Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag,Sonntag. , Hungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhandlungen des In- U.Auslandes. Filial- Expeditionen für die Bereinigten Staaten: � F. Ä. Sorge, Bor 101 Hoboken, N. J. Wm. Lneders, 109 Haystr. Chicago, Jll. Peter Haß, S.W. Corner Third and coatea str. Philadelphia. Der Volksstaat Adonnementspreis: Für Preußen incl. Stempel- steuer 21>/, Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten IL Sgr. pro Quartal. Manat»- Ad onnement« werden bei allen Deutschen Postanstaltm auf den Lten u. 3 ten Monat und aus den 3ten Monat besonders an- genommen, im Kgr. Sachsen n. Hrzth. Sachs.-Altenburg auch auf den Iten Monat a 5>/z Sgr. angenommen. �rgandersozialdemokratischenArveiterMrteiundderinterMtionalenGewerksgenossmschaften. Inserate, die Abhalwng von Partei-, �Vereins, und Bolttversammlungcn, sowie die Filial- Expeditionen und sonstige Partei- Ar gelegenbeiten betreffend, werden mit 1 Sgr.,— Privat- und Vergnügung«- Anzeigen mit 2 Sgr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Nr.«6. Meiteg, 27. März. 1874. Abonnements- Einladung. . Mit dem 1. April beginnt ein neues Quartal und fordern ll>r deßhalb zu zahlreichem Abonnement auf das wöchentlich iteimal erscheinende Parteiorgan auf. i Der Preis beträgt 16 Sgr.(56 Kr. rh.) pro Quartal, 'V-Sgr.(18� Kr.rh.) pro Monat, in Preußen incl. Stem- �Isteucr 21 l/» Sgr. Alle deutsche Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. 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IV 2463 A berufen, wonach Monaibabonne- >!»>« ans den„Volltstoal" im Königreich Sachsen und Herzegthum oachsin-NUenturg zulässig find. !___ Die Expedition des„Volksstaat'�. Zum Prozeß Bazaiur. � Bazaine benahm sich am 6. August gegen den unter seinem ftyehte stehenden Frossard etwa wie$o, ck und Schwarzenberg �12—1813 gegen die sie befehligenden Macdonald und Vicekönig �»gcn oder wie sich die Rnsicn und Preußen 1814 zuweilen unter Lander in Frankreich behandelt hotten. Trotzdem er bereits fast " Hälfte der„Rheinarmee" kommandirte, machte er seinem �lich geistig wie körperlich ganz verkommenen Oberanführer keine 't»siellnngen über das gchirnre che Herumtroddeln von etwa �0,000 Mann zwischen Saar und Nied und Nied und Mosel st einem 2'/, Mal überlegenen Feinde. Dabei war der rechte !%l der ganzen französischen Ausstellung unter Macmahon i°n gänzlich versprengt, welcher Marschall aber auch nur halte «ulos sich raufen können, ohne einen, ich will niefct sagen les Strategen, sondern nur eines Soldaten würdigen Rath zu seilen. Par nobile fratrum*). Tage lang wagten sich die suischen nicht recht in die Berge hinein und noch war der in °e Gcwbetta nach dem Fall von Metz sofort als Verrärher 'klcmirt! Ter herrliche Bazaine war entlarvt! Von Gambetta, *) Ein edle« Brüderpaar. der auch„herrlicher Kriegsherr" war! Bazaine hatte den Deutschen die Moselbrllcken zum Uebergange stehen lassen, von andern kleinen Gefälligkeiten nicht zu sprechen—„ce brave„seul offieier"; die Pariser hatten manche Brücken abgebrochen, wovurch die Märsche der Deutschen verzögert wurden, überdies gar gewagt, den Hohen- zollern den Einmarsch in Paris während 4'- Monaten zu ver- wehren. Sie überraschten den deutschen„Kriegsherrn" und sein ganzes herrliches Mrlitärkabinet und den Bazaine dazu. Sie hatlen doch nicht etwa ihre Schuldigkeit nicht gelhan?! Es wird den Kriegsherrn gewiß interessiren, zu erfahren, was einer seiner Stabsbonzen, der Hauptmann v. d. Goly in dem oben bereit« angeführten offiziösen Werke über die 2. Armee von dem„geul offieier" Bazaine sagt(S. 355):„Eine herrische Antipachie, die er oft genug vor den Kugeln seiner Feinde bewiesen, ist es immer mehr gewesen, was man an ihm bewunderte, als grade die Schnelligkeit, Klarheit und Kühnheit des Entschlusses". In einfaches Deutsch übersetzt heißt dies: Bazaine handelte lang- sam, da er unklar dachte und moralisch feig war; an animalischer Frechheit fehlte eS ihm nicht. Und nun mag sich der oberste Kriegsherr mit dem v. d. Goltz über die Würdigung BazaineS weiter benehmen. V. d. Goltz hat übrigens seine Schilderung dem französischen General Deligny(Kommandeur der 1. Garde- divisiou) entlehnt, der schon im Dccember 1870 zu Münster französisch drucken ließ:„Die Aufgabe, welche dem Marschall zu- fiel, hing weit über seine Mittel und Kräfte; er war ihr nicht ge- wachsen, weder in physiscber Beweglichkeit, noch in Talenten, noch in moralischer Energie. Für eine so erhabene Mission mußte er alle HülfSmittel einer großen Seele spielen laffen, die ganze Energie eines große» CharakierS: Genieblitze hätten noch über ihn kommen müssen....... der Marschall rief nur eine egoistische Schlafmützigkeit(gonmoleuoe) zu Hülfe, eine Art Gleichgültigkeit sür die allgemeinen Interessen, er konnte nur über einen kleinen Geist und kleine Mittel gebieten". Bazaine erhielt am 12. August 1870 definitiv den-Oberbefehl über die„Rheinarmee". Er mußte über Zahl und Marschrichtung der Feinde unterrichtet sein und war es. Das Natürlichste wäre es gewesen, die nöihige Besatzung in Metz zu lassen und schleu- nigst landeinwärts, westlich oder nordwestlich abzuziehen. Dadurch hätte jedoä? die Dynastie gelitten, also blieb Bazaine an Metz hängen. Er selbst giebt zu, daß er sich auch jetzt noch als unter den zugeflüsterten Befehlen Boriaparte's stehend betrachtete. Es handelte sich darum, fest zu marschiren. Dennoch wurde der 13. verlottert. Die Brücken über die Seills und die Mosel- brücken oberhalb Metz, welche die Deutschen zu beschleunigten Um- gchungen benützen konnten, wurden nicht zerstört. In Verwirrung wurde auf das linke Ufer hinübergeschlendert. Tbo devil toke tbe bindmost!(Der Teufel fahre mit dem Hintersten ab!) So entspann sich die Schlacht des 14. zwischen den hintersten Divi- fronen Bazaine'S und den vordersten der ersten Armee. Von einem Plane war auf keiner Seite die Rede. Das giebt Mvllke selbst zu m d Steinmetz beklagt es, und mancher zuküns- tige Geschichtsschreiber dürfte annehmen, daß damit das geistige Kaliber der Kämpfenden gekennzeichnet ist. Am 13. August befanden sich die Marschziele der sieben Corp« der zweiten Armee noch aus dem rechten Moselufer, 1'/- biö 2 deutsche Meilen vom Fluß entfernt. Nur l�je Rheinbabensche Kavallerie war am Vormittage desselben TageS über die freund- lichst erhaltene Brücke von Pont a Mousson auf« linke Ufer geritten. Auch noch am 14. hatte die zweite Armee auf dem rechten User zu verbleiben; ziur das IQ. Corps sollte„vorwärts Pont a Mousson Stellung nehmen und die Kavallerie der ersten und zweiten Armee den eventuellen Rückzug des FeindeS auf der Straße Metz Verdun beunruhigen." Der Abmarsch der Franzosen ward also von den Deutschen am 15. noch als gesichert betrachtet, trotz- dem Bazaine ihnen hatte die Brücken stehen lassen. Sie selbst korinten gar nicht daran denken, vor dem 16. oder 17. mit der zweiten Armee, die sich vor die erste geschoben fand, auf dem Unken Mrselufer Überhaupt Stellung zu nehmen, wenn die Fran- zosen die Brücken zerstört und sich einem Neubau irgendwie ernst- Haft widersetzt hätlen. Der Major im„großen" Generalstabe v. Schell sagt S. 83: „General v. Steinmetz erkannte die glänzende Tapferkeit der Truppen und die gesehickte Leitung des Gefechts an. Dagegen mißbilligte der General, daß man sich ohne Befehl von oben in ein so ernstes Engagement eingelassen, und dasselbe in solcher AuS- dehnung fortgeführt hatte, wo die Aufgabe der ersten Armee eine wesentlich defensive, und die Nähe eines großen Kriegsplatzes jede unmittelbare Ausnutzung des Sieges unmöglich machte. „Freilich war, als man am Nachmittage plötzlich den Abzug des Feindes bemerkt hatte, keine Zeit u:ehr gewesen, um die Ge- nehmigung zur Verfolgung einzuholen, und wenn diese zwar an den Wällen der Festung ihre Grenze gefunden, so hatte die Energie des Angriffs den Feind doch gezwungen— um Front gegen den- selben zu machen— auf den beabsichten Abmarsch völlig zu ver- zichten. Die Trophäen de« Sieges vom 14. August blieben jen- seilö Metz zu crndten.« Das Ende dieser Citation hat v. Schell ex posterioribus (von hinten) prophetisirt, nachdem er zuvörderst die durchaus falsche Angabe gemacht über� die Freiheit des Feindes von dannen zu gehen.„Jenseits Metz" hieß für die deutschen am 14. ebenso gut Havre als irgend eine andere westliehe oder nord- westliche Gegend. Die Trophäen lagen damals noch irr sehr weiter Ferne. Mollke erklärte am 15.(Siehe v. d. Goltz S. 78):„Die Verhältnisse, unter welchen das 1. und 7. Armeekorps, so wie Theile der 18. Division am 14. AbendS einen Sieg erfochten, schlössen jede Verfolgung aus. Die Früchte des Sieges sind nur durch eine kräftige Offensive der zweiten Armee gegen die Stra- ßen von Metz, sowohl über FreSnes, wie über Etain nach Verdun zu erndten." Das„große" Generalstabswerk, als dessen Vater Moltke be- trachtet wird, ist nichts als eine Redistillation der offiziösen Dar- stellungen der Vorläufer Blume, Wartensleben, Goltz, Schell, Hahnke u. s. w. Wirklich Neues kann es also nicht mehr bringe». Auffällig ist es nur, wie es die schon en dätail verzapften Afterreden eu gros nachpappelt. Bon wem kommt die Parole? Um das Benehmen der Generale v. Manteuffel und v. d. Goltz am 14. August zu verlheidigen und besonders, um die Leser glauben zu lassen, daß schon vor dem 14. sein Plan gewesen sei) die Bazainesche Armee bei Metz festzuhalten, läßt Moltke S. 503 schreiben:„Hierzu kam für die I. Armee noch ein gewichtiges Motiv, nämlich der natürliche Wunsch, die Aufgabe der II. Armee zu erleichtern, welche, wie man wußte, sich nach Ueberschreiten der mittleren Mosel einem weitern Abzug des Feindes entgegenzuwerfen hatte."