Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonmag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhand- langen des In- U.Auslandes. Filial-Expeditionen für die Vereinigten Staaten: F. Ä. Sorge, Bor 101 Hobokeo, X. J. Wm. Lueders, �09 Maystr. Chicago, JH. Peter Hast, S.W. Corner Third and «oatei str. Philadelphia. Abonnementspreis: Für Preußen incl. Stempel- steuer 21'/- Sgr., für die übrigen Deutfchen Staaten 1ö Sgr. pro Quartal. Manats-Abonnementi werden bei allen Deutfchen Postanstalten auf den 2ten u. Zten Monat und aus den 3ten Monat besonders an« genommen, im Kgr. Sachsen u. Hrzth. Sachs.-Altenburg auch auf den I ten Monat ä 5>/> Sgr. angenommen. LrgandersozialdemokratischenArbetterparteiMdÄermternatillnalenGetverksgenossenschasten. Zosevate. die Abhaltung von Partei«,"Vereins, und Volksversammlungen, sowie die Filial- Expeditionen und sonstige Partei« Ar gelegmheiten betreffend,«erden mit 1 Sgr.,— Privat« und Vergnügung«- Anzeigen mit 2 Sgr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. te »r, 38. , 1. April. : Abonnements- Einladung. —: Mit denl 1. April beginnt ein neues Quartal und fordern nz � deßhalb zu zahlreichem Abonnement auf das wöchentlich n- teimal erscheinende Parteiorgan auf. it- Der Preis beträgt 16 Sgr.(56 Kr. rh.) pro Quartal, Sgr.(18z 2 Kr.rh.) pro Monat, m Preußen incl. Stem- � tlstener 21'/, Sgr. 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Stclzer, Rüdnitz, Kapellenzasse II, 2 Tr., für Plagwitz und Lin ' i Frau Hohe, Plagwitz, Zschochcr'sche Str. 26, für bei Teubert, Bornatsche Straße 19, für uzschöcher und Umgegend bei Fleischer, Nr. 87 daselbst, cht'lc Thonberg bei Horn, Hauptstr. Nr. 9S, für Stötteritz r36ti C. Richter, für Gohlis:c. bei O.Peukert, Hauptstr.19. Für Berlin wird auf den„Bolkssiaat" mouatlich für Sgr. frei in'S Haus abonnirt, bei Trautmann, Engelufer "" 1), 4 Tr.; Görges, Weberstr.32; Rubenow, Brunnenstr. 34 . s Laden; Mctzner, Elisabethkirchstr. 1; Bogel, Prinzenstr. 61 _ Der Abonnemenlsbetrag ist bei Bestellung zu entrichten -! Abonnements bei der Expedition, siwohl einzelne wie von iüolen, welche nicht rechtzeitig erneuert worden, werden vom an nicht wehr effektuirt. Lei Nachbestellung ist an die Post 1 Cgr. Bestellgebühr außer Abonnementsbetrag zu entrichten. � �______ Könitz, Kapei iuau:c. bei I Ennewitz ic. and kltiutsckochcr An die Abonnenten in Sachsen. Bei Verweigerung der Annahme des Alonnement« für April, Sei- iCnhf' e;nct Pofiexpeditivn, wollen sich die Betreffenden aus das Cireular «erel März 1812>'r. IV 2463 X berufen, r.onach Monatsabonne- rs/S ouf den„Volksstaat" im Königreich Sachsen und Herzogthum Men- Altenburg zulässig sind. I in' �___ Die Expedition des„Volksstaat". inen! Arbeiter! Parteigenossen! doch� Tie„Arbeitgeber" haben sich zu entschiedenem Vorgehen gegen i Arbeiter entschlesien. In zahlreichen Petitionen an den Reichs- suchen sie den berüchtigten Contraktbruchgesetzentwurf, A-iedereivführung der Arbeitsbücher, die Schiedsgerichte !- w., und zwar dies Alles so, wie es gerade im Interesse der Wcheuden Klosien liegt, zur Annabme zu bringen. .Arbeit«! Parteigenossen! Im Interesie Eurer Sache ist es reisdost� ten nächsten 14 Tagen überall Versammlungen cmzu- „'�tn, dort das Vorgehen der„Arbeitgeber" in's richtige Licht —!. stellen und energische Proteste gegen eine Ausnahme- "stzgebung für die Arbciterklasie an den Reichstag zu richten. Wer hoffen, Ihr werdet nicht lässig sein, wo ein Parlament Klassenherrschaft durch reactionäre, Eure Interessen auf's Tiefste legende Gesetze sanctioniren will. Hamburg, 29. März 1874. Die Centralverwaltung der Gewerkschaften. Th. Yorck. Der Ausschuß der sccialdemokratischen Arbeiterpartei. A. G-ib. 24. - Tie Religion der Sozialdemokratie. Vierte Kanzelrede. Von I. Dietzgen. it. l- k.r* ist eigentlich psäsfischer Unfug, meinen Zuspruch an die .'Bn Parteixenossen von der Kanzel Herabtassen zu wollen. mt- Ml, Christentu m, Religion sind Dinge und Namen, mit denen Agtl" Mißbrauch getrieben ist, daß es einem aufrichtigen Menschen die-�tvartig sein muß, in irgend eine Berührung damit zu kommen. loch ist ein Herantreten selbst bis auf impertinente Nähe er- aleit»,�' um solche Widerwärtigkeiten entschieden zu beseitigen. Der �Tempel hinaus zu werfende Ruhestörer will umarmt fein, das 3 Aalebtik des Lebens. I�estkx zeigt stcb, daß im Verlauf der Geschichte Tinge zu andern aßen werden, die dennoch ihren Namen behalten. Dem Un- __.EjU�en werden damit dann die veränderten neuen als dte un- l"fetten alten Dinge vorg« stellt. So Religion, Christenthuw lli' Kanzel. Durch dieses konservative Manöver wird eine nieder- ■"&e.Confufion der Geist:r angeregt. Auch werthe Partei- genossen ertappe ich manchmal dabei. Da heißt es: Christus war der erste Sozialist. Sozialismus und Christenihum sind so ver schieden wie Tag und Nacht. Wohl haben beide Uebereinstim� mendeS. Aber was stimmt nicht überein? Was ist unähnlich? Tag und Nacht gleichen sich durchaus darin, daß sowohl daS eine, wie das andere, ein Stück der allgemeinen Zeit ist. Der Teufel und der Erzengel, obgleich der erste eine schwarze und der zweite eine weiße Haut hat, sind doch wieder sehr gleich, indem jeder von ihnen überhaupt in einer Haut steckt. Es ist die spezielle Capazität unseres Kopfes, alle Mannich faltigkeit unter einen generellen Hut zu bringen. Ob Christenthum und Sozialismus noch so viel Gemeinschaftliches haben, so verdient doch der, der Christus zum Sozialisten macht, den Titel eines gemeinschädlichen Confusionsraihs. ES ist nicht genug, das Gemeinschaftliche der Dinge zu kennen, auch der Unterschied will verstanden sein. Nicht was der Sozialist mit dem Christen gemein, sondern waö er eigen hat, was ihn auszeichnet und unterscheidet, sei Gegenstand unserer Beachtung. Neuerdings ist das Christenthrm Religion der Knechiseligkeit genannt worden. Das, in der That ist seine treffendste Bezeich- nung. Knechtselig ist allerdings alle Religion, aber das Christen- thum ist die knechtseligste der knechtseligen. Nehmen wir ein christlich Wort von der Straße. An meinem Wege steht ein Kreuz mit der Inschrift:„Barmherzigkeit, huldreichster Jesu. H. Maria bitt für uns." Da haben wir die unmäßige Demuth des Christen- thumS in ihrer vollen Erbärmlichkeit. Denn wer so seine ganze Hoffnung auf Erbarmen baut, ist doch in Wahrheit eine erbarm- liche Creatur. Der Mensch, der vom Glauben an den allmäch- tigen Gott ausgeht, vor den Schicksalen und Mächten der Natur sich in den Staub wirft, und nun im Gefühl der Ohnmacht um Erbarmen winselt, ist kein brauchbares Mitglied unserer heutigen Welt. Wenn die modernen Christen andere Leute sind, wenn sie den Anwettern, die überlegene Mächte herabdonnern, kühn in die Augen sehen und nun durch thatkräftige Arbeit das Unheil zu heilen suchen, so bekunden sie mit solcher That ihren Abfall vom Glanben. Obgleich die Christen ihren Namen, ihre Gesangbücher und frommen GemüthSschmerzeu beibehalten, sind sie doch in ihrem Thun und Treiben vollendete Autichristen. Wir religionslose De- mokraten wollen das klare Bewußtsein der Sachlage voraus haben. Wir wollen mit Wissen und Willm, in der Theorie, wie in der Praxis thatkräftige Widersacher der lammfrommen, gottseligen Er- gebenheit sein. Schlechte Gewohnheit, welche dem Menschen wie ein alter Adam tief im Fleische sitzt, will das, was einmal unter Umständen gedient hat, für alle Ewigkeit konserviren. Jnteressirte denkfaule Niedertracht will den Gegensatz zwischen christlicher Weltverachtung und der weltfreudigen Tendenz, die unsere Gegenwart beherrscht, verleugnen, vermitteln und vertusehen. Das Christenthum fordert Entsagung, während heute rüstige Arbeit zur Befriedigung unserer materiellen Bedürfnisse gefordert ist. Gottvertrauen ist die vernehmlichste Qualität eines Christen, Selbstvertrauen, daS gerade Gegenrheil, zu einer erfolgreicken Arbeit nöthig. Wer sich unter- steht, dem Christenihum die Lehre in den Mund zu legen:„Du sollst auf Gott vertrauen, aber deine Talente nicht vergraben," und damit sagen will, daß die Arbeit kein unchristlich Ding, son- dern in der christlichen Lehre enthalten sei, der ist ein abgeschmackter Sophist. Die christliche ist von der eigentlichen, von der heutigen Arbeit meilenweit verschieden. Der Christ arbeitet für den Him- mel, um den Leib zu kasteien, die Lüste zu unterdrücken. Und winn er für Brod und Lebenöunte'halt arbeitet, so darf eS nur ein Lebensunterhalt sein, der die Qualen dieses irdischen Jammer- thals verlängert, um dadurch des wahren ewigen Lebens würdig zu werde».„Wer sein Leben auf dieser Welt hasset, der wkrd es er halten zum ewigen Leben."(Johannes 12» 25.) Verhimmelte Ewigkeit ist der Zweck des Christen, die alltägliche Welt der Zweck des verständigen Menschen. Der theologische Toctor Daniel Schenkel aus Heidelberg'er« eifert sich gegen die Behauptung, daß das Christenthum wesentlich in der Weltverneinung bestehe.