I Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhand- lungen des In- u.Auslandes. Filial-Expeditionen für die Vereinigten Staaten: F. Ä. Sorge, Bor 101 Hoboken, N. J. 33m. Lueders, 409 Maystr. Chicago, Jll. Peter Haß, S. W. Corner Third and coates str. Philadelphia, Abonnementspreis: Für Preußen incl. Stempel- steuer 21'/, Sgr., für die übrigen Deutschen Staatm lö Sgr. pro Quartal. ZUonats- Abonnement, werden bei allen Deutschen Postanstalten auf den 2ten m 3ten Monat und auf den 3ten Monat besonders an- genommen, im Kgr. Sachsen u. Hrzth. Sachs.-Altenburg auch auf den I ten Monat ä ö'/j Sgr. angenommen. OrgandersozialdemokratischenArbeUerparteiundderwternationalenGellierksssenosscnschasten. Inserate» die Abhaltung von Partei-, Beretn«- und Bolksversammltwgen, sowie die Filial-Expeditionen und sonstige Partei- Ar gelegenheiten betreffend, werden mit 1 Sgr.,— Privat« und Bergnügungs- Anzeigen mit 2 Sgr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Ikr. 39. Jreitag, 3. April. 1874. Abonnements- Einladung. Mit dem 1.. April beginnt ein neues Quartal und fordern vir deßhalb zu zahlreichem Abonnement auf das wöchentlich dreimal erscheinende Parteiorgan auf. Der Preis beträgt 16 Sgr.(56 Kr. rh.) pro Quartal, B'/s �gr.(18�2 Kr.rh.) pro Monat, in Preußen incl. Stem- püfteuer 21'/, Sgr. Alle deutsche Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. � Denjenigen Abom entcn, welche das Blatt per Kreuzband beziehen, wird dasselbe bei dreimaliger Zusendung in folgender SSeise berechnet: für Deutschland 1 Thlr. 6 Ngr.(2 fl. 3 kr.- rh.); für die Schweiz, Serbien, Belgien, Scandinavien und Italien 1 Thlr 1V Ngr.(S Frcs.); für Frankreich, die Niederlande, Portugal, Großbritannien, Rumänien und die Türkei 1 Thlr. 20 Ngr.(K'/o Frs.); für Spanien und für Amerika 2 Thlr. Für Leipzig und Umgegend ist der Abonnementspreis (wit Bringerlohn) auf l?', Ngr. pro Quartal und K Ngr. pro Monat festgesetzt. Man abonnirt bei der Expedition dieses Blattes, Aeitzerslraßc 44, und bei Colpvrteur Müller, kür die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: für V»lkmarsdorf, Rcudnijx, Neuschönefeld:c. bei O. Stelzer, Leubnitz, xtapellengasse 11, 2 Tr., für Plagwitz und Lin- btnau tc. bei Frau Hohe, Plagwitz, Zschochcr'sche Str. 26, für Connewitz ic. bei Tcubcrt, Bornaische Straße 19, für Kleinzschocher und Umgegend bei Fleischer, Nr. 87 daselbst, für Thonberg bei Horn, Hauptstr. Nr. 9S, für Stötteritz !bei Gust.Boigt, Schulweg 2, für Gohlis w. beiO.Peukert, Hauptstr. 19. Für Berlin wird auf den„Bolkcstaat" monatlich für L Sgr. frei in'S Hans abonnirt, bei Tlautmann, Engeluftr 61>, 4Tr.; Gvrgcs, Wcbcrstr.32; Rub enow, Brnnnenftr. 34 im Laden; Mctzncr, Elisabethkirchstr. 1; Bogel, Prinzeustr. 61. Der Abonnemenlsbelrag ist bei BefteUuug zu cnlriÄchen , AbonnkmcnlS bei der Expedition, sewohl einzelne wie don Filialen, welche nicht rechtzeitig erneuert worden, werden vom he. 1. Upxjz„j� mehr effckluirt. 10' Bei Nachbestellung ist an dir Post 1 Sgr. Bestellgebühr außer bem AbonncmcntSbctrag z» entrichten. An die Abonnenten in Sachsen. , Bei Berweieerung der Annahme de« Abonnements für April, Sei- ün« einer Postexprdition, wellen sich die Betreffenden auf das Cirrular bem 16. Marz 18(2>'r. IV 2463 A berufen, n-onach MonalSabonne- �lnts auf den„Bollbslaat" im Königreich Sachsen und Herzogthum wachsen- Altenburg zuläffig sind. I___"_ Die Expedition des„Volksstaat". Ns n?» md or» on In zwölfter Stunde! fort otet\ __ L GewerkS- und Parteigenossen! den l In/ der vorigen Nummer des„Volkestaat" haben wir Euch b_"üfgeserbert, in sofort abzuhaltenden Versammlungen Protest zu Kleben gegen die Verschlechterung der Gewerbeordnung durch die < m Reichstag zur Bcschlußfasiung unterbreitete„Novelle zur eben. Gewerbeordnung." Heut wollen wir ein wenig näher auf diese »jjchst wichtige und dringende Angelegenheit eingehen, insbesondere w j�er klar legen, warum wir noch im letzten Augenblick diese Auf- —- l�derung an Euch gerichtet haben. Bekanntlich ist dem Reichstag unter oben genanntem Titel: »Novelle zur Gewerbeordnung" ein Stück Gesetzentwurf �gelegt, der einige Paragraphen der Gewerbeordnung vom Juni 1869„verbessern" soll. l Leider müssen wir konstatiren, daß diese aus den Kreisen der mibrikanten und sogenannten„selbstständigen" Gewerbetreibenden [3o iesorderte, und vom Bundesrath beabsichtigte„Verbesserung" total verfehlte genannt werden muß, ja in Bezug auf die Wahrung und Förderung der Jnlercsscn der weitaus größten Mehrheit der Lohnarbeiter ganz gleich, ob Handwerksgesellen oder /%n wir für alle unselbstständigen Gewerbetreibenden, in eine Twente Verschlechterung ausgeartet ist. � Freilich war dieS kaum anders zu erwarten, nachdem der MindeSrath dem Drängen der Fabrikanten und der groß- und ��industriellen Unternehmer, in höchst übereilter Weise Rech- üMg zw tragen, für nöthig gehalten hatte. Diese Herren haben 7? sehr gut verstanden, durch ihre Organe in der Presse, durch -li Handels- und Gewerbekammern, in zahllosen Resolutionen und 24 Diester, aufdringlichster Weise diese, durch das nackteste Klassen- —-' presse bedingte, in eigennützigster Absicht geforderte Aenderung der �«werbeordnung bei der Reichsregierung nicht nur durchzusetzen, > cm! ncid obendrein als im� allgemeinen Volksinteresse verlangt P wotiviren, so daß der Reichstag nur ncch nöthig hat, sein __ laubiges Ja und Amen dazu zu sagen. Geschieht dies, dann ist k der einzige Recht, welches das arbeitende Volk(zu welchem wir (deir�Üxlich jene£«ch-Ar heiter nicht zählen) auf gewerkschaftlichem den Arbeitsherren gegenüber überhaupt ncch hatte, das z p�alitionSrecht, mit dem hänfenen Halsband der kriminalen iü--'flrafung des sogenannten Contractbruchs glücklich erdrosselt, so- Mtt--# der frechsten Ausbeutung und Unterdrückung der Arbeiter Thür p Thor geöffnet. Aber die Arbeiter?«nd der Reichstag? Mit Befriedigung wollen wir hier konstatiren, daß die Agitation der Arbeiter nicht erfolglos war, indem dieselben bei den Wahlen viele Kandidaten veranlaßten, sich gegen die den Arbeitern feindlichen Bestimmungen der„Gewerbe-Novelle auszusprechen, ja eine Anzahl Abge- ordnete zu wählen, die diese verschlechterte Auflage gewerbegesetz- geberischer Weisheit im Reichstage selbst entschieden bekämpfen werden. Selbst dem doch sicherlich nicht im Gerüche der Arbeiter- sreundlichkeit stehenden Reichstage und der noch weniger mit den Arbeitern sywpathisirenden Commission, welcher diese verunglückte Gewerbegesetz-Verbesserung zur Vorberathung überwiesen wurde, schien dieses reaktionäre Machwerk einseitigster Classengesetz- gebung, welches mit konsequenter Nolhwendigkeit zur gefährlichsten Clajsenjustiz führen mußte, zu starker Tabak zu sein. Im Reichstage fand dieser Entwurf daher keine günstige Aufnahme, und die Commission verwarf auch die Bestrafung des sogenannten Contractbrnchs, so daß die Hoffnung nicht unbegründet erschien, der Reichstag würde diese höchst unreife Frucht bundesräthlicher Erkcnntniß schließlich ganz und gar ablehnen. Allein, was wir als Gegner des Entwurfs hofften, be fürchteten die Freunde desselben, und deshalb setzen die arbeiter- feindlichen Parteien innerhalb und außerhalb deS Reichstages Alles daran, dieses und andere, die Arbeiterinteressen schädigende, das Recht der Arbeiter bedrohende Gesetze durchzusetzen. Inner- halb des Reichstages ist es eine hinter den Coulissen thätige Coterie, die als sogenannte freie Commission die von der Com- Mission abgelehnten Bestimmungen in anderer Fassung wieder ein- schmuggiln will. Die Abg. Dr. Beseler, Dr. Baehr(Cassel), Dr. v. Sarwey und 67 andere Mitglieder beantragen, die in der Commission abgelehnte Bestimmung über die Bestrafung deS Contractbruchs in solgender Fassung wieder herzustellen:„Mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft werden bestraft: 1) Arbeitgeber, die ihre Gesellen, Gchülfen oder Fabrikarbeiter widerrechtlich entlassen oder von der Arbeit zurückweisen; 2) Gesellen, Gehülfen und Fabrik- arbeiter, welche die Arbeit widerrechtlich verlassen oder verweigern. Die Bestrafung wird jedoch ausgeschlossen, wenn nach den Um- ständen anzunehmen(st, daß im guten Glauben gehandelt wurde."