1 5. 5 5. 5, Erscheint in Aipsiz Mittwoch, Freitag, Sonntag. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten u. Buchhand- lungen des In- uÄnslandes. Filial-Expeditionen für die Vereinigten Staaten: F. Ä. Sorge, Vor 101 HodoKsn, N. J. Wm. Lueders, 409 Maystr. Chicago, JH. Peter Haß, S. W. Corner Third and ooates str. Philadelphia. Abonnementspreie: Für Preußen incl. Stempel- steuer21>/z Sgr., für die übrigen Deutschen Staaten 16 Sgr. pro Quartal. ZNonata- Abonnement« werden bei allen Deutschen Postanstaltcn aus den L ten u. 3 ten Monat und aus den 3 ten Monat besonders an- genommen, im Kgr. Sachsen u. Hrzth. Sachs.-Altenburg auch auf den I ten Monat & 5 Va Sgr. angenommen. Organder sozialdemokratischenArbetterparteiund der internationalenGewerksgenchenschasten. ... �"""" m" 1 s"""""""""""" Mr. 65. Sonnwg, 7. Juni. 1874. s. 5. 5. S. 5. 5. 5. 5. 5. 5. 5. 5. Politische Uebersicht« — Schlägst du meinen Gründer so schlag ich deinen Gründer. Die Berliner„Kreuzzeitung" cröfsnet eine Reihe von Artikeln über die Putbussischc Nordbahn mit nachstehender Drohung, welche dem Tugcnd-LaSker und dessen gründerischcn Freunden keine sehr angenehme Musik sein wird: „Ter nationalliderale Partcisührer hat unter der Deckung »sittlicher Entrüstung" einen trefflichen Parteicoup ausgeführt und die Menge, welche zujubelte und von dem eigentlichen Stande der Dinge nichts wußte, durfte um alles nicht dahinterkommen. Jetzt M dasselbe Stückchen aufgeführt werden. Um so mehr wird eS •Pflicht der conservativen Presse, fest zuzufassen und einen indiö- treten Riß in jenes Gewebe zu machen, welches die Blößen unseres ua tionallibcralen Beglückungssystems decken soll. Wir machen d aher gleich an dieser Stelle unsere Leser darauf aufmerksam, daß m nächster Zeit ein Flugblatt erscheinen wird, welches dieses ganze Verfahren beleuchten und zugleich einen Blick auf die Gründungen werfen wird, denen Herr Lasker bisher stelS so sorgfältig aus dem Vvege gegangen zu fem scheint. Es dürfte Zeit sein, hieran die «gentliche Bedeutung des Herrn LaSker in größeren Kreisen zum Bewußtsein kommen zu lassen. Es wäre daS ein weiterer Schritt m der Aufklärung des Landes über die Bedeutung unserer libe- ral«\ Parlamentshcrrschaft überhaupt." Prächtig! Herr Lasker, daS politische Haupt der deutschen Bourgeoisie, beweist uns, daß derAdel und daS Beamtenthum von der Grllndersäule ergriffen ist(Wagencr; Puttbus; Biron; �s ExhandelöministerS Jtzenplitz berühmtes Wort, daS ihm seine Stelle gekostet:„Ein Mann, der an der Börse sehr genau bekannt fft, hat mir gesagt, er wisse genau, welche Minister Aktien haben und welche nicht"). Die„Kreuzzeitung", das Organ der deutschen Aristokratie, beweist u»S, daß die Hauptvertreter der Bour- geoisie an der nämlichen Krankheit laboriren und durch und durch corrupt sind. Erklärt ein sozialdemokratischer Agitator, die •Corruption herrsche im heutigen Klassenstaat, so läuft er Gefahr, mit§ 130 in Colliston zu kommen. Und hier haben wir die Vertreter der perrschenden Klassen selbst, welche einander der widerlichsten Corruption anklagen und das schneidende Wort Dumas des Jüngeren wahr machen:„Wohin gehen wir? Zur allgemeinen Prostitution!" Ja die Wirklichkeit ist dem Dichter vorangecilt. Wir gehen Urcht zur allgemeinen Prostitution. Wir sind mitten drin. Und wem die Autoritätlzdcr Herren LaSker und Jtzenplitz und der "�uzzeitung" nicht genügt, der frage den ReptilieufondS, über den wir demnächst etliche hübsche„Enthüllungen" bringen zu «innen hoffen. .-7 Die„beste der Welten.« Unter dieser Rubrik haben wir schon zu wiederholten Malen über daS Elend berichtet, in welchem die Arbeiterklasse schmachtet. Heute tritt vor uns ein Arbeiter, der von der Berliner IV. Criminaldeputation wegen Diebstahls bestraft wurde. Der Hergang ist nach der„Staats «urger-Zeitung" folgender: ,.«Der seit 28 Jahren in der Borsig'schen Maschinenbau-Anstalt eschäftigte Angeklagte hatte während dieses langen Zeitraums ! lelfach mit Unglücksfällen zu kämpfen gehabt, welche demselben in snusübung seiner ArbeitSthätigkeit begegnet waren. Er hatte ver- �iedene Berletzungen an seinem Körper davongetragen und war >>wlteßlich auch noch auf dem linken Auge erblindet. Infolgedessen war seine Arbeitskraft erlahmt und sein Wochenlohn in letzterer st>«t auf Z'/z Thlr. reduzirt. Sich und seine starke Familie davon «u ernähren, reichte dasselbe nicht auS; und der Acrutste mußte {wch einem kleinen Nebenverdienste trachten. Er ließ sich verleiten, S. »,--- � V V V V.1 V V VV.I|» V v.vvp I»»*/ La g' ans den Borräthen der Fabrik zu entwenden ,!r Zur Anfertigung von Löthkolben benutzen wollte. De: ,'-bstahl wurde bemerkt und der Geheime Commerzienrath Borsig • Wt k�fahalb den Antrag auf Bestrafung des in seinen Diensten ' top' UU�'ian' gkwordenen bisherigen treuen Arbeiters.„Ja wohl, '""'tot11* ,'9euen' ks ist so, wie die Anklage behauptet; machen Sie uiir, was Sie wollen!" rief der Bcdauernswerthc seinen ' E l01 entgegen. Dem Gesetze mußte Genüge geschehen; der ' 5 sprach eine Gefävgnißstrafe von drei Tagen auS. Der •' ret«rth eilte bat, die Strafe gleich abmachen zu dürfen.« ab- to«Ein recht trauriges Stückchen sozialen Lebens« nennt die ftUner„Volkszeitung" diese soziale Tragödie. Ja wohl! ein � auiiges Stückchen" des traurigen Ganzen, liebe„Volkszeitung". --- de tX libtr„traurige Stückchen" geht man nicht hinweg, wie j'U1 is sich um etwas ganz Selbstverständliches handelte. Hier ''M Dienste des Kapitals verkrüppelte Arbeiter auS Veizweiflung «tn werdend, dort der durch die Arbeit deS Unglücklichen V, Millionär gewordene Fabrikant, wie er, herzlos genug, den t e'ter noch tiefer ins Elend stürzt.— Wahrlich, schön ist diese '�ste der Welten.« L~~ Die Wahrheit aus nationalliberalem Mund. Wie Gunter das Schicksal es fügt, daß Jemand wider Willen die - sagt über sich selbst und seine Partei, zeigt rcä't deutlich � Reichstagsabgeordnete K.Braun,„unser Braun«, im � unden wie im Schriftstellern gleich bewandert, ob seiner„leichten «reibweise von seines Gleichen gerühmt und gern gelesen, wen %U iKn______ v. f. o.'i..• 1' 24 .jt,-»veu Jahre Neunzehn, mit deucn die„Wcsteruiann sch-n Jw. hefte" ihre Leser füttern, heißt eS im Januarheft 1874 Seite 360, nachdem von der Ermordung Kotzebues durch den Studenten Sand gesagt ist, daß man„dem Kotzebue damit viel zu viel Ehre" er- wiesen habe, wörtlich weiter:„Wenn man alle die Menschen, die, mit einem leidlich formellen Talente und einem Uebermaß von Charakterschwäche und Eitelkeit begabt, hohen Herren Knechtsdienste leisten, und ihre lakaien- hafte Thätigkcit mit übertriebener Wichtigthuerei aus- posaunen, umbringen wollte, so müßte man jährlich Hekatomben abschlachten." Treffender kann die ganze nationalliberale Partei auch vom Gegner kaum charakterisirt und abgethan werden, als cS hier von einem Gliede derselben mit höchsteigenen Worten geschehen ist; das „leidlich formelle Talent" kann man ihr außerdem noch gern erlassen. — Unsere reichssreundlichc Presse liebt eS, Artikel der eng Ii- scheu Presse, welche der Politik deS Fürsten Bismarck günstig sind, zu citiren; natürlich hütet sie sich wohl, dem deutschen Pu- blikum zu verrathen, daß die betreffenden Artikel nur KukukSeier sind, die ein beliebiges Preßreptil in das Nest John BullS eska- motirt hat. Und ebenso sorgfältig vermeidet sie es, Artikel zu erwähnen, die in einer anderen Tonart geschrieben sind. Wie die nicht vom Berliner Preßburcau beeinflußte englische Presse über das iBiSmarck'sche Deutschland urtheilt, erhellt u. A. aus einem Artikel, welchen die„TimeS", daS Hauptorgan der englischen Bourgeoisie, am 27. Mai veröffentlichte. Derselbe beklagt, daß die Völker Europa« in den Zustand deS Mittelalters zurückzufallen im Begriffejstnd, indem sie ihre besten Kräfte und ihre vorzüglichsten An- strengungen auf die Abrichtung von Soldaten zu verwenden scheinen, wodurch der Civilisation, der Industrie, dem Handel und dem Fortschritte der Menschheit die größten Wunden geschlagen werden. „Unter allen Staaten ist jedoch Deutschland der erste, welcher diesen Rückfall in die Barbarei durch die Ungeheuern militärische» Vor- kehrungen und Soldaten° Aushebungen am meisten befördert. Deutschlands Armee ist nicht nur numerisch stärker, als die irgend eines anderen StagteS, mit Ausnahme von Rußland, sondern enthält auch eine größere Proportion der Ges ammtbevölkerung, auS welcher dieselbe gezogen wird, und bildet auf diese Weise, ob absichtlich oder nicht, eine fortwährende Drohung gegen alle seine Nachbarn. Es ist lächerlich, glauben machen zu wollen, daß eine geringere Anzahl nicht zur Vcrtheidigung deS Landes hinreichen würde, und Deutschland weiß ganz gut, daß cS heute keiner Gefahr eines Angriffes ausgesetzt ist. Frankreich denkt heute nicht an eine Erneuerung deS Krieges, und alle Berichte stimmen darin überein, daß desien Stimmung gegenwärtig eine friedlichere ist, als feil vielen Jahren. Mit Angst fragt man, zu welchem Zwecke denn diese großen Rüstungen, diese eilige Ansertizung von neuen Krupp- schen Kanonen und Mausergewchren betrieben werde. Einen Frieden, wie den jetzigen, sah die Welt noch nie zuvor; es ist ein Zustand des gegenseitigen Mißtrauens, der für das gesammte Europa eine ebenso große Last ist, wie ein wirklicher Krieg, der den Fortschritt deS WelttheileS so sehr hindert, daß ein Krieg, welcher einen wahrhaften Frieden herbeizuführen im Staude wäre, noch als daS kleinere Hebel erscheinen würde. Das