Ar- i. 3 *a lch« N Xli! Inr S Kl!' V kW' «Ii Erscheint in Leidig Mittwoch,FreitaA,Sonntag. Bestellungen nehmen«n alle Postanstalten u. Buchhand- lungen des In-».Auslandes. Zilial-Expedstionen für die Bereinigten Staaten: F. A. Sorge, vor 101 Hododsii, W. J. Wm. Lucders, 499 Maystr. Chicago, JU. Peter Haß, ■ß. W. Corner Third asd «oates str. Philadelphia. Der IflMaiit Abonnementspreit: Kür Preußen incl. Stempel- peuer 21'/, Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten IS Sgr. pro Quartal. ZR»n»t»» Ad ouuement» werden bei allen Deutschen Postanstallen aus den Lten u. 3ten Monat und auf den 3ten Monat besonders an- genemmen/imKgr. Sachsen u. Hrzth. Sachs.-Altenburg auch auf den I ten Monat ä b Sgr. angenommen. OrgaudersozialdemokratlschenArbeiterparteiMÄderinteruattonalenGetverksgenossenschasten. Z»str»te, die Abhaltung von Partei-, Beiem»- und Bolt»»ersa«lmlungen, sowie die Filial- Expeditionen und sonstige Partei- Ar gelegenheiten betressend, werden mit 1 Egr.,— Pri»at- und Vergnügung«- Anzeigen mit 2 Sgr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Nr. 23. i" WittVoch, 25. Ieöruar. 1874. Abonnements aus den„Bolksstaat" ftir den Monat März zu 5�/» Silbergroschen werden bei allen deutschen Postanstalten, für Leipzig pro Monat zu tMgr. bei der Expedition, Zeitzerstraße 44, und bei dem Eol- porteur Müller; für die Umgegend von Leipzig bei den Filial- expeditionen: für Volkmarsdorf, Reudnitz, Neuschöneseld jc. bei O. Stelzer, Reudnitz, Kapellengasse 11, 2 Tr., für Plagwitz und Lindenau k. bei Frau Hohe, Rvßmarkt Nr. 9, in Lindenau, für Connewitz ic. bei Teubert, Bornaische Straße 197, für Kleinzschocher und Umgegend bei Fleischer, Nr. 87 daselbst » entgegengenommen. Für Berlin wird auf den„Volksstaat" monatlich für L Sgr. frei in's Haus abonnirt, bei Trautmann, Engeluser Sb, 4Tr.; GörgeS, Weberstr. 32; Rubenow, Brunnenstr. 34 im Laden; Metzner, Elisabethkirchstr. 1; Vogel, Prinzenstr. 61. Parteigenossen! ermüdet nicht, auch fernerhin allerorts nach Kräften zur Weiterverbreitung des Parteiorgans beizutragen. Die Redaktion und Expedition des Der sechste Zahresrongrest der englischen Gewerk- vereine. in. Die Frage der Parlamentsreform und der politischen Thätigkeit der Gewerkschaften beschäftigte den Congreß nur während ganz kurzer Zeit au den beiden letzten Tagen, am fünf- ten und am sechsten. Wir theilen die betreffenden Stellen de« „Beehive"- Berichts unverkürzt und in möglichst getreuer Uebev setzung mit. Am Freitag(den 16. Jan.) verlas Mr. Broadhurst(Dele- girter der Maurer- Gewerkschaft und Sekretär der Arbeitervertre- wngsliga) eine Abhandlung über die Vertretung der Arbeit im Parlament. Eine Abhandlung über denselben Gegenstand wurde von Mr. Wrigley(Sheffield) verlesen.(Bon einer Debatte vev meldet der Bericht nichts). An denselben Tag stillte M'Donald(seitdem zum Parlw »enttmitglied erwählt, und Urheber des im zweiten Artikel er' wähnten Antrags bezüglich des Genfer Vorschlags) folgenden Antrag: »In Erwägung, daß eine große Anzahl von Arbeitern, stehend aus Grubenarbeitern, Handarbeitern und sonstigen Arbeitern, durch die ungerechte Klaffengcsetzgebung, welche in direktem Gegensatz zu häufigen Abstimmungen im Parlament die konstitutionellen Privilegien des Wahlrechts zerstört, in dem sie das Wahlrecht in den Grafschaften von einem Geld' censuS abhängig macht,— in eine Stellung der Leibeigen schaft herabgedrückt wird, erklärt der Congreß es für seine Ueberzeugung, daß diese gehässigen, dem Parteigeist entsprun- ge»en Gesetze beseitigt, und unsere Genossen in den Graf schaften in eine freie und unabhängige Lage versetzt und den übrigen Klaffen des Landes gleichgestellt werden müssen.« Der Antrag wurde von Mr. Walton(Brecon) unterstützt, und beinahe einstimmig angenommen. Samstag, den 17. Januar kam die Frage der direkten Ber- tretuug der Arbeit zur Erörterung. Mr. Knight(Liverpool) beantragte folgende Resolution: »Da frühere Congreffe Beschlüsse zu Gunsten der direkten Vertretung der Arbeit im Parlamente gefaßt haben, und in Erwägung, daß der Wahlkantpf, welchen ein jeder Candidat durchzumachen hat, bedeutende Opfer an Geld und Zeit er- heischen wird, ist dieser Congreß der Meinung, daß es die Pflicht aller Gewerkschaften sein sollte, bei der nächsten allge meinen Wahl auf das Nachdrücklichste für die Arbeitercandi daten zu wirken; wir empfehlen daher, daß die Gewerkschaf' ten aufgefordert wenigstens sechs Pen«(S Groschen) für je' deS Mitglied zu bezahlen, damit so ein FondS errichtet »erde, mit dessen Hülfe wir möglichst viele Arbeitercandidaten durchdringen können: und daß der besagte Fond in die Hände eine» von dem Congreß zu bestimmenden Comite's gelegt werde; und ferner, daß da« betreffende Comite Vollmacht erhalte, nach Kräften»od bester Ueberzeugung allen zur Er- ' reichung des Ziels, welches wir im Auge haben, dienliche» Beistand»nd Vorschub zu leisten.« Zu diesem Antrage w«rdt nachstehendes Amendement ge stallt: »Dieser Congreß ist der Ansicht, daß örtliche(lokale— auf einen Ort beschränkte) Bem»h»ngen am wünschevSwerthesten »nd da« beste Mittel sind, die Sr»ähl»ng von Arbeitern in da« Parlament zu stchern;«nd er empfiehlt allen Gewerk- schaften in den Gewerkschaft«- Distrikten(trade districta— soll heißen in allen Distrikten, wo da« GewerkschaftS-Wesen wohl oraanisirt ist) sich zu vereinigen, und in einem ge- meinschaftlichen Rath(Council, Rathsversammlung, Ausschuß) für da« besagte Ziel zu wirken.« Diese« Amendement wurde angenommen. Da« ist Alle«, wa« der»Bechive« von den Verhandlungen bes Congreffe« über die Reformfrage und die Haltung der Ge- d>erkschaften zu den Parlamentswahlcn zu berichten hat. Eigent- llche Debatten sind gar nicht vorgekommen: man hörte einige Porträge an, einige Mitglieder stellten pflichtschuldig einige An- iräge, von denen der eine ohne Debatte angenommen, der andere ohne Debatte durch ein Amendement auS dem Wege geschafft wurde. Daß die traurige Magerkeit de« Berichts nicht die Schuld des Berichterstatters ist, sondern der Magerkeit der Verhandlungen treu entspricht, geht klar und deutlich aus den gefaßten Beschlüssen hervor, die wir uns jetzt etwas näher betrachten wollen. WaS zunächst den M'Donald'fcheu Antrag mit Bezug auf die Gleichstellung des Wahlrechts in den Graffchaften und Städten betrifft, so leidet derselbe vor Allem an dem Grundfehler, daß er das gegenwärtig in den Städten bestehende Wahlrecht als mustergültige Norm adoptirt, nach der das Wahlrecht in den Grafschaften eingerichtet werden soll. Wir können uns hier nicht in Einzelheiten über das englische Wahlsystem, richtiger die eng- lischen Wahlsysteme einlassen, und verweisen auf die gegen End: des vorigen Jahres im„Volksstaat" erschienenen Artikel. Genug: für die ländlicken Wahlbezirke gilt ein höherer Census, als für die städtischen Wahlbezirke; der in den letzteren bestehende Census ist aber immerhin hoch genug, um die übergroße Mehr- zahl der erwachsenen männlichen Bevölkerung von dem Wahlrecht auszuschließen. Indem der, vom Congreß zum Be schluß erhobene M'Donalv'sche Antrag die Gleichstellung der ländlichen Arbeiter mit den städtischen Arbeitern fordert, erkennt er den in den Städten gültigen Census an.und begeht einen Berrath an dem, schon beinahe 40 Jahren von Millionen englischer Arbeiter in der großen Chartistenbewegung zur politischen Kardinal- Forderung des Proletariats gemachten, und als solche verfochtenen Prinzip deS allgemeinen Stimmrechts. Fürwahr, erinnerten wir uns nicht des Hnmboldt'schen Wortes, daß die McnschheitScntwicklung eine aufsteigende Curvenlinie, auf- wärtS und dann wieder abwärts gehend, aber im Ganzen doch stetig aufsteigend, bei einer Berzleichung dieser jammervollen philisteriöscn Halbheit der englischen Arbeiterbewegung von heute mit der gewaltigen, stürm- und drangvollen, das Höchste im Maffensturm erstrebenden englischen Arbeiterbewegung der dreißiger und vierziger Jahre, wir könnten wirklich am menschlichen Fort- schritt irre werden. Jndeß es ist ja in allen Ländern ein ähn- licher Schein-Rückgang zu bemerken, und wahrscheinlich in unserm lieben Deutschland nicht am Wenigsten. Wenn dieses blutige Posscnspiel(»dlyodx farce") der national- ki�turkämpserischen Bis marck- Stieber- LaSkerei der ernsthafte Ausdruck unserer denkervolk- lichen Civilisation wäre, dann sollten wir nur gleich alle Heroen unserer Nationalliteratur auf einem großen Scheiterhaufen ver- brennen, so daß keine Spur ihrer Schriften zurückbliebe, denn wa» sie gedacht und gefühlt, wäre ja doch nur eitel Lug, Trug und Alfanzerei gewesen. DaS werden wir aber hübsch sein lassen, das blutige Possenspiel wird zu Ende gehen, der Ruhmglanz der Eifenhelden wird verblassen, unsere Geisteshelden werden fortfah- ren, Licht und Leben zu spenden, und die ächten„Culturblüthen" die während deS blutigen Possenspiels trotz Bismarck, Stieber und LaSker gereift sind, versprechen uns eine reichere Ernte, als uns je vorher zu Theil geworden. Unter dem tiefsten Wi-'terschnee wacht und schafft die Natur; in der tödtlichsten politischen Erstarrung geht der PulS des Volkes, und es wächst, wächst— und ist der Zauber gebrochen, fällt die häßliche Hülle, die brutale Zwangs- jacke, dann zeigt sich, daß und wie es gewachsen. Inmitten der tollsten Reaktion stellt die Revolution keinen Moment ihre gcheimnißvolle Ar- bei!