Kr. 108. Kbomttmntts- Kcdingungtn: ftbonnements- Preis pränumerando: «Zierleljährl. Z.Z0 Mb, monatl. I.lVMr., möchentltch 28 Pfg. frei ins H-uS. Eimelne Nummer S Pfg. Sonntag«- Nummer mit tltuNrlerier Sonntag«- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- «bonnement: 3,30 Marl pro Quartal. «ingetragen in der Post-Zeitung«- Preislist« für 1900 unter Hr. 7971. Unter Itreuiband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich»ulier MonUg». 17. Ial,rg. Vevltnev Volksvlakt. Kit Instrttons. Gebühr beträgt sür die sechZgefpaltene Kolonel- «eile oder deren Raum«0 Pfg., für polittscheund gewerkschaftlich! Verein«- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Knieige»" jede« Wort 5 Pfg. (nur da« erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen dt« i Uhr nachmittag« in derExpeditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bt» S Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher:«mt l, Nr. 1508., Telegramm-Adresse: „Sorialdemokrai Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Uartei Deutschlands. Redaktion: SW. 19. Beuih.Stratze 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Sommbend, den 5. Mai 1900. Expedition: SW. 19, Beutiz-Strshe 3. Fernsprecher: Amt l- Nr. S1S1. Von der christlichen Gewerkschafts- bewegnng. Man schreibt uns vom Rhein: „Für die Centrunispartei ist es meines Erachtens die höchste Zeit, es in der Förderung der berufsgenossen- schaftlich cn Organisation der Socialdemokratie gleich zu thun. Die Beweguilg ist unaufhaltsam, sie wird sich vollziehen mit uns— oder ohne uns und gegen uns. Ueber diejenigen, die beiseite stehen zu können glauben, geht die Entwicklung hinweg. Wir wollen und müssen dabei sein". So sprach im vorigen Sommer auf der Generalversamm lung des Augustinusvcreins zur Pflege der katholischen Presse der frühere Ceutrumsabgeordnete Rechtsanwalt Julius Bachem, der politische Leiter der„Kölnischen Volkszeituug." Damit ist das Wesen und der Zweck der christlichen Ge werkschaften zur Genüge gekennzeichnet. Sie sind gedacht als Gegen- und Kampforganisatiouen zu den bestehenden, an- geblich socialdemokratischcn Berufsorganisationen. Noch offener als Herr Bachem sprach diesen Gedanken auf der dem Katholikentag in Neiße vorangehenden Festversammlung der katholischen Arbeitervereine Pater Benno A uracher aus: „Wenn über Organisation geredet wird, dann lauscht der Ar beiter. Das haben wir eben wieder gesehen. Ihr sollt der David sein gegen den socialdemok ratischen Goliath, und der Kieselstein, mit dem ihr ihn nieder schmettert, sei Eure Organisation." So oder ähnlich hat nian es im Anfang der christlichen Gewerkschaftsbewegung vielfach hören können. Heute hört man dergleichen nicht mehr so offen aussprecheu. Aber einerlei, über das Wesen und den Zweck der christlichen Bcrufsvercinigungen läßt sich kein Einsichtiger täuschen. Seit Anfang der sechziger Jahre haben wir in Deutschland eine selbständige Arbeiterbelvegung und fast ebenso lange die bc ruflichen Organffationcn. Aber Ccutrum und Kirche haben müßig zugesehen. Erst als nach dem Fall des Schandgesetzes die„socialdcmokratischc Gefahr" wieder näher rückte, als auch die gewerkschaftlichen Organisationen wieder aufblühten und in die Gefilde des Centrunis vordrangen, da ging anch den ultramontancn„Arbcitcrfreundcn" die Erkenntnis von der Notwendigkeit der beruflichen Organisation der Arbeiter auf. Im Jahre 18Ü4 wurde im Ruhrrevier der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter gegründet, und von da ab sehen»vir die ultra- montanen Agitatoren im geistlichen oder Iveltlichen Gewand eifrig an der Arbeit, christliche Gewerkschaften zu gründen aber, das ist bezeichnend, immer nur da, wo die freien Gewerkschaften festen Fuß gefaßt haben oder im Annähen be griffen sind. An der Gründling von Bernfsvereinen auf christlicher Basis ist zunächst das C c n t r u in interessiert. Diese Partei fürchtet die katholischen Arbeiter als Wähler zu verlieren. Dann ist es der Klerus, der die gläubigen Arbeiter im Um- gange mit andersdenkenden Kollegen den Glauben verlieren sieht. Man ist der Meinung, daß ein Socialdcmokrat eher zehn christliche Arbeiter ansteckt, als daß zehn christliche Ar- beiter einen Socialdemokraten bekehren. Als Dritter, der an den christlichen Gewerkschaften ein Interesse hatte, kommt der Unternehmer hinzu. Ersieht in der christlichen Organisation, wo der Herr Pfarrer als Leiter und Berater die Arbeiter Genügsamkeit, Frieden und Versöhnlichkeit lehrt, das kleinere Uebel im Gegensatz zu den„socialdeniokratrschen" Gewerkschaften, iu denen der Arbeiter zur„Begehrlichkeit", zum Ausstand und noch schiinmern Dingen„gereizt" wird. � Nun ist ja manches anders gekommen, als sich die Väter dieser Organisationen gedacht haben. Die rein gegensätzliche Stellung zu den alten Gewerkschaften ließ sich nicht lange aufrecht erhalten. Die Arbeiter wollten die Organisation nicht nur der Partei und der Kirche zu Liebe, sie wollten damit auch etwas für sich erreichen: höheren Lohn, kürzere Arbeitszeit, bessere Behandlung. Das führte zunächst dazu, daß die christlichen Gewerkschaften ihre Abgeschlossenheit gegen- über den andren Organisationen aufgeben mußten. Aus dem „Nie und Nimmer" wurde das Zusammengehen in„besonderen Fällen". Dieser durch die Notwendigkeit gegebenen Praxis paßte sich auch die theoretische Auffassung der christlichen Gewerkschaften an. Es ist ein gewaltiger Unterschied in der Sprache der christ- lichen Arbeiterblättcr vor drei oder vier Jahren und heute. Früher galt die Interessengemeinschaft zwischen Unternehmer und Arbeiter als unanfechtbarer Grundsatz. Jetzt gilt es als ebenso feststehend, daß in bezug auf die Lohn- und Arbeits- bedingungen die Interessen von Kapital und Arbeit ans- einander gehen, daß mit dem Vertrauen auf das christliche Herz der Unternehmer für die Arbeiter nichts gewonnen ill und daß die Ausstände nicht schlechterdings zu veriversen, sondern in vielen Fällen das einzige Mittet sind, um etwas für die Arbcirer zu erreichen.„Den Streik habe ich noch vor drei Jahren als ein Stück Revolution bc- trachtet; heute bin ich der Meinung, daß der Ausstand o f t dringend notwendig ist"— so sagte vor etlichen Wochen in einer Versammlung der katholische Arbeitersekretär Giesberts aus M.-Gladbach. Mit alledem änderte sich auch das Verhältnis der Unter- nehmer zu den christlichen Gewerkschaften. AIS die braven katholischen Arbeiter statt durch die christlichenOrganisationenzur Folgsamkeit und.Genügsamkeit erzogen und von den Social- demokraten ferngehalten zu werden, nun gerade den„Um- stürzlern" immer näher rückten, als sie„begehrlich" wurden, Forderungen stellten und Streiks unternahmen, da war eS mit der anfänglichen Gunst der Unternehmer vorbei. Die christlichen Organisationen wurden genau so angesehen, wie die„socialdemokratischen" Gewerkschaften, Wer da weiß, wie rückständig die hiesige Arbeiterbewegung noch vor drei oder vier Jahren war, der verzweifelt nicht an ihrer Weiterentwickclung bis zu dem Punkt, wo nichts Trennendes mehr zwischen ihnen und ihren klassenbewußten Arbeitsgcnosscn vorhanden ist und sich die Proletarier als Leidens- und Kampfgefährten die Hand reichen zu gemein- samem Wirken an der Besserung ihrer Lebenslage. Judessen das Bild wäre nicht vollständig, wenn man nicht gewisser Vorkommnisse örtlicher und persönlicher Art ge- dächte, die sich in letzter Zeit abgespielt haben und die so recht geeignet sind zu beipeisen, in>vie hohem Maße in der christlichen Gewerkschaftsbewegung Interessen niitspieleu, die mit der Arbeitersachc nichts zu thun haben. Köln, die politische Metropole des Centrums im Westen, ist auch der Ausgangspunkt der christlich- gewerkschaftlichen Organisatiousbestrebungcn. Bereits Anfang der neunziger Jahre vertrat der hier wirkende Kaplan Oberdörffer den Gedanken der beruflichen Organisation der katholischen Arbeiter, und auf ihm fußeird legte später Kaplan Hitze auf der Generalversammlung der Präsides katholischer Gesellen- vereine ein ausgearbeitetes Programm zur Gründung von Fach- organisationcn vor. Oberdörffer, der an Einsicht und, was mehr noch gilt, an Ehrlichkeit die katholischen Socialpolitiker weit über- ragt, mußte seines Eifers für die Arbeitersache wegen aus Köln weichen: er wurde kaltgestellt in Stolborg bei Aachen, von wo nur selten etwas von ihm in die Oeffentlichkeit dringt. Dasselbe Schicksal erfuhr Kaplan H e ß d ö r f f c r, der nach ihm ebenfalls mit mehr Mut und Hingebung für die Arbeiter eintrat, als dies CcntruM, Kirche und Unternehmer- tum lieb zu sein Pflegt. Anch er ist fern von Köln ein stiller Bkann geworden, der öffentlich nicht mehr auftritt. Das Kölner Centrum strebt in der bis heute unter liberalem Regiment stehenden Stadt nach btr Herrschaft, nnd deshalb legt es Wert darauf, bei den Stuinm- lingcn und Philistern nicht in den Ruf zu geraten, daß es die Arbeiter znr Begehrlichkeit reize: lind der Kirchenbehörde liegt daran, sich mit dein weltlichen Regiment, dem jetzigen wie dem kommenden, gut zu halten; sie sorgt daher stets rechtzeitig dafür, durch die Abschiebung allzu eifriger Geistlicher die gute Stadt Köln vor dem Verdacht des Umsturzes in geistlichem Gewände zu bewahren. So erklärt es sich, daß in Köln das, was gut ist au der christlichen Gewerkschaftsbewegung, nicht anfkonunt oder vor- drängt wird, dagegen das zurückbleibt, was sich einzig durch die Fähigkeit auszeichnet, im polittschcn wie gewerkschaftlichen Kampf so schäbig ivie möglich zu sein. Tie christlichen Or- ganisationcn kommen in Köln nicht hoch; Ivo ihre kümmcr- lichen Ansätze in Aktion treten, da nur unter Führung unsrer Freunde und Genossen. Die leitende Centrale der christlichen Gewerschafts- bcweguiig befindet sich gegenwärtig in M.- G l a d b a ch. Hier erscheint die gut redigierte„Westdeutsche Arbeiter-Zeitung", hier ist der einzige Arbeiter rednerisch und agitatorisch thätig, den die christliche Arbeiterbewegung aar Rhein hervorgebracht hat, der Arbeitersekretär Giesberts, anch ein aus Köln Verpflanzter. Die Gladbacher Richtung geht auch grundsätz- lich und praktisch am weitesten. Wie es in einer im Verlage der„Westdentschen Arbeiter- Ztg." herausgegebenen Broschüre über die christlichen Gewcrkvereine heißt, ist als Ziel zu er- streben: .Eine Zllsammenfassinig aller Arbeiter in paritätischen Gclmlsckiaftcn, d. 6. in solchen Gewerlschaften. die sämtliche Arbeiter eines BernfSzweigS, einerlei welcher Partei oder welchem Bekenntnisse sie angehören, innfassen ans dem neutralen Boden des Ans-dem-Spicle-lassenS aller religiösen und politischen An- schmiungen selbswcrständlich ans dem gegenwärtigen Bode» der bestehenden Gesellschaftsordnung..." Iii scharfem Gegensatz zu der Gladbacher Richtung stehen die christlichen Arbeiterorganisationen in und um Aachen. Ihr leitender Geist ist Herr Zinmelen, der Verleger des Aachener„VolkSsteunds" und des„Christlichen ArbeitcrfreundS". Die Organisation der dortigen Arbeiter ist nichts als das Werkzeug dieses eiuzelncu Mannes. Herr Jmmelen vertritt, wie er sagt, das„alte bewährte Centrumsprogramm"; er spielt mit Vorliebe Windthorst gegen Lieber aus, und bei Flotten- und HeereSfragen fallen in seinen Organen— er besitzt deren mehrere— derbe Worte gegen die Centrumsfraktion. Durch diese Opposition gegen die Sünden des Centrunis ist er in Aachen zu großem Ein- luß gelangt. namentlich unter der dortigen Arbeiterschaft, mit deren Hilfe es ihm gelungen ist, bei der letzten Wahl zum Reichstag aus den beiden Aachener Wahlkreisen die bisherigen Vertreter, zwei echte CcntrumSmumien. zu ver- drängen und nach Aacheu-Stadt den Kaplan Hille aus Berlin nnd nach Aachen-Land den— Kaplan Dasbach aus Trier zu importieren. Während nun die christlichen Gewerkschaften in ihren Statuten bestimmen, daß sie unparteiisch sein, d. h. sich keiner politischen Partei anschließen sollen, stellen sich die im Geiste des Herrn Jmmelen geleiteten Organisationcn unzweideutig auf parteipolitischen Boden. Das Statut des christlich- socialen Textilarbeiter- Verbandes von Aachen, Burtscheid und Umgebung sagt: der Verband„steht auf christlich gläubigeni und monarchischem Boden und verfolgt im Sinne der Centrumspartei auf der Grundlage des Rechts und des Gesetzes sociale Zwecke". Aber Herr Jmmelen geht noch weiter. Er steht, wie er jüngst im Aachener„Volksfreund" erklärte, auf dem Boden, „daß die christlich-socialen Arbeiter, die katholisch sind, um die großen socialpolitischen Verdienstes?!) und der einzig korrekten Haltung s?!) willen, die die Centrnmspartei zum Land- und Reichstag in allen socialpolitischcn Fragen einnimmt, n u r dieser angehören können, und daß sie gegebenenfalls auch ihr mächtiges Wort erheben nnd einlegen sollen, wenn sie wie in der Marinefrage die offiziellen Ceutniinsleiter von den Wegen des alten C e n t r u m s p r o g r a in m s und einer wahren arbeiterfreundlichen Socialpolitik abzulenken scheinen... Der Arbeitervcrband, die christlich-sociale Gewerkschaft, die wesent- lieh oder durchweg aus Katholiken besteht, sollen nicht dem Centrmn politisch dienstbar oder hörig sein, aber sie sollen Social;- Politik im C e» t r n m S s inn e treiben, und in der Frage der allgemeinen Politik sollen die christlich- socialen katholischen Mitglieder des Verbands dem alten C e n t r n m s p r o g r a m m unbedingt folge n. Das ist— so ruft Herr Jmmelen aus. unser ganz untadeliger, einzig zuverlässiger Standpunkt." Wir scheu also, wozu Herr Jmmeleu die beruflicheu Orgauisatioiieu der Arbeiter habcu will. Sie sollen Centrums- Politik macheu, und zwar die Centrumspolitik des Herrn Jmmeleu, worauf dieser seinen Emflllß und sein— Eö- schäft baut. Es versteht sich, daß Herr Jmmelen in seinem Reich keine Arbeiterorganisationen dulden kann, die sich seiner Politik' nicht fügen wollen. Von den freien Gewerkschaften ganz abgesehen, hat auch Herr Jmmeleu den ch r i st l i ch e u Gc> iverkschaften den Krieg angesagt, die Wert darauf legen, sich von Politik und Religion feruzuhalten. Als neuerdings der Verband deutscher Berg- und Hüttenarbeiter im W u r m- r e v i e r nach manchen verfehlten Versuchen wieder einmal Fuß gefaßt hatte, da rückte ihm auch bald Herr B r u st, der Führer des GcwerkvereinS christlicher Bergleute nach. Aber schneller noch als Herr Brust dem alten Verband, war Hexr Jmmelen dem christlichen Gcwerkvcrein auf den Hacken, Herr Jmmelen will nichts von den„fremden Verbänden", das heißt den christlichen Gewerkschaften, wissen in seinem Reiche, er hat flngs einen eignen Verband der Bergleute im Wurm- rcvier gegründet, und jetzt liegen sich die beiden chiistlichcu Ärbcftcrfrcuudc Brust und Jmmeleu in Versammlungen und iu ihren Organen mit einer Inbrunst in den Haaren, wie sie eben nur bei christlichen Brüdern üblich ist. Sie beschuldigen einander des Volks- betnigs, der Verhetzung und Staatsgefährlichkeit, und legen fürchterliche Eide ab, daß keiner dem andern weichen werde. Sachliches enthält diese Polemik nicht. Herr Jmmelen stellt Herrn Brust kategorisch die Wahl: entweder sein Verhalten zu äiidern, d. h. sich Herrn Jmmelen zu fügen oder herunter von der Leitung des Gewerkvcreius christlicher Bergleute. Herr Brüst revanchiert sich: er droht Herrn Jmmeleu, sein Ansehen„durch Hebung des moralischen Schleiers in andrem Licht erscheinen zu lassen", und Herr Arens, dem Vertrauten des Herrn Jmmelen rät er, seinen„schmutzigen persönlichen Kampf" nicht weiter zu führen, sonst könne er Veranlassung nehmen, „gewisse Leute im Licht ihrer moralischen Größe vorzuführen". Wenn oben gesagt wurde, daß im allgemeiucn der Klassen- iiistiutt auch den christlichen Arbeiter auf den richtigen Weg au die Seite� seiner proletcuischeu Lcidensgeuossen weise, dann muß mau es um so mehr bedauern, daß Leute von der sitt, lichen Qualität so mancher Arbeiterführer die Massen miß- leireu. die Einigung der Arbeiter und damit die Möglichkeft zur Hebung ihrer erbärmlichen Lage verhindern können. Auf die Dauer gelingt ihnen das ja nicht, aber daß sie auch nur einen Tag ihr unheilvolles Handwerk zum Schaden der Arbeiter auLübcu können, ist genug des Uebels. Politische Mebeesrchk» Berlin, den 4. Mai. Der Reichstag bekundete auch in der Freitagssitznng seine Teilnahmlosigkcit an der Arbeiterschutz-Gcsetzgebung, nur daß man etivas mehr als in den beiden vorhergehenden Sitzungen den Schein des Interesses einigermaßen zu wahren suchte. Es kam infolge dessen ein- oder zweimal zu etwas ähnlichem wie zu einer Debatte. Die Majorität blieb aber fest und nicht ein einziger unsrer Anträge gelangte zur Annahme. Es handelte sich um die Versorgung der Hinterbliebenen von tödlich Verunglückten(ß 6) und um die Verpflegung und Kur der Verletzten in Heilanstalten.(K 7.) Von socialdemo- kratischer Seite wurde in Bezug auf die Versorgung der Hinterbliebeueu der Versuch gemacht, einesteils dieselbe reichlicher zu gestalten, als nach der Konimissionsvorlage, andernteils auch die Rechte nicht ehelicher Witwen und Kinder zu wahren. Wenn nun uns Socialdemokraten die Vorlage nicht weit genug göht, so geht sie dem Freiherrn v. S t u m m zu weit. und während wir beantragten, daß die Hinterbliebene Witwe 30 Proz. des Jahresverdienstes erhalte— statt 20 Proz., wie die Vorlage es will, beantragte der hundertfache Millionär von Saarabien eine Herabsetzung aus 15 Proz. Zu» fammen mit«ufern Antragen wurde zum Glück auch der seinige abgelehnt. Die Mißstände in den Heilanstalten gaben zu einer ziemlich erregten Debatte Anlaß. Daß die Berufsgenossen- schaften ein Interesse daran haben, daß die Heilung der Ver- letzten rasch vor sich gehe, unterliegt nicht dem geringsten Zweifel. Und ebenso wenig kann in Zweifel gezogen werden, daß sie das Recht haben, Simulanten auszuschließen. Allein es unterliegt auch keinem Zweifel, daß das Bestreben, die Verletzten rasch zu heilen und Simulanten auszuschließen, zu mancherlei Härten und Ungerechtigkeiten, ja zu positiven Mißhandlungen geführt hat. Garantien gegen solche Mißstände zu schaffen und die Insassen der Heilanstalten gegen inhumane Behand- luiig, sowie gegen unberechtigte, das heißt durch das Heil- verfahren nicht bedingte Eingriffe in ihre persönliche Freiheit zu schützen, war der Zweck unsrer Anträge, die gleich den Anträgen zu Z 7 sämtlich abgelehnt wurden, trotz der warmen Begründung durch die Genossen Molkenbuhr, Stadt- Hagen und Fischer- Sachsen. Die Sitzung dauerte bis W7 Uhr und ganz erledigt wurde nur§ 6, mit den dazu gehörigen 6», 6t>, So, 6d, 6e und 6f; ferner§ 7 und 7a. Bei§ 7b wird die Debatte in der nächsten Sitzung fortgesetzt. Das Gesetz hat aber ISO Paragraphen. Ueber§ 65 sei noch ein Wort gesagt, da er in niancher Hinsicht merkwürdig ist. Er schließt nämlich die Ausländer von der Rentenberechtigung aus. Ist dies schon an sich ein sehr engherziger Standpunkt, so wird die Bestimmung in dielen Fällen zu einer monströsen Ungerechtigkeit, weil es, wie Molkenbuhr darlegte, zahlreiche Deutsche giebt— namentlich Hannoveraner, Schleswig-Holsteiner usw.,— die infolge der Annexion ihrer Vaterländer durch Preußen, um ihre Staatsangehörigkeit gekommen sind, weil sie im Augenblick der Annexion durch längere Abwesen- heit von zu Hause und Anwesenheit in einem„fremden" deutschen Staat, nämlich Preußen, ihr heimisches Bürgerrecht verloren haben, ohne das preußische zu erlangen. Diese Anomalie, durch welche die„deutsche Einheit" grell beleuchtet wird, und unter der, wie gesagt, viele Deutsche zu leiden haben, zu beseitigen, war eine einfache, man sollte meinen. selbstverständliche Pflicht der Gerechtigkeit. Der Reichstag wollte das aber nicht einsehen und verwarf unsren dahin zielenden Antrag. Sonnabend keine Sitzung. Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr. Tagesordnung: Zweite Lesung der Dampfervorlage und Fortsetzung der zweiten Beratung des Unsallversicherungs Gesetzes.—_ DaS verfassungswidrige Kncbclgesetz. gegen die ländlichen Arbeiter, das de», Gcraer Landtag unter- breitet worden ist. ist, wie uns ei» Privattelegramm aus Gera meldet, gegen die socialdem akratischen und zwei fort s ch r i t t l i ch e Stinimen angenommen worden. Unter der Majorität die fiir das Gesetz stimmte, befanden sich auch drei fortschrittliche Abgeordnete. Wir haben in der Nimm, er vom 4. April durch einen juriftischeu Mitarbeiter den zwingenden Beweis dafür führe» lassen, datz der § 4 des Kontraktbruch- Gesetzes unzweifelhaft verfaffnugs widrig ist. Der Z 4 lautet: „Landwirtschaftliche Arbeiter, welche die Arbeitgeber zu gewissen Handlungen oder Zugeständnissen dadurch zu bestimmen suchen, dah sie eine kontraktwidrige Einstellung der Arbeit oder eine Be, Hinderung derselben bei einzelnen oder mehreren Arbeitgebers untereinander verabrede», werden mit Gefängnis bis zu einen, Jahre bestraft. Die Anstifter unterliegen der gleichen Strafe, auch wenn sie keine landwirtschaftlichen Arbeiter find." Da dieser Paragraph einen Fall der Nötigung oder des Nötigungsversuchs darstellt, z. B. eine Materie, die bereits in§ 240 des Straf-GesetzbuchL unter Strafe gestellt ist, und da gemäß§ des Einführinigsgeletzes zn», Strafgesetzbuch vom 31.'Mai 1870 nur»och solche Materien durch die L a» d e s g e s e tz g e b u n g ge� regelt werden dürfe», die nicht Gegenstand des Strafgesetzbuchs für das Deutsche Reich sind, so steht der§ 4 mit dein Reichsrecht im Widerspruch, ist also verfassungswidrig. Ebenfalls kollidiert die Bestimmung des Geraer KnebelgesetzeS, die den Gemeindevorstand berechtigt, einen kontraktbrüchigen Arbeiter dem Arbeitgeber zwangsweise zuzuführen, mit der Reichs- Gesetzgebung, ivie in der genannte» Nunimer des„Vorwärts' eingehend nachgewiesen ist. - Und trotzalledem hat der Geraer Landtag kein Bedenken ge- tragen, eine derartige verfassungswidrige GcfetzeSvorlage an- zunehmen. Sogar drei fortschrittliche Abgeordnete haben sich, bar alles politilchen Schamgefühls, auf die Seite der Reaktion ge- schlagen, die sich im Interesse von dritthalbtausend ländliche» Be- sitzern keck über alle entgegeilstehenden Bestimmungen des Reiche gesetzcS hinweggesetzt hat. Die Abstimmung der freisinnigen Knebel Politiker kam freilich nicht unerivartet, da der Fortschrittler Lautenfchläger bereits in der ersten Beratung der agrarischen „Znchthausvorlage" Bewilligungsgelnste verrate» hatte. Es wird Sache des Reichstags sein, die Frage anfznlverfen, ob eS den Einzel-Landtagen gestattet werde» soll, sich gefetzl geberische Kompetenzen anzumaßen, die unziveifeb Haft der rcichSgcsetzlichen Regelung vorbehalten sind. Deutsches Ileich. Kommunalwahlrccht und Demokratie. Die„Frankfurter Zeitung", die wir neulich darauf stellten, daß sie sich entgegen ihrem Parteiprogrannn gegen die Einführung des ReichstagSwahlrechts für die Kommunen erklärte und sogar für den Census liebevolles Berständnis zeigte, versteht sich jetzt zu einer Art Widerruf und erklärt sich gegen die Bedingung, das Wahlrecht an einen Censn« zu knüpfen. Andrerseits beharrt sie dabei, daß die Allgemeinheit des ReichStagSivahlrechts für die Kommunen nicht möglich sei, wenn sie diese Programmwidrigkeit auch hinter den, nichtige» Geschwätz zu verstecken bemüht ist, es ginge doch nicht, daß „alles, was Menschenantlitz trägt", wahlberechtigt sein solle. Niemand versteht den Begriff deS allgemeinen so. daß auch Kinder daö Wahl- recht ausüben können. Es handelt sich nur um die Allgemeinheit im Sinn des ReichstagS-Wahlrecht»; und selbst gegen diese All- gemeinheit, die doch immer noch die Frauen ausschließt, erklärt sich das demokratische Organ, das eine längere Ansässigkeit als Borbedingung des komnunialen Wahlrechts für notwendig hält und damit die fluktuierende Arbeiterbevölkerung übcrhaicht rechtlos machen will. Ein Bürgermeister kann zwar au» einer andren Stadt geholt werden, und doch sofort da« Geineindewesen verwalten. Ein Arbeiter soll aber nicht einmal durch die Abgabe eines Stimnizettels seine kommnnalen Interessen vertreten dürfen, wenn er nicht das Bürgerrecht erworben hat. Auch diese Vorbedingung der Ansässigkeit ist also nicht durch vernünftige Erwägungen, nicht durch das Interesse der Allgenieinheit diktiert, sondern lediglich durch das Machtbedürfni» der Bourgeoisie. die ob demokratisch, freisinnig oder konservativ gleichermaßen die Massen zu entrechten sucht. DaS sei noch einmal festgestellt.