Aergste an der Sache ist noch, daß dieser Zustand gar keine Aussicht auf ein Ende zeigt, und jedes Jahr nur noch die Uebel vermehrt. Wir sprechen immer von Frieden und Fortschritt, aber der Friede ent- behrt aller Segnungen, und der Fortschritt besteht hauptsächlich darin, mehr Geld und mehr Anstrengungen für die Vorbereitungen gegenseitiger Zerstörung aufzubieten. Ist daS heutige Europa weiser und besser, als das unserer Vorfahren? sind die Völker gegenwärtig weniger zum Kriege geneigt, als ehemals? begehen unsere Staatsmänner nicht das Verbrechen, die ärgsten Leiden- schasten zu ermuthigen, und Haß und Furcht gegenseitig zu er- zeugen und zu befördern, während eigentlich gar keine Veranlassung und kein Grund zu denselben unter den Völkern selbst zu finden ist? Der jetzige Zustand der Dinge ist eine Schmach für die Staatsmänner Europas; sie allein verdienen Tadel, weil sie allein schuld sind; sie nährten und begünstigten die gegenseitigen Ver- dächtigungen, welche auf diese Weise ganz unnöthig zu dem Miß- trauen unter den Völkern geführt haben." So die„Times", die aber, wenn der Reptilienfonds ihr eine Zahl klingender Gründe präsentirt, für die Berliner lut- und Eisenpolitik Aerständniß gewinnen wird. Man hat ihr wohl, gleich jenem„großen" Wiener Blatt, bisher nur ein „kleines Privatver mögen« geboten! Nach der Bourgeoismoral hat ja Alles und Jedermann seinen Preis; nur muß man ihn richtig bemcssen.j — Wie sich die sogenannte gebildete Gesellschaft amüsirt. Das«Leipziger Tageblatt« vom 3. Juni schreibt: „Wie die Reunberichte im„Tageblattc" bereits mittheilten, verunglückte am zweiten Renntage bei der Stccple-Chase das Halbblutpferd Fovtball des Hrn. Lieutenant v. Campe bei der Passage der Mauer durch einen Sturz dadurch, daß eS sich ein Vorder- bein aus der Kugel fiel. Das arme Thier lag lange, bevor ein Fuhrwerk erschien, um eö nach der Scharfrichterei zu bringen. Man suchte daS Pferd auf einem quer darauf gelegten Brette hinauf zu tranSpdrtiren, wobei es jedoch durch eine starke Be- weguug herabstürzte und dabei noch ein Hinterbein brach. So lag das gequälte Thier noch lange Zeit auf dem Rasen, ohne daß Etwas für dasselbe gethan wurde, bis endlich ein Packträger, wie erzählt wird, gegen eine Belohnung von 10 Neugroichen es über-! nahm, daS Pferd zu tödten. Dies bewerkstelligte er mit unge- schickter Hand mittelst eines gewöhnlichen Taschenmessers, womit er ihm den Hals durchschnitt. So starb daS edle Thier einen qual- vollen Tod. ES dürste doch erwünscht sein, daß bei künstigen Rennen an solche UnglückSsällc gedacht werden möchte und Jemand, vielleicht ein Thierarzt, bei der Hand wäre, welcher solch ein rui- nirteS Rennpferd sachverständig ohne Qual von seinem Leiden be- freite. Wir gedenken hierbei eines vor einigen Jahren auf un- sercm Rennplatze vorgekommenen ähnlichen Falles, wo das dem Premierlieutenant v. Einsiedel gehörige Rennpferd Millefleur von einem Pferdeschlächter auf der Unglücksstätte ebenfalls mit Unver- ständuiß getödtet und zum Ueberfluß das Fleisch des abgehetzten und abgeängstigten Thieres auch noch als Nahrungsmittel im Schlächterladen verkauft wurde." Läßt sich etwas Widerlicheres, Roheres denken? Und ein Proleta- rier, ein Arbeiter muß das gequälte abgehetzte Thier für den Schioder- lohn von 10 Ngr. mit dem Taschenmesser todt stechen! War Nie- mand von dieser gebildeten Gesellschaft vorhanden, der den Muth hatte, daS Pferd zu tödten? Gab es Niemand bei diesem Nennen, der einen scharf geschliffenen Säbel führte, mit welchem daS edle Nennpferd deS Herrn„Leutnaut" v. Campe vom Leben zum Tode zu bringen war? Bei andern Gelegenheiten pflegt eS ja an scharf geschliffenen Säbeln nicht zu fehlen! Existirt kein Gesetz, derar- tige Rohheiten zu ahnden? Schämen soll sich ein jeder Arbeiter, der noch bei solchen„Vergnügungen" den gaffenden Zuschauer ab- gibt! Und wer ißt das Fleisch der auf diese Weise zu Tod ge- marterten Pferde? Vielleicht Barone, Leutnants oder reiche Bour- geois? Die werden sich hüten. Dazu sind die Arbeiter da, sie haben ja unverdorbene Magen und können auch das zäheste Pferde- fleisch verdauen. — Bezüglich der„NeichScnquete"(soll heißen der von der Reichsregierung angeordneten Untersuchung— trotz des zur Schau gestellten Dcutschthums können unsere Regiercr nicht deutsch sprechen und schreiben) über Frauen- und Kinderarbeit wird ossiziöS mitgetheilt:„DaS Programm der Reichsenquete über Frauen- und Kinderarbeit, welches einer Anzahl Sachverständiger zur Begutachtung mitgetheilt worden ist, um demnächst von dem BnudeSrathSauSschuß für Handel und Gewerbe definitiv festgestellt zu werden, zerfällt in zwei Haupttheile, von denen der erste die Beschäftigung der Frauen, der zweite diejenige der jugendlichen Arbeiter zum Gegenstände hat. Die statistischen Erhebungen, welche das Programm über die Beschäftigung der Frauen in Aussicht nimmt, sollen sich auf die FabrikationSstättcn mit mindestens- 20 Arbeitern und auf die in einem angegebenen Verzeichniß aus- geführten Industriezweige beschränken, aber für jeden dieser Jndu- striezweige besonders dargestellt werden und zwar, was die Zahl der Arbeiterinnen, deren Arbeitszeit und Arbeitslohn betrifft, in Tabellenform, nach drei mitgetheilten Formularen, im Uebrigen durch Beantwortung einer Reihe formulirter Fragen. Die letzteren beziehen sich auf den Umfang der SonutagS- und Nachtarbeit, die Trennung der Geschlechter und diejenigen Einrichtungen, welche zur Erleichteiung der Arbeck beziehungsweise zur Abwendung schädlicher Einflüsse getroffen sind. Die Erörterung der Mißstände soll sich sowohl auf die GesundheitS- als auf die sozialen und sittlichen Verhältnisse erstrecken nnd in den Rubriken sowohl die für Ar- beiterinnen persönlich, als die für das wirthschaftliche und Fami- lienleben hervorgetretenen Uebelstände berücksichtigen. Unter den Maßregeln zur Abhilfe sind diejenigen, welche auf eine Einschrän- lung der Beschäftigung von Frauen in den Fabriken hinauslaufen, von denjenigen unterschieden, welche von einer solchen Beschränkung unabhängig sind. Die Durchführbarkeit der vorgeschlagenen Maß- regeln, endlich soll erörtert werden einerseits rnit Rücksicht auf die Bedeutung, welche sie für die wirthschastliche Lage der Arbeiterbe- völkerung haben, andererseits mit Rücksicht auf den Einfluß, welchen sie auf den Bestand und die Entwicklung der betheiligten Industrie- zweige ausüben würden.— In dem zweiten Theil deS Programm», welcher sich auf die jugendlichen Arbeiter bezieht, werden keine sla- tistischen Erhebungen über die Zahl, die Arbeitszeit und den Arbeitslohn angeordnet, sondern nur bestimmte Fragen zur Erör- terung gestellt, welche sich auf einzelne Modifikationen der bestehen- den gesetzlichen Bestimmungen, aus eine allgemeine Verschärfung der letzteren und auf ihre Handhabung beziehen. Für den Fall, daß die Bestimmungen über die Dauer der Arbeitszeit nicht überall zur Ausführung kommen, soll die Frage geprüft werden, ob Be- stimmungen zu treffen seien, wonach Kmder unter 14 Jahren ent- weder nur vor oder nur nach der Mittagspause beschäftigt werden dürfen, und die Fabrikanten für jugendliche Arbeiter von 14 bi» 16 Jahren Anfang und Ende der Arbeitszeit und der Pausen in den Fabriken anzuschlagen haben. Bezllglrch der jugendlichen Ar- beiter soll noch erörtert werden, ob zur Durchführung der Be- stimmung über die Arbeitspausen die Arbeitzeber unbedingt dafür ver- antwortlich gemacht werden sollen, daß in deren ArbeitSräumen wäh» rend der Pausen nicht gearbeitet werde. Ueber den Modus der Erhebungen ist zu bemerken, daß sowohl bei der statistischen Ausnahme als auch bei den sonstigen Erhebungen auf die Zu- ziehung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern(foll heißen: Arbei- lern) sowie von solchen Männern, welche durch ihren Beruf mit dem industriellen Leben in Berührung gebracht werden, Bedacht genommen wird.« Wir können zu letzterem Passus nur bemerken, daß urö bis dato kein Arbeiter, überhaupt kein in der wirklichen Arbeiterbewegung Stehender bekannt ist, auf den„Bedacht ge- nommen" wäre. da er von dem Polizeihauptmann v. Zernicki, dem Dmgeimn der politischen Polizei, beschäftigt und besoldet werde. Daß er sich sür einen Beamten der Sittenpolizei ausgegeben, bestritt er. Die drei Zeuginnen behaupteten dies aber mit aller Bestimmt- heit, wie sie auch sonst die Angaben der Anklage bestätigten. Der Polizeihauptmann v. Zernicki, auf dessen Zeugniß sich der Ange- klagte berief, bekundete, daß derselbe allerdings von ihm zu besondern Missionen verwendet worden sei; derar- tige Herren, die er„Privat-Correspondenten" nannte, würden aus einem kleinen Fonds, über ,den ihm die Verfügung zustände, besoldet. Eine Beamtenqualität aber sei dem Angeklagten nicht beizumessen. Der Staatsanwalt hob hervor, Nachforschungen hätten ergeben, daß der Angeklagte viel- fach dieselben Manipulationen, wie in den drei zur Anklage ge- stellten Fällen, und sogar bei durchaus anständigen Damen, u. A. der Braut eines Offiziers, versucht habe; er beantragte sechs Wochen Gesängniß. Der Gerichtshof erachtete aber noch die Be- leidigung, die den drei Mädchen zugefügt war, für strafvcrschärfend und erkannte auf zwei Monate Gesängniß." Daß cS die„anständigen" Damen nicht zur öffentlichen Ber- Handlung kommen ließen, statt sich einer„höchst peinlichen Untersuchung" zu unterwerfen, mag zwar manches Bedenken erregen, ist für unS jedoch von keinem Belang. Wir refumiren aus den an- geführten Thatfachen nur, daß das Polizei- und Spionirfystem in Preußen sich sogar bis mitten in die Familien erstreckt und daß zu diesen Zwecken Individuen höchst zweifelhaften Kalibers verwendet werden, von welchen eines durch ein glückliches Zusammenwirken der Umstände endlich als Schwindler entlarvt ist. Zu Bismarcks Geständniß, daß anständige Leute nicht für ihn schreiben, hätte man längst hinzufügen können, daß anständige Leute auch nicht für ihn spioniren. Die preußischen Steuerzahler mögen sich bei ihren Abzeord- neten noch extra bedanken für die 40,000 Thlr., die sie(die Steuerzahler) jährlich aufbringen müssen, damit ihre Familien aus- gehorcht und ausspionirt werden können.