ien-» ngen d V«, 6 Sgr. angenonunen, OrgandersozialdemokratischenArbeiterparteiundderinternationalenGmerksMossenschasten. Inserate die Abbaltuna von Partei-, Berein«- und Bvlksversammlungen, sowie die Filial- Ezpeditionm und sonstige Partei- Ar gelegenheiten betrestmd, werden mit 1 Sgr., Privat- und Bergniigung«- Anzeigm mit 2 Sgr. die dreigespaliene Petit- Zeile berechnet. Zir. 17 Mittwoch 11. Jevruar. mu. col estft; iomp rmen: •»«• solle« 2& W» Ssers« Silb rdisk« St Parteigenoffe«! Da Johann Jacvby das Mandat des 13. Wahlkreises abgelehnt hat— was wir übrigens nicht billigen—, so steht eine Neuwahl bevor. Wir müssen abermals mit aller Macht in den Wahlkampf eintreten; wir müssen alle Kräfte anspannen, damit an Stelle Jacoby's unser neuer Candidat Kaufmann Wilhelm Bracke in Braunschweig jum Siege und in den Reichstag gelangt. Der Kamps wird ein sehr heißer werden und wir müssen ihn abermals mit Ehren bestehen. Wir wollen und wir müssen siegen. Das können wir aber nur, wenn Ihr uns noch besten Kräften unterstützt. Und das ist Eure Pflicht. Wir würden nicht an Euch appelliren, wenn die bisherigen Wahl- kämpfe nicht unsere Mittel erschöpft, unsere Kassen geleert hätten. Heist rasch, denn der Wahlkamps wird in Kurzem ent- brennen und sendet Eure Beiträge an die Expedition des„Volks- staat", Zeitzerstraße Nr. 44. Da«(Totuiic für die Wahl Kracke's. »are> euzei, u lich> mn. nerai : statt iute. offen atm. berilst tilgte� istt. 3 .lam» age p wlehä lud a >■ B. kedrat 3 es. düng Sorst, sgr, io.! . ttat m. :«dr foef«! n P-e »llte,' geipp« .» �- Dei auf � lg staaf Skpedl wet Der sechste Zahresco«grkst der englischen Gcwerk- vereine. i. Wir theilen heute Nachstehenden, der„Frankfurter Zeitung« entnommenen Artikel mit. Wir werden denselben in einer der nächsten Nummern des„Volksstaat« ergänzen und berichtigen, und uns über den Congreß aussprechen. Der Artikel der„Frankfurter Zeitung« lautet: „Der Congreß der Gewerkvereine, welcher in Sheffield vom 12. bi« 17. Januar tagte, ist unzweifelhaft der bedeutendste, der seit dem Jahre 1865 versammelt gewesen ist, nicht blos der Million Ärbeiter wegen, die dieses Mal durch 200 Delegirte vertreten waren, sondern auch wegen der bedeutsamen Fragen, welche dis- cutüt und zum Theil entschieden wurden. Den ersten Gegenstand der Verhandlung nach Verlesung deS Jahresberichtes bildete die jüngst bekannt gewordene Bildung der „Nationalen Föderation der Arbeitgeber«. Wie bekannt, sind die Bestrebungen der Arbeiter seit langer Zeit hauptsächlich daraus gerichtet, drei verhaßte Gesetze, deren Zweck ist, die„Drades Uuions" in ihrer Entwickelung, die freie Bewegung der Arbeiter zu hemmen, wieder aus der Weit zu schaffen, während ebendeshalb die Arbeit- geber alle Hebel ansetzen, dieselben am Leben zu erhalten. In dem Criminal Law Amendement Act ist der Versuch, einen Mitarbeiter durch Drohungen zu einem bestimmten Entschluß zu verleiten, als ein Criminalverbrechen gestempelt. Der Einwand, daß dieses Gesetz auch auf die Arbeitgeber angewandt werden kann, ist lächerlich, da der Versuch einer Beeinfluffung unter diesen fast nie nachzuweisen wäre. Die Arbeiter wollen unter das allgemeine Straftecht gestellt sein; eine Drohung, gegen einen Arbeiter aus- gestoßen, soll nicht strafbarer sein, als etwa eine Drohung, gegen ein Weib gerichtet. Nach der Meinung der Arbeitgeber und im Sinne des Gesetzes ist das Stillestehen auf der Straße ein Cri- Ntinalverbrechen. Eben so gut, sagen die Arbeiter, könnte man Einen bestrafen, weil er ein Messer in der Tasche hat— denn er 'önnte Jemand erstechen. Nachdem Mundella erklärt hatte, warum � ihm in der vorigen Session angesichts der geheimen und offenen Opposition nicht möglich gewesen ist, seinen Antrag auf Abschaffung des verhaßten Gesetzes wenigstens bis zur Abstimmung zu bringen, wurde eine Resolution angenommen, welche eS den Arbeitern zur W'cht macht, falls daS Gesetz in der nächsten Session nicht ab- Abschafft wird, bei den folgenden Wahlen nur für Gegner des Gesetzes zu stimmen. Eben so wurde, und zwar ohne Debatte, ConspirationSgesetz, dessen unklare Bestimmungen gegen gemein- Mine Verabredung, aus Andere einen Druck auszuüben, gerichtet find, verdammt. Doch ist bei diesem Gesetze noch am ehesten Hoffnung vorhanden, daß dasselbe durch Amendirung einer schon dom Solicitor General eingebrachten Bill wird beseitigt werden >onnen.— Die Besprechung deS dritten der verhaßten Gesetze, die Master and Servants Act, über das Verhältmß zwischen Arbeit- jstber und Arbeitnehmer, brachte eine Menge wahrhast haarsträu- oender Geschichten zum Vorschein, welche die Ungleichheit deS �beiterS und Arbeitgebers vor dem Gesetz illustrirten. Hier nur �n Beispiel: In Sheffield macht ein Mann Namens William �usler mir Herrn Hague auf 5 Jahre einen Contract. Einige Zeit darauf erlangten die Arbeiter in derselben Branche(Scheeren- fobrikation), in welcher er arbeitete, einen Lohnzuschlag von 10 bis � Prozent. Der Mann verlangte dasselbe und verließ seine �'beit, als der Zuschlag eben nicht bewilligt wurde. Wegen Eon- "actdruch bestrafte ihn natürlich daS Gericht mit 12 Pf. St. und 1* zahlte da« Geld. Allein nun wurde er desselben Vergehens wkgeu nochmals vorgeladen und für das sibon gesühnte Verbrechen 3 Monate in's Gcsängniß gesetzt. Kaum war er aus dem �tfängniß— so verklagte der Arbeitgeber ihn zum dritten Mal— >u> diese Klage schwebt noch. Der Congreß nahm folgende Re- Julien an:„Der Congreß verdammt und fordert die Abschaffung cr iminellen Bestimmungen der Master and Servants Act aus i, ttben Grünben: weil das Gesetz nicht in enisprechender Weise i verbrechen definirt, welche eö als solche ausstellt, weil es ein außerordentliches Prozeßverfahren festsetzt und mit einer Criminal- strafe den Bruch einer rein privaten Abmachung bestlaft.« Um die genannten drei Gesetze dreht sich hauptsächlich der Kampf zwischen Arbeitern und Arbeltgebern, und wie sie den Haupt- gegenständ der Verhandlungen des CongresseS bildeten, so werden sie auch sicher Gegenstand lebhafter Debatten im Parlament werden. Indessen fanden die Delegirten noch Zeit, eine Reihe weiterer Resolutionen zu fassen, von denen wir die interessantesten hervor- heben wollen. Der Congreß sprach sich zunächst aus gegen Recht- sprechung durch unverantwortliche, geistliche und unbezahlte Richter; wenigstens soll eS nach der Meinung des CongresseS dem einen oder dem andern Theil ftei stehen, den Prozeß auch vor den ge- wöhnlichen Civilgerichten zu führen, sobald eS sich um einen Eon- traklbruch unter dem Master and SeivantS Act handelt. Im Allgemeinen aber sollen die Arbeiter, so lange die genannten drückenden Gesetze noch existiren, es möglichst vermeiden, Contrakte auf längere Zeit zu schließen. Mundella'S 9 Stunden Bill zum Schutze der Frauen, junger Personen und Kinder in den Textil- Fabriken fand ungetherlte Unterstützung. Die Verhandlungen über diesen Gegenstand waren wohl die interessantesten aus dem dies- jährigen Congreß. Aus einem Memoire des Herrn Howell geht hervor, daß von einer Million in der Baumwollenmanusactur beschäftigter Personen 74 Prozent Frauen und Kinder sind. Seit dem Geietze von 1844, welches die Arbeitszeit für Frauen und Kinder auf 10 Stunden festsetzte, ist die Production der einzelnen Person infolge der Verbesserung der Maschinen um 44 Prozent gestiegen, während man es doch nicht für nöthig gehalten hat, die Stundenzahl zu verringern. Mundella selbst schilderte in lebhafter Weise den Widersinn, daß die Männer 9, die Frauen nnd Kinder 10 Stunden arbeiten. In Nottingham bat man freiwillig das 9 Stundensystem abgenommen und alle Welt befindet sich dabei wohl. Während darüber im Congreß volles Einverständniß herrschte, konnte man sich über Sir Lnbbock'S Shop HourS Regulation Bill(zur Regelung der Arbeitsstunden in Läoen und Magazinen) nicht einigen, da von verschiedenen Seiten auf die Unmöglichkeit der Durchführung derselben hingewiesen wurde. Insbesondere verwahrte sich Mr. Arch dagegen, daß Kinderarbeit aus dem Felde verboten würde. Und so einigte man sich denn nach einer langen und ziemlich konfusen Debatte über folgende allgemeine Resolution:„Während der Congreß eS vollständig billigt, daß die gesetzlichen Maßregeln, wie fie in Mundella'S Bill vorgesehen sind, auch auf Frauen und Kinder ausgedehnt werden, ist er ferner der Ansicht, daß schließlich diese Gesetzgebung ans alle Zweige der Industrie, soweit dieS praktisch möglich ist, ausgedehnt werde.