f Erscheint in Leipzig Ritttvoch,Freitag, Sonntag. r. Bestellungen nehmen an alle in'a» Pvstanstalten u. Buchhand« A lungen des In-».Auslandes. Filiäl-Expeditionen für die Vereinigten Staaten: F. Ä. Sorge, Box 101 Hoboken, H. J. Wm. Lueders, 'JL', 409 Maystr. Chicago, Jll. ~'f Heter Haß, Ü- 8. W. Corner Third and Der Volksltaat Abonnementspreis: Kür Preußen incl. Stempel- steuer 21'/- Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten 16 Sgr. pro Quartal. Monat,- Ab«nnement» werden bei allen Deutschen Postanstalten aus den2ten u. L ten Monat und auf den llten Monat besonders an- genommen, im Kgr. Sachsen u. Hrjth. Sachs.-Altenburg auch auf den lten Monat ü 5'/, Sgr. angenommen. »oatc» atr. Philadelphia. � ZOrgandersozialdemokrattschenArvetterparteiundderinternationalenGewerksgenossenschaften. «»lh: - Inserate, die Abhaltung von Packet«, Verein«, und Lolk«versamml«ngen, sowie die Filial-Expeditionen und sonstige Partei. Ar gelegenheiten betreffend, werden mit 1 Sgr., Anzeigen mit 2 Sgr. die dreigespaltene Petit- Zeile berechnet. Privat«»nd Vergnügung«« üJ Nr.«15 Mittwoch, 25. März. 1874. rse» —' Parteigenoffe««ud Freunde! leW-. Jedesmal wenn ein Quartal zu Ende geht, fragen wir unS: ��die steht es mit dem„Volksstaat", und jedesmal noch lautete die g tMtwort, es könnte und müßte besser mit demselben stehen, wenn tali�le Mitgliedschaften, alle Parteigenossen und Freunde unserer bezüglich seiner Verbreitung ohne Ermüden ihre Pflicht füllten. , g: Auch jetzt befinden wir unS wieder am Schluß eines Quartals, Slü'das für die Partei ein sehr bewegtes war und in welchem ihr Aerade vcm„Vvlksfiaat" die trefflichsten Dienste geleistet wurden Obwohl leider viele Parteigenossen dem„Volksstaat" eine ent- -brechende Gegenleistung durch Gewinnung neuer Abonnenten nicht Striesen, so hat stch dessen Abonnemenisstand in letzter Zeit doch �cht ansehnlich gehoben und beziffert sich augenblicklich aus etwa <400 Exemplare. "(st. wir aber damit zufrieden sein? Nein! Abgesehen HuJ« dem hohen agitatorischen Werthe de»„Volksstaat" für die Arbeiterbewegung überhaupt, spricht auch das pecuniäre Interesse Partei ein Wort mit, ja es gebietet offen, daß der„Volksstaat" !aL&. nur e'1,e S��ge, sondern auch eine pecuniäre -i�tütze der Partei im Kampfe gegen ihre Widersacher werde. ie Kleist, Benckendorf, Schubart, Hagen, Poser, Prinz ?»stav von Mecklenburg, Thielau, Romberg, Knobelsdorf, Rauch, ■an- �»enberg, Uttenhofen, Schöllr, Lecoq, Strachwitz, Reinhart, Mar- gez?'i, Tdile, Krafft, Lindner, Hacke, Hombold und Andere; dort ige. Macmahon, de Failly, Frossard, Bazaine, Cousin de Mon- "�'«ban, Soleille, Cossiniercs, IarraS, Boyer, Canrobert, Leboeuf, °tmirault und Andere. Und dabei soll eS eine unerschütterliche �ciplin geben! Und das StabSrabbiihum an der Spree, Seine [w Donau möchte gerne bis zum Aeußersten au sörieux und " unfehlbar genommen werden, während die Weisheit des neuesten �uz unvorsichtig schrcibeseligen„GeneralstabS" doch nichts ist als Melker ScholasticismuS. Der„heilige" Moltke, ob er dicke 'finde schreibt; wie er gethan, oder noch dickere Bände„schweigt", ?.■!» ihm angedichtet wird, Moltke, dessen Werth in der Schnellig- ''i der Abschlachtung, Quantität und Qualität der Abgeschlachteten suchen, der„heilige" Moltke, die ll-Centimetre-Kanone auf den chädel geschnallt, da» Mavsergewehr quer im Munde, die �rapnellzünder in den Nasenlöchern, daS„kräftige" Sabre- J?!onnette und die„elegante" Uhlanenlanze in der einen, den aus —"Mtegeldern gefüllten Dotationssäckel in der andern Hand, dieser 'ftilige« Moltke ist die schnurrige Austlärungsfigur des 19. Jahr- .■ Biel herber als der stumpfe Bazaine sind die ebenso„strammen" lustig schnoddrigen, teutonisch slavonischen Herren von der Iffsrte" durch den Straffpruch getroffen werden. Beweis dafür ist s v* natürliche und die kommandirte Wuth des gesammten konser- sieden und liberalen deutschen Preßgesindel«. Daß militärische eist 5?fiihrer", wie sie unter dem Regiment eiueS holländischen Käse- flüns herangebildet worden, alle Berechnungen von Berliner �«ralstäblern zu deren Gunsten stören mußten, das muß ,'n> aufmerksamen Soldatenauge seit langer, langer Zeit ringe- i. Hlet haben. Nur blöde Unteroffizierseelen wie Macmahon, de �'�y, Frossard und Bazaine konnten sich vereinzelt bei Weißen- — �9, Wörth und. Forbach überfallen und in die Pfanne hauen eck He». Tiefe„Kameraden" waren noch dümmer, noch cingebil- , noch uuselbstständigcr— und das will wahrl.ch nicht wenig "Ben_ die Nüchel, die Hohenlohe, die Braunschweig, die Kalckreuth von 1806—1807. Eine Art Massenbach hatten sie in ihrem Stoffel. Sind Menschen von der in der Krim bewiesenen Unfähigkeit und Scrgcantendevotion eine» Canrobert, sind Menschen wie der Jntrigucn liebende und gehirnkranke Bourbaki, wie der kindische Leboeuf, wie der kaliberlose Kanonenchef Soleille(der Prenzlauer Hüsei), wie der genielose Sargzimmerer Coffinieres, sind solche Menschen moralisch und geistig würdige Gegner? Der Berliner Gcneralstab ist höchstens für bloße Nationalitätskriege zu verwenden«nd selbst für solche Zwecke mit Ungewissem Erfolge, — für Prinzipienkriege verdient er weiter keine besondere Beach- tnng. Ein„Irischer, freier, fröhlicher" europäischer Bürgerkrieg, und er dürste sich zusammen mit vielen andern Institutionen„im Sande verlaufen", denn er ist zu ungebildet— im treuesten Sinne des Worts,— wie die Trockenheit, die Leere, die Wider- sprüche, die plconastischen Wiederholungen, die Ausflüchte, die-Be- weislosigkeit seiner Schriften darthun. Das Primaner- und das Abiturientenexamen sind um so sckwächere Bürgen seiner BildungS- fähigkeit, als man die Anforderungen dafür während der letzten 30 Jahre bedeutend hinuntergeschraubt hat, um bei der Handels-, Industrie-, Gewerbe- und Bankkonkurrenz die nölhige Zahl von „brauchbaren Individuen" aber„schlechten Musikanten" für Civil- und Militärdienst zu erhalten. Von oben stimmt man mit dem VerdummungSgrundsatz deS ersten Napoleon überein:„Un peu de latin et de math&natique—«ja suffit"*).„Ein gottverdamm licheS Wort", wie der deutsche Demokrit von dieser Phrase sagt. Gegen„reguläre Truppen, die stch auf Kommando sür ge- schlagen betrachten"— nur gegen solche Truppen möchte man fechten; bei Leibe nicht gegen Franktireurs, gegen bewaffnete Bauernhorden, wenn man diese letzten auch zu Ansang dieses Jahrhunderts in Deutschland und Rußland gegen die Franzosen gebrauchen wollte und gebraucht hat, und gegen Freischärler, die man noch von Schleswig-Holstein, Berlin, Posen, Thüringen, Sachsen, Wien, Ungarn und Baden her schwer im Magen liegen hat. Die allge- meine Beklommenheit in Deutschland nach dem ebenso legalen wie brutalen Massenfang von Sedan und Metz, darüber nämlich, daß sich die„verkommenen" Franzosen doch so eigentlich ohne„reau- läre" Armee weiter schlagen wollten, war durchaus gerechtsertigt. Es hat sich in der That gezeigt, daß die„Freischärler" des Faid- herbe, Aurellcs de Paladine und Chanzy, de« Garibaldi, Cremer, Bourbaki und Clinchant zwar zu schlagen und zurückzudrängen waren— jedoch auch daS etwa nicht immer— aber trotz der Göben, der Manteuffel, der Tann, der Wittich, der mecklem burgischen Herzoge und des klassischen Franzoscnverhauers P. F. C nicht„eingesackt" werden konnten. Die verdammten üommes du pavd! In Deutschland nennt man sie Polen, Juden und Franzosen. Metz war gefallen. Man höre, was in dem so eben erschienenen offiziösen Buche des Hauptmanns im„großen" Generalstabe, Freiherrn v. d. Goltz, „Die Operationen der 2. Armee", S. 2, gesagt wird:„Im zweiten Theile