„Wohlstand und Bürger- glück!" — SauhirtS Culturideal. In der Biedermann'schen „Allgemeinen Zeitung" Nr. 129 schreibt ein Preßreptil auS Berlin: „Der in Aussicht genommene internationale Congreß, der Ende Juli in Brüssel stattfinden soll, erinnert an ein Lichtseite unserer Culturentwicklung, an die Bestrebungen nämlich, die Leiden des Kriegs nach Kräften zu mildern." Besagter „internationaler Congreß" ist ein Congreß von Delezirten ver- schiedener europäischer Regierungen, und hat zum Zweck die Rege- lung deS internationalen.Maffemuords, genannt Krieg. Der Maffenmord soll nicht abgeschafft, aber mit Humanität betrieben werden. Den indischen Thugs*) sagt man nach, sie beförderten ihre Opfer ganz schmerzlos vom Leben zum Tode. Warum nicht einige dieser ehrenwerthen„Culturkämpfer" zum internationalen Congreß der Herren Gortschakoff und Consorten einladen? Dem Cvngreß selbst schlagen wir vor, einen Preis auf die Erfindung eines Geschoffes zu setzen, welches die Menschen nicht blos so rasch tödtet, daß sie es gar nicht merken, sondern auch zugleich ver- brennt, so daß die Cadaver nicht mehr die Luft verpesten, also in„humanster" Weise für die Todten wie für die Lebenden ge- sorgt wäre. Der Chemie wird die Lösung der Aufgabe ein Leichtes sein; und„Sauhirts Culturideal" wäre dann„herrlich erfüllt». — Hinter die Coulissen des großen Reichs- und Cultur- kampftheaters vergönnt uns heute das Preßbureau einen Blick zu thun, indem, es in einem vielbenutzten Artikel bestätigt, was wir stets behauptet: daß nämlich Bismarck beim Culturkampf mehr die Rolle eines Figuranten auf sich zu nehmen hat, während die eigentlichen Constructeure und Leiter der Reichsmaschine in dem Kleeblatt Bucher-Stieber-Wagener zugsuchen sind. Der Artikel besagt: „Wenn eö sich bestätigt, daß der Geh. LegationSrath Lothar Bucher berufen fein soll, innerhalb der ReichSverwaltung künf- tighin eine hervorragendere Stellung einzunehmen als bisher, so würde diese Wahl von Neuem für den guten Griff Bismarcks bei Aufsuchen der besten Kräfte Zeugniß ablegen." So groß dieses Verdienst des„guten Griffs» Herrn Acgidi auch erscheinen mag, müssen wir es doch als das Mindeste be- zeichnen, waS man von einem„Staatsmann" verlangen kann. Jeder Ochsenhändler muß seinen„guten Griff" haben, und der Staatsmann, der Dummköpfe in sein Ministerium beruft, steht ganz auf gleicher Linie mit dem Ochsenhändler, der krankes Vieh für gesundes kauft. Aber das Preßburcau, alias Herr Aegidi ist so täppisch, seinem Patron, nachdem es ihm ein so zweifelhaftes Lob ertheilt, auch noch in optima forma das Zeugniß auszustellen, daß er bei den bedeutenden Staatsaktionen nur die Rolle eines sogenannten Strohmannes gespielt hat. Wir müssen Herrn Aegidi die Verantwortlichkeit dafür überlassen, daß er uns mit einer Offenherzigkeit, die einer besseren Sachs würdig wäre, mit- theilt: „Buchers Feder hat dem Reichskanzler Vas Renomm6 eingebracht, daß seit zehn Jahren nirgends so gute Staatsschriften verfaßt worden sind wie in Berlin. WeMes aber wie Bucher verstanden hat, in den kritischen Mo- menten der preußischen und norddeutschen Politik Bismarck'schen Gedanken und Intentionen getreu Ausdruck zu geben, der ist mit dem Reichskanzler nachgerade geistig verwachsen; und handelt es sich also darum, dem Reichskanzler einen Vicckanzler beizu- geben, so ist Bucher die ganz von selbst gegebene geeignetste Persönlichkeit.« Also„BucherS Feder« hat dem Reichskanzler sein Renommc eingebracht! Wir sind mit diesem Geständniß völlig befriedigt. Was bleibt für den„Genialen" noch übrig, nachdem zugestanden, daß die Staatsschriften nicht von ihm versaßt sind? Was bleibt von ihm noch übrig, wenn man ihm seinen Helm und Säbel abnimmt und ihm dw Kürassiersuniform seines— durch„BucherS Feder" erworbenen— Ruhmes auszieht? WaS bleibt übrig, wenn man den Weihrauch hinwegbläst, welchen ihm der Milliarden- durst der deutschen Bourgeoisie und die Dummheit deutscher„Pa- trioten" gespendet? Nicht minder interessant ist daS zweite Geständniß des Preß- bureaus: „Der„Junker Bismarck raufte sich vor Jahren am liebsten mit demokratischen Naturen, die wieder an ihm Gefallen fanden, weil sie Leben und Gesundheit an dem Junker gewahrten; so ent- standen heimliche Freundschaften, die sich allmälig zu ganz intimen Beziehungen erweiterten. Alte politische Widersacher haben für Bismarck eine besondere Anziehung gehabt, und wo er in ihnen staatsmännisches Talent witterte, da hielt er sie lieber fest als solche ') Eine indische Mörderkaste. Leute, die schon lange in der„Tretmühle" gearbeitet hatten. Der Reichskanzler verdankt Bucher unzemein viel, und daß er ihn jetzt noch näher als bisher an sich heranbringen möchte, ist nach den großen Erlebnissen der letzten zehn Jahre begreiflich genug." Uns ist sogar noch mehr begreiflich. Daß der Hofsvzial- demagog Wagener, der Jmpcrialsozialist Schweitzer, die demagogische Jntriguantin Hatzfeldt, der„ehrliche Demo- krat" und Protokollfälscher Stieber und schließlich noch der „demokratische Diplomat" Bucher die„demokratische Natur" besaßen, mit welcher sich Bismarck so gern„raufte", daß jene an ihm„Gefallen fanden" und in„intime Besiehungen" zu ihm traten, das ist wohl für Niemand ein Geheimniß, der sich um die neuere Entwicklung der hohcnzollernschen HauSmacht mit nur einigem Verständniß bekümmert hat. Nun ist Bismarck auch körperlich geschwächt und die bisher unsichtbaren Lenker der Staatsmaschine erfassen den Augenblick. Bucher tritt in den Vordergrund als Vicekanzler. Wenn Bismarck sich bei Lasker bedankt sür die Enthüllung deS Pferdefußes am Mephistopheles Wagener, so mag er jetzt desgleichen beim Preß- turko Aegidi thun, der seinen Patron zum Strohmann und De- magogen stempelt. Wofür wir Herrn Aegidi die Verantwortlichkeit ebenfalls freundlichst überlassen. — Stoßseufzer eines Kleinmeisters. Neben den kcamps- haften Anstrengungen bornirter Kleingewerbetreibenden, der Ar- beiterbewegung durch allerlei gesetzgeberische Beschränkungen den Garaus zu machen, hören sich recht komisch die Klagen derselben Leute an über„die schlechten Zeiten". Da jammert z. B. in der in Lorch erscheinenden„Remszeitunz" ein Kleinmeister über die hohen Ladenpreise, über die Steigerung der Lebensmiltel und Ar- beitslöhne, und nachdem er seufzend an die„guten alten Zeiten" erinnert, fährt er also fort: „Oder ist es Absicht der mehr Bemittelten, die weniger Be- mittelten vollends in den Abgrund des Verderbens zu stürzen durch absichtliches Zögern verhältnißmäßigen Aufschlags? Oder, möchte Einsender fragen, soll denn, wenn eine weitere Erwerbsquelle neben der kärglichen Schusterei noch vorhanden ist, dieselbe bei dem nächtlichen Schein der Lampe auf der Schuhbank auch vollends in Rauch aufgehen? Darum möchte Einsender alle seine werthen Mitmeister auffordern zu einer Einigung hierin und alle etwaige sonstige Borurtheile gegen einander fahren zu lassen, denn letztere führen zu keinem wünschensverthen Resultat. Das ist ein sür allemal gewiß: unser gegenwärtiger Aufschlag ist zu wenig zum Leben und ein bischen zu viel zum Sterben." So der Kleinmeister! Hätte der gute Mann nur die leiseste Ahnung von den Gesetzen der modernen kapitalistischen Produtions- weise, er würde nicht klagen über die verloren gegangenen„guten alten Zeiten" und er würde ebenso wenig den einzelnen Mehrbe- mittelten den Zerfall des Kleingewerbestandes in die Schuhe schieben. Aber so ist es: Kleingewerbetreibende, die in Erinnerung an die verloren gegangenen„guten alten Zeiten" dem„goldenen Kalbe" der Gegenwart nachjagen, dabei aber immer tiefer in den Abgrund des sozialen Elends sinken, Kleingewerbetreibende, die trotz dieser Lehren immer noch nicht begriffen haben, daß ihre Klasse unrettbar dem ökonomischen Tode geweiht ist, sie können ebenso wenig begreifen, daß die Arbeiterbewegung im eminentesten Sinne des Wortes eine Culturbewegunz ist. Und leider muß gesagt werden, daß diese Ignoranten die Mehrzahl deS Kleingewerbestandes bilden. Und darum das Händeringen nach der„guten alten Zeit", darum der Kamps gegen die EmanzipationSbestre- bungen der Enterbten und Besitzlosen. Aus Serbien. Mit Nachfolgendem will ich über einen in letzter Zeit abgewickelten Vorgang im Fürstenthume Serbien kurz berichten. Dazu drängt mich einestheils die Wichtigkeit des Geschehenen und anderntheils die Mangelhaftigkeit einer Correspon- denz in diesem Blatte, welche von einem meiner Freunde herrührt und zur selben Sache gehört, auf die ich nun übergehe. Zu Ende des verflossenen Jahres wurde in Kraguzevac(Ort der Zusammen- kunft der Nationalversammlung) von den dortigen Bürgern eine Buchdruckerei errichtet, und die Mitglieder derselben beschlossen, ein politisches Blatt erscheinen zu lassen. Im November 1873 