— Ein neues Kaiser- Telegramm. Wilhelm II. hat an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Brasilien folgendes Tele gramm gerichtet: „An, heutigen dem Gedächtnis der Entdeckung Brasiliens ge- weihten Festtag übersende ich Euer Exrellenz den Ausdruck meiner aufrichtigen Sympathien und meiner herzlichen Wünsche für das Glück und das Gedeihen der befreundete» Nation, die Sie so würdig repräsentieren. Wilhelm 1. R." Dies Telegramm, das Wilhelm II. als Historiker von ungewöhw sicher Gedächtniskrast zeigt, gewinnt dadurch Bedeutung, daß es eine— ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, fei dahingestellt— Ant wort auf die Rede des amerikanischen KriegSsekretärs Root darstellt. die darin gipfelte, daß Amerika die BeachUing der Monroe-Doktrin nötigenfalls mit Waffengewalt erzwingen werde. Allgemein wurde diese Rede Roots in Zusainmeichaug mit dem in Brasilien eirku liereiidrn Gerücht gebracht, daßDentichland beabsichtige, in Brasilien Kolonialbesitz zu erwerbe». DaS Telegramm des Kaisers dürfte jenseits des OeeanS als eine Art Antivort angesehen werden, obgleich der tiefere Siim dieser Antivort der verschiedenartigsten Auslegungen fähig ist.— Müller-Aulda-Dufrl. In der Marinekommisfion äußerte am Freitag der Eentrnms-Abgeordnete Müller-Fulda: Der Verkehrsdusel muß aufhören. Wenn der über große Verkehr eingeschränkt wird, so wäre dies kein Unglück. Die ganze Menschheit ist jetzt fast„„»»terdrochen auf der Eisenhahn ES wird viel zn viel gereist. Die Leute sollten lieber mehr zn HanS bleiben. Es ist gar kein Fehler, wenn der Verkehr eingeichränkt wird. Herr Müller scheint ob der Wichtigkeit seiner politischen Rolle allmählich ans den Fugen zu geraten. Warum bewilligt er den» überhaupt die Flotte, die doch den, Verkehr dienen soll und gerade die Tendenz hat. daß die Leute nicht zu Hause bleiben, sondern an allen Meeren uinhergondeli,? Warum Ihaben seine Parteigenosse» neulich erst den Grafen v. Biilow förmlich z,»n Reisen aufgereizt, indem sie damit einverstanden waren, daß seine Reisespesen von, Reich übernommen würden? Herr Müller-Fnlda bewilligt zwar Schiffe, aber er will nicht, daß Leute darauf fahren. Ein leltsamer politischer Heiliger I— Ei» Dcmcuti. Die Mitteilung der„Köln. Ztg.", daß em Fleischbeschau-Konflilt innerhalb der konservativen Partei ausgebrochen sei, wird nunmehr bon den konservativen Blättern als unrickitig bezeichnet. Es ist auffällig, daß das Deinenti so spät kommt. Thai sächlich soll eine Einigung der Koiupromißler und der Kompromiß gegner zu stände gekommen sein, doch ist den Mitgliedern der Fraktion zur Pflicht gemacht worden, das Ergebnis der Beratungen streng vertraulich zu betrachten.— Die Tartiifferie der CeutrumS-Flottenpolitir wird interessant gekennzeichnet durch folgende Aeußernng der klerikalen„Neuen BoyrisÄen Ztg.": „Die Gesamtsitliation ist diesmal eine andre als beim letzten Flottengesetz. Das Flottenfieber hat a»ch in.Eentrtuu»kreisen in ziemlichem Maße nm sich gegrificn— hcuchtsächlich in Folge der bekannten Borgänge bei der Beratung der 18S8er Marine Vorlage—, eine Erscheinung, die allerdings auch die parlamentarische Vertretung nicht übersehen kann. Unter solchen Umständen muß man wirklich froh sein, wenn es gelingt, einige Abstriche zu machen„nd wenigstens die schwächeren Schultern vor neuer mißerordentlicher Bclaftimg zn beivahren. Den Werdegang der Dinge haben wir vorausgesehen„nd„»S gehütet, uns in eine Opposition zn verbeißen', die keinen Zweck gehabt hätte. Was das Centrum jetzt beantragt hat, ist schon längst der Sache nach vorbereitet»,„dfestst ehe» d gewesen. W i r haben, seitdem die neuen Flottenpläne auf der Bildfläche erschienen, niemals gezweifelt, paß das Centrim, mit Be ivillignngÄüsteil umgehe. Nur die Ursache deutet das bayrische Blatt falsch. Nicht das Flottenfieber in Centrnmskreisei,— wofern darunter die breiten Voltsschichten verstanden sein sollen—, sondern das Flottenfieber in„höheren Regionen" hat die Ccntrumspolitiker angesteckt.— Ein Leichnam als Wahlagitator. Wie wir der„Staats bürger-Zeitung" entnehmen, wolle» die Antisemiten die durck den Konitzer Mord geschaffene„Konjunktur" ausnützen. Im Kreise findet gegenwärtig eine Landtags-Ersatzivahl statt, imd da erläßt min ein Gutsbesitzer Schrader-Zechla» einen Aiifrnf an die Wahlmänner, Herrn Lieber», am, von Sonnenberg z» ivählen, anstatt der beide» andren Kandidaten, des nationalliberalen Gutsbesitzers Osiander und des Centrmns-Pfarrers Gehrt. Herrn v. Lieberman» wird». a. seine Kanalgegnerschaft nach- gerühmt, seiner Anti-Heinze-Lyrik wird merkwürdigeriveisc nicht gc- dacht, als Haupttrumpf abor dam, der„Ritualmord" ausgespielt: „Tic Wahl deS ReichstagS-Abgeordueteu Liebcrmann v. Sonnen- bcrg würde i» ganz Deutschland als eine dringende Petition an „nsre Staatsbehörden angesehen werden, alle? aiifznbieten, damit der geheimnisvolle Mord an dem Gymnasiasten Ernst Winter i» Könitz nicht wie ähnliche Mordthaten in den letzten Jahren(Skurz, Tanten ee.)»„entdeckt und ungesühitt bleibt". Herr Lieberman» hat bereit« erklärt, die Wahl annehmen zu wollen, wenn sie auf ihn fiele. Wenn die„StaatSbürger-Zeitimg" den Mord als AboimementScinladimg ausbeutet, warum sollte Herr Liebcrnian» nicht ans diesem, allerdings ein wenig ungeivöhnlichen Weg z» Diäten zu gelangen. Freilich der Ritualmord«NvieS sich als wenig fruchtbar. Bon Sgl Stimmen erhielten: Gutsbesitzer Osianber-Lftervick stiatl.f 261. Rittergutsbesitzer von Wolzlcgier-Schönfeld» n e n v e r g lAntisemil) 2 Stimmen. Es nmß also Stichtvahl zwischen dem Nationalliberalen und dem Polen stattfinden. Die Gefolgschaft der strengen Ritnalmordgläubigen bestand also ausganzcu zwei Personen, imd dabei wollte der Gutsbesitzer Schräder den Aulruf namenö mehrerer Wahlmänner erlassen haben!— Schwciuburg klagt nicht. Die grimme Fehde ztvischen den Geschäftö-Flottenagitatoren imd den„idealistische»" Wasserfanatikeri, ist beendet. Die„Tägliche Rundschan" hatte dem Bater des Flotten- lnnimelS allerlei schlimme Dinge nachgesagt und ihn zur gerichtlichen Klarstellung liihulich heraiiSgefordert. Herr Schwcnibiirg erklärte, er werde klagen, inzwischen aber zu seiner Rechtfertigung einiges beröffeittsiche»; und er begann die niedlichsten Conlissen- geschichten über die Geheimnisse der erhabene» Weltpolitik anSzu- kramen. Diese gefährliche Wissenschaft SckilveinburgS scheint dem, der Anlaß gewesen zu sein, den Mann nicht weiter zu reizen. Die An- griffe wurde» eingestellt, und jetzt berichtender„Hamb. Korresp.", der Streit zwisckien de», Herausgeber der„Tägl. Rundschau" Heinrich Rippler und dem früheren Generalsekretär des Flottenvereins Victor Schweinbnrg werde nicht zum gerichtlichen Austrag kommen, da die Parteien sich verglichen haben. Warum soll nian auch jetzt, nachdem die Flotte im Hafen, den Schmutz aufrühren. I», Gnmde ivollten die Geschäftsleute und die Idealisten doch dasselbe. Herr Schiveinburg hat den Spektakel organisiert und die klerikale Handeispartei hat die Flott« zur Be- willig»»» bugsiert— nnsmiber im Ursprung und in der parla- mentarischku Bollend, mg. so hebt die stolze Acra des Wassers a». Man kam, wahrhaftig da die Kenntnis einzelner besonderer Unsauber- ketten entbehren. � Uulstnrzbekämpfittig durch Prciöaufgabcn. Die„königliche Akademie gemeinniitziger Wissenschaften" zur Erfurt hat be- chlossei», für das Jahr IVOO/IVOI folgende ProiSaufgabe zu stellen: .Wie ist unsr» niSimtiche Jugend von der Entlassung aus der Volks- schule bis zun, Eintritt j» de,, Heeresdienst am zwcckmäßigstcu für die bürgerliche Eescllschaft zu erziehen? Ans die„beste"'der einlaufenden Abhandlungen ist ein PreiS von 600 Mark als Honorar gesetzt...Es sollen, so wird in der Aufforderung zur Beteiligung an dieser Preisaufgabe ausgeführt,� die Ziele einer allgemein sittlich-intellektuellen Erziehung unsrer männlichen Jugend, im Gegensatz zu einer bestimmten Berufserziehung. dargelegt werden, unter Angabe der Mittel, welche geeignet erschemen, dieselbe zu schützen vor der Gefahr, entweder hilflos sich selber über- lassen zu bleiben oder den Unisturzparteien zun, Opfer zu fallen." �. Man hätte getrost höheres Honorar ansetzen sollen. Die Auf- gäbe ist nicht leicht. Die politische Tendenzerziehimg in der Vollsschule hat die Jugend nicht gegen den Umsturzbaeillus gesichert. In ivelcher Art man auch die der Bolksschule entwachsene Jugend«für die bürger- liche Gesellschaft" zu begeistern versuchen niag. das Unternehmen nmß scheiten,, da die Jugend in der harren Schule des Lebens ans die Ungerechtigkeiten und Kultunvidrigkeiten der bürgerlichen Ge- sellschaft gestoßen ivird. Die großen Reformatoren der Pädagogik seit den Tagen Pestalozzis stellten den Jugendbildnen, die Förderung des Idealen, der Wahrheit und echten Menschlichkeit zur Aufgabe. Heut wirft eine „Akademie der Wissenschaft" Bestechuuasgelder aus, um die Pädagogik zur Verherrlichung deS bürgerlichen Kapitalismus anzueifern. Nicht frei von Sclbstironic ist der BegrüßungSartikek, den die„Köln. VolkS-Ztg." der gestern in Köln eingetroffenen Torpedo- boots-Division geividmet hat. Das Blatt schreibt: «Die Torpedoboot-Division wird also heute lDomierstag)»ach- mittag in Köln eintreffen, sehr freundlich begrüßt werden, und dam, werden die Besatzungeu ivie die an den uittcrschiedlicbci, Festlichkettc» beteiligten Kölner sich bei Lied, Rede„n d Becher vor- trefflich amüsiere». Wir stehen der sonderbaren Fahrt sehr kühl gegenüber. Einen praktischen Zweck hat die Fliißreise dieser Seekriegsschisse natürlich nicht; ob die Boote bis Köln oder bis Bingen oder bis Straßburg fahren könuen, ist für ihre Verwendbarkeit obiolut gleichgültig. Wie's genieint ist. zeigt der Satz eines Kölner Blattes:„Wir bezweifeln nicht, daß die Eni- seiidmig der Torpedoboote an den Rhein auch den schätzbaren Nutzen haben ivird, in den Rheinlanden das Interesse an nnsrer Wehrkraft zur See bedeutend zu beleben und der mittlerweile überall durch- gedrungenen Ueberzeng, mg von der Notwendigkeit einer starken Ber mehrung unsrer Flotte einen„eucn, nachhaltigen Impuls zu verleihen." Mit andern Worten: es handelt sich un, eine Reklame- und Agitationsfahrt für die jetzige und für zukünftige Flottenvorlagei,..... Erfreulicherweise hat man darauf verzichtet, bei dieser Gelegenheit ivieder einmal ein großes Fest ans lliegimentSilnkosten zu veranstalten; daß die Leute, denen unsre Flotte überhaupt nicht groß genug sein kam,, die Kosten ans freiwilligen Beiträgen bezahlen, ist entschieden löblich. Für die Marineverwal- tung aber bleibt der ganze Wikingerzug ein teures Vergnüget,, und die Dinge, für tvelche die Torpedos Vorspann leisten sollen, iverden noch viel teurer werden. Uebrigens finden wir die Wahl von Torpedo booten fiir diese Flottenfniidgebmig sehr passend: sie kennzeichnen treffend d i e Plötzlichkeit, mit iv e l ch e r das Flottengesetz von 18V8 über den Haufe» geworfen wurde, und auch die Plötzlich- keit andrer Vorgänge unsrer inneren Politik..." Die Ironie, mit der die„Wikingersahrt" der Torpedoboots- Flottille behandelt wird, ist mir zu berechtigt, das Eigentümliche ist mir, daß sich ein führendes Blatt jener Partei zu dieser Ironie auf- geschivuiigeu hat, die der Regierung nicht nur die geforderte Flotte bewilligt, sonden,»och obendrein ein zwar nicht gefordertes, aber keineswegs unwillkommenes Stenerbonquet präsentiert hat. Und das trotz der„Plötzlichkeit, mit ivelcher das Flotten« gesetz von 1898 über den Haufen geworfen wurde." Wanim' urteilt die„Köln. VolkS-Ztg." eigentlich so mürrisch über die originelle Flottenreklame, wenn sie doch die Flotten- Vermehrung für notwendig hält? Oder hat das Centrum d,e Bor- läge in der Kommission mir deshalb bewilligt, um auf Import- Cigarren und Champagner höhere Zölle legen zu können? Oder deshalb, weil eS glaubte, daß cS ohne Flotte keinen Brotwucher ;ür es gäbe? Warim, überhaupt die nörgelnde Kritik im Kleinen, wenn das Centrum an der Sechs-Milliarden-Forderung kein Äergermö genommen hat? Das CentrumSorgan ähnelt in seiner Kritik dem klebrigen Spießer, der am Biertisch nicht genug über eine hohe Obrigkeit räsoimicren kann, der aber nicht tief genug latzbuckeln kann, wenn ihm nur ein Magistratsschreiberlein begegnet.— Ein neues Mittel der Flottenreklame. In cmem am Flotten- delirium bedenklich laborierenden Blatte liest nian: «Wenn, ivie ivahrfcheinlich, durch die Anwesenheit der Torpedo- boote der Wunsch, auch die großen Schiffe der Marine zn Gesicht zu bekomme», in der Einwohnerschaft der Rheinlande lebhafter einpsunden werden würde, so sollte dem ans die Art Rechnung zu trage» versucht werden, daß, wie die Geschäftsstelle des Deutschen Flotten Vereins für den RegierungS- bezirk Köln schon vor einiger Zeit beim Herrn iisenbahnminister beantragt hat, billige Rück- ah r karten nach den deutschen KriegShäfen aus- gegeben würden. DaS hätte natürlich von andren Bezirken ebenfalls zu gelten. DieS wäre ein voraussichtlich sehr geeignetes Mittel, die Kriegsflotte den Binnenländern näher zu bring eu." Wie wäre es. wem, die Flottciiinteresienten Herrn Barn,, in, der sich ja gegenwärtig auf einer Reise durch die größere», Städte Deutschlands befindet, für die Flottenagitation z» gewinnen ver- lichten? Wasserpantomimetz sind ja i» tmsreu Rleseiieirknssen bereits etwas Gewöhnliches, wäre es da nicht verdienstlich, wenn Herr Sehenswürdigkeiten eine Flotte n- Der Riesen- Gorilla und die übrigen der Flottenpamomime ihr Publikum Banium seinen sonstigen p a i» t o m i m e einreihte? Attraltionen würden auch ichern. Kein Kouknrrenzunternchmeu für Krupp. Au« Kiel wird uns unterm 3. Mai geschrieben: Gegenüber den heutige» Mitteilungen des„Vorwärts":„Eine Könkmreuz für Krupp" kam, ich mitteile», daß die geplante Anlage am Audorfer See nicht ein Panzer- p l a t t e n w e r k lverden soll, sondern sich mit der Herstellimg des Bedarfs an Blechen, Trägern, Winkelei sei, usw. für den Schiffsbau befassen soll. Die außerordentliche Preissteigerimg dieser Materialien für den Schissöban ist die Ursache dieser von den be- deutendsten Werfte» geplanten Gründung gewesen. Das Anlagekapital beträgt auch nicht 7 Millionen, sondern 2�.« Millionen Mark. Mit 'chwedischeu Erzgrube» ist wegen der Lieferung bon Erzen schon Vcr- Handlung eingeleitet. Die Wahl des Orts siir dies Werk ist, vom Standpunkt der Wersten ans betrachtet, eine sehr günstige, da die Transportkosten der beuöttgten Erze, Kohlen usw. lediglich die des egcuüber dem Eisenbahntransport viel billigen Wassertransports nd. Obgleich an einer modernen Wasserstraße belegen, sind auch die Grunderwerbskosten am Audorfer See nur verhältnismäßig rcchr geringe. Auch die Hoffnung auf Zahlung viel niedrigerer Arbeits- löhne, gegenüber denen der Heuligen Jndustrieeentreu, mag be- stmmend für die Wahl gewesen sein."— Wilhelm n. Gcncralfcldmarschall. Kaiser Franz Joseph hat. wie die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" mitteilt, nach dem � Einzug in Berlin dem deutschen Kaiser die Würde' eine's ö st reichischen Generalfeldmarschalls über- tragen. Derartige militärische Titnlarverleihungen, die ja sogar galanter- weise an fürstliche Damen erfolgen, haben keine andre reale Be- dentmig, als daß sie die Garderobe ihres Trägers um eine neue kleidsame Uniform bereichern. Im Kriegsfall kann der kuriose Um- tand eintreten, daß einem gekrölttcn Haupt die eignen Leib- regimenter im Feld gegenüber stehen.— Aussanv. Belgien. Zu den Kongogreuel» liefert die„Köln. Ztg." neues Material. Von der„Etoile Belcze" in einer anscheinend halbamtlichen Notiz ersucht, die Namen ihrer Gewährsmänner zn nennen, erklärt das rheinische Blatt zwar, daß es ganz gegen die journalistischen Ge- pslogenheiten verstieße, die Gewährsmänner namhaft zu machen, jedoch veröffentlicht es zwei aus dem Jahre 18gS stammende, von Beamten der Kongogesellschaft herrührende Briefe, deren Inhalt Aufforderungen und Anweisungen zum Ilcberfall von Eingeborene ndörfern darstellt. Die Briefe lauten: B. 7. 11. 1899. Societe anversoise pour le commerce du Congo. Directeur eu Afrique.„Mein Herr! Halten Sie gefälligst bei sich zu 30 Stück für den Mann die fünf Ihrer Soldaten be- stimmten Patronen bereit. Der 6. Soldat M. soll bei Ihnen bleiben. Bewaffnen Sie ebenfalls einen Ihrer besten Schützen mit dem Chasscpot, das ich Ihnen schicke. Ihre 14 Vorderlader müssen sich in den Händen Ihrer Capita befinden. Sagen Sie nichts. Im Laufe des Tages wird M.(ein von Lothaire gefangener Araber, der sich unterworfen und Unteroffizierdienste versieht), oder B.(Unteroffizier) zu Ihnen kommen, begleitet von einigen 20 Vorderladern und von Lanzentrngern, um B. M. usw. anzugreifen. Ich sende ebenfalls 2 Soldaten von B., so daß M. und wen» er nicht sollte marschieren können, L. von 7 Albinigeivehren. 14 Vorderladern, 1 Lhasscpot und gegen 100 Lanzcnträgeru begleitet sein ivird(wozu Sic ihre ganze oben erwähnte Truppe von B. fügen). Ich habe außerdem noch durch.... angreifen lassen, so daß Ihre drei Dörfer zwischen zwei Fencr genommen werden. Diese ganze Gesellschaft soll sich nicht in B. aushalten und ihren Weg bis B. M. fortsetzen, damit nian nicht Zeit hat. das Dorf zu benachrichtigen." Dem Schreiben folgte noch am gleichen Tage ei» zweites, datiert 6 Uhr abends, worin es heißt: .... Sie werden wahrscheinlich M.(dem arabischen Untcroffizier) zwischen B. M. und B. begegnen. Geben Sie ihm alle Ihre Soldaten und Vorderlader mit Ausnahme von M.(des 6. Soldaten). M. wird sich nach V. M. begeben und es fünf Tage besetzen. Wenn Sic finden, daß Sie genug Arbeit verrichtet haben, so sagen Sic ihin, er solle seinen Weg fortsetzen und sofort G. und B. D. an- greifen. Nach viertägiger Besetzung soll er sich nach M. begeben und dort dieselbe Arbeit verrichten, um alsdann nach B. zurückzukehren. M.(der arabische Unteroffizier) ist unterrichtet." Den urkundlichen Schluß über dieses Palaver bildet ein Schreiben des Bezirkschcfs vom 30. November 1399, das lautet:„Mein Herr! Ich höre, daß die Leute M.'s ein wenig weiter gegangen und in den Bezirk von A. eingefallen sind. Er muß acht geben und seine Leute besser überwachen. Ich hoffe, daß jetzt avcS gut geht und daß Sie jetzt, wo M.(der Araber) während mehr als eines Monats Treibjagd im Walde abgehalten hat, Sic Erfolg haben werden. Es ist unbedingt notwendig, daß M. heimkehrt vor dem 10. Dezember. Ich babe ihn auf dieser Seite für die Installation von V. notwendig..." Die Briefe wurden als Antwort an einen F a k t o r i st e n gc- richtet, der gemeldet hatte, daß die Bewohner einiger Dörfer sich geweigert hätten, die von ihnen verlangte Arbeit zu leisten, und Befehle erbeten hatte. Die ihm darauf von seinem Vorgesetzten er- teilten Anweisungen bekunden deutlich genug, in tvelcher Weise man im Kongo st aat den Müßiggang zu b e st r a f e n pflegt. Die im Briefe erwähnten drei Dörfer dürfte» wohl angezündet und ihre Einwohner in bestialischer Weise niedergemetzelt'worden sein. Man darf gespannt sein, ob die Kongoregierung noch immer die Stirn hat, ihre Schandthaten abzuleugnen.— Di« Vorbereitungen zur Paelamentöwahl, die am letzten Sonntag im Mai stattfinden wird, sind in vollem Gange. Die Wahl wird diesmal die Probe auf das neue Proportinalsystem darstellen, das im vorigen Jahr angenommen wurde. Die Parteien der Linken hoffen diesmal die klerikale Kammcrmajorität zu stürzen. Die Oppositionsparteien rechnen auf 72 sichere Sitze, während für die Klerikale» nur 68 Mandate sicher find. Als zweifelhaft werden 12 Sitze angesehen. Gewinnen die Oppositionsparteien nur 6 von diesen 12 Mandaten, so haben sie sich damit die Kammcrniajorität gesichert. Der jetzigen Kammer gehören 112 Klerikale. 28 Socialiste», 6 Liberale und 6 Radikale an. England. London. 4. Mai. Unterhaus. Auf eine Anfrage, ob die Regierung von der Befrachtung des französischen Dampfers„Gironde" durch die französische Bank in Johannesburg mit einer viertel Million Pfund nach Paris Keimtnis habe, erklärt Brodrick, die Regierung habe keine amtliche Information, aber das Eigentum des Feindes, ausgenommen Konterbande, in neutralen Schiffen, sei durch die Pariser Deklaration geschützt. G i b s o n Bowle fragt an. ob die Regierung erfahren habe, daß die Boerenregierung bedeutende Vor- ritte von Lebensmitteln erhält. die in der Dclagoabai von französischen und deutschen Dampfern gelandet tmd direkt nach Trans- vaal gesandt werden, und ob der deutsche Dampfer„Herzog" am 30. April dreitausend Tonnen solcher Vorräte gelandet habe. B r o d r i ck erklärt hierauf, daß er von den Mitteilungen über eine solche Landung von Vorräten gebührend Notiz genommen habe. Wenn nicht Beweise vorliegen, daß die Vorräte für den Gebrauch einer kriegführenden Macht bestimmt seien, könnten sie nicht alt Kontrebande betrachtet werden. Die Ladung des„Herzog" sei in der Dclagoabai von portugiesischen Zollbeamten untersucht worden, deren Aufmerksamkeit besonders anf diesen Danipfer gelenkt worden sei. Es sei kein Bericht eingelaufen, aus welchem hervorgehe, daß der „Herzog" Kontrebande gelandet habe. Die britischen Kriegs- schiffe seien angetviesen worden, Posldampfer anf Verdacht allein nicht anzuhalten. Bulgarien. Ncbcr Unruhen der ländlichen Bevölkerung in Bnlgartcn berichtet das Wolffsche Depeschen- Bureau unterm 3. Mai aus Sofia: Die Agitation der Opposition gegen die neue Z e h n t st e u c r hat in drei Ortschaften der llmgebung von R n st schul zn Anf- standsvcrsuchen geführt. In Trstenik griffen die Bauern den Unter- präfekten an. Das dorthin entsandte Militär versuchte die Bancrn zn bernhigen, welche indessen Schüsse gegen dasselbe abgaben. Zwei Osfizicre und zwei Mann wurden verlvinidct. Die Truppen erwiderten da« Feuer; zwei Bauer» wurden getötet und zehn verwundet; hier- auf trat Ruhe ein. Das„Verl. Tagebl." läßt sich über die Revolte aus B u k a r c st telegraphieren: Die Rnstschuker Bauernrevolte wegen des ZchiitgcsetzcS dauert ort. Die Situation ist sehr ernst. In der Trstcniker' Gemeinde cntlvaffnetcn die Bancrn eine der zwei Compagnicii. Infolge dessen wurde die ganze Garniso» hinbeordert. Man spricht von 130 Toten, worunter ein Offizier. Das Militär weigerte sich. Schüsse abzufeuern. Ein Kapitän hat deshalb einen Sergeanten niedergestochen. Fürst Ferdinand soll de» Kricgsminister Oberst Pnprikow beauftragt haben, diejenigen Sergeanten, ivclche die Ordre des Kapitäns mißachteten, sosort öffentlich zu exekutieren. Die Exekution soll morgen in Gegenwart der Truppen erfolgen. Die Rnstschuker Polizei verhaftete drei Agenten der Opposition. Weitere Verhaftungen angcscheucr Opposilionsmänncr stehen bevor. Un« zählige Familien flüchten nach Ginrgin. Ein Kapitän, der Feuer auf die Menge kommandierte, ivurdc von den Bancrn erschlagen. Sofia, 4. Mai. Die Unruhen sind zwar bewältigt, doch wurden Vier Kompagnien Militär im Dorfe Trstenik belassen; das Kriegs- recht wurde auf die Bezirke Schumka und NaSgrad ausgedehnt. Afrika. Ein wildeS Land. Von einem Besuch im Basntolande erzählt P 0 u l t n e y B i g e l o iv in einem fesselnd geschriebenen Artikel, der in„Harpers Magazine" erschienen ist: Der Reisend«. der das Basutoland betritt, ivird von Neger» empfangen, die die Fimltio» der Polizeibeaniten und Grcnznnfschcr erfüllen. Diese Wächter der öffentlichen Ordnung und der Rechte des FiSkns entledigen sich ihrer Mission in der höflichsten Weise. Nur beim Import von Alkohol und Feuerwaffen lasten sie nicht ntit sich reden. Diese beiden Dinge sind strengstens verboten, sonst aber sehen sie sich die andre« Gegenstände nicht in so großer Nähe an und begnügen sich, einen wohlwollenden Blick auf das ganze Gepäck zu werfen. Das Leben im Basntolande ist eine schwarze Idylle. In keinem Lande, so meint Bigelow, könnten die der Civilisation müden Europäer sich wohler fühlen.