— Ferner soll nach demselben Antrage die gleiche Strafe für Die- jenigcn gelten, welche die Arbeitgeber oder die Arbeitnehmer zu den eben bezeichneten Handlungen bestimmen oder zu bestimmen ver- suchen. In Bezug auf den ersten von den Gewerbegerichten han- delnden Abschnitt werden von den Mitgliedern, welche in der Commission in der Minorität geblieben sind, im Verein mit andern Riitgliedern Anträge eingebracht werden, welche die bisherigen Schiedsgerichte beibehalten und zur besseren Wirksamkeit detselben Bestimmungen über die Zusammensetzung, das Verfahren, die Rechtsmittel, die Vollstreckung der Entscheidungen der Schieds- gerichte:c. treffen. Ferner haben Diejenigen, auf deren Veranlassung und in deren Interesse der BundeSrath die„Gewerbe-Novelle" ein- gebracht, den Reichstag mit einem wahren PetitionSsturm bedacht. Mehrere hundert Petitionen mit vielen tausend Unierschriflen, zumeist vom Ausschuß des„Verbandes selbständiger Ge- werbtreibender und Fabrikanten" in Berlin veranlaßt, fordern die Abänderung der Gewerbeordnung im arbeiterfeindlichen Sinne. Bestrafung des sog. Contraktbruchs, Einführung der Arbeitsbücher und Beibehaltung der alten, meist parteiisch zu Gunsten der AlbcilSherren rcchlsprechenden Gewerbgerichte. Ja selbst Arbeiter haben sich beihören lassen und an diesen Demonstrationen Theil genommen. Und das ist es hauplsechlich, weshalb auch wir noch im letzten Augenblick von unfern Freunden verlangen, daß auch sie ihre Stimmen erheben, um der auf solche Weise von den Feinden der Arbeiter auf die Entscheidung des Reichstags ausgeübten Pression entgegen zu wnken. Partei- und Gewerksgenossen! Nochmals also fordern wir von Euch, daß Ihr sofort Versammlungen einberuft, Volksversammlungen, öffentliche Partei- und GewerkschaftSversamm- lungen, je nachdem die Umstände dieS gestatten, und in diesen Versammlungen Protest erhebt gegen den Versuch der Volksfeind- lichen Parteien, die Arbeiter zu unterdrücken und zu knechten. Wir empfehlen deshalb den einzuberufenden Versammlungen sol- gcnde Resolution zur Annahme zu unterbreiten, und diese Reso- lutionen vcm Bureau der Versammlung unterzeichnet„An das Präsidium des deutschen Reichstages in Berlin" adressitt, sofort abzusenden. Resolution. Die heutige in(Lokal) statifindende Versammlung, besucht von circa(Zahl) Arbeitern, erklärt sich mit aller Entschieden- heit gegen die im Gesetzentwurs, betreffend einige Acnderungen der Gewerbeordnung, vorgeschlagene Beschränkung des Coa- litionSreebtes, indem sie die criminelle Bestrafung deS söge- nannten Contraktbruchs als ausschließlich gegen die Arbeiter gerichtet und mit dem Geiste einer gerechten Gesetzgebung unvereinbar zurückweist; die Versammlung erklärt sich ferner gegen die vom Bundes- raih vorgeschlagenen Gewerbegcrichte, weil durch dieselben, schon allein mit Rücksicht auf die Wahl der Beisitzer vurck« die Gemeindcvertrelungen, daS Interesse der Arbeitsherren bevor- zugt, die Gleichberechtigung der Arbeiter mit den Arbeitgebern vor dem Gesehe verletzt, überhaupt dem Zweck, unparteiische Richter zu schaffen, in keiner Weise genügt wird; schließlich proiestirt die Versammlung gegen die in Peti- tionen von Fabrikhcrren und selbstständigen Gewerbtrcibenden geforderte Einführung von Arbeitsbüchern als einen Versuch, den überwundenen Standpunkt zünftlerischer Gesetzmacherei wieder zu beleben, und beauftragt ihr Bureau, vorstehende Beschlüsse dem hohen Reichstage des deutschen Reiches zur gütigen Berück- sichtigung bei Berathung der Gewerbenovelle zu übermitteln. Und nun Partei- und Gewerksgenossen handelt rasch und ent- schieden, wie es Männern geziemt, die wissen, was sie wollen. Die Zeit bis zum entscheidenden Augenblick ist nur noch eine sehr kurze. Aber im Vertrauen auf unsere bewährte Organisation und Partei- disziplin hoffen wir trotzdem, daß unser Protest nicht zu spät kommen wird. Auch die Zeit ist eine günstige. Unsere Vertreter im Reichs- tage, die augenblicklich unter Euch weilen, werden an den Ver- fammlungen theilnehmen. Die ReichStagsabgeordncten der andern Parteien, die in der Heimath oder in ihrem Wahlkreise anwesend sind, lade man zu den Versammlungen ein, damit sich dieselben persönlich überzeugen, wie das arbeitende Volk über das Contrakt- bruchSgesetz, über Gewerbegerichte, über Einführung von Arbeitsbüchern und alle sonstigen BedrückungS- und Knech- tnngsversuche denkt. Nochmals also: wir erwarten, daß alle Parteigenossen, insbe- sondere aber die Vertrauensmänner und Gewerkschaftsbevollmäch- tigten, ohne Säumen ihre Pflicht erfüllen werden. ES muß dies sein, denn es ist in der That in zwölfter Stunde. Hamburg, den 31. März. Im Auftrage: Th. Horck. Polizeiwirthschast. Der Polizeiukas, welchen der„liberale" Bürgermeister von Münch und sein Stadtschreiber Pohl zu Hof, wegen der Auf- lösung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei erlassen haben, ver- dient noch eine» nachträgliche Beleuchtung. Selten ist uns ein Schrifistück vorgekommen, in welchem sich Ignoranz, Stupidität und Dreistigkeit so die Wage halten, wie in diesem, so daß man wirklich im Zweifel ist,' welche von den drei hier bezeichneten Eigenschaften den Hauptantheil an dem Schrifistück haben. Der eigentliche Auflösnngsbeschluß schließt mit der Erklärung,„daß die Veränderung der Benennung des Vereins, resp. seiner Versamm- lungen nicht gegen Strafe schützt, wenn aus den Umständen her- vorgeht, daß �ene Veränderung nur zum Scheine vorgenommen wurde." Als Strafe ist angedroht: Gcfängniß bis zu einem Jahr. Da nun dieselbe Behörde, welche die Auflösung der Mitglied- schaft dekretirte, darüber zu entscheiden hat,„ob aus den Umstän- den hervorgehe", daß ein neuer Verein unter was immer für einem Namen, und eine Versammlung, mit was immer für einem Zweck, nur eine zum Schein vorgenommene Veränderung der aufgelösten Mitgliedschaft ist, so liegt klar, daß damit daS Vereins- und Versammlungsrecht für Hof vollständig tovtgeschlagen ist. Wir wüßwn überhaupt nicht, wie ein Gesetz beschaffen sein müßte, daS vor der gewaltihätigen Jnterpretationskunst des liberalen adeligen Hofer Bürgermeisters und seines StadtschreiberS sicher sein soll, denn die Beiden haben in dieser Beziehung ganz erstaunliche Proben dargelegt, wie die weiter auszuführenden Thatsachen be- weisen werden. Das stadträthliche Hofer Zweigestirn hat nämlich ein Sammcl- surium von Auslassungen zusammengebraut, das eS mit dem Titel „Gründe" für die Auflösung belegt und deren es nicht weniger als zehn ausführt. In den ersten vier„Gründen" wird bewiesen, daß die Partei eine politische sei, was wohl ohne die Weisheit der hohen Stadt- Häupter der Welt bis heute verschwiegen war. Im fünften „Grunde" wird gesagt, daß der Vertrauensmann, der Beitrag- sammler und die beiden Controleure neben der Regelung der ort- lichen Angelegenheiten, insbesondere auch den Berkehr mit der Oberleitung, dem Vororte Eisenach und der Centralleitung, dem in Hamburg ständig tagenden Ausschusse zu vermitteln hat- ten. Da die Partei als Oberbehörde nur den Ausschuß in Ham- bürg hat, den der würdige Herr Bürgermeister und sein Stadt- schreiber Centralleitung nennt, so bitten wir um gefällige AuS- kunst, wo die außerdem aufgeführte Oberleitung ihren Sitz hat und wer sie bildet. Wir bitten ferner die hohen Stadthäupter, uns zu sagen, welcher Art der Verkehr ist, den Vertrauensmänner, Beitragsammler und Controleure mit dem Vororte Eisenach unter- halten. Wie aus dem klaren Wortlaute der Parteiorganisation hervorgeht, ist Eisenach einfach Sitz der Partei, also das Domicil, wie es die deutschen Vereinsgesetze für jeden Verein vorschreiben. Mit den Behörden deS VereinsdomicilS kann aber nur die „Centralbehörde" verkehren, also in diesem Falle der PartciauS- schuß. ES ist also eitel Flunkerei und Unwissenheit über die Or- ganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei und die gesetz- lichen Erfordernisse, wenn Herr von Münch und sein Stadtschreiber dergleichen Zeug in die Welt schreiben und als„Gründe" für die Auflösung einer Parteiverbindung anführen. Unter dem achten„Grunde" wird angeführt, daß Hasenclever Präsident der sozialdemokratischen Arbeiterpartei sei— eine wahrhaft polizeiwidrige Unwissenheit. Dann aber sollen auch die Ge- werkSgcnossenschast der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter, deren Sitz Weimar ist, die Gewerksgcnossenschaft der Schuhmacher, mit dem Sch in Stuttgart, und die Gewerkschaft der Holzarbeiter, mit dem Vorort Altona, Mitgliedschaften der sozialdemo- kratiscken Arbeiterpartei seir. Nach Beweisen für diese aller Wahrheit in's Gesicht schlagenden Behauptungen sucht man in dem Schriftstück vergebens; aber freilich, die deutsche Polizei genießt ja das Privilegium, ebenso der Wahrheit wie dem gesun- den Menschenverstand ein Schnippchen schlagen zu dürfen, wenn es sich darum handelt, politische Gegner todt zu machen. Statt wirklicher Gründe und Beweise stellen Herr v. Münch und sein Stadlschreiber die kecke— wir wären fast geneigt, zu sagen freche — Behauptung auf:„Selbstverständlich wird diese Organisation und Verfassung weder in den Statuten niedergelegt, noch über- Haupt feiten« der Mitglieder der sozialdemokratischen Partei zuge- geben, da es bis zur äußersten Consequenz verfolgte Absicht der Partei ist, Berfaffung und Zweck der Verbindung den Staats- behörden geheim zu halten." Aber Sie Tausendsassa, wo haben Sie, Herr v. Münch, denn diese Weisheit nur her, wenn die Partei„bis zur äußersten Eon- sequenz Bcrfastung und Zweck der Verbindung den StaatSbehör- den geheim zu halten sucht." Sie erschrecken un« wahrhaft mit Ihrem tiefen Wissen, Sie verkündigen ganz unerhörte Dinge, die nicht einmal die eingeweihtesten Mitglieder wissen. Wir hoffen, die Reichsregierung wird Sie im Auge behalten und Sie, wenn erst Stieber der Erde seinen Tribut gezahlt, zu seinem Nachfolger ernennen. Sie sind ein wahres Polizeizenie, welches das Gras wachsen hört, und so werden unter Ihrer Leitung die staatSrette- rischen Communistenprozesse zu Dutzenden aus dem Boden„wach- sen". Sie bekommen hoffentlich bald einen Orden, wir empfehlen Sie hiermit Ihren Vorgesetzten. „Grund" 9 trieft nicht minder wie die vorhergehenden„Gründe" von polizeilicher Weisheit und welterrettenden Gedanken.