*) ein, und die Reaktion selbst wird mit dem revolutionären Flui- dum getränkt, von ihm durchdrungen. Der Staatsstreichler Bona parte beschleunigte in Frankreich den Untergang der alten bürger lichen Gesellschaft; der„geniale« Junker Bismarck in Deutschland könnte Staat und Gesellschaft nicht besser unterwühlen, wenn er wohlbestallter Agent der internationalen Arbeiterassoziation wäre, — und die englischen Gewerkoereinler bereiten, ungeachtet ihrer lahmen Theorien und ihrer politischen Feigheit den Bankrout deS heutigen England weit gründlicher vor als weiland die Chartisten mit ihren weitgehenden Theorien und ihrem politischen Radikalis- muS. Sie haben dem Proletariat eine Organisation gegeben, so fest und gewaltig, wie noch keine Partei oder Klaffe in irgend einem Lande sie jemals besessen, che sie ans StaatSruder gelangte — sie haben alle ersinnbaren Methoden de«„wasch mir den Pelz und mach mich nicht naß« nach einander mit halb lächerlicher, halb bewundernswürdiger Ausdauer versucht und sich von der 'Nutzlosigkeit derselben überzeugt— das Ziel ist da, die Organi- fation ist da; in der alten Weise geht'S nicht vorwärts, das be greift so ziemlich ein Jeder: nur ein Wort, das richtige Wort, und die Million Arbeiter, welche in den Gewerkschaften vereinigt sind, setzen sich in Marsch aus das Ziel los— eine un «idcrstehliche Masse, gefolgt von den Ü Millionen erwachsener Proletarier, die nicht in den Gewerkvereinen sind.— Doch zurück zu dem Shesfielder Congreß und dem M'Donald schen Antrag. Der Antrag bezeichnet ganz korrekt die auf dem Arbeiter lastenden Gesetze als Klassengesetzgebung(class mad« laws), Gesetze von den herrschenden Klassen gemacht. Es ist diese reoolutionäre Auffassung sämmtlichen englischen Arbeitern ge- meinsam. Die ökonomischen Zustände sind in England so ent- wickelt, die Klassengegensätze so scharf hervortretend, daß bloß ein Blinder oder Blödsichtiger die Thatsache des Klassenkampfes und der Klassenherrschaft ignoriren kann. Aber wenn man weiß, daß die heutige Gesetzgebung eine Klassengesetzgebung ist zum Vortheil der herrschenden und zur Unterdrückung und Ausbeutung der arbeitenden Klasse, dann darf man auch nicht die Inkonsequenz begehen, das bewußteste Organ der Klassen- gesetzgebung, das englische Parlament, weil eS zum Schein einige halbdemokratische Resolutionen gefaßt hat, gegen die Klassen- gesetzgebung, d. h. gegen das eigene und eigenste Werk des Par- laments anzurufen. Ehe die Arbeiter entweder im Parlament die Majorität haben, oder ihm durch»Druck von Außen«(prissure krom vitbont) Respekt einflößen, haben sie vom Parlament nichts zu erwarten, als feindliche Gesetze, Schlingen und Fußtritte. Die in dem Beschluß geforderte Gleichberechtigung des Graf- schasts- und des städtischen Wahlrechts ist beiläufig eine so Harm- lose Maaßregel, läßt den Schwerpunkt der politischen Macht so vollständig unberührt, daß sie vielleicht schon in der nächsten Session von den TorieS wird eingeführt werden! In England giebt es nur zwei ernstliche Reformforderungen: allgemeine« Wahlrecht und gleiche Wahlbezirke(Abschaffung deS Census und Vertretung nach der Kopfzahl); wer nicht für diese zwei For- derungen in die Schranken tritt, mag alles Mögliche sein, aber ein Reformer ist er nicht. Daß der Congreß den Knight'schen Anttag auf gemeinschaft- schaftliche Wahlagitation ablehnte und einer zersplitterten Lokal- thätigkett den Borzug gab, ist ein neuer Beweis dafür, welche Ge- schicklichkeit die jetzigen Vertreter der englischen Gewerkvereine darin haben, die riesige Macht» die ihren Händen leider noch an- vertraut ist, zum Nutzen der Feinde des Proletariats lahm zu legen. Die letzten Wahlen haben gezeigt, wohin eine solche Politik führt. „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!"— Das klägliche Fiasko der Arbeiterkandidaten bei der soeben vollzogenen Wahl muß jedem englischen Arbeiter das Verkehrte der bisher von den Gewerkvereinen befolgten Takiik klar gemacht haben. Der englische Fabrikantenbund wird daS Uebrige thun. Politische Ucbcrsicht. — Der geistige Adel deutscher Nation. Da« Lärmen, das Toben, das Hm- und Herlaufen, das„Lachen« mit seiner Spezies, dem„Gardelieutenants- und Krautjunkergelächter«; das Zischen, Trampeln und Brüllen— alle diese hübschen Dinge sind im Reichstage zu Ehren gekommen, und der Herr Präsident küm- mert sich theils nicht darum, theilS macht er selbst wacker mit. Sobald oppositionelle Parteien zum Wort kommen, treten diese lieblichen Ungezogenheiten, welche vorzugsweise den spezifisch«Ge- bildeten" anhaften, zu Tage, und der Lärm und der Skandal während des Protestes des Elsässers Teutsch gegen die Anncktion waren nicht germger, als das„Gelächter" während der Rede Hassel- mann's gegen das Contraktbruchgesetz und der Rede Geib'S gegen den Preßgefetzentwurf. Man weiß nicht, wa« bei dem Be- nehmen deS Reichstags mehr in die Augen sticht: der Mangel an Lebensart, oder der Mangel an Muth. Ja, Mangel an Muth; denn wenn unsere Annexionisten das Zeug in sich gefühlt hätten, die Annexionspolitik mit geistigen Waffen zu vertheidigen, so würden sie eS jetzt gethan haben. Ihr Schweigen beweiset, daß sie sich moralisch bankrout fühlen und ihre einzige Stütze noch in der Gewalt, in dem Kürassiersäbel deö Junkers Bismarck ssehen. Die französische Presse wird nicht verfehlen, das unerhörte Ge- bahren deS Reichstags auszubeuten. Von Herrn von Bismarck erzählt man, er habe einem elsäs- flschen Abgeordneten, der französisch mit ihm sprechen wollte, die Antwort gegeben:„Hier verstehe ich kein Französisch!" Ob die« fein und manierlich war,— zumal die clsäsfischen Abgeordneten deS Deutschen notorisch nicht sehr mächtig sind— wollen wir, in Aubettacht deS Preßgesetzes, dahin gestellt fein lassen. Jedenfalls war' es—„patriotisch"— und begreifen wir sehr wohl, daß Fürst Bismarck das Bedürfniß verspürt, seinen, durch das Lamarmora'sche Buch etwas fadenscheinig gewordenen„Patriotismus« durch derlei geflügelte Worte" etwas aufzubügeln. Als er mit Govone von den Saargegendeu redete, sprach er Französisch. *) E« ist»cn keinen geheimen Gesellschaften die Rebe, Herr Staats- anwalt. Als» bemühen Sie fich nicht. — Wozu kein Geld da ist. Am 9. und 10. diese« Monat« hatte bekanntlich an unseren Nordküsten eine Sturmfluth statt, welche der vom November 1372 an Heftigkeit nicht« nachgab. Bei dieser Gelegenheit stellte sich heran«, daß die einfachsten Vorsicht«- und Schutzmaßregeln versäumt worden waren. Hürm wir einen gewiß nnverdächtigen Zeugen, da« BiSmarck'sche Leiborgan, die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung". Dieselbe schreibt in der Bei- läge zu Nr. 40(vom 17. Febr.), 4. d, Swinemünde, den 19. Februar:„Unsere Dünen sind an zwei Stellen durchbrochen. Schon seit einiger Zeit sind solche nicht mehr so knltioirt«orven, wie früher, sondern zum Theil, unfaßlich für den Laien(?), de« chützcndcn Strandhafens entblößt«nd dadurch anscheinend wider- standsunfähiger geworden.—-— Große Roth ist durch diese Ueberschwemmung und die gleichzeitig eingetteteoe Kälte über einen Theil der Bewohner von Swinemündt und Umgegend hereinge- krochen; die Häuser sind durchnäßt und unbewohnbar, theil-. weise dem Einsturz nahe. Möbel und Zeug ruinnt, Borräthe weggeschwemmt und verdorben.-- DaS Wasser ergoß sich in die Laden eines Schaufenster« und durchnäßte illianusatturwaaren von bedeutendem Werthe. Und so sind viele Falle aufzuzählen, wo Einzelne erheblichen Schaden gelitten haben. Darum thut die Hülfe edler Mensckjenfreunde auch diesmal dringend noth, und es wäre gewiß für den vaterländischen Frauenverein(!) an der Zeit und geboten, seine Thätigkeit zu entfalten und seine helfende Hand auszustrecken, um die geschlagenen Wunden zu lindern.« Also, der„Frauenverein« soll helfen! Und wieder„die Hülse edler Menschenfreunde" in Anspruch genommen, mit andern Wor- en im Land herumgcdettclt werden! Dieser Appell a« die Privatwohlthätigkeit, in einer Angelegenheit, wo es die äugen- fällige, unzweifelhafte, gebieterische Pflicht des Staate» ist, den durch seine Saumseligkeit entstandenen Schaden in Vollstmöglicher Ausdehnung wieder gut zu machen, ist für die unselbstftändige knechtseligc Anschauung des Schreibers, der um ein Almosen beb telt, obgleich er ein Recht hat, Hülfe z» fordern, ebenso charak teristisch, als da« in der Correspondeoz Erzählte für da» heut herischendc politische System ist. Daß ein Staat, der in den letzten zwei Jahren, nicht Millionen, nein, Milliarden für leben diae und todte Zerstörungsmaschinen und sonstige gemeinschädliche Dinge ausgegeben hat, nicht einmal die paar Millionen zum Schutz unserer Küsten ausbringen konnte, ist eine Thatsache, die durch jeden Kommentar nur abgeschwächt werdeu könnte. — Die Zwickmühle. Wir hatte» anfangs Zweifel gehegt, ob der„kalte Wasserstrahl-, den Herr von Bismarck nach Paris gesandt habe» will, einen andern Zweck habe, als den, dem deutsche» Michel die bittere Pille deS ReichSmilitärgesetze« durch die Heraufbeschwörung deS Revanchekncg- Gespenstes etwas schmackhafter zu machen. Was wir aber kürzlich erst gesagt— daß nämlich die kalte Wasserstrahl-Asfaire wirklich ein verwegenes und niemals zu verantwortendes Spiel mit dem Frieden zwischen zwei Völkern war, hat sich nunmehr für uns bestätigt. Ww haben aus zuverlässiger Quelle erfahren, daß in den an Frankreich an grenzenden Staaten die Aerzte bereits von den SanitätS Militärbehörden befragt worden sind, ob sie geneigt seien, in den Lazaretheu Dienste zu leisten. ES ist also eine Thatsache, daß ein neuer Krieg zwischen Frankreich und Deutschland an einem Haare hing, da Mac Mahon sich weigerte, die ftanzösischen Pfaffen, welche nach Bismarck'« Meinung den deutschen Ultramontanen„moralischen Beistand- geleistet hatten, so zu bestrafen, wie man eS in Berlin verlangte. Der militärische Mörder der Commune, Herr Mac Mahon, jetzt