„In diesem vor allen bevorzugten Fleckchen Erde giebt es nicht einen Kilometer Eisenbahn, keinen Weg, kein Bergwerk, keine Schäitke, keine Zeitung, keinen Tcntagogen und kein Klavier, kurz keine Plagen, die die Fortschritte der Civilisation unerträglich machen. Die Neger, die in den Feldern arbeiteten, schienen mit ihrem Loos zufrieden. obgleich die Heuschrecken ihnen gerade einen Teil der Ernte zerstört hatten. Man würde im ganzen Land vergeblich einen Vagabunden, einen Bettler oder einen Trunkenbold suchen; eine europäische Frau kau>i ruhig von dem einen Ende des Landes zu in andern gehen, ohne sich irgend einer Gefahr aus- zusetzen. In diesem idyllischen Lande spielt die Macht des Staats eine nur unbedeutende Rolle. Ein englischer Resident, unter- stützt von einem halben Dutzend europäischer Beamter und zweihundert eingeborner Polizisten, sorgt für Aufrechterhaltnng der Ordnung in einem Lande von 25 000 Quadratkilometern, und einer Bevölkening von 250 000 Einwohner». Die Basutos sind der bekannteste Stamm der Bctschnancn, die ihrerseits de» Kaffern nahe verwandt sind. Viele Tansende der BasutoS arbeiten in den Bergwerken von Johannesburg mid Aimberley. Die Basutos waren, obwohl mehrfach in Kriege mit den Boeren der- wickelt, bis zum Jahre 1894 unabhängig,(eitdem leben sie unter der Herrschaft ihrer Häuptlinge, die jedoch von einem englischen Residenten abhängig sind. Die Basutos besitzen weit über 100 Schulen, wie sie denn überhaupt viel von der Civilisation an- genommen haben. Für die„idyllischen" Zustände ihres Landes ist es jedenfalls nur ein Vorteil, daß nicht nur der Import des Licblingsartikcls der handelsbeflisscnen Kulttirpioniere, des Alkohols, verboten ist, sonder» auch der Import dieser Pioniere selbst: außer Beamten und Missionaren dürfe» sich keine Weißen im Lande ansiedeln. Die relativ geordneten und glücklichen Zustände des Basnto- lands beweisen jedenfalls, daß auch die Urbevölkerung Afrikas für die Civilisation gewonnen werden kann, ohne daß man sich der barbaris che n Civilisations mittel zu bedienen brauchte, die nicht nur im Kongostaat, sondern in den Kolonien aller Nationen, nicht zuletzt auch denen Deutschlands, im Schwange sind.—_ Parker Zum Internationalen Arbeiterkongrefi. Wer in Bezug auf den bevorstehenden Kongreß irgend ivelche Ansknnft wünscht, hat sich, wie in dem osfizicllen EiiiladnngSschreiben schon gesagt war, an LoniS Dubreuilh, 17 BueBortetoia, Paris, zu wenden. Die Briefe können selbstverständlich deutsch geschrieben werden, ein deutscher Genosse in Paris, der dein Komitee angehört, wird dieselben auch deutsch beantworten. Wünschcnsivert ist freilich, daß die Adresse der Briefe in lateinischer Schrift geschrieben wird, weil dann nicht so leicht Postirrtümer vorkommen.— Genosse Kiefer vom„Süddcntschcn Postillou", der sich als Sünder in Preßsachen in Stadelheim befindet, mußte wegen einer plötzlichen Herzaffektion ins Spital gebracht werden. Das Befinde» uiisres Genossen giebt iitdeffen zn keinerlei Bedenken Anlaß. Die Behandlung, die Kiefer zu teil wird, ist. wie die„Müncheucr Post" erfährt, nicht gerade rühmenswert. So ivird ihm außer den „Neuesten Nachrichten" keine Lektüre gestattet. Mehrere ihm über- sandte wissenschaftliche Werke wurden ihm»iefit ausgehändigt, weil man„it i ch t>v i s s c n k ö n n e, iv a s s ü r U n f u g damit g e- trieben werde". Wir verstehen diese Bedenken. Könnte doch Klefer aus den wisseiisltiaftlitbe» Werken neue Argumente gegen die bestehende, bc- kanntlich göttliche Weltordnung schöpfen, da diese ja mit der Wissen- schaft auf sehr gespanntem Fuße steht. Heitcreö von der Maifeier. StaatSrettcrifcher Uebcrcifer hat in Dresden, wie die„Sächsische Arbeiterzeitung" erzählt, einen hübschen Streich verübt. Die städtische Gasaustall beorderte am 1. Mai. früh leg Uhr 10 Arbeiter nach dem Visiltofsplatz in der Neustadt, um dort bei der Anstellung elektrischer Masten für daS städtische Elektricitäts- tverk zu helfen. Die 10 Mann begaben sich geiucinfchaftlich in de» genannten Ort. In Dresden darf aber bekaiuillich am l. Mai aus Gründen der Staatssicherheit nicht mehr als ein Maim beisammen stehen, sonst wird die„Ansantmlnng" aufgelöst. Ein pflichteifriger Gendarm, der die arbeitswilligen Ratsarbcitcr ankommen sah. gebot ihnen unter dem Aufwand seiner stnatsrctterischcsten Töne, sofort a» s c i n a>i d c r zu gehen, da„ ivi a i s e n- S p a z i e r- g ä ii g e" v e r b o t e n's« i e n. Als sich die Arbeiter sehr erstaunt auf ihre Eigenschaft als Ratsarbeiter, auf ihren Auftrag und auf ihre Arbeitswilligkeit beriefen, hieß«S kurz: „Ach was, das kann jeder sagen, Sie wissen jetzt, daß solche Ansammlungen verboten sind, mache»Sie, daß Sie fortkommen." ES kamen noch mehr Gendarmen zum Schutz des Vaterland» hinzu, und den Arbeitern blieb weiter nichts übrig, als sich wieder in die Gasanstalt' zurückzuziehen und ihrem Vor- gesetzten zn melden, was sich begeben hatte. Mit einem amtlichen, gehörig nnterschriebncn und abgestempelten Geleitsbriefe machten sie sich nun nochmals auf den Weg und konnten so endlich z« ihrer Arbeit gelangen. Man ficht daran«, wie notwendig das Verbot der Maffenspaziergänge revolutionärer Socialdcmokratcn ist, wenn die Staatssicherheit schon durch 10 harmlose arbeitswillige Ratßarbeiter gefährdet werden kann. Ein Maifcicr-Prozefl, ähnlich dem vor einigen Jahren in Dresden geführten, ichciut sich in Halle vorzubereiten. Wie unser dortiges Parteiblatt meldet, find die Polizeibcamtcn angewiesen ge- Wesen, alle Teilnehmer an dem Morgen-Spazicrgang, der an Stelle des verbotenen Umzugs vorgenommen wurde, aufzuschreiben, soweit sie ihnen bekannt waren._ Die Maifeier in Frankreich. PariS, 2. Mai. Die diesjährige Maifeier ist in Paris wegen der Gcmcindcwahl-Kainpagne ganz in den Hintergrund getreten. Es sanden nur ein paar Abcudversannnlinigen statt, in denen aber der Achtstimdentog ebenfalls in Zusaninienhang mit dem Wahlkampf behandelt wurde. Während im Vorjahre außer besonderen Stadt- vicrlel-Versammliingen eine gemeinsame vom damaligen socialistischen Vcrslündigniigskomitce einberufene Maivcrsammlung stattfand, hat das Gcncralkoinitee diesmal aus Rücksicht anf die Gemcindcwahleii von einer solchen Versammlung Abstand genommen. Die bezügliche Resolntion des Propaganda- und Aktionsausschusses des General- komitees lautet „In Anbetracht der Verpflichtungen, welche die kommunale Wnhlpropaganda den kämpfende» Genossen auferlegt, wird das Gencralkoinitee keine geinciilfamc Kundgebung anläßlich des 1. Mai veranstalten. Der Ausschuß fordert die Socialisten der Hauptstadt auf, das Arbeitsfest in ihren respektive» Stadtvierteln zu feiern." Eigentliche Maiversammliingen wurden in Paris abgehalten von den Organisationen der polnischen socialistischen Partei und von den russischen und rnssisch-jüdischen Arbeiter» unter Teilnahme von Ver- tretern des„Allgemeinen Jüdischen Arbeiterverbandes in Rußland und Polen". Letztere Versa», mlimg, die sehr zahlreich besucht war. sandte per Akklamation einen.Brudergruß den heldenhaften Arbeiter- kämpfem, die in Rußland gegen die kapitalistische und zaristische Unterdrückung kämpfen und drückte ihre iiinlge Synipathie aus mit der russisch»» socialdemokratischen Arbeiterbewegung im allgemeinen und der russisch-jüdischen socialdemokratischen Arbeiterbewegung im besonder»." Aus der Provinz liegen dagegen bereits folgende Meldungen über Maiverfammlungen, Straßenkundgebungen und teils über Arbeitsruhe vor.— In Lille veranstälteten 2>/«tausend streikende Baumwollspinner einen Umzug durch die Straßen unter Beteiligung der Delegierten von 31 Gewerkschaften. Eine Delegation der Mani- festanten wurde im Rathaus von der socialisttschen Munizipalität (Magistrat) empfangen. Darauf begab sich der Zug nach der Prä- fektur, wo die Abordnnng auch vom Präfekten freundlich empfangenl wurde. Letzterer versprach, die Forderungen der Manifestanten dem Minifterpräfidenten zn übermitteln. Am Abend veranstaltete die Munizipalität einen Fackelzug und öffentliche Tanzbelustigungcn unter freiem Himmel. Die städtischen Arbeiter und Angestellten feierten, wie in allen von Socialisten verwalteten Gemeinden, durch Arbeitsruhe und selbstverständlich unter voller Auszahlung des Arbeitslohns. Arbeitsruhe wird weiter gemeldet aus Carmaux und den benachbarten Ortschaften Blähe und Saint Benott(Kohlen- gräber), aus Ostricourt(im Pas de Calais- Departement, Kohlengräbcr), aus F o u r m i e s(das Personal von vier Spinnereien), Saint Ouenti»(alle Gewerkschaften) und Monteeau l e s M i» e s. Im Pas de Calais fanden überall Abendversammlungen statt. Eine besonders imposante Maikundgebung veranstalteten am Vormittag die seit dem vorjährigen Streik zum Klassenkampf erwachten Kohlengräber von Monteeau les Mines. An der Spitze des Massenzngs befanden sich außer dem Gewerkschasts- vorstand und dem Vorstand des socialistischen Vereins die eben an- gekommenen Delegierten des Generalkomitees, I a u r e s und Anbeten. , Am Abend sprach Jaurös in einer Mai- und Wahlvcrsamm- lung zu D i j o n vor mehr als 3000 Zuhörern. In B r e st und B e l f o r t wurde die Maifeier durch Straßen- nmzüge niid Versammlungen Sonntag, den 29. April, begangen. In Bclfort wurde dabei die vom Gemeinderat errichtete Arbeits- b ö r s e eingeweiht. In Lyon und H a v r e kam es gelegentlich der Entfaltimg von rote» Fahnen in einer Straßenkimdgebung zu übrigens lmbedeutenden Znsmnmenstöße» mit der das Rot scheuenden Polizei. Arbeitsrnhe ivird noch gemeldet ans R o a n n e, Trohes, Saint E t i e n n e, iit letzterem Ort die Gipser- und Niistreicher-Genosicnschaft, sodann in M o n t h i e u x(bei St. Etienne) die genossenschaftliche Kohlen- grübe. Die Glashütte in Aldi hielt ein Abendfeft ab. In C a l a i s fand ein Fackelzug unter zahlreicher Teilnahme statt. In Moni- pcllicr, NimeS, St. Lonp und Tülle gab es Maiversammlungen.— Poliieilichrs. Gerichtliches»lw. Wegen Veleidigung deS LandratSj v. Httllcssem wurde Genosse Rakutt, Redactenr der„Volkstribüne" in Königsberg, von der Strafkammer des dortigen Landgerichts zu 25 M. Geldstrafe verurteilt. Er hatte einen Artikel der konservativen„Oftpreußischen Zeitung" nachgedruckt, worin der Landrat v. Hüllessem der Wahlbeeinflussung beschuldigt wurde. Mit ihm zugleich war der Redactenr des kon- scrvativen Blatts, B l e y, angeklagt, der außerdem auch noch in zwei andren Artikeln dieselbe Anklage gegen den Landrat erhoben hatte,. der die Beeinflussung zu Gunsten des jetzigen konservativen Reichstags- Abgeordneten Grafen Tönhoff-Friedrichstcin und zum Nachteil deS agrarischen Kandidaten Grafen zn Dohna- Wundlacken begangen haben soll. In der Sache sind beide Angeklagte schon zweimal von der Strafkammer freigesprochen worden; das Reichsgericht hob jedoch die freisprechenden Urteile jedesmal auf. Diesmal erfolgte die Ver- urteilnng, obwohl das Gericht die Meinung aussprach, daß sich der Landrat that sächlich der Wahlbeeinflussung schuldig gemacht habe. Nur erklärte es, Rakutt habe keine berechtigten Interessen vertreten, als er den Attikel nachdruckte. Auch dem konservativen Redactenr wurde nur für seine eifften beiden, nicht aber für de» letzten, von Rakutt nachgedruckten Arttkel die Wahrung berechtigter Jiitcressen zugebilligt. Er wurde zu 150 M. Geldstrafe verurteilt. — I« Halberstadt wurde der Genosse Matths eS aus Elbingerode zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er einen SteinbruchS-Direktor durch Schilderung von Mißständen im Betriebe beleidigt haben soll._ Ans vev Isvnnenbrmrgnng. Wurstschalen- Suppe für Dienstboten. In der Frauen« zeitung„Fürs HanS" findet sich am 20. April im Briefkasten(„Fern- sprechcr) folgende Anfrage: 132. Wirtschafterin:„Kann mir eine der geehrten Leserinnen angeben, in welcher Weise Suppen von Wurstschalen bereitet werden? Eiiie Dame der höhere» Stände erzählte, daß sie solche Suppen für ihre Dienstboten bereite." Die„Bolks-Zeitnng", der wir diese Mitteilung entnehmen, be- merkt dazu: Jedenfalls eine Dame von Gemüt, diese Dame ans den„höheren Ständen", die ihren Dienstboten die Wurstschalen gönnt, nachdem sie das Innere ihrem eigenen„höheren Stände"-Magen gnädigst anvertraut hat. Wahrscheinlich verschmäht ihr Hund das Darin'fiittcral ohne Fleisch; da ist es fiir Dicnstboten-Snppen imnier »och gut genug I Darf man sich unter solchen Umständen noch wunder», ivcitn manche Leute fortwährend über Dicnstbotennot lainmcrn? Wo die Dienstboten anständig behandelt werden und sich anständig sattessen können, weiß man nichts von der.Dienst» boten-Not." Gewerbe-Aufficht durch Frauen. Von der Anstellung de? Fräulein Schlösser als Assistcntiit der Gewerbe« Jnspektton in M.- Gladbach hat die Gewerbe-Jnspektion unser»» Parteiblatt in Krefeld Mitteilung gemacht mit dem Hinzufügen, daß die Dame für Arbeitcriimen in ihrer Privattvohnmig jeden Sonnabendabend nnd jeden ersten und dritten Sonntag im Monat zn sprechen sein wird. GemeeKMAftliilzes. Berlin und ttnigcgcnd. Wege» der Maifeier sind in der Berliner Spazierstock-Branche 80 Arbeiter ausgesperrt worden. Die am Donnerstag in dieser Angelegenheit stattgefundene Versmnmliing stellte als Gegenforderung folgende drei Punkte auf, die teilweise bereits bei früheren Kämpfen bewilligt, jedoch von den Fabrikanten immer wieder uingangen wurden: 1. Aiierlennnng des 1. Mai als Arbciterfeiertag. 2. Bezahlung nnd Erhöhnng des Stiindeiilohns um 25 Proz. für notwendige Urb erstlinde». 8. Ancrkeiinimg des Minimallohns von 21,60 M. Da es nun nicht ausgeschlossen ist. daß es infolge der auf- gestellten Fordernngen zu einem Streit kommt, so bitten wir unsre Kollegen in allen denjenigen Orten, welche für Stockfabriken in Be- tracht komme», den Zuzug nach Berlin fern zu halten. Der Vorstand des Verbands aller im Stock- und Schirmgewerbe Beschäftigten. Der Streik der Brettschncider ist bis jetzt wenig verändert. Verschiedene Unternehmer sind zwar bereit, die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen, sie weigern sich aber, die von den Streikenden verlangte Unterschrist zu geben. Eine am Freitag abgehaltene Ver- sammlung der Brettschneider und Bretterträger beschloß, daß die Arbeit auch ohne Unterschrift deS Unternehmers aufgenommen werden kann, wen» der Tarif in allen Punktcn in Gegenwart der Loh»- kommission bewilligt wird. Deutsches Reich. Der korperative Arbeitsvertrag im Bangewerbe ist gc» scheitert. Wie bekannt, waren vom Centralverband der Maurer mit dem Vorstand dcS Deutschen Arbcitgeberbunds für das Baugewerbe Vcrhnildliingen eingeleitet, die eine Norm schaffen Ivollten, in welcher Weise bei Lohndifferenzen Verhandlungen geführt und Bereinbarimgeit getroffen werden sollten. Die Organisation der Unternehmer hat »unmehr folgende Antwort erteilt: Berlin, den 21. April 1900. Dem Vorstande wird auf das Schreiben vom 14. v. M. ergebenst erwidert, datz von den in diesem aufgeführten Grundzügen, die nach der dortigen Ansicht als Unterlage für die Anbahnung weiterer Schritte zur cvent. Herbeiführung des Abschlusses kooperativer Arbeitsverträge zwischen den beiderseitigen Organisationen dienen könnten, Kenntnis genommen ist. In weitgehender Aussprache innerhalb des Bundesvorstandes über diese Frage ist man zu der Ueberzeugung gekommen, dag es sich mit Rückficht auf die sehr verschiedenartigen Verhältnisse im Bau- geiverbe innerhalb Deutschlands, auf die bisher noch häufig auf- tretenden gegenteiligen Ansichten über die Nützlichkeit eines Vor- gehcns nach der angedeutete» Richtung, aber auch auf Grund der gemachten Erfahrungen in der Mehrzahl von Städten, in denen der- artige Bercinbaruugen bereits getroffen sind, vorläufig nicht empfiehlt, die dortseits angeregte Frage durch den Vorstand des Deutschen Arbeitgeberbuuds für das Baugewerbe weiter zu verfolgen. Es soll zunächst die weitere Entwicklung der Arbeiterbewegung, speciell im Baugewerbe, ferner die Entwicklung und der A>lsbau des Deutschen Arbeitgeberbuuds für das Baugewerbe beobachtet und weitere Erfahrungen in denjenigen Orten gesammelt werden, wo Vereinbarungen im Sinne dieses Schreibens bereits bestehen. Hier- durch ivird sich eine Klärung der Ansichten innerhalb der lcitcuden Kreise im Baugewerbe nach der einen oder andern Richtung Heralls- bilden, ivelche für die weitere Behandlung der im Auge zu be- halteudeu Frage ausschlaggebend sein Ivird. Hochachtungsvoll Der Vorstand des Deutschen Arbeitgeberbmids für daS Baugewerbe. Felisch. Die Ablehnung war vorauszusehen, denn dies seiner Zeit an den Centraiverband der Maurer gerichtete Schreiben des Arbeitgeber- bunds, in dem eine Geneigtheit zur Tarifvcreinbanmg in Aussicht gestellt wurde, hatte mehr den Ziveck, von der Organisation der Maurer zu erfahren, in welchen Orten in diesem Jahr Lohn- kämpfe geplant sind. Den Zweck haben die Herren Unter- nehmer nicht erreicht, denn ihre so nebenbei aufgeworfene Anfrage, in welchen Orten in diesem Jahr Lohnforderungen gestellt werden, blieb unbcriicksichtigt, den Arbeitern war es ernst mit ihren Vorschlägen. Die Herren Unternehmer lehnen also eine Vcrtragsvcrcinbarung ab, sie können aber nicht genug über die Unsicherheit der Lohnhöhe, die Schädigung bei Streiks klage», um die Streikklausel in ihren Verträgen durchzusetzen. Allerdings ein allgemeiner Vertragsabschluß mit den Arbeitern hätte jede Bercchti- gung der Streikklausel aufgehoben: es ist klar, die Unternehmer wollen die Freiheit der Lohndrückerei. Ueber die Aussperrungen und Streiks in Lübeck berichtet unser dortiges Parteiblatt: Nach der von uns gemachten Anstellung sind z. Z. an der Allssperrung beteiligt 17 Gewerkschaften mit rund 600 Mitgliedern. Einige Hundert Unverheiratete sind bereits abgereist, heute dürfte eine große Zahl folgen. DicMalcr sind sämtlich anderweitig in Arbeit gebracht worden, kommen also nicht mehr in Betracht: im Ucbrigen sind folgende Verbände beteiligt: Metallarbeiter, Bau- arbeiter, Fabrikarbeiter{5 Zahlstelle»), Former. Holzarbeiter, Schiffs- zimmcrer(central), Werftarbeiter, Zimmerer, Bäcker, Tabak- arbeiter. Transportarbeiter, Schmiede, Schiffszimmerer(lokal), Hirsch- Dunckerschcr Verein und christlich- socialer Arbeiter- verein.— Angesichts der gesamten Lage sind alle sonstigen Differenzpnnkte unter den verschiedenen Organisationen mit einem Schlage fortgefallen, und eS herrscht eine Einmütigkeit, wie sie eben stets durch ähnliche Maßnahmen der Fabrikanten er- zeugt wird. Die nächsten Tage werden da? Ergebnis kund thun. So viel steht schon fest: die Aussperrung ivird die den Wünschen und Hoffnungen der Unternehmer entgegengesetzte Wirkung haben. Die Maurer iu Erfurt haben einer Erueucnmg dcS am 30. April abgelaufenen Vertrags zugestimmt. Es wurde festgesetzt, daß an Stelle des bisheriger Stundenlohns von 40 Pfg., 43 Pfg. gezahlt werden. Junggesellen erhalten im ersten Jahr 32 Pfg. und im zweiten Jahr 36 Pfg. Beim Putzen werden 3 Pfennig mehr bezahlt. Außer noch einigen weniger bedeutsamer Punkte erkannten die Arbeitgeber die Verpflichtung, verschließbare Baubuden und Vcr- bandzeugkasten anzuschaffen und das Verbandzeug ständig erneuern zu lassen, an. Sämtliche Gcstcllschloffcr der B r e s l a» e r Waggonfabrik Gebr. Hoffmann n. Co. Akt.-Gcs. legten wegen Lohndiffercnzen am 2. Mai die Arbeit nieder. Die Leipziger Bäckergchilfen stehen unmittelbar vor einem allgemeinen Streik. Ihre Forderungen, die in der Hauptsache in der Abschaffung der Wohnung und Beköstigung beim Meister und statt dessen Zahlung eines Wochculohiis von 13—24 M., sowie in der Anerkennung des Vcrbands-Arbcitsnachwciscs bestehen, sind von der Innung rundweg abgelehnt worden. Die Forderungen werden nunmehr den einzelnen Meistern unterbreitet. Wird auch hier nicht bewilligt, was natürlich von vornherein als feststehend bezeichnet werden kann, so ist der Streik unvermeidlich. Die Krcfeldev Polizei'will das Strcikpostenstchen verbiete». Fünf streikende Färber der Firma PanucS haben je ein Strasmaudnt von 10 M. erhalten wegen Vergehens gegen eine Regierungsverordnung vom 26./3. 1900. Sie hatten Streikposten gestanden und waren der Aufforderung eines Polizcibeamtcn, die Wege in der Nähe der Fabrik zu meide», nicht nachgekommen. Die erwähnte Regierungsverordnung handelt von der Einschränkung der Bequemlichkeit des Publikums beim Passiere» der Wege. Diese Einschränkung der Bequemlichkeit wird in dein Kontrollieren der Fabrik gefunden. Uns ist eine derartige Verfügung nicht bekannt, und scheint dieselbe auch der Polizei noch nicht geläufig zu sein. denn in drei Strafmandaten spricht sie von einer RegicrungS- Verordnung, während sie in den zwei letzten von einer Polizei- Verordnung dcS nämlichen Datums schreibt. Es wird richterliche Entscheidung beantragt. Strcikvergrhc». Am Krcfelder Schöffengericht wurden am 3. Mai süuf streikende Weber von der Anklage der Beleidigung Arbeitswilliger freigesprochen und die Kosten der Verteidigung sogar der Staatskasse zur Last gelegt. Die Arbeitswilligen waren ein �Mitglied und ein Vorstandsmitglied des christlichen Textil- arbeiter- Verbands. Sie fühlte» sich durch den Ausdruck Transvaal-Bocrcn beleidigt. Außerdem sollten die Angeklagte» sie eines Abends mit einem ganzen Trupp Arbeiter nach Hause begleitet und an ihrer Wohnung den Präscuticnuarsch geblasen haben. Die beiden Christlichen waren aber derart unsicher in ihren Aussagen, daß das oben erwähnte Urteil erfolgte. Der Vorsitzende war der Meinung, daß die Bezeichnung Transvaal- Boeren nur ehrend für die„Arbeitswilligen" sein könnte.