„Die sozialdemokratische Partei ist ferner eine Vereinigung, welche die sittlichen, religiösen und insbesondere die gesellschaftlichen Grundlagen des Staats zu untergraben droht. Die Aushebung aller Vorrechte des Standes, des Besitzes, der Geburt und der Eon- fesston gehört zum Programm und ist jedes Mitglied verpflichtet und verbunden für die Verwirklichung deS Programs mit ganzer Kraft einzutreten." Wir sind Herrn v. Münch und seinem Stadt- schreiber sehr verbunden. Die sozialdemokratische Arbeiterpartei droht also um deßwillen die sittlichen, religiösen und insbesondere gesellschafilicken Grundlagen deS Staats zu untergraben, weil sie die Aufhebung aller Worrechte des Standes, des Besitzes, der Geburt und der Confession beabsichtigt. Nach Herrn v. Münch und seinem Stadtschreiber ist also die Aufhebung dieser Vor- rechte ein Verbrechen. Damit ist recht naiv die Unnatur un- serer Zustände gekennzeichnet und dargethan, aus welcher Seite in Wirklichkeit die Untergraber von Sitte, Moral und Gesellschaft zu suchen sind. Daß die„Hoser Zeitung" und der„Thüringer Volksbote" verschiedentlich wegen Preßvergehen bestraft worden sind, ist den Hofer Weisen ein weiterer und durchschlagender Beweis von der Verde» blichkeit der Sozialdemokratie. Unter den angezogenen Zei- tungsartikeln ist sogar ein solcher, gegen den der Hofer Staats- anwalt die Anklage seiner Zeit mußte fallen lassen. WaS soll man zu einer solchen Handlungsweise einer Behörde sagen? UnS scheint, daß das Ansehen der Gesetze und des Staats durch die ganze sozialdemokratische Agitation in Hof und Umgegend nicht entfernt so untergraben worden ist, wie durch die aller Gerechtig- keit und Würde hohnsprechende Handlungsweise deS Bürgermeisters und des StadtschmberS von Hof. Daß die Sozialdemokratie den Grundsatz:„Theile und herrsche!" den man bisher nur despotisch gesinnten Regierungen oder einem Tyrannen zuschrieb, zur Geltung bringen will, ist eine Unterstellung, die man der auge» schcinlich sehr schwachen geistigen Capacität der hohen Stadthäupter und dem daraus folgenden gänzlichen Mißverständnisse dieses Satzes zu Gute halten muß., Ein Haupitrumpf endlich wird im zehnten„Grunde" ausge- spielt, indem Herr v. Münch und sein Stadtschrciber sich zu soll gender Behauptung versteigen:„Wenn auch sämmtiiche Mitglieder der sozialdemokratischen Partei verpflichtet scheinen(im achten „Grunde" wurde dieses„Scheinen" als festflehende Tbatsache an genommen), unter Verletzung des§ 128 des ReichSstrasgesctzbucheS, Verfassung und Zweck der Verbindung den Behörden zu verheim- lichen, so geht doch auS dem, was den Behörden durch eirzelne Worte und Handlungen der Mitglieder und der Parteipresse be kannt wurde, sowie aus dem Programm der Partei zur Genüge hervor, daß ihr Zweck dem Z 81, Absatz I, Ziffer 2 des Reichs strafgesetzbuches zuwiderläuft." Als wir diese Auslassung lasen, waren wir im Zweifel, ob wir sie im Ernst oder im Scherz nehmen sollten. Als Scherz schien uns die Sache zu ernst, aber für Ernst sie zu nehmen, das läßt die eigene Haltung der Urheber nickt zu. Es muß sehr schlecht um das logische Denken oder daS Pflichtgefühl von Män- nern best llt fein, die solche Dinge niederschreiben. Nach§ 128 des Strafgesetzbuches wird die Theilnahme an einer Verbindung. deren Dasein, Verfassung oder Zweck vor der Staatsregicrung geheim gehalten werden soll, mit Gefängniß bis zu sechs Monaten, an dtn- Stiftern und Borstehern der Verbindung mit Gefängniß von einem Monat bis zu einem Jahre bestraft." Es war also Pflicht des Hoser Bürgermeisters und seines StadtschreiberS, wenn sie an die von ihnen behauptete geheime Verbindung der sozial- demokratischen Arbeiterpartei glaubten, die Mitglieder wie deren Leiter in Hof der Staatsanwaltschaft zu denunciren. Indem sie eS nicht thaten, haben sie bewiesen, daß sie an die von ihnen selbst behaupteten Thatsachen nicht glauben. Wir überlassen es den Lesern, ein solches Verfahren mit dem geeigneten Titel zu be- legen. Noch schlimmer ist, daß der Hofer Bürgermeister und sein Stadtschreiber zu erklären wagen, daß das Programm und die Handlungen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei dem§ 81, Alinea 2 des Strafgesetzbuches zuwiderlaufe, ohne die sofortige Hülfe des Staatsanwalts in Anspruch zu nehmen. Der ß 81 handelt vom Hochverrath, der mit lebenslänglichem Zuchthaus oder lebenslänglicher Festungshaft und bei mildernden Umständen mit Festungshaft nicht unter fünf Iahren bestraft wird. Nach der Ueberzeugung des Herrn v. Münck und seines StadtschreiberS be- hcrbergt Hos also eine ganze Anzahl Menschen, die sich deS schwersten politischen Verbrechens schuldig gemacht haben, ohne daß die beiden Herren sich verpflichtet hielten, dem Staatsanwalt da von Anzeige zu machen, was unzweifelhaft ein schweres Vergehen gegen ihre Amtspflichten ist. Noch mehr, diese Erklärung der Herren v. Münch und Pohl ist in Nr. 31 der„Hofer Zeitung" abgedruckt, der dortige Staatsanwalt hat sie unzweifelhaft gelesen und dennock hat derselbe sich bis heute nicht vera> laßt gesehen, die beiden Beamten zu vernehmen und die„Verbrecher" anzu- klagen. E« scheint also, daß der Herr StaatSawalt in Hof den amtlichen Versicherungen des ihm sicher genau bekannten Bürgermeisters und seines StadtschreiberS keinen Glauben beimißt und dieselben als dekorative Floskeln betrachtet, die jene Herren nur erfunden, um ihrem UkaS in den Augen der Dummen ein grö- ßereS Gewicht zu geben. Nun, daS muß unsere Verunheilunz res G bahrens deS Herrn v. Münch und seines StadtschreiberS nur verschärfen. Der ganze Vorfall zeigt, wie eS im Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte mit der Freiheit der Staatsbürger bestellt ist, und daß Polizeiwillkühr im Jahre des Heils eintausendachthundertvier- undstebzig gerade so gut möglich ist, wie in irgend einer Periode deS in dieser Beziehung berüchtigten achtzehnten Jahrhunderts oder unter dem bundestäglichen Regime in diesem Jahrhundert. Der Name deS Herrn v. Münch wird künftig neben den Stieber, Rüder, Meyer, Tessendorf und Conforten prangen und die� Nach- weit wird sicher dem Andenken dieser Biedermänner eine'Säule setzen. Nur wird c» schwerlich eine Ehrensäule sein! Politische Uebersicht. — Der Reichstag ist bis zum 9. April vertagt"worden.— Ein Rückblick«uf seine bisherige Thätigkeit zeigt, soweit die Sache uns angeht, nicht» ErffeulicheS. Hatte doch das Präsidium die Mundtodtmachung der sozialdemokratischen Abgeord- neten al« seine Hauptaufgabe erkannt und ist es auch ganz kon- seguent in diesem Sinne und zu diesem Zwecke zu Werke geganzen. Getreulich sekundirten ihm dabei die Vordersten im Bismarck'schen „Culturkampf", die eS ja offen aussprachen, daß die Sozialdemo- kraten„in diesem Hause" nur„Gaste" seien, ein hübsches Bild der Vorstellung, welche sich die Schildknappen des„Genialen" von einer Volksvertretung machen. Nicht der Wille der Wähler ist eS, den sie achten, sondern sie schätzen nur jene Vorzüge an einem ReichstagSmandate, die mit ihren persönlichen Interessen in Ver- bindung zu bringen sind. Wo Miguel, Braun und der Herzog von Ujest, der„Auch- Arbeiter", sich„zu Hause" fühlen, da können freilich Sozialdemokraten nur„Gäste" sein, und wohl diesen, daß in der„Filiale der Börse" vom Dönhoffsplatze ihnen solche Com- plimente gemacht werden. Denn"nur in einer„Filiale der Börse" können die Miguel, Braun und Ujest„Stammgäste" oder gar „zu Hause"- sein. Zieht man indessen einen Vergleich zwischen dem deutschen Reichstag und den Parlamenten anderer Staaten— wir sagen ausdrücklich Staaten, weil wir wahre Volksparlamente ja so ziemlich nirgends haben— so dürfte dieser Vergleich gar sehr zu Ungunsten des deutschen Reichstags ausfallen. Wir verlangen von Leuten, welche die Schwerkraft allerhöchster„Herzenswünsche" schon inS Knie sinken läßt, durchaus nicht den starren Constitutionalis- niuS des englischen Unterhauses; aber wenn wir das deutsche „Reichs anerkennen und seinen„Culturkampf" mitkämpfen würden, so müßten wir unS schämen über den Mangel an Muth und über den Mangel an Takt, durch welchen sich der Reichstag vorzüglich kennzeichnet, zwei Eigenschaften, welche diesem Parka- mente in drr Geschichte des Parlamentarismus denselben Platz verschaffen werden, den Don Quixote in der Geschichte des Ritter- thums oder Eulenspiegel in der Geschichte der Philosophie einnehmen. Mangel an Muth sagen wir, und wer will uns bestreiten, daß die Mehrheit des Reichstags, indem sie die Mundtodtmachung der anwesenden Sozialisten billigt und die Reklamirung der ge- fangenen Sozialisten ablehnt, den Beweis der Muthlosigkeit liefert? Wer will unf bestreiten, daß die Mehrheit des Reichstags, indem sie den Vorlagen der Regierungen bedingungslos zustimmt, oder, wenn die Regierung Dinge fordert, welche den Volksinteressen mit der Faust ins Gesicht schlagen, einen unterthänigsten„Compromiß" auf dem Präsentirteller einherbringt, sich jeuer Eigenschaft begiebt, welche man gewöhnlich unter Muth versteht? Wahrhastig, wir wären die Letzten, welche die Orgien der Versailler Krautjunker- Versammlung als parlamentarisch mustergültig betrachteten, aber das müssen wir sagen: der versumpfteste Bonapartift in Versailles hat mehr Courage, als der verbiSmarckleste Nationalliberale in Berlin. Und erst der Takt! Die„Heiterkeit", unter welcher die elsaß-lothringischen Abgeordneten niedergebrüllt wurden, der Lärm, welcher die wenigen sozialistischen Reden in Wolken von„Ge- lächter" verschwinden ließ, erinnert unS lebhaft an die vielen Volksversammlungen, wo