von GotteS und seiner Ebehälste Gnaden Präsident der„Republik- Frank, eich, kann selbstverständlich eS nicht mit den Pfaffen verderben, ohne sich selbst den Boden unter den Füßen zu entziehen, und so hat er dem„Kulturkämpfer- Bismarck nicht nachgegeben, sondern hat nur daS ultramontane Blatt„UniverS-, welches unter still schweigender Billigung der französischen Regierung sich in den hes ttgsten Angriffen gegen Preußen erging, auf zwei Monate unier drückt. Vorläufig scheint Bismarck damit zufrieden zu fein; allem auS der letzten Rede Moltte'S namentlich geht zur Genüge hervor, wie eifersüchtig Preußen die militärische Reorganisation Frankreichs überwachr. Ein neuer Krieg kann somit jeden Augenblick hereinbrechen und der Zustand ist nun eingetteten, den hundert und aber hundert einsichrsoolle Männer stets vor- hergesagt haben, ohne Gehör zu finden— der permanente Kriegszustand, wie es Mottle ja deutlich genug bestätigt hat. Die Würgerei wird wieder losgehen und der jeweilige Gewinn, welche die eine Unternehmerschaft auS dem menschenunwürdigen Blutvergießen zieht, wird wiederum der Zankapfel während der Pausen und die U- fache zu neuer Rauferei und Prügelei sein. Und dabei kann eS eintreten, daß jene Narien, welche auf die Allmacht der preußischen Zündnadel und Pickelhaube schwören, einmal schrecklich enttäuscht weiden. Werden die übrigen?ynasticn in Europa jeder Prügelei ruhig zusehen und nicht auch einmal sick einmischen, um etwas zu erschnappen? Und kann nicht einmal der deutsche Michel einmal in die fatale Lage kommen, daß von rechts und links, von vorn und von hinten auf ihn losgeschlagen wirv? DaS sind die endlichen Consequenzen der Blut- und Eisenpolitik. Wir sehen voraus, daß da« Volk wohl endlich vom„WeltmachtS-- Wahnsinn geheilt werden und Jene, die es an der Nase herum- geführt, zur Verantwortung ziehen wird, aber die Heilmittel werden sehr, sehr bitter sein. Denn nichts rächt sich schwerer in der Ge- schichte, als leichtsinnige Experimente mit ganzen Völker» im Jnter effe Einzelner. — Ein„fortschrittliche«- Blatt, der„Berliner Börsencourier-, bemerft zu der ablehnenden Haltung, welche die FortschritiSpartci bezüglich eines Antrags auf Freilaffung von Liebknecht und Bebel einnahm: „In einem Prozesse, dessen unerhörte Parteilichkeit selbst bei Leuten von politisch strikte entgegengesetzter Mei- nung die allgemeinste Entrüstung hervorrief, sind die beiden Reichstogdabgeordneien zur Gefängnißstrafe verurtheilt worden. Ihre Wähler haben von Neuem documentirt, daß sie ibre Berttetung in diesen Händen sehen w.llen und gleichwohl öffnet sich ihnen nicht die Thürc deS Gefängnisses, weil eine ab- sichtliche oder ur absichtliche Lücke deS Gesetzes ihnen den Eintritt in den ReitStag verwehrt. Es handelt sich hier in der That mehr um eine Verletzung deS natüilichen RechtSgefühleS, das eine unüberwindliche Antipathie gegen derartige Ungradheiren im Gesetze hat, alS um die Mandatserfüllung der Beeden, mehr um eine Frage des Rechtes, als darum, die Beiden im Reichstage zu sehen. „Unschädlich- sind Bebel und Lrebknecht durch den passiven Wider- stand, den der Reichstag gegen ihren Eintritt von Neuem zu inauguriren versucht, nicht gemacht. Denn vielleicht schon während dieser Session, jedenfalls aber ehe ein Drittel der Reichstagsperiode verflossen, läuft ihre Haft ab. Jadeß scheint ein Theil der Fort» schrrttepartei auch bereit» zu glauben, daß man unbequemen Par- teien gegenüber sich über Rücksichten und selbst über den Liberalismus, der dock der einzige Boden ist, auf welchem diese Partei fest zu stehen vermag, hinwegsetzen kann.- E« gehört, will man Obige« als ein wirklich ehrliche» und aufrichtige« Geständniß auffassen, allerdings eine bodenlose Cor- ruption dazu, um einem Antrage auf Freilassung von Männern, deren Prozeß alle Welt für einen Tcndenzprozeß erklärt, und die somit nach dem Geständniß der Gegner völlig unschuldig im Ge- säogniß sitzen, die Zustimmung zu versagen, so daß sie, trotzdem sie da« Volk mit vielen Tausenden von Stimmen zu seinen Ver- tretern erwählt hat, dennoch ihre Pflicht als solche nicht erfüllen können. gen, welche der Aufenthalt darin für die hierzu gezwungene» keineswegs ausnahmslos Schuldigen(denn wie mancher UntcrsuchungSgefanzene wird schließlich fteigesprochen) haben muß daß wir zur Rechtfertigung unserer Beschwerden gar nicht« Bessere» thun können, al« daß wir die Auslassungen der betreffenden hohen Behörde wortgetreu abdrucken. In dem jüngst erschienen„Vierten Jahresberichte deS Landes-Medicinal-CollegiumS für da» König reich Sachsen-, dessen für die Nachweisung tiefgehender Schäden unserer öffentlichen Zustände überaus wichtiger Inhalt un« noch öfter beschäftigen wird, ist auf S. 83 und 8s unter der Ueber schrift:„Hygiene der Gefängnisse- Folgende« zu lesen:„Das un- günstigste in jeder Beziehung ist jedenfalls da» in Dresden de- findliche. Da« große, vier Stock hohe Arresthau« ist dicht vo» gleich hohe» Gebäuden umgeben und hat»ur zwei enge, dumpfige Höfe, auS denen keine reine Luft zu den Zellen dringen ta»n. Letztere sind in der Regel überfüllt, so, daß kaum Quadratmeter auf den einzelneu Jnhaftateu kommt, die Fenster sind klein und können zur Ventilation nur ganz ungenügend mitwirken, zu mal die sog. Kübel für Dejekte der Gefangenen bei der dichten Belegung der Zellen reichlich üble Gerüche liefern und auch die von außen gehetzten Oefen den Luftwechsel nicht unterstützen köa- neu. Daß diese Schädlichkeiten nicht ohne Nachtheil für die Gr- sundhcit der Gefangenen sind, ist selbstverständlich und äußern sie ihre Wirkungen in allerlei chronischen Störungen der VerdauungS organe und der allgemeinen Ernährung, in dem Mangel einer normalen und ausreichenden Blutbildung nnd in JnanitionS-(Ab zehrungs) Erscheinungen, die in ihren verschiedenen Graden und Abstufungen im Allgemeinen daS sog. Gefängnißsiechthum charak terisiren. Der Bezirksarzt versichert, Männer, die wohlbeleibt, kräftig gebaut und blühenden Aussehens eingeliefert wur den, nach halbjährlicher oder längerer Untersuchungshaft abge magert und geistig und körperlich verfallen m die Straf- anstalten abgehen gesehen zu haben. Aber nicht bloS die Gefangenen, sondern auch die ArresthauSbeamten mit ihren Familien haben schwer unter diesen Ucbelständen zu leiden, da sie in den Parterreräumen dieses Hauses ihre AmtSwohuuuzen haben. Die jämmtl'chen Familien sind unter diesen mißlichen WohnnnzSver- hältnissen schwer von rheumatischen und katarrhalischen Affectionen, von Siörungcn der Ernährung und Blutbildung heimgesucht w»r- den. Eine Verlegung und Neubau deS Arreslhauses ist dem Ver- nehmen nach im Werke. Die thunlichste Beschleunigung dieses Baues ist aber unter diesen Umständen dringend nothwendig.« Wir fügen diesem Bericht hinzu, daß allgemein— und das ist bezeichnend für unsere schönen Zustände— eine Ueberfül- lung der Gefängnisse und gänzlicher Mangel an geeigneten Lora- litäten sich herausstellt. Dre Regierung gebt in Bezug auf den Neubau geeigneter Räume mit einer„Gcmüihlichkeit- vor, wie sie auch in anderen Dingen in Sachsen längst zu einer berechtigten Eigcnthümlichkcit geworden ist. So ist z. B. das Zuchlh.us zu Watdheim schon längst überfüllt und da ist man denn auf den gottvollen Gedanken gekommen, die dort nicht unterzubringenden Zuchthäusler nach dem LandeSgefängniß zu Zwickau zu tranS- logiren. In Folge dessen ist auch dieses zum Erdrücken gefüllt. Das Charakteristischste aber ist, daß die Gefangenen deS Lan- desgefängnisses mit den Insassen des Zuchthauses, von einer kleinen Abweichung in der Kleidung abgesehen, vollständig gleichmäßig vehandett werden, und diese« sogenannte Lan- deSgesängniß wird auch anständigen Leuten, wie die poli- tischen Gefangenen sind, als Aufenthaltsort angewie- jen. Die Haft in, jenem Gefängniß ist auch ungleich härter wie diejenige in den Bezirksgefängnissen, und dabei best-ht die ungc rechte Einrichtung, daß z. B. ein Gefangener, der vier Monate Haft hat, diese in den letzteren absitzen kann, während dcijenige, der nur 4 Monate und 1 Tag hat, in daS weit strengere Zwickauer LandeSgefängniß abgeführt wird. Es muß anerkannt werden, daß der Direktor des letzteren, Herr d'Älinge gethan hat, waS möglich war, um z. B. Most die Haft erträglich zu machen; aber es sind Zustände und Verhältnisse dort, die von dem guten Willen eineS Beamten unabhängig sind und die erst beseitigt wer- den können, wenn totale bauliche Veränderungen vorgenommen und eine enisprechende Gefängnißordnung eingeführt ist. So hat B. Most eine Zelle inne gehabt, in der er sich kaum rühren und nur mühsam den Play für literarische Arbeiten gewinnen konnte, und an warmen Sommertagen hat er eS kaum darin aus- uhalten vermocht. Die Zustände im LandeSgefängnisse stehen nicht allein in Con- traft mit den meisten BezukSgerildtSgefängnissen, sondern auch mit den Bestimmungen, welche das Reichsstrafgesetzbuch für die Ver büßung der Haft vorschreibt. Es fragt sick darum: will die säch rsche Regierung diesen Zustand noch auf Jahre fortdauern lassen, und da er rasch— wenigstens nicht so rasch als wünscheuSwerth und nothwendig ist— nicht geändert werden kann, wrll sie nicht dafür Sorge tragen, daß wenigstens jener Kategorie von Gefan genen, die durch ibre veryältnißmäßig geringe Zahl e« ermöglichen und durch ihren Charakter alS politische Gefangene e« mit Recht verlangen dürfen, in passenden Räumen der BezirkSgerichtSgefäng ntsse— wozu wir allerdings das Dresdner nicht rechnen— un tergebracht werden! Die Regierung kann dies, wenn sie will; ein gesetzliches Hinderniß steht nicht im Wege, die gesetzlichen