„Wie man wußte!" Wer ist man? der Armeekom- Mandant Sieinmetz? Oder die Corpskommandeure Manteuffel, Zastrow, Göben? Oder die DivisionSgenerale, oder die Brigade- generale, deren einer Goltz war? ES ist kein„Befehl", keine „Direktive", keine„Instruktion", keine„Auslassung", keine„Ans- faffung", kurz auch nicht das geringste Orakelchen Mollkes zu ent- decken, welches ihn berechtigen könnte, zu sagen: wie man mußte. Er selbst„wußte nicht". Also wenn Mollke sägt,„wie man wußte", so sind wir nicht sicher, ob eS nicht heißen müßte: ,�pie man nicht wußte". Wie vollkommen Bismarck und Moltke ein- ander verstehen müssen!? Wenige Zeilen nach dem Obigen heißt eS:„Daß ein so regeS Gefühl von Kameradschaftlichkeit(zwischen v. d. Goltz und v. Man- teuffel), ein so schnelles Entschjußfaffen den Keim zu großen Erfolgen in fid, trägt, hat sich auch in dem Ergebnisse der Schlacht vom 14.(Colombey-Nouilly) wieder bewährt. Aber man darf sich dabei der Erkenntniß nicht verschließen, daß die Form der improvistete» Angriffs chlacht manche Gefahren im Gefolge haben kann, und auch in dieser Hmstcht ist aus dem 14. August eine nützliche Lehre zu ziehn." Der erste Satz ist wohl nicht ganz neu. Der zweite stellt Manteuffel und Goltz als Improvisatoren hin, worunter auch ganz oberflächliche Menschen gedacht werden können. Ins Ver- ständliche übersetzt heißt er: Durch solche„Improvisationen" können Avantgarden aufgerieben werden, ehe andere Truppen im Stande, herbeizukommen, besonders wenn die Vorstellung erst um 4 Uhr Nachmittags beginnt, wie an jenem Tage, so daß es wegen der Nahe der nächtlichen Dunkelheit um so schwerer ist, Fehler gut zu machen.„In dieser Hinsichl" ist wohl„die nützliche Lehre zu ziehn", daß, wäre die Schlacht unglücklich für die Deutschen auS- gefallen, Manteuffel und Goltz vor ein Kriegsgericht gestellt, zum Tode verurtheilt, begnadigt und vielleicht ans der Insel Rügen bequem und angenehm eingehaust werden konnten— auf Rechnung Kutschkes! Gcuiäß v. Schell, auch wenn„jede Verfolgung gemäß v. Moltke ausgeschlossen", muß der Feind, hat er stch einmal umgeschaut, versteinert über„die Energie des Angriffs", stehen bleiben. Bazaine benützt die nächsten 36 Stunden, vom Abend des 14: bis zum Morgen des 16. wiederum nicht, davonzugehen, sondern auS dem Getümmel seiner ohnmächtigen Bewegungen heraus läßt er ein großes Stiergefccht sich entwiekeln— die Schlacht des 16. Und doch war die II. Armee am 15. so weit nach links(südlich) verschoben, um sichere Fühlung mit der III. Armee zu erreiche« und zu wahren, und in ihrer Hauptmasse noch aus dem rechten Moselufer hcrumfühleud, daß man an jenem Tage noch gar nicht den Plan gehabt haben kann, die französische„Rheinarmee" bei Metz festzuhalten. Jetzt möchte man gerne da« Gegentheil be- weisen, um die Jnfallibilität darzuthun. Was hier jedoch auS den StabSschristen dargelegt wird— das ist nichts als Geplausch. Moltke war am 15. zn CourcelleS 12 30 Nachmittag«, trotz Rheinbabenfcher und anderer RecognoScirungSkavallerie, die um 2 Uhr Nachmittags 34 Schwadronen und 2 reitende Batterie«! stark war, so schlecht unterrichtet, daß er in einer Depesche an da« Hauptquartier der II. Armee„die Franzosen als wahr- scheinlich jetzt schon im vollen Rückzug auf Verdun" dar- stellt. Auf der Straße Metz- Verdun wollte er sie nur ernstlich beunruhigen. Seine Absicht war annoch nur, sie von ChalonS und Paris abzudrängen. Die nördliche Straße Conflans-Etain war noch nicht im Geringsten beunruhigt worden, eine einzige Schwadron des Ulanenregiments Nr. 16, die westlich von Metz durch graden Marsch naeh Norden die Verbindung mit Steinmetz aufsuchen wollte— beiläufig bemerkt ein Narrenritt— war bis Jarny gelangt, von wo sie unverrichteter Sache nach MarS-la-Tour zurückgehen mußte, was ihr nicht ohne Verluste gelang. In den Dispositionen, welche der II. Armee vom Prinzen Friedrich Karl am 15. Abends um 7 Uhr für den 16. ertheilt wurden, heißt eS:„Der Abzug der ferndlichcn Armee nach der Maas ist im Gange." In Wirklichkeit war nichts Ent- schiedeneS der Art im Gange. Wir können für jene Tage weder der Kavallerie der I. noch der II. Armee ein Reifczeugniß ausstellen. Die französische Kavallerie war doch nicht ganz„der reitende Nachtwächter", als den man sie, besonders für den Vorpostendienst abgemalt hat. Wie schon angedeutet, 4200 der berühmten„Ulanen" mit 12 reitende» Geschützen standen am 15. um 2 Uhr Nachmittags vereinigt an der südlichen Straße Metz-Verdun. Französische Kavallerie und Artillerie stellte sich zur Wehr.„Der aus dem Schauplatze dieser Ereignisse eintreffende DwisionSkommandenr(Rheinbaben) nahm iadej}, bei der augenscheinlichen Ueberlegenheit de« Gegner«— vom Angriffe Abstand." Er will aber nnr 7 bi« 8 Kavallerie- regimenter mit 3 Batterien(lg Kanonen) gesehen haben, wie v. d. Goltz angibt. Und al« seine deutsche Kavallerie bei Püxieux, Zonville und Süzemont Bivouak« bezogen hatte,„umschwärmten die französischen Flankeur« üb, igen« die preußischen Vorposten so dreist, daß mehrfach Etcadron« vorgehn mußten, um sie zu vcr- jagen. Mit den weittragenden Karabinern schosseu sie z. B. be harrlich in da« Bivouak der 11. Brigade, so daß die« rückwärts verlegt werden mußte." Hier war e« also der französische„Ulan", der den deutschen dran verhinderte, verläßliche Nachrichten zu er- langen. Die Folge davon war die in den von Moltke am 15. aufgestellten„allgemeinen Gesichtspunkten" herrschende Unsicherheit und Wirre und Friedrich Karl»„Abzug der Franzosen nach der Maa«". War nun in dem Friedrich Karlfchen Gehirn der Maas- abschnitt, auf den die Franzosen hinsteuerten, ein anderer al« der, den Moltke mit„Verdun" bezeichnet, so mußte eS ein südlicherer fein. Den ganzen Tag hindurch hatte er von der Kavallerie gehört, daß aus der direkten Straße Metz Berdun westlich von Punkten, die etwa 1'/- Meile von erster Festung entfernt sind, kein Fran- zose zu sehen war. Die Franzosen konnten doch nicht nach Verdun oder an die Maas geflogen sein. Sie mußten also direkt nach Norden(Thionville) oder über ConflanS und Briery abgezogen fein oder bei Metz festsitzen. Diese Möglichkeiten wurden weder von Moltke noch von Stichle auch nur mit einer Sylbe erwähnt. Bekanntlich wird die Kriegführung als schwer, die Kritik der Krieg- fllhrung aber oft als ganz leicht geschildert. Jedoch Krieg zu führen, wie bei Metz die Deutschen und Franzosen thaten, ist jedenfalls gar nicht schwer; die Kritik kann nicht leichter sein. Noch am Morgen des 16. hätte Bazaine, unter unbedeutcn- deu Seitengefechten, unbehelligt mit dem Gros davon marschiren können. Politische Uebersicht. — Die Feier des 18. März, als des Jahrestage« der Berliner Barrikadenkämpfe von 1848 und der Pariser Commune von 1871 ist an vielen Orten im deutscheu Reiche verboten, an anderen aber gestattet worden. Während zu Leipzig, Hamburg, Stettin, Bremen, Mittweida u. s. w. die„Celebrirung der Commune" als„Geneiztmachung zu Gesetzesübertretungen" inhibirt wurde, konnte zu Glauchau und zu Chemnitz der 13. Marz unbeanstandet gefeiert werden. In Braunschweig wurden die zwei Lokale, in welchen der 13. März festlich begangen werden sollte, von der Polizei geräumt. Ein hübsches Stück„Rechts einheit"! Jene Herren von der Polizei, welche glauben, mit ihren Feder- stWhen und Ukasen das Andenken an die Commune im Volke zerstören zu können, irren sich gewaltig. So wenig sich das arbeitende Volk um die albernen Ergüsse jener„Sauhirten" gekümmert hat, welche die Commune einen„Hexensabbath von Noth und Tod" genannt haben, so wenig kümmert eS sich um die polizeilichen Plackereien. Die Pariser Arbeiter, welche muthig und voll edler Aufopferungsfähigkeit den Kampf mit den übermächtigen Feinden ausnahmen und ruhmvoll zu Ende führten, werden stets ihren Brüdern in Deutschland und anderswo ein Vorbilv sein, das die Gemeinheit bezahlter„Patrioten« nicht zu verwischen vermag Wir und Taufende mit uns werden nie die kurzen Tage vergessen, während welcher der Diebstahl und die Unzucht aus Paris nach Versailles verbannt waren, während welcher die Pariser Arbeiter sich selbst regierten. Die Pariser Arbeiter wurden niedergemetzelt, der Diebstahl und die Unzucht sind wieder nach Paris zurückge- kehrt, und werden dort bleiben, bis wiederum, wie am 18. März 1871, der Ruf laut wird:„Es lebe die Commune!" ist, auf gewaltsame« Wege erstrebt wird, dafür liegt ein Beweis darin, daß mau den Pariser CommunardS zujubelt und den 13. März auf Commaudo de« Präsidenten Hasenclever in allen Mitgliedschaften feiert.... Wenn auch sämmtliche Mit- gliedcr der sozialdemokratischen Partei verpflichtet erscheinen, unter Verletzung deS§ 123 des R.-Str.-G.-B.S Verfassung und Zweck der Verbindung den Behörden zu verheimlichen, so geht doch auS dem, wa« den Behörden durch einzelne Worte und Handlungen der Mitglieder und Parteigenossen bekannt wurde, sowie au« dem Programm der Partei zur Genüge hervor, daß ihr Zweck dem § 81 Abs. 1, Ziff. 2 de« R.-Str.-G.