« Den Briefträgern und Postbeamten sprach der Congreß seine volle Sympathie in deren Bestrebungen aus. Von verschiedenen Seiten wurde der Versuch gemacht, die Ausstellung und Durch- bringung von Arbeiter candidaten für das Parlament als gemein- same Angelegenheit aller Gewerkoereine hinzustellen, allem eine bedeutende Majorität eikläitc für gesondertes Marschiren, wobei selbstverständlich vorausgesetzt wmde, daß die verschiedenen Theile immer Fühlung behalten müssen. Es soll eben jeder Candidat volle Freiheit der Handlung, wie sie die Verschiedenheit der lokalen Interessen verlangt, behalten. Wescnttich wohl durch die Föderation der Arbeitgeber provozirt, erklärte sich der Congreß im Prinzip auch für die Föderation als Grundlage für die Thätigkeit der Gewerkoereine. Die letzte Sitzung förderte noch eine Fülle von Resolution zu Tage, von denen zwei besonder« den Zorn der Kapitalistenpresse erregt haben. Während nämlich der Vorschlag, dem zufolge jedes Vereinsmitglied jährlich einen, oder auch nur einen halben Schilling beisteuern solle, um die Parlamei tScandidalen von Arbeitern zu unterstützen, nicht angenommen wurde, erklärte sich der Congreß auf das Entschiedenste für Abschaffung aller Zölle und Accisen und für Einführung einer directen Steuer von Grund- und HauSbesitz. Verworfen wurde feiner noch die Ueberzeitarbeit als moralisch und körperlich nachtheilig sür die Arbeiter und die ein- seitige Feststellung der LehrlingSzeit durch die Arbeitgeber, verworfen endlich auch die SträflingSarbeit, weil sie mit der freien Arbeit unbillig concurrirte, und das System, Soldaten bei der Ernte- arbeit zu verwenden. Befürwortet wurde dagegen das Recht der Arbeiter, als Geschworene zu sungiren, empfohlen wurde die Gründung von Gewerkhallen und die Einführung von SchiedS- gerichten.« Wenn man sich so recht das Bild vergegenwärtigt, wie der „Geniale" die friedliche Thätigkeit des Reichstages in einer blechernen Sturmhaube, im Kürassterharnisch und mit dem SarraS eröffnet, so sollte man fast glauben, er trüge noch immer die süßen Er- inncrungen auS jener schönen Zeit deS Bnrschenlebens, als er flotter Bursch des CorpS Hannovera zu Göttinzen war, mit sich Herrun und marschire dem zu Liebe noch immer„in Wichs« einher. Zum Mindesten geräth man aus eigenthümliche Gedanken, wenn man den Kanzler, der keinen Oelzweig, wohl aber einen Säbel mit sich führt, von„Frieden« flöten hört. In letzter Zeit sind dunkle Andeutungen durch die Blätter gegangen, daß wieder eine Haupt- und StaatS-Aktion bevorstehe. Sollten wirklich die „Nerven" Bismarcks von„großen Dingen" wieder so sehr in Anspruch genommen sein, daß ihm die Vorlesung einer Thronrede so entsetzliche Mühe machte, wie die Spener'sche erzählt, dann muß es allerdings nicht ganz geheuer sein. Wobei wir nicht vcrsehlen wollen, zu bemerken, daß es ja nicht gerade hinter den politischen Coulissen zu spuken braucht. Vielleicht machen dem Reichskanzler seine Papierfabriken und SchnapSbrenuereien Sorgen. Doch halt, das Wichtigste hätten wir beinahe vergessen. Die„Spencr'schk Zeitung"— rcdigirt von dem Harle quin Braun— versteigt sich im Vorgefühl des Faschings auf der Himmelsleiter des Reptilien- fondS zu einer wunderbaren Vision. Lassen wir„nnfern Braun« selber malen: „Am Schlüsse schien er die Worte, welche von dem Entschlüsse sprechen, der Welt, wenn irgend möglich, die Wohlthaten de« Friedens zu bewahren, mit nachdrücklicher Genugthuung zu bi- tonen. In diesem Momente auch, genau a tempo mit dem Worte des Friedens, brach die Nachmittagssonne in hellen Finthen durch die köstlichen Fenster deS weißen SaaleS und über- goß den goldenen mit den deutschen ReichSinstgnien geschmückten Thronhimmel an der östlichen Rückseite mit strahlenden Lichtern. Nicht minder überschüttete sie die gelben Aufschläge und den Stahlhelm de« vor den Stufen des Thrones stehenden Kanzlers mit ihrem vollen Glänze, ohne freilich seinem bleichen Antlitz ein erhöhtes Feuer leihen zu können." DaS„Wunder« ist nicht vollständig. Der gute Braun hat den heiligen Geist in Gestalt einer Taube vergessen. Nun aber der Kürassier Bismarck mit den„gelben Ausschlägen" und der Blechhaube ein von Gott beleuchteter FriedenSengel— wer will noch bestreiten, daß die„Spener'sche Zeitung" ebenbürtig ist mit den weiland Orakeln zu Delphi und Dodona? Politische Uebersicht. —„In Koller und Kanonen« hat der Reichskanzler den Reichstag im weißen Saale zu Berlin eröffnet. Ledern und dürr war der Inhalt der„Thronrede", die er mit Mühe hervor stotterte; ohne weitere Umstände sagte er den Herren Reichsboten, daß sie drei Vorlagen zu bewilligen hätten— da« Militärgcsetz, daS Preßknebelgesetz und daS Conttaktbruchgesetz. Zum Schluß ver sicherte er treuherzig, daß durch die„ftiedlichen Beziehungen ftied liebender Monarchen« der Friede gesichert sei. Ach wir guten Deutschen!—„Das Hoch" meint Onkel Spener,«hätte etwas kräftiger sein können." Wir verdenken eS den Reichsboten nicht, wenn sie jetzt ihre Lungen schonen; sie werden nachher Gelegen- heit haben, dieselben anzuwenden� Herr von Bismarck vergaß sogar der Thronrede hinzuzuiügen, daß der Reichstag eröffnet sei und mußte das unter„Heiterkeit" nachholen.„In nervöser Weise«, sagt die Spenersche,„zitterte in seiner Hand der stählerne Helm". Also auch bei der„Thronrede" hat er seine„Nerven". — Der verunglückte Müller Sachse, welcher durch DunckerS Snädize Fügung in die Redaction der Berliner„BolkSzeitung" incin praklizirt worden ist und in den Spalten genannten BlatteS mit dem journalistischen Bandwurmfabrikanten Bernstein um die Palme des Blödsinns ringt, sucht das Unheil, welches sein College vom„Gewerkverein", Max Hirsch, durch sein Jammergeschrei über die Wahlstege der Sozialdemokratie angerichtet hat, dadurch wieder gut zu machen, daß er den Superklugen spielt. Deshalb heißt es in Nr. 32 der„BolkSzeitung": „Eine Verstärkung ganz anderer Art(als die Ultramontane« nämlich) hat die sogenannte sozialdemokratische Partei im Reichs- tage erhalten; aber dieS ist eine Verstärkung, welche die Gebrech- lichkeit rhrcs demagogischen Treibens an den Tag legt. Eine sogenannte demokratische Partei, welche es mit allen Ausrufen der großen Majorität der Besitzlosen gegen die verschwin- denve Minorität der Besitzenden noch nicht zu einem Dutzend Voltsvertreter, trotz des gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts gebracht hat, ist in sich selbst gerichtet. Ein Demokrat ohne Volk ist ein Generalstab ohne Armee. Er mag Pläne entwerfen, in seiner Klause(ach wie nett! In deu„Klausen« gibt'S aber doch wohl Nichts von den„Austernsuppcn", welche nach Hecker unsere Agitatoren täglich verzehren. Red. d.„VolkSst.") mit dem Degen (Stecken Sie den„Degen" ein, Herr Sachse!) herumfuchteln und sich einbilden, Feinde vor sich zu treiben; auf dem Felde eines wirklichen Kampfes ist er eine Carricatnr. Wenn das deutsche Baterland, ttotz deS allerdemokratischsten Wahlgesetze« die Volks- fürsprecher dieser Gattung nur zehn Mann hoch in die Vertretung gebracht hat, so ist das ein gutes Zeugniß für daS Volk und seinen der Demagogie abgewendeten Sinn. JedeS beschränkende Wahl- gefetz würde die Blöße der Demagogie nur verdecken. Sie würde bei der Behauptung bleiben, eine Majorität des Volkes zu reprä- sentiren und in Massen gewählt zu werden, wenn das Wahlgesetz nur ftei genug wäre, und ängstliche Gemüther würden anS Ge- spenste, furcht wunderbare Schrecknisse vor sich sehen. DaS allge« meine Wahlrecht ist der ttefflichc Prüfstein auf dieses gefahrlose Exempel. ES bewahrheitet» waS wir stets gesagt haben, daß. die Demagogie nur geschlagen wird ourch die Demokratie." Sie kommen uns gerade vor, Herr Sachse, wie ein Kind, das im Dunkeln pfeift, um glauben zu machen, daß eS sich nicht fürchte. Sie scdeinen wirklich Nichts davon zu wissen, daß in Deutschland 360,000 sozialdemokiatische Stimmen abgegeben worden sind. Al» Redacteur eine« großen Blattes berechnen Sic die Stärke einer Partei nach der Anzahl der gewählten Vertteter, statt nach der im Ganzen abgegebenen Siimmenzahl! Ebenso wenig wissen Sie da- von, daß unsere Gegner oft durch die unverschämtesten Betrüge- reien, durch Stimmenkauf:c. ihre Wahlsiege erfochten haben, und daß der ganze bureaukiansche Apparat für sie gearbeitet hat. Leo« hoino! Welch ein Redacteur! Tie andern Gegner, Herr Sachse, stecken de» Kops iu den Sand; Sie pfeifen dazu. DaS ist der einzige Unterschied. Max Husch, welcher die Federthaten des Herrn Sachse zu würdigen weiß, fteut sich über feine(Sachse s) Candidatnr im 6. Berliner Wahlkrei« nnd nennt ihn einen(t+t)«echten Demokraten", eine«(Gottseibeiuns h..wahren Arbeiterfreund".?!an, wir kennen fie sehr wohl, die echten..Arbeiterfreunde" und„De- mokraten", die immer erst noch ausdrücklich beifügen müffen, daß fie„echt" und„wabr" find, weil sonst keine Gimpel auf die Leimruthe gehen...Wahr" rst nur ein«, wa» Herr Sachs« gesagt hat. nämlich„die Demagogie wird geschlagen durch die Demokratie". Di« bankrouten Gozialdemagogen der„VolkSzeitung" be- stätiaen die Wahrheit diese« Satze« an ihrem eigenen Beispiel: die Gozialdemagogen— sonst auch„wahre Arbeiterfreundc" und„echten Demokraten"— werden geschlagen durck die Sozial- demokraten. Da« hoffen wir in drei Iahren den Herren Sachse, Bernstein, Max Hirsch und Franz Duncker noch ganz ander«»ä youlo» zu demonstriren(klar zu machen), wie diese« Mal. — Wegen Beleidigung de« früher» Polizeipräsidenten von Berlin, Herrn von Wurmb, jetzt in gleicher Eigenschaft zu Wie«baden, ist, wie wir schon erwähut, ein Fräulein Elise Hessel« zu zwei Jahren(!) Gefängniß verurtheilt worden. Bei der Appellationsverhandlung wurde mdeß beschlossen, Zeugen zu dem Prozesse zuzuziehen, da der Bertheidiger der Hessel« über den Herrn von Wurmb, früheren Polizeipräfidenten von Berlin, folgende Aussagen machte: „Rotorisch und durch das Zeugnis) eines Bankier« F. erwiesen sei e«, daß Herr v. Wurmb Räckte lang mit anrüchigen Mädchen vom Corps de