Erscheint in Knpzig jxr. Mittwoch, Freitag, Sonnlag. ° � Bestellungen nehmen an alle Postanstaiten u. Buchhand- — Illingen des In- u.Auslandes. Filial-Expeditionen für die >«' Vereinigten Staaten: F. Ä. Sorge, Box 101 Hoboken, N. J. L— Wm. Lueders, 409 Maystr. Chicago, Jll, gt' Heter Haß, hes. 8. Vf. Corner Third and coates str. Philadelphia. Abonnementspreis: Für Preußen incl. Stempel- steuer 21'/, Sgr., für die übrigen Deutfchen Staaten IL Sgr. pro Quartal. Monats- Ab onnement» werden bei allen Deutfchen Postanstalten auf den üten u. llten Monat und auf de» 3ten Monat besonders an- genommen, iniKgr. Sachsen u. Hrzth. Sachs.-Altenburg auch aus den Iten Monat a 5>/j Sgr. angenommen. DrgandersozialdemokratischenArveUerpaMMdderwternattonalwGejverksgenosseuschasten. ic«- ort-. Inserate, die Abhalwng von Partei-, Vereins- und Volksversammlungen, sowie die Filial-Expeditionen und sonstigt Partei- Ar gelegmheiten betrefseud, werden mit 1 Sgr., Anzeigen mit 2 Sgr. die dreigespaltene Petit-Zeile berechnet. Privat- und VergnügungS- � Nr 55 Mitwochs 13 Mai. 1874. 's aec- ung Ein Blick in eine Fabrik. sts». Es geschehen Zeichen und Wunder: unser alter Bekannter, der 'ozialislenfresser und Mordspatriot Johannes Scherr hat r>ll� einen Blick in eine Fabrik" gethan, und was er da gesehen, hat sozialistensresserisches Herz„ergriffen", und ihm eine ver- lchtende Anklage gegen den modernen Jndustrialismus abge- -"Zungen. Hören wir: »Ich sollte bald Schlimmeres sehen als diese dröhnenden Essen, , weißglühende Metallströme aus den stöhnenden Kupalöfen in — p Gußsormen rannen, roihe Metallklumpen unter den Schlägen st Dampfhämmer Funken sprühten, mächtige Metallcylinder glatt �.libreht, große Eisenplatten gewalzt und gehobelt wurden, wo man d««ipt den eisernen Körper eines Dampfers, hier die komplizirte .�Maschinerie einer Lokomotive zusammensetzen sah. ES' war azer�igstens etwas Mannhaftes in dem tosenden Treiben. -ich«�»Anders gestaltete sich die Szene, als wir in die Region der � lnfaumwolle hinüber gingen und den Prozeß dieser Industrie vom >-{Tlln bis zum letzten StadkUm mitansahen. Schon der entsetzliche �fst in diesen Sälen und Korridoren mußte das Herz zusam- nag �Ichnüren. Und diese weißen Sklaven, entnervt durch den be- g«.«ndigen Aufenthalt in einer Dampfatmosphäre, versumpft durch che- lls ewige Einerlei einer maschinenmäßigen Arbeit,— diese armen ■"cher mit den gelben, blau-grauen Gesichtern, verdammt, tag- Wch eine unerbittliche Maschine zu bedienen und dann Abends *■"'Qeicht noch einen Weg von einer Stunde oder sogar von zwei __. �äckzulegen, um ihr ärmliches Lager zu erreichen,— diese bleichen mischen Frauen, von Morgens 6 Uhr bis Abends 7 Uhr an P Maschinen gebannt und daneben noch mit dem Fluche beladen, skrophulöses Geschlecht fortpflanzen zu müssen.— O, wahrlich: ist die Königin Industrie und ihrer Herrlichkeit ist kein Wde! bald.»Nachdem mich in der Gluthitze des Schlichtesaals fast eine ge«-chnmacht angewandelt hatte, betraten wir den großen Webesaal, d an fünfhundert Stühle neuester Konstruktion in Thätigkeit um llt.£n' rasender Geschwindigkeit ihre Schifslein hinüber und ' lliber schießend und ein furchtbares Gelöse verursachend, das mtt der schrecklichen Eintönigkeit das Trommelfell zu zerreißen drohte ll> die Seele betäubte. »Witten in diesem Katarakt von Maschinenlärm gewahrte ich 9 junges Mädchen, welch es einen der Webstühle zu bedienen v»i �k. Das anmulhize Kind hielt seine großen, dunklen schwer- �ihigen Augen ängstlich auf die Maschine gerichtet und schaute aus, als wir vorüber gingen. Es drängte mich, still zu J�/Hen und der armen jungen Sklavin ein freundliches Wort zu nim n: aber man hätte mit der Stimme einer Kanone sprechen bL,%», um von hier verstanden zu werden. .»Als wir den Saal verlassen hatten und den Gang zur Thüre f* Webergebäudes hinabgingen, sagte mein Begleiter(der Pro- � Präger der Firma) zu mir:„Bemerke, das Kind(Name) ist aufgefallen?" Ich nickte bejahend. !.,—„„Andern Leuten auch, mein Lieber. Kenne das. Weiß kommen wird. Noch ein paar Jährchen, wenns gut geht, lkS, d die Blume wird gepflückt und in den Koth getreten werben. " ber Lauf der Fabrikwelt so. Aber was seht Ihr mich denn K.' etfchrc(fen an? Unschuldige Seele, die Ihr seid. Kennt Ihr � I?ooS junger Fabrikschönheiten nicht? Habt doch wohl auch i9» von einem großen Industriellen reden hören, der seine kleinen �watvergnügen recht sinnreich mit der Geschäftspraxis zu ver- pEn wußte? Hörte von Leuten, die es wissen können, daß der Wiche Spinnerkönig selbst seine Schäferstunden lukrativ zu «i-n verstand, indem er den zu besagten Stunden gepreßten äin Arbeiterinnen die vertändelte Zeit am Fabriklohn abzog." „„Sagt, daß Ihr lügt, um des Himmels willen!"" --Rechne, Ihr seid der Erste, der zu sagen wagt, HanS B. f- Will'S Euch aber hingehen lassen, weil ich sehe, daß Ihr Wzriffen seid."-- i i.„Ach ja, ich war angegriffen. Der Staub, der Dunst, der Geruch, das fürchterliche Gelöse da drinnen, die verküm- —'?En Menschen, Sklaven und Sklavinnen, endlich die schreckliche Wutung B.'s, das Alles machte mir das Herz brennen und Kopf schwindeln." Johannes Scherr. Ein gräuliches Gemälde, welches uns .Einrollt wird. Und nichts als die reine Wahrheit. Natürlich Wti solche Zustände beseitigt werden; natürlich tritt Johannes jetzt für eine gesellschaftliche Reform ein, die solchen Zu- z, 1?°" ein Ziel sctzl? Da irrst Du Dich sehr, naiver Leser. —.-�nes Scherr erinnert sich plötzlich, daß er gcmietheler Klopfer der herrschenden Klassen ist, daß er dafür bezahlt wird, oben zitirten Stelle fort— meine Eindrücke wiedergegeben, wie sie damals waren. Selbstverständlich konnte es aber im Verlaufe der Zeit nicht ausbleiben, daß ich dazu kam, neben der Schatten- seite des Jndustrialismus auch die Lichtseite zu sehen. Der In- dustrialiSmuS ist trotz alledem der gewaltigste Hebel der Kultur; er wird den absoluten Staat wie die absolute Kirche aus ihren Angeln heben. Ter unaufhaltsam fortschreitende Fuß eines eisernen Riesen, in dessen Brust als Her; eine Dampfmaschine pocht, tritt Thron und Altar zu Boden und stampft wie den mittelalterlichen Feudalismus so auch den„ewigen" Stuhl Petri nieder. Aller- dingS arbeitete er zunächst dafür, an die Stelle der zwei alten privilegirten Stände einen dritten, die Bourgeoisie, zu setzen; allein der dritte Stand muß unbedingt den vierten zu sich heran-, zu sich heraufziehen, weil beide durch die stärksten Bande mitein- ander verknüpft sind, durch die Arbeit und durch das Interesse. Ohne Arbeit kein Kapital, ohne Kapital keine Arbeit.(Oho! Wenn„ohne Arbeit kein Kapital" sein, das heißt wenn das Kapi- tal nur aus der Arbeit entstehen kann, so folgt daraus mit zwingender Nothwendigkeit, daß die Arbeit„ohne Kapital" sein kann. Oder hat etwa Johannes Scherr'S Vater nicht existirt, ehe er den Johannes Scherr in die Welt gesetzt? Uebrigens fällt es den„sozialistischen Nichtsnutzen:c." gar nicht ein, das Kapital von der Arbeit trennen zu wollen, sondern bloß von den Kapi- talist en, die eS aus der Arbeit ihrer Lohnsklaven gezogen, und diesen entzogen haben. Doch wir hätten fast vergessen, wen wir vor uns haben; an dieser polternden Ignoranz, deren ganzes „Quellenstudium" sich aus daS Schimpflexikon beschränkt, ist Hopfen und Malz verloren. R. d. B.) „Die Arbeiter mögen wohl darauf achte», daß unter den Auf- Hetzern, welche den Krieg gegen daS Kapital predigen, die giftigsten Feinde. aller humanen Zivilisation(!) mit in erster Linie stehen. „Diese Aufhetzerei ist bekanntlich in unfern Tagen ein förm- licheS Gewerbe geworden, von welchem eine Bande von Tage- dieben und Nichtsnutzen lebt, und zwar wohllebt. Diese schlechtmaSkirten„Apostel des Evangeliums der Arbeit" säen und ernten nicht, und dennoch werden sie ernährt, sehr bequem und reichlich ernährt, durch die gutmüthige Dummheit der andern Ar- beiter, welchen sie ihren sozialistischen und kommunistischen Blöd- sinn vorschwindeln. Ein Hauptagitations- und BeichwindelungS- mittel, womit diese Schufte Hantiren, ist die gemeinste Volks- schmeichelet, aus die niedrigsten Instinkte und verwerf- lichsten Triebe- der bildungS- und urtheilslofen Menge berechnet. Wenn das Volk weise wäre, so müßte eS in diesen seinen Schweich- lern seine schlimmsten Feinve erkennen und hassen. „Das Kennzeichen des wirklichen BolksfreundeS ist, daß er allezeit eben so sehr für die Rechte des Volkes eintritt und ein- steht, als er dem Volke seine Pflichten klar zu machen und einzu- schärfen sucht. Wäre das Pflichtbewußtsein in den Kreisen der Arbeiter und insbesondere auch der Fabrikarbeiter so klar und lebendig, wie eS leider vielfach nicht ist, so würden sie wissen, daß Spiel, Trunk und andere Lüderlichkeit nicht die Mittel sind, die Lage eines Menschen zu verbessern, und daß überhaupt vor Allem die eigene Kraft eingesetzt werden muß, so ein Mensch vorwärts kommen will. „Kein Opfer soll der Gesellschaft zu groß sein, um dem Ar- beiter von Kindheit auf die volle Gelegenheit zu bieten, sich zu unterrichten. Richtet gute Schulen aller Art ein und übt, wo es nöthig, einen unerbittlichen Schulzwang; aber den Massen- schmeichlern, den VolkSbeschwindlern, den sozialistischen Lugpropheten und utopistischen Luzpoeten schlagt bei jeder Gelegenheit auf die schamlosen Mäuler, daß ihnen die Zähne wackeln!" Rrrrrr!!! Gut gebrüllt Löwe— oder waS unter der Löwenhaut steckt! Nun, das ist doch gewiß genug versprochen. Wollen Sie nun wissen, wer, um mit Herrn Biedermann zu reden, mit diesem Humbug, mit diesem v-rwerflichen Schwindel die Arbeiter ködern will? Niemand anders, als unser Freund Julius Schulze! Hat der Mann 1872 im Auftrage des mittelrheinischen Fabrikanten- Vereins eine Broschüre verübt: Das eherne Lohngesetz, in der die eben citirte Stelle vorkommt!