-B.S zuwiderläuft." Wir brauchen hier keine Kritik zu üben; unsere Leser werden diese Prachtexemplare spießbürgerlicher Gespensterseherei und Angst- meierei mit jener ungeheuren Heiterkeit aufnehmen, die am Platze ist. Indessen versäumen wir nicht, auf die eminente Unkenutniß der Hofer Behörden hinzuweisen. Sie machen Hasenclcver zum Präsidenten der sozialdemokratischen Arbeiterpartei und reden vom „Vorortsverein" Eisenach— beide? Dinge, die gänzlich aus der Luft gegriffen sind. Ebenso wird der längst eingegangene„Thür. Volksbote" als rothes Gespenst aus dem Grabe citirt. Und solche Ignoranten, die also gar nicht wissen, um was eS sich handelt, die faktisch nicht wissen, ob sie eine Mitgliedschaft deS Allgemeinen deutschen Arbeitervereins oder der sozialdemokratischen Arbeiter- Partei aufgelöst haben, sind mit der Fürsorge für das„öffentlich- Wohl" betraut. Da der Hofer Stadtmagistrat so wenig weiß, so wollen wir ihm noch eins sagen. Wir wollen ihm sagen, daß die Sozial- demokratie seiner ohnmächtigen Feindschaft spottet und lacht. Und mit der Sozialdemokratie lacht jeder vernünftige Mensch in Deutsch- laud über die„Gründe" des Hofer Stadtmazistrats. Unfern Hofer Parteigenossen aber rathen wir, doch ja recht bald Wielands„Abderiten" in neuer Auflage herauszugeben. Dort sind gewisse Dinge vortrefflich gezeichnet und Wielands Werke sind doch wohl vor dem Staatsanwalt sicher. — Denkervolklicher Blödsinn. Nachdem die berüchtigten DenunziationSartikel, welche die Berliner„Volk-zeitunz" neuerdings an die Adresse der Staatsanwalischafc richtete, vorläufig wenigstens scllschastliche Entwickelung ohne Einfluß bleibt; eine Klasse v Individuen, die bestimmte gleiche Sonderintcresseu haben, s« stets diese Sonderinteressen zur Geltung zu bringen. So war l so ist eS und wird es sein, bis die menschliche Gesellschaft s durch den„Klassenkampf" zu jener„Harmonie" emporgearber hat, welche mit den Ssnderinteressen den Klassenkampf aufhtl Das Sonderinteresse oder Klassenintercsse der Großgrundbesh ist aber, nicht den Zerfall de« Kleinbauernthum« aufzuhsiv sondern im Gegentheil ihn zu beschleunigen und sich der klei« Bauerngüter zu bemächtigen. Die Großgrundbesitzer de« Ob? bruchs werden daher den Rath des philanthropischen Correspondea? nicht nach ihrem Geschmack finden: statt Gmossenschaften für f Kleinbauern in« Leben zu rufen und denselben die Beschaff landwirthschaftlicher Maschinen zu ermöglichen, werden st- die Subhastation gelangenden Güter ankaufen und die laadwr schaftlichen Maschinen zu ihrem eigenen Bortheil verweuden. Prozeß, welcher sich in dem Obrabruch vollzieht, ist keine,» jenen Landstrich beschränkte Erscheinung. Der nämlich: Proj! vollzieht sich mit mehr oder weniger Jntenfioität überall l Deutschland, wo eS noch einen kleinen Bauernstand gibt, lü läuft parallell der aus den gleichen ökonomischen Ursachen springenden Aufsaugung des kleinen Handwerk« durch die k talistssche Produktion. Gesctzzeberische Pfuschereien, wie z. B. kürzlich gefaßte Beschluß deS preußischen Abgeordnetenhauses, bf die Errichtung von kleinen Bauerngütern aus StaatSvomä« vermögen diesen in der Natur deS modernen Kapitalismus t gründeten Prozeß nicht aufzuhalten. Für j-deS neuerrichtete KlS bauerngut werden hunderte von alten Kleinbauerngütern der S: hastation verfallen und von den Großgrundbesitzern annekl werden. Kleinbauerngüter auS StaatSvomänen errichten heißt i die sichere Beute der Grundbesitzer vermehren, und die Mittel l Staats zur Lösung der Landfrage entsprechend vermindern.—] — Sehr verdächtig. In der„Norddeutschen Allzemeis Zeitung" vom 13. d. findet sich folgende Notiz:„F l. Elb Hessels hat, wie die„GerichtSzeitunz" mittheilt, nunmehr t' Antrag gestellt, sie in ein Krankenhaus zu bringen. Die� Antrag dürfte dem Blatte zufolge wahrscheinlich Berückfichtigiil ohne Erfolg geblieben sind, sucht daS Organ für Jedermann aus finden, da man nach dem ganzen Gebahren der Berurthei dem Volk sich jetzt auf einmal mit der Eutsecknng zu trösten, daß�ten kaum etwas andere« glauben kann,.als daß sie � die Sozialvcmazogie ja in Deutschland ganz unschädlich, und„da« Schreckbild nach Pariser Muster für unsere Zustände ein wesen- loses Gespenst" sei. Indem wir„das Schreckbild", welches für unsere Zustände ein wesenloses Gespenst ist, der Privatkcitik unseres jüngsten Setzerburschen überliefern, begnügen wir uns damit, ans dem betreffenden Leitartikel(Der 18. Marz und das Gespenst der Demagogen) zur Erheiterung unserer Leser folgende Sätze zu ent- nehmen:„An FreiheitStazen— das ist wahr— zählt die französische Nation der Triumphe(Triumphe an Freiheitstagen! Heiliger Bernstein!) sehr viele in ihrem Geschichtskalender auf. Weshalb aber schmachtet sie fort und fort unter dem Druck einer Reaktion, — Zu Hof in Bayern, wo schon längst die Staatsretterei mit einer ans Wunderbare grenzenden Beharrlichkeit und Bornirt- heit getrieben wird, hat nunmehr der Stadtmagistrat die Mitglied- schaft der sozialdemokratischen Arbeiterpartei aufgelöst. Zu diesem Zwecke erklärte man die Mitgliedschaft für-in-a„politischen Berein". Die„Gründe", welche weiter für die Auflösung an- gegeben werden, sind so interessant, daß wir diejenigen davon, welche direkt aus dem Staatslexikon der berühmten Stadt Schilda zu stammen scheinen, hier anführen wollen. Der Hofer Stadt- Magistrat macht sich nämlich nachstehend verzeichnete Vorstellungen von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei: „Die sozialdemokratische Partei in Deutschland ist ein Zweig der internationalen Arbeiterassoziation und erhält ihr- Central- leitung durch den zu Hamburg tagenden Ausschuß, Präsident ist Hasenclever in Berlin. Sämmtliche Mitgliedschaften, deren fast in allen größeren Städten Deutschlands vorhanden sind, haben den Anordnungen des Ausschusses Folge zu leisten, welche entweder direkt an sie gelangen oder durch Vermittelung des Vororts- Vereins, zur Zeit Eisenach, ihnen zugehen.... Die sozialdemo- kratische Arbeiterpartei, also auch die hiesige Mitgliedschaft derselben ist eine Vereinigung, welche die sittlichen, religiösen und insbcson- de« die gesellschaftlichen Grundlagen des Staates zu unter- graben droht. Die Aufhebung aller Vorrechte*) des Standes, des Gesetzes, der Geburt und der Confession gehört zum Programm und ist jedes Mitglied verpflichtet und verbunden, für die Ver- wirklichung des Programms mit ganzer Kraft einzutreten. Die Organe der Partei, der in Leipzig erscheinende„VolkSstaat" und der in Weimar herausgegebene„Thüringer VolkSbote", insbesondere auch die„Hofer Zeitung" und andere Blätter mehr, schüren immerfort den Kampf gegen die besitzenden Klassen, gegen die sog. Bourgeoisie, reizen zum Ungehorsam gegen obrig- keitliche Anordnungen, greifen religiöse Einrichtungen in einer Weise an, die schon mehrfach zu Verurtheilungen führte und auf die Moralität der Bevölkerung den verderblichsten Einfluß ausübt. ... Den Rednern der Sozialdemokraten ist nichts mehr heilig i« Staate, bei ihnen gibt e« keine Achtung vor Gesetz und Recht und Religion, sie kennen nur den Kampf gegen die sogenannte Bourgeoisie, gegen die bestehenden Staatseinrichtungen bis aufs Messer, sie verfolgen nur den Satz: Theile und herrsche.... Endlich laufen auch die Zwecke der sozialdemokratischen Partei, speziell auch der hiesigen Mitgliedschaft, den Strafgesetzen zuwider. Zweck uud Ziel der sozialdemokratischen Partei ist die Errichtung eine« freien VolkSflaates. Dieser Zweck kann nicht erreicht werden, wenn nicht die monarchische Versassung gewaltsam umgestoßen und an Stelle der Monarchie der demokratische Staat gesetzt wird. ... Daß die Schaffung eines freien VolkSstaateS, wenn es nöthig »z Wir werben nur ein Borrecht bestehet! lassen, da« Ehrenbürger- recht von Schild«. Dafür werden wir im Z>ikunst,staate passende Berwendung finden. Wir wollen damit nicht gesagt haben, daß wir diese Würbe gerade der Hoser Stadtpolizei verleihen werden. Red. d. B. einer fixen Joee leidet." Personen, die„an einer fixen Ä leiden", pflegt man in Irrenanstalten zu bringen. Frl. Hess im Irrenhaus:— das wäre freilich der zufriedenstellendste Abschv dieser Asfaire für Herrn von Wurmb und für die Berliner Ä richte, die Herrn von Wurmb den Gefallen gethan habea, Fs Hessel auch in zweiter Jastanz zu verunheilen, obgleich das w gebrachte neue Beweismaterial zum Miadesten vie Vertazili deS Entscheids und die Anordnung genauer Recherchen über d> Privatleben des Herrn von Wurmb erheischt hätte. Wir hat� wahrhaftig kein sonderliches Vertrauen in das RechtSzefühl t preußischen, speziell der Berliner Presse, allein, wir gestehen, die bald nach einem abgelebten Bourbonen, bald nach einem kaum halten es für unmöglich, daß sie das Verfahren der Justiz I den Kinderhosen entwachsenen Napoleoniden die rettungsuchenve diesem beispiellosen Skandalfall gemüthlich todtschweigen, und ohs völkerpsycholozische Frage Protest zur größeren Ehre des nicht in vem Rufe der Tug« Hand ausstreckt? Die Antwort auf diese ,,,,„„,„„„..................,______ liegt in dem zweifachen Umstand, woran diese Nation seit einem stehenden Herrn von Wurmb eine notorisch tugendhafte und n Jahrhundert seiner(soll wohl heißen: ihrer— wir wollen so bescholtene Dam: erst im Gefangniß und dann definitiv im Jrw grausam gegen den Setzer sein und einen Druckfehler annehmen) stets siezxeichen Revolutionen krankt.