die Sozialdemokraten schon von den „Gebildeten" niedergeschrien worden sind. Der Geist des Tabaks collegiumS schwebte segnend über der Atmosphäre des deutschen Parlaments, und wäre nur jeder Abgeordnete verpflichtet, aus einer langen Pfeife zu rauchen, so könnte der Schatten Friedrich Wil- helmS I. beruhigt sein. Da möge sich Niemand wundern, wenn unsere Abgeordneten die Anwesenheit und Wirksamkeit im Reichstage als ein„Marty- rium� bezeichnen. Angenehm ist eS nicht, unter den Wölfen zu sein für Leute, die fest entschlossen sind, nicht mit den Wölfen zu heulen. MuthloS nach oben, taktlos und terroristisch nach unten, das ist die Signatur der Mehrheit im Reichstage. DaS wird sich nicht leicht ändern, das wird so lange vorhalten, bis die Sozialdemokratie genügend vertreten ist. Und den Stempel dieses Zustandes werden auch die aus diesem Reichstage hervorgehenden Gesetze tragen. Darauf möge ein Jeder gefaßt sein! — Der Exekutor. Die„Volkszeitung" schreibt:'„Zu un- serer allgemein gehaltenen Bemerkung über die rigorose Einziehung der noch rückständigen Nothstandsdarlehen aus dem preußischen Hungerjahre 1863, ist unS gutgelegentlich nachstehende«, mit Aktenstücken belegtes Probestück auS Ostpreußen, Regierungsbezirk Königsberg, zugegangen. Einem schon damals armen Losmann wurden 3 Scheffel Saatkartoffeln zum Werthe von 4 Thlr. vor- gestreckt, und da er weder dieses für ihn unerschwingliche Kapital, noch die davon schuldig gebliebenen 4 pCt. Zinsen bls jetzt zurück- zuzahlen vermochte, so wurde ihm durch Mandatsprozeß deS Fiskus unter dem 13. dsS. aufgegeben, binnen 14 Tagen entweder den Kläger(ven Fünf-Milliarden-FiSkuS!!) zu befriedigen oder seine, durch Urkunden, EideSzuschiebung oder Zeugenaussagen dargethanen Einwendungen anzubringen, widrigenfalls Exekution u. s. w. Und nun hören wir die Klage des Bedrohten wörtlich:„Ich bin krüp- pelig, bin 67 Jahre. Meine Ehefrau ist noch ein Jahr älter, seit 10 Jahren krank uud muß aus dem Bette gehoben werden. Ich bin arm und ohne Mittel und kann die Forderung nicht bezahlen." — DaS ist nur ein Fall, wie viel AehnlicheS mag noch vorkam- men im Jahre nach dem Vollempfang der fünf Milliarden?— Sind wir denn wirklich dem Schicksal jenes Gepeinigten in der griechischen Sage vcifallen, der von unstillbarem Hunger gepeinigt wurde, weil sick Alles, was er berührte, in Gold verwandelte? Daß wir, im Golde versunken, kein Brod haben? Sind wir wirklich nicht im Stande, durck ein schleunigst einzubringende« Gesetz die nock ausstehenden Forderungen dieser Art sämmtlich niederzuschlagen? Dem Betroffenen geben wir aber den Rath, so- fort seine behördlich zu bescheinigende Zahlungsunfähigkeit als Ein- Wendung gerichtlich zur Geltung zu bringen." Die gute„Votkszeitung"! Da sie in der griechischen Sage so bewantert zu sein scheint, warum gibt sie dem armen Losmann nicht den Rath, er möge eS machen, wie jener andere„Gepeinigte" in der griechischen Sage, den die Götter mit unersättlichem Hunger bestraft hatten und der seine eigenen Arme anfraß!—„Daß wir, im Golde versunken, kein Brod haben!" O ja,„wir"— dal heißt der große Bernstein und die Milliardenoertheiler Bismarck und Manteuffel, die Gründer Miquel uns Ujest—„wir" habe» Brod und„versinken im Gold", wenn auch die„Volkszeitung" manchmal in etwas Anderem versinkt. Aber der arme LoSmana in Ostpreußen„versinkt" nicht im Gold, vier lumpige Thaler sind für ihn ein..unerschwingliche« Kapital". DaS ist eben der Unterschied— Gold und Brod für die Milliardenmäuner, de» Exekutor für den LoSmann!— Das ist der Unterschied, welche» Herr Bernstein heute, nachdem er sein 2SjährigeS Jubiläum ge- feiert hat und angesungen und«nzehocht worden ist— noch nicht begreift. Der Mann, welcher von Vielen Seinesgleichen al« einer der ersten Publizisten Deutschlands gefeiert«iro, kann e« nicht begreifen, daß. während die Milliarden ins Reich fl-athen,„wir" — d. i. die Regierung, Bismarck und die deutsch: Bourgeoisie-- kein Brod haben l Die Sozialdemokraten aber, welch: dies sehr wohl begreifen, sind„BolkSbetrüger"—„Sozialdemazogen", nicht wahr, Herr Bernstein? „Daß wir, in Gold versunken, kein Brod haben!"-- „Wer ist die Commune, diese Sphinx, die den Bourgeois- verstand auf so harte Proben setzt?" Mit diesen Worten schilvect der Generalrath der Internationale die Verblüffung der Pariser Bourgeoisie im März 1871. Und was setzt den BourgeoiSverstand eines Bernstein auf so harte Proben? Die Milliardenfluth und daS Elend eines ostprenßifchen Proletariers. Die Pariser Bourgeoisie hat erfahren, wer die Commune war.z Herr Bernstein hat noch Nichts gelernt. Vielleicht aber lernt auch er noch, was die Bourgeoisie zu Paris im Marz 1871 ge-i lernt hat! — Jener gemüthliche Poet, der 1843 sang: „Nur einS fehlt nock zu O.streichS Glück,' 1 Die Republik, die Republik,"!! der dürfte sich heute überzeugen, daß in Oesterreich noch ganz an- dere Dinge- als die„Republik" fehlen, bevor man von„Glück"' s reden kann.� DaS Elend der Manufakturarbeiter im öfter- reichischen Schlesien droht den Gipfll zu erreichen. Mit den- besten Willen können sich die Arbeiter nichts verdienen, da keint!< Beschäftigung vorhanden ist. Auf allen Straßen, heißt eS iÄ scklesischen Blättern, stehen die Frauen der beschäftigungslosen An beiker, die abgemagerten Hände den Vorübergehenden flehend cntl gegenstreckend. Da die Angaben der Sozialvemokratie bei dep Herren Bourgeois gewöhnlich keinen Glauben finden, so wolle�~ wir den den letzteren zu Gemiith führen, was die Behörde« offiziell über den Stand der Löhne berichtet haben. Da ma« mehrere Arbeiter eines Großindustriellen, ver— wahrscheinlick wegen seiner Fertigkeit im Ausbeuten— mit Orden behängen ist i beim Betteln antraf, so wurde eine amtlich- Untersuchung über t daS Verdienst dieser Arbeiter eingeleitet, welche ergab, daß de« u ordengeschmückte Herr Fabrikant einen Wochenlohn von 1 fl 10 st s, bis 3 fl. 8 kr. zahlte. Kommen also im besten Falle auf de» d, Tag 44 Kreuzer, im schlimmsten 1SV- Kreuzer ö. W. h Das ist die Krists. Die Manufaklurarbeiter von Oesterreis 1 chisch-Schlesten bitten, den Zuzug fern zu halten, und wir hoffeiti. die deutschen wie österreichischen Arbeiter werden dies nicht nu> J strenge befolgen, sondern auch sonst ihre unglücklichen Brüder i> � Schlesien zu unterstützen suchen, soviel in ihrer Macht steht. Dil Siluation, in welche die schlesischen Arbeiter durch unsere verfehl? di ökonomische Wirthschaft gerathen sind, dürfte einer der schärfst« ZI Impulse zur Organisation sein. Erst Orzauisation untej d< sich und dann Organisation mit Anderen muß die Parole d?, erst wird die Arbeiterklasse mächtig genug sein, die Ursachen solch« L Krisen mit der Wurzel auszurotten. Wer glaubt, der heutige Staat fühle sich berufen, solchen Uebel ständen radikal abzuhelfen, der ist ein Thor. In Rom verzehr � Victor Emanuel 10,000 Pfund Eis mit seinem Hofstaate z» Feier seines erlauchten Namenstages und auf der Straße fall« � die brodlosen Arbeiter vor Hunger um. Das ist die heutig � gesellschaftliche Situation, welche nicht durch Herumschwänzeln ul fj „hohe" Persönlichkeiten auf Bällen, sondern nur durch gemei» di sames energisches Handeln der Arbeiterklasse beseitigt werden kaa» g An solch' furchtbar zugcschärften Gegensätzen werden Schulze u»> Max Hirsch so gut zu Schanden, wie Kirchmann und Rodbertrik- Und die Bourgeoisie lacht aller Compromißvorschläge.„Laßt fl J, betteln gehen! Für das Proletariat ist der Tisch nicht gedeckt!! So geht der„Krug" fort zum Brunnen, von Krise zu Krise, bi � er bricht. — Verschnappt. In Pforzheim erscheint ein unfern Lese»- wohl kaum bekanntes Blatt, der„Fortschritt", welches die do? ziemlich hochgehende Arbeiterbewegung zu begeifern und zu b« schmutzen sich zur Aufgabe gestellt hat. Die Tendenz deS Blatt« ist die jenes heuchlerischen MuckerthumS, welche mit den Phras» von„Wohlstand" und„Bildung" die Arbeiter in die Arme de®' Kapitalismus zurückzuführen sucht. Wir erstaunten nicht wenig st als die Redaction kürzlich die„große Verbreitung" ihres Blatt? rühmte, da wir wissen, daß das Blättchen fast gar nicht gekan» ist. in Folge seiner rohen und albernen Schreibweise auch wV? kaum auf Verbreitung zu rechnen hat. Nun lesen wir in Nr. lp der„Concordia" in einer Correspondenz aus Pforzheim: „Schon seit längerer Zeit hatte sich in den hiesigen leitend« Kreisen der Fabrikantenwelt die Ueberzeugung Bahn gebrochck eS dürfe ferner nicht ruhig und unthätig dem Anschwellen dt sozialdemokratischen Umtriebe zugesehen werden. Vtelmehr sei« � heilige Pflicht, alle Uebelstände, welcke der Arbeiterbewegu»» Boden und Nahrung spenden, zu untersuchen, ihre Abstellu? mit aller Kraft zu bewerkstelligen, und dabei das gewissen!� fc Treiben der sozialistischen Agitation energisch zu bekämpsÄ.»