erschien die erste Nummer des Blattes, benannt„üavnost"(„Die Oeffentlichkeit). Gewitzigt durch Erfahrungen, erging sich die Re- daktion über das Programm in allgemeinen Sätzen; sie sprach von dem Einflüsse der Wissenschaft auf das Volksleben und Volks- wohl, versprach die Pflegung derselben sowie daS Beloben der ehrlichen Thaten und die strenge Verurtheilung der Unehrlichteit, deS Egoismus:c. In der ersten Nummer kündigte das Blatt den Beginn seines WirkenS an und äußerte sich unter Anderem: „Wir wünschten offen dem Leser die Nothwendizkeit, welche daS Erscheinen unseres Blattes gebot und die Richtung unserer zukünftigen Arbeit zu erklären. Allein können und dürfen wir das? Können überhaupt die serbischen Zeitungen än den schweren Ketten, in welche sie gefeffelt sind, offen ihr Programm, ihre Prinzipien und die Richtung ihres Wirkens auseinanderlegen? Und dürfen sie das thun, ohne daß sie nachher Ausweichungen, Windungen und Wandlungen in ihren Prinzipien und WirkungS- richtungen machen müßten, oder lebend„bis auf bessere Zeiten" sich in das Grab legen? Solche schwere Zweifel bemächtigten sich unser beim Erscheinen unseres BlatteS. Wir waren nicht lange im Zweifel. Schon im April dieses JahreS, ja auch vorher wurden nämlich verurtheilt: der verantwortliche Redakteur Mita Stojkovic zu 3 Monaten Gefängnißhaft und 60 Thlr. Geldstrafe, der Hauptarbeiter Svetozar Markovic zu neunmonatlicher Gefäng- nißhaft. Beileibe ist das noch nicht alles— das Journal selbst wurde vom Ministerium zweimal verwarnt und schließlich gänzlich verboten. Bevor ich jedoch zu den Prozeßverhandlungen komme, will ich etwas aus der sonst kurzen Geschichte der sozialistischen Bewegung in Serbien mittheilen. Auf Anregung eines Ingenieurs wurde am Beginn des Jahres 1870 in Belgrad eine Genossen- schaft der Tischler und Schlosser gegründet. ES bedurste keiner langen Auseinandersetzung dazu, die Leute sahen die Zweckmäßig- keil deS Genossenschaftswesens selbst ein und schritten wohlgemuth zur That. Ursprünglich traten 5 Tischler. und 5 Schlosser der Gesellschaft bei, nachher vermehrte sich die Zahl der Mitglieder. Nachdem sich dieser Versuch bewährt hatte, faßten auch Arbeiter anderer Branchen Muth und eö entstanden die Vereine der Schuh- wacher, Schmiede, Schneider, dann ein Confumoerein, der sich eines sehr regen Verkehrs auch außer der Stadt erfteute. Nach den bestehendeu(ZwangS-)Gesctzen daselbst sind die verschiedenen Rechte, als: das VersammlungS- und Vereinsrecht zu politischen Zwecken dem Bürger verkümmert. So durfte man die Arbeiter nicht versammeln, um sie über ihre Lage und Interessen zu be- lehren. ES siel somit die Hoffnung der Arbeiterfreunde, die Ar- beiter durch Lorträge in Versammlungen zu überzeugen, daß ihre Interessen gemeinschaftlich sind und zwischen ihnen Solidarität herrschen muß, wenn sie für ihr eigenes Wohl kämpfen wollen.— Die begonnenen Vorträge wurden sogleich untersagt. Es verlli t nur die Möglichkeit, die angeregte Bewegung in dem arbeiten» z Volke durch ein Blatt im Flusse zu erhalten; daher erschien! t April 1871 daS Programm des sozialistischen Blattes„Eadnij j (Der Arbeiter), welches Blatt am 1. Juni desselben JahreS regelmäßiges Erscheinen(wöchentlich dreimal) begann. Der HaS f arbeiter war hier wie später bei der„Oeffentlichkeit" der Sch� tz steller Svetozar Markovic. Das Blatt pflegte nicht nur dcn b j, noffenschaftssinn, sondern kehrte sich gegen die gesammte serbiß Journalistik und kritistrte deren Richtung und Taktik. Es � j; urtheilte die Geistesrichtung in den„maßgebenden Kreisen", � � auf das Volk verdummend, demoralisirend und einschläfernd wir' q es bekämpfte die hohe Kabinetspolitik und forderte das Volk ei'- auf, zur Wahrung seiner Rechte uud zur Einigung des serbist! r Stammes der Regierung entgegen zu wirken. x, Zu dieser Zeit erlag die Pariser Commune den Versaill«> und„Raäniic" vertheidigte sie gegen alle Angriffe und zeigte? � Leserwclt die Quellen, aus denen die„ehrlichen Blätter« ihr ZW st geschöpft. Mit einem Worte, das Blatt wirkte auf das g!»> � Volksleben in Serbien ein. � Die Regierung schaute anfangs unentschieden der AuSbreiv» j, des Blattes und seinen Tendenzen zu; dann nahm sie sich � d von den Konfiskationen keinen Gebrauch zu machen, so lange k> y Blatt die Minister nicht angreift.— Ja sie dachte, das Vlt � werde bald bei der Bevölkerung sich verhaßt machen,„denn' bringt fortwährend alberne Artikel von der Commune und andns Utopien". Allein der sichtliche Fortschritt des Blattes erregte' der Regierung doch ernste Besorgniß und sie machte sich anS ZL� d Durch„amtliche Berichtigungen" suchte sie die Behauptungen o d BlatteS zu widerlegen, und begünstigte die Handelsleute, wel' ü Klage gegen den Consumverein erhoben hatten, dem sie„nach �? Gesetzen" die Existenzberechtigung streitig machen wollten. � d amtlichen Berichtigungen wurden aber von der Redaktion als Ä drehungen nachgewiesen und die Regierung schritt zu einem Projt a S. Markovic hatte in seinen in Oesterreich gedruckien Schrist& u. s. w. erklärt, daß es ihm gleichgiltig ist, ob Franz Josef oli ei die Obrenovice Serbien rezieren; und weiter, daß unter P 1£ Milos eine größere Ausbeutung und Bedrückung herrscht, alS' v unter der Türkenherrschast gewesen ist. Wegen dieser und and� ai Aeußerungen wurde nun Markovic vor daS Gericht beschied» ü der Prozeß zog sich in die Länge. Inzwischen bedeutete die$ u gierung dem Zensor(trotz der Preßfreiheit!) unerbittlich die Artü 2 deS Blattes zu märzen. Vor seiner Verurtheilung erfuhr Markör! h, daß eine mehrjährige Haft seiner harre und er begab sich deSd- bi mit Pässen versehen nach Oesterreich. Die Regierung nattfrss stand nicht von ver Verfolgung des Blattes ab und verhaff den Redakteur desselben aus Antrag deS Mitropoliten(Kirchs V ob erHaupt in Serbien) wegen der Behauptung, daß ChristuS fr Sozialist gewesen und wegen anderer Artikel. So wurde b'-P Blatt unmöglich gemacht.*1 Nach diesem Akte trat in der gesammten Presse Serbiens/! fr unheimliche Stille ein. Die Regierung hingegen suchte nach E� w munistenverbindungen in der Hochschule, arretirte die Leser r» Z botener Bücher und die vermeintlichen Kolporteure derselben.> d< diese Zeit sielen zwei Ministerwechsel und das neugebach? de Ministerium versprach, freisinnig zu sein.— Die Versprechen? � Minister.— O! man weiß überall, was von diesen zu halten'! A Unter solchen Verhältnissen begann„Die Oeffentlichkeit«(/•' nost") ihre Thätigkeit.„Der Arbeiter" hatte seinerzeit einen un°! ui kcnnbareu Einfluß auf die Berathungen der Nationalversamml») m geüht und„Die Oeffentlichkeit" besaß einen um so größeren,? sie an Ort und Stelle erschien, wo dieselbe tagte. Die„Ocfftjj lichkeit" erschien sogar täglich so lange die Versammlung wäs� ¥ und konnte also leicht und zur rechten Zeit ihre Vorschläge � i£l Meinungen auch in die Versammlung hineintragen. J v Die Abgeordneten, die eS ehedem für eine ungemein ifl",*u Ehre hielten, in demselben Saale mit den Ministern zu sein, � IP ihnen zu sprechen, ja sogar von ihnen die Hand gereicht zu erhals w, und alles für daS allerbeste und vernünftigste hielten, was di» vordiktirten,— diese selben Abgeordneten verlangten nun � Entrüstung die völlige Ministerverantwortlichkeil, freiheitliche � � meinde-Berwaltung und die Preßfreiheit. Zu dieser verändert D Haltung der Abgeordneten hat unzweifelhaft auch die Unzufriedck P heit im Volke daS Ihrige beigetragen, die sich anläßlich des gw_ GeldbetrugeS des gewesenen Kriegsministers zeigte. Die„Oefft� lichkeit", von der Versammlung stark in Anspruch genommen, faßte sich mit lauter praktischen Vorschlägen und bewies dad»� daß der Sozialismus gerade das Rechte und Gerechte einfühl! wolle. Es wurde über die Befreiung des Volkes von der Wu Den ganzen Tag liegen die Leute auf einem aus losen Breü al bestehenden Bette. Täglich ist das Spazieren in einem unsaul'£ M bis zu 25 Schritten in der Länge wie in der Breite großen P, de zweimal und das nicht über 3lt Stunde erlaubt, wobei nicht? ge iA ,'aS J vergessen ist. daß zur selben Zeit sämmtliche Arrestanten, an die 120—160 Mann, ihren Spaziergang machen. Das Schreiben und Lesen ist nicht erlaubt oder doch nur unter Aufsicht. Die Kost und die Behandlung sind wie zu den Zeiten, da man vom Feuer nichts wußte— roh. Kurz, der Mensch ist in diesem Ge- fängnisse herabgewürdigt bis zum Thier, und kann vor seinem Eintritte in dasselbe von den Seinigen den Abschied auf Nimmer- wiedersehn nehmen." Der Redakteur Stojkovic ist wenigstens in gutem Gesundheits- zustande, die Gesundheit des Markovic hingegen ist zerrüttet und zu der Zeit, wo er gewöhnlich die Bäder zur Herstellung seiner Gesundheit aufsucht, ladet ihn die Regierung in das Gefängniß. In seiner Zelle lagern außer ihm noch 6 Leidensgenossen, die alle rauchen. Ob ihm das Schreiben erlaubt sein wird, ist noch un- entschieden. Und stürbe S. Markovic im Gefängnisse, so verlieren wir zwar einen der besten und thätigsten Mitkämpfer, der unermüdlich für die sozialistische Idee wirkte;— allein ohne Opfer geht es nicht und wird eS auch fernerhin nicht gehe». Wir sind uns unseres Looses bewußt und treten muthig für unsere Prinzipien in den Kampf ein, denn Wahrheit und Recht ist mit uns, und diesen werden unsere Feinde nicht lange widerstehen können.