— Was sagen Sie dazu, Herr Biedermann? DaS jämmerliche Machwerk ist von den Hirfch-Dunckerschen Führern umsonst versandt worden. Sogar R. Meyer in der Revue, dessen Kritiken oft so viel zu wünschen übrig lassen, hat es mit folgenden Worten abgefertigt:„Diese Broschüre zeigt nur, daß die Fabrikanten eine sehr geringe Meinung von der national- ökonomischen Begriffssähigkeit der Arbeiter haben, wenn sie einen so ungeschickten Vertreter, wie den Verfasser dieser Broschüre, für genügend halten, denselben zu imponiren und sie zu belehren. Herr Schulze scheint übrigens gar nicht zu wissen, daß nicht der Sozialist Lassalle, sondern der Freihändler Ricardo der Erfinder des ehernen Lohngesetzes ist. Wozu braucht man auch etwas zu wissen? Schreien hilft!" Wir werden nun sehen, ob Herr Biedermann auch gegen seinen Gesinnungsgenossen losgeht, oder ob er echt biedermännisch die Sache einfach todtschweigt! iEnigen zu verlästern, die diesen„schrecklichen" Zuständen durch jpirung deS Systems, dessen Früchte sie sind, ein Ziel setzen „El, und mit einem salto mortale, der ihm durch den ange- und angelernten Mangel aller Logik erleichtert wird, stürzt ,Wt per Wulh einer biSmarck'schen„Rothhaut", statt des p&hawk den Laskerknüppel wild schwingend, auf die—„so- Mchen Lugpropheten, Tagediebe, AusHetzer, Volksschmeickler, �irntze, Schufte:c." los. t u glaubst nicht, naiver Leser? Tu kannst Dir nicht denken, V{,t i. Ein Mann, der seiner Erziehung, seiner Stellung nach, zu n ijl./'Gebildeten" zählt, daß ein Lehrer der Jugend, ein Geschichis- pEr, Literatur- und Culturhistoriker, sich derart sich selber ssb i, Wein Ai stand, ja dem gesunden Menschenverstand ins Ge- iT mm----~ Klagen könne? Du kennst diese Prostituirten der Feder Wir wollen Deine Zweifel gleich heben: habe— so sähn Hans Scherr unmittelbar nach der !■ Politische llclictsicht, — AuS Berlin schreibt man unS: Wie in Nr. 42 dieses; Blattes mitgetheilt, ereiferte sich der Biedermann Professor Bieder- mann gegen die gewissenlosen Agitatoren, die den Arbeitern uner- fällbare Versprechungen machen, und sagte dabei:„Geradezu gewissenlos ist es von diesen Aposteln, den Leuten den Mund wässrig zu machen mit einer Aussicht auf materielle Genüsse, welche hier niemals sich verwirklichen können. Mühe und Arbeit ist unser Aller LooS. DaS Kanaan des allgemeinen Lebensgenusses werden die Arbeiter nie, gar nie betreten. Eitel Hvmbug, ver- werflicher Schwindel ist es, mit sslchen Lockspeisen die Arbeiter zu ködern." I Wir wollen dem Biedermann nun eine Probe von solchem Humbug und verwerflichen Schwindel geben und sehen, ob er auch in diesem Falle seiner billigen sittlichen Entrüstung freien Laus läßt. In einer an die Arbeiter gericbteten Schrift finden wir fol- gende Stelle: „Ei, wenn wir es dahin bringen(und wir unsererseits denken eS dahin zu bringen,—) daß eS als das Minimum der gewohn- heitömäßigen Lebensbedürfnisse angesehen wird, ein hübsches Häuschen mit Gärtchen und freundlicher Einrichtung als freies Eigenthum zu haben, dabei Einkommen genug, um nicht nur ohne eigentliche Nahrungssorgen leben, sogar allerhand kleine Luxusausgaben machen zu können, sondern auch im Stande zu sein, die Kinder ordentlich erziehen und gehörig ausbilden zu lassen, um ferner einen erkleck- lieben Nothpfennig erübrigen zu können, und vor Allem ein ge- wisses Blaß wirthschaftlicher Selbstständigkeit zu besitzen: was will man denn weiter?" — In der Schwurgerichtsverhandlung(am 17. April) wider den Sozialdemokraten Wehrenberg zu Altona, welcher auf eine in. der Wahlagitation gehaltene Rede hin" des Anfangs zur Ausführung deS Hochverraths" angeklagt war, verstieg sich der Staatsanwalt, dessen Name uns leider in dem Bericht des„Neuen Sozialdemokrat" nicht mitgetheilt ist, zu folgender Aeußeruug: „Der Angeklagte ist sich wohl klar darüber, daß er eine soziale Republik will, unklar ist er sich nur darüber, wie in dieser Repu- blik alles eingerichtet werden soll. Hier ist nur allein der Hoch- verralhsparagraph anzuwenden.— Daß es die Absicht der Sozialdemokraten sei, schließlich Gewalt anzuwenden, das könne man aus den Reden der Abgeordneten dieser Richtung im Reichstage ersehen; auch der Abgeordnete. Treilschke(!) habe sich in derselben Weise im Reichstag geäußert, und darauf sei doch gewiß Gewicht zu legen." So der Herr Staatsanwalt. Mit der sonderbaren Logik, daß mit der For- derung der sozialen Republik„der Ansang zur Ausführung des Hochverraths" gemacht sei, wollen wir unS hier nicht befassen.: was uns vor Allem interessirt, ist die Bezugnahme des Hwrn Staatsanwalts auf die Reichstagsreden der sozialdemo- kratischen Abgeordneten. Abgesehen davon, daß uns keine ReichStagsrede eines sozialdemokratischen Abgeordneten bekannt ist, in der gesagt wird, daß die Sozialdemokraten„die Absicht hätten, schließlich Gewalt anzuwenden",— weiß denn der königl. preußische Herr Staatsanwalt nicht, daß Reichstagsreden ausdrücklich durch die Verfassung dem Gebiete des Strasrechts und somit dem staatsanwaltlichen Wirkungskreis entzogen sind? Macht er, der Vertreter des Gesetzes, sich nicht, indem er Reichstags- reden als Belastungsmaterial gegen den Angeklagten benutzen will, einer direkten Verletzung des Gesetzes, ja der Ver- fassung schuldig, von der juristischen Ungeheuerlichkeit gar nicht zu sprechen, einen Angeklagten für Reden verantwortlich machen zu wollen, die Andere gehalten haben? Wie eS um die Rechtsbegriffe des königlich preußischen Herrn Staatsanwalts steht, erhellt auch mit drastischer Deutlichkeit auS der Berufung aus daS Urtheil des Herrn Treitschke. Ebenso gut hätte er sich auf die Gelehrten des„Kladderadatsch" oder auf Schulze in Mainz be- rufen können. Weiß der Herr Staatsanwalt nicht, wer und was Treitschke ist? Weiß er nicht, daß Treiffchke nicht nur keine juristische Autorität ist, sondern das diametrale Gegentheil einer solchen: ein politischer Klopffechter und Pamphletist von notorischster und extravaganiester Parteilichkeit und Parteiischkeit— Eigenschaften, welche das Verftändniß für Recht einfach auS- schließen? Doch genug— der Herr Staatsanwalt erreichte seinen Zweck: Wehrenberg wurde von dem natürlich aus bürgerlichen Geschwornen bestehenden Schwurgericht zu ö Monaten Festungs- hast, wovon 2 Monate der viermonatlichen(!) Untersuchungshaft abgehen sollen, verurtheilt.„Der Jude wird verbrannt." — Endlich.„Es darf zur Kennzeichnung der Situation nicht unerwähnt bleiben," wird dem«Leipziger Tageblatt", dessen Cou- leur bekannt, von einem Berliner Correspondenten, dessen Couleur ebenfalls bekannt ist,>l.»i. Berlin, 4. Mai, geschrieben,„daß das Interesse des Publikums an den kirchenrechtlichen(?) Debatten unserer parlamentarischen Körperschaften wesentlich nachgelassen hat. Während früher viele Tage vor Beginn einer solchen Verhandlung sämmtliche Eintrittskarten zu den Tribünen vergriffen waren, und vor Beginn der Sitzungen eS den Billethänd- lern gelang, Eintrittskarten bis zu 10 Thlr. und mehr an den Mann(wohl alte Weiber?) zu bringen, hat gegenwärtig der Zu- lauf des Publikums gänzlich nachgelassen(Tazeblatt-Deutsch für: gänzlich aufgehört). Sogar(!) die heute verhandelte Vorlage be- züglich der Sedisvacanz(Erledigung der bischöflichen Sitze) ver- mochte weder die Logen der Abgeordneten noch die öffentlichen Tribünen zu füllen." Ei, da wace ja Hoffnung vorhanden, daß Michel, den wir bereits rettungslos dem kulturkämpferischen Cretinismus verfallen glaubten, wieder zu Verstand käme und sich seinen Denkerschädel nicht länger mit„Fragen" ausstopfen läßt, die schon vor länger als dreihundert Jahren so ab- und ausgedroschen worden sind, daß der beste Zungen- und Federdrescher heut blos noch leeres Stroh daran dreschen kann.— Apropos, in derselben Nummer des„Tageblatts", die diesen Nothschrei enthält(Nr. 126 vom K. Mai) wird aus Dresden Klage geführt über„den seltsamen HyperloyaltitätSwind", der jetzt in„Elbflorenz» wehe(soll heißen: Ekel vor dem Nationalliberalismus und dessen Berliner „Wind"), und folgende Frage an das Schicksal gerichtet:„Will man es dahin treiben, daß der Erfindung des eklen Worts „Preußenseuche«, welches die„Dresdener Nachrichten« wieder in ihrem heutigen Blatt(4. Mai) anwenden, die andere mit(Ersin- dung mit!) dem gleich eklen Wort„Sachseuseuche" gegenübergestellt wird?"-- Geniren Sie sich nicht, lieber Mann! Und wenn e« eine„Sachsenseuche" gibt, wie wir eine„Preußenseuche" haben, d. h. wenn e» Käutze gibt, die das übrige Deutschland zu„ver- sächsern« bemüht sind, wie die Herren Preußenseuchler eS„ver- Preußen" wollen und leider schon zum Theil„verpreußt" haben, dann, lieber Mann, wird daS„gleich ekle" Wort auch gleich viel Glück machen. — Interessant. Wir waren bisher der Meinung, der Münchener T.-Correspoudent der„Norddeutschen Allgem. Zeitung« sei es gewesen, der in diesem Blatte denunzirte, daß in Nürnberg die Hand der Polizei nicht schwer genug auf den Sozialdemokraten laste. Heute finden wir von demselben angeblichen„T." wieder eine„Correspondenz aus München" in Nr. 106 der„Norddeutsch. Allgem. Ztg.", in welcher eine in Nürnberg stattgehabte und ausgelöste Volksversammlung nach München verlegt ist. Da ein T.