Bestimmungen er heischen sogar eine andere Art der Gefäagnißhandhabuug alS sie in Zwickau eingeführt ist. ES handelt sich nicht um sogenannte„Begünstigunge»-, die man einzelneu politischen Gefangenen, je nachdem man glaubt, sie etwa« mehr al« andere respettireu zu müssen,»ielleickt zu Theil werden lassen will— die nimmt auch Keiner an— sondern um eine feststehende Regel für Alle. Wir sind entschlösse», nach- dem einmal unsere Partei durch die fortgesetzten Verfolgungen zahlreiche Insassen in die Gefängnisse geliefert hat und in Zukunft liesern wird, ein scharfe« Augenmerk aus die Zustände in denselben zu richten und alles waS geiadelt zu»erde» ver dient, rücksichtslos au den Pranger zu stelle». — Unsere Parteipresse hat schon häufig auf den schlimmen Zu- stand der Gefängnisse, die aller Menschl-chkeit Hohn sprechen, hin- gewiesen; jetzt wird über einen der schauderhaftesten Aufenthalte dieser Art von einer Seite ein Bericht veröffentlicht, der die säch- fische Regierung, die so sehr eifrig gegen die Social'sten ist, ver- anlassen dürfte, auch etwa« rascher mit der Beschaffung mensch- licher Aufenthaltsorte für die Gefangeven vorzugehen. „Das Dresdner GerichtSgefängniß ist, schreibt nämlich der „Dr. Bolksbote-, in diesem Blatte mehr al« einmal Gegenstand von Klagen gewesen, die dann wieder zur Verfolgung der Einsen- der Anlaß gegeben haben. Jetzt aber kommr von Seilen einer königlichen Behörde, gebildet anS deu competentesten Man obige« Dementi der„Norddeutsche« Allgemeine» Zeitung-. Wir sind a» derlei Wortspiele von dieser Seite gcwöhnt. Sollte jedoch die„Norddeutsche- ein ernsthafte» Dementi ohne Wortspiel, beabsichtigt haben, n«n, so müssen»ir erklären: für eine derartige g Mystifikation der„Neue« Wormser Zeitung- könne» wir uns n keinen vernünftige» Grund denken, wohl aber dafür, daß die}i „Norddeutsche Allgemeine Zeitung- eine» unbequemen Aktenstück b gegenüber die gleiche Taktik befolgt, wie sie der Staatsmann, desse» fj Leiborga» sie ist, der famosen Govone'sche» Depesche gegenüber ei befolgt hat. vi» auf Weitere«, d. h. bis der Beweis der ttn-Ia ächtheit erbracht ist, glaube»»ir als» an die Aechtheit des» Aegidi'sche» PreiSkourants. s« --> — Auch die„Chemnitzer Freie Presse- hatte sich da» B» k( g»üge» gemacht, de» berühmt gewordenen Artikel„Kouig Johann- J! aus der„Frankfurter Zeitung-»achzudruckeu. König Albert, der � wegen desselben Artikels auch die Prager„Politik- verklagt hat, hat gegen de» damalige» verantwortliche» Redacteur der„Che«. Fr. Presse-, Genossen Gustav Rübner, durch den Justizrath Müller ebenfalls einen Strafantrag stellen lassen. Die Rcdactio» de«„Dresdner Bolksbote«-, die wegen desselben Artikels in An» klagezustand versetzt ist, hat gegen eine UttheilSsprechung durch ei» sächsisches Gericht, selbst wenn eS Fieisprechung sein sollte, Protest und Verwahrung eingelegt, indem sie eS unzulässig fiadet, duß von König Albert ernannte und bestellte Richter in dieser Sache Recht sprechen, ohne damit deren Ehrenhaftigkeit anzweifel» t: zu wollen, und Bestellung eine« außersächsisch-« Gerichtes w verlangt. — Au« Weimar schreibt man u»S, daß Parteigenosse Fr. Leuschke in Wiese am 18. Februar verhaftet»orte« ist. Derselbe soll sich angeblich einer Beleidigung de« Königs von... Preußen schuldig gemackt haben und von eine«„loyalen Unter- B than-, ei«-» Gastwirth in Wollmirfledt, denunzirt worden sein hg« di »u de siö kla — Der frühere verantwortliche Redacteur der wl Freien Presse-, Hermann Franz. ist nach Mittw-'d! 3- � porhrt worden, weil tn Chemnitz kein Platz mehr für ihn war kör _ In Berlin ist Parteigenosse Gerstenberg durch Staats- bei anwalt T-ssend orf� wegen �Maj-stälSbeleidiguug- glücklich aus Ine 3 Monate hinter Schloß und Riegel spcdirt worden. _ In Mainz wurde der verantwortliche Redacteur der„Südd. BolkSstimme-, Post, wegen Beleidigung de« StaatsprokuratorS Schön, welcher in dem Ausdruck„edler GesellschaftSretter- liege» � 'oll, mit 100 Thlr., event. S Wochen Gefängniß, bestrast. m odi ha. fftf — Die Existenz de« Aegidi'sche« PreiSkourants wird von der Norddeutschen Allgemeinen Zeirurg- bestritten. Da« Leiborgan Bismarck'« sagt in seiner Nummer vom vorigen Donnerstag(40). Wir werten ersucht, in unserem Blatte zu bemerken, daß dre Neue Wormser Zeitung-, wen» dieselbe wirklich ein Ciicular erhalten hat, worin ein Beamter de« Auswärtigen Ami« der Redattion irgend welche Mitlheilunge» angeboten, oder wori» im Namen dess-lben(wessen? ve« Auswärtigen Amt«, oder de«„Be amten-?) eine solche Off rte gemacht sein soll, da« Opfer einer Myst'ftkation geworden ist.- Da die„Neue Wo.m'er Zeimng- weder gesagt hat, daß ihr der Preiekourant von einem„Beamten de« Auswärtigen Amts- übersanvt, noch, daß ihr„im Namen desselben(?)" eine Offerte gemacht worden sei. so scheint e« sick nern, eine so abfällige Beurtheilung der Beschaffenheit jener hier allerdings um eine„My st lfikation-(Fopperei. NaSsüyiung) Woher kommt die Sozialdemokratie? fZ Seit mehreren Wochen laufen unsere„liberalen" ZeitungSredaMUe teure wie vor den Kopf geschlagen umher und stellen tiefsinnigdas seinsollende Betrachtungen darüber an, wie e« möglich war, daKltva die Sozialdemokratie bei den letzten Wahlen eine so immense>va< Stimmenzahl erlangen konnte. Da» Erstaunen dieser„Gelehrten" llne ist ein Zeugn.ß für die totale Unwissenheit und Unkenntniß,»elcheletzt st» m Bezug auf die VolkSstimmung urid Volkslage besitzen. NachFal ihrer Ansicht„Vertreter der öffentlichen Meinung", haben sie kein-Rla blasse Ahnung gehabt von den wirklichen Gefühlen und Bedürft uissen, welche in den letzten Jahren in immer tieferem Grade dielrnd unteren Schichten der Bevölkerung in Bewegung gefetzt und durch-tale drunzen haben. Gedankenlos hat einer dieser zeitungsschreibendendan „Gelehrten" eS dem andern nachgeschrieben, daß die Lage derta« arbeitenden Klassen N-chtS zu wünschen übrig lasse, die Lohner-K-a höhungen der letzten Jahre eine materielle Besserstellung der Arbeiterdie� herbeigeführt habe, die jene der andern Klassen weit übertreffe>m Wie dazu die Thatsache stimmt, daß nicht nur die eigentliche»� Lohnarbeiter, sondern auch die Kleinhandwerker, die Bauern tau-ft* s-nvweise für die sozialdemokratischen Candidaten gestimmt, dafür fehlt ihnen jede Erklärung. Klarheit kommt ihnen auch nicht dadurch in den Schädel, daß sie zeitweilig in unbewachten Mo- menl-n selbst Thatsachen veröffentlichen, die für jeden D-nkend-s — und da« zu sein bilden sich unsere liberalen Zeitungsschreiber?" in erster Linie em— da» Entsetzliche unserer sozialen Zustände�d enthülle«. Ueber diese Thatsache» gehört eine Notiz, welche da» liberalt Jesuitenblatt, Berliner„VolkSzeitung-, in diesea Tagen veröffent- lichte. Eine Notiz, die, wenn nicht die Denkunfäyigkeit oder die Unehrlichkeit in der Berliner„VolkSzeitung- heimisch wäre, ihr hättet ein Licht aufstecken und ihren phraseadreschenden Lettartikelschreiber... zu einer sehr nützlichen Bettachtung auffordern müssen. �ie Sie meldete nämlich, daß die zetzt beendigte Einschätzung der-�"l zeuigen Personen, welche nicht 1001 Thlr. Einkommen und darüber� haben, und deshalb auch nicht zur klassistzirten Einkommensteuer?" veranlegt sind, da« Resultat ergeben habe, daß von der Berliner?« Bezirks-EinschätzungSkommission rund 276,000 Personen eingeschätzt?� worden sind und zwar 4600 mehr al« im Borjahre. Nun abel�' kommt da« eigentlich wahrhaft entsetzliche Resultat. Von diese« 276,000 Personen, die also bis auf einen sehr geringen Bruchtheih der leider nicht angegeben ist, und jährlich über 1000 Thlr. Ein- kommen bezieht, die erwachsene Bevölkerung Berlin« repräsentirerh sind nicht weniger wie 130,700 mit einem jährlichen Einkommen von unter 800 Thlr.; 80,300 in der Klasse von 300 bick-- 350 Thlr., 18 600 in der Klasse von 350— 400 Thlr. abgeschätzt so daß nur 42,200 ein höhere« Einkommen al« 400 Thlr. baben wovon aber wieder nicht»enizer wie 24,000 auf die Klassen v»> 400- 650 Thlr. kommen. E« giebt also in dem großen reich Berlin nur 17,300 Personen, welche ein jährliche« Emkomm von 650— 1000 Thlr. haben, ein Bettag, der bei den ungeheurcl Miethspreisen, der Theurung aller Lebensbedürfnisse, deu höh- Anfvrderungen, welche Staat und Commune stelle», für er Familie eine menschenwürdige Existenz unmöglich macht, von de« zu schweigen, die diese« Einkommen nicht entfernt besitzen. U! nun den ungünstigen Eindruck der obigen Zahlen etwa« zu v tuschen, setzt die„Volk.zeitung- noch hinzu, daß im vorhergehende! Jahr da« Verhältniß in so fern noch ungünstiger war, al« d" Zahl der Personen mit weniger al« 300 Thlr. Einkommen n» 960 mehr betrug. Diese Zahl war noch nöthig, um für den w,, Beistand Begablen den Stand der Dinge in seiner nackten Wir! � Ii ch feit erscheinen zu lassen. P Denn wa« beweisen jene Zahlen? Für jede« andere als ei> liberale« de, kunfähige« Hirn, oaß in der Hauptstadt de» deutscht Reick«, wo der Reichthum au« mindesten« ganz Alt Preußen z»..