— Nur zu, ihr Tyrannen I Bundesgenossen der ökonomischen AuS- beuter, Euere Verfolgungen lehren uns, daß ihr uns fürchtet! — In Sachen de« Zwiespaltes, welcher sich zwischen der Gruppe der deutschen Arbeitervereine der Schweiz(Organ„Felleisen") und dem Schweizer Arbeiterbund(Organ„Tagwacht") abspielt, sind wir mehrfach um unsere Intervention ersucht worden. Formell hätten wir zur Intervention allerdings das Recht, indem die deutschen Arbeitervereine der Schweiz durch ihre Centralverwaltung zu Zürich sich schon vor Jahren der Partei angeschlossen haben, allein in Wirklichkeit steht die Partei sammt ihren Behörden den ausschließlich die Schweizer betreffenden Zwistigkeiten so fern, daß es für sie nicht gcrathen erscheint, sich weiter einzumischen. Soviel sei hier nur bemerkt: Nachdem der deutsche Arbeiterverein Zürich Von dem Winterthurer Congreß aus dem schweiz. Arbeiterbunde ausgeschlossen worden ist, sollten die Streitenden sich mäßigen, über alle Personensragen hinweggehen und lediglich der Agitation unter den Arbei ern und deren Organisation sich zuwenden.— Dies unser Rath und unsere Rechtfertigung bezüglich unseres bis- herigen Verhaltens in dieser Sache. Voraussichtlich wird der Co- burger Congreß uns seine Zustimmung nicht versagen. — Vielen unserer Leser wird bekannt sein, daß unter unfern Parteigenossen in Nordamerika wegen verschiedener Organisations- fragen ein Zwist ausgebrochen ist, welcher seit dem Congreß zu Philadelphia mehrere Sektionen der Internationalen Arbeiterassozia- tion zu New-Bork veranlaßt hat, nachdem sie bedingungsweise suspendirt waren, ganz aus der Internationalen Arbeiterassoziation auszutreten. Es liegen uns in dieser Angelegenheit verschiedene Zuschriften und Erklärunzen vor, welche wir jedoch, indem uns der New-Yorker Conflikt fernliegt, im„Volksstaat" nicht weiter berücksichtigen können. Hoffentlich gelingt es auf dem, nächstes Jahr in England stattfindenden Congresse der Internationalen Arbeiterassoziation, solche Bestimmungen zu treffen, welche weiteren Mißhelligkeiten in Organisationssragen vorbeugen und dem Zwiste unter den sozialdemokratischen Arbeitern Nordamerikas ein Ende machen werden. — Wegen einer am 6. Januar d. I. zu Neureudnitz ge- haltenen Rede ist BloS auf Grund des§ 131 deS Reichsstrafge- setzbuches zu 14 Tagen Gefängniß verurthcilt worden, während Hadlich von der Anklage auf Schmähung von Staatseinrich tungen(angeblich begangen durch das Citat des Moltke'schen AuS- sprucheS von den„Spitzbuben in Waffen") freigesprochen werden mußte. — Wegen Abdrucks des bekannten Artikels„König Johann" aus der„Franks. Ztg.« ist Parteigenosse Gustav Rübner in Dresden, s. Z. verantwortlicher Redacteur der„Chemnitzer freien Presse", zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. I GewerksZenossenschaftliches» Metallarbeitergewcrkschaft. ßheutnitz. Die noch restirenden Orte obiger Gewerkschaft werden hiermit aufgefordert, ungesäumt ihren Verpflichtungen nachzukommen und ihre Beiträge an den Hauptkassirer C. H. Hicke- thier, Chemnitz, Poststr. 34, einzusenden, damit derselbe seinen Abschluß regelrecht dem neuen Vorort übergeben kann; ebenso sind die seinerzeit den Bevollmächtigten zugesendeten Sammelbogen sämmtlich ohne Ausnahme, ob etwas darauf verzeichnet ist oder nicht, an den Hauptkassirer einzusenden. Ferner, um allenfallsigen Errungen vorzubeugen, diene zur Kenntniß, daß die den Bevoll- Wächtigten zugesendeten UnionS-Nummern unentgeltlich an sämmt- liche Mitglieder zu vertheilen sind, und wo dieselben nicht zu- langen sollten, bittet man um weitere Nachricht. Noch ist zu bemerken, daß die Mitgliedschaft zu Reichcnbach i. V. durch Polizeichikane sich veranlaßt sah, vor der Hand sick aufzu- lösen, was, um Ungelegenheiten vorzubeugen, hiermit veröffentlicht wird Für den Vorort: Rich. C. I. Wolf, Poststraß- 34. KotJja. Allen Genossen der Metallarbeitergewerkschaft zur Nackmcht, daß die am hiesigen Orte bestehende Gewerkschaft am l. Juni d. I. vollständig in Kraft getreten ist und sich eines guten Bestandes ersreut. Reiseunterstützung wird beim Cassirer Herrn Adolph Marsckner, Hützelsgasse Nr. 28, ausbezahlt. A. Koch, Bev. Gewerkschaft der Maurer und Zimmerer. Nrannschweig. Aufruf an die Maurer, Zimmerer, Dach- decker, überhaupt an alle Bauhandwerker Deutschlands zur dies- Jährigen Generalversammlung der Gewerkschaft der Maurer und Zimmerer und verwandte Gewerke. Fachgenossen Deutschlands, organistrt Euch und tretet energisch ?ür die Verbesserung Eurer Lage in die Schranken. Dieser Mahn- ruf erschalle von Ohr zu Ohr, denn besonders für uns hat schon längst vaö Sprichwort,„Handwerk hat goldenen Boden", seine Bedeutung verloren, und sind wir bereits eher schlechter als besser gestellt, als der gewöhnliche Handarbeiter, weil Letzterer weniger durch den Winter leidet wie gerade der Bauhandwerkcr und ohne- 'sin auch keine Lehrzeit durchzumachen hat. Darum Collegen Ellerorts, aufgepackt und sckließt Euch den schon organisirten Massen an, damit wir nickt noch tiefer sinken. Es haben sich bereits die Fabrikanten und auch besonders die Meister und Arbeitgeber der Baugew-rke durck ganz Deutschland verbunden, um, wie die Erfahrung ünS lehrt, selbst den berechtigtsten Forderungen der Arbeiter vereinigt entgegen treten zu können. Collegen, dem gegenüber ist es auch unsere heiligste Pflicht, uns zu organisiren; diese Organisation ist geschaffen: Es ist die Gewerkschaft der Maurer und Zimmerer. Dieselbe hat sich schon über viele Städte Deutschlands ausgedehnt trotz der Hindernisse, welche ihr in den Weg traten. Dieselbe bietet ihren Mitgliedern Schutz gegen Be- drückung und ungerechtfertigte Anforderungen; mit derselben ist verbunden eine gut organistrte Krankenkasse, von deren Wohl- thätigkeit schon mancher College sich zu überzeugen die Gelegenheit hatte. Die Gewerkschaft der Maurer und Zimmerer hält nun ihre diesjährige Generalversammlung den 20. 21. und 22. Juni in Coburg ab und fordert nicht nur die Mitgliedschaften unserer Gewerkschaft auf, sich dort durch Delegirte vertreten zu lassen, sondern auch die bis jetzt noch immer isolirt dastehenden Fach- und Ortsvereine sowie überhaupt alle uns noch fernstehenden Col- legen, welche es ehrlich mit der Vereinigung der Arbeiter meinen, werden ersucht, Delegirte nach Coburg zu entsenden, resp. zahlreich zu erscheinen, damit wir dort zusammen unsere Interessen berathen können. Denn vereinigt sind wir Alles, vereinzelt Nichts. Darum nochmals Collegen: an die Arbeit. - Die Mitgliedschaften unserer Gewerkschaft fordern wir nochmals auf, Anträge zur Generalversammlung rechtzeitig an uns gelangen zu lassen. Jede Mitgliedschaft muß durch einen Delegirten ver- treten sein, wo dieses, wie bei den kleinern Mitgliedschaften, nicht möglich ist, da mögen sich dieselben mit den Collegen in den um liegenden Orten verbinden, und gemeinschaftlich einen Delegirten wählen und gemeinsam die Kosten tragen; wo auch dieses nicht geht, da mag man das Mandat an Unterzeichnetem einsenden. Auch können Orte, welche unserer Organisation nicht angehören, das Mandat an Unterzeichnetem einsenden, falls sie sich nicht durch einen Delegirten aus ihrer Mitte vertreten lassen können. Jedes Mandat muß mit der Unterschrift deS Bevollmächtigten, des Kas- sirerS und Schriftführers, sowie mit dem Stempel versehen sein. Jeder Delegirte muß Sonnabend, den 20. Juni, Abends 6 Uhr oder spätestens den Sonntag Mittag in Coburg eintreffen. TageS- ordnung der Generalversammlung: 1) Rechenschaftsbericht der Hauptkranken- sowie der HauptgewerkschaftS-Kasse. 2) Wahl deS Vororts und der Verwaltung. 3) Nothwendigkeit der Agitation. 4) Berathung über Anschluß an die Union. 5) Geschäftsordnung. Die Mitgliedschaft Braunschweiz im Verein mit dem Verwaltungs- rath stellt folgenden Antrag: Jede Mitgliedschaft trägt die Kosten für den Delegirten selbst und nicht mehr die Hauptkasse wie früher. Weitere Anträge ersuchen wir baldigst an Unterzeichneten einzu- senden. Nähere Mittheilungen über das Lokal, in welchem � die Generalversammlung stattfindet u. s. w., macht das Comitä zu Coburg. Um die weiteste Verbreitung dieses Aufrufs wird gebeten. Für die Verwaltung der Gewerkschaft der Maurer und Zimmerer: H. Rieke, Schöppenstedterstraße 60. Correjponoenzeu» Wies«. Daß das hiesige Spießbürgerthum nicht erfreut ist über den Anklang, den die sozialdemokratische Idee hierorts ge- funden, darüber darf man sich nicht wundern, ebensowenig, daß mit allen möglichen Mitteln versucht wird, deren Weiterverbreitunz Einhalt zu thun. Neben dem direkten Einfluß, wie Maßregelung:c., den die Arbeitgeber auf die Arbeiter auszuüben nicht unterlassen — vier tüchtige Parteigenossen sind bereits aus ihrer Arbeit ent- lassen— versucht auch das hiesige Amtsblatt, genannt„Elbeblatt und Anzeiger", mit dem längst abgethancncn Gemeinplatz vom verbummelten Apitatorenthum auf die Arbeiter einzuwirken.