- Corrcsondent in München jedenfalls nicht Versammlungen schildern würde, welche dort gar nicht stattfinden, so geht aus der letzten T.-Correspondenz mit ziemlicher Sicherheit hervor, daß ein T.- Correspondent in Wirklichkeit gar nicht existirt, sondern die Redaction der„Norddeutschen Allgemein. Zeitung" die Münchener Correspondenzen selbst anfertigt, folglich auch selbst die infame Denunziation gegen die Nürnberger Sozialdemokratie verfaßt hat. Ein Beweis, daß das Leibblatt des„Genialen" auch ein Denun- ziantenblatt gewöhnlichsten Schlages ist, das sein Vorbild in dem berüchtigten KönigSberger„Freimüthigcu", in welchem einst der Mouchard Lindenberg sein Denunziationsgewerbe betrieb, zu suchen hat. — Curiosum. In einer Versammlung deS„deutschen Reichs- vereinS" zu Dresden, die, wie die hiesige„Allgemeine Zeitung" triumphirend bemerkt,„weit über 100(!) Mitglieder" umfaßle, gab der Abgeordnete Krause(dem neulich in der Kammer der Kopf so böS gewaschen wurde) die tapfere Erklärung ab:„Die nationalliberale Partei werde sich durch keine Verfolgungen, woher sie auch kommen mögen, von ihren Zielen abwendig machen." Unter„Verfolgungen" versteht der gute Mann natürlich die neu- liche Kopfwaschung, die ihm und den mitgewaschenen Collegen nicht wohl gethau haben mag. Derselsige Herr Krause sprach bei derselben Gelegenheit die„Befürchtung" aus, in Folge der Auf Hebung der Cautionen„werde sich die kleine Presse, namentlich in Preußen, bedenklich mehren." Nun, die große Presse der Herren Krause und Compagnie braucht nicht zu verzagen— der Reptilienfonds ist noch voll. — Die New-Norker„Arbeiterzeituug" schreibt:' „Im Lause der letzten Woche traf das bei der Versammlung am Ostermontag erwählte Comite deutscher Prominenzen in der Gesetzgebung ein, dieselbe wurde aufs Zuvorkommendste empfangen und übergab dem Congreß Briefe von C. Schurz, Bismarck und Moltke(wenn letzteres nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden). Unter den Prominenzen, welche also auszogen, um den großen Kampf mit dem �Drachen(Korruption) zu kämpfen, befand sich auch Herr Emil Sauer, Präsident der deutsch-amerikanischen Bank— einer der tapfern Ritter von der deutschen Tafelrunde— zur Durchführung einer ehrlichen Verwaltung im Staat und Stadt New-Hork. Dieser große Reformer Emil Sauer scheint die nöthigen Eigenschaften zu befitzen, um Comptroller der Stadt New- Hort oder gar Finanzminister der Vereinigten Staaten zu werden. Aus dem Fond der von ihm„präsidirten" Bank hat derselbe dre Kleinigkeit von �65,000 D. gestohlen, oder um mit der„StaatSzeituiig" zu reden,„zu Privatzwecken verwandt". Dem prominenten Herrn„Spitzbuben" scheint sein Unglück(so nennt der Moniteur der Madamen daö Verbrechen der vornehmen Lang- finger) schwer zu Herzen zu gehen, denn er soll krank zu Hause liegen! Wäre derselbe ein halbverhungerter Arbeiter� gewesen und hätte es dabei bewenden lassen, für seine Familie 6 D. zu stehlen, so wäre dies ein Verbrechen und der Verbrecher wäre in den Tombs oder auf dem Wege nach dem Zuchthause. Da aber der Dieb ein Mitglied der hochnäsigen deutsch-amerikanischcu Shoddy- Bourgeoisie ist und noch im Besondern der Clique politischer In- dustrierittcr angehört, welche speziell in„Reform" macht, so istö nur ein Unglück!! Wie gründlich verludert müssen diejenigen „Ehrenmänner" sein, welche auf der einen Seite ihres Blattes gegen die Corruption, Demoralisation, Gaunerei, Lüderlichkeit, Plünderung rc. wüthen, die anderswo von ihren Concurrentcn (nicht Gegnern) verübt wird, und auf der andern einen nackten, offenkundigen Diebstahl als„Unglück" vertuschen. Das Organ der Madamen strebt darnach, den Kreis seiner Kunden zu erweitern und ist offenbar auf dem besten Wege, zum Moniteur der Kasscndiebe, Einbrecher und Wechselfälscher zu avauciren." — Maschinenbauer Slank in Berlin, der bei dem Congreß der Metallarbeiter zu Hannover in die Commission für Ausar- beitung der Statuten gewählt wurde, ist seit drei Wochen auf Nummer Sicher am Markte der Wolken. Paragraph 130 soll Anlaß sein. — Zur Preßcorruption. Das„Leipziger Tageblatt" ist selbstverständlich nicht wenig erbost über die harte Züchtigung, die seine Partei im sächsischen Landtage erfahren, wozu noch kommt, daß gerade has„Organ des Raths der Stadt Leipzig" von den Nationalliberalen verleugnet worden ist. Wir können es Riem an- dem, auch dem entschiedensten Gegner nicht, verübeln, wenn er die Gemeinschaftlichkeit mit der Sorte von Presse, zu welcher das „Leipziger Tageblatt" gehört, von sich weist. In demselben Blatte stellt nun ein Federheld, den wir zu kennen glauben, an den Ab- geordneten Walter daS Ersuchen, für seine Rede„Abbitte" zu leisten und zwar„in gehöriger Weise". Die einzig„gehörige Weise" für diesen Fall wäre, daß man daS„Tageblatt" mit seinem naiven Correspondenten tüchtig auslachte. Das„Leipziger Tageblatt" scheint seine geduldigen Leser glau- den machen zu wollen, daß es in Sacksen eigentlich gar keine aus dem Berliner Reptilienfond bezahlten Blätter gebe, za daß überhaupt daö ganze Bismärckische Preßcorruptionssvstem gar nicht be- stehe. WaS die preußische Regierung weder im Abgeordnctenhause noch im Reichstage zu leugnen gewagt, leugnet das„Leipziger Tageblatt". Was Wunder, wenn sogar ein Krause mit diesem Blatte Nichts zu thun haben wollte. Die Mittel des Reptilienfonds werden auf zweierlei Art ver- wendet. Einmal werden„liberale" Blätter, die aus Mangel an Abonnenten und Inseraten nicht aus eigenen Mitteln bestehen können, auS dem Fonds unterstützt und sind dafür verpflichtet, die Politik des Herrn von Bismarck zu lobpreisen und mit ihm durch Dick und Dünn zu gehen, sowie als Abort für das Preßbureau zu dienen, d. h. von demselben zugesandte Artikel bedingungslos aufzunehmen. Wir könnten drei sächsische Blätter von bekanntem Namen aufführen, bei denen es zweifellos ist, daß sie ihre Existenz nur auf diese Weise fristen können. Zum Andern werden mittelst des Reptilienfonds auch Blätter angekauft, die für ihre Besitzer ohnehin großen Gewinn abwerfen und eigentlich keine Unterstützung nöthig hätten, aber sich doch die klingende Münze nicht entgehen lassen wollen und sich dem Preß- bureau prostituiren, d. h. für Geld demselben ihren redactionellea Raum zur Verfügung stellen. Wir kennen in Sachsen ebenfalls drei Blätter, die dringend verdächtig sind, auf diese Weise„vin- culirt" zu sein. Was nun speziell das„Leipziger Tageblatt" bettifft, ein Blatt, das an und für sich einen sehr bedeutenden Gewinn abwirst, so machen wir auf Folgendes aufmerksam. Ein Blatt, daS notorisch mit der preußischen Regierung in Verbindung steht, ist die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung"; ebenso die„Spener'sche Zeitung«. Vom Preßbureau beeinflußt sind ferner die„Magdeburgische Zeitung" und die„Weserzeitung" in Bremen. Die Politik, welche in diesen vier Blättern getrieben wird, ist nichts weiter als ein Ausfluß des Hofes und deS Preßbureaus. Die Redaction deS„Leipziger Tageblattes" nun, welche total unfähig ist, Original- Artikel zu liefern,— die Arbeit deS«Re dacteurs" Hüttner soll lediglich in der oft zum Erbarmen mangelhaften Correctur der Annoncen bestehen— kann nur Scheerenarbeit liefern, und da die Besitzer deS„Tageblattes" wohl zu „ökonomisch" sind, um fähige Mitarbeiter zu engaziren, so schöpft daS„Tageblatt" seinen ganzen politischen Stoff fast ausschließlich auS den genannten vier offiziösen und ossiziellcn Blättern durch wörtlichen Abdruck ihrer Artikel, selten mit, gewöhnlich ohne Angabe der Quelle, so daß der ganze politische Theil des„Tage- blattes" nur ein Sammelsurium aus der offiziösen Presse ist. Mittelst dieser„Transsubstantiation" leistet daS„Leipziger Tageblatt" der preußischen Regierung ganz dieselben Dienste, wie die bezahlten und dem Preßbureau unter- worfenen Blätter. Ob das„Leipziger Tageblatt" für diese seine Dienste bezahlt wird, wissen wir nicht, können und wollen es also auch nicht behaupten. Wenn nun der Abgeordnete Walter sagte:„Wenn in Berlin der Concertmeifier den Taktstock erhebt, dann brüllt der ganze Chor mir," so darf sich das„Leipziger Tageblatt" mit vollem Rechte durch diese?leußerung getroffen fühlen. WaS die Berliner Sauhirten" auf Befehl und auf Bezahlung schreiben, geht mittelst der Scheere in daS„Leipziger Tageblatt" über. Die Aufforderung des„Tageblattes« an den Abgeordneten Walter—'dessen uns feindliche und reaktionäre Gesinnung wir natürlich nicht belobigen, indem wir seine Aussprüche bezüglich der Presse als richtig anerkennen— die Aufforderung,„klare Beweise" beizubringen und„baldigst Beweisstücke zu veröffentlichen", wird nach obigen Ausführungen so ziemlich Jedermann, mit Ausnahme vielleicht deS Herrn Hüuner selbst, überflüssig uud lächerlich er- scheinen. „Wie sich die sozialistischen Fraktionen auf eine Bewegung gleicher Bedeutung zur Zeit aber noch nicht stützen können, so ist auch ihre Mitgliederzahl im„Reichstage" eine entsprechend gering- fügige. Wenn aber Fraktionen von 1S0 Mitgliedern, wie die der Nationalliberalcn, nur fünf oder höchstens zehn einigermaßen be- deutende Redner stellen, während der übrige Fraktionsbestand nur bei den Abstimmungen bctheiligt ist, so dürfte man sich billiger Weise nicht verwundern, wenn eine Fraktion von einem halben Dutzend Personen zur Aufstellung auch nur eines erträgliche» Sprechers außer Stande wäre. Gegen die Bedeutung der