■ sammcii strömt, der Sitz der hohen Aristokratie, Bureaukratie uny'1 fl Olh Räume, ein so uachdrücklicher Hillweis auf die verderblichen Fol zu handeln, aber um eine„My lifitalion- de« Publikum« durch zahlreicher hochgestellter Militairbeamteu ist, die euorme Mehrheit »» **• em. cath ti#B An. ei» llt-, ibet, eser fel» F'. ist. VVll Wir der Bevölkerung ei» Einkommen hat, daS ihr eine halbwegs an- »llte flänbtge Existenz rein unmöglich macht. Daß bie Verhältnisse von piel Berlin, in Vergleich zu ber übrige» Bevölkerung Deutschlanb« tige gebracht, eS zweifellos erscheinen lasse», daß bie sehr große Ma- uuS ivrität ber Einwohner Deutschlanb« sich nicht nur in gleich die schlimmen, sonbern vielfach in noch schlimmeren Verhältnissen kück iefinbe». Eine Thatsache, bie steilich für Sozialbemokraten unb sse» für alle Diejenigen, bie in ihrem Leben nur einmal ihre Nase in iba ei» wirklich wissenschaftlich-ökonomischeS Buch gesteckt haben, burch In- 1 an« nicht neu unb nicht überraschenb ist. Nur uusere Profession« de« mäßige»„Gelehrten", unsere„benkenben" liberalen Zeitung« schreiber und bie„gebilbete unb gesittete" beutsche Bourgeoisie hat davon keine Ahnung. Diese drei Faktoren, bie wir hier genannt, welche so hochmüthig auf bie„ungcbilbeten" unb„rohen" Arbeiter herabschauen, wissen cntweber von biesen Thatsachen absolut Nicht« »der sie machen c« wie ber Vogel Strauß, sie stecken ben Kopf in ., den Sanb, wähnend, auf solche Art bie Uedel verbergen, ober wo � möglich au« ber Welt schaffen zu können. Nun liegt e« aber doch klar auf der Hand, daß, wo in einer Bevölkerung die Zustände so traurige sind, wie sie hier durch offizielle Zahlen hergestellt wurden, diese Bevölkerung selbst, soweit sie zum Bewußtsein ihrer Lage gekommen, nicht gewillt ist, diese Zustände ruhig zu ertragen. Daß, wenn sie anfängt zu begreife� wie« nur eine kleine Minorität ist, für die sie sich schindet und sich quält, die den Ertrag ihrer Arbeit einstreicht und alle Lasten auf ihre Schultern abwälzt, sie sich der Sozialdemokratie, als der einzigen Partei, welche eine gründliche Reform und Umgestaltung unserer sozialen Zustände auf der Grundlage der Gerechtigkeit und de« gleichen Menschenrecht« für Alle erstrebt, anschließt. Daher die Erscheinung, daß nicht nur allein die Lohnarbeiter, sondern auch Handwerker, Bauern, Beamte, welche in ähnlicher Lage wie der Lohnarbeiter sich befinden, mit den sozialistischen Prinzipien sich befreunden. Die auffallende Unterstützung, welche der kleine lter- Bürger- und der Bauernstand der Sozialdemokratie bei den Wahlen ein �geleistet, zeigt, daß man in jenen Kreisen ansängt, sich vollständig Aar zu werden über da« Schicksal, wa« die gegenwärtige kapi- it, talistische Produktionsweise nnd das damit verbundene Staat«- m«- ihnen bereitet. . Da mögen die Feinde der Sozialdemokratie auch machen wa« ' sie wollen, diese Erkenntniß, die mit Riesenschritten um sich greift, können sie nicht au« der Welt schaffen. Stellen sich die Leiter at«- de« heutigen Staat« nicht selbst an die Spitze der Bewegung und a»s suchen sie in friedlicher und allmähliger Weise ihrem Ziele ent- fiegenzusichren, dann geht die Bewegung eine« Tages in der einen oder der andern Gestalt über sie hinweg. Vernünftige Gegner . chandeln darnach, unvernünftige, und zu diesen gehört bis heute e»»N* bie gesammte Gegnerschaft, rennen in ihr eignes Verderben. 1 Noch eine andere Thatsache decken die obigen Zahlen auf. �kUflkudem zugestanden wird, daß die Zahl der unter 300 Thlr. Einkommen habenden von 1S72— 1873, also in einer Periode uner- - Hölter Prosperität in allen Geschäften, in Berlin nur um 900 bestiegen, ist damit auf's allerschlagendste erwiesen, daß das unver- Ichäuite und betäubende Geschrei von den enorm gestiegenen Löhnen baWtter Arbeitsbranchen eine schamlose Uebertreibung war. Wäre anizdas nicht der Fall, so müßte die Zahl 900 sich mindestens ver- daß iwanzig facht haben. Und selbst wenn dieser Fall eingetreten wärp leuseiva« wollte dies bedeuten gegenüber den in derselben Zeit ins tea" Unerschwingliche gestiegenen Miethen und Lebensmittelpreisen? Diese elcheletztere Thatsache aber festgehalten, zeigen grade diese offiziellen illachZahlcn in unwiderleglicher Weise, daß die Lage der arbeitenden keineftusscn sich nicht verbessert, sondern verschlechtert hat. »ürft Ja die Zahlen, die verfluchten Zahlen, die aller Aufschneiderei e bietend leeren Behauptung ein so jähe« Ende machen! Unsere lrbe- rrch-kalen Zeitungen drucken sie gedankenlos ab und wissen nicht, was udesdamit anzufangen. Vielleicht tragen obige Auseinandersetzungen derdazu bei, den„Denkerschädel" de« einen oder andern unserer mer-�egner etwas zu erleuchten, sie eine Antwort finden zu lassen auf eiterdie jetzt so oft gehörte Frage: Woher kommt die Sozial- ceffe-demokratie? iche»7..............................-=■ tauH««ere Partei-, Ber»altu«gS- und OrgauisatioaS- A Augelegeaheitea. Mo- An die Parteigenossen! ndeil Wir bringen Euch hiermit zur Kenntniß, daß in jüngster Zeit etbrt5B folgenden Orten ne«« Partei-Mitgliedschaften gegründet worden ände*™� Lichtenhof bei Nürnberg, Vertrauensmann Adam Geher. erale Lößnitz, Sachsen, Vertrauensmann Wilhelm Nöyel. fent« Waldheim, Sachsen, Vertrauensmann Hermann Wegner. - dit Für Augsburg ist Friedrich Huttenlochcr al« Vertrauensmann hättet vorgeschlagen und von uns bestätigt worden. eibeu. 3n Hannover hat sich ein Agitatioscomitö constituirt. ®ie Adresse de« Schriftführer« diese« Comits'S lautet: I. Frauke, der-�allhofstraße 18, Hannover. Aber� Die neulich vom Ausschuß versandten Listen für den Partei teuelö�ierstützungSfond empfehlen wir nochmals Eurer besonderen äwlF"' linet�Aicksichtigung. Auch fordern wir Euch auf, die Sbeuern für chatzioebruar baldigst einzusenden, damit Mitte März niemand auf der aber"stantenliste steht. irse» Hamburg, 20. Februar 1874. theil, Der Ausschuß. Ein- I. A.: strew Der Kasfirer: H. Bcnneke, kl. Schäferkamp 34, umeö Der Secretair: A. Geib, RödingSmarkt 12. bi«- Gewerksflenoffenschaftliches. Hätz«, abevl vo« Metallarbeitergewerkschaft, eiche� Den Vevollmächngten sowie zämmUlchen Mitgliedern obiger «meV�ver tschaft diene hiermit zur Kennlnißnahme, daß, nachdem die eureKjftftcoupo«« in ihre Hände gelangt sind, vom 1. März a. c. die >ohe�lseunterstüyung nur gegen Couponabgabe in der Höhe von ei»w' Sgr. pro Meile zu erfolgen hat; Mitglieder, welche keine o«neis?BPonS im Buwe haben, erhaben vom 1. März ab überhaupt Ui�B Reisegeld. Die Mitglieder der Holzarbeitergewerkschaft, welehe ver'lhe Coupon« in ihren Büchern haben, erhalten laut Verein- -nder�ung mit der Centralverwaltung derselben, dasselbe Reisegeld ! dif�bezahlt, wie unsere Mitglieder auf die gelben Coupons. Alle nofttezahlten Coupon« sind sorgfältig aufzubewahren und mit dem i nrfp echnungi sormular an die Centralverwaltung einzusenden. Zu- Wirw ich ist vom Monat März an die Extrasteuer von monatlich i. Pf. znb Deckung der durch die Erzielung einer Vereinbarung ««» Amtlicher Gewerkschaften entstehenden Kosten zu erheben und an tschcr� einzusenden. n z»., Jeder Bevollmächtigte oder mit der Auszahlung des Reisegeldes ! um � mit der Auösertigung der UnterstützungS-Legttimation Beauf- hrhe*#8«e, hat sich mit der Instruction Über die Verwendung der Coupons, die de» Conponheften vorgedruckt ist, i» ausführlicher Weise vertraut zu machen, damit keine Jrrthümer vorkommen. Sollte Jemand die gegebene Weisung nicht verständlich sei», so wolle man deshalb sofort bei uns anfragen. In Folge diese« Uebereinkommen« ist den Mitglieder« unserer Gewerksgenossenschaft Gelegenheit gegeben, an nachbcnannten Orten, wo wir keine Mitgliedschaften besitzen, bei den Bevollmächtigten der Holzarbeiter das Reiscgelv zu erheben und zwar: Altona, Verkehrslokal, Gr. Bergstraße 139, Bevollmächtigter H. Rinke, Mörkenftr. 75, 2. Etage; Arnstadt in Th., Beikehr im halben Mond, Bev. C. Hayerich, Krappgartenstr.; Bayreuth, Bev. Carl Wendel, Kanzleistr. IS, 2. Etage; Breslau, Bev. H. Nebel, Mehlgasse 12; Berka a. d. Ilm, Bev. E. Linke, Zeug- hauSplatz; Cölu, Berkehr FsschenichS BierhauS, Bollerstraße 33, Bev. H. Bruch, Scverinstr. 127; Erfurt, Verkehr Futterstraße im König vou Preußen, Bev. Thoma« Kühn, Riesenanzer 6; Eisenach, Berkehr Gasthaus zur Sonne, Bevollm. Friedr. Metz, Untere Predigcrgasse D. 324; Frankenhausen, Bev. August Gänscht; Gießen, Berk. Seltersweg bei Retter, Bev. E. Zimmer- mann, Neue Bäuen B. 84; Gotha, Verkehr im Norddeutschen Bund, Bev. H. Wabst, Ordnansgasse 17; Hamburg, Bevollm. Bredow, bei Thormöhlen, Brunneustr. 19, 2. Etage; Lands Hut in B.» Verkehr Gasthaus zum Stegmüller, Bev. C. Rhein, bei Schneider Köferl, Altstadt; Mainz, Verkehr, Gaugasse in der Rose, Bev. Jacob Busch, BockSgasse 15; Mühlhausen m Th.� Berkehr Zum Kaiser Wilhelm, Bev. H. Gräff, St. Georgi 76 Neustadt a. d. Orla, Bev. Franz Helmerich; Radeberg in S.� Bev. C. A. Hofmann, Wallroderstr. 207i; Stade, Berkehr Zum Guttenbcra, Beo. D. Niemann, Beguinenstr. 371; Schw.-Hall Verkehr, Oehringcrstraße 361, Fr. Stölle daselbst Bev.; Söm� merda in Th., Verkehr Trommsvorfs Bierhans, Bev. W. Kohl schmidt, Mühlgasse B. 462; Weimar, Verkehr KleinS Rest, am Bahnhof, Bev. C Kettel, Schloßgasse 98; Würzburg, Verkehr in der Gans, Bev. Georg Seemann, MaierSgasse.1; Zwickau Verkehr Gasthaus zur Volkshalle. Die Bevollmächtigten unserer Gewerkschaft werden zur weitesten Verbreitung obiger Mittheilungen aufgefordert, auch müssen sich diese Listen immer im Besitze des Bevollmächtigten resp. im Ver kehrs oder VercinSlokale vorfinden. Allen Mitgliedern die genaue Befolgung obiger Anordnung ans Herz legend, zeichnet mit collegialftchem Gruß und Handschlag Für den Vorort: R chard C. I. Wolf. RS. Zugleich den Bevollmächtigten zur Nachricht, daß während der Abwesenheit deS derzeitigen Geschäftsführers Rich. Wolf, betr. einer längeren AgitationSreise, alle Correspondenzen von heute an den Stellvertreter desselben, Oswald Borftendorfer, Kasernenstraße Nr. 6, 4. Etage, zu richten sind, sowie diesbezügliche Adressen von Orten aus Bayern und Württemberg, wo unsere Gewerkschaft noch nicht festen Fuß gefaßt, schnellstens in dessen Besitz gelangen möch- tcn, hauptsächlich werden die Parteigenossen hierauf aufmerksam gemacht, ihr Möglichstes dazu beizutragen. Die Wohnung des HauplkasstrerS Carl Herm. Hickethier be findet sich im VerkehrSlokale der Gewerlschaften, Postilr. 