(Tin zweifacher„Umstand", „woran" eine Nation krankt! Wo ist unser Jüngster? Doch auf- gepaßt! DaS„völkerpsycholozische" Geheimniß wird jetzt entschleiert:) „Frankreich hat seine„Freiheit" ohne die geistige Wehrkraft der Volksbildung, Frankreich hat seine„Gleichheit" ohne die gleiche Wchrpflicht seiner gebildeten Volksklassen zu gründen gesucht." Mit anderen Worten: Frankreich hat deswegen nicht die wahre Gleichheit und Freiheit(ohne Gänsfüßchen), weil ihm— der Schulmeister vou Sadowa und die preußische Pickelhaube fehlt! Der Ausdruck:„geistige Wehrkraft der Volksbildung" zur Bezeich- i haben, nung des preußischen Schulsystems ist beiläufig, wie uns in dem vativen Artckel selbst mitzelheilt wird, einem„schönen und edlen" Wort entnommen, das„Schulze-Delitzsch, unser treuer Volksfreund und Borkämpfer"(bei der Weinflasche) einstmalen ausgesprochen hat. Doch genug. Die„Volkszeitung" wird aber hoffentlich ihre Ent- deckung, daß die wahre Freiheit und Gleichheit in Preußen ver- wirklicht ist und von den Franzosen bloß deshalb nicht verwirklickt werden konnte, weil sie sich nicht unter den preußischen Schul- regulativstock und die Pickelhaube gefügt haben, auf dem Preß- bureau patentiren und prämiireu lassen. Und wenn Herr Stieber, der gleich seinem Freund Bismarck jetzt an den Folgen der Staats- retterei krank lieg!»— er soll die Wassersucht haben— den Artikel der„BolkSzeitung" liest und sich zum Musterapostel der Freiheit und Gleichheit anfgedunckert sieht, dann geht es ihm vielleicht wie weiland Erasmus in Rotterdam: er lacht sich gesund und kann seine 13 oder 18 Häuser noch eine Zeit lang in Frieden genießen. hause lebendig begraben lassen wird. täuschen? Ooer sollten wir uns d� — Zur Grund- und Bodenfrage. In einer Correspondenz der„Norddeutschen Allgemeineu Zeitung" vom 12. d. werden(in einer Correspondenz aus Posen ll. 6. 10. März) folgende AuS züge auS einem Bericht der— konservativen—„Posener Zei- tung" mitgetheilt:„Die Zahl der wohlhabenden Besitzer nimmt(unter der Landbevölkerung des Obrabruchs) von Jahr zu Jahr ab, die Subhastationen mehren sich und die Klasse der armen Leute vermehrt sicb immer mehr. Die Befürchtung ist daher gar nicht unbegründet, daß die Dörfer in wenig Jahrzehnten überwiegend, wo nicht ganz, von armen Arbeiter- und Tazelöhnerfamilien bevölkert sein werden. Schon jetzt verpachten zahlreiche kleinere Besitzer ihre Besitzungen an einzelne besonder« strebsame Land- wirthe, und gehen nach auswärt« auf Eisenbahn-, Hafen-, Fabrik-, Bergwerks- und andere Arbeit aus,'wo sie mehr verdienen und erübrigen, als bei der Bestellung ihrer kleinen Wirthschafteu.-- Vielleicht ließe sich auf dem Wege der Genossenschaften durch ge- meinschastliche Beschaffung von Maschinen und populäre Be- lehrung über ihre Vortheile etwas Nachdrückliche« für die Hebung des Bauernstandes thun. Die bestehenden landwirthschaftlicheu Vereine, welche meist aus Großgrundbesitzern bestehen und für diese wirken, dürften in obiger Beziehung noch ein weitere» Feld zu wohlthätiger Wirksamkeit vor sich haben.« DaS heißt allerdings in des Wort« verwegenster Bedeutung den„Bock zum Gärtner setzen". DaS„weite Feld zu wohlthätiger Wirksamkeit" werden die Herren Großgrundbesitzer sich sicherlich nicht entgehen lassen, allein ihre„wohlthätige Wirksamkeit" wird Denen zu Gut kommen, für welche die landwirthschaftlicken Vereine nach dem naiven Zuzeständniß des Herrn Correspondenten, „meist wirken", nämlich den Herren Großgrundbesitzern. Daß ein einzelnes Individuum, sei eS au« Herzensgüte, sei eS au« idealer Durchbildung, sein private« Sonderinteresse dem Interesse seiner Mitmenschen unterordnet, kommt wohl vor, kann aber nur al« AuSnahmSsall betrachtet werdeu, der auf die allgemeine ge- — AuS England wird gemeldet, die neue konservative gierunz wolle eine Commisston zur Uutersuchunz der Arbeitt Verhältnisse niedersetzen, uud beschäftige sich ernstlich mit d Geoanken, die Arbeiterfrage zu löseu. Elfteres ist nicht unwä scheinlcch, letzteres ein Uuiinn. Daß die englischen Conservati« der Arbeiterfrage eine große Aufm'rksamkeit schmken, und sie sch vielfach zu ihren Parteizwecken ausgenützt und auszunützen versa ist eine bekannte Thatsache, und ihnen von den Cons deS Continents abzelerut worden. Die Z hnstundent wurde seinerzeit von den TorieS(den englischen' Conservati« im Parlament durchgesetzt, und speziell Disraeli, der Ch:f> jetzigen Ministeriums, ist der Erfinder oder wenigstens Hauptw» füyrer jener famosen Lehre daß zwischen der Aristokratie und Arbeiterklasse eine„natürliche Allianz" bestehe, die sich gegen Bourgeoisie(Mittelklasse) zu richten und' deren politisch- soziale Macht zu zerbrechen habe. In dem DiSraeli'schen Roul „Sybil" ist dies des Näheren ausgeführt. Für die L-ser „Bolksstaat" bedarf es keines längeren Nachweises darüber, Seitens der Aristokratie mit einer solch«„Allianz" bezweckt wi Die Arbeiter sollen den hochadlichen Herren als Stimmvieh Chorus oienen, und ihnen die Kastanien aus dem Feuer hol Die englischen Arbeiter haben dies auch sehr wohl begriffen: haben nach dem EcfahrungSsatz, daß, wenn zwei Spitzbuben streiten, der ehrliche Mann zu seinem Recht kommt, aus Streit zwischen Bourgeoisie und Aristokratie möglichst Bortheil zogen, eS aber hartnäckig unterlassen, sich vie Finger zu verbrenn Sollte Herr DiSraeli demnächst die Lockpfeife in den Mund nehm und sich auf die Arbeiterfängerei verlegen, so wird uns das kein wezS wundern; die englischen Arbeiter werden in diesem schwerlich sofort mit einem revolutionären non possumus! können nicht!) antworten; sie werden sehen, waS der Herr Voj steller zu bieten hat, von ihm nehmen, was sie aus sicherer Dist haschen können, ihm aber nicht auf den konservativen Leim geh Denn sie„kennen daS Lied, sie kennen den Text, und kennen' Herrn Verfasser." Sie wissen: die konservative Lösung> sozialen Frage ist die Lösung der sozialen Frage die Conservativen. >eizer Canl P t, eingefil? ilaßt, w«« — In Nr. 32 deS„Bolksstaat" besprachen wir da« Wi« sinnige und Unzureichende der heutigen Wahlsysteme und füw auS, wie diesem Uebelstande abgeholfen werden könne. Unseres Vorbehalt hinzugefügte Bemerkung, vaß in dem Schweizer Neuenbürg ein Wahlsystem, wie wir eS wünschten, ei sei, hat eine Zuschrift von unterrichteter Seite veranlaßt, wir hier zum Abdruck bringen. Dieselbe lautet: „Leipzig, den 22. März 1874 Geehrte Redaktion! In einem sehr bcherzizeuSwerthen Artikel in einer der lej Nummern deS„BolksstaatS" über die Minoritätenvertretung findet sich gegen das Ende die allerdings nicht als Faktum hi> stellte Bemerkung, eS sei dieses System vor etwa 3, 4 Jahren� Canton Neuenburg eingeführt worden. Dies ist nun nicht Fall. ES erhob sich zwar vor etwa 6—8 Jahren eine sehr hafte Agitation, welche die Einführung der Minoritätenvertret des sogenannten �»otisut Slöctornl, bezweckte und sich übet: Grenzen Neuchatels auch nach Genf verpflanzte, wo sich besonk Erneste Naville bemühtt, dieS� System zur Geltung zu brim Er»ertheidigte seiue Sache(ef. mehrere Artikel im„.lourn»! 01 GeneTe") ebenso wie seine liberalkonservativen Gesinnungsgenossen in Neuenburg, leider nicht mit dem glücklichen Erfolg, welcher diesem so eminent demokratischen und gerechten Prinzip gebührt hätte. Der Antrag, den die liberale Partei in dieser Beziehung stellte, ward im großen Rath damal«, also vor etwa 6—3 Jahren, abgelehnt, da die Mehrheit dieser Behörde aus Radikalen bestand und noch besteht. Die Ablehnung diese« so radikalen Antrag« Seiten« der Radikalen muß befremden; dies Erstaunen schwindet jedoch, wenn man bedenkt, daß die Radikalen im Neuenburger Großrath etwa 50 Vertreter haben, die Liberalen ca. 45; da nun nach Annahme diese« Wahlmodu« die Liberalen verschiedene Stimmen gewonnen hätten, so wäre somit die ganze radikale Mehrheit sehr in Frage gestellt gewesen. Es erinnert also die Einbringung jene« Antrag» sehr an die Takiik der Ultramontanen im deutschen Reichstag, die schon manchmal erstaunenSwerth freiheitliche Anträge stellten, nicht aber deshalb, weil sie sich etwa besonders viel um Einführung radikaler Institutionen kümmerten, sondern weil sie sich von freierer Bewegung auch mehr Nutzen für ihre Partei- zwecke versprachen.