so- zialistischen Bewegung läßt sich die Art ihrer Vertretung im Ber- liner„Reichstage" in keinem Falle als ein Beweisgrund gebrauche». So nützlich es sein könnte, den Sozialismus durch Männer vo« Kenntnissen und Einsicht weiteren Kreisen empfehlen zu lassen, so ist die sozialistische Bewegung doch auf eine parlamentarische Ver- trctung nicht angewiesen; sie verdantt ihre Bedeutung, die ihr Nie- wand bestreiten kann, den thatsächlichen Verhältnissen ihrer hei- mischen Verbreitungsgebiete und dort ist ihr wahres Arbeitsfeld. Die Bctheilizung an den Reichstagswahlen ist für die sozialistische Partei keine Nothwendigkeit und hat, wenn sie beschlossen wird, in erster Linie nur den Nutzen, die Wahl von Gegnern zu ver- hindern. Die Theilnahme an den ReichStagSverhandlungen ist für die in denselben eingettetenen Sozialisten nicht ohne Gefahren ge- Wesen. Kleine Parteien ohne erprobte Führung— und diese fehlte infolge von Licbknecht's Abwesenheit den Sozialisten— ge- rathen leicht in Versuchung, mit den übermächtigen Gegenparteien durch Zugeständnisse prinzipieller Art ein erträglicheres Verhältuiß herstellen zu wollen. Der Nichteintritt in die parlamentarische Versammlung ist eine Situation, welche zu solchen Consequenze» führt, entschieden vorzuziehen. Die Hoffnungen, durch derartiges Entgegenkommen ein freundlicheres Verhalten seitens der Parla- � mentsmehrheit zu erreichen, sind überdieß meist eitel, und die an! solche Weise etwa erlangte Anerkennung ist weniger ehrenvoll, als ihr ungemilderter Haß, wie er gegen Liebknecht sich richtete. Mottelers Aeußcrung, die Sozialisten seien nicht Gegner des Reiches als eines nationalen staatlichen Ganzen, bewegte sich i» jener Richtung, deren Ziel die Abschwächung deS gegnerische» Hasses bildet. Sie trat in die Fußspuren der von Hasenklever in der ersten Hälfte der Session abgegebenen Erklärung, welche ma» damals als Sonderprogramm der Berliner Sozialisten hinstellte. Damals galt der prinzipielle Unterschied beider Fraktionen in der „Reichsfrage" als feststehend, wenn auch persönliche Beziehungen� zwischen beiden bestanden. Diese persönlichen Beziehungen scheine». jetzt abgebrochen, dafür aber wäre durch Mottelers Erklärung z» Gunsten des nationalen Reiches die prinzipielle Scheidewand zwischen beiden Fraktionen niedergerissen. Ob diese durch die Be- theiligung an den ReichStagSsitzungen verursachte ProgrammauS-! legung seitens der Eisenader Partei gutgeheißen und wie die-' selbe sich über die Nützlichkeit fernerer Beschickuug des Berliner „Reichstags" entscheiden wird, bleibt abzuwarten."' N D ar w! eck Die Sozialisteu und das Reich. Unter diesem Titel krinsirt der„Dresdener Volksbote" aber- mals unterm 26. April die Haltung unserer Vertreter im Reichs- tage, indem er eine Aeußerung von mir bei der Miluärgesctz- debatte in einer Art auslegt, die zwar in Nr.£>0 des„BolkS- staat" als Mißdeutung bezeichnet, keineswegs aber so richtig gestellt worden ist, daß dem Verfasser die Grenzen der Berechtigung seiner Kritik genügend gekennzeichnet worden wären und wie ich zu Anfang befürchtet, bethätigt sich unterm 29. April abermals im „Dresdener Volksbote" die Absicht deS Verfassers, der Hallung unserer Leute und deren gelegentlichen Aeußerungen einen Grund und Sinn zu unterschieben, der dem unter verschiedenen Correspon- dcnzzeichen Austretenden Stoff und Halt zu einer Polemik nicht blos gegen unsrc Vertteter, sondern auch gegen unsre Partei bereit zu halten bestimmt scheint. Dießmal unter der Aufschrift:„Nach Schluß des Berliner Reichstages«, aber von ganz denselben Be- weggründen aus, nach ganz denselben Zielpunkten hindeutend, tritt der Verfasser in einem Blatt, das als eines unserer Parteiorgane bekannt ist und wie wir nicht anders wissen, größtentheils von unsren Parteigenossen gelesen und von diesen gegründet und lang her gehalten ward, abermals und zwar dergestalt kritisirend und interpretirend auf, daß er wiederholt nicht von unsrer Partei, nicht von unsren Berttetern, sondern von der„sozialistischen Partei", von der„Eisenacher Partei" und von den sozialistischen Vertretern redet, so daß wir keinen Augenblick mehr im Zweifel darüber sind, daß wir es in dem Verfasser nicht nur mit keinem Sozialisten, sondern mit einem Anti- Sozialisten zu thun haben. Das könnte mich immerhin nicht bestimmen, mich gegen die Kritik eines Erfahreneren zu kehren, sei er wer er wolle. Allein der ganze Artikel trägt die Tendenz an der Stirne, auf Kosten der Sozial- demokratie und zunächst unsrer Partei, für eine Sache zu wirken, die uns ebenso feindlich gegenübersteht, wie unsre schlimmsten Gegner und der wir uns so wenig als Werkzeuge überantworten wollen, als diesem. Die Kritik defaßt sich zunächst mit einem vcrurtheilendeu Tadel der Altconservativen und der Fortschritts- Partei im Reichstage, die„von jeyt ab in den Troß des Re- gierungögefolges eingestellt seien", rühmt sodann von dem katho- tischen Centtum, daß cS„in der zweiten Hälfte des Reichstags seine alte Bedeutung wiedergewonnen«� hebt anerkennend die Be- theiligung des Führers der katholischen Partikularisten Bayerns Dr. Jörg an den Debatten deS Militär- und Kirchendicnergesetzes hervor und resumirt sodann, daß„den Rednern dieser Partei das Bedeutendste angehörte, waS in der Militärdebatte vorgebracht wurde, namentlich die Betonung der internationalen Interessen gegenüber der nationalen Militärpolitik". Ich geize nicht um das Lob einer Kritik, welche in der internationalen Phrase deS katholischen Partikularisten gegenüber der nationalen Militärpolitik etwas Bedeutendes entdeckt hat uud deshalb lasse hier wört- lich folgen, was über die sozialistischen Fraktionen und ihre Hat- tung:c. gesagt ist. Es heißt da im„Dresdener VolkSboten" Nr. 97: „Mit noch größerem Nachdruck trat das Centrum bei den Debatten über die Kirchenverfolgungsgesetze in den Kampf ein. Hier waren seine Redner unterstützt von einer Volksbewegung, vor welcher zur Zeit jede andere an Stärke, Ausbreitung und Organisation weit zurückttitt. zu bes we un M die Ex »e, Re ei» sei die fiu s°r tre gel m sch! Z der der wn sck: glu Ich will hier nur diejenigen Stellen andeuten, welch- be- tiny* fy v- Vic.■» vV>4Ta»« teÜ-,»» TaIv* L �. W».1___. �„t,«- weisen, daß der Verfasser kein Sozialist sein kann, daß er vielmehr ein überwiegendes Interesse daran zu nehmen scheint, der Sozial- demokratie begreiflich zu machen, wie gut es wäre, wenn sie sich seinen Beifall nach Art des CentrumS sichern würde. Die Worte von der Nützlichkeit der Empfehlung des SozialisnfuS in weitere» Kreisen sind so gewählt, daß Niemand behaupten kann, der Herr Verfasser halte die Nothwendigkeit der Verbreitung des Sozialis- muS in allen Kreisen nicht für geboten.„Nützlichkeit und Em- pfehlung"— wie sonderbar klingen dies- Worte im Zusammenhang mit dem Sozialismus. Aber blicken wir tiefer, da heißt es:„Die Theilnahme an den ReichStagSverhandlungen ist für die Sozialisten nickt ohne Gefahren gewesen,"„kleinere Parteien gf' rathen in Versuchuna durch Zugeständnisse prinzipieller Art mit den übermächtigen Parteien ein erträgliches Verhältniß herz»- stellen zc.,"„die auf solche Weise erlangte Anerkennung ist weniger ehrenvoll als der Haß rc.,"„Mottelers Aeußerung bewegte sich i» dieser(!) Richtung hin." Hier wird abermals meinen Worte». eine mir fremde Absicht und Deutung unterschoben, die mich»» Parteiinteresse zwingt, entschieden abwehrend aufzutreten. Möge»! dem offenbar sehr gelehrten Herrn Verfasser die parlamentarische«. Leistungen unserer Abgeordneten mangelhaft erscheinen, er mag flC fritifd) korrigiren oder tadeln, aber wiederholt und abermals die Aeußerung eines Einzelnen nach persönlichem Gutdünken motivire»,. interpretiren und dann kritisiren, dieselbe sodann als Program«' auSlegung produziren, dies überschreitet nach meiner festen lieber' zeugung, zumal wenn es in einem Parteiorgan geschieht, die Grenzen einer berechtigten Kritik zu sehr, als daß ich still darüber hinweggehen dürfte. Darüber hat unsers Erachtens die Partei ebenso rechtzeitig zu entscheiden, als üher die Nützlichkeit fernerer Beschickung des Berliner Reichstags, wie der Herr Verfasser s# der mich leider zwingt, in einem nächsten Artikel meine sozialistisch' Auffassung der angegriffenen Aeußerung darzulegen. Dem Partei' aussckusie müssen wir ferner anheimgeben, zu entscheiden, ob er im Parteiinteresse geboten hält, wenn in Parteiorganen sich Stt»' münzen auf Kosten unserer Sache einzuführen suchen, die sie»»' schädigen, indem sie zu Auseinandersetzungen zwingen, die dera� zwischen Sozialisten nicht nöthig wären und nach außen hin di� falsche Bild innerer Zerrissenheit unsrer Partei bieten möchten. Also, Herr Professor,— denn Ihrer Kritik und Taktik nach müsse» Sie Professor sein— das Weitere zum nächsten Mal! I. Motteler. 