34, part. Chemnitz, 14. Februar. D. O. Allgemeiner deutscher Schiffszimmerer- Verein. Wir bringen hierdurch zur Anzeige und fordern hiermit alle Beruft- und Parteigenosse» auf, allert Zuzug fern zu hallen von Barth, Stralsund und Wilhelmshaven, da in Barth und Stralsund Aussperrungen stattgefunden und Commisstouäre dage- «esc» sind, um Leute für Wilhelmshaven anzuwerben. Also nochmals haltet allen Zuzug fern. G. Rümpel. Correspondenzen» Gewerkschaft der Töpfer. Dresden, den 13. Februar 1374. Einnahme. Vou aus- wärtigen Collegen aus: Berlin 13 Thlr., Breslau Thlr. 14 10. Chemnitz 31 Thlr., Danzig Thlr. 13 20, Drssau 16 Thlr., Frank- furt a/O. 10 Thlr., Hamburg 125 Thlr., Harftiover 15 Thlr., HilveSheim Thlr. 7 24, Klagenfurt Thlr. 2 27 4, Meißen Thlr. 42 5 3, München Thlr. 71 12 5, Nürnberg 14 Thlr., Pest Tvlr. 12 24, Velten Thlr. 92 24, Wien Thlr. 43 7, Wiesbaden Thb. 2 14. Von hiesigen Collegen: AuS der Sleingutfabrik 16 Thlr; Seidel Thlr. 13 7 5; zwei Versamml. d. Töpfer Thlr. 27 25 8; diverse Beiträge Thlr. 3 5; Amlung 5 Thlr.; Anders 4 Thlr.; Maaß 2 Thlr.; Müller Thlr. 2 10; Schütz Thlr. 1 10; I. Schüy 1 Thlr.; Schikel Thlr. 1 15; Schmeißer Thlr. 1 5; Töpfer Ge- nossenschaftskasse 40 Thlr.— Von auswärtigen Gewerkschaften: Aibeiterfest in Breslau d. Dr. Walster Tblr. 11 9 5; Pirna d. Lauschte Thlr. 13 3. Von hiesigen Gewerkschaften: Von einer Versammlung der Gewerkschaften 3 Tdlr.; Arbeiterfest Central Halle Thlr. 2 17 9. Summa Thlr. 669 29 4. Ausgabe. Unierstützang an Collegen Thlr. 432 17 3; an zurückgelassene Frauen Thlr. 47 20; an Reiseunterstützung Thlr 39 12 5; an Durchreisende Thir. 18 26 3; für Plakate, Annoncen und Drucksachen Thlr. 57 13 8; Porti« Thlr. 14 7; Schreib Materialien Thlr. 6 2 5. Summa Thlr. 666 14 4. Bilanz: Einnahme Thlr. 669 29 4; Ausgabe Thlr. 666 14 4; Bleibt Kassenbestand Thlr. 3 15. T. Schweißer, Vorsitzender. H. Schade, Kasstrer. Gewerkschaft der Maurer nnd Zimmerer. In Nr. 15 des„Voiksstaal", Abrechnung der Maurer- Ge werkschaft, bitte ich Folgendes zu berichtigen. Unter Ausgabe muß eS heißen:„Nochmals an Herrn Bracke 50 Thlr. verliehen, macht an ausgeliehenen Geldern 189 Thlr.", sonst kommen nur 139 Thlr. heraus. Wester muß eS heißen„Christian Krake" nicht Bracke. Bei der Krankenkasscn-Einnahmc� muß es heißen:„Im vorigen Jahre von Dresden gesandt", anstatt an Dresden. Gewerkschaft der Schuhmacher. Kotfia. Den Mitgliedern der Krankenkasse bringe ich folgenden Beschluß der Verwaltung zur Kenntniß: In Erwägung, daß in unserem Krankenkassen- Statut nicht« Bestimmtes ausgesprochen ist, ob bei eintretenden Todesfällen da« BeervigungSgeld die Haupi oder Lokalkassen(wenn letztere zahlungsfähig sind) zu tragen haben, wurde beschlossen, daß bei vorkommenden Todesfällen da« Becrdr gungSgeld so lange durch Exirasteuer gedeckt werden soll, bi« in der Hauptkasse die Summe von 100 Thlr. vorhanden ist, von da ab ist oa« Beerdigungsgeld au« der Hauptkasse zu bestreiten. Wir 'chreiben in Folge dessen eine Extrasteuer von 1 Gr. pro Mitglied au«, um die statutenwäß'ge Unterstützung von 18 Thlr. de« küizlich in Erfurt verstorbenen Mitgliedes Karl Räbbenack der Mitglied- chaft daselbst zurück zu erstatten. Es wurde deshalb die Extra- teuer mit 1 Gr. berechnet, weil bei der mangelhaften Einsendung und Ausfüllung der AbrechnungSformularc eS mir nicht möglich war, die Zahl der Mitglieder festzustellen. Der sich ergebende leberschuß fließt in die Hauptkasse. Nur solche Orte haben An- recht auf Zuschuß auS der Haupikasse, die ihren Verpflichtungen gegen dieselbe„pünktlich" nachkommen. Bei Geldsendungen an den Hauptkasstrer wolle man genau angeben, wie viel zur Gewerk- chaft Kranken-Extrasteuer und wie viel Unionsteuer ist. Nur diejenigen Mitgliedschaften erhalten Reisecoupon« und das Organ Union" zugesaudt, die mit ihren Beitiägen nicht im Rückstände sind. Mit Gruß und Handschlag Für die Beiwalmug: W. Bock. Leipzig. Wie wir erfahren, hat der„gemeinnützige" Berei» zu Lindenau den großen Schweiger Moltke telegraphisch aufge- fordert, den„Volksstaat" zu verklagen. Immer zu! Die Sache soll uns Spaß machen. Wir fürchte» un« vor dem„größten Feld- Herrn der Neuzeit" nicht. Leipzig. An die Adresse der Staatsanwaltschaft! Der MajcstätSbcleidigungsprozesse, mit welchen die könig- liche Staatsanwaltschaft den„Volksstaat" seit seinem Bestehen be- glückt hat, sind nicht wenige, und wir möchten deshalb ger» de« Genaueren darüber unterrichtet sein, ob die Staatsanwaltschaft in der Präparirung solcher Prozesse nur so eifrig ist, wenn die Sozialdemokratie in Betracht kommt, oder ob sie die beleidigte Majestät hoher Herren auch den Reichsfreunden gegenüber i» Schutz nimmt. Wir haben bis jetzt noch nicht gehört, daß die Staarsanwalischafl einen MajestätsbeleidigungSprozeß gegen de» Narrenrath Sparig angestrengt hätte, der am Carncvals-Montag sich einen kaiserlichen Ornat mit Krone und Scepter zugelegt hatte und so als Karricatur des Kaisers ZVishetm, dessen be- kannter Schnurrbart durch zwei Stücke Flachs nachgebildet war, dll'ch die Straßen fuhr. Kaiserkrone und Scepter bestanden au« ominöser Pappe und auS Holz. Und diese fulminante„Ma- jestätSbeleidigung" sollte dem doch so scharfen Auge de» Staatsanwaltschaft entgangen sein? Unmöglich! Falls indessen die hohe Staatsanwaltschaft den Aufzug des Narrenraths Spang nicht als„Majestätsbeleidigung" aufzufassen geneigt sein sollte, so forvern wir dieselbe auf, uns offen und ehrlich zu sagen, waS denn geschehen wäre, wenn die Sozialdemokraten zum Car- neval den Kaiser carrikirt hätten. Notabene: Die Staatsanwalt- schaft wird nämlich Niemand finden, der so dumm wäre zu glauben, daß das, was Sparig gethan, von den Sozialdemokraten hätte ungeahndet geschehen können. Leipzig, 21. Februar. Mit Wort und Schrift soll ma» so wenig spielen, wie mit dem Feuer, denn wer sich einmal ver- schnappt, hat schwer wieder gut machen, was er einmal gesündigt. So mag eS wohl jenem Leipziger„Reichsfreund" gehen, der in der heutigen Nummer deS„Leipziger Tageblatts"(3. Beil.) ein anonymes„Eingesandt" losgelassen hat, worin er die Uneinigkeit der nationalm serablen und der fortschreitenden RückschrittSpartei beheult und bejammert, und sich einstwe len ans den abermalige» Sieg der Sozialdemokratie gefaßt macht. Soweit wären wir mit diesem braven Manu zufrieden; derselbe ist aber gleich den Leip- ziger Kaffeeschwestern einmal in'S Plaudern(hier„Schlabbern" genannt) gekommen uud nagelt sich selbst an den Schandpfahl der Wahlbeeinslussung. Denn er schreibt: „Schreiber dieses hat 30 Stimmen zu seiner'Aer- sügung. Er empfahl denselben bei der Hauptwahl für Birnbaum, bei der Stichwahl für Heine zu stimmen. Die Arbeiter — denn solche sind es— haben Beide« gethan." Die Sache ist also einfach die: Der Einiender ist ein Fa- brikant, unter dessen Arbeitein dreißig Wähler sind, und der die ökonomisch abhängige Lage seiner Arbeiter benutzt hat, um sie wie„Stimmvieh" an die Wahlurne zu führen, wo sie sie je nach seinem Befehl ihre Stimmen abgeben mußten Der Mensch hat verralhen, daß er sich der frechsten, unverschämtesten Wahl- beeinflussung schuldig gemacht hat, denn wie kann denn noch von„freier Wahl" oder von„Wahlrecht" überhaupt die Rede sein, wo 30 Stimmen einem Einzelnen zur„Verfügung" stehen? Wa« gäben Sie wohl darum, Sie anonymer Wahlbeeinflusser und Stimmviehmacher, wenn Sie die unvorsichtigen Worte wieder zurücknehmen könnten? So hat die„liberale" Partei gegen un», gegen die Sozial- demokratie„agitirl", und ein Zeibig mit seiner Sippschaft wollte „Protest" gegen die Wahl erheben,„weil sie von den Sozial- demotraten" beeinflußt worden sei." Daraus, daß das„Tageblatt" die anonyme Einsendung ganz unbeanstandet und ohne redactionelle Bemerkung abgedruckt hat, ist erwiesen, daß man in„liberalen" Kreisen Wahlbeeinslussung und Wahlbestechung als etwa« Selbstverständliches be- trachtet. Und aus demselben Umstand geht weiter hervor, daß die Praxis der Wahtbeeinflassung bei den Herrn Fabrikanten uu» durchschnittlich gebräuchlich ist. Wir ersuchen Diejenigen, welche den Namen deS Stimmviehzüchters und„VerfügerS" über 30 Arbeiter wissen sollten, uu« Mittheilung zu machen, damit wir denselben der öffentlichen Ver- achtung übergeben können. Aerliu, 15. Februar. Nachstehend theile ich Ihnen den Wort- laut der Rede mit, welche Geib bezüglich der Diätenfrage i« Reichstage hielt. Dieselbe ist al« kleines Borpostengeplänkel zu be- trachten, hat aber auf die Volksfeinde trotzdem einen tiefen Ein- druck gemacht. Jeder fühlte, daß bald größere Gefechte geliefert werden düiften, und dies war keine Täuschung. Nach dem steuo- graphischen Berichte ließ sich Geib folgendermaßen vernehmen: „Meine Herren: Dieser Antrag kommt in jedem Reichstage vor, wie das Mädchen au« der Fremde. Er wird nicht einseitig vom Reichstage, sondern vorzugsweise vom BundeSrath zurückgewiesen. Und fragen wir uns, ob die« gerecht ist, so müssen wir mit„Nein" antworten, und zwar desweqen. weil auf der ander» Seite de« GcsetzgebungSsaklorS, beim Bundesrathe, die Diäte» oder Gehaltszahlungen von jeher eingeführt gewesen ist. Der Reichstag soll ohne D äien zusammen kommen; hier soll also ei» indirekter Censu« auferlegt werden, denn mit der Diäteulofigkeit geben Sie dem Reichthum und der Beamtcnwelt einen Borzug. ES ist angedeutet worden, daß die Beamten in dem preußische» Abgeordnetenhause in großer Zahl vertreten sind. E« ist da» nicht minder hier im Reichstage der Fall gewesen und auch bei diesem