— Item, ein Antrag, der wahrhaft freisinnige Einrichtungen beabsicht, soll und muß von jedem ehrlichen, ge- wissenhaften Manne unterstützt und angenommen werden, mag er nun gestellt sein, von wem er wolle, und so wollen wir die Neuenburger Radikalen ebensowenig ganz entschuldigen, als wir nur ein Wort der Entschuldigung für die ehrlichen, gewissenhaften Liberalen im deutschen Reichstag haben, die freisinnige Anträge verwarfen, weil sie zufällig vom Centrum ausgingen. Doch genug davon! Die deutsche ReichSgesinnungStüchtigkcit der nationalen„Helden- jünglinge" ist bekannt. Was unser System anlangt, so wird e» in der Eidgenossenschaft und in Italien ernstlich discutirt und zwar von den sonst entgegen- gesetztesten Parteien, und wird über kurz oder lang in di-sem oder zenem Canton realisirt werden. Jrdenfallö ist es eine Forderung/ welche die entschiedene Demokratie in Deutschland zunächst anzu- streben hat, und nicht deshalb bloS, weil sie eventuell statt 9 viel- leicht 20 Deputirte entsenden würde, sondern weil dieS Syssem aus dem demokratischen Prinzip consequentcrweisc hervorgeht." Wir behalten unS vor, nochmals auf d e Sache zurückzukommen. — Zum ersten April werden die HnbertuSburzer FestuuzS- gefangencn auf die Festung Königstein Übersiedelm Zeitungen «nd Briefe an unsere gefangenen Parteigenossen wolle man vom LI. März an dorthin adressiren. — Am 24. März wurde der Mitarbeiter des„BolkSstaat", Seiffert, wegen Beleidigung des SchwurgcrichtShofes(siehe politische Uebersicht in Nr. 20 vom vorigen Jahre) auf Grund des Preßgesetzes zu 150 Thlr. Geldstrafe und in die Kosten ver- «rtheilt. Der Verlauf dieses Prozesses bot insofern einige ganz neue Momente, als Seiffert, der sich geweigert hatte, den Ber- fasser des incriminirten Artikels zu nennen, schon im Monat Januar wegen„verweigerter Zeugenaussage" zu 6 Wochen Ge- fängniß verurtheilt wurde. Drese Strafe ist verbüßt. Eiu alter Rechtsgrundlatz sagt: bis in idorn, d. h. ein Bergehen soll nur einmal geahndet werden(Wiederholungsfälle natürlich aus- geschlossen). Die Leipziger Richter kennen diesen Satz wohl nicht «nd so hat Seiffert für denselben Artikel erst 6 Wochen abzu sitzen gehabt und soll jetzt noch 150 Thlr. zahlen. Ein nicht zu unterschätzender Beweis staatsanwaltlicher Leistungsfähigkeit! Biel- leicht zieht man aus der Sache noch weitere Conscquenzen und fängt, wenn Liebknecht und Bebel von Hubertusburg kommen, den HockverrathSprozeß noch einmal von vorne an. Es ist ja ein altes Sprichwort:„Doppelt geflickt hält gltt zusammen". — Parteigenosse Leuschke aus Pirna ist zu Cölleda wegen „Majcstätsbelcidigung" zu 1 Jahr 6 Monate verurtheilt worden. Näheres folgt. Gewerksljenossenschaftliches- Allgemeiner deutscher Schneiderverein. Kraunschiverg, 14. März. Die Collegen in Bayreuth stehen mit ihren Arbeitgebern in einer Lohndifferenz; eS wollen deshalb die Collegen den Zuzug nach dort bis auf Weitere« fernhalten. Alle arbeiterfreundllchen Blätter werden gebeten, hiervon Notiz zu nehmen. Mitte Februar wurde in Berlin ein Schneidertag(Arbeitgeber) abgehalten. Zur Hebung des Geschäfts wurde beschloffen, mehr Lehrlinge heranzubilden, und um tüchtige Arbeiter zu erzielen, ist eine Ausstellung von Schneiderarbeiten in Aussicht genommen, welche diesen Sommer in Dresden sein soll. Um die Arbeiter dafiir zu gewinnen, will man die Prämien den Arbeitern und Vicht den Arbeitgebern zukommen lassen. Wir werden später Gelegenheit nehmen, zu zeigen, wie die Geschäftshebung von diesen Herren gemeint ist. Leipzig, 24. März. Von Herrn Dr. jur. Gustav Rasch Den Vereinsgenossen die Mittheilung, daß sich Wiesbaden dem geht uns in Betreff der Aeußerungen des elfäjsischen Abgeordneten Verein angeschloffen hat; auch sind die Collegen dem Kranken- Herrn Guerber iui Reichstage über die Abhängigkeit der Presse unter stützungSbund beigetteten. Zum Bevollmächtigten wurde ge- in Elsaß und Lothringen— Guerber hatte gesagt, es gäbe in wählt Heinrich Schuster, Saalgaffe 10, zum Krssirer Wilhelm Elsaß Lothringen kein unabhängiges Blatt— nachfolgende Er Da e« in letzter Zeit vorgekommen ist, daß Gelder für die Hauptkasse an den Geschäftsführer gesendet worden sind, so mache ich darauf aufmerksam, daß alle Gelder, mögen sie bestimmt sein zu wa« sie wollen, an deu Hauptkasstrer, Turnierstraßc Nr. 3, zu senden sind. Für den Ausschuß � F. Mumme. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Katha, 13. März. Da wir schon kürzlich eine ArbeitSein- stellung der hiesigen Zimmerleute in kürzerer Zeit in Aussicht stellten, so berichten wir allen Collegen und Fachgenossen, daß von den Meistern,„Vereinigter Baugewerkoerein" genannt, jetzt die Forderung von 1 Stunde Minderarbeit und zwar von 6—6 Uhr früh abgeschlagen wurde, und zwar durch ein Schreiben, in welchem dieselben den Gesellen bekannt machen, daß, im Fall sie, die Ge- scllen, die Arbeit in Masse niederlegten, die polizeiliche Hülfe in Anspruch genommen würde. Darauf hin haben nun sämmtlich: Zimmergesellen von Stadt und Land die Arbeit eingestellt und der Geist unter denselben ist bis jetzt ein guter und wir hoffen, wenn Ihr, Collegen der Holzarbeitergewerkschaft und Fachgenossin, uns durch Euer Schärflein unterstützt und den Zuzug von hier fernhaltet, in kurzer Zeit unsere Forderung erlangt zu haben, wclch'S wohl eine der humansten ist. Darum ersuchen wir Euch nochmals, uns, wie es in Euren Kräften steht, zu unterstützen und alle Gelder an August Schmidt, Mohrenstraße Nr. 13, Cassirer der Holzarbeitergewerkschaft zu schicken. Wir ersuchen freundlichst alle arbeiterfceundlichen Blätter um Abdruck dieses Be- rich'S. Mit sozialdemokraschem Gruß Im Auftrage der betheiligten Mitglieder der Holz- arbeitergewerkschaft und deren Collegen. Der Borstand der Holzarbeitcrgewerkschaft: Mab st. Gewerkschaft der Maurer und Zimmerer. Kolha. Der hiesige Zimmererstrike dauert fort. Unter- ftlltznngsgelver sind zu senden an August Schmid, Mohren- straße Nr. 18. HZraunschweig. Der Verwaltungsrath sieht sich genöthigt, gleick den anderen Gewerkschaften unserer Richtung, den Beschluß zu fassen, das Wörtchen„International" zu entfernen, resp. zu streichen, und unterbreitet diesen Beschluß allen Mitgliedschaften zu einer Urabstimmung. Fachgenosscn! Diese« so harmlose Wort erregt dennoch viel- seitigen Anstoß bei den Gerichtsbehörden, sowie auch bei den Ar- heitern selbst; an manchen Orten beanstandet man deshalb unsere �Statuten, tritt also unserer Organisation hindernd in den Weg. Dies bewog uns zu obigem Beschlüsse. Dadurch geht aber kein Jota unserer Prinzipien verloren, denn ohne diese ausdrückliche Bezeichnung sind wir dennoch international, weil ja unsere ganze Organisation auf internationaler Grundlage beruht. Nun, Ge- werksgenossen, wir hoffen, daß Ihr unseren Beschluß einhellig un- terstützen werdet; setzt diesen Punkt auf die TaaeSordnung Euerer nächsten Versammlung, und theilt das genaue Resultat, wie viel Stimmen dafür und wie viel dagegen abgegeben werden, binnen spätestenS14 Tagen brieflich uns mit, wir werden daS Gesammt- resultat dann ebenfalls auf diesem Wege bekannt geben. Noch theile ich mit, daß nun die Holzarbeiter, Metallarbeiter und Schuh macher bereits die Union gebildet haben. Auch an uns erging die Aufforderung, uns ebenfalls der Union anzuschließen, jedoch hat der Verwaltungsrath dies bis zu unserer nächsten Generaloersamm- lung vertagt, hingegen aber beschlossen, den zu Pflngsten in Aussicht stehmden allgemeinen GewerkschaftScongreß durch Delegirte zu beschicken. In Gcestendorf bei Bremerhafcn, sowie in Staßfurt sind neue Mitgliedschaften gegründet worden; der Bevollmächtigte für Gec- stendorf Carl Kaufmann, Zimmerer, wobnt Lch-'rstraße, Sicgholz- scheS Haus; Brede, Maurer, Kasstrer; Carl Stoppel, Zimmerer, Schriftführer; Knhlmann, W. Henn und Burmeister, Controleure. Für Staßfurth Friedrich Wöbel Maurer, Bevollmächtigter, wohnt RoSmarienstraße Nr. 5; Wilhelm Schneider, Schriftführer; An- dreas Pauleke, Kassircr; August Jahn und Wilhelm Jahn, Controleure. Ferner ist Material an Augsburg und andere Orte gesandt, aber noch kein Resultat an uns gelangt. Gelder sind die letzte Zeit eingegangen von Regensburg 1 Thlr. ö Gr., von Leipzig 5 Thlr. 6 Pf. und von Geestendorf die Einschreibegebühren von 136 Mitgliedern 22 Thlr. 20 Gr. Diejenigen Mitgliedschaften, welche nock mit ihren Beträgen, sei eS zur Gcwerkschafls- oder auch zur Krankenkasse im Rückstände sind, mögen dieselben bal- digst an den Hauptkasstrer Wilhelm Weißensee, Kupfertwete 3, einsenden. Für die Verwaltung Heinrich Rieke, Schöppenstedterstraße 50. Correjpondenzen- Hornne, Platterstraße 3. Die Bevollmächtigten haben dafür Sorge zu tragen, daß der Krankenunterstützungsbund an den Orten, wo sich Mitglieder be- finden, der betreffenden Behörde angezeigt wird, die O.uittungS- klärung zur Veröffentlichung zu: Ich höre, der elfässische Abgeordnete zum Reichstage Herr Guerber hat sich in Betteff seiner bekannten Aeußerung über die Abhängigkeit der Presse„in den neuen Reichslanden" auf mein büchcr folgen in diesen Tagen; vom 1. April an ist meine Adresse: Zeugniß berufen. Die betreffende Stelle meines Buches„Die Scharrnstraße 1, 2 Treppen, Eingang Sonnenstraße. Für den Ausschuß F. Mumme. Araunschweig, 20. März. Die von den Collegen in Bay- reuth in Nr. 32 d. Bl. angekündigte Lohndifferenz hat in Folge ber Hartnäckigkeit der Arbeitgeber am 13. März zur Arbeitsein- stellung geführt. Die Zahl der feiernden Collegen beträgt nahe 70 Mann, fast alle sind vcrheirathct. Wenn auch einige Collegen voch in einem Geschäft untergebracht werden können, weil da schon Preußen in Elsaß und Lothringen" lautet im AuSzuge also: „Die ersten Geschenke, welch: die preußische Verwaltung„den neuen NcichSlanden" machte, bestanden in dem Belagerungszustand und in der Dictatur. Währenddem wurde auS Berlin eine Wolke von Prcßagenteu und Lohnschreibern, reich Mit Geldmitteln aus dem Rcptilienfond versehen, über die neuen Reichslande ausge- schüttet. Mein Freund Eugen Richter hat kürzlich einmal im Landtage dies offiziöse Gründungswesen dienstwilliger und gehov bie 25 Prozent Lohnforderung gezahlt werden, so ist der Sttike sanier Preßorganc, im Interesse der Regierung öffentliche Meinung voraussichtlich dennoch ein langwieriger, deshalb, Collegen, thue zu machen, an den Pranger geschlagen. Em�tück diese« offiziösen Jeder seine Pflicht, damit wir unseren Brüdern zum Siege ver helfen, und haltet den Zuzug von Bayreuth fern. Alle arbeiter freundlichen Blätter werden gebeten, diese Meldung in ihre Spal- kcn auszunehmen. An