„Wie, ruft er aus, die Welt soll dem Christenthum nicht als eine würdige, ja nicht einmal als eine mögliche Stätte der Religion gelten, diese Welt, von welcher der vierte Evangelist sagt: also hat Gott die Welt geliebt, daß er seineu eingebogen Sohn in fie gesandt:c. Wollten denn die ältesten Christen aus der Welt fliehen? Erwarteten sie nicht viel- mehr, daß Christus als stegreicher und erklärter König zu ihnen auf die Erde hcrabkomme und die damalige schlechte Weltordnung durch eine bessere, aber wieder durch eine Wettordnung ersetze?' So spricht ein sophistischer Raisonneur, dem eS nicht um die Rai son, sondern nur darum zu thun ist, seine sreigeistige Halbheit und Feigheit mit dem klangvollen Namen der Religion und des Christenthums auSzustasfiren. Oder bat er vielleicht, im Bedürfniß Andere zu bethören, sich schließlich gar selbst bethört? Weiß er nicht, daß das Christenthum zwei Welten hat, ähnlich wie die Preußen, eine schwarze und eine weiße? Die schöne bunte Welt der Wirklichkeit hat der Christ schwarz angestrichen. Ihre Herrlich- leiten sind ihm Verlockungen des Teufels, ihre Arbeit ein Fluch, ihre Liebe sündige Gier, das Fleisch eine Beschwerde, ein Hinderniß deS Geistes, der Leib„ein stinkender Madensack". Wie der verwünschte Prinz in einem wilden Thier, so steckt die weiße Well der christliiben Einbildung in dieser schwarzen Wirklichkeit. Um von dieser Welt zu erlösen, hat der liebe Gott seinen Sohn ge- sandt, der uns in die paradiesische christliche Welt führt. Wie die eiserne» Hölzchen, so besteht sie aus geistiger Materie. Ihre Männchen und Weibchen haben kein Gescklecht, ihre Körper keine Schwere, ihre Arbeit kostet keine Mühe.„Engel kochen ohne Fleisch die Seligkeit." Allerdings wollten die älteren Christen aus der Welt fliehen. Sie erwarteten stündlich die Wiederkunft des Herrn, den Untergang und das jüngste Gericht.„Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Doch die christlich-phantastische Erlösung, welche die Plagen der Welt anstatt mit lhatrüstiger Arbeit, durch Glauben und Hoffen heilen will, konnte die verständige Forderung nach mate- riellem Lebensgenuß unmöglich lange unterdrücken. Die Ketzer und Reformatoren, die Protestanten, die Deutsch- und Altkatho- liken, Lichtfreunde und Freie Gemeinden, Froschammer und Schenkel halfen alle wehr und mehr der sckwarzangestnchenen Wahrheit zum Siege über die weißzetünchte Lüge der religiösen Phantasie. Insofern sind wir Sozialisten mit dem„Fortschritt" einverstanden. Nur die Feigheit sollen wir nicht billigen, die den Abfall vom Glauben als Wiederherstellung des wahren Christen- ihums aufspielt und also vom Namen nicht lassen will. Die DiSkreditirung des Namens ist nöthig, um der Sache den GarauS zu machen. So zweideutig wie die bürgerliche Volkswirthschaft, wie die bürgerliche Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, so zweideutig ist auch die Religion der Kapitalkerle. Die Mönchsposse, die mit ernem Schmeerbauch den Weltverächter spielt, wird vom Mast- bürger sortgesetzt. Das Possirlichste dabei ist, daß der Fort- schriltler hinter dem Mönch zurückbleibt, indem jener seiner reli- giösen Miserabilität sich nicht einmal bewußt ist. Das geruch- und geschmacklose, das abgeschmackte Christenihum der modernen Windbeutel, macht schließlich auch noch den Anspruch, das echte, rechte, wahre zu sein. Die klassischen Musterchristen, die Kalender- heiligen waren doch wirkliche Welt- und Kostverächter; sie wohn- ten in der Klause, trugen härenes Gewand, geißelten den Leib und nährten ihn von Wurzeln und Kräutern. Ihr Leben be- stätigte ihre Lehre:„Gott ist ein Geist, und wer ihn anbeten will" rc. Unsere heutigen Kreuzritter schlagen die andere Seite auf, wo geschrieben steht:„Er ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnet". Allerdings ist der Keim deS Zweideutigen, die «iderspruchvolle Inkonsequenz schon ursprünglich in der christlichen Lehre enthalten. Apostel und Kirchenväter machen stellenweise Konzession. Sie lehren, wie man die Brunst mit der Heiraty, Satan mit dem Beelzebub auszutreiben hat. Einmal ist Fasten und Beten höchste Tugend, ein andermal heißt es:„Der Herr hat kein Wohlgefallen an Jemandes Gebeine". Weil eS nicht über die Natur der Dinge, weil es unmöglich ist, den Menschen total zu verhimmeln, darum kann daS Christenthum auch über den Lebensgenuß nicht vollständig hinaus, darum steckt die Rech- nuiigsträzerei so unvermeivlich in seiner Haut. Doch wird der hellsichtige Demokrat von diesen Bäumen nicht gehindert, den Wald zu sehen. Der christliche Wald liegt im Jammerthal und heißt: Abstinenz ans Erden und Zuckererbsen im Himmel. Eine Lehre, die Jahrhunderte lang Völker und Welttheile be- herrschte, hat sicherlich ihre historische Bedeutung. Verwerflich ist nur, daß die demüthig in der Krippe geborene hochmüthig bis in alle Ewigkeit dominiren will. Was daS Christenthum ewig Wahre» hat, z. B. Abtödtung des Fleisches als gutes Gegengift wider unverheirathete Begierden, oder Liebe über alle Nationalität hinaus, für die ganze Menschheit, daS will die Sozialoemokratie nicht verleugnen. Im Gegenlheil hält sie fest daran, wenn auch die andere Welt durch Franzosenfresserei kannibalisch wird. Nur will sie nicht, wie Chnsteuthum und Religion überhaupt, die profane Wahrheit für himmlische Heiligkeit gelten lassen. Hier, geliebte Zuhörer, bei dem Unterschiede zwischen religiöser und profaner Wahrheit, sind wir an dem Punkte angekommen, der den Sozialisten wesentlich vom Christen trennt. In Auf- klärung desselben bitte ich für eine Weile um besondere Aufmerk- samkeit. Wahrheit ist Wahrheit, allerdings! Aber in religiöser Form ist die Wahrheit einseitig, bornirt, intolerant. Zum Exempel, daS Gebot der Nächstenliebe. ES ist eine ewige Wahrheil, d. h. eS ist ein Gebot deS menschlichen Bedürfnisses, daß der Mensch zum Menschen gehört. Gesellschaft ist ihre Natur, sie müssen sich lieben, und wo sie das verkennen, verkennen sie das eigene Glück und Heil. Wo aber die Religion sich dieser natürlichen Wahrheit bemächtigt, wo eer Christ sagt: du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst, da bohrt er sich mit solch' fanatischem Eifer in das Gebot hinein, daß diesem Sinn und Verstand schier ausgeht. Wenn er auf das rechte Ohr geschlagen ist, hält er auch das linke noch dar. Wenn er Liebe predigt, schließt er das Gegenlheil aus, verdammt er den Haß. S» wird die christliche Liebe zum „Lämmerschwänzchen". Dagegen der Sozialismus predigt nicht nur, er fußt auf der Brüderlichkeit. Aber die antireligiöse, die vernünftige Nächstenliebe weiß sich zu beschränken, sie schießt nicht über daS Ziel hinaus, perhorreszirt nicht ihren Gegensatz, den Haß, sondern schließt ihn ein, als ein stellenweise nothwendigeS und also heiliges Mittel. Auch wir wollen den Feind lieben, Gutes thun dem, der uns hasset;— aber doch erst, wenn er un- schädlich gemacht am Boden liegt. Unterdeß deklamiren wir mit Herwegh: „Die Liebe kann erlösen nicht, Die Liebe nicht erretten. Halt' du, o Haß, dein jüngst' Gericht, Brich du, o Haß, die Kette». Bis unfte Hand in Asche stiebt Soll sie vom Schwert nicht lassen, Wir haben lang' genug geliebt Und wollen endlich hassen." Politische Uebersicht« — DaS Gespenst„Sonfüft" geht um in den Hillen deS S0 Jahre später ein Mann herrsv« t m t ,yyi i Vv* I ♦- Sv A• weit sie nicht an den Brüsten deS Reptilienfonds saugt, nur Glück blickt nur in deren Selbständigkeit die Bärgschaft gedeihliche wünschen, denn sie erlangt dadurch eine kurze Galgenfrist. Daß Wirkens. Die Ausaleichuna der streitenden Geaensäs: zwischi t,..._____ w QV.Q____ r. r/_••____.-i, � i i gesetzes, welcher die Präsenzstärke der Armee für Friedenszeiten auf 401.000 Mann festsetzen soll, ist in der Commission zur Berathung des MilitärgesctzentwnrfS abgelehnt worden und die Regierung erklärt, ohne diesen Paragraphen könne sie das ganze Gesetz nicht brauchen. Davon sind wir»ollständig überzeugt; wir glauben sogar, daß die R-ichsrcgierung, wenn weiter gar nichts, al« dieser einzige Paragraph„zu Recht" bestünde, sich am allerwohlsten fühlen würde. Wie empfiadlich übrigens die gesamaete preußische Herr- lichkeit wird, sobald sich die„y»lt«»ertretung" nur das Geringste in ihre Militärangelegenheiten dreinzureden erlaubt, geht au« der Ansprache hervor, welche der preußische Konig am SZ. März hielt, als ihm die preußische Generalität alleruntcrthänigst zu seinem Geburtstage gratulirte. Er sagte bei dieser Gelegenheit: „Auch Ihne» sage ich für die Gesinnungen meinen Dank, welche der Gcncralfeldmarschall soeben in Ihrem Namen auSge fprochc». Da Sie als Repräsentanten«einer Armee vor mir er scheinen, so darf ich Ihnen auch nicht verschweigen, daß aber mals eine Krisis über derselben zu schweben scheint WaS ich damals vier Jahre lang aus Pflichtgefühl und Ueber- zeugung erstrebte, aufrecht erhielt und erreichte, hat seinen Lohn in den ja über alle Erwartung großen Erfolgen der Armee und der meiner Verbündeten gefunden, und dieses Gefühl gibt mir Muth und Ausdauer auch jetzt, denn nicht um Kriege herbeizu führen, sondern um den europäischen Frieden zu sichern, halte ich an dem Bewährten fest. Leisten Sie mir dazu auch weiter, wie bisher, Beistand durch Ihre so pflichtgetreue Thätigkeit." Wir haben kürzlich un» schon in zwei L-itartckeln über da« Militärgesctz darüber ausgesprochen, was wir von der Sicherung des Friedens durch große stehende Heere halten. Stehende Heere zur Erhaltung de« Friedens— mit Verlaub, Herr Staatsanwalt, wir sprechen nur unsere spezielle Ucberzeugung aus— das kommt unS gerade so vor, wie wenn sich Jemand den Tisch mit einem halben Duyend Beefsteaks und ebensoviel Flaschen Wein besetzen läßt, lediglich, um zu— hungern! Indessen die kaiserlichen Worte sind eine gute Agitation. Zwar ist der„Geniale" nicht da, denn seine Beine sind geschwollen und er kann die Sache nicht„arrangiren", wie sonst. Der hätte eine tüchtige Kneiperei veranstalret und bei bayrischem Bier und Schlack� wurst wären die Bedingungen des„liebenswürdigen WirthS" au- genommen worden. Mit schönen Reden für den„Frieden" hätte man den Krieg