— Die christlich Organisierten machten große Augen. VvvlÄmnrlunsvn. Friedrichsfclde. Am 22. April hielt der Socialdemokratische Wahlverein im Lokal von Schulz seine General-Versammlung ab. Die Vcrsqmmlung gedachte zunächst des verstorbenen Mitglieds Aug. Pähl, zu dessen Ehren sich die Anwesenden von den Plätzen erhoben. Sodann wurde der Bericht des Vorstands entgegengenommen. Da- nach fanden im II. Quartal 4 Versammlunge» und 5 Vorstands- sitzungc» statt. Der Besuch der Versammlungen konnte fast durch- weg als ein guter bezeichnet werden. Nach dem Bericht des Kassierers war eine Einnahme von 114,32 M. und eine Ansgnbe von 09,85 M. zu verzeichne». Die Mitgliederznhl betrug 73. Hierauf erfolgte die Wahl des Vorstands, die folgendes Resultat ergab: Karl Wolff erster, Franz Wedemeycr zweiter Vorsitzender: Riebe erster, Brnnk zweiter Schriftführer; Jagusch erster, Karl Schulz zweiter Kassierer; Revisoren: Werner und Bredereck. Beisitzer: Leitow und Kette. Bibliothekar: Karl Schulz. Bücherwart: Brunk. Zum Schluß Verantwortlicher Redactcur: Paul John in Berlin. teilte der Vorsitzende Wolff mit, daß von nun an im Sommerhalb- jähr die Vereinsversammlungen immer des Donnerstags nach dem 13. jeden Monats stattfinden. Spandau. Der socialdemokratische Arbeiterverein hielt am Sonntag seine ordentliche Generalversammlung ab. Nach dem vom Vorstand erstatteten Geschäftsbericht beträgt der Mitgliederbestand einschließlich eines Zugangs von 34 und eines Abgangs von 12 Mit- gliedern gegenwärtig' 169. Auf einen organisierten Parteigenossen kommen 27 socialdemokratische Reichstagswähler und 4 Wähler. welche bei den letzten Kommunalwahlen öffentlich den socialdcmo- kratischen Kandidaten ihre Stimme gegeben haben. Gewerkschaftlich sind siebenmal soviel Arbeiter örgänisiert als politisch. Dieses Mißverhältnis wurde von den Genossen S ch r ö e r und R i e g e r einer scharfen Kritik unterzogen. S ch r ö e r berichtet, daß das von der Partei am Orte am 18. März d. I. begründete Lokalblatt.Die Laterne" allgemeines Interesse erregt habe und die Abonnentenzahl in erfreulicher Weise wachse. Der von D u ck s ch erstattete Kassenbericht weist im verflossenen Quartal eine Einnahme von 213,19 M. und eine Ausgabe von 77,68 M. auf. Hierauf hielt Genosse S a s s e n b a ch einen mit Beifall auf- genommenen Vortrag über das„Freimaurertum". Stralau- Nummelsbura. Am 29. April fand hier eine Ver- sammlung der Kutscher, Mitfahrer und der auf Müllabladeplätzen beschäftigten Arbeiter statt. Straube referierte über die Wirtschaft- liche Lage der Arbeiter iu diesen Betrieben und erläuterte die schlechten Lohn- und Arbeitsverhältnisse in diesen Berufen. Nicht selten beginnt die Arbeitszeit des Morgens um 4 resp. 5 Uhr, um dann dcS Abends um 9 resp. 10 Uhr zu enden. Er ist der Meinung, daß die meisten Zusanmienstöße mit der elektrischen Bahn und andre Unguicksfälle durch Ueber- müdung und Uebcranstrengnng der Kuffcher hervorgerufen werden. In der Diskussion wurden die AnSfühningen dcS Referenten bestätigt und hinzngcfügt, welche schauderhaften Zustände ans dem städtischen Müllabladeplatz herrschen. Die Herren Gebr. Tabbcrt scheuen sich nicht, den dort beschäftigten Arbeitern 37>/2 Pfennig Stundenlohn zu geben, während die vom Magistrat beschäftigten Personen pro Stunde 50 Pfennig erhalten. Der Krieg. Die Engländer haben einige weitere Vorstöße gemacht, wobei es ihnen gelungen ist, die Boeren zur Räumung ihrer Stellungen zu zwingen. Diese neueste Nachricht meldet die Räumung Brandforts durch die Boeren. Die Boeren hatten laut der gestrigen Meldungen am 30. April noch einen Erfolg über die Engländer davongetragen. Nunmehr ist es den letztere» doch gelungen, infolge einer kombi- niertcn Bewegung der Division Tncker und Pole-Carew im Osten und im Centrum und Nnttons berittener Infanterie im Westen die Boeren aus Brandfort zu vertreiben. Die Boeren, heißt es in dem Telegramm, die durch diese Bewegung überrascht wurden, zogen sich in aller Eile zurück. Viertausend Boeren waren letzte Nacht auf dem Wege nach Brandfort, um den Vormarsch der britischen Truppen zu verhindern. Tnckers Artillerie hat in eincin heftigen Artilleriekainpf zwei Geschütze der Boeren außer Aktion gesetzt. Ein vom 3. Mai datiertes späteres Telegramm des Lord Roberts bestätigt die Besetzung Brnndforts, das von den Boeren ohne großen W i d e r st a n d, und, wie er hoffe. ohne große Verl» sie für die Engländer, geräumt worden sei. An den, Kampf seien drei Brigaden und die Division Pole-Carcw, also sehr stattliche Truppenanfgcbote, beteiligt gewesen. Auch bei Thabanchu haben sich die Boeren zurückgezogen. Ein Telegramm meldet: Thabanchu, 3. Mai.(Meldung des„Reuterschcn BureapS".) Die Boeren räumten nachts den Thabanchuberg und ziehen sich vermutlich nach drei Richtungen nordwärts zurück; sie ließen aber eine Kanone zurück, welche in das Lager der Engländer zeitweilig Geschosse schleuderte. Kundschafter berichten, eine Abteilung des Feindes habe sich gegen Wepener hin zurückgezogen. General Frcnch hat heute Thabanchu. wo General Rnndle konniinndicrt, vcr- lassen. General Brabant dürfte unverzüglich zu General Rnndle stoßen. Weiter wird mitgeteilt, daß Oberst BroadwordS Kavallericbrigadc 28 englische Meilen(ca. 13 Kilometer) nördlich von Thabanchu eingetroffen und auf geringen Widerstand gestoßen sei. Ueber Ladysmith liegt nur die bekannte, aber keineswegs günstige Nachricht vor, daß die Pferdefeuche im englische» Lager andauere und den Pferde- bestand der Kavallerie dezimiere. �* Die Verluste der Engländer werden jetzt von Londoner Blättern wie folgt angegeben: getötet.......... 213 Offiziere 2100 Mann an Wunden gestorben..... 120, 3 500„ gefangen......... 173, 4 000„ kanipfnnfähig nach England gc- schickt........■. 360„ 6000„ Effektiver Verlust; 366 Offiziere 14 660 Mann noch lebende Verwundete... 500 Offiziere 5 000 Mann Erkrankte in Afrika verblieben. 1000„ 12 000 Alio in Summa abgängig: 2366 Offiziere 31 600 Mann. DaS ist beträchtlich mehr als nach den früheren Angaben an- genonimen werde» mußte, und doch sind auch diese Zahlen noch zu gering, wie aus einigen Stichproben hervorgeht; so befinden sich zum Beispiel in Pretoria 5000 Gefaiigene. Sogar die cnglandfreundlichcn „Cape TimcS" kommen zu ganz andren Ziffern, indcni sie melden: Verlust an Kriegsgefangenen 3000, Tote durch Krankheiten 4000, gefallen 14 450', verunglückt 100. verwundet 43 350, insgesamt 64 900 Man ii. Die letzten Zahlen scheinen uns denn doch zu hoch gegriffen zu sein. 4»« » D i e militärische Tüchtigkeit der Boeren wird in dem von der„Kreuzzeitnng" veröffentlichen„Kriegstagebuch" eines alten preußischen Offiziers, des Obersten a. D. v. B r a u n, der den Krieg als militärischer Beobachter auf der Vocrenseite mitmacht und mit derben Vorurteilen gegen nichtgedrillte Soldaten nach Afrika kam. niit wahrer Begeisterung anerkannt. Es fehlt zn>ar nicht an hochnäsigen Bemerkungen über die mangelndc Disciplin und die suveröne Verachtung militärischer Fachkcimtnisie. allein schließlich wird er doch zur Bewunderung hingerissen, nachdem er gesehen, wie diese Handvoll„Bauern"— denn mehr als eine Handvoll war und ist eS nicht— die englische Armee über- ivnndcn haben, und staunend ruft er ans(Vergl. die„Kreuz-Zeitung" von gestern): „Die Kriegsgeschichte wird eines TagS ans d e in Kopf st e h e ii, mit wie wenig Gewehre» das arme Transvaal diesen Krieg gegen den all- ni ä ch t i g e ii John Bull g e f ü h r t h a t." Und weiter erzählt der Oberst a. D.: „War heute(5. Januar) mit Botha und L. Meier ans der Haubitz- Position(Crentzot-Kanöiie). Botha wollte seiiicin alt?» Vorgesetzten das Schlachtfeld zeigen. Beide sind rührend in'ihrer Bescheidenheit. Botha sagte:„Ich wußte am 15. Dezember wohl, wie schwach wir waren, um ein« so a u S- gedehnte Position zu halten; ich hätte sie aber bis auf den letzten Mann halten lassen und Für den Inseratenteil verantwortlich Th. Glocke in Berlin. Druck und ich wußte, daß ich die Position halten würde." Dabei muß man wissen, daß dieser Mann früher nur Farmer war. Erinnert an Crom well, ist aber sonst nicht zu vergleichen. Warnin nicht, das erfahren wir nicht. Jedenfalls sind diese Boeren-Krieger von demselben Stoff gemacht, wie Cromwell und seine„Eisenseiten". Gegenüber den kindischen Gamaschenknopf- Nörgeleien einiger deutscher Drill-Offiziere, die an den Boeren den„echten militärischen Geist" vermissen, thut es wohl, einen Mann zu hören, der angesichts der Thatsachen seine Vorurteile zurückdrängt und sich zu freier und gerechter Auffassung erhebt.— »» » Der„Legende von de» Gewehren, die nicht töten", widmet die„Deutsche Zeitung" einen Artikel, der sich energisch gegen die englische Behauptung wendet, daß das in der englischen Armee ein- geführte Lee-Melford-Gewehr eine Waffe sei, die nur dann wirk- lichen Wert besitze, wenn Dnm-Dum-Geschosse zur Verwendung gelangten. Das Dum-Dum-Geschoß wird bekanntlich höchst einfach dadurch hergestellt, daß in den Nickelmaiitel, der das Bleigeschoß umgiebt, ein kreuzfönuiger Einschnitt oder eine Oeffnung gemacht wird. Beim Aufschlagen des Geschosses deformiert der Blei- kern derarffg. so daß die Wirkung des Geschosses der eines Explosivgeschosses völlig ähnlich wird. Die Engländer be- Haupte» nun, daß bei der Verwendung des Geschosses mit unverletztem Nickelmantel der Schnßkanal ein so enger und glatter sei, daß der Verwundete, sofern nicht edle Teile verletzt seien, sich ofttnals erst nach geraumer Zeit kampfunfähig fühle. Die„Deutsche Zeitung" weist demgegenüber mit Recht darauf hin, daß man, trotzdem das Mansergcwchr, dessen sich die Boeren bedienen, noch ein kleineres Kaliber aufweist, als das Lee-Melford- Gewehr— es besitzt nämlich 7 Millimcter-Kaliber gegenüber dem 7.7 Millimeter-Leegeivchr— noch nichts davon gehört habe, daß die verwundeten Engländer mit einer Kugel im Leib noch weitergekämpft hätten. Außerdem weist das genannte Blatt auf die Erfahrungen hin, die man mit dem kleinkalibrigeii Gewehr im spainsch-anierikanischen Krieg, bei dem Maffakre in Mailand 1398 und bei in Frankreich vorgenommenen Schießversnchen gemacht habe. Ein amerikanischer Berichterstatter habe über die Wirknng des 7 Millimetcr-ManfcrgewehrS(desselben, mit dem die Boeren anS- gerüstet find) gcnrteilt:„Eine besondere Eigentümlichkeit des Mauser- gcwehrS scheint die zu sein, daß der davon Getroffene sofort z n- s a innren b r i ch t". Die in Mailand Gefallenen hätten furchtbare Verletzungen aufgewiesen. Die Schädeldecke sei vollständig abgehoben und der Schädclinhalt herausgeschleudert worden. Die an Armen und Beinen Getroffenen hätten fast sämtlich amputiert werden müssen. Ja, die Engländer hätten von der Furchtbarkeit des kleinkalibrigeii Gewehrs selbst dadurch Zeugnis abgelegt, daß sie die Wirkungen desselben irrtümltcherweije Dum-Dum-Geschossen zugeschrieben hätten. Die Engländer. die' sich über die allzu„humanen" Wirkungen der kleinkolibrigen Gewehre entrüsten, übertreiben in der Thal in ekelhafter Weise. Daß einzelne der Vcrlvnndeten nicht sofort außer Gefecht gesetzt werden, sondern erst nach kurzer oder längerer Zeit infolge de-s Blutverlustes zusammenbrechen, beweist noch lange nichts für die„Harmlosigkeit" der kleinkalibrigen Waffe. da derartige Fälle auch ans früheren Kriegen, die mit Kn alten großkalibrigen Waffen auSgesochten wurden, berichtet werden. Das kleinkalibrige Gewehr ist sogar eine viel furchtbarere Waffe, als die Gewehre älteren Systems. Allerdings hängt bei ihm die Art der Verwendung ganz wesentlich mit der E n t- sernnng des Getroffenen zusammen. Professor Paulow z. B. unterscheidet vier Zonen, innerhalb deren die Wirkung des Geschosses eine wesentlich verschiedene ist. Während in der ersten Zone(Ent- fernung bis zu etwa 300 Meter) die Schußwirkung eine geradezu fürchterliche ist, da das Geschoß Knochen und niit Flüssigkeit gefüllte Gefäße zerschmettert und anS- einanderspreugt, weisen die Wunden der zweiten Zone(Entfernung bis zu 1500 Meter) glatte Wnndkanäle auf. Die Verwnndungen der beiden weiteren Zonen(bis 3000 Meter) ähneln wiederum denen der ersten Zone. Nach den Untersuchungen deS Chefs der Medizinalabteilnng des preußischen Kriegsministeriums. Professor Dr. v. C o l e r, ist die Wirkung der kleinkalibrigeii Geschosse sogar noch bis auf 600 Meter Entfernung eine überaus furchtbare, da die Knochen zersplittert, die Muskeln zerrissen, Leber, Herz, Nieren atomifiert werden. Jedenfalls darf die englische Darstellung von dem„hnmaiicu" Kleinkalibrigeii vorläufig»och als tendenziöse Legende betrachtetwerden. Daß im siid'asriknnischcn Krieg die Zahl der Verwundeten im Verhältnis zu den Toten eine anscheinend so große ist, darf auch nicht ohne weiteres als Beweis für diese Legende angesehen werden. Die Verlustlisten der Engländer haben sich als recht unzuverlässig heraus- gestellt und ermöglichen vorläufig noch kein abschließendes Urteil Immerhin sei darauf hingewiesen, daß auch in früheren Kriegen aus je 100 Getroffene mir 13 bis 29,7 Getötete enifielen. Im Krimkrieg betrug die Zahl der Getöteten 17,5 Proz., im deiitsch-französischc» Krieg 15,6 Prozent. Ob der Prozcmsatz der Getöteten im süd- afrikanischen Krieg ein geringerer sein ivird, bleibt erst ab zu- w arte n. Die allzu große„Humanisieruna" dcS Kriegs ist vermut- lich eine Legende der Engländer, deren Zerstörung nicht lange auf sich warten lassen wird._ Die Flottenreklame in Köln. . Die guten Kölner sucht man nach allen Regeln der Reklame- knnst für die Flotte zu begeistern. Wie die nachstehenden Meldungen zeige», ninüsieren sich dabei auch die Mannschaften auf daS vor- trefflichste, und die„Köllische Jungens" werden Lust bekommen, später ebenfalls auf See zu gehen, in dem Glanben, die Sache sei immer so amüsant. Um die Marinebcgcisterung auch bei de» Kleine» und Kleinsten zu wecken, führte man zahlreiche Schulen an den Rhein. Es wird darüber berichtet: Köln, 4. Mai. Die Torpcdoboots-Divifion bildet fortdauernd den Gegenstand lebhafter Anziehung für die Bevölkerung der Stadt und Umgegend rechts und links des Rheins. Heute morgen trafen zahlreichc Schulen aus dem Bcrgischeu Lande, anS Düren und andren Orte» ein. Die Rhcinnfer sind fortwährend von einem zahl- reichen Publikum besetzt. Die dienstfreien Mannschaften der Torpedoboots-Dibision speisten mittags im Zoologischen Garten; hieran schloß sich unter Führung von Mitgliedern des MrlrincvereiiiS die Besichtigung>dcs Gartens. Später war Konzert, zu dem auch die Offiziere erschienen waren. Köln, 4. Mai.(W. T. B.) In dem mit Fahnen und Wappen reich geschmückten großen Gürzenichsaale fand heute abend zu Ehren der Torpcdoboots-Division ein glänzendes Bankett statt. Es nahmen daran teil die Spitzen der Behörden, unter ihnen Ober- Präsident Nasse, Gouverneur General Freiherr v. Ailczeck. Ober- Biirgernicister Becker, Polizeipräsident Weegmaun. die Offiziere der Garnison niid zahlreiche Bürger. Der Saal war dicht gesüllt. Wäh- rend des Mahls konzertierte die Kapelle dcS 53. Regiments. Köln, 4. Mai. Bei dem zu Ehren der Offiziere der Torpedo- bootö-Division veranstalteten Bankett im Gürzenich hielt Oberprösident Nasse cineu Trinkspruch auf Sc. Majestät den Kaiser, in welchem er die Freude und den Dank des Rheinlands aussprach, der Abordnung, die der Kaiser auf den Rhein hinailSgesaiidt habe, begrüßen zu dürfen. Köln, 4. Mai. Die„Köln. Ztg." meldet, daß den gesamten Offizieren und Mannschaften der Torpedoboots-Division vo» der Stadt Köln eine Ehrengabe in Gestalt einer silbernen Medaille gewidmet ivorden ist. Die Medaille gicbt eine Ansicht der Stadt Köln mit der Jahreszahl 1900. Die Umschrift lautet:„Znr Erinnerung an die Rheinfahrt." t-crlaa von Mar Pading in Berlin. Hierzu'i Beilagen. |t. 103. 17. t. Keilige Irs Jraitls" KM« IMIntt.« hw tatioiiaiiis Veichskag. 186, Sitzung. Freitag, den 4. Mai,2UH», Am Bundesratstisch: Graf PosadowSky. Die zweite Beratung der Novelle zu den Unfallversichcrungs Gesetzen wird fortgesetzt bei 8 6. ß 6 setzt die Hohe des Sterbegeldes und Verden Hinter b l i e b e n e n der Verstorbenen zu gewährenden Rente fest. Nach den Kommissionsbeschlüssen ist als Sterbegeld der 16. Teil des »ach den früheren Beschlüssen zn Grunde zu legenden Jahres- Arbeitsverdienstes zu leisten, mindestens aber ein Betrag von 50 M a r l. Der Abg. Frhr. v. Stumm will als Sterbegeld das zwanzig� fache des für de» Arbeits t a g ermittelten Verdienstes(abgesehen von dem Mindestbetrag) gezahlt wissen. Abg. Frhr. v. Stumm(Rp.): Mein Antrag will verhindern. dast ein Arbeiter, der nicht das ganze Jahr über gearbeitet bat, mehr Sterbegeld bekommt als jemand, der das ganze Jahr gearbettet hat. Für den Mindestbetrag von 50 M. bin ich auch. Abg. Rösicke-Dessau(wildl.) bittet e» bei dem KommifsisnS befchlust zu lassen. Der Antrag Stumm wird gegen die Stimmen einiger Kow servativer abgelehnt, der§ 6 m der Fassung der Konnnission genehmigt.§ 6a bestimmt die Rente für die Witwe oder die Kinder des verstorbenen Arbeiters. Sie beträgt für die Witwe bis zu dem Tode oder Wiederverhciratung sowie für jedes hinter« bliebene Kind bis zu dessen fünfzehntem Lebensjahr je 20 Proz. des Jahres-Arbcitsverhienstcö. Hier soll nach einem AbänderungSantrag A l b r e ch t(Soc!) und Genossen gesetzt werden a) statt„hinterbliebeneS Sind":„Kind, zu dessen Unterhalt der Verstorbene gesetzlich verpflichtet war": b) statt„sowie":„30 Proz. und"; c) statt„bis zu dessen IS. Lebensjahr": bis zu dessen sechs- zehntem Lebensjahr". Der dritte Absatz dieses Z 6a setzt die Fälle fest, wo der An spruch der Witwen ganz oder teilweise ausgeschlossen ist. Die Abg. Alb recht und Gen.(Soc.) beantragen diesen Ab- satz zu streichen, eventuell zu gestalten wie folgt:„Der Anspruch der Witwe ist ausgeschlosicn. wenn die Ehe erst nach dem Unfall geschlossen worden ist. es sei denn, sie war vor dem Unfall mit dem Verstorbenen verlobt oder lebte bereits vor dem Unfall mit ihm in häuslicher Gemeinschaft." Nach Abs. ö desselben Paragraphen ist die Berufsgenossenschast berechtigt, im Fall der Tötung einer Eheftau, deren Ehemann sich ohne gesetzlichen Grund von der häuslichen Gemeinschaft ferngehalten und der Pflicht der Unterhaltung der Kinder entzogen hat, diesen Kindern die Rente zu gewähren. Die Abgg. Alb recht und Genossen(Soc.) beantragen diese» Absatz zu streichen. Dagegen beantragt Frhr. v. Stumm- Halberg. die Worte hinter„Wicdervcrheiratung sowie" zu ersetzen durch:„für jedes vaterlose Kind bis zu dessen 13. Lebensjahr 13 Proz. und, locnn das Kind auch mutterlos ist oder lvird, 20 Proz. des Jahresarbeits» Verdienstes". Abg. Frhr. V. StummiS an ihr Lebensende. Wenn Sie sich nicht ans de» Standpunkt tellen wollen, daß das ganze Gesetz nur eine andere Form der Armcnunterstiitziing ist, müssen Sie unfern Antrag annehmen. Damit schließt die Diskussion. Die Anträge der Social- demokraten werden gegen die Stimmen der Antragsteller a b- gelehnt. 8 6b in der Kommissionsfassiing angenommen. 8 6o lautet„ach den Beschlüffei« der Kommission: „Hinterläßt der Verstorbene Perwandte der aussteigenden Linie, so wird ihucn. falls ihr Lebensunterhalt ganz oder über- wiegend durch den Verstorbene» bestritten worden war. bis zun« Wegfall der Bcdürftigkett eine Aente po,, insgesamt 20 Prozent des Jahresarbeitsverdienstes gewährt." Dazu beantrage», die Abgg. A l b r e ch t(Eoc.) und Genossen, die Worte„falls ihr Lebensunterhalt" usw. bis„Bedürftigkeit" zu lreichc». eventuell zu ersetze» durch:»falls zu ihrem Lebensunterhalt ein Pcitrag durch den Verstorbenen geleistet war." Abg. Molkeiibnhr(Soc.): ES ist elncThatsache. daß überhaupt nur sehr wenig Aseendenten- rentrn gezahlt werden. Daraus könnte man schließen, daß nur sehr wenig Arbeiter ihre Elten, unterhalte». eS liegt dies aber vielmehr nur an der Schwierigkeit des Nachweises, den die Eltern er- bringe» müssen, um die Rente beim Tode ihres Sohnes z» erhalten. Sie müssen»achweisen, daß ihr Lebensimterhnlt ganz oder zun, über- wiegende» Teil durch den Verstorbenen bestrikten war. Wem, die Eltern 800 Mark zu ihrem Lebensunterhalt brauchen»nd 400 Marl davon von ihren, getötete» Sobne erhalten haben, so ist noch immer nicht die Bcdinauiia erfüllt, die sie zum Bezug der Reifte berechtigt. Die Unterstützimg, dje der Sohn de» Eltern gewährt, besteht ja auch hänsig nicht in barem Gelde, sondern in Naturalien und>» femer Arbeits- kraft, die für die Eltern besonders auf den, Lande oft von erheb- lichcm Werte ist. Auch eine Witwe, die ihr ganzes Vermögen daran gesetzt hat, m» ihrem Sohne eine ante AuSbildmig zu geben, und ihn später zu ihren, Ernährer zu haben, hat, wenn der Sohn vor Beendigung der Ausbildung vervnglückt, keinen Anspruch auf Rente. elbst wenn der Unfall durch Fahrläsfigkcit deS Unternehmers herbeigeführt wurde.— Wenn sich übrigen» eine vorübergehende Linder, mg der Bedürftigkeit ergiebt, so hört die Rente ans. und wenn spater hie Bedürftigkeit wieder eintritt, hat der Betreffende ,~ TZ I Z), II Uhr. i» den Ar», iiihallen". kemerle, Anspruch auf Rente mehr. U ftrafw 20: bitte ich Sie. unsre Anträge anznnehn�.* Abg. Dr.$(i}cln,,,,,,,m,9" Gewiß ist der Beweis etwas schwie�und und die Streiwausel im ist doch besser als die frühere. Unrichtig �.i(. F. behalte. dürftigkcit eintritt, die Rente nicht wieder—-- gj- j- j Der Antrag der Socialdemokraten geht II Ann nun müßte selbst, wenn ein Sohn für die Elten» Ni ilnlm im Fall seines Tods eine Rente an die Elten. Der Antrag der Socialdemokraten wird h,"!�!'' der§ 6° in der Fassung der Kommission angef�' 8 Sä lautet: XÄ ZanU „Hinterläßt der Verstorbene elternlose Enr?', falls ihr Lebensunterhalt ganz oder überwiegcn�AIHuillllllf. storbencn bestritten worden war, im Fall der BcdüWM zurückgelegten fünfzehnten Lebensjahr eine Rente � 20 Proz. des Jahresarbeitsverdienstes gewährt."-°*2 8' r. 21 Die Socialdemokraten beantrage, ,. statt„fllnfzehirk!'�/!"�" � „sechzehnten" und den Zwischensatz:„falls ihr La-—*■—— ganz oder überwiegend durch den Verstorbenen bestri-• ivar" zu ersetzen durch:„falls zu ihrem Lebensunterhalt e». PiPlI durch den Verstorbenen geleistet war". Abg. Molkenbnhr(Soc.): dustrie Auch hier ist wieder der Nachweis schwer zu erbringen, ojzds. Unterhalt des Enkels ganz oder überwiegend von dem Verstor. geleistet ist. Jedenfalls für die Fälle, wo der Enkel in die hau-.... Gemeinschaft der Großeltern aufgenommen lvar, wolle» wir ihm nit Rente garanticrc,,. Das bezweckt nur der Antrag. Abg. Hitz«(C.) sindct auch diesen Antrag viel zu weitgehend.. Der Antrag wird darauf abgelehnt. 8 6ä in der Koinmissions- fast", mg angenommen. 8 6v bestimmt, daß die Renten der Hinterbliebenen insgesamt 60 Proz. des Jahresarbeitsverdienstes nicht übersteigen dürfen. Die Socialdemokraten beantragen statt„60" zu setzen„100 eventuell 80 Prozent". Abg. Molkenbnhr(Soe.): Diese Erhöhung ist durchaus notwendig, denn bei dem Höchst- betrag, wie ihn die Vorlage vorsieht, werden die einzelnen Reifte». besonders Iveun mehrere Kinder vorhanden sind, sehr klein, und die Eltern schon fallen eventuell ganz ans. Die Hinterbliebenen fallen so vielfach der Armenpflege zur Last.(Sehr richtig! bei den Social- demokraten.) Der Antrag wird abgelehnt,§60 in der KommissionS- faffung angenommen. 8 6k ist von der Kommission unverändert gelassen worden. Er besagt:„Die Hinterbliebenen eines Ausländers, wclcheffzur Zeit des Ilnsälls nicht in: Inland ihren Aufenthalt hatte», haben keinen An- spruch ans Rente. Durch Beschluß des Bundesrats kann diese Be- stimnmng für gewisse Grenzgebiete sowie für die Angehörigen solcher auswärtiger Staate», durch deren Gesetzgebung eine elftsprechende Fürsorge sür die Hiiiterblicliciicn durch Betriebsunfall getöteter Deutscher gewährleistet ist, außer Kraft gesetzt werden." Die Abgg. Albrccht u. Gen.(Soc.) beantragen, den§ 6k zu streichen. Abg. Molkcnbuhr(Soc.) bekämpft die in dem 8 6k enthaltene Ausnahmestellung der Ausländer. Es giebt Leute, die gar nicht wissen, daß sie Ausländer sind, sondern glauben, daß sie Inländer sind, so zum Beispiel die Leute, die vor 1866 fünf Jahr von Hannover weg waren und in Berlin gelebt haben. Diese habe» die hannoversche Staatsangchöttgkeit verloren, ohne die preußische Staatsangehörigkeit erlangt zu haben. Achnlich kann eS mit Deutschen, die lange im Ausland gelebt haben, gehen. Gerade diese Leute kommen hänsig nach Jahren in den SchiffSdicnst zurück und sind hier leicht Unfällen ausgesetzt. Der 8 6k zeugt wieder von dem Bestreben, die Reifte wo mir irgend möglich in Wegfall zu bringen. Hiermit schließt die Diskussion. Der Antrag A l b r e ch t„. Gen.(Soc.) wird gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt, 8 6k in der KommissionSfassnng an- genommen. ß 7 lautet in der KommissionSfassung: An Stelle der in den 88 3a und 3ä vorgeschriebenen Leistungen kaun von der Bernfsgenossenschaft freie Kur und Verpflegung in einer Heilanstalt gewährt werde», und zwar: 1. Für Verletzte, welche verheiratet sind oder eine eigne Haus- Haltung haben oder Mitglieder der Haushaltung ihrer Familien sind, mit ihrer Zustiinrnnug. Der Znstininning bedarf cö nicht, wenn die Art der Verletzung Anforderungen an die Behandlung oder Ver- pfleg, mg stellt, denen tu der Familie nicht genügt werden kann, oder wenn der für den Aufenthaltsort des Verletzten amtlich bestellte Arzt bezeugt, daß Zustand oder Verhalten deö Verletzten eine fottgesetzte Beobachtung erfordert. 