des Krieges haben es die deutschen Heere empfunden, in welchem Grade sich die VerthcidigungSsähigkeit einer großen Nation steigert, je näher may de« Centren ihres materiellen und politischen Lebens tritt". Und Seite 442:„Man athmetc auf (nach dem Fall von Metz) und sah ftohen Herzens den weiteren Ereignissen entgegen". „Von der Bedeutung der Neubewaffnungen in Fankreich, von den Schwierigleiten, welche noch zu überwinden waren, konnte man unmöglich jetzt schon eine richtige Vorstellung haben. „Scheinbar lag Mittel- uud Südftankreich völlig offen vor den Marschkolonnen der siegreichen 2. Armee, und im Herzen Frankreichs glaubte man die Winterquartiere beziehen zu können". Und nun denke man sich die Macmahon'fche und Bazain'sche Armee nicht abgefangen, wenn auch zurückgeschlagen. Man hatte stch verrechnet, und wohl weil„man keine richtige Vorstellung haben konnte", war der General Boyer in Versailles in dem Sinne angebiSmarckt worden, daß den dommes äu pave nirgends Gehorsam geleistet würde, daß es im ganzen Lande von rolhen Ausständen wimmelte und manche Städte die deutsche Be- satzung erflehten. Hat Beyer verlangt, das Land schnell bereisen zu dürfen? Hatte der Metz« Generalsklub ihn nicht dahin beauf- tragt? Schlug das Verfailler Dreigcstirn Wilhelm-Moltke- Bismarck diese Forderung ab, so standen obige Angaben als nackte, häßliche Kriegslügen da, was sie ja in der That waren. Nur wenn sie ihrer Sache ganz sicher, wie 1849 vor Rastadt, erlauben diese wackeren Kämpen, mit anscheinend soldatischer Gradheit, einigen Ofsizieren der FestungSbesatzurg, damals von einem Kürassier- lieutenant Graf Schmettau(heute glaube ich Oberst) begleitet, da« Land zu durchstreifen, und sich zu überzeugen, daß die Preußen nicht gelogen hatten. Die zarten Ehrenklöße! Die„Blüthe" der deutschen Offiziere war in den gräulichen AufangSschlachten gefallen und vor Paris wie auch schon vor Metz mußte man sich mit stark verminderter„Intelligenz" niederlassen. Wie gesagt, für einen kurzen, glanzvollen Nationalkrieg mag die Berliner Ablichtung tauglich sein� bei längerem Kampfe wird die SchaustellungSrinde schnell abgeschält; aus Originalität ist auS den Reihen de« stetig in Qualität sinkenden Restes von Tag zu Tag weniger zu rechnen; eS erbleicht der Stern der Abonnements- ritter vom eisernen Kreuz, während derjenige der bewaffneten ftornines du pavd, denen ja die Mauser, das Petroleum, Dyna- mit, Nytroglycerin, gezogene Hinterladerkanonen und die Schrapp- nellbüchsen(sogar mit exakten Zeitzündern) nicht durchaus unzu- gänglich, langsam aber deutlich zu leuchten ansängt. Also mögen sichS die MordSpatrivten und die Mafibürger merken: eS sieht um die Unfehlbarkeit irgend welcher stehenden Armeen stets sehr flau auS. Ein unvermischteS Glück! Quod erat demonstrandum! (Das war zu beweisen.) Und der bekannte Kuja« Barzinski, der, obgleich sehr unpoctischer Schnapsbrenner und Papiermüller, den- noch in„erhabenen" und„geflügelten" Worten macht, die sein „Hauptpreßbüreau-Wauwau" Kladderadatsch schnurrig wedelnd in alle Welt verbellt, schreibe sich« hinter die Ohren: Xos aper auditu praeoellit, aranea tactu Canis odoratu, lynx visu, simia gustu!*) Also trotz Potz Lauenburg und Millionen! nur nicht zu „üppig!" Zwar kann er wie Marx sagen:„8egui il tuo curso j lascia dir le genti, oder wenn ihm sein eurso weniger klar, als dem Marx der eigene, faywaiv« SiXuiaiv, ri /tot /u�«'(mögen sie reden, was sie wollen, was kümmert« mich?), ins Varzinisch-Kaffubisch» Pommersche übersetzt:„ick...... uf de BcngelS". Nur wolle er bedenken, daß, wenn man Plünderungsgclder, oder KontributionS- gelder, oder AnnexionSgelder, oder Beutegelder, oder— jetzt habe ich das richtige Wort.— DotationSgclder eingestrichen hat, solche Reden gar häßlich zu Munde stehn. *) Der Eier ist UNS voran im Horchen, die Spinne im Gefühl, der Hund im Riechen, der Luch« im Sehen, der Asse im Geschmack. *) Ein wenig Latein und Mathematik ist hinreichend. Die Kinderarbeit. Wenn es eine Einrichtung in der heutigen Gesellschaft gibt, an welcher die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen in der haarsträubensten Weise sich nachweisen läßt; wenn eine Einrichtung existirt, welche daS Gefühl jedes menschlich Fühlenden zur Em- pörung bringen muß,.dann ist eS die Kinderarbeit, wie sie allen Gesetzen und Behörden zum Trotz in unseren Fabrikbezirken in grauenhaftester Blüthe steht. Eine Menschenklasse, die bis zu einer solchen Degradation aller Menschlichkeit versinkt, daß sie unfchul- dige Kinder ihrer Gewinnsucht und ihrem Wohlleben opfert, mit kaltem Blute hundert und tausende junger Menschenleben knickt und vergiftet und ihren Egoismus so weit treibt, daß sie mit größter Rasfinirtheit Mittel und Wege ausfindig macht, Kinderblut auch über die vom Gesetz gezogene Schranke hinaus in rothes Gold zu verwandeln, verdient die tiefste Verachtung aller, die sich Menschen nennen. Schmach einer Geftllschaft, welche die Stirne hat, die Zugrunderichtung der Kinder der Armen in dumpfen» stockenden und staubgeschwängerten Fabrik- und ArbeitSräumen als eine„ökonomische Norhwendigkcit" zu vertheidigen und gesetzlich zu gestatten! Und waS sollen wir halten von einer Staatsoer- waltung, die nicht einmal den Standpunkt primitivster Mensch- lichkeit einnimmt, um durch ihre Organe die strengste Ueberwachung der Aufrechterhaltung der vom Gesetz gezogenen Schranken in Bezug auf die Ausbeutung und Zugrunderichtung der Kinder an- zuordnen? Nur eine Gesellschaft, in welcher der krasseste Egoismus der herrschenden Klassen das Scepter führt und die Staatsgewalt selbst nur ein Werkzeug dieser Klassen ist, kann Zustände dulden, wie sie schon so häufig in diesem Blatt, namentlich in Bezug auf die Kinderarbeit geschildert worden sind und wie wir sie heute nach einem Bericht des„Crimmitschauer Bürger- und Bauern- freund" auS Werdau unfern Lesern aufS Neue vorführen müssen. Das genannte Blatt schreibt: „Als wir vor einiger Zeit in Ihrem Blatte den Nvthschrei auS Werdau, die Kinderschinderei betreffend, vernahmen, waren wir der Ueberzeugung, daß der betreffende Nvthschrei nicht die mindeste Wirkung ausüben würde, und die Erfahrung hat un« nicht getäuscht. Wenn auf die RhinozeruShaut der Betreffenden noch einige Einwirkung ge|chehen soll, so müssen sie mit Skor- pionen, statt mit Ruthen gepeitscht werden, denn da gibt e« Keineu, der Gutes thut, auch nicht Einen. Ob|ortschrittlich oder konser- vativ, demokratisch oder nationalliberal: in der Kinderschinderei sind sie alle eines Sinnes. Gedankenlos geht die Menge, gebildet und ungebildet, vorüber; die Zustände find da, welche Habsucht und Dummheit geschaffen, und Wenigen fällt e« ein, dazu bcizu- tragen, daß es anders wird. Und dabei vermehren sich die Un- glücksfälle auf eine erschreckliche Weise; eS vergeht wohl selten eine Woche, wo nicht Arbeiterblut, und darunten oft Blut der Kinder, in den Fabriken vergossen wird. Für den Moloch de« Kapital« riSkirt der Arbeiter sein Leben, und doch soll er noch ftoh sein, daß ihm Arbeit geschafft wird. Und die Fabrikkinder, wenn hier kein Einhalt geschieht, was wird noch aus ihnen werden? Wa« nützt die Mühe, die der Lehrer stch mit diesen abgerackertcn Geschöpfen gibt? Die Schulstunden sind ihre einzige Ruhezeit; es ist gut, daß sie jetzt außer den Schulstunden mit Lernen wenig geplagt werden; aber auch das Wenige— wann sollen sie eS denn lernen? Wenn sie Abend« todtmüde nach Hause kommen, oder ftüh, wenn sie in Wind und Kälte hinaus an die Arbeit müssen? Ist da nicht ein jeder Schlag, den die betreffenden Fabrikkinder