in perpvtuum, der zwar jetzt schon arrangirt ist, genehmigt. So aber hat der Heldenkaiser selbst eine Agitations- rede für das Militärgesetz gehalten und daS Gespenst„Conflikt" dürfte beschworen sein. Denn wer wollte unS widerstreiten, wenn wir behaupten, die„liberalen" Seelen seien so feinfühlig und Höf- lich, daß sie niemals einen„Herzenswunsch" versagen werden? Ach, und daS Gefühl der höheren Knechtsfeligkeit, von dem wir „steifnackige Gesellen" leider weder eine Ahnung, noch eine Vor- stellung haben, muß wirklich süß und entzückend sein! herrschen würde, der ihren re- und beinahe in einen liberalen — Im Reichstage ging während der Berathung des Preß gesetzes ein Exemplar deS„Volksstaat" in der conscr vativen Partei von Hand zu Hand und die bezopften Vertreter der„guten alten Zeit" schüttelten die Denkerköpfe über die„ver- wegene" Sprache des Blattes. Wahrscheinlich hatte auch der nationalliberale Vertreter von Lyk, Herr von Puttkammer, in daS Blatt hineingeguckt, denn er ließ bei Berathung des Z 27, der von der ConfiSkation handelt, eine Denunziation los, die sogar ein Stieber oder Biedermann bewundern müssen. Der Mann BiSmarck's redete also: „Ich erlaube mir doch die Frage: ist denn das Gift, welches in das Herz deS Volkes gegossen wird durch eine Druckschrift, die ungescheut Gotteslästerung predigt, welche den Kampf der Classen gegen einander in wüthendster Weife proclamirt, welche die Majestät des Thrones mit Koth bewirft, ist denn dieses Gift weniger gefährlich für die Sittlichkeit des Volkes? Ich bestreite Das, und eben deshalb wünsche ich eine umfassendere Statuirung der Beschlagnahme. Ich habe mir in diesen Tagen erlaubt, ein- mal Umschau zu halten in unserem Lesezimmer, welches auch ge- ziert ist durch ein- Reihe von Blättern der Umsturzpartei. Ich bin da ganz zufällig auf einen Artikel des Leipziger„Volks- staats" gestoßen, der geschrieben ist zur Feier des 18. März und zwar der beiden Jahre 1848 und 1871. Ich weiß nicht, ob viele Herren sich das Martyrium aufgelegt haben, diesen Artikel zu lesen: er fällt den erhabenen Inhaber der höchsten Würde und Gewalt im Reiche mit wahrhaft wölfischer Wuth an und verherrlicht mit einer Leidenschaft sondergleichen die Schaudthaten der Pariser Commune. Mcine Herren, wenn das die Sprache dieser Blätter in ruhigen Zeiten ist, welches wird wohl ihre Sprach- sein, wenn die Wogen einmal hochgehen, und welches wird ihre Wirkung aus die Gemüther derjenigen Schichten der Gesellschaft sein, aus die sie berechnet sind!" Der Mann scheint die Lektüre der„Provinzial-Correspondenz" gewohnt zu sein, wo Herr Hahn, der Mann mit der„geschmei- digen" Anschauungsweise, erst kürzlich ausgesprochen hat, daß daS monarchische Prinzip von Gottes Gnaden„auf einem tief sittlichen Grunde" ruhe. Also stecken Sie Ihre Nase dort hinein, Herr Puttkammer, dort spucken ähnliche Muckercien wie in Ihrem Ge- Hirn. Wir muthcn Ihnen kein„Martyrium" zu; wir bedauern Sic und Alle, so mit Ihnen sind. Wie erbärmlich faul muß cS um Ihre Sache stehen, wenn die ganze Herrlichkeit, welcher Sie huldigen, schon durch einige Federstriche bedroht ist! Im Uebrigen denunziren Sie nur zu; wir lassen unS nicht bang- machen. Sie sind schon genug damit gestraft, daß Sie sich die Sympathie des„Leipziger Tageblattes", deren sich jeder Mann von politischem Charakter schämt, zugezogen haben. Und ein für alle Mal möchten wir hier den Vorwurf der „Wuth" zurückweisen, den unS die Gegner so oft machen. Wir denken und schreiben mit der größten Gemüthsruhe von der Welt und amüsiren uns an der denunziatorischen Wuth eines Pütt- kammer. — Nach den im Reichstage Seitens der Regierungsbevoll- mächtigten abgegebenen Elklärung, scheint eS fast zweifellos, daß der Bundesrath(soll heißen die preußische Regierung, welch- jedoch in dieser Frage auf warme Unterstützung aller übrigen Regierungen, namentlich der sächsischen, rechnen kann) daS Preßzesctz in der Ge- statt, welche es durch die CommisstonS- und R-lchStagSverhand- lungen erlangt hat, nicht annehmen wird. Ultrareaktionär, wie der Entwurf in seiner gegenwärtigen Form ist— weit schlechter und reaktionärer, als daS schlechteste und reaktionärste vo« sämmt- lichen in Deutschland bis dato geltenden Preßzesetzen— dem Bundesrath ist es doch noch„zu liberal"; und zu diesem reaktiv- nären Fnror des Bundesraths kann sich die deutsche Presse, so Nimbus umwandelt— das haben die Herren Manteuffel, West- phalen und Consorten sicherlich sich nicht träumen lassen, als sie anfangs der fünfziger Jahre„die Weltgeschichte zurückschraubten". Und noch viel weniger haben sie sich träumen lassen, daß dieser Mann in den Geruch liberaler, ja sogar demokratischer Gesinnung kommen, und der Abgott der„liberalen", ja„demokratischen" deutschen Bourgeoisie werden würde — Der Reichstag hat daS Reichszesetz bezüglich Einführnng der Civilehe mit großer Majorität in dritter Lesung anze nommeu. — ES ist ein Glück, daß unsere Zündnadel-Heiligen noch nicht unter den Schirm der MajestätsbeleidigunzS- Paragraphen gestellt sind, sonst könnte eS uns schlecht gehen: daS Organ für Jedermann au« dem Volke, welches im DenunziationSfach schon so Erkleckliches geleistet hat, greift aus unserem Artikel„Zum Prozeß Bazaine"(I.) einige scharfe Sätze heraus und präsentirt sie, fett gedruckt und natürlich ohne die Motivirung de« Urthcil» zu geben, der Staatsanwaltschaft zu geneigter Berücksichtigung. Nun— kann uns recht sein. Wir glauben an keine Heiligen, an St. Moltke so wenig, wie an St. Stiebcr oder St. Bismarck, und jede Gelegenheit, zu zeigen, wie klein die„großen Männer" (Kriegs- und Staatsmänner) in Wirklichkeit sind, kann uns nur willkommen sein. Wir hatten aber gedacht, in der Nichtanbctung dieser lebendigen Götzen stimmte ÄlleS, was sich demokratisch nenne, überein. So viel wir uns erinnern, behauptet die„Volks- zcitung" demokratische Grundsätze zu verfolgen; wir wären ihr in der That zu hohem Danke verpflichtet, wollte sie unS erklären, wie sich der Moltke- CultuS mit den demokratischen Prinzipien im Allgemeinen und der Bekämpfung der Militärwirthschaft im Besonderen zusammenreimt. — Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" entnimmt der „Magdeburger Zeitung" folgende Notiz:„EiSleben.(Eine erfreu- liche Ausnahme.) Unser Arbeiterverein feiert am 22. März sein 25jähriges Stiftungsfest; in jetziger Zeit namentlich thut eS wohl in der betreffenden Ankündigung zu lesen:„Unser Fest wird da- durch doppelt erhöht, daß wir zu gleicher Zeit den Geburtstag Sr. Majestät unseres theurcn Königs und deutschen Kaisers mit feiern können." Wir theilen ausnahmsweise in diesem Falle die Freude der „Magdeburger- und Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", nur aus einem andern Grunde wie sie; wir betrachten es als ein erfreuliches Zeichen, daß die Feier eines KönigSgeburtstagS durch einen Arbeiterverein nur noch zu den Ausnahmen gehört; das ist ein Fortschritt der gegenüber dem Sozialismus und der Knechts- feligteit der sogenannten höheren Klassen doppelt ins Gewicht fällt. — Die von unseren Parteigenossen zu München ins Leben gerufene Organisation des arbeitenden Volkes ist von der Polizeidirektion aufgelöst worden. Mehrere Lesehallen hat die Polizei geschlossen. Die Polizei hat hinter dieser Organisation uud Errichtung von Lesehallen eine Umgehung des VereinSzesetzes und politische Zwecke gewittert. Die Motivirung sinkt zwar nicht ganz auf das vtiveau des Hoser Stadtmazistrats herab, ist aber auch nicht viel besser. Per Gelegenheit hat die Polizeidirektion auch gleich noch daS von den Münchener Parteigenossen projeklirte Arbeiterfest verboten, weil daselbst die Pariser Commune ge- feiert werden solle. Das Festcomitö wird gegen die? Verfahren Beschwerde führen. — Wozu ein deutscher Professor gut ist! Es ist ein übel Ding um die„Genialität". Da die Aeußerung deS„ge- nialen" Bismarck gegen den„genialen" Maurus Jokai:„Sehen wir bei den Franzosen vom Koch, Friseur und Schneider ab, so bleibt der Rothhautindianer(von Rousseau, Marat, Lamark, Comte zc.) übrig," nur im engsten Kreise ves Reptiiienfonds An- klang gefunden, sonst aber, und namentlich in der englischen Presse, derb abgefertigt worden ist, so galt es, einen Prügeljungen für das mißglückte geflügelte Wort zu finden, denn Maurus Jokai ist ja Literat und, obgleich Ungar, dem deutschen Reich excl. Deutsch- Oesterreich(oder inclusive?) sehr zugethan, den durfte man doch nicht Lügen strafen. Uud siehe da, der Prügeljunge ist gefunden. Die Berliner„Tribüne" erzählt von einer Unterredung Bismarcks, in der er 1) Alle, denen diese Aeußernng mißfallen, kurzweg als Fran- zosen und granzosenfreunde denunzirt; 2) die allem Anstandsgefühl hohnsprechende Aeußerung somit zugesteht, die Originalität derselben aber dem„genialen" DuboiS- Reymond zuerkennt. Herr DuboiS- Reymond ist Professor und gewissermaßen der Karl Braun der Berliner Universität. Er ist es, der dieselbe einst die„Leibgarde der Hohenzollern" nannte, er ist eS, der einst die Vorlesung mit den Worten eröffnete:„Meine Herren, entschuldigen Sie meinen französischen Namen," und er hat wirklich einst in einer Festrede(am 3. August 1871) gesagt:„An die französische Nation wird einst, wenn sie sich nicht bessert, die Frage treten, welcde in Amerika die angelsächsische Race den Rothhäuten stellt: Wollt ihr den KriegSpfad verlassen und in Frieden mrt unS die Scholle bauen?" rc. Es gehört nun allerdings eine etwas starke Logik dazu, auS diesen Worten obige Aeußerung herzuleiten, doch wird der hohenzollernscke Zeibgardist schwerlich seinen Herrn und Meister desavouiren. Die Leser deS„BollSstaat" aber mögen sich die Frage vorlegen: Wer ist„genialer"! Arbeitgebern und Arbeitnehmern sollte in einen dritten Faktor, i sogenannte Einigungsämter, verlegt werden. Die Regelung t? Genossenschaftswesens, für dessen Freiwilligkeit der Ministw plädi« sowie jene der Fabrikgesetzgebung, will der Minister der neuen& werbeordnung, welche im Herbst dieses Jahres als R-zierungso«! läge zu erwarten, vorbehalten wissen. „Wir erfahren da zunächst, daß von Arbeiterka«Rern, wie V sie«ollen, nicht die Rede ist. Von einer Vertretung im Reist rathe keine Spur, Ausflüchte sind schnell gefunden. Alle« vertagt, bis zum nächsten Herist, sagt der Minister, nun, diesk „nächste" kennen wir schon,««n wird uns nicht linzer z» Besten damit halte». „Der Minister will ferner„die aus de« jetzigen(«ls»«nch keine Re»ifi»n) Vereinsgesetz: entstehenden Arbeiter» ereine zu[(tt korporati»-» Verbände» von Arbeiterzweigen gestalten, die er ß als unentbehrliche Grundlage für die Arbeiterkammer» vorstellt Man könnte glauben, der Minister beginne einzusehen, daß gewaltsame Unterdrückung der Arbeitervereine vom llebel ist, W widerspricht jedoch der Umstand, daß wir in Oesterreich sind.