2. Für sonstige Verletzte in alle» Fällen. Weiter setzt derPara- graph seit, daß der Betriebsunternchmer als Ersatz für die freie Kur und Verpflegung der Berufsgciiossenschaft das einundeinhalbfacho des Krankengeldes zu vergüten hat und daß den Angehörigen eines Verletzten für die Zeit seiner Verpflegung in der Heilanstalt ein An- pruch auf Reifte insoweit zusteht, als sie dieselbe im Fall seines Todes würden beanspruchen können. Im Falle der Bedürftigkeit können die Bernfsgenossciischafteu dein in einer Heilanstalt untergebrachten Verletzte»' sowie seine» Angehörigen eine besondere Unter- kützimg gewahren. Auf Grund statntarischcr Bestimmung kmm diese Uiiterstützniig auch allgemein gewährt werden. Die Abgg. Albrccht„nd Genossen(Soc.) beantragen: a) im ersten Absatz zwischen„einer" und Heilanstalt cirnn- chatte»:„staatliche» oder von feiten eines Kommunal-, Kreis- oder Provinzialverbandcs verwalteten". b) in, zweiten Absatz zwischen„denen" und„in" einzuschalten: „nach dem Giftachten eines amtlich bestellten Arztes." D,e Wotte: oder ivenn"... bis...„erfordert" sollen gestrichen werden. c, im dritten Absatz(Ziffer 2) soll hinzugefügt werden:„DaS Recht der Wahl deS Kmiikenbanses steht dem Verletzten zu"; oder im Fall der Ablehnung;„Falls in einer Gemeinde oder in einem Provinzial- verband mehrere Krankenhäuser vorhanden sind, oder falls die Lage des Verletzten einen weitere» Transpott gestattet, sieht die Wahl des Krankenhauses dem Verletzten zu." ä) Folgende Absätze sollen hinzugefügt werden: „1. Nach vollendeten, Heilverfahren sowie nach teilweise oder gänzlich wieder erlangter Arbeitsfähigkeit ist die Aufnahme in eine Hcilanstatt nur mit Znstimnimig deS Verletzten znlässig." „II. Dem Verletzten steht in allen Fällen das Rech, zu, von der Bernfsgenossenschaft an Stelle der in den§8 5a und 5ä vorgeschriebenci, Leistuiigen freie Kur- und Verpflegung in einer Heilanstalt zn verlangen. Lehnt die Berufsgenossenschaft sein Ver- langen, ihm in einer Heilanftalt Aufnahme zu gewähren, ab, so hat das' Schiedsgericht auf seinen Antrag die Bernfsgenossenschaft durch cinstiveilige Verfügung zu verurteilen, an die von dem Verletzte» vezcichnete Heilanstalt für die Daner von drei Monaten Vorschuß ür die innerhalb dieser Zeit voraussichtlich ettvachsenden Kur-»nd VerpflegnngSkostcn und an die Angehörigen deS Verletzten für die gleiche Zeit die vorgeschriebenen Leistungen zu zahlen. Gegen die einstweilige Verfügung kann die Berufsgenossen- chäft innerhalb drei Tagen zu einer mündliche» Verhandtting über fteselbe vor dem Schiedsgericht laden. Ist die Ladung unterblieben oder der Widerspruch verworfen, so kann die Bernfsgenossenschaft einem von ihr zu bezahlenden Anfcifthalt deS Verletzten in der Hell- anstatt nur widersprechen, wenn eine solche Bcsicrnna in dem Zn- tand des Verhältnisses des Verletzten eingetreten ist, daß sein Auf- enthalt in einer Heilanstalt überflüssig erscheint." „III. Die in einer Heilanstalt.genommenen Verletzten ditrsrn nur solchen Beschränkungen ihrer /bläulichen Freiheit unteriumsen iverden, ivclche mit Rücksicht auf o.ueij der Heilung durchaus er- forderlich sind. Dies gilt beso' s B0U dem Recht, Besuche, auch von Aerzten, zu empfangen, zu|rei(,en, Briese, Bücher und Zeitungen zu lesen." 0 , C L MC 1 ''"hmtcii ?.'»' den abgedruckt vor dem entschiede» bittet sämtliche zu§ 7'bear� �(natI) �>v kraten abzulehnen deren SBrraS'en Abänderungen der Socmldemo- unrichtig und übertrieben Häuptlingen über die„Rentenquetschen" Heilanstalt erfolgen soll' fcic"' Öb eine Unterbringung in eine der Arzt entscheiden.''Us könne nicht der Verletzte, sondern nur Wir haben in der�' Stadthagen(Soc.): borgebracht. Unsre E'Koinmission starke Gründe gegen den Antrag und die Gutachten z�nwände stützten sich auf ausgefertigte Urteile gciiossenschaftcn düri� hervorragendsten Acrzte. Die Berufs- bestimmten Heilanlcn den Arbeiter nicht zwingen, in die von ihnen Arbeiter gegen stalten zu gehen. In der Unterbringung der Deshalb»iiisserchren Willen liegt eine nngehenre Schädigung. den Arbeiter ivir im Gesetz Borkehrungen treffen, um b>e. gegen der' zu schützen und die Beamten der Vorstände, Haus bringen a Wortlaut des Gesetzes handeln, ins Zucht >v i d e r r e ch,'. denn es würde sich dann um b e>v n ß t e und h c i t h a 11' t l i ch e E n t z i e h u n g d e r p e r s ö n l i ch e n F r e i einer B e. d e l n und da es sich hier offenbar um B e a m t Haus ls- h o r d e handelt. so würden diese dem Zucht und Un verfallen. Weshalb sollen die Arbeiter auf Gnade Unsre'gnade den Bernfsgenossenschaften ausgeliefert werden? uuricht' Behauptungen sind durchaus nicht übertriebe» und die B>g. denn es steht fest, dah durch die Art. und. Weise,.>vie stimi'.cnlfsgenossenschaften die Verletzten zwingen, von ihnen bc S t ,nite Heilanstalten aufzusuchen,„geradezu nervöse w"Nörn ngcn bei den Verletzten hervorgerufen ri�drdcn". Das spricht ganz allgemein ein Gutachten der be- Nervenärzte Jollp und v. Lehden aus, das amtlichen Nachrichten des Reichs-Versichcruilgsäillts ist. Es handelte sich um einen Prozeß, der aber Schiedsgericht natürlich zu Uiigmisten des Arbeiters worden war. Der Verletzte war in den Heil- anstalten hin- und hcrgcschlcppt»ud schließlich als Simulant erklärt worden. In dem Gutachten der beiden Professoren wird ausgeführt, dag gerade die zwangsweise Unterbringung bei Nerveliirankheiten höchst ungünstig wilil und daß der Kampf um die Rente den Kämpfenden psychisch affizicrt und Geistesstörungen hervomifen kann. Auf Grund dieses GiitächtcuL wurde dem Verletzten die volle Rente zugesprochen, deinselben, dem auf Grund der Bcobachtungen in Heil- anstalten die' Rente abgesprochen war. Die Art und' Weise, wie mit de» Leuten in Heilansialten uiugcsprungcn wird, kann direkt bewirken, daß sie durch diese Bchaudluug geistesgestört lverden. Aber wie es auch sonst noch in den Heilaiistalten aussieht, dafür können wir gleichfalls amtliche Mitteilungen des Rcichs-Vcr- sicheruugsanits anführen. Dasselbe erklärte in' einem Falle:„Der Widerspruch des Verletzten, in einer Heilaustall untelgebracht zu lverden, war durchaus berechtigt, denn diese Heilanstalt starrte von Wanzen, das Essen war geradezu jämmerlich" nsw. Was sagt Herr Lehr zu diesen amtlich konstatierten Thatsachen? Welche thatsächlicheu Behauptungen von uns sind widerlegt worden? Bei den Verletzten gelten die Heilanstalten seit Jahren nicht ols Heilaiistalten, sondern als Oniilanstalten, als Renteuguctschen. Wir verlangen, daß sie nur in staatlichen oder von seilen eines komnntualeii Kreis- oder Provinzialverbauds verwalteten Krankeichäusern untergebracht worden, denn hier ist � eine öffentliche Kontrolle viel eher möglich als in Privat- Heilanstalten. Es sind Fälle vorgekommen, in denen Arbeiter gesagt haben: lieber lasse ich die ganze Rente im Stich, als daß ich mich in einer solchen Anstalt quälen lasse.— Wir verlnugeu weiter, daß ein beamteter Arzt das Gutachten abgiebt, ob die Unter- bringung in einer Heilanstalt erforderlich ist. aber nicht, daß der Arzt der Berufsgciiossenschasten, in diesem Fall der Arzt des Prozeß- gcgncrS, darüber entscheidet.— Der Satz in der Vorlage, der von der fortgesetzten Beobachtung des Verhaltens des Verletzten handelt, ist eine schwere Beleidigung für die Arbeiterklaffe. Es wird den Ar- beitcrir damit insiimiert, daß sie die Neigung zum Simulieren haben, und von den Berufsgenossenschaften wird ja ein ausgedehnter Spitzcldicnst nach dieser Richtung hin unterhalten, es werden Uu- summe», nicht für Renten, sondern für Vigilauteu ausgegeben. Oliiriihe.) Ich stelle fest, daß während ich hier nur für die Arbeiter wichtige Dinge erörtere, ich aus dem Hause fortwährend Zeichen einer Stimmimg vernehme, die ich nur so deuten kann, als wenn die Betreffenden sagen wollen:„Was redet denn der da oben eigentlich so viel überflüssiges Zeug!"— Ich habe schon in der Kommission einen Fall angeführt, in welchem ein von der Rciiten quetsche für gesund erilürter Arbeiter von der Charitö noch als dauernd erwerbsunfähig bezeichnet worden ist. Der Abg. Stöckcr lmißte einen ganz ähnlichen Fall niitzuteilen.— Wir halten eine gut geleitete Heilanstalt natürlich für durchaus segensreich. Von diesem Gedanten sind auch unsre Zusätze geleitet. Wir wollen, daß wenn der Verletzte den Wunsch äußert, in cinerHcilaiistalt aufgenommen zu werden, er diesen Wunsch auch erfüllt bekommt und haben nur gewisse Kantelen noch angebracht, uni ihn gegen den Widerspruch der Bernfsgcnvsscn schaft in einein solchen Falle zu schützen.— Die Haltung der nationalliberalen Partei, wie sie Herr Lehr kund gegeben hat, ist mir total unverständlich. Ich hoffe, daß sie sonst im Hanse nicht gc- teilt ivird und bitte um Annahme unserer Anträge. sBeifall bei den Socialdemokraten.) Abg. Dr. Lehr snatl.): Ich habe gesagt, ein Teil der socialdemokratischen Beschwerden halte ich für übertrieben und das halte ich aufrecht. Auch der Bericht gicbt Mitteilimg von einer solchen unrichtigen und übertriebenen Beschwerde. Abg. Rösickc- Dessau swildlib.): Der Abg. Stadthagen hat die Verhältnisse in den Heilanstalten schwarz in schwarz geschildert. Gewiß giebt es llcbelstände, voll- kommen ist ja nichts, nicht einmal Herr Stadthagen selbst. (Heiterkeit.) Aber was bezweckt er mit den Beleidigungen, die. er den Berufsgenossenschaften entgegengeschleiidert hat. Er hat behauptet, die Berufsgeiiosseiischaften machten die Arbeiter zu Krüppeln, führten sie langsam zum Tode. Gewiß ist es schon vor- gekommen, daß eine Behandlung einen Verletzten noch kränker ge- macht hat. Das liegt doch aber nicht an den Berussgenossenschafteii. sondern einfach' daran, daß auch Aerzte nicht unfehlbar sind. Solche Fälle sind beim besten Willen niiverincidbnr. und wenn man allen Streitigkeiten wegen Herabsetzung oder Auf- hebiiiig der Rente entgehen wollte, so gäbe es nur ein Mittel, die Rente einfach dauernd zu bewilligen. Das aber wird wohl selbst von socialdemokratischer Seite nicht verlangt werden. Ich bin gewiß der letzte, der die Arbeiter im allgemeinen für Simulanten erklären möchte, ich habe mich des öftcrii gegen eine solche An- nahine ausgesprochen, aber es giebt doch nnbestreitbar auch unter den Arbeitern schlechte Elemente, die zum Simulieren »eigen. Herr Stadthagcn' wirft sonst immer den besitzenden Klassen materielle Interessen vor. aber hier hat er das materielle Jntcreffe der Beriifögeiiosienschaften ganz außer Jacht gelassen. Dieses liegt doch nicht nach der Richtung, die Verletzten noch kränker zu mache», sondern sie möglichst schnell gesund z» machen Herr Stadthagen hat heute so sehr die staatlichen und kommiiiialen Krankenhäuser gelobt und nur die von den Berlifsgenosscliichafleii errichteten Heilanstalten bekämpft. Die Zahl dieser letzteren ist aber ganz verschwindend. Andrerseits habe ich schon häufig socialdemökratischc Älagcu gegen staatliche Ärailkeuhäuicl gehört Wo Mißstände vorhanden find, da ist daS Reichs-VersichcriiugSaiil! eingeschritten. Die Borschlägc deS Abg. Stadthagrn gehe» aber diel zu weit. Wo lämon wir denn hin. wenn wir>cdcm in einer Heilanstalt imtraajc.' rchtcu Kranken gestalten wollten, sich noch einen oder mehrere besondere Aerzie nach dieser Anstalt komme» zu lassen? Was würde denn daS für ei» Verhältnis werde»? Herr Stadthagen, ich glaube, daß ich von diesen praktischen Dingen mehr verstehe wie Sie. Ich beschäftige mich von früh bis spät m der Praxis mit Arbeiterfragen, verkehre perfönlich mit Arbeitern und suche ihre Wünschr zu erfahren. Sie behandelitalle diese Dinge nnr theoretisch. Wie ich erfahre, wird ein Antrag bei einem späteren Paragraphen vorbereitet, wonach der Verletzte, wenn die BerufsgenosseNschäft ein neues Heilverfahren zur Erhöhung der Arbeitsfähigkeit des Verletzten vornehmen lassen will, berechtigt sein soll, Berufung mit auffchiebeiider Wirkung einzulegen. Erst wenn das Schiedsgericht entschieden hat. wird die Aufforderung der Berufsgenossenschaft wirksam. Damit sind alle berechtigten Wünsche der Arbeiter erfüllt, und die objektiven Mitglieder der socialdemokratischen Partei lverden die Vorwürfe des Abgeordneten Stadthagen nicht mehr aufrecht erhalten. Die Anträge der Socialdemokraten bitte ich abzulehnen.(Beifall bei den Natt., Centrum und rechts.) Abg. Stadthagen(Soc.): Ich kann dem Abg. Rösicke nur raten, unsere Antröge doch erst zu lesen, ehe er sie bekämpft. Wir verlangen iiilr eine solche Be- schräiikuiig der persönlichen Freiheit, die erforderlich ist zum Schutz der Heilung. Herr Rösicke bezeichnet es als niierhörte Forderung, daß der Verletzte im Krankciihans sich den Arzt selber ivähle» kann. Er persönlich hat den Arzt seines Vertraueiis imd kann sich so viel Aerzte zu- ziehen, wie er will. Herr Rösicke beruft sich auf seinen Verkehr mit Ar- bcitern und seine Praxis. Ich kann ihm nur sagen: Wo er 100 rechnet, kann ich 1000 Arbeiter rechnen, mit denen ich praktisch verkehre. Das Freimaurer-Krankeiihaiis in Hamburg giebt übrigens dem Erkrankten das Recht, den Arzt kommen zu lassen, zu dem er Vertrauen hat; � das ist eine Thatsache. Ich habe den Herrn Dr. Lehr aufgefordert, seine Behaiiptnng zu beweisen, daß wir in der Kommission unrichtige Be Häuptlingen aufgestellt hätten. Er hat sich die Sache sehr leicht ge macht. Er hat sich auf einen Bericht des Regiernngsvertreters in der Rommissioii bcrufcil, in dem es heißt. daß sich in der Erörternng über Beschwerden über Heilanstalten hcransgestellt hat, daß die Beschwerden unbcgri'mdct waren. Wie will aber Herr Dr. Lehr beweisen. daß sich diese Aenßeruiig auf unser Material bezieht? Die Herren sind offenbar in großer Verlegenheit, lind die Art und Weise, wie sie diskutieren, belveist, daß ihneii die sachliche» Gründe ausgegangeu find.(Zllstimmling bei de» Socialdenlokrateil.) Damit schließt die Diskussion, Die Anträge der Socialdemo- krate» werden gegen die Stimmen der Socialdcniokraten abgelehnt, 7 ivird in der Kommisstoiisfassiliig angenommen. § 7 a lautet in der K'onimifsionsfassung: „Ist begründete Annahme Vorhände», daß der Empfänger einer Uiifallreiite bei Durchführung eines Heilverfahrens eine Erhöhung seiner Erwerbsfähigkcit erlaiigen werde, so kami die Berufsgeiiofsen- schaft zu diesem Zivcck jederzeit ein neues Heilverfahren eintreten lassen. Dabei finden die Bestimmungen der§s ö c, 7 Abs. 1, 3, 1 Anwendung. Hat sich der Verletzte solchen Maßnahmen der Berufsgenosscn- chaft. den gemäß ß 5a Abs. 1, Ziffer 1,§§ 5c, 5d Abs. 2,§ 7, oder gemäß den Bestimimliigen der§Z 76 c, 76 d des Kranken- versichernngs- Gesetzes getroffei.en Anordnungen ohne gesetzlichen oder sonst triftigen Grund entzogen, so kaitn ihm der Schadensersatz auf Zeit ganz oder teilweise entzogen iverde», sofern er auf diese Folge hingewiesc» worden ist iuid liachgewiesen wird, daß durch sein Verhalten die ENverbsfähigkeit ungünstig becinflutzt wird. Hierzu beaiitrage» die Socialdemokraten: a) im Abs. 1 nach„jederzeit" einzufügen:„mit Zustimmung des Verletzten"; d) dein Abs. 1 zuzufügt«:„Die Aiigehörigen-lliiterstützung ist, falls der Verletzte innerhalb 2 Monaten vor der Aliordnnng des »cileii Heilverfahrens oder der Ausiiahme in der Heilanstalt Arbeit gehabt hatte, auf den Betrag des höchsten, von dem Verletzten in dieser Zeit verdienteil täglichen Arbeitsverdienstes zu erhöhen." Im Absatz 2 c) hinter„solchen" einzuschalten:„rechtskräftig gewordcueu"; nach„getroffenen" einzuschalten:„rechtskräftig geivordenen »ach„sein Verhalten" einzuschaltc»:„vorsätzlich". Abg. Müller- Waldeck(Rntist) beantragt anstatt des Worts jederzeit" im Absatz 1 zu setzen:„niit seiner Einwilligung", und tatt der Worte: öc, 7 Abs. 1, 3, 4 zu setzen:„des 8 öc".— Wenn man dem Verletzten die Entscheidung lasse, werde die Aversion der Arbeiter gegen die Heilanstalten sich verniinderu. Geh. Rat Caspar bittet den Antrag Müller ahznlehnen. Der Prozeß Kriegsheim ivird demnächst ein eigenartiges Nach- spiel erhalten. Wie uns mitgeteilt wird. hat der verurteilte Erich v. Kriegsheim gegen den Landgerichtsdirektor R 0 e s l e r, der die" Verhandlungen leitete, die Priv atklag e angestreiigt. Diese stützt sich darauf, daß der Vorsitzende im Laufe der Verhandlung mehrfach scharfe Ausdrücke gegen den Angeklagten in Anwendung gebracht habe, durch die sich dieser beleidigt fühlt. Eine für den Bergwerksbetricb wichtige Entscheidung fällte gestern daS Reichsgericht. Es handelte sich um ein Urteil des Landgerichts Essen(R.) vom 20. Dezember v. I., durch welches mehrere Beamte der Zeche„Unser Fritz" bei Wanne(Betriebsführer und Schichtmeister ec.) ivegen Verletzung der Vorschriften über die jugendlichen Arbeiter zu Geldstrafen und einige von ihnen außerdem wegen Fälschung von Schichtzetteln iind Marken- Kontrollbüchcrn z» Gefängnis verurteilt worden sind, ivährend die Mit- glieder deS Grubenvorstands. die acht Gewerken, von der gegen sie imr erhobenen Anklage der Verletzung der eben erlvähntcn Vorschriften der Gewerbe-Ordnung freigesprochen Warden sind. Die von den Verurteilten cingelegte Revision ivnrde vom Reichsgericht verworfen, dagegen hob es auf di« Revision des Staatsanwalts den die acht Gewerken freisprechenden Teil des Urteils auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. In der Begründung wurde ausgeführt: Die Boriiistanz verkennt die rechtliche Stellung des Grubenvorstands. Er ist nicht Vorsteher im Sinn der Gciver'be-Ordinnig. sondern der verantwort- liche Träger der juristischen Persönlichkeit, der Gewerkschaft, er ist den rechtlichen Vertretern völlig gleichgestellt. Das Dasein eines Vertreters ist die Bedinguiig für den Geschäftsverkehr jeder juristische» Persönlichkeit. Der Grubenvorstand trägt die strafgesetz- liche Verantwortlichkeit für das, was ans der Grube geschieht. Damit stimmt auch die Tendenz des Gesetzes überein. Wenn die reichen Bergwerksbesitzer durch Gefängnis- strafen daran criiincrt werden, daß sie für die durch ihre Fahr- läsfigkeit zu Grunde gerichteten Menschenleben haftbar sind, so hilft daS'hei manchen, dieser Herren vielleicht noch am ehesten. VevmiMtes- 6) v) Abg. Molkenbnhr(Soc,): Wir weiiden u»s dagegen, daß der Arveiter von den Berufs- geiiosseiischaftcii als willenloses Versuchsobjekt behandelt werden darf. Das fühlen auch die Arbeiter selbst und daher der Trotz gegen die Hcilanstalte». Man soll sich doch zu- frieden geben, wen» die ersten behandellideu Acrzte er- klären, ivir können de» Mann nicht ivciter bringen. Ivir könne» ihn nicht gesund machen. Unser» Antrag wegen der An- gehörigcn-Uiiterstütziiiig haben wir gerade im Jntereise eines ge- ordiictcn Heilvcrsahrciis gestellt. Wir verlangen weiter, daß der Verletzte nicht eher in die Heilansialt braucht, als das Erkeiintliis des Schiedsgerichts rechtskräftig geivordeu ist. Diese Anträge werden Sie annehiuen. muffen, lvrnii Sie dem zu einem spätere» Paragraphen gestellten Centrimisautrag auf Einführuiig der Bcnisung gegen das Schiedsgerichts-Erkenntuis stattgeben wollen. Hiermit schließt die Disknssivu. Unter Ablehiiniig aller AbändenmgSaiiträge Ivird Z 7a in der Konimissionsfassiilig a n g e n 0 m m e n. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzrnig Montag 1 Uhr.(Zweite dampfer-Subveiitioiis-Vorlage und Fortsetzung ratiliig.) Schluß 63/i Uhr._ Lesung der Post- der heutigen Bc- Budgetkommission. In der am Freitag fortgesetzten Beratung über die Müller- Fuldaschen Anträge wurde der beantragte Stempel auf Lotterielose imd Schiffahrtsurkunden von der Mehrheit der Ko»i»,ijsion an« genommen. Ein Antrag des Abg. Frese, den Verkehr in der Ost- imd Nordsee steuerfrei zu lasien, ivurde gegen die Stimnieu des Antragstellers, der Freisinnigen Volkspartei und der Socialdemokraten abgclchiit. Gegen den Stempel aus Schiffs- Fahrkarten iiahmcn gleichfalls Abgeordneter Frese und die vorgenannten Parteien Stellung, wobei Abgeordneter Frese namentlich auf die politische Seite der Sache aufmerksam machte. Man werde dadurch überall, wo Konkurrciizliiiien ftemdcr Nationalität beständen, die deutschen Linien schädigen und das Er trägiiis der Steuer sei ko gering, daß man sich dieser Gefahr nicht aussetzen dürfe. Die Abstiiiimung ergab die Ablehnung mit 12 gegen II Stimmen. Die Redaktion der sich hier alischließeiidcn AussührungSbestim« mungen nimmt den Schluß der Sitzung in Anspruch. lieber das Flottengesetz selbst wird Abg. Müller- Fulda lchrift- sich kür das Pleuum berichten. Die Steuervorlagen werden den? Abg. Paaschs zum Bericht überwiesen. Uebcr den Antrag Basse rm an n soll am nächsten Dienstaa weiter beraten werden. Die schwarze« Pocken in der Provinz Sachsen. Die „Magdeburger Volksstimine" schreibt: In den verschiedenste» Gegenden unser Provinz treten die s ch tv a r z e n Pocken ans. So werden uns heute, außer den bereits gemeldeten Fällen in W a n z- l e b e» und S ch l e i b u i tz. noch solgcude Fälle bekannt: In Quedlinburg starb ein Kind, zwei' Bnrgerfrauen liegen noch darnieder. In E i s l e b e n starb ein rnssischcr Arbeiter, der aus Erdeborn, an den schwarzen Pocken erkrankt, eingeliefert wurde. In Greußen(Sondershanseli) liegen drei Arbeiterinnen daran nieder. Die Erkraiikuiigeii kommen beinahe regelmäßig bei eingewanderten russische» Sachseiigänger» vor. Sie sollten der Regierung eine ernste Mahnimg sein, diese Arbeiter genau zu untersuchen und zu überivacheu, damit iiidst die„Rücksicht auf die Notlage der Land- Wirtschaft" in liiisrer Provinz, im Herzen Deiitschlands, eine Pocken- cpidcmie zur Folge hat. Uebcr das furchtbare Unglück in den Pleasant Valley- Kohlenminc» in Shofield(Utah) sendet der Berichterstatter der „Daily Mail" seinem Blatt einen ailSführlichcn Bericht, Er erzählt folgende Einzelheiteii des Unglücks: Das Bild des Innern der Mine ivar entsetzlich. Einige der Getöteten lagen mit dem Gesicht auf den Boden gedrückt, andre saßen in kilieender Haltung wie beim Ge- bete da. Eine ganze Familie, ein Bater mit vier Söhnen, lag zu- saminen am Boden. Zivanzig Jahre lang war die Mine bearbeitet worden und stand im Rufe, eine der besten und sichersten des Westens zu sein. Vor»och nicht fünf Wochen hatte maii eine Besichtigung dort vorgenommen und alles war als vollkommen sicher dabei bf fiiiiii-u hmriS-n TW ffritlofioii«oll in tbrcr Wirkn» fuiiden worden. Die Explosioii soll in ihrer Wirkung die furchtbastre sein, die jemals im Westen vorgekommen ist. Vor fünf Jahren fand zu Wyoming ein ähnliches Unglück statt, bei dem über 100 Menschen ihr Leben verloren, doch erscheint dieses uilbedeiltend im Vergleich zu dem jetzige», das 330 Opfer forderte, Marktpreise von Berlin am 3. Mai 1900 nach Eriiiittliingeii deS tgl. Polizeipräsidilluis. 15.1-) 15,14 15,13 15,11 >4.70 14.73 14,71 15,30 14,70 14,20 5,66 8,40 10,- 45,— 70,- 15,12 15,10 14,74 14,73 14,70 Weizen, gut D.-Ctr niiitel gering Sloggeii, gut „»Uttel„ gering Gerste, gut „ mittel„ gering Haser, gm „»liiiel gering Richiflrvh He» Erbseii Tveiiebohnen Ll»i«» Produkteniiiarkt vom 4 konnten Weizen und Roggen ihr gestriges gcschäst lag noch immer unverändert still. Kartoffeln, iicue, D-Ctr. Rindsteisch, Kcnlc 1 stg do. Baiich„ Schweinefleisch„ Kalbfleisch„ Haiiiineifleifch„ Butter 60 Stück 1 kg 14,80'' 14,30 13,80 5'20 25,— 26,- 30,- Mat 1S00. Getreide. Am Frühmarkte Niveau behaupten. Das Effektiv- Vom Auslände war wieder An- Eier Karpse» Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse »er Schock S,- 1,60 1,20 1,60 1,60 1,60 2,60 3,60 2,20 2,80 2,60 2- 1,60 3,- 1,20 12,— 5.