(( wurde zu diesem Zweck im vorigen Frühjahr der„Soziale$ formverein" gegründet. Die von seiner RedactionScommisfl? � herausgegebene Wochenschrift„Fortschritt" wirkt für Ausbist tung seiner Grundsätze; dieselbe wird mit dem hiesizt'� Lokalblatt in etwa 3000 Exemplaren gratis vertheil!! außerdem wird sie in Stuttgart, Gmünd und Hanau unter dt Goldarbeitern zu verbreiten gesucht." Damit ist wohl daS Räthsel gelöst. Die„große Verbreitu»» beruht einfach darauf, daß der„Fortschritt« dem„Pforzhei»» f Beobachter" als Beilage mitgegeben wird. Die„heilige Pflicht 5 da« heißt die Begeiferung aller selbstständigen Bestrebungen d � A'beiterklasse, wird also von der Redaction deS Blattes um G�L' verrichtet, welches direkt von den Fabrikanten(siehe„Concorvi» komnt, die den sogenannten sozialen Reformverein gebildet habkA Da daS Blatt eingestandenermaßen keine Abonnenten hat, s«� wir, dii xtd ;6eit «8" ami ilet der de« che» gp licht in« licht »ir" s-hr licht oiS' vert nser fs- ßrö' war. �erat 9P an- iück' ijtet' de» keim 3 i« Ar cnt1 bei atll rbe ma« intid n ists über der ivkr. de« der» erst �»verbreiten gefacht wird, kann es selbst den Redacteur nickt bezablen. Dieser Bursche, der die Worte„Moral",„Sitt- lichkeit",„Sparsamkeit" und„Anstand" stets knüppeldick im Munde fübrt, ist also Nichts weiter als der bezahlte Preßlakai der „leitenden Kreise der Pforzheimer Fabrikantenwelt". Bon solchen Kerlen gelobt zu werden, wäre allerdings eine Schande für die Sozialdemokratie!_ — Parteigenosse W. Bracke jr. ist vom Kreisgericht zu Braun- schweig„wegen Ungebühr" zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt worden Die„Ungebühr" bestand darin, daß Bracke ein in Lechel'de gegen ihn ergangenes Urtheil als ungerecht bezeichnet hatte._ — Zu Lübeck ist ein neues Arbeiterblatt, der„Lübecker Volksfreund", in'« Leben getreten, welches vom 1. April ab zweimal wöchentlich erscheinen wird. DaS Blatt wird heraus- gegeben von einem Arbeiter- Preßverein und nennt sich„Organ für den Arbeiter- und Kleingewerbestand." auf 156,0110 Thlr. zu 49'/- auf dem — Die Uebersiedelung derHubertnsburger Festungsgefangenen «ach der Festung Königstein ist in letzter Stunde aus unbekann- teu Gründen sistirt worden. e« Innere Partei-, Berwaltnngs- nnd Organisatianö- Angelegenheiten. An die Parteigenossen! Die Ausbreitung der Paitei schreitet stetig vorwärts. So sind in letzter Woche wiederum drei neue Mitgliedschaften ange- meldet worden und zwgr die folgenden: Heidingsfeld bei Würzburg, Vertrauensmann C. Morgen- weck. Hochstedt bei Staßfurt: Friedrich Minstedt. Ruhla in Thüringen: I. Rudel. Nachstehende Vertrauensmänner sind neu augemeldet und be- stätigt worden: Constanz: B. Waßmer. Darmstadt: Franz Joseph Binkert. Dresden: Eichhorn. Lörrach: Michael Schwöblin. Mülsen St. Niclas: Alban Vogel. Hamburg, 13. März 1874. Mit Gruß! Der Ausschuß. I. A.: H. Bevneke, kl. Schäferkamp 34. A. Geib, Rödingsmarkt 12. errei offen. t NU! >er i< D cfehst le dä rst if dam solchtl llebel !rz-hn Geschäft, daS gar Nichts zu wünschen übrig ließe. Die soeben /■sschienene Bilanz weist aus, daß das Leipziger HauS des Schön- 'b"merschen Bankvereins zwar 22,000 Thlr. Reingewinn, daS berliner HauS aber 177,000 Thlr. Verlust gemacht hat, der Ver- lust des Geschäfts im verflossenen Jahre sich beläuft. Die Papiere ä 100 Thlr. prangen Courszettel. Wir giatuliren! Heitstaiu, 31. März. An die Partei- und Gesinnungsgenossen des 14. sächsischen Wahlkreises. Auf Antrag des Ausschusses be- ruft das unterzeichnete Comits für Sonntag, den 5. April, Nachm. 2 Uhr, nach NarSdorf bei Gasta-irth Kcasselt eine Eonferenz ein. Alle Wahlcomitös de« Kreise« fordern wir auf, hierzu Ver- treter zu senden. Die bei der letzten Eonferenz gewählte Com- missson wird sämmtliche Rechnungen nochmals vorlegen und die Ausgleichung vornehmen. Parteigenossen in Rochlitz haben sich beim Ausschuß über da« Verfahren des Ceutralcomitös gegenüber Rochlitz beschwert und darauf hin forderte der Ausschuß da« unter- zeichnete Comitö auf, die Eonferenz einzuberufen, zu welcher er einen Vertreter senden wird. Die Schlichtung dieser Streitigkeiten haben wir als zweiten Theil der Tagesordnung angesetzt. Mit sozialdemokratischem Gruß da« Centralcomits. ZSaldhei«. Aufruf. Arbeiter des 10. Wahlkreises! Die Wahlkampagne ist vorüber, und während unsere Mitkämpfer auf andern Punkten glänzend Siege erfochten, haben wir zum zweiten Mal die Schlacht verloren. Aber lehrreich ist unsre Niever- läge: während bei der ersten Wahl nicht 1,500 Stimmen mit Agitation auf unfern Candidaten fielen, erhielten wir bei der letzten Wahl fast ohne namentliche Agitation 3,300 Stimmen. Der dritte Sieg muß unser sein! Er wird es, wenn wir recht- zeitig vorarbeiten, neue Mannschaften gewinnen, die alten befestigen, und das Armeecorps der Arbeit hinter dem Bollwerke der Er- kmntniß verschanzen. Da haben wir es nun fteilich mit schlimmen Feinden zu thun, in erster Linie mit der gegnerischen Presse, welche den Arbeiter über seine eignen Interessen absichtlich im Unklaren läßt, welche für das Geld der Arbeiter, das sie mit erhält, deren Freunde und Vorkämpfer verläumvet, und den Leser aus Trugschlüsse leitet. Der„Volksstaat" kann nicht alle diese tückischen Feinde abwehren, auch dringt er leider nicht überall hin. Das Publikum kann oder mag das Lokale, daS Oertliche nicht entbehren, wozu sich der„Votksstaat" nicht eignet, und durch die Haltung der gegnerischen Lokalpresse wird ein großer Theil des Publikums wiederum dem„Votksstaat" unzugänglich, oder wenigstens indifferent gemacht. Was hier zu thun? Die Volksoersammlungen werden uns sehr erschwert, in Döbeln sind sie gar verboten; aus welche Weise nun unfern fernstehenden Brüdern beizukommen? Wir haben darüber nachgedacht, und haben gefunden, daß wir nur mit ebenbürtigen Waffen unser Ziel erkämpfen werden, und unser Projekt hat bei den Arbeitern in unserer unmittelbaren Nähe Anklang gefunden. Arbeiter! Was sollen wir für unser Geld verfalzenes Lesefutter genießen? Wir wollen einen geistigen Consumverein gründen, damit wir ächte Waare erhalten. Wir wollen eine Gründung vornehmen, die sich von andern dadurch unterscheidet, daß es eine Arbeitergründung ist, welche nicht nur verschlingt, sondern nützliche Produkte hervorbringt, welche anderer- seitS nicht nur einige Aktionäre bereichert, sondern der Gesammt- beit zu Gute kommt. Gründen wir eine„Arbeiler-Zeitung", Organ für den 10. sächsischen Wahlkreis, welche von Arbeitern unterhalten und gelesen wird, bckden wir einen„Literarischen Verein", welcher sich die Sache zu eigen macht, so ähnlich, wie eS unsere Gesinnungsgenossen in andern Bezirken gemacht haben. Wohl ist es ein schwieriges Werk, eine„Arbeiter-Zeirung" zu gründen. Aber die Waldheimer Produktiv-Assoziation giebt uns ein Beispiel, was der Arbeiter kann, wenn er sich mit seiner Sache verständigt. Die„Arbeiter-Zeitung" soll bei niedrigstem Abonne menispreis vorläufig wöchentlich einmal erscheinen, muß aber, wenn sie lebensfähig werden soll, gleich einen großen Lesekreis finden. Darum tretet schon jetzt zusammen, berathet und agitirt für unser Projekt, und thut eS uns anher zu wissen, ob ihr eS zu verwirklichen gesonnen seid. Auch ersuchen wir alle freisinnigen Redaktionen, uns, die wir in diesem Fache neu sind, mit ihren Er fahrungen zur Seite zu springen. All- Zuschriften solchergestalt wolle man an den Vertrauensmann H. Wagner, Nr. 143 in Waldheim einsenden. Die„Arbeiter-Zeilung" wird an der Stirn einen sozial-politischen Leitartikel bringen, dem sich die politische Rundschau anschließen wird. Dann folgen Nachrichten aus dem Wahlkreise, Eorrespondenzen, Verschiedenes und ein Frage- und ein Briefkasten, in welchem zu gleicher Zeit die eingelaufenen Fragen beantwortet werden sollen, schließend den revaklionellen Theil. Den übrigen Raum füllen, wie bei andern Blättern, An- noncen auS. Bürger, Landleute, Ihr Alle, deren Hände Spuren von Arbeit zeigen, nehmt Euch unseres Projektes an, und macht eS zu Eurer vornehmsten Angelegenheit! Bildung, Wahrheit, Erkenntniß! Laßt uns vorarbeiten, der„Volksstaat", welcher dadurch gleichsam an Bedeutung gewinnen wird, thut das Fehlende hinzu, und der nächste Wahlsteg ist unser. Die Literar-Commission. Dresden, den 25. März. Am letzten Sonntag hatten wir in der„Deutschen Halle" geschlosseue Mitgliederversammlung, in «elcher neben der Wahl eines Vertrauensmannes noch die Abrech- nung über den Wahlsond auf der Tagesordnung stand. Genosse Lotze, Kassirer des LandeSwahlauSschusseS, gab einen sehr ein- henden Bericht über Einnahmen und Ausgaben des Wahlfondß, welcher in seinem Gesammtresultat im„Volksstaat" mitgetheilt wird. Zugleich wurde beschlossen, dem Parteiausschuß einen spe- stellen Kassenbericht einzusenden, sowie auch hiermit allen Den- jenigen, welche während der Wahlbewegung die Dresdner Partei- genossen materiell und auf andere Weise unterstützt haben, der Dank ausgesprochen sein soll. Wa« die Agitation selbst betrifft, so konnte dieselbe leider nicht so nachhaltig betrieben werden, wie wir eS selbst gewünscht hätten, es fehlte unS dazu an Kräften, zugleich aber auch, und daS war der Hauptfehler, an einem festen Stamm wohlorganisirter Parteigenossen. Seit den letzten ändert- halb Jahren war die Dresdner Parteimitgliedschaft der Tummel- platz persönlicher Zerwürfnisse, die leider dahin führten, daß sich ein großer Theil sonst tüchtiger Parteigenossen gänzlich zurückzog, was natürlich zur Folge hatte, daß zwei Monate vor der Wahl die Mitgliedschaft Dresdens vollständig desorganisirt war. Nur dem energischen Einschreiten einzelner fremder nach Dresden importirter Elemente gelang eS, endlich Frieden herzustellen, die Agitation und Organisation für die bevorstehende Wahl ein- zuleiten und festzustellen. An einen Wahlsteg in einem der beiden Dresdener Wahlkreise(Alt- oder Neustadt) war von vornherein