Ballet durchgebracht habe und noch jetzt in einem ehebrecherischen Verhältnisse zu einer Frau v. B. bei Wiesbaden stehe." Sehr hübsch! Der Mann ist der Hüter der„öffentlichen Sicherheit", der„öffentlichen Orvnung" und hat darüber zu wachen, daß die„Sittlichkeit" nicht verletzt werde. Wir können für die Behauptungen de« Berliner Advokaten zwar nicht einstehen, finden e« aber im Reiche der Gottesfurcht und frommen Sitte sehr begreiflick, ja manchmal für den Bestand desselben nothwendig, daß Böcke zu Gärtnern gemacht werden. — Wir haben vor Kurzem unseren Lesern von dem„Allge- meine Gewerkschaftsverband"(liguc universello de* tra- ▼ailleurs) berichtet, der in Genf in« Leben getreten ist. Diese Berbindung war Nicht« als ein Schwindel, den einige ehrgeizige Gesellen unternahmen, die um jeden Preis eine Rolle spielen zu (vom 10. Januar) widmet die„Concordia" dieser Erscheinung einen besonderen Artikel, der also beginnt:„Wer den Satz ohne Weitere« für stichhaltig erachtet, daß die Sozialdemokratie in einem materiell besser gestellten Laude verhältuißmäßig günstigen Boden finde, der mag wohl bei einem oberflächlichen Blick auf Schleswig-Holstein für seine Annahme ein« Bestätigung zu finden wähnen. ES ist ausgemacht, daß diese Provinz ihre Arbeiter durchschnittlich höher lohnt,— aber nicht minder, daß diese Pro- vin; heute mehr, jedenfalls ebenso viel Sozialdemokraten besitzt, al« irgend ein anderer Theil Deutschland«(Sachsen eventuell au»- genommen)*). In erstaunlicher, fast unbegreiflicher Weise hat die sozialistische Bewegung in den allerletzten Jahren hier Eingang gefunden. Bor circa 4 Jahren kannte man Lassalle kaum dem Rauicn nach, und gegenwärtig bestehen fast in allen Städten und größeren Flecken rc. Arbeiterwahlvereine und dergleichen. Herr Hascnclever wird bei seinen Besuchen in Altona mit einem Fackelzug empfangen, und bekanntlich geht fast ein Drittheil der ganzen Auflage de«„Reuen Sozialdemokrat" nach Schleswig-Holstein (incl. Hamburg). Wenn man nun berücksichtigt, daß Schleswig- Holstein weit weniger ein Land der Industrie als de« Ackerbaus und des kleinen Handwerk« ist, wenn man na- mcntlich die ruhige, dem, mit dem lebhaften süddeutschen Naturell nur allzu häufig verbundenen revolutionären Gelüste durch- ans fremde und abholde Sinnesart de« SchleSwig-Hol- steiners in Betracht zieht, so wird man jene Erscheinung auffallend finden müssen und begierig sein, ihre Ursachen kennen zu lernen." Halten wir hier einen Augenblick an. Ob SchleSwig-Holstcin ein„materiell besser gestelltes Land", d. h. noch nicht auf dieselbe Stufe de« Elends wie andere Länder oder Landstriche gesunken. ist» wollen wir hier nicht de« näheren untersuchen, gestehen indeß gerne zu, daß es Landstriche in Deutschland giebt, z. B. die säch- fischen und schlesischen Jadustriebezirke, wo die Masse de« Volks schlimmer gestellt ist al« in SchleSwig-Holstein. Ob der„Satz", „daß die Sozialdemokratie in einem materiell besser gestellten Land verhältnißmäßig günstigeren Boden finde," jemals im Ernst auf- gestellt worden ist, wollen wir ebenfalls nicht untersuchen. Wahr sind aber zwei andere„Sätze", die der Artikelschreiber der„Eon- Erfahrung, daß seit jener Zeit, wo die Höfe in Rorderdilhmarfchfl fast keinen Werth hatten, die einzelnen Besitzungen mit dem all mähligen Steigen der Landpreise stch vergrößerten, und noch heute verschwinden hier die kleinen Stellen von 10 Morgen und daruu- ter mehr und mehr. Die Erdbllcher, die vielen Wurthen(Werften) die sich in den einzelnen Dorfschaften finden, liesern dafür d» strictesten Beweis. Je höher die Preise werden, um so größer wird die Macht de« Kapitals, und mit dieser wird auch die Bib dnng de« Großgrundbesitze« zunehmen." Der Bortrag fährt dann fort: „Wa« zuerst den Betrieb anbettifft, so dürft» wir im Zllgo meinen wohl dreist behaupten, daß derselbe um so sorgfältiger ist je kleiner die Wirthschaftseinhnt, sieht man doch unter den kleine« Wirthfchaftcn einige, welche man in ihrer Art wahre Musterwirth- schasten nennen kann. Wie häufig ist nicht in landwirthschastliche« Kreisen die Frage erörtert worden, ob für unsere Verhältnisse dil Brache überflüssig sei, eventuell durch welche Mittel wir dieselbe überflüssig machen könnten. Auf manchen kleinen Wirthschaftnt sehen wir diese Frage zur Genüge gelöst. Ebenso mit der Weide- wirthschaft: daß dieselbe zur Erhaltung der ProduttionSfähigkeit de« Boden« nicht nothwendig ist, davon können wir uns auf man- chen kleineren Besitzungen täglich überzeugen. Es unterliegt als» wohl keinem Zweifel, daß die kleineren Wirthschaften durchweg sorgfältiger und besonders auch intensiver betrieben werden, alt die größeren, in Folge dessen auch mehr Arbeitskräfte absorbirea» wovon aber der Grundbesitzer, gezwungen durch die Kleinheit seine« Besitzthums und befähigt durch die leichtere Ueberstchllichkeit dessel« ben, einen Theil selbst leisten würde." Dazu sagt wieder die Redaction: „Die« soll keineswegs bestritten werden, es kommt dabei aber eine zweite Fage, nämlich die der Rentabilität, in Betracht. Jo der letzten Nummer de«„Landw. Wochenbl." wird in dieser Be- ziehung gesagt:«Wie ein rother Faden zieht sich schon seit lange durch die Verhandlung«! sämmtlicher landwirthschaftlichcn Verein« Deutschlands die Frage über den Arbeitermangel, wird in unzäh-! ligen Schriften behandelt, um ihre Lösung dennoch nicht zu finden. Mehr und mehr tritt die Maschine an die Stelle aller Handarbeit cordia" jedoch nicht ausspricht: die Roth an sich erzeugt keine. und verdrängt jetzt selbst in Deutschland schon die Pferdekrast bei sozialistische Bewegung, keine„revolutionären Gelüste." In Indien der Bearbeitung des Boden«, denn man berichtet z. B. von den s müssen glauben. Im Winterthurer„Landboten" läßt sich eine uns und Persien sind Millionen von Menschen verhungert, ohne daß eine Hand sich gegen die jämmerlichen Regierungen erhoben hätte, bekannte, wohlunterrichtete Feder in dieser Sache wie folgt ver- nehmen: „In den letzten Wochen gab e« nicht wenig Zeitungslärm über eine„Liigue universelle des travailleurs", die sich in Genf ge- bildet und ohne jedwede politische Tendenz die Gewerkschaften aller Welt in sich vereinigt haben soll. Run, wer kann dafür, wenn etwa ein halb.s Dutzend in der hiesigen Arbeiterbewegung verkannte Größen, welche die Lorbeeren BakuninS selig nicht ruhig schlafen ließen und die, nachdem sie die„Federation romande" gründlich S Tode verwaltet und geleitet und noch andere Fiasko'S auf dem erbholz hatten, der internationalen Arbeiterassoziation den Rücken kehrten und um internationaler als die Internationale zu sein, den kühnen Plan faßten, besagte„Ligue universello" zu gründen, um wohl auch in Sonne, Mond und Sternen Gewerkschaften um sich iu vereinigen. Doch sind die wackera Recken im Bewußtsein ihrer früheren Heldenthatcn so bescheiden, daß sie bis hente noch der neugierigen Welt ihre berühmten Namen verschwiegen. Leider sind aber die hiesigen und auswärtigen deutschen und welschen Gewerk- schaffen so erkenntnißlo« und undankbar, nicht« von der neuen WeltbealückungS-Gründerschaft wissen, sondern der Fahne des internationalen ArbeiterbundeS treu bleiben zu wollen. Darum haben wir hier allerdings ein Central- Comitö der Liga, aber ohne Gewerkschaften, also einen Generalstab ohne Armee, oder vielmehr und sogar eine Generalität ohne Generalstab. Freilich hat das UniversalbrüderschaftScomits, was ganz seiner Natur und Aufgabe konform, ein monatlich erscheinendes Organ— ohne Abonnenten und somit auch noch ein Schwert ohne Griff, dem die Klinge fehlt. Ja, wenn es sonst wo heißt:„viel Geschrei und wenig Wolle", so muß e« hier heißen:„viel Geschrei und gar keine Wolle!" Mögen sich jedoch die schmählich verkannten Heil«- stifter Wösten, denn e» ist ja zuweilen auch„ehrlichen" Gründern von Goldminen, Geld- und Zettelbanken nicht nur nicht viel besser, sondern manchmal noch schlimmer gegangen.