wegen Faulheit und Unwissenheit empfangen, im höchsten Grade ungerecht, da ihnen nicht die geringste Zeit bleibt, ihre Aufgabe zu lernen und ihre Schularbeiten auszuführen? Sind sie nicht schlimmer dran als die Erwachsenen, weil dieselben nach der Arbeit wenigstens Ruhe haben? Sagt nicht das Gesetz ausdrücklich, daß die Kinder des Tages nur sechs Stunden beschäftigt werden dürfen? Mächte doch der Fabrikantenverein die Paragraphen deS Lande«- gesetzcS, welche die Kinderarbeit in den Fabriken regelt, ebenso von Zeit zu Zeit bekannt machen, wie andere Paragraphen! Möchten doch die Herren Lehrer, wenn die Kinder ungewaschen nnd voll Schmutz in die Schule kommen, dieselben fragen, wo sie arbeiteten und wie lange sie arbeiteten,«nd dann die betreffenden Herren Fabrikanten zur Anzeige bringen, statt daß sie den Kindern sagen sie wüßten doch, daß sie in der Tageshälfte, wo sie Schule hätten, nicht in die Fabrik gehen sollen. Was nützt es den Kindern, wenn ihnen gesagt wird, sie sollen nicht hineingehen, wenn sie Niemand schützt? Wie eifrig sind nicht manche dienstthnende Geister der Herren Arbeitgeber bemüht, wenn die Kinder früh ein Viertclstündchen eher aushören wollen, um noch etwas Schularbeit zu machen, oder sich zu waschen, dieselben wieder zurückzujagen, damit nur ja keine Minute versäumt wird; da ist, wenn das Gefetz nicht hilft, auch gar nichts von Erbarmen zu spüren. Würde denn Werdau zu Grunde gehen, wenn, wie es in vielen anderen Städten zu Ehren der dasizen Fabrikanten der Fall ist, die K.nder nur den gesetzmäßigen halben Tag in die Fabrik gingen? Mancher Vater würde seine Kinder nicht in die Fabrik schicken, aber das ist ja eben der Fluch der Armuth, daß die meisten Eltern nicht «ehr so viel»erdienen, um ihre Kinder zu ernähren, und daß die Kinder statt Fortschritte in der Schule, Fortschritte in der Fabrik machen müssen. Wie manche Eltern sehnen die Zeit heran, wo ihr erstgeborne« Kind, oft auf Kosten seine« Leibes und Geistes, einige Groschen mit verdienen kann; sie wissen es aber auch; aber gleichwie Herkules am Scheidewege, stehen sie da, kämpfend zwischen Pflicht und Gewissen, auf der einen Seite Plage und geistige Berdummung der Kinder, aus der anderen Seite Roth und ma- tcrielleS Elend für die ganze Familie. Mit einem Schlage kann es nicht abgeändert, aber gelindert kann die Plage der Kinder werden, und so ergeht noch einmal der Mahnruf: An l?uch Ihr Eltern, gönnt Euren Kindern den halben Schultag zur Erholung! An Euch, Ihr Herren Lehrer, tragt dazu bei, daß das Landesgesetz für die Fabrikkinder kein leerer Traum sei! An Euch, Ihr Herren Arbeitgeber, die Ihr diesem Unwesen mit einem Schlage abhelfen könnt, wenn Ihr wollt, respektirt die Gesetze, wenn Euch die Kindernoth nicht rührt! Und an Euch, die Ihr dazu bestimmt seid, die �Gesetze ausrecht zu erhalten: Wachet, suchet, und Ihr findet Alles!" Wir richten Angesicht« der hier geschilderten Zustände die An- frage an die sächsische Regierung, ob sie diesem Treiben Unmensch- licher Ausbeuter nicht endlich ein Ende machen will! Es mag für eine Regierung eine reckt angenehme Sache sein, den Be fall der Ausbeuter aller Schattirungen hinzunehmen, für die Verfolgungen, welche sie seit Iahren gegen eine Partei, welche unserem gesell eine Kanons abnehmen konnten, diese am 18. zwei deutsch: Ge- schütze fortschleppten. Hiermit war genug gesagt. Aber der Schweiger Moltke muß noch eine Vorlesung halten, sonst geht's nicht. Also erzählt er den Audachtslümmeln, daß gemäß der „heutigen Taktik" die Artillerie in den vordersten Reihen kämpfen muß; daher hätten die Deutschen die zwei Kanonen vecloren. Man kann aus seinen Worten lesen, daß, hätten die Franzosen dieser seiner„heutigen Takcik" Genüge geleistet, so hätten sie wahr- scheinlich viel mehr Kanonen verloren und seinen Lobspruch g:- erntet, denn er sagt, daß die Oestceicher, deren Artillerie der Ja- fanterie in der avancirtesten G-fechtslinie b.'ispranz, 160 Kanonen auf„die ehrenvollste Weise" los wurde. Die östreichische Artillerie, wie er selbst orakelt, manöorirte auf solche Art, weil da? öftrei- chische Infanteriegewehr dem preußischen nachstand. Da nun aber der französische Chassepot dem preußischen Zündnadelzewehr über legen.war, so gab eS wohl für die deutsche Artillerie einen Grund, aus der Roth ein Gebot zu machen, grade wie die östrei- chische bei Königzrätz gethan hatte, aber für die französische konnte es nickt angewiesen erscheinen, sich zwecklos von der in Rohrkonstruktion und Beweglichkeit überlegenen gegnerischen Artil- lerie zusammenschießen zu lassen. Für Moltke muß eS allerdings sehr unbequem sein, daß in den drei Tagen des 14.. 16., Ig. Aug. 1870 40,000 Deutsche getödtet und verwundet wurden, trotzdem man die französische Artillerie in für ihn so dunkler Weise führte, daß er noch heute sagt,„ob unter diesen Umständen die Thatsache, kein oder nur ein Geschütz verloren zu haben, ein besonderer Be- weis für die Tüchtigkeit der französischen Artillerie oder für deren Ausdauer im Kampfe ist, mag dahingestellt bleiben." Nun glaube man aber ja nicht, wozu man durch den Moltke- schen Schweigebrief veranlaßt sein könnte, daß die französische Artillerie sich etwa nicht gehörig, und sogar oft gegen die deutsche Artillerie in jenen Tagen geschlagen habe. Es„entspricht nicht ganz dem Thatsächlicken", um höslichst in Molike'schen Worten zu sprechen, wenn man behauptet, wie er ganz dreist thut, daß die französische Artillerie„meistentherls ein bald beseitigter Gegner war". Wer Genaueres hierüber wissen will, der lese„Die deutsche Artillerie in den Schlackt n bei Metz. Bon Hoffbauer, Haupt- mann und Batteriechef im Ostpreußischen Felda, tlll'eriereglment Nr. 1. Lehrer an der vereinigten Artillerie- und I genieurschule. schaftlichen Unwesen zu steuern sucht, ausübt, aber wir meinen, eme� Berlin 1872. Mittler und Sohn." Also ein offiziöses Buch Regierung sollte in ihrem eignen Interesse, da, wo die von ihr gehätschelten Klassen die Menschenschinderei bis zum öffentlichen Scandal treiben, sich verpflichtet halten einigermaßen einzugreffen. Die sächsische Regierung hat sich von ihrem Landtag 11,500 Thlr. bewilligen lassen für die Aufsicht der Fabriken und die technische Beaufsichtigung der Dampskesselanlagen, sowie des Steinbruchs und Privathüttenwesens. Dieses Institut der Fabrikinspektoren besteU überhaupt schon seit einigen Jahren, gemerkt haben die Ar- beiter davon aber noch nicht das Allergeringste. Es geht mit diesen Fabrikinspekwrcn wie mit den Belgwerksinspektoren. Die Herren machen fleißig Besuche aber— bei den Herren Arbeitgebern. Treten Unglücksfälle ein wie die in Lugau und Burg, dann kommen die weisen Herren und beweisen, daß die Unternehmer— unschuldig seien. E nzelne Unglücksfälle, wie sie fast täglich in unfern Kohlen gruben stattfinden und in die weitere Oeffentlichkeit nicht dringen, werden erst gar nicht beachtet oder die Inspektoren treffen dann ein, wenn jede Spur des Unglücksfalls, welche ein Verschulden des Unternehmers nachweisen könnte,— beseitigt ist. Diese Berg- iuspektoreu sind bei unfern Bergarbeitern längst zum Gespött ge- worden; das Gleiche scheint mit den Fabrikinspektoreu werden zu sollen. Dieser Unthätigkeit Derjenigen gegenüber, welche von AmtS- und G-setzeSwegen verpflichtet waren, der allzutollen Verwüstung des Menschenlebens Einhalt zu thun, giebt eS für die Arbeiter- klaffe nur ein Mittel, das Mittel rücksichtslos angewandter Selbsthülfe. Die Arbeiterpartei ist hinlänglich stark genug organistrt und besitzt in allen Febrilen ihre Anhänger. Man geht folgendermaßen