- 1,20 1,- I,— 1,— l'Z 2,20 1,20 1,40 1,- 1,20 0,80 1,40 0,80 3.50 Gerichts- Zeitung. In Sachen Brandt kontra„Vorwärts" stand gestern noch einmal Termin vor dcrStraflanuner an. da Herr Brandt in der An- gelegenheit Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt und auch erreicht hatte, weil et den letzten Termin wegen Krankheit der- säumte. Vor dem Termin bot Herr Brandt unsrem verantwort- lieben Re da et cur cincn Vergleich an, der denn auch schließlich während der Verhandlung in folgender Form zu stände kam: Die Redaktion des„Vorwärts" erklärt, daß das Vorgehen deS Schrift- stellers Adolf Brandt gegen Herrn Dr. Lieber nicht auf un- e h r e n h a s t e Motive zurückzuführen sei. Herr Brandt zieht gebot vorhailden, auch die PreiLfordermigeu scheinen sich der RentabilitSt zn nähern, doch wurden«ennenSwette Abschlüsse noch nicht bekannt. Das Liefernngsgeschäst des Mittagsverkehrs nahm unter dem Eiliflussc deS au- haltend schönen Wetters und schwächerer Ailslalldsmeldmigeii einen etwas uiattereu Charakter an; iiameiltlich Weizen sür spätere Sichten war eine Kleinigkeit billiger zu haben, während sür Roggen die Preise ziemlich nn- veräuderr bliebe». Die Geschästsbetelllgung ivar cur ein Minimum be- lchrällit. Haicr und Mais lagen ruhig, aber fest; Rüböl still, kaum vcr- ändert.— Am Spiritusmarlte wurde 70er loco mit 49,70 utwerändert gehandelt, Weizen per 1000 Kilogramm: Märkischer 151,00 M. ab Bahn, Havelländcr— ,— M., polinscher weiff bunter— ,— M. frei Berlin, sächsischer— ,— M. ab Bahn. Ätarmalgcwicht von 151,25— 151,75, 151,50 bis 152,25—151,75. Abnahme im Mai, do. 155.05—155—155,25, Abnahme im Juli, do. 158,50—158—158,25. Abnahme im September mit 2 M. Mehr- oder Minderwert, do.—. Abnahme im Oktober. Teildenz: behauptet. Roggen per 1000 Kiligoramm: Schlesischer klamm und mit Geruch 142 M., Oderbrucher trocken— ,— M. ab Bah», Matthe schwimmender— ,— M. Nonnalgewicht 712 Gr. 150,25. Abnahme im Juli 147,75—147,50. Ab- nähme im September 145,50—145,25—145,50 mir 1,50 M. Mehr- oder Mindettvert. Tendenz: ruhig. Gerste per 1000 Kilogramm: Futtergerste,(grobe und kleine) leichte inländische 128—133, schwer? mländiichc 137—146, amerikanische 130—131. Haser. loco per 1000 Kilogramm: Feiner pommerichcr 144—152, do mittel 138—142, mecklenburgischer feiner 144—153, do. mittel 138—143, westpreuffischer feiner— ,—, mittel 138—142, märkischer—, mitlel 143, schlesischer feiner— ,—, mittel 137—141 Normalgewicht 450 Gr. 133 bi-4 134,50 auf Abnahme im Juli, 129.50 auf Abnahme im September mit 2 M. Mehr- oder Minderwert. MaiS: AnierU. mired loco 124—126 frei Wagen, 115,75 per Mai- lieferuiig 115,50—115,25 per Abnahme im lausenden Monat Tendenz: ruhiger. Mehl Wetz en m eh I: 00: 19,00- 21,50 M Tendenz: still.- Roggen mchl' ü und 1: 19,25—20,60 M. Abnahme im Juli 19,65 bis 19,60 M. Tendenz: wenig Geschäft. Rüböl sür 100 Kilogramm mit Fatz, loco— ,—, Abnahme im laufenden Monai 56,60 Abnahme im Oktober. Tendenz: ruhig «.»tttrinngeiibcrftcht uoin 1. Mai>900. niorgeus 8 Ilhr. Wetter Prognose für Sonuabend. den i>. Mai 1900. ,,., Vorwiegend heiter, bei mäßigen südlichen Winden, etwas kühlerer Nacht, seine Klage zurück und tragt die eiltstaiideiien gerichtlichen Koften., aber höherer Tagcstcmperntur; Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Die außergerichtlichen Kostci, werden gegenseitig ausgerechnet.'»eil inet Wclterdurcaw Nur dr» Jnliait der Jnscraic «idernliiiint die Redakiio» dem Publikuiu gcstciiiiber keinerlei AernulivortuiiK. Tszentrv. Sonnabend, den 5. Mai. LperuhauS. Das eherne Pferd. Anlang 8 Nkr. Schouspielhaiis. Othello. Anfang 7V- Uhr. Teutfches. Cyrano von Bcrgerac. Anfang 7>/� Nkr. Lcsfiiig. Cypriennc. Auf. 7Vz Uhr. Berliner. Berlin bei Nacht. An- fang 7>/, Nkr. Weites. Ii» Eril. Anfang 7Vz Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Anfang 7V? Nhr. Westen. Die Geisha. Anfang -r/. Nhr. Schiller. Niobe. Hierauf: Der Diener zweier Herren. Ansang 8 Nhr. Thalia. Geschlossen. Vniscii. Wildfeucr. Ansang 8 Uhr. <5cntral. Berlin nach Elf. Anfang 8 llkr. Bellc-Zllliance.§ 184. Anfang 8 Uhr. E»rl Weift. Der Minenkönig von Transvaal. Anfang 8 Uhr. Bietoria. Familie Buchholz. Vor- Tante Lotte. Anfang hc-r: 8 Uhr. Friedrich- Meyer Willielmsiädtisches. auf der Pariser Welt- Ausstellung. Ansang 8 Uhr. Mctropol. Specialitötenvorstellung. Der Zauberer am Nil. Anfang 8 Uhr. Slstallo. Specialitaten- VorsKellnng. Im Reiche des Jndra. Anfang 8 Nhr. Palast. Sdeeialitäten- Vorstellung. stlinc alte Geschichte. Anfang ' 8 Uyr. Neichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Nhr. Passage- Panostlitnin. Speciali- läleli-VvrstcNnng. Urania. Invalidenstr. 57,(IS. Täglich abends von 5—10 Nhr: Sternwarte. TanKenstrafte 48/�V. Abends 8 Nhr(im Theatersaall i„Bon den Alpen zum Vesuv" Ilm 5 Nhr nachmittags dieselbe _ Borstclliing zu erinähigten Preisen. Slhiller-Thtater (Walluer-Thentcr). Sonnabend, abends V Uhr: Xlnbe. Schwank in 3 Aufz. nach Harry und E. A. Paulton von Ost. Blumenthal Hierauf: ver IMone,- zweier Herren. Lustspiel in 2 Anfz. v. Carlo Goldoni. 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Mai, zum erstenmal: Gastspiel �nme Dlerkens. Wie um Milner fesselt. Baudevillc- Posse in 4 Akten. Musik v. Bictor Roger u. Bertrand Sänger. Belle-Alliance- Theater. §184. Schwank in 3 Akt. v. Ralph Gobbins. Anfang 8 Uhr. Morgen u. folgende Tage: 8 184. Vietorm-Thkitter. Alexanderplatz. 4, Gastspiel des echten Hamburger plattdeutschen Enseuiblcs! Kollossalcr Pachcrsolg! Familie Bnchholz. Vorher: Taute Lotte. Naot-Ttooi' früher Veen Palast, Burgstr. 22. Neu! The Verras.Slraftalrobatr'n. Neu! lieony, Tanzfängerinnen. Neu! Kayda Kicselly, Neu! Luftturner. Neu! Danaesh�old-Hatlett. Tie brillante Flammentänzerin Pritil Desiree. Iii 8% Uhr Direktor Winkler in dein so erfolgreichen Lharakterbild Elve alte VeZehlehte. Anfang 8 Uhr. Sonntags Konzert 7 Uhr. Gntrec 59 Pf. Billet-Borverkanf von 11—1 Uhr. Dehaimtiliaehmix. Montag, den 14. Mai letzte Vovstellang. (Schluh der Saison.) Abschied des gesamten Personals. Sämtliche Ehren- Vorzugskarten, Billets, Gutscheine sind zum letztenmal gültig. 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Jeden Sonulag: II a l l 1. 45lKL* Orts-KranKenIialse der l>A'SFl»!8lSF und verwandter Gewerbe. Montag. 14. Mai 1999, abends 7-8'/, Uhr: Mahl-Versammlung sämtl. groftjähriger Mitglieder in den Arminhalle». Kommandantenstr. 29, nach tz 49 des Statuts für die Abteilungen 1, 2 und 4. Für die Abteilungen 3, 5 und frei- willigen Mitglieder findet die Wahl statt in dein Lokal des Herrn Hölke, Oranicnstraße 199, Ecke Alte Jakobstraßc. Die Abteilung 3 wählt von 7 bis 7'/, Uhr, die Abteilung. 5 von 7'/, bis 8 Uhr, die srcilvilligcn Mitglieder von 8-8'/. Uhr.[849b Die Abteilungen sind aus dem Siatut H 1 ersichtlich. Es find im ganzen 15« Vertreter zu wählen, davonAbteilung 1 89 Ver- tretet, Abteilung.2= 51 Vertreter, Abteilung 4— 12 Vertreter, Ab- teilung 5— 1 Vertreter, Freiwillige Mitglieder— 8 Vertreter. AM- Für die Mitglieder legitiunert die ausgestellte Karte des Arbeitgebers, für die freiwilligen Mitglieder legiti- miert das Qnittungsbuch. Am Montag, den 7. Mai 1999, abends 7 Uhr, findet in den Armin- hallen, Kommandantenstr. 29, eine Borversammliing sämtlicher Abteilungen großjähriger Mitglieder zur Ausstellung von Kandidaten statt. Der Vorstand. I. A.: Ad. Sündermann, ElisaVeth- Ufer 5. Am Iß. Mai er. eröffnet die Lehranstalt Mektra, Prinzcnstr. 55, I zum erstenmalc einen Abend- kursus sür Werkmeister, für Glektrotechnik u. Maschinen- bau. Amneldungeu schleunigst (auchSonntags).Profpekte gratis. Wer-Aoffhat fertige Anzug«0 M.. feinste Znthaten, saubere Arbeit, zwei Anproben. 4547L* !!! Ghne KonIniiTenz!!! !!! Tadelloser Silz!!! Anzug- Reste, Poletot- Reste spottbillig. Verkaufe fast jede» Stost biNiger alS Fabrikmufter-Kollektion. Herren- Hehleldnng Brunnenstrafte Rr. 00, park. .. 2 IHafk, Reelle Garantie— Teilzahlung. Reparaturen in« Stunden. plornblaran 1,00.— Zahnralnlgan. Zahnziehen wirklich schmerzlos. Sprechstund. 8—8, Sonntags 8—4. 0} Uattit« Blnmenftr.«5. J».-vUllHl, Ecke Markusstraße. Zahlstelle I Berlin Putzer. Sonntag, den 0. Mai. vormittags 11 Uhr. in den„Armiiiftallen" Kommandantenstrafte«0: Mitglieder-Versammlnng. Tagesordnung: 1. Der Arbeitgeberbund und die Streikklausel im Baugewerbe. 2. Verschiedene Vereinsangelegenheiten. 134/7 I. A.: P. Schnitz. Deutsch. MetalTarbeiter-Verband Verwaltnngsstelle Berlin. Burea«: Engel-Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Montag, de» 7. Mai. abends 8'/2 Uhr. im groften Saale des Dewerhsehaktshanses, Engel Ilfer 15: Allgemeine Vertrauensmänner-Versammlang. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Achtung! Hohrleger nnd Helfer! Am Sonntag, den 9. Mai, vormittags 19 Uhr, finden in allen Bezirken Morgrusprachen statt. 112/16_ Die Ortsverwaltnng. Verband der in Buchbindereien, der Plip�er- und Leder- Galanteriewaren-Industrie beschäst. Arbeiter imd Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Dienstag, den 8. Mai, abends 8V2 Uhr, bei Feuerstein (oberer Tool), Alte Jakobstraste 73: Anßmrdtntl.GkNtralvtrsamm!nng. Tagcs-Ordnung: 1. Wahl des Berbands-AuSschnsseS. 2. Bericht der Delegierte» vom BerbandStag. 3. Festsetzung der Geschäftsstnndcn für den Arbeits- Nachweis.' 4. Äerbastdsangelegenheiten. Um vollzähliges und pünltiiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Die Ortsverwaltnng. Die'noch'ausstehenden Billets vom Stiftungsfest sind bis spätestens Sonnabend, den 1«. Mai. abzurechnen, widrigenfalls die Restanten veröffentlicht werden._____ 24/3 Verein der Maschinisten, Heizer und Berufsgen. Berlins nnd Umgegend. Am Zonntag, den 0. Mai, nachmittags 5 Nhr, in Cohns Festfälcn, Beuthstraste Nr. 20: (l'lcttot.ol-Dctl'cttNlttlung Tagcs-Ordnung: 1. Kasienbericht. 2. Bericht der Revisoren, sowie des Delegierten vom Berbandslag in Nürnberg. 3. Bericht des Vergnügungskoinitees von der „Urania" nnd Stiftungsfest. 4. Anträge. 138/9 Mitgliedsbuch legitimiert._ Der Vorstand. W Einsetzer. Sonntag, den 6. Mai 1900. vormittags 10 Uhr. bei Herzberg, Alte Jakobstrafte 75 WP' T e r s a m m 1 u 11 g. Bericht über die Berhandlungen der Achtzchncr-Kommissio». Zahlreiches Erslhcinen erwartet Die Kommission. Achtung! Achtung! Glektromontenre. Sonnabend, den 5. Hai, abends Sl/2 Uhr IM- V ersanimlnngf Im Restaurant P. Hummel, Sophienstr. 5. Tages-Ordnnüg: Bortrag des Kollegen F. Abraham über Zweck der Organisationen. Aufnahme neuer Mitglieder. Verbands-Angelegenbeiten. Um regen Besuch bitlet[267/7j_____ Der Vorstand. Verband der Möbelpolierer. Montag, den 7. Mai, abends 8'/� Uhr Versamttilung in Rixdorf Hermannstrasse 107. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Genoffen Eonrad über Konsum- genoffenschaften. 2. Diskussion. 3. Bericht des Delegierten zum hiesigen Aewerkschaftskartell und Neuwahl desselben. 4. Verschiedenes. 146/14 Folgende Kollegen haben ihre Stretklistcn noch nicht abgerechnet: KochlowSki. Dunckerstr. 3; Rcinh. Röpke, Pallifadenstr. 49; Hugo Bleile. Rixdorf, Tyomassir. 8. Der Vorstand. J. Brünn �Bahnhof Börsej Harkescher Markt 4 Wegen Dtmtiaa meiner Geschäftsräume gelangen große Lager- bcstnnde meiner 4972L� L'cpptchc! tnZii'tliucu? StcppÄcchci»! I'ui'ttci'cu l Tischzeug! Handtücher! Fertig© Wäsche! fehr billigen Preisen zum Ausverkauf!! ivievaumdiüteinAerder Einzig in ganz Ientslbland! Enkzückendo Aatuvschönheik! wm Vo» Dttttfrndrn besuiLit. m Jetzt In voller Pracht. Täglich Eztrazüge und Extradampter.■HBMBMMMMHMMaaHMBMBMi IUI �Warenhaus J �Wertheim Berlin, Leipzigerstr. 1321133. Bosenthaierstr. 27129 und 54. Oranienstr. 53154. Knaben-Garderobe. 5 E=• P'■ I �?s:o5ä5!aSr,iiSB??; of io5** r'l E'gS-l-lil �3:= 5?2 5�S-=-rcH53 N cqp � gS.a.-s v> Ii Schaltze, IVasnertliorstf. 1/3, I. Bchaudlmig aller Haut-, Haru- und Blaseuleidcu uhue jegliche Berti isstLrung� SS73l-» Sprechstunden V~2 u. 5—'J. Tonncrötagvorinittag keine ___ Sprcdiflunbe. PM- Bei Bor,eigilNg der ö-ervandSlarte IV Proz. Fahrräder drlnia deutsche Fabrikate fl «'.? Teilzahlung. W. L. 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Josef Schrener, Hvilmannstraste 17. s370b Im ArbeiiSmarki durch besonderen Druck hervorgehobene Ziuzeige» tosten 40 Pf. pro Zrile l eventuell mit Schachtmeister, finden dauernde-Accordarbeit beim Deichbau im Friedrichskoog(Holstein) bei gutem Lohn«Mk. 3.50—4,00 und höher). Reisegeld wirb gegen Koiitrakt vor- geschossen. Meldungen an die Unter- zeichneten. slS/S- FriedrichskoogtHolsteiii) 27. April 1900. Sübr& Hüter. MtW! klassMstt! J» der Gloßfchleiferei von Oktt- mann, Brandonburgstr. 6, hoben sämtliche Kolleg«« die Arbeit nieder- gelegt Die Werkstatt ist streng zu meiden. 055b Ol« OrUverwaltung. Gin Expedient, der befähigt ist, selbständig in der Redaktion zu arbeiten, auch bereit ist, verantwortlich zn zeichnen, wird für ein dreimal wöchentlich er, scheinendes Parteiblatt für sofort gesucht. Meldungen mit Gchaltöansprüchen werden erbeten an II. l-lude, Königsberg Pr, Knochenftr. 32. Verantwortlicher Redacteur: Paul John m Berlin. Für den Jnferalenteil perankwortlich:»h.«locke in Berlin. Druck und Verlag pon Max Babing in Berlin. ?t. fos. i7. Mm*. 2. leildjje des„Nmlilts" Kerllktt WlksblM. s-"--»--!.. Z. U°i 1000. Die Wahl im 3. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Unser Bericht über die Verhandlung deS Reichstags am i. Mai konnte die Debatte betreffend die Wahl des Abg. Dr. Zwick nur sehr kurz wiedergebe». Wir bringen diese Debatte heut ausführlich »ach dem stenographischen Protokoll. Präsident: Wir gehen über zur Wahl des Abg. Dr. Zwick ff). Berlin). Berichterstatter ist der Herr Abg. Fischer(Berlin). In der eröffneten Diskussion verzichtet der Herr Berichterstatter. Das Wort hat der Herr Abg. Fischbeck. Fischbrck: Meine Herren, ich habe mich als Korreferent in der Kommission im Gegensatz zu der Ansicht deS Referenten für die Gültigkeit der W a h l und gegen die Beanstandung ausgesprochen, weil ich der Meinung war, dost alle diejenigen Punkte des Protestes, die irgendwie relevant sind, nicht die Bedeutung haben, dost diese Wahl deswegen für ungültig erklärt werden könnte. Selbst wenn alle diese relevanten Behauptringen, über die Bewcisanstiahnre beschlossen ist, wahr sein sollten, dann reicht das immer noch nicht hin,_ nm die Mehrheit für den Kandidaten Dr. Zwick zu erschüttern, abgesehen von dem einen Punkt, den ich allerdings im Gegensatz zu der Kommission nicht für relevant gehalten habe. Es bezieht sich das auf den 10. Punkt des Berichts, in welchem behauptet ist, daß in einem Wahlbezirk die Wahlhandlung nicht nach Vorschrift des Reglements durch den Vorsteher eröffnet worden ist. Mernes Erachtcns liegt darin eine so wenig positive Behauptung, daß ich nicht recht einsehen kann, wie man hier zu einer Beweisaufnahme komnrt. Es wird nur behauptet, der Vorsteher hat die Wahl nicht eröffnet. Ja, das braucht er ja gar nicht; es kann ja eben so gut der Stellvertreter die Wahl eröffnen; es ist damit dem Reglement vollständig Genüge geschehe». Man hat aber in der Kommission der Behauptung des Protestes eine andre Deutung gegeben, indem man annahm.' es wurde be- bauptet, daß die übrigen Vorschriften des Reglements in dem in Betracht kommenden Paragraphen nicht erfüllt seien. Ich halte diese Auffassung noch dem Wortlaut der Proteftbehanptung für falsch, will aber Widerspruch dagegen nicht erheben, daß die Beweiserhebung hierüber beschlossen wird. Weshalb ich mich zum Wort gemeldet habe, ist. um Verwahrung gegen einen ander» Punkt einzulegen. Die socialdemokratischcn Protijtcrheber haben in Nr. 20 gesagt, sie lehnten cS ab, die That- wche zum Protest zu benutzen, daß 42 als Hospitalitc» und Almofen empsänger bezeichnete Personen das Wahlrecht ausgeübt haben. Man spricht die Meinung aus, dag der Unterhalt dieser Personen aus Staats- oder Gemcindemitteln bestritten werde, fügt aber hinzu, es widerspräche dem socialen Empfinden der Protcst'erhebcr. von diesen Dingen Gcbrarich zu»lachen. Die Kommission hat ielbnverstandlich der Meinung Ausdruck gegeben, daß eine solche Verwahrung der Protestcrhebcr keine Bedeutung für sie haben konnte, und hat, da einmal die Sache erwähnt ist, von sich aus Beweiserhebung beschlossen, indem sie die Wahllisten die daraufhin prüfen lictz, ob diese Behauptung sich richtig verhält. Selbst wenn nun aber die Behauptung ricbtig ist. dast 42 Hospitaliten gewählt hätten, so würde das nicht ohne weiteres nach meiner Ansicht de» Zweifel rechtfertigen ob diese Hospitaliten aus öffentlichen Mitteln Unterhalt empfangen oder aus öffentlichen Mittel» unterstützt werden. Die Protc'sterhcber haben allerdings gesagt, daß Staats- oder Gcmeindcinittcl für die Hospitaliten aufgeivendct scicn. Irgend ein Beweis dafür ist nicht erbracht ivorden. Ich bin der Meinung, daß, wenn die Kommission ex officio die Wählerlisten darauf prüft, ob Hospitaliten gewählt haben, ein gewisser Anhaltspunkt wenigstens dafür gegeben werden muß, daß diese Hospitaliten Unter- stutzung aus öffentlichen Mitteln erhalten haben: denn mit dem Hospitaliten ist doch nicht ohne weiteres der Begriff der öffentliche» Unterstützung verknüpft. Meine Herren, wenn man den Grundsatz aufstellen ivollle, daß ex officio hier in Berlin alle Leute in den Wählerlisten beanstandet werden, die als Hospitaliten bezeichnet werden, dann können wir sehr leicht dahin kommen, daß in zahl- reichen Fälle» bei kgappen Majoritäten Wahlen beanstandet werden: denn wir haben in Berlin sehr viele Hospitäler. Auch», dem vorliegenden Fall weiß ich positiv, daß bei den Hospitaliten, die hier aufgeführt sind, soiveit meine privaten Beiveiserhebungen reichen, der Zweifel an der Wahlberechtigung gar nicht m Betracht kommen kann. AIS die Konnnission der Beschluß faßte, die Listen daraufhin revidieren zu lassen, ob wirklich Hospitaliten gewählt hätten, ivar sie der Meinung, es seien Insassen des in diesem fünften Wahlkreis gelegenen öffentlichen städtischen Hospitals gemeint. DgS ist aber nicht der Fall. Es hat sich ergeben, daß die Insasse» dieses Hospitals überhaupt nicht gewählt haben. Nun hat man aber ohne iveiteres solche Leute, die als Hospitaliten bezeichnet find, aufgeführt. Da ergiebt sich z, B., daß bei dem größten Teil dieser Leute in Betracht kommt das katholische Hedivigsstift in Berlin, in ivelches nian sich eiukanst gegen eine bestimmte Summe, und ich meine, daß solche Leute doch nicht ohne weiteres als Alniosciiempfänger hingestellt werden könne», und auch nicht einmal ein Grund dafür vorhanden ist, die Vcrmntung auszusprechen, daß sie aus öffentlichen Mitteln in diesen Häusern iintcrhallcn werden. Meine Herren, ich ivill auch hier keinen Widerspruch dagegen erhebe,,, daß Beweiserhebung stattfindet; aber ich möchte Vor- Wahrung für die Zukunft aussprechen, daß wir dahin kommen, bei Hospitaliten stets den Zweifel aufzustellen, ob die Leute nicht aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Dann ist diese Liste auf Seite 8 noch ans andern Gründen an- fcchlbar. Der Herr Referent hat sich offenbar bemüht, die 42 Personen, die der Protest erwähnt, ausfindig zu machen. Da find nun an de» beiden ersten Stellen verzeichnet Gerosch, Arbeiter, und Mintel, Arbeiter; in den Liften hat gestanden„Almosenempfänger", der Beamte hat das Wort durchstrichen und„Arbeiter" darüber geschrieben, er ist selber zu der Ueberzeugung gekommen, daß fie keine Almosenempfänger sind. Wie kann nun der Reichstag dazu konnuen. darüber ex officio Beweis zu erheben beschließen, ob diese Leute nicht etwa Almosen empfange» haben. Dann, meine Herren, betreffend das Haus Oranienburgerstr. 31, in den, sich das Hospital der jüdischen Gemeinde befindet, hat man sogar darüber, ob der Inspektor dieser Anstalt, der von der jüdischen Gemeinde bezahlt rvird, nicht Almosenempfänger sei. BelveiS beschlossen. Wie kommen wir dazu? Dann ist noch ein Wähler darunter, der überhaupt nicht gewählt hat. Warum über diesen Erhebungen gemacht werden sollen, sehe ich nicht ein. (Zrinif.) — Jawohl, der Mann hat sicki bei der Stichwahl überhaupt nicht > leiligt. Meine Herren, man hat überhaupt gesucht, diesem Protest, ler gegen das sociale Empfinden der Protesterheber eingereicht ist, entgegen zu komme», indem man möglichst viele Personen in den Bericht hineingenommen hat. Ich meine, daß daS doch nicht in zu« lässiger Weise geschehen ist, und lege Verivahrung dagegen ein, daß snr die Zukniift daraus Schlüsse gezogen werden können. Präsident: Da� Wort hat der Herr Abgeordnete Singer. Singer: Meine Herren, es wird Sache des Referenten sein, auf die Vor- würfe zu antworten, die der Herr Vorredner gegen die Wahl- prüfungskoirunission und gegen den Referenten erhoben hat. und die darin gipfelten, daß er dem Referenten vorwarf, bei der Abfassung des Berichts nicht objektiv gewesen zu sein, sondern— ohne vor- hcrige Prüfung— dem Protest entsprechend alle Hospitaliten als nicht wahlberechtigt bezeichnet hat. Ich möchte das dem Vertreter der Kommission überlassen und nur auf die sachlichen Bedenken, die Herr Abgeordneter Fischbeck gegen den Antrag der Kommission hat, eingehen. Zunächst glaube auch ich, daß, nachdem es einmal durch Gesetz feststeht, daß jemand, der aus öffentlichen Mitteln Armew Unterstützung bekommt, nicht wahlberechtigt ist, die Wahlprüfungs Kommission gar keine Veranlassung hat, auf eine nebensächliche Be merkung der Protesterheber Rücksicht zu nehmen. Die Wahlprüfungs Kommission mußte in demselben Augenblick, wo ihr gegenüber unter Nennung von Namen und Zeugen behauptet wurde, es haben sich Leute an der Wahl beteiligt, die nicht wahlberechtigt sind, eine Beweiserhebung über diesen Punkt beschließen und hatte gar keine Veranlassung, die gesetzliche Vestimmung selbst einer Erörterung zu unterziehen. Im übrigen möchte ich doch daran erinnern, daß in außerordentlich viele» Fällen von den gegnerischen Parteien — auch von der des Herrn Fischbeck— die Thatsachc, daß jemand, der Armenunterstützung empfängt, gewählt hat, als Grund zur Kassierung seiner Stimme angesehen wird, und daß in zahlreichen Fällen sich diese Entscheidungen gerade gegen diejenigen Wahlen ge richtet haben, aus denen meine Partei als Sieger hcrvoo gegangen ist. (Sehr wahr l bei den Socialdemokraten.) Ich meine also, auch von diesem Gesichtspunkte aus geben wir gar keine Veranlassung, in dem vorliegenden Fall anders zu prozedicren. Ich wiederhole also, daß der Wahlprüfmigs-Kommission nicht der geringste Vorwurf daraus zu machen ist, daß sie Erhebungen über diesen Protestpiinkt beschlossen hat. Ob nun die Ansicht, die Herr Kollege Fischbcck in der Sache über diesen Punkt aussprach, zutrifft, das wird die Beweiserhebung ergeben. Im übrigen hat der Herr Kollege aber nicht recht, wenn er sagt, bei Hospitaliten findet eine Unterstützung ans öffentlichen Mitteln nicht statt. Herr Fischbeck meint, die Leute sind nur in dem Hospital, iveil sie sich dort ein- gekauft haben. Das wird gelviß in vielen Fällen richtig sein; aber in ebenso vielen Fällen ist es auch richtig, daß solche An stalten ans Gemeinde- oder öffentlichen Mitteln erhalten werden zu dem Zweck der Beherbergung verarmter Leute. In solchen Fällen sind die Insassen der Hospitäler als ans öffent lichc» Mitteln Unterstützte anzusehen nnd daher nicht wahlberechtigt. Ob das hier bei allen angeführten Personen zutrifft, kann ich aller- Vings im Augenblick nicht' sagen. Ich meine aber, eS ist doch zu viel verlangt, wenn der Herr Abgeordnete Fischbcck der Wahl- prüfnngskoinmission zumutet, was er zu seiner Information gethan hat, nämlich eine Privatenqucte darüber zu veranstalten, ob alle im Wahlbcricht benannten Personen als Almosencmpfängcr anzusehen sind. Hierzu wird ja die Erhebung beantragt, nnd die Wahl- prüfungs-Kommission hatte nnr dafür zu sorgen, daß der Reichstag von unanfechtbarer Stelle eine diese Frage erschöpfende Anskirnft bekommt. DaS aber ivird durch den Antrag der Kommission veranlaßt. WaS nun den hauptsächlichsten Protestpiinkt anbetrifft, so scheint inir der Herr Kollege Fijchbeck diesem Punkt nicht genügende Würdigung zu teil werden.zu lassen. Er»icint, die Frage, ob eine Wahlhandlung entsprechend den Bestimmungen deS Reglements ordnungsmäßig eröffnet worden ist oder nicht, sei von keiner Be- dcntnng. Das ist aber ein Irrtum. Die Eröffnung der Wahlhaiidlung nnd mit ihr die Verpflichtung der Wahlbeamten ist durch das Wahl- rcglcmcnt