$•' Herr Minister glaubt offenbar mit Hilfe seiner Agenten schwa? gelbe Vereine gründen zu können, die ihren Mrtzliedern uitf Aufsicht der„erweiterten" k. k. Handels-, Gewerbe- und Arbeit» kammcrn hübsch gemüthlich schreiben und lesen, den liberalen u- altkatholischen Katechismus,„deutsche" oder„wahrhaft österreichisch Lieder singen lehren u. s. w., und eines schönen Tage»„für G«! Kaiser und Vaterland" gegen die Sozialdemokraten gebraucht den können. Wir danken Seiner Exzellenz im Voraus für die Arbeit,* die er uns erspart. Er mag die Arbeiter nur so schnell als mZ; lich in feine kaiserlichen Arbeitervereine pressen, wir werden sch< dafür sorgen, daß sie zu der Erkenntniß kommen, was man eiget lich mit ihnen will. Alle Vereine, die die Regiernng ins Lest ruft, gründet sie für uns, deshalb vorwärts, heraus mit den k/ Arbeitervereinen!" s- T st d s- d. di P w Z- S sä tzc «i sä de da ur mi hö do ve sai Ar de: l-S ab Kr eir — Ernest Jones. Aus der letzten Nummer des„Beehi«' ersehen wir zu unserer Befriedigung, daß in England ein Co«1 von Arbeitern zusammengetreten ist, um das Andenken deS Tiii tigsten und Tapfersten der englischen Chartistenführer, Er« Jones, in würdiger Weise zu feiern. Ja einer Vorberath» stand man von dem Gedanken der Errichtung einer Bckdsäule> und entschied sich dahin, zunächst eine billige Ausgabe der W: deS auch als Dichter einen hohen Rang einnehmenden Vol tribunen zu veranstalten, und auf diese Weise die Jveen, de« sein Leben geweiht, unter die Massen zu bringen. In zwei Linie beabsichtigt man die Gründung eines, leider in Engl: noch immer fehlenden Arbeiterblattes, das die Sache der Arbei nach allen Richtungen hin frei und furchtlos vertritt. Ec« Jones, der vor etwa 15 Jahren starb, war von sogenannter gst Familie, erlangte seine Erziehung auf deutschen Schulen und versitäten(er sprach und schrieb deutsch gleich seiner Matterspralst und opferte Alles im Dienste deS Proletariats: Rang, Vecmoffl Familie! In höherem Grade als er hat keiner die Liebe>» Ächtung des enterbten Volkes verdient! au W Ap nid Hai ihr od« anl Sa au« Ha kön ode lieg Ba Em Gewerksqenossenschaftliches. Gewerkschaft der Schuhmacher. Dresden. Nachdem wir wiederholt die Erfahrung mat mußten, daß selbst Gewerkschaftsmitglieder gegen ihr eigenes Ja esse in der von uns verlassenen alten Herberge zureisen und in Arbeit bringen lassen, sei hiermit erklärt, daß sich unser I kehr und Arbeitsnachweis(nach Lohntarif) nur Schreibergass.' „zum pirnaischen Hof" befindet, worauf namentlich auch die« vollmächtigten achten wollen. Unsere Versammlungen finden regelmäßig alle 14 Tage Ms tags in der„Conversation", am See Nr. 35, statt. DwS Ä> zur Kenntnißnahme. Der Bevollmächtigt» eine Ma auck besö enth dafr pro der ficht Nim thut tön: Meii Metallarbeitergcwerkschaft. Augsburg. Der Strike der Former in der Gießerei' H. A. Riedinger wird hiermit als geschlossen erklärt. Wenn � das Resultat gerade nicht als ein günstiges betrachtet werden kJ1 so haben doch der größte Theil ver Betreffenden ihre Ehre � wahrt und sind thcils abgereist, theilS wurden sie hier in anp Gießere en untergebracht. Drei feiern noch, und nur vier sind die sich nicht schämten wieder die Arbeit aufzunehmen. D t• beiter können sich wieder eine Lehre darausziehen, daß sie sich' Allem organisiren müssen, um mit Erfolg den Uebergriffea' Kapitals entgegentreten zu können Es folgt hiermit die Abrechnung. Einnahme: von Pforz! durch Lenz 10 fl., Nürnberg durch Faaz 16 fl. 48 kr., dsgl. d G. Pommer 8 fl., München durch die Expedition de«„Zeitz« 17 fl. 36 kr., Crimmitschau durch H. Löffler 16 fl. 37 kr., ß pingen durch I. Schreiber 9 fl. 44 kr., Chemnitz durch K H thier 8 fl. 45 kr., Mannheim durch F. Schneider 5 fl., L-i� durch Porstendorfer 33 fl. 30 kr. Von Augsburg: von' Formern der Maschinenfabrik 35 fl. 30 kr., dsgl. der KlaaS'i Gießerei 41 fl., der Fischer'schen Gießerei 22 fl. 45. kr., von beitern der Buxbaum'schen Fabrik 8 fl. 3 kr., der Rieding«'!« Par ders« Abh kann betr« und ordr Sor welö Thei 300« gew« steht tourl Ecks die! sich holt« ZUM Part schlo die t J WÜlt Maschinenfabrik 11 fl. 11 kr., von den Mitgliedern der Mtz sakturarbeitergewerkschaft 8 fl. 42 kr., sonstige freiwillige Beilt �rar Die — Kaiserlich-königliche Arbeiter-Organisation. „Gleichheit" schreibt: „In der letzten Sitzung des ArbeiterauSschusseS deS Abgeord netenhaufeS war der Minister des Innern Lasser erschienen. Der Minister bezeichnet Ton und Inhalt der Arbeiterpetition al« ruhig und legal(!) und anerkennt, daß die einzelnen Punkte diSkutirbar eien und eine Beachtung verdienen. Mit dem Ausschuß erkennt der Minister, daß die Einrichtung von Arbeiterkammer» den Kern der Forderungen des Memorandums(welches Oberwinder und Genossen an den Reichsrath gerichtet) bilde und will prinzi piell solche Fragen nicht perhorreSziren. Dieselben könnten jedoch nicht auf direkte parlamentarische Repräsentation abzielen, da sie außerhalb der sonstigen staatlichen Institutionen, inSbcson- dere der Gemeinde-Verfassung stehen, welche vre Grundlage unseres gesammten VertretungSsystems abgebe. Der Minister wünscht die vorhandenen Assozationen der Arbeiter zu korporativen Gestaltun- gen erwachsen, den Unterbau einer Organisation werden zu sehen, welche in die Spitze der Arbeiterkammern ausgehen solle, und er- Pols 1«nvä 4 st. 15 kr., durch Gllr. 6 fl., von Wch. 30 kr, E., G. u 3 fl., Mllr. 1 fl., Schtt. 12 kr., Bchr. 1 fl. Summa der nahmen: 233 fl. 8 kr. � Ausgaben: an Unterstützunzen 279 fl. 12 kr., für Jnsss 5?� 6 fl. 20 kr., für Scbreibmaterialien, Briefporto rc. 1 fl. 16 �' Summa: 286 fl. 48 kr. Einnahmen: 289 fl. 8 kr. Ausgaben: 286 fl. 48 kr. Ak-ivrest: 2 st. 20 kr7 Für die reichliche Unterstützung sagen wir hiermit den Dank im Namen der Betreffenden. Das Strikecomits: Vorsitzender: C. Hirth. Schriftsührer: F. Gramß. Kast' i F. Hertstein. Revisoren: N. Nußbaum, K. Hell, L. Jt> Allgemeiner deutscher Schneiderverein. Nerli«, 24. März. In Nr. 32 des„Volksftaat" zeige» Bayreuther College» an, daß ein Strike dort auszubrechen d> und in Nr. 35 wird berichtet, daß dieser Fall eingetreten ist es werden gleichzeitig die Mitgliedschaften aufgefoibect, die tigen College» zu unterstützen. Nach unserer Auffassung wä« statutarisch richtig gewesen, wenn die Bayreuther College» sich! vor Ausbruch des StrikeS mit dem Ausschuß in VerbindunZ für i weil allen ' Noch «S u M �tui * rufen fand! um j derbe wir, Zur: Hanl Wirt« betrii die i Und witgl Äit, «ur i setzt hätten, damit letzterer mit der Controlcommission schon event. Beschlüsse fassen konnte, und die Hauptkasse sofort einen Unter- ßützungSbeitrag den Strikenden hätte zugehen lassen können, wenn der Strike als berechtigt und zeitgemäß erachtet wurde. Dies scheint von den Bayreuther College» außer Acht gelassen zu sein, denn sonst wäre das Schweigen des Ausschusses unerklärlich. Wenn dies nun wirklich nicht geschehen ist, so hatte der Ausschuß die Pflicht, nach der ersten A»istrung von Bayreuth auS, anzufragen, wie die Verhältnisse dort liegen u. s. w. Auch hatte er gleich' zeitig vor einem nicht zeitgemäßen oder planlos anzufangenden Strike zu warnen oder andernfalls schon vorher die Mitglied- schaften darauf vorzubereiten, daß eine energische Unterstützung der dortigen College» nothwendig sein wird. Von alledem scheint «ichts geschehen zu sein, und erwarten wir, daß der AnSschuß so schleunig al< irgend möglich die gesammten Mitgliedschaften von der dortigen Sachlage im VereinSsrgan oder brieflich benachrichtigt, damit, wenn nöthig, sofort Sammlungen vorgenommen werden und die Bayreuther Collegcn nicht ihren begangenen Formfehler mit einer Niederlage büßen müssen. Die Berliner Mitglieder hätten sofort gesammelt, wenn sie nur irgend einen Einblick in die dortigen Verhältnisse hätten und nicht der NechtSstandpunkt es verbot, denn man hätte dadurch die Statutenverletzung nicht nur sanctiooirt, sondern geradezu willkürliche SttikeS provozirt, deren Ausgang stets sehr fraglich ist. Ein verunglückter Strike schadet der Gewerkschaftsbewegung mehr als alles Andere. Darum, Col- legen, vermeidet soviel als möglich StrikeS, wo nicht die volle Gewißheit vorliegt, daß der Sieg auf unserer Seite sein muß; ist aber ein Strike nothwendig und unvermeidlich, dann aber mit aller Kraft und Aufopferung die betteffcnden College» unterstützt, damit ein vollständiger Sieg errungen wird. Was soll daraus werden, wenn gleichzeitig in mehreren Städten auf eigene Faust planlose oder unzeitgemäße StrikeS ausbrechen? Äst da auf Erfolg zu rechnen? Wir glauben, schwerlich. Der Appell an die(leider ziemlich leeren) Taschen der Collegen wird nicht den Erfolg haben, wenn jede Mitgliedschaft für sich selbst handelt; gan, abgesehen davon, daß einzelne Mitgliedschaften über ihre Kräfte Opfer bringen würden, während andere vielleicht wenig oder gar keine Unterstützung den Strikenden senden würden; aber anders wird und muß es sein, wenn der Ausschuß vorher die Sachlage geprüft und sein Einverständniß zum Strike öffentlich ausgesprochen hat. ES kann dann sofort eine Quote auS der Hauptkasse den Strikenden übersendet werden und, wenn nöthig, können sämmtliche Mitgliedschaften zu Sammlungen aufgefordert oder Extrabeiträge eingefordert werden. Wir ersuchen den Ausschuß schließlich noch einmal, im vor- liegenden Falle sofort die nölhigen Schritte zu thun. Und Euch, Bayreuther Collegen, rufen wir zu: Haltet aus und der Sieg muß Euch werden! Mit Brudergruß und Handschlag! Im Austrage der Berliner Mitgliedschaft A. Reimann, alte Jacobstr. 