vor. Der Parteiausschuß arbeite die ent- sprechenden Formulare aus, wonach festzusteUen ist: Der Name de« Fabrikanten, die Art der Arbeit und des Arbeits- raums, die Dauer der Arbeit für Kinder, da« Lebens- alter Moltke weiß, daß, wer so dumme Fragen stellt, wie unser Le,p- ziger, solche Bücher nicht liest oder nicht versteht, und glaubt, daß Alle, welche sie mit Verständniß lesen,„das Maul halten müssen." Das Diktum Moltke's über die„neue" Verwendung der Ar- tillerie ist nickt das Papier Werth, auf dem es geschrieben. Nicht nur der Artilleristen- und Pferde-, sondern auch der Munitions- verbrauch ist dabei ein so enormer, daß in kürzester Zeit weder die Menschen, noch die Pferde, noch die Geschosse zu crsetz-n sind. Auch schießt in F-lge der Molike'schen„neuen Taktik" die deutsche Artillerie, aus Eifer für die Wissenschaft, viel öfter als wünschen« vergaßen zu erwähnen, daß, wer in England im Zusammeuhr mit einer Wahl nachträglich 100 Thaler für ein Landvaisi Haus bezahlt, ebenso gut auf's A�mesünderstühlchen unv Nummer Sicher muß, wie wer sie vorher bezahlt Das Gesi macht gar keinen Unterschied, und von RechiSwegen. Unv( deutschen Gesetze hinsichtlich der Wchlbcstechung übertreffen> englischen an Strenge. Kerken Sie bald, lieber Leipziger Mast bücger, wohin Sie eigentlich gehören? Ueberläuft Sie nicht-» Gänsehaut und fühlen Sie nicht schon im Geiste die Flöhe h Leipziger Bezirksgerichts auf Ihrem patriotischen Mufterbänchlt herumtanzen? / — Der Zweck heiligt da» Mittel. In einem Artid worin sich die„Volkszeitung" vor der„Kreuzzeitung" von de Verdacht sozialdemokratischer Gesinnung rein zu waschen sucht, e< schlüpft dem, bekanntlich stark in Cnlturkampf machenden und f Jesuitenmoral von der Heiligung des Mittels durch den Zweck> Grund und Boden verdammenden„Organ für Jedermann fll dem Volte" nachstehender Satz:„Wo di« HandlunzSwei selber uns zusagt, sind die Motive uns ganz gleichgii tig." Und damit man ja nicht darüber im Zweifel sei, daß Satz auch ernsthaft gemeint, wird er obendrein noch gesper Merkt die unglückliche„Volkszeitung" denn nicht, daß sie, ul zwar in der unverhnlltesten Weife, ganz ohne heuchlerisches Feig- blatt, vaS abscheuliche, unmoralische, während der letzten fl Vierteljahre von unseren tapferen Culturkämpfern, inclusi» „Volkszeitung" in Hunderttausenden von Leitartikckn, Büchs Broschüren, Flugblättern bekämpften und an den Pranger gest« ten Jesuiten-Grundsatz: der Zweck heiligt das Mittel! m gesprochen und als ihren eigenen proklamirt hat? Merkt die glückliche„Volkszeitung" nicht, daß ihr mit ihrer Fassung Iffuitengrundsatzes nicht einmal das Hmterthürchen geöffnet blei durch welches die schlauen Jesuiten entschlüpfen können, indem erklären: Für uns handelt es sich nur um heilige Zwecke; ve nur ein heiliger Zweck kann ein Mittel heiligen. Ein unheiliF Z veck würde auch ein an sich unverfängliches Mittel unhei! d. i. unsittlich machen. Aber die Fassung'der„Volkszeitung" da giebt's kein Entrinnen: Alles, waS Einem„zusagt", ist re und gut, mögen die Motive sein, welche sie wollen. Zum B spiel, eS fällt einem Redakteur der„Bolkszsitung" ein— wir zählen nicht, sondern erläutern bloß— also es fällt einem Z dakieur der„Volkszeitung" ein, neben seiner legitimen Eh st sich noch eine illegltrme zu halten; die„Handlungsweise sagt r zu"— ergo ist sie recht und gut,—„die Motive find g gleichgültig", ganz gleichgültig ick, ob besagter, natürlich für Heiligkeit der Familie schwärmender Redakieur, aus Tendenz, a OrvnungSpriozip, zur Bethätiglliig seiner guten Gesinnung, a aufopfernder Begeisterung für vaS Institut der Familie sich z» Familien angeschafft hat, sozusagen alS lebendigen Protest ge« sie bösen Sozialdemagogen, welche die Familie ganz abschaf! wollen; oder ob die Triebfedern weniger erbabener und rei> Natur gewesen sind. Genug„die Handlungsweise sagt ihm z< werth, ihre eigenen Landsleute todt. Dies ist am 14., 16., 18 August 1870 geschehen. Ja, die„neue Taktik" hat eine so! und damit basta. Em anderes Beispiel:' der Eigenthümezz wissenschaftlich verknotete Artillerieschießwuth erzeugt, daß Gegen- j„Volkszeitung", der Dank seinen Arbeitern ein reicher Mann befehte, Bitten um Einstellen des Feuers gegen deutsche Trupp n worden ist, mackt bekanntlich in Arbeiter freunblichkeit und gew« als verrätherischer Blödsinn erscheinen mußten.(Siehe Hoffbauer.V vereinlicher Sozialvemagogie. Diese„Handln gsweise sagt il Uebrigens war das Verfahren der Deutschen Artillerie in jeneri zu"— kein Zweifel; sonst würde Herr Duncker seme Zeit, die Tagen, wie selbst Hauptmann Hoffbauer, Ritter des eiserneniGelv ist, nicht auf derlei Dinge'verwenden. Bisher hatten Kreuzes erster Klasse und unbedingter Anbeter seiner Vorgesetzten j gedacht, wir wüideu den Compagnon deS Musterhirsch beleid iF sagt, ein„improvisirtes". Molike nennt eS schnell eine Erfüllung I I i l � wenn der«Anforderungen der heurigen Taktik", welche„verlangt, daß die Artillerie es nicht scheuen darf(Moltke'scheS Deutsch), sich in die vordersten Linien der kämpfenden Truppen einzureihen, oder behufs Abwehr eines feindlichen Angriffs bis zum letzten Momente auszuharren und die rndern Waffengattungen zu bcsckützen." Diese Anforderungen sind aber schon lange vor Moltke an die Artillerie gestellt worden. Fest steht gar nichts über der Artillerie „heutige Takiik". Vor 1815 ist nichts von Belang darüber g'- schrieben worden und seit 1815 hat die preußische Anillerie viel o-faullenzt und ihre Olstsicre sich unter einander hin und her ge- zankt. Seit 1866 glaubten die Preußen, sie hätten die Kanonen- Weisheit gepachtet, weil sie nämlich zufällig eine bessere Kanone Sie haben im französischen Ktiege und der wöchentliche Verdienst der Kinder,- ver� tägliche Schulunterricht und welcher Art dieser Schulunterricht ist.> als einige Nackbarn bi saßen._,. Ob iu den Fabriken Strafen für Kmder angewendet werden und! mit ihrer Artillerie> ur nach einer Taktik herumgetastet, die sich, welcher Art diese sind u. s. w. wie dem simpelsten Menschen einleuchten wird, mit jeder fühlbaren DaS Resultat einer solchen Untersuchung ist im weitesten Sinne Verbesserung des Geschützes ändern muß des WorteS der Oeffentlichkeit zu übergeben, außerdem den Re gierungen und dem Reichstag mitzutheilen. Eine solche statistische Erhebung, welche ohne große Mühe unv in bedeutendem Umfange vermittelst uiiserer Parteiorganisaiion sich bewerkstelligen läßt, bietet nicht nur ein sehr dankbares Feld für die Parteiwirksamkeit, sondern wird auch die Versuche derjenigen Ausbeuterkrerse, welche immer unv immer wieder die gesetzlichen Normen für die Be- schränkung der Kinderarbeit verringern wollen, ein für alle Mal zu uichte machen. Unsere Herren Volksvertreter aber dürften durch cme solche Statistik eine kleine Ahnung bekommen von den Zuständen, auf denen die von ihnen so gepiiesene Cnltur ausgc- baut ist und von den Versuchen, welche den Unwillen und die Empörung der arbeitenden Klaffen immer drohender und drohender werden lassen. Neben diesen von Seiten der Parteibehörden anzuordnenden statistischen Erhebungen ist es Pflicht der Parteigenossen, mehr als bisher Fälle großer Ausbeutung, namentlich dann, wenn sie auch zugleich gegen die bestehendeu Gesetze verstoßen, in der Parteipresse zu veröffentlichen. Und zwar darf hier nicht mit verfteckicn An- deutungen und Verschweigen � der Namen vorgeganzen werden, sondern der Thatbestand muß zwar streng wahrheitsgetreu, aber auch mit voller Namensnennung der Schuldigen an den Pranger gestellt werden. Wir müssen dem Gegner den Daumen auf« Auge