« Wir könnten von den„berühmten Namen" mehrere nennen, «ollen aber nur bemerken, daß sich diese Namen gar keine« beson- der» Ansehen« erfteueu. Einstweilen begnügen wir un« mit den beruhigenden Mittheilungen, die der Correspondent des„Land- boten« macht und behalten un« vor, demnächst nochmals auf diese AllerweltS-GewerkschaftSgründerei und Schwindelei zurückzukommen. welche das Elend verschuldet. Nicht minder gewiß aber ist, daß — Genosse UHU in Chemnitz angetreten. hat eine vierwöchentlichc Haft — Aus Leipzig schreibt ein Correspondent der zum Reptilien- fonds in intimen Beziehungen stehenden„Dresdner Presse":„Ueber die großen Geldmittel, welche die sozialdemokratische Partei bei den Wahlen zur Verfügung gehabt hat, sind hier merkwürdige Gerüchte verbreitet. So soll ew vor etwa acht Tagen au«ge- trochener Bankerott eine» hiesigen Geschäftshauses, beziehentlich die Anfertigung falscher Wechsel mit jenen Geldmitteln in Berbindung stehen. Die Angelegenheit liegt gegenwärtig dem Criminalrichter vor, und e« wird abzuwarten sein, ob sich dort Spezielleres und Gewisses herausstellt." Da« Wahlcomite für die Wahl Johann Jacoby's, welche« die Wahlagitation im Leipziger Landkreis geleitet und die Geldmittel dazu beschafft hat, hat mit dem oben angedeuteten Fallissement aerade so viel zu thun, wie mit dem Wiener oder Ncwy orker Börsenkrach. E« kann bi« auf Heller und Pfennig nachgewiesen werden, daß die für die Wahlagitation verausgabten Summen durch freiwillige Beiträge von Parteigenossen aufgebracht worden sind; den Correspondenteu der„Dresdner Presse« aber, «elcher die Aufbringung dieser Summen mit Wechselfälschungen w Verbindung bringen und somit unsere Partei in gemeinster Weis« verdächtigen will, erklären wir hiermit öffentlich für einen tltnöen Ferkeumder und infamen Lügner. Wir hoffen, daß diese« Subjekt den Muth hat, un« gerichtlich zu belangen. B eiläufig bemerkt wird der Cassirer unsere« Wahlcomitv's das „Leipziger Tageblatt", die„Deussche allgemeine Zeitung" und die „Dresdner Presse" wegen Verleumdung gerichtlich belangen. Wie der Sozialismus„gemacht" wird. Nach Sachsen ist bekanntlich SchleSwig-Holstein derjenige Theil Deutschland«, in welchem der Sozialismus bi« jetzt die tiefsten und anSgebreitttstea Wurzeln gefaßt hat. In ihrer letzten Nummer eine sozialistische Bewegung nur dem Bewußtsein einer unglück lichen, gedrückten oder wenigsten« unbeftiedigenden Lage-ntspringen kann. Auf diese« Bewußtsein kommt alles an. Der Paria nimmt Hunger unv Fußtritte ruhig hin, weil er glaubt, daß Hunger und Fußtritte sein Erbtheil auf Erden, sein unabänderliches Schicksal. Der relativ noch gut situirte Arbeiter, Handwerker oder Kleinbauer, der aber zu der Erkenntniß gelangt ist, daß seine Lage stch nach den ehernen Gesetzen der herrschenden BourgeoiSökouomie beständig verschlechtern muß, daß für ihn keine Hoffnung, so lange das heutige Gesellschaftssystem in Kraft, und daß dieses Gesell schaftSsystem kein„ewiges" ist, sondern nur vorübergehend— Men- schenwerk, das der Mensch wieder umwerfen kann— dieser Arbeiter, Handwerker und Kleinbauer wird nothwendig nach Beseitigung diese» Systems streben: er wird Sozialist, und bekommt nicht bloß „revolutionäre Gelüste", sondern revolutionäre Prinzipien— mit Verlaub des Herrn Staatsanwalt«. Bei der letzten Wahl hat sich da« recht deutlich gezeigt. In Sachsen wie iu Schleswig- Holstern haben die Kleindauern und die Handwerker(letztere fteilich nicht überall— an vielen Orten hat sich das städtische Kleinbürger- thum von dem so oft über die Aüsel angesehenen und für„stabil" tl „fortschrittsfeindlich" verschrieenen Bauernthum überflügeln lassen—) mit dem Jndustrieproletariat um die Wette für den Sieg der sozialistischen Candidaten gewirkt. Doch nun zurück zu dem Artikelschreiber der„Concordia". Den Grund für das Ueberhandnehmcn des Sozialismus in Schleswig- Holstein findet er„vor Allem in SchleSwig-Holstein« politischer Geschichte der letzten Jahre",— in den häufigen RegierungS- wechseln und dem dadurch hervorgebrachten Gefühl der Unsicherheit der Zustände zc.— und außerdem in der Vernachlässigung der materiellen Interessen deS Volks Seitens der übrigen Parteien und deren Presse. Nun— zur Verbreitung de« Sozialismus beigetragen haben die hier ausgezählten Momente unleugbar; aber die eigentliche Ursache ist dem Artikelschreiber der„Concordia" entgangen. Ein Schleswig-Holstein'sche« Blatt, die„Jtzehoer Nachrichten« legt sie zu Tage. Unter der Ueberschrift:„Wie werden durch Zerstücklung der Bauernhöfe die land- und volkSwirthschaftlichen Interessen beeinflußt?" veröffentlichte daS genannte Blatt vor Kurzem den Bericht eines landwirthschaftlichen Vortrags, dem die Redaktion eigene Bemerkungen beifügte. Zunächst schreibt die Redaktion: „Diese Frage ist in neuester Zeit vielfach besprochen worden. Auch in der letzten Hauptversammlung unsere« landwirthschaftlichen Generalvereins zu Flensburg wurde die Frage lebhaft debattirt und es machte sich hier besonder« die Befürchtung geltend, daß ein Proletariat von Landbesitzern unausbleiblich fei. Die An- sichten rücksichtlich der Zerstückelung größerer Besitze, wie sie ja namentlich in Angeln in letzterer Zeit so vielfach vorkam, gehen ziemlich weit auseinander, und e« dürste daher nachstehender Vor- trag, gehalten in der letzten Generalversammlung de« landwirth- schaftlichen Vereins für Norverdithmarschen von allgemeinem Jnter- esse sein." Im Vortrage selbst geht es dann weiter: „Seit Anlage der Wesselburener Zuckerfabrik sehen wir einen Anlauf nehmen zur Bildung eine« Großgrundbesitze« im Herzen unseres Lande«, und gewiß sind Viele unter un«, welche sich bei diesem Anblick eines Gefühls deS Mißbehagen« nicht erwehren können. Wenn wir immerhin auch zugeben wollen, daß die Er- Weiterung de« Grundbesitzes der einzigen Wesselburener Fabrik in einem solchen Maßstabe, daß man ihn füglich einen Großzrund- besitz nennen könnte, einen merklichen Einfluß aus unsere allge- meinen Verhältnisse nicht ausüben würde, so sagt un« im Allge- meinen jenes Gefühl doch sicher da« Richtige. Wenn wir uns nämlich die ganze Norderdith.marscher Marsch zu solchen größeren Landkomplexen vereinigt denken, so haben wir hier einen rechten Heerd für den Kampf zwischen Kapital und Arbeit, und die Hülfe, wo jetzt ganze Familien eine glückliche, sorgenfteie Existenz haben, würden dann weiter nichts fein, al» Vorwerke, Zahlenkolonnen im Buche des Oekonomieinspektor«, und ein solcher Zusiand würde gewiß ein Rückschritt im Vergleich zu dem jetzigen zu nennen sein." Dazu bemerkt wieder die Redaction: „Die hier besonder« in» Auge gefaßte Theilung ist al« bevor- stehend durch nichts bewiesen und dürfte sich auch schwerlich ein- stellen, natürlich einzelne Fälle abgerechnet. Vielmehr lehrt die Erfolgen, mit welchen der Dampfpflug hier und dort seine Furch» gezogen. Kommt aber erst einmal die Zeit heran, wo ein nam- hafter Theil des bestellten Grund und BodcnS mittelst der Ma- schinen bearbeitet wird, die Zeit, in der immer allgemeiner durch Maschinen gesäet, gemäht unv gedroschen wird, dann können die- jenigcn Besitzer von Grund und Boden, welche die Maschiuers ihrer Kostspieligkeit wegen und weil deswegen ihre Anschaffung fürt den bäuerlichen Landwirth nicht rentabel ist, nicht halten können, nicht mehr mit dem Großgrundbesitz konkurriren und müssen zu Grunde gehen. Hören wir nicht schon heute auS Mecklenburg, Pommern:c. Klagen zu uns dringen, daß die kleineren Besitzer und Pächter, die unter 150 bis 200 Hektare bewirthsch asten, nicht „rund kommen" können, weil die Flächen für die Maschinenarbeit zu geringe sind?" Soweit die„Jtzehoer Nachrichten". Also bei der heutigen Pro- duttionSweise kann der kleine Bauernstand„mit dem Groß- grundbesitz nicht konkurriren" und muß„zu Grund« gehen"! Die SchleSwig-Holstein'schen Kleinbauern haben jedoch keine Lust,„zu Grunde zu gehen," und darum sind sie Sozia- listen. Und wer hat die sozialistische Bewegung in Schleswig- Holstein„gemacht"? Die große Generalagitatorin, der wir W sozialistische Bewegung überall verdanken— die herrschende QU Gesellschaftsordnung. Sie werft in« Gefängniß, ihr Herr» StaatSretter; mit ihr auf die Bank der Angeklagten, ihr Herr» Staatsanwälte! l< w lil w e, g' al di P £ vo ab «, dn Al de toi ad El fü> bei Generalrath der internationalen Arbeiterassoziation An die deutschen Parteigenossen. Mitarbeiter! Am 20. Oktober gab der Generalrath deni nordamerikanischei Födcralrath Nachricht, daß der neue Generalrath seinen Sitz i» New-Aork haben solle und durch die nordamerikanische Föderation zu erwählen sei. Zu gleicher Zeit ersuchten wir den obiges ein Föderalrath, die Wahl uiöglickist zu beschleunigen. Am 7. Novbri we antwortete deisekbe, daß er alle Sectionen davon benachrichtigl eir habe und deren Rückäußcrung erwarte.> ist. Schon in gewöhnlichen Zeiten rfordert eS bei der ungeheures ges Ausdehnung dieses Landes geraume Zeit, eine gemeinschaftlich« ün Handlung aller Sectionen zu erzielen. Dazu kommt jetzt eiw enj äußerst lebhafte, dem großen Nothstand unter der hiesigen Arbeiter«e bevölkerung entsprechende Arbeiterbewegung, welche alle Kräfte dei in< Sectionen sowohl, al« besonders der Mitglieder des Föderalratht dri und Generalraths in Anspruch nimmt. Unter diesen Umstände« ftll ist die Wahl des neuen Gencralraths ohne unser Zuthun urü eir egen unsre Neigung verzögert worden und wird schwerlich vl» sch "nde Januar oder Anfang Februar�». I. vorgenommen werdet ha können. Da« Resultat werden wir Euch sofort mittheilen. Wir ersuchen Euch um Einsendung von Berichten. New-Pork, 25. Dezbr. 1873. Brüderlichen Gruß *) Mcrdüigs! R. d. B. Im Auftr. F. A. u. Namen des Generalrath« der Sorge, Gen.-Secretär. Es z«s »b« Ä)i «ns Gewerksgenossenschaftliches« Th u« Metallarbeitergewerksgenoffenschast von Leipzig und Umgegea» Allen Mitgliedschaften zur Nachricht, daß das Mitgliedsbus � auf Johannes Bohn lautend, Nr. 121, bis auf Weiteres für u» gültig erklärt wird. Gleichzeitig fordere ich alle Mitglieder von Leipzig und UU gegend auf, recht zahlreich in den Sitzungen, die jeden MontaL abgehalten werden, zu erscheinen, und neue Mitglieder anzuwerben � Zpli»- vi, TOifnnrtifArtff- � Für die Mitgliedschaft Richard Ludwig, Bayer'sche Str. Nr. 9C 4 Sprechstunde von 12— 1 Uhr und 6 bep Tr., nicht Nr. -8 Uhr.-tC Correspondenzen» Leipzig, 1. Februar. Bor einigen Tagen hielten die Leipzig«- Gesellschaft" und der städtische Verein, zwei Vck »A „Gemeinnützige..., WWWW,.