die Bevollmächtigten ergeht die Aufforderung, entsprechende Summen an« der Ortskasse zu nehmen und sie den Collegen in Bayreuth zu übersenden. Diese Gelder müssen durch Gesammt- �ftrasteuern wieder gedeckt werden. Gelder für die Strikeuden stud zu ftndeu an Lorenz Dreyer, Jägerstraße Nr. 659 in Bay- renth. Briefe an A. Schweizer, Münz Nr. 170. Vom 1. April an ist meine Wohnung nicht mehr alte Waage, vndern Scharrnstraße Nr. 1, Eingang Sonnenstraße. GrändungSwesenS wurde ganz in der von Eugen Richter geschil derten Art und Weise gleich nach dem Beginne der preußischen Occupation in der ausgedehntesten Weise auch in den beiden er- oberten Provinzen in Scene gesetzt. In Straßburg wurden zwei lithographische Correspondenzen, um die deutschen Zeitungen mit wohlgeschulten Correspondenzen über die Zustände zu versehen, in den' Hauptstädten wurde eine ganze Reihe von Zeitungen gegrün- det, deren Herausgeber, Redacteure und Mitarbeiter direkt oder indirekt von der preußischen Verwaltung abhängig waren und täg- lich„rnspirirt" wurden. So entstanden in Metz al« amtliche« Organ die„Zeitung für Lothringen"— Gazette de la Lorrain« — und die„Metzcr Zeitung", in Mühlhausen die„Mühlhauser Zeitung"; in Straßburg würde die„Straßburger Zeitung« als amtliche» Organ für Elsaß und Lothringen auSersehen, und der in deutscher und französischer Sprache erscheinende„Niederrheinische Courier"— Le courrier des Bas-Rhin— zog einen offiziösen Rock an. Die Lokalblätter geriethen sammt und sonder« in die Hände der preußischen Behörden, während die„Colmarer Zeitung" aufhören mußt-, zu erscheinen. Nur ein einzige» Blatt hat sich inmitten dieser abhängigen Bedientenpresse unabhängig erhalten können, der in Mühlhausen erscheinende„Indnstriel alsacien". Wahrscheinlich hat er sein Leben nur dem Umstände zu»erdanken, daß sein Inhalt weit mehr industrieller al« politischer Natur ist.".... „Während der letzten Monate ist eS endlich einer unabhängigen elfässischen Zeitung gelungen, die Conzcsston zum Lebe» zu crhal- ten. Die Geburtswehen haben aber Jahr und Tag gedauert. Viele Aerztc und Hebammen sind bei ihrer Geburt thätig gewesen. Die G-burt selbst nahm wieder mehrere Monate in Anspruch. Da« neue Organ nennt sich„Elsässer Journal", und erscheint in täg- licher Ausgabe in französische und deutscher Sprache. Seine Herausgeber sind ehrenwerthe und anständige Männer, der Ado. Gustav Fischbach und der frühere Redactcur des„Niederrhein. CouriecS", Bauer, als der„Niederrheinische Cour." noch ein unabhängiges Blatt war und noch keinen offiziösen Rock angezogen hatte." „Aber da«„Elsässer Journal« ist so zahm, daß ich ihm wegen dieser übergroßen Zahmheit sehr wenig elfässische und lothringische Leser prophezeie. Vielleicht ist die Zahmheit geheime Bedingung seiner Existenz. Ich bin fern davon, dies zu behaupten; aber, wenn es diesen zahmen, matten Charakter behalten soll, so bin ich der Meinung, es wäre wohl besser gewesen, Herausgeber und Re- dacteur hätten mit dem Erscheinen bis nach Beendigung der Dicta- tur gewartet." Dies ist der Zustand der Presse in Elsaß und Lothringen noch heute. Weshalb also das Geschrei gegen den Reichstagsabgeord- netcn Guerber? Sonderbar, daß die Knechte, wenn man sie „Knechte" nennt, diesen Namen nicht ertragen können? Wir aber, welche wir das„SelbstbestimmungSrecht der Menschen" als Devise auf unsere Fahne schreiben, werden unS immer das Recht nehmen, sie„Knechte" zu nennen. Dresden, 23. März 1874. Gustav Rasch. Dresden. Gegen Dr. Gustav Rasch ist nun seitens de« Braunschweiger KreiSgerichts wegen seines in Braunschweig bei W. Bracke jr. erschienenen und dort mit Beschlag belegten Buche« „Die Preußen in Elsaß und Lothringen" ans Grund der§§ 95, 130, 131 d-S Reichs- Strafgesetzbuches wegen MajestätSbeleidigung, Verhöhnung der Reichsgewalt und Aufreizung der verschiedenen Klassen der Bevölkerung zum Haß gegen einander die Kriminal- Untersuchung eingeleitet. Das Verbrechen der Majestätsbeleidigung soll in einer mitgetheilten Unterredung mit dem Herzog von Angustenburg ans dem Jahre 1364 begangen sein; des Verbrechen« der Aufreizung der elfässischen Bevölkerung gegen die preußische soll sich der Verfasser in der Schilderung der in Metz herrschenden Stimmung und des dritten Verbrechens in der Schilderung der sogenannten„Inspirationen" auf der Präfektnr zu Straßburg und in den Berliner Ministerien schuldig gemacht haben. Der eigent- liche Inhalt des Büches, die Schilderung und Kritik der Verwal- tung im Elsaß und der dort herrschenden Zustände ist also in der Anklage gänzlich umgangen, vr. Rasch hat zuvörderst gegen da« Braunsch veiger KreiSgericht den Einwand der Jncompetenz er- hoben und verlangt, da er ein Preuße fei, Aburtelung vor den preußischen Gerichten, weil daS tbrum domicilii, falls sich der Angeklagte darauf berufe, dem forum delicti commissi vorgehe und ein ReichSstrafprozeßzesetz bis jetzt nicht existire. Falls da» Braur.schweiger Kreisgerrcht auf der Fortsetzung des Prozesses be- harre, will er die Intervention der preußischen Behörden an- rufen. ZSertin, 23. März.(Reichstag.) Man gelangte heute zu § 26 der Preßoorlage, durch welchen der Termin für die Ber- jährung der Verfolgung von Preßoergehen auf sechs Monat- fest- gesetzt wird; der Paragraph wurde angenommen. § 27 handelt von der ohne richterliche Anordnung zu voll- ziehenden Beschlagnahme von Druckschriften. Die Commisston schlägt vor, eine solche eintreten zu lassen, wenn der Name de» Druckers-c. auf der Druckschrift fehlt, wenn verbotene ausländische Schriften verbreitet werden, wenn in Zeiten des Krieges verbotene Veröffentlichungen erfolge», wenn Z 184 deS Strafgesetzbuchs verletzt ist, oder wenn durch Plakate Verbrechen oder Vergehen be- gangen werden sollen. Die Conservativen suchten diese Bestim- mungen zu verschärfen, indem sie vorschlugen, auch die Vergehen gegen§ 130 des Strafgesetzbuchs und Aufforderungen zu hoch» und landeSverrätherifchen Unternehmen als Grund zu Beschlag- nahmen in das Gesetz mit aufzunehmen, während die Fortschritts- Partei vorschlägt, dem§ 27 solgenpe Fassung zu geben:„Eine Beschlagnahme findet nur bei unzüchtigen Abbildunzen und durch die zuständige richterliche Behörde statt", welcher Antrag durch den Abg. Herz, BezrrksgerichtSrath in Nürnberg, vortrefflich verthei- digt wurde. Abg. Treitschke hielt ebenfalls eine sehr schöne Rede für die Freiheit der Presse, um dann, echt nationallibcral, für die Maßregeln, wie sie von der Commission und den Conser- vativen vorgeschlagen wurden, einzutreten, so daß Sonnemanu ganz richtig und unter Beifall erklärte, man habe nach dem An- fange der Rede Treitschke'S einen ganz anderen Schluß erwarten müssen. Die Ultramontanen trennten sich in dieser Frage: dem Abg. Mallinckrodt war der Antrag Herz zu radikal, mit ihm stimmte in diesem Sinne beinahe das ganze Centrum, der Abg. Majunke hingegen trat entschiedener gegen die Znlässigkeit der Beschlagnahme auf. Der Pole Nigolewsky erklärte scha- denfroh, solche Gesetzbestimmungen, die hauptsächlich gegen die annektirten Provinzen gerichtet wären, wie Treitschke gesagt habe, seien gleich dem Fluche, der auf einer bösen That hafte, er freue sich, daß die Deutscken, um die annektirten Provinzen verdauen zu können, solche Gesetze nunmehr auch für sich mit herstelle» müßten. SttS 4Z Unter Ablehnung aller gestellten Amendements wurden die Vorschläge der Commission, wie sie oben angeführt sind, angenom- men. Ferner finden alle diejenigen Bestimmungen Annahme, welche in den 28 bis 32 enthalten sind und auf die Be- schlagnahme Bezug haben. Dieselben sind ohne wesentliche Be- deutung. Die Vorschriften der LandeSgesetze über Abgabe von Freiexem- plaren an Bibliotheken»c. werden durch daS Reichspreßgcsetz nicht berührt.— Eine besondere Besteuer»ng der Presse und der ein- zelnen Preßerzeugnisse(ZeitungS- und Kalender- Stempel, Abgabe» von Inseraten) findet nrcht statt.— Da« Gesetz tritt am 1. Juli 1874 in Kraft. Seine Einführung in Elsaß- Lothringen bleibt einem besonderen Gesetze vorbehalten. Der letztere Satz,«elcher bei Abstimmung unter NamenSauf-- ruf mit 174 gegen 12S Stimmen angenommen wurde, führte zu fang» und lebhaft» Debatte. D» elsasftsch« Abgeordnete Guer ter vertrat die Interessen seine» Lande» mit recht viel Geschick und benutzte die Gelegenheit Wied» zu einer vernichtenden Schib dnnng der preußischen Wirthschaft in Elsaß- Lothringen. Trotz der in gewisser Beziehung übertrieben zur Schau getragenen Bc- scheidenheit konnte Guerb» nicht vnhindern, daß der nationale Miquel in wahrhast unwürdiger Weise üb» ihn und den Ab- geordneten Teutsch, welcher nicht anwesend war, herfiel. Ho- verb eck beantragte deshalb den Ordnungsruf. Der Präsident fand den Umstand, daß Miquel den Abg. Teutsch der Narrheit beschuldigt hatte, hierzu aber nicht gravirend genug! So mußte denn Wiudthorst die Ehrenrettung deutschen Recht»- und An- standSgefühl» übernehmen, indem er unter wüthendem Lärm der größenwahnsinuiaen Nationalen erklär;� man habe die Elsässer im Reichstage bisher weder rittnlich noch liberal behandelt. Die Nationalliberalen werden in Bezug auf schulmeisterlichen Ton in ihren Reden und Zwischenrufen, Lachen und dergleichen Ange- wohuheiten alle Tage übermülhiger, wie wir sagen wollen, ob- wohl ein schärferer Ausdruck am Ende passender sein würde. Der Abgeordnete Schulze- Delitzsch stimmte in Bezug auf die Frage de» Preßgesetzes für Elsaß-Lothringen mit den National- liberalen. Er ist also für Aufrcchterhaltung d«S Ausnahmezustandes. Merlin.