setzen, wenn wir zu unscrm Rechte kommen und uns Gehör verschaffen wollen. ist nur Humanitär, wenn man eS unternimmt, die ebenso einfältigen als greisenhast-ansplucksvollen Orakelsprüche des Moltke und seiner Tiabantsn, wie sie sich in Büchern, Zeitungen, Reden und Briefen ans Licht wagen, in« Lächerliche zu ziehen und zu schänden zu machen. Politische Uebersicht� — Der schweigende Stabsschreier Moltke und sein jüngster Leipziger Correiponveut. Man schreibt uns: London, 13. März. Der Mordspatriotismu« irgend eines Leipziger MastbürzerS scheint unangen-hm angek tzett woroen zu sein durch die Thatsache, daß die Franzosen vor M>tz kein Geschütz verloren, den Deutschen dagegen solche abgenommen haben wollen. In seinem Kanonen- si der brtlet er den bekaunten Halbgott Moltke um Aufklärung, der>bm im„Leipziger Tageblatt" eine« seiner schnurrigen Orakel- chen aushängt, wonach zwar einige sranzösischc Generale im Ba- zaine'sck, n Prozeß Ungenaues über die gegenseitige Kanonenweg- nähme zu Tage gktö.de.t hätten, jedoch zugegeben werden muß, daß, während die Deulsche» am 16. August den Franzosen nur — Ein Leipziger Bürger hat an den Pastor Schütz zu Leutzsch im Leipziger Landwahlk cis folgenden Brief geschickt, der jetzt natürlich pflichischulbigst die Preßrunde macht:„Der Wunsch, meiner Freude darüber Ausdruck zu geben, daß ein großer Theil deißWähler deS 13. Wahlkreises, auch namentlich in Ihrem Leutzsch, zu der Einsicht gekommen ist, daß Leute, wie Bracke zun. k.ine würdigen Vertreter Sachsens im Reichstage sind, veranlaßt mich, Ihnen hierbei 100 i-ihlr. in einer fünft rozentigen PrioritätS-Obli- gation(doch kein„patriotischer" Stroußberg?) mit der Bitte zu überreichen, solche dem FondS des LandwarsenhauseS zu übermic tclu." Rechenaufgabe: Wenn dieser Prozeutpatriot, der die Ge- fühle und Gesinnungen so hübsch in blanken(oder auch nicht blanken) Tbalern auszudrücken versteht, nach dem Siez für den errungenen Sieg 100 Thlr. bezahlt, wie viele Thaler mag er nebst sonstigen Prozentpatrioren vor dem Sieg für den zu errin- genden Sieg bezahlt haben? Beiläufig hat der betreffende „Leipziger Bürger" sehr wohl daran gethan, seinen Namen zu verschweigen, denn das Huudertthalergeschenk sieht wie ein Ei dem anderen einer Wahlbesteckung ähnlich, und könnte sehr leicht juri- In England ist es sogar, wlr sagien: seine zur Schau gestellte Ardeiterfrsundüchl' und sein ganzes sozialdemagogisckeS Werken sei ans die eigi nütziasteo, nach gewöhnlichen Begriffen niedrigsten Beweggrü� zurückzuführen. Nackvem aber die„Volkszeitung" des Hih Duncker den obigen Satz ausgesprochen hat, kann Herr Du es keine Beleidigung mehr barin finden, denn„wo die Handlnni weise selber uns zusagt, sind die Motive uns ganz gleis gültig." — Ein ungarischer Lakai, der irrthümlich Jokai b stabirt wird, hatte jüngst eine Unterredung mit Herrn v. BiSma' bei welcher Gelegei heil der„Geniale" in seiner gewohnten'S mit„Wiyen" und Rennomistereien um sich warf, wie sie auf Studentenkneipereien nach 12 Uhr NachtS mW zu fein pfle Ebenso geistreich und staatsmänmsch. Die Studenten haben für einen besonderen KnnstauSbruck und nennen es Bierrevl Der ungarische Lakai ließ natürlich die Bismarckische Bierrede! fort drucke und obgleich darin Dinge vorkommen, die außer'i deS Kneipendunsteö und vor 12 Uhr NachiS fthr bedenklich» verfänglich langen, so hat das Laborgan des„Genialen", „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", doch in den teyren Tagen' Bismarck'sche Bier rede in einer Weise erwähnt, die eine Bes tigung des LakaienberichtS involvirt. Unter Andern bierredete 1 „Geniale", die Franzosen seien eine Nation von Köchen, Friftl» und Tanzmeistern; wenn man dwse wegnehme, bliebe blos! roihe Indianer übrig. Nach 12 Uhr Nachts auf einer Studenti kneipe gesagt, mag daS ein ganz„guter Witz" sein für Z ahöft von denen Jeder die Dünste von einem Dutzend Seidel Bier Hirn hat; wenn aber ein„Staatsmann" in einem kritischen� ment, wie dem jetzigen, ein stolzes und mächtiges Volk, vaS n; aus frischen Wunden blutet, die dieser nämliche Staatsmann» der von demselben geleitete Staat ihm zugefügt haben, beschiwl so ist daS kein Witz, nicht einmal ein schlechter, auch keine 11' zogenheit, sondern entweder eine wohlüberlegte Provocati oder eine bei einem gesunden Menschen unbegreifliche Handle die vor das Forum der Psychiatrie gehört. Jede der be'i Annahmen hat aber gleichwenig ErbaulickeS für die 40 Millio- Menschen, de,en Schicksal momentan in die Gewalt dieses geni« WitzemacherS gegeben ist. Briläufig, da wir gerade von dem Manne reden, sei erwiff daß Herr Bismarck sich wieder geweigert hat, die ihm auferiei Steuern zu bezihlen. Er sei zu hoch eingeschätzt. DaS mag Steuern zahlen, daß eS schwarz wird. Aber daß der H Minister, der ihm die Steuerschraube ametzt, selber Steuern 1 E fli a> 2t 9 6 b- sck 13 SD, stisch in eine solche konstruirt werden. um dem Gefetz eine Nase zu drehen, die gewöhnliche Praxis, daß�______.......- � das Bestechungsgeld hintennach unter irgend einer möglichst zahlen soll— daS ist nicht in der Ordnung. Im Gegenst. harmlosen Fama ausgezahlt wird. Hundert Thaler für den Fonds, vaS Volk muß ihm noch Dotationen g ben— vier Mit! oft eines Landwaisenhauses, daS ist kein Pappenstiel für eine Land- � fünf Millionen. Der Himmel und Bleich, öoer wissen, wie Jj gemeinde, und sehr wohl geeignet, den Pfarrer, Bürgermeister und � Vermögen der Mann hat der vor 10 Jahren so arm war,)» Gemeinderath stark zu deernflussen. Und wie pun, wenn die 100 eine Kackenmaus. lind doch diese Steue>verweigeruna! Ist Thaler schon vor der Wahl für den Fall einer genügenden Eifer-. lich nicht daS erste Mal. Das Geld ist ein schön Dmg. � R eniwicklung gegen den sozialdemokratischen Candidaten versprochenes riecht nicht. Auch Blut bemerkt man nicht dran. Diebösinek, und von demselben das Antwortschreiben der Meister über die von unS denselben zugestellte Lohnforderung noch einmal vorgelesen. Es wurde bejcklossen, vorläufig von den Forderungen ab,ust hcn, dagegen soll serner das Arbeiten an Sonn- und F-sttagen und während der nebligen Morgen- und Abendstunden in. den Wochen- taaen nur in dringenden Fällen statifinden. Ferner soll für Sonn- tagSarbeit der doppelte TagcSlohn und für jede Ueberstunde in Leipzig. Die Wahl des Herrn vr. Stephani hat 1400 Thlr. gekostet. So besagt ein„UmlansSschreiben", welche eine„liberale" Clique in der Stadt circuliren läßt. Wozu diese Summen wohl verbraucht worden? Die Annoncen haben sicherlich nicht so viel gekostet, und Versammlungen sind keine abgehalten worden. Ist wohl„Freibier" dafür gegeben worden? Hinter den„Machern" der Wahl folgt trübselig mit großem Klingelbeutel die Carneval- gesellschaft, die trotz ihrer unverschämten Bettelei„für die Ar- men" 1000 Thaler Deficit gemacht hat und sogar diejenige» wieder anbettelt, welchen sie schon vor dem Carneval die üblichen drei Thaler zur Beschaffung von Narrenkappen abgebettelt hat. Hoffentlich ist kein Arbeiter so dumm und giebt sich dazu her, dem hohen Siarrenrathe auch noch die Kosten seiner inS Wasser gefallenen albernen Posse zu decken. Die Herren Narrenräthe mögen ihre Dummheiten selber bezahlen, und je theurer sie die- selben bezahlen müssen, desto besser. Es ist überhaupt ein erfreu- liches Z-'chen, daß Narrengesellschasten große Deficit« machen und wirb hoffentlich die Zeit bald kommen, wo alles Sammeln„für die Armen" umsonst ist. Die„Armen", sie mußten mit ihrem Namen sogar he, halten für die Orgien einer übermüthigen Clique u»d nun bettelt diese Clique um Erstattung ihrer Kosten in der Stadt milder.