32' C. Ge Hei beli To bei «l Eck 4 S Hu Hr> J. rück Pfc ger Sp Em bur stra Sfe Kv! tvel 3ol ie» ftal hie, btti Sßö sint die Vit kl- diel heb fti» bft, Z«vere Partei-, Berwattungs-»?.i> Orgauisatioat' jjj 'ass Angelegeuyeite«. An die Parteigenossen! Eine neue Ausbreitung der Partei ist wieder zu verzeichne"' Als neuer Ort wurde in die Parteiorganisation eingereiht: Cannstadt, Vertrauensmann Anselm Lutz. Als Vertrau»nSmänner wurden ferner vorges chlagen und die, stätigt: j*, Aachen: Martin Hilge; Witten: Carl Wenzel. � Mit Hinweis auf die neuerdings wieder besonders lebhaft� die Verfolgungen unserer Partei rufen wir Euch zu: Vergeht bv in Jnhaftirten nicht.". Rs Gelder sind zu senden an H. Benneke, Hamburg, kl--»' flu Schäferkamp 34. Hamburg, 10. Mai 1874 Der Ausschuß I. A.: A. Geib, Rödingsmarkt 12. y Vit L Aufruf zum Gewerkschaftskougreß. GewerkSgenossen! k Daß der UuionSkongreß in Magdeburg stattfindet, ist°e> bereits bekannt, Eure Pflicht ist c« �nunmehr, Euch durck SI' große Zahl Delegirter vertreten zu lassen. lti ung! Die Vorversammlung beginnt am Sonnabend den 23. Mai, , ist Nachmittags 4 Uhr, in der Tonhalle auf dem großen Werder. ing- Die Delcgirten werden gebeten, den Tag ihrer Ankunft baldigst der an Unterzeichneten mitzutheilen, damit für Quartiere gesorgt be- werden kann. nur Das EmpfangScomits ist auf den Bahnhöfen an rothen Schleifen iger erkenntlich. ber Magdeburg, 9. Mai 1874. Mit Gruß und Handschlag W. Klees, Neue Weg 14. che» so- )er- ie». oo« s° Zer- stie- hei» -ld. sch- ird, oer- fiir SJ* uese 3-' neu ,uiß sch- ize» ige» rla- auf al» de» i in che» : in nav llte.j der gen neu zu and Be- lU»' i die-! iner be- rehr � aal- sich« orte! eren ?:rr ilis- 5w- ren- t-ißt die S1.' mit rzu' ig-r hin' rte« iw ige«! che« > � die ire«, mW' eber- die Ub-r art-i rerer sagd tisch' irtei- er e» ?ttö� nur erart da» i. � üsien »«§- bnen- b--! , aft- dü leinet ein! Gewerksgenoffenschaftliches� Metallarbeiterge«erksch«ft. ßhemnitz. Fernere Anträge zu der zu Pfingsten stattfindenden Generalversammlung gingen ein, von Seiten der Gewerksgenossen zu Pforzheim:§ 1 h soll dahin abgeändert werden: Die jetzt schon bestehende Union soll Organ der jetzt bestehenden vereinigten Ge- werkschaften werden, das Organ hat die Interessen der vereinigten Gewerkschaften zu vertreten, eS muß dem entsprechend vergrößert und jedem Mitglied unentgeldlich zugestellt werden. Von den Mitgliedern zu Wolfenbüttel: Die Gewerkschaft betreffend: u) Für die verheiratsteten Mitglieder neben dem Beerdigungsgelv eine Extra Untersiützung(festzusetzende Summe) zu zahlen, damit die »erheiratheten Mitglieder, indem sie doch nicht reisen, folglich kein Reisegeld erheben, dafür entschädigt werden, und dies sogleich so einzurichten, daß im Falle einem Mitgliede die Frau stirbt, der- selbe diese Extraunterstützung gleichfalls erheben kann, während dieselbe bei seinem Tode selbverständlich wegfällt. K) Alle Extra- steuer aus der Hauptkasse zu bestreiten und wenn es nöthig sein sollte, die festgesetzte Steuer zu erhöhen. Die Krankenkasse be- treffend: a) Dem§ 7 der Geschäftsordnung folgende Fassung zu geben, daß jeder Mitgliedschaft das Recht zusteht, eine andere Form als die im Statut angeführte anzunehmen, zugleich ver- schiedene Normen anzuführen(siehe Holzarbeiter-Siatut). b) Den letzten Satz in Z 4 zu streichen, oder dahin abzuändern, daß, wer länger als 14 Tage krank liegt, von seinen Beiträgen, während der Krankheit befreit ist. Für die Vorortsverwaltuug: Richard C. I. Wolf, Poststraße 34. ßstemnih. Hiermit erfolgt die Bekanntgabe des Verzeichnisses der Bevollmächtigten nachbenannter Mitgliedschaften obiger Ge- werffchaft, und möge man demselben die gehörige Aufmerksamkeit schenken, da sich mehrfach Adressen änderten, als auch neue Mit- gliedschaften bildeten. Augsburg: Konr. Hirth, Zeugschmied, Oberer Graben, K. 327, 3 Tr.; Berlin: H. Havenith, Linienstr. 79; Braunschweig: C. H. Müller, Scharrnstr. 22, 2 Tr.; Bremerhvfen: Joh. Sältz, Geestendorf bei Geestemünde, Elhornstr. 110; Chemnitz: Karl Hmn. Hickethier, Poststr. 34, Part.; Crimmitschau: Rudolph Habelitz, Nied. Vorstadt 357; Dresden: Robert Temper, Langestr. 6; Gotha: August Koch, Hauptmarkt 13; Göppingen: Franz Röhrich bei Simon Bitzer, Poststraße; Eßlingen: Georg Kehl, Unt. Metz- Serbach 5; Hannover: Fr. Weykopf, Klagesmarkt 13a; Harburg aE.: lug. Borchardt, Langestr. 12; Königsberg: Schwarz Haberberger, Schulstr. 5, 2 Tr.; Leipzig: Richard Ludwig, Baiersche Str. 9c. 4 Tr.; Landshut: Heinrich EmerSdorfer bei Kupferschmicdmeister Huber, Altstadt 99; Ludwigshafen: Heinrich Müller, pr. Adr. Hrn. Hutter, Oppersheimerstraße; Mannheim: Wilhelm Müller, J. 2, Nr. 16; München: Konrad Jäger, Sendlingerlandstr. 38, rückwärts; Nürnberg: Albrecht Wolf, Heugäßchen 8, 3 Treppen; Pforzheim: Jacob Lenz, Bierbrauer, Hofs Neubau, 2 Tr.; Re- gensburg: Joseph MalgerSdorfer, Cas6 Setz, Lit.<3. 83, 3 Tr.; Spandau: Eduard Camin, Fischerstr. 13, parc. rechts; Stollberg: Emil Bachmann, Herrenftr. 347; Werdau: Karl Golle, Rönne- burgerstr. 657; Wilhelmshasen: Cbr. Heyer, Schmied, Kronprinz- straße 8; Wolfenbüttel: Albert Salzmanu, Langehcrzogstraße 32; Würzburg: Franz Stadler, Lochgasse 6, 3 Tr. Sitz der Coutrolcouimisfion: Leipzig; 1. Vorsitzeuder Emil Kolbe, Antoustr. 19, 3 Tr. Alle Partei-«nd Geschäftsgenvssen, tvelche zur Befreiung des arbeitenden Volkes aus dem drückenden >ioche mitarbeiten, resp. durch den Veitritt zur Metallarbeiter- lewerkSgenossenschaft um so eher zu einer menscdenwürdigen umge- palten Helsen, als die Beteiligung eine zahlreiche ist, werden hiermit aufgefordert, sich ungesäumt an die unterzeichnete Bororts- jjerwaltung zu werden; ebenso werden die verschiedenen Orte Württembergs, welcke mit ihren Kundgebungen noch im Rückstände Md, erinnert, ein Gleiches zu thun. Mit Gruß und Handschlag Für die Vorortsverwaltung: Richard C. I. Wolf, Poststraße 34 (Chemnitz, Sachsen). Gewerkschaft der Maurer und Zimmerer. HZraunschwcig. Laut Beschluß der Vorortsoerwaltung findet �e diesjährige Generalversammlung in Coburg statt, und zwar im �«m. Falls nicht von den Mitgliedschaften insgesammt ein anderer Ort vorgeschlagen werden sollte. Zeit und Tagesordnung später. Noch fordere ich diejenigen Mitgliedschaften auf. Welche noch nicht fcaS Resultat betreffs Urabstimmung mitgetheilt aaben, dieses in kürzester Frist an uns gelangen zu lassen. ES stimmten bereits für diesen Punkr Brauuschweig, Chemnitz, Co- �Urg, Gotha, Nürnberg. Dagegen Dresden. Noch fordere ich diejenigen Mitgliedschaften auf, welche uiit ihren Beiträgen für �»riges Quartal restireu, dieselben baldigst einzusenden, damit iUr Generalversammlung Abrechnung erfolgen kann. Der Haupt- Mrer wohnt Kaffetwete 5. Für die Verwaltung: Heinrich Rieke, Vorsitzender, Schöppcnstedterstraße 50. Gewerkschaft der Schuhmacher. OotHa. Leipzig stellt folgende Anträge: Den§ 4 des Ge- d>ttIschaftS-Statut in jetziger Fassung zu erhalten, tz 5: Anstatt > 2 Monate zu setzen.§ 30: anstatt 15 Meilen zu setzen: £ Meilen. Dresden: 1) Die Berechtigung zur Erhebung des isteisegeldeS, anstatt mit 3, ferner erst mit 6 Monaten eintreten F lassen. 2) Zutritt der Frauen der Mitglieder zur Kranken- ?ise.§ 31; Den jetzigen Wortlaut des Statuts zu erhalten. sUgsburg: Das Einbrinzwesen zu regeln. Mühlhausen i. Th.: ) Den Titel in Lederarbeitergeweckschaft umzuändern. 2) Gegen �Üspreckendc Steuererhöhung die Familie mit in die Krankenkasse Mzunehmen. Weimar: Z 32 dahin abzuändern: Eine bestimmte wrm der Unterstützung festzusetzen. Für die Verwaltung: W. Bock. • Hotha. Zu der zweiten Arbeitseinstellung ist noch die dritte B Coburg hinzugekommen. Die Verwaltung hat sowohl bei den .tstrnberger wie bei den Coburger Collegen den Versuch gemacht, �st Strike zu verhüten, doch ohne unsren Willen hat man den �trike proklamirt. Wir erklären hiermit, daß in der nächsten Zeit !ül Strike von uns gebilligt und unterstützt wird. Wo soll das hinaus? Das Kasseuwesen, einer der wichtigsten Grundpfeiler jeder Organisation, wird dabei aufs Tiefste erschüttert und die mühsam aufgebrachten Unterstützungen, da bei Strikes auch Nicht- Mitglieder der Gewerkschaft unterstützt werden, Leuten in den Hals geschoben, welche die Schmarotzer an der Arbeiterbewegung spielen. Bei Strikes sind jene flauen Elemente gleich dabei, nehmen die Unterstützung und laufen oftmals am ersten wieder davon. Col- legen, das kann und darf nicht so fortgehen. Leget überall soviel Last und Liebe für die Organisation und deren Verbreitung an den Tag, als Jyr für die SttikeS an den Tag legt. Nur erst, wenn 10,000 Mitglieder in unfrer Gewerkschaft vereinigt sind und sie über Tausende von Thalern verfügen kann, können wir, und zwar energisch, an die Verbesserung unsrer Lage denken. Dann können Strikes, wenn wir dazu gezwungen werden, mit wenig Kraftanstrengung durchgesetzt werden, während eS heute nur Glücks- umständen zu danken ist, wenn wir siegen. Daß wir wehr unter- liegen als gewinnen, zeigt die Vergangenheit und Gegenwart. Darum lassen wir immer und immer wieder unfern Ruf ertönen: Organisirt Euch! Diese drei Arbeitseinstellungen, da sie einmal angefangen, wollen wir um unsrer Mitglieder willen siegreich durchzuführen suchen, damit schon jetzt daS Zutrauen zur Gewerk- schaft wächst. Wir warnen wiederholt vor Zuzug nach Coburg. In Coburg sind nur wenig Mitglieder zu unterstützen und bitten wir etwaige Unterstützungen an Theodor Simon, Steinweg 119, zu senden. Der größte Theil der Strikenden hat Arbeit in den Handschuhfabriken gefunden. Collegen, Arbeiter in und außerhalb unsrer Organisation, thut nach Kräften Eure Schuldigkeit. Bei Geldsendungen müssen wir dringend bitten, sich nur der Postanweisung zu bedienen und nicht der Briefe, was bedeutend theurer ist. Namentlich Chemnitz machen wir hierauf aufmerksam. Kleinere Beträge unter einem Thaler wolle man in Briefmarken in den Brief legen, doch nicht auf der Adresse vermerken, sonst müssen wir gleichfalls daS Porto für einen Geldbrief zahlen. Apolda stellt den Antrag zur Krankenkasse, freie Medizin zu ge- währen, desgleichen