— Natürlich kommt das Amtsblatt einen Posttag zu spät; denn so weit sind die hiesigen Arbeiter denn doch schon, daß sie das Bummlerthum ganz wo anders suchen als unter den Leuten, die sich zar Aufgabe gestellt haben, ihre Arbeitsgenossen über ihre Stellung in der heutigen Gesellschaft aufzuklären, und die trotz Gefängniß und Verleumdung unbeirrt in ihrem Wirkungskreise ausharren. Magdeburg, 3. Junt. Gestern war ich in Burg, um für Sonntag den 7. Juni alles zum Gefecht klar zu machen, wollte sagen, um für geuannten Tag eine Volksversammlung zu Stande zu bringen. Der Saal war besorgt, die Anzeige geschrieben, und so lenkte ich meine Schritte nach dem Hause der Stadt, von wo aus eine heilige Polizei das Geschick von so und soviel Seelen lenkt, und wo die Väter der Stadt berathen, vor wessen Nase eine übelriechende Gosse in einen verdeckten Kanal verwandelt werden soll, damit nicht Dünste bei geöffnetem Fenster in das Gemach desjenigen ziehen, der da die saure Arbeit auf sich ge- nommen, vom Ertrage dessen zu leben, was andern Menschen- lindern von rechtswegen gehört. Angekommen in den geheiligten Räumen, nahm mir ein wohlgenährter Mensch meine Anzeige ab, und mir dieselbe nach Durchsicht zurückgebend, verwies mich dieses aktenschreibende Individuum in ein andres Zimmer, dem Insassen desselben zurufend:„Lesen Sie sich das erst einmal genau durch." Richtig! Da saß auf hohem Drehstuhl ein altes hagereS Männchen mit eisgrauem Bart und dem grimmigen Gesichte eines Cerberus, eingehüllt in blauer Uniform mit rothem Kragen und Aufschlägen. Die Achsclschnüre verkündeten mir, daß ich einen hohen Würden- träger der Polizei, nämlich einen Commissarius vor mir hatte. Der Sarras, der an der linken Seite, nicht deS Drehsessels, sondern derjenigen des Commissarius hing, vollendete das Bild. An- dächtig wurde die Anmeldung durch die Brille betrachtet; doch o Schrecken, die Gesichtszüge des Lesenden verfinstern sich und nichts Gutes hinter dieser angekündigten Volksversammlung«witternd, ertönte es hinter dem grauen Schnurrbarte:„Was haben Sie für ein Prinzip?" Nicht begreifend, was daS damit zu thun, fragte ich:„warum?" Nun es gibt so viele politische Parteien, deshalb fragte ich,«Sie können doch jedenfalls sagen, zu welcher Partei Sie gehören?" Noch nie ist es mir eingefallen, meine Farbe zu verläugnen, und da ja auch ein Polizeikommissar nicht im Stande ist, es einem von der Nase abzusehen, erwiderte ich gelassen:„Ich bin Sozialdemokrat."„Herrgott! Herrgott! ach Gott! ach Gott! muß ich noch so was erleben, nein eS ist zum Tollwerden. O, wenn ich nur die Gewalt hätte, nur die Gewalt! Gibt es denn etwas Verrückteres, als solche Ideen?"„Was wollen Sie denn mit der Gewalt! die hat doch—"„Was ich damit will? ich sage Ihnen, hältte ich die Gewalt, ich— ich-- alle die verfluchten Kerle müßten in Zwangsjacken gesteckt und in die Irrenhäuser gebracht werden, die Gesetze sind zu mild, unsre Regierung noch zu liberal, o Gott, hätte ich nur die Gewalt!" so polterte das Männchen in einem fort und drehte sich auf dem Stuhle dabei so heftig herum, daß der Säbel herumflog und ich einige Schritte zurücktreten mußte, um nichts an die Beine zu kriegen. Endlich kam auch ich zu Worte, doch hat das für die Leser des„Volköstaat" weniger Interesse was ich sagte, da ja ein jeder Sozialdemokrat weiß, waS er einem solchen polizeilichen Ergüsse gegenüber zu thun hat, und darum beschäftigen wir uns blos mit dem Commissar, der ohne Zwangsjacke und Irrenhaus doch wieder zu sich kam, das heißt ruhiger wurde. Es gab noch eine heftige Scene, als ich energisch meine Bescheinigung forderte, namentlich als mich der„Gestrenge» fragte, von waS ich lebe. Die Antwort, die ich gab, erregte einen neuen Sturm, und als dieser sich gelegt, wurde mir verkündet, daß ich die Bescheinigung erhalten solle, indem nicht der Gewaltige sie selbst ausstellen könnte. Wartm wollte ich nicht, da ick wieder abreisen mußte, und so wurde ich entlassen mit dem Versprechen, die Bescheinigung zu- gesandt zu erhalten. Doch gab mir Häring, so hieß nämlich der Commissar, noch eine fürchterliche Drohung, resp. eine väterliche Ermahnung mit auf den Weg:„Aber das sage ich Ihnen, er- wägen Sic ihre Worte genau, die sie sprechen werden, nehmen Sie sich vor mir in Acht!" DaS fehlte mir gerade noch, um meine Lachlust zu erwecken und mir den ganzen Auftritt komisch erscheinen zu lassen, und so erwiderte ick lachend:„Seien Sie nur hübsch aufmerksam, mich von Ihnen fangen zu lassen, fällt mir gar nicht ein." Sei eS, daß man meiner Versicherung nicht traute, daß ich abreiste, genug, als ich die Annonce aufgegeben, war der Zug schon fort und ich mußte bleiben. Kaum saß ich in meinem Gast- Hof, um zu frühstücken, da kamen zwei Knaben die mir verkün- deten, daß der Wirth, Vetter ist sein Name, sich anders besonnen, und das Lokal nicht mehr zu haben sei. Auf mein Befragen erklärten die Knaben, der Polizeikommissar sei dagewesen. Nun wußte ich, woher der Wind wehte. Ich hatte dem Wirth und der Polizei gesagt, daß ich abreiste, und wurde doch sofort in einem Gasthof aussindig gemacht resp. aufgestiebert, um die Mähr in Empfang zu nehmen. Wie das wohl kam? Alsbald ging ick wieder zum Wirthe, dieser schützte allerlei vor, er hätte auch noch SchweineauSkegeln:c., an das hätte er alleS nicht gedacht, es' könne nichts daraus werden. Er wollte aber nicht zugeben, daß der Polizeikommissar bei ihm war, doch— Kinder und Narren— Gewiß ist, daß mittlerweile ein anderes Schwein die Versammlung ausgekegelt hat. Kurz und gut, er wollte nichts mehr von einer Versammlung wissen und schlug mir auch für fernere Zeit den Saal ab. Bei anderen Wirthen hatte ich keinen Erfolg; wo ich ihn aber doch gehabt, daS will ich für heute verschweigen, nur das will ich noch bemerken, daß ich mich mit dem sträflichen Ge- danken trug, wenn ich die Volksversammlung zu Stande brachte, als zweiten Punkt auf die Tagesordnung zu setzen:„Die Höflichkeit preußischer Polizeibeamten." Aber aufgeschoben ist nicht aufge- hoben Herr Häring, Sie werden doch noch das Vergnügen haben, mich in den Mauern BurgS sprechen zu hören, und deshalb rufe ich Ihnen zu: Auf Wiedersehen! Philipp Wiemer. Worms, 28. Mai. Am Pfingstmontag wurde hierorts ein stark besuchter Arbeitertag abgehalten, über den die Mainzer „Süddeutsche Volksstimme" wie folgt berichtet: „Vertreten waren auf demselben von Seiten der sozialdemo- kratischen Partei die Mitgliedschaften von Mainz durch Leyendecker, Müller, Daschner, Lemoisne, Hirsch und Busch, Mannheim durch Ehrhardt, Wohn, Müller und Keller, Heidelberg durch Bierwirth, Fehn und Kleesattel, Wiesbaden durch Kaufmann und Kramer, Castel durch Kayser, Pforzheim durch Löwenberg, Darmstadt durch Feuchtmann 1., Altdick und Dönges, Gartenfeld durch Staudt, Sander, Müller und Dörr, Bensheim durch Schmidt, Griesheim durch Stelz, Frankfurt durch Sabor, Weinheim durch Ehrhardt, Kirchheimbolanden durch Berg; außer diesen Delegirten hatten sich noch eine große Anzahl Parteigenossen cingefundeu aus den vor- genannten Orten, welche an den Verhandlungen Theil nahmen. Der Allgemeine deutsche Arbeiterverein hatte ebenfalls seine Dele- girtcn aus folgenden Orten gesandt: Offenbach, Frankfurt, Bocken- heim, Mannheim und Worms. Zur angekündigten Zeit, Vormittags 11 Uhr, wurde der Ar- bcitertag eröffnet und Müller aus Mainz zum 1. Vorsitzenden, Kleesattel aus Heidelberg zum 2. Vorsitzenden, Hirsch, Kramer und Dörr zu Schriftführern gewählt. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhebt sich eine Debatte, durch einen Antrag von Ehrhardt aus Mannheim hervorgerufen: daß nur Mitglieder der sozialdemokratischen Partei an den Ver- Handlungen Theil nehmen sollten, alle andern sollten das Lokal ver- lassen; an der Debatte betheiligen sich unsrerseits Westerburg, Kayser Ellrich, Bierwirth, Leyendecker und Corna und Schulze vom Allg. deutsch. Arbeiterverein, und welche durch die Ausführungen von Kayser und Leyendecker dadurch erledigt wird, daß alle Anwesenden, gleich viel welcher Partei sie angehören, den Verhandlungen beiwohnen, jedoch an der Abstimmung nicht Theil nehmen können. Hierauf wurde zum 1. Punkt der Tagesordnung übergegangen. Die Delegirten von Mainz, Mannheim, Heidelberg, Gartenfeld, Castel, Bensheim, Frankfurt, Griesheim und Weinheim klagten eineStheils über den Lokalmangel, anderntheilS wieder über die geringe Agitation, während die Darmstädter und Wiesbadener nicht über Lokalmangel, wohl aber über den JndifferentiSmuS desto mehr klagten, der die Mitgliedschaften nicht recht auftommen lasse, und dem nur durch von Zeit zu Zeit abzuhaltende größere Ver- sammlungen entgegengearbeitet werden könne. Kaufmann auS Wiesbaden bedauert, daß die dortigen Mitglieder einen eigenen Candidaten bei den letzten ReichStagswahlen aufgestellt, waS ihnen viele Kosten verursachte, woran sie heute noch zu laboriren hätten. Schmidt aus Bensheim hebt hervor, daß die Ultramontanen in Bensheim sich der Mitgliedschaft bemächtigt hätten, und wäre eShohe Zeit, daß für die Bergstraße etwas gethan würde. Nachdem noch Löbenberg über Pforzheim und Umgegend berichtet und Ehrhardt, Dönges, Ellrich, Bierwirth, Sabor, Kayser und Andere Vorschläge machten, gelangte der zweite Punkt der Tagesordnung zur Debatte, und fand derselbe Erledigung durch Annahm- des folgenden „Die in Worms versammelten Delegirten beauftragen die Mainzer Mitgliedschaft, ein Agitationscomitö zu ernennen, welches sich in Verbindung durch Ernennung mit correspon- direnden Mitgliedern anderer Orte zu setzen hat und das Recht besitzt, sich zu jeder Zeit cooptiren zu können." Hierauf gelangte ein Telegramm auS Kaiserslautern, an den Arbeitertag in Worms gerichtet, zur Verlesung: „Kaiserslautern, 26./S. 74, 12 Uhr 26 M. Arbeitertag Worms, alte Sonne. Die Sozialdemokraten Kaiserslauterns ihren Parteigenossen die herzlichsten Grüße. Trotz TessendorffS, Stieberö und StromerS stehen wir um so fester zur Fahne der Freiheit, Gleich- heit und Brüderlichkeit." welches mit einem Hochrufe ausgenommen wurde. Der 3. Punkt der Tagesordnung: jOrganisation der Partei- presse, konnte der vorgerückten Zeit wegen nicht sehr ausführlich behandelt werden