6. Correspondeuzen« bc Leipzig. Vor einigen Wochen veröffentlichte der„BolkSstaat" eine Reihe von Zahlen, welche bewiesen, in welch unerhörtem Maße die besitzenden Klassen neben der sonstigen Ausbeutung auck die Bildung ihrer Kinder auf Kosten der arbeitenden Klassen befördern. Der„Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund* enthält jetzt eine Zuschrrst aus Zwickau, worin nachgewiesen wird, daß, während 7{XM Bürgerschüler die Stadt 38,241 Thlr., also Pro Kopf S'/, Thlr. kostete, die 300 Realschüler, also die Söhne der Besitzenden 9,431 Thlk. d. h. pro Kopf 31'/» Thlr., fast sechsmal so viel wie die Bürgerschüler beanspruchen. Und doch nimmt diese Handvoll Menschen den Mund beständig so voll und thut als wenn Staat und Gesellschaft nicht ohne sie bestehen könnten und als ob sie es sei, welche den Staat und die Ge- meindc erhält. Dresden, 25. März. Wie allerorts, so wollten auch hier die Parteigenossen am Jahrestage der Commune ihrer Sympathie mit derselben Ausdruck geben und so kamen wir denn überein, da die Abhaltung eines Festes uns nicht räthlich schien wegen der bekannten Vertreter der Polizei, Feste, die als Feier der Commune betrachtet werden, zu verbieten, eine Volksversammlung abzuhalten und in derselben einen Vortrag über die Commune auf die TageS- ordnung zu setzen. Die Volksversammlung fand nun am letzten Sonnabend statt und bewies der außerordentlich zahlreiche Besuch, welches Interesse die arbeitende Bevölkerung Dresdens an diesem Thema hatte. ES mögen nach ungefährer Schätzung gegen 3000 Personen in den großen Räumen der Centralhalle anwesend gewesen sein. Genosse Auer referirtc. Cr sprach über„die Ent- stehung und den Sturz der Commune*. Seine Ausführungen wurden sehr beifällig aufgenommen. Nach Auer betrat Genosse Eckstein auS Waldheim, der in Geschäftsangelegenheiten hier war, die Tribüne, wo er mit stürmischen Zurufen degrüßt wurde, die sich nach seinen kräftigen, klaren Ausführungen aufs Neue wieder- holten. Nach einem kurzen Schlußwort von Auer, in welchem er zum Ausharren auf der bettetenen Bahn und zum Eintritt in die Partei und zum Abonnement auf die Parteipresse aufforderte, schloß Genoffe Eichhorn, der diesen Abend den Vorsitz führte, die Versammlung. Nach der Versammlung blieben die Parteigenossen noch ge- wüthlich zusammen, um sich in ernsten Gesprächen der Tage des MärzmonatS 1871 zu erinnern. Daß an diesem Abend die ganze Polizei Dresdens auf den Beinen war, braucht wohl nicht erst «rwähnt zu werden.* Watdhei«, 13. März. Da ich im„BolkSstaat* noch keinen Bericht über unsere Wahlkampagne gefunden Hab-, so halte ich«S für meine Pflicht, Ihnen einen kurzen Uebcrblick zu verschaffen, weil unsere Wahlagitation eine andere Frucht getragen hat. In allen andern Wahlkreisen blühte bereits die Agitation, als bei uns Noch alles brach lag. Wir fragten uns, was zu machen sei, da « uns an Agitatoren fehlte. Da wurden plötzlich, fast in letzter Stunde, die Wähler zu einer Besprechung nach Richzenhain ge- rufen, an der sich dann auch eine Anzahl betheiligtc. Von Hartha sandte das GerichtSamt seinen Vertreter, welcher die Besprechung »m jeden Preis vereiteln sollte. Mit den Gesetzen in der Hand verbot er fortwährend eine nicht angemeldete Versammlung, während wir, da wir keine Versammlung hatten, nach einigen Berichtigungen Zur Besprechung schritten. Wir wurden uns klar, daß schnelles Handeln nöthig war und wir handelten. In Waldheim konsti- tuirte sich ein Centtal-Wahlcomitä, welches die Agitation energisch betrieb. Die Arbeiter begrüßten unser Unternehmen mit Jubel, bie Landleute verlangten noch in der Nacht Stimmzettel hinaus, Und es muß hier anerkennend erwähnt werden, daß einige Comitö- Mitglieder ausopfernd gewirkt haben. Die Z-it war zu kurz, die Mittel zu schwach; vier oder fünf Versammlungen konnten wir uur abhalten. Wahlbeeinfluffungen wie überall. Nur einige will ich anführen: In LeiSnig wurde jeder Besucher der Versammlung durch die Behörde gezwungen, 2'/» Gr. Entree zu zahlen, folge- dessen die meisten Arbeiter umkehren mußten. Staatsbeamte suchten ihre unterstellten Arbeiter zu überreden, für Oehmicheu zu stimmen. Auf einem Dorfe sagte ein Gegner zu den Wählern, Walster säße im Zuchthause; würde er gewählt, so müßten wir ihn loskaufen. An dieser Albernheit stießen sich Viele. Doch genug, eS ist zu bekannt, mit welchen Mitteln unsere Gegner kämpfen. Oehmichen erhielt 7965, Walster 3300 Stimmen, während 109 ungültig und 103 zersplittert waren. Wie leicht wäre hier ein Siez für uns gewesen, hätten wir rechtzeitig vorgearbeitet! Der hiesige Redac- teur Seidel schrieb in Nr. 4 seines„Anzeigers*:„--- Soviel kann man indeß erkenne«, daß die Sozialdemokraten eine bedeu- tcnde Rührigkeit entwickelt haben, und ihnen gleich die Ultramon- taue» am Rhein, in Posen und Bayern. Sie— die Sozial- demokraten«nd Ultramontanen— sollten in Zukunft die reichs- freundliche« Parteien weniger verunglimpfen, denn man hat ihnen von dieser Seite in nicht wenigen Bezirken den Sieg leicht genug gemacht.(Warum nennt er denn nicht mit einem Athemzugc Sozialdemokraten und Ultramontane:„Reichsfeinde?* da wir es ja längst wissen, daß er zu den.Reichsfreunden* zählt. Zur nächsten Wahl werden wir uns die Siege selbst erleichtern.) „Möchten aber die rcichSfrcundlichen Parteien aller Orten sich nun endlich einmal überzeugen, daß ohne lebhafte und angestrengte Agitation ihre Sache in Zukunft arg gefährdet ist.(Ja wohl!) Sie werden dann, wenn fie in die Agitation eintreten,(wird ihnen Nichts nützen.) dem Gegner den Boden wieder abzugewinnen suchen,(!) den er unter dem Donner unzähliger Redensarten mit leichter Mühe erkämpfte, sich erst von der Größe der Gefahr über- zeugen."(Möchte doch Herr Seidel mit gutem Beispiel voran- gehen und seine Bedenken in öffentlicher VolkSversam nlung vor- tragen, anstatt sich zu drücken, wenn zur Entgegnung aufgefordert wird.)„„--- Die Majorität von 18 Stimmen(welche Oehmichen über Walster hier in Waldheim davontrug) ist an und für sich eine nicht eben bedeutende, sie gewinnt aber an Bedeutung, wenn man bedenkt, daß bei der vorigen Wahl die Sozialvemo- kcaten ihren Candidaten durchgebracht hatten,(hier in der Stadt,) daß also diesmal in gewisser Beziehung den Sozialdemokraten der bereits erkämpfte Boden wieder abgenommen worden war."— Welche Sophismen, welche Ignoranz! Bei der vorletzten Wahl standen uns hier zwei„reichsfreundliche* Candidaten gegenüber, während diesesmal alle ReichSfreundlichkcit in einem Topfe zu einem bunten Brei kochte. Diesesmal erhielt Walster allein auf dem Lande 1557 Stimmen, die er bei vorletzter Wahl nicht in der Gesammtzahl erreichte. Das nächste Mal wird das Terrain gänzlich unser sein. Noch im W.rhlkampfe stehend gaben wir uns die Hand mit dem Versprechen, die Partermitgliedschast zu ver- jüngen. Das haben wir gehalten, obschon Einige ihre Pflicht nicht ganz erfüllen und die allwöchentlichen Mitgliederversamm» lungen nur mangelhaft besuchen. Wir zählen hier 33 Mann und sind im Wachsen begriffen. Wir bleiben dabei nicht stehen. Es hat sich eine Literar-Commission von 5 Personen gebildet, welche zu berathen hat, wie wir am Leichtesten zu einer eigenen Zsitung für unseren 10. Wahlkreis gelangen. Ich mache die Arbeiter in unscrm Kreise im Voraus daraus aufmerksam und erwarte, daß man unser Projekt willkommen heißt. Den„BolkSstaat" gedenken wir dadurch nicht zu vermindern, sondern zu vermehren, den Reichs- freunden gedenken wir auf die Finger zu pochen, die Lüge zu entlarven und einen nächsten Wahlsieg zu erobern. Schwierig ist das Werk, das wissen wir wohl, aber scharf ist die Waffe, wenn sie geschliffen ist, und in diesem Kampfe ist sie dringend nöthig. Adolph Lepp. Aerlin, 26. März.