Reichstage der Fall. Ich habe mich dam 4 besaßt, zusammen- zuzählen, wie viel Beamte, oder solche, die Beamte gewesen sind, hier im Reichstag styen, und da habe ich schon jetzt in unserem Verzeichniß 190 gefunden. Das ist eine Zahl, welche zum Nach- denke» Anlaß giebt. Es ist wahr, und es ist dies auch schon von einzelnen Mitgliedern des Hause« angedeutet worden, daß die Diätenlosigkeit vorzugsweise gegen die Oppostion gerichtet ist. Allein, meine H rren, durch die Diätenlosigkeit werden Sie die Opposition au« diesem Hause nickt yerauSmaßregeln. Wir werde» hier sein ohne D'äien, wir sind das unseren Wählern schuldig, wir appelliren aber zugleick an die Gerechtigkeit, indem ja dre Wähler, das gesammte Volk, die Diäten, resp. die Steuern auf- zubringen haben, uud eS daher eiu Unrecht dem gesammte» Volk aegeiiüker ist, tinc« CensuS«»sticht zu erhalten,«elcher nur zu« Bortheile der eine» und zum Nachtheil der anderen Seite dieses Hauses dienen kann. Es ist sogar unsre Absicht, noch mehr oppo- sttionelle Elemente herauszubringen. Schon heute kann ich an- melden, daß ohne Rücksicht auf d c Diätenlosigkeit wir unsere Freunde, die Abgeordneten Bebel und Liebknecht, reklamiren werden. Wir haben eine Andeutung gehört, die sich auf die Beschneidung de« Wahlrechts bezieht. Wenn Sie sich zu dieser Anficht erheben sollten— nun gut! Auch damit werden Sie die Opposition, die jetzt und in einer kleinen Anzahl hier vertreten ist, nicht mundtodt machen. Die Arbeiterbewegung, auf die speciell bei Anregung der Beschneidung des Wahlrechts abgezielt wird, ist durch eine Be- schneidung des Wahlrecht« nicht tobt zu machen,— zwar mundtodt hier in diesem Hause, indem Sie uns ausschließen. Aber e« giebt noch andre Stätten, wo man seine Meinung auch aussprechen, wo man vor dem Volke für seine Ideen Propaganda machen kann. Schließlich erinnere ich Sie an daS Wort eine« KöaigS in Bezug auf die Diätenlosigkeit— ich glaube Sie geben ja viel auf die Worte der Könige. Als im Jahr 1815 beschloffen worden war, i» der stanzösischcn Kammer die Diätenlosigkeit einzuführen, da sagte Ludwig XVIII., das ist ein Beschluß, der uns am meisten kosten wird." Dieser Tage werden unsre Abgeordneten jedenfalls auch übers Militärgesetz sprechen, so daß eS den Abgeordneten des Geld- sack« ganz ungeheuerlich zu Mulhe werden dürfte. Aerftn, 15. Febr. In dem Leitartikel der letzten Nummer stndet sich eine thatsächlich falsche Angabe, zu deren Berichtigung die nachstehenden Zeilen dienen mögen. DaS unentgeltliche Ver- cheilen von Druckschriften ist nach dem bestehenden Preßgesetz vom 12. Mai 1851 schon jetzt im Staate der Intelligenz, in Preußen, verboten.§ 10 lautet:„Niemand darf auf öffentlichen Wegen, Straßeu, Plätzen oder anderen öffentlichen Orten Druckschriften »der andere Schriften oder Bildwerke ausrufen, verkaufen, ver- theilen, anheften oder anschlagen, ohne daß er dazu die Erlaub- niß der Ortspolizeibchörde erlangt hat, und ohne daß er den Erlaubnißschein, in welchem sein Name ausgedrückt sein muß, bei stch führt." Unter Manteuffel sind hier oft genug Strafen verhängt worden, wenn Jemand in öffentlichen Versammlungen Schriftstücke unentgeltlick vertheilt oder zum beliebigen Mitnehmen hingelegt hatte. Dem Reich der Gottesfurcht und stammen Sitte war eine noch weitergehende Beschränkung in dieser Beziehung vor behalten. Während bei allen Wahlen das Ankleben von Wahl aufrusen im Innern der Häuser als erlaubt galt, sind bei der Nachwahl im 3. Berliner Wahlbezirk mehrere unserer Parteigenossen wegen Anklebens unserer Wahlaustufe im Innern der Häuser verhastet worden, hohe Polizei hat ihnen die Austufe confwcirt und sie jetzt wegen Verstoß gegen obigen Paragraphen in 2 Thlr Strafe genommen. Nach dieser Definition ist das Innere des Hauses schon ein öffentlicher Ort, das Vertheilcn von Schriftstücken in der eigenen Wohnung von polizeilicher Erlaubniß abhängig! Natürlich gilt diese Auffassung nur gegen die Sozialdemokraten; die Austufe für den RegierungScandidaten Herz sind sogar ungehindert an der Außenseite der Häuser angeschlagen worden. Und doch sagt die „beschworene Verfassung": Alle Preußen sind vor dem Gesetze gleich! Wer lacht da? Zgerli», 13. Febr. Heute ist der Gesetzentwurf bez. einiger Veränderungen der. Gewerbeordnung zur Verthcilunz im Reichstage gelangt, und man kann sagen, daß damit daS denkbar Reactionärste erreicht worden ist. ES sollen für die Erledigung von Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern besondere Gerichte eingesetzt werden und zwar von den Ceutralbehörden in folgender Weise: Die Gewerbegerichte werden mit den ordentlichen Gerichte» erster Instanz verbunden und bestehen aus drei Personen, von denen die zwei Beisitzer je ein Arbeitgeber und ein Arbeiter find; in besonderen Fällen können dle Beisitzer in gleichem Ver hältniß verstärkt werden, sie haben ihr Amt unentgeltlich zu verwalten, werden von den Gemeindebehörden gewählt und müssen mindesten» 2 Jahr innerhalb de« Bezirk« ihren Wohnsitz haben. Der Vorsitzende bestimmt, wer von den gewählten Bei- fitzern in jedem Falle zu amtiren hat. Die Verhandlungen im Termine sind öffentlich und mündlich. Die Beitreibung der gc werbegerichttich verfügten Entschädigung kann auch durch Beschlag nähme de« Dienst- und Arbeitslohnes erfolgen. Mit der Vollstreckung der Exekution kann sofort vorgegangen werden, da die Entscheidungen der Gewerbe gerichte endgültig sind.— Was die Strasbestimmungen betrifft, so ist nicht minder den Wünschen und Interessen der Arbeitgeber Rechnung getragen und die Lehn- sklaverei wird, wenn der Entwurf zum Gesetz werden sollte, in aller Form eingeführt sein. Auf wie lange? das ist freilich eine andere Frage. Der sogenannte„Mißbrauch des CoalitionsrechtS", soll mit Gefängniß bis zu 6 Monaten bestraft werden und di Motive bemerken diesbezüglich:„Der(neue)§ 153 unterscheidet sich von dem bisherigen ß 153 durch eine Vervollständigung der Bezeichnung der strafbaren Handlungen und durch die Verschär- fuug der Strafe." Der Contractbruch wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Hast bestrast und die Motive halten die« für nothwevdig, weil sie ganz ungenirt annehmen, alle Schuld an den Zerwürfnissen auf gewerblichem Gebiete liege auf Seiten der Arbeiter. Da ist davon die Rede, vieie Arbeiter„hätten die Ge- wohnheit angenommen, nach Laune oder augenblicklichem Vortheil handelnd, ohne jede Rücksicht auf vertragsmäßige und gesetzliche Verpflichtungen die Arbeit zu verlassen," die Arbeitgeber sind dem Verfasser der Motive und des Gesetze« aber augenscheinlich Wesen reinerer Art, die weder Launen noch die Wahrnehmung ihres per- söulicheu Bortheil« kennen. Wir haben e« also hier ausgesprochener und zugestandener Weise mit einem GcsetzeSprodukt reinster Klassenherrschaft zu thuu, und man muß gestehen, man konnte von der ReichSregie- »ung, die von dem Geistc de« Hrn. v. Bismarck belebt wird, schon so etwas erwarten. Diese» Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter er- »eicht ungefähr den gleichen Grad von Schlauheit, welchen der prächtige„Culturkamps" darstellt. Wenn der besprochene Gesetz- eutwurf angenommen wird, so führt er sicherlich zunächst eine Menge schwerer Nachtheile für die Arbeiter herbei, die geplante Reaktion wird aber am Ende doch zum Vortheil derselben ausschlagen, weil die Art CoalitionSfteiheit und Freiheit zur Abschließung von Ver- trägen mit dem Galgen daneben, wie sie daS neue Gesetz herbei- führen will, die Arbeiter zwingen wird, um so enger sich an einander zu schließen. So stehen ja die Sachen im Allgemeinen: die Machthaber mögen züchtigen oder loslassen, mit allem ihrem Thun graben sie sich doch zuletzt selbst die Grube, wenn sie ihre Macht nicht ausbauen aufbauen auf sittlicher Grundlage. Der Antrag aus Veränderung der Verfassung, welcher bezwecken sollte, eine klarere Fassung desjenigen Paragraphs herbeizuführen, auf Grund dessen bisher der sReichstag es abgelehnt hat, Bebel und.Liebknecht zu reklamireu, hat noch immer nicht eingebracht «erden können, da bei der Fortschrittspartei mit 13 gegen 12, bei de» Pole« mit 7 gegen S Stimme» e« abgelehnt«orde» ist, de» Antrag zu unterstützen. Kittesheim, 17. Februar. Schon lange ist es her, daß wir Hildesheimer Etwas haben von uns hören lassen, und die Partei genossen haben auch wohl schon geglaubt, daß hier wohl Alle« todt sein müßte. Dem ist aber nicht so, wir arbeiten unverzagt au unserem gemeinschaftlichen Werke rüstig weiter, trotz der vielen Hindernisse, welche uns im Wege liegen, als da find gänzlicher Mangel an Redner», Maugel an Lokalen und Verstocktheit der Massen. Auch wir hatten hier einen ReichStagScandidaten bei der Wahl ausgestellt, unfern Bebel aus Leipzig, und sind auf ihn trotz der schwachen Agitation, 107 Stimmen gefallen. Auch ist eine neue Mitgliedschaft in Alfeld gewonnen, welche wir nächsten« konstituiren werden. Zugleich muß ich berichten, daß unser Mitglied Moritz Richter wegen„Beleidigung deS Fürsten Bismarck" zu 2 Monat Gefängniß und in die Kosten verurtheilt wurde, zuvor aber 14 Tage in Untersuchung gesessen hat und jetzt von hier nach Elze geschafft worden ist, um dort in Einzelhaft seine Strafe zu ver büßen. Mit sozialdemokratischem Gruß E. Kaiser, Vertrauensmann, 3. Rosenhagen Nr. 224. Mannheim, 1. Februar. Wie überall so auch im elften ba dischen Wahlkreis nichts als Machinationen feiten« der Gegner. So hiellen wir z. B. eine Volksversammlung in Hockenheim ab resp. wollten sie abhalten, wurden aber dort von der Feuerwehr, welche mit klingendem Spiel angerückt kam, gezwungen das Lokal zu verlassen und nur mit vieler