und wurde einem jeden Anwesenden eS zur Pflicht gemacht, unermüdlich für die Verbreitung der Parteipresse zu agitiren. Nach einigen persönlichen Bemerkungen zwischen Dönges und Keyser, wegen Nichterscheinen deS Letztern in der von ihm anberaumten Volksversammlung in Darmstadt, wurde die Versammlung Uhr unter Hochrufen geschlossen. Würdigen Abschluß fand der Arbeiterlag durch eine Bolksver- sammlurg. Bei der Bureauwahl gab es anfangs zwar„viel Lärm um Nichts". Es waren nämlich eine Anzahl Mitglieder des„Allgculeineu deutschen Arbeitervereins" ans Frankfurt, Mann- heim uvd Osfevbach anwesend, welche einen der Ihrigen zum ersten Vorsitzenden haben wollten und deshalb sich nicht beruhigen konnten, daß Lcyendecker augenscheinlich die Majorität als erster Vorsitzender für sich hatte. Erst auf die entschiedene Erklärung Leyendecker's, daß er jeden Ruhestörer sofort ans dem Saal weisen werde und daß die Versammlung nichts dagegen einwende, wenn ein Mit- glied des Allgcm. deutsch. Arbeitervereins als zweiter Vorsitzender vorgeschlagen werde, kam es zur Ruhe. Kahser(Castel) ergriff das Wort zum ersten Punkt der Tagesordnung:„Die Thätigkeit der letzten RcichStagSsession." Brieflich war zu dieser Versammlung der Reichstagsabgeordnete C. W. Hehl eingeladen, der Herr Volks- treter" hat aber nicht den Muth gehabt, der Einladung Folge zu leisten, ja er hat nicht einmal Entschuldigungsgrüude angeben können für fein Nichterscheinen. Genosse Kayser führte unter großem Beifall sein Referat zu Ende. Hieraus beschloß die Ver- fammlung, an den in Berlin inhaftirten Reichstagsabgeordneten Most folgendes Telegramm abzusenden:„Herzlichen Gruß dem treuen Kämpfer für die Sache der Arbeiter. Hoch die Sozial- demokratie! Der Arbeitertag in Worms."— Zum zweiten Punkt der Tagesordnung:„Die Bestrebungen der Sozialdemokratie", sprachen Sabor und Daschner. Leider war aber die Zeit bereits so weit vorgeschritten, daß eS den beiden Reserenten nicht möglich war, sich eingehend ihrer Aufgabe zu entledigen. Die Versamm- lung endigte mit begeisterten Hochrufen auf die Sozialdemokratie. Die Mitglieder des Allgemeinen deutschen ZlrbeitervereinS stimmten sodann noch die Arbeiter-Marseillaise an unter kräftiger Bethei- ligung unsrer Parteigenossen. Wiesbaden, 31. Mai. Am 1. Juni hatte hier eine Volks- Versammlung stattgefunden, in der Max Kaiser über:„Die letzte Reichstagssession" referirte. Daschner, der für dieselbe Versamm- lung über„die Bestrebungen der Sozialdemokratie" zu sprechen zugesagt hatte, war leider am Erscheinen behindert, ließ aber sagen, daß er in einer der nächsten Parteiversammlungen das Thema bc- handeln würde. Parteigenosse Kaiser entledigte sich seiner Aufgabe in anderthalbstündiger Rede unter allgemeinem Beifall. Er be- handelte das mit dem 1. Juli in Kraft tretende Reichspreßgesetz, das Militär-, daS projcktirte Contraktbruch- und das sogenannte Bischofs- oder Rausschmeißegesetz, kam dann auf den so sehr ge- rühmten Sparapostel Schulze-Delitzsch zu sprechen und wußte schließlich in gelungener Sathre die vor einer Wählerversammlung gefallene Behauptung des Bürgermeister Lauz, Schulze-Delitzsch habe die soziale Frage gelöst, als den pursten Blödsinn hinzustellen. Der Vortrag Kaisers wurde, wie schon gesagt, äußerst beifällig aufgenommen. Es fragt sich jetzt, ob die Arbeiter von Wiesbaden nun auch handeln werden, ob sie der Aufforderung, sich der so- zialdemokratischen Partei anzuschließen, Folge leisten werden. Arbeiter von Wiesbaden! Tretet der sozialdemokratischen Partei bei, helfet mit kämpfen an dem großen Kampfe zur Befreiung der Arbeiterklasse; kämpfet mit uns für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Wilhelm Kr am er. München, 4. Juni. Durch beständigen Zuzug von Arbeitern sind die Arbeitskräfte hier mehr als überzählig geworden, und da die Meister diese für sie günstige Gelegenheit benutzen, die Löhne herabzudrücken, so ersuchen wir den Zuzug nach hier zu verhindern. Alle arbeiterfreundlichcn Blätter werden ersucht, hiervon Notiz zu nehmen. Zugleich bemerken wir, daß das ArbeitvermittlungS- Bureau für Tischler sich im Moosburger Hof, Sendlingerstraße befindet. Im Auftrag des Fachvereins der Tischler: P. Satzinger, I. Schriftführer. Wien. Unter den ilylographcn Wiens ist wegen Tarisverletzung eine Lohnbewegung im Zuge und sind die Unterhandlungen bis jetzt noch nicht abgeschlossen. Wir ersuchen daher unsere Collegen im In- und Auslände, jeden Zuzug ferne zu halten. Das AktionScomits. XL. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Aufnahme dieser Notiz ersucht. Aus Aöljmen. Auf dem Gebiete der Arbeiterbewegung sind recht heitere Stücklein zu vermelden, die Werth sind, der Vergessen heit entrissen zu werden. Wie allerwärts so ist auch in Böhmen die Arbeiterbewegung unfern derzeitigen Staatshütern ein Dorn im Auge. Nicht einmal die allerunschuldigsten, nur Fachinteresten gewidmeten Bestrebungen der Arbeiter finden vor der wohllöblichen Polizei so viel Gnade, um geduldet zu werden. So wollten am Dienstag, den 26. Mai, die Schneidergchülfcn Prags eine Ver- fammlung abhalten, um über die Gründung einer"Fachschule zu berathen. Die Versammlung wurde der Polizei gemeldet. Da die Zeit der Abhaltung derselben aber auf Nachmittag 5 Uhr fest- gesetzt war, so verbot die Polizei diese Versammlung unter Hin weis aus die Zß 75 und 76 des öfterr. Gewerbegesetzes mit der Motivirung, es sei um diese Stunde Zeit zur Arbeit, nicht aber Zeit zu Versammlungen. Das wäre an und für sich schon nicht so ganz Übel, wenn nicht dazu käme, daß auch die Schneider von der allgemeinen Arbeitslosigkeit betroffen wären und anstatt wöchentlich 6, nur höchstens 3— 4 Tage arbeiten können, aus dem einfachen Grunde, weil es keine Arbeil gibt. Die Prager Schnei- der beriefen nun die beabsichtigte Versammlung an einem andern Tage, Abends 6 Uhr, ein und fetzten pflichtschuldigst die Polizei davon in Kenntniß. Jetzt mußte der Grund, weswegen man die erste Versammlung verbot, wegfallen; aber die Polizei erreicht ihre Zwecke auch ohne gesetzliche Gründe, und so verbot sie diese Ver fammlung der Schneidergehülfen, die lediglich den Zweck haben sollte, die Gründung einer Fachschule zu besprechen, ohne jede auch noch so dürstige Motivirung. Der Held dieser Polizeimanöver gegen die Arbeiter ist Franz Dodera, Polizeirath zu Prag. So wie den Schneidergehülfen ergeht es auch den Arbeitern aller am dern Branchen in Böhmen, besonders aber in Prag. Arbeiter bildungSvereine werden auch nicht geduldet; nicht den leisesten Versuch dürfen sie wagen, sich in irgend einer Beziehung auf einen höheren Standpunkt hinaufzuarbeiten; sobald es die Polizei er- fährt, weiß sie eS auch zu verhindern. Dabei ist noch zu bemerken, daß die unter demselben Gesetz der österreichischen Monarchie stehenden Arbeiter anderer Orte, z. B. Wien, das tbun dürfen, was in Prag verboten und verhindert wird. So bekämpft man den auch in den czechischen Arbeitern auflodernden Bildunas- und Emanzipationstrieb. Bereits ins dritte Jahr hinein erscheint in böhmischer Sprache alle 14 Tage die Arbeiterzeitung„Delnicke Listy", welche die so- zialdemokratischen Prinzipien den böhmischen Arbeitern lehrt und über tausend Abonnenten zählt. Die Polizei thut auch hier ihr Möglichstes, um diesem Blatt daS Leben nach Kräften schwer zu machen. Die„Delnicke Listy" erscheint jährlich nur 24 mal, aber das schon ist der Polizei zu viel, und das Blatt wird von ihr jährlich mindestens 10— 12 mal konfiszirt. Da ist Oesterreich derf Z atungsstewpel existirt, und die Zeitungen in der Regel erst kon- siszirt werden, nachdem die Steuer entrichtet ist, so ist der„Deln. Listy" lediglich an verloren gegangener Z-itungsstempelsteuer seit der Zeit ihres Bestehens ein Verlust von über 2000 Gulden er- wachsen. Trotz dieser nicht gerade ermunternden Thatsachen ver- mehren sich die Arbciterbläiter, wcun auch laugsam, aber um so sicherer. So gehen z. B. die Arbeiter Rcichenbergs schon längst mit dem Projekt um, für Reichenberg und Umgegend ein halb- monatlich erscheinendes Arbeiterblatt zu gründen. Die Arbeiter der»sterreichischen Monarchie können sich nur halbmonatlich er- scheinende Zeitungen gründen, da sie für in kürzeren Fristen her- auszugebende Blätter hohe Cautionen erlegen müssen. In Reichen- berg fand sich aber bis jetzt kein Buchdrucker, der den Druck dieser Arbeiterzeitung übernehmen wollte, trotzdem die Kosten pränume- rando gedeckt werden sollte; ja ein Buchdruckercibesitzer in Gablenz bei Reichenberg stellte so unverschämte— hohe wollte ich sagen— Forderungen, daß darauf kein vernünftiger Mensch eingehen konnte. Die Reichenberger wollen das Blatt nun in Prag drucken lassen und fallen da leider wieder dem Polizeirath Dodera in die Hände, der ausdrücklich verlangt, daß der verantwortliche Rcdacteur dieses Blattes in Prag wohnen soll. Gesetzlicher Vorschrift gemäß muß der Redacteur einer in Oesterreich erscheinenden Zeitung am Ort der Herausgabe wohnen, der Ort der Herausgabe soll aber Reichen- berg sein, in Prag soll die Zeitung nur gedruckt und altdann verpackt per Post oder Bahn nach Reichenbcrg spedirt werden, wo- selbst sich Administration und Redaction der Zeitung befinden. Polizcirath Dodera betrachtet aber den Druckort als pleichbedeu- tend mit dem Ort der Herausgabe. In den zwischen dem ge- nannten Polizeirath und dem Redacteur der Reichenberger Arbeiter- zeitung(„Arbeiterfreund") stattgefundenen Hin- und Widerreden hat der Polizeirath Dodera seinem Mißfallen über das Erscheinen dieses neuen ArbeiterblatteS durch eine massive Grobheit gegen den mit ihm verhandelnden Arbeiter Ausdruck gegeben und daber offen- herzig geäußert:„Ich bin kein Freund dieser internationalen Arbeiterzeitungen!"