(Reichstag.) Der Reichstag legt einen Gesetzentwurf vor, nach welchem 120 Mill. Mark Reichskassen- scheine in Abschnitten z« 5, 25 und 50 Mark ausgegeben werden sollen. Dagegen soll das Papiergeld der Einzelstaaten bis zum 1. Januar 1876 außer Cours gesetzt werden. Auf die weiteren speziellen Bestimmungen kommen wir beim Bericht über die zweite Lesung zurück. Der Kaufmann Abg. Mösle auS Bremen be- kämpfte den Gesetzentwurf in einstündiger Rede. Ec ist für Ein- Ziehung des Staatspapiergeldcs und bezieht sich auf das nach- ahmungswerthe Beispiel der Vereinigten Staaten, Englands und Frankreichs und verschiedene Autoritäten. DaS Papiergeld störe die Einführung der Goldwährung, für welche Redner plaidirt. Er zeigt, indem er zunächst ein Portefeuille, dann einige kleine Börsen aus seinen Taschen unter großer Heiterkeit des Hauses hervorzieht, daß man große Summen in Gold und Banknoten mit größter Bequemlichkeit bei sich tragen könne. Indem er für Ablehnung des vorliegenden Gesetzentwurfs eintritt, hofft er, daß, im Fall der Ablehnung, eine beschleunigte Regelung des deutschen Bankwesens eintreten werde. Der Redner hatte auch die Summm genannt, welche in den verschiedenen von ihm vorgezeigten Behäl- tern enthalten waren, und eS wurden privatim deshalb lebhafte Bedenken geäußert, denn man meinte vielseitig, eS sei bei den be- kannten SicherheitSzuständen Berlins bedenklich, offen zu erklären, daß man soviel Geld bei sich trage. Jadessen daS ist Sache des Hrn. Mösle. Minister Camphausen beschwerte sich über die„bittern Dinge", welche MoSle ihm persönlich gesagt habe und antwortete ziemlich malitiös. Er habe, meinte er, in allen Dingen nur den Willen des BundeSralhS ausgeführt. Auf daS Bankwesen habe die vorliegende Frage keinen Einfluß und daS Bankwesen lasse sich auch nicht so schnell regeln, als Herr Mösle sich vorstelle, noch hätten sich die deutschen Regierungen darüber gar nicht geäußert. Die Bankfrage könne überhaupt erst mit Erfolg auf die Tages- ordnung kommen, wenn die dermalen zerrütteten Geldverhältnisse wieder in Ordnung gebracht sind. Wann dieser Zntpunkt un- gesähr eintreten könnte, darüber sich zu äußern, hielt Exeellenz Camphausen nicht für angezeigt.— Die Debatte über die Frage, ob Staatspapiergeld oder nicht? und wieviel? spann sich stunden- lang zwischen den Herren Günther(Sachsen), Bambcrger, Delbrück, Pros. Tellkampf sort; das HauS war sehr unaufmerksam und die meisten Abgeordneten abwesend. Die zweite Lesung findet morgen statt und unterliegt eS wohl keinem Zweifel, daß die Vorlage an- genommen wird. Man gelangte zur zweiten L-sung des Civilehegesetzent- wursS und zwar bis zu§ 33; das ganze Gesetz hat 51 Para- graphcn. Die einzelnen Bestimmungen wurden mit unwesentlichen Abänderungen angenommen und alle Anträge de» Centrums, für welche nur die Clerikalen und Elsässer stimmten, abgelehnt. Es gab wieder einige pfäsfische Kraftteden von Seiten der Herren Dr. Moufanz und Merkte; die politischen Führer des Centrums schwiegen sich ganz auS. UebrigenS wurde die gegenüber den So zialisten gebräuchliche Taktik, Antragstellern durch Schluß der Debatte das Wort znr Begründung ihrer Amendements abzuschnei- den, heute auch gegen die Ultramoatanen angewandt, worüber sich diese bitter beklagten, eS Hilst aber da alles Klagen Nichts; man kann den herrschenden Parteien bloS zurufen: Ihr terrorisirt heute, wenn unsere Zeit gekommen sein wird, so wundert Euch» cht über TcrroriSmus! Hoffentlich kommt für dre Clerikalen die Zeit der Herrschaft nie wieder! Auch den Sozialdemokraten wurde übrigens das Wort nicht gestattet, um ihren Standpunkt zum Civilehegesetz zu präcisiren, wir wollen deshalb um so ausdrücklicher ihre Ab- stimmung für dasselbe heroorheben. Vor Schluß der Sitzung beantragte Windthorst Vertagung des Hauses vom 23. Marz bis 13. April, er stieß dabei aber auf den Widerspruch der Nationalen; die Angelegenheit wird morgen destaitiv zur Erledigung kommen. — 27. März. Wie der Abgeordnete v. Windthorst in gestriger Sitzung in Aussicht stellte, gestaltete sich die Debatte über die 4t und 45 der Civilehegesetz-Vorlage heute ziemlich lebhafter, als die vorhergegangene zu den§§ 13 k. k. gepfloge», in denen die Einführung des PrinzipeS unter immerhi» nicht allzuhcrbem Widerstande seitens dcS Centrums erfolgt war. Der§ 43 als erster des 7. Abschnittes der Borlage(Schluß- bestimmun gen), behandelt einige Sttaföestimmungen bei Aater- lassung vorgeschriebener Anzcigepflichten zu den Standesregister», während in den 44 und 45 die staatliche Competenz der kirchlichen, bei Dispensationen und Scheidungen au die Seite treten soll, um nicht zu sagen, vor sie zu stehen kommt. Bei§ 45, welcher den Landesregierungen verpflichtet, die staat- lichen Behörden zu bestimmen, welchen die Aufsicht über die Standesbeamten und deren Geschäftsführung zusteht, nahm der Abgeordnete Windthorst Stellung unter besonderem Hinweis auf die Schwierigkeiten, denen das vorliegende Gesetz bei seiner etwaige» Einführung in Baiern begegnen werde. Dr. v. Schulte(Alt- katholik) beantragte zu§ 44 u. A.:„Die Dispensation von Ehhindernisscn steht auch der obersten Landesbehörde nach dem geltenden Rechte zu" und war es besonders dieser Antrag, der die beiden Strömungen im Hause„ob Kirche, ob Staat", lebhaft in Fluß brachte. Dr. Moufang war diesmal der Recke des CentrumS. Ec hielt eine seiner beliebten Kanzelreden, klagte über daS diktatorische Verfahren der Kirche gegenüber, rühmte die kirchliche Ehegesetz- gebung, alS ein Resultat der Weisheit und Umsicht von Jahr- Hunderten und bezeichnete den CcetiniSmus, Wasserköpstgkeit, Skco- phulosigkeit, Schwerhörigkeit und alle derartige Leiden, denen man so häufig in den höheren Gesellschafts Klassen begegne, als U-bel, die überall da auftreten, wo die kirchliche Ehgcsetzgebung umgangeu oder beseitigt worden. Ec bestreitet dem Staate daS Recht in die heilige Ordnung der Ehe einzugreifen, die eine göttliche, eine Sache der Geister sei, über welche der Kirch: allein die Macht gebühre. Dr. v. Schulte vertrat sein Amendement dem entgegen mit der ganzen Würde des gelehrten„Canonicus" lateinisch uab deutsch, Autoritäten und GeschichtSfrazmente zitirend und hatte die Gcnugthuung die Mehrheit des Hauses seine Znsätz: sanktioniren zu sehen. Zu§49 sprach Mallinckrodt unter Nachweis darin enthaltener Widersprüche, wonach das Gesetz ähnliche preußische Gesetze aushebe, während in diesen wieder Paragraphen enthalten seien, die das Reichsgesetz außer Geltung erklären würden. Mit juristischer Klarheit gewappnet und bei der diesem Redner eigenen kritischen Schärfe, vermochte derselbe durch die Repliken der Herren Miqucl kaum entwaffnet zu werden, es wurden indeß die§§ 4t— 50 einschließlich der Amendements v. Schulte unb einiger unwesentlichen Streichungen an§ 50, mit Stimmen- mchrheit angenommen. Dagegen stimmten das Ccntrum un» einige Conservative und ist somit das Gesetz„über die Beur- kundung des Personftandcs�und die Form der Ehe- schließung" in zweiter Lesung als erledigt zu erachten. Die zweite Lesung des Entwurfes eines Gesetzes, betr. einige Abänderungen und Ergänzungen des Gesetzes vom 27..Zu.ii 1371 über die Pensionirung und Versorgung der Militärpersonen, wurde vor schwach besetztem Hause ausgenommen und wäre auch voraus- sichtlich nach den Vorlagen der Commisston(Berichterstatter Dr. Wagner-Altenburg) ziemlich geräuschlos erledigt worden, wenn nicht von den Sozialdemokraten Hasselmann, Hafenclever, Reimer zu § 11 beantragt worden wäre:„Unteroffiziere und Soldaten, deren Invalidität durch eine während oder nachweislich in Folge des Krieges erlittene Dienstbeschävigung herbeigeführt ist, erhalten neben der gesetzlichen Pension eine monatliche P-nsionszulaze von Thlr. 20, bei Ganzinvalidität mit gänzlich oder größtenteils stattfindender Erwerbsunfähigkeit, von Thlr. 10 bei Ganzinvalidität mit theil- weiser Halbinvalidität ic." und zu§ 15:„Die Diensteinkommen- 'ätze für Pensionäre aller Grade ans Thlr. 360 zu erhöhen,"— talt der drei Stufen der RegierungS- und CommisstonSoorlage, wonach Felowebel auf Thlr. 350, Sergeanten oder Unteroffiziere auf Thlr. 250, Gemeine aus Thlr. 130 gesetzt waren. Der Antragsteller Hasselmann berief sich unter dem lebhafte» Widerspruch dcS Hauses und b-sonderS der Fortschrittspartei da- rauf, daß es den Anschein habe, als ob man eS den Sozialisten habe überlassen wollen, auch für die Enterbten in der Uniform zn streiten. Den Ausführungen des Redner«, der sich als durchaus kein Freund der stehenden Heere, dennoch der Sache der Invalide» annehme und in diesem Falle allerdings für eine entsprechende Mehrausgabe sein müsse, wird von den anwesenden höheren Offi- zieren am Tische des Bundeskanzleramtes allerdings mit zeitwei- liger Heiterkeit gefolgt, doch gewahren wir auch öfters mit Genug- thuung, daß eine ernstere Stimmung platzzreift und daß besonder« die geschickte Parallelisirung der Juvalideupensionen al« Wohl- thaten mit den Dotationen gewisser Generale ihre Wirkung nicht verfehlt, indem der Antragsteller ferner hervorhebt, daß nach den Motiven der Regierungsvorlage bei ca. 30,000 Personen auf den CivilversorgungSschein warten, denselben aber dermalen nicht erhalten können. Der Abg. Richter tadelt eS besonders, daß der Vorredner, was bisher von allen Parteien aller gesetzgebenden Körperschafte» taktvoll beobachtet worden, nicht auch zu thun vermocht habe: die Frage der Jnvalidenversorgung als außerhalb deS ParteigetriebeS stehend zu behandeln. Zu einer Zeit, wo der Sozialismus noch nicht erfunden gewesen,� sei diese Frage in der Gesetzgebung bereit« mit Sorgfalt und größtem Takt angefaßt worden. Dr. Lucius spricht von den Verbündeten der Commune, die in dieser Versammlung, in der die besitzenden Klassen zu- meist vertreten seien, diesen gegenüber nach außen hin Propagand» machen wollen. Die CommissionSvorlaze wurde in den meiste» Punkten unverändert angenommen und sodann nach lebhafter De- batte beschlossen, morgen das HauS bis zum 9. April