Mühe konnten wir uns nur noch auf einen Wagen retten, aus dem wir verfolgt von den aufge- hetzten großen und kleineu Buben. Mit Steinwürfen und Hohn- geschrei trieb man uns zum Dorf hinaus. Ein Parteizenosse Na- mens Kühn konnte von großem Glück sagen, daß ihm kein Auge ausgeworfen wurde. Solch ähnliche Affären kamen in noch mehreren Orten vor. Doch nicht überall ging es uns so. Wir haben nun auch Erfolge auszuweisen, wie z. B. in Weinheim an der Berg- straße. Dort gründeten wir eine tüchtige Mitgliedschaft. Doch auch diese neuen Mitglieder mußten schon die Feuerprobe bestehen, denn mau hat einige Mitglieder, sowie auch den Vertrauensmann, der schon lauge Jahre in einem Geschäft arbeitete, gemaßregelt und aus daS Straßenpflaster geworfen. Dieselben stehen jedoch fest zur Partei. Auch in der Stadt Mannheim kamen Verstöße gegen das Wahlgesetz, wie Verschluß der Wahllokale k. vor. Die Polizei wandte uns auch ihre liebende Sorgfalt zu, denn unser Parteigenosse ErHardt ist verhaftet und sitzt in Untersuchungshaft, so viel wie wir wissen, wegen des Maueranschlags am Wahltage, auf welchem Bebel als unser Kandidat proklamirt war. Wie dieses ausgeht, werden wir später noch berichten. Augsburg. An die Former Deutschlands. Collegen! Oft- mals schon haben die Former Augsburgs durch die That gezeigt, daß sie mit ihren Brüdern in Deutschland für die Verbesserung der Lage der Former, wie überhaupt der Metallarbeiter aller Branchen einzustehen wissen. Wir erinnern nur an den großen Cheumitzer Strike. Heute sind wir leider in die traurige Lage versetzt, einmal Eure Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vergangene Woche gingen die Former der Fabrik von L. A. Riedinger auf daS Comptoir und beschwerten sich über den immer schlechter wer- denden Verdienst. Statt diese Beschwerde anzuhören, wurden die Former von dem Fabrikauten mit den Worten angefahren: Ihr habt die Arbeit verlassen, ich betrachte Euch als Fremdlinge. Ihr könnt gehen, ich schließe meine Greßerei. Da die Arbeiter sahen, daß man sie ntcht anhöre, gingen sie wieder� in die Werkstatt. Hier wurde Einer nach dem Andern von dem Sohne deS Hrn. R. auf das Comptoir gerufen und ihm angekündigt, daß er, weil er .die Arbeit verlassen habe, um 12 kr. gestraft werde. Wenn er sich dieses gefallen ließe, dann könne er bleiben. DaS war den Formern zuviel, sie legten deshalb die Arbeit nieder. College»! Es sind zweiunddreißig Männer» größtentheilS ver heirathet, welche fest entschlossen sind, auszuharren. Sammtliche Strikende sind Mitglieder der Metallarbeiter- Gewerkschaft, aber leider noch nicht so lange, daß sie Unterstützung beanspruchen könn- ten. Helft deshalb nach Kräften, haltet allen Zuzug fern, und wir werden siegen. Unterstützungen sind zu senden an Conrad Hirth, I. 63 Othsche Badeanstalt, vor dem rothen Thore. München.(Wie man Arbeiter um den sauer verdienten Ar beitSlohn bringt.) Beim Ostbahnbau wurden am vergangenen SamStag einem Tagelöhner durch den zweiten Palier 2 Gulden 6 Kreuzer abgezogen unter dem Vorwande, der Arbeiter habe sich im Laufe der Woche zwei Gulden Borschuß geben lassen, während derselbe nur einen Vorschuß von einem Gulden entnommen hatte. Der arme Arbeiter, der für seine schwere Arbeit den Hungerlohu von 1 fl. 10 kr. täglich bezieht, wurde also in der gewissenlosesten Weise um mehr als einen halben, fast um einen vollen Taglohn, verkürzt, ohne daß ihm die heutigen Verhältnisse die Möglichkeit böten, sich gegen solche gar nicht genug zu brandmarkende Ueber- vortheilung zu schützen.— Welches System schamloser Arbeiter- auSbeutung übrigens beim O stbahnbau herrscht, zeigt die Thatsache, daß der Arbeiter, den seine jämmerlichen Verhältnisse nöthigen, „Vorschuß" zu erbetteln, gezwungen wird, für jeden Gulden 3 Kr. Zinse« zu geben. Da nun die Zinsen am Ende jeder Woche vom Wocheulohn abgezogen werden, und da anzunehmen ist, daß der Vorschuß fast immer in zweiter Hälfte der Woche nöthig wird, so folgt, daß die Zwangszinsen mindestens 520 Proc. pro Jahr betragen. Wir überantworten dieses beim Ostbahnbau herrschende Ausbeutungssystem, sowie seine Urheber, der öffentlichen Verachtung!!(Ztgst) Fond zur Wahl Bracke's. Von Dr. I. Jacody 10 Thlr., v. Parteigenossen in Wolseniüttel d. Holzhäuser 2 Thlr., v. H. Kunz er hier Gr. 20 4. v.». B. hier 5 Gr., v. S. B. H. hier Thlr. 1 2, v. den Formern der Bogel'sche« Fabrik Thlr. 1 16 5, v. Häufig ges. bei einem Spielklub 18 Gr., Sammlung beim Stiftungsfest de» ArteiterbildungsveinS Thlr. 12 12 5,». Arbester» Braunschweog« d. Tan; Thlr. 9 5, d. Wildfiacke in Stade Thlr. 5 15, d. Jungnickel Sagau Thlr. 2 6, Parteigenossen in KSnig»brrg durch H. »rnoldt Thlr. 14 20, v. mehreren Atitgliedern der Metallarbeitergew. in Wolsenbüttel 15 Gr., v. rereinigten Gewerkschaften das. 1 Thlr., in Leipziger Buchdruckereieu ges. d. Pcukcrt 10 Thlr., v. Arbeitern Dbbelu« d. Wolke 1 Thlr., v. Arbeitern der Schüttler und Neuschildschm Sigarreu- fabrik hier Thlr. 1 10 2.__ Briefiaste« der Redaction. B. in London: Erhalten. Leider konnte der Abdruck noch nicht erfolgen; der Raum fehlt in Folge de» massenhaften Stoffe», den die Wahlbewegunz uv» zuführt. Grillenberger in Nürnberg: Der Aufruf in nächster Nummer: Brief folgt. Z. I. in Königsberg: Recht gern, in nächster Nummer. A. M. in Toblenz: Wird abgedruckt, sobald Raum dafür. S. F. in T.: Der Betreffende kommt nächstens dran. Besten Dank. H. O. in Breslau: Wird benutzt. E. in Augs-urg: Erhalten. Besten Dank. H. F. in Berlin: Sie haben Recht; der Ar- tikel kommt demnächst zum Abdruck. I. K. in München: Erhalten, kommt demnächst dran. der Expedition. A. Pg Stade Schr. 19 Gr. Topferze». Dresde« «»». in Nr. 126 128 130 5 8 11 14 Thlr. 1 16. E. Dresden Jh« Ann. betr. ti« Ende d. 10 Gr Hg Reudnitz Schr. 9 Gr. Kltl Wei- mar Schr. 12 Gr. I. Fr, Wien Schr. 2 Thlr. Wmr Mügeln Schr. 5 Gr. Phlr Gößnitz Schr. Thlr. 1 20.«blr Zwickau Ann. 3 Gr. Arb.-Bild.-Berein Leipzig Ann. Thlr. 1 24. Schueiderverein hier An» 12 Gr. Otto Weißenburg Ann. 15 Gr. Aftei: Wir haben bis jetzt keine Bestellung erhalten. H. Hchhm in Großenhain: Sie erhalte» die verlangte» Schriften demnächst. Sozialdemokratische Arbeiterpartei� SamStag, den 28. Februar. Abends 8 Uhr: Augsburg ix der„Schützexhalle." Mltgliedervt»sammlung Augsburg _____________ G. Stollterg. Sozialdemokratischer Berein. i» der„Schützexhalle. Sonntag, den 1. März, Vormittags 10 Uhr: Gener« lverfammlung Der Ausschuß. Berlin Gewerkschaft der Man»fakt»rarbeiter. Sonnabend, den 28. Februar, Abend« 8 Uhr: Geschloffeve Versammlung bei Rowi», Weberstraße 24a.— T.-O.: Angel. Pehler und Fabrikat Heliing. Erscheinen Aller ist Ehrensache. Der Vertrauensmann. Dresden - Berein für Sattler und Bcrnfsgenosse» Unser Aibettsnachweisbureau und Fremdenverkehr be findet sich Annonstraße 25 im Goldenen Stern. Jeden Dienstag Veo fammlung im Saale zur Tonverfaffon am See Nr. 35. Sammtliche Bertraaensmänncr werden darauf aufmerksam gemacht daß ein neue« Sattlerlied erschienen. Dasselbe ist durch Unterzeichnets zu beziehen pro 100 Stck. 2 Thlr. 15 Gr., 50 Stck. 1 Thlr. 10 Gr.: Carl Kästner sKassirer, Affozation Eonstantia am See Nr. 4. f* all 6, po ßirtflftä Arbetterverem. WUljllv Mittwoch, den 25. Feoruar, Abend« halb 9 Uhr: Ber' sammlung in der Oberschenke.— Tagesordnung: Der Beschluß de Gemeinderathes, betreffend den Steuerprotest. Die ReichstagSwahl. Gäste willkommen. Der Vorstand, i ex, bei un fii> Kl rot H 61 /Krtlil*«« Freitag, Pen 27. Februar, Abends halb 9 Uhr: Wählerversammlung in der Oberschenke. itaitlliff Gewerkschaft der Holzarbeiter. Heute Mittwoch können die Mtzlieder die neuen Büch im in Empfang nehmen und Steuern entrichten. E. Seifert. NB. Nächsten Sonnabend Gewerkschaftsversammlnng. itat htt it Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Freitag, den 27. Februar, Abend« 8 Uhr, bei Jabi» Turnerstr. 3.— T.-O.: Die Neuwahl zum Reichstag im 13. Wahlkreß Alle Mitglieder müssen am Platze sein. Gäste willkommen._ Der Vorstand. ftt (tat htt il ArbeiterbildungSvcrein. Sonntag: 1—3 Uhr Zeichnen. Montag: Gesa» Turnen, Stenographie, Rechnen. Dienstag: Deutsche, englische u> � franzöfiche Sprache; Schönschreiben. Mittwoch: Diskussion oder B« X? trag. Donnerstag: Gesang, Stenographie, Turnen, franz. Sprack, � Freitag: Buchführung, engl. Sprache, Wechselkunde. Sonnab en' lcho Bottrag oder Diskussion. sw.s kam —.Ln*0€. it � 3«H| der Aufforderung! Alle Partei- und Gesinnung«genoffen werden dringend ersucht sich Freitag, den 27. Februar, Abends 8 Uhr, im Saale bei Ja bin, Turnerstraße 3 einzufinden, um sich für t Wahltag(Sonnabend, den 28. Febr.) zur Verfügung zu stelle». Ef schädigung für Zeit« und ArbeitSversäumniß wird gegeben. E» gilt der letzten Anstrengung, um der Arbeitersache nochmals zi Siege zu verhelfen, daher darf keiner sehlen. Da« Wahlcomitä. Leipzig. I. A.: Osk. Stelzer, Bors. das Her: Du taris Sei! heit' Geb Cru Deli Än die Töpfer Deutschlands!$ Da in Hamburg und Altona ein Stttke der Töpfer bevorsteht,! schre werden die Tollegen dttngend ersucht den Zuzug fern zu halten. aber Das Tomits Üt> Zur Berichtigung! Die Tonferenz für Rheinland und Westphalen findtt am 1. Ml>chw in Solingen statt. Jrrthümlich war der Ott w Nr. 21 verge?! und der Datum falsch angegeben._ Da» Agitations-Eomitö He,, Alle Parteiacnosseu, die etwas über den Aufenthalt von jtarl Pr» gtbüttig au» Schwarzfeld(Provinz Hannover) wissen, werdm erst Verl« Sch solche« unter nachfolgender Adresse anher mitzutheilen. Johann Böhmer, Schützengasse- Kotten, Kaiserslautern RHeinpsoj) ftflj Arbeits-Hosen. 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