___| a,____ eine, in denen die Führerschaft de«„reinen"'NationalliberaliSw» A und des„liberalen" Fortschrittlerthums conzentrirt ist, eine gemei« same Versammlung ab, um zu berathen, wa« gegen die schreckenden" Forffchritte de« Sozialismus zu machen fei. wieder gewählte ReichstagSabgeordnete für Leipzig, Herr-. Stephani, hielt den einleitenden Vortrag, der neben den HÜ � .-> die l?"« sch« länglich bekannten Gemeinplätzen von der„Freiheit", die angeblich all in Dtuischland herrsche, der Nothwendigkeit, den Kampf gegen die gellte.Reicheseinde" fräfha zu führen, auch einige intereffante Tinge- ruw ständnisse enthielt, die wir uns für gelegene Zeit merken wollen. teu), Herr Stephani weinte die Auftechterhaltnng der Wehrfähigkeit, d» die Sicherung der Preßsreiheit, die Förderung der«irthschaftlichen öß« Gesetzgebung, alles die« würde, weuu nicht»efentlich beeinträchtigt, Bil- t* doch gewaltig erschwert«erden durch da« Widerstreben der Minorität.(Sozialisten, Ultramontane rc.) Ja allen drei Punkten stellt Herr Stephani den wirklichen Sachverhalt auf den Kopf, llao denn indem die Sozialdemokratie die möglichst kürzeste Dienstzeit ist»erlangt, ist sie bestrebt, die Lasten der Bevölkerung in FriedenSzeit ine» auf ein Minimum zu reduziren, und in Zeiten des Kriegs, der irth- freilich kein Angriff»- und Eroberungskrieg fein darf wie der von che, 1866 oder 1870, um so auSgiebiger die Mittel zu besitzen, ihn dil«it Nachdruck führen zu können. Die kurze Präsenzzeit unter den selbe Fahnen ennöglicbt die Ausbildung einer weit größeren Zahl, zu aller ifteo waffenfähigen Mannschaft und macht die allgemeine Wehrpflicht •ide- die heute nur Heuchelei ist, erst zur Wahrheit. Müssen, wie sie gleit bei einem solchen Spüem im Felde eine« Angriffskrieg« aufgeboten werden können, machen ein Boll unüberwindlich und kürzen die als« KriegSleideu ab. Daß Herr Stephani behauptet, die Sicherung der Preßfteiheit und die Förderung der wirthfchaftlichen Freiheit all«erde durch die Sozialdemokratie gehindert, ist eine absichtliche reu,-Verdrehung de« wahren ThatbestandeS. Bis jetzt ist es die Partei ine« des Herrn Stephani gewesen, welche an die beflehende Preßfreiheit iffel. die Axt gelegt hat und auf deren Zustimmung Fürst Bismarck rechnet, wenn er PreßkoebelungSentwürfe, wie die bekannten, im Reichstag einbringt; dieselbe Partei ist es anch, welche Gesetze, aber! wie die gegen den Conttaktbruch der Arbeiter, verlangt, Gesetz- I, entwürfe oder Anträge zur Sicherung der Kassenfteiheit und ge- 53e> werkschaftlichen Organisation der Arbeiter aber bisher hintangehalten ingc«der zurückgewiesen hat. ein« Nach Herrn Stephani soll der Ausfall der Wahlen auch das ,äh- Kriegsgelüste des Auslandes vermehrt haben, was natürlich nur hett behauptet wird, um für ihn und feines Gleichen die Zustimmung ebeit W dem neuen Militärgesetz im Voraus zu motiviren und zu ent- � bei schuldigen. den Herr Stephani fährt dann in seinen Auseinandersetzungen also -cheo fort— wir berichten nach der„Deutschen Allgem. Zeitung—: tarn-«Erwägen wir uns nun, was wir unter solchen Umständen zu Mo- thun haben, so liegt eigentlich die ganze Antwort in dem einen «urch Satze:„nur unsere Pflicht«, aber voll und ganz. Fern sei von p-i- jedem Liberalen der Gedanke einer Beschränkung des allgemeinen ,in'äa Stimmrechts, welche die Reformer nur zu Verschwörern machen . stit würde, fern die Beschränkung der Preßfteiheit oder der wirthschast- inJB' lichen Freiheit(Bravo!). Um aber unsere Pflicht, zu thun, müflen n ju wir eben da« Wahlrecht nicht nur als ein Recht sondern als eine mrg. twiste Pflicht betrachten, sonst kann es freilich eine gefährliche Waffe sitzer gkgen die Freiheit werden. In dieser Hinsicht können wir uns nicht aber den Borwurf der Lauheit und Trägheit bei den Wahlen rbeit durchaus nicht ersparen. Dishalb können und sollen die liberalen Parteien mehr thun für Hebung de« politischen Lebens überhaupt, fttr Belehrung und Aufklärung des Volks, und in der einen wie coa, in der ander» Beziehung können wir von unfern Gegnern, namentlich indt ,>0n den Sozialdemokraten, recht viel lernen.« -doch»Niemand wird dem Sozial SmuS alle und jede Berechtigung tia« absprechen; fragen wir uns nun, ob wir seinen berechtigten For- derungen gegenüber immer Alles gethan haben, waS da hätte ge- : hje fchehen sollen, so werden wir unS wohl sagen müffen, daß wir !Nd« auch in dieser Hinsicht oft anders hätten handeln können.« erren � si"d hübjchc Bekenntnisse, welche Herr Stephani hier gemacht hat, Bekenntnisse, die um so wcrthvoller sind, als sie von einem .Manne ausgehen, der durch feine eigne bisherige Thätigkeit im _ J Reichstag im höchsten Grad die Anklage verdient, welche er gegen 1 die ganze liberale Partei richtet; denn wir wissen auch nicht eine Abstimmung, durch welche Herr Stephani sich entschieden auf Seiten iüv- der Freiheit gestellt hätte, die er in seiner Rede so häusig be- tonte und als von un« gefährdet darstellte. Herr Stephani wird aber auch zugeben, daß, wenn nach seinem eignen G ständniß die scheu Sozialdemokratie„für Hebung des politischen Lebens überhaupt, y i? für Belehrung und Ausklärung des Volkes gewirkt hat«, daß„in atioh der einen wie in der andern Beziehung« die liberale Partei sich bizeK ein Muster daran nehmen kann, damit nicht nur jeder Grund ovbn wegfällt, die Sozialdemokratie zu bekämpfen, sondern auch damit chtigt eingestanden wird, daß die liberale Partei eine reaktionäre Partei ist. ES macht sich zum mindesten kurios, wenn nach solchen Ein- eure* geständnissen Herr Dr. Stephani eine Resolution vorschlägt, in der stlich< unter andern die Stelle vorkommt: Die Versammlung erklärt eine eilü«tgere Verbindung der reichStreuen liberalen Partei.... zur ge- eiter weinsamen Bekämpfung aller reichS- und kulturfeindlichen Tendenzen, e de« insbesondere der ultramontanen und sozialistischen Partei als eine rathl bringende Nothwendigkeit." Herr Stephani weiß so gut wie wir indet selbst, daß UltramontaniSmuS und Sozialismus nichts weiter mit urü einander gemein haben, als daß beide Parteien von der Herr- ? vo« schenden Gewalt verfolgt und unterdrückt werden und daß sie beide erde««ach Kräften gegen diese Verfolgung und Unterdrückung kämpfen. Es ist also einfach eine politische Unehrlichkeit, wenn beide Parteien Zusammen in einen Topf geworfen werden. Diese Resolution steht aber auch im grellen Contrast mit dem, was Herr Dr. Stephani :athS bem Sozialismus gegenüber einzuräumen sich gezwungen sah. Diese ganze Versammlung zeigt also aufs Neue die Unehrlichkeit ___ unserer Feinde. Wir freuen un», daß sie ernstlich versuchen wollen— an der Dhat zweifeln wir noch immer— in die Arena herabzusteigen und vor den Augen de« Volks sich mit dem Sozialismus zu »t«k Hessen. Wir werden die Gelegenheit zum geistigen Kampf, wo isbuZir Pch auch bietet, mit Freuden ergreifen, und sind überzeugt, daß !_ u!i ber Sieg auf unsrer Seite bleiben wird. Also nur immer herau» auf die Mensur, ihr Herrn Liberalen; . ngi�ser Paukzeug ist in Ordnung,„wir sind fertig!« tont» 6. Februar. Die Wuth der liberalen und conser- j-rbe« Bourgeois über den Sieg im 13. Wahlbezirk kennt keine 1 Frenzen. Mit den lächerlichsten Behauptungen sucht man zu � gc beweisen, wie angeblich die bösen Sozialdemokraten die ftommen braven gutwüthigen Bourgeois eingeschüchtert und terrorisirt haben. ' Meilich ist die gegnerische Lügenpresse gezwungen, alle die gebrachten " Vehauptongcn den nächsten Tag wieder als Lügen und Unwahr- besten zu widerrufen, aber da« hält sie nicht ab, mit immer neuen Anklagen hervorzutteten. ipzlgk' Neuerding» tritt daS„Leipziger Tageblatt", da» sich durch die i M"rbinairste und unwürdigste Kampfweise gegen die Sozialdemokratie liSffl" �Szeichnet, mit der Behauptung hervor, man werde nicht nur die emei» jJ?c. betrifft,- so ist dieselbe vom Strafgesetzbuch definirt und mitbestimmten Strafen belegt. Wenn wir Sozialdemokraten wirklich„indirekt" an dem Bordellkrawall schuld sind, wie Sie sagen, Herr Staatsanwalt, so ist e« Ihre Pflicht, uns den Prozeß zu machen. Wenn wir aber nicht„indirekt" schuld sind, dann Herr Staatsanwalt Fischer» haben Sie eine Verleumdung ausgesprochen. Eine„indirekte" Mitschuld, die nicht gesetzlich strafbar ist, mag möglicherweise in Ihrem Hirn spucken, Herr Fischer, aber da« ist Sache des Privatmanns Fischer: den Staatsanwalt Fischer geht da« nicht« an. Crimmitschau, 27. Januar. Der„Crimmitsch. Bürger- und Bauernfteund" schreibt zur Charakteristik der KnappschaftSkassen über die Maßregelung des Bergarbeiters Poser zu Lichtentanne: Vom 5. September 1866 bis 18. Dezember 1873 arbeitete ich beider Zwickauer Bürgergewerkschast als Fördcrmann, dann als Häuer, und später als Zimmerling. Ich habe mich während dieser Zeit in meinm Arbeitsverhältnissen sowohl, wie auch gegen meine Vorgesetzten in einer Weife betragen, daß eine Beschwerde gegen mich nicht zu führen war. In den letzten Jahren erhielt ich auch das Vertrauen meiner Kameraden; sie wählten mich zu ihrem Vertreter in den KnappfchaftSauSfchuß. Hier war eS mir aber nicht lange vergönnt, die Interessen meiner Kameraden wahr- zunehmen, denn der Herr Direktor Hcrtwig weiß sich solche Leute, die irgend eine Opposition zu machen versuchen, gar