. Br hier Ab. 1. Qu. Gr. 17 5. H. Pll Berlin Schr. 4 Gr. I. P. Stgbo« Ungarn Schr. 8 Gr. H. Wltr Sonueberg Schr. 3 Gr. P. Lckk Pirna Schr. 10 Gr. Kst. Lrr Wer schetz Ab. 21 Gr. Knpp Fulda Schr. 6 Gr. Lschrn Tavel Schr. 25 Gr. I. Endr Aug«burg Ab. 4. u. 1. Qu. Thlr. 44 8._ Reichstagswahlfond Bon P hier z. Wahl Jacoby'« 1 Thlr., v. Pltzr hier 15 Gr., v. Arbeitern der Tichorms'schcn Cigarrenfabrik 1 Thlr., v. vereinigten For mern hier Thlr. 1 25, v. Berliner Parteigenossen d. B 14 Thlr. Zum Wahlfond des 13. Wahlkreises. In der Restauration von Quarck in Neusellcrhausen von Gesinnung»- genossen Gr. 27 2.— Zum Wahlsond d. 14. Wahlkreise« v. H. hier Gr. 2 5. Fond f. pol. Gcmaßregelte. Bon Pltzr hier 15 Gr, v. Sr hier Thlr. 2 4. Genossenschastsbuchdruckerei. Antheilschetne bez. Antheilquittungen erhielten fernen: In Leipzig R. W. 1 Thlr, Schwäd-Gmünd K. 1 Thlr.. R. 1 Thlr., Sch. 1 Thlr., ö. 1 Thlr. Anzeigen:e« Berlin Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Freitag, den 23. Januar, Abend» 8 Uhr: Geschlossene Mttgliederversammlung bei Tlarili«, Prinzenstraße 72. T.-O.: Unser Berhalten gegenüber der engereu Wahl im 6. Berliner Wahlkreis, und der Reuwahl im 3. Wahlkreis. Jede« Mitglied muß erscheinen.__ Der BertrauenSm. Gewerkschaft der Manufaktnrarbeiter. Sonnabend, den 24. Januar, Abend« 8 Uhr bei Möwe», Berlin Weberstraße 24 a. Jnverr Angelegenheit. T. Ficker, BertrauenSm. Die hiesigen Leser de»„Bolk«staai" werden ersucht- «C-UNzig Freitag, den 23. Januar, Abend« 8 Uhr, im Lokal de« Herrn Klewe, Rammbaum Nr. 41, zn einer Privatbesprechung zu erscheiuw. Taseltst liegt der„Sollsstaat" au«. Töpsergewerkschast. Seit den 22. Dezmbr. haben wir unfern unentgeld lichen Arbeit«- Rachwei» mit einer Herberge große Brüdergass« 12 bei Restamateur H. Schröder eröffnet. Gleichzeitig wird dort die Reise- Unterstützung ausgezahlt. Für die Mitgliedschaft Meißen befindet sich der Arbeit«-Rachwei«: Leipzigersiraß« 151, bei den Restamaieur H. Rau. l6dw.) D. V. Dresden Arbeits- St Wohnungsnaohweis von C. J.£ vanr, im Arbeiterbildnngsverein, Palmstrasee 20. sjN Mittwoch, den 21. d. M.: Rlemzschocher Wählerversammlung Die Reichstagswahle». in Lauge's Restauration.— Tagesordnung: Referent: Hr. Kays er au« Mainz. Sonntag, den 25. d. M., Nachmittag 3 Uhr: Wählerversammlung im Gasthof zu Knaut- Sleeberg uud Abend« 6 Uhr m Großzschocher. Da» Tomit«. Sektion 1 der Internationalen Arbeiterassoziation ev J\VW' fjvW �Allgemeiner deutscher Arbeiterverein) zu�New-Iork versammelt sich jeden Sonntag Abend 8 Uhr im 10. Ward Hotek' E orener(Ecke) of Broome& Forsyth Str._ Tüchtige Schuhmacher-Gesellen aus Herrm- u. Damenarbeit werden in Greußen Thüringen bei C. Liebe« so trau gesucht. Die Herren Bevollmächtigten der Gewerkschaften werden ersucht, die«"*! in den Mitgliedschaften bekannt zu machen.®t' H. 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