nicht zu denken; es galt nur, die Stärke der Partei festzustellen. Aus diesem Grunde vermieden wir es auch, irgendwie fremde Kräfte für unS zu beanspruchen. Der naheliegende 6. Wahlkreis Wilsdruff-Tharandt wurde von seinem Candidaten Bürger Eckstein auS Watdheim, sowie den unermüdlichen Deubener Parteigenossen bearbeitet; eine ganze Reihe von Versammlungen wurde in diesem Wahlkreis abgehalten, und wäre dort eine reiche Saat zn ernten, wenn es unS nur nicht total an Kräften fehlte, welche die ein- zelnen Orte organisiren und mit den Prinzipien der Partei ver- traut machen könnten. Es ist selten, daß sich ein Parteigenosse der Mühe unterzöge, an einem Sonntag rück irgend- einem der großen Jndustriedörfer oder kleinen Siädtchen der Umgegend zu gehen und dort für unsere Sache zu wirken. Aber nicht genug damit, es gibt Viele, die sich Parteigenossen nennen und die den- noch um die Agitation sich gar nicht kümmern, selbst in den Partei- Versammlungen lassen sie sich äußerst selten sehen, es Einzelnen überlassend, dafür zu sorgen, daß in den kleineren Versammlungen, wo die Parteigenossen sich zusammenfinden, um sich gegenseitig zu belehren, auch für geistige Speise gesorgt wird. Zersplittert in eine ganze Reihe von Sonderorganisationen fehlt der gemein- same Geist. Im 4. Wahlkreise haben wir besonders in Königsbrück festen Boden gefaßt, aber anch Radeburg, Radeberg und noch mehrere Städtchen wären Orte, w» es bloS des Anstoßes bedarf, um eine lebenskräftige Mitgliedschaft zu gründen. Was nun die Altstadt selbst betrifft, so konnten wir beim ersten Wahlgange wenig thun, wir mußten unsere Kräfte zu sehr zersplittern; um desto energischer griffen wir bei der Stichwahl ein, und, das ge«iß auch nach auswärts überraschend wirkende Resultat der Stichwahl, bei welcher wir fast die doppelte Stimmenzahl der ersten Wahl auf unfern Candidaten vereinigten, war lediglich das Ergebniß einer ansge- zeichnete« Organisation, die wir noch in den letzten Tagen schufen. An hundertfünfzig Mann waren die letzten drei Tage auf den Beinen, in jedes Haus, in jede Stube wurden unsere Aufrufe und Stimmzettel getragen und Alles aufgeboten, um den Gegnern den Sieg so schwer als möglich zu machen. Die Gegner selbst wür» digten diese unsere Thäiizkeit vollständig und hatten dieselben durchaus keine große Zuversicht. W:r selbst aber glaubten niemals an einen Sieg unserseits. Recht possierlich war auch das Gebahren unserer Gegner unter einander selbst. Während sie sich beim ersten Wahlgang in der unfläthizsten Weise beschimpften und verdäch- tigten, fielen sie sich, nachdem ihnen bloS mehr die Wahl zwischen Jacoby und Minckwitz blieb, brüderlich in die Arme, um die Feinde der Ordnung und des„Reichs", die wir nun schon einmal sein müssen, zu bekämpfen. Daß eS auch an Wahlbeeinfluffungen nicht fehlte, ist unter den jetzigen gesellschaftlichen Verhältnissen, die ja eine unabhängige politische Stellung für die größte Masse der Bevölk rnng von vornherein ausschließen, selbstverständlich. Doch maß, soweit es sich um den 5. Wahlkreis(Altstadt- Dresden) handelt, lobend an- erkannt werden, daß sowohl der Wahlcommissar wie auch die ein- z-lnen Wahlvorsteher vollständig den Geist des Wahlgesetzes in wirklich liberalem Sinne auffaßten. Aus dem 4. und 6. Wahl- kreis läßt sich letzteres freilich»icht behaupten, denn dort wurden in einzelnen ländlichen Wahlbezirken geradezu skandalöse Wahl- beeinflussnngen vorgenommen. In vielen Orlen wnrden die Wahlzettel für die Arbeitercandidaten als ungiltig zurückgewiesen, an andern Orten, wie z. B. in Ottendorf und Radeburg, die zur Ueberwachung der Wahlhandlung bestimmten Arbeiter aus dem Wahllokale buchstäblich hinausgeworfen und so manche andere Unart getrieben. Zum Schlüsse soll noch erwähnt sein, daß die Ab- lehnuna Jacoby's hier einen sehr ungünstigen Eindruck gemacht hat, und wir konnten uns nur Glück dazu wünschen, daß wir bei ver Stichwahl nicht gesiegt hatten, denn eine Neuwahl, die ja durch Jacoby's Ablehnung unvermeivlich gewesen wäre, hätte unbestreitbar eine kolossale Niederlage für unS ergeben. �äerfin. Es ist wohl wieder an der Zeit, unfern Partei- genossen etwas über unsere Bewegung am hrestgeu Platze mitzu- theil-n. Die Wahlbewegung liegt hinter uns nnd ich möchte sagen, glücklicherweise, da dieselbe zwar unsere Kräfte sehr in An- spruch genommen, unsere Agitation aber aus den genügend be- kannten Gründen wenig gefördert hat. Erst in der letzten Zeit entwickelt sich, unterstützt durch die Anwesenheit der ReichStagSab- geordneten, wieder ein reaes Parteileben. Es kann nicht meine Aufgabe sein, über jede Versammlung zu berichten, doch will ich den Lesern des„Votksstaat" einige inreressante Vorkommnisse nicht vorenthalten. Am 1. März fand auf Königshöhe eine von 400—500 Per- sonen besuchte allgemeine Parteiversammlung statt, in der Most nnd Motteler unter großem Beifall über die Stellung der Sozialdemokratie zur religiösen Frage reserirten. Acht Tage darauf fand im Saale des Handwerkervereins eine große Versammlung des Berliner Arbeitervereins Schnlzescher Richtung statt, zu der auch Mitglieder der Hirsch-Duncker'schen Gewerkoereine, des Held'schen Radikal- Reformo-reins sowie unserer Partei gegen Vorzeigung ihrer Mitgliedskarte Zutritt hatten. Tagesordnung war: das Reichs- Preßgesetz, das Militärgesetz und die Novelle zur Gewerbeordnung, Referenten die Herren Nathan Schlesinger, R. Krebs und Liebscher, alle drei treue Anhänger Schulze-Delitzsch'S. Nach einer längeren Debatte, an der sich unsererseits Heinfch, Metzner, Hank, Schufter und Andere betheiligten, wurden zn allen drei Vorlagen die von unser» Genoffen gestellten Resolutionen, die unserm Programm entsprechend sormulirt waren, mit großer Majorität angenommen, und siehe da, die ganze liberale Presse, welche für diese Versamm- lung Reklame gemacht hatte, schwieg das Resultat derselben todt. Freilich konnte man nicht von Sprengen durch Sozialdemagogen reden, halten doch unsere Genossen sogar daS Bureau stillschweigend den Einberusern überlassen, und da wäre eS doch zu beschämend gewesen, einzugestehen, daß man von den„20 Bebelianeru" über- stimmt worden sei. Am 15. März feierten wir auf Königshöhe ein allgemeine« Arbetterfest zur Feier unserer Wahlsiege, bestehend in Concert, Gesangsvorträgen, Festrede und Massengesang. Trotz des sehr schlechten WetterS war das äußerst geräumige Lokal gefüllt und ernteten neben der Festrede MottelerS namentlich die Gesangsvorträge äußerst stürmischen Beifall. Für den 18. März, den Jahrestag der Commune und des Berliner Straßenkampfs, hatten wir wiederum eine Gedenkfeier veranstaltet und zwar in Grätz's Salon. Eingeleitet wurde die- selbe durch den Gesang des LredeS:„Arbeiter, all' erwacht." Hierauf sp-ach Vahlteich in der ihm eigenen ruhigen und doch so wirksamen Weise über die Bedeutung des TageS, worauf mit dem Gesänge„So stehen wir voll Muth und Kraft" der erste Theil der Fe' er schloß. Der zweite Theil wurve durch Vorträge und Deklamationen ausgefüllt. Auch diese der Bedeutung des TageS entsprechenve Feier wurde von der gesummten Presse todtgeschwiegen. • Da Vahlteich die Commune mehr allgemein behandelt hatte, so hielt am 23. Marz Most unter großem Beifall einen Vortrag über die Geschichte der Commune. DaS wäre das Wesentlichste, waS ich von der Parteibewegung mitzutheilen hätte; weniger Erfreuliches ist über die Gewerkschaftsbewegung zu berichten, die fast ganz darniederliegt. Ueber die Gründe ein andermal, eb. ß'iseiyach, 22. März.„Der Kampf mit dem Lindwurm". Vor einiger Zett lasen wir im hiesigen Blatte unter„Gemeinnützige«": „Ja nächster Woche wird der Wanderlehrer Dr. Linvwurm unsere Gegend besuchen und hier in der Umgegend Vorträge halten, um der Sozialdemokratie, die bei der Landbevölkerung schon um sich greift, zu steuern u. s. w." Und kurz darauf Folgendes:„Volks- ttifcn niüniö zu„Thal" auf tem„Heiligerlflein", Scnniag, den IS. Zl�äiz, punlt 4 Uhr NcclwitlagS. Tagetcrtrnrg: Vortrag des Henn Warderlehrer Dr. Lintwmm ans BraunsSweig über die S.oihwerdigkeit zur Gründung eineS Bilduugkvereins und dessen Beitrag zur Lösung der sozialen Frage, Entree 1 HS 10 Sgr." Trotz„Entree" und schlechten MetterS waren wir doch neugierig zu wissen, was dieser BrldungSapostel wollte. Der Ein- derufer der Versamwlnng, ein Amtmann, eröfsnete dieselbe und »hne ein Bureau Wahlen zu lassen, ertheilte er dem Dr. Lind- wurm daS Wort, welcher nun zuerst nicht« weiter zu lhun hatte, als seinen Geiser ans die Sozialdemokraten zu speien. Tic- jenigen, die sich nur allein Arbeiter nennen, weinte Lindwurm, müßten aber, wenn sie sich eS vernünftig überlegten, wohl zugeben, daß das Kapital nicht von sich selbst sich vergrößere, sondern man müsse e« nützlich anlegen, und dazu gehöre Kops oder geistige Arbeit. Tics war für uns eine Lehre. Lassen wir jedoch den Lindwurm weiter predigen:„Die Fabrikbesitzer und Kapitalisten hätten sich schon an vielen Stellen„human" gezeigt, sie haben Krankenkassen und Consumvereine gegründet, welches dem Arbeiter mit zu gute kommt, in Folge dessen müssen sie, die Arbeiter, auch mit ihnen Hand in Hand gehen. Aber die Arbeiter seien zu wenig gebildet, sonst würden sie es längst eingesehen haben. Die Unbildung ließe sich schon auS Beispielen beweisen, z. B.: ein Straßenseger faßt den Besen beim