z» vertagen, nachdem die dritte Lesung deS CioilehegesetzeS beendigt sein wird. Arfurt. An die Parteigenossen in Thüringen. Unter noch- maligcr Hinwe sung auf die am 1. und 2. Osterfeiertag in Goth« stattfindende Thüringer Landesversammlnng, ersuchen wie die Partei- und GewerkSgenossen sich zahlreich dabei zu betheiligen. Die Versammlurzen werden im dortigen Parteilokal»zum deutschen Bund"(Brühl Nr. 3) abgehalten, auch werden die Gothaer Parteigenossen dafür sorgen, daß die ankommenden Dele- girten von den am 1. Feiertag bis Mittag eintreffenden Zügen»n Bahnhof abgeholt werden. Anträge ic. wolle man bis spätestens Freitag, den 3. April an uns einsenden. Mit sozialdemokratischem Gruß D»S Thüringer Agitations Comits: Joh. Rudolph, Vorsitzender. Kamßurg. Warnung für die Töpfer Deutschlands. Unsere Organisation, der wir es allein zu danken haben, daß wir mit unseren Forderungen in wenigen Tagen durchgedrungen sind, ist unseren Meistern ein Dorn im Auge, und namentlich versuchen es einzelne Mitglieder deS Meistercomit6S, hinter unserem Rücken unsere Organisation zu zerstören. So werden v. A. Annoncen in hiesige wie auswärtige Blätter eingerückt mit folgendem Inhalt: Lehrlinge»erden gesucht, die da» Töpfergewerbe erlernen wollen, bei einjähriger Lehrzeit und Selbstbeköstigung; nach diesen sofort Aceordarbeit bei wöchentlichem Verdienst 30—40 fl. oder 12 bis 1« Thlr. Daß diese Annorcen nur dazu dienen sollen, hier A:beitskräste herzulocken, wird wohl ein Jeder einsehen, denn bei einjähriger Lehrzeit kann der AuSzelernte unmöglich 12 bis 1s Thlr. wöchentlich verdienen, wie denn der Verdienst eines tüchtigen TöpferS überhaupt keine 16 Thlr. pro Woche beträgt. Wahr an der Sache ist nur, daß wir unfern Lohn denen der Maurer annähernd gleichgestellt haben. Wir ersuchen deshalb dringend, den Zuzug noch eine Zeit lang fernzuhalten, damit unsere Arbeitgeber einigermaßeu zur Be- finnung kommen. Wir machen darauf aufmerksam, daß unsere Herberge und der Arbeitsnachweis nur in der großen Rofenstraße Rr. 37, bei Herrn Hübener sich bt findet. Ferner fordern wir alle Töpfer Deutschlands auf, sich dem Allgemeinen deutschen Töpfer- verein anzuschließen. Mit sozialdemokratischem Gruß Für das CcmitS: Julius Wilcke. Kamöttrg, im März. Ausruf an alle Sattler Deutsch- lands, Dculsch-OesterreichS und der Schweiz. Nachdem wir durch die letzte Abrechnung die Einsicht gewonnen haben, daß der vor zwei Jahren gegründete Verein an Mitgliedschaften nicht wesentlich zugenommen hat, überhaupt in letzterer Zeit sich eine gewisse Lau- heit innerhalb unserer Collegenkreffe zeigt, fühlt sich das hier be- stehende AgitationScomito veranlaßt, die Vertrauensmänner energisch aufzufordern für die Kräftigung der Mitgliedschaften einzutreten und, wo nur irgend Gelegenheit geboten wird, für die Neubildung solcher zu wirken. Die Nothwendigkeit dazu braucht wahrlich hier nicht erörtert zu werden, es genügt doch hinlänglich, auf die be- stehende Arbeitgeber- Organisation hinzuweisen. Auch wäre es an der Zeit, daß sich Diejenigen jetzt eirmal ermannten, auf welche bei dem ersten Congreß alle Hoffnung gesetzt wurde. Auch er- warten wir von Jedem, der irgendwie agitatorisch thätig sein kann, daß er sich unserer durch Nvlh und Elend gedrückten Collegen annimmt und dieselben nicht nur zum Klassenbewußtsein, sondern auch in unsere Reihen bringt. Was unsere Mitgliedschaft hier anbelangt, so können wir jetzt ganz zufrieden sein, wenigstens bleibt die seit 3 Monaten rastlos betriebene Agitation nicht fruchtlos, denn in jeder Versammlung treten uns neue Mitglieder bei und Hamburg kann sich jetzt dreist zu den besten und größten Mitglied- fchaften rechnen; darum erwarten wir von Allen, die Interesse an unserer Bestrebung haben, daß sie ihre Adressen an uns einsenden, denn unmöglich kann man verlangen, daß sich Einzelne für Alle aufopfern. Darum tretet ein in unfern Verein, reicht ur.S die Hand und werdet unsere Brüder! Mit collegialischem Gruß DaS AgitationScomitS des Vereins der Sattler und Berufsgenossen. I. A.: W. Flachsbarth, Neuerwall 17. Könlgskerg i. Pr., 19. März. Gestern hielten wir in unstrm größeren Partei-Lokale eiue Märzseier ab zum Andenken an die Pariser Commune, zu welcher per Plakat Jedermann eingeladen war. Trotz furchtbaren Regenwetters war doch der Saal von einigen 100 Mann gefüllt, von denen einige Dutzend nur aus Neugier erschienen waren. Die Zeitungen halten das„anständige ? Publikum" vor dem Besuch unserer„petroleumduftenden" Ver- ammlung gewarnt und wurde diese denn auch nicht gestört, da etwaige Gelüste dazu obiger weniger Dutzende von dem erhebenden Ernste der Versammlung, hervorgerufen durch die Festrede deS Parteigenossen Scheil, im Keime erstickt wurden. Scheil sprach mit Wärme; er führte zuerst einen kurzen geschichtlichen Umriß der Communebewegung aus, wobei er für die meisten Zuhörer viel des Neuen und Anziehenden vorbrachte und legte weiter die Prinzipien und angestrebten Folgen der Pariser Commune dar. Zum Andenken an die Commnne-Kämpfer erhob sich oie Ver- sammlung, was Einigen schwer anstand, die sich gleich wieder kurz setzten. Nachdem noch einige Gedichte vorgetragen und Partei- lieber gesungen, wurde die offizielle Feier beschlossen, doch blieb man noch bis in die Nacht gemüthlich beisammen. Trotzdem, daß wir außer der Festrede keine weiteren Festlichkeiten, wie Musik und geübten Gesang und freie Vorträge bieten konnten, herrschte doch Gemüthlichkeit und allgemeine Freundschaftlichkeit. Es wäre sehr zu wünschen, wenn in diesem Sinne fvrtgearbeitet würde, daß nicht Einzelne durch herrisches, autoritäres Wesen Andere abstoßen oder verletzen. Die Sozialdemokratie verlangt den ganzen Menschen und kommt eS auch darauf an, den Umgang unter den Partei- genossen zu einem herzlichen und anregenden zu machen. Scheil hat hier schon mehrmals zu allgemeiner Zufriedenheit in Versammlungen referirt und werden wir in nächster Zeit eine große Volksversammlung anberaumen, in der über den Nutzen der Gewerkschaften und die Gesetze der modernen Produktion referirt werden soll. Möglichenfalls mit praktischem Nutzen. Es wäre «itnfchenSwerth, wenn dazu einer unserer Abgeordneten herkäme, »er zugleich über die bisherigen parlamentarischen Verhandlungen t«richten möchte. W»S damals über gewünschte Ausstoßung von Mitgliedern sozial- demokratischer Gesinnung auS dem Ortsverbande der hiesigen Hirsch'schen Gewcrkvereine im„BolkSstaat" von hier berichtet wurde, beruht in der inneren Sache auf'Wahrheit. In einer Volksversammlung wurde diese Thatsache ebenso kraß berichtet und obgleich viele Angehörige jene« BeibandeS anwesend waren, kein Widerspruch erhoben. Möglich, daß die Arbeiter die»ersteckte, jesuitische Absicht der BerbaudSvorstände sofort merkten und beim richtigen Namen nannten. In der hohen Diplomatie der Herren Dr. Hirsch und Consorten sind Arbeiter offenen KopfeS nicht be- wandert. Thatsache ist ferner, daß man unserm GesinnungSge- noffe», dem Schneider A., aufs Leder rücken wollte, weil er bei der Wahl für unfern Candidaten Herbig agitirt hätte. Also nur nicht so keusch, Herr Blunk! Worms, 25. Februar. Unsere Stadt, in früheren Jahrzehnten eine Hauptstätte der Demokratie in Rheinhcssen, ist glücklich bis auf den Nationalliberalismus heruntergekommen. Ihr Ver- treter im Reichstage ist Herr Fabrikant Heyl, ein Mann, welcher, wie Fama, die allezeit Borlaute und Geschwätzige, behauptet, im I über 1000 Arbeiter beschäftigt und für drei Millionen„meist an außereuropäischen Märkten" umsetzt.— Dieser Mann, obwohl man ihn gerade nicht als hohes und bedeutendes Licht anerkennen kann, ist vermöge seiner aus dem Arbeitermark erpreßten Millionen „Fürst von Worms". Wer bei der LandtagSwahl für den von ihm Erkorenen nicht stimmte, den entließ er zwar bei Leibe nicht, dem Handwerker entzog er nicht die Arbeit, aber er wußte ihnen den Brodkorb höher zu hängen. Was die Wahl sonst noch ge- kostet haben mag, darüber eursiren merkwürdige Geschichten. Hehl's Anhang macht sich I|ier nun in einer Weise treit, beutet seine Regierungsfteundlichteit in einem Maße auS, die einem Demo- kraten oder gar Sozialdemokraten das Besuchen eines großen Theils öffentlicher Lccalitätcn fast unmoglich macht. Ein Mitglied der sozialdemokratischen Partei, K., wurde dieser Tage beim Her- austreten au« einer Wirihschaft gröblich insultirt, nur seine Ruhe rettete ihn vor Handgreislichkeiten zweier„gebildeter" Herren, die allerding« Hehl'sche„Wahlagenten" waren. Die beiden Wormser nationalliberalen Blätter wimmeln von schamlosen Angriffen auf die Sozialdemokraten, die größtentheils von der anderen Wormser Koryphäe Dr. jur. utr. Schröder, dem bekannten Protestanten- tägler(von dem ein Gundersheimer Bauersmann viel erzählen könnte), herzurühren scheinen. Da« bürgerlich demokratische Blatt „N. Wormser Ztg." hält sich diesen Angriffen gegenüber in letzter Zeit reservirt, wohl weil die Kampfesweise solcher Gegner ihm zu verächtlich erscheint.— Der Allg. deulsche Arbeiterverein hat hier eine allerdings nicht sehr starke Mitgliedschaft, vereinzelt sind einige Sozialdemokraten Eisenacher Programms; wir sind überzeugt, daß die Elfteren gerne, um der Einheit willen, sich der sozialdemokra- tischen Arbeiterpartei anschließen würden. Der Boden ist hier fruchrbar für die sozialdemokratischen Ideen und wird es mit jedem Tage mehr, da fast alle Fabrikanten, Herr Heyl voran, den Lohn verringert haben.