— Die„Lnpziger Nachrichten" bestätigen, daß die Leipziger Staatsanwälte es sind, welche de»„Volksstaat" verklagt baden. Gut! Wir brauchen, um den betteffenden Artikel wirksam zu vertheidigen, nur nachzuweisen, daß der Sozialdemokratie zu Leipzig schon Tendenzvrozesse gemacht worden sind. Trauen Sie uns zu. daß wir das können, Herr Hoffmann u. Comp.? Merlin, 19. März.(Reichstag.) Die Berathung deS Preßgesetzes wurde heute von Z 13 bis 19 fortgesetzt. DaS Gesetz besagt hiernach: Auf die von deutschen Reich«-, Staats- und Gc- meindebehördcn, vom Reichstage oder den Einzellandtagen aus- gehenden amtlichen Drucksachen finden die schon mitgetheilten, von der Ordnung der Presse handelnden Bestimmungen keine Anwcn- dunz.— Liihographirte, autographirte, Metallograph« te und durch- schriebene Coircspondenzen sind, soweit dieselben nur an Redactio- neu verbreitet werden, den Bestimmungen über die periodischen Druckschriften nicht unterworfen.— Bon Plakaten muß vor dem Anschlagen, bez. Verbreiten, der Ortspolizeibehörde ein Pflicht- exemplar eingeliefert werden, worüber dieselbe sofort unentgeltlich Bescheinigungen zu ertheilen hat. Ausgenommen sind amtliche Bekanntmachungen, einfache Bersammlungsanzcigen, Anzeigen über öffentliche Vergnügungen und sonstige Privatangelegenheiten.— Die ortspoli.eilicken Bestimmungen über Art und Ort deS An- schlags von Plakaten werden durch daS Preßgesetz nicht berührt. — In Zeiten der Kriegsgefahr oder des Krieges können Mitthei- lungen über Truppenb-wegunge»:c. verboten werden.— O.ff-nt- licke Aufforderungen mittelst der Presse zur Ausbringung erkannter Gelbstrafen u d Kosten sind verboten.— Eine längere Debatte veraniaßte Z 17 deS Entwurfs, der bestimmt, daß ausländische Blätter, welche binnen Jahresfrist zweimal aus Grund de«§ 41 und 42 des Strafgesetzbuchs verurtheilt sind, vom Reichskanzler auf zwei Jahre verboten werden können. Die E süsser fanden diese Bestimmung hauptlächlich auf die französische Presse gemünzt, welche bei ihnen verbreitet»st und baten, mit einer wenig rühmlichen Bescheidenheit, man möge wenigstens die Zeit des Verbots von zwei Jahren� auf sechs Monate herabsetzen/ Abg. Sonne manu beantragte Streichung de« Paragraphen und Windthorst benutzte die Debatte wieder zu einigen recht artigen Ausfällen. Zur Zeit als die Biarritzer Besprechungen in Flor waren, meinte er, dachte die Regierung nicht an Verfolgung der französischen Presse, da war sie der reine Marzipan. Er verlangte unbedingte Freiheit der Presse; mir Polizei richte man bei den jetzigen V.rkehrSver- hältniffen nichts gegen die Journale aus, und je mehr er dem Gange der Verhandlungen aufmerksam folge, finde er, daS ganze Preßgcsetz bestände am Besten aus einem einzigen Paragraphen, der also lauten mußte: Die Presse ist frei; wer durch sie ein Ver- brechen begeht, wird nach dem Strasgesetzbuche bestraft. Spöttisch bemerkte Wii-dthorst, man entbinde diejenigen, welche Plakate wegen öffentlicher Vergnügungen anschlagen, ausdrücklich von der Pflicht, ein Exemplar bei der Polizei einzureichen, von öffentlichen Trauerplakaten spreche man aber leider nicht und dazu wäre in »nserer traurigen Zeit doch so viele Veranlassung.— Der Däne Krygcr benutzte das im Preßgesctz vorkommende Wort„Kriegs- Stsahr", um der Regierung zu sagen, daß die Kriegsgefahr für )eutschland permanent sei, da dasselbe cS nicht für nothwendig erachte, eingegangene Verträge zu halten, wie§ S des Prager Friedens beweise, und der patriotische Präsident hatte viele Mühe, den unangenehmen Reichsfeind zur Ruhe zu bringen. DaS kommt »»m Annektiren.— Die Abstimmung über den oben besprochenen Paragraphen des PreßgeseyentwurfeS, das Beibot ausländischer Blätter betreffend, wurde vertagt. Aerttit, 21. März. Die ganze Woche hindurch hat sich der Reichstag mit dem Preßgesetz, zweite Lesung, beschäftigt, ohne da- mit völlig zu Ende gekommen zu sein. Die Vorlage der Preß- «emmisston ist bis jetzt in allen wichtigen Punkten angenommen worden. AuS der heutigen Sitzung, welche 6 Stunden dauerte, ist bemerkenSwerth, �daß der berüchtigte§ 20 der Regierungsvorlage, nachdem ihm der Regierungscomissar von Brauchitsch eine jämmerliche Empfehlung mitgegeben hatte, vom Reichstage ein- stimmig abgelehnt wurde. Ueber daS ganze Gesetz werde ich Ihnen berichten, sobald eS die dritte und entscheidende Lesung passirt hat. Zum§ 1 des PreßgesetzeS sprach Hasselmann, mit Hinweis auf ein von ihm, Hasenclever und Reimer gestelltes Amendement, welches das ganze Gesetz in einen einzigen Paragraphen zusammenziehen wollte. Selbstverständlich fiel daS Amendement, da der Reichstag sonst unmöglich hätte seine juristischen Lichter leuchten lassen können. Ein gleiches Durchfallsschicksal hatten alle Amendements, welche von Seiten der Sozialdemokraten zum Preßgesetz gestellt worden waren, obwohl einzelne davon offenbar nur fielen, weil sie von Sozialdemokraten herrührten. Durch diese Taktik bringt der Reichstag die Sozialdemokraten zu dem, was viele Parteigenossen überhaupt für das Richtige halten, nämlich zum Verzicht auf alle VerbeflerungSanträge, mit dem Vorbehalte, zu jeder wichtigen Gesetzesvorlage in einer Rede prinzipielle Stellung zu nehmen. Letzteres ist allerdings nicht leicht, insofern es reiner Glücksfall ist, wenn ein Sorialdemokrat zu Worte kommt. Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen bei dieser Gelegenheit einen kleinen Abriß der Geschäftsordnung des Reichstags gebe. Eine Rednerliste giebt es nicht, daher erhält Jeder, welcher sich zum Worte meldet und Eon- «urrenten hat, nur nach dem Ermessen des Präsidenten daS Wort. Der Präsident aber läßt zuerst Diejenigen sprechen, welche große Fraktionen vertrete», daher es denn sehr oft zur Annahme des Schlusses der Debatte kommt, bevor ein Wilder, das sind solche Mitglieder, welche keiner Fraktion angehören, oder ein Sozialdemokrat zu Worte gelangt. Um selbstständige Anträge stellen zu können, sind fünfzehn Unterschriften erforderlich. Diese IS Unter- schriften setzen IS gleichgcsinnte Mitglieder voraus, waS beweist, daß die im Reichstage anwesenden 7 Sozialisten selbstständige An- träge nicht stellen können. In der zweiten Berathung von Gesetz- entwürfen kann zwar jedes Mitglied ein Amendement stellen„allein e« hat nicht das positive Recht, dasselbe zu begründen, sondern muß warten, ob der Präsident Gr seine Rede ein gnädigliches: „Der Abgeordnete N. N. hat das Wort" übrig hat. Will man aber Amendements zur dritten Lesung einbringen, so wird für die- selben, bevor sie überhaupt zur Debatte gelangen, erst die Unter- stütznvgSfrage gestellt. Erheben sich nicht dreißig Mitglieder, dann kommt das Amendement überhaupt nicht in Betracht. Es ist eben einfach ohne Anhörung von Gründen todt gemacht. DaS sind die wichtigsten Fußeisen, welche durch die Geschäftsordnung den Reichs- boten gelegt wurden. Es giebt deren noch mehr, doch werden dieselben genügen, um den Lesern des„Volksstaat" zu zeigen, wie schwer eS für ein kleine« Häuslein vou Gesinnungsgenossen ist, im Reichstage den eigenen Herzenswünschen und dem Erwarten vieler Wähler zu tntsprechen. München. An die Gewerke der Lackirer und alle Fachver- wandten Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz! Collegen allerorts, organisirt Euch! Kein Gewerke ist so wie das der Maler, Lackirer:c. in der Organisation zurück; wir, die wir zu den intelligenteren unter den Arbeitern zählen und darum in der Arbeiterbewegung vorangehen sollten, sind derart zurück, daß hier in München zuweilen Gehilfen gezwungen sind, bei Eintritt in die Arbeit