„Wie die Katze da» Mausen, so kann die„Kreuz- (eitung das Verdächtigen und denunziren nicht lassen, obwohl sie elbcr jetzt verdächtigt und des Ungehorsam», ja der„Rebellion" angeklagt wird und darnach Gelegenheit hat, eS zu empfinden, wie verletzend solch fanatisches Treiben ist." So beginnt der Leitartikel der Sonnabendnummer der„Volkszeitnng", der gesin- nungStreuen, lammfrommen, tugendhaften unv unbefleckte», was sie selbst mit dem Titel„Organ für Jedermann"»härtet. Die „VolkSzeitung" verschmäht die unehrlichen Waffen des fanatischen Treibens, des VerdächtigenS und DenunzircnS; ihr astronouusch- physico-politischer Leitartitelschreiber hat ja selbst vor den März- tagen— es ist allerdings schon lange her— den bitteren Kelch der Demagogenhetzjagd gekostet. Wer zieht aber die Blitze, die — weil zu alt— nicht mehr zünden wollen, auS der Rümpel- kämm» hervor? Die biedere„Volkszeitung". Dreimal wöchentlich müssen Bi andartikel gegen die verhaßten Sozialdemagogen erscheinen. Pech, Schwefel und Flammen auf diese vermaledeiten Volke ver- führer! Mit dem vorn angeführten Erguß leitet die„Volkszeitung" die Abwehr ein gegen die Behauptung der„Kreuzzeitung", daß Joh. Jacoby's Jdentificirung der Gruntsätze der Demokratie von 1343 und der jetzigen Sozialdemokratie vollständig richtig sei und fährt dann fort:„Wir beantworten diese Frage"— weshalb man Jacoby's Behauptung nicht offen entgegentrete—„mit folgendem grundsätzlichen Argument: Wenn Jemand— wie's bei I. der Fall ist— ein anvertrautes Mandat abweist, und wenn be- sonders diese Ablehnung unS erwünscht ist, so fühlen wir uns nicht verpflichtet, seine Motive und die daran geknüpften Behauptungen einer Kritik zu unterziehen." Also weil die Ablehnung»wünscht, sind die Motive„gleichgültig", will man sich über sie nicht aus- sprechen, den Behauptungen J's. nicht offen entgegentreten. Daß die Zurückweisung des Mandats den Herren Fortschrittlern gelegen kam, wissen wir nur zu gut, sie hat sie vor dem Erröthen bewahrt. Achim, 24. März. Durch angekündigten Lohnabzug(von 10— 15 Sgr. pro Tausend Cigarren) in zwei Fabreken steht hier eine Arbeitseinstellung der betreffenden Cigarrenarbeiter irr Aus' ficht und ist deshalb der Zuzug nach hier fern zu halten. Außer- dem haben wir ein ArbeiiSnachweiSbureau errichtet und hat sich ein Jeder, auch für die Zukunft, darnach zu richten, wenn er zu- gereist kommt, sich an den Vorsitzenden desselben, L. Singner, zu wenden. Die Commifsion. Staßfurt. Nachdem im vorigen Monat Habermanu aus Magdeburg, einer Einladung folgend, in dem drei Stunden von hier entfernt liegenden Städtchen Köchstedt in einer VolkSver- sammlung über das Programm der sozialdemokiatiscden Arbeiter- Partei ausführlich gesprochen, ging ich, da uns» Börnicker Ver- trauensmann Fritz Hansen und Parteigenosse Jacob Lmdemann bereits eine zweite Volksversammlung auf Wunsch der Koschstedt» Arbeiter einberufen, gemeinsam mit Beiden herüber. Nach meinem Referate bildete sich eine, wenn auch nur schwache Mitgliedschaft. Die Schuld der geringen Betheiligung liegt wohl theilS an den erbärmlichen Lohnverhältnissen, denn kräftige Arbeiter verdienen einen Tagelohn von nur 15 Sgr.; zweitens wurden die Leute im Jahre 1369, wo die bittre Norh sie sämmtlich zwang, die Arbeit niederzulegen, vou etlichen Individuen übel beschwindelt. Der Herr Gutsbesitzer und Znckerfabriksinhaber Silberschlag war nun aber nach liberaler Cor sequenz soweit gegangen, mehrere Trans- Porte schwedischer Arbeit» zu cngagiren, die auch nach guten Ver- sprechungen sehr bald eintrafen, aber in einiger Zeit wieder von daunen zogen, nachdem vieltf Verheißene unerftilll geblieben und die wackeren Köchstedt» Arbeiter, nachdem sie genügend am Hunger- tuche genagt, den Herren Ausbeutern, wie man munkeln hörte, einige sauste Rippenstöße beigebracht hatten. So großartig der Aufschwung ist, den die Industrie in hiesiger Gegend in den letzten Jahren genommen hat, und jcmehr sich da« Besitzlhum in den Händen Einzelner anhäuft, so elend ist die Lage der Arbeiter in hiesiger Gegend. Meilenweite Länderstrccken sind theilS Privat- besitz eines Einzelnen gtwordcn, theilS als Pachtgllter auf Jahre vergeben worden. So hat z. B. der Vertreter unseres Kreises im Reichstage, AmtSrath Dietze zu Barbi, wollte sagen Herr von Dietze, die königliche Domäne zu Barbi. Dieser Herr Volk» Vertreter zahlte vor einiger Zeit in den kurzen Tagen einen Tag-' lohn von 8 Sgr. an kräftige Arbeiter, im Sommer zahlt derselbe natürlich den ungeheuren Lohn von 12 bis 15 Sgr. pro Tag, in d» Zuckerfabrik»reicht er die gleiche enorme Höhe. Sind nun irgendwo einige Morgen guten Acker» preiswürdig zu verkaufen, so hat der Herr Amtsrath den nächsten Credit. Arbeitermassen werden aus dem Eichsfelde herangezogen, in großen Casernements untergebracht und für oben genannten riesigen Lohn beschäftigt. Zur Wahl fehlt's dann an Stimmvieh nicht; die letzte Wahl be- wieS un», daß das Städtchen Barbi von ca 5000 Seelen für den von Dietze 677 Stimmen abgegeben; dabei will aber ein großer, noch halbselbstständig» Theil kleiner Leute, wie man so hört, gar nicht gewählt haben. Staßfurt hingegen, mit einer ca. 13—14,000 zählenden Einwohnerschaft, halte für Metzner 671, für von Dietze 359 und für Otto von Frorsich 69 Stimmen bei zahlreicher Betheiligung abgegeben. Da» 3000 Seelen zählende Dorf Börnicke hingegen gab für Metzner 173, für von Dietze 70 Stimmen ab. Nun, hoffentlich werden die Arbeiter dieses Kreises durch eine vernünftige Organisation allmählich einen an- dern, daS wahre Volksinteresse vertretenden Abgeordneten in den Reichstag schicken und menschenwürdige Verhältnisse somit anstreben helfen. W. Fischer. ßhicago, 23. Febr. Parteigenossen! Folgende Daten sollen dazu dienen, Euch ein klares Bild von unser» Agitation zu geben. 3) Um womöglich der Roth, welch« infolge der hereingebrochenen Krise für diesen Wiot» drohte, die Spitze abzubrechen und da- neben auch für die Verbreitung uns»» Prinzipien Sorge zu tragen, beschlossen die drei hier in Chicago existirenden deutschen Sectionen der Int. Arbeiterassoziation sich durch Cirkulare an alle hier bestehenden Gewerkvereine zu wenden um Unterstützung und thatkräftize Mithülfe, sie konnten jedoch weit» keinen al» den int. Möbelarbeitcrverein und die ftanzösische Scction der Int. Arbeiter- assoziation dazu bewegen. Die 15 Delegaten dieser fünf Vereine nun traten ungefähr Mitte November als provisorisches Comitö zusammen und beschlossen, da von der feindlichen Presse Nichts zu erwarte» sei, Handbills drucken zu lassen und dieselben durch ar- beitslose Parteigenossen in der Stadt Haus für Haus verbreiten zu lassen.« In einem Auftuf wurden folgende näher begründete Forderungen euffgtsttUt; 1) Arbeit für Alle, welche keine Arbeit haben und im Stande und Willens find, zu arbeiten. Mit hinreichendem Lohn. 2) Vorschüsse an Geld oder Lebensmitteln aus der Stadtkasse für alle Nothleidendc. Sämmtliche Vertheilung der Vorschüsse sollen von einem Comite, welches die Arbeit» selbst zu ernennen haben, über- wacht werden, damit die Hülfe Diejenigen erhalten, welche es wirklich bedürfen. Sollten nicht genug Baarmittcl in der Stadtkaffe vor- Händen sein, so soll der Stadtkredit in Anspruch genommen werden. Der Aufruf wurde in zwölftausend englischen und ebensoviel deutschen Exemplaren gedruckt und vcrtheilt. In den Vereinshallen in West Polk Str. und in W. Lake Str. hatten Comitös vvn Morgens 8 bis Abends 8 Uhr mit aufgelegten Listen Sitzung. Der Erfolg war ein durchschlagender; binnen 8 Tagen hatten wir ca 8000 Unterschriften, und wir beriefen deshalb auf Sonntag, den 21. Dezember eine Massenversammlung nach der Vorwärts- Turnerhalle ein. Schon lange vor der festgesetzten Zeit war diese Halle, welche ungefähr 10.000 Menschen faßt, bis unter das Dach gefüllt, und Tausende mußten, da der Raum zu klein, wieder fort gehen. Hier nun in dieser Massenversammlung wurde ein Com'ts von 3 Mann gewählt, um andern Tags, Montag, den 22. De- zember, Abends 8 Uhr, dem Stadtrath, welcher dann in Sitzung ist, unsere Forderungen zu unterbreiten; und wurde, um der Sache den gehörigen Nachdruck zu verleihen, eine Massenbegleitung des Comitö's beschlossen. Es kam denn auck eine Demonstration zu Stande, wie Chicago noch keine ähnliche gesehen, ja die„Jll. StaatSzeitung" sagte am der andern sich un« zur Verfügung gestellt, wir haben jedoch alle unsere Kraft aufgeboten und ein eigene» Blatt gegründet. Hoffent- lich ist dasselbe in Europa schon bekannt, und man wird au» demselben am besten schließen können, wie die Bewegung hin wächst.*) Mit brüderlichem Gruß H. R. Zimpel. ') Wir haben die Probenummer genannten Blattes, de«„Borboten", erhalten und daraus ersehen, daß die Arbeiter von Chicago kräftig in die große Bewegung einzugreifen gesonnen sind. Red. d.„B/j_ 4) Brieflasten der Redaktion: Lehmann Rochlitz: Nächste Nr., Brief folgt.— X. Weimar: Nächste Nr.— Stoffandrang so groß, daß B»schiedene« zurückbleiben mußte. der Erpcditiou: Wndtkr Düffdf Schr. 13 gr. OD hier Ann. 4 gr. Arbeiterv». Kl.-Zsch. Ann. 11 gr., Schr. 15 gr. Arbeiterpartei Bremen Ann. 11 gr. Fachver. d. Holzarb. Salzbg. Ab. 2. O. 1 thlr. 21 gr. Sie haben pro 3. Q. 7 gr. 5 Pf. gut.