(Eine Lohnstatistik sende ich nächsten«.) Es ist schade, daß so wenig geschieht und keine Agitatoren hergesandt «erden. K. HlegensSurg, 20. März. Vor zwei Jahren haben die Tischler- gesellen von RegenSbnrg, von der bittern Roth gedrungen, einen Fachverein gegründet, um dem herrschenden Elend zu steuern und sie haben auch etwas errungen. Sie haben die Arbeitszeit aus 10'/« Stunde gebracht, die vorher noch zwölfstündig, zum größten Theile vierzehnslündig war, sie haben die Stückarbeit beseitigt und dafür einen angemessenen Tagelohn eingeführt. Die Arbeitgeber konnten der bescheidenen Forderung, die Theuerung der Lebens- bedürfnisse betrachtend, nichts entgegenhalten und mußten dieselbe zugeben. Darauf nahm auch der Fachverein die Arbeitsvermitte- lung in die Hand, und auch diese be»ährte sich. Seit dieser Zeit hat sich hier ein Meiste, verein gegründet, der findet die Ar- beitsvermittelung in den Händen der Gesellen als den Meistern nicht zum Vortheil gereichend und hat seinerseits einen Arbeits- nachweiS ins Leben gerufen. Die Meister haben vor, dadurch in erster Linie unfern Verein zu schädigen und dann eine Reaction im Allgemeinen auszuüben. Den Herren Arbeitgebern ist jetzt das, was sie vor zwei Iah- ren als gerecht anerkennen mußten, jetzt, wo die LebenSbedülfnissc noch viel theurer geworden sind, zuviel, und sie wollen wieder Stückarbeit haben, um dadurch die festgesetzte Arbeitszeit illusorisch zu machen und bei einem günstigen Moment die Arbeitszeit wie- der selbst bestimmen zu können. Darum, Tischlergesellen aller- orts, meidet soviel als möglich Regensbura. Di- hiesigen Arbeit- gebcr wollen, wie aus Obigem zu ersehen ist, alle Zugeständnisse zurückziehen, was ihnen um so leichter werden muß, wenn starker Zuzug von Arbeitskräften erfolgt.— Unser Arbeitsnachweis besin- det sich bei Hrn. Achner, Gasthaus zum goldenen Anker am PetcrSthore. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden ersucht, von Vor- stehendem Notiz zu nehmen. Im Auftrage deS Fack Vereins der Tischlergesellcn in Regens- bürg Schmalzt, Vorstand. Mannheim, 4. März. Bei meiner Reife durch Mannheim benutzte ich die Gelegenheit, den wegen des verhängnißvollen Plakate« inhastirten Parteigenossen Ehrhardt zu besuchen; ich mußte leider die Erfahrung machen, daß man in Baden wie in anderen Ländern ohne jede Rücksichtnahme gegen politisch Jnhaftirte ver- fahrt. Gelegentlich der Mittagsstunde wollte ein dortiger Partei- genösse besagtem Ehrhardt eine Wurst mit in das Gefängniß bringen und da dieselbe vom Braten noch heiß und fettig war, war sie in Papier eingeschlagen. Darüber gerieth der dortige Gcrichtsdiener in eine solche Wuth, daß derselbe unter Aufstampfen mit dem Fuße sich gegenüber dem lleberbringer die gemeinsten Redensarten erlaubte, betonend, er habe gar keine Worte für solche Gemeinheiten, er werde, wenn solches noch einmal vorkomme, ihn nicht mehr vorlassen, eS dem GerichtSamtmann mittheilen, und man könne ihn auch in ein Volksblatt hineinsetzen zc. Auf die Bemerkung, man könne die Wurst nicht so über die Straße tragen oder in die Tasche stecken, bemerkte der Mann, das könne man ganz gut. Ich will hier nicht untersuchen, waS gewisse Herrn sagen würden, wenn man ihnen in dieser Weise begegnete, nur da« dachte ich, daß man in Baden politisch Jnhaftirte glimpfl-.cher behandelte. was bei Ehrhardt gewiß angebracht ist, da die Untersuchung längst geschlossen und derselbe vielmehr aus freiem Fuß zu setzen wäre, ich wurde aber gründlich getäuscht. R. Wolf. Mannhei«. Freitag, den 13. März, fand vor hiesigem Schwurgericht die Verhandlung gegen Freund Ehrhardt wegen Preßvergehen« statt. Der Saal war zum Erdrücken voll. An- geklagt war Ehrhard wegen der Plakate zur Aufforderung der Wähler zur Wahl Bebels, worin die Stelle �vorkam:„Wir em- pfehlen Euch den bewährten Volksvertreter August Bebel, z. Z. auf Hubertusburg, wegen Verttetung der Bolksintereffen." Obwohl Ehrhardt wegen Preßvergehen« und nicht» Anderem angeklagt war, so macht die Staatsanwaltschaft doch au« genann- tem Prozeß einen Tendenzprozeß. Da« Urtheil lautet auf zwei Monate, wovon« Wochen Untersuchungshaft abgehen. ES war die» der erste Sozialdemokrat, der in Baden verurtheilt wurde. Mit sozialdemokratischem Gruß C. Ducherer. 30 thlr., Schür Rchbg Schr. 11 thlr. 22. 5, Hml Schbeck 24 gr., Krs Hburg 1. Q. 3 thlr. 15 gr., Mck Ctlenz 2. Q. 25 gr. 5 pf, Frk Brm: Porto betrug 13 gr. 5 pf., moniren Sie Mtz, da wir vorerst nichts thun können.— Wdmnn P.-Lack: Ab. 2 st. ostc. Pap. der Redaktion: Freund uns. Bl.- Anonyme Zuschriften konneu keine Berücks. finden; scnst recht gern, und grade gegen B. würden wir gern vorgehen.—„Tiner im Namen mehrer Arbeiter": Die Zeitschrift.Deutsche» Woklengewerbe', in Grüneberg erscheinend, halten wir nicht.— G. R. iu Dre»den: Das Gewünschte ist an Sie abgegangen.— A. 2. Waldheim: Torrespondeuz u. Aufruf mußten wegen Maogel an Raum leider zurückgestellt»erden; die Fragen werden brieflich beantwortet. Briefkasten der Expedition: Mllr Rchbch Schr. 1 thlr., E R Mchbsdf Schr. 1 thlr., Man.-Ärb.-Gew. Gera Ann. 6 gr., E Psch Jwtz Ab. 1 thlr. 4 gr., M. Hrn. Dbca 2. O. 27 gr., Schr. 3 thlr. 2 gr., N. Mc Psowa 2. Qu. 2 thlr. 13. 5., Schr. 2 thlr. 18. 5., Bldm Nclc Klvc 2. Q. 1 thlr. 5. Schuhw.-Gew. WieSb. Ann. 5 gr., Thst Nensch. Schr. 14ar., W.Swtsk Wüzb. 2. Q. 1 thlr. 5, Schr. 14 thlr. 20. 5., Schmpf Stendal 1. Q 25 gr., Nmnn Kittlitz 1. 2. Q. 2 thlr. 2 gr., Schr. 23 gr., Achst hier Ab. 6 gr., Schr. 3 gr., Arb.-Verein Gohlis Ann. 21 gr., Bchhm hier Schr. 21 gr. 7., Hrtmann hier Ab. 6 gr., Pchr hier Ab. 6 gr., Met.- Fond für pol. Gemaßregelte. F. lh. hier 1 thlr., Hdl. hier 1 thlr., T. Görlitz 5 thlr., Swtsky Atrzburg 4 thlr. 4. 5.___ Genossenschaftsbuchdruckerei. Antheilscheine bez. Anthelquittungen erhielten ferner: In Hannover FT2. WW1, FW1, ALI, EH2 thlr., in Gießen E O 3 thlr. Anzeigen?c« Berlin Sozialdemokratische Arbeiterpartei. eschlos sene Mitgllederversainmlung: Donnerstag, d. 2. April, Abend« 3 Uhr, Prinzenstraß 72, bei CariuS. T.-O: Kaffenangelegenheiten. Bericht. Wahl eines Azitationscomite's. Verschiedene innere Angelegenheiten. Um recht zahlreiche» Besuch bittet A. Heinsch, Bertrm. Die rednerischen Kräfte erwarte bestimmt.__ Berlin Metallarbeiter- GewerkSzenossenschast. Sonnabend, d. 4. April c., Abends halb 9 Uhr: Monats- Versammlung, Auguststraße Nr. 80 bei Macke.— Kassen- und Revisions- tericht. Der Congreß der Eisen- und Metallarbeiter in Hannover. An die Pflicht des vollzähligen und pünktlichen Erschenens erinnert Der Bevollmächtigte. m? Spengler- Fach-Verein. lllllf»II» Iß» ♦vi» Samstag, d. 4. April, Abends halb 9 Uhr: Hauplvcrsammlung im Bereinslokale, kl. Eschenheimerstr. 26. T.-O.: Anträge und Diskussion unserer nächsten Delegirten-Bersamm» lung— Die Mitglieder sind verpflichtet pünktlich und präcise zu er- scheinen._ W. Draeger, Bevollmächtigter, alte Mainzergasse 73. * Gera Gewerkschaft der Manufaktur-, Fabrik- n. Handarbeiter b. G. Sonnabend, den 4. April, Abends 8 Uhr: Versammlung ans„Bellevue". Allen College» zur Nachricht, daß unsre Krankenkasse in Kraft getreten ist und werden dieselben ersucht, sich zahl- reich einzufinden.— Ausnahme umer Mitglieder. D. B. Leipzig Sozial-demokratischer Arbeiterverein. Sonnabend, den 4. April, Abends 3 Uhr, bei Zeidler: Geschlossene Mitglicder-Vcrsammlung. Tagesordnung: Kassenbericht. Vereinsaugelegenheiten. Mitglied«- karten sind vorzuzeigen. Präsenzliste liegt ans. Alle Mitglieder müssen erscheinen. D. V. Den 1. Osterfeiertag Nachmittags gemeinsamer Spazier- gang nach Kleinzschocher. Zusammenkunft um 2 Uhr in der Ver- einsbrauerei, Abmarsch pnnkt 3 Uhr. Am 2. Osterfeiertag Ausflug mit Damen über Thonberg, Stöt- teritz, Holzhausen, Fuchshain nach N an n h o f. Abmarsch Vormittags 9 Uhr vom Gasthof zum Tbonberg, wozu die Mitglieder der Arbeiter- vereine und Gesinnungsgenossen von Reudnitz, Thonberg, Stötteritz, Gr.- und Kleinzschocher, Plagwitz, Lindenau, Gohlis, Connewitz je. freundlich eingeladen werden.(Bei Regenwetter unterbleibt der Ausflug.) _ I.«.: W. Fin k. {I t>' di «1 « R de C * fii bei IMj Arbcilerbilvuugsvcrein. Sonntag: 1—3 Uhr Zeichnen. Montag: Gesang, Turnen, Stenographie, Rechnen. Dienstag: Deutsche, englische und sranzöfiche Sprache; Schönschreiben. Mittwoch: Diskussion oder Bor- trag. Donnerstag: Gesang, Stenographie, Turnen, franz. Sprache. 1. Freitag: Buchführung, engl. Sprache, Wechselkunde. Sonnabend: j Bortrag oder Diskussion.__[».] 8 6; im * 8« London Arbeiterbilduiigsverciu. Deutsche Sektion der Internationalen Arbeiterassoziation. 81 Blue Post Taveru, Newmaiin Street Oxford Street W. G. VersammlungSabende Mittwoch und Samstag. Jeden Dienstag englischer Sprachunterricht. Der Sekretär: mlbj Leo Frankel, 13 Mortiraer Street W. len bei n» So Sektion 1 der Internationalen Arbeiterassoziation VlßJßl" ß(Allgemeiner deutscher Arbeiterverein) zu New-Uork versammelt sich jeden Sonntag Abend 8 Uhr im 10. Ward Hotel eorner(Ecke) of Broome& Porsyth Str. Die Inhaber der Sammellisten Nr. 960, 1061, 1067, 1077 werden ersucht, dieselben an mich abzuliefern W. Fink. Soeial-Demokrat. an h 2. Jahrgang, erscheint in Hamburg einmal wöchentlich. Herausgegeben, tz, von Mitgliedern de» Allgemeinen deutschen Arbeiterverein«. Preis 10 Sgr. pro Quartal. Alle Postämter nehmen Bestellungen __ K Die Hutfabrik-Geuoffenschaft Kleine Fleischergaffc 20 in Leipzig empfiehlt ihr Lager in Kit;- und Ltidenhüten neuester K?on zu den billigsten Preisen.— Reparaturen gut, schnell und billigst. s3a|ffi Wi Doj ii. jkai Arbeits-Hosen. 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