einen Arbeitsvertrag zu unterzeichnen. Sind wir denn so moralisch gesunken, um schriftlich geloben zu müssen, gehorsam und untertänigst häuslichen und sonstigen für miS sehr nachtheiligen Bestimmungen nachzukommen? Dieser Arbeitsvertrag ist ein mora- lischer Faustschlag für jeden Collegen; er beweist, daß wir noch schlafen!! Solch ein schöner Bertrag sollte zu vollen Gunsten der Prinzipale noch einen weiteren Paragraphen enthalten, für die Winterszeit, etwa lautend:„Mohr, du hast deine Schuldigkeit ge- than, jetzt kannst du gehen!" Mit dem Hinweis auf solche Ver- Hältnisse hier am Ort warnen wir alle Collegen vor Zuzug, denn wir sahen durch mehrere Jahre Viele, bitter getäuscht, Münchens Mauern wieder den Rücken kehren. Um aber diese Uebelstände «n der Wurzel anzugreifen, darum Fachgenossen, tretet überall zu- sammen, organisirt Euch, dazu bietet Euch die allgemeine Gewerk- schast der Maler, Lackirer, Vergolder und fachverwandter Gewerke Gelegenheit! Sic ist eS, die uns materiell und geistig heben kann, sie unterstützt ihre Mitglieder in allen möglichen Fällen, sie allein kann durch unser Zusammenstehen dem traurigen demoralistrenden Zustand abhelfen, der so viele Mitbrllder zwingt, bei Eintritt des Winters alle Gaue de« modernen Europa'S zu durchstreifen, um ihr Leben jämmerlich zu neuer Ausbeutung zu erhalten. Und Euch, die Ihr nach mühseligem Ringen eine bessere Stel- tung einnehmt, kann das Schicksal von morgen zurückstürzen in dasselbe Elend, oder zwingen von Thüre zur Thüre bange, kummer »oll zu ziehen, um Arbeit zu erbetteln. Und wenn Ihr durch Jahrzehnte Eure Kräfte einem Prinzipal geopfert, so kann im Falle der Hilflosigkeit Euch nicht geholfen, Ihr habt kein Anrecht darauf! Doch die centralisirenden Gewerkschaften sind allein im Stande, für ihre Mitglieder zu sorgen! Wir sind überzeugt durch Ersah rungen, daß uns insgesammt die einzelnen Lokalvereine, welche bis jetzt bestehen, und die sich noch keiner Centralisation unterworfen haben— uns auch keine bessere Zukunft sichern können. Fachcollegen! Auf, schaart Euch Alle ohne Ausnahme um die Gewerkschaft, sucht Verhältnisse zu schaffen, die uns nicht mehr zwingen, uns selbst gegenseitig auszubeuten und anzufeinden. Zeigen wir, daß wir freie Männer der Arbeit sind und eiftigst bestrebt, für ein menschenwürdige» Dasein zu kämpfen. Hivwez mit allem Egoismus und aller Feindlichkeit; laßt diesen Ruf nicht s nutzlos vorüberziehen, erwacht, und helft uns gebührende Stellung schaffen. Beachten wir, daß wir bis zum nächsten und zwar den zweiten Malercongreß, der dieses Jahr am 7., 8. und 9. Juni in Deutsch land abgehalten wird, vollständig und würdig vertreten sind. Die Gewerkschaft der Maler, Lackirer und Vcrgolder Münchens. KL. Unser ArbeitsvermittelungS- Nachweis und Fremdenverkehr ist 3 Rosen, Rindcrmarkt Nr. S, München; wir bitten auch alle Briefe dahin zu adressiren. Alle Arbeiterblätter, sowie alle diejenigen Preßorgane, die der Arbeiterbewegung nicht feindlich gegenüberstehen, werden gebeten, da« Vorstehende aufzunehmen. Würzburg, 12. März. Sonnabend, den 28. Februar und Sonntag, den 1. März hatten wir zu Heidingsfeld, Würzburg und BerSbach Volksversammlungen, welche überall einen guten Verlauf nahmen. In HeidingSfeld und VerSbach war die Tage«- ordnung:„Unsere Ziele und die Feinde der Sozialdemokratie". Für Würzburg:„Der Kampf der Parteien auf sozialem und politischem Gebiet, sowie der Schutz in den Gewerkschaften, und Gründung einer Mitgliedschaft der Metallarbeiter- Gewerks- genossenschaft". In sämmtlichen Versammlungen referirte Herr Richard Wolf aus Chemnitz, zur vollsten Zufriedenheit aller An- wesenden. Der Besuch war zahlreich; in HeidingSfeld und hier ließen sich mehrere Personen in die Listen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei einzeichnen, auch mit verschiedenen Metallarbeitern wurden betreffs Gründung einer Metallarbeitermitgliedschaft An- knüpfungen gemacht. Der würdige Seelenhirte zu HeidingSfeld zeichnete sich in gewohnter Weise wieder auS, natürlich nicht an dem bezeichneten Tage, sondern 8 Tage später, wo er eine recht sal- bungSvolle Rede von der Kanzel herunter donnerte. Sein Haupt- angriff war gegen die Fabrikbevölkerung gerichtet.(Die Partei- genossen daselbst sind meistens Fabrikarbeiter.) Unter anderen führte er an, die Beschäftigung in den Fabriken sei blosc Tändelei und führe zum Müsstggang, besonders bei weiblichen Arbeiterinnen. Als Beweis führte er die Haushaltungen an, in denen Nach- lässigkeit, Unordnung, schlechte Kindererziehung u. a. m. zu finden sei. Schließlich flehte der Seelenhirt die Eltern inständig an, ihre Kinder nicht in die Fabrik zu schicken, es sei ihr unauöbleib- licher Ruin. Zugestanden, würdiger Herr. Da Sie das aber erkennen, warum sagen Sie den Leuten nicht die Ursache? Warum befürworten Sie die heutigen Zustände in gesellschaftlicher Be- ziehung? Auch Sie und Ihre Standesgenossen tragen einen großen Theil der Schuld an dem sozialen Uebel, glauben Sie, oder besser gesagt, wissen Sie daS nicht? Tausende von Eltern senden ihre Kinder mit Thränen in den Augen zur Fabrik, warum denn dies? Treiben Sie in Zukunft keinen Spott mehr mit Leuten, die im Schweiße ihres Angesichts ihr Brod verdienen. Um auf den Müssiggang der Arbeiter in den Fabriken zu kommen, sei Ihnen gesagt, daß dieses eine Infamie in de« Wortes weitester Bedeutung ist, denn vom Müssiggang wird man wohlbeleibt, und das sind Sie, würdiger Seelsorger. Was den Müsstggang der Arbeiter betrisst, so bedarf es hierzu keines weiteren Kommentars. Genug davon— ein anderes Bild! als Nachtrag zur Reichstags- wähl geben wir kund, daß Parteigenosse Weckesser und Siebert zu je 1 Thlr. Strafe verurtheilt wurden, elfterer, weil er eine Ver- sammlung zu Rimpar nicht 24 Stunden zuvor anzeigte, mündlich war dem dortigen Landprofessor(auch Bürgermeister genannt) die- selbe allerdings 36 Stunden zuvor angezeigt, thut jedoch nichts. Siebert hatte zu Körnach, nachdem er interpellirt wurde, wer denn eigentlich die Kosten der Agitation trage, die Erklärung abgegeben, daß die Arbeiterpartei dieselben trage, eS könnte jedoch Jedermann nach Belieben etwas dazu geben; auf dieses hin sammelte ein Bürger ohne alle weitere Veranlassung 1 fl. 26 kr. und gab sie den anwesenden Parteigenossen. Auch hier mußte die Gerechtigkeit ein Sühnopser erhalten. Ferner in der Wahlversammlung zu Randersacker nannte Parteigenosse Weckesser den Heidingsfelder Bürgermeister einen Esel. Der gescheidte Herr klagte und Weck- esser bekam 8 Tage Arrest. Der Anlaß hierzu war, daß genannter Herr zu Heidingsfeld unsere Versammlung dadurch vereitelte, daß er den Wirthen bei Strafandrohung verbot, uns ein Lokal zu geben. Auf dem Wege nach Randersacker gingen einige Bürger von HeidingSfeld mit Weckesser dahin, derselbe beschwerte sich über daS ungesetzliche Gebühren des gestrengen Herrn Bürgermeisters, und da meinten die guten Leute, man müßte es halt seinem Un- verstand zu gut halten, denn er gehöre zu den oben genannten Vierfüßlern. Weckesser citirte dieses in der Versammlung und erhielt 8 Tage Arrest. Bei uns geht es immer muthig vorwärts, und wenn auch die Schwierigkeiten noch so groß uns hemmend in den Weg treten. Die Heidingsfelder insbesondere ermahnen wir, fest zur Partei zu halten. Mit sozialdemokratischem Gruß Barchel Weckesser. Gustav Dreißigacker. IranKfnrt a. M., im März. Auf einen von uns im vorigen Jahre erfolgten Auftuf an die Tapezierer allerorts sahen wir immer und immer wieder, daß unsere Collegen leider sich nur lokal am Orte organisiren. Wir fragen nun