festgesetzt nnd gehört zu den Erfordernissen einer rechts- gültigen Wahl. Auch möchte ich den Herrn Kollegen Fischbcck darauf aufmerksam machen, daß es sich nicht darum handelt, wie er anziinchmen scheint, ob an Stelle des Vorsitzenden der Stellvertreter die Eröffnung vorgenommen hat. sondern dartnn, ob die Wahl- Handlung nach den gesetzlichen Vorschriften ausdrücklich eröffnet ist, und wenn Herr Fischbcck sich auf den Wortlaut de? Berichts beruft, so mag im Bericht vielleicht kein glücklich gewählter Ausdruck stehen; jedenfalls kann aber der Bericht nnr den llnntand im Auge haben, daß die Wahlhandlung thatsächlich nicht eröffnet worden ist, und hierüber Beweis hat erheben wolle». Das Gesetz schreibt ja nicht vor, daß der Vorsteher in Person die Wahlhandlung eröffnen muß. Der Stellvertreter ist in dem Augenblick, indem er amtiert, derjenige, der die Rechte nnd Pflichten des Vorstehers ausübt. Zu einer ordnnngs- mäßig vollzogenen Wahl gehört die Eröffnung der Wahlhandlung, nnd weil dicfc nach dem Protest nicht stattgefunden haben soll, bat die Kommission recht gethan, auch diesen Protcstpniikt zum Gtgcn- stand einer Beweiserhebung zu machen. Es wird den Herrn Kollegen Fischbcck übrigens interessieren, wenn ich ihm mitteile, daß nach Aussage von Ohrcnzcngcn auch Mit- glieder seiner Partei in jenem Wahlkreise nicht der Meinung sind, daß eine Eröffnung der Wahlhandlung in dem betreffenden Wahl- bezirk stattgefunden hat. Ich kann dem Herrn Kollege» Fischbcck mitteilen, daß in einer freisinnigen Wahlvcrcins- Versammlung, die kurze Zeit. nachdem der KommisfionSbericht in der Presse bekannt geworden, im fünften Wahlkreise stnttgesunden hat. nnd a» welcher Herr Kollege Ztvick lcllgcnonimen hat, ein Mitglied des Vorstands dieses Vereins sich dahin geäußert hat, daß der Wahl- Vorsteher, um den es sich handelt, der Herr Ehrenbcrg selbst auf Befrage» zugegeben habe, daß er die Wahlhandlung nicht eröffnet hat, und dciß auch sein Stellvertreter, der Herr Franke, sich nicht mehr erinnern könne, die Wahlhandlung eröffnet zu haben. DaS referierende Vorstandsmitglied hat enge Beziehungen z» den beiden Wahlvorstehern, und ich meine, gegenüber diesem Vorgang Ivird es auch der Herr Kollege Fischbcck' begreiflich finden, daß die Wahl- prüfungs-Kommission Wert darauf legt, über die Richtigkeit der Protestbehanptnng Beweis zu erheben. Es ist auch nicht richtig, wenn der Herr Kollege Fischbcck meint, daß die Frage nur deswegen nicht relevant sei, weil— die Richtigkeit der Behauptung vorausgesetzt— an dem Resultat nichts geändert wird. Das ist falsch. Wenn die Behauptung, die in Punkr 6 deS Protestes aufgestellt ist, zutrifft und die in diesem Wahlbezirk ab- gegebenen Stimmen für ungültig erklärt werden müsse», dann ver- ändert sich das Wahlresnltat. Wenn man aber annimmt, daß eine Wahl nur dann gültig ist, wenn die Wahlhandlung ordnungsmäßig eröffnet ist, dann müssen, falls dies nicht geschehen', diese Stimmen kassiert werden. Wen» das nun in dem vor- liegenden Fall geschieht, dann stellt sich die Sache nach dem Bericht folgendermaßen: In dem betreffenden Wahlbezirk sind von 609 cingcsckiricbenen Wählen, 461 Stimmen abgegeben worden Von diesen 461 Stimmen hat bekommen der Herr Zwick 330 Stimmen, der Gegenkandidat 131 Stimmen. Es ist also in diesem Wahlbezirk eine Majorität von 200 Stimmen für den Herrn Kollegen Zwick herausgekommen. Wenn die Wahl aber in diesem Bezirk kassiert wird, so hat der Herr Kollege Zwick nicht mehr die Majorität der gültigen Stimmen, weil er nur mit einer Majorität von 47 Stimmen gewählt ist. Herr« Kollege Fischbeck sieht also, daß dieser Protestpunkt außerordentlich relevant ist. nnd daß es nur darauf ankonunt, durch Beweiserhebung festzustellen, ob die Behauptung richtig ist. Je nach den, Ausfall der Beweiserhebung wird dann in der Sache zu be- schließe» sein. Ich kann nach alledem nur bitten, für die Anträge der Wahl- Prüfungskommission zu stinimen. Präsident: Das Wort hat der Herr Abgeordnete Dr. Spahn. Dr. Spahn: Meine Herren, der Herr Abgeordnete Fischbeck hat in seinen letzten Ausftihrungen Bemerkungen eingeflochten, die dahin verstanden werden konnten, als ob er dein Herrn Rcfe- renten der Kommission einen Vorwurf daraus macht, daß er die Feststellung sämtlicher Personen, die in dem Wählerverzeichnis als Hospitaliten aufgeführt sind, als Almosenempfänger ansehe, und daß zur Beweiserhebung verstellt habe, ob ihnen aus öffentlichen Mitteln Armenunterstützung gewährt werde. Ich glaube, dieser Vorwurf ist unbegründet. Nachdem einmal im Protest angeregt war, daß unter den in den Wählerlisten verzeichneten Personen solche seien, die Armen- Unterstützung empfingen, war es meines Erachtens Pflicht der Kommission, dieser Behanptung näher zu treten und fest« zustellen, wie viel dieser Hospitaliten Armenunterstützung be- zogen. Von der Kommission kann man nicht verlangen, daß sie werß oder aus dem Adreßbuch ermittelt, welches das Armenhaus fei, das die Unterstützung gewährt, ob es konfessionelle oder städtische Anstalten sind, da sie ans diesen Thatsachen die Qualität der Unterstützung doch nicht entnehmen kann; dazu ist die Beweis- erhebung nötig. Nim hat der Herr Referent auch richtig gehandelt, wenn er in der Anssnchung dieser Personen möglichst iveit gegangen ist. Die Majorität von 47 Stimmen. die für den Herrn Abgeordneten in Frage kommt, ist so gering, daß es im Fall der Kassierung auf die eine oder andre Stimme ankommen kann. Es ist also Pflicht des Herrn Referenten gewesen, Beweisaufnahme in möglichst weiten, Umfang zu veraniassen. Eine Verletzung liegt für keine Person darin, daß, wenn sie in der Liste als zum Hospital gehörig ver- zeichnet ist, die Polizeibehörde gefragt wird, in welchem Verhältnis zur öffentlichen ArmennnterstLtzinig sie sich befindet, und der Polizei erwächst ans der Auskunft über 2 bis 3 Personen mehr keilte weitere Arbeit. Präsident: DaS Wort hat der Herr Abgeordnete Fischbcck. Fischbeck: Wenn der Herr Abgeordnete Singer auf meine Bemerkungen im einzelnen gehört hätte, so würde er sich wahrscheinlich den größten Teil seiner AuSfühnmgei, haben ersparen können. Das Rechencxemp'cl, das er mit dem einen Wahlbezirk anstellte, halte ich. für richtig, habe es auch in keiner Weise angefochten. Ich ftehe aber auf den, Standpunkt, daß die Proteste nach Maßgabe der deutschen Sprache gelesen werden müssen, nnd daß der Protesterheber hier etwas behauptet, was ganz irrelevant ist. Wollte er behaupten, was Herr Singer ausgeführt hat, so hätte er etwas andres sagen müssen. Dann habe ich durchaus nicht erklärt, daß die Hospitaliten inuner Leute seien, die sich selbst einkaufen: ich habe ausgesagt, inan darf nicht ans der Bezeichnung„Hospitalit" allein annehmen, daß in jedem Fall ein Zweifel besieht, ob der Mann nicht ans öffentlichen Mitteln unterstützt wird. Das ist hier ex officio geschehen, und wir können in Zukunft, wenn jeder, der in der Liste als Hospitalit be- zeichnet ist. beanstandet wird, dahin kommen, daß jedesmal der Referent die Listen prüft nnd sagt; hier steht ein Hospitalit ver- zeichnet; wir»nissen die Wahl dieser Leute anfechten; daß das Praxis und Regel wird, dagegen habe ich mich verwahrt. Präsident: Das Wort wird nicht weiter verlangt; die Diskussion ist geschlossen. Der Antrag der Wahlpriifnngskommissioi, ist nicht angefochten; ich darf daher wohl auch hier annehmen, daß das Haus dem Antrag auf Nr. 667(Beanstandung der Wahl, Erhebungen über die be- fprochenen Prolcstpnnkte.) der Drucksachen beitritt.— Da niemand widerspricht, ist dies der Fall. VaKsiles. Der Fall Kofchemaun verdient»ach allem, was bisher bekannt geworden, in den gesitteten Kreisen deS deutschen Volks zum mindesten das Interesse, daS dem F a l l Z i e t h e n die Jahre hindurch entgegengebracht worden ist. Immer weitere Schichten der Bevölkerung macheu sich mit dem Ge- danken vertraut, daß K o sch c m a n n n n s ch u l d i g i m Zu ch t- Hanse sitzt, daß in der unter so bezeichnenden Umständen statt- gehabte» Sckßvurgerichts-Verhandlung im April 1897 ein schwerer Justizirrtum, begangen wordcn ist. In einem hiesigen Blatt werden verschiedene Briefe»nd Mit- teilnngc» veröffcntlicbt. die Koscheinan» an Verwandte, sowie an seinen Verteidiger gerichtet hat. Am 12. September 1397, also wenige Woche» nach der lieber- sührung in dsS Zuchthaus zu Sonnen b» rg, schreibt Koschcmann an seine Eltern:..---- Ich kann es nicht begreifen, wie man i» Deutschland, dem Land der Gottesfurcht und frommen Sitte, wie Heinrich Heine sagt, etwas Derartiges begehen konnte, daß man einen unschuldigen Menschen ohne Beweise dem Zuchthaus überliefert: ich bin der Meinung, wenn es einen Gott im Himmel giebt, der die Gerechtigkeit sein will, so hätte er dieses nicht zulassen dürfen." lind weiter:„-- Das einzige Verbreche», das ich be- gangen habe, ist, daß ich von dem von Euch in Liebe gelehrten Weg abgewichen nnd ein Freigeist geworden bin. Oft erscheint eS mir, als ob wir einige hundert Meilen weiter östlich gerückt ivären. Ich glaube, die'Inquisition und H e x e n p r o z e s s e des Mittelalters können verhältnismäßig nicht viel anders gewesen sein. Meine Geliebten! Die Hoffnung ist mein Anker; daS g u t c G c iv i s s e n u n d d i e Z u v c r s i ch t ans baldige Er lö hing hält m i ch aufrecht. Wenn ich das nicht hätte, so müßte ich verzweifeln. Ich bin der Meinung, daß sich die Sache bald anstlärcn ivird, da sich neue Spuren gefunden haben." Das letzte Schreibe» KoschemannS ist vom IS. April 1900 datiert nnd an seine Verteidiger gerichtet. AuS dem umfangreichen Schreiben geht denlich hervor, daß Äoschemanu wieder frischen Lebcnslnlit faßt»nd eine Wiederaufnahme des Verfahrens für un» mittelbar bevorstehend hält. Am Schlüsse enthält daS Schriftstück eine Mitteilimg. die geradezu sensationell ist, nnd in der nächsten Zeit wohl noch öfter besprochen ivcrdcn ivird. Koscheinan» schreibt: „Anfang Januar dieses Jahres(1900) erschien ein Herr, den ich vorher hier noch nicht gesehen hatte, in meiner Zelle. Er stellte derartige Fragen an niich, daß ich mick veranlaßt sah, zu er- klären, daß seine Fragen Polizci-Fragcu sind, nnd ich derartige Fragen nicht bcantworle. Nachträglich erfuhr ich, daß dieser Herr, den ich wegen seiner inquisitorischen Fragestellung für cinen Polizci-Agcntcn hielt, ein angehender Strafanstalts- Beamter ist, der sich drei' Monate lang zur Ans- bildnng als Oberbeanitcr hier befindet. Längere Zeit nachher erhielt ich durch Zufall Kenntnis, daß dieser Herr von Beruf ein Feuer- iverker sei und zugleich ein sehr intimer Freund von Krause, dem S o h» des Polizei-Oberst Krause aus erster Ehe ist. Wie Ihnen ans den Akten wohl bekannt ist, stand dieser Herr Krause junior ebenfalls iin Verdacht der That; auch er ist Feuerwerker. Man nimmt an, daß ein Feuerwerker die Sprengkiste konstruiert habe. Krause hat noch in Fürstenwalde, von iv o die S p r e n g k i ft e abgeschickt ist, ein Liebessverhältnis mit der Tochter eines Droschkenkntschers. Die Mutter des Krause ist die geschiedene Frau deS Polizei- Oberst Krause erster Ehe, die wegen Ehebruchs geschieden ist. Der Schluß des Schreibens an die Verteidiger lautet: Versuchen Sie zu meiner Befreiung alles, was in Ihren Kräften steht, denn es handelt sich um Le b en un d Fre ih eit eines unschuldig Bern rtei.lt en."_ Der Einzug deS Kaisers von Qestrcich, der gestern vor- mittag programmmäßig vor sich ging, hatte, wie zu erwarten war, eine große Menge Neugieriger auf die Beine gebrächt. Schon am Donnerstag fluteten Tallsendc die Linden entlang, nnr sich die auf städtische Kosten errichteten Werke der DekoratioiiSkmist anzuschaueu. Am Pariserplatz flaute sich die Menge, denn der Platz selber war für daS Publikum gesperrt. Gestern war der Andrang natürlich noch stärker, wenn auch keineswegs umfassender als bei früheren Gelegenheiten ähnlicher Art. Bürgerlichen Blättern zufolge schwelgt die Berliner Bevölkerung wegen des Hoffeftes allerdings' im patriolischen Jubel- rausch. So etwas zu schreiben ist natürlich Thorheit. Der Bürgers- mann, der Vicht in der Sorge zu leben braucht, daß er gcmaßrcgclt wird, wenn er sich einen freien Tag macht, war von allen Seiten der Stadt und nicht minder ans den Bororten herbei. geströmt. Desgleichen die Schulkinder, die eigens zu diesem Zweck vom Unterricht dispensiert worden waren. Wo es etwas umsonst zu sehen giebt, strömen die Neugierigen eben zusammen, und ihr Empfinden, ivenn dieser euphemistische Ausdruck erlaubt ist, bleibt sich ziemlich gleich, ob eS sich um ei» Hoffest oder um einen Warenhansbrand handelt. Im gestrigen Fall kamen allerdings Viele nicht auf ihre Rechnung. Da die Polizei schon frühzeitig weit- gehende Absperrungen vorgenommen hatte, so war nur ein kleiner Teil der Menge in der Lage, einen Platz an der Feststraße zu er- haschen. Hier, hinter mehrfachen Reiben von Soldaten stehend, ?atten diese Leute denn auch nach mehrstündigem Harren in drangvoll ürchtcrlichcr Enge das Glück, die Helmspitzen der auf dem Promo- »adenwcg vorüberfahrenden allerhöchste» Herrschaften zu bewundern, Mit einem Festbericht nach ortsüblicher Art glauben wir unsere Leser verschonen zu müssen. Dah die Majestäten sich beim Empfang umarmten, dah sie dann die Ehrencompagnie «abschritten", daß die Minister und Generale einander bei dieser Gelegenheit unverbindliche Höflichkeiten sagten, das alles ist ebenso selbstverständlich und programmmäfiig. wie der Brauch des Berliner OberbürgenneisterS, den freniden Monarchen mit einer im Bertramstil abgefatztcn Ansprache zu unterhalten, mit einer Ansprache, von der sich die schlichte Erwiderung deS Kaisers Franz Joseph sehr vorteilhaft abhob. Auch fehlte es nicht an sonstigen gutgemeinten Ueberschwenglichkeite» deplacierter Natur, zu denen wir unter andren ein von Wildcnbruch abgefafitcS und von Frl. Kirschner vorgetragenes Gedicht zählen möchten, das mit den Worten beginnt: Durch unsre' hochgebauten Hallen Ziehst, hoher Herr, gebietend Du herein. So etwas erinnert lebhaft an den orientalischen Brauch, dem Gast mit der Phrase zu schmeicheln, dafi er während seines Auf. enthalts der alleinige Herr im Hause sei. Zum Glück war es mit den Unfällen, die bei derartigen Anlässen unvermeidlich sind, nicht allzu schlimm bestellt. 52 Unfälle, die glücklicherweise alle leichterer Natur waren, kamen auf de» für den gestrigen Tag in Thätigkeit getretene» fliegenden Unfall- stationen der freiwilligen Sanitätskolonne Berlin zur Vchaudlung Es waren zumeist Ohmnachlsanfälle und Verletzungen, die infolge von Quetschungen im Gedränge hervorgerufen waren. Auf die Unfallstation Unter den Linden 1 entfielen allein 40 Unfälle. � Als die offizielle Feier zu Ende lvar und das Publikum einiger Mafien freie Bahn hatte. zeigten sich die Straßen, durch welche die Kaiser gefahren waren, in einem unleidlichen Zustand. Die städtische Straßendeputation hatte de» ganzen Weg mit großen Massen weißen Sands bestreuen lassen. Natürlich verwandelte sich der Streusand bald in trockenen Staub, der nunmehr, in dichten Wolken formiert, erfolgreich die Lungen der Straßenpassanten attackierte. Der gut lönigStre« gesinnte Teil der Berliner Stadtver- ordneten-Vcrsammlung ist durch die in ihrer letzten Sitzung ein- getretene Beschlnfinnfähigkeit in eine höchst betrübende Lage ge kommen. Auf der Tagesordnung der geheimen Sitzung, die sich an die öffentliche anschließen sollte, stand ein Gegenstand, auf dessen Wichtigkeit der die Versammlung leitende Vorstchcr-Stellvcrtreter besonders hintvies, indem er betonte, daß dieser Gegenstand noch erledigt werden müsse. Es war die Genehmigung der Adresse an den Kronprinzen. Nach der Geschäfts ordnung können Zivcifel an der Beschlußfähigkeit nur vor einer Abstimmung geltend gemacht werden, sie wurden hier aber schon nach dem erste» Redner, der zu dem Antrag Singer, be. treffend den Wegfall der Streikklausel, sprach, laut und der Borsteher. Stellvertreter gab ihnen sofort nach, indem er die Auszählung vor- nehmen ließ und nach ihrem Ergebnis die Sitzung für geschlossen erklärte. Seiner Meinung, dafi er nach 1ö Minute» den Gegenstand der geheimen Sitzung erledigen könne, wurde vom Stadtv. Singer widersprochen und die geheime Sitzung fiel aus. Um aus dem Dilemma herauszukommen, beabsichtigt Dr. Langerhans, dem Vernehmen nach, am Dienstag eine Extrasitz nng einzuberufen. Jedenfalls wird die Adresse ctwaS post festnm kommen. Kriegerverei»»nd Socialdcinokrntie. Unter dem Vorsitz de? � bekannte» Amtsvorstehers v. Oppen- Adlershof fand vor wenigen Tagen eine Sitzung des„K ri cg e r v e r b�i n d c s des Kreises Teltow" statt, die in ihrem Verlauf zum Teil recht intereffant lvar. � So wurde mitgeteilt, daß in einem Ort ein Geistlicher einen Kriegerverein veranlaßt hat, für die Wahl eines S o c i a l i st e n in die Gemeindevertretung des betreffenden Orts zu wirken. Daß der Kriegervcrciii dies gethan hat. wird im vorliegenden Fall als entschuldbar er- klärt, auch soll die Angelegenheit auf sich bc- ruhen bleiben. Hierauf wntde die schwierige Lage der- jenigen«Kameraden" besprochen, die. um als Handwerker ihr Brot zu finden, gezwungen sind, solchen gewerkschaftlichen Hilfskassen bei- zutreten, die unter socialistischer Leitung stehen. Der Bundesvorstand halte an den einmal gültigen Grundsätzen fest und stütze sich dabei auf eine gerichtliche Entscheidung, stelle also diese.Kameraden" vor eine Alternative, bei der zu- letzt doch lvohl die Sorge um die Familie den Au Sschlag gäbe. Um die darin liegende Härte zu vermeiden, hat der«Verbands-Borsitzende' dem Bundes- vorstand den Entwurf zu einem Revers unterbreitet. Durch Unter- schreiben desselben sollen die beteiligten«Kameraden" an Eides» st a t t erklären, daß sie der betreffenden gewerkschaftlichen Hilfskasse nur so lange angehören, als dies durch ihre ErwerbSthätigkcit be- dingt ist, im übrigen aber alles, vermeiden werden, was dazu dienen kann, diese Kasse mit ihren s o e i a I i st i s ch e n T e n d e n z e>r zu fördern. Das ist wohl nichts als eine Förmlichkeit, die erfüllt werden muß. uni die Kapitulation vor dein Geiste socialen Fortschritts zu verschleiern, zu der sich auch die tapferen Krieger mehr und mehr gezwungen sehen. Von den ehemaligen Bediensteten der Paketfahrtgesellschaft, welche in den Dienst der Reichspost übernommen worden sind, haben bereits ivieder mehrere freiivillig auf den Reichsdienst verzichtet, da sie sich den Anforderungen körperlich nicht gcivachsen fühlten. Nach den jetzt vorliegenden endgültigen Zahlen haben im ganzen Reichs- postgebiet 1132 Bedienstete mit einem Gesamtbetrage von rund l'/s Millionen Mark, im Durchschnitt auf den Mann also 1380 M.. abgefunden Iverden müssen. Die einzelnen Beträge schwankten zwischen 1S0 M. bis über IS 000 M. In Berlin allein mußten 813 Bedienstete mit V0S 000 M. abgefunden iverden. Auch fast die Hälfte der in den Postdienst überuomnicnen Personen, 344, hat die Paketfahrt in Berlin gestellt. Postbote« werden seit einigen Tagen durch Zeitungsanzeigen gesucht, eine ungewöhnliche Maßregel, die lvohl mit der Vermehrung des Dienstes durch die Aufhebung der Privatpvst zusammenhängt. Verlangt iverden unverheiratete Männer von 20 bis 28 Jahren, die ihrer Militärpflicht mit guter Führung genügt haben, gitte Elementar- schnlkcnntnisse besitzen, unbestraft, gesund imd körperlich rüstig sind und gute polizeiliche Führungszeugnisse haben. Die zur Beschäfti- giing Angenommenen erhalten 2 M. 60 Pf. Tagegeld. Bei solchem Lohn werden sich wohl nicht allzuviel Bewerber melden. Taö Konkursverfahren ist über das Vermöge» des vcr- storbenen Fabrikanten Richard Buchholtz auS der Naniiynstr. 66 gestern eröffnet worden. Buchholtz nahm, wie wir mitteilte», am Dienstag vor acht Tagen im Comptoir seiner Fabrik, Langestraße 84. Morphium. und wurde morgens bei Beginn der Arbeit von seinem Werkmeister im Lehnstuhl sitzend tot aufgefunden. Die Vermutung, daß der Selbstmord auf geschäftliche Schwierigkeiten zurückzuführen sei, wird jetzt durch die Eröffnung des KonrursverfahreuS bestätigt. Die Fabrik, die besonders Gebrauchssachen für Schlächtereien und Gastwirtschaften herstellte, bestand seit 6'/? Jahren, ursprünglich in der Oranienstraße 21. Geistesgegenwart und Mut bewies gestern der Kutscher Bernhard Wnok, der in dem Koppschen Krankcnttansportgeschäft in der Elsasserstr.«8 angestellt ist. Das Pferd eines FuhrmamrS auS der Steinmetzstraße zu Rixdorf hatte sich vom Wagen losgemacht und raste vom Tcmpelhofer Feld in die Friesenstraße hinein, Ivo es eine Schar Kinder sehr gefährdete. Wnok fiel dem Pferd in die Zügel, stürzte zwar und ivnrde ein Stück Wegs geschleift, ließ aber nicht los und brachte den Ausreißer zum Stehen, bevor er Unheil angerichtet hatte. Glücklicherweise kam er ohne Verletzungen davon. In der Medcnwaldtsche» Mordsache wurde von einer Lokalkorrespondenz gestern über neue Nachforschungen berichtet, wonach ein unter dem Namen«der schöne Joseph" unangemeldet sich hier anfhaltender, arbeitsscheuer Pole und eine Wäscherin Fra» Kowall, bei der sich der Pole aufgehalten haben sollte, mit der That in Verbindung gebracht wurden. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei nach dem Polen sind von Erfolg gewesen. Die Untersuchung hat ergeben, daß weder die Wäscherin noch der Pole an der Ermordung der Lehrerin beteiligt find. Auch Nach forschnngen in andrer Richtting, die kürzlich vo» der Polizei an« gestellt worden sind, haben kein Ergebnis gehabt. Trotzdem die Verdachtspnnlte gegen Willy GInth bisher nicht abgeschwächt worden sind, wird von der Kriminalpolizei jeder llmstand, der mit der Er- mordnng der Medenwaldt in Verbindung gebracht werden kann, nach wie vor auf das sorgfältigste geprüft. Von einem Rollwagen überfahren wurde vorgestern mittag der 13jährige Arbeitersohn Paul Peispretschmann aus der Cuvrhstr. 13 auf der Charlottenburger Chaussee. Er erlitt einen Unterschenkel brnch und wurde von einem Schutzmann in ein Krankenhaus ge bracht. Die neue Brücke über den Schiffahrtskanal im Zuge der Grünanersttaße. welche eine längst ersehnte Verbindung RixdorfS mit dem Südosten herstellt, wird am 1. Juni d. I. dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Ein großer Brand auf dem Central-Viehhof beschäftigte gestern(Freitag) nachmittag die Wehr mehrere Stunde». Der dort ftewonncne Vichdünger wird auf Eiseiibahuwagen nach dem auf der Ostscite belegenen noch unbebauten Terrain geschafft und dort zu beiden Seite» des Bahnstranges kunstgerecht auf- geschichtet. Augenblicklich lagern dort zwei je etwa hundert Meter lange, zehn Meter breite und fünf Meter hohe Dünger- Haufen. Der nördliche war kurz vor 6 Uhr durch Funken ans einer vorübcrfahrendcn Lokomotive in Brand gesetzt, der bei der Trockenheit in wenigen Minuten den ganzen Stapel erfaßte und die Umgegend in dichte» Qualm hüllte. Drei bcladenc Eisenbahnwagen. die zwischen de» beiden Tüngcrschichtc» standen. lonntcn durch Arbeiter noch in Sicherheit gebracht Iverden, Die in großer Stärke herbeigerufene Feuerwehr trat mit fünf Rohren in Thätigkeit. konnten aber lange nicht Herr des Feuers werden, da immer wieder voninenenr Flammen aus den bereits abgelöschten Stellen cmporschlngcn. — Kurz vorher wütete» P a l l i s a d e n st r, 77 und Friedrichs- berger st rnßc 16 große Dachstnhlbrände, die ebenfalls eine mehr stündige Ablöschung erforderten und ganz beträchtlichen Schaden verursachten. Gleichzeitig war Z o r n d o r i e r st ra ß e 9 in einem Drvgcnkellcr ein Sack mit Naphtalin in Brand geraten, der zwar eine große Gefahr in sich barg, aber noch rechtzeitig durch die Wehr erstickt werden tonnte. Vorher wurde die Wehr»ach B n l o w- st r a ß e 43 gerufen, wo ein Mann von einem eleltnschcn Straßen- bahnwagen überfahren war. Er wurde schwer verletzt mittels Maimschaftswagens nach dem Elisabeth-KrankenhanS gebracht. Lebensgefährlich verbrannt ist gestern Abend 8 Uhr der 30- jährige Kupferschmied Adam ans der Brunnenstraße, der Belle- Alliancestraßc 93 in der Kupfer- und Messingwarenfabrik von Karl Bonnoh beschäftigt war. Beim Köchen von Kolophoniin» kochte die Masse über, fing Feuer und ergoß sich über A., so daß dessen Kleider im Nu in Flammen standen. Seine Kollegen versuchten, ihm alte Säcke übcrznwcrfcu und so die Flammen zu ersticken, er sprang jedoch in seiner Verzwciflnng in ein gefülltes Waffcrbassin, wodurch das Feuer zwar' gelöscht, die Gciährlichkeit der Brandwunden aber erhöht wurde. Die alarmierte Feuerwehr fand den Verletzten in crbarmniigswnrdigem Znstand. Köpf. Brust, Arme und Beine waren total verbrannt, so daß er nach Anlegung eines Notverbands nach dem Krankenhaus Am Urban gebracht werden mußte. An seinem Anfkoininen wird gezweifelt.