Kehren ungeschickter an wie der andere, bei Dienstmädchen, welche Feuer anmachten, sei es ja dasselbe, und ein Heizer in der Fabrik verbrennt mehr Kohlen wie der andere, in Folge dessen wäre es wohl an der Zeit, daß man „Bildungsvereine" gründe, damit die Arbeiter„gebildeter" würden- Die Priester sollten die Sache mit in die Hand nehmen und in ihren Mußestunden das Volk dazu anhalten. Störe Lehren für unS. Parteigenosse Giffey ergriff hierauf das Wort und wider- legte Dr. Lindwurm schlagend. Der böse Sozialdemokrat wußte sogar zu rügen, daß bei einer Volksversammlung Entree genommen wird, er erblicke darin eine Ausbeutung des Volkes, was doch Lindwurm wohl nicht nöthig hätte, da er doch 2000 Thlr. jähr- lich Gehalt beziehe und außerdem nock 4 Thlr. täglich Reisespesen erhalte. Ferner wies Giffey den verleumderischen Angriff zurück, daß die Sozialdemokratie mit den Ultramontanen Hand in Hand ginge. Man solle sich einer Rede Ballestrcm's erinncrn, die dieser in einer Session des stüheren ReichSragS hielt, und in der eS heißt:„Um aber den Arbeiter vor der Znternationale zu be- wahren, müsse man ihm Gelegenheit geben,„Gottes Wort" zu hören". Diese Auslassung sei von den Ultramontanen mit großen Beifall ausgenommen worden. Auf die Bildungsbestrebungen des Dr. Lindwurm entgegnete Giffey, daß die Partei, der Dr. Lind- wurm angehöre, schon seit 1848 an dem Volke herumbitde, sie hätte eS denn auch richtig dahin gebracht, die von ihr geleiteten Arbeiter zu verbilden. Es schien jedoch dem Dr. Lindwurm nicht zu behagen, als Giffey dieses alles aufdeckte, denw die Herren� vom Comitö firgen an Skandal zu machen, in den einige Au& Keiderkerg, 18. März. Vierundsechzig Stimmen bei der ReichStogSwaht! Ein trauriges Zeichen für eine Stadt wie Heidel- berg, ein noch traurigeres Zeichen sür die Arbeiter Heidelbergs. Man sollte es kaum sür möglich halten, daß in einer Stadt, die 22.000 Einwohner hat, und in der schon lange eine Partei be steht, nur 64 Stimmen sür den Arbeitercandidaten(Most) abze geben sind. Allein, wenn man bedenkt, daß wir hier keinen Redner haben, daß in Mitgliedversammlungen vier Mann anwesend sind, daß wir kein ordentliche« Lokal bekommen konnten, waS für Wahl- becinfluffungen vorgekommen sind, daß selbst die Arbeiter gleich- gültig sind, sogar meistens feindselig gegen ihr eigenes Wohl, dann sind die 64 Stimmen nicht zu verwundern. Dann konnten wir einige Zeit vor der Wahl keine Volksversammlungen abhalten, weil wir kein Lokal hatten; und als wir knapp vor dem Wahltag einige halten konnten, waren sie schlecht besucht. Die Gegner glänzten wie gewöhnlich durch Nichterscheinen. Und doch herrschte, trotz dieses Zeichens unserer Schwäche, eine ordentliche Furcht vor uns. Es war zum Lachen, wenn man die Bierphilister am Abend vor der Wahl sich in die Ohren tuscheln hörte: Wieviel Stimmen werden sie bekommen? Das rothe Gespenst ist jetzt auch bei uns eingezogen, das Gift der Menschheit auch hier eingedrungen! Und auch jetzt nach der Wahl scheut man keine Mühe und keine Kosten, um uns zu unterdrücken. Sogar die Narrengesell- schaften haben den Krieg gegen uns eröffnet. Nämlich durch die haben wir das einzige Lokal, was wir bekommen konnten, ver- loren. Wir sind nun daraus angewiesen, Montags still zusammen- zukommen, um unsere Meinungen untereinander auszutauschen. Man glaubte, durch Entziehung des Lokals uns Wenige noch aus- einander zu sprengen; aber man hat sich geirrt. Wir sind zwar wenige, aber wahre Sozialremokraten, die nicht wegen eines Red- ners, sondern wegen der heiligen Sache, für die wir kämpfen, zusammenkommen. Wenn alle Mitgliedschaften so ihrer heiligen Aufgabe bewußt sind, so ihre Pflichten erfüllen, wie unser kleines Häuflein, dann kann der Tag des Sieges nicht allzuferne mehr sein; dann erzielen wir in drei Iahren an allen Orten noch größere Resultate. Ein wichtiges Kapitel waren, wie an allen Orten, die Wahlbeeinfluffungen, die Benutzung der Arbeiter zu Stimmvieh. Da kam der Kleinmcister mit zwei Gesellen, ließ sich drei Zettel (natürlich„liberale") geben, ging mit den Gesellen hinein und ließ sie die Zettel in die Urne werfen. Und erst in Fabriken! Unter den Hunderten von Beispielen, die man aufzählen könnte, nur einS: Der Fabrikant M. ließ sich auS dem Wahllokal am Roth- wo Parteigenosse Ikert stand, Zettel holen für den„Libe- ralen", ließ dann seine Arbeiter militärisch antreten, zog mit ihnen anS Wahllokal, gab jedem seinen Zettel, ließ sie dann einzeln an sich Vorbeimarschiren, so daß keiner einen„rothen" oder einen „schwarzen" Zettel bekommen konnte. Klingt das nicht Wahlftei- heit wie Spott, wie Hohn? Auch ein Stückchen zur Harkortschen Rohheitsstatlstik können wir liefern. Am Museum stand Partei- genösse Eber. Auf die Aufrage eines feingekleideten Herrn, was Breslau beuter des Volkes mit einstimmten, sie wurden aber wieder zur sgr Zettel er hätte, antwortete er: sozialdemokratische. WaS war QeV- i--. X-_ j. x... w /vtz. w' k.. 4 v««« a rir. sikCn«««'« Vv».tv* v* V. rt k.' l w.a. w.o � jj cl....... er£VJ"\.....• y y• r Ruhe gebracht und Giffey sprach weiter:„Wenn die Herren doch wirklich von der Gerechtigkeit ihrer Sache überzeugt wären, so möchten sie uns moralisch gegenübertreten", aber die Herren schienen keine moralische Waffe zu haben, denn der Vorsitzende schloß die Versammlung und verschwand mit Lindwurm auf Nimmerwieder die Antwort des„gebildeten" Herrn? Wenn ich hier zu sagen hätte, ließ ich Sie hinauswerfen.— Aber dies Alles wird den Geist der Wahrheit nicht hemmen können; in den Köpfen der Ar- beiter Heidelbergs wird es auch Licht werden; keine Macht der Erde kann es verhindern, daß der wahre Fortschritt, die Sozial- sehen. Die Arbeiter aber, die dieser Art von Bildung keinen Gc-! demokratie, sieb immer mehr ausbreiten wird, trotz Kaiser und schmack abgewinnen konnten, stimmten das Lied an: Reich, trotz Pfaff und Geldsack. Man kann uns ins Gesänguiß „Es tönt ein Ruf von Land zu Land, gversen, man kann unS knechten und tödten, aber den Geist der Ihr Armen reichet Euch die Hand rc." Wahrheit, des Rechts und der Freiheit, den kann man unS nicht Dem Lindwurm wird hoffentlich der Appetit vergangen sein, in auS der Brust reißen. Den Geist jener Männer, die ihre Ueber- Eisenach weiter zu bilden;� und wir wünschen, daß unsere Partei- zeugung mit dem Leben büßen mußten/ auf die unS der heutige genoffen unserm' Beispiel folgen. Bemerkt sei noch, daß wir für den nächsten Sonntag eine Volksversammlung einberufeu haben mit der Tagesordnung: Was will der Lindwurm in Thüringen? Mit sozialdemokratischem Gruß DaS Agitationecomitö für Eisenach. JSrannschweig. Im Austrage des Ausschusses der Gewerk- schafl der Maler, Lackirer und Vergolder zu Braunschweig ersuche ich den Vertrauensmann der Partei oder sonst einen Parteigenossen in Cassel mir, wenn irgend möglich schnell, die genaue Adresse eines zuverlässigen Genoffen der genannten Gewerbe zu übersen- den, oder mir auf eine sichere Weise Auskunft zu ertheilen, wie eS möglich— der(Ausschuß oben genannter Gewerkschaft hat auf die ersten Tage des Juni d. I. einen Congreß nach Cassel anberaumt und da nach dort bis jetzt keine andere Anknüpfung möglich gewesen ist, hat sich die öffentliche Aufforderung nöthig gemacht, um zu Adressen zu gelaugen—, daß in Cassel ein Lokal zur Abhaltung des Congresses nebst polizeilicher Erlaubniß zu er- langen ist. Da es Pflicht ist, uns in jeder Beziehung unrerein- ander zu unterstützen, sehe ich.einer schnellen Antwort freundschast- lich und dankend entgegen. Theodor Rosenkranz, Geschäftsführer des Ausschuffes. Derenburgtwete Nr. 1.- Aarmen, 28. März. Die Vertrauensmänner der sozialdemo- kratischen Partei in Rheinland und Westphalen, sowie diejenigen Parteigenossen an den Orten, wo noch keine Mitgliedschaften be- stehen und die die Verbreitung der sozialdemokratischen Prinzipien sich angelegen sein lassen wollen, werden sreundlichst ersucht, ihre genaue Adresse an den Vorsitzenden des Rheinisch-Wcstphälischen AgitationScomilö's baldigst gelangen zu lassen. C. Leiverkus, Beckmannshosstr. 5a, Barmen. Aarmen. Für Samstag, den 21. März, Abends, hatten un- sere hiesigen Parteigenossen eine Märzseier veranstaltet, bestehend in Concert, Theater- Aufführung und deklamatorischen Vorträgen. Der Besuch der Feier war ein guter zu nennen, c» konnten etwa 400 Personen anwesend sein. DaS von einem unserer hiesigen Parteigenossen verfaßte Theaterstück,„Die Gründer", fand, sowohl waS die Aufführung, als auch daS Stück selbst anbetrifft, den un- getheiltesten Beifall. Die Festrede hielt Parteigenosse G. Werth. Hr. Röll gab ein prächtiges Gedicht, betitelt„DaS Menschenalter", zum Besten. Hr. Welte feierte daS Andenken an die gefallenen Märzhelden von 1871, ebenso Parteigenosse Hugo Hillmann das der Kämpfer von 1848. Ein DenunziationSartikel im„Bergisch- Märkischen Generalanzeiger" gab Hrn. H. Hillmann sowohl, als auch einem Mitglied- des Allgem. d. Arbeiter vereinS Anlaß, das Verfahren der Preßhusaren ins rechte Licht zu stellen. Dem zum Fest anwesend gewesenen Schreiber beregten Artikels wird wohl aus einige Zeit die Lust vergangen sein, seine schwarz-weiß-national- liberalen, meinetwegen auch„fortschrittlichen" Geistesfunken gegen die Sozialdemokratie zu versprühen. EnvähnenSwerth ist» daß, während die Petroleure und Petroleusen ihre„verbrecherische" Er- innerung an die ebenso„verbrecherischen" Märzrebellen im Saale feierten, die Mordspatrioten ihr Wesen aus Anlaß des Kaiser geburtötags auf der Straße trieben und die armen Spießbürger durch ununterbrochenes Knallen gar nicht zum Schlafen kommen ließen. Die Feier hat einen für uns äußerst günstigen Verlauf genommen. R. Böhm. Arteiterverein Geselligkeit. Sonntag, d. 5. ds?. M., Abends von 8 Uhr ab: Gesellige Zusammenkunst mit Dame» im„Cafee Sanssouci," Mehlgasse 4 parterre, links. Recht zahlreiche Betheiliguug von Mitgliedern und Gästen wünscht Der Borstand. Borher von Punkt 6 Uhr ab, in demselben Lokale:„Geschlossene Mitgliederversammlung."