leicht vom Halse zu schaffen. Er hatte gesehen, daß ich ein Vertreter meiner Kameraden war und nicht ein gewünschter Kopfnicker. In letzterer Zeit gründete ich noch obendrein mit einigen meiner Kameraden die Genossenschaft der Zwickauer Gruben- und Tagearbeiter, in welcher ich den 7. Dezember 1373 als Borsitzender gewählt wurde. Hier aber hatte die Geduld des Herrn Direktor ein Ende, denn einige Tage später wurde mir schon durch den Herrn Obersteiger Hünig die Arbeit gekündigt. Als ich nach der Ursache fragte, sagte er:„Geh'n Sie zum Direktor! Der wird e« wohl wissen!" Ich wendete mick in bitten- der Weise an denselben; er«ie« mich jedoch ab und sagte:„Ich habe nicht Ursache, mich mit Ihnen in eine Diskusston einzulassca; wa» ich gesagt, dabei bleibt'S!" Am 13. Dezember ersparte er mir den Weg nach seiner Expe- dition, schickte mir mein Arbeitsbuch nach dem Bahnhofschacht und ich mußte mit gutem Winde abgehen. Al« ich in mein Arbeit« buch sah, stand darin geschrieben:„Inhaber hat sich während dieser Zeit im Allgemeinen gut betragen und wird, weil entbehrlich, ent- lassen." Also entbehrlich! Doch nicht ou» Arbeitsmangel, neio! Den« eS sind schon mehrere Arbeiter wieder angelegt worden. Wahrscheinlich deshalb, weil ich als Rollenältester Versammlungen ein- berufen Hab«, um die Interessen der Arbeiter zu fördern? Oder weil ich bei einer AuSschußsitzung beantragte, die Tagearbeiter mit in die KnappschaftSkassc auszunehmen, wa« mir gütigst abgeschlageu wurde? Oder vielleicht deshalb, weil ich die Petition überreicht habe, in welcher man um Erhöhung des Invaliden-, Witwen» und Waisengeldes gebeten hat? Oder weil ich den Entwurf der neuen Knappschaftsstatuten nicht anerkannt habe? Oder weil man mich zum Vorsitzenden der Zwickauer Bergarbeitergenossenschast gewählt hat? Nicht wahr, Herr Direktor, das sind die Ursachen, die Sie bewegen konnten, mich außer Arbeit zu setzen? Auf diese Weise bin ich nun auS meinen Rechten, die ich mir bei dem betreffenden Werke erworben habe, hinausgeworfen wor- den; ein Kapital von ungefähr 80 Thlr., was ich während dieser Zeit in monallichen Beiträgen eingezahlt habe, ist in den Wind, denn die KnappschaftS-Statutcn sagen ausdrücklich:„Ein einzelne» Mitglied hat kein Recht an die KaappschaftSkasse." Die Herren haben zwar einen Verband(Convention) geschlossen, worin man dem Arbeiter vorspiegeln will, daß seine Rechte da- durch gesichert seien, daS ist aber nicht der Fall; denn e» heißt ausdrücklich, daß jeder WcrkSbesttzer nach vierteljähriger Kündigung zurücktreten kann, und somit kann sich in kurzer Zeit der Verband auflösen. Auf ähnliche Weise wurde auch der Bergschmied Schmidt und Moritz Oehme von demselben Herrn Direktor außer Arbeit ge- setzt. Also hat der Herr Direktor das Recht, einen Arbeiter, der ihm irgendwie unlieb geworden ist, hinau« zu maßregeln und ihn obendrein um sein eingezahltes Knappschastsvermögen zu bringen, waS die Herren wahrscheinlich dann später verschlingen wollen, denn es heißt in tz 25 des neuen Entwurfs:„Sollte der Fall eintreten, daß der Aktienverein der Zwickauer Bürgergewerkschast sich auflöse, so steht über die Verwendung de» noch verbleibenden Bestandes dem Direktorium des Verein« die Beschlußfassung zu.« Meine Kameraden, Ihr werdet hieran« ersehen, daß die Knapp- schaftstasse für den einzelnen, und die Convention für die gesamm- ten Arbeitir keine Sicherstellung ist. Die Herren haben da« Thun und Lassen und die Arbeiter da» Zusehen. Nun, Kameraden, sollte Euch dieses Verfahren nicht die Augen öffnen, daß Ihr treu und fest zusammenstehen müßt, um diesen Herren auf gesetzlichem Wege ein„Halt!" zuzurufen? Denn man kann nur Einzelne maßregeln, aber nicht eine ganze Gewerkschaft. Kameraden, seid auf der Wacht! Denn ohne die Vereinigung wird es Euch nimmer gelingen, die Gränzen Eurer jetzigen' Ab- hängigkeit zu überschreiten. Da« beste Mittel, WaS Euch zur Seite steht, ist die„Genossenschaft der Zwickauer Gruben- und Tage- arbeiter". Hier müßt Ihr beitreten, denn nur auf diesem Wege kann der Bergarbeiter seine Interessen wahren und fördern. F. E. P. Slollberg, 2S. Januar.(Maßregelungen.) Am 7. Januar fand eine Versammlung der Woller'schen Arbeiter hier statt, welche Ficker einberufen hatte; dieselbe betraf die Krankenkasse. Der Director hat ein neue« Statut für die Krankenkasse ausgearbeitet, nach weschem die Arbeiter pro Woche 1'/- Ngr., vorher 1 Ngr. steuern müssen, und Woller auch Vorsteher und Kassirer zugleich ist. Außerdem ernennt Woller die übrigen Borsteher, und werde« u diesen Aemtern allemal die Aufseher berufen. Es wird sozu- agen eine Zwangskasse, welche man den Arbeitern aufbürdet. Auch ist dem Arbeiterpersonal, so lange wie diese Woller'sche Kranken- kasse besteht, vielleicht 16 Jahre, noch keine Rechnung abgelegt worden. Da man nun diese« neue Statut uns aufoctroyirte, so be- rief eben Ficker diese Versammlung ein und forderte gleich in der Anrede die Ausschußmitglieder auf, denen doch daS Statut schon einmal unterbreitet worden war, in dieser Versammlung Rechen- schast darüber zu geben. JunghanS gehörte mit zu den Ausschußmitgliedern und unterstützt- in erwähnter Versammlung den Ficker. Tags nach der Versammlung ist schon ein Zettel unter den Auf- sehern gewesen, daß Beide, Ficker und JunghanS, Feierabend be- kommen. Nun hat aber JunghanS in Mitteldorf Stimmzettel ausgetragen, hat sich aber zuvor einen halben Tag Urlaub au»» gebeten, welchen er auch erhalten, hat folglich nicht gegen die Fabrikordnung, wenn man sie so nennen kann, gehandelt. Ficker hingegen hat gar keine ausgetragen, hat aber in derselben Zeit auch einmal einen halben Tag Urlaub genommen, Hr. Woller hat jedoch Beiden am 17. Januar wegen mehrmaligen Fehlen« und StiaimzettelaustragenS gekündigt. Der große Herr Woller konnte nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen; einmal da man e» sich nicht gefallen lassen wollte, daß der Herr Woller» wie der Director sagt, seine Hand nicht aus der Krankenkasse lasse, und andcrntheilS, daß diese Arbeiter sich erlaubt, was zwar nur bei einem der Fall, Stimmzettel für Liebknecht auszutragen. Die andere Maßregelung bettifft den Parteigenossen Gottlieb Krause aus NeuölSnitz, welcher als Bergmann auf dem Karlschacht „Lugau-Niederwürschnitzer Steinkohlenbauverein" in Arbeit war. Genannter Krause begab sich am Wahltag in das Wahllokal, und als die Wahlhandlung beginnen sollte, spricht der Wahlvorsteher Krisch zu Krause, er möge sich von der Tafel ab an einen anderen Tisch setzen, was auch Kraule bereitwilligst ihat. Dieser Wahl» Vorsteher Krisch war aber ein Bctriebsdirector, und zwar aus dem herrschaftlichen Kohlenwerk, welcher im Verband mit dem Herrn Director Hause auf dem Karlschacht steht. So hat dieser Krisch zu dem Director Hause gesagt, daß er habe zu Krause sagen müssen:„Stecken Sie nur Ihre Nase nicht so weit herein, Sie werden'S wohl noch erkennen können." Natürlich hatte nun Hause weiter nichts zu thun, als dem Arbeiter daraufhin zu kündigen. Aber daS ist noch nicht genug. Der Director Hause hat sich zu sagen erlaubt, dafür ist gesorgt, daß Krause auf keinem Werk Arbeit bekommt. Unsere Genossenschaft wächst immer mehr; durch solche Vorkommnisse kommen die Arbeiter zur Einsicht. Zörbig bei Halle a/S. Vor kurzer Zeit sind hier zwei Fa» briken gegründet worden, der Lohn in denselben beträgt wöchentlich 3 Thlr. 2'/- Sgr., bekommen die Arbeiter als Geschenk, wenn sie sich verbindlich machen, 1 Jahr lang in der Fabrik zu bleiben. Doch erhalten sie das Geld erst am Ende de« Jahre». Die bei- den Fabrikanten sind nämlich Schlaumeier. Sie denken, durch da« sogen.„Geschenk" fesseln wir die Arbeiter au die Fabrik, aber da» Geld behalten wir doch; denn bei dem geringsten Versehen seitens Ux Ärbtittr, erhalten dieselben die 2'- Sgr. pro Tag nicht au»- gezahlt. Auch haben hier die„Fabrikherren" eine Verbindung ge- schlofft», wonach sie Arbeiter au» der Fabrik ihre« Concurrenteu niemal« in Arbeit nehmen. Und gegenüber solchen Zuständen sind die Arbeiter Hierort» vollkomme» stumpf. Eine Vereinigung ließ ffch bi» jetzt nicht herstellen. Wagt mau e» nur im Gasthaus etwa» diese Zustände zu tadeln, so wird man al« Rebell an- gesehen. Arnstadt. Einen Akt roher Brutalität hat sich hier beim letzten Brandunglllck ein Wächter der öffentlichen Sicherheit zu schulden kommen lassen, welcher im Interesse de« Publikum« öffent- lich gerügt werden muß. Nachdem der Feuerlärm erschollen, begab fich ew junger Mann zur Unglück«stätte, um hilfreiche Hand zu bieten, brach aber unter der Bürde der geretteten Sachen in Folge epi- leptischer Krämpfe zusammen. Besagter SicherheitSwächter schleppte nun diesen besinnungslosen kranken Menschen im Verein mit meh- reren dazu aufgebotenen Kräften wie einen besoffenen Lumpen inS hiesige Wachtlokal, unter Schloß und Riegel, um ihn erst nach ein und einer halben Stunde, trotz allen Betheuerungen feines Uebel», wieder frei zu geben. Wie human man mit ihm beim Transporte dorthin verfahren und welche Redensarten gefallen, will ich übergehen. Die Mutter, welche einige Zeit nachher von dem Unfälle ihre» Sohne« in Kenntniß gesetzt war, begab fich au Ort und Stelle, um ihren kranken Sohn zu