die Collegen, welche Gründe sie haben, nur lokal sich zu organisiren oder auch gar nicht? Habt Ihr nicht Augen, um zu sehen, wie die Arbeiter aller Länder sich vereinigen? Oder ist eS auch bei Euch, wie bei vielen andern Ar- beitern, der Fall, daß Ihr von einigen Wenigen, die eine hervor- ragende Rolle spielen wollen, ins Schlepptau genommen seid? Nun, allerdings sagen die Wenigen mitunter:„Gehören wir auch nicht direkt zu Euch, so sind wir doch Alle da, wenn eS gilt." Das ist Alles leicht gesagt, aber gethan wird Nichts. Wir leben aber in einer Zeit, wo es gilt, alle Opfer gemein- schaftlich zu bringen, um durch Vereinigung mächtig zu werden, um unsere Stellung al« Arbeiter, unsere Ehre und unsere Rechte zu wahren und ein menschenwürdiges Dasein zu erreichen. Da« sind unsere Ziele. Wir können also suchen, wie wir wollen, wir finden keine stich- haltigen Gründe, mit denen Ihr Euch, Collegen, entschuldigen könnt. Der Wille muß da sein, und eS wird trotz aller Hindeo uisse etwa« zu Stande zu bringen sein. Collegen allerort«! Tretet zusammen! Besonder« Ihr, Collegen von Mainz, Wiesbaden und Heidelberg, vereinigt Euch; tretet mit uns in Correspondeuz, damit wir unsere gesammten Interessen auf einem Congreß berathen können. Im Auftrage der Mitglieder der Tapezierervereiue von Frank- surt, Darmstadt und Mannheim: I. Aßmann. Briefe sind zu senden: Kleine Eschenheimergasse Nr. 26.— Alle arbeiterfreundlichen Blätter wnden ersucht, Obiges zum Ab- druck zn bringen.___ Thlr. 1(zur Agitation), Verden d. Schaper, ges. i. d. Fabrik Engelhardt u. B'rmann Thlr. 1 18, Gelenau d. I. A. Rlr, Liste IIS, Thlr. 1 19, Ernstthal d. C. Bohne Thlr. 4 7 8, Netschkau d. A. Rentsch, Liste 436, Thlr 12 2, und d. Wappler in Brockau, Liste 489 u. 4S0, Thlr. 2 8 8, Sonneberg d. C. Greincr Thlr. 2 6 5, Meerane d. Peterman», Liste 442 u. 443, Thlr. 3— 1, Geesteudors d. A. Kmh Thlr. 2, München d. D.B. von Arbeitern der Gasanstalt Thlr. 3 12 10, Wiesbaden d. Krämer, Liste 741, 742, 745, Thlr. 2 24 9, Bayreuth d. Werdet 27 Gr.. Froh. bürg d. Kästner 2 Thlr., Verde» d. Schaper, gesammelt i. d. Eigarren- fabrik von Engelhardt und Birmann Thlr. 1 1, Renndorf d. Alsleben Thlr. 1 20, Reutlingen d. C. Zirb«, Liste 599, fl. 3 44, Godramstein d. E. Mohl, Liste 143■, 1 Thlr., Erlangen d. Rothlingshöfer 4 Thlr., Alt» Chemnitz d. H. Lohse Thlr. 6 15 5, Geesteudors d. A Kath von Hrn. Wolfersdorf n. Meyer 2 Thlr., Ernstthal d Grabner, Liste 29, 2'/- Br. Mit sozial- demokratischem Gruß H. Benneke, Parteikasfirer, Hamburg, kl. Schäferkamp 24. m Best P°s lmii Sili « Bo 40t 8.- CO; Wahlfond. Liste 1304 dich«. Wls 6 Gr. Liste 954 d. Enzlm Gr. 15 5. Ci Fond für pol. Semaßrenrlte. B. Y. Z. in E. 5 Thlr. Briefkasten der Redaction. E. L. in Großenhain: Die Eonstituiruug eine« »git°tion«comite's muß der Polizei angezeigt werden. Aufgelöst kann dasselbe wohl werden, doch glauben wir nicht, daß die Polizei dessen Sitzungen überwachen lassen wird.— B. in London: Erhalten. Beste« Gruß!— F. E. in London: Erhalten. Auftrag besorgt; demnächst Antwort. Besten Gruß!— Th. R. in Braunschweig: Die Abrechnung ist wegen Mangel an Raum zurückgestellt worden. Die Einreibung der Hamburger Bekanntmachung unter Gewerkschaftliches ist ein Versehen unsrerseits, von der Berichtigung wollen wir jedoch absehen. der Expedition. V. Schwbrg Bergrath Schr. 20 Gr.— Tischler- krankenkasse hier Ann. 24 Gr.— Brn Cöln Schr. Thlr. 3 16.— E. hier Schr. 3 Thlr.— L. A. F. Königsberg Schr. Thlr. 2 10.— Dhn Mülsen St..M. Ann. 24 Gr.— H. Sp Bielefeld Schr. Thlr. 1 24.— A. Mchl Hohenstein Schr. 27 Gr.— I. Endrs Auzsburg Ab. 1. Qu. Thlr. 76 18 9, Schr. Thlr. 3 11 1.— I. R hier Schr. 1 Thlr.— R Ruhla Schr. 1 Thlr.— Klmp Dresden Schr. 18 Gr.— Mllr hier Ann. 4 Gr.— Frl hier Ab. Gr. 17 5.— Bchhm hier Schr Tblr. 1 19 5.— V. d. Abl Aachen Ab. 1 Thlr.— G. Hnrchs Eöln Ab. 1. Qu. 12 Thlr.— M. Lschrn Toulon Ab. Thlr. 2 10, Schr. Thlr. 2 20 F. Hdld Limbach Ann. kostet 12 Gr.— R. Jcbi jr. Frankfurt a. M. Lange's Arbeiterfrage ist vergriffen, Verleger war das Schabelitz'sche Verlagsmagazin in Zürich._ s dir jkti .* r/s kistt k «l Berichtigungen zu Vahlteichs Rede(nach dem stenogr. Bericht) über Freilassung von Liebknecht und Bebel. Nr. 33, Seite 1, Spalte 2, Zeile 38 von unten: reichlich anstatt richtig. Nr. 34, Seite 1, Spalte 2, Zeile 31 und 32 von oben:. Agitation gehen; also aus Reklamirung von Spitzbuben wird ja nie- mal« ein Antrag gestellt werden. Sozialdemokratischer Arbeiterverein. vS-llfjvl'Ul Samstag, den 28. März: Versammlung in der N lo isfC! „Schützenhalle". J�EndrrS, Bors. Sozialdemokratische Arbeiterpartei. 4MS-4-IA Sonntag, den 29. März, Vormittags 10 Uhr: Parteiversammlung in der„Schützenhalle". G. Stollberg, Bertrm. ,'ll fKiu Sn« lei ArbeiterbildungSvcrein. Sonntag: 1—3 Uhr Zeichnen. Montag: Gesang, Turnen, Stenographie, Rechnen. Dienstag: Deutsche, englische und ftanzöfiche Sprache; Schönschreiben. Mittwoch: Diskusston oder Bor- trag. Donnerstag: Gesang, Stenographie, Turnen, franz. Sprache. Freitag: Buchführung, engl. Sprache, Wechselkunde. Sonnabend: Bortrag oder Diskusflou.______________[».] Diejenigen Parteigenossen, welche den Aufenthalt des Steinmetz und Bildhauer« August Rcichclt ermitteln können, werden freundlichst ersucht, dies sofort an mich gelangen zu lassen. Limbach b. Chemnitz._ Friedrich Haubold.[3a ili« 1 Ha i Preßprozeß der„Gleichheit". Ueber die Schlußverhandlung der Klage des Heinrich Oberwinder gegen Andreas Scheu und Robert Wagner wegen Vergehen« gegen die Sicherheit der Ehre erscheint in einigen Tagen ein ausführlicher Be- richt nach den Akten und stenografischen Aufzeichnungen in öroschürensorm. Da einerseits der Raum unsere« Blatte« kaum den Parteiinteressen genügend entspricht und andererseits die gesammte liberale Presse in diesem Prozesse auf Seite Oberwinder'« stand und die vorgebrachten Thatsachen theil« unterschlug, theil« in der schamlosesten Weise fälschte, so erwarten wir, daß die Parteigenossen im Interesse der Wahrheit dieser Broschüre die möglichste Verbreitung verschaffen. Preis eines Exemplare« 20 kr. ö. W.(4 Gr.) Bei Abnahme von mindesten« 10 Stück 18 kr. sammt Postzusendung. Bei Baareinsendung des Betrages oder Gestattung von Nachnahme für Partieen von mindestens 20 Slück 15 kr. ohne Postzusendung. Bestellungen find an die unterzüchnete Administration zu richten. Wie ner-Neustadt, 19. März 1874. Die Administration der„Gleichheit", Pognergasse Str. 8. siin B»« �chi Einige Tausend Eigarren, per Mille 8 Thlr., gegen baar, verkaust Waldheim i. S. Adolph Lepp, Nr. 146« Hosen. •Aecdt Englisch Lederhosen ä Stück 1 Thlr. 15 Sgr. „ Cord-Hosen ä Stück 1 Thlr. 15 Sgr, „ Starke Stoff- Hosen ä Stück 2 Thlr. 15 Sgr. „ Militär-Drillhesen ä Stück 1 Thlr. „ Baumwollene faste Arbeitshosen ä Stück 27'/, Sgr. empfiehlt Louis Gutimann Zum Wahlfoud ging ferner bei un» ein: Von Pfersee durch Steinbacher 1 Thlr., Frankfurt a. M. d. Th. Kalb Thlr. 1 25, Forst i. B. d. K. Urban Tblr. 2 16. Meiningen d. Güth Thlr. 14 5, Wilkau d. Ebert Thlr. 1 10, Ronsdorf d.<5. Thierbacher J.jN] N«. 24 Grimmaische Strasse No. 24. ''tz' in Leipzig. Diejenigen Mitglieder, welche mit ihren Ratenzahlungen anf die von ihnen gezeichneten Antheilscheine im Rückstände sind, werden hiermit ersucht, statutengemäß baldigst Zahlung zn leisten. Hamburg und Leipzig, 18. März 1874. Aufsichtsrath und Uorstand. I. A.: jstbj E. Hadlich, Kasstrer, Leipzig, Zeitzerstraße Nr. 44. Le pztg: Vtrantw. Redakteur: M. Pretßer.(Redaktion u. Sxpedtttsä I Zeitz erstr. 44.) Druck nnd Verlag der Geuvsseuschaftsbuchdruckeret.