auch an Leichtkranke, die noch im Stande sind zu arbeiten. Diejenigen Orte, welche keinen eignen Delezirten senden, wollen das Mandat mit Angabe der Mitgliederzahl an Unterzeichneten einsenden. Die Delegirten bitten wir, ihre Wahl unS sofort anzuzeigen. Mit Gruß Für die Verwaltung: W. Bock. Gewerkschaft der Maler, Lackircr n»d Berufsgenosse». Wraunschweig, 6. Mai. Hiermit den Gewerksgenossen zur Nachricht, daß bis Ende nächster Woche alles auf unfern Congreß Bezügliche bekannt gegeben wird. Die Verzögerung dieser Ange- legenheit hat in dem Mangel einer zuverlässigen Adresse in Cassel ihren Grund. In Bremerhaven hat sich eine Mitgliedschaft ge- bildet, woselbst W. Hanken, Postraße Nr. 19, Bevollmächtigter ist. Für München sind neu gewählt: als Bevollmächtigter Ed. Lacroix, Sendlingerlandgasse Nr. 44, 1, als Kassirer K. Giebel, Reichenbachstraße Nr. 23. Ferner ersuche ich, alle Briese an mich nicht mehr Derenburg- Tweete, sondern Reichenstraße Nc. 22 zu adressiren. Mit Gruß! Für den Ausschuß: Theodor Rosenkranz. Allgemeiner deutscher Schneiderverein. Mühlhausen in tzh. Am 4. Mai beriefen wir zum Zweck der Gründung einer Mitgliedschaft eine allgemeine Schneider- gehilfcn-Versammlung ein, die leider nicht nach Wunsch besucht war. Die Herren Knopf und Kellner aus Gotha waren als Re- ferenten erschienen. Zum ersten Punkt der Tazesordnung,„Zweck und Nutzen der Gewerkschaften", sprach Knopf; er legte in kurzen aber überzeugenden Worten die Bedeutung der Gewerkschaften klar. „Constituirung einer Mitgliedschaft der Gewerkschaft" stand als zweiter Punkt auf der Tagesordnung. Der schwache Besuch beachte es leider mit sich, daß sich vorerst 18 Mann einzeichnen ließen. Unterzeichneter wurde mit entschiedener Majorität zum Bevoll- mächtigten gewählt. Zum 11. Mai ist eine zweite Versammlung einberufen, die Urs hoffentlich weiteren Zuwachs einbringen wird. Wir werden nach Kräften zur Erstarkung des Allgem. deutschen SchneiderveremS beitragen. Mit sozialdem. Gruß C. Kälter. Correspondenzen- geizig. Am 28. April fand wiederum eine allgemeine Ge- wcrkschaflsversammlung statt mit der Tagesordnung:„Die Be- deutuog der Gewerkschaften und Besprechung über den hiesigen Schuhmacherstrike." Da der Referent nicht erschienen war, wurde der zweite Punkt der Tagesordnung zuerst genommen und referirte Hörtzsck über denselben. Hörtzsch führte auS, daß dieser Strike schon seit 2 Jahren datirte, wo die G.chülsen mit einer Forderung von 20 pCt. an die Meister heran'.raten. Die einstchtsoollcren der Arbeitgeber sahen damals an, daß etwas geschehen mußte, da Zeit und Verhältnisse dazu drängten. Um jedoch der Sache einen allgemeinen Anstrich zu geben, ließen die Herren Arbeitgeber im „Tageblatt" folgende Bekanntmachung los:„In der am 10. Mai stattgefuudenen Versammlung der Schuhmacher— Forderung der Gehülfen um 20 pCt. Lohnerhöhung— wurde der Beschluß ge- saßt, den Forderungen der Gehülfen Genüge zu leisten, weil die Erfahrung gelehrt brt, daß Strikes weder für Arbeitzeber, noch Arbeitnehmer und Publikum von Vortheil sind. In Folge dessen sind wir genöthigt, eine Preiserhöhung eintreten zu lassen. Bor- st.hendes erlaubt sich das unterzeichnete Comitä dem geehrten Pu- blikum bekannt zu machen. Das Comitö der selbstständigen Schuh- wacher Leipzigs." Wie aber gewöhnlich das Versprechen sehr leicht, das Halte» aber Manchem sehr schwer fällt, so auch hier, denn die meisten Arbeitgeber, mit sehr wenig Ausnahmen, hielten nicht Wort und hatten sehr bald vergessen, was sich für einen Ehren- mann geziemt. Im vorigen Jahr wurde dasselbe Manöver wie- derum"durckgcmacht, genau mit demselben Erfolg: unser vorgelegter Tarif wurde wiederum verworfen, höchstens wurden von einigen wenigen Arbeitgebern aus Gnaden einige Groschen bewilligt. Gegenüber, diesem schnöde» und unwürdigen Verhalten der Meister wurde eS endlich einmal Zeit zum Handeln; es wurden Vcrsamm- lungen einberufen, um etwas Entsctreidendes vorzunehmen. Wir setzten den Herren Arbeitgebern einen Tag fest, unS ein Entweder- Oder zukommen zu lassen. Wir erhielten eine in mehreren Punkten sich widersprechende Resolution zugeschickt, in der die Meister zu- letzt aussprachen, jeden Bruch mit den GeHülsen zu vermeiden, aber zu gleicher Zeit wurde in selbiger resolutionSmachender Ver- sammlung eine Stimme laut:„Laßt sie striken!" waö unter Bravo- rufen und Händeklatschen frohlockend aufgenommen wurde. Unsrc Geduld war nun erschöpft und wir sahen ein, daß mit diesen Herren Nichts anzusaugen sei. ES wurde hierauf in einer allge- meinen Gehülfenversammlung der Strike beschlossen. Es sprachen noch mehrere Redner über diese Angelegenheit und zwar zu Gunsten der Strikenden. Beim Gchluß der Debatte wurde folgende Reso- lutiou angenommen: Die heutige allgemeine Gewerkschastsversamm- lung erklärt sich mit dem Vorgehen der Schuhmachergehülfen voll- ständig einverstanden und wird mit allen ihr zu Gebote stehende« Mitteln für die Durchführung des Strikes eintreten. Den zweiten Punkt erläuterte Seifert. Derselbe benutzte da» in unscrm Statut unter§2 enthaltene Programm, zergliederte die einzelnen Punkte und führte schlagend aus, wie die Gewcrkschafte« in viel höherem und ernsterem Maße die Hebung des Gewerk» und Verbesserung dessen Lage erstrebten, wie eS die Herren Arbeit- geber, mit nur wenig Ausnahmen, nur zum Schein thun. Die Gewerkschaften erstrebten in erster Linie die Achtung, Ehre und Würde de? Arbeiters zu heben, welche der Mensch besitzen muß, um seine Lage, seine Verhältnisse zu heben und zu bessern. Jeder muß sich ein Wissen, ein Denken aneignen, damit er stark, bew»ßt und überzeugt wird, daß Wissen Macht ist. Zum Schluß wurde von allen sich an der Debatte betheiligenden Rednern zum Eintritt in die Gewerkschaften aufgefordert unter besonderem Hinweis auf die mit denselben verbundenen Krankenkassen. A. Schäfer, Schriftführer. Hteichenöach i. V., 5. Mai. Auf Requisition der Hofer Polizei wurde heute der hier als Schriftsetzer und Buchdrucker conditionirende Parteigenosse Martin v. d. Linde verhaftet, wahrscheinlich wegen kürzlich al« stellvertretender Redakteur der„Hofer Zeitung" begangener„StaatS-Verbrechen".— Gegen die Verordnung der Kreisdirektion Zwickau, die Auflösung der hiesigen Partei- Mitgliedschaft betr., ist Rekurs angemeldet worden. Bis zur letzten Entscheidung durch daS Ministerium sollten, statt der wöchentlichen Parteiversammlungen, Volksversammlungen stattfinden, die- selben wurden jedoch vom hiesigen Gerichtsamt nicht gestattet, weil die Einberufer als Beamte bei der Partei fungirten, die nämliche Zeit, der nämliche Ort, welcher übrigens zu klein, gewählt sei, mithin diese Versammlungen bloS als Deckmantel zur Fortsetzung der Parteiversammlungen zu betrachten seien, auch könne mit der Tagesordnung:„Die Auflösung der sozialdemokratischen Arbeiter- Partei" sehr leicht durch Aufreizung eine Gesetzesübertretung be- gangen, dazu aufgefordert oder doch dazu geneigt gemacht werden. Die für morgen angemeldete Versammlung mit der Tagesordnung: „Programm und Organisation der sozialdemokratischen Partei", ist uns erst mit Hilfe der Kceisdirektion erlaubt worden. Krnnstfnrl a. M. An die Tapezirer aller Orte! Die hiesigen Prinzipale haben sich zu einem entschiedenen Borgehen gegen un» entschlossen, sie haben sich vereinigt und wollen daS alte Zunft- wesen wieder herstellen und Werkstatt- Ordnung ic. einführen. Kollegen! Im Augenblicke stehen die Dinge so, daß wir Euch aufforvern müssen, den Zuzug von hier fernzuhalten, wir haben Kämpfe zu erwarten. Zeigen wir, daß wir freie Männer der Arbeit und eifrigst be- strebt sind, für ein menschenwürdiges Dasein zu kämpfen. Im Auftrage: Ignatz Aßmann. Michendorf, 6. Mai. Am 26. April fand in Sraßfurt ein Arbeiterfeft statt, zu dem aus hiesigem Ort und auS der Ilmgegend mehrere Personen erschienen waren; bereits Vormittags hielten die Staßfurter eine Volksversammlung ab. Die Festrede und das Referat in der Volksversammlung hatte der ReichStagsabzeordnete Most übernommen. In beiden Fällen verstand eS Redner, die Anwesenden über das gestellte Thema vollständig aufzuklären. Einige Tage später kam mir die Nummer der„Magdeburger Zeitung" zu Gesicht, in welcher die Verhaftung Most's und seine Abführung nach Berlin angezeigt wurde. Natürlich war die Notiz begleitet von Ausfällen gegen Most und gegen die Sozialdemo- kratie überhaupt. Trösten wir uns. Ginge eS nach den Gegnern und dem Geschrei ihrer Preßorgane, es bestünde heut keine So- zialdemokratie mehr, und doch gewinnt diese täglich mehr an Boden. Also fest gestanden! Kannover.