— DaS jedoch wird die Reichenberger Arbeiter wenig kümmern, sie werden die ihnen entgegenstehenden Hindernisse zu überwinden wissen, die Zeitung wird erscheinen und hoffentlich wird sie ein neuer Nagel zum Sarge der Feinde des Volkes. In Reichenbcrg und Ilmgegend findet man die Lehren der Sozial- demokratie weit verbreitet und fest eingewurzelt.� Nicht lediglich die ärmsten Schichten des Proletariats halten zur Sozialdemokratie, sondern auch Diejenigen, die da noch einen gewissen Besitz hinter sich haben, wie z. B. Häusler und kleine Bauern, stehen treu zum Sozialismus und fördern seine Ausbreitung, ja sie sind theilwerse sogar die Vordersten. Die in der Umgegend Rcichenbergs auf fast jedem Dorfe bestehenden Lesevereine üben in dieser Beziehung einen slbätzenswerthen Einfluß aus und ist es höchst erfreulich zu sehen, wie allgemein das klare Verständniß der sozialistischen Prinzipien zum Ausdruck gelangt. ß annstakt. Die Versammlung, welche am Montag, den 13., bei Herrn Restaurateur Räuchle abgehalten wurde, war trotz des jungen Bestehens der hiesigen sozialdem. Partei sehr zahlreich be- sucht und wird auch durch einen Delegirten bei der Landcsver- fammlung in Gmünd vertreten. Herr Burckhadt reserirte in längerer Rede über die Organi- sation der soz.-dem. Arbeiterpartei. Das Vorurtheil und die Un- wisfenheit des Volkes ist jetzt hier beseitigt und eS kann nun nicht mehr vom Sozialdemokratenfieber die Rede sein. Eine Sache, welcher man nach so vielen Mißerfolgen dennoch treu bleibt, muß tiefere Gründe als der Verstand unseres Herrn Redacteur Beck haben, welcher mit seinem Schreien und Lärmen, Verhöhnen und Verfolgen unserer Sache mehr nützt als schadet. Wir fordern nun alle Arbeiter CanstattS auf, sich unserer Sache anzunehmen, durch gegenseitige Aufmunterung, durch moralisches Beispiel, um der großen Masse den Beweis zu liefern, daß wir unfern Feinden überlegen sind und nicht ein Fieberwahn uns begeistert. WaS auf Wissenschaft gegründet ist, kann unmöglich wieder zu Grunde gehen. (Südd. VolkSztg.) Grimma Sonmag, den 14. Juni, findü im Gasthaus„Zum Weinberg" ein Arbeiterfeß mit Eoncert, Deklamation und Ball statt.— Anfang des Concerts um 4 Uhr, des Balles 7 Uhr, wozu alle Freunde von Nah und Fern einladet Das Comitö. st Mi! Leip ! � Gewerkschaft der Maurer und Zimmerer. »N Sonnabend, den 13. Juni 1874, Abends 8 Uhr: Bes Pos lllll! Fili ti 1. StistnngSftier Bc in den Räumen der„Ton balle", bestehend in Toncert, Festrede(von Dr. Aug. Otto Walster in Dresden) und Ball. Einlaß 7 Uhr. Alle Bauhandwerker, GewerkSgeuossen sowie Freunde und Gönner der Arbeitersache sind hierzu freundlichst eingeladen. Der Bevollm. s3c 40! Co: Oft* hf tit Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Donnerstag, 11. Juni, Abends 8 Uhr im Gosenthale. Ol Tagesordnung: So;.-pol. Wochenbericht Ref. Witt. Bortrag von Nauert über die Unterschiede zwischen den Hirsch-Dunckerschen Gewerk« vereinen und den internationalen Gewerkschaften. Gäste willkommen. Der Borstand. Arbeiterbildungsverein. ■vllllimil Deutsche Sektion der Internationalen Arbeiterassoziation. 81 Blue Post Tavern, Xe-vrmann Street Oijord Street W. C. BersammlungSabende Mittwoch und Samstag. Jeden Dienstag englischer Sprachunterricht. Der Sekretär: mlbj Löo Frankel, 13 Mortirner Street W. 9lCU)'�jOTt®c'tion 1 der Internationalen Arbeiterassoziation (Allgemeiner deutscher Arbeiterverein) zu New-Aork versammelt sich jeden Sonntag Abend 3 Uhr im Ist. Ward Hotel eoruer(Ecke) oj Broorne& Forsyth Str._ Wrtta.fllWf Bereinigte Tischler. JVvW'*j\fl V Jeden Dienstag, Abends 8 Uhr, Versammlung in T ° E: E T k i 5 Teutonea, Assernbly Booms, 158— 160 Avenue. ArbeitSnachweisungSbureau beiJohn Frank 149, Elridge Street,(ml Zur Nachricht! Diejenigen Herren der Holzarbeitergewerkachaft, welche sich an dem Curaus für Buchführung, Correspondenz und Procentrechnung etc. betheiligcn, wollen sich Donnerstag, den 11. Juni a. c., Abends»/«st Uhr, nach Zeidlera Restaurant bemühen.* B. J Hepner's Bibliographische Ceutralagentur (Breslau, Gräbschnerstraße 33) offerirt: Varnhagen, Tagebücher, Bd. 1— 6 statt 18 für 12 Thlr. (Bd. 5 und 6 vollständig vergriffen). Zimmermann, Geschichte de» Bauernkrieg», 2 Bde. 2 Thlr. 21 Gr, Derselbe: Geschichte der Jahre 1840— 80 ii/5 Thlr. Chownitz, Geschichte der ungar. Revolution,. 2 Bde. 1 Thlr. 24 Gr.— Alle größeren und seltenen staatswissenschaftlichen Werke deS In- und Auslandes werden durch mich billigst beschafft. k( n S Briefkasten der Redaktion. Z. in Pf.: In nächster Nummer. An den Namen de» Einsenders erinnern wir un« nicht mehr.— Viele Correspondenzen mußten wegen Raummangels zurückgestellt werden.— L. in Kreuz lingen: In nächster Nummer. D. in Solingen: Es wird Ihnen Laffalle's Bastiat- Schulze und C. Hirsch'»:„Der Staat und das Genossenschaftswesen" übersandt werden.— A. Schw. Königsberg: Der Abdruck Ihres Schreibens an da» Kgl. Polizeipräsidium kann nicht oder doch nur mit Weglassung des zu Weiterungen leicht Anlaß gebenden letzten Absatzes:„Ich kann nur:c." geschehen. der Expedition. I. EndrS Augsburg: Die bezahlten 11 Gr. waren für Annoncen der soz.-dem. A.-P. im Fbr., für März betr. dies. 21 Gr. wie in Nr. 61 d.„BolkSst." aufgeführt.— IS. Lnr Salzburg Ab. 1 Thlr. I. Prtst Vasarhely Ab. 17 Gr. Fl. St Tönis Schr. 8 Gr. Schlz Lindenau Schr. Gr. 5 5. Cigarrenarb.-Ver. Hamburg Ann. 19 Gr. Zpk Breslau Ab. 2. Q. 2st Thlr. Mllr hier Schr. 1 Thlr. Hdlch hier Schr. 1 Thlr. 5 Pf. H. Kr» Berlin Ab. Mai Thlr. 9 15. Grnrt Jüterbog! Ann. 9 Gr. M. Schmdt Flensburg Thlr. 1 22. Hrk Lucken- walde Ann. 6 Gr. Klempners. Hamburg Ann. 7 Gr. Maurergewfch. hier Ann. 12 Gr. Mckl Schneeberg Schr. 6 Gr. Mllr Grimma Schr. 1 Thlr. Weberv. Greiz Ann. 9 Gr. Ph. M Mannheim von je 2st 1 Freiex. E. Wß Mühlhausen Schr. 28 Gr. L. Schrdt Agram Ab. Thlr. 2 8. H. Dmbr Solingen Schr. Thlr. 1 1. W. S. Würzburg Schr. Thlr. 12 1, Ab.„BolkSst." u...N.-S). Arb.-Zeitung" Thlr. 2 Ist. GcnsssenfchastSbuchdruckerei. Antheilscheine bez. Antheilquieiungen erhielten ferner: In Hamburg Th. Klb 2 Thlr._ Fond f. pol. Gemaßregeltc. B. S. hier 3 Gr., W. S. Würzburg Thlr. 14 6. Anzeigen?c. ÄfatnLftUt*«» Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Zpt-UgPUUig Samstag, den 13. Juni, versammeln sich die hiesigen Mitglieder in der Schützenhalle. ein zahlreicher ist. E» ist nothwendig, daß der Besuch Im Auftrag: I. Endres Metallarbeitergewerkschaft. _ Sonntag, den 14. Juni: Großes Gartenfest mit Tanzunterhaltung. Freunde und Gewcrksgcnossen sind freundlichst eingeladen. Entro für Eoncert ä Person 6 Kr. Tanzunterhaltung für Herreu 12, für Damen 6 Kr. Da» Fest-Comitö. rC li 1 11 Sonntag, den 14. Juni, findet von Abends 3 Uhr ab(im alten Kuh berg an der Schnurgasse) unser erste» Stiftungsfest statt; verbunden mit Festrede und Ball nebst gefälliger Mitwirkung de» Kölner Männer-Gesang-Verein» Arion. Entro 7 Gr. 5 Pf. Eine Dame frei. Kassenpreis erhöht. Karten sind von den Mitgliedern und im Bereinslokal zu haben. Alle hiesigen und auswärtigen Steinmetzen sowie Freunde und Partei- genossen sind hierzu freundlichst eingeladen. 2dj Die Kölner Mitgliedschaft de» deutschen Steinmetz-Verein?. i rrs« n. : AN ät-fte )• Ge Pc b au sten iitgli teim . D' tahl »neu «Zeig »d d vnqr 3b Arbeitshosen. | S [uf I Hren steue Aecht Englische Ledcrhosen Stück 1 Thlr. 15 Sgr., „ ,. Leder-Westen a Stück l Thlr., „ Cordhosen ä Stück 1 Thlr. Ist Sgr., „ Starke Stoffhoscn* Stück 2 Thlr. 15 Sgr., „ Drcllhosen ä Stück 1 Thlr., „ Baumwollene feste Arbcitshoscn ä Stück 27>/, Sgr. """m Cmiis Gilttmann fe% °lle S.J «fnti S re H sJ.jN.j Leipzig, Grimma'sche Straste Nr. 24. Ein Schuhmachergcsclle (am liebsten Parteigenosse) wird gesucht bei N. Kröger, Gr. Griechen» markt 93, Köln a,RH. s3b Aufforderung! Wilh. Eggers aus Neustadt in der Rheinpfalz(Bayern) wolle �atei mir sofort seinen jetzigen Aufenthalt anzeigen. Kreutzlingen bei Eonstanz(Schweiz).'ex F Wilhelm Lang, Schneidermeister. M Abonnements auf die New-Dorkcr„Arbeiter-Zeitung" nimmt die Unterzeichnete etti' gegen. Der zweite Jahrgang begann am 7. Febr. 1874; mit 4. Apru H »M chle hich, da» zweite Quartal.— Die„Nrbeiter-Zeitung" erscheint wöchentlich ein' mal. Preis pro Quartal 1 Thlr. 5 Gr. Zahlreichen Austrägen sieht entgegen � Leipzig. Die Expedition des„VolkSstaat. Soeben erschienen und durch un» zu beziehen- Weltes und Altes. Eine Bert heidig un gsfchrift von G. A. Dcmmler zu Schwert�'!)« Leipzig, 19. Mai 1374. Die Expedidivn de»„VolkSstaat". U x° 5 ä �kla Bekanntmachung. Auf Antrag de» Hotelier Loui« Kraft'js Leipzig ist der Literat Adolph Hepner in Breslau wegen mittelst dck im„Bolksstaat" vom 3. Mai 1873 Nr. 36 unter„Eorrefpondenzen" 3' a, G lesenden Briefes dem Eingang« Genannten zugefügter öffentlicher Bs' �uer leidignng nach Z 186 des Reichsstrafgesetzbuchs zu sttnf Thaler Geldstrass sstch und zu Bezahlung der Untersuchungskosten verurlheilt worden, wa« aw«ix 5 Antrag des Privatankläger« hiermit öffentlich bekannt gemacht wird. 9 itti{c Leipzig, am 3. Juni 1874. Königl. GcrichtSamt I, Litzkendorf. 1■(1$, lese Leipzig: Berautw. Redakteur: M. Preißer.(Redaktton u. Sxpe-itt� Zet? erste 44) S&ui'md S rVg»er Kuioßens Hastzbnchtzrwkerst.