«Sttcherver. Berlin Ann. 1 thlr. 3 gr. Maurergew. Lübeck Ann. 9 gr. D. Hch Niederplanitz Ann. 5 gr. Pschk Fidthl Ab. 2. Qu. 1 thlr. 4 gr. Arbeiteroer. Geselligkeit Brslau Ann. 14 gr., Gesangver das. Ann. 24 gr.. K. das. Ann. 3 gr., Oehme das. Schr. 24 tblr. 24 gr.— Der mehrmals irrthiimlich ausgeführte Annoncenrest der Mitgliedschaft Zwickau, 16 gr., ist beglichen._ Wahlsoud. Pom Arbeiterverein Groß-Zschoch» auf Liste Nr. 297 26 Gr. GeuoffeuschastSbuchdruckerei. Antheilscheine bez. Autheilquittungen»hielten ferner: In Dresden E. N. 1 Thlr.; in Leipüg W. S. 1 Thlr.; in Mainz B. I. L. 3 Thlr.; C. L. 4 Thlr; I. L. 3 Thlr.; in Gotha Ch. L. 3 Thlr.; W. B. 3 Thlr� Gewerkschaft der Holzarbeiter. VkrUIl Sonnabend, den 28. März, Abends 8 Uhr: Bersamm- lung bei Hrn. Gittel(im Andreasgarten, Andreasstraße 26). Vortrag de« Herrn Richter.— Die Ausschußmitglieder haben Sonn- tag Nachmittag 3 Uhr Krausenstr. 11 bei Rolfs zu erscheinen. D.B. Arbeiterverein Geselligkeit. 'OllttllUl Sonntag, 29. d. M., Abends von 6 Uhr ab: Gesellige Zusammenkunft mit Damen im Cafe Sanssouci, Mehtgasse 4, parterre links.— Die Mitglieder werden aufgefordert, wichtiger Mittheilungen halber vollzählig zu er» scheinen. Gäste stnd gern gesehen. Der Vorstand. d» Sozialdemokratische Arbeiterpartei. lDlOcr|l»U Sonntag, den 29. März, Nachmittag« 5 Uhr: Mitgliederversammlung bei Gastwirth Evertz, Berzstraß-n-Ecke. DaS Erscheinen Aller ist durchaus nothwcnoig. Die Mitglieder- von Barmen werden ersucht, un« in unserm neuen Bereinslokal zu besuchen. B. Horn, Vertrauensmann. Sozialdemokratischer Arbeiterverein. .........„„ �{imülirg Montag, den 30. März, Abends holb 9 Uhr: Ber. Dienstag im ersten Schreck: die bedeutendste Massendemonstration sammlnng in Hansch' Clublokal. Tagesordnung: Fortsetzung der Discussion der Vereinigten Staaten sei gestern Abend vom Stapel gelaufen.� über Religion und Sozialdemokratie. Gäste haben Zutritt. D. B. Trotzdem ab» entblödete sich dieselbe Zeitung nicht, da. alle Zei-! Metallarbeiter-Gewerkschaft. tungen mit ihr in den ersten Tagen die Zahl 20,000 als zuiDIIflnövPti Montag, den 30. März, Abends 8 Uhr: SJeiiamm» niedrig»klärt hatten, nach 3 bis 4 Tagen von circa 4— 5000 lung der Mitglieder im Lokale �des Herrn Lartling.�nochenhanerstr. o't (0 Pr iii Communisten zu heulen, welche es gewagt hatten, den Stadtrath zu iuterpelliren. Schon Nachmittag« hatten sich die Herren Polizei- Commissare die Füße wund gelaujen, um das Comitä zu veran- lassen, die Demonstration wicht nach dem Stadthaus zu führen, und könnten wir als sicher annehmen, daß 1 Mill. Doll. für die Arbeiter bewilligt seien; natürlich konnte das Comits nichts dazu thun, und mußten die Herren mit dem Versprechen zufrieden sein, daß keine Ruhestörungen vorkommen würden. Sie zogen es jedoch vor, die ganze Knüppelgarde(Polizei) aufzubieten, und dieselbe in und um das Ralhhauö zu postiren. Wie uns andern TagS durch die Zeitungen versichert wurde, nicht gegen uns oder zum Schutz des Stadtraths, o Gott bewahre, nur zum Schutz des Rathhauses, da dasselbe nicht fest genug sei, um den Andrang der Massen aus- zuhalten; und dabei erfährt mau hinteih», daß sogar Kanonen geladen auf dem Polizeihauptquartier gestanden hätten. Doch die Arbeiter hielten ihr Wort und verhielten sich ganz ruhig, und des- halb, hinterher das Wegleugnen d» Angst. Als nun das Arbeit» comiiä, destehend auS 3 Mann mit der Reserve von mehr denn 20,000 aus der Straße, zum Stadtrath kam, erklärte derselbe recht zuvorkommend seine übrigen Geschäfte für beendet, und bat unser Eouiiiö, sein Anliegen vorzubringen. ES geschah, und versprachen die Stadtväter, Alle« zu thun, damit der Roth abgeholfen würde; es sei jedoch für heut zu spät, um etwas Spezielles zu erledigen, und wurde ein Comilö aus fünf Aldermännern und dem Major gewählt, um andern Tags mit unserm Comiiv gemeinschaftlich Sitzung zu halten. Die Arbeiter- Massen zogen beruhigt naeh Hause. Einige, die sich nicht damit beruhigen wollten, wurden als Querköpfe noch selbigen Abends von unfern Mitgliedern abgekanzelt, und die Sache ruhte bis Dienstag Nachmittag. Wie kam unser Comits da von der Sitzung zurück? Mit ellenlangen Gesichtern; der Stadtrath hielt zwar sein Versprechen vom vorigen Abend auch diesen acht Comitvmitglicdern auftecht: er wollte Alles rhun, was in seinen Kräften stände, um die Roth zu lindern; aber er bewies auch unserm Comite haarklein durch Gesetze, daß er auch nicht daS Allergeringste thun könne, ja er bewies sogar, daß die Gesetze nicht nur nicht für uns, son- dern direkt gegen unS gemacht sind. Run aber hatte die ganze Welt vor zwei Jahren für die Ab gebrannten von Chicago gesammelt, und waren damals 600,000 Doll. nicht zur Veitheilung gekommen, und waren deshalb der „Aid und Relief Society" übergeben, die müssen dieselben jetzt herausrücken, sagten die Aldermänner, und hin ging eS am vierten oder fünften Tage mit unserm Comitä zur Relief und Tausende von Nothleidenden folgten unserm Comile auf der Ferse. Auge- sichts diese« UmstandeS nun versprach auch die„Relief Society" wieder, Alle« zu ihun, um der Roth abzuhelfen, trotzdem die H»ren Aldermänner nicht mehr Courage genug hatten, den Dn rekioren der Relief gegenüber Alles aufrecht zu erhalten, was sie vorher gesagt. Eine Woche durch ging eS mit der Relief, am Schlüsse der- selben machte dieselbe ihre Ausgaben bekannt im Betrage von 45,000 Doll., und berechneten die Zeitungen darnach, wie lange das Geld aushalten würde. In der zweiten Woche erschien eine Bekanntmachung der Direktoren, daß nur noch schriftlich Applika- tionen eingereicht werden könnten; in der dritten war schon nicht» mehr zu hören, und jetzt hört man nur noch klagen, daß die Re lies Nicht« mehr herausgäbe. Also sogar die in der ganzen Welt gesammelten Almosen be- nützt diese Klasse als Sinekure, denn die Herren Direktoren sollen, wie ich gehört habe, 10 Doll. täglichen Lohn haben; und würde da« Geld diesen Winter ausgegeben, dann hätten dieselben nachher kein Aemtchen mehr. Doch wir haben uns durch alles diese» nicht entmuthigen lassen, andern haben eine Arbeiterpartei von Illinois gegründet, und macht dieselbe, wenn auch vorläufig erst hier in Chicago, tüchtige Fortschritte. Es sind bis jetzt 15 Sektionen gegründet mit circa 2000 Mitgliedern, und geben wir uns der Hoffnung hin, bis zur nächsten Wahl unsere eigenen Beamten zu wählen. Die drei hier existirenden deutschen Zeitungen haben eine nach Tagesordnung: Kraukenkassen-Augelegenbeit. Verschiedene«. Die Mitglieder werden gebeten, zahlreich und pünklich zu erscheinen. Der Bevollmächtigte. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 28. März: Versammlung Windmühlen- straße 7. Vortrag von O. Stelzer. Zahlreiche« Erscheinen erwartet D. B. v: v. «i für bei Donnerstag, den 26. d. M., Abend« 8 Uhr: Allgemeine Versammlung der Schloffer, Schmiede, Dreh», große Windmühlenstraße 7. ta Gürtler, Klempner u. s. w.„—. T.- O.: Beschickung de« in Hannover stattfindenden Metallarbeiter- Congrcsses durch einen Delegirten._________ Onitaftrt Sozial-demokratischer Arbeiterverein. Freitag, den 27. März, Abend« 8 Uhr, bei Sabin, Tur- nerstr. 3.— T.-O.: Das Contrakibrnchgesetz. Ref.: W. Fmk.— So« zial-politischer Wochenbericht. Ref.: Hadlich.— Gäste willkommen. Der Vorstand. Tili I., öem Leipzig Tischler-ttranken- und Begräbnißkaffe. Sonnabend, den 28. März, Abends halb 8 Uhr: Generalversammlung bei Sabin, Turnerstraße 3.— Tagesordnung: 1) Rechenschaftsbericht und dessen Sustification; 2) Wahl des Vorstandes und theüweise Er- hohung desselben; 3) das Krankengeld und dessen Dauer bnr.; 4) Bus- gang der Kranken; 5) Aufnahme neuer Mitglieder. Der Vorstand. XL. Quittungsbücher sind vorzuzeigen.___[2«) Arbeiterverein. ten« den wen Thonberg u- Umgegend... Abends halb 9 Uhr: Versammlung bei Günther. Sonnabend, den 28. März, Abends halb 9 Uhr: Festcomits- Sitzung bei Weber, Mariengasse._ Der Vorstand. Ein herzliches Lebewohl allen Freunden& College« bei meiner Abrene nach Magdeburg Leipzig, 24. März 1874._ Otto Döring, Sattl». Danksagung. Den Geestemllnder Ntanrern für die gesendeten 38 Thlr. 9 Sgr. 6 Pf. zur Unterstützung der strikenden Maurer besten Dank, mit dem Versprechen, in äbnliche» Fällen ebenso handeln zu wollen. Lübeck, 22. März 1874. Sm Auftrage der strikenden Maurer: W. V o ß, Bev. lain, düilj tu totli «er er -lkn '«ttin i« fast neu, ist billig unter Garantie zu verkausen Leipzig, Erdmannstr.S K"'11 Hmtergedaude 2 Tr. rechts.__ Arbeits-Hosen. Aeclit Englisch Lederhosen a Stück 1 Thlr. 15 Sgr. , Cord-Hosen ä Stück 1 Thlr. 15 Sgr. , Starke Stoff- Hosen ä Stück 2 Thlr. 15 Sgr. a Militär- Drillhosen ä Stück 1 Thlr. „ Baumwollene feste Arbeitshosen ä Stück 27'/» Sgr. orapflehlt Louis Guttmann% J- M No. 24 Grimmaische Strasse in Leipzig No. 24. Lekanntmstchmlg. P. Wir erwarten bis Ende dieses Monats bestimmt, daß sämmt» jWe liche Filialen, soweit dies nicht geschehen, die Abonnemcntsbeträge�rli für 1. Quartal 74 ze. einsenden, da sonst für 2. Quartal di«�»� Zusendung unterbleibt Ebenso erwarten wir Olli binnen 8 Tagen von allen Filialelt fi die Bekanntgabe ihr» Abonnentenzahl, wie auch allensallsig« Aenderung der Adressen für 2. Quartal. Die Expedition des Volksstaat. Leipzig: Berantw. Redakteur: M. Preißer.(Redaktton u. Sxpednt" Zettzerstr 44.) Druck und Berlaq dn Äencsseuschaftibuchdruckerei. s. -AI