(Schuhmacher-Strike.) Wir bringen hiermit allen Collegen und Parteigenossen zur Kenntniß, daß, nachdem alle auf gütlichem Wege gemachten Vorstellungen unseren Arbeitgebern gegenüber erfolglos geblieben, und selbst ein event. Nachgeben ur.serersiits von der Mehrzahl der Jnnunzsmeister schroff zurückgewiesen wurde, wir uns seit dem 4. Mai im Strike befinden. Da durch unsere Gegner im hiesigen Tageblatt die Meinung im Publikum verbreitet worden ist, wir hätten unfern Meistern unge- rechtfertigte Forderungen gestellt, so erlauben wir uns, unfern Col- legen und Parteigenössen den Verdienst der hiesigen Schuhmacher- gesellen durch nachstehende Lohnstatistik zu unterbreiten: Ein guter Arbeiter hat in den gegenwärtigen Lohnverhältnissen in 327'/» Stunden 16 Thlr. 11 Gr. 9 Pf. verdient. Wenn nun die Ar- beitswoche zu 60 Stunden gerechnet wird, so erhielt dieser gute Arbeiter an Wochenlohn 2 Thlr. 29 Gr. 4 Pf. Hiervon soll der Mann sein Kostgeld, die Staats- und städtischen Steuern und seine Kcankenkasseu-Auflaze bezahlen. Er soll außerdem seine mensch- lichen Bedürfnisse, sich zu bekleiden, reine Wäsche zu halten:c., davon bestcciten. Ein Zweiter verdiente in 572 Stunden 27 Thlr. 29 Gr. Die Arbeitswoche zu 60 Stunden gerechnet, beläuft sich sein Verdienst pro Woche auf 2 Thlr. 23 Gr. 4 Pf. Ein mitt- lerer Arbeiter verdiente in 414 Stunden 45 Thlr. 4 Gr., macht, deu Tag zu 10 Stunden gerechnet, von früh 6 Uhr bis Abend» 6 Uhr, mit Einschluß einer Mittagspause von einer Stunde und Frühstücks- und' Vesperpause von je einer halben Stunde, 11 Gr. 3 Pf. Ein Vierter verdiente in 873 Stunden 33 Thlr. 11 Gr. 873 Stunden sind gleich 14 und eine halbe Arbeitswochen. Allerdings haben diese Arbeiter freies Logis, aber auch weiter nicht», denn selbst den Kaffee(wenn man daS Getränk, welches die Gesellen zum Theil erhalten, überhaupt Kaffee nennen dach muß der Gesell noch mit 5 bis 7'.- Gr. pro Woche bezahlen. Nun wollen wir eS den geehrten Lesern selbst überlassen darüber zu urtheileu, ob wir ungerechtfertigte Forderungen zu stellen nur in der Lage sind. Wir ersuchen alle auswärtigen Collegen, allen Zuzug von hier fernzuhalten und sofort Sammlungen zur Unter- stützung der Strikenven vorzunehmen, denn rasche Hülfe thut Notb! Collegen! 600 Schuhmachergesellen haben die Arbeit nieder- gelegt- für den ausgezeichneten Geist unter uns zeugt das Still- liegen' sämmtlicher hiesigen Werstätten. Wir thun unsere Schul digkeit, thut auch Ihr die Eurige. Unter allen Arbeitern stehen gerade die Schuhmachergesellen am gedrücktesten. Es muß hierin eine Aenderung eintreten, deren Herbeiführung unsere heiligste Aufgabe sei» soll. Alle Geldsen dungeu wolle man an den Strikekassirer Carl Busse, alle Briefe oder sonstigen Anfragen an den Schriftführer Wilh. Dormann adressiren..' Das Strike-Comits. Im Auftrage: H. Knoche. KaWbuug.Attona, 26. April.(Zur Aufklärung über die Lage der Haartuchweber.) Da unser Geschäft und unsere schlechte Lage der Masse des Volkes noch unbekannt ist und von Seiten unsrer Fabrikanten nicht das Geringste gethan wird, um dieselbe z» verbessern, ja man sogar mit dem Plane umgeht, unfern kargen Arbeitslohn noch um 6'/» pCt. zu verkürzen, so bringen wir hier- mit Folgendes zur Aufklärung. Der Weber bekommt für ein Stück Haartuch 53 br. lang 8'/- Thlr., davon muß er zahlen für eine Gehülfin(Aufhater) incl. Kaffee und Thee 3 Thlr. pr. Stck., blei- ben 5'/- Thlr. Nun muß ein Arbeiter bei ILflündiger Arbeits- zeit an einem Stück acht Arbeitstage arbeiten, macht 20'/- Sgr. pr. Tag und also einen Wochenlohn von 4 Thlr. 3 Sgr.; hierzu kommt noch, daß wir entweder feiern, wenn wir keinen Auf- haker haben oder noch länger arbeiten müssen, wenn wir einen ungeübten haben. Nun fragen wir, ist es wohl möglich, daß eine Familie mit 3 bis 4 Kindern bei 4 Thlr. Wochenlohn ein men- fchenwürdiges Leben führen kann, bei theuren Lebensbedürfnissen; die Wohnung, die ein Haartuchweber haben muß, da er fein Ge- schüft im Hause betreibt, verlaugt ein helles und geräumiges Zimmer mehr als bei jedem andern Arbeiter und tostet(50 bis 65 Tchlr., das Pfund Butter kostet 12 und 15 Sgr., das Pfund Rindfleisch 6 und 7 Sgr. Und so sind alle Lebensmittel in den letzten 25 Jahren um 100 pCt. und darüber gestiegen, unser Lohn aber ist in derselben Zeit derselbe geblieben. Freilich, was brauchen wir auch Fleisch und Butter, solche Artikel existiren für uns nickt mehr. Nun giebt es aber College», welche gezwungen sind, 16 und 18 Stunden täglich zu arbeiten und jede Woche ein Stück zu liefern; wieder andere giebt eS, die ihre Frau und ihre zarten Kinder zu Sklaven machen, um ihr Leben zu fristen, und wieder andere, welche breite uns besser lohnende Arbeit und daher einen bessern Verdienst haben; und auf diese Leute berufen sich unsere Fabrikanten, obschon eS dieser Arbeiter nur wenige giebt und die meisten darben. Ferner berufen sich die Herren aus die Concur- renz, und doch sind ihrer nur wenige, die das Geschäft in Händen haben. Nun richten wir eine Frage an die Herren, warum sind sie denn stets einig, wenn es den Arbeiter zu bedrücken gilt, und nicht einig in der Concurrenz? Warum verschleudert und ver- schachert der eine seine Waare immer noch billiger als der Andere? Antwort: Aus Habgier und Neid. Leider ist es uns nach jahrelangem Streben und Mühen noch nicht gelungen, eine feste Ver- eiuigung und Organisation unter uns zu schaffen, denn die meisten von uns sind schon so geistig versumpft und stumpfsinnig gewor- den, daß sie lieber sich selbst, ihre Frau und die unmündigen Kinder zu Sklaven machen, ihre und ihrer Familie Gesundheit auft Spiel setzen, als sich aufzuraffen zu thatkräftigem und gemein- samem Handeln. Nicht genug, daß der Mann ein Sklave des Kapitals ist, nein, die Frau und selbst die zarten Kinder sollen es auch sein, und darum College» rufen wir Euch zu: ' Schüttelt ab das Joch, zerbrecht die Ketten Der modernen Sklaverei, Wollet Ihr vom Untergang Euch retten, So vereinigt Euch und macht Euch ftei! Mehrere Haartuchweber. Starnöerg, 4. Mai. Der„Zeitgeist" vom 7. Mai erhält folgende Zuschrift: Im„Zeitgeist" vom 2. ds. Nr. 99 lese ich in der Rubrik:„Bayerisches und Lokales", daß dem Redafteur ds. Bll, Hrn. Geiser, einige Briefe spurlos verschwunden seien, und betrachtet derselbe diese Angelegenheit als eine„persönliche". Letzteres kann ich nicht zugestehen, indem eine solche Angelegenheit eine öffentliche und allgemeine und zwar nicht allein für Bayern, sondern für das ganze deutsche Reich und alle Länder der Welt ist. Denn wohin soll das führen, wenn nicht einmal Briefe an ihre genau und deutlich geschriebene Adresse gelangen, selbst wenn sie vom Adressanten auch noch zur Post getragen werden. Wahr- lich, man könnte dem deutschen Reich keinen schlechteren Gefallen thun, als dadurch, daß das Briefgeheimniß verletzt und Brief- räubereien begangen werden. Ein solches Verfahren muß das deutsche Reich noihwendig um allen Credit auch dem Auslande gegenüber bringen. DaS Verschwinden solcher nicht an ihre Adresse gelangten Briefe ist deshalb nicht als eine persönliche, sondern als eine„internationale" Angelegenheit zu betrachten.— Neb er das Thema der spurlos verschwundenen Briefe kann aber auch ich in neuester Zeit ein Liedchen singen und dies lautet wie folgt: Es ist gerade ein Jahr, daß ich mich hier befinde, und kam im vorigen Jahre ein Brief von mir nicht nach Landau(Pfalz), ein anderer nicht in den Rheingau bei Mainz und wieder eine andere Ten- duug, nämlich ein ganz kleines Schächtelchen, kam zwar nach Ans- bach, wohin es bestimmt war, ging aber auf der Rückreise zu mir verloren. Auf diese drei Verluste hin reklamirte ich schriftlich bei der hiesigen königlichen Posteppedition. Es stellte sich aber— nichts heraus, da ich die drei Gegenstände zwar ftankirt, aber nicht rekommandirt aufgegeben hatte. Immerhin hatte die Re- klamation den Nutzen, daß mir feit dieser Zeit, etwa neun Monate lang, gar nichts mehr spurlos verschwand. Plötzlich aber wieder, und zwar seit 14 Tagen, kamen drei Briefe von mir auf einmal nicht mehr an ihre Adresse. Und zwar wieder einer in den Rhein- gau und zwei andere an die Redaktion des„Zeitgeist".— Vom Rheingau aus beschwerte sich nun der Adressat des„verschwundenen" Brieses in einem vor ein paar Tagen erhaltenen rekommandirten Geldbriese über'mein langes Stillschweigen. Nun war ich ge- zwungen, in einem rekommandirten Briefe den Inhalt meines früheren Schreibens � zu wiederholen und mich über die„Verdus tung" meines Briefes deutsch genug auszusprechen. VoN den übrigen beiden Briefen an den„Zeitgeist" weiß die Redaktion desselben kein Wort, reiste ich extra deshalb nach München, wo ich eben dies—„Briefgeheimniß" erfuhr.— Auch ich enthalte mich jeder ferneren Bemerkung, rekommandire aber diese Zeilen, wobei ich die Redaktion des„Zeitgeist" ersuche, all- meiue Briefe, gleich- viel, ob sie nun rekommandirt oder nicht ankommen werden, genau und in Gegenwart des Postboten am Rande zu untersuchen, ob sie nicht da etwa mit einem feinen Messerchen aufgeschnitten und eben so fein wieder zugeklebt sind. Schließlich erwarte ich vom »Zeitgeist", daß dies unter„Bayerisches" aufgenommen und, wie hier stehend, mit meinem Namen unterzeichnet werde. Rudolph von Gähler. Iürth, 10. Mai. Parteigenosse Löwenftein hatte auf heute eine Volksversammlung einberufen, welche von der OrtSpolizei verboten wurde. Es gelang indessen, das B-rbot zu beseitigen und so fand die Volksversammlung, zahlreich besucht, heute statt. Die- selbe nahm einen sehr ruhigen Verlaus, sprach sich aber entschieden für Wahrung des Vereins- und Versammlungsrechts gegen die Gewallmaßregeln deS Nürnberger Magistrats aus, gegen welch letztere auch energischer Protest erhoben wurde. Stuttgart, 24. März.(„Noble" Herren) Seit ca. ändert- halb Jahren arbeitete Unterzeichneter in der Schuhfabrik der HH. Haueisen und Sauer und zwar zur größten Zufriedenheit, waS dadurch bewiesen sein dürfte, daß Hr. Haueisen sich meiner Arbeit als Muster bediente und mit aus.die Reise nahm, um großen Absatz zu erzielen. Es muß dies auch genanntem H. gelungen sein, da obengenannte Fabrik zur Zeit, trotz des flauen Geschäfts- ganzes, viel mehr Arbeiter als vor einem Jahre beschäftigt. Allein, es kann ja nicht immer so bleiben.