— Die Anwesenheit sämmtlicher Mitglieder ist unbedingt nothweudig.__ D. V. Ofßlttmim Sozialbemokratisq! Arbeiterpartei. Kommenden Ostermontag: Graft Tau, Unterhaltung im«asthaf ,um Schwan, wozu die Parteigenossen und Gewerkschaften von hier und Umgegend freundlichst eingeladen sind. Eutr« für Partei- u. Gewerkschaftsmitglieder 18 kr., Richtmitglieder 48 kr. Anfang Nachmittags 4 Uhr. Der Ausschuß. Hamburg u. Umgegend Mittwoch, d. 8. April, Abends halb 9 Uhr: Oesscutliche Versammlung der Cigarrenarbeiter im Lokale des Herr» Thomsen(Orphenm) Neue Neustraße 25. T.-O.: 1. Berathung über Mittel und Wege zur Besserung unserer Lage. 2. Berschiedenes._ I. A. der Kommission G. Herzig. s2a Verband der Klempner und verw. Berufsgenossen. Sonnabend, d. 4. April, präc. halb 9 Uhr Abends: Generalversammlung, Schoppenstehl Nr. 22. T.-O.: 1. Abrechnung. 2. Neuwahl des Ortsvorstandes. 3. Wahl eines Deligirten. 4. Prüfung von Anträgen. 5. Verschiedenes. Wegen Wichtigkeit der Sache ist es Pflicht eines Jeden zu dieser Versammlung zu erscheinen._ Ferd. Reese, Bevm. Hamburg-Altona Gewerkschaft der Holzarbeiter. Ostersonntag, den 5. April, Nachmittag« 3 Ubr: Krankeukassen- und Gewerkschaft«- Generalversammlung im Schuhmacheramthaus, Altona, Berenstraße. Cs ist durchaus nothwendig, daß Alle kommen. Der Ausschuß. Leistjig Arbeiterbildnngs- Verein. Charfreitag Abend: Gesellige Zusammenkunft. Sozial-demokratischer Arbeiterverein. Sonnabend,„d. 4. April, Abends 8 Uhr, bei Zeidler: Geschlossene Mitglieder-Versamüilung.. Tagesordnung: Kassenbericht. Vereinsangelegenheiten. Mitglied«- st> karten sind vorzuzeigen. Präsenzliste liegt auf. Alle Mitglieder müssen w erscheinen D. V. zu Den 1. Osterfeiertag Nachmittag« gemeinsamer Spazier- be gang nach Kleinzschocher. Zusammenkunft um 2 Uhr in der Ver- ne einSbrauerei, Abmarsch Punkt 3 Uhr. P, Am 2. Osterseierrag Ausflug mit Damen über Thonberg, Stöt- nx teritz, Holzhausen, Fuchshain nach N au n h o f. Abmarsch Bormtttags � 9 Uhr vom �Gasthof zum Tbonberg.wozu die Mitglieder der Arbeiter-;� vereine und Gesinnungsgenossen von Reudnitz, Thonberg, Stötteritz, Gr.- und Kleinzschocher, Plugwitz, Lindenau, Gohlis, Connewitz:c. freundlich�. eingeladen werden.(Bei Regenwetter unterbleibt der Ausflug.) W' I. A.: W. Fink. � S>e" �arUi|?enoffen"nb Freunden von Stade»nd Um- gegend wird hierdurch bekannt gegeben, daß der„Volksstaat/ in folgenden Wirthschaftslokalen ausliegt: Bei C. Tietgens, zum Gutenberg; I Bergsten, Schneidcrherbergep A. Ehlers, Holzstraße und I. Wedekind, Hvhenthorsvorstadt. Es äst wünscheuswerth, diese Lokale nach Bedarf-besonders zu berllck-H� sichtigen. Ferner abonnirt man auf den„Bolkestaae" Quartal- wie, Monatsweise bei E. Wildsta cke, Langetwinte 675 sowie bei I. Stahl- � bock, Beguincnstraße. Auch werden daselbst einzelne Nummern znrjp11 Probe ausgegeben._ Der Vertrauensmann. Iu Jyäi Gesucht unter sehr günstigen Bedingungen ein Lehrling für mein Geschäft alifLg gleich oder später. H. R. Kaht, Schneidermeister. Lei Tag hinweist, wird man nicht tödten können. Klagenfurt, 19. März. Am 12. März wurde der Heraus- geber des„Sozialpolitischen Volksblattes" Gustav Fernkorn wegen Preßvergehens zu drei Monaten verschärften Gefängnisses und Ausweisung aus Kärnten verurtheilt. Die Herren Bourgeois- Geschwornen sprechen natüilich wohl Jemanden frei, der die Pfaffen frißt, dabei aber den heiligen Geldsack in Ruhe läßt. Zu be- merken ist, daß der inkriminirte Artikel dem Buche von Stamm! „Darbende Menschheit" entlehnt war. Die löbliche Staatsanwalt- schaft konnte früher in dem Buche nichts„Gefährliches" finden, erst als die Presse sich dessen Inhalts bemächtigt, glaubt sie ein- schreiten zu müssen. Selbstverständlich wurde die NichtigkeitS- beschwerde angemeldet und haben daher die Herren Geschworenen Gelegenheit, zu zeigen, wie sie hierüber denken. DaS„Sozial- politische Volksblatt" ist einstweilen auf drei Monate fuSpendirt worden. Bremerhaven, Mürelstraße. vdr Gleichzeitig halte mich den geebrteu Parteigenossen, foivie den Ge». werkschastsmitgliedern besten« empfohlen. s3as_ D. O._?etl TodeS-Änzeiflt. � Bnefkaste« der Redaktion. G. R. in Dresden: der Brief wird besorgt. M. Kapser iu Breslau: Für Sie liegt ein Brief bei un«; bitte um Angabe genauer Adresse. C. L. in Fluntein: Brief folgt demnächst: das Gewünschte besorgt. der Expedition. W. Vpk Breslau Ab. 20 thlr., Dlk Untertürkheim Schr. gr. 6 5, C. Brsmn Forste Ab. 1. Qu. 7 thlr., Rest 21 gr., Mxnr Jägern dors Ab. 2. Q». 2 thlr., Ihr Guthaben bttgt. jetzt 17 gr., Wlf hier Ab. 2. Ou. 16 gr., Brbm Gotha Ab. Jan. 6 thlr., Schndr Mar- bürg Pchr. thlr. 1 18, H. Pchlr Gößnitz Ab. 2. Qu. thlr. 4 5 5, Schr. 10 gr., Hrtmnn Mainz Ab. 1. Ou. thlr. 8 4 2, Q. Dresden Ab. März 6 gr., Js Schr Gloggnitz Ab. 2. Qu. tblr. 1 21, Cpr hier Schr. gr. 13 4, Sgl Eggerfce Schr. 5 gr., Dll München- Gladbach Schr. 18 gr., M. hier Ad. 2. Ou. gr. 17 5, Schr. 7 gr., Sfrt hier Schr. 5 thlr., H. Hß Erfurt Ab. 1. Qu. 25 thlr., Krschm Wiedcritsch Ab. 1. Qu. tblr. 1 5, Fachv. der Holzarbeiter Linz Ab. 2 Ou. tblr. 1 4, Rchhrt Hamburg Ab. 2. Qu. thlr. 1 5, S. Frbr Cosel Ab. 2. Qu. thlr. 1 12, F. Stnsffr Berlin Schr. 14 gr., Hllrgl Trieft Ab. 2. Qu. 1 thlr., Fr. Schlchtr Dresden Ab. 4. Qu. 5 thlr., G. Hnrchs Cöln Ab. 1. Qu. 40 thlr., Schrdr Constani Ab. 1. Qu. 2 thlr.— G. Fchs Neumark i/S.: Sie haben bei der Post nur 16 gr. f. Abonn. zu bezahlen, die Besorgung durch Briefträger in« Hau« kostet 2 gr. 5 pf. Joh. Fschr Bischofsgrün: Sie zahlten s. März 8 gr. 5 Pf., soviel kostet eben Ihr MonatSabonn. Emil Rmann(wo? Ihre Corresp.-Karte hat keinen Poststempel): Außer Sachsen wird nur auf die zwei ersten Monate Post- Abonnement ange> nommen, nicht auf den ersten allein. 14. lachs. Wahlkreis. Am Ostersonntage, Nachmittags 2 Uhr, findet zu Narsdorf bei Gastwirth Krasselt(Bahnhofs- Restauration) eine Conferenz statt, wozu die Parteigenossen au» Geithain, Rochlitz, Penig, Colditz, Lausigk, Frohburg, Lunzenau und Wechselburg DelegiNe entsenden wollen. Tagesordnung: Die Agitation und Organisation. Rückblick auf die jüngste Wahlbewegung im 14. sächs. Wahlkreise. Der ParteiauSschuß. I. A.: A. Gcib. GHtlläluiVil Soüaldemokratische Arbeiterpartei. Z&U})vUUlty Samstag, den 4. April, Abend« 8 Uhr; Versamm- lnng in der„Schützenhalle."_ F. Huttenloher, Vertrm. (Kjrtt»!}«« Gewerkschaft der Manusakturarbeiter. Sonnabend, den 4. April, Abends 8 Uhr: Versammlung bei Möwes, Weierstraße 24/a.— Jede« Mitglied muß pünkilich am Platze sein. C. Fiker, Vertrm. Allen Freunden und Bekannten, vorzüglich den Freunden in Glauchau�( und Gera, zur Nachricht, daß unser Mitglied Nikol. Kiazel au« Meuscl- witz(Baiern) nach einem zehnmonatelaugin Krankenlager verschieden ist,�" und haben wir den treuen Kämpfer für„Recht und Wahrheit" a» 24. März in aller Stille zu Grabe begleitet, wa« wir hierdurch tiefgerührt anzeigen. Greiz, am 30. März 1874.. I. Ausirag de« Weber-Bereins: O. Flamm, z. Z. Vors. �-"*■ n'''■ de Die Hutfadrik-Genossenschaft Kleine Fleische, gaffe 2u in Leipzig empfiehlt ihr Lager in Titz- und Seidonhüten neuester Patzon zu den billigsten Preisen.— Reparaturen gut, schnell und billigst. Hosen. 1er M de, -ck Aecht Englisch Lederhosen ä Stück 1 Thlr. 15 Sgr. „ Cord-Hosen ä Stück 1 Thlr., 15 Sgr, „ Starke Stoff- Hosen ä Stück 2 Thlr. 15 Sgr. „ Militär-Drillhosen ä Stück 1 Thlr. „ Baumwollene feste Arbeitshosen ä Stück 27'/, Sgr. empfiehlt Sie «II Nu nie SEo „U Louis Guttmann J JN] Xo. 24 Grimmaische Strasse in Leipzig No. 2� Soeial-Demokrat. 2. Jahrgang, erscheint in Hamburg einmal wöchentlich. HerauSgegeber� von Mitgliedern de« Allgemeinen deutschen Arbeiteroerein«. i Preis 10 Sgr. pro Quartal. Alle Postämter nehmen Bestellung�. [2b] N an. I Soeben ist erschienen und durch die Unterzeichnete zu beziehen: Allerhand Proletarier. Eine Haussieschichte von A. Otto-Walster. K (Sevaratabdruck aus dem„ Bolksstaat"-Sr-ähler.) Preis brofch. 5 Sgr., gebunden 7>/, Sgr. 0i Expedition de»„Bolksstaat.''/el An die Schriften-Filialen. Alle Schriften, für welche nicht augenblickliche Verwendung ist, »av-« 1'"v Q t nf v» a... CX.... a l. o 41.. W Cl o 1 K C\f l. niv.vniyi UlUjH UUV) t II vi lUlliy v-wvu/tllWUll� l|lf v'"ai sonder« 4. und 5. Lief, vom Hochverraths-Prozeß, sind bi« 15. AprKi an un« zu remitliren. Was bi« dorthin nicht zurück ist, muß behalt�i, und sofort bezahlt werden. Von den auf Lager behaltenen Schriften>)r, ein Verzeichniß einzusenden.[u Leipzig. 1. April 1874.* [3a] Die Expedition des Bolksstaat. do �'N Leipzig: Lerantw. Redakteur: M.Preißer.(Redaktion u. Expediten Zeitzerstr. 44.) Druck und Verlag her Genoffeuschastsbuchdruckerei. i