reklamiren, bezweckte aber leider weiter nichts, als daß sie gewaltsam zur Thür hinausgeschoben wurde mit den pathetischen Worten: Er ist und bleibt mein Ar- restant, morge werde ich dem Staatsanwalt Anzeige davon machen. Ich ftage nun, welches Recht hatte man, den jungen Mann zu arretiren und aus welchem Grund« hat man denselben auch noch dann festgehalten, al« man von den Zufällen des jungen Menschen Kenntniß erhielt. Welcher Grad von Fähigkeit aber dazu gehört, um einen im Starrkrampf besinnungslos daliegenden Menschen von einem besoffenen zu unterscheiden, das überlasse ich dem geehrten Publikum. Der aber, welcher sich diese gemeine Bru- talität zu schulden kommen ließ, ist der Gendarm Gayer. DieS zur öffentlichen Kenntniß. August Sander. Stahfnrt. Nach Beendigung der Wahlcampague verlohnt es sich vielleicht der Mühe, einen kurzen Blick auf die Arbeiterver- hältniffe unserer so industiiemchen Gegend zu werfen. Daß es an verschiedeneu Wahlunregelmäßigkeiten besonders auf dem stachen Lande, sowie an indirekten, wie direkten Beeinflussungen bei der Wahl auch in unserm Bezirk von Seiten gewisser Gruben-, Zucker- rüben- und Ochsenbarone nicht gefehlt, ist ja schon sclbstverständ- lich. Nach der Wahl sagte ein Inspektor der hiesigen großen Zuckerfabrik den Arbeitern, sie mögen sich nun von Metzner Arbeit geben lassen. Dies ist der Inspektor des viel tausend Morgen Grund und BodenS, meilenweite Strecken von Pferdebahnen, Schächte u. f. w. hier und in der ganzen Umgegend besitzenden Oekouomieraths Bennccke, genannt im BolkSmunve der„Ochsen- tönig", bei dem die Arbeiter in der Zuckerfabrik pro ILstündizc Arbeitszeit 10— 15 Sgr. den Tag verdienen. Herrliche Zustände. In den chemischen Fabriken Hierselbst zeigt fich die Ueberpro- dultion resp. die ArbeitSentlassuugen, so auch in den Salz» bergwerken, die nun da« Kali nicht mit genügendem Gewinn ab- sthen können, in«rschlickender Weise. Demungeachtet werden neue Abtäufungen und Bohrversuche in der Kalisalz-Produktion mit Eiser fortgesetzt. So ist ein neue« Salzbergwerk bei Egeln in Betrieb gesetzt, ein« bei Löderburg. Die Ardeiter werden weist von weniger industriellen Orten herangezogen, sind in Kasematten, theilS auch in kleinen Familienhäusern untergebracht. Nachdem unsere Partei in Eickendorf Boden gewonnen, wurden sosort der Vertrauensmann, Bergmann LouiS Oxenfarth, und der Revisor, Ausseher Abendroth, gemaßregelt. Elfterer hat trotzdem schnell wieder gleiche Arbeit gefunden. Letzterer hingegen hat, nachdem er längere Zeit gefeiert, nur halb so lohnende, aber um so schwerere Arbeit bekommen, ist bejahrt und Vater von sechs Kindern. Wer für Linderung der Noth unsreS wackeren Abendroth etwas thun kann, der säume nicht. Am flottesten geht hier immer noch die Engländersabrik, dort sind meistens Parteigenoffen von uns de- schäftigt. Die Lohnverhältnisse sind im allgemeinen leidlich zu uennen, die Arbeit hingegen ist, wie in allen chemischen Fabriken, schwer und ungesund. Aber das eine Gute hat die Fabriksleitung, d. h. der Herr Direktor, er läßt wenigsten« seinen Arbeitern die freie persönliche Ueberzeugung; gemaßregelt ist dort noch Keiner. Nerttn, 1. Februar. Von Herrn Gustav Rasch geht unS folgendes Schreiben zu: „Herr Redakteur! „Die Karlsruher Zeitung— die badische offizielle Regierungs- zeitnng— scheint sich grundsätzlich damit zu beschäftigen, mich verdächtigende Artikel zu fabriziren unv dieselben in die deutsche Preffe einzuschmuggeln. Die ftüheren Artikel über meine Reise im Elsaß, daß ich unter der MaSke eines preußischen Schulin- spektorS die elsäfsischen Schulen besucht habe, stammten von dem Korrespondenten der Karlsruher Zeitung in Hagenau. Am 11. Jan. brachte die Karlsruher Zeitung einen Artikel au« rem Elsaß, worin der Profeffor Goguel in Straßburg, Mitglied des Direktoriums des dortigen protestantischen Gymnasiums, in denun- ziatorischer Weise beschuldigt wurde, mir die Belege zu meinen Schilderungen des preußischen Schulwesens im Elsaß gegeben zu haben und forderte die Behörden auf, gegen den Professor Goguel eine Kriminaluntersuchung einzuleiten,„der mein ausschließlicher Umgang in Straßburg gewesen sei." Meiner Erklärung, daß ich von dem Profeffor Goguel gar keine Belege erhalten, ihn auch nur«in einziges Mal bei einem halbstündigen Besuche in ferner Wohnung gesehen habe, verweigerte sie die Aufnahme. Kürzlich bringt die Karlsruher Zeitung einen Artikel, worin sie unter den heftigsten Ausfällen und Schimpfteden gegen mich erzählt, daß mein noch gar nicht erschienenes Buch über Elsaß und Lothringen auf jeder Seite Haß und Erbitterung gegen Preußen athme, wenn e« auch kein Wort gegen Deutschland bringe. Auch die« ist wiederum eine steche Erfindung der Karlsruher Zeitung. Mein Buch enthält gar kein Wort de« Hasses gegen Preußen, sondern schildert nur die preußische Verwaltung im Elsaß und die w Folge dieser Verwaltung eingetreten, höchst unerquicklichen Zustände Im Gegencheil habe ich e« bei jeder einzelnen Städteschilderung nie unterlassen, die anerkennenden und lobenden Urtheile der eb sässischen Bevölkerung über da« Benehmen der preußischen Justiz� beamteu und der preußischen Offiziere und Soldaten zu erwähnen Da die Karlsruher Zeitung mir die Aufnahme jeder Er- widerung verweigert und in feiger Weise jeden Appell meinersettS an Ehre und Anstandsgefühl mit Stillschweigen beantwortet, so bleibt mir nicht« weiter übrig, um mich gegen diese hinterlistigen und erbärmlichen Angriffe der badischen Regierungszeitung zu schützen, al« andere deutsche Zeitungen um Aufnahme dieses Schreibens zu bitten. Aerli«, 11. Januar. Ein recht sonderbare« Fuhrwerk passirte am Donnerstag, den 8. Januar die Behrcndstraße. ES war eine neue elegante Equipage, angeferfigt beim Hof Behrendstraße 1K. sattler Herr Hoheit dem Kronprinzen. Hierbei wäre nun wohl nichts Eigen thümliche«, aber da« Sonderbare kommt jetzt. Dieser elegante Wagen wurde von zwei— sage zwei Sattlergesellen gezogen, und drin saß— der Hossattler Hennig— als die betreff enden Sattlergesellen in eine Straße einbogen, welche sie nach der Mei- nung des HoffattlerS Hennig nicht fahrenfollten, beugte sich der- selbe au« dem Wagen herau« und rief:„Ihr Bauern, könnt Ihr nicht die andere Straße entlang fahren?" Diese» ist Unterzeichneten von einem Augenzeugen mitgetheilt worden. Welche Gefühle mich augenblicklich beim Hören dieses durchwogten, kann ich nicht be- schreiben(doch muß ich noch bemerken, daß da« Pferd des oben- erwähnten Hofsattler« Hennig im Stall stand); also soweit ist es gekommen, daß man Sattler- Gesellen als Vieh behandelt, nachdem ein solcher, wie es hier häusig ist, als Lehrling 4—5 Jahre Lehr- zeit zum WagentranSport benutzt wird.— Doch kann ich glück- licher Weise constatireu, daß diese beiden bärtigen Sattlergesellen keine Mitglieder unser« Vereins sind, aber merken werden wir uns cS doch, und dient dieses vielleicht zur Notiz für gewisse Meister- söhnchen, welche so gern und oft bei den Herren Hofsattlern in Arbeit treten und den andern Eollegen dann Concurrenz machen. — Zum Schluß füge ich noch hinzu: der Herr Hennig ist thäligeS Mitglied des hiesigen Meistervereins.— W. Wirths, Sattlergeselle, Berlin, Alexandrinenstr. 116. Straßburg.(Zur Wahlagitation.) Nachdem die über 200 Mitglieder zählende sozialdemokratische Partei vor Kurzem eine öffentliche Arbeiterversammlung einberufen hatte, worüber schon berichtet, fühlte sich der Gewerkverein Hirsch-Duncker gewogen, aus heute durch nesige Plakate, welche die ganze Woche schon an den Ecken glänzten, eine große Versammlung einzuberufen. In dem Aufruf heißt eS unter anderen: ReichstagSwahlen, Versammlung deS Vereins hiesiger Bauhandwerker. Eine kleine Gruppe hiesiger Arbeiter, die sich Sozialdemokraten nennen, hatte vor einigen Tagen eine ähnliche Versammlung, fand aber in ganz Elsaß keinen Kandidaten, mußte sich vielmehr nach Deutschland wenden. Der Verein hiesiger Bauhandwerker fand einen hier in Sttaßburg. Ein recht geehrter Mann, ein Mann von Charakter, ein Mann von Wissenschaft und großem Talcut, ein Mann dessen Name in halb Europa bekannt! Wir bitten im Namin des Vereins alle hiesigen Bürger die Versammlung recht zahlreich zu besuchen. Die Redner erschienen auS allen Gauen Deutschlands. Am Schlüsse des Plakats heißt eS: Jetzt möchten die Arbeiter nur eine halbe Stunde zu ihrem Interesse anwenden, später könnten sie 3 Jahre schlafen(also jetzt nur brauchen wir euch, später könnt ihr schlafen). Die Versammlung war von über 1000 Personen besucht. Als der Eröffner sah, daß wir zahlreich erschienen, machte er die Ver- sammlung darauf aufmerksam, daß wir gekommen um zu stören. Allgemein wurde unser Parteigenosse Jung als Vorsitzender vor- geschlagen. Der Eröffner ließ abstimmen und abstimmen, aber zum Schluß wurde doch immer Jung mit großer Majorität ge- wählt. Andreack aus Berlin erhielt zunächst das Wort. Nachdem er nach langen zwecklosen Hin- und Herreden die Kandidatur Lauth's nicht für zweckmäßig hielt, auf Bebel weiter nicht einging, nur betonte, der Abgeordnete müsse ein Elsasser sein(wie schlau!) an unseim Programm nichts aussetzen konnte, empfahl er die Kandidatur von Schneegans. Die Hauptangriffspunkte waren die Sozialdemokraten unter dem Hafenklever'schen Schilde lächerlich zu machen.