— Am 26. Januar, nicht» ahnend, bekam ich plötzlich meine Entlassung. Nach dem Grund der plötzlichen Entlassung fragend, erwiderte mir Hr. Sauer:„Weil wir Arbeiter entbehren können." Auf mein weiteres Fragen,� es komme mir eigentümlich vor, daß mit mir der Anfang der Ent> lassungen gemacht werde, oder ein anderer Grund vorliege, sagte Herr Sauer:„Nein, aber wenn Sie einmal gehen wollen, dann gehen Sie auch. Ihre Privatangelegenheiten geh'u mich nichts an." Die kurze und bündige Erklärung:„Ihre Privatangelegen- heiten geh'n mich nichts an," erregte in mir den Gedanken, daß gerade das Gegentheil der Fall sein könnte. In der That hat sich meine Vermuthung, daß hier eine Beeinflussung von Seiten der hiesigen Großmeister mitgewirkt habe, nur als zu wahr, was ich weiter unten beweisen werde, bestätigt. Nun war ich auch kerneswegs gewillt, mir eine solche Fabrikantenwillkür gefallen zu lassen, da der§ 110 des deutschen Gewcrbegcsetzes sagt, daß eine 14täzige Kündigung zwischen Arbeitgeber und-Nehmer stattzufinden habe, wenn nicht ein anderes verabredet ist. Gestützt auf genannten Paragraphen, erhob ich am 27. Januar beim hiesigen Ortsgericht Klage auf Entschädigung. Die Verhandlungen fanden endlich am 13. Februar statt, wurden aber auf Grund einer Aussage deS Herrn Sauer, ich(Schröder) hätte nicht ausschließlich für ihn (Sauer) gearbeitet, was er durch einen Auszug aus seinem Buche, wonach ich nur 53 kr. per Tag verdient hätte, zu beweisen suchte, auf 3 Tage vertagt. Elfteres verneinte ich, das zweite erkannte ich, ebensowenig daS Vorgebrachte als gesetzlichen Grund der Eni- lassung an.— Die zweite Verhandlung fand am 11. März, also drei Wochen(nicht acht Tage, wie es bestimmt war) später statt. Warum die ganze Geschichte vom 27. Januar bis 18. Februar, bez. 11. März hinausgezogen wurde, weiß ich nicht, aber ich weiß, als die Polizei beim Ausbruch des hier stattgehabten Schuhmacher- strikes eine Klage gegen mich ei hoben hatte, daß dieselbe vom hie- sigen Stadtgericht, von einem Tag zum andern, für mich zum Strafezahlen entschieden war.— Die Herren Haueisen und Sauer hatten nun Zeit'und Gelegenheit genug, alles Mögliche und An- mögliche in der Zwischenzeit zu thun, um vereint mit dem hiesigen Schuhmacher- Arbeitgebervertin, wobei sich die Herren Brösammle, Zweigart und Bauer jun. ausgezeichnet haben, würdig der Ten- denz jener Herausschmeißer- Gesellschaft an die Seite zu stellen. Von dem Werkführer der Herren H. und S., einem morali chen Tugendhelden und Herrendiener gar nicht zu reden, liefen nun meine früheren liebenswürdigen und zweifelsohne sehr reinlichen Patrone zu meinem jetzigen Meister, um abermals meine Ent- lassung zu bewirken, aber umsonst. In der zweiten Verhandlung war Hr. Haueisen anwesend und suchte zu beweisen, daß ich für Hrn. Hosschuhmacher Bauer gearbeitet hätte. Ich meinerseits er- klärte(gestützt auf§ III des deutschen GewerbegefttzeS), daß ich allerdings vor ca. 8 bis 9 Monaten für Hrn. Bauer ein Stück Arbeit gemacht habe, daß dies aber jetzt kein gesetzlicher Grund zur plötzlichen Entlassung sei. DaS OrtSgericht konstatirte aber, daß Sonn- und Feiertage nicht als Arbeitstage gerechnet werden könnten, somit nickt 53 kr., sondern ungefähr I, st. 6 kr. heraus känen, und bestätigte weiter, daß nach allem Vorgetragenen kein gesetzlicher Grund zur Entlassung vorliege, und verurtheilte die Herren Haueisen und Sauer zur Vergütung von 10 Arbeitstagen! für die Delegirten, weichendem am 25. u. 26. Mai in Hamburg stattfindende Generalversammlung des Allgemeinen Böttcher.(Küpcr-) Vereins geschickt werden, daß sich dieselben bei Herrn Gastwirth Knoll, große Burstah Nr. 38, melden, damit für die nöthigen Quartiere gesorgt wer- den kann. Diejenigen Mitgliedschaften, welche keinen Delegirten schicke», ersuche ich, die Bollmacht des Mandats nebst genauer Zahl der Mt- glieder, damit sie aus der Generalversammlung vertreten find, mir ein- zusende». I. A.: H. Denkman», Nr. 40, St. Pa»lj. Sozialdemokratische Arbeiterpartei. �/ilUU«>Uvi Sonnabend den 16. Mai, 7 Uhr Abends, in Bart« linzs Gasthause, Knochenstr. 59: Geschloffeue Mitgliederversammlung, sowie jeden Sonnabend regelmäßige öffentliche Versammlungen im obigen Saale, wozu Freunde willkommen sind.__ Der VertrauenSm. AgitationS-Comite. Jeden Mittwoch, Abends 8 Uhr: Versammlung im Lokale des Arbeiterbildnngsvereins.— Aufnahme neuer Mitglieder erfolgt in jeder Sitzung. Der Vorstand. Leipzig Sozialdemokratischer Arbeiterverein. -wCll*)l|j Freitag, den 15. Mai, Abends 8 Uhr im„Gosenthal"'— Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht; Refereut Fr. Nauert. Beurtheilung der Broschüre:„An die sächsischen Arbeiter", Ref. Blos. -tfVtllttft Autzerordeutliche Generalversammlung per Tischler-Kranken- und Begrabnißkasse Sonnabend, 16. Mai, Abends halb 9 Uhr, bei Herrn Jabin, Turner« straße 3.— Tagesordnung: 1) Wahl eines Kassirer«; 2) Eintragung der Kasse WS Genossenschast«- Register als juristische Person; 3) Revision der Statuten, bez. Wahl einer Kommission. XU. Quittungsbücher sind vorzuzeigen. Allseitiges Erscheinen drm- gend noihwendig. s2bj Der Vorstand. 17. sächsischer Wahlbezirk. Nächsten Donnerstag, den 14. Mai(Himmelfahrtsfest), Nachmittag 3 Uhr: BezirkScomitcsitzuug in Glauchau, Pflugk'S Restauration, Jo- hanmsplatz 5— Tagesordnung: 1) Abrechnung über die letzte Reichs- tagswahl; 2) Besprechung über AgitationSangelegenheiteu ic. Wir erwarten, daß alle Orte pünktlich erscheinen. Der Vorort de« 17. sächsischen Wahlbezirks. [2t]______ I. A.: Hermann Albert. Vorläufige Anzeige. Der Volksdercin';« Crimmitschau beabsichtigt am 14. und 15. Juni dsS. I. ein Volksfest, verbunden mit Vogelschiesten, abzuhalten, und ladet im Boraus seine Freunde von hier und auswärts dazu ein. Näheres erfolgt später. Das F-st Eomite. XL. Briese und Anfragen sind unter der Ueberfchrift„Fcstangrlcgcn- hcitcn" an die Expedition des„Erimmitschauer Bürger- und Bauern« freund" zu richten._ Die Parteigenossen des 12. und 13. Wahlkreises werde» zu unserm Sonntag, den 17. Mai im Gasthause zu Wolsshain stattfindenden Sommervergnügen eingeladen, zahlreich zu erscheinen.— Einige Mitglieder unseres Vereins (macht zusammen 11 fl.) und Tragung der Kosten.— Daß sich I werden Mittags halb 1 Uhr oie Theilnehmer auf bem Bahnhofe zn '—---•- Beucha erwarten und nach Wolfsham geleiten. Abfahrt von Leipzig Mittags 12 Uhr. _____________________ Gesellschaft„Geselligkeit". Sophienstraße Nr. 36, vierte nun die ganze Blüthe der vereinigten Schuhmacher- Arbeitgeber (jene Halbsabrikanten nicht ausgeschlossen) über die nutzlosen An- strengungen, sowie über die moralische Niederlage ärgern, ist be- greiftick. Auch bin ich bereit, ihren Aerger in einer öffentlichen Versammlung durch Erzählung der Vorgänge zu steigern. Ferner mögen sich diese väterlich für die?lrbe ter sorgenden Herren, die sich für die«bärmlichsten Betten und Schlafstellen, per Woche Ifl.L ,, bis 1 fl. 12 kr. bezahlen lassen, ja nicht einbilden, daß ich etwa'1� Eine sreundliche Schlafstelle ist offen Etage links, Leipzig. jemals wieder Arbeit von ihnen wollte, oder daß sie mich zur Stadt hinausmaßregeln können, wie sich Herr Bauer ausgesprochen� hat. Ich werde zu ihrem Verdruß hier bleiben, so lange ich über-> Haupt will.— Euch, Arbeiter u> d College», rufe ich aber zu: „Bereinigt Euch, damit jene Ausbeuter Euch nickt länger unter- drücken und maßregeln können; vereinzelt seid Ihr Nicht?, ver- einigt Alles"— Valentin Schröder, Bevöllmachtigter der Schuhmacher � Gewerkschaft. Einem Drechsjerlehrling z. Rudel, in Ruhla(Thüringen). i-jy Für Wäsche und Kleidung während der Lehrzeit wird gesorgt. s4d Arbeitslfosen. Accht Englische Lcdcrhosen ä Stück 1 Thlr. 15 Sgr., „„ Lcder-Westru ä Stück 1 Thlr., „ Cordhosen ä Stück 1 Thlr. 10 Sgr, „ Starke, Stoffhosen 5 Stück 2 Thlr. 15 Sgr, „ Drellhosen-» Stück i Thlr., Banmivollene feste Arbeitshosen ü Stück 27>/z . empfiehlt Briefkasten der Redaciion. S. in Zürich: Wir übersenden Ihr Schreiben dem Aut schliß. Nach Riesa: Der Artikel kann erst in nächster Nummer kom- men. B. G. in Barmen' Der Artikel ist dem Ausschuß übersandt; das darin Enthaltene wird jedenfalls noch verwerthet; zur Zeit aber ist es uns durch das Parteiintensse geboten, nicht ,ni der gewünschten Weise vorzugehen. W. Würzburg: L's Adresse ist Branstraße 11; die andere Adresse lautet: Kaufm. M. in Crimmitschau. M. Hamburg: Ist aus Versehen leider liegen geblieben. W. V. Gmünd: Für nächste Nummer «»möglich. der Expedition. Prßr Lindenau Schr. Gr. 24 5. Nch Rendsburg Schr. 16 Gr. Hchstn Rudolstadt Schr. Thlr. 2 10 2. Klhrn hier Ann. 10 Gr. Gewerksch. der Schuhm. Regcnsburg Ann. 5 Gr. Btschn Al- tona 4 Gr. Gulbr Großenhain Schr. Tblr. 4 6 1. Stphn Lncken- walde Schr. 2 Thlr. Bchhm hier Schr. 14 Gr. Tth Seisveunersdorf Ab. Mai 7 Gr. Schneideiver. hier Ann. Thlr. 12—. Mllr Berlin Schr. 2 Gr. Schmdt Neustadt Schr. 15 Gr. Lsr Witlgensdors Schr. Thlr. 2 6.— Klcmpncrver. Berlin: Die Ann. in Nr. 52 kostet 1 Thlr. W. Hüls Königsberg: Jhie Ann. kostet 10 Gr. L. Mhlhrn Crimmitschau: Wir haben weder Brief noch Ann. erhalten. [z. m Louis(ijui'nmmu Leipzig, Grimma'sche Ttraße Nr. 24. Die Hutsaizrik-Genoffenschaft Kleine Fleischetgasse 20 in Leipzig empfiehlt ihr Lager in Zil;- unk> Peidcilhüten neuester Pa�sn zu den billigsten Preisen.— Reparaturen gut, schnell und billigst. 3b Anzeigen:c. Ich mache hiermit den Parteigeuoffen bekannt, daß die Filiale de«„Bolksstaat" von jetzt ab sich bei.