— Kurz vorher hatte sich L e i p z i g c r str a ß e 119 ein Ballon GaSäthcr entzündet. und bedurfte cS eines energischen Vorgehens der Feuerwehr, um einem größeren Umsichgreifen der Gefahr vorzubeugen. Im Ztpollo-Theater tritt in diesem Monat ein Ensemble durch- weg tüchtiger Artisten ans. Im Bereich der exccntrischen Künste leisten die Herren Krüger und Kirsten wohl daS Wunderlichste, womit ömalS die holde Frau Mnstka herausgefordert worden ist. Ei» Fräulein TaitaS bringt dressierte Hunde und Katzen auf die Bühne und weiß mit ihr?» Vierfüßlern namentlich in kleinen komischen Kunststücken zu wirken. Im Fach der halsbrecherischen Leistnngen wagt die aus zwei Damen und einem Herrn bestehende Gesellschaft Antouetti das Menschenmögliche. Ein Mitglied dieser Truppe hält mit den Zähnen ein Seil, auf woschem die Dame sich als Seil- tänzcrin produziert. Die SangeSlunst der leicht gewürzten Sorte pflegen die Damen Bradsly und Haller, während die spanische Tänzerin Tortajada mit Feuer und Grazie nur so um sich wirft, Daß die Ausstattimgsoperctte«Im Reiche deS Jndra" abermals um einige ganz blutige Kalauer verschönert worden ist, braucht wohl kaum noch gesagt zu werden. Ans den Nachbarorten. Die Stadtverordneten-Versammlnua in Rixdorf hatte vor- lestern ihre Geschäftsordnung endgültig festzustellen. An der Vor- age, wie sie aus der Kommission hervorgegangen ist. bemängelte Stadtv. Conrad namens der socialdemokratischen Fraktion ver- chicdene Punkte, So bestimmt§ 11, daß Ergänznngswahlen für die Ausschüsse erst vorzunehmen sind, wenn die Mitglicderzahl sich um ein Viertel vermindert hat. Conrad verlangte die Ergänzung schon beim Ausscheiden eines Mitglied«. Die Mehrheit entschied sich aber für die Fasstnig der Kömmission. An mehreren andern Paragraphen wurden kleine Aenderungcn vorgenommen._ Der§ 31 läßt den Ausschluß der Oeffcntlichkeit zu. während 8 32 im Abs, I fllralle persönlichen Angelegenheiten der Beamten nud Lehrer, sowie für Vor- schlüge zu Anstellungen von Beamten die geheime Sitzung direkt vorschreibt. Stadtv. Conrad(Soc.) beantragte die Slreichnng dieses Absatzes und machte geltend, daß sich die Stadtverordneten- Versammlung nicht ein für allemal binden dürfe. Die Oeffentlichleit habe in viele» Fällen ein Jntereffe daran zu hören, wie sich manch- mal Beamte benähnien. Stadtv. Abraham wandte sich gegen den Antrag. Es liege im Interesse der Gemeindeverwaltung, die Gemüter im Orte nicht unnötig aufzuregen. Auch müsse verhindert werden, daß jemand auf bloße Verdächtigungen hin in der öffentlichen Achtung herabgesetzt werde. Stadtv, W n tz ky(Soc.) meint, es wäre gerade- zu eine Woblthat gewesen, daß die bekannte Schöneberger Prügelaffaire der Oeffentlichleit übergeben worden sei. Angesichts solcher und ähnlicher Vorkommnisie müsse man sagen, daß das allgemeine Wohl durch den jeden Widerspruch ansschließenden Wortlaut des§ 32 Absatz I direkt gefährdet werde. Stadtv. Rahmig von den Kommunalrefonncrn erklärte die Beamten und Lehrer für das Heiligtum �der Be- meinde, das weitgehend geschützt werden nmste. Gegen die Stimmen der Socialdemokratcn wurde der Antrag Conrad abgelehnt und die Kommissionsfassnng angenommen.— Nach dem§ 89 soll der Vorsteher einem Mitglied der Versammlung das Wort ent» ziehen können, wenn da« Mitglied während der Verhandlung über denselben G egenstand zweimal wegen Verletzung der Ordnung oder wegen Abschiveifung von dem verhandelten Gegen- stand gerügt worden ist und sich von neuem von dem Gegenstand der Verhandlung«ntsenit oder die Ordnung verletzt. Conrad (Soc.) und Dr. Silberstein(Soc.) bekämpften diese Bestimmung als viel zu streng und als geeignet, die Redefreiheit unliebsam zu beschränken. An ihre Stelle wünschen beide Redner die entsprechenden Vorschriften der Berliner Geschäftsordnung gesetzt, wonach die wieder- I holte Rüge während derselben Rede erfolgt sein muß. bevor dem Redner durch Versammlungsbeschluß und nicht durch den Borsitzenden das Wort entzogen werden kann. Herr Rahmig nnd der Vorsteher Herr Sander begriffen an- geblich nicht den großen Unterschied zwischen den beiden Fassungen, und die Mehrheit stimmte mit ihnen für den Kommijsionsvorschlag. — Nachdem die Feststellung der Geschäftsordnung erledigt war, schritt man zur Bildung der Verwaltungs- Depuiationen für das Jahr 1900. Socialdemokratischerseits wurden delegiert: in die B a u d e p u t a t i o n die Stadtvv. M i t s ch k e, O st e r m a n n und R e tz e r a n, in die G r n n d e i g c n t u m s- D e p n t a t i o n die Stadtvv. K ö p k e und Keller, in die Berkehrsdepntation die Stadtvv. M i t s ch k e und I a n i s z e w s l y, in die Deputation für die Belciichtungsanstalten die Stadtvv, Conrad nnd P r e ß l c r, sowie der Cigarrenfabnkant Müller als Bürgerdeputierter, in die Deputation für die städtischen Begräbnisplätze Stadtv. M ü n z e r, in die Gewerbedepntation die Stadtvv. Wach nnd W u tz k y, sowie der Möbelpolicrcr N i e r i ch als Bllrgerdepnticrter, in die Kassen- dcpntation Stadtv, I ä g e r, in die Deputation für das Progymnasium und für die Realschule die Bürgcrdcputierten Thomas und Müller, in die Deputation für das Schulmuseum der Stadtv, S i l b e r st e i n, in die Armendepntation die Stadtvv. Jäger und W u tz k y, sowie vorläufig als Bürgerdepnticrter PH. Thomas, in die Deputation für die Pflegcanstalten die Stadtvv. Dr. S i l b c r st e i n und P r e ß l e r, in den Nechmnigsausschutz die Stadtvv. O st e r m a n n, Retzerau. Sy, Jäger und Herrmann, in den Wahl- ausschuß die Stadtvv. Conrad, O st er mann und W a ch.— Ein Regulativ, das die Entschädigungen für Auslagen-e. bei Dienstreisen betrifft, wurde ohne Debatte genehmigt. Darauf erledigte die Versammlung noch verschiedene Magistratsvorlagen. Schöneberg. Zum Stadtbaumeister wurde in der letzten Sitzung der Stadtverordneten-Versannnluiia Regienmgs- baumeister Reinhard aus Spandau gewählt.— Zur Errichtung einer Pumpstation, eines Schulgebäudes und eines Feuer wehrgebäudeS Hot der Magistrat ein 2073,80 Quadrat- ruthen großes Grundstück zwischen der verlängerten Barbaroffa- und Hohcnstaufenstraße erworben. Der Preis beträgt 1867 800 M. Kapitalistisches a»S der Tegeler Gemeindevertretung. Wie wir kürzlich mitteilten, hat die Gemeinde Tegel durch Beschluß ihrer Vettretersitzung vom 19. April es abgelehnt, der Kolonie Borsigwalde den Anschluß an die Tegeler Ent- und Bewässc- nnigsanlagen zu gestatten. In jener Gemeindevcrtretersitznng spielte sich— wie wir nachträglich erfahren— eine Scene ab, die recht bezeichnend für den Geist gewisser Großkapitalisten ist. An dem Zustandekommen des Anschlusses an die Tegeler Kanalisation und Wasserleitung hat die Bauaesell- schaft Borsigwalde ein erhebliches Interesse. Im Aussichtsrat dieser Gesellschaft sitzt Herr B o r s i g. eines der Eigentümer der bekannten Borsigschen Fabrik. Herr Borsig gehört aber auch der Tegeler Gemcindcveriretung an, ebenso sein Ingenieur Melz- macher nnd der Direktor H ü b n e r von der G e r m a n i a- W e r fit. Diese drei Herren traten denn auch mit Eifer für den Anschluß ein, während derselbe namentlich vom Schlächtermeister Gutstein be- kämpft wurde. Im Laufe der Debatte rief Borsig dem Genieilidevertreter Gntstcin zu:„Fleisch nach Borsigwalde liefern, das gefällt Ihnen, aber den Anschluß wollen Sie nicht!" Nach dieser Aeußenmg zu schließen, scheint eS Herr Dorfig für die selbstverständliche Pflicht eines Gemeindevertreters zu halten, daß er sich in seiner Stellungnahme zu Gemeinde- Angelegenheiten von seinen geschäftlichen Interessen leiten läßt. Eine solche echt kapitä- listische Anschammg siebt ja nicht vereinzelt da. Daß sie aber im Sitzungssaal einer Gemeindevcrttctung offen und ungeniert auS- gesprochen wird, das dürfte doch zu den Seltenheiten gehören. Die Folgen seiner Gegnerschaft gegen den von Borsig und Genossen ver- tretene» Antrag sollte der Geincindevettreter, Schlächtermeister Gntstcin. bald zu fühlen bekommen. Kurze Zeit nach jener Sitzung entzog ihm nämlich der Kantineulvirt der Borsigschen Fabrik, eni Herr Fischer, die Fleischliefernng. Ans Grosi-Lichtcrfclde schreibt man unS: Die jüngste Ge- mcindevertretcr-Sitzung stand unter dem Zeichen höchster, unge- hencheltcr Frömmigkeit. Die Bereitwilligkeit, mit welcher die Vertreter der Steuerzahler auf dem Rathause für kirchliche Zwecke über den allgemeinen Steuersäckel verfügten, machte eher den Ein- druck, als befinde man sich in der Sitzung einer kirchlichen Synode als in einer solchen von Gemeindevertreier», von denen man doch eine geivisse Rücksichtnahme auf die Steuerzahler verlangen kann Düö»msomehr, als unser Ort notorisch sich in einer chronischm Finanzkalnmität befindet, der man durch äußerste Anspannung der Steuerkrast der Genieinde-Angehörigen, speciell der Arbeiterklasse, einigermaßen abzuhelfen suchte. 'Für die Einweihung der Pauluskirche wurde ohne weitere Debatte ein Betrag bis zu 1000 M, zur Verfügung gestellt. Für den Bau eines PfarrhanfcS wurden 47 000 M, verlangt. Herr Gcineiudevorsteher Schulz trat für Bewilligung dieser Summe ein mit der Bedingimg. daß die Kirchengemeinde ans den Bau von weiteren Pfarrhäusern im Laufe der nächsten acht Jahre verzichte. Die Kirchengemeinde will von dieser Summe 20000 M, in homöo- palhischcn Dosen znrückvergütc». Bei dieser Gelegenheit machte der Herr Schulz darauf aufmerksam, daß die Gemeindevertretung vor mehreren Jahren den Beschluß gefaßt habe, für Kirchenbauten mir die Kleinigkeit von etwas über 300000 Mark zu verwenden! Lichterfclde hat es eben! Die Debatte über diese Forderungen endigte schließlich mit dem cinslimmigcn Beschluß, die Kosten für den PfarrhauSbau zu bc- lvilligen.' Während die Gemeindevertretung für kirchliche Zwecke Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung hat. scheinen die leidigen Moneten zur Anschaffung zweier neuer Sprengwagen nicht zu reichen, Es machte nach der vorhergehenden Debatte einen etwas eigenttim- liche» Eindruck, zu hören, daß— nach dem Bericht— der Herr Baurat Tietzen in Gemeinschaft einer der Herren Schöffen sich auf die Sttümpfe machte, um die Umgegend»ach ein paar alten ausrangierten Sprengwagen abzusuchen. Es gelang den beiden Herren auch, zwei solcher Exemplare hnb- Haft zu iverden, die schon in Schöncberg mid dann znlctzt in Rixdorf treue Dienste geleistet. Herr Tietzen meinte, sie seien zwar etwas „klapprig", aber sonst noch ganz gut. Da die beiden Objette für Lichterfelde gut genug beftindcn wurden, wird deren Aiischaffniig beschlossen.— Der R a t s k e l l e r, auch.Erbbegräbnis' genannt, wird an die Lichterfelder Brauerei verpachtet, obwohl eine Berliner Brauerei ein höheres Angebot machte. Grunewald- Schmerzen. Unser nenlicher Artikel betreffend den schmählichen Zustand, in ivelchem der Grunewald sich befindet, hat insofern seine Wirkung gethan, als die Glasscherbenmassen und sonstiger um den Bahnhof' Grunewald aufgestapelte Unrat entfernt und der Wald überhaupt einer gründlichen Rcinignng unterworfen morden ist. Jetzt gilt eS nur, die Reinigmigsarbeit i» geeigneten Zwischenräumen zn wiederholen. Von Behältnils en für die Äiifnahine von Scherben, Papier usw. ist leider noch nichts zu bemerken. Dagegen prangt die famose Polizeiverordnung, welche mit unauSsührbarcn Strafandrohungen um sich wirft,»och immer an den Bäumen. Wann wird sie durch einen vernünftigen Appell an die Vernunft und das Anstandsgefühl des Publi- kums ersetzt werden? Zchleudorf. Nach langer Zeit ist es uns gelungen. zur Abhaltung von Parteiversammlungen zu erhalten. ein Lokal öffentlich» Versammlung findet morgen. Sonntag, den 6. Mai, mittags 2 Uhr. im«Waldschlößchen", an der Krummen Lanle(neben der Bade-Anstalt) statt. Reichstags- Abgeordneter Z u b e i l wird über«Die Flottenvorlage" spreche». Da außerdem noch die Gründung einer eignen socialdemokratischen Organisation am Ort erfolgen soll, ist daS Erscheinen aller Zehleu» dorfer Arbeiter notwendig. Der Einberufcr. In WaidmannSlnst hält der Wahlverein am Tonntagnach- mittag bei Streckcnbach seine Mitgliederversammlung ab. Marckwaldt spricht über die bürgerlichen Parteien und die Socialdcmolratie. Eine blutige Schlacht haben jüngst zwei feindliche Zigeuner st ämme einander an der Landstrahe Spandau- N a u e n geliefert. An dem Kampfe beteiligten sich auch die Weiber und Kinder. Mehrere Personen lagen bald blutend am Boden; ein Zigeunerweib ist buchstäblich skalpiert ivorden. Erst da» Erscheinen- einer 28 Mann starken Abteilung des Döberitzer Lagers konnte dem Blutvergießen ein Ende machen. Berichtigung. Zu der am 10. April von uns gebrockten Mit- teilung. daß eine Baugenossenschaft zwischen Tegel und Waidmanns- lust Terrain zu Spekn'lationszwecken erivorben habe, schreibt uns die Baugenossenschaft„Freie Scholle", daß sie die in Betracht kommende Käuferin sei und daß bei ihr selbstverständlich Spelulations- zwecke ausgeschlossen seien. Vevpcttnmlungen. Der Verein der Ziuunercr nahm in seiner Versammlung am 22. April die Abrechnung vom 1. Quartal entgegen. Dieselbe ergiebt mit einem Bestand von 8971,63 M. eine Einnahme von 12135,68 M., dem eine Ausgabe von 3063,63 M. gegenübersteht. Zur Beratung gelangte» dann einige Anträge zum Statut, ivorauf die Ersatzwahl zum Vorstand vollzogen wurde. H i n r i ch s e n und PauISchäffer wählte die Versammlung zu Vertretern auf dem Kongreß der lokal- organisierten Gewerkschaften. Socialdemokratischer Agitationsverei« für den Reichstag?- Wahlkreis Stralsund- Franzbnrg-Rügen. Sonntag, den«. Mgi, vorm. 10 Uhr bei Ramlow, Schönhauser Allee 135: Sitzung.— Gäste will- kommen. Freireligiöse Gemeinde,«sonniag, ven a. a-cai, vorm. 07, im oberen Saal des„Englischen Gartens", Alexanderstr. 27 c>: ffietfa: Sonntag, den 8. Mai, vorm. 8»/, Uhr, '��l lamm- lung. Freireligiöse Vorlesung.— Um 10V< Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Frl. Ida Altmann: I. Weltanschauung und Jugcudbildnng. II. Die liberale Erziehung.— Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Slllgem. Kranken- und Sterbckasse der Metallarbeiter(E H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 5. Sonnabend, den 5. Mai, abends 8 Uhr, bei Koplin, Lothringerstr. 68-. Neuwahl von 2 Abgeordneten zur General- Versammlung zu Köln a. Rh.— Filiale Berlin 6. Sonnabend, den 5. Mai, abends 8>/i Uhr, bei Diele, Ackcrstr. 123: Nachwahl der Delegierten zur dieS- jährigen Generalversammlung. Tischlerverein. Heute abend 8>/z Uhr. Melchiorstr. 15: Versammlung. Verein der Buchdrucker und Schriftgiefser für Nixdorf- Bris. Sonntag, den 6. Mai, nachmittags 4 Uhr, im Lokal des Herrn Hollbach, Hermannstr. 120: Zusammenlunst mit Familie. Vortrag des Herrn Dr. Reinhardt über: Physilalisch-diätettsche Therapie und ihre wisienschaft- liche Begründung. Achtung! Müller. Am Sonntag, 6. Mai, nachmittags 4 Uhr präc., Mantcuffelstr. 9: Oesientliche Versammlung. Genosse Körster wird über die Notwendigkeit der Organisation wie über die Aufgaben der Arbeitcrsekretariate, peciell der Berliner Gcwerkschaftökomnltsston, referieren. Die Kollegen werden ersucht, für vollzähligen Besuch der Versammlung zu agitieren. Briefkasten der Redaktion. Montag, DicnStag und Die juristische Sprechstunde findet Freitag von 7—9 Uhr abends statt. M. St. Das Tischrücken ist«ine seit uralter Zeit bekannte Er- scheinung, die aber durchaus nichts Uebersinnliches hat, sondern sich aus den einfachen Gesetzen der Mechanik erklärt. Die Hände, die aus dem Tisch längere Zeit aufliegen, beginnen unwillkürlich zu zittern und üben aus deii Tisch Krastwirkungen aus, die sich sunlmiereu und allmählich so stark an- wachsen, daß der Tisch sich bewegt. Das Spukhafte der Erscheinung erklärt sich daraus, daß sich der Laie der von ihm selbst ausgeübten meckianischen Einwirkung nicht bewußt wird. Alles was man sonst mit dem Tischriicken zusanmienbringt, ist entweder Betrug oder Selbsttäuschung des durch die lange Stille und feierliche Gespanntheit traumhaft umfangenen Teilnehmers Das Tischrücke» als ganz gewöhnliche mechanisch erklärbare Erscheinung ist also eine wissenschaftliche Thatsache— spiritistisches Tischrückcn aber ist Unsinn, und darum kann nian dieses Phänomen, sofern es aus einer übersinnlichen Gcisterwelt abgeleitet wird, nnt Recht unter die Ausgeburten menschlichen Aberglaubens zählen. F. H. 666. Können Sie bei jeder größeren Zeltiingserpedition oder per Post bestellen. H. W., Wrangelstrasie. Wir bestätigen Ihnen gern, daß unsrerseits ein Jrrknm vorlag, als wir Schwedt a.O. in die Provinz Pommern vcr- legte», während es zur Provinz Brandenburg gehört.— Streitsache Golz- strnsie. In beiden Fällen liegt kein strafrechtlich verfolgbarcr Betrug vor und ist die Möglichkeit, auf Zahlung zu klage», verjährt.— S. 166. Der Gläubiger ist zur Bewilligung von Ratenzahlungen nicht vcrpstichtct. Ein dahin gerichteter Antrag wurde vom Reichstag abgelehnt. Der Gläubiger ist berechtigt, wegen seiner gesamten Forderung die Pfändung zu betreiben. — Kl. 71. Zweifellos. Nur, wenn bestimmte Personen die Räume vorher mieten und in den Räumen nur Getränke vi. ausgcschänkt werden, die schon vorher bezahlt und geliefert waren, trifft die Polizeistunde nicht zu.— B. W. 74. Nein.— M. W. Das kommt auch heute noch vor. — Wohnung W. K. Wenn der nnS unbekannte Wortlaut Ihres Miels- Vertrags dem nicht entgegensteht, ist der Wirt zu der Reparatur verpflichtet. — N. H. I Eine solche Berpsiichtnng könnte nur durch eine Polizei- Verordnung eingeführt sein. Ob für den dortigen Ort eine solche Polizei- Verordnung besteht, entzieht sich unsrer Kenntnis: in Preußen existieren für jeden Ort besondere Polizeiverordnungen, deren Gesamtzahl 10 000 bei weiten! übersteigen mag.— H. K. X. 27. I» einein Jahr nach ge- schloffener Heirat.— K. E. 166. Ein Testament läßt sich erst, nachdem es in Kraft getreten ist, also erst nach deni Tod des Erblaffcrs anfechten. Zu Lebzeiten kann er mit seinem Vermögen machen was er will. — O. I. 114. Sie müßten dem pfändenden Gläubiger den Sachverhalt mitteile». Wenn auzunehuien ist, daß Sie von dem bevorstehenden Zahlungsverbot, von einer Ncbenschuldung oder dergleichen Kenntnis hatten, würden Sie doppelt zu zahlen haben, sonst nicht.— H. N. Nein. Arllüken-UnttrMMggblllld der Schneider. Unser Mitglied ?. vwksuvr ist am 3. d. M. verstorben. Die Beerdigung findet am Sonntag nachmittag um 4 Uhr von der Leichen halle deS Elisabcth-Kirchhofs, Prinzen- We«, statt. Unser Mitglied ist am 3. d. M. verstorben. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag um 5 Uhr von der Leichen balle des Neuen Zions-Kirchhofs, Nicder-Schünhausen, aus statt. 106/9 Die~" Ortsverwaltuug. Donnerstag, den 3. Mai 1900, verstarb plötzlich unser lieber Vater Samuel Schlapper nach eben vollendetem 74. Lebensjahr. Dies zeigen ttefbetrübt an i.00. Karttv und Julius Schlepper. Die Beerdigung findet am Sonntag, de» 6.»»tat, vorm. 11 Uhr, von der Leichenhalle des jüdischen Friedhofs in Weißenjee aus statt. 8S9b Den Mitgliedern des Bereins zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend zur Nachricht, daß unser treues Mit- glted Karl Hennlg am 3. d. M. an der Proletarier- krankheit gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. d. M., nachmittag« 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Nazareth-Kirch- hofeS, Retnickendors, Berlinerstraße, auS statt. 129/7 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Danitcisxung;. Hiermit sage ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Personal der Firma Franz Neumann und dem deutschen Holzarbeiter- Verband für die Kranzspenden meinen verbindlichsten Dank. Wwb. Wels». Fertige Kleider zu sehr billigen Preisen. 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Diese Gesetzesbestimmung findet nach einer neuerdings vom Reichsgericht erlassenen Entscheidung auch dann Anwendung, „wenn der Thäter zwar nicht weiß, daß das Warenzeichen geschützt ist, aber an diese Möglichkeit denken«»»fite und trotz dieses als möglich vorausgesetzten Schutzrechts die Handlung beging." Mit Rücksicht hierauf machen wir darauf aufmerksam, daß die sänltlichen Fässer, Flaschen und Flaschcnkasten, in welchen wir unser Bier an die Kunden liefern, in unzerstörbarer Weise eingebrannt, cingeblasen oder eingeätzt die Firma bezw. das gesetzlich geschützte Waren- Berlin, im Mai 1900. zeichen der betreffenden Brauerei und meist auch noch den Vermerk„Eigentum der Brauerei, Unverkäuflich" tragen. Auf diese Art haben wir unsre Fässer. Flaschen und Flaschenkasten ohne Ausnahme unter den Schutz des genannten Gesetzes gestellt und untersagen ausdrücklich jede Benutzung derselben zur Einfüllung und zum Vertrieb eines der geschützten Kennzeichnung nicht ent- sprechenden Inhalts. Der Umstand, daß unsre Fässer, Flaschen und Flaschenkasten in ausgedehntem Maße unrechtmäßig benutzt werden und daß uns dadurch alljährlich ein nach Hunderttausendcn von Mark zählender Schaden erwächst, versetzt uns zu unserm Bedauern in die Zwangslage, in Zukunft unnachsichtlich von den uns durch das Gesetz gewährleisteten Rechten Gebrauch zu machen. Wir warnen deshalb vor der von uns untersagten Benutzung unsrer Fässer, Flasche;! und Flaschenkasten und wollen bei dieser Gelegenheit auch darauf hinzuweisen nicht unter- lassen, daß dieselben durch die oben erwähnte Kennzeichnung als unser unveränsterliches Eigentum ausgewiesen werden, so daß sie von niemand— wer eS auch sei— rechtmäßig zu Eigentum erworben werden können. Uereln der Kranereien Kerlins nnd der Umgegend. Aktien- Brauerei?r!eär!od8lisiv. Aktien-Brauerel-Gesellschaft krlsärieds- höhe, vormals Patzenhofer. Aktien-Brauerei LcdlOLsbrauerei Schöneberg. Bergschloss-Brauerei, Aktien-Gesellschaft. Berliner Bock-Branerei, Aktien- Gesellschaft. Berliner Kronen- Brauerei, Aktien- Gesellschaft. Berliner Ünions-Branerei, Aktien-Gesellschaft. Böhmisches Brauhaus, A. Knoblauch, KommaudwGescllschaft aus Aktien. Brauerei Oswald Berliner. Brauerei Larnbrinus, Aktien- Gesellschaft, Charlotteuburg. Brauerei Oermania, Aktien-Gesellschaft. Brauerei Karl Gregory, Aktien-Gesellschaft. Brauerei F. Happoldt. Brauerei Königstadt, Aktien-Gesellschaft. Brauerei Pfefferberg, vorm. Schneider u. Hillig, Aktien-Gesellschaft. Brauerei Schweiber- Garten, C. Schneider. Brauerei A. Werm. Bürgerliches Brauhaus, Otto Müller, Nachf. Gebr. Waniiinger. 0. Babels Brauerei. Brauerei Gebr. Josty. Norddeutsche Brauerei, Aktien-Gesellschaft. Schultheiss Brauerei, Aktien-Gesellschaft. Spandauerberg-Brauerei, vorm. Bechmann. Vereins- Brauerei, Rixdorf. Versuchs- und Lehrbrauerei. Viktoria- Brauerei, Aktien- Gesellschaft. Brauerei Bohen- Schönhausen, Aktien- Gesellschaft. Brauerei 0. Flehinghaus, Charlottenburg. I0.Zicliiliikd.4.KlMe 202.Kgl.Preuß.Lotterie. vom«. Mai 1900, vormitta»?. 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Sur den Inseratenteil verantwortlich: Tb.«blocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Badiug in Berlin.