— Burckhardt und Holzwarth leuchteten ihm tüchtig heim, deckten den Schwindel der Gewilkvereine und Fortschrittspartei tüchtig aus und endeten unter ungeheurem Applaus. Andreack wie? nun jeden Compromiß mit der Fortschrittspartei zurück und meinte, es gefalle ihm nicht, daß wir nur für Handarbeiter, nicht aber für„Studirte" oder Beamte stimmen wollen, diese müßten sich oft mehr plagen wie Handarbeiter, auch wies er auf Breslau, wie dort Einigkeit bei den Wahlen gewesen wäre(und doch hier uns veipönen). Seine uns aufgedrungenen jesuitischen Re- densarten von Kopf- und Handarbeitern bekam er tüchtig zurück. Die paar Mitglieder der Gewerkvereine waren über den Gang der Versammlung dermaßen erbost, daß sie fortwährend zu stören suchten, aber unter allgemeiner Entrüstung der Versammelten zur Ruhe gewiesen wurden. Die Entrüstung über diese Helden war so stark, daß Andreack erklären mußte: Er gehöre nicht zu den Tumultuanten und könne das Gebühren seiner Freunde nicht billigen. Nachdem noch einige Parteigenossen auch sranzösisch gesprochen, wurde mit überwältigender Majorität die Resolution, den nach Freiheit und Gleichheit strebenden Bebel als Candidaten für Straßbmg aufrecht zu erhalten, angenommen. Ein außerordentlicher Sieg für nns, denn es waren größlentheilS Elfässer anwesend, und wurden zu beiden Seiten des Gebäudes Auftufe für Lauth (den abgesetzten Aairv) vcrtheilt. Auch wir hatten AgitationS- nummern dc«„VoltSstaatS", leider nur ungenügend und Wahl- auftufe für Bebel zur AuStheilung gebracht. Die von Pattioten so oft besungene Wacht am Rhein werden wir treulich halten, mögen sich die Städte Elsaß-LothringenS unS in Masse anschließen. Dringen wir auch diesmal nicht durch, über 3 Jahre hoffen wir bestimmt auf Sieg. Als unsere Agitation begann, waren die Wahllisten bereits geschlossen. Auch in Mühlhausen ist heute Wahlversammlung der Sozialdemokraten. Nächsten Sonntag, am Wahltage, findet Morgen« 10 Uhr noch eine öffentliche Versamm- lung statt. Aus! Metz, Colmar u. s. w., schließt Euch der sozialdemo- kratischen Arbeiterpartei an, werdet mit zu Bollwerken gegen die jetzigen Machthaber und vergeßt vor allen nicht den„Volksstaat" zu verbreiten, das Organ der Sozialdemokratie, unser Organ. C. Dallmann. Straßvurg, 2. Februar. Da« Wahlresultat ist zwar nicht glänzend; jedoch wenn man bedenkt, mit welchen Schwierigkeiten wir zu kämpfen und welch kurz« Zeit wir nur hatten, so glaube ich, wird e« doch erfteulich sein, daß Bebel 168 Stimmen be kommen hat. Bei der Wahl hat eS fich herausgestellt, daß ein großer Therl der Arbeiter, ich möchte sagen der größte, welcher bisher noch nie mals gewählt, sich darauf verließ, von der Mairie eine Wahl karte zugestellt zu bekommen. Da die« nicht geschehen ist, so wurde geglaubt, trotzdem man alle« ausgeboten hat, daß jeder nachsehe, ob er in der Liste ein- getragen ist, sie(rie Arbeiter) dürfen nicht wählen und da« ist uuS zu einem großen Nachtheil geworden. Nachträglich wird uns mitgetheilt. daß die preußisch« Ver waltung der Reichslande eine„rettende That" vollbracht habe. Es wurden nämlich bei unserem VertraueuSmaun Lindorfer die Bücher und das Geld polizeilich confiScirt. «e ?' b» R Dieselbe gehörte Sr. königl. langt dies« Weche bei Ihnen an. Da« Andre ist besorgt. R. B. tu "..— Barmeu: Bezüglich der Erklärung folgt Brief. der Expedition.«. ff.«. Trg Hobocken Ab. 1. Ott. 100 Thtr. Gr Stuttgart Ab. 1. Qu. 16 Gr. Wchf Hannover Ab. 4. Qu. Ttzlr. 11 12 5. O. Nnm Staßfurt Ab. 4. Qu. 12 Dhlr. Mtllardgew hie: Ann. 18 Gr. Soz. demkr. Berein hier Ann. 28 Gr. Gewertschasteu hier Ann. 7 Gr. Hlzw Pforjheim Ann. 5 Gr. Hrrlg Ponitz Schr. Gr. 29 5. Brg Friedberg Schr. Gr. 14 5. Hfm Radeberg Schr. Gr. 5 5. B? Hartmann»dorf Schr. 5 Gr. I. Sndr, Nürnberg Schr. Thlr. 5 24. Vgl Heidenberg Schr. Thlr. 2 19 6. Mchl« Essen Schr. Thlr. 17 5. Ltljn Waud«btck Ab. 10 Thlr., Schr. Thlr. 10 19. Tvn« B Dresden Ann. Thlr. 1 6.»rb.-Bild.. Verein daselbst Ann. 20 Gr. Bchhm hier Schr. Thlr. 13 6. Allg. deutscher Schneider», hier Ann. 17 Gr. Bllmr Uutersendling Schr. Thlr. 2 10. W. S. Würzburg Ab. 1. Qu. Thlr. 1 5, Schr. Thlr. 2 19. Hrlch hier Ab. 1. Qu. 2 Thlr. S. Ptm Meerane Schr. Thlr. 6 2. H. Wnr Dresden: E« ist alle» Ordnung. Jäger München: Au» Versehen wurde die Ann. in der stanten-Liste nicht gestrichm. «,.£ Reichstagswahlfond. Nachträglich quittirt. Bon den Arbeitern der Ritter'schen Tigarreuf. Thlr. 1 27, v. soz.-dem.-Arbeiterv. Leipzig durch Ehrlich 20 Thlr., von Schssl hier 1 Thlr., Metallarbgew. hier 1 Thlr.,«. Peukert gesammelt??" im hies. Druckereien 4 Thlr., F. K. in B. 15 Gr., v. Gesinnungsgenossen, K? ges. v. R. Willecke 2 Thlr.. v. Rnhrdt hier 5 Gr., r. Gbl hier 15 Gr..�. Uebersch. der letzten Bers. in Neuschiincseld 25 Gr. Ans Wunsch einige,� Genoffen nochmal» quittirt: U-berschuß de» Gewnkschastsfeste« in der Tonhalle Thlr. 33 3 5, ges. in der G. Reusch'schen Buchdruckern d. R. 4 Thlr., v. W. SwiatSky Würzburg Thlr. 1 27, v. dm Arbeitern der Maschinmfabrik v. O. Ronniger d. E. Hllttner Thlr. 17 6. obgj Fond für pol. Gcmaßregelte. Von Wolf Tvlmar-Berg 17 Gr., Metallardeitergew. Leipzig 12 Gr jllle v. Mhlr 5 Gr. In i 'kam Genossenschastsbuchdruckerei. Antheilscheine bez. Authcilquittungen erhielten femer: In Mainz:! I. M. 1 Thlr., F. W. Z 2 Thlr.; iu Meerane: E. P. 3 Thlr. Berichtigung. Nach Bekanntmachung de« offiziellen Resultats hat fich herausgestellt, daß Liebknecht in Mülhausen nicht 227, sondem 335 Stimmen erhalten hat. Berichtigung. In dem Artikel„die ReichstagSwahlen III" find bir,ltn in Preußen abgegebenen Stimmen summirt wie sie noch vor Bekannt-. werden des Gesammtresultat« bekannt waren, die Zahl erhöht fich uwlhn 3- 4000 bei Besprechung des Hamburger. Wahlresultats. Der Nawetziß! de« Candidaten muß Hartmann heißen, nicht Bräuer. _ toöri kaim M die Urbeiter von Leipzig und Umgegend! Arbeiter! Es gilt, einem bewährten Voikskämpser die Wahl ivstaai den Reichstag zu sichern, es gilt, dafür zu sorgen, daß Herrn Wilhelm Bracke in Braunschwcig das Mandat de« 13, Wahti kreises für den Reichstag übertragen wird. Wer an dieser Wahl ein Interesse hat, der erscheine Freitaj�� Abend 8 Uhr im Saale bei Iabin, Turnerstraße 4, in Leipzig.- Auch die nicht Wahlberechtigten sind fteundlichst eingeladenborg Dort sollen die Kräfte vertheilt, die Plätze bestimmt werden, dami�si, die Agitation möglichst kräftig betrieben werden kann. jß,*1 Arbeiter! Wir haben gethan, was in unfern Kräften stand thut nun auch Ihr Eure Schuldigkeit! Jeder ist willkommen,«nd DaS Comitv für die Wahl Bracke'S. w S »llen ftfitotältit»««* Sozialdemokratische Arbeiterpartei. l**' /UlßöOlirg Samstag, den 14. Februar, Adent» 8 Uhr: Ättrss11 aliederversammlnng in der Schütze»halle. I. A.: ~ Stollberg. fc0ä' Part Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Donnerstag, dcn 12. Februar, Abend«» Uhr: Geschlossene Mitgliederversammlung, N* Königstädtische« Tafino, gr. Franksurterstr. 77.— T.-O.: Die Neuwah�!� im 6. Berliner Wahlkreis. Eine allgemeine Betheiligung der Mitglieder wird erwartet. Unfeti®on ReichStagSabgeordncten find anwesend.— Karte lcgtlimirt. sitirss __________ A. Heinsch, BertrauenSm. ficht Gewerkschaft der Holzarbcitrrl"uf Sonnabend, den 14 Februar, Abends 8 Uhr, Bersamwlich Berlin lung, Köpnickerstr. 145a. bei Herm Derosche. Vortrag von HerriHer Bau mann. finde Da« Erscheinen säwmtlicher Mitglieder ist dringend nothwendig. D. BZlg, ttrtidot., Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Pns Mittwoch, den 11. Februar, Abend« 8 Uhr: � geschlossene Mtgliederversammlung»«m bei Iabin, Turnerstraße Nr. 3.— T.»O.: Die ReichStagS-Neuwahtzarll Briefkasteu der Redactton. Gens: Erhalten. T. in Kö»igSberg: Nicht sür den,.VolkSstaat" geeignet. F. E. in London: Das«erlangte mit Bries •he lUInd. im 13. Wahlkreis. VereinSangelegenheiten. Alle Mitglieder müssen erscheinen. Mitgliedskarten find vorz�d, zeigen.____ Der Borstand, Ich ersuche den Parteigenossen Fried. Löbenberg mir seine Adreßtz,� umgebend mittheilen zu wollen. Desgleichen bitte ich Parteigeuosstjp�», Schröder in Constanz nm seine Adresse. � Ferdinand Hotzwarth,„° Jspringerstraße 15? in Psorchcim.. h Gewerkschaft der Holzarbeiter. Leipzig Donnerstag, den 12. Febr., Abends halb 9 Uhr: Aul schußsitzung bei Zeidln. Sonnabend, Getverkschastsversammlung. �»>r Arbeits-Hosen. -Ä foitl (»ttdl »i. »stre *6ot Sebie bvr< Aecht Englisch Lederhosen ä Stück 1 Thlr. 15 Sgr. , Cord- Hosen a Stück 1 Thlr. 16 Sgr. „ Starke Stoff- Hosen ä Stück 2 Thlr. 15 Sgr. , Militär-Drillhosen ä Stück 1 Thlr. ] Baumwollene feste Arbeitshosen ä Stück 27'/» Sgr. t«, empfiehlt zieer Louis Guttmann 1 No. 34 Grimmaische Strasse No (J. JN] Filialerpcditionk», welche noch Expl. vom„Bolksstaalkalmter" 1874, wie vom„Deuts Bauernkrieg",„Leipziger Howveiralhsproz'ß",„Bastial Schulze' sonstige Schriften ohne augenblickliche Berwenduug» eonditicm ans Li haben, wollen solche sosort an uu« retournireu oder d«a Benag Hb einsenden. Leipzig, 2. Febr. 1874. Die Expedition beS„BolkSstaatt Le'pzig: Beranuv. Redatteur: M-Preißer.(Stebatt,»n u. Sxpei sseitzerstr. 44.) Druck und«erlag der«eoosseuschaftsduchdruckere«.